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Samstag, 7. Januar 2023

Fenserbrettvögelchen

Mich wundert die eurphorische Reaktion mancher Leute, die ich eigentlich für sehr gescheit halte, daß sie nun wieder auf Twitter zugelassen sind. Und nun nageln sie täglich drei Botschaften an deren Verteiler. Aus einer Reaktion in einem Gespräch aber sehe ich noch klarer, daß Twitter nicht ein Kanal "offenen Informationsflusses" ist, sondern WIE JEDES MEDIUM eine eigene Wirklichkeit erzeugt. An deren Gestalt dann allemöglichen Seiten ihre Kräfte verwenden, um sie ihren Vorstellungen gemäß aussehen zu lassen.

Nie, wirlich nie fand ich mich durch Twitter-nachrichten aber "besser informiert". Wa sich auf Twitter las sagte mir nur, was jemand AUF TWITTER geäußert hatte. Das sonst aber keine Bedeutung hatte. Sondern nur davon lebte 
Twitter berichtet, was auf Twitter steht. Es gründet somit einen eigenen weiteren Gesprächskreis, der dann irgendwo in der Landschaft des Lebens herumsteht. Twitter ist nicht wichtig, weil es Inhalte bietet, sondern weil es Inhalte auf Twitter bietet. Twitter hat Bedeutung, weil es Twitter ist. Twitter ist pure Tautologie, nahe am Selbstzweck. 
Twitter ist einfach ein weiteres Plaudereckchen, das selbst aber ... IRGENWO, also an einem Punkt im Raum, STEHT. Und DAS läßt eine Aussage über seine Bedeutung treffen. Ein Vorgehen also, das für diese Epoche so bezeichnend ist: In der nichts besser wurde, ERSTMALS seit Menschengedenken, dafür alles ANDERS. Wir sind heute also immer ausscließlicher mit der Lösung von Problemen befaßt, die es nur gibt, WEIL wir sie zu lösen versuchen. 
Damit wir uns recht verstehen: Nicht "weil es damit zusammenhängenge Probleme" gibt, nein. Sondern weil der (tatsächlich) wahnhafte Glaube, ein Problem zu lösen, DAS PROBLEM SELBST IST, das immer mehr Kräfte zu binden versucht, je mehr es ins Nichts steigt.  Wie ein Morot, der nichts mehr antreibt, sondern sich  selbst verzehrt, bis die Energie erschöpft weil er verschwunden, verbrannt ist. 
Wir verbrennen uns ebenfalls selbst. Auch an Orten wie Twitter.

Dienstag, 11. August 2020

Über den Umgang mit Aphorismen (2)

Teil 2) Ein zweiter Teil,
um das Gesagte zu verlangsamen,
und damit dem Inhalt auf andere Art gemäßer zu werden



Dies eingedenk, sehen wir Versuche, wie sie William M. Briggs über Twitter durchführt, mit einer gehörigen Vorsicht.

Der Leser möge das oben Gesagte selbst einbedenken, wenn er Nachrichten wie die Folgenden liest, in denen Briggs wie einen Aphorismus eine Aussage (nicht nur) über den Journalismus trifft.

Deren Formproblem mehr noch als bei deren "Entstehung", wie Briggs (oder zuvor Thomas von Aquin - Briggs "reitet" auf dessen Worten, so wie alles Sprechen das Reiten auf einem geliehenen Pferd ist) zu einem geistigen Problem wird. Dessen Spuren in der seelisch-sinnlichen Welt, in der konkreten Realität sohin, nur dann erkennbar sind und werden, wenn wir im Geiste das wirklich Wirkliche und damit Umfassende Ganze - Gottes Wort und Wissen ist der einzig sinnvolle Deutungshorizont der gesamten Dinge innerhalb der Schöpfung, ist LOGOS - begriffen haben.
Schriftlichung ist als Ensemblierung von Bildern, deren Inhalt "im Unsichtbaren Dahinter" steckt, die Aneinanderreihung von Repräsentanzen von wirklichen Dingen, deren Abstraktionsgrad nur dem zugängig ist, der die Entschlüsselungsmaschine für Symbole bei sich hat und bedienen kann.
Greifen wir Briggs Twitterbotschaft also exemplarisch heraus. Stellen wir dabei die Art ins Zentrum der Betrachtung, in der er mit einer großen Wahrheit aus dem Munde des "Engelischen Lehrers", also von Thomas von Aquin, umgeht. Die wir freilich schon durch die Transponierung in dieses Format - das eines zusammenhängenden, überhaupt erst Text seienden Textes - verändert haben. Weil eben ein Text, eine Nachricht, eine Botschaft, also Sprache, Wort, nicht ohne die Art begreifbar sind, in der sie übermittelt werden. Ohne es so banal und unvollständig auszudrücken, wie Marshall McLuhan es tat: Das Medium IST die Botschaft.
Freedom of mind is absolutely necessary for perfection in virtue, for, when it is taken away, men easily become "partakers of other men's sins", either by evident consent, or by flattering praise, or at least by pretended approval. (St. Thomas Aquinas)

(Übertragung:) Freiheit des Geistes ist für die Vollkommenheit in der Tugend absolut notwendig, denn wenn sie fehlt, werden die Menschen leicht zu "Teilhabern an den Sünden anderer Menschen", entweder durch offensichtliche Zustimmung oder durch schmeichelhaftes Lob oder zumindest durch vorgetäuschte Zustimmung.
This is how journalists go bad.
(Übertragung) Genau das ist der Grund, warum Journalisten heute immer schlechter werden.
In sich ist also die Nachricht das Ausgesagte selbst! In einer Tautologie drückt der Hl. Thomas das aus, was der Ausdruck selbst ist und damit illustriert: Die Wahrheit ist ohne die innere Struktur und Charakteristik ihres Trägers nicht denkbar weil möglich. Der Duft des Gesagten ist selbst Teil des Gesagten. Und der Inhalt verändert sich in dem Maß, als das Medium wahr sein kann.
Vielleicht ahnen wir nun, warum die Wahrheit selbst ... Person ist. IST. Nicht "sagt", wie eine Lehre. Wie die Wahrheit aber nicht einfach Person, sondern ... göttliche Person ist, nämlich: Jesus Christus. Der Weg, Wahrheit und Freiheit selbst ist. IST. Als das einzige Medium, in seiner leibhaften Inkarnation, in seiner Historizität, das der Wahrheit selbst gemäß ist. Weil er also Sakrament ist.

Ahnen? Ja, ahnen. Weil Ahnen die letzte uns erreichbare Möglichkeit und Fähigkeit ist, in der wir uns Gott, der Wahrheit selbst, nähern können. Denn die Natur dieses Mediums ist uns nicht in Besitz gegeben. (Auch wenn wir in den letzten Jahrzehnten in der Illusion gewogen wurden, sie wäre uns verfügbar, unseren eigenen Händen, unserem eigenen Wollen übergeben weil "gleich".)

An ihr wirklich teilhaftig zu werden, selbst Medium der Wahrheit zu werden sohin, ist aber nur noch als Gabe Gottes denkbar, weil geschenkhafter Teil der wirklichen Wirklichkeit. Achten wir nur darauf, daß wir nicht als Twitter-Bildschirm durch die Welt laufen. Denn dann wird sie nie Platz nehmen, und Sitz und Thron der Wahrheit selbst sein.
Sodaß wir der Aussage von Briggs eine sorgenvolle Konnotation beifügen müssen. Ob nämlich nicht der Verfall des Journalismus eine Folge der Prägung der Menschen DURCH die konkrete Gestalt der Medien sind, in denen sie in die Welt gebären. Denn es ist das Format, das den Inhalt eigentlich formiert weil den Rang der Botschaft vorgibt. Dem dann jede Interpretation auf genau jener Stufe folgt, auf der sie serviert wird.  
Sodaß wir uns ernsthaft Sorgen machen müssen, wohin Briggs selbst eines Tages gewandert sein wird. Der solche Botschaften wie oben per Twitter verbreitet.


*230520*

Montag, 10. August 2020

Über den Umgang mit Aphorismen (1)

Sind Aphorismen die eigentliche Art der Mitteilung über Twitter? Immerhin verlangt das Medium Kürze, und damit Prägnanz, und damit jene Abstraktion im Geiste, die auch Aphorismen kennzeichnen. Die ja mehr sind als "kurze Mitteilungen". Die eine Wahrheit über die Welt und das Leben nicht einfach komprimieren, sondern destillieren. Und wer egal welches Ding destilliert, erhält seine Feststoffe als Rest, als Tragegerüst des Dinges selbst.

