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Dienstag, 31. Dezember 2019

Si tacuisses

Die Sache hat mehr Bedeutung, als mancher glauben würde. Erstmals hat einer der maßgeblichen Väter der Klimapanik, Michael Mann, in einem seit 2011 laufenden Verfahren vor einem kanadischen Höchstgericht - das er selbst angestrebt hatte - einen Prozeß verloren. In dem es darum ging, daß ihm der renommierte Klimaforscher Tim Ball in einem Interview vorgeworfen hatte, daß Mann die Daten, die zu seiner berühmten "Hockey-Stick-Kurve" geführt haben, und die die sprunghafte Temperatursteigerung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts beweisen sollte, willkürlich manipuliert hatte. 

Ball bezog sich unter anderem auf nicht mehr und nicht weniger als die im sogenannten "Klimagate" zutage getretenen Tatsache, daß britische Klimaforscher in Zusammenarbeit mit offiziellen meteorologischen Instituten Daten "angepaßt" hatten, die nicht genehm waren, sodaß die These vom menschengemachten Klimawandel statt widerlegt nun bestätigt wurde. 

Mann hatte daraufhin Ball verklagt. Und wie man hört, verklagt Mann generell gerne und schnell.

Immer wieder wurde der Prozeß verschleppt, jetzt aber kam er zu einem Ende. Und er endete mit einer totalen Niederlage von Mann. Denn der Kläger hatte sich geweigert, der vom Gericht geforderten Offenlegung der Daten wie der Methoden, durch die Mann zu seinem so folgenschweren Schluß gekommen war, Folge zu leisten. Was schon unter Wissenschaftlern mehr als unüblich ist, denn dort sind diese Schritte eine Selbstverständlichkeit, will man eine These beweisen, die man aufgestellt hat.

Der Podcast von KenFM vermutet nun, daß es für Mann billiger war, die Millionen Dollar Gerichtskosten zu tragen, als einen Strafprozeß vor amerikanischen Bundesgerichten zu riskieren. Denn was Mann gemacht hat, könnte nicht mehr oder weniger gewesen sein als ... Betrug.






Vater sein dagegen sehr (9)

An neun Tagen im Advent, jeweils Dienstag und Donnerstag, findet der Leser eine Kolumne des VdZ für eine Boulevardzeitung, die als Serie im Jahre 1995 geschrieben worden war. Er tut dies auf Bitten von Lesern, die diese Texte ausgegraben haben. Damals lebte der VdZ zwar in ziemlich anderen Umständen als heute, aber die angesprochenen Themen sind abstrakt gesehen ungebrochen aktuell.

VATER SEIN DAGEGEN SEHR ...
Die regelmäßige Kolumne eines ab und an schon mal genervten Familienoberhaupts


IX

Sebastian, mein siebenjähriger Sohn, hatte seit dem dritten Lebensjahr spätestens Neurodermitis. Am Anfang war das ein großes Problem, er kratzte sich beinahe jede Nacht blutig, manchmal war es schauderhaft. Jedenfalls aber wachte er beinahe jede Nacht auf, weinte, ja schrie wegen seiner Schmerzen oder seines Juckreizes. Seither beziehen wir auch die erhöhte Familienbeihilfe. Nun muß man in regelmäßigen Abständen zum Amtsarzt, um dem Finanzamt zu bestätigen, daß der Bezug der erhöhten Beihilfe noch immer gerechtfertigt ist. "Aber," meint meine Frau: "Es ist ja mittlerweile schon sehr schön geworden!" "Das soll der Amtsarzt entscheiden."

Neurodermitis ist eine rätselhafte Erkrankung, die angeblich mittlerweile 10 Prozent der österreichischen Kinder erfaßt hat. Auch wir kennen aus dem eigenen Verwandten- und Bekanntenkreis furchtbare Fälle. Aus den Beobachtungen beim eigenen Sohn, die Veränderungen des Krankheitsbildes in Zusammenhang mit Veränderungen im Umgang mit ihm, habe ich so meine Rückschlüsse gezogen, die ich Ihnen nicht vorenthalten will: Neurodermitis ist eine Krankheit, die wesentlich mit dem Immunsystem zusammenhängt. Das Immunsystem selbst aber hängt stark zusammen mit dem seelischen Zustand des Menschen, mehr noch: Mit seiner Persönlichkeitsstärke. Was ist nun Persönlichkeitsstärke?

Es ist die Kraft, mit der sich ein Mensch als er selbst aufrechterhält, mit der er wesenhaft er selbst ist. Das ist etwas grundlegend anderes als suggestiv erworbenes "Selbstwertgefühl", in dem sie sich ständig vorsagen, sie seien irgendetwas. Es ist die Bereitschaft, die Welt zu sehen, auf sie zuzugehen, und an ihr zu handeln; es ist die Bereitschaft, nicht auf sich zu schauen, sich auch nicht seinen eigenen Gefühlen etc. zu widmen. Diese Offenheit kann durch Krankheit, starken oder permanenten Schmerz, Überlastung, Schock etc. gebrochen sein. In jedem Fall aber ist es notwendig, daß der Mensch sich mit Interesse der Welt zuwendet, mit klarem Blick bereit ist für die entgegentretende Wirklichkeit, und sich nicht mit sich selbst beschäftigt, nicht in sich gefangen wird. Ich habe beobachtet, daß diese "Weltorientierung" maßgeblich damit zusammenhängt, die Begabung des Kindes zu erkennen und ihm zu seiner Begabung gemessen Tätigkeit zu helfen, ja ihn darauf zu stoßen.

Neurodermitiker sind meist das, was man mit "sensibel" beschreibt. Auch das trifft zu, begünstigt doch starke Sensibilität - so gut sie andererseits ist - die überstarke Beschäftigung mit sich selbst. Die Widerstandskraft wird auch dadurch gestärkt, daß man das Kind "abhärtet". Oh Gott, höre ich sie sagen. Ich habe zum Beispiel im Hallenbad zwischen den Kindern einen Preis ausgeschrieben, wer es am längsten unter der kalten Dusche aushält. Eine Übung, von sich weg zu sehen, seine Empfindungen nicht über die Vernunft zu stellen.

Entscheidend bei Neurodermitikern erscheint mir aber der Vater! Er ist es nämlich, der für das Kind die "kalte Dusche" der Welt bedeutet. Ich habe ebenfalls festgestellt, daß wenn in der Familie ein neurodermitisches, allergetisches oder sogar asthmatisches Kind ist, es regelmäßig die Frau ist, die sich in der Familie mit ihrer gefühlsmäßigen Wechselhaftigkeit, Bestimmtheit, durchsetzt, der Mann "zu weich" ist. Die Frau dominiert, was meist heißt, daß sie sich mit dem Kind zu stark identifiziert, sich eigentlich nicht von ihm loslöst, es unter Umständen gar vor dem Mann "schützen" will. Daß also zuwenig männliche "Störkraft" auf das Kind gewirkt hat, dieses sich zuwenig mit dem Mann identifizieren konnte. Neurodermitische Kinder brauchen die Zuwendung des Vaters, aber keine Gefühlsduselei, die sich mit sich selbst beschäftigt, sondern seine Klarheit, seine Beschäftigung mit der Welt, die ihm zeigt, wie man mit der Welt fertig wird. Es fehlt der Welt an Männlichkeit.

4. Oktober 1995



Montag, 30. Dezember 2019

Das Verschwinden des Christentums beschleunigt sich

Übertragung eines Beitrags aus dem Blog von William M. aus dem Amerikanischen durch Eberhard Wagner, mit freundlicher Genehmigung des Autors.

