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Sonntag, 9. Oktober 2022

Das schicksalsschwere Lebewohl des Ostens

Wenn ich einen Film von "Die Welt" bringe, dann weil es dnnn vielleicht nicht in der lange shcon ertragenen Shadow-Ban von google endet, die dieses Blog immer wieder trifft. So leicht nachvollziehbar in Akkordanz mit den hier gebrachten Inhalten, daß e skeinen Zweifel über das Grundgeschehen gibt. Und dieses Grundgeschehen hat mit einem einzigen Umstand zu tun: 

Der Westen sitzt auf einer über Jahrhundere aufgebauten gigantischen Blase von Illusionen, Lügen und Sündengetriebenheiten, also Schuld. Daraus gibt es keine Befreiung mehr, denn die käme einer Selbstauflösung des Zustands gleich, in den der Westen sich hineinentwickelt hat, und der - man kann es nicht anders sagen - vor Gott nur ein Greuel sein kann.

Wer die Artikel der letzten Monate und Jahre verfolgt (einige Leser tun das, wie ich weiß), der wird festgestellt haben, daß ich die Dinge immer offener angesprochen habe und anspreche. Denn es hat keinen Sinn, irgendjemanden schonen zu wollen, vor allem aber ist es Zeit, viele Angst abzulegen. 

Samstag, 13. August 2022

Liebe deine Feinde! (4)

Der Midas-Touch, der alle zu göttlich Auserwählten macht. Geist findet in der Ebene keinen Aufenthalt, er zieht weiter - DAS sei die historische Sendung der Ukraine, der auch die vielen Opfer der Vergangenheit nun zugeschrieben wirden: Als göttlich gesegnetes Märtyrerblut. Ja, mehr noch: Es ist die herausragende Stellung der Ukraine als eigentliches Volk Gottes! Denn von hier aus wird die Welt gerettet, weil nun sogar vor Rußlands Aggression bewahrt. Was natürlich den Bogen zur Gegenwart perfekt schließt.

Es fällt also nicht schwer, die restlichen Pünkte durch inhltliche Linien zu verbinden. Beginnend von den USA aus, die sich ja seit 1865 und erst recht nach 1945 eine ähnliche Sendung der Auswerwähltheit sehen, über die speziellen Aspekte des Judentums "als auserwähltes Volk", aus dessen (Bluts-)Reihen sogar der Messias kommen WIRD (Chassidisches Judentum), ein Volk voller Propheten und Heiliger. Schon Joseph Roth hat da wunderbare Stimmungsbilder von vor einhundert und mehr Jahren geliefert, das ist also alles nicht gerade neu.

Freitag, 12. August 2022

Liebe deine Feinde! (3)

Ein hochexplosives Gemisch, das auf den ultimativen Knall wartet, zu dem es berufen ist - Man sollte dazu erwähnen, daß die westlichen Teile der Ukraine, die Karpatenländer, Westgalizien, Wolhynien, mit der sogenanntne dritten Polnischen Teilung erst im 18. Jahrhundert zu Rußland kamen. Nun muß man wissen, daß sich hier seit dem Mittelalter so viele Juden auifhalten, daß die Theorien namhafter Stimmen (darunter Arthur Koestler, der die bekannteste Theorie aufgestellt hat) gar nicht unglaubhaft scheinen. 

Denen gemäß sind diese vielen Juden (die ethnisch deutlich turkstämmisch geprägt sind) im Raum von Litauen bis zum Schwarzen Meer Reste der seinerzeitigen CHAZAREN. Wir habe hier schon ihre Geschichte erzählt. Und sie sind seit nunmehr tausend Jahren (seit sie von den russischen alliierten Heeren vernichtend geschlagen wurden, denn die Chazaren hatten insofern große strategische Bedeutung, als sie die Handelsverbindungen nach Asien "sehr zu ihrem Vorteil" beherrscht haben) Dieses Tudkvolk hat, wie durch zahlreiche historische Belege dokumentiert ist, im 9. Jahrhundert das Judentum als Religion angenommen.

Donnerstag, 11. August 2022

Liebe deine Feinde! (2)

Der Pfahl steckt tief im Fleisch, und schwärt und eitert seit Jahrhunderten. Soll die Ukraine einen himmlichen Auftrag mit apokalyptischer Dimension erfüllen? - Aber genau deshalb scheint es mir höchst angebracht, endlich auch einen Bericht der ukrainischen Glaubensbrüder zu bringen. Der die hierzulande völlig unbekannten Erscheinungen zum Thema hat, die in der Ukraine eine große Rolle spielen. In den Jahren 1914, und dann noch eimal im Jahre 1987, also novh in tiefsten Sowjetzeiten, und da sogar von vielen tausend Menschen gesehen, hatte es in Hrushiv (im Kreis Lemberg/Lwiv, also Galizien) Erscheinungen der Muttergottes gegeben.

Die zweite, die erst nur dem einfachen Mädchen Marina Kisin widerfuhr, erfolgte im April 1987, nur wenige Wochen vor dem Jahrestag der Explosion des Atomkraftwerks Tschernobyl, das nur wenige hundert Kilometer östlich entfernt steht. Die kaum 10jährige Marina schilderte die Gottsmutter Maria als in ein schwarzes Kleid gehüllt. Sie erzählte dem Mädchen, daß die Ukraine dazu auserwählt sei, die Sowjetunion zum Glauben zurückzuführen.

Mittwoch, 10. August 2022

Liebe deine Feinde! (1)

Bei aller Parteiung, die man meinen Kommentaren an dieser Stelle und zuletzt mehr denn je unterstellen könnte, bleibt die christliche Pflicht, die Ukraine zu lieben. Die Ukraine, nicht Zelensky und Koknsorten, und das zu unterscheiden ist das, was Teil dessen ist, was man als Kultur des Krieges" bezeichnet. 
Nie kann ein Volk "Feind" sein, Immer können es nur bestimte Kräfte darin sein, und die zu bekmpfen, die zu der Macht zu entheben, ist es, das Krieg sehr wohl legitim machen kann. Ohne daß ein Außenstehender "gefragt" werden muß hat jedes Volk ein Recht auf Krieg, seine Befindlichkeiten sind seine Angelegenheit, das Urteil darüber steht niemandem zu. 
Sehr wohl stünde es aber dem Außenstehenden zu, den kulturlosen Krieg anzuklagen. Der ist dann der "verbrecherische" Krieg. Seltsamerweise (oder eben gerade nicht seltsamerweis, sondern typischerweise) wird genau das nicht gemacht, obwohl es einen eindeutigen Verbrechensaspekt gibt! Doch der liegt sehr anders, als bei uns kolportiert wird. 
Das nun zu Sagende ist, so mein Urteil, in einem Film in der Länge einer dreiviertel Stunde erkennbar. In der die (vorgeblichen; sie sind nicht von Rom anerkannt) Marienerscheinungen von Hrushiv behandelt werden, und den ich unten angefügt habe. 

Dienstag, 14. Juni 2022

Der Weise, der schon 1998 alles kommen sah (2)

Kurz und gut: Alexander Solschenizyns 1998 veröffentlichtes Buch "Rußland im Absturz" wirkt wie eine Brücke zur unmittelbaren Gegenwart. Gerade WEIL der Autor Vladimir Putin noch nicht kannte, und dieser noch nicht einmal am Radarschirm der Öffentlichkeit aufschien. 

Denn alle die Konzepte, die der vom Sowjetsystem so schwer bedrängte, schließlich ausgebürgerte Russe, alles das was zu fehlen schien, dürfte zu einem hohen Prozentsatz auf wunderbare Weise doch noch ihren Vertreter gefunden worden sein. 

Nicht, daß wir damit Putin verherrlichen wollen. Aber war ich bei aller persönlicher Sympathie für den Typ doch noch recht zurückhaltend, ja aus Verstandesgründen gar ablehnend ihm gegenüber geblieben, so könnte sich meine Haltung zu ihn korrigiert haben.

Dienstag, 8. März 2022

Der verdrängte Irrtum Rußlands (1)

Die Angelegenheit ist eigentlich eindeutig, und zwar aus bestimmten Aspekten heraus, die man so bezeichnen könnte: Was als Ursache geschehen ist, muß sich in der Wirkung zeigen.

Welche Wirkung ist gemeint? Die Renaissance der Russischen Orthodoxen Kirche, mit der ihr assoziierten Orthodoxie der Ukraine, die traditionell seit zumindest 250 Jahren dem Moskauer Patriarchat zugehörig ist. Diese Ukrainisch Orthodoxe Kirche hat sich vor zwei Jahren dann gespalten. Ausgehend vom Konstinopelschen Patriarchen Bartholomäus wurde eine "Autokephale Ukrainische Nationale Kirche" ausgerufen. Damit sollte die Orthodoxie in der Ukraine schlicht und ergreifend umgetauft werden, denn Taufe bezieht sich in ihrer ersten iwe letzten Konsequenz auf die Zugehörigkeit zu EINEM Vater, also auch die Zugehörigkeit zu einer Autorität, Hierachie und Organizität.
 
Wird das "umerklärt", wird die Natur des geistigen Körpers "Kirche" geändert, ist die Taufe streng genommen widerrufen. Sie befindet sich zumindest in einem unlösbaren Konflikt, der nur mit gehöriger persönlicher Ignoranz und positivistischer Umprägung (also einem sehr rationalen "Willensakt") irgendwie "lösbar" ist. Die Realität ist, daß sich die Ukrainische Orthodoxie GESPALTEN hat. Vor allem die zahlreichen russischsprachigen der Ukraine sehen sich nach wie vor Moskau zugehörig, während sich der Rest der neuen autokephalen Ukrainischen Orthodoxie zugehörig sieht.

Donnerstag, 21. Oktober 2021

Gedankensplitter (1317d)

Ein mittelalterliches Relikt - Welche Rolle es in den Gedanken Cristóbal Colóns wirklich spielte kann man nicht genau sagen. Ein Mensch ist immer ein Geheimnis. Aber es spielte eine Rolle, auch bei seiner Reise ins Unbekannte, nach "Indien", wie er meinte. Colón war tief religiös. Und in seinen Schriften, Briefen und aus Zeitzeugenberichten ist nicht zu leugnen, daß der Gedanke, daß alles was er tat dem Ziel diente, die Mittel für die Befreiung Jerusalems bzw. der Heiligen Stätten aus der Hand der Muslime aufzutreiben.

Er nahm Königin Isabella vor seiner ersten Abreise sogar den Schwur ab, daß alles, was er in "Indien" entdecken würde, alles das Gold und die Edelsteine, die man sich (auch aus den Berichten Marco Polos) erhoffte, eine riesige Armee finanzieren sollte, die den seit langem eingeschlafenem Gedanken eines Kreuzzuges in die Tat umsetzen sollte. 

Das ist einer der Gründe, warum sein Logbuch, das als Reisetagebuch für die Auftraggeber und Finanziers so ausführlich geführt wurde, so viele Hinweise auf mögliche Goldfunde enthält. Sodaß man daraus schließen könnte, es wäre ihm nur darum gegangen - wüßte man nicht sonst so viel über ihn. 

Zum einen mußten aber die Seeleute bei Laune gehalten werden, die ein ungeheures Wagnis auf sich genommen hatten - in eine völlig unbekannte Ferne zu reisen, von der man nicht sicher sagen konnte, ob man nicht eines Tages "von der Erde fallen" würde, oder (auch das eine häufige Angst) auf der anderen Seite der Erdkugel "hinunterrutschen" würde, sodaß man nicht mehr herauf- und nach Hause kam. Also mußte man ihnen die Aussicht auf riesige Gewinne ständig warmhalten, sonst hätten sie gemeutert. 

Warmgehalten werden mußten aber zum anderen auch die Finanziers daheim. Sie hatten NUR die Motivation von Gewinn, und hier vor allem durch die Funde von Gold und Edelsteinen. Also notierte Columbus jede Äußerung der Indianer auf den Inseln, die entdeckt wurden, in denen diese von solchen Reichtümern AUF ANDERN Inseln und Landen berichteten. Wo zu vermuten steht, daß diese Erzählungen dazu eingesetzt wurden, um die Spanier, vor denen man sich durchweg bald fürchtete, wieder los zu werden.

