Treibgut - Wo am breiten Strome die Ufer stehen, sind Schwarzerlensamen aufgegangen, und schäumen als saftige Büsche die Ränder der großen Lethe, die alles ins Dunkele Meer trägt; ihre weichen Äste, die noch nicht ahnen lassen, welcher später als kahler Stamm reife Blätter hoch in der Sonne wiegen wird, tauchen in die Wasser, wie Kinderhände. Dann und wann greifen sie, denen alles noch ernstes Spiel ist, nach Treibgut. Oder es bleibt hängen, lädt zum Tanze, haucht im Kusse Lebwohl
Es mehren sich die Studien, die belegen, daß die Verabreichung von Pfizer-Biontec-Impfstoff gegen Covid 19 die Zahl der Spermien (deutlich) reduziert. (Bei Männern, man muß das wohl heute schon dazusagen.) Die Studie hätte man sich ersparen können, hätte man mich befragt. Denn es liegt auf der Hand, daß auch die zweite Wirkung, die auf das Immunsystem, mit dem Quellgrund der Zeugungsfähigkeit zusammenhängt - dem Willen, die Welt zu prägen, und sich nicht von ihr überwältigen zu lassen. Das heißt: Ein gutes Immunsystem ist derselben Ursache zuzuschreiben wie die Lust und die Fähigkeit, sich zu vermehren.
Das haben aber die Politiker bis heute nicht begriffen, und meinen, es hinge mit dem Geld zusammen, das man "Familien" in den Arsch bläst. Was im übrigen nie und nirgendwo funktinoert hat, im Gegenteil, die Masse an pekuniären Fördermaßnahmen und eine darauf folgender Rückgang der Fertilität bei Paaren stehen in direktem Zusammenhang.
Mit vollen Hosen ist gut stinken. Dieses Sprichwort ist für Harald Schmidt anzuwenden. Der nun "im Alter", und außerhalb des eigentlichen Show-Business jene angenehme, ruhige Distanziertheit und Selbstironie zeigt, die wie beim Baby feine Rundumernährung und Sicherheit zeigt.
Außerhalb? Nein, er nimmt nun einfach die Rolle des Balkonkommentators ein, der jede Freiheit hat, weil er in keine Notwendigkeit mehr eingespannt ist. Schmidt sagt selbst, daß er seine ganze Existenz, von der Geburt bis zum Grab, als Show ansieht. Er spielt immer eine Rolle, was im übrigen auf seine ursprüngliche Profession des Schauspielers hinweist. (Deshalb haben wir es auch hier in den Titel eines Theaterabend gestellt.)
Und nichts sonst tut er auch. Gesättigt von viel Erfolg. Was in diesem speziellen Fall einfach heißt, daß er seinen Platz im öffentlichen Theater gefunden hat, und das alleine ist ein, ja DER Lebenserfolg für jeden Menschen. Weil sie eine Art vollkommenen Zustand der Identität bedeutet, die man nicht mehr ständig behaupten muß, die gewissermaßen in die Grammatik des Gesellschaftlichen bereits eingeschrieben ist.
Das zeigt sich auch in der distanzierten Lockerheit, in der er über handwerkliche Details spricht. Die zeigt, daß er nichts (mehr) zu befürchten hat. Für Kollegen oder Insider ist er da durchaus Vorbild, von dem man lernen kann. Das einen aber auch in vielerlei Hinsicht beruhigt. Denn gerade in diesem Gewerbe - Bühne, Öffentlichkeit - wird man rasch von Ansprüchen geplagt, die nie zu erfüllen sind, die es auch gar nicht zu erfüllen gibt. Sodaß man sich gleich mal als "dilettantisch" vorkommt, bis man draufkommt, daß ohnehin alle mit Wasser kochen, und in der gesamten Branche kaum jemand kein Dilettant ist. Dessen Professionalität nur darin besteht, diesen Dilettantismus, diese Selbstunsicherheit möglichst gut zu verbergen.
Schmidts Nonchalance zeigt vor allem aber eines: Sie ist jene Maske einer Rolle, die verhindert, daß die wirklichen, tieferen Ansichten sichtbar werden. Und dazu hat er eine Maske gewählt, die jederzeitigen Rückzug ermöglicht, sobald es ernst, existentiell werden sollte. Das zeigt sich schon darin, daß er sich selbst als Reaktionär sähe, hätte er - eigener Aussage nach -
die dafür notwendige Bildung (womit er den Nagel ziemlich auf den Kopf
trifft.) Mit solchen Tricks nimmt er sich aus jeder Schußlinie. "Ich halte mich nicht mit Denken auf, ich haue einfach raus. Ich bin nicht schnell im Kopf, ich bin nur schnell mit der Zunge."
