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Samstag, 4. Juni 2022

Wieder ziehen die plündernden Horden über die Steppe (3)

Steppenreiter machen ihre Beuteräume menschenleer. Die Herrschaft, die sich ihr Volk erfindet - Genau das hat sich Franz von Vitoria in Spanien auch überlegt, und hat damals etwas gewagt, das uns unerhört erscheinen mag, damals aber offenbar gar nicht so gesehen wurde. Obwohl in Philip II. ein König (die Kaiserwürde hatte man da schon an die Familienlinie der Habsburger in Österreich zurückgehen lassen) am Thron saß, der nicht mit sich spaßen ließ, ging es um geistige Subversion, hielt der heute "Vater des Völkerrechts" genannnte Universitätslehrer mit seiner Meinung nicht hinterm Berg. 

Daß er nämlich die Monarchie dieses (also König Philipp's) Zuschnitts NICHT als die ideale Verfaßtheit eines Staates sah. Zu leicht kann das in eine Absolutheit und Deifizierung kippen, wie es dann hundert Jahre später auch in ganz Europa begonnen hat zu geschehen. Aber dann? 

Was, wenn der König zum absoluten Tyrannen wird? Was, wenn er sein Reich für seine persönlichen und schändlichen Interessen mißbraucht, wie es die Habsburger ja auch nicht gerade selten praktiziert haben? Was hilft den beherrschten Menschen dann noch? Sie sind ihrem Monarchen total ausgeliefert, und die Kirche kann das nicht mehr korrigieren (wie Josef II. es in Wien dann auch bewiesen hat.) 

Freitag, 3. Juni 2022

Wieder ziehen die plündernden Horden über die Steppe (2)

Wer nützlich ist darf am Tisch der Barbaren speisen, der Rest hofft unterm Tisch auf ein paar Krumen - Der Verführungskraft dieser Leitlinie ist offenbar auch der derzeitige Herr des Hauses Habsburg erlegen. Als ich Karl von Habsburg unlängst wieder einmal näher zuhörte, denn er gab in Servus TV ein Stelldichein, rollten sich mir nämlich die Zehennägel ein. 
Nicht nur, daß Habsburg wirkt, als hätte ihn ein D-Zug vergewaltigt, macht er nun auf wichtiger Unternehmer. Denn er hat irgendwas mit einer Telephonfirma in Kiew zu tun. Wie schön, Habsburgs haben ja immer schon gerne viel geplaudert. Und ein Geschäft ist das allemal, weltweit, in einer Welt, die nach Narrativen lechzt, die ihren geistig verwirrten Zustand des Herumlügens um den logos in ein allherrlich fabuliertes Kostümchen mit Liebesgeschmack zum Aufspeicheln faßt. 
Auch dieser Karl scheint in dem Punkt Erfahrung zu haben. Wie wenig sein Persönlichkeitskostüm aber mit Wirklichkeit zu tun hat erkennt man aber an seiner Bereitschaft, eine passende Geschichte gleich mal zu erfinden. Wer schon mit dem Wirklichen geshcmust hat, der kann darauf aber gerne verzichten, denn die Ohrfeige kommt garantiert.
Und noch einer Versuchung ist er erlegen, auch hier hat sich ja schon so mancher Habsburger zu Tode gewichtigt - auch dieser Habsburg hat die Nützlichkeit als Legitimationsquelle entdeckt. Und damit ist er auch endlich wer im Konzert der Zeitgeistquaker, und kann endlich aufhören, die Balladen aus längst vergangenen Tagen - also die Lieder dom Ewigen - zu singen. 
Das will heute doch kein Mensch hören, wie soll man da noch ein bissel mehr Telephonminuten verkaufen? In Kiew! Wo doch niemand Ewiges (also Vergangenes) hören will, sondern nur Zukünftiges, nein: Nützliches.
Der heutige Habsburg fährt Motorrad (tut Karl seit seiner Jugend), ist geschieden und wieder liiert, und hat drei Kinder. Nicht acht oder siebzehn. Und den Sinn fürs Pragmatische hat die schon damals sehr gewöhnungsbedürftige Allianz mit deren Mutter aus wenn schon nicht standesgerechten, so wenigstens reichem und nützlichem Haus ja ohnehin schon vor Jahrzehnten bewiesen. Na Hauptsach, mer seint all zerfrieden.

