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Samstag, 24. Dezember 2022

Nur unter seinesgleichen selbst sein

Man kenn tes von den Pharaonen, die letztendlich nur noch ihre Geschwister heirateten, um UNHTER SEINESGLEICHEN zu bleiben. als eine Pflicht, die sie sich selbs,t ihremeigenen Stand geschuldet haben, nciht aus Größenwahn oder irgendeiner Verbrohtheit, wie es manchem von uns scheinen mag. Un auch die Habsburger oder die Wettiner oder die Dodiescani aus Florenz haben es gemacht: Sie haben etwas gemacht, das so allgemein zum Menschen gehört, daß man den Menschen ohne das nicht denken kann. Nicht aus Schwäche, sonden aus Wesensvollzug!

Denn weil der Mensch am Du wird, das Ich im Du liegt, weil der Mensch sich erst entfaltet, wenn er auf die UImelt antwortet, entfaltet das eigen enur das begegnene Gleiche! Das ist so einfach zu verstehen, daß man eigentlich nur zweifeln kann, ob der Verstand jener en Luciditätsproblem hat, die diesen Satz verneinen, und das "Andere" so verstehen, daß es dem eigenen FREMD, also vom Wesen her etwas anderes ist. Der Stier, de den Hund als sinesgleichen behandelt, ist deshalb ein Unsinn. Aber ein Unsinn mit Folgen, denn der Stier (oder der Hund) wird irgendeinen Tiel seines Wesens gar nicht vferwirklichen können, wenn er mit einem Hudn aufwächst und nie eion anderes Rindvieh trifft. 

Zwar sind unter Menschen aller Völker und Kulturen und Stufungen alle Menshen eben das - Menschen. Aber die Art, wie Menschsein vorkommt, wie es auftritt, wei es ausschließlich möglich ist, ist immer die Art einer Kultur.

Kultur aber bedeutet Ordnung, sonst ist es eben keine Kultur, sondern Chaos, und Ordnung bedeutet zwangsläufig, daß es hierarsche Ordnung gibt. Der einzelne Mensch wird also Mensch, wenn er SEINE Art, weise und Kultur umsetzt, SEINEN Stand, seinen Platz ind er Ordnung so gut er vermag einnimmt. Und sonst nichts. Ein Menschsein ohne eine bestimmte Stufe gibt es nicht.

Freitag, 23. September 2022

Über den Gewaltsinn der Rhetorik (2)

Die höchste Kunst. Die Inkarnation der Wahrheit selbst. Die Antwort der Freiheit. - In einer rhetorisch guten Rede wird also wenn dann nur beiläufig "überzeugt", aber schon gar nciht "überredet." Sondern es wird die Gestalt der Wahrheit sichtbar gemacht. Durch den Rhetor, der in dieser Wahrheitssuche erfahrne und weit vorangeschritten ist - also: Gebildet . weil dem Sein nach geformt.) Seine Rede endet in einem Bild des Seins, das nun für alle sichtbar ist. 

Was nicht heißt, daß es alle Hörenden ergreifen müssen, das bleibt ein Akt der jeweiligen urteilenden Person überlassen, die zur Freiheit berufen ist, auch wenn sie sie mißbraucht. Aber dem Willigen, dem "guten Wilens" (siehe den Chor der Engel bei de rGeburt des Sohne sgotes. "Friede den Menschen guten Willens ...")  

Eben so wenig, wie Gott zwingt, zuwingt also auch die Wahrheit. Sie FORDERT, ja sie hat in sich auffordernden Charakter (wie jeder weiß, wie sehr die Logik "zwingt", man muß sich förmlich überwinden, gegen sie zu handeln, ABER man kann es, weil man frei ist) Sie ist nichtimmerleicht zu erkennen, weil jeder Mensch in einem unendlich komplexen Gemisch von Interessen, Schwächen, Verletzheiten, Vorlieben, Tugenden oder Lastern steckt, aus dem heraus es nicht immer leicht ist, so frei zu sein, das Wirken des Seins an sich (im Erkennen, das s. o. ein Nachformen - Mimesis! - ist) zuzulassen, zu bejahen ("Guter Wille") und dann auch als Kleid überzusteifen, also in Treue zu vertreten. 

Donnerstag, 22. September 2022

Über den Gewaltsinn der Rhetorik (1)

Eine Sache, die mir schon lange unter den Nägeln brennt, ist die sachgerechte Darstellung dessen, was Rhetorik überhaupt ist. Denn auch diesen Begriff umschwebt ein Nebel, unter dem der wahre Gehalt dessen, was Rhetorik ist und was erst verstehen läßt, warum in der Antike die Rheotik überhaupt als umfassender Raum der Bildung verstanden wurde, fast verschwunden ist. Dadurch konnten sich Mißbraäcueh, wie sie sich im Laufe der Jahrhunderte entwickelt haben, wie Wesensmerkmals selbst an diesem Begriff festsetzen, die aber den Blick soigar auf das verhindert, was wirkliche Bildung überhaupt ist.

Wo immer heute von Rhetorik gesprochen wird, tun sich die Redner schwer, ihn von Propaganda, Überredung (die sie von "Überzeugung" ununterscheidbar machen) und illegitimen Machtaspekten zu scheiden. Das hat seinen Grund in zwei Bereichen. Deren einer ist die allmähliche Degradation unserer Kultur seit dem Hochmittelalte,r die man ohne jeden Abstrich als sittlichen VErfall sehen kann. Der dann durch religiöse Begriffe genau als solcher, nur aufeine andree Ebene transponiert, verstanden werden kann. 

Freitag, 10. Juni 2022

Ernst Wolff's Torheit und die Panik der Gottferne (2)

    Kai Stuht und Ernst Wolff
Fürchten müssen wir nicht das eine - aber das andere sehr wohl. In das uns Ernst Wolff aber sogar noch tiefer verstrickt - An Ernst Wolfs Analysen und Gedanken aber läßt sich immer deutlicher erkennen, wie sie von einem Panikmodus getrieben werden, der sich zuerst einmal nicht erfüllen wird. 

Der Erklärungsbedarf von Wolff wird also gewaltig steigen, wir werden ihn also vorhersehbar in nächster Zeit noch oft hören, weil er immer angestrenter zeigen wird müssen, WO das von ihm Vorhergesagte nun denn auch STATTFINDET, und warum es sein Gesicht GEÄNDERT hat, also nicht mehr so leicht erkennbar ist. Ein Panikmodus, der zum anderen aber auch die Ordnungskraft des Mannes ganz bedenklich ramponiert. Sodaß er die Relevanz der von ihm diagnostizierten "Tatsachen" immer weniger einschätzen kann. 

Wie bei seiner Rede vom "digitalen finaziellen Komplex". Mögen viele sonst noch sie auch übernommen haben so zeigt das nur, daß viele offenbar auf ihn hören. Aber das ist kein Beweis für Wahrheit. Ich sehe nämlich immer weniger dessen Wirklichkeit und Relevanz. Sehe diesen Begriff dafür immer mehr wie eine sehr flexible Erklärungshülle für alles und jedes, ohne noch wirkich etwas begreiflich zu machen - außer Phantasiebilder. Denn wie imme rman das auch dreht udn wendet - Pronosen SIND Phantasien, was sonst. 

Donnerstag, 9. Juni 2022

Ernst Wolff's Torheit und die Panik der Gottferne (1)

Macht als die Kraft, zu bewegen, also damit "Energie" zu steuern, die dann den Menschen in eine Richtugn schiebt und schieben läßt, lebt in höchstem Maß vom Mythos. Und hierin muß man nun unterscheiden, wo einMythos der Natur des Menschen entspricht, und wo er das nicht tut, wo er also zu jener Gewalt wird, die vom Menschsein wegschiebt. Bei dieser zweiten Variante ist der Ausgang aber kein "Alternativszenario", sondern - das Nichts, die Nichtung, das Vergehen, also der Tod.

Baut man also einen Machtmythos - der dann die Wege für Kräfte freimacht, die sich auf die Stühle der Machtinstitutionen setzt (und solche muß es geben, denn ohne Institution ist Macht nicht ausübbar) - auf einer Unwahrheit, einem Irrtum, einer Lüge (Siehe Anmerkung*) auf, ist auch die Macht nur fiktiv.

Nun fällt mir immer mehr auf, wie sich ein Grundproblem, das immer noch in der öffentlichen Diskussion völlig ignoriert, zumindest marginalisiert wird, zur dominierenden Hand wird. Die zu Ängsten führt, die eine Schlußfolgerung bereits jetzt zulassen: Ausweglosigkeit. Ausweglosigkeit, weil auch die Kritik, die sich artikuliert, demselben Ziel zuarbeitet, wie die definitiv (udn nicht unrichtig) als destruktive Kräfte identifizierten Mächte.

Machen wir es konkret:

Freitag, 21. Januar 2022

Als die Gottesmutter den 3. Weltkrieg verhinderte (2)

Das Leben ein Traum. Im Zwielicht der Welten bereitete sich die Apokalypse vor. - Aber selbst für Sonderformen der menschlichen Existenz wie der Form des Dichters, in der die welthaften Konsequenzen von Taten nicht ins existentielle Gewicht fallen (sollten), ist es nicht leicht, mit dieser Gesamtheit, in der das eigene Leben zum Traumgeschehen wird, umzugehen. Denn irgendwie muß man ja auch als Dichter seine Brötchen verdienen, seine Wäsche waschen, den Boden wischen, einkaufen (und dabei mit dem Geld auskommen), und sein tägliches Pörkölt bzw. Gulyas kochen, um zu essen. Und dabei nicht krank werden.

Selbst für diese Existenzformen ist es also nicht leicht, alles zuzulassen. Aber in diesem Sinne möchte ich für die Jahre ab er Matura 1980, speziell aber dann die intensiven Jahre von 1983 bis Frühsommer 1985 eine Stimmung erwähnen, die sich vor allem 1984 immer mehr verdichtete, um dann, bereits 1985, auf seltsame Weise wieder zu verwehen. Jenem Jahr, in dem ich, losgelassen von dieser Stimmung, auf eine Art ausgespuckt wurde. Und schließlich - auch, um die innere Spannung dieses Zwischenzsutands zu beenden - in einer Momentsentscheidung den Entschluß faßte, eine Baufirma zu gründen, den ich dann energisch umsetzte, all diesen erwähnten Unwägbarkeiten eines höchst fragilen Lebens also den Laufpaß gab, und "in Übernahme der Verantwortung" zum Weltmenschen wurde. 

Aber diese Gestimmtheit war ohnehin schwer durchzutragen. Denn sie war von einem ungemein dichten und immer dichter werdenden Gefühl einer nahenden Apokalypse geprägt. So bin ich einer religiösen Gemeinschaft beigetreten, die nicht zuletzt dafür den Rosenkranz betete, um die Gottesmutter zu bestürmen, sie möge auf Ihren Sohn, den Weltenrichter, einwirken, um den Schrecken der Apokalypse als Ende der Welt abzuwehren, den Menschen somit (allem Übel zum Trotz) noch Zeit zu geben.

Es ist aber etwas Seltsames mit solchen Gebetsanliegen.

Montag, 6. September 2021

Si tacuisses (2)

Was ist also nun das Fazit aus der Sache? Das Führen von Stellvertreterkriegen. - Daß die Formulierung, daß es außerhalb der Kirche Heil gebe, nicht gemacht werden kann. Denn dann ist sie falsch und unsinnig, weil die Kirche ohnehin die allumfassende (also kat-holische) Versammlung der Geheiligten ist. Das wäre also so als behauptete man, daß man außerhalb des Weltalls Planeten gefunden habe.

Somit streifen wir am Problem der gesamten Dogmengeschichte. Die vor allem seit dem 19. Jahrhundert, als Gegenbewegung gegen den sich abzeichnenden Kultur-, Geistes- und Glaubensverfall, das Grundbesteck der Kirche befestigen wollte, damit es nicht verloren gehe. Damit aber hat man Aussagen in positive Formulierungen gepackt, die eine Eigenwirkung entwickelt haben. Wie die von der Unfehlbarkeit des Papstes, die zu einer "Verheiligung" (als Vergötzung) des Faktischen sämtlicher Päpste geführt hat, und zwar schon zu deren Lebzeiten, und niemand im Volk mehr weiß, was an päpstlichen Aussagen "total verbindlich" ist und was nicht. 