Und ein wenig kann man tatsächlich davon lernen. Denn Reife heißt vor allem auch, daß man sich zu sich selbst distanziert verhalten können sollte, weil vor allem sich selber nicht zu ernst nehmen darf. Sonst wird man ungenießbar, aber um nichts wahrer. Fortiter in res - suaviter in modo, nannten das die Römer. Hart in der Sache, aber weich in der Art. Schmidt geht es halt um nichts, und er bekennt sich dazu, und das ist nicht nur für einen Schauspieler, der ja gar keine figurale Weltsubstanz hat, der also nicht "dem Publikum" zugehört, gut so. Er hat genug verdient, hat eine sichere Existenz, muß nichts Irdisches fürchten, und kann sein verbleibendes Leben nur noch genießen. Das heißt: Endlich ganz und unbekümmert als Spiel spielen, was er als "Rolle Harald Schmidt" gefunden hat. (Was ihn fürs Schauspiel längst untauglich gemacht hat.)
Immerhin sieht er vieles recht richtig. So, wenn er in dem nämlichen ORF-Interview, auf das das Gespräch mehrfach Bezug nimmt, sagt, daß eine Sendung wie sein "Latenight-Talk" heute nach einer Woche wegen ständiger Verstöße gegen die political correctness nach spätestens einer Woche eingestellt würde. Da müßte es die Interviewer eigentlich gerissen haben.
Es läßt sich doch auch so mancher Gedanke herauspicken, wir wollen es aber nicht überziehen. Einer der Höhepunkte sind Schmidts Schilderungen über den Tourismus, den er durch sein Traumschiff-Engagement sehr hautnah erlebt. "Es ist überall auf der Welt so voll, Herrschaften, bleiben Sie zu Hause!" Erleben, sehen, genießen kann man kaum noch etwas.
Fast schon großartig seine Erzählung über seine Anfänge am Theater in Augsburg. Wo er jahrelang nur "Scheiße" gespielt hat, und unbedingt weg wollte. Denn er wollte in diesem Getriebe nicht aufgehen, hatte das Gefühl, daß das nur Teil seiner Biographie sein wird, die aber anders aussehen wird. Er kam weg, indem er sich dem Journalismus zuwandte. Was zwar in der Form nicht gelang, aber die Distanz zum "Kunstgeschehen auf der Bühne" festigte sich. So daß er mehr und mehr seine eigene Rolle schrieb. Und das Glück hatte, daß er damit durchkam. Heute erlebt er, wie diese Phase seines Lebens hervorragend eignet, romantisiert zu werden. Weil er sich in der öffentlichen Meinung schon an den Rand der Verklärung geschoben hat. "Wenn ich wissen will, wie mein Leben läuft, gehe ich heute zu Wikipedia, um nachzusehen." Ein Reaktionär aber weiß, wovon da die Rede ist.
Eineinhalb entspannte Stunden, das bietet dieses Gespräch, das die Augsburger Zeitung mit ihm im Juli 2019 veranstaltet hat und das man nicht zu ernst nehmen sollte. Wer die Schmidtsche Grenzwandelei mag, dem sei das Video deshalb empfohlen.
Auf Youtube stieß der VdZ auf diese Zusammenstellungen von Ausschnitten der Harald Schmidt-Show, die bis vor ein paar Jahren im Fernsehen lief. Die jene Szenen zusammenstellte, die das Thema "Nazi und 2. Weltkrieg" auf seine typisch respektlose, freche Weise kabarettistisch behandeln. Und einem vor Augen führen, wie angstbehaftet schon nur die Erwähnung vieler Begriffe für uns ist. Wo man keine eigenen Vernunftansätze mehr hat, die einem sagen könnten, was böse und was gut ist. Sodaß wir die Kriterien fürs Handeln (und Denken und Fühlen) nur von anderen empfangen können.
Achtung: Tatsächlich - lachen erlaubt! Wenn etwas Strafbares dabei war, ist es sicher nicht mehr in den Videos enthalten.
Es ist schade um ihn. Aber wer einerseits so klaren, wachen, originären Verstand hat, anderseits aber doch vom System profitieren möchte, warum auch immer, kann nur im Zynismus enden.
Auszüge aus einem Interview mit Harald Schmidt auf Kurier-online
Hat das Publikum sich tatsächlich geändert? Ja.
Man ist jetzt Wutbürger, aber natürlich nur auf Lohnsteuerkarte und mit
Urlaubsansprüchen. Und wenn man das Ganze so ein bisschen ironischer
sieht, dann passt das nicht so ganz in den Zeigeist. Aber danach habe
ich mich ja noch nie gerichtet. Meine Haltung, was die mediale Panik
angeht, ist unverändert geblieben: Morgen läuft ne andere Sau durchs
Dorf. Wir haben heute auf den Titelseiten das Thema Polkappen-Schmelzen.