Dienstag, 1. März 2022

AKTUALISIERTER Nachschub zum Fall der Ukraine (6)

Der brutale Putin, der friedliebende Zelensky, und die interessante Sprache in einer harten Lage. Kommunismus gegen Faschismus? -
    QR Film "Ukrainian Agony"    
Aber war der Film, den wir gestern brachten, hilfreich? Haben Sie, werter Leser, nicht auch den Eindruck, daß er gut beginnt, dann aber in emotional aufgeladener (aber äquivoken, damit schizotymen) Sprache und Einzelbetroffenheitsbildern ertrinkt?

Knüpfen wir also an die sehr ernsten Fragestellungen an, in die die Berichtswege nun geführt haben. Ob wir es mit einer neuen Sammlung der kommunistischen Kräfte zu tun haben, die in der Allianz einer kapitalistischen Materialismus-Mentalität, China, verbunden mit Rußland, dessen Gesicht wahlweise Kommunismus oder Orthodoxie ist nun die "neue Luft" bekommt, in die Offensive zu gehen. 

Wissen Sie was, werter Leser? Ich möchte fast glauben, daß es hier um etwas anderes geht. Daß hier wieder einmal ein und dieselbe Kraft in einer inszenierten Scheindichotomie ganz andere Interessen verfolgt, und das GANZE in der Hand hat oder halten will. Sodaß die oberwähnten Fragen nur im Windschatten mitlaufen, und zumindest eine Seite nur so lange dabei sein wird, als sie (fälschlich!) glaubt, Grundsatzfragen außen vor lassen zu können, um einstweilen gewissen Nutzen zu sehen. 

Montag, 28. Februar 2022

AKTUALISIERTER Nachschub zum Fall der Ukraine (5)

Schau - Trau - Wem? - Wieviel leichter wäre alles, würde man in einem Land leben, wo ein Wort ein Wort, ein Handschlag ein Handschlag wäre. Wo die Politik Dinge sagt, die wahr sind, die gerecht sind, und der Position wie der geopolitischen Aufgabe des Staates entsprechen würden.

Und wieviel leichter wäre es, an die Fama vom bösen Aggressor und dem weißen Lämmlein, das sich zitternd in die Ecke kauert und den tödlichen Schnitt des Schlächters erwartet - wenn zum Beispiel nicht dermaßen viel gelogen und betrogen würde. Und wenn die Lämmlein wirklich ehrlich, offen und wahrhaftig wären.

QR Die extrem freche Medienlüge

Ein Beispiel für so eine unfaßliche Lüge, die bei der Bevölkerung ein Bild erzeugen soll - und da muß man sich doch fragen: warum soll bei der Bevölkerung ein bestimmtes Bild erzeugt werden? Sind auch wir im Krieg? Sind auch wir darin Partei? wenn man sich die Politik und die Eliten ansieht könnte man freilich meinen: JA, ohne zu erklären: WARUM? - liefert BILD-TV. Und das Beispiel ist dermaßen frech, daß ich sogar wieder einmal zu Gloria.tv verlinke, um es zu zeigen, weil ich es vorerst nur dort sehen kann: 

Sonntag, 27. Februar 2022

AKTUALISIERTER Nachschub zum Fall der Ukraine (4)

Ein Ausdruck des Mitleids, und eine Entschuldigung. Arme ukrainische Kleinvölker - Die sich seit je in diesem Raum (wobei: eigentlich ist das nur der Raum der heutigen West-Ukraine) gesammelt haben. Weil sie weder der Westen noch der Osten wollte, und sie für einen eigenen Staat jeweils zu klein waren. Viele sind weitergezhogen, wie die Ungarn, die (dann) West-Bolgaren, oder die Szekler. Andere Stämme geblieben, wie die Ruthenen. Oder die Schtetl-Juden, die vermutlich die Turko-Chazaren waren. Bloodlands nannte man irgendwann diesen Raum.
Vom Ausland aus kann Zelensky jedenfalls auch deutlicher NICHT mit Putin reden, wie er jedem anempfiehlt. Der Westen wird es gerne übernehmen, und Wetten werden bereits angenommen. Bald wird jeder, der mit Putin redet oder reden will, als Nazi entlarvt. 