Sogar ein Schisma ist diesem Umstand zu verdanken, denn damals haben viele die römisch-katholische Kirche verlassen (wie die Altkatholiken). Und Schisma ist eine ganz andere und wirklich schlimmere Sache, als die Häresie. Aber nun wurde kein Ausweg mehr gelassen, und viele haben auch heute mit dieser Aussage ein Problem, in dem sie sich vor die Entscheidung gestellt sehen.

Samstag, 10. April 2021

Gedankensplitter (1122)

Wenn wir aber sagen, daß alles in einem Wort gründet, so muß noch mehr gesagt werden (und wir haben die Ableitung hier bereits einmal unternommen), daß dieses Wort ein Name ist. Der Name für jene Person, die dieser Name ist, sodaß die Teilhabe an diesem Namen auch die Teilhabe an der Person selbst bedeutet. Wenn es denn in der rechten Haltung geschieht, ungeschuldet und nur im Bitten und Flehen. Nicht als Herrschaft, also keineswegs als Namensmagie. Wie die Kabbalah (glaubt man Gustav Meyrink in seinem "Golem") es technisiert zum Weltenschlüssel in der Sprechformel machen möchte.

Sagen wir nicht "Im Namen des Vaters, des Sohnes, des Heiligen Geistes", weil wir eine Handlung als von diesen kommend bezeichnen? Sodaß in dieser gesagten Teilhabe eine ganz reale stattfindet, und nur im Sagen dieses "im Namen"?

***

Aber nun wird der Weg kurz, von dem aus diese Teilhabe an dem einen, alles begründenden und tragenden, im Sein erhaltenden Namen auch in einem anderen Punkte zur Weltensäule wird. Denn in der Öffnung, die dem Herzen eigen wird, wenn es in dieser rechten Haltung actu wird, öffnet sich das Tor der Welt hin zum Göttlichen. Das aus dem Universalen, das dem Namen Jesu so eigen ist, daß beides in eins fällt, und nur ihm.

Und zwar vorstellbar wie Abspaltungen, wo aus einem riesigen Pool von Möglichkeiten an Menschen alle Menschen hervorgehen. Wo somit aus dem Namen, in dem alle Namen enthalten sein müssen, alle Namen hervorgehen, in denen sich eine Seele zum Menschsein konzentriert. 

Ob nun im Johannes oder Agnes oder Herbert, ob in Birger oder Michael oder Dragobert, sind die Namen die Pflanzschalen, in denen sich ein Allgemeines zu einem Spezifischen, ein Universales zu einem begrenzt Individuellen, auf einen bestimmten Ort konzentrierten Individuum - denn es ist der Ort, der individualisiert! es ist der Ort, der somit das ist, wodurch etwas und jemand "wird" - konstituiert. Konstituiert durch die Selbsttranszendierung. Und die ist ein Selbstüberschreiten auf ein Bild hin, auf eine Person hin, die der "Ur-Birger,", der "Ur-Sebastian", der "Ur-Johannes" war. 

***

Jeder später Kommende, dessen Teil als Ablaufmenetekel der Welt, in dem das Grundgesetz der Thermodynamik in einer eigenen Charakteristik erkennbar wird: Als Weg vom Allgemeinen zum je Spezielleren, das zugleich aber auch das Ärmere ist. Bis sich das Geflecht der Menschen so stark ausdifferenziert hat, bis auf dem schmalen Ort, an dem er zu stehen kommt, eines Tages gar kein Platz mehr ist, auf dem noch ein Mensch zu stehen kommt. Spätestens dann ist er da, der Tag des Endes, der Tag der Abrechnung, der Tag an dem die Welt aufhört. 

Aber jeder dieser Kurt und Fritz und Gerlinde und Rattaboimine, jeder ist nur ein später Folgender dieses einen Ur-Fritz und -Gustav. Und er ist überhaupt nur er selbst, wenn er sich als Repräsentant dieser einen Art Mensch zu sein begreift. Dessen Individualität nicht darin besteht, daß er eine andere Kappe oder ein anderes Wamst oder ein anderes Güpfelchen am Schnubbel trägt, sondern daß er eine andere Art der Repräsentanz hat. 

Die sich freiich im Rahmen der Grundgesetztheiten des Gustav-Seins bewegen muß, die aber dadurch "eigen", "individuell" ist, und NUR dadurch, das sie an diesem Ur-Gustave teilhat. In der rechten Haltung. Sonst fällt er ins Nichts. Nicht ganz, aber graduell, und mehr oder weniger, und irgendwann zu viel. Dann ist er tot. Und dann ist er vergessen.

So existiert nur, was im kleinen Plätzchen, dem Ort als Wesenskomposit, als Einzelnes einem großen oder riesigen Allgemeinen zugehört, in dem der kleine Name am äußersten Vorposten der Fronten und Begegnungen am großen ganzen Namen teilhat. Und diesem Namen alle Ehre verschaffen will, wie aus dieser Ehre selber lebt und den ihm gehörigen Grad der Autorität hat, weil ein Name auch eine bestimmte Position impliziert.

***

So wie wir "Cappi" zum Orangensaft, "Keli" zur Limonade, Cola zum (egal welchem) Schwarzgebräu sagen, "Flotte Lotte" zum Passiergestell, und "Rüstiger Hansganz" zum Sauschlägel, die alle einmal und zum ersten Male unter diesem Ur-Namen an unsere Ohren gedrungen sind. Sodaß fortan im Namen eine Gattung des Existierens die Weltbühne betreten hat. Und alles Dingelchen, das fortan die Nutzanwendung fortführt, die nun im Weltengefüge ihren Platz, Anspruch und Pflicht weil Erwartungshaltung in so unzähligen anderen erweckt hat - denn eine Nachtbar ohne Cola ist nicht mehr möglich, die Nachtbar ist darauf ausgerichtet. 

Ein Caesar ist ein Kaiser, eine Art, ein Ding, das einer Person entstammt. Ein Name wurde zum Ding, zum Titel! Mit dem sich mancher gerne schmückt, und noch mancherer alles daran setzt, daß ihm dieser Titel zugesprochen würde. Von jemandem, der diesen Namen in der Hand hält, um ihn vergeben zu dürfen. Dessen eigene Position in der Welt sich sogar (mit) daraus ableitet, daß er diesen Kaiser/Caesar zu vergeben, jemandem auf den Kopf zu drücken hat. Auf daß dieser unter dem höchlichsten Hut verschwinde, der Kaiser/Caesar ihn absorbiert.

Was sich im großen Weltenspiel so nachvollziehbar abrollt, hat dort nur seine große Musterrolle für jeden Einzelnen. Nur die Ebene ist anders. Die Art ist dieselbe. Und der Schweizer (der Melkknecht) ist nicht weniger KaiserSchweizer, wie der DreiPhasenhobler der KaiserDreiPhasenhobler, und wie der KonnotationenAmbrosius ein KaiserKonnotationenAmbrosius ist.

***

Haben wir es denn heute aber anders? Sollten wir uns nicht (wenigstens hier) jeden Jammerton ausnahmsweisig versagen? Nennen wir unsere Kinder nicht nach Vorbildern, an denen wir Eigenschaften bewundern, die wir selber gerne hätten? Oder wir, indem wir sie in unserem Nachwuchs (endlich) finden? Hat sich also in der Teilhabe an den Eigenschaften eines Ur-... durch und mit der Namensgebung je etwas geändert?

***

DAS ist der Grund, warum wir als alte Katholen, die wir nun mal sind, nicht den Geburtstag feiern, wie es die Heiden tun und getan haben, und damit die Welt und die leiblicher Abstammung hochpriesen als wäre sie der Umstand, daß es von diesem oder jenen in die Welt gebumst wurde auch ist, was ein Ding zu einem Ding macht, nein: Ein Ding wird zu einem Ding, weil es seinem Begriffe zustrebt, und ein Heinrich ist ein Heinrich, weil er seinem Väteli und Müateli ein herzlich Pfiatgott jodelt, wenn er aufbricht, um dem ersten Heinrich der Weltgeschichte zu- und nachzustreben. 

Sodaß dieser Heinrich der Stammvater einer ganzen Pyramide, ja eines Pyramidengebäumsels wurde, das er stolz dereinst vor den himmlischen Vater trägt, der sie dann an den großen großen Knopf, diesen einen Namen anhängt, an dem alle Pyramiden hängen, große, kleine, alle, sodaß am Beginn wie Schlußstein der Kathedrale der Schöpfung auch hoffentlich ein kleines Ambrosius "sein-wollen" hängt. Siehst Du's nicht, werter Leser? 

*260321*

Sonntag, 16. August 2020

Denn der Vater sieht nur das Glied des Hauses (2)

Teil 2) Gottes Weg mit der Schöpfung ist real.
Wir sind aber die Realität, ja jede Realität nicht mehr gewöhnt.



Wir sind heute die Realität², ja irgendeine Realität nicht mehr gewöhnt, so seltsam das klingen mag. Und im Katholischen, das heißt im Allumfassenden (als das Alles Enthaltende), gibt es sehr reale Bedingungen und Schritte. Warum? Weil auch die Welt so ist! Und was in der Welt sichtbar wird verweist uns auf die innere Grammatik Gottes. Das gilt es einfach zu akzeptieren, und es ist auch nicht widervernünftig, weil die Vernunft sich nach den Gesetzen der Welt, deren logos, deren Logik, richten muß.
Entspricht es nicht jedermanns Erfahrung, daß keine Tat Sinn hat, wenn sie nicht innerhalb der Realität der Welt steht? Diese Realität ist aber viel umfassender, als wir oft meinen. Zumal sie innerhalb der Realität Gottes als allumfassender Realität steht.
Das ist der Maßstab für Wahrheit, die niemals in Widerspruch zur Welt stehen kann. Wo das der Fall zu sein scheint kann es also nur an uns liegen, an unserem Irrtum, der im Grunde aber immer in einer Sünde seinen Grund hat. Weil die Wahrheit personal ist, hängt die Teilhabe an ihr von einer persönlichen Beziehung ab.

Jesus sagt: Ich BIN der Weg, die Wahrheit und das Leben! Es geht also um ein persönliches Verhältnis, um eine Beziehung zur Wahrheit, und das heißt zu Jesus.

So wie wir zu jedem Mitmenschen eine Beziehung haben, und erst durch bestimmte Akte der Liebe, Wahrheit und Sündenlosigkeit objektiv real wird. (Das Beste daran: JEDE Art der Stellung zu jemandem oder etwas IST die Realisierung einer Beziehung. Nicht einmal die Ignoranz kann das verändern, und ist ein Akt, der das Begegnende, Ignorierte von beiden Seiten betrifft. So wie der Fisch im Wasser, ist der Mensch in das Wasser der Beziehung getaucht, die Welt, die Schöpfung.)

Deshalb muß sich auch jeder Mensch entscheiden, wie er sich zu Gott und Christus Jesus stellt. Und nur innerhalb dieser Beziehung zu ihm kann er wirklichen Zugang zu ihm finden. So ist die Stellung des Menschen zu Gott immer "entschieden", also einer Entscheidung zuzuschreiben: Ob in ihm sein zu wollen, oder nicht. Der, noch einmal, die innere Grammatik der Schöpfung vorgibt, deren dynamischer pneumos (Atem) und logos ist (Sinn, Wort, Wahrheitsstruktur, Grammatik, "auf-zu"-Dynamik ...).  Weil jedes Werk von seinem Hervorbringer zeugt, dessen Eigenschaften und Wesen erkennbar macht.
Wer sich deshalb gegen ihn entscheidet, nein, wer sich NICHT FÜR IHN entscheidet, wer sich entscheidet nicht in Gottes zweiter Person Christus Jesus sein zu wollen, diesem logos der Welt, steht außerhalb des göttlichen logos und außerhalb der Welt und Schöpfung. Er wird deshalb VON GOTT GAR NICHT GESEHEN, er existiert nicht vor Gott.  
Das Feuer, von dem Jesus ausdrücklich und nicht selten spricht, ist deshalb kein Feuer, das Gott "macht" oder dem Gottfernen zufügt, sondern es ist die Qual desjenigen, der außerhalb der Schöpfung steht. Die nur IN Gott Bestand hat und seiend sein kann. Die Hölle ist somit das Sein im Nichtsein. An Gottes Gnade und innerer Qualität sozusagen kann nur teilhaben, wer zu seinem Hause gehört.


