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Samstag, 21. Mai 2022

Als es fast so war, wie es sein sollte (7)

Ausblick und Zukunft. Was folgt einer mißbrauchten Uhr? - 1667, also mehr als einhundert Jahre nach dieser glücklichen Epoche, wird John Milton seine sarkastische, zynische Bilanz ziehen. In "Paradies lost - Das verlorene Paradies" bleibt nur noch ein nihilistisches Fazit, weil die Versuche eines Ersatzkozepts sämtlich gescheitert sind. 1660 war gerade Cromwells Utopie vom "Gutmensch als einzig legitimem Führer" gescheitert, als nächster Anlauf im Ringen um den besseren Staat, der seit Heinrich VIII. gebildet werden mußte, denn - England hatte etwas dafür aufgegeben. 

Das Paradies auf Erden, sozusagen, das England bis Heinrich VIII. "Reformen" hatte man zerstört, um ein noch besseres zu gründen. Aber wie weit war man dafür gekommen? Multon "mußte" also die metaphysische Fundierung der Menschheit entkräften, denn die Vergangenheit stand als Zeuge gegen die Gegenwart auf. England war bereits tief gespalten, und zwei Drittel seiner Menschen kämpften mit dem nackten Überleben, die Macht war in den Händen von immer Wenigeren konzentriert die sie einsetzten, um sich noch besser abzusichern, ja in die Ewigkeit zu retten. Die neue Theologie einer "anglikanischen", autokephalen Kirche, die den Umbrüchen nachgeliefert worden und - was war das nun erst für ein Paradoxon - Ausdruck tiefsten Hasses auf das Christentum war, war nicht mehr als die Bemäntelung vorausgegangener Todsünde, die ein Volk ins größte Unglück gestürzt, aber mit einem goldbestickten Scheinmantel winkender Weltmacht umgeben hatte.

Es fehlt also ein Wort zum weiteren Schicksal Englands, wie es der Zeit der Tudors folgte. Dessen glückliche, vielleicht glücklichste Phase der Geschichte nur zwei Generationen dauert. Zu wenige Widerstände, zu harmonischer Wohlstand lassen Begehrlichkeiten und Keckheiten aufstehen, die sich nach innen zu wenden beginnen. Schon für Heinrich VIII. enthielt die perfekte Welt, über die er herrschte, eigentlich alles, was er brauchte. 

Freitag, 20. Mai 2022

Als es fast so war, wie es sein sollte (6)

Ehe das große Filmen ausbricht, noch ein Epilog - Gerade unterbricht die Kirchenglocke von Szentlélek gegenüber mein Schreiben, zerreit die Dichte der Konzentration zur ebenfalls bestehenden Aufforderung zum "Angelus", und reißt mich so aus allem Werkhaften heraus. Werter Leser, meint er, daß das so sein sollte? Meint er nicht stattdesen mit mir, daß sich die Distanz zwischen Kirche und Lebensablauf schon daraus ergeben MUSZTE, weil sich nach und nach zwischen dem göttlichen Weltenlauf und der realen Kultur- und Zivilisationswelt immer größere, immer unverinbarere Kluft aufgetan hat, DIE VON DER ZEIT ALS BEGRIFF DER UHREN- UND MESSTECHNIK AUSGEGANGEN IST? Meint er nicht stattdessen mit mir, daß der Grund dafür, daß ir mittlerweile in separaten Welten leben müssen, deren eine die göttliche und von Gott qua Schöpfung VORGEGEBENE ORDNUNG DER WELT ist, und deren andere eine völlig mutwillig gewordene, zufällige, künstliche Welt der ent-gotteten, nur noch anthropo- bzw. ratio-genen Welt 

Vielleicht mag er darüber nachdenken, während er im Anschluß an so viel Text vielleicht doch beginnt, diese englischen Filme anzusehen. Die eine Welt vorstellen, die wir vor fünfhundert Jahren defnitiv zu verlassen begonnen haben. Als wir zum letzten mal eine Welt erlebt haben, in der sich der Mensch in der von Gott vorgegebenen Schöpfungsordnung entfalten konnte, und so eine Epoche erleben durfte, nach der man sich regelrecht sehen könnte.