Bliebe nur noch zu hoffen, daß die russischen Speznas auch gleich die dazupassenden Armbinden und Wimpelchen finden, wenn sie Kiewer Keller aufmerksam durchstöbern. Es wäre so praktisch. Wenn sie denn Kiew - trotz heldenhaften Widerstands aus den Autokolonnen gen Westen, die schon mal die Infrastruktur lahmlegen, und das ist mehr an Aufmarschbehinderung für die Rote Armee, als Zelensky zustande brachte - erobern. Vielleicht ist also nur wegen dieser Staus in Galizien noch kaum etwas von einem russischen Angriff auf die Ukraine zu spüren.

Die Zeitung schildert jedenfalls in dramatischen Worten:

Samstag, 26. Februar 2022

AKTUALISIERTER Nachschub zum Fall der Ukraine (3)

Einen Gewinner haben wir eben auf jeden Fall schon - und das sind die USA. Denn Nordstream 2 ist jetzt wohl Geschichte, dieses Tor zu einer europäischen Zukunft OHNE Dollarabhängigkeit und als Schritt zur Energiesicherheit ist geschlossen. Die ersten 120 Tanker mit Flüssiggas aus den USA sind ja schon seit Tagen unterwegs, wie EU-Präsidentin Uschi von der Leyen aus ihrem kindlich-herben Mündelein ertönen hat lassen. Und wir glauben ihr das natürlich. Einstweilen hat der Heiden-Hans schon mal angekündigt, ein paar mehr Soldaten ins Baltikum zu schicken. 

QR Bericht aus den USA
Das militärstrategisch zwar wertlos für die NATO ist, weil (wie ich in einem Militärmagazin dereinst las) die Rote Armee bei einem Angriff höchstens einen Tag bis zur Ostsee braucht. (Viel bedeutsamer wäre hier Schweden, das dank perfider Bevölkerungstäuschung ohnehin schon am besten Weg zur NATO ist. Und was läge näherr, als nun wieder russische Atom-U-Boote in schwedischen Hoheitsbereichen in der Ostsee zu sichten, um den Schweden endgültig ihren Bedarf nach Militärsicherheit vor Augen zu führen?) Aber es geht heutzutage ja ums Symbolische. Und um einen weiteren Anlaß, eine nnächste Fußangel. Davon kann man nie genug auslegen. 

Freitag, 25. Februar 2022

Ein weiterer und aktualisierter AKTUELLER Nachschub zum Fall der Ukraine (2)

Was bisher geschah - Aber was ist also geschehen? Putin war clever, war dem Westen einfach zu clever. Was freilich noch keine große Leistung ist, dazu braucht es nicht viel. Es braucht nur jemanden, der auch handelt, nicht nur faselt. (Ach, wie sehnte sich das geschundene Deutschenherz nach einem schönen König, nach einem glänzenden König, nach einem weisen König! Man sollte am Untersberg einen Alphornbläser installieren, der täglich fünfmal ins Horn stößt, vielleicht wacht er doch noch auf, der Friedrich?) Aber auch hier hat seine Vorgehensweise etwas von einem Schelmenstück. 

Erst haben sich die beiden Provinzen Lugansk und Donezk im Donbas unabhängig und zu Volksrepubliken erklärt. So, wie das bekanntlich auch der Kosovo gemacht hat. Wenige Stunden danach hat Rußland diese da noch lediglich selbsterklärten Staaten ANERKANNT, und DAMIT zu Subjekten des Völkerrechts gemacht. 

Ganz genau so, wie das beim Kosovo der österreichische Außenminister Alois Mock gemacht hat. Die Verkündigungstinte im kosovarischen Rundfunk war noch gar nicht trocken, hat Mock bereits seine österreichische Note auf den Weg geschickt. Sein Anerkennungsschreiben war noch vor dem der Deutschen in Pristina. Damit schuf er aber - als Außenminister eines neutralen Staates! - zumindest theoretisch die Grundlage für das "Eingreifen auf Hilfeersuchen" - wie in Lugansk, wie in Donezk - der NATO, oder im Zuge eines Völkerrechtsbeschlusses, als Schutz GEGEN SERBIEN.
 
Diese nunmehr souveränen Staaten (was von Anerkenung abhängt, wie gesagt) haben sofort den großen Bruder Rußland um militärischen Beistand gebeten. Mit der Erklärung, daß sie nicht in der Lage wären, ihr Territorium (und damit ihre Bürger) zu schützen, das Land militärisch zu befrieden, zu beherrschen, und zu verteidigen. Auch das ist völkerrechtlich korrektes Vorgehen. Die Entsendung von Truppen durch Rußland in die Volksrepubliken Lugansk und Donezk war also KEIN KRIEG und KEIN KRIEGERISCHER AKT GEGEN DIE UKRAINE.

