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Donnerstag, 19. Mai 2022

Gegenwart festnageln, um zu sein (2)

Generelle Blindheit heißt: Auf allen Gebieten - Wir erleben im aktuellen Ukraine-Kontlikt beispielhaft, wie sich nun auch alle diese "Realitätsabbildungen" auflösen, die sich aufs Einzelne stützen. Weil sie nicht vermitteln, WAS überhaupt gesehen und aufgenommen wird. Sodaß der Streit sich nun auf die Deutung ausdehnt, in der wir allem auf den Grund gehen müssen (und bald erfahren werden, daß daraus gleichermaßen keine "Sicherheit in der Deutung" erwächst), um überhaupt noch etwas zu "sehen". Es ist also absehbar, daß wir es bald mit einem völligen Erblinden zu tunhaben, dem wir verzweifelt mit einer noch größeren Datenfülle zu begegnen versuchen. Was sich in China mit dem "social credit"-System bereits abzeichnet.

Eine Welt, die in lauter Einzeldinge auseinanderfällt, die selbst immer weiterin ihre Bestnadteile auseinanderfallen, ist aber keine Welt mehr. Ihr fehlt, was wir als "Landschaft" bezeichnen knnten, ja eigentlich fehlt ihr das "Natursein", das alle Landschaften selbst wieder "umgibt". Wenn wir also nun davon ausgehen, daß dies der vorläufige Endpunkt einer langen Entwicklung war, stehen wir zugleich vor dem Problem, daß wir immer weniger umfassende Entscheidungen zu treffen vermögen. Ganz einfach, weil es an Urteilsvermögen dazu fehlt, das sich nicht aus Einzelnem zu einem Insgesamt zusammenkleben läßt, sondern eine Kategorie ganz eigener Art ist. Die mit dem Vereinzeltnen nur zu tun hat, aber nicht daraus zu konstituieren ist.

Mittwoch, 18. Mai 2022

Gegenwart festnageln, um zu sein (1)

Die der Hautgrenze schon bedenklich nahe Verdichung der Technik, mit der iwr unseren einfachsten Alltag bereits umgebenhben, zwingt uns in einen fortwährenden Strom von Erledigungen und Tuens-Momenten, die das Leben selbst zu einem fortwährenden Strom machen. In dem wir aber keinen Ort weil keinen Halt mehr finden, somit nichts und niemand mehr sind, weil keine Identität mehr besitzen. Identität aber heißt, aus einem Chaos des ständigen HIntergrundrauschens, als einem unabgrenzbaren und unerkennbaren Ganzen, in Erkennbarkeit uns Selbst-Bewußtheit aufzutauchen.

Ob nicht diese Photographiersucht, in der das Photo von einem ständig bereitgehaltenen SmartPhone (etc.) das "richtige Erleben" ersetzt, auch so zu begreifen ist. Das in dieser Form ja bereits nur die Verlängerung eines sich seit Jahrzehznten bzeichnenden Photographierwahns bedeutet, denn schon in den 1970ern haben sich jene Existenzen erkennbar gemacht, die pausenlos ihre neuen Instandkameras und Kleinbildformate gezückt hatten, um alles und jedes auf Bild zu banenn, noch ehe es überhaupt "erlebt" war.

Donnerstag, 11. Oktober 2018

Solch eine Zeit wird vernunftlos

Woran erkennt man die Vernunftlosigkeit einer Zeit, die ja immer die Vernunftunfähigkeit von Menschen, von Personen ist? Man erkennt sie daran, daß die ontologische Wahrheit - also die Wirklichkeit, die allen Dingen, und natürlich erst recht dem Menschen, als Wesen (sic!) zugrunde liegt, und die geistig ist - nicht mehr "gefühlt" wird. Also mit der Lebenswirklichkeit nicht mehr übereinstimmt. Wenn also das, was sich aus dem täglichen faktischen Emotionssalat ergibt nicht mehr wahr ist. 