Aber ist das so? Ist das Destillat noch das Ding? Oder ist dafür nicht jenes Häkelgarn notwendig, das nicht nur die Feststoffe der Wirklichkeit bedeuten, sondern dessen Geschmack, Farbe, Ton - und damit jene sinnlichen Eigentümlichkeiten, die keine (sozusagen) Einschränkung auf "das Ding" bedeuten, sondern das Ding gar nicht anders konstituiert sein lassen als auch MITSAMT seinen Einbindungen, samt seinen Eigenschaften im Ausdruck und das heißt in der Realisierung einer Beziehung?

Ist also zum Beispiel ein Mensch "an sich" denkbar, der nicht inmitten aller seiner Beziehungen, vergangen oder gegenwärtig, steht und stand und stehen wird? Ja, letzteres vor allem wird ja meist vergessen: Der Mensch (und jedes Ding) ist in seiner Gegenwart vor allem - vor allem! - auf das Zukünftige ausgerichtet. Jenes Morgen, auf das hin zu spannen eigentlich erst Leben bedeutet. Als Widerständigkeit, durchaus als Widerständigkeit gegen das Heute. Das, wenn es ihm fehlt, seinen mehr oder weniger baldigen Tod bedeuten würde.

Um nicht zuletzt eines zu vergessen: Den Übermittler des Gesagten, Ausgedrückten, das materielle Medium selbst. Das Handy, den Bildschirm. Auch wenn wir das meist vergessen, weil es nämlich zu selbstverständlich ist (sic!), ist dieses "harte" Medium selbst Teil der Botschaft. Die zu senden ein Fehler ist, ohne daß dabei bedacht wird, in welcher Gestalt es beim Empfänger ankommen wird.

Somit stoßen wir auf einen fundamentalen Widerspruch dabei, über Twitter Aphorismen senden zu wollen. Denn das harte, konkrete Medium der Übermittlung ist ein Medium der Flüchtigkeit, der kurzfristigen Vergänglichkeit. Noch mehr, es ist ein Medium, in dem die Botschaften und "Inhalte" (also der übermittelte Text, das gesandte Bild oder das "shared" Filmchen) in die totale Verfügungsgewalt des Empfängers gestellt werden.

Durch die mit dem Medium verbundene Aufforderung, es zu manipulieren, also "irgendetwas damit zu machen". Und das heißt, daß der Empfänger in einem Zusammenhang steht, in dem er sich als Herr über das Empfangene weiß.

Und das widerspricht dem Wesen des Aphorismischen. Das durch seine Abstrahierung als Erfassen der wirklichen Wirklichkeit von sehr weit den ersten Grundzügen der Welt entsprechenden Wahrheit der Wirklichkeit des Ewigen, Unvergänglichen und Bleibenden nahekommt.

Aphorismen über Twitter zu versenden entspricht somit dem Ausliefern von Perlen an die Schweine. Nicht, weil die Empfänger Schweine sind, sondern weil es durch die Art der Übermittlung an ein zum Schweinefutter an sich wird. Das auch in diesem Rang und Stand beim Empfänger ankommt.* Damit beschädigt der Sender von Aphorismen den Rang der Ewigkeit selbst. Und reduziert die Weisheit und Wahrheit selbst zu dem eines Schweinefutters.

Wollen wir es deshalb als Notgriff sehen, als letzte Möglichkeit, überhaupt noch zu kommunizieren. Inmitten einer Sozietät, in der jeder Einzelne bereits dermaßen isoliert und vereinzelt steht, ohne verbindliche Verknüpfung zu Nächsten, daß er nur noch über eine Ebene erreichbar wird, in der es von ihm selbst abhängt, ob das, was ihm in der Welt begegnet, tiefen oder hohen Rang besitzt.

Also überlege der Sender von Twitter-Nachrichten gut, an wen er seine Botschaften richtet. Um nicht der Wahrheit ins Gesicht zu schlagen, weil der Empfänger zu dieser gerechten, also gemäßen Zuteilung gar nicht in der Lage ist. Denn sogar im haptischen, also "normalen" Leben, mit physischen Kontakten, mit "langsamer" und sinnlich umfassender Welt, ist uns bekannt, daß ein Gesagtes vom Gegenüber nicht begriffen wird, und somit die Kommunikation mißlungen weil sie von Un- und Mißverstehen geprägt ist.

Twitter macht das faktisch unmöglich, weil der Empfänger meist nicht eingegrenzt - also gar nicht "adressiert" - ist. Der Twitternde baut somit Schuld auf. Nämlich die Schuld des Risikos der Beschmutzung der Wahrheit selbst - dieses Risiko einzugehen ist selbst bereits Schuld - gegenüber.

Die wir zu hüten haben wie unseren kostbarsten Augapfel. Nicht nur in unserem Bemühen, sie zu finden, sondern auch in der Art, wie wir sie wie eine stachelige, kostbare Frucht in unseren Händen halten, und dann in die Welt stellen.

Das war ja das Problem zum Zeitpunkt der Etablierung der Schrift, das aus den Bildsymbolen her, die zusammengestellt wurden (wie in einem Bild, einem gemalten Bild!), und die selbst Nachahmungen (aus der Bewegung der realen Dinge somit stammend) von "natürlichen" Gegenständen waren.

Die immer Symbol eines Wirklichen sind, also eine weit umfänglichere, unsichtbare Welt in deren wirklicher Wirklichkeit darstellen. Das also, was Dinge sind, ist nicht sichtbar, aber zugleich das dieses Ding konstituierende Geistige, also wichtiger weil wesentlicher. Somit der Rhythmus, in dem die Schöpfung schwingt, die auf dem Rücken des Wortes reitet, das da Gott war und ist.

Als wir begannen, dieses Wort auf einen Träger zu bannen - Papyrus, oder unter ungeheuren Mühen fein- und dünngeschabte Tierhäute - war das nur denkbar, wenn wir es zu einer kostbaren Gestalt formiert haben. Durch begleitende Malereien, durch Initialen, in denen die Botschaft selbst bereits enthalten war, die der weitere Text nur insofern ausgedeutet hat, als er bewußt Bezug auf die Erinnerung nahm, um so dem Gesagten sein Medium gar nie streitig zu machen: Den Geist, als den Geist der Erinnerung, als den Geist der Begegnung mit dem Unsichtbaren, der Wahrheit, dem Geiste selbst.

Wie soll das aber bei Medien möglich sein, deren Gestalt an sich auf Flüchtigkeit und Vorläufigkeit weil jederzeitige Bereitschaft, ja Aufforderung, sie zu manipulieren (also zu "gestalten"), ausgelegt ist?



Morgen Teil 2) Ein zweiter Teil,
um das Gesagte zu verlangsamen,
und damit dem Inhalt auf andere Art gemäßer zu werden


*Nehmen wir zur Illustration ein Beispiel: Tiere "erkennen" nur, was in ihnen selbst "vorkommt", was also ihrer ontologischen, also geistigen (!) beziehungsweise im Geist formierten Lebenswelt (sic!) vorkommt. Das ist sogar erblich, wie unter anderem Konrad Lorenz bei seinen Forschungen bewiesen hat. 

Sie erkennen nicht die Welt und Wirklichkeit selbst - weil sei keinen Geist haben, in dem sie abstrahieren könnten. Sodaß sie deshalb nicht die Dinge in ihrem wirklichen Wesen, sondern nur in ihren direkten Bezüglichkeiten erkennen. Soweit sie ihren Lebensformen also bereits entsprechen. Man kann neben Tauben Gewehre abschießen (mit denen man die Tauben tötet), und sie werden sitzen bleiben, bis alle tot sind. Während sie die Form (!) eines Raubvogels ... ahnen. (Zum Ahnen siehe morgen und ganz am Ende des Artikels mehr, wenn es noch nicht jetzt klar ist.)

So nebenbei: Das ist der tiefe und so schöne Sinn der Verwendung von bunten Fensterfüllungen (mehr oder weniger "Glas") in gotischen Kirchen. Denn das erst noch ungeformte Irdische (die materia prima, die noch unbestimmte Materie, die unsichtbar ist) als Medium des Geistes - die unsichtbare Struktur des unseren Augen unzugänglichen, also ungeformten Dinges ist für die Brechung des Lichts entscheidend - macht die Schöpfung (= das Licht!) zu einem sinnlich erfahrbaren Ding. Dinge sind erst durch Farbe (aus dem Brechen des Sonnenlichts) erkennbar. Das ist kein Ausflug ins hier Unwesentliche. Der Sinn dieser Ergänzung wird im nächsten Teil erkennbar: Die Struktur des Irdischen entscheidet, was in ihm sichtbar wird ...


*230520*

Mittwoch, 16. Oktober 2019

Kritik, die dasselbe tut wie das, was sie kritisiert (6)

Teil 6)



Wenn Roy freilich versucht, die Umwelt- und Ökologiebewegungen als Versuch zu deuten, aus diesen unentrinnbaren menschlich-kulturellen Matrizen zu entkommen, um so zu einem besseren Selbst zu gelangen, zeigt er, daß er es nicht (wie McLuhan) verstand, die Medienkritik auf einer soliden Metaphysik aufruhen zu lassen. Aus der nämlich klar würde, daß der Mensch selbst die Matrix ist, die den Menschen in einer "Matrix" eingegliedert sein läßt, die ihm gemäß ist - und die in Jesus Christus die einzige vollkommene Matrix gefunden hat. Sodaß daraus sogar die Erlösungsbedürftigkeit klar wird. Roy ist eben Protestant. Genau dort liegt deren Defekt. 