Das Verschwinden des Christentums in Zahlen.
Sollten wir uns besser schon mal mit dem Sterben des Lichts anfreunden?

Es ist eine interessante Statistik, aber die Quelle, die ich nicht näher kenne, und die ich deshalb auch nicht verifizieren kann zeigt, daß die Zahl jener, die sich als "nicht religiös" bezeichnen, in Nordafrika steigt. In Libyen waren es 2012 noch um die 12 Prozent. Diese Zahl hat sich in den letzten sechs Jahren auf 25 Prozent verdoppelt. Unter Millenials (also der Menschen, die ums Jahr 2000 geboren sind) beträgt diese Zahl sogar 36 Prozent. Dasselbe spielt sich in Algerien, Ägypten, Marokko, und so weiter ab. Wenn diese Zahlen stimmen, dann weisen sie hinsichtlich der Geschwindigkeit des Wandels in dieselbe Richtung wie die Zahlen in ehedem christlichen Ländern.


Bevor wir uns aber damit befassen, ist es an der Zeit die Leser daran zu erinnern, daß es so etwas wie "unreligiös" gar nicht gibt, und zwar nicht im metaphysischen Sinn. Jeder, ausnahmslos, hat eine Vorstellung von gut und böse, moralisch und unmoralisch, heilig und profan. Diese Vorstellungen können sich in einem formellen, also sagen wir: offen sichtbaren, religiösen Weg, oder aber auch auf ganz andere Weisen ausdrücken. Egal wie, es drückt sich irgendwie aus.

Deshalb werden Menschen nicht weniger religiös, sie wechseln nur ihre Religion! Das bedeutet nicht notwendig, daß die Menschen sich vom Christentum und dem Islam entfernen und beide zur selben neuen Religion konvertieren, auch wenn das genau so aussehen mag. Aber sie entfernen sich von ihren Traditionen, und erfinden sich neue.

Man nehme nur den Transgender-Wahnsinn her. Es ist ein glatter metaphysischer Glaube, in dem ich davon ausgehe, daß ein Mann, der sagt, ab heute bin ich eine Frau, auch wirklich eine Frau IST. Es ist also der Glaube selbst, der eine Umwandlung bewirkt. Und es ist dieser Glaube, dem gegenüber sich alle verneigen müssen. Man kann es nicht hinterfragen. Es ist göttlich. Deshalb sage ich ja immer, daß die vorherrschende Religion, der sich die Menschen heute zuwenden, die Religion "Der Mensch ist Gott" ist. Meinetwegen nenne man das Humanismus, aber das ist eher eine ziemlich schwachbrüstige Erklärung für ein so erstaunliches Phänomen. 

Wie auch immer. Die, die sich selbst Christen nennen, und die wenigeren, die das traditionelle Christentum auch praktizieren, werden in den Vereinigten Staaten rapide weniger. Wir haben schon früher einmal festgestellt, daß das Christentum in Europa am Ende ist, weil die Zahl derer, die es praktizieren, schon bei 9 Prozent liegt, und immer weniger wird. Hier sind nun die letzten Umfragewerte für die USA, alle mit der üblichen Vorsicht und +/- genau, also nur bedingt aussagefähig.
... 65 Prozent der amerikanischen Erwachsenen bezeichnen sich als Christen, befragt man sie nach ihrer Religion. Das ist alleine im letzten Jahrzehnt ein Minus von 12 Prozentpunkten. Mittlerweile beträgt aber der Anteil der religiös Ungebundenen in der Bevölkerung, darunter sind jene verstanden, die von sich sagen, daß sie Atheisten, Agnostiker oder "nichts Bestimmtes" sind, in den letzten zehn Jahren auf 26 Prozent gestiegen. Die Zahl lag 2009 bei 17 Prozent.

Das sind gewaltige Veränderungen. Und es wird darin eine Beschleunigung erkennbar. Aber es zeigt einen Wandel, der gar nicht anders als so rasch ablaufen kann. Der Rückgang wird sich vermutlich erst verlangsamen, wenn die Zahl gegen null Prozent geht. Wie ich das meine? Die Zahl Protestierender (=protestantischer) Christen fällt in schnellerem Tempo als die bei Katholiken, aber es gibt immer noch welche. Von den Millenials gibt aber schon heute gerade noch die Hälfte an, daß sie überhaupt Christen sind. 


Diese 65 US-Prozent sind ihrer Selbsteinschätzung nach Christen, und sie unterscheiden sich natürlich von jenen, die praktizierende Christen sind. Nur noch 44 Prozent sagen nämlich, daß sie zumindest einmal wöchentlich den Gottesdienst besuchen. Wahrscheinlich ist das die verläßlichere Zahl als diese 65 Prozent. Obwohl das immer noch nicht die beste Schätzung ist, denn auch unter jenen, die zur Messe gehen, gibt es einen beträchtlichen Anteil von Leuten, die an Dinge glauben, die mit dem Christentum unvereinbar sind. Meist haben diese Dinge mit Sexualität zu tun. 

Es ist nur ein Gedanke, aber nimmt man all die übrigen Zahlen her, die man einsehen kann, wird insgesamt kaum mehr als ein Viertel bis ein Drittel aller Amerikaner als Christen übrigbleiben, und davon werden die meisten eher älter sein. Dennoch sieht es so aus, als würde die USA um ein gutes Jahrzehnt im Unglauben hinter Europa hinterherhinken. Ein anderer "ist nicht so wild"-Gedanke setzt die Zahl der traditionsbetonten Christen im kommenden Jahrzehnt auf 10 Prozent oder sogar weniger ein, und in Europa wahrscheinlich ein Zehntel davon. Daten aus Umfragen werden das vermutlich besser sehen und diese Zahl verdoppeln.

Es ist besser, werter Leser, Sie gewöhnen sich schon mal an den Gedanken.

Die Religion vom Menschen-als-Gott feiert allerdings nicht überall ihre Triumphe. Osteuropa und die slawischen Länder befinden sich in einem auffallenden Widerspruch zum Westen.  Vor allem Litauen hat noch echte Substanz, wenn man diesen Umfragezahlen glauben kann.

Es sind zum Beispiel nur etwa 25 Prozent der Litauer der Meinung, daß "Homosexualität von einer Gesellschaft akzeptiert werden sollte". Diese Zahl beträgt bei den Amerikanern 72 Prozent, und bei den Europäern im Durchschnitt sogar 86 Prozent. 

Litauer sind auch am wenigsten geneigt, der Aussage zuzustimmen, daß "in Ehen, wo sowohl der Ehemann als auch die Ehefrau einem Lohnberuf nachgehen, sich beide die Haus- und Familienarbeit zu gleichen Teilen aufteilen müssen."


Das Wichtigste von allem aber:

In der Frage, ob Frau und Mann die gleichen Rechte haben sollen, sind Amerikaner (mit 91 Prozent) derselben Auffassung wie Europäer (durchschnittlich 90 Prozent). Auf jeden Fall damit mehr als die Zentral- und Osteuropäer (im Schnitt 70 Prozent).

Litauer liegen auch hier an der Spitze, nämlich mit ungefähr 60 Prozent. Das ist zwar noch immer meilenweit weg von der richtigen Antwort, nämlich null Prozent, aber daß das die niedrigste Zustimmungsrate aller Länder weltweit ist, das erzählt schon einiges.