*Unter anderem lebt die gesamte Esoterik von dieser Selbsteinschätzung. So wie jeder der Wege, in denen jemand SELBST seinen Heilsweg aussucht, und zum Beispiel der katholischen Kirche den Rücken kehrt, um zu irgendeiner Abspaltung überzutreten (die immer auf eine Weise protestantisch sind, wie Orthodoxie, Evangelikale oder direkt protestantisch-evangelische Kirchen).

**Wobei nicht unerwähnt bleiben soll, daß die Taufe sogar von Ungetauften vollzogen werden kann. Ihre einzige Bedingung ist einerseits der Wille (ob selbst oder durch Paten ausgedrückt ist unwesentlich), zur Kirche als dem Volk Gottes zu gehören, und anderseits der objektive Vollzug durch Wasser und die Formel "Ich taufe Dich auf die Dreifaltigkeit IM NAMEN von Vater, Sohn und Heiligem Geist. 

Der Mensch kann und darf bei der Taufe also ANSTELLE VON GOTT SELBST (in seinem Namen!) handeln und reden. Ein Akt, den aber hier eben der Mensch setzt, den freilich Gott erst vollendet, durch seine Gnade. Das kann der Mensch, weil er "nach seinem Ebenbild", nach dem Ebenbild Gottes gemacht ist. Der Taufende handelt also bis an die Grenze des überhaupt dem Menschen Möglichen. 

Die Tatsache (der Ebenbildlichkeit) ist, es sei hier einmal mehr gesagt, von so immenser Bedeutung, daß sie nicht oft genug betont werden kann. Denn sie ist ein Schlüssel zum gesamten Glaubens- und Heilsgebäude.

²Die deutsche Sprache kennt (etwa im Gegensatz zum Englischen, innerhalb dessen solche Themen zu disputieren fast unmöglich sind) sehr feine begriffliche Unterschiede. Deshalb wollen wir hier ganz kursorisch definieren: Realität ist die weltzugewandte, geschichtlich werdende Seite der wirklichen Wirklichkeit, in der sie steht. (Insofern kann Realität von der Wirklichkeit abweichen, weil diese nur graduell erfüllen.) Um selbst wiederum in der Wirklichkeit zu stehen. Also, vereinfacht gesagt: Jesu Menschwerdung ist Realität, als Wollen (wirkliche Wirklichkeit, also die weltzugewandte Dynamik des Wirklichen) des Vaters (des Ideengebers, des Wissens selbst, damit des Innersten der Wirklichkeit), und alles das steht in der Wirklichkeit, aber auch der wirklichen Wirklichkeit (in der Schöpfung Realität geworden) der Dreifaltigkeit.



*310720*

Samstag, 15. August 2020

Denn der Vater sieht nur das Glied des Hauses (1)

Vielleicht wird die Stelle in der Heiligen Schrift unterschätzt. Sie sieht ja eigentlich leicht verständlich aus. Aber hört man genau zu, wird sie doch in Wirklichkeit unverständlicher? Was steht hinter Aussagen von Jesus (und sinngemäß finden sich eine Reihe solcher Stellen, und für zahlreiche weitere ist dieser Aspekt wichtige Ergänzung, die als Hintergrund mitzudenken wäre), in denen er Folgendes betont: Was einem seiner Brüder getan ist, das ist ihm getan. 

Warum bindet Jesus die "gute Tat" und die Nächstenliebe an die Eigenschaft des "Bruders"? Wäre da nicht jene Stelle viel wichtiger (und in der pastoralen Realität kennt der VdZ auch nur diese als gerne und viel verwendet), in der Jesus die Nächstenliebe NICHT daran bindet, daß der Hilfebedürftige Teil des Volkes Gottes (Israel) ist? Richtig, der Leser hat sie sofort erkannt - die Stelle des barmherzigen Samariters (siehe unter anderem Lk 10,25ff).

Stellen wir zuvor noch eine Verbindung her, nämlich mit der für manche vielleicht verstörenden Aussage, daß Jesus immer wieder betont, daß er ZUERST nur zu seinem auserwählten Volk gekommen ist. Andere bezeichnet er sogar als "Hunde", die keinerlei Barmherzigkeit (und Wunder) verdient hätten. Auch hier also beschränkt sich Jesus auf "seine Brüder", um es einfach zu sagen. 
Die Taufe als realer Vollzug der Zugehörigkeit.
Gott sieht nur den Menschen, der in Christus vor ihm steht. 'Der andere ist jenes Unkraut, von dem Jesus immer wieder spricht. Das zwar vorerst unangetastet bleibt, aber am Tag der Ernte ins Feuer wandert. So wird verständlich, warum es zu unseren Lebenszeiten dem Nicht-Getauften, sogar dem Bösen scheinbar nicht anders oder schlechter geht als mir, dem Getauften, dem "Besseren". (Und man darf, ja muß das so formulieren.) 

Gerade in der Gegenwart, die man ohne viel Verlegenheit als "gottfern" bezeichnen muß. Nach objektiven Gesichtspunkten! Nicht nach subjektiver Selbsteinschätzung. Denn das würde wohl kaum jemand zugeben, im Gegenteil, in den allermeisten Fällen behauptet der Gottferne sogar die größere GottNÄHE, sieht den subjektiven (und nicht objektiven) Weg als Rechtfertigung und Ausweis höherstehender Gutheit*. 
Die Wahrheit ist in ihrem Kern deshalb heute vielen so schwer verdaulich, weil sie einem der neuen Verhaltensparadigmen widerspricht, nämlich dem der Sentimentalität als Kriterium von gut und böse.
Gott sieht nur den Menschen, der in Christus lebt und ist. Indem er mit ihm Gemeinschaft hat, in das Leben der Dreifaltigkeit hineingenommen (genommen, nicht "getreten"; Gnade, nicht Eigenmacht) ist, und deshalb in Gott ist. Alle übrige Menschheit sieht Gott gar nicht. Sie wird deshalb am Jüngsten Tag ausgerissen und ins Feuer geworfen.

Und es gibt nur eine Stelle in der Heiligen Schrift, die man als letzte Hoffnung ansehen könnte, das ist jener Verweis aus Jesu Mund, daß "für Gott nichts unmöglich" ist.

Der Weg zur Erlösung ist objektiv. Er ist ein objektives und sehr reales Geschehen als Merkmal und Bezeichnung an BESTIMMTEN Menschen, die von Gott dazu auserwählt wurden. Durch die Kirche, die die Taufe vollzieht** und dadurch den bestimmten Menschen Gottes Volk zugesellt.

Wir haben keinen Anlaß zu meinen oder zu glauben, daß es auch anders sein könnte. Daß es einen Weg zu Gott und in die Seligkeit des Himmels gäbe, der außerhalb des Leibes Christi - der Kirche! - real würde. Es gibt auch keinen Weg "durch gute Taten". Und es gibt keinen Weg, weil jemand "das gleiche tut wie ein Getaufter", nur eben nicht getauft ist. Auch diese Stellen in der Heiligen Schrift sollte man da nicht übersehen, in denen Jesus darauf hinweist, daß am Jüngsten Tag zwei scheinbar das gleiche tun, am gleichen Ort sind, aber nur einer in die Erlösung hineingenommen weil gerufen ist.
"Wir haben gelebt wie Du!" Gehandelt, geliebt, gearbeitet, gefeiert und gelebt. Und sind nun doch nicht erlöst? 
Auf die Tat selbst, auf die Tat an sich kommt es eben nicht an. Der Katholizismus ist also einerseits sehr einfach, so einfach, daß er zu gewisser Nachlässigkeit verführen könnte. Denn er ist anderseits so real, so objektiv wirklich, wie wir es heute gar nicht mehr gewöhnt sind. In einer Zeit, in der wir nur noch am Bildschirm leben, und die jederzeitige Änderung eines Geschehens erfahren, das volatil ist.


Morgen Teil 2) Gottes Weg mit der Schöpfung ist real.
Wir sind aber die Realität, ja jede Realität nicht mehr gewöhnt.



*310720*

Montag, 27. Mai 2019

Wir gehören immer Kreisen an

Wenn das "Fegefeuer" einfach das Reingebranntwerden in der Begegnung mit dem richtenden und rettenden Herrn ist, wie kann dann ein Dritter einwirken, selbst wenn er dem anderen noch so nahesteht? Bei solchem Fragen sollten wir uns klarmachen, daß kein Mensch eine geschlossene Monade ist. Unsere Existenzen greifen ineinander, sind durch vielfältige Interaktionen miteinander verbunden. 

Keiner lebt allein. Keiner sündigt allein. Keiner wird allein gerettet. In mein Leben reicht immerfort das Leben anderer hinein: in dem, was ich denke, rede, tue, wirke. Und umgekehrt reicht mein Leben in dasjenige anderer hinein: im Bösen wie im Guten. So ist meine Bitte für den anderen nichts ihm Fremdes, nichts Äußerliches, auch nach dem Tode nicht.

 Papst Benedikt XVI. in der Enzyklika Spe Salviso  

Kann man also für Verstorbene beten, soll man das sogar? Die Antwort ist eindeutig: Ja. Wir sind zwar als Person Individuum, aber immer individuell als "Mensch in Schichten", in Kreisen, denen wir (stellvertretend in beide Richtungen) ebenso wie die Menschen in diesen Kreisen angehören. Was immer wir also tun, wie immer wir also sind, beeinflußt auch das Gemeinwohl. 

Es ist damit immer eine Zugehörigkeit, die der Ort ist, an dem wir uns "selbst verwirklichen" müssen oder können und die unsere Identität ausmacht. Nimmt man alle diese Kreise weg, löst man, isoliert alle diese Zugehörigkeiten auf, bleibt nichts als gestaltlose Unbestimmtheit, der das Fluidum zum Weltsein - und das ist ein Aktivsein, eine Selbsttätigkeit als "auf - zu" - fehlt.

***

Das Schlimmste ist also die Isolationshaft. Schon gar, wenn der Häftling Atheist ist. Aus den Erfahrungen damit, aber auch aus Experimenten mit Studenten, die man von jeder Sinneswahrnehmung (als Verbindungstaue zur Welt) abschloß, weiß man, daß an deren Ende Wahnsinn weil völlige Zerrüttung entsteht. Es ist immer eine Verbindung zu einem Du, die erst geistig-seelische Ordnung (die eine Gerichtetheit ist, die dann im Gemeinsamen Bestand hat) ermöglicht.

***

Die grundlegende, den anderen auslöschen sollende Dimension der Verweigerung von Kommunikation und Umgang zum Beispiel mit Andersdenkenden wird zwar meist vergessen, aber sie macht solch eine Tat so schwerwiegend und böse. Und dumm. Denn sie übersieht zudem, daß gravierender Schaden auf beiden Seiten entsteht. Gleichzeitig wird auch die gemeinschaftszerstörerische Funktion der Lüge oder der geheuchelten, sachlich falschen Zustimmung (oder vorgetäuschte, weil vermeintlich nützliche Ablehnung) deutlich. Auch sie ist Verweigerung eines Gemeinsamen, selbst wenn man in dessen Beurteilung zu anderen Schlüssen kommt. Aber dadurch wird das Gemeinsame anerkannt, das immer eine Sache ist, die freilich jeder von einer anderen Warte aus sieht.

Gemeinsamkeit, Zubehörigkeit und damit Identität als konkretes "In-der-Welt-als-Welt-sein" entsteht und besteht nur in Sachlichkeit. Volle Gemeinschaft damit nur in der Wahrheit. Damit wird auch von dieser Seite klar, daß es Gutheit und Erlösung nur aus der Wahrheit heraus gibt. So können wir uns in der Taufe mit Jesus in einer Gemeinschaft - einem "Kreis" - wissen, den er stellvertretend vor Gott den Vater bringt. Und damit auch uns, sofern wir mit ihm (als der Wahrheit, also in persönlicher Zugeordnetheit) verbunden sind. Er läßt uns dadurch am innertrinitarischen Leben (in Analogie beziehungsweise im Geist, der aller Welt zugrunde liegenden Kraft) teilhaben.




*170119*

Montag, 7. Mai 2018

Niemals vergessen

Wenn im alten China - aber auch von sehr vielen anderen Völkern ist das oder sinngemäß das Gleiche bekannt, auch von den Germanenvölkern, auch von den deutschen Fürsten - das Volk unter Hunger und Mißgeschicken litt, wurde der Kaiser geopfert. Der machte auch gar nicht viel Aufhebens darum, sondern ging selbst auf die Schlachtbank. Dahinter steht der Begriff der "Stellvertretung", ohne den auch die Erlösertat Jesu Christi nicht verständlich wäre: Einer steht für alle. Und als König steht er für alle seine Untertanen. Aber auch in den zahllosen unteren gesellschaftlichen Verwobenheiten findet sich im Sinn Gleiches. 