Montag, 9. August 2021

In wessen Schoß die Macht ruht (1)

In der Frage, wer das wahre Oberhaupt der österreichischen (als Teilmenge der deutschen) Völker ist, zeigt sich eine heiße Spur. (Denn die "demokratisch gewählten" sogenannten Volksvertreter sind es sicher nicht. Sie sind ein fragiles und sich dieser Fragilität bewußtes Scheintheater einer Machtusurpation, der jede absolute Legitimität einer Machtausübung fehlt. 

Allerbestenfalls kann in unvermeidbaren Fällen, die ein subsidiäres und föderalistisches, pseudo-staatliches Handeln (die Bundesländer Österreichs sind 1919 per Zwang zu einem Staat zusammengeschlossen worden) erfordern (etwa im Kriegsfall) von stellvertretender Handlung gesprochen werden, die aber keine dauernde Politikerkaste erforderte. Die österreichische und die deutsche Politik haben also keine Führung im eigentlichen Sinn, die aus sich heraus handeln, gestalten, schon gar verändern könnte.

Aber ein Volk kann sich keine Regierung selbst "geben". Das ist metaphysisch unmöglich. Es kann bestenfalls "so tun als ob", und dann eine groteske Komödie abziehen.

Donnerstag, 5. November 2020

Wider Enzykliken (2)

Teil 2) Der Kampf um Bedeutung und Autorität
- Was sich durch das Erste und Zweite Vatikanische Konzil geändert hat


Das Problem begann in Wahrheit schon 1519 mit Luther, mit den gesellschaftlichen, politischen, kulturellen Verwüstungen, die der Protestantismus anrichtete. Was wir weiter unten genauer ausführen wollen, hat da bereits angefangen, und zwar auch und vor allem in den Festlegungen in der Liturgie, der langfristig die Luft abgeschnürt wurde. Spätestens hier begann eine Entwicklung, die wir mit "Identität als Apologetik und Angstbehauptung" betiteln wollen und nach dem Zweiten Vatikanum einen vielleicht nicht mehr zu überbietenden Höhepunkt erreicht hat.

Wobei im noch größeren Rahmen gesehen auch diese Festsetzung des Anfanges unzulänglich ist. Denn um präziser zu sein müssen wir schon im langen 13. Jahrhundert ansetzen. In jenem Zeitraum, wo dieses fast traumähnliche Ganze, das Europa als die Kultur des Abendlandes gewesen ist (und das jede Kultur im Grunde ist, ist sie noch eine Kultur und nicht ein verwesender Leichnam), zu zerfallen begann. Wir sehen es also noch schärfer als das Greenhorn in seinen Ausführungen, die wir hier so schamlos als Sprungbrett zu unserer eigenen und umfassenderen Deutung benützen.¹ 

Aber offensichtlich schlagend wurde es 1789, bei und nach der Französischen Revolution. Und der von ihr verwirklichten Schwächung der gesellschaftlichen Position der Kirche, namentlich ihrem Autoritätsverlust durch die aufoktroyierte Aufklärung. Das hat zu einer veränderten Haltung der Päpste als oberste Autorität geführt. Sie sahen sich mehr und mehr (und warum auch immer) genötigt, dem Wust an aufkommenden Ideen und Ideologien etwas entgegenzusetzen, das zuvor gar nicht notwendig war. Zumindest nicht von Päpsten direkt. 

Denn zuvor waren es die Priester und Katecheten, die Mönche und Heiligen, vor allem aber durch die Liturgie und den Jahreskreis, der die Gesellschaft (als und zur Kultur) geformt hatte und völlig selbstverständlich gewesen war. Diese Selbstverständlichkeit war nun ins Wanken geraten, und das sahen auch die Päpste als oberste Autorität. Und sie taten eines, sie griffen zur einzigen Waffe, die ihnen angesichts des realen Bedeutungsverlustes noch blieb: Sie griffen zum Stift. 

Das heißt nichts weniger als daß, was nun in der Kirche einsetzte, bereits aus einer Position der Schwäche heraus entstand. Die Kirche erfuhr sich unterlegen, und integrierte nun das Überlegene - den Staat (und das heißt letztlich, von anderer Seite aus gesehen, den Zeitgeist) und dessen Begierden.

Das 19. Jahrhundert war das Zeitalter der Revolutionen, des Zerfalls gesellschaftlicher Strukturen und politischer Organisation von Völkern. Der Staat stand im Vordergrund des Denkens, und damit auch die Autorität und Stellung der Kirche. Die erstmals etwas begann, was es in dieser Form zuvor noch nicht gegeben hatte. Sie begann, ideale Strukturen und Bilder zu entwerfen. Vom Staat, von der Kultur, von ihrer eigenen Struktur. Und mit einem Mal stand die Position des Papstes zur Diskussion. Innerhalb der Kirche! 

Diese Frage wurde bekanntlich sogar Anlaß einer nächsten Kirchenspaltung, die der (so genannten) Alt-Katholiken. Aber der wahre Anlaß war, daß eine positive Definition³ (sofern sie nicht Poesie ist, die man aber Spekulative Theologie nennt) für eine wissenschaftliche philosophisch-theologische Auseinandersetzung damit untauglich weil zwangsläufig mangelhaft bleibt. Und so mancher katholische Eckpfeiler, darunter der zum Kirchenlehrer erklärte Kardinal Henry Newman, sah das Problem (speziell bei der Dogmatisierung der Päpstlichen Unfehlbarkeit) nicht weniger wie der bayrische, dermalen hoch angesehene, aber heute katastrophal miß- und unverstandene (wofür der Wikipedia-Eintrag einmal mehr ein Beispiel ist) bayrische Theologe Ignaz von Döllinger. Der dafür exkommuniziert wurde. 

"Das Papsttum," schreibt dazu unser Greenhorn, "beschränkte sich im Allgemeinen auf die Rolle, Streitigkeiten beizulegen und damit die Grenzen der Orthodoxie festzulegen. Die Moraltheologie wurde mehr oder weniger den Moraltheologen überlassen. Und die positive Theologie den Poeten, Mystikern und Spekulativen, fügen wir hinzu.  
Der stetige Strom von positiven Erklärungen nach 1789 war vielleicht eine notwendige Gegenmaßnahme gegen das Revolutionäre, aber er war zumindest außergewöhnlich. 
Die Weisheit und moralische Integrität der Männer, die in diesen Jahren das Papsttum innehatten, verlieh ihnen viel Autorität. Es ist jedoch wenig vorstellbar, daß irgendjemand eine solche moralische Führung der Päpste während der 'Pornokratie' des 9. Jahrhunderts ernst genommen hätte.  
Dennoch waren die besten Enzykliken alles andere als akademisch. Sie waren vielmehr Versuche, die unsterbliche Lehre der Kirche auf konkrete moderne Situationen anzuwenden. [Enzykliken waren] kein Selbstzweck, sondern unterstützten ein größeres Betriebsprogramm. [Sie waren] niemals Wiederkäuer um ihrer selbst willen."

Waren zuvor kirchliche - also päpstliche - Lehrentscheidungen kaum jemals mehr als Abgrenzungen gewesen, konsultierte man Lehrkompendien lediglich in Fragen, was NICHT katholisch ist, setzte eine neue Bewegung ein, die sich darauf zu konzentrieren begann positiv zu formulieren, WAS KATHOLISCH SEI. So etablierte sich Schritt für Schritt eine Form der päpstlich-lehramtlichen Äußerung, die als "Enzykliken" betitelt das aufzuarbeiten begann, was denn die Kirche immer schon geglaubt hatte.² 

Damit aber passiert etwas scheinbar Seltsames, es beginnt zwangsläufig, das Denken vorzugeben und es damit EINZUSCHRÄNKEN. Ja damit wurde die Vernunft des Menschen, diese unverzichtbare Basis der katholischen Theologie und Anthropologie! beschränkt weil als Säule der Freiheit festgelegt.*** 

War das Katholische zuvor das Unbegrenzbare, das in seiner Weite und Größe niemals erfaßbare, das mehr durch Grenzen als durch positive Beschreibung zu erfassen war, begann nun eine neue Art des Umgangs damit um sich zu greifen. 
War bislang grosso modo alles das katholisch gewesen, was nicht explizit NICHT katholisch war, war immer mehr nur noch das katholisch, was DEFINIERT war. Der Leser möge das in Ruhe bedenken, und so nachvollziehen, wo der gravierende, wirklich gravierende Bruch in der Haltung des Getauften zu Glaube, Sakrament und Liturgie besteht.

Aber die Lage hat sich mehr und mehr geändert, ein Stein wurde auf den anderen gesetzt. Schon keineswegs zufällig wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Neothomismus ausgerufen. Er war nicht weniger als Restaurationsversuch, ein Selbstbefestigungsversuch, die Rückbesinnung auf Thomas von Aquin. Der immerhin auch so gesehen werden kann, daß er am weitesten aller Denker und Beter im katholischen Kulturraum dabei kam, eine geschlossene, positive Theorie aufzustellen.² 

Die in seinen zweifellos großen und großartigen Hinterlassenschaften wie der "Summa Theologiae" und der bewußt als Abwehrkompendium gegen die Irrtümer des Islam (die ja in ihren Prinzipien keineswegs Einzelfälle sind, sondern als Archetypen für den gesamten menschlichen Geistesraum gelten können) verfaßten "Summa contra Gentiles" als Bastion bereits genug war und es noch immer sein sollte, den leidenschaftlichen Anstürmen der Ideologien des 19. und 20. Jahrhunderts zu widerstehen.

Das hat sich mit und nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil grundlegend geändert. Schon die Texte dieses Konzils kann man als Versuche begreifen, die Gesamtheit des Katholischen zu definieren, OHNE noch auf die Grenzen einzugehen. Ja, die Grenzen verschwanden sogar nahezu, und wurden nur noch für den existent und erkennbar, der ausreichend theologische und philosophische Bildung und Herzensreife hatte, sie mit den Texten des Konzils still mitzudenken.

Entsprechend verschwommen und "flexibel" sind viele, oft sogar die entscheidenden Formulierungen. Und das ist auch kaum anders möglich. Denn will man das Katholische positiv formulieren, ihm als "Lehre" eine Kontur geben, die in der intellektuellen Welt bestehen kann, muß man nicht nur scheitern, sondern der Versuch, es dennoch zu tun liefert, was wir tatsächlich geliefert bekommen haben: 

Texte, die dermaßen ambivalent sind, weil so viel zu berücksichtigen ist, weil so viel offen zu bleiben hat. Weil jede positive Formulierung² im intellektuellen Disput bestehen können muß. Sodaß am Ende dieses langsamen Scheiterns aber die Auflösung, die positive weil unbestimmte (weil in den Augen mancher ohnehin unbestimmbare) Vieldeutigkeit, und damit letztlich der Verzicht auf das eigentlich Mitzuteilende steht.

Das aber der sensus fidei, der existentielle Glaubenssinn, keineswegs als offen erfaßt. Es ist nur kaum oder gar nicht zu formulieren. Hinter jedem Glaubenstext steht also etwas, das mehr ist als Text, das ein reales, vollwirkliches und geschichtswirksames wie - schaffendes Glaube(n) ist! 

 
Morgen Teil 3) Ein Paradigmenwechsel mit schweren Folgen

¹Über diese Explosion des Abendlandes, die im "langen 13. Jhd." (der Begriff wurde von Jacques Le Goff gebildet und meint den Zeitraum vom späten 12. bis zum frühen 14. Jahrhundert) ablief, werden wir einen eigenen Beitrag in den nächsten Tagen veröffentlichen. Der vor allem darauf eingeht, daß es sich um eine "architektonische" Wende, um eine Architekturexplosion, also um eine Erschütterung des Raumes und damit des Ortes aller Dinge gehandelt hat.

²Der Leser kann es auch an manchen Texten in diesem Blog erkennen, die oft nicht zufällig so weit zu schweifen scheinen. Sie tun es, weil es sehr sehr schwierig ist, das, was man erfährt, das was vor einem steht, real, in Worten zu fassen zu kriegen - und "positiv" zu beschreiben. Also von innen heraus, nicht von seinen Grenzen her. Eine Aufgabe, die normalerweise der Poesie zugeschrieben wird, ja die zum Wesen der Kunst behört. Deshalb waren fast immer die Mystiker - sie sind die, die das Ganze sehen, dem Ganzen begegnen - zugleich wahre Poeten, man denke etwa an Johannes vom Kreuz.

