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Samstag, 6. August 2022

Der Samstag Nachmittag-Film (2)

Der Film, das Kunstwerk, und seine Bedingungen - "Good Bye my Lady" ist da anders, das kann ich noch verraten, und den Film damit gleich noch mehr empfehlen. Denn wenn man eines darin erlebt, dann eben das: Größe. Größe im Kleinen. (Wobei: Was ist "klein" im richtigen Leben? Eben, nichts!) Nicht spektakulär ist es also, Sie werden keinen Actionfilm sehen, sondern in ruhigen Bildern, die einem Zeit lassen, mit dem Geschehen zu atmen. Und so wird man sogar gewahr, woran es uns so fehlt, und was die Welt so schön machen würde: MENSCHLICHE GRÖSZE. 

Ehrlichkeit, Wahrhaftigkeit, in aller Gebrochenheit durch menschliche Schwächen, ja, so sind wir eben, in allen Versuchungen auftreten und dabei eine warme Milde aufkommen lassen, die unser Herz durchzieht. Das hat mit Moralismus absolut nichts zu tun. Aber - es IST moralisch.

Freitag, 5. August 2022

Der (morgige) Samstag Nachmittag-Film (1)

Den Film "Good Bye my Lady" (1956), Regie: William Wellman, auf dne mich jemand (Thanks, Anthony Esolen!) hingewiesen hat, habe ich nur in der unten angefügten Form im Netz gefunden. Und was ich von Schauspielerkollegen gehört habe, dürfte wirklich so sein: Man dreht immer schon in den USA Filme gerne im Originaldialekt jener Landschaft und jenes Gebietes, in dem er spielt. 

Und das ist hier nicht nur der tiefste Süden von Misissippi, sondern es ist auch eine soziale Schichte, die das Schönsprechen nicht gerade kultiviert hat. Aber ich darf Ihnen versichern - er ist die kleine Mühe wert. 

Auch wenn man das eine oder andere Wort nicht versteht weil es so extrem (in der Sprechweise, die der Figur gehört, natürlich, nicht aus Schlamperei) genuschelt ist (auch mir ist es so gegangen) - man bekommt noch genug mit, um die Schönhiet dieses Filmes zu erkennen und sich daran zu freuen. 

So nebenbei: Ich war überrascht, in einer (vielsagenden) Nebenrolle einen noch ganz jungen Sidney Poitier zu sehen! Dem ich mit "Lilies of the field - Lilien auf dem Felde" eines meiner schönsten Filmerlebnisse verdanke. Das war in der Zeit, in der man bei jemandem alle paar Tage oder Wochen mal zusammenkam, weil der einen Fernsehkasten hatte, und einen berühmten Film oder einen der legendären Talk Show-Master (etwa Peter Frankenfeld oder Hans-Joachim Kulenkampff) zu sehen. Wobei das Beisammensein wichtiger war als der Film. Poitier, der für die Rolle des Homer im Film einen Golden Globe sowie einen Oscar bekommen hatte, ist übrigens erst im Jänner 2022 verstorben (r.i.p.)

Montag, 4. April 2022

Anmerkungen zu Ohne Heilige Opfer kein Wert, ohne Wert kein Geld

Anmerkung* - Wie dumm deshalb auch dieses Gerede, jeder müsse "selbst denken", nicht "andere für sich" denken lassen. Was sonst, bitte! Welcher Narr meint wirklich, er könne alleine die Welt denken? Nur schon, daß er es KÖNNE ist krankhafter Wahn. Jeder lebt aus dem, was er von oben empfangen hat und zu empfangen hofft, und gibt in seinem Tun nach unten weiter, was durch ihn durch noch zu wirken vermag.

Das Spiel von oben nach unten hat auch eine Bedingungsseite - das von unten nach oben. Nur so sind beide in jenes Ganze getaucht, aus dem beide dann je ihren Teil zu erkennen vermögen. DENN SIE SIND AN IHREM ORT. Deshalb kann das Oben nicht ein Etwas denken, das für das Beziehungsfeld gilt, das beide umfaßt - jeweils in ihren Aspekten. Die von oben nach unten dekomprimieren, vereinzelter werden, spezieller, weniger universal. Denn das Universale ist durch das Oben gegeben, an das sie angebunden sind. keiner sagt, die Leben hätte den Menschen gerettet, wenn alle übrigen Organe versagen, mag sie noch so glänzen und frischen. Ist das Insgesamt tot, zerbrochen im Streit der Form mit der Materia, dem Akt mit der Potenz, ist alles tot.

