Dieses Blog durchsuchen

Posts mit dem Label Teleologie werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Teleologie werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 2. Juni 2021

Leistungsprinzip - umflort von Leichengeruch (2)

Leistung heißt nicht "Ziel", sondern sogar "kein Ziel". Menschliches Entfalten aber ist eine Frage des Zieles, dem dieses Entfalten dientWie sehr diese Feststellung stimmt, also Tatsache der Natur des Menschen ist, zeigt sich gerade in dieser Zeit. Wo wir vor der Situation stehen, daß das Funktionieren der Organismen zunehmend von Einzelpersonen und deren Kompetenz abhängt. So einem Prinzip könnte (dürfte) man nur vertrauen, wenn diese Person Gott selbst ist, also Person und Struktur in ihm zusammenfällt (Jesus: "Ich BIN der Weg, die Wahrheit und das Leben.")

Das ist nicht nur so, weil Leistung in eine solche (als Sachgerechtheit definiert;  wie auch immer diese selbst gesehen wird, weil schon sie nicht "abstrakt" und für sich stehend ist und somit unabhängig von allen realen, historischen Bedingungen existiert, sondern nie aus dem Naturganzen herausnehmbar ist), aber auch in ein Leistungserkennen (und damit -anerkennen) auseinanderfällt. Jedes Kriterium trägt aber seine Er- und Anerkenntnis wiederum in sich selbst, und zwar demnach, wie sie ihm gemäß ist.*** 

Donnerstag, 5. März 2015

Ursache - Wirkung? Oder Plan?

Arthur Arndt hat in den 1930er Jahren einen Film angefertigt, der die Entstehung eines Schleimpilzes auffing, dessen Keim aus freifliegenden Zellen besteht. Er findet sich als leichter Haarbesatz auf altem Pferdedung. Feine Stiele tragen je einen Fruchtkörper, der die Samenkapseln enthält, die vom winde verweht werden. Treffen sie auf einen zusagenden Nährboden, so platzen die Kapseln, und aus jeder von ihnen schlüpft, wie ein Hühnchen aus dem Ei, eine kleine Amöbe, die sich sogleich daran macht, die Bakterien, die ihre Nahrung bilden, abzugrasen. Dabei vermehren sich die Amöben durch fortgesetzte Teilung sehr schnell, bis der ganze Nährboden von Amöben wimmelt, die unter- und übereinander wegkriechen. 

Ist die Nahrung verzehrt, dann setzt die zweite Lebensphase ein: Die Amöben gliedern sich in Gruppen und beginnen wie auf Kommando auf die Mitte jeder Gruppe zuzukriechen. Dort stoßen die allseitig eintreffenden Amöben aufeinander und beginnen aneinander hochzukriechen.

Jetzt beginnt die dritte Lebensphase: Die zuunterst befindlichen Amöben verwandeln sich in Stützzellen des Stieles, dann die nächst höheren usf., bis die zuoberst befindlichen Amöben sich in den Fruchtkörper verwandeln, der die Samenkapseln enthält Und dann beginnt das Spiel von neuem.




***

Mittwoch, 4. März 2015

Von der Melodie gebaut

Was dauert länger, läßt Jakob von Uexküll jemanden fragen: Der Leierkasten oder die Melodie, die er spielt? Natürlich der Leierkasten. Denn in dem Moment, wo ein Schlawiner einen Stein in seine Walzen steckt, ist es aus mit der Melodie, der Leierkasten aber besteht weiter. Die Melodie kann also verloren gehen, aber der Leierkasten bleibt.

Moment, wirft er dann ein. Gäbe es denn überhaupt einen Leierkasten, wenn es keine Melodien gäbe? Der Leierkasten ist einem Wesen nach ja überhaupt nur zu begreifen, wenn man in ihm die dreidimensionale Partitur der Melodie sieht. Ohne seine Melodie, ohne Begriff von ihr, ist er überhaupt nicht denkbar, ja er ist auf die Melodie hin gebaut!

Es gibt also die Melodie - sowohl VOR dem Leierkasten, wie nach ihm. Sie ist es, die länger dauert.




***

Donnerstag, 21. August 2014

Zweck und Folge sind etwas anderes

Ein interessanter Vortrag, ab ca. Min. 15 wird es handfest: Eine Zielorientierung läßt sich nicht empifisch aus den verwendeten Mitteln ablesen. Zu handeln bedeutet etwas anderes als Zielablesung aus verwendeten Mitteln. Teleologie läßt sich nur aus dem Menschen heraus verstehen. Wer diese Differenz nicht berücksichtigt, gelangt auf eine schiefe Ebene, auf der auch untermenschliche Realität einer Teleolgie unterlegt wird, die auch dem Atomgeschehen Handlungsfreiheit unterlegt.

Wer aber menschliche Analogie bestreitet, bestreitet überhaupt die Naturwissenschaft. Unser Denken ist analogisches Denken. Zwecke sind spekulativ, man kann sie nicht in die Natur hineinlegen, sie einem Geschehen zuzuordnen ist eine sogar metaphysische Vorentscheidung. (Und sie sind etwas prinzipiell anderes als eine "Folge", die aus einem selbstvollziehenden Geschehen heraus erwächst.)

Unsere Pflicht als Mensch, unsere ethische Aufgabe, liegt in der Wahl des Weltbildes, die kann uns keine "Empirie" abnehmen.

Systemeigenschaften sind nicht dieselben wie die Eigenschaften der Teile, und auch nicht aus denselben erklärbar. Es gibt in der Natur Sprünge, die aus naturwissenschaftlichen Gründen nicht erklärbar sind.

Sowohl der scientifische Monismus als der Monismus "Intelligent Design" machen denselben Fehler. Zwecke sind nur dem Menschen möglich, sie sind keine empirische Eigenschaft der Natur.

Aber: Wie sollte teleologisches Verhalten eine Lebenwesens aus einer a-teologischen Struktur der Welt entstanden sein?

Nur als hinzukommendes Drittes - Geist - ist also Ziel (Sinn) überhaupt möglich und denkbar. Das sagt also noch nichts darüber aus, ob nicht Sinn (und damit Geist) eine Grundbedingungen allen empirischen Geschehens IST. Die hier auch von Mutschler monierte "Sortenreinheit", das heißt die Trennung von Naturgeschehen und Transzendenz (Geist) ist per se gar nicht möglich, weil "natürliches Geschehen" ohne diese geistige Dimension gar nicht existiert. So zu denken ist ebenfalls bereits eine metaphysische Vorentscheidung, ein Deutungshorizont, "wie die Welt funktioniert".