Sie sehen die Welt nicht in den Menschen "hineinlaufen", also alle ihre Formen im Menschen vorhanden, wenn auch notwendig zu reinigen und die Form Christi in Anähnlichung aufzunehmen. Ein Christentum ohne Gestalt Christi ist somit überhaupt nicht vermittelbar! Denn in Christus ist Medium und Information (um in medienkritischen Termini zu sprechen) vollkommen in die Welt gekommen. Genau das hat sie nach dem Sündenfall gebraucht, der dieses Urbild aus der menschlichen Welt gestoßen hat (bzw. dann umgekehrt.) Ausgehend von einer Einheit der Sinne (sic!) ist die Begegnung mit dem Wirklichen immer eine ganzheitliche Angelegenheit, die bei Reduktion auf einen oder zwei Sinne zwangsläufig defiziös ist.







*250819*

Dienstag, 15. Oktober 2019

Kritik, die dasselbe tut wie das, was sie kritisiert (5)

Teil 5)



Die amerikanische Popkultur muß man als solche Universalsprache sehen, die einen globalen Totalitarismus vorbereitet und trägt. Sie hat sogar die Rebellion integriert, aus der sie ursprünglich stammte, und über die elektronischen Medien zu einer vordergründigen Grundhaltung gemacht, die bestens geeignet ist, den Schein von Individualität zu schaffen. Es waren aber die Medien selbst, die alle uniformiert haben! Die einen waren uniformierte Rebellen, die anderen uniformierte Mainstreammusikhörer, alle Teil desselben globalistischen Systems, das über die Medien selbst wirkte. 

Das Medium, das Format ist viel bedeutender als der Inhalt! Die verschiedenen Inhalte sind lediglich Zuschneidemaßnahmen ein und derselben Vermassung, um allfällige mentale Widerstände zu überwinden. Was genau den Kern der Kritik trifft, die der VdZ an "rechts und links" anzubringen hat, und hier immer wieder anbringt. Die immanent demselben System angehören, das viel wirkmächtiger ist als vermeintliche andere Inhalte.

Das ist auch der große Irrtum das Internet und die social media betreffend. Die den Eindruck vermitteln, daß man eine unübersehbare Fülle von "verschiedenen" Richtungen an Information etc. abrufen kann, und deshalb völlig frei ist. Aber in Wahrheit geschieht etwas ganz anderes! Man wird durch die Art des Mediums gebunden und geformt, NICHT durch die sogenannten Inhalte! Alle haben dieselbe Wirklichkeit akzeptiert, und darauf kommt es an.

Die wahre Unterwerfung geschieht durch das Medium und durch die Technik, nicht durch angeblich diversifizierte Inhalte. Sie formt die Art, wie wir leben, sie formt die Art, wie wir die Wirklichkeit rezipieren. Unsere tiefsten seelischen Haltungen werden verändert, und die sind das Entscheidende! Die Menschen werden an den Bildschirm gebunden, während sich die Aufmerksamkeit gegenüber der unmittelbaren Lebenswelt verringert. (Wir haben darauf 2011 in einem langen Artikel zu handeln versucht, der darauf hingewiesen hat, daß Twitter als Instrument des Papstes in sich ein völliges Verfehlen des Katholischen bedeutet.) Und genau darum geht es auch! Der social media-Konsument wird immer mehr verfügbarer Teil des unsichtbaren, drahtlosen Organismus.  

Der damit immer mehr zum eigentlichen Subjekt der menschlichen Geschichte wird. McLuhan drückte das einmal drastisch aus: Menschen sind dann nur noch die Sexualorgane von Maschinen. Selbst die Mythologie, die darum gebildet wurde - die Matrix, und der Kämpfer gegen sie - sind eine Täuschung, weil sie sich innerhalb derselben Medienmechanik abspielt, gar keine relevante Wirklichkeit hat. Selbst die Gegnerschaften in social media sind reines Entertainment. Die Leute gehen nach dem Sehen so eines Kampfes nicht in die Welt hinaus und befreien sich von der Matrix, sondern wollen nur noch mehr von diesem Drama sehen - und in der Matrix bleiben. Die davon erzählt, wie man sich davon befreit ... Auch die "seriöseren" Konsumenten der social media unterscheiden sich in nichts von Pornokonsumenten. Allen geht es um den Kick der Lebensintensität, die sie nicht mehr selbst produzieren wollen und können. Die social media (Internet) sind immer Entertainment! Die Inhalte sind rationalisierte Täuschung. Und darum geht es.

McLuhan hat begriffen, daß alle diese Dinge hinausverlagerte Haut des Menschen ist. Unter diesem Aspekt hat er auch die Stadt kritisiert, die Symptom für eine in sich immer abgeschlossenere menschliche Welt war, die Gott ausschloß. Wie er sie in der Erzählung des Turms von Babylon archetypisch sah. So sind auch die Medien der Gegenwart (im besonderen, denn da wird es sehr deutlich) eine Gegenwehr gegen Gott, der draußen bleiben soll. Während wir die Einbindung in die Schöpfung immer vollständiger verlieren, und uns nur noch mit unseren Matrizen umgeben, in denen wir uns eine inhaltlich-moralische Entscheidung imaginieren, die es gar nicht gibt. Die social media sind eine extreme Form des Ungehorsams Gott gegenüber! 

Die in der Stadt versucht ist, das Himmlische Jerusalem - eine Stadt als Erlösungsvollkommenheit der Welt - nachzuahmen bzw. vorzutäuschen. Man baut einen Bildschirm zwischen sich und Gott, darum geht es. Während der Tempel und die Himmlische Stadt Jerusalem Ausdruck jenes vermittelnden Mediums ist, in dem Gott die Menschen an sich teilhaben lassen will. Sowohl Jacques Ellul wie auch Marshall McLuhan sind nur unter diesem theologischen Aspekt begreifbar. 


Morgen Teil 6)


*300819*

Montag, 14. Oktober 2019

Kritik, die dasselbe tut wie das, was sie kritisiert (4)

Teil 4)


Aber die Medien verändern auch die innere Struktur der Probleme, ja sie schaffen sie regelrecht, und prägen der Bewältigung des Lebens eine technisch-organisatorische Struktur auf. Die immer auf Kosten der persönlichen Freiheit geht. Gerade an ökologischen Fragen sieht man deutlich, wie Probleme von der persönlichen Ebene weg hin zu statistisch-organisatorischen Fragen verlagert wird. Das hat mit der Natur der Medien zu tun, die die Botschaften verändern, und damit auch die Art, wie Probleme gesehen und behandelt werden, weil unsere gesamte Rezeption der Welt verändert wird. Auch in der Rangordnung sieht man genau das: Ökologische Fragen werden höher bewertet als Fragen der individuellen Freiheit, weil sie durch die Medien und der Art, wie sie Botschaften transformieren, zu einem technisch-statistischen Problem werden. 

Die Technisierung und Entwurzelung der Individuen (social engineering) hat über das Zerreißen ethnisch-religiöser, geschlossener Räume in den Innenstädten zur Entwicklung des Vororteproblems geführt, das bewirkt, daß die Menschen immer weiter von der Natur und ihren Vorgängen als Lebensraum entfernt werden, während sich ihre Weltrezeption schon rein quantitativ auf Technik verlegt. Man kann nicht einmal mehr ohne Auto irgendwohin kommen. Damit zerreißt der unmittelbare existentielle Zusammenhang mit der Natur, die ständig wechselt und wechseln kann, aber keine direkte Verbindlichkeit mehr hat. Diese kann nur noch konstruiert werden. 

Ja, das gesamte Leben wird immer mehr zu einer Unterwerfung unter technische, organisierte Prozeduren. Diese verändern uns, und sie verändern die Natur der Lebensfragen, die wir damit zu lösen versuchen. Wir müssen immer mehr die Art der Technik annehmen, integrieren, die Art wie sie denkt. Was als "Verbesserung" beginnt, breitet sich damit zwangsläufig über unser gesamtes Leben aus, das adaptiert werden muß, und weil alles zusammenhängt, alles zu verändern beginnt. Das ist ein Prozeß, der sich spiralenartig mehr und mehr beschleunigt.