Samstag, 2. April 2022

Ohne Heilige Opfer kein Wert, ohne Wert kein Geld

Einer der lächerlichsten Dummheiten zu folgen führt zu einer der tiefsten Einsichten. Die Rede ist vom liberalen Kartenhaus der Wertfindung, in die sich leider auch so potente Männer wie Ludwig Mises verstrickt haben. Sodaß auch seine Gebäude auf dem irrationalen Schwemmsand des sogenannten Liberalismus errichtet sind. Ohne Wert ist von einem Markt nicht zu reden, auf dem ja Werte getauscht - substituiert! - werden. Ohne Wert gibt es kein prästabilisiertes und diese Harmonie von selbst anstrebendes Wirtschaftssystem.
 
Aber Wert "findet sich" nicht, ex nihilo, und kann deshalb nur auf dem nächsten und noch größeren Schlammgebirge "grüden", der Evolution mit ihrem Kampf ums Überlben als oberste Wertmaxime, sodaß es der Nutzen ist und bleibt, der Wert bestimmen soll. 

Nichts wäre weniger wahr.

Freitag, 26. Juli 2019

Stierkampf und Flamenco, aber ein mieser Film

Szenenzusammenschnitt aus dem Film "Das Narrenschiff" (1965) mit dem legendären Flamencotänzer José Greco. Als holte man einen Stier, Symbol von Fruchtbarkeit ebenso wie alles verschlingender Lust, aus den Tiefen der chthonischen Höhlen der kretisch-mykenischen, karthagischen Erde, um mit ihm in der Manege ein Spiel zu treiben. Das einerseits lockt, andererseits in diesem winzigen Bruchteil eines letzten Moments vor dem Ausbruch doch wieder zurückweist. Stiefkampf und Flamenco sind somit Geschwister. Sie gehen an die dünnste, gerade noch mögliche Grenze des Übergangs von Ordnung zu Chaos, von Chaos zu Ordnung, von Niederlage und Sieg der Kultur - also von ihrem Ursprung, der der Ursprung des Menschseins überhaupt ist.

Ihr Tanz ist ein Spiel mit der Schöpfung. Mit Kräften, die in ihrer Spannung aus Dämonie und Schönheit, aus alles verschlingender Ektase und totaler Beherrschung, in das Geheimnis der Freiheit des Menschen vor Gott Einblick gewährt. Und damit an die Tragödie des Menschen erinnert, deshalb immer ein wenig von Trauer, von Melancholie umweht ist, und doch das Leben feiert. Aber in diesem Kampf erfährt der Mensch seine Begrenztheit und hätte er diese nicht, würde er untergehen weil das Menschsein verlieren. Er ist Gott ähnlich, aber er ist nicht Gott. Fällt er der Versuchung anheim, sich wie dieser zu wähnen, zerfleischt ihn der viel mächtigere Stier. Und der Flamenco wird vulgär, der Stierkampf sinnlos brutal.

Das zeigt sehr gut die zweite Tanzszene aus dem Film, die zum Vergleich (zumindest dient es uns als solcher) dazu geschnitten ist. Was die Freundin (gespielt von Elizabeth Ashley) des Malers (George Segal) nun zeigt, ist ein zügelloses Überschreiten dieser Grenze. Es ist nicht mehr Flamenco, sondern kippt in die vulgäre Sexualität.





Die Reaktion ihres Freundes ist damit eine der wenigen stimmigen Handlungsmomente.

Denn nicht nur das Wesen des Flamencos wird in diesem Film fehlgedeutet. Es ist nur eine von sehr vielen Fehldeutungen dieses preisgekrönten Werks voller großartiger Schauspieler, aber mit einer überhaupt nicht stimmigen Fabel. In "Das Narrenschiff" ist auch dieser Tanz willkürlich als dramaturgisches Mittel mißbraucht, um etwas zu zeigen, das sich eigentlich gar nicht erzählt. Der VdZ kann sich deshalb diesem seltsamen Urteil der Filmgeschichte gar nicht anschließen, daß er ein Meisterwerk sei.