***Vernunft ist dabei in einem viel umfänglicheren weil holistischen Sinn gemeint, als es die Aufklärung tut. Die die Vernunft auf die Ratio beschränkt - und damit unvernünftig wird. Dasselbe ist nun auch in der Kirche passiert.

³Wir müssen uns bewußt sein, daß einer der fundamentalsten Gründe, warum sich die Orthodoxie nicht in die Kirche eingliedern will und wird, genau das ist: Die Orthodoxie lehnt die positiven Definitionen (nach dem Konzil von Nicäa, das im Glaubensbekenntnis gewissermaßen die einzige positive Definition festlegte) ab, in die sich die Kirche mehr und mehr begeben hat. Dabei werden gar nicht so sehr die Glaubensinhalte abgelehnt, auf den sich die katholischen (päpstlichen) Definitionen im Grunde beziehen, sondern diese Definition. Die den Inhalt nur ungenügend erfassen, und damit irreführend sind oder sein (können)! 

Zugleich wird aber auch das Elend deutlich, das damit einhergeht. Denn OHNE solche Definitionen entstehen neue Gefahren, und die sieht man in der Orthodoxie tatsächlich. Es entsteht die Gefahr einer Inclusion von Inhalten, die ursprünglich auszuschließen wären. Es entsteht bei einem Bruch der persönlichen Überlieferung (sic!), die in der Orthodoxen Theologie eine weit größere Rolle spielt als in der römischen Kirche, die Gefahr einer Zulassung von Inhalten, die ursprünglich ausgeschlossen waren. Selbst bei einer so großen Rolle, die die Kirchenväter in der Orthodoxie spielen. Und damit entsteht die Gefahr einer der Häresie einhergehenden Selbstausschließung aus der Kirche, weil es keine Korrekturinstanz gibt. 


*141020*

Sonntag, 6. September 2020

Alte Messe - Neuer Ansatz (2)

Teil 2) Vor Gott steht das Volk als Ordnung, 
damit als Mosaik der Orte. 
Und es steht dem Priester, dem Vollziehenden des Opfers, gegenüber.



Das bedeutet, daß die Form der Gottesverehrung für die Menschen darin besteht, ihre Standespflichten - ihren Ort! - ins Schöne zu überhöhen, aber immer und vollkommen zu erfüllen. Dies geschieht am Sonntag prototypisch, in seiner vollkommensten, eben nicht einfach auf Nützlichkeit ausgerichteten Gestalt, als Quelle, die nach und nach auch den Alltag durchdringen sollte, als Ursprung wie Ziel des eigenen Lebens, das im Alltag oft so erstickt und profaniert wird. Am Sonntag aber wird es wieder aufpoliert, in seine Idealform gebracht, auf das man ab Montag "auf ein Neues" versucht, diese Form zu wahren, bis zum Samstag, wo alles wieder verknautscht, verstaubt, abgeplattet und profaniert ist.

Daß das so ist, ja daß das die eigentliche und praktische Grundlage unseres Daseins als Katholiken ist, ist uns völlig aus dem Bewußtsein verschwunden. Und daran hat die Liturgie Schuld! Und zwar nicht erst der Novus Ordo, der das nur noch weiter gesteigert hat, sondern das zeigt sich bereits im Alten Ritus, der Alten Messe. Es zeigt sich, wenn die Gläubigen vergessen, wo und was ihr eigentlicher Part in dem ganzen Spiel des Heiligen ist. Aber das ist nicht unwesentlicher Teil des Ganzen, sondern es ist entscheidend. Denn wenn wir von Teilhabe am Erlösungs- und Heilsgeschehen reden, dann reden wir von der rechten Haltung im Volk! Wir reden NICHT, daß die Gläubigen (meinetwegen in einer nicht ganz so "echten" Form wie der Priester) die Heiligsten Handlungen des Opfers vollzieht! Wann und wo und in welcher Religion sollte das je so gewesen sein?

Man kann es noch in der Orthodoxie ahnen. Die in ihrer Trennung von Rom zwar der Hybris ihre weltliche Gestalt gab, die sie ins Verderben zog und zieht, die aber in dieser protestantischen Katatonie so etwas wie ein Kaleidoskop uranfänglicher(er), damals noch amorpher Richtungen des Wirklichen gestattet. Die damit in dieser Zeit der reversierten Gestaltpolitik, also der Entstaltung (deren kulturelle Dimension bei der Liturgie ansetzt und beginnt, nicht umgekehrt, wie oft getan wird), die auf andere Weise eine Verschleierung mehr denn eine Enthüllung bietet (was der eigentliche Sinn der Liturgie bzw. des Kultes wäre: Die Verbindung von Himmel und Erde, die Inkarnation des Göttlichen bzw. Gottes selbst, wie in der Kirche wie durch sie eben), die in solchen Zeiten also wieder etwas sehen und begreifen lehren kann, was sonst gefährlich nahe dem Vergessen liegt. 

Und in diesem Punkt kann man so etwas sehen. Weil in eben dieser russisch-orthodoxen Liturgie* das Volk im Vorraum ausharrt, betet, singt. Wo die Schola singt, und dieser Raum in eine Atmosphäre des Heiligen, Erwartungsvollen getaucht ist weil "dort verbleibt". In den sich Gott dann (durch den Priester) hineinneigt, in der Kommunion, in den Teilen eben, in denen sich der Priester direkt ans Volk wendet. So, wie man es bei manchen Kirchenbauten noch ahnen kann, wo die Bänke weit weit weg vom Presbyterium stehen und so in den Gläubigen, im Volk "automatisch" jenes unendlich Heilige geahnt wird, als unendlich Fernes, das sich uns plötzlich doch nähert, aber so "ganz anders" ist, daß man ihm nur mit Staunen begegnen kann. 

Sind wir nicht genau da und genau so Kirche? Wer da meint, es handele sich hier um ein Balbieren des Kaisers Bart, der irrt. Denn hier geht es um Rang und Stellung des menschlichen Daseins überhaupt, um die Stellung der Arbeit und allen menschlichen Tuns. Die Liturgen der Gegenwart tun ein wenig zu sehr - und zwar auch die der Alten Messe - als sei das alles unbedeutend, weil es doch nur darum gehe, Sanctus und Halleluja zu singen! Dabei machen die Engel, macht die himmlische Liturgie, die zu uns Menschen kommt, an der wir unserem Stand nach (!) teilhaben, nur das explizit, was unserem Handeln als Geschöpfe, als geschaffene Welt implizit ist. Wenn man so will: Es geht hier sogar um den Universalienstreit, der in seiner Gegenpolarität zur Bestreitung von Universalien eine Tendenz hat, die Rosmini einmal mit "Verdinglichung von geistigen Begriffen" bezeichnet.

Ob also Martin Mosebach nicht die Liturgie zu sehr aus dem Blickwinkel des Künstlers (in der Standescharakteristik dem sakramentalen Priester einerseits gleich, anderseits nur durch die Sakramentalität der Weihe und deren Folgen unterschieden) sieht. Ob er aber sonst nicht etwas propagiert, das bestenfalls als "Gespräch unter Priestern" möglich und gestattet ist, aber den Kern der Liturgie, ihr Problem - ihr Verhältnis zu den Gläubigen, zum Volk! - völlig verfehlt. Ja, wo sogar die Alte Messe dieselben Irrtümer fortsetzt, die man in der Neuen Messe dann in Vollgestalt zu Gesicht bekommt.


*Auf diese russische Orthodoxie bezieht sich des VdZ Äußerung an dieser Stelle. Weil er sie dort meist zumindest fand. Wenngleich auch dort längst "moderne" Ent- und Verstaltung in erschreckend naiver Weise um sich greift. 

An sich aber ist die russische Orthodoxie ihrem Selbstverständnis nach die aus dem Hause gezogene, den Haushalt mitgenommen haben wollende Tochter der byzantinischen, also griechisch-orthodoxen Kirche, und damit vorgebliches Abbild des Urbildes, was übrigens ein Irrtum ist, weil die "alte" russisch-orthodoxe Liturgie ursprünglicher war als die im 18. Jahrhundert nach eingehendem Skriptenstudium angeblich in Athos herausdestillierte "wahre alt-ursprüngliche Liturgie", denn diese war, wie man heute weiß, bereits mehr verändert, als die alt-russisch-orthodoxe Liturgie, weshalb es noch heute in Rußland "Altgläubige" gibt.



Samstag, 5. September 2020

Alte Messe - Neuer Ansatz (1)

In einem amerikanischen Magazin findet sich ein Artikel aus der Feder von Martin Mosebach (im Link in Deutscher Originalfassung abrufbar), in dem dieser sehr schön und richtig die Bedeutung der Wiederholung hervorstreicht. Denn die Liturgie ist niemals eine nach menschlichen Zweckkriterien zu beurteilende Handlung, in der das Ewige zeitlich wird. Sie ist "nutzenlos", wie die Kunst es ist. Gerade in der Wiederholung - man denke an das dreimalige Kyrie/Christe eleison, das Agnus Dei usw. Es stellt dar, daß in der Ewigkeit - und die Heilige Messe ist ein solcher Einbruch des Ewigen - alles gleichzeitig und ununterbrochen ist. Sich also nicht wie in der Welt einfach in zweckhaftes Hintereinander zergliedert, das in Wahrheit ja auch nur ein (aber mangelhafter) Weg ins Ewige ist, das als Resultat der Handlung aufleuchtet.

Der Artikel von M. Mosebach handelt substantiell über die Wiederholung in der Liturgie. An sich gut, aber wieder, und noch deutlicher fällt mir auf, daß das, was er da beschreibt, ein Einbinden des Volkes zu einer Art "gemeinsamer Liturgie" ist. Dies erscheint mir als Tautologie. Denn das Volk ist ALS VOLK Teilnehmer, aber nicht als Teil der Opferung, die dem Priester vorbehalten bleibt. Er zeigte ja auch andernorts wiederholt, daß er die Schönheit der Liturgie aus der Warte des Priesters sieht. Er erfreut sich an den priesterlichen Handlungen, die er verstehen möchte, und je mehr er sie versteht, desto mehr erfreut er sich daran.

So weit, so gut. Doch fällt in diesem Artikel etwas auf, das Mosebach an anderer Stelle mit der Äußerung beleuchtet hat, daß für ihn mit jedem Messbesuch die Schönheit und Würde der Liturgie in dem Maß aufleuchte, als er sie immer mehr und immer neu zu verstehen beginne. Etwas, dem vermutlich gerade diejenigen, die sich der Alten Liturgie (und mit gewissem Recht) zuwenden, mit Entzücken erfüllen dürfte.

Aber der VdZ stellt sich die Frage, ob sich hier nicht ein Elend abzeichnet, das sogar der Grund dafür ist, daß die Zerstörung der Liturgie eigentlich und in einer viele Jahrhunderte langen Reihe als logische Konsequenz GERADE der Alten Liturgie begreifen lassen könnte. Das Schlüsselwort dazu ist die "participatio actuosa", die im Zweiten Vatikanum zu einem Zentralthema wurde, also: wie kann das Gottesvolk an den Früchten der Liturgie bestmöglich teilhaben. Dazu führte man genau das an, was in der Auffassung von Mosebach durchschimmert - man band die Gläubigen, also "das Volk" immer mehr in die eigentlichen liturgischen Handlungen ein.

Der VdZ stellt sich aber die Frage, ob das so richtig ist. Ob nicht die vielfach stattfindende Rückwendung zur "Alten Liturgie" eine Art verzweifelter Rückgriff auf einen Zustand ist, in dem die ihr eingewachsene, immanente Liturgiezerstörung einfach auf einen Zustand vor sechzig Jahren zurückgestellt werden soll, dem aber bereits jene Bresthaftigkeit innewohnte, die den Entwicklungen nach 1965 keine Gegenwehr mehr zu bieten hatte, und in der Theologie fast ausnahmslos von allen Konzilsteilnehmern gutgeheißen wurde. Selbst heute als "konservativ" dastehende Stimmen waren mit dieser Liturgie nicht mehr einverstanden und arbeiteten (wie Romano Guardini) an deren Entwicklung.