Haben wir deshalb unsere gesamten Lebensräume (Städte) nach dem Auto ausgerichtet, so bringt die Handy-Kultur eine noch totalere Anpassung an die Technik mit sich. Wir werden durch das Handy (iPhone) zu einem Teil eines Netzes, in das wir uns integrieren, und dem wir alles anpassen. Unser gesamtes Wahrnehmen von Raum und Zeit verändert sich dramatisch, weil wir wie mit einem Netz verdrahtet sind. Man sieht es etwa daran, daß niemand mehr auskommt, ohne alle zwei Minuten sein Handy zu konsultieren, ob das Netz Aufträge oder Stimuli für ihn hat. Das ist eine Sucht! Mehr noch aber: Während wir selbst (durch Verlust des Selbstbesitzes) ins Chaos versinken, wird das System mehr und mehr notwendig, um uns wieder Ordnung zu geben. Unsere heutige Gesellschaft ist deshalb von diesen beiden Extremen gekennzeichnet: Extremes Chaos - und extreme Systemunterordnung. Jacques Ellul hat genau darauf hingewiesen: Das eine füttert jeweils das andere. Wer sich nicht selbst ordnen kann, schreit nach Ordnung von außen.

Wo immer Medien und Technik auftauchen, beginnen sie, das soziale Leben um sich herum zu gruppieren. Wird eine Straße gebaut, ordnet sich das gesamte soziale Leben darum herum. Als der Fernseher auftauchte hat sich das Leben der Menschen gesamter sozialer Umgebungen, mit allen Bräuchen und jahrhundertelangen Traditionen, über Nacht ausgelöscht. Wenn man heute am Abend durch ein altes Dorf geht sieht man die Straßen, die früher voller Menschen waren, menschenleer, aber überall hinter den Fenstern das Flackern von Bildschirmen. 

Auch die Sprache hat sich völlig verändert. Früher hat jeder Ort, jeder Landstrich quasi seine eigene Sprache gesprochen. Heute ist die Sprache überall gleich weil angepaßt. Kein Wunder, daß sich niemand mehr ausdrücken kann! Bei der Gelegenheit muß man auf den verheerenden Effekt einer Standard-Sprache in Deutschland hinweisen, die von der Zentralmacht eingeführt wurde, und nun alle Menschen gleich machte und gleich (oder gar nicht mehr) denken ließ. Da konnte es gar nicht ausbleiben, daß sich faschistische, nationalistische Strömungen in allen Weltanschauungen bildeten.

Die Gesamtkultur wurde eliminiert (und zur Ideologie), weil sämtliche Partikularkulturen (durch die technischen Netze, durch verordnete Einheitssprachen) verschwanden. Es mag manchem seltsam klingen, aber es war der Nationalstaat, der den Boden für einen globalen Staat vorbereitete, wie er sich heute anschickt zu bilden! Nur macht es die Globalisierung mehr mit Verführung, nicht so deutlich mit Gewalt, wie es im 19. und 20. Jahrhundert praktisch überall in Europa geschehen ist. Aber auch diese neue Zentralsprache, die überall und als angebliches Staatsmerkmal eingeführt wurde, ist ein Medium, das eine Art von Wahrnehmung und Denken aufprägt. 


Morgen Teil 5)


 *250819*

Sonntag, 13. Oktober 2019

Kritik, die dasselbe tut wie das, was sie kritisiert (3)

Teil 3)



Das hat sich darin gezeigt, daß sich unser System in den 1960ern von einem System individueller Schuld dem Sein gegenüber (Beichte, Katholizismus) zu einem System der (durch Verhaltensänderung aber tilgbaren) Schuld an technischen Prozessen war. Mülltrennung. Vegetarismus. Umweltschutz. Klimarettung. Ölkatastrophe. Ständig neue Formen von Ungerechtigkeiten. Alle Sünden waren plötzlich mathematisch auflösbar. "Wenn man so und so viele Bäume täglich schlägert, wie lange würde es dauern, bis alle Bäume des Amazonas geschlägert sind?" "Wenn man täglich so und so viel CO2 ausstößt, wie lange wird es dauern, bis die Welt verdampft?" Die Welt wurde generell zu einem mathematisch ausrechenbaren Problem, und Ethik wurde zu einer mathematischen Operation. Mathematik wurde zum ökologischen Problem.

Gibt es mehr Technizismus?  Mit der Zeit hat sich seit den 1950er, 1960er Jahren ein aberwitziger, technizistischer Kontrollapparat aufgebaut, der sich darauf zurückführt zu meinen, die Probleme der Welt durch mathematisch-strukturierte Technizismen lösen zu können. Moderne pur. Und konnte man dieses eine Problem nicht lösen, suchte man ein anderes, das mit mathematisch-technizistischem Gehabe zu lösen schien. Damit ist eine Form von Öko-Faschismus entstanden, der uns völlig beherrscht.

Eine Graswurzelbewegung ist der Ökologismus nie gewesen. Er hat immer auf Propaganda und Gesamtmechanismen abgezielt, denn "von unten", aus der Wahrnehmung der Menschen heraus, geschah .. gar nichts. Also versuchte (und versucht, heute mehr denn je) man, ständig in das Unten (also in die Bereiche des Einzelnen) direkt einzugreifen, durch ständig mehr Verhaltensvorschriften und -zwänge. ABER wenn man ständig "bewußt" in eine Organisation (Gesellschaft) eingreift, die aus einem inneren, natürlichen Ordnungsdrängen zusammenhält, passiert nur eines: Sie verliert ihre innere Ordnung. Sie wird zum Chaos.

Und zwar nicht, weil hier oder da etwas an den Eingriffen "falsch" läuft. Wie der Technizismus denkt. Sondern weil der Mensch seinem Wesen nach frei IST. Und an diesem Punkt seine Existenz überhaupt erst zu existieren beginnt! (Und wer möchte nicht existieren? Ist das nicht der erste Drang jedes Menschen?) Nicht im Ergebnis, nicht im Großen, nicht im Gesamtbild des Faktischen. Jede Änderung im Großen kann deshalb nur aus dem Zwiespiel von Offenheit gegen ein Gesamtbild der Vorsehung hier, und dem, was der Mensch machen kann, seiner sittlichen Entscheidung dort (also der Ethik, der Moral in deren kultureller Form) sein. Dem Menschen im Einzelnen diese Freiheit(smöglichkeit) zu nehmen heißt deshalb immer, das Ganze ins Chaos zu stürzen. Ein Paradox! Aber die Welt als Geschichte mit Gott, dem Sein selbst, ist eben ein Paradox. Nicht irrational, sondern über-rational.

Jeder Eingriff in einen Organismus durch eine Organisation muß durch noch mehr Organisation kontrolliert und korrigiert werden, um die Natur des Einen, Untersten zu befrieden. Sie muß damit zwangsläufig wachsen. Die Gesellschaft des industriell notwendigen Wachstums wird wie von selbst zu einem System der Kontrolle der Aufrechthaltung eines endlosen Konsums. Und die Notwendigkeit des endlosen Konsums bewirkt die Manipulation der Menschen zu dafür geeigneten Konsumenten. Homosexuelle, sterile, vorübergehende menschliche Bindungen. Sexuelle Befreiung als sexuelle Sklavenschaft. Entwurzelung als Konzept einer technokratischen Gesellschaft, als Konzept der Moderne. Im Endeffekt endet dieses Konzept bei der Beschuldigung des Menschen, überhaupt zu existieren, weil alle Probleme zu verursachen, wenn er Mensch ist. Er kann nur genügen, wenn er aufhört, Mensch - und damit frei - zu sein.

Die Freiheit, die uns noch bleibt - im Wesentlichen ist sie nur noch Mobilität, aber in allen Gebieten, weil Wurzellosigkeit - verlangt schließlich, daß wir uns deren Eigenschaften anpassen. Wir beginnen also, die Sprache der Bewegung zu sprechen, deren Gedanken als Weltgedanken zu akzeptieren. Denn Medien (und Transportmittel sind eben solche Medien) sind nicht neutral. Sie zwingen uns ihre inneren ontologischen, wirklichkeitsrelevanten Gesetze auf. Und die sind nicht ident mit dem logos, mit der Sinnstruktur des Menschen selbst.

Unser Denken wird zu einem Denken, wie das System funktioniert. Denn weil alles mit allem zusammenhängt, durchwirkt dieses nur noch technische Funktions-Denken sämtliche Bereiche unseres Lebens. Das führt zu einem Gleichschaltungsprozeß sämtlicher unserer Lebensbereiche, und muß sich ständig diesen Anforderungen von Neuem anpassen. 

Dieser von der Technik ausgehende Effizienzsteigerungsprozeß beschleunigt nicht nur alle Vorgänge, sondern er beginnt, uns mehr und mehr zu versklaven. Weil wir uns immer mehr von Maschinen abhängig machen. Ideellen Maschinen, oder solchen aus Eisen und Computerprogrammen. Mit den social media sind endlich dann alle Menschen jederzeit koordinierbar, und zwar gemäß technischer Prozesse, die im Grunde beim Stromnetz begonnen haben, und bei den Mobilitätskonzepten eine nächste wirkmächtige Quelle haben, die alles durchstrukturiert. Ellul schreibt deshalb einmal, daß der Fahrplan der Eisenbahn so großen Einfluß auf unser Leben hatte, da sich unser Leben mehr und mehr nur noch daran ausrichtete. 