***

Montag, 5. August 2013

Fundamentale Kehrtwendung (2)

 Teil 2) Gewußt wird nur, wessen man mächtig ist




Die alte teleologische Sicht war einfach ... nutzlos. Also gab man sie auf, und tat es in immer rascherem Tempo - weil es sich lohnte. Dabei wurde die Finalität der Naturprozesse (die sämtlich auf ein Ziel zusteuern, das ihnen bereits vorausgeht) vorerst noch gar nicht geleugnet. Aber das "erklärte nur", es brachte keinen Nutzen, brachte keine nutzbare Reproduzierbarkeit. Daß im biologischen Bereich Naturgegenstände von sich aus auf etwas aus sein könnten war der Sicht der Beherrschbarkeit der Welt nur hinderlich.

Es ist wesentlich sich vor Augen zu halten, daß dies eine fundamentale Kehrtwendung durch eine von Einzelnen getragene Vorentscheidung darstellt, die lediglich auf fruchtbaren Boden fiel, weil sie so viel Nutzen versprach.** Die uns Heutigen noch so natürlich und richtig vorkommt, und die sich erst nach und nach, aber durch Brachialgewalt, gegen das alte Konzept der Teleologie durchsetzte, die sich zäh und lange hielt. Eine Vorentscheidung, über deren Sinn man nur diskutieren kann, wenn man bereit ist, über die Metaphysik, über das Wesen der Welt, und über Erkenntnis zu diskutieren, das sich in dieser Vorentscheidung verbirgt. 

Als eigentümlicher Wille zur Macht, der sich im 16. und 17. Jahrhundert in der Mathematik und den Naturwissenschaften durchzusetzen begann. War man mit Experiment und induktiven Methoden hinter das Geheimnis von Prozessen gekommen, war ein Gott - der universale Techniker - entbehrlich. Der Mensch konnte nun seine Ideen nachvollziehen und in die Tat umsetzen. Wobei: KÖNNEN tut er es ja gar nicht, aber es SCHEINT ihm so.

Die Physik des 20. Jahrhunderts brachte hier auch einen nächsten entscheidenden Umschwung. Denn ihre Ergebnisse zwangen zu einem Neudenken der Sicht der Welt, die sich wesentlich der vormechanistischen Zeit, ja sogar der aristotelischen Metaphysik wieder annähert. Bis sich das freilich ins "Volksbewußtsein" durchgesetzt hat, werden weitere Jahrhunderte vergehen. Heute ist aus dem Nutzen, den wir in biologischen Organen AUCH erkennen, aus der techné-analogie, TECHNIK geworden. Der Mensch wurde zur Maschine, und die Seele, die Psyche zu mechanistischen Vorgängen.

Nicht mehr die Dinge sind aus sich heraus auf etwas aus, sondern alles ist Mittel zum Zweck (Gottes), nur der war auf etwas aus. Und baute deshalb aus (mathematisch nachvollziehbaren) Gesetzen (zufällig so und so seiende) Maschinen. Wer die Gesetze einhielt, handelte also dem göttlichen Willen gemäß. Die Dinge selbst aber waren an sich wertlos, die Natur löst sich in Notwendigkeiten mechanischer Prozesse auf, ein Begriff "Leben" wird sinnlos.

Die Einführung des Begriffs des "unendlich Kleinen" in die Mathematik (Infinitesimalrechnung; Leibniz) löst auch die Bewegung in unendlich kleine (aber noch bestehende!) Mechanik auf.***


**Natürlich haben auch in der Antike und im Mittelalter viele Menschen im realen Alltag "technizistisch" gelebt, die Welt lediglich für ihre Zwecke benützt. Das gab es immer. Aber nun wechselte der theoretische Horizont - dieses Verhalten wurde zur Norm, wurde gerechtfertigt. Der Mensch, der die Gesetze der Welt beherrschte, war damit Gott gleich, und so verhielt er sich dann auch: Er waltete mit der Welt, wie es ihm gefiel. Die Welt selbst hatte keine Qualitäten mehr, sie war nur eine Ansammlung von Funktionen, deren Qualität war, was er daraus machte. Der Techniker, bis in die Gegenwart, versteht sich als Gott. Ihn schränkt nur ein, was seinen technischen Erfolg gefährdet. Sämtliche Weltanschauungen des 19. Jahrhunderts, wo diese Haltung allgemein wurde und den Boden für die technisch-mechanistische Gegenwart aufbereiteten, gründen darin. Daß das fernöstlichen "Religionen" - mit ihren Techniken der Selbsterlösung - aber auch Evolutionismus und Moralismus den Boden bereitet hat, ist nur ein Nebeneffekt. Und die Motivik der Grünbewegungen von heute zeigt exakt dieselbe Struktur: Die Notwendigkeit die Natur zu schützen ist eine technische Notwendigkeit des "Überlebens". Weiter geht sie auch nicht. Damit wird Technik zur Magie - als gegen alles Übel erlösende Bannkraft gegen alles Unheimliche, Unbeherrschbare, zu der man nur die Formel kennen muß. Und daran glauben auch die Menschen: sie glauben, daß die Technik gegen alles "ein Kraut finden" wird. Das Ausmaß, in dem die heutige Technikgläubigkeit auf Zukunftshoffnungen baut, die sich seltsamerweise immer weiter verschieben, immer vielfältiger werden, ist uns gar nicht mehr bewußt.

***In Wirklichkeit, schreibt Spaemann dazu, löst sich jede Eigenbewegung eines Gegenstandes damit auf. Sie verlagert sich aus dem Naturgegenstand in das ... eigene Gehirn.





*050813*

Sonntag, 4. August 2013

Fundamentale Kehrtwendung (1)

Die entscheidende Wende in den Naturwissenschaften trat im 16. und 17. Jhd. ein - indem das "Wissen" neu definiert wurde. Nun galt nicht mehr der Evidenzbeweis nach Analogie in den Naturwissenschaften, sondern von nun an galt das, was reproduziert, was gemacht werden konnte. 

Zwar gab es das auch schon in der Antike, aber hier war das Experiment gleichfalls ein Evidenzbeweis. Es zählte nicht das "wie", sondern es zählte das "warum."

Das änderte sich schlagartig: es galt die Macht über die Dinge, nicht mehr das Verstehen.