Das sind die Zeiten, wo die daherkommen, die uns einreden, daß es im Leben darauf ankäme, seinen Gefühlen zu folgen, nicht dem Verstand, nicht der Vernunft. Wer seine Augen aufmacht würde aber sehen, was die Folgen davon sind. Würde das Chaos sehen, in das das Leben der meisten Menschen bereits versunken ist, würde diese Unauflösbarkeiten sehen, in die wir verstrickt sind (und den Sozialstaat erkennen, der mehr und mehr die Funktion übernommen hat, dieses Chaos "folgenlos" zu machen).

Das Problem der Vernunft ist, daß sie das Licht ist, das die sinnlichen Reize überhaupt erst zu Gesehenem, also zu Dingen etc. macht. Denn man sieht immer "etwas" (oder nichts). Und dort liegt das Problem: Vernunft braucht Sittlichkeit, braucht Abstand von der Eingebundenheit in ein Geschehen, um es abstrahieren zu können. Wer nur in die Schemata von Aktion - Reaktion eingebunden ist, wer nie aus der Rolle aussteigen kann, ist ihr auch schon unterworfen. Dann ist ein Impuls (sagen wir: das Bild einer schönen Frau, die entsprechende Reize zeigt) auch schon Grund genug, und Rechtfertigung genug, sie zu bespringen. 

Das ist zwar ein Relikt aus einer Zeit, wo das anders war, wo Vernunft noch direkt und untrennbar mit sinnlichen Reizen verbunden war, aber vor allem: Wo die Vernunft noch unverstellt und damit wahr war. Und das heißt: In der Ur-Unschuld verbunden war. Denn die Welt ist ja tatsächlich als eine "Säule" gedacht, in der der Geist ungebrochen mit dem untersten, dem materialen Faktum, zusammenstimmt. Dazu braucht es aber vor allem eines: Gehorsam. Ja, liebe Kinder: Gehorsam! 

Genau diesen Gehorsam haben Adam und Eva nicht geleistet. Und damit, damit haben sie diese Gebrochenheit in den Menschen bewirkt, unter der seit diesem Fall "im Paradies" jeder von Adam und Eva Abstammende - also die gesamte Menschheit - zu leiden hat. Die Menschheit ist aus dieser Totalität herausgefallen, wo über die Sinne auch die Wahrheit in uns lebendig wurde. 

Was seither über unsere Sinne eindringt, ist zwar als Teilaffekt "wahr", weil es über Schönheit agiert, von der Wohlbefinden nicht trennbar ist (oder: wäre), aber es betrifft nur noch einen Teil in uns. Denn seit wir ungehorsam waren (und es tendenziell immer noch unausrottbar sind, wir, die Kinder Adams und Evas, und zwar über die uns qua Vererbung übermittelte So-Seins-heit, was sich seither zu oft recht komplexen Gebilden und Strukturen entwickelt hat) tragen wir in uns eine Spaltung. Hier ist die sinnliche Gegebenheit, dort ist der menschliche Geist, der im Urteil entscheiden muß (nicht: kann; muß!) was wahr ist und was nicht. 

Dazu muß er frei stehen, dazu muß er Freiheit haben. Denn die ist Wesensmerkmal des Menschen: Freiheit. Als Ähnlichkeit zu Gott ist sie uns eingeschrieben, ohne sie sind wir nicht denkbar. So wie Gott nur "Sinn" ergibt, wenn wir ihn völlig frei denken. Also nur aus sich heraus agierend. 

Agiert aber ein Mensch, der von seinen Anwegungen über die Sinne bewegt wird, frei? So wird es ja behauptet! Nein. Denn unsere Lebenswirklichkeit ist weit weit komplexer. Wir müssen mit unserem Verstand entscheiden, was einerseits wahr, was anderseits richtig (gut) ist, weil es zu einem Sein in der Wahrheit führt. Dazu braucht es das Gegenteil von dem, was uns heute ständig eingeredet wird: Abstand von unseren sinnlichen Eindrücken, um sie in die richtige Ordnung setzen zu können. Die Menschen solcher Zeiten sind getrieben, alles an ihnen ist nur noch darauf ausgerichtet, ihre Begierden befriedigen zu können, und zwar unabhängig von allen Folgen, ohne jeden Gedanken an Zukunft. 