Die alten Taktschläge übrigens wurden mehr und mehr obsolet, wie Kirchenglocken, die Sonne, der Ablauf der Jahreszeiten, das Wetter, die Feiertage, das Gedächtnis an vergangene Ereignisse, die die Charakteristik von Tagen anzeigen, und so weiter. Eine Ordnung der Welt wurde mittlerweile durch eine Ordnung der technischen Ablaufoptimierung einzelner Lebenselemente (Strom, Internet, etc. etc.) ersetzt. Die aber nicht mehr der Natur der Welt und unserer eigenen Natur entspricht.

Das alles verändert zwar nicht unser innerstes Wesen, das in seinen Grundforderungen immer mehr unerfüllt bleibt, es verändert aber unser Verhalten, unsere Haltungen. Wir haben unsere Aufmerksamkeiten und nervlichen Fähigkeiten (Konzentration) diesen neuen Anforderungen anzupassen, weil sich die Wichtigkeiten in unserem gefühlten Werte- und Hierarchiesystem neu arrangiert haben. Denn wir sehen nicht, daß uns die Medien ihre Sprache aufdrängen, die sie benötigen, und dadurch die Inhalte wesentlich (sic!) bestimmen.

Heute kann deshalb kaum noch jemand zwei Absätze hintereinander lesen, ohne sofort irgendwelche Informationen zu suchen, um sich des Gelesenen gewisser zu werden. Die gesamte Haltung zu unserem überlieferten Kulturgut hat sich dramatisch geändert. Wir "trauen" ihm nicht mehr. Weil sich unsere Position verändert hat. Wir sehen nicht mehr die relevanten Orte. Wir befinden uns nur noch an zufälligen, zugewiesenen Orten.

Die Dominanz des öffentlichen Systems und der Verlust der sozialen, verwurzelten Ordnungen, der Ausbruch des sozialen Chaos, hängen direkt und ursächlich mit der extremen Bedeutung der Medien heute zusammen. Die uns nicht zuletzt über Bequemlichkeiten dazu verführt haben, diese neue prägende Kraft technischer Abläufe zu akzeptieren. Die uns das Leben regelrecht aus der Hand schlagen. 

Morgen Teil 4)





*250819*

Samstag, 12. Oktober 2019

Kritik, die dasselbe tut wie das, was sie kritisiert (2)

Teil 2)




Ellul kam zu seinen (ausgezeichneten) Analysen, weil ihm etwas auffiel, das niemandem wesentlich schien, ihm aber war: Ende der 1930er Jahre verwandelte sich die Stadt schlagartig, ja über Nacht. War sie zuvor noch reiner Begegnungsraum von Menschen gewesen, mit spielenden Kindern auf den Straßen und Menschen, die tief in Lebenswelten verwurzelt waren, war sie plötzlich Verkehrsfläche für eine neue, motorisierte, mobilisierte Welt. Die dann im Zweiten Weltkrieg endgültig Wirklichkeit wurde. Plötzlich ging es überall nur noch um losgelöste, universalistische Ideen, die einen verwurzelten Menschen nicht mehr brauchen konnte, der sogar zum störenden Element wurde. 

Autos und moderner Krieg sind deshalb Elemente derselben Spielkiste, der Verwurzeltheit nur im Wege steht. Wie sich im Konzept des totalen Krieges sehr deutlich zeigt: Verbrannte Erde war nicht nur ein Konzept des Bombenkrieges, es war Kriegskonzept aller Mächte. Die Vergangenheit, die Tradition zu schützen war nur "museales", vor allem aber medientechnisches, "zweitwirkliches" Element, das aber keine reale Bedeutung mehr hatte. Und diese Zweitwirklichkeit (Pseudologie) ist das vordringlichste Merkmal der Moderne. Totalitarismus ist deshalb nur der Ausfluß eines alltäglichen Lebens der Entwurzeltheit, die ständige Mobilisierung verlangt. (Womit wir bei der fundamentalsten Kritik am Islam angelangt wären.) 

Damit hatte sich der "natürlich gebliebene" Mensch im 20. Jahrhundert immer mehr gegen die moderne Gesellschaft zu wehren. Die Freiheit und Natur gefährdete. Ellul legte somit die geistigen Fundamente für die eigentlichen Ursprünge der ... 68er Bewegungen! Die anfänglich ein Kampf gegen die Moderne waren, ehe sie in eben dieser Moderne untergingen. Mit einem Funkenblatt an Feinden, das manchen überraschen mag: Medien, Tempo, Technizismus, Motoren, Mobilitätskonzepte und ... die moderne Demokratie, die auf Propaganda als technizistischer Enteigentlichung des Menschen beruht. 

Alle Dinge, über die heute medial diskutiert wird - und das betrifft INSBESONDERS die social media, das Internet - sind somit lediglich Täuschungsmomente, die vorgeben, über Inhalte zu laufen. Die aber in ihrer wahren Botschaft, in ihrer wahren Wirkung die Moderne als Abkehr von der ontologischen Wahrheit (=Natur) perennieren, vertiefen, transportieren. Man sieht nicht mehr auf die wirkliche Gestalt der Dinge, sieht die Welt nicht mehr als Begegnung von Gestalten, sondern als Begegnung von rationalen, verbalisierten Inhalten. Welch' Täuschung! 

Deshalb ist auch die gesamte ökologische Diskussion ein pures Täuschungsmanöver, und sie war es von Anfang an. Sie war sogar regelrecht "verordnet", ging von den bürokratischen, technizistischen Zentren (Europäischer Rat, etc.) aus!  Sie ist in sich aber zutiefst ein Projekt der Moderne! Und muß deshalb auch im Totalitarismus enden, denn darauf zielt sie ab. All die Diskurse diesbezüglich sind seit ihrem Auftreten 1970, als die 68er "ökologisch" (also "grün") wurden, reine Scheinveranstaltungen, wo es nur darum geht, wie die Moderne (des Technizismus) mit anderen Scheininhalten gefüllt werden kann. 

Die wahren Lebensabläufe (und damit die Politik) waren, blieben und sind aber zutiefst MODERN. Es ging nicht nur immer um dieselbe Art von Gesellschaft, sondern alle angebliche Fundamentalkritik an der Gesellschaft war in sich eine Bestätigung, eine weitere Befestigung genau dieser Gesellschaft der Moderne, weil sie sich deren tiefer propagandistisch-zweitwirklicher Abläufe bediente, ja ohne diese gar nicht denkbar war und ist.

Die Grünbewegung ist somit nur eine "grüne Version" derselben Art von technologischer, aber in Wahrheit zutiefst widernatürlicher Gesellschaft, die die grünen Bewegungen angeblich ablehnen. Ohne diese könnte es eine Grünbewegung gar nicht geben. Und die "Rechten" muß man dieselbe Kategorie einordnen: Sie sind nun lediglich eine Jahrzehnte später eingetretene Reaktion, die eine "rechte Version" IMMER DERSELBEN MODERNE fordern. Ihnen allen ist Gesellschaft (ob sie es erkennen oder nicht) eine Form des Technokratischen.


Morgen Teil 3)




 

Freitag, 11. Oktober 2019

Kritik, die dasselbe tut wie das, was sie kritisiert (1)

Gerade rechte, anti-revolutionäre (d. h. anti-linke) Bewegungen bedienen sich in ihrer Vorgangsweise gerne traditioneller Bilder. Dabei übersehen sie, daß die Zielrichtung - Mobilisierung der Menschen - in sich ein Teil der Moderne ist. Das heißt, daß sie (wie die meisten revolutionären Bewegungen) im Endeffekt in einem Konzept der Moderne verfangen sind, und nur ein Perpetuieren der Moderne bewirken. Jener Moderne, die zu bekämpfen sie vorgeben.

Man kann es also als abgehandelt sehen, wenn hier zuletzt in der Form "gewettert" wurde, daß auch die sogenannte rechte Kritik wie ein trojanisches Pferd nichts anders tut als die Agenden der Linken, nämlich der Liberalen, zu betreiben. Denn was man tut ist nicht das, was man redet. Es hat eine ontologische Struktur, und um die geht es in jedem Sehen des Wirklichen. Von Nicht-Wirklichem zu reden ist aber doch pure Zeitverschwendung, Ablenkung vom Wesentlichen?

Große Teile der heutigen Kritik tun dasselbe wie jene, die sie kritisiert. Sie haben nur andere Etiketten auf ihrem Tun. Aber Information ist eben nicht ein oberflächliches Ding von Datentransfer. Information ist eine TransFORMATION von Daten, die sie erst zur Information macht. Und insofern auch völlig anders wirkt als ihr "rationaler Nettoinhalt" vorgibt. Alles kommunizieren hat also mehr als bloßen Datenaustausch zum Inhalt, sondern ist eine Wirkung der Informationsträger selbst. 

