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Mittwoch, 16. November 2022

Es gibt keinen privaten König

                    Maria Theresia von Spanien                 
Zwar hatte die spanische Prinzessin Maria Theresia von Spanien, die Tochter on Köing Philip IV. und spätere Frau des französischen Königs Ludwig XIV., beträchtliche Erbrechte. 

Was sie zur hervorragenden Partie machte. Denn sie brachte dem franösischen Königshaus Anrechte auf den spanischen Thron. Was nach dem Ableben des kinderlos gebliebenen Karl II. (ihres bereits schwer wegen der lange schon und v. a. in der spanischen Linie vorherrschenden Verwandtenheiraten der Habsburger geschädigten Neffen, dein die Spanier wegen seines Aussehens und seiner Gebrechen "Der Verhexte" nannten) zum ersten Weltkrieg der Geschichte führen sollte. Der sowohl Frankreich als auch Österreich, die um Spanien (damals ein Weltreich) kämpften, nahezu in den Staatsbankrott führen sollte. 

Aber vielleicht tat man ihr auch Unrecht. Sie war eben schlicht, dabei sehr gutmütig und duldsam, weilauch äußerst fromme. Maria e Therese d' Autriche, wie sie in Frankreich genannt wurde, soll halt verglichen mit dem Standard der Damenwelt des Absolutismus reizlos, langweilig und von wenig Esprit gewesen sein. Und dabei also auch von einer entwaffnenden Offenheit und einfachen Logik gezeichnet. 

Als man sie etwa einmal fragte, ob sie vor ihrer Heirat mit ihrem Cousin (denn das war Ludwig) auch einmal in Spanien verliebt gewesen sei habe sie ohne lang enachzudenken geantwortet: Nein
Aber warum, das sei doch für ein Mädchen durchaus ziemlich? 
Diese Reaktion verwunderte die Königin doch sehr.

Mittwoch, 19. April 2017

Revolution von oben

Das Frankreich zu Beginn der Regentschaft Ludwig XIV. war anders, als mancher meinen könnte, fest in der Hand des Beamtenadels und des Ministers Mazarin. Ämter waren käuflich, war aber einmal jemand installiert, konnte ihn niemand mehr aus dem Amt entfernen. Der junge, körperlich kleine, aber wohlgestalte Ludwig schein dagegen kaum Macht aufbauen zu können. Noch dazu waren die Staatsfinanzen in furchtbarstem Zustand, obwohl vieles zeigt, daß die Wirtschaft Frankreichs in vielen Bereichen sensationelle Erfolge feierte. Dennoch reichten die Steuereinnahmen nicht, und nicht nur das: 


Schloß Vaux-le-Vicomte
Während sich der Minister für die Staatsfinanzen Fouquet das prächtige Schloß Vaux-le-Vicomte bauen, Belle Isle in der Bretagne kaufte und befestigen ließ - immer mehr zum Staat im Staate wurde - schuldete IHM der Staat sogar noch 5 Millionen Livre. Historisch ist sicher, daß der staatliche Oberintendant Fouquet sich unermeßlich an Staatsgütern bereicherte. Aber das tat so gut wie jeder hohe Beamte dieser Zeit. 

Um den jungen König einzuschüchtern, ließ Fouquet schließlich ein unsagbar prächtiges Fest veranstalten, das den Regenten entgültig an seinen Platz verweisen sollte. 

Der Schuß ging nach hinten los. 

Belle Isle - Bretagne
Denn als dieser die Pracht und Macht sah, die sein eigentlich Untergebener entfaltete, die Demütigung erfuhr, die ihm da bereitet werden sollte, den Reichtum sah, gegen den er wie ein armer Schlucker aussah, dürfte in Ludwig XIV., der als notorischer Geizhals verschrien war - nur im Staatsprunk war ihm nichts zu teuer - der Entschluß für etwas gereift sein, mit dem niemand im Adel gerechnet hatte.

Er startete eine "Revolution von oben", bildet eine Art Allianz mit dem einfachen Volk im Kampf gegen die Bonzokratie, die sich da entfaltet hatte. Er griff die Kritik des von Mazarin neu installierten Finanzministers Colbert auf,  der die Unterschlagungen Fouquets ausreichend recherchiert hatte und in der Bekämpfung dieser Selbstbereicherungen ein Rezept vorschlug, die Finanzmisere des Königs zu beheben, zitierte das Prunkfest zu dem er eingeladen war als Beweis für die nur auf dubiose und verbrecherische Weise möglichen Reichtums Fouquets, setzte ihn ab. Fouquet landete im Gefängnis, wo er die letzten seiner 15 Jahre verbrachte.

