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Mittwoch, 24. August 2022

Um schnell zu fahren

Ferrari ruft derzeit weltweit 25.000 Autos in die Fabrik zurück. Grund sind Probleme bei den Bremsen, in deren System sich angeblich Vakui aufbauen können.´Anderen Gerüchten nach seien aber gar keine Bremsen eigebaut worden. Eine Schlamperei, entstanden, weil die Arbeiter in Turin die 12.000 Euro Jahresprämie vom Vorjahr an Ort und Arbeitsstelle verjubelt hätten? 

Der Wiener Nachrichtenexpress interviewte Enzo Ferrari, wie er sich und uns diese Qualitätsprobleme erkläre: 
"Erglere, erglere ... Alora, nix problematico, ws wolle von mir? Ig abe gebaut Auto zu faren snell ud nog snell - nigt um su bremse. Das issde gain FIAT Quintocento. Sage selbe, wo soll ich unterbringen Brämse, unter Stoßostang? Vor Seitentür? Unter Sonnenglappe? Sähen sie.!" 

Dienstag, 14. Juni 2022

Nicht WENIGER, sondern-MEHR Autos brauchen wir

    Video auf Tichys Einblick
Das ist wenigstens wieder einmal was Handfestes, was in Tichys Einblick zu sehen ist. Nicht dieses seit Jahr und Tag und in mittlerweile unerträglicher Dichte seriverte, längst abgestandene "Gesellschaftskritik"-Wässerchen, das sich schon ein ganz breites Flußbett gegraben hat, in dem die "Kritik" als schlickiger, lehmverdreckter, ungenießbarer und langweiliger Strom dahinzieht, und mittlerweile so gut wie alles zusammenfaßt, was da angeblich die Zeit analysiert, heißt: "durchschaut".

Neues, Konkretes aber hört man nicht mehr, und in den realen politischen Geschehnissen spiegelt sich ohnehin nichts davo wieder, die ziehen irgendwohin davon, leben wie in einer der mittlerweile zahlreichen Parallelwelten.

Dankbar nehme ihc deshalb zur Kenntnis, was hier gesagt wird. Es geht um eines der vielen Ärgernisse der Gegenwart, den Fahrradverkehr als Hauptdarsteller der so zeitgemäßen Kritik am Automobil, und zwar am benzingetriebenen Automobil. Denn während man den Eindruck hat, daß die Meinungs- und Medienlandschaften, die vollgestellt sind mit Hinweisschildern und Mahnbotschaften, eine Realität wiederspiegeln, tun sie nichts dergleichen, sondern erhöhen nur den Erziehungsdruck. Denn was Elite sein will, das erzieht den schmutzigen, miesen Rest der Menschheit.

Dienstag, 31. Mai 2022

Geheimnis Schönheit

Dieser Bugatti, gebaut etwa in den 1940er Jahren in Italien, ist gewiß eines der schönsten Autos, die jemals gebaut worden sind. Dieser objektive Anspruch wird auch daran erkennbar, daß das Automobil gestalterische Elemente enthält, die sich im Grunde bis heute nicht geändert haben. Und das ist das sicherste Zeichen, daß er im Ganzen wie in den Teilen des Fahrzeugs das Wesen des Autos erfaßt und ausdrückt. Was immer an einem Auto schön identifiziert wird, ist schön, behaupte ich, je näher es der in diesem Auto Gestalt Gewordenen kommt.






Sonntag, 31. Oktober 2021

Gedankensplitter (1355b)

Flugsand und Perspektiven. Die Volksstimme. - Diese seinerzeitige Wochenzeitung der Kommunisten Österreichs (ich hatte sie jahrelang abonniert, ah, jetzt weiß ich es wieder, eine Bestellkarte, die mit besonders günstigen Studenten-Abos warb, war den Unterlagen beigelegen, die ich bei der Immatrikulation in Graz erhalten hatte) war ja billig gewesen. So wie alles billig war, was in deren Verlag entstanden ist nur das Parteiorgan der Kommunisten. (Siehe Anmerkung**)

Woher auch immer, ob aus Wien, Moskau, Berlin, Bucuresti oder Budapest, Druckwerke dieser Provenienz waren untereinander absolut ähnlich. Sie rochen sogar gleich. Wie meine Marx-Lenin-Übersichtswerke, die stehen noch heute in meiner Bibliothek (und riechen noch immer stark, wenn man sie aufschlägt). Sie sind aber wenig wert, wie ich oft genug gesehen habe, daß allen diesen Ausgaben oft die interessantesten Stellen und Schriften ... fehlen.

