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Dienstag, 26. Juni 2018

Der Zwischendurch-Klassiker

Helmut Qualtinger
Der Bundebahnblues

Ein Kaleidoskop Österreichs









*020618*

Sonntag, 29. Dezember 2013

Von den geeigneten Werkzeugen

Dem Verfasser dieser Zeilen wurde gelegentlich gesagt, er setze mit seinen Gedanken viel zu tief an. Das sei für viele nicht nachvollziehbar.

Dem hält dieser freilich entgegen, daß das einerseits stimme, aber anderseits den ganz realen, alltäglichen Gegebenheiten der Gegenwart entspreche. Denn genau das ist ja das Problem, daß den Menschen Entscheidungen und Möglichkeiten zur Verfügung stehen, die sie in ihrer Tiefe und Tragweite gar nicht erkennen. Also ist einer der Grundzüge - einer der tragischen Grundzüge! - der Gegenwart, daß mit kindlichen Legofiguren vermeint wird, dem Geheimnis des Weltenbaus entsprechen zu können.

Damit bleibt auch das Problemlösungsverhalten auf erschreckende Weise peripher, das was als Gedanken und Lösungsansätze präsentiert wird (auch von der Politik, die betrifft es fast am meisten) den Kern der mit dem Verhalten wirklich tangierten Probleme gar nicht entspricht. Das heutige Gesprächsgeräusch, das vor allem als mediales Stimmengewirr erscheint, ist deshalb zu allerweitesten Teilen völlig irrelevantes Gewäsch, das an der Wirklichkeit der Gegenwart völlig vorbeigeht.

Wer einen Berg zum Einsturz bringen will, kann nicht mit Kinderschaufeln ans Werk gehen. Auch wenn das heute allen weisgemacht wird. Es geht nicht. Wem so viele Dinge zur Entscheidung gestellt werden, wer gezwungen wird, sich zu so vielem eine Meinung zu bilden, das seinen Horizont um Dimensionen übersteigt, der muß sich auch die Mühe machen, diese Dimensionen zu erkunden.

Man kann eine Welt nicht über Bord kippen, die man gar nicht verstanden hat. Man kann eine Gegenwart nicht reformieren, die man überhaupt nicht versteht. Und man kann nicht dieses "Nicht mehr verstehen" der Gegenwart einfach zum Indiz dafür erklären, daß sie unsinnig ist.

Wir tun heute gerne so, als hätten wir eine neue Weltsicht gewonnen, die uns berechtigte, die alte zu entsorgen, die sich bestenfalls um des Kaisers Bart streite. Ein fataler Irrtum! Wer die Welt verstehen, wer also große Entscheidungen treffen will, muß auch große Gedanken tragen können. Sonst sollte er in seine Sandkiste bleiben, weil er nur Chaos und immer weitere Irritation anrichtet.

Der Verfasser dieser Zeilen behauptet damit nicht, daß er diese Werkzeuge hat. Aber er WEISZ, daß die allermeisten, die in Haltung der Borniertheit pubertierender Jugend heute behaupten, diese Werkzeuge zu besitzen, sie schon bei oberflächlichster Nachschau ganz sicher nicht haben. Sie sich - welch Grundzug allen Handelns der Gegenwart! - stattdessen darin üben, möglichst viel von Dingen zu tun, die sie gar nicht verstehen wollen, weil sie zu kennen (und man kann nur verändern, was man kennt) zu mühsam wäre. 

Frei nach dem Qualtinger-Motto, das man als große Tafel über unsere Zeit hängen könnte: "Ich hab zwar keine Ahnung wo ich hinfahre, aber dafür bin ich schneller dort." (min. 1,35)

Um aber zu wissen, wo das Einzelne hinführt, um es beurteilen zu können, muß man das Ganze kennen. Die Funktionsweise des Vergasers zu verändern hat nur Sinn, wenn ich weiß, wohin die Reise geht.









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Mittwoch, 28. November 2012

Ganz andere Zusammenhänge

Auch wenn es oft erzählt wird, es stimmt nicht: Es läßt sich in Europa kein eindeutiger Zusammenhang zwischen "familienpolitischen Maßnahmen" und Fertilität feststellen. Daß Länder wie Frankreich und Irland höhere Kinderzahlen pro Frau haben, als Deutschland, Österreich oder Schweden, muß jeweils sehr spezifische Ursachen haben. Keinesfalls ist das Argument aber richtig, daß man lediglich die Kinderbetreuungsmöglichkeiten ausbauen müsse, und schon gäbe es mehr Kinder. Dazu sind die Situationen in den Ländern viel zu verschieden.

Daß Eltern also gar nicht "spüren" sollten, daß sie überhaupt Kinder hätten, daß Kinder also keine "Belastung" oder "Karrierehürde" sein sollten, ist nicht nur an sich höchst problematisch, sondern einfach den Fakten nach schon nicht richtig. Das Institut für Demographie, Allgemeinwohl und Familie e.V. schreibt, daß ein jüngstes Monitoring der Bundesregierung ergibt, daß der Wunsch nach mehr Kinderbetreuungsstätten an letzter Stelle rangiert, werden Menschen nach den Gründen für ihre Kinderlosigkeit gefragt. An erster Stelle rangiert ... das Fehlen eines passenden Partners.