Innerhalb einer Liturgie die, so nebenbei, niemals verboten war, weil sie gar nie verboten werden kann, die Kirche hat das Recht dazu gar nicht, denn die Liturgie ist Gottes Werk, sie ist nicht von Menschen geschaffen. Sie ist Geschehen im Himmel, nicht auf Erden, wo sie nur spiegelt, wiedergibt. Sie ist somit ein Einblick in die göttliche, himmlische Liturgie als Zueinanderbewegung aller Elemente der Schöpfung, Ausfaltung des Innenlebens wie des Wissens und der Ideen, der Ordnung Gottes.

Und hier setzt die Frage an, die sich der VdZ stellt, und die ihm umso dringender scheint, als er selber erfahren hat, wieder und wieder erfahren hat, daß es in der Liturgie "zwei Hälften" gibt, die zueinander in einem Ordnungsverhältnis stehen. Das ist hier die priesterliche Opferhandlung als Selbstopfer Gottes vor ihm, in dem Gott sich gewissermaßen zu sich selbst zurückbiegt, in der dreifaltigen Personalität Sohnesopfer - Vater - im Heiligen Geist, der das Zueinander dieser beiden trägt und ist.

Dieser größten aller möglichen Handlungen, einer innergöttlichen Handlung also, wohnt in je abgestufter Weise die Kirche bei, der in der Liturgie die Würde zukommt, diese innergöttliche Handlung zu entbergen. Mit den Zentralpositionen - dem sakramentalen Priester, der ja "in persona Christi" das Opfer ist wie vollzieht, in den Engeln, die diesem Teil der Liturgie beiwohnen. Die durch die Ministranten (die Helferlein der göttlichen Gedanken, die sie zur Wirkung tragen sollen) repräsentiert wird, die in gewisser Weise also zum Inhalt der Liturgie selbst gehören, die der Priester aber vollzieht.

Diesem Teil der göttlichen Liturgie stehen als Schöpfungsteil (Christus ist nicht geschaffen, sondern gezeugt) in Christus zur Kirche gefügt, der vollkommensten Ordnung der gesamten Schöpfung vor Gott, der aber niemals in derselben Weise christifiziert wird, die restlichen Kirchenmitglieder gegenüber. Sie (als Menschen, niemals Gott) werden analog christusförmig, nicht sakramental-real wie der Priester. Sie leben aus der Liturgie, sie sind Kirche IN dieser Liturgie. Als herausgestelltes Wissen Gottes, das zu seiner Verherrlichung und Ehre besteht. Sie sind nicht sakramental "alter Christus", also der andere Christus, nicht zumindest in derselben Weise wie es der Priester ist.


Die Weise, wie das Volk an der Liturgie teilhat, ist also die in der Rolle ALS VOLK. Wer wissen will, wie das zu verstehen ist, sollte einen Blick auf die orthodoxe Liturgie werfen, die auch bis zum Ende des Mittelalters der Liturgie des Westens weitgehend glich. Das zeigt sich in der Architektur deutlich, wo als Pendent zur ostkirchlichen Ikonostase, die bis heute besteht und die Presbyter, die Priester vom Volk trennt, der "Lettner" bestand, der in gewisser Rudimentarität noch im sogenannten "Speisegitter" fortbesteht. Während aber im Westen dieser Lettner zum Altar gewandert ist, was sich in den barocken Hochaltären am deutlichsten zeigt, blieb er in der Ostkirche dort, wo er war - in der Ikonostase.

Die Trennung der beiden Sphären - priesterliche Opferhandlung und Volk - besteht also bis heute in der westlichen Kirche, wurde aber seit den 1970er Jahren mehr und mehr aufgelöst, bis sich in den meisten heutigen Kirchen und schon gar in der Liturgie Volk und Priester "ineinanderschieben". Das greift einerseits der theologischen Entwicklung nicht nur weit weit vor, sondern es überrundet den theologischen Stand sogar. Setzt also praktisch eine Tatsache, die sich auch in der inneren Entwicklung der Menschen zeigt, die aber gar nicht dem theologischen Tatbestand entspricht: Die Gläubigen werden zu Mitzelebranten!

Genau das, was vielfach kritisiert wird, und warum? WEIL dieses Mitzelebrieren gar nicht jene Haltung ist, IN DER die Gläubigen, also das Volk (abgesetzt gegen die Priester), in dieser Haltung GAR NICHT an den Früchten der Erlösungstat teilhaben! Sie werden also "architektonisch" zu einer Fehlhaltung verleitet, ja erzogen, die exakt den Fehlentwicklungen der Moderne entspricht. In der sich der Mensch als Herr und Meister seines Schicksals empfängt, in dem er die Gnade eigentlich gar nicht mehr braucht, und gar nicht und nichts mehr empfangen will. Das ist ja der Grund für jenes Desaster, das wir heute kulturell erleben - unsere Kultur hat ihr entscheidendes Element verloren, das des Bittens und Empfangens, das in gewisser Hinsicht auch der Stellung von Mann (Priester) und Frau (Volk), der Entsprechung von Form und Materie entspricht. Das zieht sich bis in die kleinsten Alltagsgewohnheiten durch. 

Blicken wir auf das oben Gesagte zurück, so fällt also nun vielleicht eine Parallele auf, die seltsamerweise kaum jemand zu berücksichtigen meint. Seltsam deshalb, weil gerade die Liturgen unter den Gläubigen, die also begreifen, wie sehr die Liturgie es ist und immer war, die eine Kultur (weil die Menschen) formen und dann tragen, dieser entscheidenden Entwicklung in nichts weniger folgen. Wenn es sich anders verhält, so ist es Zufall, entgeht aber als eigentliches Geschehen der Aufmerksamkeit.

Denn daß der Gläubige, das Volk an der sogenannten Alten Liturgie weit mehr partizipiert, als er es in der Neuen tun kann (dem Novo Ordo), was soweit geht, daß dem Novo Ordo Missae mit gutem Recht sein eigentliches Sein ALS Liturgie abgesprochen werden muß, sodaß er sehr oft sogar in die Nähe einer prinzipiellen Blasphemie rückt, in der sich Form und Inhalt nicht mehr entsprechen. Aber dieses Partizipieren hängt sehr oft (wie der VdZ meint) von ganz anderen Umständen ab, als die frommen Teilnehmer an einer Alten Messe meinen könnten.

Nicht davon nämlich, was oft zu beobachten ist, daß diese die Gebete des Priesters mitbeten ALS wären sie an seiner Stelle (auch wenn sie das explizit bestreiten würden - sie TUN es) und als wäre das, was der Priester tut, auch das, was sich in ihnen nachvollziehen soll (so wie Gestalt eben Geist prägt), sondern durch zufällige Faktoren, die nicht selten einfach mit den architektonischen Gegebenheiten der Architektur zu tun haben, der gegenständlichen Kirchen als Gebäude also. Wo etwa zwischen Presbyterium und Volksbänken eine riesige Distanz ist, sodaß es der Idee der Ikonostase zumindest in der Wirkung fast gleichkommt.

Was unterscheidet das Volk und sein Handeln im Rahmen des "allgemeinen Priestertums" (wie es das Zweite Vatikanum nennt) vom spezifischen Priestertum des sakramentalen, geweihten Priesters "in persona Christ"? Eigentlich ist das schon ausgedrückt: Während der Priester die Heiligsten Handlungen vollzieht, an deren Ergebnis er das Volk dann teilhaben läßt, geschieht die Gottesverehrung des Gläubigen IN SEINEM LEBENSALLTAG DURCH SEINEN LEBENSALLTAG. Auch das läßt sich in gotischen Kirchen wunderbar begreifen, man denke an die Kirche in Garsten bei Steyr: Wo sich in den Kirchenbänken die irdische, ständische Ordnung des Alltags findet. Deshalb "zieth man sich schön" an - man führt in seiner Kleidung sein Sein als Mensch (Volk) zur schönst möglichen Form, und das ist immer eine Übersteigerung, ein Herausnehmen aus dem nur Nützlichen, ein Überhöhen der Alltagsformen. Es wird eben zum Spiel.



Morgen Teil 2) Vor Gott steht das Volk als Ordnung, 
damit als Mosaik der Orte. 
Und es steht dem Priester, dem Vollziehenden des Opfers, gegenüber.


Samstag, 13. Oktober 2018

Das Wichtige fliegt unter dem Radar

Man hört wenig über den Ukraine-Konflikt in diesen Tagen. Das heißt aber nicht, daß er nicht weiter voranschreitet. Er tut es. Er tut es nur an einer anderen Front, schreibt Ianto Watts, der die Situation der Orthodoxen Kirche analysiert und zu interessanten Schlüssen kommt. Denn wenn es bislang eher um Ortschaften, Gebiete, Panzer und Divisionen ging, so geht es nun um die Herzen der Menschen - als Vorzeichen wie Begleiterscheinung für ein handfestes Schisma in der Orthodoxie. Am 12. September d. J. hat die russische Orthodoxie beschlossen, den Patriarchen von Konstantinopel, Patriarch Bartholomäus I., nicht mehr im Hochgebet zu nennen. Damit bindet sie sich nicht mehr ihm an.

Anders als in der römischen Kirche, hat die Orthodoxie ja keinen Papst. Lediglich einen Vorsitzenden. Und dieser Vorsitzende der Kirche, der darin Garant der Einheit, ist dort einer der fünf Patriarchen (alle fassen gewissermaßen Teilbereiche zusammen, die wiederum in Diözesen aufgeteilt sind, was sich im übrigen mit der Struktur der römischen Kirche prinzipiell und bis heute deckt), der aber als Gleicher unter Gleichen nur einen Ehrenvorsitz hat.

Machen wir es kürzer, als es die schon bisher so gar nicht ruhig-eine orthodoxe Kirche verdiente. Seit dem 16. Jahrhundert hat Moskau als geistliches Zentrum Kiew den Rang abgelaufen. Das war allgemeiner Beschluß sämtlicher Patriarchen und gilt bis heute. Und bis heute hat Moskau auch den Ehrenvorsitzenden der gesamten Orthodoxie, den Patriarchen von Konstantinopel Bartholomäus I. finanziert und in seinem Titel ohne Mittel (viele Orthodoxe gibt es in Istanbul ja nicht mehr) gewissermaßen am Leben erhalten. 

Schon bisher haben aber die Patriarchen von Moskau, Patriarch Kyrill, Antiochien (auch diese Diözese gibt es nur noch auf dem Papier, sie lebt aber insofern, als sie im Nahen Osten und in den USA eine beträchtliche Gefolgschaft hat), Alexandria (dito), und Jerusalem (das viel orthodoxer bestimmt ist als wir uns gewöhnlich bewußt machen) Widerstand angekündigt. Und nun umgesetzt.

Es rumort in der Orthodoxie, meint Watts. 

Weil Bartholomäus I., Patriarch von Konstantinopel alias Istanbul, alle Anzeichen zeigte, sich "wie ein Papst" aufzuführen. Also einfach selbstherrlich zu bestimmen, wie der Kurs der Orthodoxie auszusehen habe. Und zwar vor allem politisch, disziplinär! Man wirft ihm ohnehin schon lange vor, sich dem römischen Papst allzu sehr anzunähern, ja diesem schon regelrecht zu "folgen". 

Nun hat eben dieser Patriarch von Konstantinopel angekündigt, die ukrainische orthodoxe Kirche, die bislang und unbestritten dem Patriarchat von Moskau zugeordnet war, "autokephal" zu stellen. Das heißt, sie insoweit auf sich zu stellen, als sie in Fragen der Bischofsernennungen und Aufgabenbestellungen aus Moskau herausgelöst wäre. Und das hätte ganz sicher gewaltige Auswirkungen auf die Gläubigen in der Ukraine. Die fortan geistig-geistlich also nach dem Westen orientiert wären, statt wie seit je nach Moskau.

Denn gleichzeitig hat sich Bartholomäus I. selbst als Oberhaupt dieser neuen Teilkirche der Orthodoxie angekündigt. Und der hängt immer mehr mit den orthodoxen Teilkirchen in den USA zusammen, das steht ziemlich außer Zweifel. Ihm würden dann auch die dortigen Teilkirchen weitgehend zufallen (auch dort ist die Orthodoxie ziemlich aufgespalten und zerstritten, ihre kleinste Teilkirche hat gar nur 50 Mitglieder.)

