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Samstag, 13. August 2022

Liebe deine Feinde! (4)

Der Midas-Touch, der alle zu göttlich Auserwählten macht. Geist findet in der Ebene keinen Aufenthalt, er zieht weiter - DAS sei die historische Sendung der Ukraine, der auch die vielen Opfer der Vergangenheit nun zugeschrieben wirden: Als göttlich gesegnetes Märtyrerblut. Ja, mehr noch: Es ist die herausragende Stellung der Ukraine als eigentliches Volk Gottes! Denn von hier aus wird die Welt gerettet, weil nun sogar vor Rußlands Aggression bewahrt. Was natürlich den Bogen zur Gegenwart perfekt schließt.

Es fällt also nicht schwer, die restlichen Pünkte durch inhltliche Linien zu verbinden. Beginnend von den USA aus, die sich ja seit 1865 und erst recht nach 1945 eine ähnliche Sendung der Auswerwähltheit sehen, über die speziellen Aspekte des Judentums "als auserwähltes Volk", aus dessen (Bluts-)Reihen sogar der Messias kommen WIRD (Chassidisches Judentum), ein Volk voller Propheten und Heiliger. Schon Joseph Roth hat da wunderbare Stimmungsbilder von vor einhundert und mehr Jahren geliefert, das ist also alles nicht gerade neu.

Samstag, 28. September 2019

Medjugorje als Mißbrauchsfall

Was ist das Typische an diesem (vom Charakter her so gar nicht vereinzelten) Fall, einer Kombination von Medjugorje und sexuellem Mißbrauch, der in Italien kräftig Wellen schlug? In dem es um Folgendes geht: Ein enger Vertrauter zweier der "Seher von Medjugorje", die angeblich seit 1981 täglich oder zumindest regelmäßig (und an allen Orten) Erscheinungen der "Gottesmutter Maria" (vulgo "Gospa") haben, wurde nun zahlreicher Fälle von schwerem sexuellem Mißbrauch angeklagt. Don Michele Barrone sitzt seither im Gefängnis, und die Indizien sprechen nicht gerade für ihn. Mittlerweile werden ihm sogar Verbindungen zur Mafia vorgeworfen. Denn der Priester hat auch gehörig Geld mit seinem "Service" gemacht. In dem er sich vor allem einen Ruf als Exorzist erworben hat.

Wie eng er mit Vicka und Mirjana aus Medjugorje zusammengearbeitet hat, dokumentieren nicht nur Videoaufnahmen, die zeigen, wie vertraulich die alle miteinander umgegangen sind, sondern auch ein sehr "frommes" Buch, das er zusammen mit Vicka geschrieben hat. Offensichtlich, so eine ironische Stimme, hat die Gottesmutter die Kinder zwar vor Abhörwanzen in ihren Räumen gewarnt, aber nicht vor diesem Wolf im Schafspelz, der bei manchen Erscheinungen (wie der am 2. Oktober 2014, am Video einsehbar) sogar höchst fromm neben Mirjana kniete. Padre Barrone ist der mit der Halbglatze.





Ein einmaliger Ausrutscher? Auch wenn er ziemlich häufig vorgekommen sein mag? Eher nicht. Denn diese Form der Neigung hat direkt mit Medjugorje und der speziellen Form der "Frömmigkeit" zu tun, die dort gepflegt wird. Denn Medjugorje ist von der Charismatischen Erneuerung nicht zu trennen, ja sie hängen geschichtlich eng zusammen, die Erscheinungen gehen auf eine Weise direkt aus der Depersonalisierung hervor, die in der Charismatik System hat. Und im Fall Medjugorje sogar direkt mit "Sensibilisierungsprogrammen" einher ging, wie Nachforschungen ergeben haben. 

Woher kommt aber diese Nähe solcher Subjektivismen zur Sexualität?  Wie kann es sein, daß speziell solche "Geistesbewegungen", von den protestantischen Sekten des 15. und 16. Jahrhunderts angefangen, bis zur heutigen Charismatik und allen Pfingstkirchen, gemeiniglich allesamt unter dem Begriff "Enthusiasmus-" oder "Erweckungsbewegungen" zusammenfaßbar, eine solche Nähe zu sexueller Uferlosigkeit und Mißbrauch aufweisen? Von der schon Gerhard Hauptmann in "Der Narr in Christo Emanuel Quint" ein so gut beobachtetes Romanzeugnis ablegt? 

Es hat zu tun mit der Grundbewegung des Subjektivistischen, die allen diesen Bewegungen zugrunde liegt. Darin zieht sich der Mensch auf ein "inneres Erleben" zurück, dem er höchste Autorität beimißt. Das ihn veranlaßt, selbst Autorität zu wählen, und dabei ein Urteilswerkzeug zur Hand nimmt, bei dem er wie in einer Tautologie von subjektiv generierten Intuitionen ausgehen muß. Er selbst erlebt, fühlt, "weiß intuitiv", was richtig und was falsch ist, ohne sich der Sache, die vor ihm liegt, zu unterwerfen, ja das darf er gar nicht. Denn sonst verliert er die Herrschaft über sein Urteil. 

Diese Loslösung vom Außen, die dadurch stattfindet, löst ihn auch von allem, was als Kultur das Material ist, das einem Menschen zur Persönlichkeit macht. Die knapp als Fähigkeit beschrieben werden kann, äußere Form zu tragen und zu ertragen (in der Begegnung mit anderen Formen), und damit Gestalt zu sein. Was nur innerhalb einer Kultur und deren Formenspiel gemäß möglich ist. 

Der religiöse, aber jede Form von Subjektivismus, führt also in eine Auflösung der Form, was selbst an der Kleidung abzulesen ist. Jedes Formgebot des Moments - nur das aber wäre das Medium einer Begegnung - wird zugunsten eines im Augenblick empfundenen Gefühls abgelegt. Kurz gesagt: Der Subjektivist beginnt, mit seiner Selbstauflösung, die ihn die Spannung von Form nicht mehr ertragen läßt, zugunsten eines Gefühls (von "Liebe", Sympathie etc.) auch von allen Begegnenden eine solche Formenauflösung zu verlangen. Er impliziert dazu eine neue Ethik, eine neue Moral der "Unkompliziertheit" und "Direktheit", bei der jede Form nur hinderlich ist.

Dieses Vorgehen ist vergleichbar mit dem Abräumen aller Gestaltmomente, die - wie in der Kultur, ja das ist das Wesen von Kultur - als tief innerliche, aber noch nie wirklich geformte (also im Rahmen eines Ganzen einer Person als Persönlichkeit auf ein vernünftiges Ziel informierte) Antriebe im Diffusen beläßt. Sie stehen nicht mehr unter der Herrschaft der Vernunft (die bestenfalls durch Moralismus ersetzt wird, wie man beim Puritanismus so gut sieht) und unterliegen damit zufälligen, im Augenblick einlangenden Anregungen. Die sie zum Heraustreten animieren, ohne daß dieses Heraustreten noch durch Formung der Vernunft unterliegt (wie es in der Tugend - und Kultur ist praktisch immer Tugend - ein immanentes, zur Haltung gewordenes Geschehen ist).

Gleichzeitig werden diese aufplatzenden, herausplatzenden Gefühle zum Kriterium des Urteils. Das nunmehr irrt und den offensichtlichen Widerspruch zur bisherigen beziehungsweise überkommenen Moralordnung durch "höheren Auftrag" rationalisiert. Somit ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich der subjektivistischen Frömmigkeit, die immer einen Defekt im Gehorsam zur Grundlage hat (also den Ort nicht achtet, an dem der Mensch steht,) eine sexuelle, ja eine gewaltsame Ausrichtung (beides in einer jeweiligen Mischung) beimischt. 

Da wird dann, wie im Fall Barrone, ein Mädchen, das sich dem Priester, der es von seinen Dämonen durch Exorzismus zu befreien verspricht und durch eine entsprechende Umgebung, die Saga, den Ruf, die Herkunft oder den Konnex (wie in dem Fall: Mit Medjugorje, wo die Gottesmutter selbst zu jeder Mißachtung kirchlicher Autorität angeregt hat) in seiner Autorität überzeugend gestärkt wird, das sich also diesem Priester sehr weitgehend ausliefert. Also auf die eigene Vernunfthoheit verzichtet, denn die eigene Vernunft ist durch die attestierte "Dämonie" zweifelhaft. Und sich dabei in ihrem Persongrund einer fremden Herrschaft erst recht öffnet. In sehr vielen, wenn nicht in allen Fällen (auf die eine oder andere Art) sogar durch den in der Charismatik obligatorischen Schritt der "Lebensübergabe" initiiert, der regelrecht identisch ist mit einer Form der Persönlichkeitsaufgabe, als der Bereitschaft, sie aufzulösen oder auflösen zu lassen.

Der Priester wiederum erlebt sich in einer fast allmächtigen, gottgleichen Position, die - weil er selbst ungeformt ist - sehr rasch und unmittelbar auf seine sexuelle Kraft aufprallt und diese aktiviert. So erfahren beide, Priester wie um Befreiung Bittender, die sexuelle Komponente als die einzige, nun real werdende Form, die wie von selbst aufsteht, weil die geschlechtliche Form (Mann und Frau) auch die Form ist, die selbst bei konkreter Nacktheit noch Form bleibt und deshalb zum Selbstvollzug (aus der Begegnung von Gestalten) anwegt. Kurz: Wo alle Form sich auflöst, bleibt beim Menschen immer noch die Form als geschlechtlicher Körper übrig. Formauflösung* mündet daher immer (sic!) in irgendeiner Form von sexueller Praktik oder Gewalt.