Jedenfalls leistete sich dieses Druckwerk einer Wochenzeitung mit dem Selbstverständnis eines Parteiorgans mit einer "verkauften" Auflage von 4.000 oder 5.000 Exemplaren (Mitgliedschaft in der KPÖ schloß ein Abonnement im Jahresbeitrag mit ein) den unfaßbaren Luxus, über dessen Sinn scheinbar niemand auf konservativer Seite nachdachte, dutzende Ausbildungsstätten für Journalisten zu bieten. Vor zwanzig, dreißig Jahren gab eine Untersuchung. 
 

Samstag, 30. Oktober 2021

Gedankensplitter (1355a)

[Man erzählt sich von] allen wahrhaft großen Menschen, daß sie mehr Typen als Individuen gewesen seien. 
(Richard von Schaukal, Erkenntnisse und Betrachtungen)

Persönlichkeit entfaltet sich in dem Maß, als der Mensch sich auf einen Ort hin überschreitet. Nicht im "Selbst sein wollen" liegt also die Größe, sondern in der Bereitschaft zu empfangen, dessen, was immer da kommt, indem man sich an eine Aufgabe, an eine Identität, an eine (immer erhaltene, einem übergebene) Position in der Welt hingibt.  

***

Im Magna-Autozulieferteilebau-Werk in Graz, der Hauptstadt der Steiermark (eine Fabrik, die übrigens auch und im Auftrag von Mercedes, BMW etc. jährlich zehntausende Autos baut, das aber nicht an die große Glocke hängt, um die Automobilfirmen/-marken, ihre Kunden am Teilemarkt, nicht zu vergraulen), in diesem Werk also wurden ab Ende September die Werkskantinen für alle Ungeimpften gesperrt. Während die Firma nichts dagegen hat, daß am Fließband Geimpfte und Ungeimpfte nebeneinander stehen, miteinander arbeiten, wird beim Essen diskriminiert. Eine eigene Kantine für Ungeimpfte gibt es natürlich nicht. 

Wohlgemerkt: Wir reden hier von GESUNDEN. Die behandelt werden, als hätten sie eine Seuche. Während die Geimpften doch aus einem Grund geimpft worden sind, den man "Immunität" nennt. Wie sie bei Genesenen besteht.

Nachdem es also nicht um Gesundheitsaspekte gehen kann, denn dann dürfte man die Gesunden überhaupt nicht mehr beschäftigen, stellt sich die Frage, was damit bewirkt werden soll. Und wer soll nun wen noch anstecken? Oder handelt Magna einfach bewundernswert klug, weil die Gesunden vor der Infektion durch die Geimpften geschützt werden? 

Auch möglich. Aber einen merkwürdigen Umstand sollte man denn doch beseitigen. Den, daß so getan wird, als hätten Gesunde einen Mangel! Indem man sie zu UN-....(irgendwas) macht. Dabei sind SIE DIEJENIGEN DIE KEINEN MANGEL HABEN, und darin jedem Geimpften völlig überlegen. 
Wir leben aber überhaupt in einer Zeit, in der das Normale zum Mangel wird. Und sich alle möglichen Parteiungen und Bewegungen die größte Mühe geben, Rezepte zu verbreiten, mit denen das Normale, das Gesunde zu einem Ungesunden und Unnormalen wird. 
KEINES DIESER REZEPTE ABER, DAS NICHT SELBST ES IST, DAS KRANK UND ABNORMAL MACHT.