Samstag, 23. Januar 2021

Die ganz und gar legitime Vormundschaft

"Auf dem Festland essen sie Menschenfleisch. Sie sind mehr als irgendein anderes Volk unzüchtig. Gerechtigkeit gibt es bei ihnen nicht. Sie gehen ganz nackt, haben keine Achtung vor wahrer Liebe und Jungfräulichkeit und sind dumm und leichtfertig. Wahrheitsliebe kennen sie nicht, außer wenn sie ihnen selbst nützt. Sie sind unbeständig, glauben nicht an die Vorsehung, sind undankbar und umstürzlerisch. [...]

Sie sind gewalttätig und verschlimmern dadurch noch die ihnen angeborenen Fehler. Bei ihnen gibt es keinen Gehorsam, keine Zuvorkommenheit der Jungen gegenüber den Alten, der Söhne gegenüber den Vätern. Lehren wollen sie nicht annehmen. Bestrafungen nutzen bei ihnen nichts. [...]

Zu ihren Speisen gehören Läuse, Spinnen und Würmer, die sie ungekocht essen, wo sie sie nur finden. Wenn man sie die Geheimnisse der wahren Religion lehrt, erklären sie, diese Dinge paßten für die Spanier, aber für sie bedeuteten sie nichts, und sie seien nicht bereit, ihre Gewohnheiten zu ändern. [...]

Ein je höheres Alter diese Menschen erreichen, desto böser werden sie. Wenn sie zehn oder zwölf Jahre alt sind, glaubt man noch, sie besäßen einige Höflichkeit und etwas Tugend, aber später entarten sie wahrhaft zu rohen Tieren. Ich kann versichern, daß Gott kein Volk je erschaffen hat, das mehr mit scheußlichen Lastern behaftet ist als dieses, ohne irgendeine Beigabe von Güte und Gesittung. [...]

Nein, das ist keine zeitgenössische Kritik und Anklage, und es stammt auch nicht aus den späten Tagen der Antike. Es ist einem Schreiben des Dominikanerpaters Tomas Ortiz entnommen, in dem er Mitte des 16. Jahrhunderts von dem Indianerrat in Madrid berichtet.

Die Diskussion im 16. Jahrhundert hat zwei elementare Seiten. Die eine ist, daß den Indianern auf Drängen der Kirche (Spanien hat in Philipp II. und seinem Vater Karl V. sehr fromme Könige) jedes Menschenrecht zugestanden wird. Eine Sichtweise, die vor allem gegenüber den stets sehr individuellen Charakterdefiziten der Soldaten mit unerhörter Strenge angediehen wird, so wenig sie denen auch gilt. Sie verfahren furchtbar mit den Menschen, denen sie überlegen sind. Meist unter enormem Schuldendruck, aber das rechtfertigt nicht den oft genug unfaßbaren Wahnsinn, der angerichtet wird. Die meisten sind aber, sobald sie in der Neuen Welt angekommen, bis über beide Ohren verschuldet, und wollen weil müssen aus den neuen sozialen Umfeldern herauspressen, was sie herauspressen können. Der Traum vom Reichtum ist für die allermeisten schon ausgeträumt, da haben sie noch kaum den Fuß auf den Strand der Neuen Welt gesetzt.

Aber da ist auch eine Sichtweise, die sich durchsetzt, und die tiefere Verankerung und Legitimation hat: Die Betrachtung der Indianer als Kinder, denen gegenüber man als Vormund handeln muß. Der Dominikaner Vitorio, der an sich nicht nur als Vater des Völkerrechts angesehen wird, sondern der auch als "Retter der Indianer" eingestuft werden kann, schreibt dazu: 

"Obwohl diese Barbaren nicht gänzlich ohne Urteilskraft sind, unterscheiden sie sich doch sehr wenig von den Schwachsinnigen. [...] Es scheint, daß für diese Barbaren dasselbe gilt wie für die Schwachsinnigen, denn sie können sich selbst nicht oder kaum besser regieren als einfältige Idioten. Sie sind nicht einmal besser als Vieh und wilde Tiere, denn sie nehmen weder feinere noch kaum bessere Nahrung als diese zu sich." [Ihre Dummheit] "ist viel größer als die der Kinder und Schwachsinnigen anderer Völker." 