Die noch dazu in einem zweitwirklichen Rahmen (es ist nämlich NICHT die Kirche, der man sich im Gehorsam unterwirft, sondern deren Simulation durch für sich stehenden Gebrauch von deren Mitteln) der "rechten Ordnung" - hier Priester und damit Kirche, dort subjektives Empfinden - auftritt.  

Was wirklich nun geschieht braucht in der Regel viel Zeit, um rekognosziert zu werden. Es braucht Abstand und Konsolidierung der Persönlichkeit, wie sie oft der Alltag, in den man zurückkehrt, wieder zu geben vermag, um vor dem objektiven, also an der Sache ausgerichteten Auge der Vernunft zu sehen, was passiert ist. Das ist einer der Gründe, warum Mißbrauchsopfer oft erst Jahre nach den Vorfällen darüber adäquat sprechen, also denken können. Mit allen Gefahren wie einer falschen Bildhaftigkeit, weil die Erinnerung vielfach nur von Gefühlen gestützt die ihr zupassenden Bilder wieder herstellen muß, und die Nähe zur Phantasie auch eine gefälschte Erinnerung sehr möglich macht. 

Hier schließt sich der Kreis aus den beiden Bereichen, aus Medjugorje als Phänomen der Charismatik und sexuellem Mißbrauch oder zumindest sexueller Entgleisung. Wie sie gerade bei den ersten Proponenten, vor allem den franziskanischen Priestern von Medjugorje, in auffälligem Maß vorgefallen ist. 

Der auch Medjugorje nicht einfach zu einem Betrugsfall macht (und das Urteil der jugoslawischen Bischöfe diesbezüglich war eindeutig und von Anfang an klar: Es ist Betrug!), zum wohl größten Betrugsfall in der Geschichte der Katholischen Kirche, sondern auch zu einem beispiellosen, aber typischen und von der Typologie her keineswegs überraschenden Fall eines gigantischen Mißbrauchs von Millionen von Menschen. Die herkamen und -kommen, um sich mißbrauchen zu lassen. Um zu jenen Gefühlen zu gelangen, die ihnen die "Gewißheit vor ihrem inneren Urteilsforum" vermitteln, daß ihr Leben gottgefällig ist. Und kirchentreu, weil sie deren Praktiken (Beichte, Messe, Gebet, vor allem Rosenkranz) beherzigen. Ohne zu merken, daß sie diese wie magische Mittel einsetzen.




*Übrigens trifft das auch bei Konstellationen zu, in denen totale/totalitäre Gewalt über jemanden ausgeübt wird. Auch das ist oft von einer Weise der Formauflösung begleitet. Wie bestimmte Gefangenen- und Überlegenheitssituationen belegen.






Dienstag, 24. September 2019

Der historische Bogen von Medjugorje als Betrugsfall (1)

Diese Aufzeichnung eines Vortrages von E. Michael Jones ist zwar schon zwanzig Jahre alt, aber sie ist jede Minute wert. Denn kaum wo ist das Phänomen Medjugorje derartig systematisch aufgearbeitet. Nicht nur in seinen nach wie vor aktuellen Linien, sondern in seiner Entstehung und in seinen Zusammenhängen mit Entwicklungen, die ab den mittleren 1960er Jahren ihren definitiven Lauf nahmen. Es lohnt, jeden Satz, den Jones da sehr konzentriert sagt, zu überlegen. Zwar haben wir alle diese Dinge hier längst einmal besprochen und analysiert, aber wir nehmen die Gelegenheit wahr, um noch einmal kompendiumartig den Fall des wohl größten Betrugsfalles in der Kirchengeschichte vor Augen zu führen. 

Denn das ist Medjugorje, und von "geistigen Früchten" zu reden ist nahezu lächerlich. Wir werden darstellen, warum. Zumal es das Thema der Schizoidität betrifft, dem immer noch weit unterschätzten Generalproblem der Gegenwart, gerade in Zeiten der Wortlawinen und des Internet, das aus seinem Wesen heraus schizoide Wege fördert und fast erzwingt, dazu später mehr.

Um zu verstehen, was sich in diesem montenegrinischen Dorf seit dem Jahre 1981 abspielte, muß man weit ausholen. Und Jones ist der Sache mit wissenschaftlicher Akribie nachgegangen, die Fülle seiner Aspekte und Argumente kann hier nur zusammenfassend wiedergegeben werden. Man muß aber zurückgehen bis in die Entwicklung der Charismatischen Erneuerungsbewegungen in den späten 1960er Jahren. Die in direktem Zusammenhang mit der Vorgeschichte zu Humanae Vitae stehen. Schlüsseljahr war 1965. In diesem Jahr verlor die Kirche in den USA definitiv die Kontrolle über sich selbst und katapultierte sich als vormaliger Eckstein aus der gesellschaftlichen Relevanz. 

Und man muß es so sagen: Aus Versagen der konservativen, also der eigentlichen katholischen Kräfte in der Kirche selbst. 1965 begann die heftige Debatte um die Empfängnisverhütung. Nie zuvor war das ein wirkliches Thema gewesen. Aber nun wurde es hochgespielt und erstmals wurde medial konzentriert aufbereitet die Frage virulent, daß es doch auch eine Sexualität gebe, die mit Empfängnis nichts zu tun hätte. Jeder könne doch erleben, wie "bereichernd" es sei, miteinander zu schlafen. Unter dem massiven Einfluß des CIA und privater Stiftungen wie der Rockefellers oder Carnegies wurde die vorrangigste katholische Universität und mit ihr die gesamte Intellektuellenschichte der Kirche von Geldern abhängig, die keineswegs der Entfaltung des katholischen Wirkbereichs dienen sollten, sondern die Veränderung der Inhalte zum Ziel hatte. Gezielt wurde von diesen Stiftungen Einfluß ausgeübt, während im Time Magazin neue geistig-leitende Köpfe aufgebaut wurden. 

Plötzlich traten führende katholische Intellektuelle und Theologen auf, die die immer gültige, immer geltende Lehre der Kirche (weil sie eine fundamentale, anthropologische Wahrheit verkündet) in Frage stellten. Längst gab es Gerüchte, daß der Papst eine Enzyklika vorbereitete, die die Empfängnisverhütung als das feststellte, was sie war - eine "in sich schlechte Tat", weil sie gegen die Natur des Menschen und darin gegen Gottes Gebot verstößt. Um diese Gerüchte einzudämmen erging von Rom eine Order, jede öffentliche Diskussion darüber einzustellen. Freilich hielten sich an diese Order nur die ohnehin orthodoxen, gehorsamen Priester und Theologen. Wer sich nicht daran hielt waren Priester, die im Dissens zur Kirche standen. Ihnen überließ man nun die Bühne und anstatt, daß eine öffentliche Debatte geführt wurde, konnten sie ihre Sichtweisen propagandistisch unterstützt ungehindert unters Volk bringen.

Das sich plötzlich mit einer seltsamen Wahl konfrontiert sah, die man angeblich hatte. Denn diese weitreichende Thematik wurde nun dem Belieben ("dem Gewissen") der Menschen selbst überlassen. Ein Gewissen, das die Notwendigkeit der Rückbindung an seine Bildung durch eine Autorität nicht mehr sehen will, sondern sich einfach der faktischen, subjektiven Augenblickslage ausliefert. Die Folgen dieses Schrittes waren katastrophal. Denn damit wurde die Kirche als Autorität in der Gewissensbildung ausgeschaltet.

Wird fortgesetzt) 


Freitag, 19. Juli 2019

Woran Frauen prinzipiell scheitern

Es gibt einen Defekt bei Frauen, der so grundlegend, so schwerwiegend ist, daß er ihr gesamtes geistliches und sittliches Leben zerstört, zumindest blockiert. Und das ist das Verlangen, den Mann zu kontrollieren. Es verstößt gegen sämtliche Tugenden, der Feminismus zerstört also prinzipiell das Tugendleben. Frauen, die diese Sucht aufgeben, machen als Gegenbeweis derartige Fortschritte in ihrem geistlichen Leben, daß man nur staunen kann. Man kann als Seelsorger feststellen, daß sie augenblicklich glücklicher werden, wenn sie diese Attitüde aufgeben.

Das größte Problem der Männer wiederum ist einerseits Keuschheit, anderseits vor allem aber die Verweichlichung. Beides hängt zusammen, und beides zersetzt das Tugendleben wie das geistliche Leben. Ein anderes Problem ist das der fehlenden Vorbilder zur Männlichkeit, das bei Männern so viel Grundsätzliches verhindert. Hier kann das Studium der Leben von Heiligen bedeutend helfen. Es geht darum zu lernen, sich selbst zu opfern, an ein höheres Ziel hinzugeben. Und sei es in der Schlacht, im Kampf, der das Leben kostet. Wie es auch in Sagen und Legenden zu erkennen ist. 

Fr. Ripperger in einem nächsten erhellenden Vortrag. In dem er zu Anfang vor allem aber auf die desaströse Wirkung von "Erscheinungen" eingeht. Zumindest, solange sie nicht von der Kirche anerkannt sind. Er erklärt, warum es das Tor zur puren Dämonie ist, solchen Privaterscheinungen zu glauben, ohne daß sie die Kirche zu übernatürlichen Ereignissen gemacht hat. Warum deshalb auch Medjugorje pure Dämonie ist.