Sonntag, 5. Dezember 2021

Abbild vom Urbild

Es ist ein wunderschönes Filmchen, das die 45 Minuten wirklich lohnt, die es lang ist. Es zeigt (aus der Werkstatt des SWR Stuttgart) Arbeit, Wesen und Existenz des Reutlinger Pfeifenmachers Cornelius Mänz. Der seine als Kind empfundene Affinität zur Kunst über manche Umwege in die Kunst des Herstellens von Pfeifen getragen hat. 

Wir haben es bei ihm nicht nur mit einem Meister des Handwerks zu tun, sondern über dessen Fähigkeit zur Reflexion - die den Künstler definitiv beweist, denn der Künstler kann sich auch zu seinem Tun verhalten, geht nicht einmal, ja schon gar nicht in der Figur "als Künstler" auf - auch das Wesen des Schaffensprozesses wunderbar darzustellen vermag. 

Montag, 23. August 2021

Wenn unsere Arbeit ins Weltall verdunstet (3)

Das verdanken wir den Erben. Sie sind es, die die Sinnlosigkeit etabliert haben - Weil diese Situation eine ganz neue Charaktergruppe schafft. Vergessen wir nicht: In Deutschland befinden wir uns DERZEIT in einem Umbruchsprozeß, in dem 6 bis 8 Billionen Euro Erbe (1) umgewälzt werden. Das führt bereits heute zu einer Verschleuderung wahrer Werte zugunsten eines hedonistischen Lebensstils, zu dem auch die "Öko-Bewegungen" nämlich zu rechnen sind. 

Der "Kultur" durch Hedonismus ersetzt, der Differenziertheit als Eigenwilligkeit mißdeutet. Der über Macht verfügt, die der Persönlichkeitsstruktur gar nicht entspricht, die immer im Gleichschritt mit Macht (Mächtigkeit, Verfügungs- und Bewegungsgewalt) gehen muß. Stattdessen stehen sich nun zwei Generationen gegenüber, die eigentlich nichts mehr verbindet: Eltern, die Substanz und Wohlstand aufgebaut haben, und Kinder, die in der 68er-Revolution nie zu Persönlichkeiten wurden, die aber in eine Anspruchs- und Erfüllungshaltung hineingeformt wurden, die von der Wirklichkeit entkoppelt.
Jedes Erbe wird Unrecht, das nicht mit einer Weiterführung des Hauses verbunden ist. Das nur die Verfügungsmacht benützt, die den Nachkommen zufällt, und nun aufgezehrt wird. Nicht nur das. Das auch noch die Substanz zerstört, auf der es beruht.

Dieser Generation, die (grosso modo) nichts mehr aufbauen konnte (wobei das durchaus ein Leid ist, das man ihr zugefügt hat, keine Frage) fehlt es damit an Führungskraft, an der Kraft zu dulden und durchzuhalten. Sie ist von den Anstürmungen des Augenblicks so bewegt, daß sie einer geistigen, durchgängigen Idee nicht mehr treu bleiben kann, sondern ihre Entscheidungen dem Moment nach fällt - und damit ihrem Leben die Stringenz und Kontinuität raubt. Die damit als soziales Gegenüber zum gefährlichen Dämon jedes Gemeinwohls werden.

Samstag, 21. August 2021

Wenn unsere Arbeit ins Weltall verdunstet (2)

Unstillbarer Energiehunger nicht TROTZ der immensen Aufwendungen, die Welt durch Energiewenden aller Art zu retten, sondern DERETWEGEN - Er wird es durch die angebliche "Ökologisierung" aller möglichen Prozesse aber immer mehr. Auch das wird vergessen. Nämlich dann, wenn man das Paradigma eines bereits erreichten Wohlstands erhalten will. Die "nachhaltige Energiegewinnung" ist kein "Ersatz" der energieechten Stoffe wie Kohle, Gas, Erdöl, Atomstrom, sondern deren Behübschung. Nicht nur, daß gigantische Aufwendungen nötig wären, um zumindest nominell eine ähnlich hohe Versorgung mit Elektrizität. Als offenbar einziger "sauberer" Form von Arbeit. Darauf läuft zumindest alles hinaus, sodaß der Gesamtbedarf nach Stromgewinnungs-Einrichtungen in schwindelerregende Höhen steigt - bei gleichzeitiger Abnahme der Effizienz und Energiedichte der Gewinnungsvorgänge. 