***

Noch ein Wort zu Graz:

Freitag, 21. Mai 2021

Und es begab sich, daß sich ein Markt gebildet hatte (3)

Teil 3) Nur Gott gehört die Zukunft -
Die Zukunft gehört immer nur Gott


Auch einen Markt zu erfinden ist nicht sachgerecht. Auch Märkte sind nicht in der Griffweite menschlichen Handelns. Sie sind vielmehr abstrakte Größen, die eine Art Schatten sind, die sich aus dem jeweiligen, also millionenfachen moralischen Handeln der Menschen ergeben. Dieses Handeln durch bestimmte Verhaltensmaßregeln und Zwang und Gesetze in Teilen zu lähmen, macht keinen Markt! Es macht nur bestimmte Teilergebnisse beherrschbar. Die aber immer an unzähliche weitere, nicht beherrschbare Dinge (und diese sind IMMER unbeherrschbar) angrenzen.

Donnerstag, 20. Mai 2021

Und es begab sich, daß sich ein Markt gebildet hatte (2)

Teil 2) Der stinkende Filz der Politökonomie


Denn Regierungen brauchen Geld. Das ist nicht neu, sondern begleitet die Geschichte der Völker und Regentschaften egal in welcher Form seit dem Sündenfall im Paradiese. Neu ist, daß es in den Politsystemen spätestens seit dem 20. Jahrhundert mehr und mehr keine persönlichen Einwendungen mehr gegen Beschränkungen der Freiheit der Regierenden gibt, die in dem Maß, als Regieren zu einem abstrakten Geschäft wurde (wie in Demokratien), das Tun der Personen, die entscheiden, von ihrem persönlichen Wohlergehen unabhängig wird. Und das heißt, daß heutige Kanzler und Minister kaum Skrupel haben, Milliarden Schulden aufzunehmen, die in jedem Fall Steuern bedeuten, weil ihr privates Gehalt völlig unabhängig vom "Erfolg" des Regierens ist. Und ihr einziges Interesse deshalb ist, daß das System die Schulden einerseits perpetuieren kann, anderseits zumindest so lange besteht wie sie leben.

Mittwoch, 19. Mai 2021

Und es begab sich, daß sich ein Markt gebildet hatte (1)

Eigentlich könnte man meinen, es sei nur ein kleines, eher unbedeutendes Ereignis, das zum Anlaß zu einer Gedankenlawine wurde. Konkret geht es um die bevorstehende Schließung der LKW- und Motorenproduktion von MAN im Werk Steyr (Oberösterreich). Der ehedem deutsche Vorzeigekonzern "München - Augsburg - Nürnberg" (MAN), der heute ein Teil des VW-Konzerns ist, ist durch die weltweite und bereits weit fortgeschrittene Struktur- und Marktbereinigung des LKW-Sektors - weg von Verbrennungs-, hin zu Elektro-Mobilität - eigenen Aussagen nach so unter Ertragsdruck gekommen, daß er die Produktionsstätte in dieser Stadt verläßt. 

Einer einst sehr reichen Stadt, die vom Gewerbefleiß der Bürger lebte, wovon ein viel zu wenig bekanntes weil großartig erhaltenes großes gotisch-barockes Zentrum Kunde gibt, weil Steyr über Jahrhunderte der oder einer der wichtigsten Eisen- und somit Industrieorte Mitteleuropas gewesen ist. In dem schon bei den ersten Kreuzzügen des 12. Jahrhunderts viele deutsche Ritter und Fürsten Halt gemacht haben, um ihre Waffen und Ausrüstungen schmieden zu lassen. 

Freitag, 20. November 2020

Neulich im Autohaus

Aston Martin hat ein neues Auto in die Auslage gestellt. Bestellungen werden noch angenommen. Aber die Auflage ist mit achtundachtzig Wagen ziemlich limitiert. Also, werter Leser, überlegen Sie nicht zu lange! (Mehr Bilder dieses wunderschönen Automobils gibt's in der Kronen Zeitung.)

Wer so ein Gefährt kauft? Sicher keiner, der moniert, daß es da ja reinregnet ....