Wenn man ihn so gerne sieht (und das tut auch der VdZ), dann durch seine zahlreichen, einzelnen Facetten, und vor allem durch die Liebe zu so vielen überwältigenden Schauspielern, die hier in ungeheurer Dichte auftreten und die man einfach gerne sieht. Der Zuseher (und auch der VdZ) WILL einfach diese Schauspieler als "phantastisch spielend" sehen, und die "Aussage" des Films drückt ihn regelrecht an dieses Gesollte. Und den Zuschauer soll er durch die Massivität von "Qualitätsnimbus" (wo niemand zu widersprechen wagt: Was, Oscar Werner einmal "schlecht"? Simone Signoret oder Heinz Rühmann oder Lee Marvin oder Vivian Leigh oder oder oder ...) erdrücken. Er wagt es auch nicht mehr zu sehen, was sich hier abspielt. Man verläßt den Film mit einer leeren, gelähmten, grauen Birne, sozusagen, und läßt die Moralsachwalter, die diese Moral aufoktroyiert haben, hinkünftig tun und lassen, was sie wollen.

In Wahrheit aber muß man sich sogar fragen, WAS all diese großen Künstler in so einer Produktion zu suchen haben. Außer, natürlich, außer daß sie alle zugegeben haben, daß das alles zweitrangig war angesichts der Perspektive, mit so vielen Legenden in einem Atemzug aufzutreten, sodaß der Kultstatus des Films mit Ansage geschaffen wurde. Wer will da nicht dabei sein? Und die Gage wird auch kein Taschengeld gewesen sein. (Gedreht wurde ja alles im Studio, nicht einer der Akteure hat auch nur einen Fuß bei den Dreharbeiten auf ein Schiff gesetzt.) Darf man raten? Es war die moralische Pflicht, die seit 1945 Gesetz war, eine neue Moral zu dogmatisieren. Und dem hat auch dieser Film gedient. Kein Mensch wagt, ihn zu kritisieren, zu sagen: Das ist rein ALS FILM ein schlechter Film!

Erschlagen von großartigen Einzelszenen - wie diese Tanzszene - nimmt man zur Kenntnis, daß das Urteil von höherer Autorität ist als man selber hat. Und so agiert Hollywood seit vielen vielen Jahrzehnten: So mies die Botschaft auch war, so mies der Film auch gewesen sein könnte - wenn er einen verfolgten Juden oder ein KZ (und neuerdings auch Homosexuelle, oder Transsexuelle etc.) zeigt, MUSZ er gut sein. Mischt man noch brillante Einzelmittel (technische Brillanz, großartige Schauspieler, phantastische Aktionen ...) dazu, verstummt endgültig jede Kritik. Was? Der Film ist schlecht? Dann muß der Kritiker ein Anti-Semit sein, nein, er ist ein Nazi, ganz sicher!*

Alles an "Das Narrenschiff" ist eine reine Aneinanderreihung von Einzelbildern zu einem willkürlichen Panoptikum, in dem ein Bild mit dem anderen aber nichts zu tun hat. Der Film ist ein Machwerk, und die Preise, die er eingeheimst hat, sind (diesen Verdacht darf man ruhig hegen, er bestätigt sich immer wieder neu) der moralischen Aussage geschuldet, sonst nichts. Warum? Weil der Film für eine ideologische, im Grunde primitive Aussage mißbraucht wurde, ja nur deshalb gemacht und darauf zugeschneidert wurde. In der sich die immer üblicher gewordene, lächerliche Simplifizierung der Ereignisse und Akteure in Hitler-Deutschland austobt. Vor so einer dummen (weil egal aus welchen Gründen "gesollten") Motivlage KANN sich gar keine organische Dramaturgie und damit auch kein wirklich gutes Schauspiel entwickeln. 

Und dieser Primitivität gemäß wurde auch der Flamenco so schändlich fehlgedeutet.






*"Das Narrenschiff" ist im selben Jahr (1965) entstanden wie "The Pawnbroker". Es war das Jahr des Dammbruchs. Damals brach Hollywood erstmals den "Production Code", mit dem Obszönität durch den Einfluß der Kirche vom Film seit den 1930er Jahren ferngehalten worden war. In letzterem Film wandte man genau die hier beschriebene Taktik an: Er bringt eine KZ-Geschichte und handelt von Judenverfolgung und bösen Nazis ... und brachte erstmals blanke Brüste ins Kino. DAS war seine eigentliche Intention. Damit war der Bann gebrochen. Niemand wagte zu opponieren, auch nicht die Kirche, und wer doch, war sofort ein ausgewiesener Anti-Semit und Nazi. Fortan wurde die Welt mit immer offener pornographischen Filmen überschwemmt.