Nur als Beispiel sei angeführt, daß eine nominelle Elektrizitätsmenge, die der derzeit erzeugten wie verwendeten entspricht, die Zahl der nötigen Windräder verfünffacht bis verzehnfacht, je nach Denkansatz. Kein Mensch kann sich vorstellen, daß das realisierbar ist, dennoch bleibt jedes Konzept der Weltrettung durch Klimarettung hartnäckig und wie bei einem (siehe oben) Katatoniepatienten darauf ausgerichtet, und wie in Trance hämmert jeder Weltretter dieselben Silben auf seinen Meditationsbommel: Grüne Energie, Windräder, Solarpanele ...

Freitag, 20. August 2021

Wenn unsere Arbeit ins Weltall verdunstet (1)

Mit einer Mischung von Trauer und Wut liest man die Ankündigung der Bäckerinnung, daß ab Herbst die Brotpreise um 120 Prozent steigen sollen. Wie überall, nützt auch diese Branche die von der Politik angerichtete und weiter und weiter verstärkte Verwirrung, um den Erlösdruck, der vor allem ein Kostendruck und eine Krisenabfederung ist, zu mindern. Das ist zwar verständlich, aber nicht rechtfertigbar, und warum werden wir gleich sehen. 

Die Innung spricht natürlich davon, daß es um "notwendige Kostenwahrheiten" gehe. Denn die Kosten seien in diesen Monaten radikal gestiegen. Kosten, die vor allem durch den Bereich entstehen, der in globalisierten Zeiten zum Schlüssel sämtlicher Kosten wird - Transport. Der durch die politisch verordnete Umstellung der Fahrzeuge auf Elektroantrieb noch nicht einmal angefangen hat, sein schreckliches Gesicht zu zeigen. Ein Gesicht, das die Bevölkerungen durch immer höhere Preise erschreckt. Die einen Einkaufsbereiche abzapfen, der vor allem die unteren Einkommensschichten massiv weil existentiell trifft.

Sonntag, 13. Juni 2021

Gedankensplitter 1165b (Einer von den ganz Wichtigen!)

Der Andere, der Fremde, der Bruder, der Kollege - Haben wir wirklich vergessen, was doch jeder selbst erlebt, der vom Dialekt oft so mühsam zur sogenannten Hochsprache erzogen werden muß? Ist uns nicht nachvollziehbar, daß "wir Deutschen" (als Glieder deutscher Völker) schon automatisch in zwei Sprachen hineingeboren werden? Die, gewiß, viel miteinander zu tun haben, ja. Die aber doch auch so unterschiedlich sind, daß sie jeweils extra erlernt werden müssen.
***
 Kommt nicht auch die heute so oft monierte Rechtschreibschwäche genau aus dieser Ecke? Daß in dem an sich nicht falschen Ansatz "nach der Rede zu schreiben", diese kleine Tatsache übersehen wird: Daß wir alle, zumindest wir alle, die noch bis zu den 1960er Jahren geboren sind, in den Schulen eben "Deutsch" gelernt haben, im fast täglichen Unterricht, und das war etwas völlig anderes als das, was wir nach der Schulglocke, die das Ende der Stunde anzeigte, sofort gesprochen haben? So anders, daß jeder aufgefallen ist.