Interessant sind die Antworten, die Ripperger auf die Frage gibt, warum Rußland bis heute nicht - wie in Fatima von der Gottesmutter gefordert - der Gottesmutter geweiht wurde. Die erste Erklärung ist völlig logisch: Die Russen, die Orthodoxen lehnen überhaupt jede Privaterscheinung ab. Also glauben sie auch nicht an diese Forderung. Die zweite Erklärung ist noch einleuchtender: Keiner der Päpste seither hatte die Gnade, dafür auserwählt zu sein. Weil wir, die Gläubigen, viel zu wenig diesen Schritt in Gebeten und Opfern herbeigefleht haben.






Montag, 1. Oktober 2018

Medjugorje muß fallen!

Dieser Bericht von gloria.tv ist zu bedeutend, um ihn hier nicht zumindest per Link anzuführen. In ihm listet der Theologe Prof. Dr. Manfred Hauke (vielen als Herausgeber von "Theologisches" ein Begriff), als welchen er den ob seines Homosexuellen-Outing entfernten David Berger ersetzte, unter dem - nur als unbedeutendes Indiz - der VdZ die Zeitung nach langen Jahren abbestellte) penibel und umfänglich die Argumente auf, denen gemäß Medjugorje NIEMALS ECHT sein kann. 

Es war vielmehr von Anfang an eine dämonische Angelegenheit, weitere Aspekte (Geldwäsche, Geldmacherei, Mafia, Ustascha-Förderung im Kalten Krieg, also CIA-Angelegenheit, etc. etc.) in vielem von den ersten Erscheinungen als spiritistisches Phänomen identifizierbar. Übernatürlichkeit, so Hauke, kann man den ersten Erfahrungen nach durchaus erkennen. Aber das heißt noch nicht vom Himmel! Auch dämonische Phänomene sind nicht "natürlich".

Schon in den ersten Tagen war dabei alles klar und evident. Die Tonbandaufzeichnungen alleine, zusammengeschaut mit den Berichten, sprechen Bände. Rom - das bis heute nicht entschieden hat! - überlegt aber angeblich, diese ersten acht oder neun Erscheinungen tatsächlich als "echt" anzuerkennen, nicht aber den Rest. Aber bis heute weiß niemand nichts. Dabei wäre es von Anfang an notwendig gewesen, sofort, SOFORT einzugreifen. Und hätte man den Ortsbischof beachtet wäre das auch geschehen. Medjugorje mit seinen mittlerweile 40.000 "Erscheinungen der Gottesmutter/Gospa" ist so voller Widersprüche, Fragwürdigkeiten und Lügen (im Fortgang mit oft haarsträubenden Vorkommnissen sowieso), aber auch mit solchen absurden, lächerlichen Verrücktheiten und Banalitäten, daß eine (negative) Entscheidung aus Rom auch sofort hätte erfolgen müssen. 

Nun aber, nach 38 Jahren, hat sich die Lage sehr verkompliziert. Zumindest scheinbar. Wer aber einen Rest sensus catholicus hatte, wußte schon lange, daß das, was als "Früchte" immer wieder herbeizitiert wird, genauso fragwürdig ist. Denn hier wurde eine simulative "Spiritualität" verbreitet, die sehr rasch (der VdZ war auch zweimal Anfang der 1980er Jahre in Medjugorje, dann aber hat er die Sache durchschaut und sich fortan vehement dagegen ausgesprochen) erkennen ließen, was sich da wirklich abspielt. Und warum die Kirche, die in den Irrsinn der "Charismatischen Erneuerungen" gestolpert ist, sich so schlecht dagegen wehren hatte können. Nicht nach dem Zweiten Vatikanum, nicht nach der "Liturgiereform" und ihren subjektivistischen Implikationen.

Genau das kritisiert Hauke: Daß aber wieder einmal "Praxis" vor "Wahrheit" geschoben wird. Ein lange schon bekanntes Problem Roms, das unter dem derzeitigen Papst seine letzten Stinkblüten entfaltet.

Heiligkeit aber ergibt sich nicht einfach aus "heiligem, frommem Tun". Sie ist eine Seinsfrage, und insofern sehr sehr real. Wird so zur Frage des Seins des Menschen, also seiner Vernunftfähigkeit, seiner Freiheit, nicht primär seines "frommen" Verhaltens.

Auch hier bräuchte die Kirche dringend Reinigung. Ohne daß viele es ahnten und bis heute ahnen, ist Medjugorje deshalb ein Scheidewasser. Wer mit ihm geht, wird mit ihm untergehen. Wenn das nicht jetzt offenbar wird, weil Rom schwach ist wie ein kastriertes Mutterkalb, dann an den Toren der Ewigkeit. Einen Katholiken wird man aber daran erkennen. Denn wenn auch nicht jeder, der Medjugorje ablehnt, auch schon katholisch ist, so ist sicher jeder nicht katholisch, der diesen Wahnsinn, den jeder sensus catholicus weit von sich weist, für "echt" bzw. "wahr" hält.


*280818*

Mittwoch, 17. Mai 2017

Ein Woodstock der Dämonen

Die Frage um Medjugorje war für den VdZ, der Mitte der 1980er Jahre zweimal dort war, nie eine Frage nach der Echtheit oder Nicht-Echtheit der Erscheinungen. Dieses Thema haben andere sehr überzeugend behandelt, und auf Fragwürdigkeiten hingewiesen die nur noch den Kopf schütteln lassen. Die Frage um Medjugorje war in dem Moment entschieden, als der VdZ selbst erkannte, daß die "charismatische Subjektivität" in Konflikt mit der Wahrheit und damit mit der Freiheit und Würde des Menschen steht. 

Ab da begriff er Medjugorje als Phänomen des Subjektivismus, das genau in diese Zeit paßte. Der eine protestantische Wende war, die sich lange schon ereignet hatte und der niemand in der Kirche wehrte, im Gegenteil, die sie sogar noch förderte und als "Erneuerungsbewegungen" nicht nur mißverstand, sondern sich somit ihre eigene Krankheit zum Tode hereinholte, ja in der Liturgie sogar noch maßstäblich machte.

Was als "Früchte von Medjugorje" dargestellt wurde und wird ist deshalb nicht als "Frucht" zu werten, und wenn, dann nicht WEGEN Medjugorje, sondern TROTZ. Dieser Satz gilt ja für die gesamten charismatischen Erneuerungsbewegungen. Vielmehr passiert in Zusammenhang mit diesem montenegrinischen Ort eine In-sich-Verbiegung, die das Glaubensleben auf psychodynamische, psychogenerierte Erlebensebenen drückt. Der VdZ hat vielfach bei "Pilgern" dorthin beobachtet, daß sie diese Anlage entweder bereits hatten, oder dort bekamen. Fortan wurde der Glaube und das Glaubensleben in das eigene Gefühlsleben verlagert, dieses als Kriterium herangezogen. Dem dann die typischen katholischen Formen - Beichte, Meßbesuch, Kommunion, sogar Rosenkranz - aufgeschachtelt wurden. 

So, wie man sich eben ein kleines häusliches Schautheater zurechtbastelt, das dem reinen Äußeren nach auch dem "Katholischen" entspricht. Zumindest weitgehend, denn in entscheidenden Punkten eben nicht. Und der signifikanteste Punkt ist der Gehorsam, denn der Hype um Medjugorje entstand ERST aus einer völligen Ignoranz gegenüber der kirchlichen Hierarchie, aus reinem Ungehorsam. 

Damit wird Glaube und Erlösung zu einer konstruierten Zweitwirklichkeit, die einer strengen Pseudologie folgt, und also alle vermeintlichen Wirklichkeitselemente zusammenträgt. Bis hin zu den Gefühlen, den äußeren Früchten. Entsprechend sind nicht zufällig so viele "Zeugnisse für Früchte" an Medjugorje Berichte von Menschen, die etwas "an sich" erlebt haben. Oft genug sind das sogar simpelste gruppendynamische Ereignisse. Der VdZ erinnert sich an so manche Erzählung, in der jemand von der "Ergreifung von der Gnade" berichtete, und in Wirklichkeit das erlebte, was als "Aufbrechen der Integrität der Persönlichkeit", also als Vorstufe oder schon als Stufe dämonischer Besitzergreifung erfuhr.

Umso täuschender erfolgt diese, als dieser Psychodynamik zu eigen ist, daß sie sich der Dynamiken wahrer Beziehungstopoi bedient, die "für sich gesehen" eben in wahrhaftigen Wesenserfüllungen (die immer Ortserfüllungen sind) vorkommen. Zur Illustration: Man überträgt diese Matrizen der Wesensdynamik in andere Orte und Situationen. (Vielleicht ist das überhaupt das Wesen dessen, was als "Psyche" bezeichnet wird; ob in allem, darüber hat der VdZ noch nicht fertiggedacht.)

