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Mittwoch, 11. September 2024

Beobachtungen zu fettem Haar und Schlabberpulli

Videos wie das unten eingefügte zu sehen erfordert bei mir einen guten Magen. Und diese amerikanische Art, an die Dinge heranzugehen, ist einfach widerlich. Und außerdem falsch. Dabei versteht sich Patrick Coffin so erzkatholisch. Aber gerade diese Zunft versteht oft so überhaupt nicht, daß man der Welt und Gott einen wahren Bärendienst erweist, den Katholizismus zu ideologisieren.

Und wenn es eines gibt, was Amerika ist und getan hat und "kann", dann ist es das: Das Gute zu ideologisieren. Und das heißt: Das Geistige materiell zu verstehen und für "machbar" zu halten. 

Worin wir es mit einem der am meisten verkannten, ja unerkannten, dabei vielleicht wirklich - wie Rosmini meint - bedeutendsten Irrtum der Kultur des Abendlandes, ja der Menschheit überhaupt zu tun haben, der sich in unserem Kulturraum spätestens im 19. Jahrhundert so schrecklich beherrschend erhoben hat. Vermutlich ist der gesamte faktische Zusammenbruch dieser Kultur alleine darauf zurückzuführen, daß dieser Irrtum allgemein wurde, also auf dem Rücken der Massenmedien die Studierstuben verließ und "populär" wurde.

Das einzige, warum es diese halbe Stunde dennoch lohnt zu investieren ist, weil der allem Amerikanischen zugrundeliegende Liberalismus (der in Wahrheit ein revolutionärer Impuls ist) in einem Punkt fast immer interessant ist: Er schildert das, woran gelitten wird, oft sehr genau.

In dem Fall schildert ein Ehepaar nicht nur einige der häufigsten Fallen einer Eheschließung, sondern bemerkt sehr richtig, daß die feministischesten Frauen stets dann, wenn sie versuchen, einen Mann für sich zu gewinnen, sehr genau wissen, wie sich das Spiel Mann - Frau IN WAHRHEIT abspielt, was dessen wirkliche Natur ist. 

Da ist es plötzlich keine Frage, daß die Frau sich dem Mann fügt, daß der Mann die Führung übernimmt, galant und charmant ist, während die Frau sich unterwirft und von ihm die Lebensgestaltung erwartet. (Und tut sie es nicht, röhrt sie ins Hirschengebläse, hält nicht einmal die Datingphase längere Zeit, ohne daß beide wissen, wie ihnen geschieht.)
Es ist "cruel", es ist förmlich grausam, daß die Frauen dann in dem  Moment, wo sie den Mann "gefangen", gebunden wissen, schlagartig den Ton ändern, und mit ihren Forderungen herausrücken, was sie zukünftig an Verhalten erwarten, und was ihre wahren Ansprüche sind. Und urplötzlich so ganz anders sind, als sie sich bislang präsentiert haben.

Samstag, 15. Januar 2022

Nur sie und das Waldvögelein

Auch dazu hatmich das Stöbern in alten Beiträgen gemahnet: Es ist höchst an der Zeit, eines meiner Liebesgedichte wieder einmal zu servieren. Es stammt von Walther von der Vogelweide, und ist "aktuell" wie am Tag seiner ersten Niederschrift, damals, im Wien der späten Jugend.

Was für eine schöne Geschichte, wie meisterlich gedichtet, und mit wie wenigen Worten - Tandaradei!, so viel erzählt, ein Leben ausgebreitet wird. Sieht man sie nicht, das Frauke, mit ihrer persischfrüchtigen Haut, und ihren kaukasischen Lippen? Wo ihr  Köpflein lag, dort ist das Gras besonders zusammengedrückt, dort bei den Rosen. Wegen der Tropfen Bluts, die nun zwar schon trocken, aber noch gestern frisch und rot? Nein. Warum dann? Das weiß nur sie, und das Vögelein, und sie beide, sie schweigen. Wie der Wald. Denn das Schweigen ist das Hören. Das Hören aber, das ist das Sprechen des ewigen Wissens.
Wo mein Köpflein lag

Unter den Linden
an der Heide,
wo ich mit meinem Liebsten saß,
da mögt ihr finden
wie wir beide
die Blumen brachen und das Gras;
vor dem Wald in einem Tal - 'Tandaradei
Herrlich sang die Nachtigall

Ich kam gegangen
Zu der Aue,
und mein Liebster ware schon dort;
Da ward ich empfangen
als heilige Fraue,
daß ich bin selig immerfort.
Ob er mich wohl oft geküßt? - Tandaradei!
Seht wie rot der Mund mir ist!

Und Blumen brachen
mir zum Bette
in reicher Zahl. O kommt und seht!
Vom Herzen lachen
muß, ich wette,
o mancher, der vorübergeht.
Weil bei den Rosen er wohl mag - Tandaradei!
sehen, wo das Haupt mir lag.

Wie ich da ruhte,
wenn es wer wüßte,
du lieber Gott, ich schämte mich!
Wie mich der Gute
nahm und küßte,
ei, das weiß nur er und ich.
Und auch du, Waldvögelein, - Tandaradei!
Nicht wahr, wirst verschwiegen sein.
Walther von der Vogelweide



Mittwoch, 17. November 2021

Veredelt ist, was ihre Hand trägt

"Dico, che questa mia donna venne in tanta grazia, che non solamente ella era onorota e laudata, ma per lei erane onorate e laudate molte. -  Die Herrin mein kam allgemach so hoch in Gunst, daß sie nicht nur gelobet und gepriesen ward, sondern um ihretwillen viele zu Ansehen und zu Ehren kamen."

Aus Dante Alighieri, "Vita nova - Das neue Leben" (Gesang 27)

Die Art und Höhe der Liebe, die entscheidend für ihre Kraft als das Sittlichende der Welt ist, ist von ihrem Objekt abhängig. Welch Segen für eine Welt, so klein oder so groß sie auch sein möge, wenn sie sittliche Frauen hervorbringt. 

Was eine hohe, ruhig fließende Kultur braucht, die aus sich selbst ihren Höhenanstieg hervorruft. Aber sie ist dadurch glücklich, weil sie die Frau hervorbringt, deren Sittlichkeit die Höhe ihrer Umgebung - der Welt - bestimmt.  

Indem sie die Männer bewegt, ihr zuliebe Männer zu sein, die ihre Möglichkeiten erfüllen, deren Inhalt aber aus ihrer Hand stammt. Erlangt, weil sie streben so zu sein, daß sie ihr gefallen. 

Sonntag, 19. September 2021

Der schöpferische Garten der Lüste

Wie kann man sich das Schöpferische vorstellen? Wie das Entstehen von Neuem, zuvor nicht Dagewesenem, das nun in die Welt kommt, einerseits leiblich, anderseits nur geistig als Wirklichkeit. (Denn nicht alles Wirkliche, also in und auf die Welt wirkende, bewegende, hat einen Leib. Aber das Leibliche, das Fleisch - siehe Christus, der Sohn Gottes - ist der Dreh- und Angelpunkt.)

Am besten geeignet scheint die stärkste Analogie, die wir haben, und die jeder sogar erlebt hat, und das ist die leibliche, die "sexuelle" Vereinigung von zwei Menschen. Die sich einander zusprechen (es braucht das Ja, was soll man da herumreden!? Sogar das Gesetzbuch kennt die Situation eines fehlenden Ja, und nennt es Vergewaltigung, oder nennt es bei einem aus irgendeinem Grund ungültigen Ja Mißbrauch, Nötigung etc. 

Montag, 3. Mai 2021

Heiterkeiten zum Tag

"Die, die sagen, daß ich zu klein oder nicht hübsch genug bin, sind kontraproduktiv für unsere Welt, die immer diverser wird."

QR Leni Klum

Sagte Leni Klum, die 16jährige Tochter von Heidi Klum, diesem Model in allen Dampfgassen. 

Dabei verfolgt offenbar Leni eine ganz eigene Linie. Denn jetzt hat sie angeblich sogar Bilder mit ihrer Akne auf Instagram zugängig gemacht. Warum auch nicht, schreibt sie sinngemäß dazu. SO BIN ICH EBEN. Und wie gesagt: In der Welt von heute muß nichts mehr irgendwelchen Anforderungen entsprechen. Weil einfach alles für alles reicht.

Na sicher, sie hat schon recht, wir leben tatsächlich in so einer Welt. Laufolympiaden der Beinamputierten gehören ebenso zum Alltag wie fettlose Fettcremes, zuckerfreie Süßlimonaden, cholesterinfreie Eier und gleich eierlose Biskuits, fleischlose Hamburger, nikotinfreie Zigaretten, glutenfreies Brot, koffeinfreier Kaffee und - seit jetzt - häßliche Models. 

Sonntag, 12. Juli 2020

Warum Pornographie eine politische Waffe ist (6)

Teil 6) Weiterführendes, 
vor allem die körperlichen und medizinischen Aspekte betreffend


Weiterführender Hinweis: Wer sich mit den Wirkungen der Pornographie aus der Perspektive neuro-biologischer Forschung näher befassen will, dem sei als erster und recht brauchbarer Einstieg in die medizinische Problematik der Pornographie beziehungsweise der Masturbation diese verlinkte Seite "Your Brain on Porn" empfohlen. 

Denn keineswegs ist die Diskussion über die sträflich verschwiegene Schädlichkeit von Pornographie (und Masturbation!) eine Glaubens- oder bloße Moralfrage, als die sie oft abgetan wird. Vielmehr zeigt sich einmal mehr, daß die Moral (gerade in Fragen der Sexualität) auf eine konkrete Konstitution der menschlichen Natur zugreift, gegen die zu verstoßen schwere gesundheitliche und seelische Schäden zur Folge hat. Die wissenschaftlich evident, also meßbar, darstellbar sind. 

Wenn heute gerne darüber gelacht wird, daß noch vor hundert, hundertzwanzig Jahren Meinungen die wissenschaftlich-medizinische Welt durchstreiften, dergemäß die Masturbation Erweichungen bei Rückenmark und Gehirn zur Folge hätten, so muß gesagt werden, daß diese abstrakten Folgerungen aus der ontologischen Struktur des Geschehens bei der Masturbation sehr wahr bezeichnet werden könnten: Persönlichkeit ist das Resultat (wie die Basis) für ein Hinausstrecken in das (immer unsichere, also Mut verlangende) Begegnende, und braucht dazu deshalb eine gewisse "Festigkeit". 

Weil Masturbation genau das Gegenteil bedeutet und bewirkt, ist es keineswegs dumm, von "Erweichung" zu sprechen, spricht man über ihre Folgen. Die sich als geistiges (ontologisches) Geschehen selbstverständlich auch physisch realisieren. Bis hin zu "weichen" Gesichtern bei Invertierten (bei denen man auch von Narzißten sprechen kann, diese Begriffe decken sich über weite Strecken) läßt diese Wirklichkeit erkennen.