Dienstag, 9. August 2016

Kirche ohne Insecuritas ist Kirche ohne Gott

Peter Wust hat dazu ein wunderbares Buch geschrieben - über die "Insecuritas" als den eigentlichen Moment des Einlasses Gottes in diese Welt, als deren eigentlichem schöpferischem Augenblick. Alles christliche Leben läßt sich im Grunde darauf reduzieren: Erst im Hinaussteigen in das Ungewisse liefert sich der Mensch an Gott aus. Natürlich heißt das nicht, ins Irrationale einzutreten. Im Gegenteil. Die Vernunft ist der Moment der Gottebenbildlichkeit in der Freiheit. Aber jedes Bedenklichwerden (nach Vernunftmaßgabe), jedes Zögern, jede Mutlosigkeit ist eine Glaubenslosigkeit, und darin (siehe u. a. Kard. Newman) ein Aussperren Gottes aus dem Weltenlauf, ein Herausnehmen der Welt aus der Vorsehung Gottes.

Das ist der Grund, warum der VdZ immer so vehement gegen eine so abgesicherte Kirche wettert, wie sie in einer einzigen Bewegung über den "rationalistisch aufgeklärten" Kaiser Josef II. bis zu Adolf Hitler zur Vollendung kam. Denn die sogenannte Kirchensteuer, als Höhepunkt einer Entwicklung seit Josef II., der die Kirche enteignete, ihr Vermögen im "Religionsfonds" sammelte, und so den Klerus staatsabhängig machte, die Verpflichtung zum Erhalt verstaatlichte (was übrigens für ihn ein Verlustgeschäft war, worüber er sich sehr enttäuscht zeigte), machte die Kirche zu einer wohlgesicherten Sonderanstalt, die mit der Welt nichts mehr zu tun haben mußte. 

Welt? Das waren fortan die anderen. Wirklichkeit? Die abzupuffern war nun Aufgabe des Staates. Niemand hatte sich mehr zu fragen, ob die tägliche Wirklichkeit, dieses tägliche Hineinwerfen in die Vorsehung Gottes, von Bedeutung war. Nun mußte man nur noch mit dem Kaiser (dem Staat) "verhandeln". Und alles und jeder hatte sein Auskommen.

Hitler hat das perfektioniert. In dem typischen Ausgang jeder gottfeindlichen Bewegung. Die in ihr Gegenteil umschlägt (weil es ohne gott keine Vernunft gibt), und doch genau damit erreicht, was der (wegen Gottesferne eben unvernünftige, nicht mehr klar denken könnende) Atheist beabsichtigte. Aber ohne daß er es weiß. Er stellte die Kirche auf sich selbst, und verlangte von ihr die Einhebung einer Kirchensteuer, in der Meinung, damit würden sich die Gläubigen ohnehin von der Kirche abwenden. Das Ergebnis war genau gegenteilig. Selbst 19444 und 1945 hatte die deutsche Kirche mehr Einnahmen, als VOR den katastrophischen Kriegsereignissen, die das deutsche Volksvermögen so schädigten. Aber genau damit ... hat er die Kirche ins Mark getroffen. Ohne es zu wissen. Er hat sie verbeamtet.

Damit ist auch schon alles dazu gesagt, daß die Diözese München-Freisinig unlängst ihren Vermögensausweis offenlegte. Der zeigte, daß sie über ein nominelles Geldvermögen von 5,5 Mrd. Euro verfügt. Man rechne das auf ganz Deutschland hoch. München ist dabei beileibe nicht die reichste Diözese Deutschlands. Mainz, Paderborn, Köln ... schwimmen im Geld. Der halbe Vatikan, und mit ihm halb Afrika hängt direkt am Geldtropf Deutschlands.  (Ein Schelm, wer da an Korruption auch der theologischen Inhalte dächte. Wie hieß es einmal in einem Buchtitel? "Der Rhein fließt in den Tiber!")