So stellt man also "richtige Bewegtheiten" aus sich heraus (im inneren Theater, immer aber auch außen) um sich (und andere) der eigenen "Wahrheitsentsprechung" zu versichern. Man kann etwa alle inneren Erfahrungen der Reue, der Liebe, des Mitleids etc. etc. durch solche (und sei es im Film, oder im Alltag bei anderen festgestellten) Topoi "nachstellen", hervorrufen, und sich damit über die Wahrhaftigkeit und Wirklichkeit der Beichte (fast) vollkommen täuschen. Damit ist der Mensch in der Lage, sich (zweitwirklich) selbst "tiefste" Religiosität vorzumachen, die aber nie mehr ist als völliges Scheintheater.

Die freilich vor dem allerinnersten Forum, diesem kleinstkleinen Funken "Ich" nie bestehen können, das der Einbettung (weil Herkunft) aus der Wahrheit nie entkommen kann. Die von Fanatismus (der immer mit seiner Zwillingsschwester, der tief existentiellen Angst, auftritt) geprägten Psychogramme von aktiven Verteidigern und gar Anhängern dieser angeblichen Marienerscheinungsstätte sprechen damit ihre eigene - entlarvende - Sprache. Die selbst den abstoßend banalen "Botschaften der Gospa" noch "Wahrheit" und "Aktualität" abgewinnen möchte, wofür es schon sehr viel Blindheit braucht.

Und kein angebliches Wunder vermag dies zu verändern. Denn das Auge sieht nur aus dem Geist, nicht aus der physischen Sinneserregung von außen her. Wunder können deshalb nur belegend im Geist eines Menschen wirken, niemals aus ihrer "empirisch-sinnlichen Existenz" heraus. Und als Beleg entfalten sie dann ihre Wirkung. Das gilt für die Sakramente (die ja "Wunder" als ungeschuldeter der Liebe Gottes zuzuschreibender Einbruch der Übernatur sind) im Guten genauso, wie die über solchen Wunderglauben (der über menschliche Schwächen, allen voran den Hochmut, den Narzißmus wirkt, die weil immer auch willensfundiert ein Angebot an Dämonie sind und deshalb der Freiheit und Würde des Menschen zuwiderstehende, diese sogar definitiv nehmende) implementierte dämonische Abhängigkeit und Besetzung.

Das Entscheidende am Glauben, das fehlt eben, daran läßt sich alles bereits entscheiden. Und das ist das Hineinsterben in den Augenblick, aus welchem Sterben dann der Kairos aufsteht, die unbedingte Wirklichkeitsoffenheit, die aus der Seinsveränderung (die die Liturgie, das Sehen macht) auch ganz organisch ins Handeln übergeht. Und das die Wahrheit sucht und liebt, nicht das "Glaubenserlebnis" oder die (psychodynamische) "Verhaltensheiligung". Stattdessen wird - eben: Zweitwirklichkeit, Pseudologie - ein Bild vom "Kreuz" und schon gar von Erlösung vertreten, wie es sich in der subjektivistischen Wende aus der Reformation bereits vorzeichnet.

Medjugorje ist deshalb ein riesiger Ramschladen der Glaubenskonserven, deren Lüge (in Schizoidität) und Dämonie durch ein unerträgliches Massentheater der Täuschung verborgen bleiben soll. Denn, daß Medjugorje ein Festival der Dämonie ist, daran hat der VdZ nicht den geringsten Zweifel. 

Auch hier gilt: Wenn so manche, ja so viele wüßten, wie sehr sie "zu lesen" sind, würden sie sich fortan in tiefen Höhlen verbergen.


*300417*

Freitag, 25. November 2016

Und wer spricht von den schlechten Früchten?

Das Seltsamste am Argument über Medjugorje ist, daß man von "guten Früchten" spricht, und dabei die zahllosen "schlechten Früchte" ignoriert. Zahllose Scheidungen, die sich darauf zurückführen, die zahllosen Lügen, sexueller Mißbrauch (unter anderem von Pilgern durch beteiligte Priester), all der Ungehorsam, all die zahllosen aberwitzigen Vorkommnisse rund um die Erscheinungen selber, alle offensichtlichen Fragwürdigkeiten rund um die "Seher" und deren franziskanische Betreuer, theologische Absurditäten und Unvereinbarkeiten, und letztendlich sogar ein Bürgerkrieg - alles wird von der Öffentlichkeit der Befürworter ignoriert. Sogar offensichtliche Absurditäten, die zum Teil das Video dokumentiert vorstellt.

Gerade an den Befürwortern wird aber ein Teil des grundsätzlichen Problems selbst sichtbar. Bis hin zu einer Heilsgewißheit (ja, gut, über das Fegefeuer ...), die gegen alle Tradition ist. Zwei Bischöfe haben es dezidiert abgelehnt, die jugoslawische Bischofskonferenz hat Medjugorje abgelehnt ... aber, sagt Jones, Franziskus ist nicht "Herr über sein Pontifikat." Und das waren die letzten Päpste allesamt nicht.

Eines der Hauptprobleme ist etwa, daß verheißen wird, daß egal was die Kirche bisher sagte - hier ist die direkte Botschaft von Gott, vergiß alles andere. Die Kirche wird im Grunde unnötig. Eigentlich das sicherste Zeichen ... wäre da nicht dieser ... Papst. Aber die Hauptprobleme haben begonnen, als man mit der polnischen "Solidarnosc" 1980 begann, über die Kirche in großem Umfang Geld (aus US-Quellen) zu waschen und über diese Schiene in den antikommunistischen Kampf einzuschleusen. Die Franziskaner in Medjugorje haben eine eigene Bank gegründet. Um die beträchtlichen sexuellen Aspekte (und Mißbrauch) nicht zu vergessen. Dazu kommen absurde Aussagen der angeblichen Erscheinungen der Gottesmutter, die eindeutig nicht katholisch sind.

Was würde der Leser sagen, wenn die Gottesmutter auf einer der Reisen (in die USA) der "Seherkinder" eine nächste Erscheinung für 20 Uhr am nächsten Tag ansagt, wonach sich herausstellt, daß sich das mit einem Basketballtermin in der derselben Halle überschneidet - woraufhin die Gottesmutter die Erscheinung um eine Stunde vorverlegt ...

Nach den bisherigen, nach den traditionellen Kriterien für Erscheinungen müßte Medjugorje, wie sie unter anderem von Benedikt XIV. definiert worden waren, automatisch längst als "NICHT übernatürlich" eliminiert sein.

Das Problem gründet aber schon in Johannes Paul II. Denn er hat Medjugorje als Teil seiner Anti-Kommunismus-Strategie angesehen. Deshalb, und nur deshalb hat er nie etwas gegen Medjugorje unternommen. Es war instrumentalisierter Teil des Kreuzzugs gegen den Kommunismus, zu dem sich die Kirche vereinnahmen hat lassen, und deshalb in Karol Wojtyla (Johannes Paul II.) ganz persönlich motiviert.

Daß Benedict XVI. zurückgetreten ist, ist auch ein deutliches Signal, daß die Kirche unregierbar geworden ist.







*011016*

Donnerstag, 24. März 2016

Unselige Verknüpfungen

Es ist ein Schlüsselgedanke, den E. Michael Jones vertritt und immer wieder ausbaut. Indem er die These vertritt, daß es eine ganz unglückselige Entwicklung war, die die Kirche nach dem Zweiten Weltkrieg in eine seltsame Allianz mit dem Westen trieb. Sie hat sich dadurch für den Amerikanismus und den Anti-Kommunismus instrumentalisieren lassen. Und wer diese Zeit erlebt hat, weiß, daß da viel Wahres dran ist. Jones wirft dabei vor allem auch Johannes Paul II. vor, daß er - so wie mittlerweile alle Päpste - seinen privaten Hintergrund mit dem Amt nicht auseinanderhielt. 

Auch dieser Papst* hat die Kirche im Kampf gegen den Kommunismus instrumentalisiert, was zu fatalen Fehlentscheidungen führte. Bei denen nicht die Doktrin, kirchliche Notwendigkeiten alleine zählten, sondern diesen wurde zugunsten einer Verwendbarkeit gegen den Kommunismus ausgewichen. Das montenegrinische Medjugorje ist ein Beispiel dafür, in dem der Papst die katholische Kirche am Balkan gegen den Kommunismus instrumentalisierte und eine klare Entscheidung vermied, obwohl die Ortskirche sehr rasch und eindeutig zu Urteilen gekommen war. So hat man dieses mehr als fragwürdige Phänomen als antikommunistische Stoßlanze großgezüchtet und kämpft nun mit der Handhabung eines grotesken Phantoms.

Aber dieser Kerngedanke hat weitreichende weitere Implikationen, denkt man ihn fort. Denn für die Welt (speziell mit nicht-westlichem, nicht-christlichem Hintergrund) entstand nach 1945 eine Identifikationslinie Kirche - Christentum - amerikanischer Protestantismus (mit seinem absurden Sendungsgefühl) - US-Politik - US-Kapitalismus bzw. verwestlichte, konsumistische Lebensformen. Mit einem Wort: Moderne. Das hat große Bedeutung.

Das hat sie zuerst einmal für die Kirche selbst, die seit Jahrzehnten und vor allem seit dem Zweiten Vatikanum sogar selbst schon von "Trennung von Kirche und Staat" spricht, um sich irgendwie aus der Affäre zu ziehen. Aber plötzlich gibt sie die societas perfecta auf, gibt ihren Auftrag auf, die eigentliche vollkommene Civitatis Dei zu sein, die Matrix jeder menschlichen Gesellschaft, was in Wahrheit also gar nicht zu trennen. Das ist nur auf den ersten Blick ein Widerspruch zur obigen Aussage. In Wirklichkeit ergibt sich daraus die Pflicht, zu jedem konkreten politischen System auf Distanz zu gehen, und vor allen nur eines: die Gleichförmigkeit zur Civitas Dei als einzigen Weg zum Gemeinwohl einzuforden.

