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Montag, 27. April 2020

Wenn Verdummung zur Allgemeinerscheinung wird

Die großen Erfolge des Teufels im Staats- und Völkerleben werden für eine Zeitlang errungen durch den wesenhaften Mangel eines Volkes, durch eine unbegreifliche "Überdummung", welche über die natürliche humane weit hinausgeht. Hier geschieht das äffische Gegenspiel in der Nachahmung des echt göttlichen Wunders, welches die Erfüllung des Menschen mit göttlicher Weisheit ist, der Tat des höchsten Intellekts und der göttlichen Liebe. 
Es gibt nicht nur eine Weisheit, die über menschliches Verstehen hinausgeht, es gibt auch eine Torheit, die übermenschlich und luziferisch ist und von den natürlichen Kräften des Menschen nur im Glauben verstanden wird. Sie kommt nicht aus der Natur des Menschen, sondern diese verfällt ihr aus Verführung und wird von ihr als Werkzeug besessen. Sie fällt in diesen Abgrund der Stupidität durch Sünde und Schwäche.

Theodor Haecker




*100420*

Montag, 18. Januar 2010

Erfüllung höchster Möglichkeit

Die Verdunstung Europas, jenes Geistes, der sich in seinen Einwohnern als tiefste menschliche Wurzel findet, aus der sich alles Vereinzelte errichtet, aus dem aller und jeder seine Kraft schöpfte - wie schöpft, nein: schöpfte, als Konjunktiv - äußert sich am Furchtbarsten, weil Häßlichsten, in der Banalität der Utopie, es gäbe ein Land, eine Welt ohne Verzicht - weil ohne Transzendenz, die besagt, daß das Erfüllte des Lebens nicht in seiner primitiven materialen Erfülltheit liegt, sondern ... im Opfer, das erst zum Höchsten hebt, dessen der Mensch fähig ist - zum Höchsten, das seine Möglichkeit ist, und damit seine größte Erfüllung.

Und alles ist es selbst nur aus seinem Höchsten heraus.

Vergil's "Aeneis" wird nicht deshalb als Mutter Europas bezeichnet, weil es "künstliche" Mythologien als methodische Kulturgründung erstmals praktizierte, und dazu einfach Homer fortschrieb.

Das, was ihre kulturzeugende Kraft ausmacht - und sie atmet damit im Geist der damaligen Zeit, der "Fülle der Zeit", der Erlösungsahnung, in der sich hier Augustus incarnierte, dort Jesus Christus - ist genau diese Resignation, aus welcher Haltung heraus erst Kulturaufbau überhaupt möglich ist, weil der Welt in ihrem Zustande, in ihrer wirklichen Gegebenheit, antwortet. Und sie überwindet - nicht ihr, die außerhalb dieser Klammer sofort in banale Einzeltriebe zerfällt, die zusammengesetzt aber niemals mehr das Ganze ergeben - erliegt.

Diese Grundhaltung der Resignation ist die Situation der ewigen Heimatlosigkeit, der Vertriebenheit, der Verantwortlichkeit einem außerhalb aller Welt Stehenden gegenüber, dem zu genügen ist - ohngeachtet aller irdischen Niederlagen und Austreibungen. Es ist dieser Zug der Traurigkeit, den das Christliche so erfüllt. Indem es seinen Sinn aussagt, von dem her plötzlich alles Erlebte und Erlittene licht wird, sich erhellt, Welt und Geschichte plötzlich deutbar - ja: vorhersehbar, natürlich immer in gewissen Grenzen - wird. Denn das jeden Menschen prägende Erleben ist ... jenes von Leid. Wer anderes sagt, täuscht sich und vor allem: andere über die Natur der faktischen Welt, in der wir uns bewegen. Und wer vorgibt, dieses Leid zu beseitigen, ist ein Sohn der Hölle, wo er die Welt hinstößt, der er die Hoffnung der Überwindung nimmt.

Daraus schöpft man, liest man Vergil, wie aus einem Gebetbuch; und daraus schöpft man in dieser langen Liste der Literatur und Kunst, die Trost dadurch spendet, weil sie erneuert, als Urbild, welche menschliche Größe es - NUR! - ist, die alles aufrichtet und hält.