Erfahrung wurde neu definiert: Sie galt nur noch dort, wo sie von jedem Menschen gleichermaßen im Experiment wiederholt werden konnte. Davor - und bis heute im Volksgebrauch - galt als Erfahrung der Erinnerungsprozeß, der sich auf ganz individuelle, unwiederholbare, auch mystische Inhalte beziehen konnte. Hier fiel, schreibt Reinhard Löw in seiner "Philosophie des Lebendigen", auch die Vorentscheidung, den Erfahrungsprozeß durch den mathematischen Vorgang zu ersetzen. Was sich bei Newton dann ausdrücklich findet, der Experimentalgesetze und Ursachen für Phänomene klar trennt: Das WIE galt, nicht das WARUM. Welt und Wirklichkeit wurde mathematisiert.

Noch Paracelsus anerkannte zwar die Zweckhaftigkeit der Naturvorgänge, aber es war ihm eine Einrichtung Gottes, der dem aufmerksamen Beobachter auch die Nutzanwendung möglich machte. Das alles diente zum Lobe Gottes.  Aber darüber machte man sich bald nur noch lustig.

Der Renaissance-Wissenschaft war hingegen die Kenntnis der Machbarkeit Aufruf zur progressiven Anwendung und Weltgestaltung. Wissenschaft wurde zur Anwendungspragmatik, Programm eines Ausnutzungsprozesses. Wissen war aus dem Menschen herausgehobenes mathematischer Prozeß.

Kopernikus' Heliozentrik war für die Kirche weitgehend gleichgültig. Zu sehr sprach der Augenschein gegen seine Thesen. DAS war nicht die Wende der Weltsicht! Auch Galilei war weit weg von Evidenz. Man kann, schreibt Löw, sehr darüber streiten, was Galilei überhaupt durch sein Fernrohr sah. Sein Abbild des Mondes ist so falsch, daß man es mit freiem Auge erkennen kann. Sein Streit mit Kardinal Bellarmin war kein Streit um die Sonne-Erde-Zirkulation, das war nur vordergründig. Bellarmin, der Nachfolger von Ignatius v. Loyola, hatte hingegen scharfsinnig den fundamentalen Paradigmenwechsel erkannt, der sich auch tatsächlich so verheerend auswirken sollte.

Die wirkliche Wende war die Naturphilosophie, die Francis Bacon niederschrieb. Hier fiel die Entscheidung für den atomhaft-mechanistischen, mathematischen Aufbau der Welt "von unten nach oben", auch das ja ein antikes Konzept (Demokrit). Und auch Bacon, der zeitlebens nicht ein Experiment (=Evidenz) durchgeführt hatte, außer in Gedanken, gewann daraus noch keine Glaubwürdigkeit, weil was er behauptete einfach nicht - in der nachprüfbaren Evidenz - stimmte.* Und nicht anders war es bei Descartes. Er verkündete gleichfalls viele inhaltliche Irrtümer. Entscheidend war aber nicht das WIE, entscheidend war, DASZ mit dem Programm der progressiven Naturbeherrschung ernstgemacht wurde.

Den Erfolg versprachen nicht die inhaltlichen Neuerungen, die mathematische oder experimentelle Methode, sondern den Erfolg versprach die entdeckte Konvertibilität von Wissen und Macht, Naturforschung und Geld (aus Verwertbarkeit). 




*Uns mögen heute die Erklärungen des Körpers als Maschine lachhaft erscheinen: Wenn etwa Galileo das Auge als "camera obscura" erklärt (Kann eine camera obscura "sehen"?), oder Descartes das Herz - obwohl der Blutkreislauf bereits entdeckt worden war! aber man ignorierte einfach vieles, nicht nur diese Evidenz - als jene Stelle, an der das Blut aufgekocht wurde, wo Muskeln sich mit Lebens-"Spiritus" aufpumpten etc. etc., wo man allen Ernstes die künstlichen Apparaturen etwa eines Jacques de Vaucanson für vollendete Modelle lebendiger Wesen hielt: alles im Organismus war nur noch ein Funktionieren von Hydraulik, Pneumatik, Hydrostatik und Optik. Aber in Wirklichkeit haben wir heute unsere Sicht nur verfeinert, komplexer gemacht.




Video (24 sec.): Die (berühmte) mechanische Ente von Jacques de Vaucanson ( ca. 1738)



Teil 2 morgen) Gewußt wird nur, wessen man mächtig ist





*040813*

Freitag, 13. Mai 2011

Kunst ist verdichteter Traum

Der Künstler irrt sich, schreibt Pawel Florenskij in "Die Ikonostase", wenn er glaubt, daß er alle Bilder geben muß, die in ihm entstehen. Die Menschheit braucht aber nicht seine Bilder, die in der Mischzone entstehen, wenn er von dieser Welt in die höhere aufsteigt, ehe sie ins Geheimnis verdampfen. Die Menschheit braucht die Bilder, die entstehen, wenn er von dort zurückkehrt, und die Bilder der Welt in ihrer Daseinsart als Symbol mit den Inhalten des Höheren füllt, von dem seine Lungen noch erfüllt sind. "Wir brauchen seine Morgenträume, die Träume vor dem Aufwachen bzw. im Aufwachen!" Die Träume aus der Mischzone unmittelbar nach dem Einschlafen - als Übertritt in die geistige Welt - sind unbrauchbar, bestenfalls Material, weil Psyologismus, so stark und raffiniert sie auch wirken.

In seinem Werk sind dieselben Gegenstände, die im Tagbewußtsein auftreten, aber sie sind Telos, Ziel eines höheren Sinns, sie sind reiner Sinn geworden, weil von der anderen Seite her betrachtet, dem Reich der Idee: einem anderen Bewußtseinszustand als dem Wachbewußtsein. Jeder Traum ist teleologisch, geht also vom Ziel aus, auf das er zugeht. Er geht aber, am Morgen, von den Bildern aus zurück in der Zeit, in der Kunst zum verdichteten Traum.

Deshalb liegt die wesentliche Frage der Darstellung in der Richtung, in die der Künstler geht, an seiner "Seelentechnik", weil am Zeitpunkt, von welchem aus er kündet: berichtet er vom ABSTIEG, also vom Traum am Beginn, wo er sich von dieser Welt zu trennen beginnt, ist sein Bild NATURALISMUS. Berichtet er vom AUFSTIEG, umweht von der kühlen Luft der reinen Idee, ist sein Bild SYMBOLISTISCH, in umgekehrter Weise (nicht posthoc gedeutet) gefüllt mit Sinn: sein Bild wird ein Bild höherer Wirklichkeit.

Wie auch immer, steht das Bild aber an der Grenze dieser Welt, sowohl verbindend, wie trennend. Das Kunstwerk bzw. die Welt der Kunst wird zur Ikonostase.