Donnerstag, 12. Februar 2015

Wesen des Stierkampfes

Es erinnert an sehr - sehr! - alte Bilder vom Stierkampf aus Kreta, 1.500 und  mehr Jahre vor Christus. Spiel mit der damit überwundenen, zur Schönheit werdenden gewaltsamen Dynamik des Lebens.



















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Freitag, 4. März 2011

Europa

Von den Stränden des Libanon.

Gefunden bei thisisnthappiness

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Sonntag, 27. Februar 2011

Donnerstag, 24. Februar 2011

Donnerstag, 6. Januar 2011

Archaischer Kult - II

Fortsetzung von Teil I) 

Auch die Tatsache, daß nach wie vor afrikanische Rinder meist mit langen Hörnern ausgestattet sind, ist kein Zufall oder rassischer Makel, denn langes Horn bedeutet auch weniger Milch- und Fleischertrag. Es hat vielmehr die religiöse Bedeutung der Mond-Symbolik. Ebenfalls in Afrika ist zu beobachten, daß Hirtenvölker häufig Priester zu Oberhäuptern haben, denn die Hüter der Rinder hatten und haben oft besondere, kultische Bedeutung, und solche Stämme, die auch meist kriegerisch sind, fühlen sich den Hackbauern hierarchisch übergeordnet.

Ähnliche Hintergründe lassen sich aus dem persischen Zarathustra-Kult erzählen. Aber der Weg verlief nicht, wie es unserem Denken entsprechen würde, über Nutzgedanken. Es war eine Aufgabe mit religiöser Dimension, wie aus Berichten über Zarathustra hervorgeht.

Denn daß Hackbau-Kulturen (die den Pflug nicht kannten, sondern nur über Löcher im Boden z. B. Zwiebeln anbauten) auch Rinderzucht übernahmen, bedeutete ja einen kulturellen Abstieg, war eine Verzweckung und Profanierung, die von reinen, hohen Hirtenvölkern abgelehnt wurde. Diese ursprünglichen Nicht-Viehtzüchter verzweckten das Vieh unsachgemäß.

Vielmehr betraf es die ursprüngliche nomadische Lebensweise dieser Völker. Die wirkliche, sachgerechte Rinderzucht, aus kultischen Gründen, brauchte nämlich Seßhaftigkeit und geordnetes Leben. Sich mit dieser Lebensform auseinanderzusetzen war damit eine moralische, religiöse Aufgabe - und aus ihr erwuchs damit der Bauer heutigen Zuschnitts. Denn als Gottesdienst, als Gehorsam den Göttern gegenüber, war die Seßhaftigkeit ein Prozeß sittlicher Läuterung, verlangte Disziplinierung, Tugend.

Erst von dieser kultischen Stufe aus, die ein Verzicht war - nicht also aus wirtschaftlichen Überlegungen! - begann auch der Nomade Ackerbau zu betreiben. Er ließ die trächtige Kuh ruhen, und begann den Stier für den Pflug zu nutzen. Durch diesen Akt wurde auch der Boden mit in die Sphäre der Heiligkeit einbezogen - hier taucht das Faktum der Bodendüngung auf: als geheiligter Akt!

Noch heute lebt weltweit der Gedanke, daß Rinderdung heilende Wirkung hat. Weil alles, das dem Rind entstammt, letztlich heilig war. Es steht also zu vermuten, daß auch der Genuß der Milch des Rindes - was dem ganzen asiatischen Raum ohnehin fehlt! - erst nur den Priestern vorbehalten blieb. Der Umgang mit dem Acker hatte schließlich generell sakralen Charakter. Auch in Europa war (und ist!) dies noch sehr lebendig.

Wo nicht, zeigt sich wirklicher Barbarismus. Ist nämlich dieser kultische, gefühlte, magisch-religiöse Bezug zum Rind, aber zum Tier generell, und von dort ausgehend zur Grundlage unserer Nahrung nicht vorhanden, bleibt nur noch der Verstand, um das menschliche Verhältnis zu ihm zu regeln. Und der hat in der Geschicht regelmäßig versagt, wie sich zeigt, wenn der Mensch mit einer Tierwelt konfrontiert ist, die nicht seiner vertrauten entspricht, zu der er eine Beziehung hat. Das beweist die sinnlose Überfischung der Weltmeere genauso, die die aberwitzigen Tötungsorgien der Europäer in Australien oder den heutigen USA, aber genauso unter arabischen Stämmen (als Beispiel) der Rinder- oder der Kamelhaltung.