Bedrängtheitsliteratur allem voraus, wie Vergil, wie anderseits, als Dokumente des Menschseins der höchsten Möglichkeit, (um nur einen zu nennen) Theodor Haecker mit seinem "Tag- und Nachtbücher".




*180110*

Freitag, 21. August 2009

Nicht ganz bekannt, von Kraus

Fritz Kortner spuckt in seinen Memoiren gegen (den späten) Karl Kraus Gift und Galle. Denn Kraus hatte sich nicht nur zunehmend gegen die Linke gestellt, sondern Hitler auch noch völlig unterschätzt, wie Kortner meint. In der "Fackel" habe Kraus sogar Theodor Haecker das Wort erteilt, mit der (etwa 1935) getroffenen Aussage:

"Das aktive Böse dieser Welt ist heute in Westeuropa in der Form der Formlosigkeit in Presse und Publikum zu Hause, in Parlamentarismus, Wählerschaft, Bank- und Geldwirtschaft, lauter anonymen, vollkommen verantwortungslosen, nicht faßbaren Massenmächten. Ich werde aber von dem Glauben nicht lassen, daß der blutrünstigste Tyrann noch leichter zu jenem geistigen Verantwortlichkeitsgefühl gelangen kann, ohne das keiner herrschen darf, leichter, sage ich, als die von Verleger, Abonnenten und Inserenten abhängigen Redaktionskollegien in Massenauflagen erscheinender liberaler und sozialdemokratischer Zeitungen und Zeitschriften."

Schon zuvor zitiert Kortner mit Abscheu Kraus, wie dieser 1913 in der "Fackel" bereits schrieb: "Meine radikalen literatischen Freunde, die noch ahnungsloser waren als die feudalen Privatgesellschaften, haben ... seit fünfzehn Jahren nicht gemerkt, daß ich die Pest weniger hasse als meine radikalen literatischen Freunde. Sie haben meine Angriffe auf die jüdischen Liberalen, auf Bourgeoisie und Neue Freie Presse für linksradikal gehalten und nicht geahnt, daß sie, wenn ich überhaupt etwas will und wenn sich das, was ich will, auf eine staatsverständliche Formel bringen läßt, im höchsten Maße rechtsradikal sind. Sie haben geglaubt, ich sei ein Revolutionär, und haben nicht gewußt, daß ich politisch noch nicht einmal bei der französischen Revolution angelangt bin, geschweige denn im Zeitalter zwischen 1848 und 1914, und daß ich die Menschheit mit Entziehung der Menschenrechte, das Bürgertum mit Entziehung des Wahlrechts, die Juden mit Entziehung des Telefons, die Journalisten mit Aufhebung der Pressefreiheit und die Psychoanalytiker mit Einführung der Leibeigenschaft regalieren möchte."

Das sollte man vielleicht nicht nur wissen, wenn man Kraus als Fackelträger der Linken mißbraucht. Diese Seite an Kraus, der aber doch sein Werk die Qualität verdankt, an der niemand vorbeikann, und wie peinlich wäre es: die wirkliche Hellsicht käme nicht von Links ... wird gemeiniglich nämlich ausgeblendet, ja man vergißt sie sehr gerne. Hier also, als Überraschung, und mit Genugtuung serviert.





*210809*

Dienstag, 9. Juni 2009

Vorsehung und Kunst

Theodor Haecker deutet es in seinem Buch über Vergil an: Das Wesen einer christlichen Kunst, insbesonders einer christlichen Literatur, die dieses Attribut als "Spur" einer hinter allem stehenden Anschauung und Glaubenswelt verlangt, gründet im "Fatum". Im zuinnersten Glauben, daß alles Geschehen einen Sinn hat, und einen Sinn erfüllt, im Denken sucht, im Handeln zu erfüllen hat.

Damit schließt sich ein Kreis: Am Ausgangspunkt, der göttlichen Vorsehung, am Gut, das hinter allem als Movens steht. "In principio erat verbum"- Im Anfang war das Wort. Das Gesagte. Und das Wort, das Gesagte, das Fatum, war Gott.

Das Scheidegebirge zwischen Hoffnung im Sinn, und Verzweiflung im Chaos. Das - meint Haecker - so beeindruckend Adventliche an Vergil's Aenaeis.




 *090609*