Aber das ist noch nicht alles an Indizien dafür, daß man hinter diesen Vorgängen das Handwerk des CIA klappern hören könnte. Oder sollte. Denn über die sittlichen Zustände der Kirche wird zwar in den amerikanischen Medien mit Donner und Pauken berichtet, wenn sie die römische Kirche betreffen. Doch auf ganz seltsame Weise wird über Gerüchte innerhalb der Orthodoxie, die recht ähnlich gelagert sind, von keinem der sonst so eifrigen Sittenwächter-Medien berichtet!

Und nun also der Coup mit der Ukraine? Hört sich das nicht nach einem ganz anderen Kampf an, nach einem Krieg um die Herzen und Seelen der Menschen, der den Krieg mit Kalaschnikows und MIGs vorerst einmal etwas verdrängt hat? Wo, nachdem die NATO bereits an den Grenzen Rußlands steht, gegen jede Zusage und Abmachung, nun auch die orthodoxe Kirche nachzieht? Westliche Werte - in russischem Gewand (denn Kiew ist ja die "Urmutter" aller Russen)? 

Bekommt die "Annäherung der Orthodoxie an die römischen Katholiken", von der bis vor kurzem so viele sprachen als stünde eine Reunion kurz bevor, und die Bartholomäus I. voranzutreiben wie zu repräsentieren schien, also einen ganz neuen Sinn? Denn mit seinen Schritten, und wie erst mit dem einer Erklärung der ukrainischen Orthodoxie zu einer eigenen Teilkirche, hat er sich (und das ist am erstaunlichsten) gegen das Konsilium der übrigen maßgeblichen orthodoxen Patriarchen gestellt. Also seinen Ehrenvorsitz in eine Art "Papalismus" umgewandelt. Aber er hätte dazu nie das Recht gehabt. Bartholomäus I. hat sich also - fast könnte man sagen - schismatisch verhalten. Anders gesagt zeigt sich hier (auch das spricht für die Handschrift des CIA) dieselbe Taktik, die die USA seit Jahrzehnten außenpolitisch anwendet: Die mit einer Spaltung der Feinde beginnt. Und nun die Axt an die geistlichen Wurzeln der orthodoxen Völker gelegt hat. 

Doch noch eine Frage könnte hier aufstehen. Nämlich die, ob die deutlich gezeigte Zuwendung Vladimir Putins zur Orthodoxie selbst nicht einen weit politischeren Hintergrund beweist, als manche wahrnehmen wollen. Denn bisher - und nur wir völlig ent-religiosierten Westler haben das nicht bemerkt, der VdZ jedenfalls kennt kein einziges westliches, europäisches Medium, das diese Zusammenhänge auch nur erwähnt hat - hatte er über das Patriarchat Moskau weit mehr Zugriff auf das ukrainische Volk, als man wahrhaben möchte.

***

Aber auf noch etwas weist Watts hin, und das macht die Suppe noch würziger, das verstärkt noch mehr die Geschmacksnoten USA-CIA-NATO und Rußland-Putin-Orthodoxie. Es ist die Situation der Türkei und vor allem Erdogans. Der sich politisch 2016 endgültig verhoben hatte, als er die russische Kampfmaschine über Nordsyrien abschießen ließ. Während nämlich der Türke mit seinen politischen Phantasien den US-Israel-Interessen im Nahen Osten immer mehr in die Quere kommt (der Putsch gegen ihn dürfte hier deutlich seine Quellen haben), geriet er in Gefahr, sich völlig zwischen alle Stühle zu schieben. Also hat er schleunigst umgelenkt.

Und pflegt seither engste Verbindungen mit Rußland. Die türkischen Exporte nach Moskau haben sich in den letzten beiden Jahren verdoppelt. Während die Armee zunehmend durch den Kauf russischer Militärtechnik ihre Einbindung in die NATO fast schon aufgegeben zu haben scheint. Da bereitet sich also einiges an explosivem Stoff vor. Ohne Rußland wäre Erdogan ohnehin bereits heute politisch tot, manche meinen das sogar buchstäblich (beim Putsch, bei dem er von Putin telephonisch gewarnt worden sei), weil Erdogan sich seit vielen Jahren (nicht nur) außenpolitisch lächerlich dilettantisch, ja kindisch (insofern wieder fast liebenswert) verhalten hat.

Der gelernte Imam (mit seinem wahrlich bewundernswerten Sinn für die Rolle von Gestalt und Form in der Politik, die man sich bei uns nur wünschen kann, und eine Echtheit seiner Religiosität anzeigen, vor der man seinen Hut ziehen muß) hat sich sogar so weit überhoben, daß sich im Osten (Kurdenstaat, beginnend in ... Kasachstan, mit amerikanischer Unterstützung, die Puffer, Einflußbereich und Machtraum zugleich damit schaffen) - auch das völlig unter dem Radar unserer Wahrnehmung! - ein Desaster für die Türkei vorbereitet. Erdogan war dem allen (bis in die höchsteigene Wirtschaftspolitik) nicht gewachsen, man muß es ganz nüchtern sehen. Ganz ehrlich: Macht nicht aber genau das die Orientalen so liebenswert? Der VdZ meint es jedenfalls. Sie sind und bleiben ... Poeten. Die freilich in der falschen Welt leben, weil mit allem Recht der Moderne den Rücken zuwenden und unausweichlich unter die Räder kommen. Ihr Denken vermag das, was heute vorgeht, gar nicht zu fassen.

Aber wo, um zu brutalen, ja, ja und noch einmal ja: verabscheuenswerten Realitäten zurückzukommen, sitzt Bartholomäus I.? Eben. In Istanbul. Wird er es dort leichter oder schwerer als bisher haben? Der Leser möge es sich selbst beantworten. Daß der ökumenische Patriarch der Orthodoxie so starke Anbindung an Rom und die USA sucht, sich daneben (fast möchte man sagen) sein "zukünftiges Land" vorbereitet, auf das er dann seinen Fuß setzen wird, könnte also recht handfeste Gründe haben. Denn schneller als ihm lieb sein könnte, könnte er am Bosporus vor die Tür gesetzt werden. Spätestens dann, wenn allen wieder klarer vor Augen steht, welch enorme strategische Bedeutung das Nadelöhr Istanbul für die NATO und Rußland wirklich hat.

Was Bartholomäus I. schon lange macht, steht in einer gewissen Tradition. Schon im 13. Jahrhundert und vor allem wenige Jahre vor dem finalen Angriff der Türken auf Konstantinopel im Jahre 1452, im Konzil von Florenz, haben die Patriarchen von Konstantinopel um Hilfe im Westen angesucht. Beide Male wurde diese verwehrt, weil man die Unterstellung unters römisch-päpstliche Primat als Forderungen der übrigen Patriarchate verweigerte.

Es ist schon erstaunlich, wie exakt sich die Geschichte manchmal wiederholt. Als ginge es doch wirklich nur um "Archetypen", um immer gleichbleibende Grundkonstellationen als ontologische Spannungen, die bei anderen Lösungen nicht nur nicht gelöst werden, sondern immer wieder neu an die Türe klopfen, als warteten sie nur auf eine nächste Gelegenheit, bis sie realisiert werden. Auch heute sucht Bartholomäus Hilfe im Westen. Aber diesmal spaltet er tatsächlich die Orthodoxie, macht sich gar zum "zweiten Papst", wie die russische Orthodoxie meinte.

Worum es heute geht, scheint aber schon lange nicht nur Putin* zu wissen. Sondern von beiden Kontrahenten in diesem neuen Kalten Krieg scheint es recht konzentriert das Ziel von Kämpfen um geopolitische (und das sind vor allem religiöse) Grundlagen zu sein. Denn wie man Ziele erringt, das wissen diese beiden Seiten wohl recht gut. 

Wie gesagt: Von der Trennung von Politik und Religion reden ja nur die völlig gehirnerweichten Westeuropäer. Die damit die diesen nützlichen Kommandos ihrer Herren immanentisiert, die sich in Wirklichkeit aber damit selbst als Gestalter ihrer Zukunft elegant ausgeschaltet und zum Abtransport auf die Müllhalde der Geschichte zugerüstet haben. Die schon lange sogar kategorial ganz woanders geschrieben wird.






*Noch einmal, und zum Mitschreiben: Der VdZ hat vor Vladimir Putin den allergrößten Respekt. Und immer gehabt. Aber deshalb, weil er PRÄSIDENT RUSSLANDS ist. Und zwar "so richtig". Es wäre aber lächerlich und dumm, von ihm zu erhoffen, er würde auch die Probleme Österreichs und Deutschlands lösen. Mehr helfen kann er uns nicht als uns - UNS - als klar zu erkennender Gegner gegenüberzustehen. Dafür muß man ihm sogar danken. Wobei sich der VdZ (und sicher nicht nur er) wünschte, wir hätten Politiker ähnlichen Kalibers, um adäquat und ohne Kriegsambitionen im Dienste einer friedlichen Zukunft gegenzuhalten. Wer lieben will, muß eben nicht nur Feinde haben, er muß sie vor allem KENNEN und BENENNEN. Das ist die großartige Lektion, die uns Putin lehrt. Wer ihn aber - weil wir lauter Schwachschädel in der Politik haben - zum Präsidenten wünschte, der würde damit sagen, er wünschte sich russische bzw. fremde Herrschaft. Bitte, geht's noch perverser?





*180918*

Freitag, 5. Oktober 2018

Wanderer durch den Herbst

Schon ist Abend, Freunde, schon Abend
Und die Lampe des Mondes scheint hell.
Laßt die Speisen, die Reden, hochtrabend
Und erhebt euch vom Tische schnell.

Hinterm Fenster kein Windhauch, kein Regen,
Kein Blättchen fällt raschelnd herab.
Die Natur will die Seele bewegen
Mit herbstlichem Zauberstab.

Und vielleicht, ich will nicht prophezeien,
Geht ein Pilger auf steinigem Pfad,
Der, in heller Nacht allen verzeihend,
Noch voll Hoffnung das Ziel vor sich hat.

Von Segen erfüllt sind die Wälder
Vom Strom dampft's wie Weihrauch hinauf,
Friede dem, der da streift durch die Felder,
Und auch dem, der ihn nimmt bei sich auf. 

Wer bist Du, durchreisender Fremdling,
Ist Dein Weg, Deine Straße noch weit?
Warum wühlt mich so auf Dein Tiefsinn
Dein Gesicht voller Seligkeit?

Das Gebet Deines Herzens ist heilig,
Treibt die seelische Finsternis fort.
Vielleicht gehe auch ich bald, befrei' mich,
Finde betend und wandernd den Hort.

Und ich werde, mit Kreuzen behangen,
Durch das Land pilgern, wer weiß wohin,
Durch die Dörfer, den Wald ohne Bangen
Und die Städte beharrlich fliehn.


Eines der Lieder des +Priestermönchs Alexander
entnommen dem Buch "Heilige des Alltags" des orthodoxen Bischof Tichon Schewkunow





*010918*

Freitag, 17. August 2018

Warum dennoch römisch-katholisch

In einem sehr berührenden Artikel auf OnePeterFive erklärt Stefanie Nicholas, warum sie von der orthodoxen zur römisch-Katholischen Kirche konvertiert ist. Dabei ist sie in der Griechischen Orthodoxie aufgewachsen, in dieser Atmosphäre von Heiligen Gesängen, ehrfürchtigen, beeindruckenden Handlungen der Liturgie. Sie ist von der Weihrauch geschwängerten Luft in den Kirchen durch und durch getränkt.

Wir bringen ihre Gedanken in der üblichen Freimütigkeit, in der wir an dieser Stelle stets unmittelbare Bezugstexte ergänzen, wo es zum weiteren Verständnis für die Leser dieser Seiten nützlich scheint. Wer am reinen Originaltext interessiert ist, möge ihn auf den Seiten von OnePeterFive nachlesen. 

Nicholas aber hat etwas erkannt. Sie hat zum einen erkannt, daß es keinen Grund gibt davon auszugehen, daß in der römischen Kirche die Sukzession von Petrus ausgehend nicht mehr bestehen sollte. Trotz aller Wirren, trotz des Morasts, in den alles versunken scheint, ist aber genau das der springende Punkt. 