Der Leiter für das Ganze und die Untergebenen, der Vater für das Haus (als eigentlichere, umfassendere Form der "Familie"), der Mann für die Ehe, der Ältere für die Jüngeren, der Graf für sein Land und seine Bewohner, die Beispiele sind wahrlich unendlich. Denn die Welt ist in ihrem Wesen nicht einfach nur ein hierarchisches Geflecht, sondern sie ist vor allem und in allem ein unendlich fein gesponnenes Geflecht aus Organismen, die allesamt und untereinander, je nach Zugehörigkeiten, "pars pro toto" fungieren. Dasselbe gilt für alle Teile eines jeweiligen Ganzen, also auch für Teile eines Staates, einer Landschaftseinheit, einer Gemeinde, und es gilt auch für Teile einer Generation und damit für Generationsfolgen. 

Wo immer jemand "zu" etwas gehört, und das tut er in hohem Maße schon durch Geburt. Nur verhältnismäßig wenig gibt es nämlich, das im späteren Leben noch als zusätzlich und willkürlich gewählt dazukommt. Das betrifft sogar solche scheinbar belanglosen Dinge wie eine "Nationalmannschaft" - auch hier steht eine Elf für ein Volk. Und das Zittern der Zuschauer ist keineswegs perverses Vergnügen dekadenter Konsummisten, sondern im heutigen Konsumismus noch ein Gruß aus dem "Land des Echten", des Ewigen, das ist das Schönste am Fußball.

Denn das Wesen der Dinge ist zuerst und in allem und vor allem definiert durch Beziehungen. Ja, man kann, nimmt man die Gedanken von John Zubiri auf, und der VdZ ist ihnen sofort beigetreten, denn sie waren auch die seinen, das Wesen aller Dinge insofern als "Ort" bezeichnen und sehen, als das Wesen aller Dinge in ihren Beziehungen gegründet ist, diese Beziehungen sogar ihr Wesen SIND. Sodaß es absurd ist, sich von Beziehungen "freisprechen" zu wollen. Und das betrifft auch Beziehungen der Schuld.

Das erneut anzuspielen scheint dem VdZ notwendig, nachdem er sich zuletzt an dieser Stelle so viel mit der Tatsache befaßte, daß es dennoch nur Schuld im Einzelnen gäbe. Und zwar als direkte Sünde, als direkte Abwendung von Gott und damit vom Wesen der Dinge. Denn jede Sünde ist ein Verstoß gegen die Natur - also gegen das, wozu ein Ding in die Welt kam.

Denn wenn etwas heute auffällt so ist es das Streben der jüngeren Generationen, sich aus diesen Zusammenhängen mit einem Ganzen herauszulösen. Zu behaupten, daß ihr Leben nicht in einer Schicksalsgemeinschaft mit der Geschichte ihrer Herkunft zu tun hätte, sondern quasi von Null beginnen könnte. Deshalb gibt es überall heute so viele Schuldige! Und niemand scheint ... selbst schuldig zu sein. Aber das kommt absolut und völlig einem Leugnen des eigenen Gutes gleich! Denn auch das haben sie von ihrem Herkommen erhalten. Nichts also, das sie sich selbst verdankten! Nicht im Guten- aber auch nicht in dem, wo sie in Schuld der Vorfahren und aller ihrer Schichten und Gruppen und Wesensgeflechte, denen sie zugehören, MIT verstrickt sind. Quasi "von selbst". 

Nur - darin liegt eben gar kein Problem. Das löste sich zum einen auch sofort, wenn man davon ausgehen könnte, daß jeder sich seines eigenen Fehlens - sieben mal siebzig Mal am Tage! - bewußt würde und wäre. Bewußt wäre, wie leicht er selbst fehlt. Zum anderen aber gilt es zu unterscheiden zwischen individueller Sünde - das Fehlen, das Sündigen ist immer individuell verursacht, denn der Mensch ist prinzipiell frei geboren, und diese Freiheit erlischt nicht einfach, selbst wenn man sie "abgibt", und niemandem kann und darf sie abgesprochen werden! - und den Folgen der Sünde, also den Folgen der Schuld. Gibt es also immer nur individuelle "Schuld" als Folge eines Vergehens (und jedes Vergehen ist individuell), so gibt es sehr wohl (sic!) die Mitbetroffenheit jedes, wirklich jedes Kollektivs von eben dieser individuellen Schuld. 

Wo deshalb einer sündigt, sündigt auch das Kollektiv mit ihm, und hat unter den Folgen der Tat des Einzelnen mit zu leiden. (Was natürlich auch für das Gute gilt.) Lustigerweise bedienen sich gerade atheistische Staaten am liebsten dieser Wirklichkeiten - kaum wo wurden und werden Einzelleistungen so sehr als Leistungen und Eigenschaften des Kollektivs dargestellt wie in totalitären Staaten.

Und dennoch ändert das nichts daran, daß es ... wahr ist. Im Gegenteil. Wo die Idee eine Lüge ist, braucht ein System umso mehr substantielle Wirklichkeitsstrukturen.

Das heißt wiederum, daß wir sehr wohl - als Deutsche - an den Taten unserer Väter mit zu sühnen und zu leiden haben! Genau so, wie wir darüber stolz sein dürfen und müssen, ja, müssen! Denn in ihnen sehen wir auch unsere Möglichkeiten, unser Wesen, denn sie standen am selben Ort wie wir. Das heißt nicht, daß wir individuell "gleichermaßen schuldig" sind, das gewiß nicht. Es heißt aber, daß wir mit allfälliger Schuld unserer Vorvorderen als Tatsache umgehen müssen. Sie gehört zu unserer Gegenwart, das ist außerhalb jeder Frage. 

Und jede, wirklich jede Epoche, ja jeder Moment der Geschichte kann man nur in diesen Zusammenhängen verstehen. Keine Generation steht in einem Geschehen, das mit ihr nichts zu tun hat! Weil sie "keine Schuld" daran hätte. Individuell - vielleicht. Als Person aber - immer: ja.

Wenn also so manche sich deshalb "exkulpieren" wollen, indem sie diesen Wesens- weil Seinszusammenhang bestreiten und verleugnen, so tun sie etwas, das genau so furchtbar ist wie das, was ihnen ihre Gegner oder Feinde vorexerzieren: Sie lösen BEIDE die Gemeinschaftszusammenhänge auf. Solche Gesellschaften, in denen diese Generationenzusammenhänge etcetera geleugnet werden, atomisieren sich, ohne jeden Verzug. Dann gar noch von Volk zu sprechen, dessen Ehre in der Gegenwart zu retten sei, ist an der Grenze zur Lächerlichkeit.

Ja, wir - Du, geneigter Leser, und der VdZ - haben keine individuelle Schuld an so manchem. Wir haben auch so manche Großtat der Vergangenheit nicht selbst vollbracht, das gilt genau so. Dennoch stehen wir im Schatten dieser Taten unserer Vorvorderen. Und dürfen - im einen Fall - wie müssen - im anderen Fall - mit den Folgen dieser Taten, mit den Schatten und Lichtblitzen auf unseren kollektiven Zugehörigkeiten, leben. Heute. In der Gegenwart. Und deshalb, so wie der Sohn die Schulden des Vaters zahlt, während er gleichermaßen ja das positive Erbe zu seinem Nutzen zur Verfügung hat, sind wir immer in einem direkten Zusammenhang mit unserer Vergangenheit zu sehen. Und so, wie wir im Einzelfall an dieser oder jener Tat nicht teilgenommen haben, so tragen wir mit an der Schuld anderer, die - wie bei den 68ern vielfach geschehen - direkt böse Taten vollbracht haben, im Wahn, sie würden ein neues Menschsein erschaffen, fern von allen Generationenzusammenhängen. 

WIR, Sie, geneigter Leser, und ICH, der VdZ, leiden an allem, was unsere Altersgenossen getan haben. WIR müssen auch deren Suppe auslöffeln, daran führt kein Weg vorbei. Unsere Sühne ist deshalb auch die Sühne unserer Generation. Und die der Vorfahren. Und deren Vorfahren. Bis zum Anfang der Zeiten steht deshalb der Mensch in einer Folge der Menschheit.

Diese Zusammenhänge aber zerreißen zu wollen, hat eine ganz andere Herkunft. Es hängt damit zusammen, daß wir nicht mehr wissen, und nicht mehr zu gebrauchen wissen, daß es ein einziges vor Gott (dem Sein selbst) legitimes Entschuldungsverfahren gibt - das ist das der Beichte! Und das sind die Instrumente des Ablasses, der uns von Schuldenstrafen befreit. Ohne daß uns eines dieser beiden Instrumente von den FOLGEN der Sünde befreien könnte. Wer getötet hat, hat nun keinen Nachbarn mehr, ob ihm nun seine Schuld samt der Strafe erlassen wurde oder nicht. Die Beichte produziert kein Utopia.

Nur eines kann und soll uns hier noch trösten: Daß Gott auch auf krummen Zeilen gerade schreibt. Daß wir in der Hand Gottes einer Vorsehung ausgeliefert sind, die auch aus schlechtesten Voraussetzungen (unserer Ansicht nach) noch ein Gut drechseln kann. Und - das auch tut!

DAS dürfen wir niemals vergessen. Genau so wie wir um Gottes Willen nicht vergessen dürfen, wie viel Gutes wir von eben diesen selben erhalten, übernommen, ungeschuldet geschenkt bekommen haben. 

Wenn wir aber - immer und ständig! - zu einem aufgerufen sind, dann ist es die Sühne. Und zwar die STELLVERTRETENDE SÜHNE. Denn in ihr heilen und sanieren wir alle jene Gemeinschaften, alle jenen unzähligen Gemeinschaften und Generationszusammenhänge, in denen wir stehen. Und zu diesem Dienst sind wir alle nicht nur gerufen, sondern sogar verpflichtet. In welchem wir diese Gemeinschaften (so vielfältiger Art!), in denen wir stehen, wieder in die Ordnung Gottes hineinheben. Uns wie der König für das Ganze opfern, auf daß es dem Ganzen - und damit wiederum uns! - wohl ergehe.

Denn kein Mensch ist nur für sich stehender Mensch, wenngleich er nur als für sich Stehender verantwortlich handeln kann, also verdienstlich handeln kann. Er ist aber Mensch, weil er immer und zu so vielem in niemals gleichgültiger, unwesentlicher Beziehung steht. Ja ERST DAS macht ihn zum Menschen.





*020518*

Sonntag, 29. April 2018

Das Blut der Märtyrer ist der Samen der Christenheit (3)

Teil 3)


Als die Mohawks als nächstes dem Jesuitenpater Speere ins Fleisch stoßen, betet der laut: Jesus, habe Erbarmen mit uns! Und die Huronen, die mit ihm gemartert werden, wiederholen seine Worte. Um diesen Priestergiganten endlich zum Schweigen zu bringen, schneiden ihm deshalb die Peiniger die Unterlippe weg. Dann nehmen sie einen Speerschaft und stoßen ihm diesen in den Rachen. Aber immer noch gibt Brébeuf keinen Schmerzenslaut von sich. 

Also holen sie nun seinen jungen Mitbruder, Pater Gabriel Lalement. Auch er ist nackt. Sie schnallen rund um seine Hüfte einen Gürtel aus Birkenrinde. Wir werden zu einem Spektakel für die Welt gemacht, für die Engel und die Menschen, ruft Lalement aus. Er wird an einen Marterpfahl direkt neben Brébeuf gebunden, ehe die Mohawks seinen Gürtel anzünden. 

Mittlerweile haben die Indianer rund um Brébeufs Nacken ein Halsband aus rotglühenden Tomahawk-Klingen gelegt, vorne drei, hinten drei. Das hat den Sinn, daß er jedesmal, wenn er seinen Oberkörper um den Schmerz zu lindern nach vorn oder nach hinten beugt, von der anderen Seite umso mehr verbrannt wird. Wieder stößt er aus: Jesus, hab Erbarmen mit uns! 