Die Frage für den Künstler ist, ob er beim Hinabsteigen in die reine Welt gereinigt (=gestorben) genug ist, sich von dieser Welt wirklich zu befreien! Oder ob er - das häufigste Problem - in Leidenschaft und Hochmut die Bilder die er mitnimmt beim Auftauchen im Grunde noch dabei hat. Leidenschaft, schreibt Florenskij, ist Abwesenheit objektiven Seins in der Seele. Aber es ist zuwenig, sie in "Askese" besiegen zu wollen. Die Askese hat unweigerlich auch die Zufriedenheit im Gefolge, sie schließt in sich ab. 

Zwar verliert die Seele beim Abstieg alle Bilder, aber weil sie in sich haftet. In diese Leere strömen augenblicks, zumal bei Aufstieg, Bilder nach - aber es sind Masken der Realität. Die Bilder die so geschaffen werden sind konstruiert, nicht geschaffen. Denn die Seele ist nicht rein genug hinabgestiegen, sie hat sich nicht beschenken lassen von der Idee selbst - denn sie kann sich diese andere Welt nicht "holen", diese muß als Gnade kommen.

Das entspricht übrigens dem Gleichnis von der gekehrten Stube, in die neue, und noch mehr, Dämonen zurückkehren. Denn die seelischen Kräfte suchen "ihresgleichen", suchen Entsprechungen, auch in den Bildern. Es gibt also die Vision aus Mangel, und es gibt die aus Fülle.

Der Besuch des reinen Geistes selbst (Gott) kommt in ein Bewußtsein, das seine Reinheit nicht glaubt, nur seine Bedürftigkeit kennt. Er kommt unverhofft, er kommt geheimnisvoll. Und inspiriert zur "Vision", aus der heraus bzw. in die hinein die von dieser Ideenkraft gesättigte Seele wieder ans Tageslicht steigt, wo sich Himmelskraft und Erdenbild im aufdämmernden Tagesbewußtsein zur Konkretion eines Symbols verschmilzt. Das Werk wird also nicht Maske, sondern Antlitz!

Und Antlitz bedeutet im Griechischen - Idee. Das Werk wird zum Strahl vom Qell aller Bilder.

(Während die Maske, die Larve, sich nur für ein Gesicht, ein Antlitz ausgibt, innen aber leer ist. Sie zeigt also etwas, das nicht da ist, sie betrügt deshalb. Das Böse ist hohl, galt immer als unrein, leer, ohne Rückgrat, ohne Substantialität. Es möge der geneigte Leser die Gedanken zum Bandscheibenvorfall usw. usf. selbst fortsetzen.)

Das Sichtbare, das Gesicht, das seinen Sinn aus dem "für mich" bezieht (außerhalb hat es keinen), vermittelt also zwischen der Seele des Betrachters - der in seinem Maß erkennt, was er sinnlich übernimmt - und der Idee.


***

Freitag, 8. April 2011

Steigerung des Seins

Es ist logischer Unsinn, schreibt Robert Spaemann in "Zum Begriff des Lebens", die Teleologie der Natur als Lebendiges zu einer Teleonomie umzudeuten. Also Zielhaftigkeit "zu simulieren", wo keine vorhanden war.

Denn Zielhaftigkeit selbst als solche zu erkenen setzt bereits die Selbsterfahrung von Zielhaftigkeit voraus - sonst ist sie gar nicht als solche erkennbar. Das "Aus-sein-auf" des Lebens ist DIE Grunderfahrung des Lebendigen, das sich darin als vom Ursprung emanzipiert, als Träger einer Substanz erfährt: Selbstsein ist Emanzipation von den Entstehungsbedingungen.

Finalität läßt sich aber nicht aus Kausalität ableiten. Im Begriff der Finalität war der Begriff der Wirkursächlichkeit immer schon mitgedacht. In der reinen Kausalität der Teleonomie aber ist gerade das Merkmal des Lebendigen - eben das "Aus-sein-auf" - nicht mitgedacht. Nur ein Wesen, dem es um etwas geht, kann ein System überhaupt als gericheteten Prozeß wahrnehmen. Lebendig ist ein System, das sich selbt ein Ganzes ist und danach strebt, ein Ganzes zu sein.

Und: es tut es nicht einfach, um "vorhanden" zu sein, sondern alles ist da um seiner eigenen Tätigkeit willen - alles Lebende transzendiert also seinen faktischen Momentszustand auf ein Ziel hin. Dabei ist es mehr, als nur die Erhaltung des Vorhandenen - und wo nur eingebettet in seinen Gesamttelos: Seiendes ist überhaupt nur da in der Weise des Strebens nach Sein!

Als solches ist Leben eine gesteigerte Form von Sein. Und es ist per se ausgerichtet auf diese Selbststeigerung, eingebettet in eine Gesamtordnung, die sich über das jeweils Einzelne im insgesamt steigert - im wechselseitigen Erkennen, das abhängt von der Höhe der Lebewesen. Denn Bewußtheit (als Erkennen) ist genau diese höchste Steigerung: in den Geist hinein - bis zum springenden Punkt: Leben ist göttlich. Nicht "nichts", ja sogar letztlich abzulehenende Quelle des Scheins und der Leids.

Leben aber steht in einer Parodoxie: denn es wird nur gewonnen in der Selbsttranszendenz. Wo der Mensch in sich kreisend verbleibt, erstirbt er. Deshalb ist die Freundschaft, das Wohlwollen der Umwelt gegenüber, in der Liebe, zentrale Lebensquelle.

***

Dienstag, 2. November 2010

Aus uralten Zeiten

Zwar wolle er, schreibt Ludwik Fleck einmal, nicht behaupten, daß JEDE wissenschaftliche Erkenntnis der Neuzeit auf Urideen zurückgehe, aber es sei auffallend, daß enorm VIELE der heutigen wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Jahrhunderte und Jahrtausende hin konsequente Verfolgungen solcher Urideen waren! Die nach heutigen Wissenschaftskriterien nicht durch "Beweise" oder "Fakten" belegt hätten werden können - und doch: stimmen!

Fleck führt als eines der illustrativsten Beispiele die Idee des "Atoms" an, ebenso wie die Kugelgestalt der Erde. Oder der Gedanke von Krankheitserregern im Blut, der schon bei den Römern lebendig war, der sich sogar auf die Säftelehre zurückführen läßt, lange ehe noch ein Mikroskop erfunden war - ja, diese wurde in gewisser Weise "auf diese Idee hin" entwickelt.