Wer nur glättet, rührt Explosivstoff an

Es gehört zur Aufmerksamkeitspflicht skeptisch zu werden, wenn irgendeine Entscheidung von Liberalen* hochgejubelt wird. So wie mit der Verleihung des Friedens-Nobelpreises 2019 an den äthiopischen Ministerpräsidenten Abiy Ahmed Ali. Und wenn der VdZ auch über die Situation in diesem ostafrikanischen Land nicht wirklich informiert ist, so lassen die Nachrichten darüber, die von angeblichen bedeutenden Fortschritten dort berichten, gehörige Bedenken aufsteigen. Hört man auf diese, wird außerdem klar, warum gerade Liberale so begeistert über die jüngere Geschichte dieses alten Landes sind, das von manchen gar als eine der Wiegen der Menschheit bezeichnet wird.

Denn was man hört, klingt verdächtig nach exakt dem liberalen Konzept der Weltverdunstung. Alle Konflikte aufzulösen, wie dem noch ziemlich jungen Ahmed Ali (hier hat auch das Alter seine Bedeutung) zugeschrieben wird, kann nämlich auch dadurch gelingen, daß man nicht die Konflikte löst, sondern die Kontrahenten "auflöst", indem man ihr Selbstsein auflöst. Ganz so, wie es die heutige "Psychotherapie" also tut. Eine Wirtschaft in die Prosperität zu bringen (wofür als Beleg die aktuellen Wirtschaftsdaten herangezogen werden, also Statistiken) kann auch etwas ganz anderes heißen, als das Aufstehen eines (einen Staat konstituierenden) Volkes zu Weltwirklichung und Lebensfülle. Es kann auch heißen, daß es dem liberalistischen, globalisierten Weltwirtschaftssystem rückhaltlos geöffnet wird. Es kann heißen, daß Lebenstiefe aufgegeben und durch Konsummentalität ersetzt wird.

Daß der VdZ mit seiner Einschätzung nicht ganz in der Luft hängt, zeigen Nachrichten, die belegen, daß es in breiten Teilen der äthiopischen Völker großen Widerstand gegen Abiy gibt. Erst 2018 mußte er einem Putsch durch Militärs zuvorkommen, und große Teile der Armeeführung auswechseln. Ist also da wirklich "Friede im Land"?

Es spricht auch das somit für die Befürchtung, daß Ahmed Ali sein Land lediglich auf den (von London nach Afrika transferierten) liberalistischen Kurs gebracht hat, der auch die europäische Kultur bereits so zersetzt hat, daß man von Kultur in Europa kaum noch sprechen kann (es sind nur noch die musealisierten Ruinenlandschaften, die diese Illusion aufrechthalten). Dafür spricht auch ein weiterer Beleg für die angeblich so wunderbaren Änderungen in Äthiopien, zu denen nicht nur die Ausweitung des "Zugangs zu Bildung" durch exorbitante Ausweitung universitärer Einrichtungen gehört, sondern auch die Nachrichten über die "Gleichstellung der Frau", die so sehr auf der Agenda dieses Absolventen einer Londoner Universität steht, daß er sogar die Hälfte seiner Regierungsmannschaft mit Frauen besetzt hat. Ein Mann, dessen gesamte Herkunft, dessen gesamter Werdegang somit im Zeichen von revolutionären Bewegungen und Gedanken steht, ja dessen Name selbst - Abiy - "Revolution" heißt. 

Ein Mann, dessen religiöse Positionierung von Asfa-Wossen Asserate (der einer Adeligenfamlie entstammt, die den engsten Kreisen um Kaiser Haile-Selassie angehört hatte, dem dennoch der VdZ bei aller Sympathie für dessen Liebe zur Form, nicht unbedingt klaren Blick in Hinsicht auf eine realistische Einschätzung der politischen Gegenwart beimißt) als "am ehesten pfingstlerisch-freikirchlich" bezeichnet, denn welcher Religion er genau angehört, wenn überhaupt, ist nicht klar festzustellen. Was nicht gerade für ihn spricht.

Es spricht also sehr viel dafür, daß wir es bei dem frischgebackenen Friedensnobelpreisträger mit einem nächsten Liberalisten und (rationalistischen) Relativisten zu tun haben, der die Welt glättet, indem er ihre Eigenart und Identität nimmt oder zumindest entwurzelt, und damit zwar kurzfristig Erfolg hat. Aber mittel- und langfristig das schönste Explosionsgemisch anrührt, das dann seine Nachfolger (die dann eigenartigerweise sein "Format" nicht mehr haben werden) und natürlich die Völker Äthiopiens durch Gewalt und Terror ausbaden werden müssen.

Und es steht noch mehr zu befürchten, daß er durch diese Nobelpreisverleihung zum Vorbild gestärkt ein übles Vorzeichen für ganz Afrika an die Wand malt. Dem eine große Zukunft dann vor Augen gestellt wird, wenn es den gleichen Weg der liberalistischen Selbstauslöschung und Anpassung an die rationalistischen, relativistischen Konzepte der Aufklärung geht. Der Konflikte nicht löst, sondern Identitäten auflöst und damit kurzfristig auslöscht. Bis die gottgegebene und -gewollte Lebenskraft der Menschen sich wieder meldet. Wo der Zweck alle Mittel heiligt.

Das ist aber kein Konzept. Das ist lediglich ein Trick aus der Zauberkiste, der für jede Kultur toxisch wirkt, weil er den Menschen durch Wohlstandsversprechung und Scheinpazifizierung zur Seinsschwäche verführt. Und Seinsstärke ist ja nicht gerade das, was Afrika im Übermaß hat. 

Wenn diese Bedenken also zurecht bestehen, ist Abiy Ahmed Ali kein Friedensbringer, sondern ein Agent eines Neokolonialismus, den der Liberalismus seit zweihundert Jahren verbreitet, um dem brutalen Gesetz des Stärkeren jede substantielle Gegenwehr aus dem Weg zu räumen. Und deshalb alle Identitäten, die in ihrem ontologischen Grund noch mehr verschüttet werden, verwischt, um die Oberfläche sauber zu halten. Aber den tiefen Grund ins Irrationale verweist, wo er seine Kräfte sammelt, bis es zum Ausbruch des Vulkans kommt.



*Und der verlinkte Andreas Unterberger ist ein relativistischer Liberaler. Der sich wie so viele Liberale zwar gerne als "konservativ", ja "rechts" ausgibt, aber das nur aus Bequemlichkeit und Denkschwäche tut. Und zum Beleg anführt, daß er "gegen" so viele Mißstände auftritt. Wir haben es schon oft gesagt: Liberale haben die Gesichter von Chamäleons. Sie jammern immer dann und darüber (und deshalb in regelmäßigen Abständen von ein paar Jahrzehnten, wo die Liberalen ihre Positionen neu konstituieren, weshalb liberale Konzepte alle zwanzig Jahre völlig wechseln), und dann treten sie als "konservativ" und "voll Menschenverstand" auf, wenn ihnen die Umstände, die sie selbst zu verantworten haben, auf die Zehen fallen.





Sonntag, 29. Dezember 2019

Aus den dunklen Tiefen der Amazonas-Synoden-Spiritualität

Das Jahresende nötigt ja immer zu einer Rück- wie Vorschau. Da wollen wir nicht zurückstehen, und ein Ereignis, das hier noch nie mit auch nur einem Wort erwähnt wurde, ist dabei die "Amazonas-Synode", die die Kirche wie ein Ausbruch des Popocatepetl um Mitternacht erschüttert hat. Um zu zeigen, welch Erneuerungspotential uns da vor Augen gezaubert wurde, bedienen wir uns neuerlich eines Textes von William M. Briggs, den wir wie immer aus dem Amerikanischen übertragen haben.