Dafür auch noch ein Nutzen-Argument anzuführen ist mehr als armselig. Es ist häretisch. Denn die Kirche ist eben kein gottabgewandete-weltliches Unternehmen, das sich auch gegen Gottes Vorsehung absichern muß. Ach, Rückstellungen für Pensionen? Sieht man einmal von etwas ab, wovon man gar nicht absehen dürfte. Daß nämlich Geldrückstellungen keineswegs "neutral" sind, sondern jenes Elend vergrößern, jenen unmenschlichen Leistungsdruck auf die Menschen, der diese Wertabsicherung täglich - täglich! - erarbeiten muß, denn Geld ist nur als relativer Leistungswert überhaupt ein Wert, und jeder Prozentpunkt Zinsen auf investiertes Kapital muß von produktiven Kräften (Arbeitern, der Wirtschaft - KEIN Beamter hat noch je einen Schilling produktiv erwirtschaftet, das darf man nicht vergessen, auch wenn sie nicht "unnötig" sind) erarbeitet werden. Sehen wir also davon einmal ab.

Dann ist nicht einzusehen, warum die Kirche als "societas perfecta" nicht genau das vorzeigen muß, was der Gesellschaft auferliegt: Das Umlageverfahren nach Generationen. Daß also die Pensionslast der Kirche nie jenes Maß übersteigen darf, das von der aktuell aktiven, tätigen Generation erarbeitet wird. Aber genau das hat die Kirche auf abscheuliche Weise ignoriert. Die Zahl der deutschen Kirchenbeamten stieg von 1960 bis 2015 von 150.000 auf über 700.000. Bei auf ein Drittel gefallenen Priesterzahlen, bei einer Reduktion der Kirchenmitglieder um die Hälfte, Tendenz anhaltend.

Deshalb ist ein Vermögen der Kirche in Deutschland (und Österreich; wo es freilich nicht ganz so krass ist; Österreich war durch Josef II. bereits besser "vorgerichtet"; das Konkordat war deutlich schlechter ausgefallen, als das des Stammreiches, geschlossen 1933, wo Hitler noch mehr meinte, er bräuchte die Kirchen) Unrecht. (Von dem Schwachsinn der linksgesoffenen Schwammgehirne, die ihre historischen Bauten, Kunstschätze etc. als "Vermögen" sieht, wollen wir da freilich nicht reden.) 

Wegen seiner Verwendung, wegen seiner Funktion. Denn dadurch ist es Blutgeld. Das ließe sich nur reinwaschen, indem man einerseits sofort (!) die Kirchensteuer aufgäbe udn die Kirche auf ihr eigentliches Fundament - freie Gabe, Almosen - zurückstellte, und anderseits mit dem vorhandenen Überfluß dutzende oder hunderte großartige und neue Kathedralen errichtete. Die getreu der Tradition der Kirche als kulturbildende Kraft das Handwerk, die Baukunst in Deutschland neu aufblühen ließen (und so nebenbei: vielen tausend Asylanten Sinn, Brot und Arbeit gäbe). Samt einer Prunkentfaltung in liturgischem Gerät, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat. So und nur so wäscht man dreckiges Geld rein. 

Als Startschuß für eine sinnvolle Neuevangelisierung. Mit einem Klerus, der sich täglich neu in die Hände Gottes begibt, am und vom Tisch der Gläubigen Gast, ihr Schicksal direkt und täglich neu teilend. So Gott in diese Welt einläßt. Und ihn nicht durch gesicherte und gelangweilte Existenzen ohne jede Gefahr eines Wirklichkeitseinbruches täglich neu aussperrt.

Aher dazu müßte man halt in das als Wirklichkeit einsteigen, von dem es sich am Sonntag so bequem predigt. Glauben, wagen, was man lieber anderen auferlegt, und im Zweifelsfall halt auch erläßt, immerhin - man glaubt es ja selber nicht. Und in einem fast übermenschlichen Einsichtsakt endlich jene zu hassen aufhören, die den Nerv des Christentums noch treffen und treffen wollen: Die Freien, die Mutigen, die Wagemutigen, die nur im Rückblick - nicht in aktualer Selbstzusprechung - als Heilige Erkennbaren. Die sich halt in einer so Kirche der Schmerbäuche und selbstzufriedenen Gutmenschen so gar nicht wohlfühlen.