Somit, schließt Francisco de Vitoria, ist es rechtens, in diesen (neuen) Ländern zu intervenieren. Denn damit kann eine Vormundschaft ausgeübt werden, die im Sinne des Gemeinwohls dieser Menschen, dieser Völker und dieser Welt notwendig ist. 

Der VdZ schreibt dies alles und an dieser Stelle nicht ohne Grund. Denn er sieht dies als nüchterne Bestandsaufnahme der Gegenwart, und damit auch als Menetekel dessen, was uns Abendländern dräut. Wir werden von stärkeren Mächten übermannt werden, so einfach muß man das sehen. Und das läßt unsere Zeit mit der des Spanien des 16. Jahrhunderts so ähnlich sein. 

Zumalen auch die Mächte, die uns überwinden (und darin ist alles nur noch eine Frage der Sichtbarkeit, nicht der Wirklichkeit) mit demselben Argument ihre Legitimation holen wie haben: Sie stehen Kindern gegenüber, die keine Tugend mehr haben, und sich zum Bösen entwickeln. 

Wir leben (dazu könnte man es komprimieren) inmitten einer sozialen Umgebung, in der der Nächste, ja wo jeder jeden der ein "anderer" ist, der also noch das hat, was man "Geheimnis" nennen könnte, der in jedem Fall aber "nicht ist wie wir", so betrachten, wie die Spanier des 16. Jahrhunderts die Indianer der Neuen Welt. 

Der springende Punkt ist aber der: Nicht, daß das etwas Neues wäre. Das gehört vielmehr zum Menschsein dazu, daß der Mensch das Menschsein von sich ausgehend ableitet. So wie Erkenntnis immer von sich ausgehen muß, sonst kann sie gar nichts erkennen. 

Der springende Punkt ist, daß es keine Gemeinsamkeiten als Gemeinschaft mangels einheitsbildender Macht der Wahrheit mehr gibt. Damit ... keine Freiheit mehr gibt. Daß somit alles, was sich heute als Gemeinschaft ausgibt, als Einheit, nur noch positivistisches, selbst- bzw. psyche-generierte Willenshaltung, Vorstellung, verpflichtende und verpflichtete Selbsttäuschung ist.

Diese Sichtweise, daß der andere "Wilder", "Indianer" ist, die - man schaue doch einfach genau hin! - so allgemein ist, daß man nicht weit suchen muß, weil sie hinter jeder Straßenecke hervorlugt - ist der wahre Grund für die Bevormundung, die wir in Medien, Politik, ja von so vielen und noch vieleren Stellen an uns getan wird. 

In einer Zeit gesagt, in der bald jeder jeden zu erziehen sich ankleidet, worin die Aussage doch mehr als deutlich wird, daß der GENERELLE Zustand der Menschen als so roh und barbarisch gesehen wird, wie die Spanier den Zustand der Indianer in der Neuen Welt beurteilt haben. Was bis zur Beurteilung der Nahrung geht, die wir zu uns nehmen.


*220121*

Sonntag, 27. Dezember 2020

Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt

Also: Die Palästinenser wurden aus ihrer Heimat vertrieben. Von dem späteren Israel. Nun sagt der Sprecher des Israelischen Außenministeriums, daß es nicht gegen internationales Recht (und Menschen- und Flüchtlingsrecht) verstößt, Israeli beim Kauf von Grund und Gebäuden zu bevorzugen. WEIL Palästinenser, die in ihre Heimat zurückkehren wollen, nicht Israeli werden wollen. Würden sie das wollen, wären sie israelische Staatsbürger, und hätten so auch das Recht auf den Kauf von Immobilien.

Das ist nur ein Beispiel einer recht verdrehten Argumentation und darauf aufbauenden wirren Rhetorik. In der man hört, was der Sprecher des israelischen Außenministeriums von sich gibt. Und damit versteht, aus welchem Material die staatliche Politik Israels gestrickt ist. 

Weil in diesem interessanten Gespräch, das keinen Kommentar mehr braucht, versucht wird, die israelische Politik, im besonderen den Umgang mit den Palästinensern, zu rechtfertigen. 