Der geschätzte "Statistiker zu den Sternen", Briggs, möge dem VdZ verzeihen, daß der in diesen Tagen so oft und offen von ihm Anleihen übernimmt. Aber warum soll man das Rad neu erfinden, wenn es bereits vor der Türe steht? Und elegantere Auskunft über den Charakter der Synode vermag man kaum zu erhalten, als wenn man sich den "Katakomben-Pakt" ansieht, den führende Synodenvertreter in den Tagen des 21. oder 22. Oktober d. J. in einer geheimnisvollen nächtlichen Zeremonie schlossen. Nun wissen auch wir, werte Leser, Sie und der VdZ, wo der Bartl den Most holt. Noch dazu, wo zu einem zünftigen Jahresrückblick auch immer ein gehöriger Schuß Weißenburger Edelbrands, pardon, schwarzen Humors gehört.

Synodenführer unterzeichnen einen Pakt der extremen Erderwärmung und der dummen Schritte
Übertragung aus dem Amerikanischen von Eberhard J. A. Wagner


Übers Wochenende (Mitte Oktober, Anm.), so erzählt uns Starreporter Edward Pentin, haben führende Männer der Amazonas Synode ein Dokument unterzeichnet, das sich "Katakombenpakt für das normale Heim" nennt. Er ist ein Echo auf ein schon zum Ende des Zweiten Vatikanums unterzeichnetes Dokument, den "Katakombenpakt“. Dieser erste Pakt forderte die Unterzeichner dazu auf, "definitiv die Erscheinung und Realität von Reichen zu verweigern, ganz besonders wenn es um die Art der Kleidung (üppige Materialien, schreiende Farben) und Symbole geht, die aus wertvollen Materialien hergestellt sind (denn diese sollten in Wirklichkeit ja Zeichen evangelischer Armut sein.)

Das erklärt hinlänglich, warum Nonnen seither das Aussehen lesbischer Bibliothekarinnen angenommen, und Priester sich in hautenge Knackarsch-Jeans geworfen haben. Die Liebe zur Schönheit, so die Überlegung dahinter, steht der Liebe zu Gott im Wege.

Wie auch immer, aber weil es von diesem jetzigen Schreiben keinen verfügbaren Text gibt, und wir somit nichts haben außer dem, was auf dem Photo von Pentin erkennbar ist, so habe ich uns den schmerzvollen Dienst erwiesen und die herzhaftesten Stücke daraus entziffert.

Nach der Präambel, die, wie es aussieht, aus der Abteilung "Meilensteine der Spiritualität" stammt, folgen die inhaltlichen Punkte. Die gleich mit einem Feuerwerk starten, denn da heißt es unter
1. Wir verpflichten uns, angesichts der extremen globalen Erwärmung und der Ausbeutung der natürlichen Ressourcen, in unseren angestammten Ländern und mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln den Regenwald des Amazonas zu verteidigen. Von ihm stammt das Geschenk des Wassers für einen großen Teil des südamerikanischen Territoriums, er leistet wesentliche Beiträge zum Kohlendioxydkreislauf sowie zur Regulierung des globalen Klimas, hat eine unübersehbare Biodiversität und eine reiche Sozio-Diversität der Menschheit, und für die ganze Erde.
Moment mal, extreme globale Erwärmung? Weil-zwar-die-Temperaturen-seit-einigen-Jahrzehnten-gar-nicht-wirklich-gestiegen-sind-aber-dennoch-alles-so-schrecklich-ist--mir-aber-auffällt-daß-die-Nachmittage-im-Winter-ein-wenig-wärmer-geworden-sind?

Ist Ihnen außerdem nicht noch etwas aufgefallen? Ist Ihnen nicht der "white supremacism", dieses widerliche Weiße Überlegenheitsgetue aufgefallen? Die Biodiversität wird mit "unübersehbar" bezeichnet, die Diversität der Menschen aber nur mit reich. Für diesen unterschwelligen Rassismus sollten sich die Pakteure aber gehörig schämen.
2. Wir verstehen uns so, daß wir nicht die Eigentümer von Mutter Erde sind, sondern eher ihre Söhne und Töchter ...
Irgendjemand muß da schon wieder die Bibel durch "Gaia's Guide" ersetzt haben. Denn wenn ich die Bibel lese, hört sich das ein wenig anders an.
Dann sprach Gott: "Lasset uns Menschen machen, nach unserem Abbild, uns ähnlich; sie sollen herrschen über des Meeres Fische, über die Vögel des Himmels, über das Vieh, über alle Landtiere und über alle Kriechtiere am Boden.
So schuf Gott den Menschen nach seinem Abbild, nach Gottes Bild schuf er ihn, als Mann und Frau erschuf er sie. Gott segnete sie und sprach zu ihnen: "Seid fruchtbar und mehret euch, füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über des Meeres Fische, die Vögel des Himmels und über alles Getier, das sich auf Erden regt.
Gott sprach weiter: "Seht ich gebe euch alles Grünkraut, das auf der ganzen Erde Samen trägt, und alle Bäume mit samenhaltigen Früchten; dies diene euch als Nahrung. Allem Getier des Feldes und allen Vögeln des Himmels und allen am Boden kriechenden Tieren, in denen Lebenshauch atmet, gebe ich hingegen alles Grünkraut zur Nahrung." Und es geschah so. (Gen. 1, 26-30)
Sicher, als Gott diese Worte gesagt hat, hat er ja noch nichts von dieser extremen Erderwärmung gewußt, also ist er entschuldigt. Aber sind wir das auch?
4. Wir erneuern in unseren Kirchen die bevorzugte Option für die Armen, besonders für die Naturvölker ... und garantieren deren Recht auf Selbstbestimmung ... So helfen wir ihnen, ihre Länder zu bewahren, ihre Kulturen, Sprachen, Geschichten, Identitäten und Spiritualitäten.
Spiritualitäten? Pachamama! Heißt das also nun, daß wir während der Messe die Piranha anbeten sollen? Etwa in der Liturgie der Beißenden Zähne, oder so. Wir müssen "in unserer Aufmerksamkeit wachsen", daß diese Spiritualitäten "respektiert werden" und so sicherstellen, "daß sie im Weltkonzert der Völker und Kulturen als gleichberechtigt aufgenommen werden.
(Geschätzter Leser, nachdem ich den letzten Satz getippt habe, mußte ich erst einmal meine Finger mit Säure reinigen, um den klebrigen Zucker wieder loszuwerden.)

Nummer 5: “aufgeben ... alle Arten von kolonialer Geste und Mentalität". Außer, und da stimmen wir sicher überein, wenn es darum geht, allen Völkern die ruhmreichen Ziele der Diversität, Gleichheit und all die anderen noblen SJW(=Social Justice Warrior)-Ziele aufzudrücken.

Mein Favorit ist freilich #8. "Ökumenisch voranschreiten", was natürlich ein dummes Schreiten ist, denn es würde von uns verlangen, daß wir ein wenig bummeln zu gehen "in der Inkulturation und befreienden Verkündigung des Evangeliums mit anderen Religionen und Menschen die guten Willens sind, in Solidarität mit originalen Völkern ..." Unoriginale Völker dazu gezwungen.
Um eine besonnene Bemerkung einzuwerfen, was in diesen Tagen fast unmöglich ist, möchte ich wiederholen, daß die, die sich weigern "Das ist richtig und das ist falsch" sich denen zu beugen haben, die wollen.