Ach ja, auch das heißt es ja oft: "In der Gegenwart leben." Seltsam, daß das so überhaupt nicht gelingt? Außer man greift zu Drogen und Betäubung. Immer sind diese blöden Gedanken da, die an morgen, an irgendetwas denken lassen, das, geht man ihm nach, immer irgendetwas mit einer Art "Wesen der Dinge" zu tun hat. Als läge darin sogar die Zukunft. Wenn aber die einen sagen, daß das die richtige Art zu leben wäre, dann muß es andere geben, die diese Art unterdrücken!? Denn man selber will es ja, aber - es geht seltsamerweise nicht? Ah ja. Dann ist das die Frucht der Feinde. Das sind dann die Feinde. Die, die ... Vernunft als oberstes Prinzip ins Spiel bringen. Die sind die Unterdrücker, die einen am eigenen Glück hindern.

Denn so etwas wie ein Wesen der Dinge gibt es ja angeblich nicht. Alles ist volatil, wie man sich fühlt, so "ist" man auch. Jetzt und jetzt, hier und hier, dort und dort. Alles fließt, alles zerfließt, alles ist mal so, mal so, und immer "ist" es, man fühlt es ja?! Heute so, morgen so. Und darauf richten wir dann auch alles aus. Bindung, Institution, Einrichtung, Kultur - alles ist nur noch ein unbestimmtes Irgendwas. "Beziehung", das Lieblingswort des VdZ, statt "Ehe", zum Beispiel. Und wenn das nicht reicht, machen wir "Ehe" zur "Beziehung".  

Und die, die von Geist und Idee sprechen, nennen wir dann ... ach, wie hieß das doch noch? Ach ja ... "selbstüberfordernde Idealisten". Wir sind ja Realisten. Wir sind ja ... dem Alltag ausgeliefert. Wir leben eben in der Gegenwart, juchei! In diesem nie faßbaren Moment, der in dem Moment, wo wir seiner gewahr werden, bereits Vergangenheit ist. Irgendwie entspricht also unsere eigene Verfaßtheit nicht dem Anspruch auf ewige Gegenwart? Denn ein Denken gibt es nicht, in dieser Gegenwart. Ach ja, wozu brauchen wir ein Denken. Komisch nur, daß die Menschen so leicht panisch werden, wenn sie sich nicht im Denken verankern können. Ach ja, einfach zu wenig spontan, zu verknöchert, zu überholt? Das wird es sein. Denn denken ist ja nur die Technik der Wortablaufsummmierung, wie in der Technik. Wahr ist nur noch, was technisch perfekt abläuft. Ach, perfekt? Woher wissen wir das? Nicht, weil wir eine Vorstellung haben, was perfekt sei? Woher haben wir die nur? Auch aus Gefühlen?

Und dann tauchen Widersprüche auf, noch und nöcher. Nein, das hat nichts mit der Welt zu tun. Das ist nur menschlich, nein: kulturell verirrt. Also lassen wir es. Leben wir doch mit Widersprüchen, und damit prinzipieller Urteilslosigkeit. Woher wir dann noch Anleitungen zum Handeln bekommen? Gibt es da nicht ... naja ... Anstandsbücher? Offenbarungen? UFO-Sichtungen, irgendwelche Nachrichten über Geheimwissen aus "weit weit entfernten Zeiten", also Hoffnungen auf eine letztliche Vernunft, die wir nur noch nicht kennen, aber irgendwann kennen werden? Oder gibt es nicht den Koran, also die Selbstoffenbarung Gottes, durch den Text unfehlbar erkennbar? Oder Ron Hubbard und seine Bibel? Oder überhaupt die Bibel, wortwörtlich ausgelegt und damit die Schrift auf einen technischen Sinn reduziert, und damit, ja genau damit ... wieder dem Drogenrausch übergeben? Nein, es waren die überlegenen Zivilisationen, die sich unter der Erdkruste verbergen und heimlich alles steuern.