Für die Fahrt zum samstäglichen Einkaufen im Shopping-Center ist er nämlich wohl nicht gedacht. Der Superschlitten ist sicher eher ein Zweit- oder Drittwagen, den man nur bei Schönwetter aus der mit tausend Einbruchsicherungsanlagen samt Selbstschußapparaten im Berg versenkten Garage holt, auf dem das gewiß nicht NUR bauspar-finanzierte Eigenheim steht. 

Unterirdischer Direktzugang zum 8x23m Swimmingpool war eine der wenigen Auflagen an den Architekten. Und der bewährte sich auch. Vorausgesetzt, der Gärtner hat nicht wieder von innen zugeschlossen. Denn der ist gerne altmodisch, und an die neue Technik nicht zu gewöhnen. "Ig nix verdraue," meinte er immer.

Stelle sich nun der Leser also das Verkaufsgespräch vor. Ein Autohaus im Gewerbegelände des Heimatstädtchens, ein Verkäufer in C&A-Anzug und Schlips und obligater Bierfahne. Dazu ein Kunde in Badeschlappen und stonewashed Jeans, samt (s)einer Frau im zinnoberroten Schlüpferkleid, das nur knapp über Hüftlänge geschnitten ist.

Das Gespräch lief zu Anfang ja recht seltsam. Als sich der Käufer informieren ließ, und prompt wegen des (vom Verkäufer verschämt geflüsterten) Spritverbrauchs mäkelte ... "Pfauh! Na das ist aber ... Ich überlege echt ... 16,8 Liter. Pfauh, das ist schon viel. Ich meine, mein Golf braucht nur 3, das sind ja Welten! Und das bei sooo einem Wagen?!"

Der Verkäufer schien nun eigenartig berührt, das Gespräch lief nicht so, wie er es wollte, er mußte der Unterhaltung eine Wende geben. Er faßte sich also, und merkte nun mit blasiertem Ton in der Stimme an, daß er aber eine Unterschrift brauche, wenn der Käufer wirklich darauf bestehe, das Loch im Boden mit einem Deckel (vom Obi-Markt! auf was für Ideen die Leute kommen?!) zu schließen. Nein, da könne er keine Garantie geben, meinte er. Dennoch verschwand er kurz, und kam dann mit einer Preßluft-Tauchflasche samt Mundstück, Taucherbrille und Schnorchel zurück. 

"Was soll denn das," meinte der Kunde als er kurz aufsah, während er den Vertrag samt Sonderpassus unterschieb? 

"Nur so. Ich darf mir den Ratschlag erlauben," meinte er, während er den Champagner entkorkte, "daß Sie das ins Handschuhfach legen." Dann beugte er sich zum Kunden und raunte, schon recht launig, wegen der Wirkung des edlen Getränks, er hatte heute noch kaum etwas gegessen: "Geht aufs Haus." 

Daß er den Champagner meinte merkte der Kunde freilich erst drei Wochen später. Als er nämlich seine Kreditkartenabrechnung - ausnahmsweise einmal eingehender - studierte. 

"Schaatz," meinte er? "Drei Flaschen Wodka ... warst Du wieder bei der Pediküre? Moment, Moment, was ist denn ... hmm ... also ... Häää? Ach so, das ist der Wagen, ich erinnere mich wieder. Mooment, aber was ist denn das ...?" Nun sah er es. Anhängerkupplung. Da ging es ums Prinzip! Die rote Färbung in seinem Gesicht war gewiß nicht auf das tägliche Gabelfrühstück zurückzuführen, das er auch vorhin geschnieft hatte. ("Verdammt," hatte er dabei gedacht, "das Zeug hat enorm Kalorien.")

Tja, so kann man Kunden schwer vergraulen. Deshalb, an dieser Stelle, und der Leser weiß, wie sehr dem VdZ daran gelegen ist, daß für jeden etwas in diesen Ausführungen dabei ist, ein Tip für Verkäufer: Immer offen und ehrlich sagen, was Sache ist! Irgendwann kommt der Kunde sowieso drauf!