Nummer 9: Einen "synodalen Lebensstil zu leben". Was - der Begriff ist nirgendwo definiert - ein Lebensstil sein muß, der sich jeder Laune und Mode unterwirft, um zu verhindern, daß er durchschnittlich aussieht. 

Am ausgefallensten aber ist die letzte abgeschossene Kugel, die #15 des Pakts. In ihm werden wir ermahnt, die Rechte von "Migranten" und "Flüchtlingen" zu achten. 

Also was nun? Sollen wir nun die Rechte der Originalvölker achten, oder die der neu hinzukommenden "Migranten" und "Flüchtlinge"? Wer hat jetzt mehr Rechte? Oder wird von bestimmten Völkern - und wir wissen natürlich, welche das sind - nie angenommen, daß sie originale Völker sind? Muß man also deren Spiritualität nicht respektieren?

Wie auch immer, vergessen wir das alles. Und stimmen wir darin überein, wie dieses höchst spirituelle Dokument verlangt (#14), wo immer es uns möglich ist, "öffentliche Transportmittel" zu benützen.




Wie gesagt: Schlechte Bischöfe.

Der Staat New York hat nun definitiv ein Gesetz erlassen, das die Abtreibung bis zum Zeitpunkt der Geburt gestattet. Viele Staaten werden folgen oder sind bereits gefolgt, basiert dieses Gesetz doch auf einem höchstrichterlichen Entscheid vom Vorjahr, der in diese Richtung weist. Hinkünftig werden im Kreißsaal Arzt und Mutter diskutieren, ob das Kind (lebend) geboren werden soll oder nicht. So lange muß der Arzt das Kind medizinisch bestens versorgen. Fällt die Entscheidung "nein", wird es getötet.

In diesem TV-Interview mit dem Kardinal von New York, Erzbischof Timothy Dolan, offenbart sich die ganze Inferiorität der Kirche in diesen Vorgängen. Wo Dolan, ein Kardinal, auf die Frage, ob der Gouverneur von New York, Andrew Cuomo, nun nicht exkommuniziert werden sollte, allen Ernstes sinngemäß mit der Feststellung antwortet, daß er nichts davon halte. Denn eine Exkommunikation sei kirchenrechtlich eine interne Disziplinierungsmaßnahme, habe aber keine öffentliche Wirkung. Man müßte mit dem Gouverneur reden, und das habe sicher schon jemand gemacht. Dolan sieht sich also nicht einmal als oberste Instanz, die dafür zuständig sei, dies in der Öffentlichkeit klarzustellen! Cuomo habe sich ohnehin seit längerem einen Spaß daraus gemacht, der Kirche öffentlich zu widersprechen, und stolz Gesetze etabliert, die der Lehre der Kirche widersprechen. Das habe ihm schon viel Applaus in den Medien gebracht, und vor allem Stimmen bei den Wahlen.

Dabei kennt Dolan das Kirchengesetz scheinbar gar nicht. Denn jede (!) Abtreibung (oder die Beteiligung daran, auch die Gutheißung etc. fällt also darunter) bedeutet (nicht: führt zu", sondern: "bedeutet in dem Moment") eine dermaßen gravierende Abwendung von Gott, daß sie "ipso facto" eine Exkommunikation darstellt. Der New Yorker Gouverneur, der sich als Katholik bezeichnet, ist also ohnehin bereits exkommuniziert, das heißt nicht mehr aktiver Teil der Kirche und vom Heil ausgeschlossen. Dies in einem Akt festzustellen ist also primär gar keine Setzung, sondern die Feststellung eines bereits bestehenden Zustands.

Und zwar nicht erst jetzt, wo die Sache für den Geschmack vieler "allzu sichtbar" wird. Ein Kind, voll überlebensfähig, wird getötet, weil es den Eltern nun doch nicht paßt. Alleine, was das für perverse Situationen heraufbeschwört, denn per Gesetz ist ein Kind ab dem Moment, wo es den Mutterbauch verlassen hat, Person mit allen Rechten und vom Gesetz voll geschützt.  Was, wenn das Kind noch lebt, nachdem versucht wurde, es zu töten? Man weiß von bisherigen Abtreibungen, daß es oft genug der Fall ist. Es liegen viele Berichte vor, die davon berichten, daß aus dem Leib geholte Kinder abgelegt und "sterben gelassen" werden. Wird es nun wiederbelebt?

Dennoch läge es in der dringenden Pflicht der Kirche, dies öffentlich zu verkünden, zumal die Dimension dieser Todsünde als Gesetzgeber öffentlich ist. Und zwar nicht einfach aus Gründen der Öffentlichkeitsarbeit, sondern als definitiven Akt, der allen Katholiken klar macht, daß dieser Mann nicht mehr lebender Teil der Kirche ist und Ächtung und Ausstoßung als öffentliche Haltung auf sich gezogen hat. Hier noch von "Dialog" oder "Pastoraler Klugheit" zu reden ist dermaßen absurd, daß es einem den Atem raubt. Der Instinkt der Menschen, die dies als notwendigen Schritt der Kirche sehen (selbst wenn sie vorgeben, davon wenig zu halten) hat also einmal mehr völlig Recht. Und es wäre pastoral gehandelt, dies dem Gouverneur klar zu machen, und hätte ihm wohl schon früher mehrmals klargemacht werden sollen. Denn Straflosigkeit bringt Keckheit, Keckheit aber Ausschweifung.

Stattdessen liefert Dolan diesen ganzen Sermon an aufgeweichtem Gehirnnebel, wie wir ihn vom deutschen "Beratungsschein" und den österreichischen offiziellen kirchlichen Lebensschützern der Aktion Leben* kennen (und wie sie von der Lehre eindeutig abgelehnt wird). Natürlich muß man sich um die Mütter und Kinder kümmern, keine Frage, aber das ist nicht ausreichend, die Sache geht viel weiter und tiefer. Niemals kann die Kirche eine Abtreibung schulterzuckend zur Kenntnis nehmen, sich die Hände in Unschuld waschen und sagen: Gut, gehen wir zum nächsten Fall, um des Friedens willen müssen wir diese Kompromisse eben ertragen. Da verrutschen so manche Stufen der Hierarchie von Gütern! Stattdessen gibt Dolan zu bedenken, daß eine späte Abtreibung für Frauen immer gefährlicher wird. Na wenn das mal kein Argument ist ...**

Der Demokrat Cuomo*** hat einfach ständig weiter provoziert. Seit Jahren. Es bringt ihm auch diesmal viele Stimmen bei liberalen Linken. Aber immer noch nicht ist der Krug zersprungen, mit dem er Wasser holt. Die Kirche war so "pastoral". Nun hat er also noch einen draufgelegt. Das gibt es ja nicht, irgendwann muß doch die Klatsche zuschlagen?

Ein energisches Einschreiten in einem öffentlichen Akt hätte vermutlich schon längst ihm, auf jeden Fall aber vielen Katholiken klargemacht, daß die Kirche eine ernste Sache ist. Klargemacht, daß die Lehre der Kirche unverändert ist, daß Abtreibung unter keinen Umständen zulässig und klug ist, und zur Selbstausschließung aus der Kirche führt. Die Kirche ist eben keine reine Privatsache.