Oder verlassen wir uns lieber auf Schamanen und ihre nach jahrtausendealter Geheimlehre in Wochenendseminaren aber wieder erlernbaren "direkten Anbindungen ans Universum" (oder Götter oder was weiß der Deibel noch alles, Hauptsache, es ist verborgen, unergründlich, und autoritativ). Woran wir dann mit Yoga oder Zen oder dieser jüngst erst wiederentdeckten Munailing-Meditation aus dem 4. Jahrhundert andocken und so alles wissen, uns "im Einklang mit dem Universum" befinden, das dann durch uns spricht. Oder wäre eine Reinkarnationstherapie nützlicher? Ach, die Liste ist wirklich unendlich. Hauptsache, das Klima wird gerettet. Und alles Gift vermieden. Daneben das Ozonloch geschlossen. Und das omnipräsente Plastik entschärft.

Wo eine Zeit den Abstand zu den sinnlichen Eindrücken nicht mehr hat, wo sie nur noch mit sinnlichen Eindrücken arbeitet, diese gar verherrlicht und "neutralisiert" (als wäre es für ein menschliches Leben - ganz real, rein faktisch betrachtet - gleichgültig, ob er hier oder dort herumfickt, verhütet, abtreibt, betrügt, stiehlt, quält, tötet ...) widerspricht sie jeder realen Erfahrung. Jeder. Und jeder erlebt es. Denn das Zeichen für Wahrheit ist Geglücktheit, ja ist: Glück. Nicht Wohlgefühl, das ist nicht Glück. Sondern Wahrheit, das ist Glück. Auch wenn es mal wehtut. Jeder erlebt das in seinem Leben. Solch eine Zeit hat kein Instrumentarium mehr, wie es Kultur bedeutet, in dem auch das einfache Empfinden wenigstens noch näherungsweise der Wahrheit entspricht.

Und das alles geht, ohne daß wir auch nur einen Moment an unserer Sittlichkeit arbeiten müssen. Wir müssen nur Übungen machen, bestenfalls.

Solch eine Zeit wird mit absoluter Sicherheit vernunftlos.

Solch eine Welt wird zur Hölle.







*120918*

Donnerstag, 7. Juni 2018

Sprachraum als geistiger Raum - Aus einem Brief

(Auf Bitte von R hin hierher gestellt)

[...] Wollte noch etwas zu einer Deiner Bemerkungen (Auswandern ...) sagen: Ich höre gerade eine Fernsehdiskussion über Abtreibung in Österreich. Das Auffälligste: Es ist mittlerweile unmöglich, so einen Diskurs zu führen. Und man macht immer wieder den Fehler. Erstens gibt es ohnehin kaum noch jemanden, der eine vernünftige (wahre) Position vertreten kann, weil er sie offenbar überhaupt kennt. Der Sprachraum ist, sagt Hofmannsthal einmal, der geistige Raum eines Volkes. Unser Sprachraum ist in dieser öffentlichen Form nicht mehr reformierbar, im Gegenteil, er dient der weiteren Verwirrung. Und Verwirrung - lauter Nebelbegriffe, lauter undefinierte, weil nicht mehr reflektierte Worte (das ist ja dann die Philosophie!), alles wird zum diffusen Gequatsche, niemand kann also noch denken, alle Sätze sind nur noch Zusammenstellungen von gefühlsunterlegten Etiketten - überall, gerade bei den sogenannten Wortführern. Auch ein eklatanter Bildungsverfall spielt mit. Die Leute wissen (kennen) rein gar nichts mehr. Man merkt, daß sie nur noch Medien konsumieren. Ihre Medien. Erschütternd.

Aber es gibt auch niemanden mehr, oder fast niemanden, der das alles so durchgedacht hat, der vor allem ausreichend Erfahrung hat, um sich dem wirklich entgegenzustellen. Noch mehr aber fällt auf, daß die eigentlichen "Argumente" von den Menschen als Angriffe erfahren werden. Denn es würde ihr ganzes Leben in Frage stellen. Heutiger Disput wäre somit weit mehr ständige Zurechtweisungspflicht als einer Katharsis dienenden Gegenüberstellung von Rationalem - die Worte sind keine Bilder mehr bzw. die Bilder transportieren keine Wirklichkeit.