Die Indianer toben vor Haß und Wut, weil sie den Pater nicht brechen können. Zunächst schnallen sie auch ihm einen Hüftgürtel aus Rinde um und stecken diesen in Flammen. Und nun treten Huronen, die vom Glauben aus Angst vor den Martern abgefallen sind, an ihn heran, und gießen ihm in einer Nachäffung der Taufe kochendes Wasser über den Kopf und verspotten ihn: Wir taufen Dich, damit Du im Himmel glücklich bist! Du weißt ja, ohne gute Taufe kann niemand gerettet werden! Du hast doch immer vom Wert des Leidens erzählt, Du solltest also glücklich sein, daß wir Dich leiden lassen. 

Immer noch gibt Brébeuf keinen Klagelaut von sich. Nun werden ihm aus seinen Beinen Streifen von Fleisch geschnitten. Das die Indianer dann vor seinen Augen essen in der Hoffnung, endlich den außergewöhnlichen Mut des Priesters zu brechen. Der aber betet laut für seine Peiniger. Die Indianer toben immer mehr vor Wut. Sie schneiden ihm die Nase ab, dann seine Oberlippe, und schließlich seine Zunge. Sie stecken ihm eine brennende Fackel in den Mund und reißen ihm die Augen aus den Höhlen. Dann schleifen sie ihn zu einem Podest und schneiden ihm die Füße ab. Daraufhin skalpieren sie ihn. Schließlich öffnen sie seinen Brustkorb, reißen ihm das Herz heraus und essen es. In der Hoffnung, den außergewöhnlichen Mut des Priesters in Besitz zu nehmen, trinken sie sein Blut, bis sie dem Leichnam mit einem Tomahawk das Gesicht spalten. 

Pater Lalement wird noch die ganze Nacht weitergefoltert, langsam und sorgfältig, um ihn nicht vorzeitig zu töten. Also bringen sie ihn stets nur an den Rand des Todes, um ihn dann wieder ins Leben zurückzuholen. Im Morgengrauen schneiden sie ihm die Zunge heraus, reißen ihm die Augen heraus, stecken ihm glühende Kohlen in die leeren Augenhöhlen, und schneiden ihm dann die Hände und die Füße ab. Aber das Herz des jungen Priesters schlägt immer noch. Also schneiden sie auch ihm Fleisch vom Körper und essen es, skalpieren ihn, öffnen seinen Brustkorb und schneiden ihm das Herz heraus, essen es, trinken sein Blut. Auch er hat während der ganzen Tortur nicht einen Moment geklagt.

Dabei wäre Lalement gar nicht zur Mission vorgesehen gewesen. Seine Oberen zweifelten an seiner Konstitution. Er sei zu schwach für die Härte der Mission in Kanada, meinten sie. Vielleicht stimmt es, vielleicht war er physisch wirklich nicht der Stärkste. Trotzdem hielt er sechzehn Stunden der härtesten Martern durch.


***

Am Ende der "Biberkriege" 1640 bis 1701, in denen die Irokesen ihr Stammesgebiet ausweiten und sich das Monopol als einzige Fellhändler (und als Mittler zwischen den Weststämmen und den Handelsniederlassungen an der Ostsee) aneignen wollten, werden die christianisierten Huronen (neben anderen mit den Franzosen verbündeten Stämmen) durch die vereinten Südstämme der Irokesen unter der Führung der Mohawk in einem Genozid vollständig ausgelöscht oder vertrieben sein. Sie konnten den Angriffen von Feinden, die in Gier und Haß keine Grenzen kennen und keine Grenzen kennen wollen, die in Dämonie versunken sind, nicht standhalten. Es war einer der grausamsten, blutigsten Kriege in der Geschichte Nordamerikas, der die gesamte Geographie der Indianer Nordamerikas dauerhaft veränderte. Die Huronen sind letztlich als Märtyrer gestorben. Wenige Jahre später verloren die Irokesen die niederländischen Händler, und die immer zahlreicher einsiedelnden Franzosen und Engländer übernahmen den Handel selbst. Letztlich war also alles umsonst gewesen.

***

Den vollen Sinn und Wert des stellvertretenden, sühnenden Leidens, den Wert des Martyriums, können wir nur begreifen, wenn wir begreifen, daß die Getauften in der Kirche in einem geistigen "mystischen" Leib zusammengeschlossen sind. In diesem Zusammengehören kraft der Taufe als "Kirche" ist das, was dem Teil geschieht, dem Ganzen geschieht, und umgekehrt.

Es ist ein Organismus und insofern eine Antwort auf den Universalienstreit des späten Mittelalters, der die Möglichkeit, die Erlösung Christi zu begreifen, immer mehr ausgetrocknet hat, weil er die Stellvertretung nicht mehr begreifen ließ. In dem es nämlich darum ging, ob universale Begriffe, Abstrakta sozusagen, Gattungsbegriffe, übergreifende, zusammenfassende Begriffe eine objektive Wirklichkeit sind oder nur Gedankendinge. Denn wenn sie geistige, abstrakte, aber reale Wirklichkeiten sind, kann diese Stellvertretung gedacht werden. Letztendlich läßt sich also auch die Erlösung durch Jesus Christus nur dann begreifen, wenn wir begreifen, daß Christus "als Mensch" dieses "volle Menschsein an sich", an dem wir teilhaben, je mehr wir Christus ein- und angehören, ihm ähnlich sind, in das göttliche innertrinitarische Leben hineingeholt hat. Durch seine Fleischwerdung.

Die Märtyrer Kanadas, von deren einigen oben gehandelt wird und von denen es insgesamt hunderte, wenn nicht tausende gibt, haben also mit Gewißheit der Kirche insgesamt, aber auch dort, jenen Boden bereitet, aus dem sie sich in Kraft entfalten hatten können. Immerhin war Kanada zumindest in seinem französischen Westen - also dem Raum der katholischen Kirche - immer ein tief katholisches Land gewesen. Daß es heute mit umso größerer Vehemenz von den Dämonien der Gegenwart gebeutelt wird - Genderismus, political correctness, Verrücktheiten sonder Zahl sind dort auf eine Weise implementiert, die man nur noch als kollektiven Wahnsinn bezeichnen kann - kann man deshalb nur als ebenso wütenden Haß verstehen, wie ihn die Mohawk angesichts des unglaublich mutig ertragenen Martyriums der beiden Jesuitenpater Jean le Brébeuf und Gabriele Lalement erfaßt hat. Denn es ist tatsächlich das Blut der Märtyrer, das den Samen der Christenheit bedeutet.



*190418*

Samstag, 28. April 2018

Das Blut der Märtyrer ist der Samen der Christenheit (2)

Teil 2) Einfügen in die Lebenswelt


Dabei stellte Jean de Brébeuf fest, daß die Sprache der Huronen viele Begriffe nicht kannte, die aber für ein Verständnis des Glaubens unumgänglich waren. Die Franziskaner zuvor hatten dies dadurch "gelöst", also sie die fehlenden Begriffe durch englische oder lateinische Wörter einführen wollten, was natürlich ohne jeden Erfolg blieb. Brébeuf verfaßte hingegen nicht nur in jahrelanger Arbeit eine Grammatik des Huronischen, sondern versuchte, das in diesen notwendigen Begriffen erfaßte in Huronisch zu umschreiben.

So kannten die Huronen die Begriffe Vater oder Mutter oder Bruder etc. nicht. Obwohl ihre Sprache in vielerlei Hinsicht durchaus komplex und vollständig war (Fälle, Geschlecht etc.) kannten sie diese Beziehungen nur, wenn sie in Verbindung mit einem Possessivpronomen vorkamen, also: Mein, Dein, etc. So konnten sie aber schon mit dem Kreuzzeichen "Im Namen des Vaters, des Sohnes, des Heiligen Geistes" nichts anfangen! Brébeuf dachte lange nach, und suchte schließlich bei den Ordensoberen in Frankreich um die Genehmigung der Formel "Im Namen unseres Vaters und seines Sohnes und ihres Heiligen Geistes" an. Was theologisch subtil und wahr ist, und ihm auch gewährt wurde.

Die Jesuiten in der Mission waren intellektuelle Giganten, hoch gebildet und kultiviert. Doch sie nahmen auf sich, sich in primitivste Gesellschaften zu integrieren, und die Wahrheit des Glaubens vollgültig und wahr in die einfachen Verhältnisse zu transformieren. Brébeuf erhält bald unter den Huronen den Spitznamen "Der Mann, der alles trägt". Sie akzeptieren und mögen ihn, aber dennoch muß er ständig damit rechnen, daß sie ihn umbringen. 

Das Martyrium

Mitte der 1640er Jahre bricht der "Biberkrieg" aus. Die südlichen Irokesenstämme dringen in die Bibergründe der großen Seen im Norden ein, und machen den Huronen eine ihrer Lebensgrundlagen streitig. Am 16. März 1649 haben Pater Brébeuf und sein junger Mitbruder Lalement gerade die Messe fertig gelesen, als die Irokesen auch das Huronendorf überfallen, in dem die Jesuiten leben. Und deren Bewohner großteils bereits christianisiert sind. Alle werden gefangen genommen. Die meisten Huronenchristen werden auf der Stelle abgeschlachtet, ihre Schädel mit Tomahawks gespalten, ihre Kehlen durchgeschnitten. Alte, Kranke, Kinder, Frauen werden in Langhäuser getrieben und diese angezündet, sie verbrennen bei lebendigem Leib. 

Brébeuf und Lalement werden wie die noch verbliebenen Huronenchristen gefesselt und in das Nachbardorf St. Ignatius (alles in Ontario, an der Ostseite des Lake Huron/Huronsees) getrieben, das die Irokesen bereits zuvor geplündert und niedergemacht hatten.

Es gibt Berichte von den nun folgenden Ereignissen durch später entflohene Huronen, die es bis zur Jesuitenmission schafften. Der Jesuit Christophe Regnault ging daraufhin an den Ort des Todes der beiden Mitbrüder zurück, und fand deren Überreste und die Spuren der Ereignisse so, wie es berichtet worden war. Sein Bericht geht wie so viele andere Berichte sofort nach Frankreich.

Die Jesuitenpater werden zwar als das besondere Objekt der Folter angesehen, gemartert werden aber alle gefangenen Huronenchristen. Die mit dem rituellen "Gassenlauf" beginnt. Einem Spießrutenlauf, wo die Opfer von den eine Gasse bildenden Indianern (in der Mehrheit Mohawks, aber auch andere Stämme aus der "Allianz der sechs") mit allem geschlagen werden, was denen in die Hände kommt. Bleiben sie stehen, werden sie totgeschlagen. Zusammen mit den Huronenchristen, reißt man den Patres die Kleider vom Leibe und schickt sie in die Gasse. Mit Müh und Not überstehen die Jesuiten diesen ersten Durchgang. 

Währenddessen haben andere Mohawks und Algonkins und Seneca bereits Wälle aus Feuerholz und Ästen rund um die Marterpfähle aufgerichtet und entzündet. Zunächst aber werden die Jesuiten mit den Huronenchristen gemeinsam in eine kleine Hütte gesperrt, die einmal als Kapelle hergerichtet hätte werden sollen. Die Christen trösten einander, die Priester erteilen allen nacheinander die Absolution. Schließlich holt man Brébeuf und die Huronen zur Marter.

Im nun beginnenden nächsten Durchgang (die Irokesen sind berühmt dafür, daß sie Marteropfer nur soweit quälen, als sich diese wieder erholen, so daß die Qualen über Tage gestreckt werden können) werden den Gefangenen die Finger gebrochen. Dann werden alle Fingernägel herausgezogen, und alte Frauen und Kinder kommen und nagen an den Enden der Finger. Dann wird Brébeuf allen voran an den Marterpfahl gestellt und daran gefesselt. Als der Pater an seinem Pfahl herantritt, küßt er ihn.

Zunächst legen die Indianer Glutnester um seine Füße, und fahren ihm mit brennenden Fackeln am Körper langsam hinauf und hinunter.  Besonders langsam sind sie zwischen seinen Beinen, in den Achselhöhlen, und um den Hals. Das Fleisch des Heiligen beginnt bereits Blasen zu bilden. Aber er gibt keinen Laut von sich. Das beeindruckt sichtlich die Peiniger. Deshalb beginnen sie, ihm mit ihren Messern tiefe Fleischwunden zuzufügen. 

Während aller dieser Torturen wendet sich Brébeuf immer wieder an seine Mitbrüder, die mit ihm gemartert werden, und tröstet sie: Meine Söhne, sagt er, meine lieben Brüder, laßt uns in unserer Bedrängnis die Augen zum Himmel heben! Laßt uns nicht vergessen, daß Gott Zeuge unserer Leiden ist, und schon bald wird er unsere alles übertreffende Belohnung sein. Laßt uns im Glauben sterben, laßt uns auf ihn und auf die Erfüllung seiner Verheißungen hoffen. Ich habe um euch mehr Sorge als um mich. Bleibt fest, am Ende unserer Leiden erwartet uns die Fülle der Gnade, und die Glückseligkeit wird ewig währen. 