Das Tier als Sache, als nüchterner Nutzfaktor, genauso aber auch die Sentimentalität, mit der es oft bedacht wird, oder das Tier als lebensbelustigender Luxus, ist erst jung. Immer noch sind deshalb auch bei uns Spuren eines Lebenszusammenhangs zu finden, der die Grenzen der Rationalität sprengt, und aus altem, tiefem Gefühl steigt. Nicht nur der Stierkampf, als eigentlicher Opferakt, ist da zu nennen. Jährlich sterben in Mitteleuropa etwa ein Dutzend Bauern, die beim Brand ihres Hofes versucht haben, ihre Tiere aus dem Feuer zu retten. Trotz Versicherungsdeckung. Eines der Zeugnisse dafür, daß der innere Zusammenhang, der unsere Kultur begründet hat, noch immer (!), wenn auch immer seltener, da und dort lebt.


Natürliche Wirtschaft, schreibt Günther, ist keine Frage von Zweckrechnung und rechnerischem Nutzen, sondern ein seelischer Vorgang. Es gibt eine seelische Unfähigkeit zur Landwirtschaft als Metapher für das Leben im Ganzen, und sie ist bei vielen Arbeitenden wie Arbeitslosen dieser Zeit bereits zu bemerken. Entseelung - das ist die Art, in der eine Kultur stirbt. Das tiefe Wesen und Wollen des Seelischen aber ist der Kult.

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Mittwoch, 5. Januar 2011

Archaischer Kult - I

Mag erst abenteuerlich und an den Haaren herbeigezogen klingen, was Albrecht Günther über die Ursprünge der Rinderhaltung - als Haus- und Nutztier - erzählen, aber je mehr Querverbindungen er aufbaut, je mehr man selber auf diesem neue Pfad nach und nach erkennt, desto einleuchtender scheint seine Theorie:

Kreta/Knossos; Stierspringer
Denn das Rind als Nutztier stammt aus der Religionsausübung. Erst von dort, über allmähliche Profanierung, Gewöhnung, Entsakralisierung, ist es zum Haus- und Nutztier geworden. Aber sämtliche religiösen Zeugnisse der menschlichen Kultur zeigen, daß das Rind erst nur als höhere Qualifizierung des Opfers, bei welchem erjagte Tiere geopfert worden waren, gefangen, gehalten, gezüchtet wurde.

Es ist ja bekannt, daß Wildtiere in Gefangenschaft oft sehr rasch bestimmte Charakteristiken verlieren, nicht entwickeln. Eine häufige Erscheinung: sie werden weiß. Das hat möglicherweise Rinder noch spezieller prädestiniert.

Rest dieser sakralen Dimension finden sich aber nicht nur in indien, und dort ohne jeden Zweifel und noch im direkten kultisch-religiösen Bezug.

Sondern in all den Stierkulten, die in der Menschheitsgeschichte, und besonders in Europa bekannt sind, und sei es, daß die Änaeis des Vergil vom Stieropfer berichtet. Oder daß die zahlreichen Bildnisse aus der kretisch-minoischen Urzeit Europas Zeugnis geben.

Herde von freilebenden Chillingham-Rindern, England
Aber mitten in Europa leben noch heute Reste dieses Stierkultes, der rund ums Mittelmeer lückenlos als uralter Kult nachzuweisen ist. Im Stierkampf nämlich, der eine tiefe menschliche Schichte der Haltung dem Wirklichkeitsnuminosum gegenüber ausdrückt.

Aber nicht nur dort lebt diese stille, urtümliche Tradition. Noch bis ins 20. Jhd. hinein sind Rinderherden, die keinem profanen Zweck dienen durften, auf englischen Adelssitzen bekannt, manche davon wurden einmal jährlich bei Festen bejagt und "geopfert". Und noch heute gibt es im "Chillingham-Rind" im Norden Englands, eine nur wenige Dutzend Rinder zählende Herde solcher Albinos, von einer äußerst widerstandsfähigen Rasse, die vermutlich aus römischer oder keltischer Zeit stammt, damals auf die Insel gebracht wurde, und seither ohne züchterische Verbreiterung, auf rätselhafte Weise trotz Inzucht nicht degeneriert, wild lebt.