Und dieselben Vorgänge lassen sich in jenen Geschehen ausmachen, die wir als AIDS bezeichnen. Sie sind genauso dort wiederzufinden. Weil ein Versagen des Immunsystems gleichbedeutend mit dem Aufweichen und Niederreißen von Grenzen (also dem Verlust der Distinktheit als Wesen der Identität) ist.

Somit haben wir Wirkungen, die sich in denselben Ursachen begründen: Der invertierten sexuellen (als leiblichen, also den Leib formierenden) Betätigung. Zumindest als Sprache der Bildlichkeit wurde seit je die wirkliche Wirklichkeit dieser Art der sexuellen Praxis sehr zutreffend beschrieben. 

Man muß es deshalb auch so formulieren: Die Pornographie, speziell in ihrem Zusammenhang mit den technischen Gegebenheiten (social media, Internet) ist ein Phänomen von enormer gesellschaftlicher (kultureller) Relevanz! Die Masturbation gar an den Schulen zu lehren und zu empfehlen, wie es tatsächlich in unseren Ländern geschieht, ist ein ungeheures Verbrechen an den nachfolgenden Generationen, deren Schäden so immens sind, daß wir uns keinen Tag länger leisten können, diese Praktiken aufrecht zu halten. 

Nicht nur unter lernpädagogischen, sondern unter Gesichtspunkten der seelischen wie körperlichen Volksgesundheit kann deshalb eine politische Forderung nach "digitalisierter Schule", wie sie in Österreich jüngst als politisches Vorhaben vorgestellt wurde, nur als gefährliche Drohung betrachtet werden.



*280620*

Samstag, 11. Juli 2020

Warum Pornographie eine politische Waffe ist (5)

Teil 5) Weitere Anmerkungen
über Hörigkeit und über Gehirnerweichung durch Masturbation



*****Umso  berechtigter kann man hier vom Syndrom der Hörigkeit als Generalzustand unserer Gesellschaften sprechen (welch' Ironie, ja welcher Zynismus dahintersteckt; gerade in einer Zeit, wo die Mündigkeit des Bürgers als völlige Unabhängigkeit von solchen Meinungs- und Taktgebern als Ideal reklamiert wird; welch' perfide Lüge und Täuschung!) als die Hörigkeit anders, als vielfach geglaubt, keineswegs ein Phänomen des Gehorsams beziehungsweise dessen Überzogenheit ist! 

Vielmehr ist die Hörigkeit der Versuch des Schwächeren (und das ist der Einzelne heute angesichts der Autoritäten, der Medien, der Politiker, der großen Personen in Kunst, Sport, Mode, Film ..., so sehr wie noch nie: Schwach, klein, völlig entmutigt, sich gegen solche Autoritäten zu stellen) den Stärkeren in eine "Co-Situation" (also einen beide umfassenden Ort) zu ziehen (meist: zu verlocken, zu verführen), in der er die Möglichkeiten des Schwächeren braucht. Und sei es, daß er sich an sie gewöhnt hat. 

Der Hörige spekuliert mit der möglichen Schwäche des Stärkeren, spekuliert damit, ihn durch Schwächung doch beherrschbar zu machen. Deshalb wirft er alles über Bord, was man als "eigenen Willen" bezeichnen könnte. Wobei: Er wirft es gar nicht über Bord, er versteckt es nur, weil er meint, den Stärkeren dadurch zu täuschen. Wir sprechen also meist zumindest sehr unklar, wenn wir manche Phänomene als "Massenphänomene" bewerten. 

Überspitzt, aber sehr wahr formuliert kann man also sagen, daß die extreme Beeinflußbarkeit der Menschen durch die heutigen Medien, daß deren scheinbar blinder Gehorsam (man beachte den "Gehorsam" in der letzten Corona-Krise, die man als "Die große Zustimmung" überschreiben könnte!) eine Reaktion (der Hörigkeit) auf eine (tatsächlich:) traumatisch erfahrene Überlegenheit und Stärke der großen, globalen Figuren ist, in der sich die Massen die Rückgewinnung der Herrschaft über ihr Leben erhoffen. Indem sie der Situation, dem Ort der Herrschenden beitreten. Paradox? Nur für den, der den Menschen genauso wenig kennt wie die gegenwärtige Psychologie.

(6) Eines der auffälligsten Merkmale der "Corona-Krise" ist, daß überall, in allen Ländern, in allen Gesellschaften, völlige Verwirrung weil Unklarheit (und damit vor allem Unplanbarkeit, selbst der allernächsten Zukünftigkeiten!) herrscht, was "erlaubt", was gesollt, was notwendig ist. Das führt zu einer weitverbreiteten Haltung, besser "zu wenig" zu tun, als ein (schwer sanktioniertes!) Gebot zu übertreten. Aber einen Maßstab, was möglich, was erlaubt, was gut, was gesollt ist, kann sich niemand mehr erarbeiten. Er ist in jedem Moment auf das angewiesen, was ihm jeweils in einer Situation gesagt wird. 

Und selbst wenn er einmal gewisse Sicherheit erlangt zu haben meint, was erlaubt ist und was nicht, schwebt über allem die ständig wiederholte, immer wieder aufgebrachte Drohung, daß binnen weniger Stunden ein totaler Shutdown erfolgen könnte, der alles über den Haufen wirft. Der einer Logik folgt, die nicht der dem Normalbürger zugängigen Logik (des "common sense", des Hausverstandes gewissermaßen) entspricht, sondern eigenen, nicht nachvollziehbaren Gesetzen folgt. Hinter denen eines steht: Die totale Macht. 

Wenn wir in der Corona-Krise eines also erfahren haben, dann war es genau das: Das (aus technischen Gründen) historisch einmalige, nie zuvor mögliche, nun aber reale Erleben einer totalen politischen Macht über uns. Die Politik, es darf nicht verschwiegen werden, hat unsere Gesellschaften in den Totalitarismus geführt, daran besteht kein Zweifel. In der das "Soma" seine Wirkung erst so richtig beweisen konnte - als deren wesentliche Säule die Pornographie als Mittel der Volksbeherrschung weil -auflösung gesehen werden muß.

Morgen Teil 6) Weiterführendes, 
vor allem die körperlichen und medizinischen Aspekte betreffend


*280620*

Freitag, 10. Juli 2020

Warum Pornographie eine politische Waffe ist (4)

Teil 4) Und weiter geht's:
Gegen die Zerstörung der Welt durch Anti-Kunst, 
als Plädoyer für Erotik, aber nicht als Plädoyer für "Moralismus"



Eine Welt, die sich in sinnlichen, aber noch uninterpretierten (auch das übrigens ein Irrtum des Liberalismus: Er geht, weil er ein evolutionistisches, materialistisches Menschenbild zur Grundlage hat, von Sinnesdaten aus, die ihre Interpretation bereits beinhalten) präsentiert, und zu der Stellung zu nehmen eigentliche schöpferische Aufgabe und Freiheitsmoment des Menschen ist. 
Und in dieser Berufung zur Freiheit liegt auch die Fähigkeit zum Genuß an der Welt, als Genuß einer Einheit mit der Wahrheit, das heißt einer Nähe zu Gott "in Gott" (also in Jesus Christus). Diese Fähigkeit bedeutet, daß jeder Genuß kein bloßes passives Konsumieren (wie in der Pornoindustrie betrieben beziehungsweise vorausgesetzt) von sinnlichem "Erleben" ist, sondern ein selbst schaffen, gemäß den Gesetzen des Begegnenden. 
DAS ist das Geheimnis der Lebensfreude, des Genusses, ja jeden Genusses an der Schöpfung, als deren Sinn und Erfüllung. Ein ACTU, ein "Selbst-Schöpferisches", das zu betätigen, zu aktivieren ist! Schon deshalb kann also ein Dargestelltes nicht "technisch ausgeführt" sein, sondern (und erst hier respektiert es die Freiheit des "Konsumierenden") wird je nach dem Stand des Erkennenden, Erfassenden, Genießenden auch zu dessen Genuß - als Nachschöpfung, als Schöpfung! 
Wahres Hören, Sehen usw. ist also ein schöpferischer Prozeß! Kein Hinunterschlucken von Geliefertem. Je mehr also ein Gesehenes (ein dargestelltes Geschehen) das Darzustellende ausführt (und das ist das Wesen der Pornographie!), desto weniger Genuß hat es einerseits, und desto mehr aber läßt es diese schöpferische Potenz erschlaffen. Sie wird nicht mehr aktiviert! 
Gegen Pornographie zu sein hat also in erster Linie so gar nichts "Moralisches" als "Moralistisches" an sich, sondern ist ein Berufen auf das Gesetz des Seins, der Schöpfung, auf die Natur des Menschen. Und das ist es, was in erster Linie (für manchen vielleicht zur Überraschung) das Wesen der Pornographie so Unmenschlich macht. Es verschließt die Schönheit der realen, ganzen, damit auch körperlichen Begegnung von Menschen, und zerstört sie somit nach einmaligem "Konsumieren". 
Das ist der Grund, warum Pornographie aus sich selbst heraus nach "immer mehr" und "immer Exzentrischeres", immer Ausgefalleneres, Brutaleres, Expliziteres etc. etc. treibt. Sie ist somit ein technisches, kein erotisches, ja nicht einmal ein sexuelles Procedere, das das Wesen alles Geschaffenen imitiert, indem es seine "Nutzen", seine "Freuung" technisch imitiert, manche Effekte hervorruft (Orgasmus etc.).
Die erotische Darstellung hat ein Bleibendes, weil es nur hinweist, verweist, und das eigentliche Freuen im schöpferischen Vorgang des Sehenden, Hörenden etc. - und noch dazu gemäß seinem Stand, seiner Geistigkeit! - liegt. Das pornographische Zeigen hingegen verbraucht sich in seinem technischen Maß selbst, und auf seinem Boden wartet ein Nichts. Deshalb ist die Pornographie ein Verstoß gegen die Natur der Schöpfung, die in sich ein "künstlerisches Geschehen ist". Und deshalb ist sie sogar als Brücke zum Dämonischen zu verstehen. 
Spricht man von Pornosucht - und glaubt man entsprechenden Erhebungen, sind mehr als ein Achtel der westlichen, jungen Menschen heute pornographiesüchtig! - haben wir es zwar einerseits mit einer Pathologie zu tun, andererseits aber nur mit extrem erschwerten Möglichkeiten, frei zu handeln! Die Hürde zur Freiheit (als Zustimmung zum Richtigen, also "Guten", das heißt wiederum: Zum Sein im Seienden, als Anteilhabe am Sein, weil es sonst ins Nichts fällt: Etwas IST nur ein reales, welthaftes Ding, soweit es also GUT ist) wird beim Süchtigen also sehr hoch. Aber nicht unüberwindbar! Es sei denn, sein Ich wäre bereits so geschädigt, daß man von Geistesgestörtheit im eigentlichen, pathologischen Sinn sprechen muß.