*In Österreich vertritt (anders als in Deutschland) nur die (inoffizielle) "Pro Life"-Bewegung die kirchliche Position zur Abtreibung, nicht die von der Bischofskonferenz (sic!) geförderte "Aktion Leben".

**Es zeigt nur einmal mehr, gewissermaßen als "Bonus", wie gelogen und geheuchelt die Behauptung ist, daß die Legalisierung der Abtreibung der Gesundheit der Frau diene. Wobei man unabhängig von den Folgen fürs Seelenheil die schweren psychischen, also gesundheitlichen, und sozialen Folgen für Frauen ohnehin schon längst verschweigt, oder gar als "Haßrede" abkanzelt.

***Zur Erinnerung: Das ist jener Weltretter, der nun New York zur Klimarettungshauptstadt der Welt umwandeln will, um das Leben auf diesem Planeten zu retten. Jaja, da muß man schon manche schwere Entscheidung treffen. Wie sagte SS-Himmler, der auch die Welt retten wollte, in einer legendären Ansprache in Posen 1943? "Wir wissen, was es heißt, wenn hundert Leichen daliegen. Wenn fünfhundert daliegen, und wenn tausend daliegen. Aber das durchgehalten zu haben, und dabei anständig geblieben zu sein ... ist ein Ruhmesblatt." Das schwere Kapitel zu bewältigen kann eben nur der Mensch der neuen Ordnung.






Samstag, 28. Dezember 2019

Ein hoffnungsvolles Wort zum Zustand der Böden (2)

Teil 2) Neulich in Bayern


Kalb - Mutterkuhhaltung in Utting am Ammersee
In Bayern, namentlich in der Gegend um den Ammersee, wo er sich häufiger aufhält, fand der VdZ übrigens Bewirtschaftungsmodelle, wie er sie nur aus "vorbildlichen" Projekten kennt, die in US-Videos als solche vorgestellt werden, und dort offenbar noch selten sind. Auf den Photos hier sieht man einen offenbar recht erfolgreich auch in der Ab-Hof-Vermarktung tätigen Landwirt, der Kühe und Hühner in Wechselbewirtschaftung auf ein und demselben Feld hält.

Die Eier schmecken vorzüglich und sind über einen Selbstbedienungsautomat, der in einer kleinen Verkaufshütte an der Straße steht, leicht zu erwerben. Nachdem der Stand häufig ausverkauft ist, scheint das Publikum dieses Angebot gut anzunehmen. Angeblich ist nun ein weiterer Apparat mit einer Milchabfüllung geplant. Fleisch wird vom selben Bauern über Flugblattaktionen angeboten, sobald geschlachtet wird. Einziger Nachteil: Ohne vorausgesetzte allgemeine Auto-Mobilität würde dieses Konzept nicht funktionieren. Dafür hatte man eben die Märkte, dafür hat man eben die kleinen Läden direkt im Ort. Diese Stufe und damit ein ganzer Lebensraum, wird bei solch einem Wirtschaften aber übersprungen und ausgetrocknet.

Letztlich ist es somit ein fast zynisches Spiel mit einer Verwurzelungssimulation, die gar nicht mehr wirklich Verwurzelung ist. Die dort anfängt, wo man zu Fuß hingehen kann. Diesen Schritt kann man nie (sic!) überspringen, um mit dem nächsten zu beginnen.

Noch schlimmer wird es freilich in Fällen wie jenem, dem VdZ bekannten, wo der Mann mit dem Range Rover alle zwei Wochen fünfzehn Kilometer zum Betreiber einer abgelegenen Straußenfarm (sic!) fährt, weil das Straußenfleisch angeblich so gesund (und wohlschmeckend) sei. "Ich habe schon drei Kilo abgenommen," meinte er stolz. Der sich natürlich für bodenständig hält, weil der Farmbesitzer sogar den Schinken selber selcht.

Oder wie der Globetrotter, auch der dem VdZ bekannt, der sich in einem Dorf die mittlerweile aufgegebene Gaststätte kaufte und dort nun internationale Spezialitäten - natürlich alles selbst hergestellt - samt italienischen und französischen Feinschmeckerweinen (diese Woche im Angebot! Ein Achterl Chateau de Beufcacque, Loiregebiet, Jahrgang 2013, um zweisiebzig!) anbietet. Und seine Kunden von weither kommen, um im ästhetisiert-weltoffenen Ambiente Linksintellektueller, mit abstrakter Kunst an den Wänden und einer Jazzbühne im Stadel, die "Urigkeit" (=Verwurzeltheit) eines selbstgemachten Ingwertees zu genießen. Ob die Bewohner des Bauerndorfes auch zum illustren Gästekreis zählen hat der VdZ gar nicht mehr nachgefragt.

Professionell und vernünftig -
Kloster Sankt Ottilien i. Bayern
Daß aber Formen vernünftiger Bewirtschaftung und Verwurzelung keine Unmöglichkeit sind, beweist der nicht weit von dieser Weide befindliche, sehr große und vielseitige Landwirtschaftsbetrieb der Benediktiner Abtei Sankt Ottilien, unweit von Schondorf am Ammersee.

Das damit wie immer noch viele Benediktinerklöster in der eigentlichen Tradition des Ordens steht, wie sie von Anfang an in diesem Prinzip des "ora et labora" die europäische Kultur aufrichteten. Nicht "halfen" oder "beitrugen", sondern aufrichteten. Denn sie haben die Menschen sowohl die Arbeit als auch das Wissen und sinnvolle technische Methoden gelehrt. Erstmals wurde Arbeitsteiligkeit als Element eines organischen Lebensumfelds begriffen. Und so das Leben zur Kultur gesteigert, nicht als bloße Bedürfnisbefriedigung im Kot der kurzfristigen Notwendigkeiten liegen gelassen. Aus einer Lästigkeit, die man bei den germanischen Völkern ebenso wie in der gesamten Antike besser anderen überließ, wurde so ein Lobpreis. Dieser war es erst, der Europa zu dem machte, was es einmal gewesen, und an das wir uns heute bestenfalls noch erinnern können.

Das enorm breitgefächerte, saisonal abgestimmte Angebot des benediktinischen Betriebes, das teilweise sogar (selbst) finalverarbeitete Ware (Würste, Säfte, etc.) enthält, wird über einen eigenen Hofladen auch direkt an Endverbraucher verkauft. Und das in einer Qualität, die die wenigen Kilometer Anfahrt (einziger Wermutstropfen) für die Bewohner der umgebenden Ortschaften lohnend machen. Das Etikett "biologisch" oder "bio" fehlt hier meist sogar, es ist gar nicht notwendig. Und ist häufig ohnehin nur Marktzwängen zu verdanken, trägt zur Information selbst wenig bei, sondern verheißt lediglich schmackhaftere Produkte.

Denn auch die Qualität der Böden dürfte weitgehend in diesen Regionen noch besser sein. Dunkle Tschernosen-Böden, deren empfindliche Narbe auch im Winter durch zurückgebliebenes Stroh oder Zwischensaaten geschützt und vital blieb, sind häufig. Der Anteil an ausgelaugten Podsol-Böden, wie er für gerade gerodete Wälder ebenfalls oft typisch ist (die Vitalschichte fertiler Erde muß vom Menschen gepflegt, wenn nicht sogar geschaffen werden), scheint zumindest in den topographisch kleinstrukturierten Alpen- und Voralpenregionen wieder zurückzugehen.