Morgen Teil 3)



*190418*

Freitag, 27. April 2018

Das Blut der Märtyrer ist der Samen der Christenheit (1)

1539 wurden die Jesuiten gegründet. 1615 hatten sie bereits dreizehntausend Mitglieder, obwohl der Gründer des Ordens, der Hl. Ignatius von Loyola, die Höchstzahl der Mitglieder auf sechzig begrenzt hatte. Der Zulauf war enorm, dabei waren sie durch ihre ungeheure Strenge bekannt. 1645 betrieben sie am europäischen Kontinent bereits fünfhundertzwanzig Hochschulen und Seminare.

In einem Zeitalter, in dem die Wissenschaft erstmals in Europa zu einer nie gesehen Blüte kam, gehörten die Jesuiten zur absoluten geistigen Elite des Kontinents. Fünf, sechs, sieben Sprachen waren üblich, und unter heutigen Bedingungen würde wohl jeder der damaligen Jesuiten zu den Hochbegabten zu zählen sein, die ein Leben in Forschung und Wissenschaft vor sich hätten.  

Aber sie sahen eine ihrer Hauptaufgaben - neben Bildung und Erziehung - in der Mission. Und trotz ihrer intellektuellen Führerschaft in Europa, war der Drang der Jesuitenbrüder in die Mission, wo sie auf alles das verzichteten, das ihnen in Europa Ansehen und Anerkennung hätte bringen können, so groß, daß die Ordensoberen im 17. Jahrhundert extrem sieben mußten und konnten. Denn gerade die Besten drängte es am stärksten in die Welt, um das Evangelium zu verbreiten und den Menschen die Erlösung zu bringen. Sie sahen mit der allergrößten Klarheit die Erlösungsbedürftigkeit des Menschen, begriffen am hellsten, was diese Erlösung brachte. 

Und in der Mission kam es ganz besonders auf ein Leben im Streben nach Heiligkeit an. Den Jesuiten war damals völlig klar, daß nur ein Heiliger auch missionieren konnte. Missionare mußten also nicht nur psychisch absolut stabil und intellektuell auf voller Höhe sein, sie mußten vor allem im geistigen und geistlichen Leben auf voller Höhe sein. Und die Glanztaten die die damaligen Jesuiten erbrachten, stehen bis heute an Ehrenplätzen in den Geschichtsbüchern.

Umso mehr ist dieser Drang der damaligen geistigen Elite in die Welt bemerkenswert, als sich bald herausstellte, daß ein Missionar nicht nur oft mit extremen Strapazen und Anforderungen fertig werden, sondern überaus häufig mit dem Martyrium rechnen mußte. Allein zwischen 1645 bis 1660 wurden zweihundert Jesuiten von Indogenen umgebracht. Kaum ein Jesuitenmissionar erlebte sein vierzigstes oder gar ein fünfzigstes Lebensjahr, ein höheres Alter war überhaupt extrem selten. Und dennoch drängten die Jesuiten in Europa darauf, ließen ein Leben an Universitäten und in Lehrstuben zurück, um unter den härtesten Bedingungen den Glauben zu verbreiten. Getrieben von einer Liebe zu den Seelen, wie sie eben Heiligen ansteht.

Dafür hatten sie Erfolge, die zuvor nie gesehen wurden, und die die manchmal doch recht dürftigen Erfolge der Franziskaner weit in den Schatten stellten. Franz Xaver etwa, der später in China starb, hatte alleine in Indien, wo die portugiesischen Franziskaner kaum etwas weitergebracht hatten, schätzungsweise eine Million Menschen getauft und bekehrt. Er war es auch, der hundert Jahre vor den Ereignissen in Kanada, von denen unten die Rede sein wird, die jesuitische Missionsmethode begründete. Die immer erst eine lange Phase des genauen Studiums der Gastkultur vorsah. Ja, erst einmal mußte sich der Missionar quasi assimilieren, erst dann konnte er missionieren. 

Also sollten, auf der Basis einer bestmöglichen Sprachkenntnis, Ähnlichkeiten mit dem katholischen Glauben erkannt und als Anknüpfungspunkt verwendet werden. Das persönliche Vertrauen wurde dadurch gewonnen, als jeder Missionar sich bemühte, die Lebensweise der indigenen Völker so weit wie möglich anzunehmen und als "einer der ihren" unter ihnen zu leben.

Die Mission in Neufrankreich-Kanada

Als einer der härtesten Böden für eine Mission galten die Indianer Nordamerikas. Teilweise lebten die Indianerstämme in Zuständen, die unbeschreiblich waren. Das galt vor allem für die meisten der Stämme in Neufrankreich im Osten des heutigen Kanada, wo im Gebiet der großen Seen im Süden die sogenannten "Sechs Stämme" lebten, die unter dem Sammelnamen "Irokesen" ein so passables "Föderalsystem von Staaten" eingerichtet hatten, daß es sogar für die Gründerväter der Vereinigten Staaten gewisse Vorbildfunktion hatte. Ihnen standen nördlich der großen Seen die Huronen gegenüber, deren kultureller Zustand ganz besonders erbärmlich war.

Wir haben heute ganz umfassende Berichte und Schilderungen aus jener Zeit und von jenen Kulturen. Denn jeder Jesuitenmissionar sandte fortlaufend Bericht an die Zentrale in Paris. Dort sammelte man diese Berichte und legte so im Laufe der Zeit eine schließlich siebzig gewaltige Folianten umfassende Chronik an, das heute ein unschätzbares Archiv genauester Kultur- und Tätigkeitsbeschreibungen darstellt. Und aus dieser Chronik stammt auch der Bericht von einem der unglaublichsten Fälle von Martyrium, dem von Jean de Brébeuf, der am 16. März 1649 als Märtyrer starb. Ihm zur Seite sein weit jüngerer Mitbruder, Gabriel Lalement.

Jean de Brébeuf

Jean de Brébeuf wurde am 25. März 1593 in Frankreich geboren und trat erst im Alter von vierundzwanzig Jahren dem Jesuitenorden bei. Nach Studium, Noviziat und Priesterweihe, sowie drei Jahren als Universitätslehrer in Rouen ging er endlich, seinem brennenden Wunsche nach, 1625 nach Neufrankreich (Kanada). Er blieb bei den Huronen für den Rest seines Lebens, also 24 Jahre, bis zu seinem schrecklichen Tod. 1925 wurde er selig-, zusammen mit sieben weiteren Jesuiten-Missionaren 1930 heiliggesprochen. 1940 erhob ihn Papst Pius X. zum Patron Kanadas.

Als Brébeuf in Quebec in Kanada ankam, das damals ein kleines Fort von der Größe eines halben Fußballfeldes war, war die Mission durch die Franziskaner dort so gut wie gescheitert. Mit unendlicher Geduld näherte sich der Jesuit den ersten Huronen, ging ihnen immer tiefer nach und lebte schließlich drei Jahre mitten unter ihnen, teilte vor allem ihre harte Lebensweise. Dabei sprach er drei Jahre praktisch kein Wort, sondern hörte nur zu, studierte nur ihre Sprache und ihre Lebensweise. Aber noch immer blieb er äußerst vorsichtig, lebte dazu in ständiger Todesgefahr, denn ein ausbleibender Regen, einmal Unglück bei der Jagd, und er hätte jederzeit erschlagen werden können. Aber das unterschied sie auch fundamental von den Missionsbestrebungen der Protestanten, die diese Wege nie gingen und entsprechend erfolglos blieben.

Ganz langsam gewann Brébeuf die Zuneigung und das Vertrauen der Indianer, schließlich adoptierte ihn sogar eine alte Frau, und er war fortan halbwegs geschützt. Aber erst 1635 ließen sich die ersten Indianer taufen. Als 1640 eine Windpockenepidemie fast die Hälfte der Huronen hinwegraffte, begannen ihn die Huronen ob seiner Furchtlosigkeit, mit der er bei ihnen aushielt, endgültig zu bewundern, und erste Massentaufen fanden statt. Bald nahm die Bekehrung der Huronen großen Umfang an, und der ganze Stamm änderte nach und nach seine Lebensweise. Es sollte sich für sie tragisch auswirken, umso mehr verdienen sie unsere Achtung. Denn den Indianern waren die Folgen wohl bewußt: Das Christentum macht auf eine gewisse Weise gegen das Böse wehrlos, denn es ist durchdrungen vom Prinzip, daß kein Gut durch ein schlechtes Mittel angestrebt werden kann. Diese Wahrheit über das Sein ist das vielleicht am meisten am Christentum Unterschätzte.

Die Lebensumstände der Huronen

Bis zum Eintreffen Brébeufs lebten die Huronen in unsäglichen Zuständen. Sie wohnten (wie fast alle der Indianerstämme in Neufrankreich) zu zwanzig bis vierzig Menschen unterschiedlichster Familien in aus Rinde und Ästen erbauten Langhäusern, in deren Mitte offene Feuer als Kochstelle und Wärmequelle in den extrem kalten, langen Wintern und überaus feuchten Übergangszeiten brannten. Nur ein kleines Abzugsloch im Dach ließ den Rauch entweichen. Somit fiel einem im Inneren ob des bissigen Rauchs das Atmen schwer, und die Augen Brébeufs waren ständig rot, tränten und bissen.

Die hygienischen Umstände waren extrem. Jeder urinierte oder defäkierte wo immer es ihm gerade einfiel. Dazu kamen die Hunde, die ein gleiches taten. Dennoch spielten die Kinder am Boden. In den Hütten stank es bestialisch. Man wusch sich kaum. Was für ein gewaltiger Unterschied etwa zu den in Mexiko lebenden Azteken, die hygienischer lebten als die eintreffenden Spanier.

Überall herrschte aggressive Promiskuität. Orgien standen an der Tagesordnung. Was mit sich brachte, daß die Stämme viele Fragen wie das Erbrecht matrilinear (aber patriarchal) geregelt hatten, weil kaum jemand seinen Vater, sondern nur seine Mutter kannte. 

Regelmäßig fand ritualisierte Folter statt, und zwar an Gefangenen und Sklaven ebenso wie willkürlich aneinander. Die mit Methoden ungeheurer Brutalität und Raffinesse ausgeführt wurde. Die Nahrung war übelschmeckend, nährstoffarm, zufällig und primitiv, und nach hygienischen Gesichtspunkten widerlich. Die Grundnahrung bestand aus in bloßem Wasser gekochtem, geschmacklosem Wildgetreide, ab und zu mit Aal oder was eben leicht gefunden wurde. 

Schamanen und Medizinmänner hatten Einfluß auf jede Lebensregung, und hielten die indianische Bevölkerung in einer Atmosphäre pausenloser Furcht und Unberechenbarkeit, also in einer alle beherrschenden Dämonie. Sie vor allem davon zu befreien war Brébeufs innerstes Anliegen, und sein Herz brannte in einer Liebe zu diesen Menschen, wie sie eben Heiligen möglich ist. Er wollte ihre Seelen retten, wollte ihnen die Erlösung von dieser Dämonie bringen.


Morgen Teil 2) Einfügen in die Lebenswelt



*190418*

Mittwoch, 1. November 2017

Nie von seinem Volk trennbar

Die Wahrheit in die Welt zu holen heißt, das Denken des Denkens selbst (also das Denken Gottes, der das Sein ist) in die Welt zu holen, ihm in der menschlichen Sprache ein passendes Kleid anzuschneidern, wenigstens mit der Zeit. Niemand erträgt aber auf Dauer, die Wahrheit zu denken (das ein Offensein für die Wahrheit, also Gott ist, um im Gehorsam Mensch und Gott anzugleichen; das ist es, was man Sittlichkeit nennen kann) und falsch, also nicht der Wahrheit gemäß, zu leben.

Denn wahr zu denken aber falsch zu leben heißt, ständig das Gericht ganz konkret mit sich herumzutragen. Also muß man sich entscheiden. Die Entscheidung der allermeisten Menschen fällt eindeutig zugunsten des faktischen So-Seins ihrer Fleischlichkeit aus, und seiner Tendenz, sich in der Welt zu verbergen, sich ihr anzugleichen (nicht: Gott). Zu viel wäre zu tun, zu schmerzhaft wäre das Leben als Prozeß selbst, denn dann würde es das, was es ja eigentlich ist: Fegefeuer. Sie schieben dieses Fegefeuer in vager Hoffnung, daß es dafür reicht (und nicht in völliger Abwendung vom Sein, also in der Hölle endet), auf. 