Geändert hat das alles freilich nicht viel. Als Ludwig XIV. 1661 starb, hinterließ er eine Milliarde Livres Schulden. Die Finanzien Frankreichs waren so zerrüttet, daß sie sich bis Napoleon nicht mehr erholen sollten.






*060417*

Samstag, 9. April 2011

Ein weiterer Dreh im Reigen

Die Aufregung ist nicht wirklich verständlich, denn seit langem war klar, daß Portugal im April 2011 - jetzt - seinen Kollaps haben wird. 35 Milliarden Anleihen waren rückzuzahlen, und das bei fast 10 Prozent Defizit pro Jahr, bei Verweigerung wirklich einschneidender Sparmaßnahmen, bei längst ausgetrockneter Wirtschaft, bei auf gleichfalls 10 Prozent gestiegenen Zinsen für weitere Kredite, um umzuschulden, um weitere Schulden machen zu können. Nun ist es soweit, Portugal wird 80, manche sprechen von 100 Milliarden Euro benötigen, um nicht den Staatskonkurs anmelden zu müssen. Und die EZB wird einspringen, wie es ohnehin beabsichtigt war. Rette man Portugal nicht, fällt nämlich Spanien, wie man sich ausrechnen kann, denn Spaniens Banken würden um Kredite von bis zu 40 Milliarden fallen.

Und ihr Fall würde die nationale Wirtschaft mitreißen, denn Spaniens Bürger sind traditionell hoch verschuldet - in Immobilien, denn der Spanier wohnt nicht in Miete, wie man sagt, der stolze Iberer logiert in einem Eigenheim. Fein, soll er ruhig. Aber fallen die Banken, stellen sie die Kredite fällig, und er verliert sein Eigenheim, die Preise werden ins Bodenlose stürzen, die Kreditwirtschaft und damit die Wirtschaft selbst total zusammenbrechen, etc. etc.

Erst vor wenigen Tagen hat Portugals Premierminister verzweifelt bekanntgegeben, daß er drastische Sparmaßnahmen politisch nicht durchbringe. Die Gewerkschaft droht mit Streiks, und gutmeinende Münder meinen, man könne doch die Portugiesen nicht auf "Wasser und Brot" setzen. Das ist damit gemeint:

... Stopp für Pensionssteigerungen, empfindliche Steuererhöhungen, Lohnkürzungen im öffentlichen Dienst, weniger soziale Leistungen, Mautgebühren auf den Autobahnen, höhere Preise im öffentlichen Transport, Einsparungen im ohnehin lahmenden Bildungs-, Gesundheits- und Justizwesen, Baustopp öffentlicher Infrastruktur. 

Was bei dieser Liste auffällt? Es ist die "to-do-Liste" der Politik seit den 1970er Jahren, und im Grunde schon seit 1945, und im noch tieferen Grunde seit dem 17., 18. Jhd., seit die Nationalökonomie, wie es so schön heißt, als Instrument für die Wunschträume der Politik zu arbeiten begann. Seit man die Volkswirtschaften als Maschinen zu betrachten begann, die bestimmten Ausstoß erzeugen konnten und vor allem sollten, der die Politik mit Macht und Geld belohnte.

Es ist so einfach, es ist tatsächlich so einfach, und kompliziertere "Entwicklungen" dafür verantwortlich zu machen ist Sophisterei. Die Fürsten brauchten Geld, wollten Geld, und entdeckten endgültig, wie die Bevölkerung dafür nutzbar zu machen ist, um ein "Staatsgebilde" zu erzeugen, das den Utopien, die damals wie Kroketten aus dem Frühlingsboden austrieben. Die Geschichte der europäischen Staaten ist seither eine Geschichte der staatlichen Willkür, politischen Ehrgeizes und Wahnes, und der Kompetenzüberschreitung.

Wer alleine die obige Liste hernimmt sieht es auf den erste Blick: Bereiche und Dinge, die in der gesamten Menschheitsgeschichte von den kleinen sozialen Einheiten, allen voran die Familie, das Dorf, die Region geregelt waren, sind nun direkte Staatsangelegenheit. Die Kleinstrukturen sind ruiniert, die sozialen Zusammenhalte zerstört, die Ehen aufgelöst (erst unlängst war sogar eine Studie zu lesen: Ehe existiert im Bewußtsein der Jugend in Europa gar nicht mehr) und die Bevölkerungen in ihre Einzelteile zerlegt, alle mit direktem Konnex zum "Staat", zur Maschine. Da fällt mir Richelieu ein, und seine Politik des Zentralismus, mit der auf den ersten Blick seltsamen Koinzidenz von Absolutismus und Auslöschung der Zwischenstände: der absolute Herrscher steht dem Bürger 1:1 gegenüber. Bürger, die kaum noch das Notwendigste zum Leben hatten.