*220616*

Mittwoch, 5. August 2015

Grundproblem Brot

Die Umstände rund um unser täglich Brot sind besonders bedauerlich. Denn es geht nicht einfach um quasi dieselben Zutaten. Es geht gerade bei der Brotherstellung um ... Zeit. Das chemische Endprodukt ist scheinbar dasselbe, ob Backtriebmittel verwendet werden oder nicht. Aber das Produkt ist schließlich ein anderes. Sigfried Gideon hat es deutlich genug aufgezeigt, und davor schon vor 70 Jahren gewarnt. Das bloße Umbrechen des Brotbackens auf technisch-rationelle Vorgänge beeinträchtigt das Grundnahrungsmittel Nummer Eins entscheidend. Wir essen meist nur noch den "Geschmack" wirklichen Brotes.

Ethisch zu handeln heißt hier eindeutig: Die Suche nach jenen extrem seltenen Kleinbäckern, die noch "echt" backen. Es gibt sie aber fast nicht mehr. In Wien ist dem VdZ nur ein einziger Bäcker, dessen Laden aber winzig klein ist, bekannt, der noch ein solcher ist. Der nur überlebt, weil er praktisch kaum Fixkosten hat, und eine feste Stammkundschaft. Der auch nur bäckt, was tatsächlich aktuell und rasch verkauft wird, und meist gegen zwölf seinen Laden schließt. Er müsse ja auch irgendwann einmal schlafen.

In Friesach in Kärnten, der nachweislich ältesten Stadt Österreichs, sah der VdZ unlängst eine original mittelalterliche "Bäckertaufe", intakt über der Metnitz schwebend, als warte sie auf den nächsten Kunden. Ein Eisenkäfig, in dem jeder Bäcker bei Produktverfälschung in der eiskalten Metnitz seine Straf-Schreckensmomente zu erleben hatte. Brot ist nach wie vor erstes Grundnahrungsmittel des Menschen. 

In Ungarn hat der VdZ noch keinen einzigen echten Bäcker gefunden. Auf Sicht ist hier jedes, wirklich jedes Brot ungenießbar, und kann darüber nur im stundenfrischen Zustand hinwegtäuschen. Die Ungarn können nicht mehr Brotbacken, wie so viele andere Völker auch, die den Handwerker durch den "skilled man" ersetzt haben, der ein paar technische Kniffe kennt, aber niemals schöpferisch tätig ist. Deshalb produziert er heute Schuhe morgen LKW-Planen, und übermorgen pflastert er Straßen oder moderiert Kreditgeschäfte. Es wird gerne, ja planmäßig vergessen, zumindest im Idealisierungsrausch übersehen, daß der Kommunismus dem Handwerk, und zwar jedem Handwerk, vollständig den Garaus gemacht hat. Im Westen sind wir nicht weit davon entfernt, es wird aus naheliegenden Gründen nur den Geschmacksempfindungen mehr Aufmerksamkeit zugewendet.

Deshalb reicht auch die im Film aufgeworfene Frage nach "vollständiger Deklaration der Inhaltsstoffe" bei weitem nicht. Produkt und Produktion wird auch bei EU.L.E. oft viel zu technizistisch gesehen. Wer Chemiekonstellationen kauft, hat schon ein Ernährungsproblem.

Das wäre wirklich eine Aufgabe der Politik, in allen Bereichen: Schutz des echten Handwerks, denn nur daraus entstehen wirkliche Produkte, nicht Simulation von Produkten, nur dort wächst das Werk zur Kunst, Grundproblem der Gegenwarts-Pseudowirtschaft. Doch stattdessen wird durch Internationalisierung und "Objektivierung" der Produkte der gegenteilige Weg weiter verstärkt.*