Morgen Teil 5) Weitere Anmerkungen
über Hörigkeit und über Gehirnerweichung durch Masturbation



*280620*

Donnerstag, 9. Juli 2020

Warum Pornographie eine politische Waffe ist (3)

Teil 3) Die Anmerkungen, und so weiter


*Der moderne Sozialstaat, wie wir ihn heute erleben, ist streng von einem christlichen Gesellschaftsbild zu unterscheiden, deren Elemente der Sozialstaat zwar nachahmt, deren Zielsetzungen aber völlig unterschieden sind. Das christliche Gesellschaftsmodell geht von Liebe und Barmherzigkeit aus, und ist deshalb keine strukturelle, also anonymisierte Hilfeleistung, sondern immer eine Liebestat (Caritas) unter sich begegnenden Personen. Auch kann er nie zum verbrieften "Recht" werden, sondern bleibt immer ungeschuldete Zuwendung in Notfällen oder (auch das nämlich) Versagenssituationen. 

Die Caritas geht immer von der Freiheit aus, und muß deshalb immer subsidiär bleiben, kann also nicht präventiv und auf die direkte Veränderung von sozialen, historisch gewachsenen und vor allem der Natur des Menschen gemäßen Strukturen abzielen. Nur insofern besteht eine Pflicht des Gesetzgebers beziehungsweise der gesellschaftlichen Autoritäten zur caritativen (oder prä-caritativen) Tat, als in Fällen, wo ein Stärkerer die Schwäche des Schwachen ausnützt (und das ist übrigens immer der Fall, wo von "Bedarf" gesprochen wird) der Schwächere vor dem Stärkeren geschützt werden muß. 

Spätestens hier muß also klar werden, daß das liberale Gesellschafts- und Wirtschaftsmodell dem christlichen Modell unvereinbar gegenübersteht. Zumal der Liberalismus (auch wenn er das Wort im Namen führt) keineswegs auf der Freiheit des Menschen aufbaut, sondern die Freiheit als Frucht von Überlegenheit und Stärke sieht. Spätestens wenn man die Auswirkungen dieser Prämissen auf die Hauptsäule des Liberalismus bedenkt, nämlich der Frage um Wert und Preis, was fälschlich als "freier Markt" bezeichnet wird. Denn der Bedürftigere ist immer auch der Gezwungenere, also genau nicht frei. Das berührt direkt die Grundlage einer liberalen Gesellschaft, die auf einer Vorstellung "Vertrag" beruht, der (angeblich) zwischen gleichwertigen Interessensparteien geschlossen wird. Diese Gleichwertigkeit gibt es aber nicht.

**Die Logik - also das logische Denken - ist die Grundcharakteristik eines Geschaffenen, und verweist somit auf die Charakteristik des Hervorbringers, des Schöpfers. Das Vertrauen, daß die Wirklichkeit logisch (und nicht zufällig oder willkürlich) ist, auf dem sämtliche Wissenschaftlichkeit erst aufbauen konnte (denn was hätte es für einen Sinn, die Welt verstehen zu wollen, wenn sie gar nicht verstehbar, sondern bestenfalls in einer Zufälligkeit "hinnehmbar" wäre), beruht also auf dem Gottesverständnis einerseits, und auf dem Erfassen der Welt als geschaffen andererseits. 

Denn nur als geschaffene Welt kann diese auch die Charakteristik Gottes, des Hervorbringers, haben. Und diese sind die Merkmale der Logik, in ihren elementaren Grundsätzen, der "Synderesis": Daß etwas es selbst ist, daß etwas nicht zugleich etwas anderes sein kann, daß etwas nicht sein Gegenteil sein kann, die Welt also widerspruchsfrei (wenn auch nicht in allem verstehbar, weil unsere Fähigkeiten übersteigend) sein muß. 

Wir treffen hier auf den Begriff des "logos" als innerstes Wesenselement der Welt überhaupt, so daß das Bild von Gott entscheidend dabei ist, wie (und ob) wir die Welt überhaupt verstehen. Ob somit auch die Sprache (als Material wie Frucht dessen, was wir mit Vernunft und Vernünftigkeit bezeichnen) sinnvoll ist, oder eben nicht. Damit wird zum Beispiel klar, wie entscheidend die Frage um die Dreifaltigkeit als Schlüssel zum Weltbegreifen ist. 

Das sei nur angeführt um die Tragweite solcher Fragen zu zeigen. Denn damit wird auch klar, WAS für eine Aussage es ist, wenn diese und ähnliche (theologische) Fragen für den Menschen der Gegenwart (angeblich) ohne Bedeutung sind (was sich in einem weit verbreiteten "Ökumenismus" oder "Synkretismus" zeigt). Es ist kein Zufall, daß im Barock das Aufblühen der Wissenschaften mit einer gesellschaftlichen Situation zusammenfiel, in der die Menschen im Alltag über Dreifaltigkeitsprobleme diskutierten. (Das ist den heutigen Menschen unbegreiflich!)

***(=logos als "auf zu": Alles was ist, ist nur, weil es sich "bewegt" beziehungsweise "actu", in Aktivität ist, was nicht aktiv ist, ist tot, also eben nicht mehr Welt, sondern nur noch deren "materia prima"-Baumaterial.) 

****Wir wollen hier vor jenem Fatalismus warnen, wie er dem Behaviorismus entspricht. In dem der Mensch und sein Seelenleben, fürderhin also sein Denken, in einem automatistischen, mechanistischen Verhältnis zur Welt festzulegen ließen. Vergesse der Leser nicht, daß immer (wir verweisen hier auf die Arbeiten von Menyhért (=Melchior) Palágyi, die wir hier vor etlichen Jahren vorgestellt haben, nicht zufällig genau in diesen Aspekten) ein Willensakt notwendig und möglich ist, so schwer der auch fallen möge, um zu einem Urteil über die Welt zu gelangen. 


Morgen Teil 4) Und weiter geht's:
Gegen die Zerstörung der Welt durch Anti-Kunst, 
als Plädoyer für Erotik, aber nicht als Plädoyer für "Moralismus"



*280620*

Mittwoch, 8. Juli 2020

Warum Pornographie eine politische Waffe ist (2)

Teil 2) Die Seele ist das größte Sexualorgan


Im Fall der Masturbation ist es die Illusion von Liebe und Zuwendung durch das Reduzieren der (zwischenmenschlichen) Welt auf den auf die Geschlechtsteile reduzierten Orgasmus. Ein wirkliches, ganzheitliches, umfassendes und gar nie bewußt auszuschöpfendes (also das eigene Vorstellen immer übersteigende) Fremderleben als Eingehen des außenliegenden Wirklichen (und das ist ja der Inhalt aller Begegnungssehnsucht, wie sie als Grundmotiv überhaupt die Sexualität als immanenten (!), also nicht expliziten Teil des Eros bedeutend macht) in die innere Seelenlandschaft, die sich nunmehr in der Imitation der Weltbewegungen*** nicht mehr zu jener schöpferischen Tätigkeit animieren läßt, in der sie das Glück der Welt als Glück "für den Menschen" nicht mehr erfährt. 

Der mit Pornographie versorgte Mensch - und es ist alleine das schon signifikant, daß Pornographie in der virtuellen Landschaft am leichtesten erreichbar und abrufbar ist, viel leichter sogar als "Information" - verliert, um es auf einen einfachen Nenner zu bringen, das Interesse an der Welt. Er verliert das Interesse an den wirklichen gesellschaftlichen und kulturellen Zusammenhängen, und wird sogar zum Kämpfer für einen Zustand, in dem "Freiheit" die Freiheit meint, sich mit Genußstoff zu versorgen, die ein bei sich bleiben weiterhin und ungefährdet ermöglichen. 

Ausgehend von einem Weltbild, das eine Grundlage (Präformiertheit****) hat, in dem sich die Dinge in Indifferenziertheit auflösen, als deren Wurzel aber stets eines zu sehen ist: Die Begierde, also die Anhänglichkeit an (subjektivistisches, also nur im Subjektiven entspringenden) bestimmte, im Fall der invertierten Sexualität noch dazu von einer tief in der Schuld dem Sein gegenüber verankerten Scham, getriebenen Freuungen an der Welt, wird ein solcher Mensch somit den Vorgaben jener folgen, die ihm eine Erfüllung seiner Begierden versprechen. 

Was Aldous Huxley in seiner "Brave New World" mit "Soma" bezeichnete, also jenen "von oben" verteilten, süchtig machenden Stoff, der alle glücklich macht (wobei tatsächlich und materiell Drogen oder Alkohol solche realen, konkreten, weiteren Stoffe sind), sehen wir in der Pornographie und dem garantierten und extrem leichten Zugang dazu in unseren Gesellschaften realisiert. Nichts macht Menschen so gefügig, so leicht steuerbar und in ihren Meinungen präformierbar, wie die Rückbindung ihrer Interessen an der Welt auf solche "einfachen" Genüsse. 
Die Wirkungen der Pornographie (in ihrem Zusammenhang mit Masturbation) lassen sich vereinfacht in zwei Merkmalen beschreiben: Generell, vor allem aber bei Männern (diesem "erigierten Penis"), bewirken sie ein Nachlassen der "Lust am Handeln an der Welt", also der Libido. Und zwar in jeder Hinsicht, natürlich auch den Frauen gegenüber. Frauen wiederum (deren Anteil am Pornokonsum zwar geringer, aber gar nicht so gering ist) erfahren sich vor allem als ungenügend, meist schon alleine aus körperlichen Hinsichten. 
Was aber ist das größte Sexualorgan? Eben. Das Gehirn. Präziser: Die Seele, die sich auch im Gehirn ausdrückt (aber nicht das Gehirn IST).
Ein in solchen Haltungen des aus sich selbst bezogenen Weltgenusses "beschiedener" (in Wahrheit eingekerkerter, reduzierter) Mensch wird zu allem "ja" sagen, wird allem zustimmen, was den Verwaltern (als Quellen, als Garanten, als Lieferanten) seines Genußstoffes entspricht. Nicht nur nachträglich, sondern vor allem präventiv und in vorauseilendem Gehorsam wird er an einer Welt bauen, die keine wirkliche Wirklichkeit mehr braucht. Und er wird ein politisches Bild gutheißen, die Ersatzbilder von der Welt baut. Die vor allem eines sind: Kontrollier- und beherrschbar. 

Wenn wir von dieser Charakteristik einmal ausgehen werden wir deshalb rasch sehen, daß genau das das Merkmal der großen "Bedrohungsbilder" ist, in denen  wie beim Trojanischen Pferd eine Gefahr enthalten ist und sich entfaltet, sobald ihm zuliebe die Festungsmauern eingerissen sind: Es sind Weltbilder, die unser Handeln "gut machen", also moralisch hervorragend etikettieren, und die sich auf Aufgaben beziehen, in denen wir unsere sinnliche Erlebniswelt gar nicht mehr benötigen. 