Auch wenn man es den Bauern immer schwerer macht, ja es wirklich so aussieht, als legte man es darauf an, auch die Lebensmittelproduktion aus Europa zur Gänze zu verbannen und auf Zulieferungen aus allen Teilen der Welt zu bauen.





Mitten in der Barbarei angelangt

Es ist letztlich gar nicht überraschend, dennoch schockiert es, wenn man davon hört: Ein Richter in Großbritannien hat im Oktober 2019 angeordnet, daß einer jungen Frau, die schwanger war, auch gegen ihren Willen das Kind durch Abtreibung genommen wird. Die Frau hatte das Kind, mit dem sie in der 12. Woche schwanger war, behalten wollen. Ärzte hatten daraufhin das Gericht bemüht. Und eine Zwangsabtreibung mit der Begründung verlangt, daß die Mittzwanzigerin geistig auf dem Stand eines Kleinkindes sei. Aber ein Mensch in dieser geistigen Verfassung könne so eine Entscheidung gar nicht treffen.

Nötigenfalls, so der Richter, hätten die Ärzte auch das Recht, die Frau voll zu narkotisieren, sollte sie sich weiterhin weigern.

Dieses Urteil ist insofern überraschend, als erst im Juni 2019 ein ähnliches Gerichtsurteil durch das Höchstgericht aufgehoben worden war. Auch hier hatte ein erstinstanzlicher Richter einer Frau in der damals sogar 22. Schwangerschaftswoche eine Zwangsabtreibung verordnet. Der Grund war derselbe: Sie sei geistig auf dem Stand eines Kleinkindes. Daraufhin war ein Aufschrei durch die Medien gegangen. Diese Praxis erinnere an schlimmste historische Zeiten! Was spreche da noch gegen übelste Eugenik? Daraufhin hatte die Politik versprochen, das Gesetz "zu reparieren". Wie man sieht, ist das nicht geschehen.

Die britische SPUC (Society for Protection of Unborn Children) weist neben dieser in England bedeutenden Tatsache eines einmal bereits ergangenen Urteils* aber noch auf etwas hin. Neben der verabscheuenswürdigen Barbarei, die aus diesem Gerichtsurteil spricht, öffnet dieses Gerichtsurteil dem schrecklichsten Mißbrauch solcher unmündiger Frauen Tür und Tor. Denn wenn das Gericht meint, einer Frau das Kind durch Tötung nehmen zu dürfen, weil sie geistig "auf dem Stand eines Kleinkindes" sei, sie also einer Geburt gar nicht "zustimmen" könne, dann sei diese Person doch auch unfähig gewesen, die Zustimmung zum Sex zu geben. Damit war der Geschlechtsverkehr mit ihr eindeutig Mißbrauch. Denn genau so wird ja bei Kindesmißbrauch argumentiert. Wo bleibe hier aber die Verfolgung des Täters? Im Gegenteil, nun sei es ihm sogar noch möglich, das Kind, das aus dem sexuellen Verkehr hervorgeht, der selber bereits ohne Zustimmung der Frau erfolgt sein müsse, nun auch gegen deren Willen und sogar gewaltsam abtreiben zu lassen. 





*Zum besseren Verständnis der Bedeutung eines einmal ergangenen Gerichtsurteils im anglo-amerikanischen Raum, also auch der Aufhebung des ersten diesbezüglichen Urteils s.o., sollte der Leser wissen, daß dort eine andere Rechtsauffassung als in unseren Ländern herrscht. In diesen Ländern haben wir eine "Fallgesetzgebung". Das heißt, daß ein Urteil automatisch auch insofern Gesetz wird, als spätere gleichgeartete Fälle daran gemessen werden. Der Richter schafft also in diesen Ländern (weit mehr als bei uns, wo bereits ergangene Urteile nicht mehr als Richtlinien mit eher Empfehlungscharakter - wenn auch nicht ohne Bedeutung - sind) mit jedem Urteil auch Recht, und sogar Verhaltensnormen.

Das hat mit einer anderen Bewertung der Lebenspraxis als Normenbezugspunkt zu tun, als bei uns der Fall ist, und ist ein "faktisches Gewohnheitsrecht" oder "Praxisrecht". Das faktische Leben, die Gewohnheit gibt vor, was Recht ist. Es wird nicht nach ewiger Gerechtigkeit dabei gefragt. 

Wie es sich angeblich in der "Magna Charta" aus dem 14. Jahrhundert ausdrückte, wird mancher sagen. Aber das ist ein falscher Mythos. Denn zwar wird diese oft eine "Bürgerrechtscharta" geheißen, doch war sie das nie. Weil sie zwar das Königsrecht und damit royale Willkür einschränkte, doch damit dem Volk auch jede Gerechtigkeitsidee bei der Rechtssprechung nahm. Vor allem, weil es damals auch auf diesem Wege die faktische Stellung der Kirche schwächte. Und nun die Rechtsentstehung mehr in die Hände des Adels gelegt wurde. Der hatte die Magna Charta ja vom König durch Beistandsverweigerung erpreßt, um ihn dem Adel - und so auch dem Volk - gegenüber zu schwächen. (Eine komplexe Entwicklung, die am Kontinent in den katholischen Gebieten schließlich anders, nämlich zentralistischer ablief. Preußen-Deutschland ist dabei aber ein Sonderfall.)

Nun: Dieses System hat Stärken und Schwächen. Aber irdische Rechtssysteme sind nie fehlerlos. Denn zwar richtet sich unser Rechtssystem im Prinzip an Göttlichem Recht als Quelle aus, in der Praxis mischen sich aber die Systeme. Umso wichtiger sind Absichten. Wie bei uns die explizite Verpflichtung, über dem bloßen Gesetzesrecht den göttlichen Willen zu suchen (deshalb die Kreuze in den Gerichtssälen!).

In der Praxis war es auch in England und den USA nicht ohne Bedeutung, wird nur neuerdings sehr heftig als unzulässige Vermischung von Religion und Staat diskutiert. Während das bei uns umgekehrt ist, unser Recht immer mehr auf ein Verfahrensrecht ohne inhaltliche Relevanz umgewandelt wird. Womit die Gerechtigkeitsidee, die dann stark vom Richter abhängt, verdunstet, weil letztlich an den oberen Instanzen zerschellt, die diese neue Rechtsauffassung immer mehr etabliert haben.

Umso wichtiger sind die heute aber kaum noch bestehenden Sonderwege und -instanzen, wie das Gnadenrecht des Königs, sein Recht einen Fall an sich zu ziehen, um Sonderfälle oder offene Fehlurteile korrigieren zu können. Oder man denke überhaupt an uraltes Recht wie dieses, daß einen zum Tode Verurteilten das Versprechen, eine Prostituierte zu heiraten, diesen vom Galgen rettete. 

Ein Anklang anderer Art findet sich noch im schwedischen "Ombudsmann". Oder man denke an den "Volkstribun" bei den Römern. Ob es solche Stellung "über dem gesetzten Recht" auch im anglo-amerikanischen Fallgesetz gibt, ist dem VdZ aber nicht bekannt.

Dort ist das Recht an sich auf jeden Fall "menschlich-faktischer", wird also pragmatischer beziehungsweise positivistischer, zufälliger sozusagen, weniger "göttlich" gesehen. Eine Rechtsauffassung, die sich allerdings auch bei uns mehr und mehr etabliert. Vielleicht hat das schon rein damit zu tun, daß wir alle bereits mit amerikanischen Filmen aufgewachsen sind. Denn in Filmen, in denen Recht und Gericht vorkommt, hört man ständig solche Bezüge auf Urteile und Fälle.