Fortsetzung) Rinderhaltung als religiöser Akt zu einer höheren sittlichen Kultur

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Mittwoch, 17. November 2010

Weltweit

Auch in Lima, der Hauptstadt von Peru, gehen die Stiere auf die Barrikaden. Hier im Bild: Es rettet sich der rosenrotbesockte Torrero Juan Carlos Cubas mit seiner berühmten "Nackenhornrolle rückwärts", entblödet sich dabei aber eines furchtbaren toilettalen Mißgeschicks.


Copyright Die Presse
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Dienstag, 16. November 2010

Der nächste Fall

Die Stiere schlagen immer häufiger zurück. Es fehlt an Mannesmut, sie zu züchtigen.




Gesehen bei thisisnthappiness

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Samstag, 11. September 2010

Olé!

Der nächste Stier, der zurückschlägt.

Ist es das, als was es aussehen könnte? Empirie wird ja erst durch die These zu einem Faktum - jene ordnet die Daten.

Es war im England des späten Mittelalters üblich, Sodomiten (Homosexuelle) zu bestrafen, indem man ihnen ein aufgesägtges Kuhhorn in den After einführte, durch das man dann einen glühenden Eisenstab stieß.


 
 
*110910*

Freitag, 13. August 2010

Sonntag, 20. Juni 2010

Neulich, in Spanien

Ein mexikanischer Stiefkämpfer soll nach dem ersten Sichtkontakt mit dem Stier in der Arena über die Absperrung gesprungen, und auf und davon gelaufen sein. Er suche sich nun, so die Presse, einen anderen Beruf. Wohl auch, um die Schadenersatzforderungen des Veranstalters befriedigen zu können.

Aber das erinnert an einen anderen Fall, der sich in Spanien abgespielt haben soll...

In der spanischen Murcia gibt es einen kleinen Ort, Lastrancia des Namens, und in eben jenem findet jährlich eine einzige derartige Veranstaltung statt, angelegentlich welcher, nach jahrtausendealtem Brauche, berühmt kampfelustige Jungstiere der Gegend dem Gotte als Opfer dargebracht werden sollen - in Form im Mittelmeerraume so beliebten Stierkämpfe. Zur besonderen Delikatesse gibt es jedes Jahr, im Anschluß an die dreitägigen Festivitäten, die Hoden des Unterlegenen, Armen, und das seit Generationen in immer demselben Restaurant, dem "Canavalle" - delikat und nach Geheimrezept zubereitet, aufregend serviert - eine Besonderheit, zu der sich Touristen aus aller Welt Jahre im Voraus anmelden, und welche die New York Times auf ihren berühmten Gastro-Seiten folgendermaßen kommentierte: Welcher Mann gelebt haben will, der muß das erlebt haben!

So sollte es also auch in diesem Jahr das berühmte "Hoden-Essen" geben. Der amerikanische Millionär Anthony Farrell, ein nicht unbedeutender Ölmagnat, der das Rennen um den betreffenden Schmaus durch etwas höhere Zahlungen gemacht hatte, als dem Anlaß nach Meinung anderer Bewerber vielleicht entsprach, war so ein Mann, der gelebt haben wollte. Und so kam er, mit seiner Angetrauten zur Zeugenschaft, nahm theatralisch Platz, und harrte heiter und frohen Mutes der kommenden Dinge. Der Koch betrat, kaum hatte der Mittfünfziger aus Chicago seinen Platz eingenommen und die obligaten Getränke geordert und erhalten, unter laut-hellem Trompetenklang den Gastraum, balancierte dabei gekonnt und elegant das schwere silberne Tablett, hielt spektakulär vor dem Gast, stellte sich in Pose, um in unendlicher Grandezza sein Werk zu präsentieren.

Der Amerikaner konnte es nicht mehr erwarten, und riß mehr als er hob die silberne Abdeckung vom Tableau,  und wollte, während er unter banausischer Verletzung jeglicher Etikette die Serviette in seinen Kragen stopfte, mit geschwungener Gabel sofort mit dem Verzehr seiner teuer erstandenen Ware beginnen - da stutzte er.