Weil die zu lösenden Probleme ganz ganz weit weg und enorm abstrakt sind. Terror. Klima. Weltrettung. Rettung der Welt (!) - moralisch hochklassifiziert, weil wir in ein Possenspiel geführt wurden, mit dem wir in erster Linie "die anderen" vor dem Tod retten, wie in der vorgeblichen Corona-Pandemie. Welt- und Bedrohungsbilder aus Aufgaben und "soziale Forderungen", die allesamt nur noch in der Ratio fundiert sind, also keine natürliche Vernunft (siehe das oben zur Synderesis Gesagte) benötigen, ja im Gegenteil, deren Abwertung weil Irrelevanz betreiben. 

Damit werden die (beherrschten) Menschen ("Meinung") ganz ausschließlich in eine Situation der totalen Abhängigkeit (Hörigkeit*****) von Machern der Meinung getrieben. Denn nichts vermag ihnen noch jenen Selbststand zu erringen, der Voraussetzung beziehungsweise Moment dessen ist, was der Mensch unabdingbar für das braucht, was wir als "Leben" bezeichnen: Freiheit.(6)


Morgen Teil 3) Die Anmerkungen, und so weiter


*280620*

Dienstag, 7. Juli 2020

Warum Pornographie eine politische Waffe ist (1)

Teil 1) Der Sozialstaat als archetypische Pornographie

Pornofilme waren von allem Anfang an jene Geldmaschine Hollywoods (und sind es bis heute), aus denen seine Macht entstehen konnte. Heute wird durchschnittlich alle dreißig Minuten ein neuer Pornofilm hergestellt und vertrieben. Die globalen Umsätze der Internet-Porno-Industrie summieren sich heute auf einen Betrag, der die Umsätze von Google, Amazon und Microsoft ZUSAMMEN überschreitet. 
Alleine die weltweit durch die Internet-Pornographie verbrauchte Menge an elektrischem Strom entspricht dem Verbrauch eines Landes wie Ungarn. Zusammenhänge zwischen der technischen Ausgereiftheit (vor allem was transportierbare Datenmengen, aber auch der von Endgeräten - vor allem der Handys - anbelangt) und einem sich auch in der Art (in der Richtung einer völligen, "alle" Sinne und Vorstellungswelten umfassenden Ersatzwelt, also "Cyber") rasant entwickelnden Pornokonsum sind eindeutig. Das derzeit weltweit im Aufbau befindliche 5G-Netz wird deshalb für die Pornoindustrie einen Quantensprung bedeuten. Ähnlich jenem, der passierte, als das Internet im high speed vor fünf bis zehn Jahren Flügel bekam, was eine Explosion des Konsums von Pornofilmen bewirkte.
Das Portal Pornhub, eines der größten, aber keineswegs das einzige der Porno-Vertriebsstellen, verbraucht heute schon über den durch seine Filme induzierten Internetverkehr eine Strommenge, die der Produktion eines modernen, großen Atommeilers entspricht. Im Shutdown der Corona-Krise hat eben dieses Pornhub eine Umsatzsteigerung von fünfzehn Prozent vermeldet. Ein Drittel der Konsumenten sind weiblich. 
Rund zwölf Prozent der Pornokonsumenten sind als pornosüchtig einzustufen. Neurobiologisch sind die Veränderungen im Gehirn von regelmäßigen Konsumenten jenen gleich, die Drogensucht auslöst. Deshalb muß von Abhängigkeit (also Sucht) gesprochen werden. Weil sich physisch Belohnungsmechanismen ausbilden, die jenen einer Drogensucht entsprechen und für den Konsumenten existentiell werden. Deshalb spielt auch das Alter eine entscheidende Rolle.
Das Alter der heutigen Kinder und Jugendlichen, zu dem sie mit Pornographie (über social media via Handy und Internet) erstmals in Berührung kommen, beträgt heute durchschnittlich bereits elf Jahre. Die Altersgruppe von Teens bis neunzehn stellt nur knapp hinter der Gruppe bis neunundzwanzig Jahren den größten Benutzeranteil. Bis zu diesem Alter haben heute neunzig Prozent der Jungen regelmäßig Kontakt mit Internet-Pornographie. 
Was beim generellen Alter des Internet - das sogenannte Internet gibt es seit kaum fünfundzwanzig, in Österreich seit zwanzig Jahren - bemerkenswerte Einblicke in die Gegenwart und beängstigende Perspektiven für die Zukunft offenbart. Bereits heute, im Jahre 2020, haben dreißig Prozent der Männer im in der Altersgruppe 19 bis 40 Jahre erektile Dysfunktionen (Erektionsstörungen, dysfunktionale Ejakulation, etc.). Noch vor zwanzig Jahren lag dieser Prozentsatz bei maximal fünf Prozent. Nur wenig erschütternder ist der Anteil von Männern bis neunzehn Jahren, die bereits regelmäßig Mittel wie Viagra benutzen: Ein Viertel. Pornokonsumenten werden unfähig, mit dem "Stress" realer Begegnung fertigzuwerden.
Denn es sind meßbare Folgen regelmäßigem Pornokonsums: Einerseits Abgestumpftheit ("Ignoranz" für reale erotische Reize), Unfähigkeit zur Empathie, Antriebslosigkeit bei gleichzeitig erhöhter Neigung zu (voluntaristischen, also "gesetzten") Aggressionen. Das bedeutet auch die Unfähigkeit, einem Reiz im Vorstellungsvermögen zu beherrschen, was mit einer Selbstkonditionierung auf "erinnerte", also vorgesteellte Reizsituatioen zu begründen ist. 
Der Pornokonsument bzw. Masturbant konditioniert sich wie einen "Pawlowschen Hund". Die Vorstellungsbilder des Films oder ähnliches Stimuli funktionieren wie Auslöser automatisierter Reaktionen, und die Bilder wirken auf jene Gehirnbereiche ein, die auch Erinnerungszentren genannt werden können, also bei Erinnerungsvorgängen aktiv sind. 
Die Reaktion wird von einem realen, also in der humanen Begegnung liegenden Reiz unabhängig. Sie muß (und kann) nur noch durch einen Schlüsselreiz aktiviert werden. Dazu genügen bald schon erotische Werbebilder etc. Die Realität verliert gegen die Vorstellungsbilder, wird nur noch "störend". Das ergibt Konzentrationsschwäche, deer Depressionen (wegen des Verlusts der Selbstherrschaft) folgen.  
Und das schon bei Zwanzigjährigen, die von früher Jugend an Porno konsumiert haben. Gleichzeitig wird das Wertegefüge massiv verändert, und ein Verhalten als Norm und normal etabliert (etwa Vergewaltigung, S/M-Praktiken), das eigentlich untragbar ist. Aber die realen Reize müssen immer größer werden, um zum Rezipienten durchzudringen, der ja danach reagiert, was ihn "anmacht". Und das ist nicht mehr "normale Erotik", die gar nicht mehr wahrgenommen wird.
Die Liste der Studien (von Cambridge, Yale, dem Max Planck-Institut ...) ist lang, die das belegen.
Es gibt hinlänglich Untersuchungen, daß der masturbierende Mensch, der Pornokonsument (und immer noch stammen sechzig Prozent des Internet- beziehungsweise Social Media-Datenaufkommens aus der Pornographie), sich auch in den Weltbildern klar wiederfindet. Und zwar exakt in einer Hinneigung zu Weltbildern, die die Differenziertheit der Welt ("Diskriminierung") und damit der Begriffe verliert. Pornokonsum und Geschlechter-Indifferenz, Masturbation und Genderfragen, Autosexualität und die (zum Beispiel "tolerante") Haltung zur Homosexualität, aber auch Fragen um Identität und die Haltung zu Kulturen generell, vor allem die Haltung zur Distinktheit und Bedeutung von kulturellen Einrichtungen und Institutionalisierungen und die Art der Sexualität - extro- oder introvertiert - sind also ganz fest verknüpft. 

Damit wird die politische Relevanz der Pornographie klar. Damit wird klar, daß sie zu einer mächtigen Waffe wird. Und genau damit haben wir es auch zu tun: Nicht erst Mao Tse-tung oder Wladimir Iljitsch Lenin haben gewußt, daß sich eine gesellschaftliche Struktur zerstören läßt, wenn man die Sittlichkeit ihrer Teilnehmer aufweicht. Und das geht in erster Linie über die Sexualität. Die unter dem Stichwort der "Freiheit" die christlichen Gesellschaften und Kulturen in ihrer begrifflichen Wurzel trifft (wo sie anhand des Wortes "Freiheit" den Begriff mit einem anderen Inhalt füllt).

Das geht deshalb seit dem 19. und vor allem seit dem 20. Jahrhundert - dem Zeitalter der technischen Explosion der Medien - in erster Linie über die Sexualität, weil sich der Begriff der Freiheit seit der (protestantischen) Reformation weg von einer objektiven Freiheit (als weltgewordene, also inkarnierte, damit geschichtlich relevante und präsente Wahrheit) hin zu einem subjektiven Gottes- und damit Weltbild verändert hat. 

Und dies ist die erste Charakteristik der Pornographie. Ihre "Erlebensqualität" geht weg von einem Genießen der Welt hin zu einem "Genießen" der selbst generierten Vorstellungsbilder und -welten. Dabei wird aber gar nicht der vollinhaltliche Genuß der Welt erreicht (und genau darin täuscht sich der Masturbierende ebenso wie der typische Sozialstaatsklient), sondern bestimmte Effekte aus einem wirklichkeitsbezogenen Handeln herausgegriffen. 

Morgen Teil 2) Die Seele ist das größte Sexualorgan



*280620*

Montag, 6. Juli 2020

Warum Pornographie eine politische Waffe ist (0)

Während die Erotik die sinnliche Wachheit steigert, so wie man Wein trinkt, also als Stimulus hin zur begegnenden Wirklichkeit wirkt, ist der Effekt von Pornographie exakt gegenteilig. In ihrem Zusammenwirken mit der Masturbation, oder einem kosexuellen Verhalten (Geschlechtsaktivität mit einem Partner) das nicht auf das Anderssein des Anderen ausgerichtet, sondern lediglich eine verlagerte Masturbation ist, so daß der seelische Raum auf sich selbst zurückgekrümmt ist (oder wird), verringert sie die natürliche Tendenz des Menschen ("Das Ich liegt im Du") zur Hingabe und Auslieferung an das Begegnende. Salopp formuliert, wendet sich die sinnliche Ausrichtung auf sich selbst und nicht auf ein frui, also einen Fruchtgenuß AN der Welt. Was deren Sinn wäre beziehungsweise ist. Und zwar - wir werden gegen Ende dieser Artikelserie darauf noch näher eingehen - als nachschöpferischer Akt.