Die wirklich weitergegebene Information liegt an diesen, nicht an den "rational reduzierten, mathematischen Daten". Insofern ist sie immer das Beitreten von Informationsgeber wie -nehmer an ein- und demselben Ort. Oder die Verweigerung dieses Beitretens. Information ist also ein "Ding dazwischen", beiden gemeinsam. Oder sie ist nicht.

Wir sehen hier Jonathan Pageau in einem interessanten Gespräch mit dem französischen Medienkritiker Christian Roy. In dem letztlich die Gedanken von Jacques Ellul diskutiert werden, von dem an dieser Stelle vor (tatsächlich muß man das so sagen) vielen Jahren bereits eingehend die Rede war, der Leser kann es nachlesen. Ebenso wie die kanadische medienkritische Schule (so muß man das fast nennen) mit der Gallionsfigur Marshall McLuhan, von dem ebenfalls hier bereits viel die Rede war. Wie gesagt: Schon vor vielen Jahren. 

Wobei McLuhan im Grunde seine Ideen seinem Vorläufer, Harold Innis, zu verdanken hat. Der die grundlegenden Überlegungen der Medientheorie beziehungsweise deren Phänomenologie lange vor McLuhan bereits publiziert hatte. McLuhan war freilich mehr Popularität beschieden. Beide aber (wobei McLuhan konvertierte) sind dennoch als tiefe Denker eines damals noch katholischen (französischen) Kanada zu sehen. Nur aus diesem Fundament läßt sich ihre Arbeit überhaupt erst verstehen. McLuhan wird deshalb heute zwar oft zitiert, aber so gut wie nie verstanden, weil der moderne Mensch Herkunft wie Hintergrund prinzipiell nicht mehr versteht und blöd ist.

Von jemandem, der sich Gewinn von diesem Blog erhofft, muß aber ein für alle Mal und wieder verlangt werden, daß er die gegenwärtigen Ausführungen vor dem Hintergrund des umfassenden Gedankenweges sieht, der bereits zurückgelegt wurde und von dem dieses Blog nur Zeugnis ablegt. Stattdessen hat man es heute aber oft genug mit der Unverfrorenheit zu tun, in der stets neue Generationen an Fragestellungen herantreten, ohne die Vergangenheit zu besitzen, auf der diese Fragen und Antworten aufbauen und überhaupt erst Sinn ergeben. Gerade "kritische", systemkritische Internetmeldungen stehen somit oft auf einem Grund, den man nur als - real, sehr real - völlig geschichtsvergessen bezeichnen muß. Denn Ideologie liefert keine Geschichte, sie liefert nur ein vorinterpretiertes Bild.

Darum herrscht auch in "kritischen" (alternativen") Medien eine oft genug erschreckende Blindheit für Wirkliches in ihrem Tun. Sie tun, um es salopp zu formulieren, Falsches, um nun aber doch Richtiges zu erreichen. Und nur darin unterscheiden sie sich von dem, was sie kritisieren. So wie es G. B. Shaw einmal formulierte: Ja, ich sage dasselbe wie meine Kritiker. Aber nur ich habe Recht.


 Morgen Teil 2)





*250819*

Sonntag, 15. April 2018

Leben heißt unvollkommen sein, aber dennoch zu entscheiden (2)

Teil 2)




Der Leser möge sich erinnern. Vor wenigen Monaten haben wir an dieser Stelle das Schema offengelegt, wie Revolutionen ablaufen. Es ist wie das Drehbuch zu dem, was wir heute erleben. Und einer der Schritte dazu ist, die Menschen an der Relevanz der von ihnen formal getroffenen Entscheidungen ständig neu zweifeln zu lassen. Leichter ist dann tatsächlich niemand zu manipulieren als dadurch, ihn zu erinnern, daß er die absolute Wahrheit und Freiheit verfehlt hat und ihn so zu verunsichern, daß er seine Entscheidung unter Umständen auch zurücknehmen würde. Das Mindeste, was man damit erreicht ist, daß er einem Putsch, einem Wegschieben seiner Entscheidung durch andere Kräfte, nicht mehr ganz so ablehnend gegenübersteht.

Wer so agiert, wer damit spekuliert, beweist aber nun tatsächlich eines: Daß er ganz gewiß nicht an die Relevanz einer Demokratie glaubt. Daß er ganz gewiß nicht daran glaubt, daß sie menschengerecht sein kann. Daß er sich alle Freiheit nimmt, demokratische Entscheidungen nach Belieben zu verändern. Daß er die Demokratie für ein Scheintheater hält, das den Menschen die Augen vernebelt, damit er selbst dann freie Bahn hat.

Noch mehr aber führt eine solche Einschätzung, die dem anderen ständig seine absolute Freiheit abspricht (während man sie für sich offenbar reklamiert), dazu, daß man dem anderen generell jeden Respekt verweigert. Und das erleben wir heute fast programmatisch: Wer anderer Auffassung ist wie ich, der muß manipuliert sein, den muß, ja darf ich nicht ernstnehmen, und über den darf ich jederzeit "drüber-regieren", dessen Willen darf ich jederzeit ignorieren.***

Denn ja, der Mensch ist immer ambivalent, er ist immer mehr oder weniger anfällig in seinen Schwächen, aber eine "vollkommen freie Entscheidung" vom Menschen plötzlich als Möglichkeit darzustellen wird ihm niemals nicht gerecht. Deshalb ist JEDE Entscheidung des Menschen so zu nehmen, wie sie gefallen ist und fällt, im Wissen, daß sie IMMER einer gewissen Ambivalenz unterliegt, aber es führt daran eben kein Weg vorbei. 

Das Wesentliche dabei, ein Leben zu führen, ist aber nicht, absolute Entscheidungen zu treffen, sondern das Wesentliche am Menschsein ist, SICH ÜBERHAUPT ZU ENTSCHEIDEN. Und dann diese Entscheidungen trotz des Wissens um die eigene Unzulänglichkeit so zu nehmen, als wären sie absolut getroffen. Warum? Weil sie sich auf ein objektives Schema von Beziehungsfeldern - auf das Amt also! - bezieht. Und genau nicht auf die persönlichen "Fertigkeiten".³

Anders kann kein Leben gelingen, anders kann nichts ins Werk gesetzt werden. Und erst so ist auch ein Lernen möglich das dem Ziel dient, sich mehr und mehr der absoluten Wahrheit und damit Freiheit anzunähern. Mehr können wir Menschen nicht, das sollten wir demütig zur Kenntnis nehmen. 

Aber demütig sein heißt nicht, ständig zurückzuweichen, sein Handeln ständig zu schwächen. Demütig sein heißt, in Hochgemutheit trotz unserer sehr wahrscheinlichen Schwäche voranzuschreiten, als würden wir auf festem Grund gehen.




***Deshalb sei einmal mehr der Fluch über die heutige Psychologie erneuert. Die in unseren Breiten ein Vielquatschen von Nichts ist, das nur einen Effekt erzielt: Die Substanz des anderen aufzulösen und zu relativieren. Auch wenn sie natürlich ganz etwas anderes behauptet: Ihre Methoden verraten sie.

³Man kann deshalb nur warnen, wenn jemand sich auf seine Person oder Persönlichkeit bezieht, und das Amt für quasi unwichtig erklärt. Auch bei demokratischen Wahlen - so oft das heute vergessen wird - geht es nur darum: um das Amt. Und um die Wahl einer Person, die dieses Amt auszufüllen verspricht. Und zwar in Treue ZUM AMT. Das ist übrigens auch das, was ein "Amtseid" besagt. Fürchte man also die, die zu "verändern" versprechen. Und wähle man nur die, die ein Amt, die auch die Gesetze zu erfüllen vorhaben. Und verabscheue man die, die über dritte, andere Mechanismen in ihrem Amt zu wirken versuchen. Denn sie sind die Bösen, sie beabsichtigen eine Revolution. 

Der "Fall Merkel" ist, wir haben es täglich vor Augen, genau deshalb ein Desaster für Deutschland, das ganz schwere Auswirkungen hat und noch haben wird. Und dasselbe läßt sich über Papst Franziskus sagen, der gleichfalls sein Amt durch subjektive Anwandlungen ersetzt. In beiden zeigt sich exemplarisch und einmal mehr einer der ganz schweren und praktisch allgemein gewordenen Irrtümer der Gegenwart, der sich erstmals in Hegel eine geistige Rechtfertigung suchte, indem er das Faktische zum Sein selbst erklärte. Aber dadurch wird das Beziehungsfeld verändert, ja einseitig ausgetauscht, in das jeder tritt bzw. in dem sich jeder befindet. Nun hat es der Mensch nicht mehr mit einer Begegnung mit dem Geist, ja mit Gott zu tun, sondern mit einem rein weltimmanenten reduktiven Faktor. Damit vollzieht sich eine perfide Täuschung. Und DAS macht Merkel ebenso wie Franziskus zu schweren Lügnern. Wobei letzterer einen "Doppeleffekt" zeigt, das heißt, Täter wie Opfer eines verfehlten etablierten Amtsverständnisses zugleich ist, dessen er sich aber bedient, um seinen Subjektivismus zum Absoluten zu erheben. Das ist ein übrigens aus der Geschichte von Gurus und Sekten sehr bekanntes Phänomen - es entspricht der Selbstvergötterung. 