Auch hier gilt also: Anstatt sich darüber den Kopf zu zerbrechen, warum das, was die Menschen eigentlich wollen - Partner, die Sicherheit einer geschützten Ehe, Kinder, Familie, schlicht: der Horizont, mit einer Familie eine kleine eigene Welt aufbauen zu können, ein kleines eigenes Reich, in dem die Dinge noch so gestaltet werden können, wie man sie gerne hätte - nicht gelingt, schafft sich die Politik ihre Sandkistchen, in denen sie "Erfolge" herbeizaubern kann. Vor allem, wo sie ihre Daseinsberechtigung durch blinden Aktivismus beweisen kann. Und erfindet einfach Geschichten - Probleme ebenso, wie Lösungen. Alles natürlich mit "wissenschaftlicher Untermauerung", das erspart das eigene Denken und schon gar Verantwortung. Denn dann kann man immer behaupten, daß nach bestem "Wissen und Gewissen" wurde, aber das Volk habe eben nicht mitgespielt.

Vor allem müßten dann die grundsätzlichen Fragen beantwortet werden: Denn seit Jahrzehnten wird ideologisch motiviert Gesellschaftspolitik betrieben, die genau das Selbstbild der Geschlechter "verändern" sollte. Fazit? Die Lebensentwürfe, Wünsche und Vorstellungen von Männern und Frauen passen nicht mehr zueinander. Das kann auch gar nicht anders sein. Wenn Genderpolitik betreibt, daß beide Geschlechter gleich sein sollen - worin sollten sich Mann und Frau dann noch ergänzen? Was könnte der andere zu meinem Ganzwerden beitragen? Wo wäre dann noch Gemeinsamkeit (nicht: Gleichheit)? Im wissenschaftlich-rationalen Entschluß zur Produktion von Steuerzahlern?

Und wenn der Familie über das Emanzipieren (Herausbrechen) aller ihrer Teile, dem Entzug der Gestaltungshoheit des allerpersönlichsten Lebens, das nur den Eltern, den Ehepartnern zusteht, diese ureigenste Lebensgestaltung aus der Hand genommen wird - wo läge noch der Reiz einer Familie? Im Tragen der Kosten (der Politik)? Denn die, die bleiben ja in jedem Fall am Einzelnen hängen.



In diese Thematik paßt auch der Video-Beitrag der FAZ, der seine Einleitung mit dem Satz abschließt: "... und die Politik ist machtlos." Auch wenn er letztlich in dieselbe Leier verfällt, daß die Kinderbetreuungseinrichtungen ausgebaut werden  müßten. Wie der Wilde mit seiner Maschin": Man weiß zwar nicht, was zu tun ist, wohin die Reise geht, aber Hauptsache, man ist schneller dort. Lieber "etwas" tun, als "nichts". Und auch hier ist es angeblich "die Wissenschaft", die bestätigt, daß Karriere mit Kinderwunsch kollidierten und deshalb Schuld am Geburtenrückgang sei. (Dessen Relevanz ja die Überalterung, nicht die Bevölkerungsvermehrung an sich ist.) U dn dieses Fazit, nicht zufällig, ziehen die Redakteure. Immerhin aber fallen im Bericht einige interessante Aussagen durch Befragte. So, daß die Mär von lediglich "verschobenem Kinderwunsch" (ältere Eltern) deshalb nicht stimme, weil ältere Eltern nicht mehr so viele Kinder in die Welt setzen (können), wie jüngere. 

Ein Fall von - für die öffentliche Diskussion typischer - künstlicher Aufblähung zeigt sich in der "Skandalisierung" völlig normaler, ja wünschenswerter "Probleme" - Wo ist das Problem, wenn eine Frau sagt, daß sie "die Folgen aus dem Kinderwunsch gar nicht richtig überlegt" hätten? Ist das nicht die gesündere Einstellung, weil Kinder eben völlig natürlich, und kein "Karrierekalkül" sind? Wo ist das Problem, wenn eine Mutter erzählt, sie kämen "ohne die Hilfe der Großeltern nicht zu Rande". Auch die Generationen sind füreinander verantwortlich. Ist nicht gleichzeitig zu beobachten, daß ältere Menschen unter gewaltigen Sinndefiziten leiden? Da liegt schon ein Gutteil der Ursachen. Vieles also hat viel eher mit dem zu tun, was ebenfalls die FAZ in einem lesenswerten Artikel mit "Infantilisierung der Erwachsenen" bezeichnet. Mit dem Vater Staat", dem "Papa", der es schon richten wird, um noch einmal Qualtinger/Bronner zu bemühen. Das Leben ist kein Baukasten, wo man Wunschbilder einfach so zusammenbaut.  Es ist, was es ist. Gerade die Ambivalenzen des Lebens, die Reifung selbst damit, ist vor allem eine Frage der Folgetragung aus auch oft widersprüchlichen Bedürfnissen, zu denen man aber steht, die in sich zu einen und zu ordnen die entscheidende Lebensaufgabe ist.



Der Papa wird's schon richten - Helmut Qualtinger





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