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Mittwoch, 25. Juli 2018

Was orthodoxen und römischen Katholizismus trennt (2)

Teil 2)




Trotz dieser Zahlen haben aber heute die, die den Katholizismus ernst nehmen, größte Probleme einen Ort zu finden, an dem sie diesen Glauben auch leben können. Wo sie nicht mit der Fülle von Widersprüchen konfrontiert sind, die die römische Kirche heute kennzeichnen. Das Verhältnis Priester zu Gläubigen in den USA ist deshalb nicht zufällig 5.000 zu 1. Und davon sind gut 50 Prozent "Importe", aus den Philippinen etwa. Aufgrund der Erosionen in der katholischen Kirche gibt es für konservative, "anständige" Katholiken keinen Ansporn mehr, Priester zu werden. Es wird deshalb auch immer schwieriger eine Kirche zu finden, wo die Liturgie noch anständig gefeiert und keine moraltheologische Verirrung gepredigt wird. Oder wo man wie früher immer beichten gehen kann. Und nicht einmal das spärliche Beichtangebot wird noch wahrgenommen, denn Katholiken gehen heute gar nicht mehr zur Beichte.** Die Katholiken sind nicht nur protestantisiert, sie haben freiwillig angenommen, was die Protestanten angerichtet haben. Daran sind die Bischöfe selbst schuld. 

Fr. Trenham schickt seinem Sermon über die Unterschiede voraus, daß er große Wertschätzung für die römisch-katholischen Gläubigen hegt. Auch schätzt er die Zusammenarbeit mit dem Katholizismus, der der Orthodoxie oft auch hilft. 2016 ist sogar erstmals ein Statement gegen die Abtreibung herausgegeben worden, in dem katholische und orthodoxe Bischöfe gemeinsam Stellung bezogen. 

Dennoch ist seine Liste der Abgrenzungspunkte nicht weniger scharf. Und so beklagt er, daß die römische Kirche oft sehr aggressiv vorgeht. Etwa im Vorderen Orient, in Gebieten wo es gar keine Katholiken gibt, sondern nur Orthodoxe, errichten sie etwa Schulen - sie haben die Mittel dazu - und drängen die Schüler, die orthodox sind, klammheimlich in den Katholizismus, etwa im Meßbesuch (in der Memoration).  Diese "Proselytenmacherei" ist generell zu beobachten, und oft genug (siehe Ukraine) ein schwerer Anstoß zum Konflikt. (Aber hier haben wir eben das Problem der Religionsfreiheit, und warum die Orthodoxen das oft wollen, liegt auf der Hand: sie dient der Minderheit, und nur der Minderheit.)

Eine große und fragwürdige Rolle spielten die Erscheinungen von Fatima. Die Kinder erhielten dabei eine Prophetie, genau übrigens in dem Jahr, in dem Rußland durch den Bolschewismus gekreuzigt wurde. Es heißt dabei, daß sich Rußland "bekehre". Die Katholiken interpretieren das aber so, als hätte das geheißen, sie würden KATHOLISCH! Totaler Unsinn! Der orthodoxe Priester und Theologe erzählt von einem seiner Gespräche mit dem (sehr frommen, katholischen) portugiesischen König (derzeit außer Amt). Der sei mit den Seherkindern in regelmäßigem brieflichem Kontakt gestanden. Auf eine spezifische Anfrage diesbezüglich hätten diese ihm aber geantwortet, daß ihrer Auffassung nach Maria diese Botschaft so gemeint habe, daß die Russen sich ZUR ORTHODOXIE bekehren würden! (Übrigens: Manchen Berichten zufolge scheint sich das heute tatsächlich zu ereignen.)

Die Liste der Unterschiede - Am Anfang stand das Filioque

Was steht nun aber wirklich zwischen der Orthodoxie und der römisch-katholischen Kirche? Die orthodoxe Kirche hat dazu ab dem 7./8. Jahrhundert Listen angefertigt. Und ganz an der Spitze der Unvereinbarkeiten steht das FILIOQUE als Lehre vom Ausgang des Heiligen Geistes. Das widerspricht der Lehre von der Dreifaltigkeit, und die Konsequenzen dieser Häresie sind immens. (Wir haben darüber schon einmal unsere Gedanken dargelegt, es stimmt: die Konsequenzen WAREN immens.) Es geht dabei nicht nur um die Arroganz, in der der römische Papst einseitig und eigenmächtig das in Nizäa gemeinsam erarbeitete Glaubensbekenntnis geändert hatte. Sondern man hatte damals festgelegt, daß am Credo "nicht eine Silbe" geändert werden dürfte - bei sonstigem anathema sit. Seither expliziert sich die römische Kirche auf genau diese beiden Punkte, die aber extrem scheiden: Das Filioque und die Unfehlbarkeit des Papstes (in der er das einseitig verkündete). 

Was ist der Papst?

Im päpstlichen Primat sieht die Orthodoxie die Abweichung, daß es beim Bischof von Rom in der römischen Auffassung nicht einfach um den "Nachfolger von Petrus" geht, sondern um dessen "stellvertretender Präsenz auf Erden". Daraus ist die Vorstellung erwachsen, daß der Bischof von Rom nicht einfach Jurisdiktion über SEINE Diözese (Rom) hat, sondern daß er gleichermaßen das Recht hat, sich disziplinär in die Agenden der östlichen Patriarchen einzumischen. Nicht nur gewissermaßen "im Vorrang der Ehre", sondern in Jurisdiktionsgewalt. 

Das hat sich so ausgewachsen, daß es heute keinen römisch-katholischen Bischof auf der Welt gibt, der nicht vom Papst eingesetzt wird. Die Orthodoxie lehnt diesen Zentralismus völlig ab. Die Idee, daß ein Bischof alle Rechte gegenüber allen anderen Bischöfen hat, verletzt das Territorialprinzip, das Lokalitätsprinzip der Kirche.





Morgen Teil 3)




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