Und das ist das Auffälligste, daß der heutige Mensch nur noch damit beschäftigt ist, sich zu bestätigen, daß er "gut" ist. Denn das liegt überall zugrunde: Sie halten sich alle für die tollen, guten Menschen. Damit hat das Sachliche keinerlei Raum mehr. [...]





*170518*

Freitag, 19. Januar 2018

Gespenstertanz als Folge eines Totalzusammenbruchs

Was erleben wir in der #metoo-Bewegung? Die die Welt wie in eine moralische Hysterie gestürzt hat, die vor allem davon gekennzeichnet ist, daß der Anlaß zu ihren Ausbrüchen überhaupt nicht mehr definierbar ist. Was ist "sexuelle Belästigung"? Nur das subjektive Befinden? Was ist sexuelle Grenzüberschreitung oder wie immer man sich da zu helfen versucht? Denn nur mit "freiwilliger Zustimmung" ist der Sache ja gar nicht beizukommen, ist doch der freie Wille von den einen überhaupt verneint, von den anderen relativiert. Ist doch gerade die schlimmste Form der sexuellen (aber bei weitem nicht nur auf diesem Gebiet fast notorischen) Grenzüberschreitung - der Mißbrauch - gerade vom "Konsens" geprägt, den nur ganz andere Herangehensweise an das Thema (die in den heutigen Ansichten wie so vieles, worauf sich die gegenwärtige Moralpanik bezieht, gar nicht mehr vertreten ist) als Missetat erkennen ließe. 

Wobei zeitgleich mit diesem Problembewußtsein am anderen Ende der Skala auch die Forderungen nach völliger Aufhebung der Altersgrenzen für Sexualität aufstehen, der Sexualkundeunterricht, ja nachgerade darauf und damit auf öffentlich institutionalisierten Mißbrauch abzielt. 

Wo immer man hinsieht, es ist dasselbe Bild: Wir erleben einen totalen Zusammenbruch der Moral. Nicht in dem Sinn, als sie nicht mehr existierte, als in dem Sinn, als sie nicht mehr definierbar ist. Der Grund liegt dort, daß das öffentliche Narrativ so widersprüchlich wurde, daß sich die Katzen allesamt in ihre eigenen Schwänze zu beißen beginnen. Mit Vernunft, mit Rationalität ist in diesem totalen Theorienwirrwarr, die allesamt irgendein "Anliegen" kennzeichnet, nichts mehr zu machen. Die Dinge beginnen sich an allen Enden gegen sich selbst zu wenden. Bei #metoo etwa manifestiert sich in rasantem Tempo eine Angst der Männer vor den Frauen, denen nicht mehr zu trauen ist. Eine Anschuldigung genügt - und schon ist der Ruf eines Mannes, manchmal seine ganze Existenz zerstört.

Es gibt eine Reihe von lesenswerten Kommentaren dazu im Netz. Alle zeigen, daß die Milch bereits verschüttet ist. Der Freund ist nicht mehr zu retten. Alle diese Kommentare haben aber eine bemerkenswerte Eigenschaft: Sie sind von tiefer Ratlosigkeit getragen. Und einem irgendwie und dumpf gefühlten Impuls, daß an dem, was sich nun abspielt, etwas nicht mehr stimmen kann. 

Tatsächlich haben wir es aber mit einer Hydra mit tausend Köpfen zu tun. Und wo wir einen abschlagen, wachsen sofort fünfzehn neue nach. Das ist das sicherste Zeichen, daß wir es in Wahrheit mit einer ganz anders gelagerten Sache zu tun haben, an deren eigentliche Lebensquelle wir gar nicht herankommen, solange wir uns mit dem Kampf gegen die Köpfe und deren Bißfreude befassen.
Aber wo liegt nun die wirkliche Ursache für diesen Kollaps der Moral, den wir heute erleben? Nein, sie liegt eben nicht in den Einzeltheorien, nicht in den Einzelansprüchen, nicht in den Einzelanliegen. Sie liegt in der Auslöschung der Gestalt als eigentlichen Träger der Welt. 