Das ermöglicht zwar noch Stücke "richtigen" Denkens, also auch richtigen Sprechens, aber nie darf man sich dabei zurücklehnen. So zu leben, so zu denken ist also auch anstrengend, man kommt nie zur Ruhe. (Das erklärt auch die Vielzahl von "Methoden", mit denen man zur Ruhe zu kommen versucht, auch ohne Wahrheit. Man überläßt die Anstrengung einer Technik, einer Maschine, die tun soll, was man selbst nicht vermag. Gleichzeitig muß man das Denken, die Sprache verwischen.)

Das ist der Grund, warum die Menschen nicht wahr denken wollen, und ihre Sprache, ihr Denkgebäude dem Fleisch anpassen, nicht dem Sein selbst. Das ist der Grund, warum sie mit der Zeit auch ihre Sprache entgründen, die Begriffe verwischen, im Unklaren lassen. Denn die Last des Gerichts (also des Gewissens) ist auf Dauer zu groß.

Wahr zu denken, als das einzige wirkliche Denken ist aber nicht so sehr die Frage, ob man bereits alle Tugenden besitzt. Es ist vielmehr eine Frage der Bereitschaft, sich dem Gericht - der Wahrheit - zu stellen und immer auf sein Urteil zu hören. Aber wehe dem Denken des Menschen, der diesem Urteil nicht letztlich folgt. Es wird trübe.


Nach K-apisehimuh (Ottawa-Indianer), Der große Geist



*041017*

Freitag, 9. September 2016

Was dahinter steckt ist noch erschreckender

Dazu muß man gar nichts mehr sagen. Die bedrückende Evidenz der hier gezogenen Schlüsse liefert der Alltag, den wir bereits erleben. Kein Wunder, daß gutmenschenbehauchte Heilige und kirchensteuergeschmierte Kleriker dazu nichts sagen. Ja, wegsehen. Haben sie dasselbe Problem? Man muß als dramatisch-dramaturgisch denkender Gestaltseher eigentlich davon ausgehen: Daß das Schweigen hier ein verborgenes, ja im Rahmen eines "humanen Aktes" sanktuiertes Ausleben eines offiziell nie gestatteten Wunsches ist: Dem (höchst subtil versteckten) Frauenhaß, der sich hinter Feminismus, Gutmenschentum und so vielen Formen des klerikalen Lebensstils verbirgt. 

Von Menschen und vor allem Männern, salopp formuliert, die nie den Mut, die Sittlichkeit, die Geistigkeit und die Kraft hatten, ihre ontologische Stellung zur Frau zu realisieren, und die vorgebliche und schranken- und gestaltlose "Freundlichkeit" gegen Frauen verkennen "müssen", weil sie sonst vor wirkliches Kreuz gestellt würden - dem Kreuz des Selbstseins, der logos-Spannung. 

Vereinfacht dargestellt: Wer nie die Kraft und Persönlichkeit hatte, Männlichkeit ganz natürlich als hierarchische Position zur Frau zu leben, als Verantwortung auch zur Gewalt, um einen Organismus zu schützen wie aufzubauen, wer deshalb nie die Last von Eigentum angenommen hat, wer also nie Mann war, tobt sich in stellvertretenden Phantasieschauspielen aus. Wie im Theater, muß er es dann nicht selbst leben, ja, er kann sich sogar davon distanzieren, durch moralische Entrüstung, und kann doch die Gewissensrechtfertigung durch Zustimmung simulativ "erleben". Die ihm derzeit so billig angeboten wird. Durch muslimische Migranten.

Das könnte, ja müßte man als Motiv sehen, so müßte man es formulieren, so hart ist es nämlich: Feministen, Politiker, Ingenieure an der menschlichen Gesellschaft und (leider viel zu viele) Kleriker liefern unsere Frauen bereitwilligst (!), ja gezielt aus. Sie wünschen sich muslimische Migranten in unseren Ländern. Sie atmen erleichtert auf. Denn endlich können sie über sie jene Rache, jene "Mannesleistung" erbringen, zu denen sie im realen Leben nie Manns genug waren. Früher hat die Kirche ganz besonders die Frauen geschützt, oft mit dem eigenen Leben. (Der VdZ kennt aus persönlichen Gesprächen so einen Fall aus 1945.) Heute liefert sie sie aus.*









*Die einerseits erhellende, aber anderseits schockierende Diskussion um Maria Goretti, die heuer an gewissen kirchlichen Orten zu lesen war, wieweit ein Verteidigen der Jungfrauschaft bis zum Tod, wie es das junge Mädchen tat, überhaupt ein Martyrium, sondern nicht einfach überzogener Moralismus wäre, hat so vieles über den heutigen Geisteszustand eindrücklich und erschreckend an den Tag gelegt. Argument? Wörtlich? "Hat nicht der Papst selbst außereheliche Gemeinschaften von Mann und Frau als "oft heiliger" als Ehen bezeichnet?" Jemand meinte sogar: "Ach mein Gott, was wäre denn dann passiert, wenn Maria Goretti mit dem Mann geschlafen hätte? Sie hätte es ja gar nicht gewollt, also war es ja auch keine Sünde gewesen?!"




*270716*

Freitag, 18. März 2016

Der Richter urteilt immer über sich selbst (2)

Teil 2)  Warum ein Richter urteilen MUSZ -
Angemerkte Aspekte, darunter: Warum die Todesstrafe gerecht sein kann




Der Richter kann sich auch nicht eines Urteils entschlagen, auch das wäre Unrecht. Etwa weil er meint, er sei nicht dazu befugt, weil er ja auch kein sündenloser Mensch sei oder in derselben Situation wie der Angeklagte womöglich gleich impulsiv gehandelt hätte, weil ihm selbst das Opfer auch unsympathich gewesen wäre. Es darf auch keine Rolle spielen, ob ihm der Täter sympatisch ist - oder er ihn widerlich findet, weil der ständig in der Nase bohrt und die Popel in seine Hose schmiert, weshalb vom Richter eine gewisse sittliche Reife gefordert werden können sollte.***

Er muß es tun namens des Gesetzes, namens der Ordnung, die er als Richter zu vertreten hat. Und stellvertretend für den Täter spricht der Richter das Urteil "über sich", "ausgelagert" freilich im Täter, anhand der Kenntnis der Ordnung als Gewissens- und Urteilsinstanz.  Er hält dem Täter mit diesem Urteil erst (!) seinen Platz in der normalen (guten) Ordnung frei! Und legt im Urteil den Preis (gewissermaßen) für die Rückeingliederung in diese Ordnung fest.

Seinem Verstehen entspringt und entspricht eben auch die Strafe, die Sühne, die auferlegt wird, um nach deren Ableistung (gewissermaßen als Eintrittspreis) in die Normalgesellschaft zurück zu dürfen. Was der Täter wiederum nur kann, wenn er der Tat einsichtig wird - also auf seiner Sprachebene versteht.****

Dafür dient der Laienrichter als Dolmetscher. Er muß dem Richter den Täter verstehbar machen, der Richter den Laienrichtern die Gesetze.




*Auch hier, übrigens, wird wieder einmal erkennbar, daß eine Tat sich eben NICHT aus für sich gesehen "guten"  oder "nicht schlechten" Teilen definieren läßt, obwohl sie sich daraus aufbaut. Hätte der Täter NICHT die Salzsäure gekauft, wäre er NICHT herangetreten ... die Tat wäre unterblieben. Ein Strafverteidiger, der aber vorträgt, daß der Täter unschuldig sei, weil doch keine der Einzeldaten seines Tuns eine Straftat an sich wären, würde sich nur lächerlich machen.

**Eine Gewissensentscheidung ist deshalb immer ein "Hören des Urteils". Der Mensch steht in gewisser Weise IMMER vor einem Richter, und weil er jeden Moment sterben kann (oder die Welt von Gott so gewollt enden könnte), steht er v. a. in seinen Haltungen immer (potentiell) vor dem Jüngsten Gericht.

***In den USA läßt man Richter auf unterer Ebene sogar vom Volk wählen. Weil man davon ausgeht, daß Ansehen mit sittlicher Reife zu tun hat und vom Volk am besten erkannt wird, damit der normalen Gerechtigkeitsvorstellung am meisten entspricht, und zugleich damit jemand Richter wird, der zwischen Gesetz und Rechtsgefühl vermitteln kann. Es ist eine radikale Methode des Grundsatzes, daß "das Recht vom Volk ausgehe" und dieses deshalb auch der Souverän der Rechtsetzung ist. Deshalb gibt es im angloamerikanischen Raum eben die "Fallgesetzgebung", in der der Richter aus bisherigen Fällen das Typische herauszufinden und mit dem neuen Fall zu vergleichen hat. Das Bewußtsein, daß ein Richter mit einem Urteil auch Recht (und Gesetz) setzt und schafft, dürfte dort also auch lebendiger sein als bei uns, wo viele Menschen eine Fremdheit zwischen formalem Gesetz und Recht festzustellen meinen.

****Was etwa bei willentlicher oder gar habitueller Uneinsicht eine lebenslange Strafe - und unter bestimmten Bedingungen sogar eine Todesstrafe! - rechtfertigen kann, wie es eben auch alte katholische Sichtweise ist. Ja die Kirche kennt sogar selber die "Todsünde", deren Folge, und die Strafe dafür. Und sie tut es, weil sie um die prinzipielle Freiheitsfähigkeit des Menschen weiß. Ein Todesurteil kann dabei durchaus angemessenes Maß der Sühne und ultimo ratio der Umkehr sein. Denn dieses Maß ergibt sich eben aus der Tat, in der sogar die Hürde der Ordnung definiert wird. 

Das Christentum hat dieses Maß allerdings dem Racheimpuls entzogen, um ihn nicht dem bloß subjektiven - dabei durchaus legitimen - Genugtuungsbedürfnis zu überlassen, sondern Tat und Täter sub species aeternitatis zu stellen. Und es kann natürlich keine Rede davon sein, daß das ein Urteil oder eine Strafe ersparen könnte. Gerade das proklamierte Jahr der Barmherzigkeit ist stattdessen durch besondere Ablaßgnaden gekennzeichnet worden, die nichts anderes sind als Straferlässe. Wo aber Strafe, da muß auch eine Tat UND ein Urteil UND Sühnebereitschaft vorliegen. Mit letzterem ist die Wahrheit selbst (Gott) sogar blitzschnell. 

Dem Salzsäuremörder des o.a. Beispiels, wenn dieser nach Urteilsverkündigung weder seine Tat einsieht noch bereut und sogar verkündet, er würde jedem der ihm nicht zu Gesicht steht dasselbe sofort wieder zufügen seine Strafe zu erlassen wäre nicht barmherzig, sondern ein Vergehen an der Gesellschaft und erst recht gegen die Gewissensordnung.




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Donnerstag, 17. März 2016

Der Richter urteilt immer über sich selbst (1)

Nicht die Gesetze eines Landes vermitteln die Lebensordnung, sondern diese wird durch den alltäglichen und sozialen Lebens-Mitvollzug eines Menschen (Erziehung; Kinder im Leben der Familie etc.) übernommen. Jedes Gesetz muß also zwischen dem Typus, nach dem es konstruiert wurde, und dem Einzelfall als der Wahrwerdung des Rechtsbruchs im Leben des Täters vermitteln.

Und weil der Richter sich allzu leicht in Fachsprache verliert, in der das Lebensalltägliche nicht mehr ausreichend vorkommt, er vor allem die Sprache dafür verloren hat, gibt man ihm Laienrichter bei. Die genau das bekümmern soll: Die Alltagssprache mit der Sprache des Gesetzes übereinzubringen. Dadurch erst wird die Verstehensebene auf beiden Seiten - Richter und Täter - befriedigt. 

Denn auch der Richter muß ja den Täter verstehen - wobei verstehen, wie Arthur Kaufmann schreibt, eben keineswegs heißt, daß es auch schon verziehen ist.