Bereits jetzt sehen sich die Höchstrichter aber auch bei uns nicht mehr als Wächter "des Rechts an sich" (mit dem Ideal einer absoluten Gerechtigkeit in Gott, dem Schöpfer allen Rechts, das nämlich im Naturrecht wurzelt, darauf baut unser gesamtes Recht auf!), sondern als bloße Wächter der faktischen Rechtsvollzüge (Abläufe, Rechtswege, Vorschriftentreue, etc.), ohne jeden Bezug auf die inhaltliche Relevanz. Es wird also nicht mehr nach dem Sinn von (bestimmten) Gesetzen gefragt - "Wie haben die Gesetzgeber es gemeint?", "In welcher historischen Situation fand die Gesetzeserstellung statt?" usw. - sondern davon ausgegangen, daß ihre Reichweite in der faktischen Sprachfassung ausreichend definiert ist. 

Damit wird aber Recht zum Sophismus und zur Rechts- und Vorschriftentechnik. Auch das kennen wir aus amerikanischen Filmen. So hat zum Beispiel das Oberste Gericht in Österreich die Einführung der "Ehe für alle" mit der Begründung durchgesetzt, daß es gegen den Gleichheitsgrundsatz verstoße. Wie "Ehe" im Gesetz überhaupt gemeint war, nämlich als dauerhafte Verbindung von Mann und Frau mit dem Zweck der Nachkommenschaft, war für ihn ohne Belang. Das ist für eine Gesellschaft, die wie die unsere letztlich immer noch auf Religion als Basis des Staates basiert, ein ganz ernsthaftes Problem, und gründet den Staat regelrecht um: Auf eine atheistische Verfaßtheit wie in den USA, diesem ersten säkulären Staat der Weltgeschichte, der die Religion zum öffentlich Irrelevanten marginalisierte.





Freitag, 27. Dezember 2019

Unvergeßliche Weihnachten

Ein deutscher Soldat erinnert sich an Weihnachten im Kessel von Stalingrad 1942. Wer das erlebt hat, brauchte später keine Päckchen mehr, keine Geschenke. Es genügte sich darüber zu freuen, daß man lebte. 

Es geht bei Weihnachten tatsächlich um eine kulturelle Errungenschaft höchsten Ranges. Vergessen wir alle Sentimentalität, die im Grunde aus einem Mangel in der Erlebensfähigkeit stammt, weil sie ein künstliches Theater ist, das man sich selbst (und anderen) vorspielt. Es geht um eine tief im Wesen des Menschen verankerte Geschütztheit und Geborgenheit, in der das zutiefst Innere des Menschen einige Stunden, einige Tage lang etwas wie den Himmel erfahren kann, nach dem sich der Mensch in diesem "Tal der Tränen" (vallis lacrimosa) so sehnt. Und damit zeigt, daß es um weit mehr geht als um etwas, das in dieser Welt, aus ihr heraus, möglich wäre. Würde man nicht Heilige Zeiten ausrufen, die sich wie ein Glassturz über alles stülpt, und das Recht verleiht, alles Leid und alle Sorge draußen zu lassen. Sogar im Gefechtsgeländer von Stalingrad.

Aber ist nicht dieses "Leben" weltimmanent, also der Welt zugehörig? Nein, eben nicht. Leben ist nicht einfach nur ein Geschenk, es ist ein Geschenk aus dem Jenseits, aus dem Himmlischen, es ist ein Geschenk Gottes, der das Leben selbst sogar ist. Wenn sich also ein Mensch darüber freut, zu leben, so freut er sich an einer Übernatürlichkeit, freut er sich an seinem Herkommen aus der geistigen Welt. Wir sehnen uns also nicht einfach an "Leben" als irdisches Fortexistieren, fressen, saufen, sich's wohlsein lassen. Wir sehnen uns nach der Ewigkeit des Lebens, also seiner jenseitigen Herkunft als Gabe, auf daß sie so ewig dauern möge, wie es sich so richtig "anfühlt" - im Leben selbst gehören wir zum Himmel. Wozu wir es verwenden ist ein ganz anderes Problem.

Dieser Himmel ist eine innere Qualität, und der Leser kennt vielleicht noch selber die Zeiten oder Menschen, die sie erlebt haben, die das erfahren haben, und erfahren haben, daß es von Gütern und Besitz völlig unabhängig, ja diesen übergeordnet ist.

Die kulturelle Leistung ist, diesen Respekt vor diesen geheiligten Tagen sogar weltweit wenigstens so halbwegs etabliert zu haben. Und er ging vom realen, historischen Erleben der Geburt des menschgewordenen Gottes Jesus Christus aus, dessen Ankunft die Gründung dieses Reiches Gottes auf Erden bedeutet, dem jeder beitreten kann, der "guten Willens" ist. Ausgehend von jenem Tag, an dem Gott, das Leben, in die Welt kam, als Mensch, der das Leben in der Welt (aber nicht von der Welt) ansässig machte. Und dieser himmlische Friede soll sich fortan auch über die Erde ausbreiten, das ist die Folge der Geburt Christi. Nicht als Lüge, nicht als Täuschung, sondern als Angeld auf den Himmel, dem wir durch die Zugehörigkeit zu Christus zugeschrieben sind.

Nicht als Utopie. Diese Welt ist irdisch gesehen nicht zu "retten". Sondern als Eintauchen der umgebenden Welt in einen dem Himmel angenäherten Zustand feiert die Christenheit Weihnachten. Und dieses christliche Fest in seinen Äußerungen hat sich rasch über die gesamte Welt ausgebreitet. Es bringt etwas zur Realität, wie jedes Fest, das am Ende steht, aber vor allem am Anfang, und auf das man in der Feier vorgreift. Weihnachten begründet so erst als Fest das wirkliche Menschsein auf Erden. Und weil man Mensch zuerst ist, weil man der Menschheit angehört, und um das zu sein immer Teil einer Gemeinschaft, einer Familie, eines Volkes sein muß, ist Weihnachten das Fest einer Kultur. 

Deshalb schenken wir, deshalb geben wir. Wir verdanken uns der Gemeinschaft, die uns vorausgeht, auf die wir hingeordnet sind, und die wir mit anderen teilen, die desselben guten Willens sind. Und deshalb ist jedem zu gönnen, Weihnachten satt und erquickt zu werden. Meinetwegen, einige Tage lang darf hier ein bißchen geflunkert, die Zukunft gespielt werden, das Ewige, Zeitlose dominieren, als wäre es schon dauerhaft hier. So ist Weihnachten (und jedes Fest) auch ein Stück weit außerhalb der Zeit.

Es sind die Feste, die eine Kultur begründen, und es sind die Feste, die die Fundamente je und je neu beleben. Damit das menschliche Leben in allen lärmenden, fesselnden Zufälligkeiten der Ereignisse seinen eigentlichen Sinn nicht verliert. Und jeder wieder neu den Atem des Wirklichen in seine Lungen bekommt.

Vielleicht geht es auch Ihnen, werter Leser so, vielleicht kennt er auch das Daseinsgefühl des VdZ, das ihn seit dessen Kindheit nicht verlassen hat: Daß das Leben ein sehnsüchtiges Hoffen von Weihnachten zum nächsten Weihnachten ist. Denn alle übrige Jahreszeit ist ein Hinaustretenmüssen in den Krieg, den Welt bedeutet.