Ein Punkt, der die Orthodoxie immerhin dazu gebracht hat, die ungebrochen wahre Lehre in zwei bzw. drei Punkten zu ändern. Der erste ist die Haltung zur Ehe, die für Nicholas nur begreifbar wird, wenn man sie als unauflöslich begreift. Die Orthodoxie hat aber aus "pastoralen Erwägungen" diese Lehre geändert und gestattet eine Wiederverheiratung. Gerade dieser Punkt heißt für sie viel, denn sie ist 26 und lebt als Geschiedene alleine mit einem Kind. Für sie heißt das, das sie schon in so jungen Jahren weiß, daß sie nie wieder in ehelicher Gemeinschaft leben wird können.

Der zweite Punkt ist die Haltung zur Empfängnisverhütung, die in der Orthodoxie aus ebensolchen pastoralen Gründen "flexibler" ist. Aber der Umstand, daß Empfängnisverhütung in der römischen Kirche untersagt ist, hat nichts mit kirchlicher Willkür oder Macht zu tun, sondern geht aus der Anthropologie, aus dem Wesen des Menschen hervor. Er liegt deshalb in der Schöpfung selbst begründet, also im Willen Gottes, und kann nicht verändert werden, wenn es "pastoral barmherziger" wäre. Das sind menschliche Maßstäbe! Genau das wirft man der römischen Kirche zum Gegenteil zuletzt vor: Aus pastoralen Gründen ihre Lehre ändern zu wollen, wie es die Orthodoxie gemacht hat.

Und dann ist da das "flexiblere" Kirchenverständnis der Orthodoxie, das sich um die grundlegende Tatsache aber herumschlängelt wie ein Wurm:  Daß die Kirche als Organismus - ob man ihn nun rein pneumatisch denkt oder nicht, wobei auch die Orthodoxie auf eine feste, konkrete, in Ämtern und Personen verankerte, feste Hierarchie nicht auskommt - ohne festes Haupt nicht denkbar, ja eine Denkunmöglichkeit ist. Nicholas kommt zu dem Punkt, daß die Gründe für die Abspaltung der Orthodoxie  letztlich irrational, weil sehr menschlich sind, und so sehr man sich nur wünschen kann, daß diese Klüfte überwunden werden können, so können sie zum einen nur über menschliche Akte überwunden werden, die auf Seiten der Orthodoxie liegen. Zum anderen hat sich die Orthodoxie von der einen, von Jesus gestifteten Kirche dadurch entfernt. Den Papst nur als "Ehrenvorsitzenden" zu sehen wie in der Orthodoxie, ist eine Ausrede, die keine wirkliche gedankliche Substanz hat. Wie sollte Kirche dann überhaupt aber gedacht werden? Daß die Orthodoxie spürt, daß das nicht zusammengeht, läßt sich schon daraus erkennen, daß sie den protestantischen Kirchenbegriff, der genau das in Reinform darstellt, immer abgelehnt hat. Aber er wäre das Ergebnis, sieht man die Kirche wider alle Realität wirklich rein pneumatisch. Auch im Protestantismus gibt es, übrigens, genau dieser Realität wegen disziplinäre Strukturen, ohne sie anders begründen zu können, denn mit sonst leerem, geistig sinnentleertem Pragmatismus.

Das ist ihr umso klarer geworden, als sie begriff, daß die momentane römische Kirche mit all ihren schrecklichen Entwicklungen in der Liturgie, in der Moral, in den furchtbaren Zuständen in der Nachahmung des Sterbens Christi ist. Daß ein Abweichen davon ein Akt des Mißtrauens in die Aussage Christi ist, daß diese eine Heilige Kirche von den Mächten der Unterwelt nicht überwunden werden wird. Daß auf Petrus selbst diese Kirche gegründet ist.

Die ganze Fülle der Wahrheit, das ist Nicholas klar geworden, lebt nur in der römisch-katholischen Kirche. Nur dort findet sie in Theologie und Philosophie eine Ausfaltung, eine Weiterentwicklung im besten Sinn, die der orthodoxen Kirche gewissermaßen fehlt. Nichts in der Orthodoxie, das nicht im römischen Katholizismus ebenfalls enthalten wäre - aber dort ist noch mehr. Gleichwohl von der Orthodoxie zu lernen wäre - wie in der Liturgie, oder in den Formen der Frömmigkeit. 

Es muß dem römischen Katholiken klar sein, daß sich gerade im Aushalten dieser furchtbaren Spannungen und Entstellungen, die man heute erleben muß, das eigentliche Heilsmysterium vollzieht. Das da von uns verlangt, daß wir uns in vollem Vertrauen auf Gott werfen. Der das Heil an diese Kirche gebunden hat. So daß das, was die Kirche vom Innersten her durchformt und trägt Jesus Christus selbst ist, der kraft seiner Verheißung sich nie von ihr trennen wird. Die deshalb nach seinem Ratschluß zu sehen und zu suchen ist, auch wenn wir ihn gerade heute oft nicht verstehen. Die Kirche "funktioniert" aber nicht nach unserer Vorstellung, sondern nach der Gottes.

Wenn man davon läßt, wenn man diese Hoffnung, dieses Vertrauen aufgibt, gibt man letztlich überhaupt die Kirche auf, auch wenn man sich orthodox nennt bzw. der Orthodoxie zugehört. (Die im übrigen ihre Geschichte beileibe auch nicht als Aneinanderreihung von puren Großtaten sehen kann.) Wir müssen das ausleiden, aushalten, was sich heute abspielt. Und fest gerade in diesem Moment bleiben, in dem sich alles scheinbar so zur Nacht verdunkelt hat. 

Aber es ist nicht unser menschliches Überlegen, das die Kirche letztlich ausmacht, und von dem sie abhängt. Es ist die Kraft und die Gnade Gottes selbst, der in ihr unsichtbar-sichtbar anwesend ist. Immer, und auf alle Zeit. Und diese unsichtbare, aber reale Kraft wird durch das Kreuztragen der Getauften wirklich und leibhaftig in die Welt geholt, zu deren Heil, als Zeichen des Heils.







*080818*

Sonntag, 29. Juli 2018

Was orthodoxen und römischen Katholizismus trennt (6)

Teil 6)




Dann folgen noch eine Reihe von "nebensächlicheren" Kritikpunkten. Wie die, an Wochentagen in der Fastenzeit Messen zu zelebrieren.

Bedarf von Zwillingen, sich zu unterscheiden

Bemerkenswert ist, daß man so eine Liste des Ausschließenswerten gegen Muslime oder Juden nicht kennt. Es zeigt, daß der Konflikt Orthodoxie - römischer Katholizismus ein innerfamiliärer, umso vehementer geführter Kampf ist. Es beweist, daß man schwer damit zu tun hat, sich getrennt zu sehen. Umso mehr versucht man, die Eigenberechtigung zu beweisen. Zu schwer wiegen die Gemeinsamkeiten. Wie bei Zwillingen, die alles tun, um sich zu unterscheiden und bald nur noch wirken, als würden sie sich nur mit Unterscheidungen befassen.



Kein Orthodoxer würde noch eine römisch-katholische Liturgie besuchen

Den Abschluß der Ausführungen bildet eine bittere Kritik an den Traditionsbrüchen im Katholizismus. Sowohl in der Musik wie auch in der Architektur. Viel Geld wird heute für Abscheulichkeiten ausgegeben. Damit steht in Zusammenhang, daß seit den 1960er Jahren die Zahl der Mönche in der römischen-katholischen Kirche um 95 Prozent zurückgegangen ist. Weltweit gesehen, folgt vielleicht noch EIN EINZIGES Benediktinerkloster den eigentlichen Regeln des Heiligen Benedikt (auch ein orthodoxer Heiliger).  Das zeigt, wie schwierig es in Wahrheit in der Katholischen Kirche (Roms) ist, katholisch zu bleiben. Und das zeigt vor allem, wie groß wirklich die Gräben sind, die Orthodoxie und römischen Katholizismus trennen. Er ist längst spiritueller Natur.

Aber mit rein dogmatischen Einigungen wäre es nicht mehr getan. Die römische Kirche ist bereits glaubenslos.

Was würde also passieren, wenn die römische Kirche das "filioque" aufgäbe. Was würde passieren, wenn die römische Kirche alle Konzile, die sie seit dem Nizäischen Konzil als "ökumenisch" bezeichnet, obwohl die Orthodoxie nie anwesend war, aufgäbe. Wenn die Römer also alles aufgäben, was sie von der Orthodoxie erst so richtig getrennt hat. Wenn sich also die römische Kirche aufs erste Jahrtausend besinnen würde, um mit der Orthodoxie überein zu kommen. Es wäre ein reines Wunder. Es wäre phantastisch. ABER ... was kommt am nächsten Morgen?

Könnte dennoch auch nur irgendjemand aus der Orthodoxie am nächsten Morgen in eine katholische Kirche gehen? Nein, ganz eindeutig: Nein. Ein Orthodoxer in einer römisch-katholischen Messe würde nicht wissen, wo er sich befindet. Er würde sich nicht in einem gemeinsamen Glauben finden! Kein Orthodoxer würde sich im Römischen wiederfinden. Dazu müßte sich die römische Kirche komplett reformieren, sich auf ihren Glauben und ihre Tradition völlig neu besinnen. 

Eine Einigung von Orthodoxie und römischem Katholizismus kann nur eine totale Überraschung sein. Nur ein Wunder. Denn die römisch-katholische Kirche hat sich so weit von der Tradition und dem depositum fidei des Katholizismus entfernt, daß eine Wiedervereinigung der beiden Kirchen nach menschlichem Ermessen ausgeschlossen scheint.







* Eine gewisse Annäherung gab es freilich in den letzten Jahrzehnten, Rom und Moskau haben wechselseitig eine Reihe von Heiligen jeweils in ihr Martyrologium aufgenommen, eigentlich ein sehr bedeutender Schritt - denn sie bestätigen damit einander, daß man in der jeweiligen Glaubenszugehörigkeit, eigentlich in der jeweiligen Liturgie heilig werden kann!

**Das hat den VdZ bei Besuchen in Orthodoxen Liturgien mit am meisten überrascht: Jedesmal (!) lange Schlangen von Pönitenten, so gut wie alle gingen jedesmal beichten, wenn sie zum Empfang der Kommunion wollten. Und oft wurden die (meist: Mehrzahl) Priester bis zur Kommunion - trotz der zeitlich so langen Liturgie - gar nicht fertig.





*170618*

Samstag, 28. Juli 2018

Was orthodoxen und römischen Katholizismus trennt (5)

Teil 5)



Unterschiede in den diskriminierenden Listen der Orthodoxie, wo man den Römern vorwarf, "unreines" Fleisch zu essen (also mit Blut, ersticktes also, was sich nur beim "Schächten", beim "Halal-Schlachten" vermeiden ließe), sind hingegen obsolet. Sie liegen bestenfalls im unterschiedlichen Klima zwischen Mittelmeer und Europa begründet. Wo das ganz andere Auswirkungen hat. In heißeren Klimazonen stockt Blut sehr rasch. Auch ißt man in Europa Tiere, die man im Osten nicht ißt, auch aus Klimagründen. Weil sich das Fleisch nicht hält.

Im Fleischverbot ist eine weitere, gewaltvolle Geißelung des Fleisches nicht notwendig

Auch das unbedingte Fleischverbot für Mönche ist nur relativ zu sehen. Dafür gibt es im römisch-katholischen Mönchen andere Praktiken, wobei man drüber diskutieren kann, ob sich der Flagello (Peitsche) zu unterziehen, um das Fleisch zu bändigen, nicht weniger klug ist als durch Mäßigung und Verzicht gleich Nahrung, die das Fleisch stärkt - also: Fleisch - zu vermeiden. Da ist sicher ein Widerspruch.

Dann warf man den römischen Klerikern vor, als Soldaten oder Ritter in Schlachten zu dienen. Eine Militarisierung, die als Reaktion auf die militärischen Bedrohungen aus dem Orient (Muslime) zu werten ist, keine Frage In den Kreuzzügen gab es ja sogar Ordensgemeinschaften, die als Programm das Schwert ergriffen. Das widerspricht völlig der orthodoxen Mentalität und Stellung von Priestern Krieg und Kampf gegenüber. Klar, auch dort hat man Priester im Militär, aber sie sind dort nur Kapläne, Geistliche, die niemals töten würden. 