Wenn man heute von einer Christenverfolgung riesigen Ausmaßes spricht, so mag das manchen schmeicheln. Aber gerade diese Vokabel wird von den USA politisch mißbraucht. Denn es nützt ihren Interessen, und vor allem den Interessen ihrer Kapitalien, weil es wieder die in Wahrheit tief religiös verstandene amerikanische Politik mit dem Christentum selbst gleichsetzt. Ja, damit ist sogar noch der (zutiefst protestantisch-puritanisch-presbyterianische) Amerikanismus gewissermaßen durch "Märtyrertum" repräsentiert und gar als Heilstat abgesichert. Weil natürlich ein von Gott direkt Auserwählter gar nie irren kann. 

Aber ist es wirklich heute so einfach von Christenverfolgung zu sprechen? Ist es tatsächlich so einfach zu erkennen? Werden hier wirklich immer Christen ALS Christen verfolgt? Oder werden nicht Westler verfolgt, die eine fremde technizistische Konsumkultur der Moderne implementieren wollen, und das auch noch mit göttlich unfehlbarem weil religiös interpretiertem Auftrag drapieren?

In Wirklichkeit wehren sich nämlich Länder wie Indien - das derzeit von einer tsunamiartigen Verwestlichungswelle überschwemmt wird - oder weite Teile der muslimischen Welt gegen eine Verwestlichung. Die ja zugleich den Abschied von ihrer traditionellen Lebensweise bedeutet und Strukturen auferlegt, die dem Religionsverständnis sogar der Kirche widerspricht. Und das sehen natürlich vor allem die Verwurzelten - und das sind die religiösen Menschen!

Aus der erwähnten historischen Identifikationslinie aber ergibt sich für sie aber längst eine Gleichstellung von Christentum und Amerikanismus. Der Haß wendet sich also gegen die als Christen identifizierten und selbst so auftretenden Westmenschen.  Heute glaubt doch wirklich schon jeder Westmensch, daß seine Vorstellungen von Demokratie und "Toleranz" mit dem Christentum selbst gleichzusetzen sind. Auch in der Kirche wimmelt es von Narren, die einen oft genug gar völlig verschwommenen Begriff von westlicher Demokratie mit Christlichkeit gleichsetzen.

Es ist also sehr schwer zu unterscheiden, wo es sich wirklich um Martyrium aufgrund des Bekenntnisses zu Jesus Christus handelt, wo also wirkliche Christenverfolgung stattfindet, und wo es zwar auch nominell Christen sind, die man verfolgt, mit denen man aber die aggressiv vordringende westliche Lebensweise (mit den Fahnen Demokratismus - Kapitalismus - Konsumismus) meint. Was noch einmal schwieriger wird, wenn man bedenkt, daß der amerikanische Protestantismus - das Quäkertum, das Presbyterianertum, der Calvinismus, etc. - tatsächlich westlichen Wohlstand gewissermaßen zum religiösen Bekenntnisträger macht. Noch einmal schwieriger, weil das Bekenntnis eines solcherart protestantischen "Christen" in seinem Wert höchst problematisch sein kann. (Kann, und häufig auch ist. Denn der für sie so typische Fideismus ist NICHT einfach GLAUBE.)**

Keineswegs ist es so, daß man ein vollmundig verkündetes "Jesus" einfach so mit einem Bekenntnis zum inkarnierten Gottessohn gleichsetzen kann. Keineswegs ist es so, daß der Haß auf die Christen ein Haß auf Jesus ist. Er ist häufig einfach ein (mehr als verständlicher) Haß auf brutales Proselytentum, das mit zugkräftiger, vor allem für die Jugend verführerischer Münze die gewachsene Kultur ignoriert, überlagert und ausradiert. Und sich dabei auch noch als moralisch überlegen und als göttlicher Auftrag positioniert.

Die Sache ist also höchst kompliziert.




*Jones stellt noch etliche weitere "unangenehme" Fragen, auch zu Josef Ratzinger, dem em. Papst Benedikt XVI. Dem er gleichfalls vorwirft, den deutschen Hintergrund nicht abgelegt, sondern als Privatperson gehandelt zu haben - als Deutscher. Aber ein Papst kann auch kein Deutscher sein. Er ist Papst der Kirche, nicht zwei Personen, mal privat, mal im Amt. Denn es war eindeutig sein deutscher Hintergrund, der da sprach, als er anläßlich des "Falls Bischof Williamson" (ohne an diesem Ort auf diesen Fall sachlich näher eingehen zu wollen) meinte, daß "Holocaustleugner keinen Platz in der Kirche" hätten. Ahso, fragt Jones? Huren, Schwule, Verbrecher, Sünder aller Art haben Platz in der Kirche - aber keine "Holocaustleugner"? Seit wann? Haben wir derzeit nicht unausgesetzt dasselbe laufen, wenn sich Bischöfe und Kleriker in Beteuerungen überschlagen, daß "Rechte" oder "AfD-Wähler" etc. etc. "keinen Platz" in der Kirche hätten, ja daß man mit diesen nicht einmal reden wolle? Wir haben hier bereits darüber geschrieben: 

Was ist da los? Oder gilt Barmherzigkeit doch nur politisch korrekt und selektiv? Welche Instrumentalisierung (um nicht von Verdummung zu sprechen) ist da am Laufen? Ist hinkünftig nur noch der Katholik oder Christ, der Merkel wählt? Der 'political correct' spricht und für unbegrenzte "Flüchtlingsaufnahme" votiert? Abgesehen von der inhaltlichen Fragwürdigkeit: Ist denn nicht jeder, der sündigt, "nicht Christ" - also auch buchstäblich JEDER, auch der Kleriker, ständig auf der Kippe zum Christentum?

**In diesen Tagen erhielt der VdZ eine (vorgeblich gut gemeinte) Nachricht von Katholiken, für verfolgte Christen zu beten. Es seien etwa da und da "christliche Missionsfamilien und -gemeinden" mit dem Leben bedroht. Seine Antwort: Was bitte schön sind "christliche Missionsfamilien und -gemeinden"? Den aufdringlichen Mormonen gegenüber etwa, die auch hier in Ungarn an allen Straßenecken stehen und "Englischkurse" anbieten, begegnete der VdZ auch nicht unbedingt "freundlich" (wenn auch mit gehöriger Portion Humor, denn es sind hübsche Mädels mit erstaunlicher Bereitschaft zum Schäkern darunter; aber sind das wirklich Christen, nur weil sie mit einer Bibel herumwedeln?).



*240316*

Dienstag, 22. März 2016

Tragödie der Ahnungslosigkeit

Medjugorje. Da spricht ein Laie einen Exorzismus über einen "besessenen" Menschen. Die Menge respondiert, gleichermaßen überzeugt, die Macht über den (bzw.: einen) Teufel zu besitzen. Eine Tragödie der Unwissenheit und vor allem Obszönität, ja Widerlichkeit der Zeit, die Form in Funktion ausgelöst hat. Das Tragischeste daran: Die völlige Verharmlosung des Teufels selbst. Macht ist doch nicht das, was einem so erscheinen mag! Macht heißt: Macht der (unsichtbaren) Wirklichkeit gegenüber.







*220316*

Montag, 21. März 2016

Ein immer noch ungeklärter Schwurbelschwutz

Leider sind seine Bücher sauteuer, der Transport nach Europa aus den USA, wo E. Michael Jones lebt und arbeitet, verdoppelt nahezu die US-Preise. Und er schreibt und vor allem publiziert er in Mengen, die einen erstaunen machen. Nahezu jedes Jahr erscheint seit Dekaden ein höchst umfangreiches Werk von tausend Seiten und mehr. Dessen Qualität vor allem in den historischen Aspekten durchaus schwankt, der VdZ ist da in vielem nicht seiner Meinung, und meint, daß Jones ein wenig die Tiefe der historischen Betrachtung fehlt. Eine amerikanische Krankheit. Aber er ist dennoch ein nahezu unerschöpflicher Brunnen an interessanten Aspekten und Betrachtungsweisen.

Im hier angehefteten Video spricht er über den Medjugorje-Wahn, der bei näherer Betrachtung sowieso kaum zu glauben ist und vor "dunklen", verschwurbelt verschwiegenen Details nur so wimmelt. Daß Jones es in seiner eigentlichen Dimension nicht ganz erreicht, dabei aber von einem untrüglichen "katholischen Instinkt" getragen wird, das ist erkennbar, fällt unter "Barmherzigkeit". Auch wenn die reinen Phänomene wirklich erstaunen machen.

Denn da tauchen Ex-Ehemänner von Seherinnen auf, werden Details über Lebensführungen oder keineswegs unkörperliche Verhältnisse bekannt (und doch nicht), politische Pläne oder Lebenspläne, in denen die Karriere als "Seher" eine nicht unbeträchtliche Rolle spielen, Gerüchte über sexuellen Mißbrauch durch "betreuende Priester" machen die Runde, und Ungehorsam gehört ohnehin zum Grundmerkmal der gesamten (!) Bewegung, in der sich die Gottesmutter (angeblich!) auf die Seite der Gehorsamsverweigerer (und Ignoranten der kirchlichen Hierarchie!) geschlagen hat. Etc. etc. Es wackeln einem da nur noch die Ohren.