Werter Leser, sichtbar wird aber vor allem eines: Was die Natur der Lüge ist. Hier wird sie nämlich offenbar. Der Mann, ein Sophist reinsten Wassers, behauptet sogar, daß Israel seit 1948, seit der Gründung, gar niemals Land okkupiert hat. Weil Okkupation bedeuten würde, daß man das Land eines anderen souveränen Staates in Besitz nehmen würde. Aber es gab dort keinen souveränen Staat. 

Was nichts anderes heißt als daß Palästina, also jenes Land, in dem Millionen Menschen in Familien- und Stammesstrukturen gelebt haben, das letzte "freie" Territorium der Welt gewesen ist. Aus welchem Territorium sein eigenes Land zu schnitzen die Juden jedes Recht der Welt hatten. 

Die mit einem Rechtsverständnis angetreten sind, das seinen Charakter insofern offenbart, als es dem neu gebildeten Recht jener Kaufleute entspricht, die im späten Mittelalter begonnen haben, die Grundkultur weil Natur der Menschheit zu verändern, um ihren Interessen gefügig zu werden. Man nennt dieses Abweichen des Zieles und Wesens von Politik vom Gemeinwohl, hin zum unlimitierten Wettstreit von Eigeninteressen ... Kapitalismus. 

Und es bezieht sich vor allem auf das Verhältnis zum Boden. Der nicht mehr als Leihe, als Lehen, als Leihgabe gesehen wurde, die von Gott ausgehend dem Menschen - allen Menschen! - eine Möglichkeit zum Überleben gewährt hat. Sondern die diese Möglichkeit von einem neuen Verstehen von "Eigentum" abhängig machte. In dem der Staat, diese Schwester der Geldinteressen, diese separierten Rechte auch noch durch Exekutivkraft erst zugestand, und dann garantierte.

So wie die Vereinigten Staaten es bei der Gründung gesehen hatten. Oder wie es in Südamerika nach 1492 abgelaufen ist. Oder durch die Engländer bei Australien, oder ... wie es bei so vielen Völkern der Welt gelaufen ist. 

Wo es überall hieß, es seien Länder ohne Völker, lediglich Länder "mit nicht einmal Menschen". Länder somit, die jenen gehörten, die es zuerst (wann? vor wem?) nach abendländischem Rechtsdenken und Weltverständnis für sich beanspruchten, weil erst dort der Mensch begann. Und somit (wo?) als nunmehr eigenes Staatsterritorium anmeldeten (vor wem?).

Wie alt ist doch diese Sichtweise. Und wie jung. Es ist dieselbe Sichtweise, die dem Embryo das Lebensrecht abspricht, und den alten, den behinderten, den kranken Menschen das Lebensrecht abspricht, weil es ihnen an Aktualisierung mangelt. Es hat sich nichts geändert.

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Auch nicht in Palästina. Daß der Mann im Interview das Verhältnis Israels zur UNO als "kompliziert", ja jede "Beziehung" Israels als kompliziert bezeichnet, kann da nicht mehr verwundern. Die Instanz muß erst geboren werden, die ein Israeli als Urteilsforum, dem er sich zu beugen hätte, akzeptieren würde. Daß sie damit einen Aufruf zu einer Welt der Gewalt perennieren könnte uns aber zeigen, warum es in Palästina niemals Frieden geben wird, solange diese Voraussetzungen bestehen: Daß nur die Gewalt eine Ordnung zu schaffen vermag, die selbst wiederum nur durch Gewalt aufrecht erhalten bleiben kann. Eine Eigenschaft, die immer die Naturwidrigkeit eines Zustandes aufzeigt, übrigens. 

***

Einer solchen Sichtweise widerspricht auch der als Vater des Völkerrechts bezeichnete spanische Dominikaner Francisco de Vitoria. Der auf den Gebieten des Staatsdenkens zu den absoluten Vordenkern des Abendlandes gehört. 

Was aber auch immer die Conquistadores Spaniens an Argumenten vorbrachten, um die Berechtigung abzuleiten, mit den Ländern und Völkern in "Indien" (Mittel- und Südamerika) willküren zu können, um deren Vitalkraft für ihre Zwecke ausbeuten zu können - Vitoria hat es widerlegt und als unmoralisch, ja verwerflich gegeißelt. Er ist wie der Franziskaner Las Casas beredtes Beispiel dafür, wie die Kirche für das Recht der Indios eingetreten ist, als Menschen (mit allen Rechten) einzutreten. 