Das habe ich, seit ich Kabarett mache, schon vier Mal im Programm
gehabt. Dazwischen war das Waldsterben, Aids, Gammelfleisch,
BSE-Skandal, Atomenergie. Wenn Sie das eine Weile beobachten, sagen Sie:
Es gibt eine große Industrie, die von diesen Meldungen lebt. Das
Internet hat das noch verstärkt. Ich bin aber nicht verpflichtet, gleich
meinen Cappuccino zu verschütten, nur weil so was in der Zeitung steht.
Von neuen Medien halten Sie bekanntlich nicht so viel. Nur
mit Twitter hatten sie sich zwischenzeitlich ein bisschen angefreundet
... Ich hab’s dann gleich wieder weggeschmissen. Es ist
total lächerlich. Das war so ein Versuch: Guckt mal Kinder, wie
neugierig ich bin. Einen Scheißdreck interessiert’s mich. Ich habe ein
Telefon, das reicht. Und ich habe natürlich jede Menge digitale Sklaven,
die alle Frisuren haben, wie man sie in Österreich aus der Zeit kurz
nach dem Anschluss kennt – das ist jetzt hip –, und die können das
alles. Ich bin auf dem Stand Brieftaube, und mit dem Rest können sich
irgendwelche jungen dynamischen Mitarbeiter abstrampeln.
Das Internet wäre für Sie kein Forum? Facebook
ist für mich zum Beispiel total hirnrissig, weil ich davon lebe, dass
Informationen, die ich rausgebe, bezahlt werden. Also wieso sollte ich
umsonst ins Netz stellen, wie ich in eine Kartoffelsuppe falle? Wenn ich
das am Abend von Abonnenten bezahlt kriege.
Welt am Sonntag:
Wir erleben seit Jahren eine schwere Krise, ihr Ausgang wird unser
Leben und das der nachfolgenden Generationen wesentlich prägen. Dennoch
hört man von Ihrem Berufsstand, den deutschen Comedians also, ziemlich
wenig zu dem Thema, oder?
Schmidt:Selbstverständlich, und ich kann Ihnen auch sagen, warum: weil sie
nicht verstehen, was vor sich geht. Der deutsche Comedian hat doch im
Grunde nur eine einzige Haltung: Politiker sind doof. Noch dazu ist sein
Publikum überwiegend geistiger Mittelstand. Die klatschen nicht, weil
sie gut finden, was da gesagt wird, sondern weil sie dankbar sind, dass
sie begriffen haben, wovon die Rede war. [...]
Die größte Herausforderung für alle Comedians ist
doch, dass das Schwarz-Weiß-Denken nicht mehr so funktioniert wie
früher. Als ich anfing, gab es Franz-Josef Strauß, es gab die Mauer, und
es gab Andrej Gromyko, und es war klar – als deutscher Kabarettist war
man links. Heutzutage kenne ich keinen mehr, der nur noch in Kategorien
von links und rechts denkt – außer im deutschen Kabarett und in
deutschen Ortsvereinen. Die wirklich entscheidende Frage ist nur: Wer
kann noch erkennen, was mit einer Bilanz versteckt werden soll? [...] Was das Kabarettpublikum hören will, ist schnell erklärt: Die da oben füllen sich die Taschen, und wir werden beschissen.
[...] Nein, ich finde Deutschland großartig. Ich will
morgens um sechs das erste Interview mit Wolfgang Bosbach hören, um 6
Uhr 30 will ich Peter Altmaier, und um 6 Uhr 45 will ich Martin Schulz
aus Straßburg sagen hören, dass er jetzt endlich nicht mehr aus dem
Zimmer geschickt werden will, wenn die Großen reden. All das muss
finanziert und durch Steuern gestützt werden, und deswegen habe ich kein
einziges Steuersparmodell – freue mich aber über jeden, der sich damit
ruiniert.
[...] Welt am Sonntag: Ihre ganzen Reichtümer verwalten Sie selber?
Schmidt:Klar. Nach dem Steinzeitdrittelprinzip: Festgeld, Immobilie, Aktie.
Welt am Sonntag: Und was macht Ihnen da momentan am meisten Freude?
Schmidt:Aktien.
Welt am Sonntag: Welche?
Schmidt:Ich kauf nach Sympathie. Wenn ich den Vorstandsvorsitzenden mag oder
wenn einer rausgeflogen ist, den ich nicht leiden konnte. Wie die
Wirtschaft eben so ist: tief emotional.
Ich habe das zufällig gefunden, und fand es sehenswert, weil es viel über das Handwerk sagt: Christoph Schlingensief lud als Gast in seine Talkshow Harald Schmidt ein. Sehen Sie, was dann passierte.
Was nie möglich gewesen wäre, wenn Schlingensief nicht mit sich selbst gespielt hätte, lasse man sich da nur nicht täuschen - es bleibt Show, verwechsele man nur nicht die Realitätsebenen, was zu vermischen - und dabei doch nicht - die im Grunde unzulässige Methode des voriges Jahr Verstorbenen war. Dies gilt insbesonders auch für den zweiten Film, einer späteren Sendung, die auf die vorangegangene Bezug nimmt.