Vgl. dazu Stephen Singulars "When Men Become Gods", die die wahre Geschichte des Mormonen-Sektenführers Warren Jeffs beschreibt. Das Buch beziehungsweise dessen Geschichte ist übrigens bemerkenswert gut verfilmt. Ebenso und nicht zum ersten Mal sei auch Gerhart Hauptmanns "Der Narr in Christo Emanuel Quint" empfohlen.  

Daß ausgerechnet heute, in dieser Entwicklung vom Amt weg zur Subjektivität hin also, die Priesterehe im Römisch-Katholischen Raum auf völlig neue Art diskutiert wird ist - noch dazu vor dem Hintergrund eines Ehe-Begriffs, der sich nicht zuletzt DURCH diesen Papst in Auflösung befindet - weit überzufällig. Es ist eine (sich im oberflächlichen Faktischen abspielende) Zeitbewegung als Ganzes und nützt den "Anlaß" - das Amazonas-Problem - um den ontologischen Ort (für die ganze Welt) zu verdrängen. Denn selbst wenn man das "nur für den Amazonas-Raum" zuläßt, dann hätte man darüber streng schweigen müssen. So, wie man ja auch über einzelne re-unierte Teilkirchen schweigt (und zu Recht schweigt), in denen es ja die Priesterehe im römisch-katholischen Raum lange schon gibt.






*290318*

Samstag, 14. April 2018

Leben heißt unvollkommen sein, aber dennoch zu entscheiden (1)

Wir gehen heute nicht nur den eigenen Irrtümern auf den Leim. Unter denen der Materialismus (Evolutionismus) besonders hervorragt, denn er bewirkt einerseits die Loslösung von jeder Moral (die nur in Gott verankerbar ist) aufgrund der letzthinnigen Sinn- und Ziellosigkeit des Menschen, und anderseits dem Irrglauben, daß der Mensch beliebig veränderbar ist. Daß seine Verfaßtheit mit dem historischen Augenblick deckungsgleich einhergeht, daß der Mensch restlos im Augenblick aufgeht, er also keinen Rapport mit einem absoluten Menschsein besitzt. Das in der Ebenbildlichkeit mit Gott seine Fundierung hat. Aber nicht als plumpen fideistischen "Glauben", sondern als Licht, das erst die Welt und die eigene Existenz erhellt und somit Welt und Menschsein begreifen läßt. 

Die Hysterie um die angebliche Manipulierbarkeit der Menschen durch Facebook und Datenjongleure (wie der Medien überhaupt) hat darin ihre eigentliche Wurzel. Denn der Mensch läßt sich zwar manipulieren, gewiß, aber nie über einen bestimmten Punkt hinaus. Weil sich sein wirkliches Sein nicht nur nicht verändern läßt. Dieses Sein aber zwar durch psychologische Verwicklungen oft sehr schwer verschüttet und unzugänglich wird, als Erlebens- und damit Wahrnehmungsfaktor fast verdunstet, aber letztlich das ist, was jeden Menschen zutiefst konstituiert. Sodaß alles menschliche Manipulieren zu einer inneren Spaltung führt, die lange verdrängt werden kann, weil das gewissermaßen irdische Selbst zu stark in der Welt verflochten bleibt und den Anschluß an das eigentliche Ich, das geistige Ich, gewissermaßen die Grundmatrix des Menschseins überhaupt fast nicht mehr findet. 

Man kann viele Menschen lange Zeit täuschen und manipulieren, aber niemals alle für immer.

Deshalb muß für diese Manipulationshysterie - die "zufällig" jetzt auftaucht, nach Jahrzehnten einer Entwicklung (Internet, social media)*, in der von Anfang an alles klar war - ein anderer Grund gesucht werden. Und er läßt sich bereits erahnen.

Denn was seit geraumer Zeit passiert (am Auffälligsten brach es nach der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten auf) ist, daß über diese angeblich mögliche Totalmanipulation (noch einmal: so sehr sie kurzfristig eine Gefahr darstellen kann, weil jeder Mensch Schwächen hat und leicht verführbar ist) - bei der kaum jemand der nunmehr Erschreckten aus dem Publikum überhaupt weiß, worum es wirklich geht - Entscheidungen ausgehebelt werden. Indem man den Menschen die Freiheit, sich zu entscheiden, generell abspricht. Da war also dann die Wahl von Trump² nur das Ergebnis von Manipulationen über Facebook und Twitter**, und da war auch der Volksentscheid zum Austritt der Briten aus der EU "gekauft". 

Keine dieser Entscheidungen der jüngeren Vergangenheit soll also überhaupt Relevanz haben. Alle diese Entscheidungen sind herbeimanipuliert. Womit man aussagt: Sie entsprechen nicht dem Willen der Menschen. Ja, die Menschen sollen selbst aufhören daran zu glauben, daß sie sich entschieden hätten! Sie sollen an sich selbst zweifeln, sie sollen an dem zweifeln, wen oder was sie gewählt haben.

So soll ein Boden vorbereitet werden, in dem auch Entscheidungen der Führungen, die sich gegen direkte Willensäußerungen der Menschen richten, die diesen widersprechen, legitimiert werden sollen. In Wahrheit bereitet man also so eine "Revolution von oben" vor. Während die offiziellen, durch Wahlen und Volksentscheide legitimierten Entscheidungsträger so geschwächt werden, ihre Autorität untergraben, und als "eigentliche" Entscheidungsinstanz eine außerparlamentarische, nie ausdrücklich (wie bei Wahlen) legitimierte Instanz eingezogen werden. 


Morgen Teil 2)


*Das muß man auch an Medienkritikern wie Marshall McLuhan (etc.) kritisieren. So richtig und erhellend vieles ist, was sie sagen, so leiden sie doch an dem Grundfehler (zumindest tendenziell), moderne Medien prinzipiell zu überschätzen. Weil sie eben ein nicht ganz richtiges, zu eingeschränktes, zu existentialistisches Bild vom Menschen haben.

²Bei allem Inkonsistenten, Zweifelhaften, ja Falschen, das man Trumps Amtsführung vorwerfen könnte, und auch der VdZ reiht sich hier ein, scheint der Kampf gegen ihn nicht nur weiterzugehen, sondern scheint von ausgesuchter Konzertiertheit zu sein. Das ist auch sein Eindruck beim Lesen von "Feuer und Zorn". Das die persönliche Banalität von Donald Trump schonungslos offenlegt. Nur - wußte der Leser nicht, wie banal selbst höchste Positionsträger sind? Wie geradezu lächerlich zufällig oft schwerwiegendste Entscheidungen getroffen werden? Ja wie banal das reale Leben selbst ist, das eben nur werterfüllt wird, wenn es sich auf den logos bezieht? AUCH BEI UNS! Waren die Präsidenten vor Trump weniger banal? Waren Clinton, Bush, Obama wahre geisterfüllte Persönlichkeiten? Glaubt der Leser das wirklich?

Es geht aber nicht darum. Den Menschen darauf zu reduzieren ist zum einen Zeugnis der Unkenntnis des Lebens, zum anderen aber bösartig. Es geht um das Amt als Beziehungsfeld, und es geht um inhaltliche Bezogenheit auf die Sache selbst, die hier das Amt des US-Präsidenten vorgibt. Wo immer auch die Wahlwerbung (aller) suggerieren wollte, gerade in den USA, wo dieser Wahn (der ein Betrug ist) staatsbegründend wurde, es läge alles an den "skills". Und daran glauben auch bei uns schon alle - was für ein tragischer Unsinn! Wie bei allen Ämtern ist auch in Washington der Spielraum für persönliches Handeln ALS Präsident aber viel kleiner, als oft geglaubt wird. Ein Staat, ja jede Organisation ist deshalb immer so stark, wie seine institutionalisierten, sachlichen Strukturen stark sind. Der persönliche Anteil hat ganz andere Wirkbereiche.