Die Freuung an der Welt ist somit ein Vollenden der Gottähnlichkeit (Ähnlichkeit, nicht Gleichheit!) durch das Nachschöpfen, und das ist es, was über die Sinne die eigentliche Freudlichkeitsleistung des Menschen ist, das ist es, woran er sich an der Welt erfreuen kann: Im Nachdenken dessen, was Gott gedacht, im Nachschaffen, was Gott geschaffen hat.

Deshalb hat Freuung an der Welt mit Heiligkeit zu tun, deshalb hat sie mit geistiger Entwicklung und Reife zu tun. Dem Primitiven wird die Welt nie Freude machen - er wird sie ihr aber versuchen, herauszupressen, sie zu würgen ... wie die Pornographie. Wie in der Masturbation. Sie zieht den Menschen in ein Nicht-Menschsein. Durch De-Aktivierung, als Folge von Täuschung, auf dem Wege der Versuchung, die immer eine Täuschung ist.

Damit gehört die Masturbation in eine Reihe von Phänomenen gestellt, die wir grosso modo im "modernen Sozialstaat" als umgreifenderen Horizont* beobachten und erfahren können. Wo die verringerte Abhängigkeit von der Außenwelt zu einer Verringerung deren Bedeutung für das individuelle Seelenleben führt. Denn genau das ist die Funktion des Sozialstaates als geschichtliches Phänomen: Er zerreißt natürliche Ursachen-Wirkungs-Verhältnisse und ersetzt sie durch künstliche, gedachte, vorgestellte Sollensvorstellungen, also Utopien. 

Das wesentliche Merkmal ist somit für alle diese Phänomene gleich, durchzieht sie wie eine (fraktal sich wiederholende) Grundstruktur: Es entläßt den Menschen aus der Spannung, die Persönlichkeit und Persönlichkeitsaufbau (als erlernen des Habitus der Spannungstrage) immer bedeuten, und reduziert ihn somit progressiv, das heißt in einem fortwährenden, sich selbst verstärkenden Prozeß. 

Verliert der Mensch diese Spannung oder lernt er erst gar nicht, sie aufzubauen, verliert sich in seinem Wirklichkeits- und Verhaltensbild auch das Bild der wirklichen Wirklichkeit. Der Mensch wird in seiner Hinrichtung auf die Welt also nicht von deren Charakteristik geprägt (die, so nebenbei, immer "logisch" ist**), sondern von einer egal wie und woher gestalteten willkürlichen Weltcharakteristik. 

Das zeigt sich in der Pornographie überdeutlich. Wo das Interesse des (masturbierenden) Menschen von der Welt weg auf eine innere Bilderwelt gelenkt wird. Wird dies zum Habitus, also zur Gewohnheit, wird dies zum häufigen Verhalten, wird die gesamte Ausrichtung des Menschen der Welt gegenüber "gleichgültig". Denn ihre Früchte sind scheinbar (!) genießbar, ohne daß die Welt und deren Wirklichkeit selbst erkannt und bewegt wird. Damit formt sich eine innere Haltung, die sich fast zwangsläufig auch in der Denkweise wiederfindet. 


Morgen Teil 1) Der Sozialstaat als archetypische Pornographie


*280620*

Freitag, 22. Mai 2020

Blick in den aufgeschnittenen Leib

Mancher Leser könnte über das hier Besprochene verwundert sein. Mancher könnte zu ganz anderen Schlüssen kommen. Mancher könnte sich sogar darüber freuen, daß die Corona-Krise nun auch Seiten zeigt, an die vermutlich nie jemand gedacht hat.

Und der Leser möge es dem VdZ glauben, solche Seiten sind in dieser Corona-Krise und den Maßnahmen, mit denen diese bekämpft werden soll, in der Mehrheit. Sie sind weit weit in der Mehrheit! Sie werden sich aber manchmal überhaupt nicht offen zeigen, sondern einfach wirken und wirksam sein, und zwar für lange Zeit, oder für immer, beim Tod des Patienten.

Wir erleben derzeit etwas, das einerseits sogar faszinierend ist. Vor uns liegt ein aufgeschnittener Patient, und eine unübersehbare Zahl von Doktoren steht um die Sezierliege herum und beratschlagt, wie manche Organe zu liegen kommen sollen, und staunt über Organe, die sie noch gar nicht kannten. Und verwechselt zwangsläufig die dinglichen Organe mit dem Ganzen der Lebenserscheinung. 

Man kann deshalb bezweifeln, ob der Patient überhaupt eine Überlebenschance hat. Der VdZ glaubt immer mehr: Nein. Zu viel ist zerstört. Das Ganze ist zerstört und kann nicht wieder etabliert werden. Ist die Büchse des Prometheus einmal geöffnet ... 

Da ist zu viel ins Licht des Bewußten gerückt, und unterliegt damit der Unmöglichkeit des Menschen, das Ganze zu denken und nach eigenem Bild zu ordnen. Das kann nur Gott. Und eine Weltordnung gibt es nur in und nach seinem Bildgefüge, den Ideen, geordnet in der Dynamik des logos.

Es ist deshalb doppelt spannend und interessant, wenn sich jetzt auch die ... Prostitutions- und Erotikbranche, nennen wir es so, zu Wort meldet. Denn die steht vor dem völligen Aus. Sie bekommt (natürlich) keine Förderung, sie hat nur Totaleinbrüche. Einbrüche auf Null.

Und sie erlebt nun das, was an diesem Ort schon als "notwendiges Schweigen" dargelegt wurde. Diese Branche steht auf schwankenden Grund. Und ist doch für ein Volk so wichtig. Nur darf (sic!) man darüber nicht sprechen. Dieses Tabu ist existenznotwendig. Ein Volk, jedes Volk, jede Gesellschaft braucht einen Tabubereich. Im Hellen, aber auch im Dunkel.

Das Gesagte ist der Grund, warum ein Staat, eine Gesellschaft nicht auf eine Weise reagieren kann, als handele es sich um normalen Alltag, um ein wirkliches Glied in einer Gesellschaftsordnung. Erst DAMIT würde sie sich sündig und schuldig machen. Sie kann und muß diesen Bereich aber dulden. Und wegschauen. 

Es ist eine Branche der Nacht, und sie muß in dieser Nacht bleiben. Verstößt sie gegen dieses ihr Existenzgebot, wird sie mit Sicherheit auf einen Moralismus, auf einen Puritanismus stoßen, der sich gewaschen hat. Und darin sogar unmenschlich (weil ungöttlich) ist. 

Das darf nicht passieren, über die Gründe schweigen wir hier weiter besser.  Eine puritanische Gesellschaft wird immer eine totalitäre Gesellschaft, wird die Hölle auf Erden. Die durch diese absichtlich geschaffene Hölle verspricht, den Himmel zu erwirken. Damit zwangsläufig das Dunkle ins Perverse schiebt.
Dennoch darf der Staat auch in diesem speziellen Fall nicht die Kontrolle verlieren, wir wiederholen uns. Er erlebt hier, wir haben auch das bereits behandelt, den Fall, wo etwas zwar explizit gegen das Gemeinwohl verstößt, implizit aber geduldet werden muß, weil auch sonst das Gemeinwohl gefährdet ist. Jaja, das Leben ist eben komplex und kompliziert ...*
Das geht nur, wenn man es offiziell ignoriert, wenn der Staat offiziell dazu schweigt. Hilfestellung aus den Corona-Fonds ist da sicher nicht möglich. Dennoch muß er die Branche weiter kontrollieren können, will er nicht zu Brachialgewalt zurückkehren. Auch so hat man das ja manchmal zu lösen versucht. 
Eine solche stillschweigende Kontrolle ist in Österreich ziemlich weitgehend mittlerweile eingerichtet und aufgerichtet worden. Auch wenn das in vielen Fällen zu weit gegangen ist, etwa wenn man bestimmte Berufe zu "Sexualpädagogik" usw. usf., mit festem Sozialversicherungsrahmen und -anspruchsgeflecht umbauen möchte. Davon träumen nur Linke, die ein Gemeinwohl überhaupt nicht kennen, das sich immer nach einer ontologischen Ordnung richten muß. Die Linke kennt das nicht, weil es der Materialismus nicht (offiziell; inoffiziell weil real-pragmatisch sehr wohl) kennt. Genau dieses feine, "heimliche" Band löst sich nun aber auf.
Somit erlebt die Branche, daß ihr eigentliches Geschäft sich jeder Kontrollierbarkeit (für den Staat, aber auch für die Betriebe selbst) zu entziehen beginnt. Speziell die Prostitution verändert sich zu Geheimprostitution, wo Wohnungen, Wohnwagen, Lagerhütten ... zu gelegenheitlichen Bordellen werden. Etliche ganz sicher unerwünschte und strikt zu bekämpfende Nebenerscheinungen (Frauenhandel usw.) sind garantiert.






*Auch Gott duldet viel, ohne es aber "zu wollen". Oder "zu segnen", also zu begnaden. Gnade bedeutet immer das Vergehen, das Ende des über die Gnade ins Gut Umgekehrten.



*260420*

Freitag, 29. November 2019

Die Heiligkeit des Geheimnisses aus Mann und Frau (2)

Teil 2)



Die Fruchtbarkeit ist eine paradiesische Gabe, darin liegt ihre Heiligkeit begründet. Sie geht nicht in einem biologischen, "natürlichen" Vorgang auf, dieser ist nur ihre Bedingung, nicht ihre Ursache. Sie ist auch weit mehr als die bloße Begegnung zweier Menschen. Sie rührt an das Göttliche selbst. Damit hebt sie sich unendlich aus primitiver Natur heraus. Das erklärt, warum die Ehe in allen Religionen und zu allen Zeiten etwas Heiliges war und ist, in den anderen Religionen sogar noch mehr als im heutigen Christentum, wo das oft schon ziemlich blaß geworden ist. Aber nicht nur in der intimsten Akthaftigkeit der geschlechtlichen Begegnung, sondern in diesem Bund des Zueinander ist Gott selbst gegenwärtig und dabei. In der Sakramentalität (weil bzw. wenn unter Getauften geschlossen) natürlich auf reale, sonst nie erreichte und erreichbare Weise, die in allen übrigen Religionen nur Ahnung und Abglanz ist. Wie sehr das auf den Menschen zutrifft, zeigt die Freude, die im innigsten Vollzug enthalten ist.***

Gott ist ein Spiel mit sich selbst, zitiert Gerl-Falkovitz Meister Eckhart. Und wie im Spiel ist das Zueinander von Mann und Frau in den Glanz des Unbekannten, des Geheimnisses getaucht. Dessen schöpferischer Moment in der Hingabe an die Regel aufbricht. Selbst beim simpelsten Halma-Spiel ist der Ausgang ungewiß, das macht die Faszination des (welthaften) Spiels aus. Und in diesem Spiel liebt Gott sich selbst, dynamisch in den drei Personen der Trinität, in die Gott (weil Jesus) das Ehepaar (das in der Ehe ja nur die ursprüngliche, paradiesische Wirklichkeit von Mann und Frau herstellt) hineinnimmt. So, wie Gott ein Werk durch sich selbst ist, im Tun des Zueinander von Vater und Sohn im Geist, ist auch das Paar ein Werk durch sich selbst, in der aufeinander gerichteten Polarität der Personen, und im Heiligen Geist, den sie einander (real atmend) zuhauchen. 