Das Urteil in einem Strafprozeß durch einen Richter ist deshalb nur als Gewissensurteil im Richter selbst möglich. Der Richter muß auf zwei Ebenen stehen können weil auch in die Täterebene eintreten können. Ein Urteil über eine unverstandene Sache ist ja eigentlich gar nicht möglich, hier bliebe bestenfalls noch starre Kasuistik. (Der Geistesgestörte, dessen Tag eben nicht verstehbar ist weil sie sich dem typischen menschlich-alltäglichen Verhalten entzieht, wird deshalb meist auch nicht verurteilt, sondern der Gesellschaftssphäre entzogen, indem man ihn in Sicherheitsverwahrung nimmt, ihn in eine "Anstalt für abnorme Gesetzesbrecher", eine Heilanstalt u. ä. verbringt.) Nur was verstanden werden kann ist zurechenbar.

Aber der Richter MUSZ eben urteilen. Und er tut es im Verstehen des Täters und der Tat, und genau darin erkennt er das Typische des Rechtsbruchs. Denn eine Tat ist ja keine statisch-mechanistische Konstruktion, sondern bewegt sich im Rahmen von Beziehungen.

Als Beispiel: Salzsäure ist an sich keine Mordwaffe. Jemandem Salzsäure einzuflößen bedeutet nicht einfach nur "Nötigung", weil Salzsäure eben keine Mordwaffe, sie zu kaufen keine Straftat ist, sodaß also nur die Tat des Aufdrückens eines Mundes bliebe. Was für sich auch keine Straftat ist. Wie bei einer Erste-Hilfe-Aktion sichtbar wird, in der der Sanitäter den Mund eines Ohnmächtigen aufdrückt, um einen Sauerstoffschlauch einzuführen. Auch der Haß als Gefühl ist nicht strafbar, jeder Mensch hat es zuweilen und kennt dieses Gefühl. Und ebenso wenig ist das Herantreten an einen Menschen von hinten eine Straftat. Wenn aber jemand an einen anderen von hinten herantritt, ihm an den Mund greift, diesen aufdrückt, und dem vor Schreck Erstarrten Salzsäure einflößt, hat dennoch etwas für "Mord" Typisches, wie das normale Rechtsgefühl und die Alltagssprache sagt, und IST deshalb (im Beispiel) tatsächlich auch ein als solcher abzuurteilender Mord.*

In diesem Verstehen, und darauf soll es hier ankommen, passiert etwas anderes: Der Richter nimmt die Stellvertretung (sic!) des Täters ein. Im Verstehen wird eine Tat nämlich (stell)vertretbar. Der Richter urteilt also "als wäre er der Täter vor dessen eigenem Gewissen" - welch letztere Norm in den Gesetzen dargelegt wird.**

Falsch und ungerecht wäre ein Urteil, das sich darauf bezöge, daß Salzsäure keine Waffe, Herantreten von hinten keine böse Tat, das Aufdrücken des Mundes kein Verbrechen sei.





Morgen Teil 2) Warum ein Richter urteilen MUSZ - 
Angemerkte Aspekte, darunter: Warum die Todesstrafe gerecht sein kann





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Montag, 19. Oktober 2015

Die Ehen des Diego Maradona (3)

Teil 3) Die Bemerkung - Ein möglichst knapper, anschaulicher Anriß, 
warum der Priester und schon gar der Papst 
kein "Mensch wie ich und du" sein kann und darf




*Nur kurz und gestammelt, gewiß, aber einige Worte dazu: Die Kirche in ihren priesterlich-sakramentalen Institutionen kann sich in ihrer Gestalt nicht "von unten her" definieren, vom Volk her, sondern muß sich auf Jesus Christus hin transzendieren, als Haupt also die reale, inkarnierte Gestalt Jesu Christi darstellen, als Haupt des Leibes. Hier wurde auch oft das Allgemeine Priestertum mißverstanden, der Begriff hat manche verwirrt. Das von diesem sakramentalen Priestertum funktional völlig verschieden, mehr eine Metapher ist (wenn auch nicht nur). Das sakramentale Priestertum ist also zwar ein Teil der Kirche, aber es ist ein anderer und für sich bestehender Modus, als der "normale Getaufte". Ein Organ somit. So wie es die einfachen Gläubigen als Ganzes, und in sich wiederum als gesellschaftliche Gliederung sind.

Weil sie in dieser Integrität des Gestalthaften (v. a. in der Liturgie) der Himmel selbst ist, dessen die Gläubigen, das Volk, dessen Aufgabe ALS Kultur, als Gesellschaft den Willen Gottes erfüllt (der die sakramentale Priesterschaft der Kirche auf eine Weise gegenübersteht), ansichtig werden. Von dort her werden sie durchlichtet. 

Das begrenzt auch etwa eine caritative Aufgabe, ein "soziales Engagement" der Priesterschaft beträchtlich! Denn der Priester ist keineswegs gegenständlich ein "Vorbild" für die Menschen (diese Funktion hat er lediglich "auch", soweit er alltäglicher Mensch bleibt), sondern er ist es gewissermaßen nur strukturell, zumindest in seiner ihn vor allem anderen definierenden Funktion Und alles definiert sicih in seinem Sinn aus seiner höchsten Möglichkeit. Hier - als liturgisches Fenster zum Heil, als Spender der Sakramente, als Spender der Wahrheit, auch im Wort. (Weshalb in der Alten Liturgie der Priester zur Predigt sein liturgisches Gewand ablegte, nur noch im Mozetta predigte. Denn hier war er nicht mehr im Sakramentalen, sondern im durchaus auch Brüchigen des Menschen.)

Kraft des Sakraments treffen in ihm eben beide Dimensionen aufeinander. Das tun sie im "normalen Gläubigen" in anderer Gestalt und Form, nämlich in die Weltidentität - die Schöpfung - hinein, als ihr Teil. 

Des Priesters konkrete Gestalt aber ist Christus selbst, in persona, der sich zu den Menschen, zum Volk tatsächlich und real niederneigt, seine Gestalthaftigkeit aber nicht einfach "teilt", sondern was er zu geben hat IN DIESER GESTALT (und NUR in ihr) MITTEILT. (Je heiligmäßiger freilich der Priester als Mensch lebt, je mehr er also zurücktritt als Mensch, desto vollkommener wird in ihm der Himmel sichtbar, so, wie in jedem Gläubigen ja auch - etwas, das beide aber nur in ihrer Art erreichen können, dann aber gewissermaßen wieder "dasselbe" ist.)

Der Priester kann also niemals "einer von uns" sein, das wäre im Widerspruch zu seinem Wesen, er ist nur VON UNS genommen, aber nicht primär eine Gestalt des täglichen Lebens einer Kultur bzw. Gesellschaft. Das ist er nur "irgendwie auch", weil auch er sein Bier süffelt, Fußball schaut, oder zum Tarockabend geht. 

Und er ist, geweiht weil nur so Priester, notwendig für uns, im Hl. Geist nicht unabhängig von uns (dem Volk, mit bzw. in konkretem Weltauftrag) zu denken (wie: Vater-Sohn), damit wir des Himmels ansichtig uns selbst vervollkommnen, in die Gestalt Jesu - und damit in den Ordo Gottes, seines Willens - selbst hinein. Das zeigt sich ja auch am Beispiel der Apostel, die sehr wohl ihre Berufe aufgaben, so wie auch Jesus erst zu predigen begann, seine Sendung dezidiert aufnahm, als er seinen Beruf als Zimmermann niedergelegt hatte. 

Das verbindet den Priester durchaus eng mit dem Künstler oder dem Philosophen. Letztere beide können ihre Aufgabe auch nur in Distanz zum Alltäglichen erbringen, müssen aus dem Netz der Zwecke frei sein, um überhaupt sie selbst sein zu können. Nur sind sie nicht "kraft Sakrament", sondern müssen vom Volk - mit dem er "zur Kirche" verbunden ist - bestellt (akzeptiert, anerkannt) sein. Der Künstler ist gewissermaßen die säkularisierte Analogie des Priesters.

Unglücklich kann man höchstens bezeichnen, daß "die Kirche" historisch nach und nach ausschließlich in der Priesterschaft vergegenständlicht gesehen, auf ihre klerikale Dimension reduziert wurde. Das stimmt freilich nicht. Doch ihr Urbild, wenn man so will, ihre Form, an der sie in ihrer Gesamtheit wird (als Gesamtheit der Getauften), ist in den Priestern (und natürlich im letzten wie ersten: im immer konkreten Papst) - im Gegenüber zur Gottesmutter - real und als reinstes Urbild bei uns, weil als alter Christus eben inkarniert. Aber nicht identitär mit dem faktischen Menschen verschmolzen, sondern nur bedingungsweise, aber ohne den Menschen Priester auch wieder nicht möglich.

Dies läßt sich auf die gesamte Sakramentalität umlegen, ist in sich aber wiederum trinitarisch aufgebaute Matrix, wenn man so will (und diese Begriffe nicht technisiert).

Wenn diese funktionale Dimension aber nicht für sich gesehen, getrennt wird, fehlt dem Priester sein identitäres Gegenüber. Weil das aber einen grundsätzlichen (theoretischen) Auffassungsfehler zeigt, und zwar meist, weil das Menschliche falsch gereiht und betont wurde, wirkt es sich auf die gesamte Präsenz der Kirche aus. Der Priester sieht sich plötzlich in einer Aufgabe "wie alle anderen", und er beginnt, in den Alltag hineinzuwirken, den Alltag als genuin SEINE Aufgabe zu sehen. Das ist der aber nicht. So ist grosso modo die "Befreiungstheologie" oder das "politisch-funktionale Priestertum" grundgelegt. (Beides ist von der Kirche gekannt, aber als Fehlentwicklung wieder ausgeschieden, abgelehnt worden.) Als eigentliche KompetenzUNTERschreitungen, nicht ÜBERschreitungen. 

Der Priester kann und muß sogar vor Fehlentwicklungen des Alltäglichen warnen, sie in christlicher Liebe aufzeigen etc., aber sie sind in der Realisation nicht "sein Bier". Sie sind gewissermaßen "neutrale Aussagen" im Angesicht der Wahrheit, sie sind Aussagen über die Nähe oder Ferne des Betroffenen zu Gott. So wie Aussagen desjenigen zu Gott und der Kirche, weshalb Exkommunikation bzw. Kirchenstrafen, die ja nur "etwas feststellen", richtige und legitime Wegweiser sind.

Wenn diese Grenze nicht gesehen und eingehalten wird, mißversteht der Priester den Bezugspunkt, auf den hin er sich zu überschreiten hat, wo also sein "Moment des Existentiellen" liegt. Und hält sich in seinem alltäglichen Menschsein für den Modus seines Daseins. Damit hat er den Zielort seiner Selbstüberschreitung verfehlt, und verfehlt damit auch seine Aufgabe an den Menschen, ja löst die Gestalthaftigkeit der Kirche, der Einzelnen überhaupt als irrelevant auf - seine Liebe wird unkonkret, weil für sich vergegenständlicht (was aber prinzipiell unmöglich ist; die Liebe gerät so nämlich zur Farce, zur wesenlosen Simulation.) Nur eine Liebe kann und muß ihn mit dem Volk verbinden: Die Liebe, daß das Volk am Heil, das er ihm bietet, teilhaftig wird.

Er muß aber, wie gesagt, von dem des alltäglichen Menschen prinzipiell unterschieden sein. (Wenn auch in einzelnen Dingen auch wieder gleich: auch der Priester muß sich beim Brötchenkauf zum Verkäufer höflich benehmen oder der alten Frau über die Straße helfen; aber er kann sich nicht darin erschöpfen, es ist nicht seine erste Aufgabe der Selbstüberschreitung.)

Aus diesem Grund ist auch eine rein körperliche Distanz etwa von Papst zu Volk mehr als sinnvoll, ja angebracht und notwendig. Denn der menschliche Eindruck macht sehr rasch vergessen, ja unsichtbar weil unerfahrbar, was die eigentliche Aufgabe weil Stellung des Papstes ist - die wiederum die Voraussetzung ist, daß sie wirken kann, daß sie angenommen wird. 

Er muß über allen anderen sein menschliches Menschsein vergessen können, und ganz hinter dem Amt verschwinden. Das die Größe und Schönheit Christi und des Himmels darzustellen hat. Insofern besteht sogar eine Pflicht zu liturgischer Pracht, soweit sie zu entfalten möglich ist. Sie ist ein Dienst an den Menschen! Ob er persönlich liebenswürdig oder nett ist, ist völlig uninteressant, ja lenkt von Christus selbst, den er stellvertretend darstellt (ihm also seinen Platz freihält, ohne ihn zu ersetzen, sondern "für ihn" handelt), ab.



*191015*