Was sogar nahelegt, die Sprache selbst, die Worte, als Entsprechungen auf Erlebtes und Wahrgenommenes zu sehen: übertragen in ein Element, das jedem verfügbar rasch formbar war. Dann wäre Gedankliche Wiedergabe kein logischer Prozeß, sondern eine Übertragung in die Darstellung. Damit wäre Erkennen um Ursprünglichen nicht als gedanklicher Prozeß definierbar, sondern ... auf Intuition, auf Bilddarstellung, Sprache auf Darstellung in "'Erlebensäquivalenten" rückgeführt.

***

Sonntag, 24. Oktober 2010

Im Anfang war das Wort

Die Furcht vor der Finsternis bedeutet die Abwesenheit von Spiegelung - Abwesenheit von Gott, der sich im Transzendenten, dem auf das die Dinge hinweisen, zeigt. Deshalb fürchtet sich das Kind, deshalb ist der Erwachsene - kraft der Erinnerung, die Wissen präsent hält, während es im Kleinkind mit der Erscheinung wieder schwindet, es hat diese Persönlichkeitskraft noch nicht, dieses Wissen, das ein Präsentsein ist, zu halten, bzw. halten zu wollen - auch in der Dunkelheit geduldig.

Denn er weiß bereits, daß die Finsternis (Genesis) nur das ungespiegelte Licht Gottes ist - das er bereits zu sehen vermag, in der fleischgewordenen Bewußtheit.

***

Im Anfang war das Wort. Es ist der Anfang, der Sonntag, der die ganze weitere Woche, als Kreis des Lebens, der sich in diesen sieben Tagen, die alles enthalten (!), öffnet und schließt, in sich keimhaft birgt. Das absolute Licht des Sonntag ruft das Fleischwerdende, das zum Fleisch Drängende der Ideen, zum relativen Licht: Als Geister der Ordnung der kommenden Woche.

 
*241010*

Mittwoch, 13. Oktober 2010

Kein Gott. Aber ein Schöpfer.

Richard Dawkins beweist eindrücklich im nachfolgend von "Wort und Wissen" übernommenen Interview (eine Mitschrift aus dem Film "Expelled"), daß der Evolutionismus auf rein wissenschaftlicher, rationaler Basis zu dem Punkt kommt, daß es keinen Gott gibt. Die Verfechter dieser Thesen folgen lediglich wissenschaftlicher Vernunft. Denn es gibt keinen Gott. Das ist bewiesen. Also: da hat ein Planet den anderen besucht, ganz einfach. So fing alles an. Irgendwann.

Ben Stein: Gut, wer erschuf Himmel und Erde?
Richard Dawkins: Warum sagen Sie „wer“? Sie nehmen ohne Beweis etwas als gegeben an, indem Sie „wer“ sagen.
 
Ben Stein: Gut, dann, wie wurde die Welt erschaffen?
Richard Dawkins: Durch einen sehr langsamen Vorgang.
 
Ben Stein: Und wie begann er?
Richard Dawkins: Niemand weiß, wie es begann. Wir kennen die Art des Geschehens, wie es gewesen sein muss, wie der Ursprung des Lebens stattgefunden haben muss.
 
Ben Stein: Und was war das?
Richard Dawkins: Es war der Ursprung des ersten sich selbst replizierenden Moleküls.
 
Ben Stein: Genau, und wie spielte sich das ab?
Richard Dawkins: Ich sagte Ihnen, wir wissen das nicht.
 
Ben Stein: Sie haben also keine Ahnung, wie es begann?
Richard Dawkins: Nein, nein, niemand hat eine.
 
Ben Stein: Niemand sonst hat eine! Was halten Sie von der Möglichkeit, dass Intelligent Design sich als richtige Antwort auf einige Fragen in der Genetik herausstellen könnte oder in der Evolution?
Richard Dawkins: Es könnte sich folgendermaßen ergeben haben: Es könnte sein, dass sich vor langer Zeit irgendwo im Universum, wahrscheinlich mittels der Darwinschen Mechanismen eine sehr, sehr hochtechnisierte Zivilisation entwickelte und eine Lebensform schuf, die sich vielleicht auf diesem Planeten verbreitet hat. Das ist jetzt eine Möglichkeit, eine faszinierende Möglichkeit und ich meine, dass es möglich wäre, dafür einen Beweis zu finden. Wenn man die Details von Biochemie und Molekularbiologie betrachtet, dann könnte man die Signatur irgendeines Designers entdecken.
 
Ben Stein: (kommentiert) Moment mal! Richard Dawkins dachte, Intelligent Design könnte ein berechtigter Ansatz sein?
Richard Dawkins: und dieser Designer könnte gut eine höhere Intelligenz irgendwoher aus dem Universum sein, aber diese höhere Intelligenz müsste selbst durch einen erklärbaren, letztlich erklärbaren Prozess zustandegekommen sein. Sie kann nicht einfach urplötzlich da sein. Das ist der Punkt.
 
Ben Stein: (kommentiert) Professor Dawkins war also nicht gegen Intelligent Design – nur gegen bestimmte Designer, solche wie Gott.
 

Ben Stein: Der Gott der Hebräer, der Gott des Alten Testaments, kommt also in Ihrer Sicht nicht vor?
Richard Dawkins: Ah, bestimmt nicht, das wäre eine sehr unerfreuliche Vorstellung.
 
Ben Stein: Und die Dreieinigkeit des Neues Testaments?
Richard Dawkins: Nein, nichts dergleichen.
 
Ben Stein: Glauben Sie an irgendeinen Hindugott wie Wishnu?
Richard Dawkins: Wie können Sie mir eine solche Frage stellen? ...
 
Ben Stein:  Ich wollte nur sicher sein. Sie glauben also nicht an irgendeinen Gott irgendwo?
Richard Dawkins: Jeder Gott irgendwo wäre völlig unvereinbar mit allem, was ich gesagt habe.


*131010*

Sonntag, 15. August 2010

Wie eine durchleuchtende Idee

Immer sind es einzelne Lebensformen, die wir als edel empfinden, einzeln stehende Bäume, ein einzelner Falke, ein einzelner menschlicher Körper. Und immer sind in dieser Einzelerscheinung die zufälligen Mängel überwunden, die aus äußeren Einflüssen und aus inneren Schlacken kommen und in so vielen anderen Fällen die Reinheit des Sichausdrückenseine trüben. Es ist stets eine determinante Idee, die sich ausdrückt, aber nur in ausgezeichneten Fällen geschieht das in völliger Reinheit. Ein vollkommen gestalteter Baum oder Mensch ist gleichsam transparent, etwas Rein-gestaltendes, eine Idee leuchtet durch den gestalteten Körper hindurch.