Man kann deshalb die Ehe gar nicht außerhalb der Sakramentalität begreifen. Dann bliebe sie bloßer weltimmanenter Versuch, die ganze Wirklichkeit von Mann und Frau zu imitieren. Der nicht sakramentalen Ehe bleibt deshalb ein Beigeschmack des Tragischen. Vielleicht begründet sich darin die in anderen Kulturen und Religionen meist viel exzessivere (weltliche) und symbolbeladenere Feier als im christlichen Raum. Weil die wirkliche Wirklichkeit fehlt, dieser Ehe also immer ein gewisser Mangel (an Übernatürlichkeit) eignet. Aber auch dort bleibt sie jene Liebe, die den "anderen" liebt, also nicht narzißtisch ist. Diese Spannung innerhalb der Trinität wird durch die geschlechtliche Spannung lediglich ausgedrückt, bzw. ist diese deren Analogie.**** 

Damit kommt man auch an den Punkt beklagen zu müssen, daß Alltag und Leben heute einer christlichen Erotik ermangeln. Gerl-Falkovitz weist sehr gut dabei auf die Bedeutung der "Angezogenheit" hin, in der sich diese Erotik eigentlich zeigen beziehungsweise darstellen sollte. In der sich diese innere Dynamik Gottes andeutend zum Ausdruck bringt und so auf Erden realisiert. 

Wenn Mann und Frau dasselbe tun, schließt Gerl-Falkovitz, dann klappt es nicht. Das zeigt sehr schön ein arabischer Hochzeitsritus, in dem zur Eheschließung das gemeinsame Beladen eines Kamels gehört. Dieses muß so beladen werden, daß es vierzig Tage (bis zur nächsten Oase) durchhält und das Paar trägt und nährt. Beide beladen es auf ihre Art, beide mit je anderen Schwerpunkten, aber es muß sich in Einem finden. Beide müssen also das Kamel mit zwei unterschiedlichen Qualitäten beladen. 

Die Differenz der Geschlechter ist ein Ausblick, ein Fenster und ein Durchgang auf die dynamische innere Qualität Gottes selbst. Die gilt es für den Menschen, in die Welt hereinzuholen. Gott ist zwar nicht Mann und Frau, aber in der Zweigeschlechtlichkeit und der darin enthaltenen Anziehung findet sich eine Analogie auf Wesen und Liebe der göttlichen Personen.







***Deshalb ist die Rede von der "Freude an der Sexualität" ein so gefährliches Schwert, das oft auch über katholische Ehen gehängt wird. Denn eine für sich stehende Sexualität ist immer ein Zurückwerfen der Partner auf sich selbst. Die Offenheit für das Ewige ist nur in der Offenheit bedingungsloser Hingabe enthalten. Salopp formuliert: Die Ehepartner sind einander nicht "Spielzeug zur Selbsterfreuung". Umgekehrt ist es weit weniger bedenklich - diese Begegnung zu verzwecken, und lediglich als "Akt der Kindeszeugung" zu sehen.

****Es ist gewiß nicht mehr leicht zu verstehen, wenn man dazu sagt, daß das, was wir als "physisches Geschlecht" definieren eine reduktive Sichtweise ist. Aus dem oben Gesagten geht nämlich auch hervor, daß diese Geschlechtlichkeit im Ort, also in der Ehe, vorausgeht, und der Einzelne in diesen Platz hinein geschaffen wird. Eine vorausgehende explizite "Geschlechtlichkeit" gibt es also gar nicht, ohne sie in Komplementarität zu denken. Erst aus der Ehelichkeit geht "Mann und Frau" hervor.




Donnerstag, 28. November 2019

Die Heiligkeit des Geheimnisses aus Mann und Frau (1)

Was Mann und Frau zu sich selbst macht ist das, was sie umfängt, also die Ehe, als Gründung einer neuen Welt, wo eine Beziehung welthaft, also gestalthaft wird, im geschlechtlichen Zueinander. Sodaß gilt, daß erst als Vater und als Mutter das Geschlecht zu sich selbst wird. Das ist ein immanentes Geschehen, kein direkt erreichbares Gut. In seinem wesentlichen Element, daß das andere Geschlecht eben "anders" ist. Wie? Das wirklicht sich erst in dieser Begegnung, und zwar in einem dann Gemeinsamen, das dann als "Haus" tatsächlich Welt (in ihren weiteren, umfassenden Formen, wie Gemeinde, Region, Land, Staat) ist, die wiederum vom Umfassenderen her begründet wird.

In diesem kleinen Punkt (der sanfter Hinweis auf eine bei ihr immer wieder durchscheinende Ungereimtheit in ihrem Denken - sie ist, als Frau, eben auch intuitiv, und damit tendenziell synthetisch) muß man dem sonst sehr inspirierenden Vortrag der em. Philosophiedozentin Hannah Gerl-Falkovitz widersprechen. Die im Jänner 2019 am Wiener Religionspädagogischen Institut in einem weitausholenden Einblick in die Überlieferung und Tradition vieler Völker dieses Mysterium anspricht. Das erst Fruchtbarkeit möglich macht. Als Hinzukommendes, als zuvor nicht gekannte, nunmehr aktivierte Potenz, die zugleich das Tor zum Ewigen, zum Jenseitigen, zum Transzendenten darstellt. Und zwar in dieser Auslieferung an das Nicht-Gekannte. 

Falkovitz spricht dabei die in den maßgeblichen Mythen überlieferte Eigenart der Geschlechter an. Wo der Mann sich durch Heldentat und Befreiungskampf die Frau verdienen muß, die prinzipiell die Passive ist, will sie sie selbst sein. Die, die wartet, die erwartet und sogar fordert. Um dann dem Helden gnädig ihre Hingabe zu schenken, die ihr weit mehr kostet als ihn: Denn sein Penetrieren ist ein definitives und endgültiges Verletzen (als Verändern) ihres Daseins weil ihrer Leiblichkeit. 

Erst in dieser Differenz, in diesem Hineingehen ins Unbekannte, wird der Mensch nicht nur zu sich selber, sondern erkennt er sich auch. Kein Blick in den Spiegel, kein Blick aufs gleiche Geschlecht kann das leisten. Die Identifikation mit beziehungsweise über das gleiche Geschlecht, wie es für Vater und Sohn typisch ist (und sein muß), bildet dabei nur die stumme Grundlage des Hinaustretens in den Kampf (ums Weib.) Die Frau ist dabei einfach die, die dem Mann "das Leben" bedeutet: Adam nennt seine Frau, die Gott ihm gemacht hat, "Leben" (Eva). 

Will er, der Mann, leben und Leben in die Welt tragen, muß er sich zu ihr durchkämpfen, sie erobern, und sich an die nunmehr als Lohn des Preisgeldes Hingebungsbereite hingeben. Die Frau ist dabei die, die als Leib "einfach da" ist. Darin liegt ihre Kostbarkeit, und darin liegt auch ihre Pflicht, diese Gabe, die sie "ist", durchaus zu verteidigen, also mit einem Preis zu versehen.*

So, in dieser Auslieferung ans Unbekannte, das durch Initiation gehen muß, als Schritt die eigene Basis als Ausgangspunkt zu festigen, zu "erhärten", ist auch der Raum für die Begegnung mit Gott eröffnet. Und zwar zu Gott in seiner mit der Erde, dem Menschen verbundenen Realität! Insofern ist Gott der "in der Mitte", nicht "der andere selbst". Der einem durchaus auch das ganze Leben, selbst in langer Ehe, fremd bleiben kann, wenn nicht sogar soll. Diese Fremdheit gilt es aber durchzuhalten. Was dem heute so oft anzutreffenden Wahne widerspricht, mit dem anderen "zu verschmelzen", "eins" zu werden. 

In diesem Sinne gibt es dieses "Einswerden" gar nicht, sie ist eine sogar gefährliche Illusion. Die Frau wird dem Manne nämlich immer fremd bleiben, und sie muß das sogar. Nicht, weil sie etwas verheimlicht, sondern weil sie anders "ist". Und zwar mehr, als umgekehrt, weil der Mann weit eher nach der Logik der Welt aufgebaut ist. Es ist somit pathologisch, dieses Unergründliche ausschöpfen zu wollen, etwa durch Techniken und Methoden, die "restlose Offenheit" bewirken sollen.** Die in jedem Fall eine Illusion ist, die auch dem, der angeblich "restlos offen" ist, eine innere Fessel anlegt, die er kaum mehr erkennen kann. Es muß also genügen auf diese Unergründlichkeit zu pochen!

Wenn Gerl-Falkovitz also von der Fremdheit als "Salz in der Suppe" spricht, so darf man das nicht als rein pragmatischen Tip verstehen, sondern es ist sogar das, was die Anziehung der Geschlechter in der Erotik (sic!) ausmacht. Die von einer andeutenden Verhüllung lebt, nicht von der anatomischen Reservelosigkeit.

Auch die Vertrautheit, diese wunderbare Frucht der Verbindung von Mann und Frau, gedeiht nur auf dem Boden dieses Respekts vor dem letzthinnigen Geheimnis, das mir im anderen gegenübersteht. Sie gedeiht, wenn der andere sich der Verläßlichkeit sicher sein kann, daß der andere den Moment der Ungeschütztheit, den ich ihm in der Partnerschaft biete, auch respektiert, ja schützt. (Im alten Bürgerlichen Gesetzbuch galt deshalb die Bloßstellung und Indiskretion als Grund für schuldhafte Entlassung bzw. Scheidung.) Das Miteinander von Mann und Frau ist als Ganzes ein Geheimnis, ein "Heim", in dem jeder der beiden wohnen kann.² Das mit der Zeit immer mehr wachsen kann, in dem sich mit der Zeit mehr und mehr Räume auftun können, beschreibt es Gerl-Falkovitz. 

Wo aber ein Geheimnis auftritt, das noch dazu das Geheimnis des Lebens einbegreift, spricht man in allen Kulturen und Traditionen von "Heiligem". Denn es geht um weit mehr als um menschliche Begegnung. Es geht um das Einschließen des Geheimnisses der Welt, in dem sich das Transzendente, das Göttliche der Erde schöpferisch zuneigt und das deshalb nicht machbar, das nur erflehbar ist.