Dann wurde kritisiert, daß römische Priester mehr als eine Liturgie pro Tag feierten (was im übrigen im römischen Katholizismus nur an wenigen Tagen erlaubt ist, darunter Allerseelen, Ostern (weil es nicht vermeidbar ist), und Weihnachten. Neben pastoralen Notlagen. Aber das hat damit zu tun, daß die Liturgie "pastoral" wurde, und sich vom eigentlichen liturgischen Kairos entfernt hat. In der Orthodoxie gibt es eben Vesper etc. Und daran ist die Liturgie gebunden. Nicht an die Pastoral. 

Übrigens: So spät dieses Argument der Pastoral im Vortrag kommt, es ist in den Augen des VdZ weit weit bedeutender. Ja, es ist einer der Hauptgründe für viele Fehlentwicklungen in der römisch-katholischen Kirche. Es ist in seinen Augen sogar der Hauptgrund, warum sich die Kirche über tausend Jahre fast zwangsläufig auf den Totalkollaps zubewegte, den das 2. Vatikanum in seinen Folgen nur noch zur Darstellung brachte, das aber längst alles - auch die tridentinische Liturgie - als Fäulnis durchsetzt hatte.

Ein Priester darf keinen "sex appeal" haben

Dazu paßt dann die Kritik der "schön rasierten Priester", was als Widerspruch zum Verbot gesehen wurde, daß ein Priester keinen "sex appeal" haben dürfe. Ein uraltes Gebot für Priester, das schon Moses sehr sehr scharf vorgab. 

Man kritisierte außerdem die Begräbnisgewohnheiten, wo plötzlich die Menschen nicht mehr mit überkreuzten Armen begraben wurden. Und kritisierte, daß man in Rom Laien zum Altar hinzutreten ließ. Das widerspricht jeder Tradition und der Wirklichkeit des Heiligen, des Tremendum. Man kritisierte auch das Sitzen im Gottesdienst, das sich im 16. Jahrhundert überall etablierte. Und zwar vor allem, weil die Bedeutung von Sitzen UMGEKEHRT wurde. Tatsache ist dabei, daß Stühle in unseren Volkskulturen immer nur den Oberen vorbehalten blieben. Ja, einen Sitz zu haben war Merkmal der Führung. Noch im Mittelalter saß NIEMAND, einen Stuhl gab es nur für den Herren.  

Sitzen ist ein Merkmal von Autorität!

Wer steht zeigt, daß er sich der Autorität unterwirft. Diese Änderung ist auf die Protestanten zurückzuführen - der VdZ hat schon mehrmals gesagt, daß die liturgischen Neuerungen des Tridentinums eine kaum faßliche Reaktion auf den Protestantismus war, der SEITHER noch deutlicher Einzug in der Katholizität hielt. Er hält schon deshalb die tridentinische Messe als Formalregelung, wie es so viele heute meinen, keineswegs (mehr) für das Heilmittel des Katholizismus! Da ist viel mehr notwendig. Die "alte, tridentinische Messe Paul V." ist vielmehr eine direkte Wegbereitung für die katastrophalen Zerstörungen des 2. Vatikanums und seinen Folgen. Das macht auch "Petrusbruderschaften" oder "Piusbruderschaften" und wie sie auch heißen mögen zu Totgeburten.


Morgen Teil 6)





*170618*

Freitag, 27. Juli 2018

Was orthodoxen und römischen Katholizismus trennt (4)

Teil 4)



Ein nächster Punkt ist die "unbefleckte Empfängnis", wie sie die katholische Kirche 1854 als Dogma verkündet hat. Demgemäß wurde Maria auf eine von uns verschiedene Weise empfangen. Frei von Erbsünde. Das wäre aber kein Grund für "Heiligkeit". Denn damit hätte Maria niemals mit den Versuchungen der Erbsünde zu kämpfen gehabt. Wenn Maria die Taufe, wenn Maria die Versuchungen des "normalen gefallenen Menschen" nicht zu überwinden hatte, wäre ihre Heiligkeit doch nicht so groß wie sie tatsächlich ist!? Dieses Dogma macht sie also kleiner! Erst das machte sie aber zu dem großen Vorbild für alle Menschen!

Änderungen an allen Sakramenten

Weiters führt Fr. Trenham Änderungen in den Sakramenten an, die die römisch-katholische Kirche durchgeführt hat. Die fast alle seit dem großen Schisma eingeführt wurden. Man nehme etwa das Kreuzzeichen. (Das aber kein Sakrament ist, sondern eine "Sakramentalie", Anm.). Es ist so alt wie die Kirche, und eines der ersten überlieferten Zeugnisse, überliefert bereits aus dem 2. Jahrhundert. Schon der Heilige Antonius bezeichnet es im Jahre 250 als mächtigste Waffe gegen das Böse. Nach Papst Innozenz III. aber wurde das Kreuz verändert - von links nach rechts, wie es die römischen Katholiken bis heute tun. Aber es war immer von rechts nach links! Das hat die Orthodoxie nie akzeptiert. Nicht, weil es nicht ein Kreuz wäre. Sondern weil es ein willkürliches Ändern einer Tradition war, dessen Wirkmächtigkeit ja oft und oft überliefert wurde. Warum ändert man das also, ohne sich darum zu kümmern, was der Osten macht?

Nächster Punkt - die Taufe. Sie wurde von Rom sowohl der Form wie in den Formularien (Prozedere) geändert. Die von Anfang an überlieferte Form ist das Eintauchen ins Wasser. Ganz. Dreimal. Im Namen des Vaters. Des Sohnes. Des Heiligen Geistes. Es begann im 10. Jahrhundert, als die römischen Katholiken nur noch einmal eingetaucht wurden. (Wir bemerken: Form und Inhalt wurden allmählich mehr und mehr auseinandergerissen. Die Dinge verloren, was sie sind - und das ist genau der Nominalismus, der später alles zersetzen sollte.)

Im Mittelalter verlor sich sogar diese Praxis, und entwickelte sich zur heutigen, völlig neuen römisch-katholischen Praxis: Man übergießt nur noch den Kopf des Säuglings. Das Sakrament wurde zum "Symbol". Man beachte dabei aber vor allem: Die Bewegung! Von - zu! Was geht von - zu? (Übrigens: Das Konzept des "logos", der ein "auf - hin" ist.) Das kommt einer Perversion, einer Umkehrung dessen gleich, was Taufe überhaupt IST.

Wer aber "tauft" überhaupt?

Dazu kam die Formel, das gesprochene Wort. Von "Der Täufling WIRD getauft" (passivum) zu "ICH TAUFE DICH" (aktivum!) (Erkennt der Leser die Zusammenhänge mit dem "Filioque"?) Damit wird genau das Falsche ausgedrückt. Der Priester IST der Gnadenspender, und nicht der Mittler der Gnade des Heiligen Geistes, der DURCH/ÜBER IHN wirkt. Johannes Chrysostomus hat diese Praxis seit dem 4. Jahrhundert bekämpft.

Gibt es drei Sorten von Christen? Vom Auseinanderreißen der Sakramente.

Das nächste, was schrecklich verändert wurde, war die Salbung mit Chrisamöl. Während die ersten Jahrhunderte die Praxis der Aufeinanderfolge von Taufe - Salbung (Firmung) - Eucharistie gleich war, brach die römische Kirche diese "Trilogie" auf. Seither wird die Firmung von der Taufe getrennt, man wird ohne Chrisamöl getauft. Eine neue Art von Christ wurde damit erfunden. Plötzlich gibt es drei Arten von Christen - die Orthodoxen kennen aber nur einen! Den Getauften, den Gefirmten, den Kommunionempfänger. Die Römer haben damit Kindheit von 6 - 7 Jahre alten Kindern getrennt. Nun gibt es getaufte, aber nicht kommuniable Christen. Und dann gibt es getaufte und kommunizierende, aber nicht gefirmte Christen. Das ist eine völlige Neuheit gewesen! Die es so nie gegeben hat. 

Das ließe eigentlich zu einer seltsamen Idee von "Exkommunikation" verleiten - da sind also Menschen exkommuniziert, nur weil sie ... kleine Kinder sind?

Dann kam die Neuerung, daß die Eucharistie, die nur in einer Form gegeben wurde, auf "ungesäuertes Brot" geändert wurde. Statt daß ein Laib verwendet wurde, der die Gesamtheit der Kirche symbolisiert hatte, wurden einzelne Hostien geprägt. Sie haben damit kein Brot "zu brechen". Das hat nur noch der Priester. Aber die normalen Gläubigen bekommen ungebrochenes Brot. Damit verbindet sich aber das Symbol "vereinzelter weil einzelstehender Teile". Das Symbol, der Gemeinschaft des "einen Laib zugehörend", verliert sich damit, wird im "einen Kelch" nicht mehr erfaßt.

Auflösung der Fastenordnung

Nächster Punkt: Das Fasten am Samstag, aber überhaupt die Fastengebote. Die Tradition kennt ein Fasten von Mittwoch und Freitag, und zwar wirkliches Fasten. Aber nicht am Samstag, nicht am Sonntag. Die heutigen Katholiken müssen schon froh sein, wenn man am Freitag kein Fleisch ißt. Die immer strengen Fastenregeln sind quasi aufgehoben, selbst in der Fastenzeit. Die Bedeutung des Fastens für die Volksfrömmigkeit ist dabei kaum zu überschätzen! (Das Fastengebot der Orthodoxie ist nach wie vor sehr sehr streng, und wird auch befolgt.)

Vom Zölibatären ist mehr verlangt, als von den Aposteln

Ein sehr wichtiger Punkt ist das klerikale Zölibat, eine wichtige Angelegenheit, weil sie das Verhältnis des Priesters zur Sexualität betrifft. Hierin unterscheiden sich Westen und Osten deutlich. Von Anfang an haben die westlichen Vertreter auf Konzilien versucht ein Gesetz durchzubringen, daß jeder, der zum Priester geweiht wurde, sich zukünftig - auch wenn er vor der Weihe verheiratet gewesen war - von sexuellen Beziehungen fernzuhalten habe. Es gab ja am Anfang viele zuvor zumindest verheiratete Priester, denn ein erwachsener Mann heiratet eben. Das Wesen des Menschen ist schlicht ehelich. 

Wer gesund ist, der ist verheiratet, so kann man das zusammenfassen. Die Argumentation der östlichen Tradition sagt nun, daß man zwar den römischen Impuls sehr zu achten habe, aber daß einen Mann zum Zölibat verpflichten zu wollen hieße, von ihm mehr Heiligkeit als von den Aposteln zu verlangen. Die ja zum Teil verheiratet gewesen waren, ehe sie sich zur Nachfolge Jesu entschlossen. Ja, von einem Kleriker ist mehr zu verlangen als von einem einfachen Laien, keine Frage, sagt Fr. Trenham. Auch mehr Heiligkeit, Keuschheit, etc. Aber was nicht der Fall sein kann ist, daß man von einem Priester mehr verlangt als von einem Apostel Paulus oder anderen Aposteln! 

Getreu den ersten Konzilien verlangt man apostolischen Rigorismus, klar, aber nicht einen "super-apostolischen" Rigorismus.  Das Priestertum VERSTÄRKT sogar die Position in einer Ehe, schwächt sie nicht (wie es die römische Kirche heute sieht.) Die Bemühungen der ersten Konzilien gingen dahin, Anstand in die persönlichen Verhältnisse zu bringen, nicht - Zölibat. Sogar zum Gegenteil. Seine Frau wegen der Weihe zu verlassen, sich des ehelichen Verkehrs zu enthalten, war ein Vergehen. Sie brauchten freilich Keuschheit, auch im Umgang mit der Frau, aber mußten sich nur dort enthalten, wo sie die Liturgie zelebrierten. 

Dazu muß man einfach zuerkennen, daß diese Lösung ... der Realität auch der römischen Kirche weit mehr entspricht. Denn die Praxis hat gezeigt, daß die römischen Anforderungen in der Praxis der orthodoxen Regelung entsprechen. Das Zölibat wird und wurde über weite Strecken nie eingehalten. Was also ist realistischer?