R. Woltereck "Philosophie der Lebendigen Welt"
über Lebensvollendung durch Aristie von Gestalten.


*150810*

Donnerstag, 5. August 2010

Immer ganz es selbst

Alles Lebendige ist in seinem Werden nicht die Kumulation von Funktionalitäten und Erweiterungen, sondern sein Werden ist klar gerichtet und eher im Sinne einer Entfaltung zu verstehen, schreibt Woltereck einmal. Sie ist als Ontogenese zu verstehen. Dabei kann man nicht sagen, daß dabei Ganzheit aus Nicht-Ganzheit entsteht, denn schon der Keim ist, wie jede Zelle, ein - relativ einfaches - Ganzes. Dieses steigert sich zum ausgegliederten, vollständigen Ganz-Organismus durch ein progressives Entfaltungsgeschehen, das nun auch als solches Ganzheit bedeutet.

Wie Woltereck trotz seiner Forschungsergebnisse an Evolution festhalten kann? Er nimmt sie einfach als Arbeitshypothese an, um innerhalb der Naturwissenschaften bleiben zu können, ohne - so formuliert er es a. a. O. - Grenzüberschreitungen, deren man sich als Fachwissenschaftler nicht zu früh bedienen darf, eingehen zu müssen.

Kommt er aus seinen Forschungen zu dem eindeutigen Ergebnis, daß zum Beispiel die beim Lebendigen, wie Fossilien beobachtbare Anamorphose - die Vielfältigung von Gestalt - als Gesetz des Lebendigen eine Evolutionsthese überzeugend stützt, so ist ihm aus gleichem Grund eine solche Entwicklung nur über Annahmen möglich, die sich aufdrängen, aber die von der Forschung noch nicht bestätigt wurden.

Eine Artenentwicklung - wobei für ihn jede Entwicklung nur aus Vorhandenem möglich ist - ist ihm vergleichbar dem genialen Einfall eines Künstlers oder Mathematikgenies als (noch mehr unerklärliches) Imagoid denkbar, das sich unbewußt im lebendigen Wesen gebildet hat, und das dann zum neuen Plan der Entfaltung wird. (An anderer Stelle legt Woltereck die plausibilitätsstärkende Tangente aus dieser Annahme auf die "Aristoi", die Hohen, die Aristokraten also - als Träger der Imagoide des Besseren, des Entwicklungsziels.)

Man mag es sehen wie man will, immerhin ist der Mensch in seiner schöpferischen Kraft, in seiner Geistigkeit, AUCH eine Erscheinung der Lebendigen Welt.



*050810*

Samstag, 26. Juni 2010

Prinzipielles Erbe

Jede Anlage, die sich in einem Lebewesen wirklicht, schreibt Richard Woltereck einmal, ist nicht darauf abgezielt, genau jenes Rot oder jene Länge oder jene Breite hervorzurufen.

Abgesehen davon, daß jede Entfaltung ohne Umgebung und dem Wechselspiel der Reize undenkbar ist, und Formenvielfalt in einem breiten "Wenn-dann" hervorbringt, werden immer Prinzipien vererbt - keine Details: es geht darum, daß Reaktionsweisen und Reaktionsnormen bestimmten Konstantenkomplexen zugeordnet sind, und daß diese Konstanten in wirksamer Geltung bleibe, solange und so oft diese Artsubstanzen durch Zellteilung und Keimbildung weitergegeben werden.

In seine Richtung argumentiert auch Gurwitsch: für ihn ist Vererbung ein prinzipieller Verwirklichungsvorgang, der sich Spannungsfelder schafft, die das Zellwachstum der aufgabenbedingten Organismusform eingliedert.



*260610*

Freitag, 11. Juni 2010

Raum und Größe

Woltereck weist in seiner "Philosophie der lebendigen Welt" auf eine bemerkenswerte Besonderheit der lebendigen Wesen hin: Sie sind ihrer Umwelt auch insofern eingepaßt, als sich ihre Bauartgröße der Umwelt, in der sie leben, anfügt.

Ein Blauwal, zum Beispiel wird nur in den wirklich großen Ozeanen leben können, und groß sein. Selbst bei noch so "idealen", nach allen erfaßbaren Bedingungen für "zweckmäßig" erkannten Lebensbedingungen, wird er nur in riesigen Räumen existieren können. Selbst in noch so großen und nährstoffreichen Teilmeeren, oder Binnengewässern, sind solche Arten nicht zu finden beziehungsweise zu halten.

Solche Zueinandergefügtheiten innerhalb der Natur lassen sich bei allen lebendigen Arten aufweisen - ob im Großen, ob im Kleinen. Dabei ist bei jedem Organismus auch zu unterscheiden, was sein jeweils individueller, notwendiger, "gerechter" Umraum tatsächlich ist! Denn ein solcher ist keineswegs die ihn umgebende Umwelt sui generis, sondern jedes Lebewesen steht in Dialog mit der Welt, und definiert sich seine relevante Umwelt, seine relevanten Faktoren selbst, und sei es, daß es sich (Spinnen, Würmer die Höhlen bauen, etc.) diese Umgebung selbst schafft. Für jedes Lebewesen aber gilt, daß es einen "erlebten" Umraum hat: Es gibt eine gesetzmäßige Dimensionsbeziehung zwischen jeweiligem Selbst, als Zentrum dieser begrenzten Partialwelt, und Nicht-Selbst.

Der Biologe führt als erläuterndes Beispiel ein Experiment mit Pflanzen an: Er setzte in seinem Teich über viele Generationen eine Wasserpflanze an, die sich tatsächlich schließlich dem großen Teich anpaßte. Sie wurde nicht nur größer als gewöhnlich, sondern nach vielen Generationen wurden es auch ihre Ableger. Diese Geprägtheit war von anderer Art als jene, wie sie bei Pflanzen auftritt, die man in eine über ihre normalen Bedingungen hinausgehend nährstoffhaltige Erde setzt, die auch entsprechend vermehrtes Größenwachstum aufweisen, aber in dem Moment, wo sie wieder in ihre ursprüngliche Umgebung zurückversetzt werden, sofort wieder klein werden.

Diese Pflanzen bewahrten ihre Größe, und als sie in kleinere Bedingungen zurückversetzt wurden, in einen kleineren Teich, bewahrten sie ihre Größe über dreißig Generationen, ehe sie sich erneut anfügten, den neuen Größenverhältnissen anpaßten, kleiner wurden.

Nur verbesserte Lebensbedingungen hingegen "vererben" sich nicht. Wenn sie sich ändern, wird diese Art (ob Pflanze, ob Tier) sofort wieder "klein", auch wenn sie vorher ein Maximum ihrer Art erreichte.