Morgen Teil 2)


*Es ist also interessant, daß die "käufliche Liebe" im entsprechenden Gewerbe diese natürliche, in ihrer Natur natürlich "andere" Konstellation von Mann und Frau so täuschend lebensecht nachspielt.

**Der VdZ hat sich an dieser Stelle deshalb schon mehrmals sehr ablehnend gegen auch in katholischen Kreisen so beliebte Methoden wie "Marriage Encounter" gewandt. Die nur den Spielraum der Freiheit bei den Partnern einengen und determinieren, aber kein innigeres "Miteinander" als Ganzheit bringen.

²Das trifft auch für den Fall der "Pathologie" zu, die wie die Sünde als Abwendung von Gott (wenn auch in anderer Schuldkonstellation) eine Entfernung vom eigentlichen ontologischen Geschehen bedeutet. Lesbar im (nach heutigem Maßstab) psychologischen Sinn ist immer nur die abgrenzbare Pathologie! Nur sie beugt sich einem nachvollziehbaren Mechanismus. Dennoch (sic!) ist der wahre Andere, der wirkliche Mensch der er ist, dasselbe Geheimnis geblieben, das nur verschütteter, verborgener bleibt, auch im Affiziertwerden durch das allem unterliegende, wirklich wirkliche Geschehen, und durch die Pathologie verdrängt wird. Aber das ändert nichts am Geschehen weil am Ort, an dem jemand steht.



*101019*

Donnerstag, 23. Mai 2019

Vom Balzverhalten der Korkenzieher (3)

Teil 3) Die exkursartigen Anmerkungen



**Sogar die Schwulen-Bewegungen - an sich ideologisch - machen sich diese jedem, auch dem Homosexuellen natürlich, ja diesem in allererster Linie (man beachte alleine den oft bei Homosexuellen zu beobachtenden Ästhetizismus, der ein Verlangen nach Schönheit ist, ohne den Ort dafür zu haben, weshalb er oft in Kitsch übergeht, weil er keine Wahrheit hat) eigenem Verlangen nach Ritus zunutze. Den zu erlangen derjenige zu schwach ist (denn Homosexualität ist ja eine Schwäche des Selbstseins, und damit ein in sich den Ritus ausgrenzender, ihn ersatzweise aber - als Sitz des Lebens in der Welt, also als dessen Realisierung! - haben wollender Habitus).

***Das gibt dem Weiblichen diese bekannte (und notwendige) Ambivalenz aus Hingezogenheit und Zurückweisung. Die in dem Idealbild von der "Heiligen und Hure" gar nicht so unzutreffend beschrieben wird. 

****Was uns heute also fehlt ist nicht irgendwelche Moral oder Dogmatik, es ist der Mangel an Vertrauen in die Fundamentalität und Potenz wie Ausrichtung der Transzendenz, daß sie uns uns selbst gibt! Dieser Vertrauensverlust ist eine direkte Folge der Auflösung der Riten und Tabus im Alltag.  Denn nur eine durch verbindliche Riten geformte Welt (und nur eine solche ist überhaupt Welt) bietet Vertrauenswürdigkeit, weil das Transzendente nur im Ritus real und als Erfahrungsgegenstand präsent ist. 

Sodaß man sich anders nicht transzendieren, auf dieses Unbekannte hin formen lassen will. Daraus folgt zwingend eine Unentwickeltheit des Selbst, sodaß die "Variabilität der Geschlechter" als tragische Fehlentwicklung gar nicht ausbleiben kann. Nur Ritus könnte hier Abhilfe schaffen, und sei es der Ritus der Farbzuordnung (blau=männlich, rot=weiblich, zum Beispiel), in den ein Mensch hineinwachsen muß, weil er ihn als Teil einer Gesamtkultur (=Ritusgemeinschaft) formt.

³Es ist ein Irrtum, die "sexuelle Anziehungskraft" als den "Motor zur Ehe" zu sehen. (Wo immer das passiert, ist der Mensch bereits schwer geschädigt und von sich - als einem "auf das Oben zu" - abgewandt.) Es ist das Verlangen nach Ehe, nach Ganzheit, die das tut. Aber sie tut es konkret, INDEM sie beiden ihren Platz zuweist, und der ist real durch den Eros von Mann und Frau (zueinander).

*****Vieles, was deshalb in unseren Schulen als "Fähigkeiten" ausgepriesen wird, ist in Wahrheit nur ein fataler Wildwuchs, der keinen Sinn hat und nie Früchte tragen und schon gar nicht den Träger "glücklich" machen wird. Er wird ihm nur die Energie aussaugen und an unerfüllten Ansprüchen u. U. sogar zeitlebens leiden lassen. So wie ein Wassertrieb beim ungepflegten weil ungeformten Holunderbusch vor dem Haus. Deshalb müssen Schulen in erster Linie (erster, nicht zweiter oder späterer!) den Ritus der Herkunftsidentität der Schüler zelebrieren oder zumindest respektieren, für sich stehen lassen können, wollen sie "Lernerfolg" haben. Spätestens hier wird deutlich, wie katastrophisch sich die Ent-Regionalisierung (weil Ent-Ritualisierung) der Lehrerschaft auswirkt. Was bis hin zu den Lehrinhalten geht, die weder mit Lehrer noch mit Schüler etwas zu tun haben.






*100319*

Mittwoch, 22. Mai 2019

Vom Balzverhalten der Korkenzieher (2)

Teil 2)




Vieles, was uns nur als ideologische Auseinandersetzung erscheint, ist damit in Wahrheit ein (klar, oft genug ersatzweises, rationalisiertes) Streben nach einem gebärenden Ritus.** Denn was dem Leben fehlt, bemerkt man am fehlenden Ritus.

Noch etwas wird bei Tieren deutlich, es gilt auf andere Weise nicht weniger für den Menschen. Denn es ist immer dieselbe Archetypik, aber in je anderer Ebene, beim Menschen eben - im Geist, denn das Wesen der Seele, also der Form, zeigt sich immer in ihrem höchsten Punkt. Das Männliche hat etwas "Penetrierendes", hat etwas "gewalthaftes", das sich der mater/Materie/Mutter bemächtigt.

Welt wird also nur durch einen Akt der Gewalt. Diese ist jener Punkt, an dem das Männliche sich ins Unbekannte, ins Transzendente selbst hinein verliert weil hineinstirbt. Während das Weibliche scheu ist, von Natur aus, und flieht, somit genommen werden muß. Sein Sterben ist das Hinnehmen der beide überstülpenden, aus dem beantworteten Verlangen der Form heraus überlagernden (und damit zu "eins" machend: Mensch als Mann UND Frau) Form (=Ehe), welche nun die zu diesem Schritt zustimmende Frau überwältigt, und darin zu sich selbst und ihrer höchsten Möglichkeit bringt, der Lebensweitergabe, als das Schöpferische der beide überstülpenden Form.*** In deren Rahmen aber der eine (der Mann) überwältigt, der andere (die Frau) überwältigt wird, denn nur so ist diese Form (=Ehe) real und damit für beide aus sich heraus wirksam.

Es ist die Zustimmung zur Herrschaft des Mannes über sie, der sie zu diesem Moment bringt, und wo sie sich dem Unbekannten des Transzendenten (in dem die Wirklichkeit der Ehe "wartet", ja aus dem heraus diese lockt) ausliefert.³ Nur im Selbsttranszendieren aber wird alles zu sich selbst - empfangend, nicht selbst gebend. Das gilt wiederum für beide Geschlechter.****

Aber damit wird auch klar, daß es völlig gleichgültig ist, ob wir unser Leben als Gartenschlauchträger, Funzelbrenner, Schnapsproduzent, Ministerialrat oder König verbringen. Nämlich in dem Sinn, als all das nur Kostüme für ein und dasselbe sind, das einzig jedem Menschen aufgetragen ist! Das Geforderte ist bei allen Ständen und Berufen etc. etc. gleich. Noch etwas wird damit klar: Daß es ein lächerlicher, aber folgenschwerer Irrtum ist zu meinen (wie es heute geschieht, ja darauf baut unser gesamtes Bildungssystem auf), die Identität von "Fähigkeiten" abhängig zu machen, die angeblich zum Vorschein kommen. Es geht gar nicht darum, denn die Fähigkeiten (die man damit meint) werden nur im Rahmen von Identitäten (Orten) und damit in Riten und Tabus sichtbar, also zur Welt, und erst dort erlangen sie ihren Wert, also Anerkennung.*****

Ein "Gegenmittel", ein konstruktives Gegenmittel kann nur so aussehen, behutsam wieder Riten und Tabus zu etablieren. Die natürlich nicht einfach Kopien von Vergangenem sein können. Wenn sie auch manche oder viele dieser früheren Ritus-Elemente enthalten werden. Weil sie auf die Natur als Grundlage von Wesen Bezug nehmen, und die ist nicht schlicht a-historisch, abstrakt. Nur im Ritus werden wir wieder eine "bessere (=dem Schöpferischen förderlichere) Welt" für uns und unsere Nachfahren schaffen können. Nur so werden aus den Schutthaufen, die wir heute alle sind, und die alles ist, was wir lustigerweise noch Kultur nennen, wieder Gestalten aufstehen können. Dann werden wir auch das Müllproblem gelöst haben.





Morgen Teil 3) Die exkursartigen Anmerkungen




*080319*

Dienstag, 21. Mai 2019

Vom Balzverhalten der Korkenzieher (1)

Es ist hier liebevoll persifliert und regt zum Schmunzeln an: Das Balzverhalten der Korkenzieher wollen wir aber dazu benützen, um zu illustrieren, was damit gemeint ist, wenn wir sagen, daß die Dinge sich immer in Ritualen begegnen. Diese sind symbolische Repräsentanzen der Natur, die der Begegnung innewohnt. In ihr ist alles enthalten, was dieses Zueinander per naturam kennzeichnet. Somit drückt sich im Ritual auch der Respekt vor der Eigenart des anderen aus. Nur so können die Dinge sein, und das sind sie letztlich immer nonverbal, gestalthaft. Nur so können sie kommunizieren, anhand eines gemeinsam erreichbaren Endzustands.





Natürlich wird es anhand von Lebewesen deutlicher, denn nur Lebewesen können kommunizieren. Und zeigt sich - allen bekannt - am Balzverhalten unter Tieren am deutlichsten. Das auf Nutzen reduzieren zu wollen, ist schlichtweg lächerlich, und die Evolutionsdeppen brechen sich auch alle Zähne im Versuch, Rituale mit Zwecken zu unterlegen. Die aber die eigentlichen Vorgänge überhaupt nicht begreifbar machen. Die Nutzlosigkeit des Symbolischen (und der Schönheit generell) ist für Staubgehirne auch die am unmöglichsten zu knackende Nuß.