Heute wird Welt als technische Funktion gesehen, nur sie trägt angeblich eben diese unsere Welt. Diese Sichtweise wurde zum Dogma. Meist implizit transportiert, wie ein trojanisches Pferd in die Stadt gelassen, haben sich ganz andere, tiefer grundgelegte Sichtweisen verankert. Wie die des Funktionalismus als Teilfunktion des Materialismus, in dem die Welt nur noch eine technische Maschinerie ist.

So wurde auch die Begegnung von Menschen generell, von Mann und Frau im besonderen, von jeder konkreten Komponente befreit. Aber genau diese Komponenten sind es, die zwischenmenschliche Begegnung trägt, und damit in dieser die Struktur, das Wesen der Welt. Denn Welt als Ort ist immer Beziehung, ganz konkrete Beziehung, immer spezifisch. Das heißt nichts anderes, als daß sich die Welt nicht nur in vielerlei, sondern vor allem weil grundlegend in männliche und weibliche Sphären aufteilt. Genau diese Wahrheit ist aber so mächtig tabuisiert, daß man fast davon sprechen muß, daß sich die Gegenwart darauf gründet. 

Im Feminismus, den man früher "Emanzipation" nannte, wurde dem Menschsein die Axt an die Wurzel gelegt. In ihm tritt dieses Schema der Loslösung von Welt und Gestalt am klarsten vor Augen. Als Archetyp einmal etabliert, hat sich ein wahrer Rattenschwanz an ähnlichen Bereichen ergeben - vom Rassismus angefangen, über die Genderthematik, in der eine bereits in Ambivalenz und Haltlosigkeit aufgewachsene Generation nun dieses ihrer Wahrnehmung bereits immanente Schema (Archetyp) auf alle Bereiche des Menschseins ausdehnt, ja in der Gestaltauflösung die Welt auslöscht. Und wie sollte sie auch anderes. 

Damit tauchen aus den tiefen, nicht in konkreter Weltgestalt gebundenen Schichten immer mehr Gespenster auf, die sich rasend gebärden und wild um sich schlagen, weil ihre Energie, ihre Kraft keine Form mehr findet, in der sie weltwirksam werden können. Sie bleiben Chaos, das nach Ordnung schreien macht. Was wir heute an Ratlosigkeit, weil in unlösbaren Widersprüchlichkeiten gefangen erleben, ist dabei erst der Anfang eines totalen und globalen Chaos. 

Denn wir erleben es als über den ganzen Globus erstreckt. Das ist tatsächlich neu. Nicht einmal mehr eine völlige Kehrtwendung, die ein Zurück bedeuten würde, kann uns da noch retten. Wir brauchen buchstäblich Hilfe eines unbeteiligten Außen, brauchen buchstäblich einen Totalzusammenbruch und eine vollkommene Überwältigung durch etwas bzw. jemanden, der nicht von der Erde genommen ist. Das läßt wirklich Sorge um die Welt entstehen.



Nachsatz: Wie tief sich die Genderologie bereits in die Strukturen des Alltags - namentlich in der Wirtschaft - durchgefressen und die Gegenwart mitgestaltet hat, belegt unter anderem ein amerikanischer Artikel aus dem Jahre 2010. (Vermutlich, ohne es zu wollen, denn er entstammt "The Atlantic".) Er zeigt, daß die Verweiblichung der Gesellschaft keineswegs eine "Verweiblichung" in der Form ist, als sie eine andere Form der Wirtschaft wäre, sondern sie ist das einseitig typisch weibliche Agieren einerseits, das sich über Derivate und Finanzwirtschaft und Dienstleistungsschlagseite ausdrückt, sondern es bedeutet auch den Verlust der realen, handfesten Produktivität anderseits. Weibliches Agieren ist aber immer ein "Nichts", es hat in sich also keinen Bestand. Es braucht die männliche Form, die es zur Gestalt nähren kann.