**Dabei hat sich auch Barack Obama 2012 ganz genau derselben Methoden bedient. Und ganz sicher auch Hillary Clinton 2016. Aber es greift bei weitem zu kurz, wenn man sagt, daß diesmal Trump offensichtlich geschickter war in den Methoden der Manipulation. Denn das würde bedeuten daß man diesen Wahlentscheid tatsächlich entkräftet, den Wähler zur jederzeit manipulierbaren Maschine erklärt, und die Legitimität der Regierung in Frage stellt. Machen wir nicht diesen Fehler, der sich heute bereits so vorgefressen hat, daß er ganze Generationen verdirbt. Die bereits unfähig zur Lebensführung sind, weil sie völlig verunsichert sind, weil ein falsches Bild von der Realität ihrer Entscheidungen haben.





*290318*

Donnerstag, 18. Oktober 2012

Wissen ohne Geist

Nunmehr stellt die Österreichische Nationalbibliothek nicht nur sämtliche ihrer Bestände "online" (digitalisiert sie also), sondern drängt darauf, daß ihr Gesetzesauftrag dahingehend geändert wird, daß sie zukünftig nur noch die digitalen Versionen von Veröffentlichungen speichern muß. Die Leiterin der ÖNB führt mit unüberbietbarer Naivität die "Vorteile" an: Kostenersparnis.  Die "Bibliothek der Zukunft" sehe eben so aus. Naja, und außerdem machen es ja alle anderen Nationalbibliotheken auch.

Johanna Rachinger, ÖNB-Direktorin der Zukunft
Bücher seien eben das gespeicherte Wissen der Menschheit, und da sei es lediglich Sache der Sentimentalität, auf gedruckter Form zu bestehen. Das könne Digitalisierung genauso und besser leisten. Die Zukunft werde sich so entwickeln* - Digitalspeicher statt Bücherregal -, also sei es nur zu angebracht, sich darauf einzustellen. Wenn es Opposition gegen ihre Pläne gebe so sei das eben immer so: Manche täten sich schwer, sich an neue Zeiten anzupassen. Na, und für die letzten Sentimentalen, die noch persönlichen Kontakt wollten, würde es ja weiterhin die Lesesäle geben.
MEHR fällt ihr zu dem Thema** nicht ein.

Dem Verfasser dieser Zeilen auch nicht mehr als: Typisch Frauen. Liegen immer mit dem Zeitgeist im Bett, egal wo er herkommt, und wo er hinführt. Aber sämtliche Examen mit Vorzugsbenotung absolviert, bestimmt. Was sind wir nicht tüchtig.

Im übrigen werden Wetten entgegengenommen - daß die Kosten für digitale Datenspeicherung auf "unvorhersehbare" Weise explodieren werden.




*Interessant, daß hier wie anderswo die Zukunft SICH entwickelt. Wie ein Grundsatz gilt wohl heute: bei Dingen, die eigentlich NUR in unserer Hand liegen, ist das handelnde Subjekt "die Zukunft", bei Dingen die absolut NICHT in unserer Hand liegen, ist es "die Menschheit". Menschen als verantwortlich handelnde, lebendige Subjekte kommen aber nicht mehr vor.

**Machen wir's kurz: "The medium is the message"



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Dienstag, 21. August 2012

Postbote ohne Zustelladresse

Der 80jährige George Steiner im Gespräch im Schweizer Fernsehen: Ihm, dem notorischen Optimisten, werde Angst über die Verluste, die wir derzeit erleiden. Viele Buchhandlungen schließen, kleine Theater, die so wichtige Lebensimpulse gaben, schließen, Griechisch/Latein wird als Fach geschlossen, Philosophie wird geschlossen, selbst an großen Universitäten durch "social studies" oder "Kommunikationswissenschaften" ersetzt. So vieles werde einfach über Bord geschmissen, es sei wie eine Bücherverbrennung, die derzeit stattfinde. Nur amerikanische Universitäten seien, wegen besserer finanzieller Ausstattung, noch dabei, nach wie vor "zu sammeln".

Man werde abwarten müssen, was sich mit den neuen Leseformen verändere, die er zwar nicht benütze, denen er aber prinzipiell offen gegenüberstehe. Aber es bleibe ihm fraglich, daß iPod oder digitale Leseformen eine ähnliche Vertrautheit mit den Texten bewirke, wie es ein Buch könne. Der Umgang mit Sprache werde durch die social media so oberflächlich. Ein Text aber beginnt erst zu leben, wenn man ihn wieder und wieder her nimmt, ja ihn auswendig kann, sodaß man ihn mehr und mehr in seinen Tiefen erfassen kann, weil er zum Teil eines selbst geworden ist.

Das Argument (siehe u. a. M. McLuhan; Anm.), daß sich eine neue orale Kultur heranbilde, läßt Steiner wohl nicht ganz gelten. Diesen Schluß spricht er zwar nicht aus, man hat ihn aber als Summe seiner Aussagen vor Augen. Denn das sei ja auch ein Rückschritt - wo bleibe das geistige Erbe, an das so eine Oralität anschließe, die ja nur tradiere? WAS also wird erzählt werden? Beginnen wir von vorn? Haben wir nicht vergessen, an wie seidenem Faden unsere eigene Kultur oft hing? So, als die Langobarden nach Süden zogen, und durch einen Zufall um nur 10, 15 Kilometer an St. Gallen vorbeizogen, es also nicht zerstörten und plünderten, wie sonst alles, was sie vorfanden. Dort aber gab es von manchen antiken Schriften, auf denen wir später aufgebaut haben, nur noch das letzte, weil einzige Exemplar! Solche Güter aber haben nicht in ihr Beuteschema gepaßt, waren ihnen wertlos.

Zum Abschluß erzählt Steiner, der Wurzeln in Wien hat, einen jüdischen Witz, und er ist gewiß klug genug, um zu wissen, was er damit über sich aussagt: Gott hat endgültig genug von der Welt. All die Grausamkeiten, die Lügen, das menschliche Versagen. Also beschließt er die Welt zu ersäufen. Um aber einigen einen guten Abschluß zu ermöglichen, warnt er sie. Auch Rabbi Eisenstein. Er solle noch alle Schulden begleichen, alle Konten schließen, allen verzeihen, und um Verzeihung zu bitten. Zehn Tage gebe er ihm dafür, dann sei Schluß.

Zehn Tage, meint darauf Rabbi Eistenstein? Das ist ja noch genug Zeit um zu lernen, unter Wasser zu leben.

Sein Überlebenskonzept, so Steiner, sei immer gewesen daß er gelernt habe, unter Wasser zu atmen. Er sei nur Vermittler, Postbote der hohen Geister, nie etwas anderes gewesen. Wirken müßten die anderen.


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Montag, 29. August 2011

Zerfallen der Wirklichkeit

Die Verlagerung auf die Visualität brachte und bringt die zunehmende Fragmentierung der Wirklichkeit (so wie die Arbeitsteiligkeit erst mit der Schrift, ja mehr noch: mit deren Vervielfältigung, einsetzt, bis hin zur "Jobmentalität" der Gegenwart: nur noch Fragment, ohne Ganzes, ohne Sinn), denn so ist das Wesen der Schrift, die zu einem sinnvollen Ganzen zu ordnen und zu gestalten die persönliche Vorstellungskraft nicht mehr ausreicht.

Damit fällt auch das Tun und der schöpferische Überblick nicht mehr zusammen - das Tun wird fahrig, zufällig, unüberlegt, materialistisch-logisch (technizistisch: die Gestaltungen mit Programmen - man denke nur an die Art, Photos mit Programmen zu überarbeiten - sind Produkte technischer Folgen, nicht mehr gewählter Mittel im Dienste eines vorausgehenden Bildes)

Von dieser Visualität ausgehend, in der sich der Mensch zunehmend (social media) erfährt, erfährt er auch sich selbst als "zerfallenes Objekt" - er verliert das, was man "Persönlichkeit" nennt, die Kontinuität seines Menschseins, die eine Frage des Zentralpunktes ist. (Zum Hinweis: die Perspektive, zum gleichen Zeitpunkt entstanden wie die Arbeitsteilung, der Buchdruck etc., ersetzt imaginativ den Zentralpunkt des Betrachters!)


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Freitag, 26. August 2011

Keine Erwachsenheiten mehr

Es ist absurd, schreibt Marshall McLuhan in "The Medium is the Message" - einmalig in der Geschichte, hat der heutige Mensch eine "Kindheit", wächst als "Kind" auf. Das gab es nie, und das gibt es nirgendwo. Überall und immer wuchsen die Menschen als mehr oder weniger noch nicht Erwachsene auf, ehe sie - per Initiation - definitiv erwachsen waren.

Heute ist die Welt zweigeteilt, in eine Welt  der Kinder, und eine der Erwachsenen. KEINE dieser Welten aber zwingt den Menschen, überhaupt erwachsen zu werden! Das Kind ist es nicht, und der Erwachsene mußte nie zu einem werden, um als solcher zu gelten.

Deshalb kann die Aufgabe der Zukunft nur lauten: Erwachsen werden! Mehr Lebensaufgabe gibt es nicht!


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