Noch etwas wird aber darin deutlich: Das Ritual wahrt nicht einfach den Respekt, es wahrt im Respekt das Geheimnis des Innersten des Gegenübers. Dieses bleibt unberührt. Denn alles was ist, geht zwar von einem innersten Innen aus, einem geistigen Punkt der Idee, doch ist alles Gestalthafte Resultat einer Begegnung des Äußeren. Dort ist der Punkt der Selbstwerdung als der Weltwerdung sogar, und er ist das Weben eines Kostüms, in dem die Beziehungsfiguren der Ideen zur Weltgestalt und -geschichte werden. 

Insofern kann man davon sprechen, daß das Wesen der Dinge in jenem Begegnungsort enthalten ist, auf den hin sich die Dinge in ihrer noch unentwickelten Richtung transzendieren, dessen Anforderungen sie erfüllen sozusagen (der damit kulturell, also im Außen verankert und induziert ist und als Außen herantritt). Diese Anforderungen enthält der Ritus, der damit anweist, auffordert, und dem der je andere beitreten muß, damit die Kommunikation (also damit das Gemeinsam-Werden in einer Aufgabe, die beide prägt, je nach Eigenpotenz) gelingt. Nur in diesem Hinein-Werden an die Anforderungen, die der Ort stellt, wird alles Lebendige zur Gestalt, und damit zur Welt.* 

Geben beide zu diesem durch den Ritus angebotenen Gemeinsamen ihre Zustimmung, schaffen sie tatsächlich ein Drittes. Das somit sein Dasein einem Ritus, einem Symbolischen, einem Geisthaften damit verdankt. Von dorther ist das Verlangen nach Legitimität erst so richtig zu verstehen, das jeden Menschen prägt. 


 Morgen Teil 2)



*Das kann man bis in scheinbar Profanstes hinein verfolgen - man nehme nur den Verkauf, diese völlig falsch eingeschätzte Tätigkeit. Es ist dasselbe Geschehen. Profan wird es nur dann (und dann auch die Integrität der Teilhabenden verletzend), wenn es als reiner Nutzenabgleich in den Dreck gezogen wird. Wird Verkauf als Ritual verstanden, wird es zu einem der schönsten Handlungsmomente, die uns in unserem täglichen Lebensvollzug zur Verfügung stehen! Von dieser Warte aus muß man deshalb auch den Konsumismus, den Kaufrausch etc. ganz anders betrachten. Beide werden geboren aus der Sehnsucht nach etwas, das einerseits andere brutal ausnützen, das andererseits mangels Ritualen (also Banalisierung) keine Sprache mehr findet und deshalb letztlich unerfülltes Verlangen nach Schönheit und der Befriedigung des Kommunikativen (das auf anderer Stufe dem Orgasmus als Kategorie zuzuordnen ist) zurückläßt.




*080319*

Sonntag, 21. Oktober 2018

Ein gutes Zeugnis für die Ungarn

Per Regierungserlaß wurden diesen Sommer in Ungarn die "Gender Studies" von den Vorlesungsplänen gestrichen. Natürlich gab es auch eine inhaltliche Begründung, und die ist bemerkenswert weil sehr richtig.  Weil sie sagt, daß diese Gender Studies die Fundamente der christlichen Familie untergraben. Deshalb ist es kein Zufall, daß zwar eine der beiden betroffenen Universitäten staatlich, die andere aber, die diese Studiengänge anbot - eiderdautz - von der George-Soros-Stiftung gegründet wurde.

Anders als hierzulande hat man in Ungarn wohl begriffen, was eine Familie (weil Ehe) überhaupt ausmacht. Die nämlich in der jeweiligen Eigenart der beiden Geschlechter grundgelegt ist, die aufeinander ausgerichtet ist und in dieser Ordnung wesentlich für die seelische Entwicklung der Kinder ist. Wer also ernsthaft an einer Familienpolitik interessiert ist, muß genau und zuerst dort ansetzen. Nicht beim Geld, oder bei Kinderkrippen und Ganztagesschulen. Obwohl es auch die Ungarn mit Geld versuchen, was aber (wie so gut wie überall) eigentlich ein Schuß ins Ofenrohr war. 

Daß die Bewohner der Puszta selbst diese Grundlagen so sehen zeigt eine Tatsache, die die Reaktion der Regierung noch mehr als im Einklang mit den Ungarn selbst belegt: Man hat festgestellt, daß nach diesen Studiengängen gar keine Nachfrage bestand. Die Vorlesungen wurden schlicht und ergreifend von zu wenigen Studenten besucht.

Und noch etwas zeigt sich. Daß nämlich diese sogenannten Studiengänge in unseren Ländern aus rein politischem Interesse bestehen und finanziert werden. Denn ein Regierungssprecher Ungarns hat an anderer Stelle bereits darauf hingewiesen, daß seitens der Gesellschaft und der Wirtschaft doch gar kein Bedarf nach solchen Leuten besteht. Wer stellt schon "Genderologen" an? Ach ja - die Regierungen unserer Länder. Und deren Universitäten. Dieses gesamte Ideen- und Berufsfeld wird praktisch ausschließlich von Steuergeldern getragen, und dreht sich wie in einem geschlossenen Kreislauf, der keine Realität braucht, diese "da draußen" aber beherrschen möchte.

Was alles ein gutes Indiz für die geistige Gesundheit der Ungarn ist. Und es entspricht auch der Erfahrung, die der VdZ in diesem Land macht. Wo das Verhältnis zwischen den Geschlechtern noch normal und gesund ist. Weil Männer Männer, Frauen Frauen sein wollen, und die Spannungen zwischen den beiden Geschlechtern genießen, nicht zum Krieg um Macht umphantasieren. 

Emanzipationszwänge gibt es zwar leider auch hier genug. Trotzdem taucht das im Alltag nicht als prinzipielle Frage auf, bleibt das Verhältnis von Mann und Frau zu gestalten den Menschen noch weitgehend selbst überlassen. Und niemand zerbricht sich viel den Kopf darüber. DAS ist das wahre Zeichen für den erwähnten Rest Gesundheit. Wenn jemand gar keine Lust dazu hat, darüber zu reden, weil er den Eros des Lebens einfach gerne mag, und daran soll sich nichts ändern.

Nachbemerkung: Hiesige Medien berichteten darüber. Aber sie erzählten wahrheitswidrig, daß in Ungarn das Fach "Geschlechterforschung" von den Universitäten verbannt worden wäre. Wir erkennen natürlich die Absicht, die hinter dem Verschweigen dieses kleinen, aber feinen Unterschieds zwischen "Geschlechterforschung" und "Gender Studies" steckt.





*181018*

Samstag, 23. Juni 2018

Ein liebenswerter Orient

Es ist bereichernd, diesem Mann zuzuhören - der Vorsitzende der Deutsch-Arabischen Gesellschaft Michael Lüders deshalb noch einmal. Diesmal in einem langen Gespräch über den Orient, in dem er einen liebevollen Zugang zu einer Region eröffnet, der über das Gerede von "Naher Osten" und seiner politischen Probleme leicht vergessen läßt, daß wir es hier mit Menschen zu tun haben. Die viel zu verlieren hätten, würden sie einfach verwestlicht.

Es ist tatsächlich begeisternd, die Rolle der Poesie auch im alltäglichen Leben des Orients zu betrachten. Die alte romantische Sehnsucht des 19. Jahrhunderts nach dieser Lebensweise wird verstehbar. Lüders offenbart die Weichteile dieser Kulturen und Völker, und zeigt sie in ihrer Liebenswürdigkeit. In einer Lebensweise und Weltauffassung, die europäischen, westlichen Kriterien nicht immer entsprechen mag, die uns aber in vielem gewiß bereichern kann. Zumal sich unter allen politischen Hartbildern einfach das Menschsein zeigt, das im Alltag durchaus noch dominiert. Samt verblüffenden Schilderungen.

Wußte der Leser etwa, daß Lüders den Iran als das am meisten säkularisierte islamische Land der Welt einschätzt? Daß es dort - anders als sonst überall - nicht einmal den Ruf des Muezzin hört? Daß die Jugend des Iran mit Religion herzlich wenig zu tun haben will? Aber das ist doch die "Islamische Republik per excellence"? Naja ... vor allem ist es wohl ein Land von Menschen. Wir kämpfen halt oft viele Schattenkämpfe, nämlich Kämpfe mit Rahmenbedingungen, nicht mit den Menschen. Wieviel Scheintheater unter alle dem, was uns tagtäglich als angebliches Problem vor Augen getanzt wird. Wie selten merken wir die Heuchelei, die uns täglich wie ein Fluidum umhüllt. Wir sollten nicht so leicht vergessen, daß man WAHRHEIT nur sieht, wenn man das zu Sehende LIEBT. Und das heißt durchaus: Wenn man seinen EROS wahrnimmt.

Es ist hingegen lächerlich und banal, wenn der Westen als großer "Vertreter von Werten" auftritt. Wo doch jeder sofort merkt - auch die Araber - daß es in der Außenpolitik nur um Interessen geht. Auch, ja gerade für den Westen, der sich doch pausenlos als Heuchler entlarvt. "Wir reden von westlichen Werten - und meinen westliche Interessen!" Damit verlieren wir doch nur Glaubwürdigkeit.

Wunderbar also, was Lüders über so manche Begegnung mit arabischen Menschen erzählt. Da wollen wir das eine oder andere seiner Aussagen, über das man bei scharfem Messer stolpern würde, nicht so kritisch balbieren, ausnahmsweise. Der Leser bereite sich also einen Kaffee, oder richte sich ein Gläschen Wein, setze sich bequem, und höre einfach zu. Nach allem "Kritischen", in dem wir uns meist bewegen, tut einfach gut, von den Menschen des Orient so lebensvoll erzählt zu hören. Es ist der notwendige Hintergrund, wenn wir über diese Welt reden. Zu sehen, daß wir alle Menschen sind, so gleich im Grunde, überall auf der Welt, und gleich liebenswert, und gleich lebensdurstig. Kein System kann so straff sein, daß es nicht Wege gäbe, auf denen sich das pure Leben seine Bahn bräche. Ist es nicht das, was wir alle in Wahrheit suchen? Was das Leben so unfaßbar lebenswert, ja zu einem einzigen Glücksrausch macht?

Dieses Wunderbare zu sehen fehlt uns ja gemeiniglich. Aber nicht, weil es nicht da wäre, sondern weil wir es nicht mehr sehen wollen, weil wir vom Wesentlichen so schrecklich abgelenkt sind. Wie anders aber wäre unser Leben, wie erfüllend, wenn wir seine wirkliche Wirklichkeit wieder sähen. In der die Welt zu dem wird, was sie in Wirklichkeit ist: Zum Wunder, zum einzigartigen Wunder.









*290518*