Sie stöhnten unter der höchsten Steuerlast, die je in Frankreich geherrscht hatte, und die sogar in Hungersnöte ausschlug. Dafür mußte Frankreich erst spät im 30jährigen Krieg seine Söhne direkt aufs Schlachtfeld schicken, weil man zuvor andere - Deutschland, das Reich - um Geld bluten ließ. Preis des Friedens? Richelieu wollte in Wahrheit ein starkes Frankreich in Europa, und das ging nur zentralistisch. Damit ebnete er den Weg zu Frankreichs Glanz und Glorie, in der langen und ruhmreichen Regentschaft Ludwig XIV.

Was das mit Portugal zu tun hat? Weiß das der Teufel ... Ach ja, Österreichs Anteil? 2 oder 3 Milliarden sind wohl an die Algarve zu überweisen. Und kein Mensch mit einem Funken Verstand, sondern nur ahnungslose Politiker gehen davon aus, daß dieser weitere "Kredit zur Rettung der übrigen Kredite" je zurückgezahlt wird. Siehe Griechenland.

***

Sonntag, 13. Juni 2010

Meinung ist Häresie

Ransgard Gröblats schreibt einmal, in seinen "Aufzeichnungen aus dem Satschaschhaus", daß der heutige Mensch unter dem Druck und Anspruch steht, sich in seinen Lebensentscheidungen nach seiner eigenen Meinung zu richten, die er sich zu bilden habe.

Wie sich das mit dem Umstand vertrage, daß von allen Weisheitslehrern und -suchern derselbe Satz ausgesagt werde, daß sie je weiter sie in die Tiefen der Welt eindrangen, umso mehr feststellen mußten, wie wenig sie wußten?

Da sei es sogar noch vernünftiger, zu handeln, wie Jacques Bossuet einmal so dramatisch schreibt: Denn wenn jeder sich nach der ihm erreichbaren Wahrheit richten würde, so wäre das Chaos perfekt, und alles stünde mit allem im Widerspruch. Es könne über einen Gegenstand nicht zehn Millionen Wahrheiten geben, oder tausend, oder hundert, oder zehn, oder zwei, sondern nur eine einzige (umfassende). Hieraus, so der Bischof im Frankreich des Ludwig XIV., gehe der wahre Ursprung des Katholischen oder Häretischen klar hervor.

"Häretisch ist derjenige, der eine Meinung hat: und das ist das, was das Wort selbst bedeutet. Was heißt eine Meinung zu haben? Es heißt, seinen eigenen Gedanken und Gefühlen folgen. Aber der Katholik ist katholisch, das heißt, er ist universal; und ohne Privatmeinung folgt er ohne Zögern der Kirche."



*130610*

Freitag, 13. Februar 2009

R. i. p. - Amerika hat keinen Präsidenten mehr

Was Barack Obama so treibt, nett, nicht wahr? Fliegt mit der Airforce One und sagt nachher, daß es geil war. Bekennt offen Fehler, ernennt die Falschen, macht nix, er korrigiert es notgedrungen, jeder macht mal Fehler! Nicht Du, nicht ich, nicht wir alle auch? Ein Mensch wie Du und ich! Er geht durchs Weiße Haus, und bestaunt den Ort, wo Geschichte gemacht wurde, ehrfurchtsvoll fast. Dann flieht er mal wieder in den nächsten Kindergarten, in die nächste Schule, um mit den Kids zu quatschen, wenn ihn im Oval Office alles mal wieder erschlägt. Nett. Sicher bestellt er, wie Clinton, seine Hamburger nachts. Oder nein: Obama holt sie sich selber! Oder schickt seine Frau, weil er grad mit China telephonieren muß, um den dritten Weltkrieg zu verhindern.

Armes Amerika, armer Westen. Amerika hat keinen Präsidenten mehr.
Es hat endgültig den Technizismus auf den Thron gesetzt. Und was an Menschlichkeit so warm rüberkommt, ist die entfleuchende Verwesungsenergie letzter Kulturreste. Aber die gibt es nur einmal, und dann nie mehr wieder.

Das Wesentliche am Absolutismus war - heute völlig mißverstanden, weil ideologisch mißbraucht - daß für alle, ausnahmslos, und den Regierenden zur nicht unbeträchtlichen Last (Ludwig XIV. wollte nie regieren), der Staat am Kopf nicht nur anfing, sondern das war, was sich an diesen Kopf anschloß, weil erst daraus erwuchs. Das hat den Spruch "L'etat - c'est moi!" geprägt, und das macht ihn verständlich. Der König war Ursprung, Prinzip und Spitze eines Staates, gab allen Identität und Bestimmung.

Erst Niedrigkeiten in Person - wie Rousseau - lösten dann alles in Funktionen auf, weil aus ihrer Person nichts erwuchs.

Aber es ist ja heute alles anders.




*130209*