Der auch ökonomisch betrachet (und diese Rechnung hat bis heute niemand gewagt, aber sie ist die eigentliche Rechnung, die nahezu alles an Turbulenzen der Gegenwart erklärt) größte Unsinn war und ist, die Frau in den Arbeitsprozeß zu stecken. Diese Kosten werden in Qualitätsminderungen - die Waren sehen nur noch so aus, als wären sie das, wofür sie sich ausgeben - versteckt. Aber die Folgen für das Gemeinwohl eines Volkes sind derartig dramatisch, daß die Umwegskosten, die dafür entstehenden Ersatzkosten, jede Volkswirtschaft unzweifelhaft überfordern. Während die selbstverwirklichte Frau an der Kassa bei Billa oder Aldi sitzt und stupide Anwendunghandgriffe mit grauen Fingern an derben, abgearbeiteten Händen vollzieht, oder im Siemens-Management per Quotenregelung auf Mann spielt.

Es war eine der wunderbarten Errungenschaften unserer Kultur, darin enthalten: die Technik, der Frau die knochenharte. zweckgetriebene Mitarbeit an Hof, Haus und Betrieb zu ersparen, und dem Mann endlich jene Erwerbsentfaltung zu ermöglichen, in der er seine Familie ernähren konnte, ohne das Weib naturfremd mißbrauchen zu müssen. Noch im Mittelalter, übrigens, waren Mann und Frau von der Statur her in unseren Breiten kaum unterschiedlich. Auch das ein Hinweis auf die Absurdität des Wunsch der Rot-Schwarz-Grünfuzzis, als Speerspitzen einer Kulturregression, ja die perverse Lüge, der Frau "das Berufsleben zu ermöglichen". Man möchte vor solchen Schandmäulern ausspeien.

Denn der heutige völlige Verlust der Familienkultur ist maßgeblich darauf zurückzuführen, die Frau in den Erwerb zu drängen. Und - auch der Verlust hochwertigen Brotes, dem menschlichen Grundnahrungsmittel Nummer 1. Das noch in der Kindheit des VdZ jedes Bauernhaus über Tage sorgfältig und behutsam, in langsamen Fermentations- und Gärprozessen, die sich durch keinen chemischen Prozeß cleverer Wissender ersetzen lassen, von den Frauen des Hauses nach oft uraltem Hausrezept gebacken wurde. Und wo Bäcker in existentiellem Ernst, und unter Mühen, Plagen und mit viel Weisheit, ganze Ortschaften versorgten. Weshalb kein Ort war, der heutige Brotherschleuderer (pardon: Produzenten) nicht im in jedem Ort vorhandenen Wässerchen ersäuft hätte. Das allen schmeckte, weil es ein Zueinander war. Wo der echte Bäcker verschwand, begannen die Gesundheitsprobleme. Die USA sind ein bäckerloses Land, das ist der Hauptgrund, der die Menschen dort zu aufgeschemmten Fettinseln macht, weil der Körper keinen Substanzboden mehr findet.

Analoges gilt für sämtliche Produkte. Der Mensch braucht nicht hergestellte Wirkungen, er braucht Anschluß an die Ursachen.

Eigentlich müßte heute jeder, wirklich jeder Politiker bei Wasser und Brot auf der Galeere, bis ins dritte Familienglied, wie Friedrich II. es anordnete, die Schäden abarbeiten, die er verursacht.**









*Dabei, übrigens, ist der Mythos "Vollkornbrot sei gesund" glatter, ja bereits tief verblödender Marketingunsinn.

**Der VdZ ist sich völlig sicher, daß die Proponenten, die "Erfinder" der Zusammenhänge, die zur "Österreichischen Schule der Volkswirtschaft" zusammengefaßt werden, wenn sie vor diesen 100 Jahren mit diesem Phänomen, der Frauenarbeit, konfrontiert gewesen wären, es schärfstens wegen seiner verheerenden volkswirtschaftlichen Auswirkungen kritisiert hätten. Diese in Anthropologie tief gegründete Wirtschaftsanschaung, die sich nachgerade an der Anthropologie neu orientiert hat, wird leider heute von den "Neo-Liberalen" auf schändlichste Weise mißbraucht, die in Wahrheit ein Links-Verschnitt technizistisch-geistloser Wesenslosigkeit sind.



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