Sie haben Kaiser Karl V. zu strengen Gesetzen bewegt, mit denen der versucht hat, die Gier von Kaufleuten (denn die standen hinter den Explorationen des 15./16. Jahrhunderts) einzudämmen, und ins christliche Maß zurückzudrängen. Die wie so oft auch die Außenpolitik des Heiligen Römischen Reiches (zu dessen Teil das neu entdeckte Amerika wurde, wenigstens soweit es spanisch und portugiesisch wurde) zu bestimmen versucht haben. Indem sie einfach vollendete Tatsachen schafften.

Wer die Weltgeschichte einmal unter diesem Aspekt betrachtet, kann nicht anders als zu staunen, wie sehr es Kaufleute waren, die die Weltpolitik nicht nur vorgebahnt, sondern sogar bestimmt haben. Und sie waren auch höchst erfinderisch darin, dem Naturrecht ein Kleid anzupassen, das flexibel genug war, um den Profitinteressen Einzelner alle Bahn zu ebnen. Wie die Infragestellung des Rechtes der Indianer der neu entdeckten Länder, als Menschen zu gelten.

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Ach ja, man hört sie förmlich, die Guten und Schönen, wie sie aufjauchzen und -stöhnen. Aber sie sind es, die vergessen, daß das Menschsein im Moment der Geburt ansetzt, und von der Aktualisierung von Fähigkeiten oder körperlichen Eigenschaften völlig unabhängig ist. Genau darin hat ja die Argumentation der Kaufleute gegründet, die die Kindlichkeit der Indios ins Treffen führte um zu belegen, daß diese Menschen einer abendländischen Macht bedürften, um überhaupt erst zu Menschen werden zu können. 

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Nein, sagte Vitoria. Das Recht eines Volkes auf ein Land ist nicht von einem formalen Staatsverständnis abhängig, wie wir Abendländer es definieren. Sondern von einem Willen, für das Land, aus und auf dem man lebt, Verantwortung zu übernehmen. Es also in einen dauerhaften Bezug zu sich zu sehen. Und das taten die Indios, die man dort vorfand, daran kann kein Zweifel bestehen. 

Dazu gesellt sich ein Volksverständnis, das die Ganzheit von Menschen als Organismus in einem familialen Zusammenhang der Lebensvollzüge sieht. Und es ist ohne Belang, ob diese Menschen unserem Verständnis der Erwachsenheit genügen oder nicht. Der Ausweis dazu ist nicht zuletzt, daß sie (und mit ihnen ihre Umwelt) leben und überlebt haben. Es ist ohne Belang, ob sie aus ihren Ländern auch "mehr" hätten machen können. 

Ihr Lebenswille ist mit dem Land verbunden, das reicht, um ihren Anspruch auf Eigenständigkeit zu respektieren. (Freilich nicht, ohne mit dem Christentum bekannt gemacht zu werden, in der Hoffnung, daß sie dessen überlegene Erkenntnisoffenheit und damit Vernunftfähigkeit annehmen. Was angesichts der oft horrorartigen Zustände der degenerierten Zustände der vorgefundenen Religionen nicht so schwer zu sein schien.

***

Das alles findet sich wohl doch auch bei den Palästinensern. Oder wollte das ernsthaft jemand in Frage stellen? Außer ... 

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Ob es jemals in Palästina einen Frieden geben wird? Der VdZ glaubt nach diesem Gespräch, das ihn verblüfft hat, weil er gar nicht geglaubt hat, daß die jüdische Position dermaßen schwach gegründet ist, daß es dort niemals Frieden geben wird weil kann. Die Juden legen es darauf an, weil sie jede Vernunft verweigern, sondern ihre eigene Vernunft etablieren wollen. Wer dazu nicht bereit ist, ist Antisemit. 

Kompliment an den Reporter, der den sensiblen Punkten sehr gut nachgeht, und sich nicht so leicht von dem Verwirrspiel des Israeli, der pausenlos die Ebenen wechselt, um der Wahrheit auszuweichen, aufs Glatteis führen läßt.

Der Wahrheit auszuweichen? Zu lügen? Werter Leser - ja. Ausweichen der Wahrheit, darum geht es offenbar in der Existenz jener, die sich heute Juden nennt. Das Gespräch in diesem Video ist kaum zu glauben.




*160520*