Da amüsiert es nur noch, wenn man hört, daß die Allerheiligste Jungfrau angeblich mit der Einstellung der Erscheinungen gedroht habe, wenn die Leute nicht aufhörten, ihr auf den Schleier zu treten. Und angesichts der allerhöchsten Heiligkeit der Himmel, die dem Menschen möglich ist, fällt dem Buben unter den Sehern nichts anderes ein als zu fragen, ob Dynamo Zagreb die Fußballmeisterschaft gewinnt. Wörtlich. Nur winzigste Details aus so vielen. Wo man immer und gerne über "positive Früchte" spricht - aber so merkwürdig nie über fragwürdige Effekte. Wußte der Leser, daß die Anzahl der Scheidungen aufgrund der "Bekehrung in Medjugorje" beträchtlich ist?

Aber was zählt das alles angesichts einer Gesamtentwicklung, in der heute sowieso alle ihren persönlichen Draht zu Gott haben, und eine Diskussion über Wahrheit gar nicht mehr möglich und nötig ist, weil alle ihre Direktiven direkt von Gott erhalten haben und deshalb kein Grund vorliegt, zu disputieren - und vor allem: der Vernunft, der Logik als Struktur der Welt als Gefüge von Beziehungen ihre Rolle zu geben?

Übrigens - nur ein scheinbar kleines Detail: Die ins Video eingeflochtene Aufnahme, wo eine der Seherinnen (Vizka) in einer Erscheinung auf eine bewußt stören sollende "Schreck-"Hand ... reagiert (ca. bei Min. 22). Das kann es gar nicht geben, und es widerspricht jeder bisher bekannten Erscheinungsganzheit.

Der Vatikan hat nun für 2015 ein längst fällig gewesenes - die Evidenzen sind nämlich absolut klar! Und es gab und gibt eine örtliche kirchliche Hierarchie, die in diesem Fall regelrecht ignoriert wurde, denn der Ortsbischof Peric hat sehr bald und klar gesprochen: Es gibt keinen Hinweis auf übernatürliche Herkunft der Phänomene! Aber davon ist derzeit offenbar keine Rede mehr. Schon die letzte Familiensynode überfordert offenbar die Dikasterien mit einer offiziellen Stellungnahme. Die Privatisierung des Papstamtes, die ontische, praktisch damit real nicht handhabbare Zweispaltung in Amt und Person, wo also "menschliche Hintergründe" der Person des Papstes das Amt korrumpieren und überdecken, hat das ganz offenbar schon höchst schwierig, ja eigentlich unmöglich gemacht.

Das zeigt sich auch ganz klar in einer beobachtbaren völligen Verblödung der an diese weltliche Person des Papstes angebundenen Klerus. Der nicht mehr unterscheiden kann zwischen Amt und Person. Und das ist eine der direkten Folgen der Rezeption des Zweiten Vatikanums, ohne jede Frage. Die praktische Entwicklung der Liturgie zeigt es augenfällig. Da sind nur noch Heilige am Werk, die Liturgiereform im Sog des Zweiten Vatikanums (vom Vatikanum selber gar nicht gedeckt) hat die faktische Person (vom Lektor bis zum Ministranten und zum Priester) sanktifiziert. Der Logos hat abgedankt, die Maske ist gefallen. Nun haben wir es nur noch mit menschlichen Charakterzufälligkeiten zu tun, die nun auch noch durch völlig undifferenzierte "Barmherzigkeit" quasi verheiligt werden. Franziskus hat es ja verkündet: Auch dem soll vergeben werden, der seine Sünden weder kennt noch bekennt. Eine klare Häresie, übrigens.

Hier wird zudem eine der interessantesten Thesen des Amerikaners E. Michael Jones berührt - die Einbindung der Kirche in den Kalten Krieg, als Speerspitze des Anti-Kommunismus, mit der Folge der Identifizierung des Katholizismus mit dem Amerikanismus. Jones schreibt viel über diese völlig unselige Verquickung, die den Verlauf der Entwicklung in den letzten fünfzig Jahren dramatisch und katastrophal beeinflußt hat. Das "Gottesreich" wurde damit aufgegeben, und auf die überaus problematische Ideologie des westlichen Kapitalismus - des Amerikanismus, als jüdisch inspirierte Analogie des Sendungsbewußtseins eines gottgesandten, gottgewollten Volkes und des Staates als dessen Verkörperung - übertragen.

Noch heute wird etwa Johannes Paul II. als "Anstoßer des Umbruchs des Kommunismus" bezeichnet. Aber - war das je die Aufgabe der Kirche? War das nicht das "private Steckenpferd" eine Polen namens Wojtyla? Ist es in diesem Zusammenhang die Aufgabe der Kirche, "Holocaustleugner" als "nicht zur Kirche gehörig" zu bezeichnen? Wo ist da ihre Barmherzigkeit? Sind Schwule, Huren und Sünder aller Art zwar willkommen, auch ohne Sündenbekenntnis (siehe: eine der unfaßlichen, weil häretischen, Aussagen Franziskus aus jüngster Zeit), aber keine "Holocaustleugner"?

Oder, wie jüngst, "Flüchtlingskritiker"? Weiß der Klerus in Deutschland überhaupt noch, was er da tut, wenn er das 'Gespräch mit Pegida" etwa verweigert oder gar erklärt, daß ein AfD-Wähler kein Christ sein könne? Mit was für Geisteskranken haben wir es da zu tun? Mit Katholiken jedenfalls nicht.




*210316*

Freitag, 29. November 2013

Mal was Gutes

Herrschaften, das nötigt mal Respekt ab. Das nötigt Respekt vor dem gesunden Menschenverstand ab, was der Bobschd da mal von sich gibt. Und er sollte sich gleich auch selber bei der Nase nehmen, und möglicherweise tut er das sogar, vielleicht indem er den saudummen Twitter-Account einfriert und endlich den widerlich banalen Saukitsch mit Medjugorje abbläst.

Die Presse schreibt nämlich: Der Pontifex erklärte, es sei überflüssig, ständig wundersamen Dingen und Neuigkeiten nachzuspüren. Christen sollten sich stattdessen von der Weisheit des Heiligen Geistes führen lassen. Der Papst verwies auf die Gottesmutter Maria. Sie liebe alle Menschen, sei aber "nicht die Leiterin einer Postfiliale, die jeden Tag Botschaften schickt".


Eine übertriebene Neugier entfernt die Menschen nach den Worten von Franziskus von Gott. Wer alle künftigen Dinge immer ganz genau wissen wolle, maße sich "Gottes Projekte" an. Der "Geist der Neugier" sei "kein guter Geist", so Franziskus laut Kathpress. "Es ist der Geist der Vergeudung, des Sich-von-Gott-Entfernens und der Geschwätzigkeit". Er verstelle den Blick für die Gegenwart Gottes.

Jawohl, Herrschaften, und noch mehr (denn die "Erklärungen" sind kiki; aber die betrefflichen Tatsachen, wahrscheinlich eh nur das Gefühl des Pontifex, aber wen interessiert's, stimmen). Wer erwartet, daß täglich die Weltfundamente (soll in gewissem Duktus heißen: mediengetunkte Zweitwirklichkeit) revolutionierende Änderungen vom Himmel perlen, der hat sie nicht alle. Mit Katholizität hat das nix zu tun, aber alles mit Hysterie. Die Antwort auf das Du Gottes fängt mit der Vernunft auf dem Quadratmeter Wirklichkeit an, auf dem jemand gerade steht. Mehr ist dazu nicht zu sagen.

Auf die Einkehr der Vernunft in der Kirche wird man ja wenigstens noch hoffen dürfen. Daß es gerade nun wäre? Warum nicht. Man hat ja schon Pferde kotzen sehen.


*291113*

Dienstag, 11. Dezember 2012

Gott mit hashtag (3)

Teil 3 - Gott ist nicht nur im Internet, er wird es. Durch den Papst.



Ein Papst auf Twitter - auch wenn man abwarten muß, was passiert - ist in jedem Fall beschämend. Die Wahrheit ist keine nützliche Information, die man abruft, wenn der Festtagsbraten zu mißlingen droht. Oder noch schlimmer: Die man durchklickt, mal sehen, was heute wieder an Interessantem durch den Tweedwald geistert. Sie muß lebendig sein. Und sie ist kein Blatt das man von der Rolle abreißt und dabei zufällig auf ein Heiliges Wort stößt. Ah, sieh da, John Fiedlmann hat einen neuen Weltrekord im Dauerhusten aufgestellt - der Babscht ruft zur Bekehrung und zum Gebet auf - der iPod kostet jetzt nur 59,90; jetzt in der Pontifikalausführung, in violettem Etui mit Goldborte, voll gottesdiensttauglich.