Morgen Teil 5)






*170618*

Donnerstag, 26. Juli 2018

Was orthodoxen und römischen Katholizismus trennt (3)

Teil 3)




Eine weitere Folge ist, daß der Papst die dogmatische Gewalt hat, Dogmen zu verändern, selbst wenn vorangegangene Päpste sagten, daß das nicht möglich ist. Und wir erleben es bei P. Franziskus tatsächlich. Eine wirkliche Grundlage, ihm zu widersprechen, wie es traditionelle Katholiken behaupten und oft genug sehr fragwürdig und unbeholfen zu rechtfertigen suchen, gibt es nicht, ohne diesem Primatsprinzip zu widersprechen. Das "depositum fidei" als Gut der gesamten Kirche verliert so sein reales Gewicht, seine Präsenz.


Die päpstliche Unfehlbarkeit hat versagt - sie bewirkt erst die Verwirrung, die zu bekämpfen sie vorgab

Die Folgen beobachten wir in der extremen Verwirrung, die heute herrscht. Die Ergebnisse von allgemeinen Umfragen, was katholisch sei, sind erschütternd. Nicht TROTZ des Primats in der heutigen Form, sondern eben ... WEGEN.)  Wie es eben beim Credo passiert ist. Auch die Einrichtung von "Kardinälen" widerspricht der Kirche. Extremes dogmatisches Chaos ist die Folge! Und nicht nur in Europa, sondern auf der ganzen Welt. Es gibt heute Kardinäle, die in ihren Diözesen Theologen beschäftigen, die sogar explizit die Auferstehung leugnen. Daran zeigt sich, daß die "Unfehlbarkeit des Papstes" in Verbindung mit zentralistischer Disziplin, die garantieren sollte, daß jeder Bischof und jeder Priester nur die eine Lehre verkündet, ganz real nicht funktioniert hat!

Das hatte weitere Auswirkungen. So hat die Kirche die Lehre der Kirchenväter über Bord geworfen, was das Wirken der Gnade anbelangt. Die Definition, daß sich die Gnade als eigene Substanz von Gott selbst unterscheidet, führt zur Definition, daß der Gläubige im Gebet nicht mehr mit dem ungeschaffenen Licht selbst in Verbindung kommt. Große Kirchenväter haben aber gelehrt, daß der Einzelne zwar nicht mit Gott, aber mit der göttlichen "Energie" in Verbindung kommen kann. Sie haben gelehrt, daß der Einzelne durch Gebet mit Gott in Kommunion kommen kann und so das ungeschaffene Licht erblicken kann. So daß jeder Gläubige das Erlebnis auf dem Berg Tabor in seinem Leben haben kann. (Kann!) Das wird von der römischen Kirche explizit abgelehnt.

Gnade als eigene Wirklichkeit?

Vereinfacht sagt die Orthodoxie mit Kirchenvätern, daß der Mensch zwar nicht mit der Sonne, aber mit deren Hitze und Wärme in Kontakt kommen kann. Die zwar nicht die Sonne selbst sind, aber doch auf eine Weise, und zwar über ihre Wirkungen und Eigenschaften.  Das Tageslicht, die Wärme sind zwar nicht Gott selbst, aber doch reale Anwesenheit Gottes (im Beispiel: der Sonne). (Das führt übrigens auch zum Punkt der Wertschätzung der Weisheit, der Sophia in der Orthodoxie, als Teilhabe am Wissen und an der Vorsehung Gottes. Es wird auf jeden Fall leichter verständlich, warum römisch-katholische Theologen manchmal meinten, die Rolle der Sophia in der Orthodoxie wäre fast einer "vierten göttlichen Person" gleich. Was natürlich so nicht stimmt.) Gnade wird bei der römisch-katholischen Kirche also zur "geschaffenen" Wirklichkeit, einer eigenen Substanz, nicht zur direkten Eigenschaftlichkeit Gottes (und damit seiner Präsenz über die Anwesenheit der Gnade) selbst.

Zusammengefaßt: Das filioque wird deshalb abgelehnt, weil es zwar keine Frage ist, daß Christus der Mittler ist, der diese Möglichkeit eröffnete, über die Anähnlichung an ihn, aber die Wirklichkeit des Heiligen Geistes als Dritte Göttliche Person, der vom Vater ausgeht, ist dann an sich eine weitere, eigene Wirklichkeit.

Wer gestorben ist, ist noch lange nicht gerettet

Die weiteren Unterschiede hängen damit eng zusammen. So die Lehre über das Fegefeuer. Die römisch-katholische Kirche lehrt, daß das Fegefeuer ein Feuer der Reinigung ist, nicht das Feuer der Hölle, wie die Orthodoxie. Sie behauptet, daß die Rettung schon durch den Glauben erreicht werde, OHNE daß die Erfordernisse der Reue erfüllt seien. Diese Lehre gab es zwar schon vor dem Schisma, aber sie explodierte im Mittelalter. Wo sich das Konzept des Ablasses ausufernd steigerte. Luther habe damit Recht gehabt, als er sagte: Wenn der Papst die Vollmacht hat, diese Strafen im Fegefeuer abzukürzen oder überhaupt zu erlassen, warum macht er es nicht einfach so, aus Liebe? Warum also "Ablaßkäufe"? 

Freilich, das protestantische Konzept, daß man mit dem Tod - "ping!" - auf der Wolke des Himmels schwebt, ist genau so Unsinn. Nicht besser als das Konzept des Fegefeuers der römischen-katholischen Kirche.

So lange jemand noch im "Fegefeuer" ist, daß das Feuer der Hölle ist, ist jemand nach orthodoxer Ansicht aber noch nicht gerettet. Worauf bezieht sich so ein "Optimismus"? Die Orthodoxie hat deshalb 40tägige Riten nach dem Ableben einer Person, man muß sich um jeden Verstorbenen ernsthafte Sorgen machen. Denn der Übergang von diesem Leben zum ewigen Leben passiert nicht "plötzlich". Und schon gar nicht ist er leicht (wie er es bei der Jungfrau Maria war.) Er ist sehr sehr herausfordernd, und unsere Gebete für den Verstorbenen sind äußerst wichtig. Was die Protestanten, im speziellen noch die Calvinisten sagen, daß die Seele nach dem Tod SOFORT in den Himmel gelange, entbehrt jeder Grundlage. Wenn man auch gewisse Vorsicht bei solchen Konzepten haben sollte, denn im Neuen Testament steht nichts darüber.


Morgen Teil 4)





*170618*

Mittwoch, 25. Juli 2018

Was orthodoxen und römischen Katholizismus trennt (2)

Teil 2)




Trotz dieser Zahlen haben aber heute die, die den Katholizismus ernst nehmen, größte Probleme einen Ort zu finden, an dem sie diesen Glauben auch leben können. Wo sie nicht mit der Fülle von Widersprüchen konfrontiert sind, die die römische Kirche heute kennzeichnen. Das Verhältnis Priester zu Gläubigen in den USA ist deshalb nicht zufällig 5.000 zu 1. Und davon sind gut 50 Prozent "Importe", aus den Philippinen etwa. Aufgrund der Erosionen in der katholischen Kirche gibt es für konservative, "anständige" Katholiken keinen Ansporn mehr, Priester zu werden. Es wird deshalb auch immer schwieriger eine Kirche zu finden, wo die Liturgie noch anständig gefeiert und keine moraltheologische Verirrung gepredigt wird. Oder wo man wie früher immer beichten gehen kann. Und nicht einmal das spärliche Beichtangebot wird noch wahrgenommen, denn Katholiken gehen heute gar nicht mehr zur Beichte.** Die Katholiken sind nicht nur protestantisiert, sie haben freiwillig angenommen, was die Protestanten angerichtet haben. Daran sind die Bischöfe selbst schuld. 

Fr. Trenham schickt seinem Sermon über die Unterschiede voraus, daß er große Wertschätzung für die römisch-katholischen Gläubigen hegt. Auch schätzt er die Zusammenarbeit mit dem Katholizismus, der der Orthodoxie oft auch hilft. 2016 ist sogar erstmals ein Statement gegen die Abtreibung herausgegeben worden, in dem katholische und orthodoxe Bischöfe gemeinsam Stellung bezogen. 

Dennoch ist seine Liste der Abgrenzungspunkte nicht weniger scharf. Und so beklagt er, daß die römische Kirche oft sehr aggressiv vorgeht. Etwa im Vorderen Orient, in Gebieten wo es gar keine Katholiken gibt, sondern nur Orthodoxe, errichten sie etwa Schulen - sie haben die Mittel dazu - und drängen die Schüler, die orthodox sind, klammheimlich in den Katholizismus, etwa im Meßbesuch (in der Memoration).  Diese "Proselytenmacherei" ist generell zu beobachten, und oft genug (siehe Ukraine) ein schwerer Anstoß zum Konflikt. (Aber hier haben wir eben das Problem der Religionsfreiheit, und warum die Orthodoxen das oft wollen, liegt auf der Hand: sie dient der Minderheit, und nur der Minderheit.)

Eine große und fragwürdige Rolle spielten die Erscheinungen von Fatima. Die Kinder erhielten dabei eine Prophetie, genau übrigens in dem Jahr, in dem Rußland durch den Bolschewismus gekreuzigt wurde. Es heißt dabei, daß sich Rußland "bekehre". Die Katholiken interpretieren das aber so, als hätte das geheißen, sie würden KATHOLISCH! Totaler Unsinn! Der orthodoxe Priester und Theologe erzählt von einem seiner Gespräche mit dem (sehr frommen, katholischen) portugiesischen König (derzeit außer Amt). Der sei mit den Seherkindern in regelmäßigem brieflichem Kontakt gestanden. Auf eine spezifische Anfrage diesbezüglich hätten diese ihm aber geantwortet, daß ihrer Auffassung nach Maria diese Botschaft so gemeint habe, daß die Russen sich ZUR ORTHODOXIE bekehren würden! (Übrigens: Manchen Berichten zufolge scheint sich das heute tatsächlich zu ereignen.)

Die Liste der Unterschiede - Am Anfang stand das Filioque

Was steht nun aber wirklich zwischen der Orthodoxie und der römisch-katholischen Kirche? Die orthodoxe Kirche hat dazu ab dem 7./8. Jahrhundert Listen angefertigt. Und ganz an der Spitze der Unvereinbarkeiten steht das FILIOQUE als Lehre vom Ausgang des Heiligen Geistes. Das widerspricht der Lehre von der Dreifaltigkeit, und die Konsequenzen dieser Häresie sind immens. (Wir haben darüber schon einmal unsere Gedanken dargelegt, es stimmt: die Konsequenzen WAREN immens.) Es geht dabei nicht nur um die Arroganz, in der der römische Papst einseitig und eigenmächtig das in Nizäa gemeinsam erarbeitete Glaubensbekenntnis geändert hatte. Sondern man hatte damals festgelegt, daß am Credo "nicht eine Silbe" geändert werden dürfte - bei sonstigem anathema sit. Seither expliziert sich die römische Kirche auf genau diese beiden Punkte, die aber extrem scheiden: Das Filioque und die Unfehlbarkeit des Papstes (in der er das einseitig verkündete). 

Was ist der Papst?

Im päpstlichen Primat sieht die Orthodoxie die Abweichung, daß es beim Bischof von Rom in der römischen Auffassung nicht einfach um den "Nachfolger von Petrus" geht, sondern um dessen "stellvertretender Präsenz auf Erden". Daraus ist die Vorstellung erwachsen, daß der Bischof von Rom nicht einfach Jurisdiktion über SEINE Diözese (Rom) hat, sondern daß er gleichermaßen das Recht hat, sich disziplinär in die Agenden der östlichen Patriarchen einzumischen. Nicht nur gewissermaßen "im Vorrang der Ehre", sondern in Jurisdiktionsgewalt. 

Das hat sich so ausgewachsen, daß es heute keinen römisch-katholischen Bischof auf der Welt gibt, der nicht vom Papst eingesetzt wird. Die Orthodoxie lehnt diesen Zentralismus völlig ab. Die Idee, daß ein Bischof alle Rechte gegenüber allen anderen Bischöfen hat, verletzt das Territorialprinzip, das Lokalitätsprinzip der Kirche.





Morgen Teil 3)




*170618*