Dies hat für die Tierzüchtung Bedeutung, läßt aber durchaus Gedanken über den Riesenwuchs früherer, heute nur noch in Knochenfunden bekannten Lebewesen zu. Prinzipiell, so Woltereck, läßt sich aber ein Zusammenhang zwischen geräumiger Umwelt, und dem Größenwachstum eines lebendigen Organismus feststellen, der von bloßen Lebensbedingungen prinzipiell unterschieden ist.



*110610*

Freitag, 27. November 2009

Meinungskampfschrift, nicht mehr: Abiogenese

Dann IST Leben also nur "Essen, Verdauen, Stoffwechsel, Informationsaufnahme" ...? Der 10minütige (auf den ersten Blick: beeindruckende) Beitrag (bis ich - aus manchem bereits mißtrauisch geworden - dessen rein chemisch-biologische Stichhaltigkeit, auch in Details absichernder Anfrage bei Fachwissenschaftlern - spezieller Dank an Reinhard Junker! - überprüft habe) definiert es so: er zeigt, wie aus rein organischen, chemischen Vorgängen diese selbst zur "Illusion" führen, chemische Prozesse wären nur eine andere Sichtweise von "Leben". Entstanden aus bloßen Temperaturwechseln, die zu chemischen Prozessen führten, die komplexere Molekularstrukturen "schufen", aus Erwärmen und Abkühlen ...

Um diese These zu untermauern, geht der Beitrag übrigens weit: er gibt sogar zu, daß die bisher oft so hartnäckig behauptete These, daß es dem Forscher Stanley Miller 1953 gelungen wäre, auf chemisch-physikalische Art und Weise -  Blitze in einer Lösung, die der "Ursuppe" entsprechen muß - Eiweiße zu erzeugen, die (bei etwas Phantasie) Lebensbausteine wären, nicht der Wahrheit entspricht. Miller HAT NIE brauchbare Eiweiße erzeugt. (Das haben ja Gegner des Evolutionismus immer behauptet.) Das wußte er natürlich auch selber, aber der Film unten gibt auch zu, daß eben der prinzipielle Weg falsch war: es war eine Sackgasse, weil der zum Aufbau von (aus langkettigen Aminosäuren bestehenden) Proteinen durch die Miller'schen Annahmen und Prozeduren genau verhindert wird.

Daß der Film, der die (angeblichen) Forschungsergebnisse des heutigen Nobelpreisträgers Jack Szostak "populär verständlich" aufbereitet, nur auf den simplen Kreationismus der Amerikaner eingeht, ist ein anderes Problem, das wir hier gar nicht streifen wollen und nicht müssen.

Denn der Kern der Gegenargumentation liegt ganz woanders. Er liegt zum einen auf der Ebene des "Epiphänomens" - daß also "Leben" nur durch mangelnde Vorstellungskraft nicht als rein chemischer Prozeß gesehen wird, als schlichtweg andere Sicht der immer gleichen Sache also: so wie für den einen Bootslack ein Dicht- und Schutzstoff ist, für den anderen: Dekor.

Dieses Argument ist nicht neu. Es ist bekannt aus der Diskussion, was denn Bewußtsein sei - auch nur ein chemischer Prozeß der Eiweißzellen des Gehirns?

Auf diese materialistische Resignation, die sogar "menschliche Größe" zitiert, beruft sich dieser Filmbeitrag. Unabhängig vom Zirkelschluß, den das Argument der "Epiphänomenologie" bedeutet (Literaturhinweis: Pöltner "Evolutionäre Erkenntnistheorie"), das auszuführen hier aber den Raum sprengen würde, und in Häppchen ohnehin laufend passiert oder schon geschehen ist.

Als naturwissenschaftlicher Kern aber fällt etwas anderes auf, das man bei genauer Betrachtung des Films zwar ahnt, aber erst bei einer gewissen Kenntnis der Thematik und vor allem der Auseinandersetzung als typisch erkennt. Und für bisher ausnahmslos JEDEN "Beweis" für Leben als rein mechanisch-chemischen Prozeß gilt: Auch dieser Filmbeitrag, der emotional noch dazu mit Beethovens Neunter effektvoll spielt, alleine das ein Vorgehen, das auf andere Absichten schließen läßt als auf sachliche Explikation - Wissenschaft DARF gar nicht mit Gefühlen spielen - mogelt sich auf höchst unlautere Weise an den wirklichen Fragestellungen völlig vorbei!

Weder stimmen die Fragestellungen, noch sind die herbeizitierten zu widerlegenden Männer und Fakten die wirklich maßgebenden, noch stimmen die höchst generös gehandhabten, sich in Wahrheit bewußt schwammig haltenden, vorgeblich beweisen sollenden, in Wahrheit aber voreingenommen machen sollenden bloßen "chemischen Fakten"! Ein erster Blick auf die wirkliche naturwissenschaftliche Faktenlage macht das klar, ja zeigt sogar, daß sich diese "Beweisführung" seit vielen Jahren als Teilmythos, als "Sekte", entwickelt hat. Umso vollmundiger tönen die (darunter: inhaltlich leeren) Behauptungen, schaffen dafür den fumus ... eines Weltenmythos. Das war ja wohl auch die Absicht.

Und das alles noch völlig unabhängig von der Tatsache, daß kein lebendiger Mechanismus, keine lebendige Einheit mehrerer Zellen in der Natur bekannt ist, die keine zentrale Steuerung besitzt! Wo also etwas ihn ordnet und koordiniert, ihn auch als Ganzes, und auf eigene Weise, mit der Umwelt kommunizieren läßt, das über alle chemischen Prozesse hinaus auf ein "etwas Seiendes" hinweist, das das Sein von simplen mechanisch-chemischen Einzelvorgängen qualitativ um eine Dimension übersteigt.

Der Film ist also eine einzige Behauptung, die weit mehr als einem erst bewußt sein mag die Phantasie anregen soll, an ein Welterklärungsmodell zu glauben ... indem zum Numinosum eines Mythos überredet werden soll, bis zur Sollbruchstelle: "Selbst wenn nicht alles erklärbar ist, es stimmt ..."

Auf eine Art, die die Unmöglichkeit für die meisten, sich mit den wissenschaftlichen Fakten überhaupt so intensiv auseinanderzusetzen, weil man im Alltag steckt, ausnützt, um politisches Kleingeld im Meinungskampf zu münzen, um Stimmung zu machen. Weshalb man eindeutig von Unredlichkeit sprechen muß. Deren einzige Absicht ist, jene zu stärken, die - Ihnen, mir - schon morgen an der nächsten Straßenecke begegnen, in der Kantine plaudern, oder den Off-Text von Universum schreiben, und verkünden: "Wissenschaftlich ist bewiesen, daß ..."