(Übrigens: angeblich tatsächlich bereits häufiger, als man denkt. Der Verfasser dieser Zeilen ist selbst sogar schon mehrmals Opfer solcher Ergüsse geworden, wo mitten aus dem Gottesdienst ein herzhaftes "Christus lebt, er ist wahrlich auferstanden, halleluja! Frohe Ostern wünscht Deine Sonja" am Display auftaucht, lebensecht fliegenden Fingers von dieser während ihres Kommuniongangs abgesetzt. Seltsam, es hat ihn eher nicht erbaut, sondern tief verärgert, weil er gerade nach einem Bratenrezept suchte. Daran hätte auch ein Absender "Dein Papst" nichts geändert. Denn der Verfasser dieser Zeilen wartet eher nicht auf 140-Zeichen-Nachrichten, die sein Weltbild umstützen könnten, á la "Jetzt bewiesen - Der #Mensch stammt vom #Zottelbären ab, sofort unter #evolution lesen!" Und auch nicht auf eine dieser Art: "In zehn Minuten #Weltende - noch rasch #beten - #Benedict XVI" Oder wird er gar bald auch Bratenrezepte anbieten? "Gerade #Weihnachtsgans verschmaust, hervorragend. Sauce wird ganz fein, wenn man ihr einen Schuß #Cointreau zufügt! #Papst" Die obligate Werbeeinschaltung, deren Kaufpreis enorm sein wird, die Twitter-Aktionäre reiben sich schon die Hände, schenken wir uns. Man stelle sich vor, wenn auch noch der amerikanische Präsident - Follower der ersten Stunde - antwortet: "merry christmas! #american_turkey is also fine ;-) #obama" - die Tarife werden in schwindelige Höhen steigen, in jedem Fall. Auch, wenn er vielleicht ja ernsthafter twittert: "Dear pope, you say nice people come to heaven. is it really your opinion that #homosexuals will come to #hell? they are nice! #obama")

Nicht weniger beschämend, wie diese vergammelten Schulbibeln, die zu retten der Verfasser dieser Zeilen sich jedesmal aufgerufen fühlt, wenn er solcher ansichtig wird, wozu ihm aber die Mittel fehlen, denn es sind zu viele Bibeln, die weggeworfen und verachtet werden. Macht nix, ist ja nur Papier?

Das erinnert viel mehr an das "Heil Hitler!" so mancher Bischöfe und Kardinäle, das sie dann bitter bereut haben, als sie bemerkt haben, daß man den Teufel nicht mit Beelzebub austreiben kann, nur weil es nützlich sein könnte.

Was wir sehen
Aber warum das alles? Das wagt der Verfasser dieser Zeilen zu sagen: Weil eine längst wahnsinnig gewordene Subkultur von Zombies genau darin die Bestätigung ihrer abstoßenden Kreuzesscheu und Acedia sieht, sich weiter - in bösartiger Schizoidität - vormachen kann, auch in ihrem Lotterbett der Wirklichkeitsflucht, in dem sie sich wälzt, "richtig zu liegen". Die meinen, in einer glattgeschmusten Welt der Nettigkeiten mit "likes", 50.000 "friends", und nun auch noch als "Papst-Follower" Charon den Preis bezahlt zu haben, mit dem er sie dereinst überschiffe.

Internet und social media sind Lotterbetten des Lasters. Und zwar nicht durch "Pornographie" oder was immer es sonst zeigt. Das wäre eine fatale Täuschung. Seine Wirkweisen sind viel tiefgründiger und umfassender, und ihr positiver Nutzen grenzwertig klein. Doch sind sie gefährliche Phantome, fern von jeder Verschwörungstheorie, sehr real, ihre Schatten sind sichtbar wenn man sich anstrengt: sie umgeben das Herz mit einem Vorhang der Finsternis und gespenstischen Stille, sodaß das Leben, Gott der das Leben ist, nicht mehr gehört, er im Du nicht mehr gesehen, sein Wille, der immer ein Wille im Kairos, im Realen ist, nicht mehr gehört wird. Verschüttet unter den Gebirgen der Sprache der Welt.

Teil einer kulturgeschichtlichen Gesamtbewegung der Entwirklichung unserer Lebenswelt, die sich uns damit mehr und mehr entzieht: Unser Leben wird zu einem Versuch, eine unwichtige Schwanzspitze zu bändigen, während die Eidechse längst über alle Berge ist, und das Antlitz der Erde verwüstet. Wenn wir dann entdecken, daß die Schwanzspitze tot ist, ist es zu spät. Im Internet als effektvolle Scheinwelt vollzieht sich, vor unseren Augen, diese Entwirklichung. Die in heutiger Form nicht eine Frage von "na seien wir eben etwas vorsichtig" ist, sondern prinzipieller Natur.

Aber möglicherweise findet ohnehin jemand bald den Stecker, mit dem man das Netz an die göttliche Energie anbinden kann, sodaß es die reine Wahrheit ausspuckt und wir künftig - also NACH der Einführung von Quantencomputern auf jeden Fall - alles vom Ursprung her wissen, aus Algorhythmen zusammengeflickt, die evolutiv-dialektisch einmal die reine Wahrheit auf Knopfdruck ergeben. Sie lachen? Weinen Sie lieber. Es gibt eine menge Leute, die das allen Ernstes glauben. Sodaß ihnen der Beitritt von Benedict XVI. zu Twitter die logische Anerkennung dieser Wahrheit ist: Es ist die tragende Idee des Internet und der social media, die diese Idee nur abbilden. Diese Leute hat also der Papst auf jeden Fall schon im Glauben gestärkt. 

Unter Hashtag gott oder so ähnlich sind dann auch Sie, geneigter Leser, dabei, wenn es soweit ist und ER zu uns spricht, ehe er aus angeschlossenem Laserlicht loslegt die Welt nach eingespeicherten Bauplänen - bibeltreu nach seinem Geist, dem Programm, das sich in grenzenloser Kompilation von Information selbst programmiert - neu zu schaffen. Wo nunmehr geniale Information sich mit der dreieckig-kristallinen Gestalt des Urstoffs vermählt. Dann wissen wir auch, wozu der Sozialstaat eigentlich gut war: Er sollte allen ermöglichen, ihr Handy zu betreiben, um in den Himmel zu kommen. (Sie sollten weniger lachen, werter Leser, sie sollten weniger lachen, das ist so gar nicht angebracht, wenn die Rede von den Fundamenten des Zeitgeists ist.)

Noch eine Wette, ganz zum Schluß: Es wird nicht an Nachrichten fehlen, wo jemand per Tweed verkündet, der habe sich durch päpstlichen Tweed bekehrt. Der Glückliche. Der Verfasser dieser Zeilen sieht sich immer noch nicht bekehrt. Vielleicht sollte er auch twittern.




Nachtrag: Damit keine Zweifel aufkommen: der Verfasser dieser Zeilen sieht sich mit dem Papst in Christo  tief verbunden. Wenn auch nicht als "Groupie", das sich von gewissen Dynamiken wegschwemmen läßt und seine gerade als jemand der Christus angehören möchte unverzichtbare Eigenverantwortung aufgibt. Gerade heute, umgeben von enormen (vor allem psychologischen) Wirkmechanismen, ist höchste Vorsicht angebracht, das Erleben und Wahrnehmen nicht durch Außenwirkungen sich selbst entfremden zu lassen. Denn Gott, das Wort, das Leben, ist als sich selbst Zeugender dem Hörenden nur im Maß der Lauterkeit der Affekte präsent, ja im lauteren Affekt - Florenski nennt an dieser Stelle den Geist - als (menschlichem Verstand letztlich nie vorhersehbares) gottgetragenes Handeln nach seinem Willen wird. Er als Wirkender, und damit der Mensch zum Individuum aus dem Geist in der Hingabe geboren. 

Insofern ist ja das Leben immer wahr, weil es immer aus Gott kommt, und jedes Wollen und Vollbringen das Gottes ist, nie des Menschen, so sehr er das heute glaubt. Die Frage ist nur, WAS aus den Gestalten der Zeit spricht, wo (könnte man sagen) das Leben und das eigentliche Ziel eines Handelns IST, als Logos, als Sinn. Nachdenken ist damit ein Ausschmelzen faktischer Gestalten zu reinen Gestalten, welch erstere an sich also sehr wohl "falsch", irrtümlich sein können, sodaß sich dann auch etwas anderes in ihnen zeigt, als weltliches Sprechen vorgibt.

Man möge dem Verfasser also manch sarkastischen Ton in obigen Ausführungen nicht fehldeuten, den er nämlich nicht ändern wollte, den er als sehr angebracht sieht. Sarkasmus oder Ironie sind ein Auf-die-Spitze-Treiben, und insofern kathartisch, als irgendwann die Enden der Tangenten, die man an Bewegungen legt, im Nichts landen, und sich damit offenbaren. Auch, wenn er vom Geist und der persönlichen Klugheit gerade dieses Papstes, dessen Äußerungen er stets mit großer Sorgfalt liest und hochschätzt, überzeugt ist. Weshalb er sogar mit gewisser Spannung beobachten wird, sofern das auch ohne Twitter-Account möglich ist, wie die Angelegenheit sich entwickelt. Denn sie wird aus neuem Blickwinkel auch über das Netz einiges aussagen. Das nun auch in dieser Weise zu nutzen, davon ist der Verfasser dieser Zeilen überzeugt, aber wohl eher der Modernitätsbegeisterung so mancher Mitarbeiter zu verdanken ist. Aber mit großen Bedenken, weil er diesen Schritt in einer Reihe mit so vielen sieht, die die Kirche in den letzten Jahrzehnten zu einer unsäglichen Profanierung und Verdunkelung des Heiligen trieb. Und vor allem auch zur Enträumlichung, Entkonkretisierung, damit Entgeschichtlichung, wo das Internet nur noch als Weiterentwicklung z. B. von Bewegungen wie Medjugorje deutlich wird.