Señor, meinte er nach einer Minute schweigenden Nachdenkens: Sind die Hoden nicht ein wenig ... also ... 
Der Koch neigte sich zu ihm, spielte mit seinem Bärtchen, und nahm ihm dann das Wort aus dem Mund: ... klein?

Ja, genau, meinte nun Farrell, und lächelte seiner desinteressiert an einem Cocktail nippenden Gattin zu. Klein, das trifft es, nicht wahr Darling? Ich dachte immer, ein Stier hätte viel ... also ...
Seine Gattin kicherte nun affektiert und unanständig.
Größere Hoden? Der Koch flüsterte fast.
Ja, genau, das trifft es. Viel größere Hoden, dachte ich?

Señor, meinte nun der Koch, weiterhin mit höchster Diskretion, und dennoch richtete er sich wieder auf, und nahm nun Haltung an: Nicht immer verliert der STIER!




*200610*

Montag, 24. Mai 2010

Mißlungenes Opfer

Zwanzigtausend Zuschauer sahen beim aus uralter kultischer Opferhandlung - schon auf kretisch-minoischen Bildern, vor rund viertausend Jahren entstanden, ist das Spiel mit dem Stier abgebildet, und der Stier als mythisches Opfer ist im ganzen Mittelmeerraum verbreitet - entwickelten Stierkampf in Madrid/Las Ventas, wie der Stier den Torero Julio Aparicio auf die Hörner nahm - und ihm das Horn durch den Unterkiefer bohrte, den erst niedergeworfenen 41jährigen dann regelrecht aufspießte. Zwei Zuschauer, schreibt der Kurier, seien daraufhin in Ohnmacht gefallen.

Der Torero hat übrigens überlebt, es geht ihm nach sechsstündiger Operation im Krankenhaus wieder gut.

Über den Stier schreiben die Zeitungen nichts. Es geht eben im Stierkampf nicht um die "Ermittlung eines Siegers", sondern um die Zelebration äußerster Möglichkeiten menschlicher, männlicher Freiheit und Macht, gerade im Risiko des eigenen Todes, in Verbindung mit einem kultischen Opfer. Das heißt nämlich: sinnlos, ohne Zweck, nur des Spieles wegen. 

Die Herkunft aus Kreta (und damit aus Ägypten beziehungsweise Phönizien) kann der gesamte Mittelmeerraum, in dem Stierspiele - Beherrschung der Fruchtbarkeit - Jahrtausende alte Tradition sind, eben nicht verbergen.

Dennoch wäre interessant gewesen, wie das sechshundert Kilo schwere Tier gestoppt, der Torero von den Hörnern gelöst worden war. Einfach durch gezielte Schüsse? Zu gefährlich. Oder durch einen tödlichen Stoß mit dem Säbel durch einen weiteren Torero? 

Wie aber hatte man dann verhindert, daß der Stier, von der Last an seinem Schädel in diese Richtung gezogen, auf den Torero drauffiel, diesem also noch mehr Schaden zufügte? Oder erzählt sich dies alles im ärztlichen Hinweis, daß - oh Wunder! - keine inneren Verletzungen festgestellt wurden, welche Bemerkung nahelegt anzunehmen, daß der Stier, nach seiner Tötung, auf den Torero drauffiel?



Nachtrag vom 25. Mai 2010: Wie Die Presse berichtet, hat der Stier das Horn aus eigenem Impuls wieder zurück (und aus der Wunde heraus) gezogen, Aparicio sich noch aus eigener Kraft aus der Gefahrenzone gerettet, ein anderer Torero dann den Stier getötet. Gerade hier aber hätte die Geschichte interessant zu werden begonnen: Mit einer Kalaschnikow, weshalb nämlich der Stier auf den Torero fiel? Oder mit einem brutalen Stoß einer dem nächsten Picador entrissenen Pica? Oder einer Granate, die ihm ein verwirrter Observator in die Hand gedrückt hatte? Etc. etc.

Oder ist diese Stoßbewegung des Stieres, als Artmerkmal, ganz anderer Natur, so daß der Stier mit einem aufgespießten Torero auf seinem Horn gar nicht wußte, was nun passiert ist, weil das Horn irgendwie gar nicht zu ihm gehört, wie bei einem Fingernagel gewissermaßen, er also gar nicht als "Selbst" gehandelt, die Spitze seines Tuns (wörtlich) mit ihm nichts zu tun hat? Weiß ein Stier, was an der Spitze seines Horns passiert? Fragen über Fragen ...


*240510*