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Dienstag, 24. September 2019

Der historische Bogen von Medjugorje als Betrugsfall (1)

Diese Aufzeichnung eines Vortrages von E. Michael Jones ist zwar schon zwanzig Jahre alt, aber sie ist jede Minute wert. Denn kaum wo ist das Phänomen Medjugorje derartig systematisch aufgearbeitet. Nicht nur in seinen nach wie vor aktuellen Linien, sondern in seiner Entstehung und in seinen Zusammenhängen mit Entwicklungen, die ab den mittleren 1960er Jahren ihren definitiven Lauf nahmen. Es lohnt, jeden Satz, den Jones da sehr konzentriert sagt, zu überlegen. Zwar haben wir alle diese Dinge hier längst einmal besprochen und analysiert, aber wir nehmen die Gelegenheit wahr, um noch einmal kompendiumartig den Fall des wohl größten Betrugsfalles in der Kirchengeschichte vor Augen zu führen. 

Denn das ist Medjugorje, und von "geistigen Früchten" zu reden ist nahezu lächerlich. Wir werden darstellen, warum. Zumal es das Thema der Schizoidität betrifft, dem immer noch weit unterschätzten Generalproblem der Gegenwart, gerade in Zeiten der Wortlawinen und des Internet, das aus seinem Wesen heraus schizoide Wege fördert und fast erzwingt, dazu später mehr.

Um zu verstehen, was sich in diesem montenegrinischen Dorf seit dem Jahre 1981 abspielte, muß man weit ausholen. Und Jones ist der Sache mit wissenschaftlicher Akribie nachgegangen, die Fülle seiner Aspekte und Argumente kann hier nur zusammenfassend wiedergegeben werden. Man muß aber zurückgehen bis in die Entwicklung der Charismatischen Erneuerungsbewegungen in den späten 1960er Jahren. Die in direktem Zusammenhang mit der Vorgeschichte zu Humanae Vitae stehen. Schlüsseljahr war 1965. In diesem Jahr verlor die Kirche in den USA definitiv die Kontrolle über sich selbst und katapultierte sich als vormaliger Eckstein aus der gesellschaftlichen Relevanz. 

Und man muß es so sagen: Aus Versagen der konservativen, also der eigentlichen katholischen Kräfte in der Kirche selbst. 1965 begann die heftige Debatte um die Empfängnisverhütung. Nie zuvor war das ein wirkliches Thema gewesen. Aber nun wurde es hochgespielt und erstmals wurde medial konzentriert aufbereitet die Frage virulent, daß es doch auch eine Sexualität gebe, die mit Empfängnis nichts zu tun hätte. Jeder könne doch erleben, wie "bereichernd" es sei, miteinander zu schlafen. Unter dem massiven Einfluß des CIA und privater Stiftungen wie der Rockefellers oder Carnegies wurde die vorrangigste katholische Universität und mit ihr die gesamte Intellektuellenschichte der Kirche von Geldern abhängig, die keineswegs der Entfaltung des katholischen Wirkbereichs dienen sollten, sondern die Veränderung der Inhalte zum Ziel hatte. Gezielt wurde von diesen Stiftungen Einfluß ausgeübt, während im Time Magazin neue geistig-leitende Köpfe aufgebaut wurden. 

Plötzlich traten führende katholische Intellektuelle und Theologen auf, die die immer gültige, immer geltende Lehre der Kirche (weil sie eine fundamentale, anthropologische Wahrheit verkündet) in Frage stellten. Längst gab es Gerüchte, daß der Papst eine Enzyklika vorbereitete, die die Empfängnisverhütung als das feststellte, was sie war - eine "in sich schlechte Tat", weil sie gegen die Natur des Menschen und darin gegen Gottes Gebot verstößt. Um diese Gerüchte einzudämmen erging von Rom eine Order, jede öffentliche Diskussion darüber einzustellen. Freilich hielten sich an diese Order nur die ohnehin orthodoxen, gehorsamen Priester und Theologen. Wer sich nicht daran hielt waren Priester, die im Dissens zur Kirche standen. Ihnen überließ man nun die Bühne und anstatt, daß eine öffentliche Debatte geführt wurde, konnten sie ihre Sichtweisen propagandistisch unterstützt ungehindert unters Volk bringen.

Das sich plötzlich mit einer seltsamen Wahl konfrontiert sah, die man angeblich hatte. Denn diese weitreichende Thematik wurde nun dem Belieben ("dem Gewissen") der Menschen selbst überlassen. Ein Gewissen, das die Notwendigkeit der Rückbindung an seine Bildung durch eine Autorität nicht mehr sehen will, sondern sich einfach der faktischen, subjektiven Augenblickslage ausliefert. Die Folgen dieses Schrittes waren katastrophal. Denn damit wurde die Kirche als Autorität in der Gewissensbildung ausgeschaltet.


Wird fortgesetzt)