Und damit auf Menschen treffen, die - wie Sie, wie ich - nicht ständig in der Lage sind, sich über jedes naturwissenschaftliche Detail am laufenden zu halten, und dann so etwas hören und sich sagen: hm, stimmt das also nicht, was ich vor Jahren eingehend geprüft, beurteilt, und als Erkenntnis verankert habe?

Warum macht man das, und wer?! Warum wird ständig versucht, aggressiv (denn: Unredlichkeit ist eine Form der Aggression) Meinungen zu bilden, zu verändern, zu beeinflussen? Ziehen Sie selbst die Schlüsse - ein eigenes Kapitel, das von Welt, Identität, Selbstvollzug und Todesangst handelt. Seriöse Wissenschaft, die bereit ist, nichts als die Wahrheit zu suchen und zu akzeptieren, arbeitet in jedem Fall anders.





*271109*

Donnerstag, 13. August 2009

Kein Präsident mehr


Wie ich schon einmal hier sagte: die USA haben keinen Präsidenten mehr. Sie haben jemanden, der unter Vorgabe dessen, zu tun, was ein Präsident zu tun habe, was weitgehend identisch ist mit dem, was er bisher tat, dessen Sitz eingenommen hat - ohne aber das Amt zu bekleiden: denn er hat den Stand abgeschafft und den Präsidenten" zum Erlediger bestimmter Tasks in die Technik aufgelöst. Und so wird er nicht selten zur (gewiß: wie im Bild köstlichen) Parodie seiner selbst.

Staat, Kultur und Amt ist teleologisch. Obamas Konzept aber - teleonomisch. Als Präsident. In Wahrheit muß man sich (mit ihm, denn er weiß es wahrscheinlich nicht) fragen, welches Ziel ihm wirklich vorausging.




*130809*

Samstag, 16. Mai 2009

Teleologie der physischen Erscheinungen

Sowohl von der Tatsache und den beobachtbaren Wirkungen der Schwerkraft wie aus den Erscheinungen der Quantenphysik ließe sich die These verifizieren beziehungsweise nicht falsifizieren, daß dem Verhalten der Körper ihre Beziehungen zueinander fundamental vorausgehen - nicht also umgekehrt. Dieses Zueinander der Körper ist auf einer anderen Ebene definiert, als es die bisherige Physik in den festgestellten physischen Phänomenen zu messen vermag. Es liegt nahe, daß diese Beziehung den Charakter einer Apriori-Information hat, weil sie auch die Eigenschaften der Dinge bestimmt.

Bei beiden Kräften spielt übrigens Distanz eine Rolle. Auch im Verhältnis der einzelnen Dinge zueinander ist dies der Fall, vom Eintritt in Beziehungskreise bis zu dessen definitivem Verlassen.

Auch die Behauptung wäre unwidersprochen gültig, daß dem So -Sein eines Einzelkörpers die Bereitschaft des Insgesamt (seines Systems, das er bis in seine äußersten Verästelungen berührt, im Grunde immer: der Kosmos) zur Separation vorausgeht. Das heißt, daß das Insgesamt das Einzelne zuvor denken muß, ehe es entsteht. Folglich enthält das Insgesamt alles Einzelne - ist sohin keine posthoc-Summe der Einzelheiten, sondern - omnipotent.

Hier ... setzen Hegel und Schelling (unter anderem) an.




*160509*

Mittwoch, 11. Juni 2008

Teleologie

"Ein Lebendiges ist ein Etwas, das plangemäße Leistungen vollbringen kann, ohne maschinell dazu eingerichtet zu sein und ohne den Plan in personal subjektiver Weise vor sich zu haben. Das bedeutet aber, daß bei entelechialer Wirksamkeit des Gestaltungs- oder Leistungsziels, auf das hin die dynamischen Potenzen ausgerichtet sind, in irgendeiner Weise im Wirkursächlichen objektiv eingeschlossen sein muß. Das richtunggebende Ziel muß ... in der objektiven Wirkursächlichkeit, in der auch die dynamischen Potenzen liegen, mitenthalten sein ... Der lebendige Organismus - oder welche in entelechialer Weise entstehende Entität immer - muß einen Vorentwurf seiner selbst als richtunggebend wirksamen Faktor objektiv in sich tragen." 


H. Conrad-Martius in: "Der Selbstaufbau der Natur"



*110608*

Samstag, 20. Oktober 2007

Spiegelneuronen und tierische Sprache

Die Verhaltensforscherin Julia Fischer im Radiointerview:

"Es scheint so zu sein, daß wir genau dieselben Neuronen ('Spiegelneuronen') im Gehirn aktivieren, wie jene, die wir beobachten und die etwas tun. Das sind mehr als einzelne Neuronen, sondern ganze Verhaltenskomplexe."

"Ich würde es aus meinen Forschungen an Tieren - gerade im Vergleich zum Menschen - so formulieren: Es existiert eine gemeinsame Weltwahrnehmung auch mit den Tieren, aus der aber jeder seine eigene Welt konstruiert."

"Ein Beispiel: Ein (Berber)Affe weist, wenn er auf der Hand sitzt und der Mensch nimmt eine Nuß, dieselben Gehirnströme auf als nähme er die Nuß selbst."

"Es ist eindeutig für mich, daß ein Tier sich fundamental in seiner Kommunikation vom Menschen unterscheidet. Selbst beim Schimpansen, dessen physiologischen Voraussetzungen dem des Menschen sehr ähnlich sind, kennt keine Kommunikation, die sich vom Gegenstand löst, die also abstrahiert. Alle entsprechenden Versuche sind lediglich Formen der Konditionierung, der Verbindung von Erfahrung und Laut oder Geste. Es gibt im Tierreich auch keine hinweisende Geste. Natürlich kann das im Verkehr mit Menschen sehr weit gehen (weil es sich der menschlichen, differenzierteren Welt anpaßt.)"

"Die Verhaltensforschung an Tieren war sehr lange sehr anthropozentrisch, wir haben also alles auf seine Nähe zu menschlichem Verhalten interpretiert. Wenn man sich davon aber löst, wird das tierische Verhalten viel besser deutbar."

"Es wird aus der Verhaltensforschung bei Tieren derzeit viel darüber diskutiert, daß man evolutionär den Zeitpunkt der Entstehung der Sprache beim Menschen viel viel weiter zurückdatieren wird müssen. Mit dem Kernsatz: "Nichts Genaueres über die Sprachentstehung wissen wir eigentlich nicht."





*201007*