Das ist ja der fatale (oder gezielt eingesetzte?) Grundirrtum des Feminismus: Er geht davon aus, daß es ein Weib-Sein zur Person als Persönlichkeit (Identität) OHNE Mann geben kann. Diese Fehleinschätzung ist epidemisch! Die heutigen Irrtümer sind ja ohnehin zu einem guten Teil Irrtümer dahingehend, als ein Nichts zu einem Etwas stilisiert wird, man also die ontologischen Ebenen nicht zu unterscheiden weiß. Schwere Denkfehler, ja Denkunfähigkeiten liegen hier darunter. Die Kastration des Mannes hat also sofort und unweigerlich die Gebärunfähigkeit und Frigidität der Frau zur Folge. Und die meisten Frauen heute sind frigid.

Damit werden aber auch unsere Volkswirtschaften immer anfälliger und tiefer anfällig für Krisen. Weil sich der Schwerpunkt auf Bereiche verlagert, die (jetzt kommt's!) ihre "Wirtschaftskraft" aus dem Rezipieren der real produktiven Bereiche bezieht. Also - reagiert. Zugleich damit diese realen Produktivitätsbereiche gefährdet und ausschaltet. Eine solcherart "femininisierte" Wirtschaft ist also direkt männerfeindlich, baut aber auf einem Luftschloß einer weiblichen Wirtschaft auf. Weil ihre Anspielstation nur die reale Produktivität sein kann. In der Finanzkrise 2008, die eine reale Wirtschaftskrise nach sich zog, waren über zwei Drittel der direkten Opfer ... Männer. Als Arbeitslose. Und, was immer vergessen wird, damit deren Familien.







*151217*

Montag, 11. Dezember 2017

Was die Tagesaktualität betrifft

Er habe, schreibt Leser A., wissen wollen was der VdZ zu diesem jenem aktuellen Thema zu sagen hätte. Deshalb sei er auf die momentane Unverfügbarkeit ("als attackierend gemeldet") der Homepage des VdZ gestoßen. (Die in den nächsten Tagen durch Providerwechsel hoffentlich repariert wird.) 

Lieber Leser A., auch wenn ich das Anliegen verstehe, so bedeutet es ein Mißverständnis, von diesem Blog "aktuelle" Themen zu erwarten. Im Allgemeinen sind die Einträge hier dem Tag der Veröffentlichung um drei, vier oder mehr Wochen voraus. Das hat einen handfesten Grund: Der VdZ möchte dem Leser die Gelegenheit geben, von tagesaktuellem Geschehen einen Abstand zu gewinnen. Denn erst dann vermag man etwas in seiner Einbettung in den logos, in den Sinnzusammenhang, zu erkennen. Bei Distanz.

Von jenen wenigen, seltenen Fällen, in denen diese Distanziertheit, die aus allen persönlichen Verwicklungen herausgelöst zu sein bedeutet - das eigentliche Konzept der Objektivität also - in die Gegenwart rutscht, wo also ein gegenwärtiges Urteilen (fast zumindest) mit dem distanzierten Sehen der Sache übereinstimmt, wollen wir hier absehen. Aber von diesen geht der VdZ nicht aus.

Wenn Sie ein Thema momentan also bewegt, werter Leser, und Sie dazu eine Äußerung des VdZ wollten, so müssen Sie in der Regel drei oder vier Wochen oder mehr darauf warten. Dann können Sie gewiß auch den Wert seiner Äußerung besser beurteilen. Denn die Gegenwart ist nur in dem Maß, als sie ans Ewige rührt. An den Geist sohin. Zu dem wir uns aber aus allen Weltgebundenheiten herauslösen, erheben müssen. 

Dann erst ist also etwas aktuell, weil wirksam, wenn es das Zeug zur Ewigkeit hat. Und darum muß auch der VdZ täglich neu ringen, dazu muß er sich täglich neu reinigen.





*131117*