Die Kirche ist leider schon geraume Zeit dafür bekannt, daß es in ihr Kräfte gibt, die nie schnell genug beweisen zu können meinen, wie zeitgemäß und weltoffen sie sei. Die dabei gar nicht merken, daß sie weit zurück sind. Kirchliche Innovationen in dieser Richtung tragen deshalb fast immer ein Merkmal: sie kommen zu spät, damit zu einem Zeitpunkt, wo in der (verglichen mit Kirchenbeamten) realitätsbestimmteren Gesellschaft bereits der Kater eingesetzt hat. Das Internet in dieser heutigen Form, davon ist der Verfasser dieser Zeilen (der doch einige Interneterfahrung hat) überzeugt, hat ein gar nicht fernes Ablaufdatum, wenn auch  nicht sein muß, daß sich der tief schwelende Konflikt direkt als Ablehnung des Internet erkennbar sein muß, er könnte auch ganz andere Formen annehmen. Doch der Mensch ist eben nicht beliebig form- und veränderbar. Immerhin lebt er aus der Selbsterprobung Gottes, sein Bewegungsspielraum ist begrenzt. Entfernt er sich von seinem Wesen, meldet sich der Schmerz, der historisch bedingte Gestalt der Gegenwehr annimmt

Eine Analyse des Internet - als Werkzeug, als Maschine, die wie jedes Werkzeug auch den Anwender verändert - kann nur von diesem Wesen des Menschen ausgehen und stichhaltig sein. Ja es muß auch einem kulturellen Untergrund entsprechen - aus dem es hervorgeht, woraus es in seinen Gestalten verändernd rückwirkt. Aber diese Veränderungen haben eine Grenze - eben dort, wo der Mensch sich widerspricht. Dort wird Zeitgestalt und Zeitgeist gar zur Todesspirale. Unter diesem Gesichtspunkt hat die Selbstentfremdung durch das Internet nicht nur nach Meinung des Verfassers dieser Zeilen eine Phase des Weltverlusts erreicht, wo Gegenbewegungen zu erwarten sind. Und diese zeichnen sich auch bereits ab - wenn auch noch untergründig, denn der Zug der Zeit nimmt gerade dann noch mehr Fahrt auf, wenn er seine Begrenztheit immer mehr ahnt, sodaß er immer aggressiver ums Überleben kämpft. An dieser Stelle war und wird vielfach davon die Rede.




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Samstag, 3. November 2012

Der Neurotiker braucht Propaganda

Herausgelöst aus den durch natürliche Autoritäten und Abhängigkeiten bekennzeichnete Gemeinschaften - allen voran Familie - braucht, schreibt Jacques Ellul, der solcherart entstehende Charakter regelrecht Propaganda. Die sich natürlich nicht als solche ausgibt, die als bloße Information auftritt. auch ich kennzeichnend, daß der "Charakter der Propaganda" sich selbst lediglich für informiert, niemals aber für ein Opfer der Propaganda hält.

Aber der Mensch braucht "allgemeines", und solcherart ersetzt der fehlende Nahe, das dem individuellen Entscheidungshorizont in jeder Hinsicht entspricht, auch durch die konkrete Erfahrung der Vertrauenswürdigkeit, nun die "öffentliche Meinung", ob sie nun als "Gegenmeinung" auftritt, oder als "Regierungsmeinung". Ohne Medien wäre also dieses Spiel undenkbar. Reduziert auf die eigene Wahrnehmung, gezwungen seinen Weg durchs Leben zu finden, aus Kleinstem zum Größeren wachsend, würde der Mensch tatsächlich unempflindlich sein gegen solche Mechanismen.

Diese Charakterformung ist definitiv "neurotisch": ihr fehlt die fundamentale Erdung in der Wirklichkeit, sie ist deshalb auch nicht in der Lage, aus ihrem eigenen Horizont heraus Glaubwürdigkeiten größerer Angelegenheiten zu bewerten. Verkennen von wirklichen Problemen sind deshalb typisch. 

Der Propaganda-Charakter ist vielmehr auf Information aus zweiter Hand angewiesen, und sie gibt ihm - je  nach Druck und Rezeption - vor, was Probleme sind. Probleme, die in den meisten Fällen seinen Entscheidungshorizont bei weitem überschreiten, was der Betroffene natürlich nicht so sieht, denn er fühlt sich ja "gut informiert". 

Durch die Medien, durch die Parolen. In die hinein jene Emotionen gelegt werden (können), die den  Menschen erst bewegen. Hier setzt also auch die Bedeutung der "Gruppe" ein. Kein Mensch kann damit leben, "allen" alleine gegenüberzustehen.

Propaganda - als Persönlichkeitsdefekt - könnte also gar nicht wirken, wenn nicht der Bedarf danach bestünde. Denn der isolierte Mensch sieht sich den tiefsten Existenzängsten ohnmächtig ausgesetzt. Also braucht er die "Macht", die Welt zu bewältigen. Sie enthebt ihn (scheinbar) dieser Ängste. Und diese Macht findet er in der Gruppe bzw. der Gruppenmeinung. Diese Macht findet er in der Identifizierung mit "starken Persönlichkeiten", die "in seinem Sinn" handeln. Seine Hoffnungen und Wünsche erfüllen, umso mehr, als er sich ohnmächtig fühlt angesichts der Größe der Probleme ("Weltrettung" ...), mit der er konfrontiert ist. In dieser Gruppe findet er auch die Wege, sich zu verhalten, die als Methode zur "Reinheit" dienen, die Schlagworte, die die Welt "richtig" beleuchten, die Prioritäten der Problemlisten definieren. Und, wie gesagt, nie über "Lüge", sondern immer über Faktensicherheit.

Hier verliert er endlich alle Ängste, unrecht zu haben, die jeden der wirklich eigene Ansichten ausformt, ja nie verlassen. In diese Gruppe hinein kann er aufgehen, sie gibt ihm Sicherheit, Sinn und Identität, vor allem durch Verhalten, sie sagt ihm was es zu tun gilt. Auch dort, wo er sich abgrenzt, ja ausdrücklich gehört es zur Natur der Propagandasozialität, zur Kritik zu ermuntern - um sie genau eben zu integrieren. Sie bestärkt ihn in seinem Selbstsein, integriert ihn in jedem Fall sozial, und solidarisch.  Zugleich wächst seine Abhängigkeit von den "Parolen" der Gemeinschaft (oder des "Helden", der sie repräsentiert*), denn er entfremdet sich mehr und mehr von seiner eigenen Weltrezeption, ja die wird seinem Selbst bedrohlich, die Schwelle zum Selbststand wird immer höher.

Niemand glaubt dabei, daß er seine Meinung der Gruppe bzw. anderen auch verdanke - jeder glaubt, daß er selber den Weg zur Wahrheit gefunden habe. Aber plötzlich hat auch in jeder Zwischenmenschlichkeit sein Wort das Gewicht der Gruppe, der "Wahrheit", des Allgemeinen, und er denkt, er redet nicht mehr in seinen eigenen Sichtweisen - die verdrängt er zunehmend - sondern in den Worten und Logizismen dieser Gruppe. Hieraus bezieht er auch die Autorisierung zur Missionierung, ja in dem Maß, als er zum Sprachrohr der Gruppenmeinung mediatisiert wird, nein, sich selbst mediatisiert, steigt sein Selbstwert, als Repräsentant des Mächtigen, des Wahren, ja er WIRD zur Gruppe.**

Was Ellul rein aus Sicht der Propaganda schreibt, trifft haargenau auf jenen Charaktertypus zu, den Karen Horney als "neurotische Persönlichkeit" definiert hat.

Nur, wenn der Einzelne zur ureigensten Basis SEINER "Weltanschauung" zurückfinden kann, zu eben "seiner" Anschauung, auf der Basis seines Soseins, vermag er sich aus dieser Vermassung, aus diesem Verlust des eigentlichen Personseins als Persönlichkeit, wieder zu erheben. Ja, erst von hier aus vermag er überhaupt erst selbstverantwortliche Entscheidungen zu treffen, auch übrigens: eine Glaubensentscheidung über das Nicht-Gewußte hin. Und es kann oft lange dauern, sich aus solchen Charakterstrukturen zu befreien. Hier aber erst greift wirklich keine Propaganda, im Horizont des Nächst-Begegnenden. Das in seinen Grundstrukturen ja die ganze Welt enthält. Sodaß das normale, erfahrene Menschsein genügt, um Plausibilitäten wirklich einschätzen zu können.





* Der "Starkult" steht also in direkter Entsprechung zum Persönlichkeitsverlust. Das betrifft in selbiger Weise auch den sogenannten "Papismus", ist eine latente, ja leider oft realisierte Gefahr auch innerhalb der Katholischen Kirche. Heiligkeit ist aber die höchstmögliche Form der Persönlichkeit!

**Auf die Persönlichkeitsproblematik, das Gehörte (und auch das Gelesene ist ja ein Gehörtes) NICHT als Eigenes auszuweisen, also noch in der Urheberschaft zu unterscheiden, wurde bereits an anderer Stelle hingewiesen, und wird noch weiter eingegangen werden. Denn es bezeichnet ein Grundproblem des heutigen Menschen.



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