Aber so weit sind wir noch nicht. Also, Rückblende zum Autohaus. Apropos Autohaus. Die superblonde, von Silikon aufgeblasene Freundin des Käufers, eigenen Angaben nach ehemalige Miss Lettland 2003, war freilich schon dort etwas unzufrieden. 

"Ich weiß immer noch nicht," lispelte sie da immer wieder, sichtlich nervös, "wo ich DAAA Fifi hintun soll." Was soll man als Verkäufer da noch antworten? Noch ein Tip: In solchen Lagen schweigen. Vielleicht den Hund kraulen.

Die Stimmung drohte sogar schon zuvor einmal zu kippen, als der Kunde den Aufpreis für eine Anhängerkupplung gehört hatte. Aber da konnte der Verkäufer die dunklen Wolken noch vertreiben, indem er geisteshell reagierte. Der Kunde stieg auch sofort auf die angebotenen zehn Prozent Nachlaß für das Hakenteil ein. Offiziell wegen der Schweißarbeiten an der Karosserie. Wie? Ja! Das schlug sogar der Käufer vor. Die konnte doch der Verkäufer den Mechaniker in der Freizeit annieten lassen. 

"Dann spare ich die Mehrwertsteuer," flüsterte er in Richtung Blondine, und blinzelte mit einem Auge. 

"Ganz schön clever," meinte die. 

"Na sicher," hüstelte nun ihr Gatte. "Dem gibt er einen Zwanziger, und die Sache hat es sich. Und wir beide sind zufrieden." 

Na, wenn das nicht eine zweite Flasche Moet wert war? Wenn es paßt, dann paßt es einfach.

Der Verkäufer winkte dem Kunden lange nach, als dieser in seinem neuen Gefährt den Autohof verließ. Die Stimmung war da also wieder ziemlich o. k.

"Na," meinte der Chef, der nun erst hinzutrat? "Hat aber lange gedauert. Und zwei Flaschen ... ganz schön großzügig." 

"Ich zahl's eh," meinte sein Angestellter, während er heftig Luft ausstieß. "War diesmal Schwerarbeit. Zwei Stunden ... Wenn alle so zäh wären, würde ich mich beim Media Markt bewerben." 

"Nana, nicht übertreiben. Die haben auch nicht länger Mittagspause. Es ist jetzt halb fünf. Um drei warst Du noch nicht im Haus."

"Also ich möchte doch ..."

"Ich sag doch gar nix!" Der Chef hob beschwichtigend die Arme und duckte sich. "Aber es war da schon fünf nach."

"Wegen der paar Minuten ..."

"Ich sage ja nix! I dachte halt, Du kommst heute gar nicht mehr. Und da sind die sind schon zwei Stunden dagesessen. Er hat einen Wodka nach dem anderen runtergeschluckt, und sie ist nervös hin und her gerannt, weil dieses Vieh ständig pinkeln mußte ... Ich habe schon nicht mehr gewußt, wie ich die noch unterhalten soll. Renate war schon beim Lidl ein paar weitere Flaschen holen."

"Der Verkehr, weißt es eh. An der Kreuzung vorn steh ich regelmäßig fünf Minuten. Naja, kam ja noch zeitig genug, oder? Aber ich dachte dann, die gehen überhaupt nicht mehr ..." Er legte nun den Finger an die Nase. Das waren meist die Zeiten, wo er philosophisch wurde, wer ihn näher kannte wußte und liebt das an ihm. Auch diesmal war es so. "Ich frage mich manchmal, in was für Zeiten wir leben. Die Leut glauben, ein Verkäufer hat ewig Zeit! Kaufen ein Auto, und den Verkäufer obendrein, so ungefähr. Schlimm heute. Totaler Kulturverfall." 

"Nanana, nicht gleich so schwarz sehen. Ich sage doch immer: Dran bleiben, das zahlt sich aus! Sie drücken doch erst immer ein wenig herum. Da ist es dann wichtig, nicht aufzugeben. Frage - Argument mit Vorhand. Frage - Argument mit Rückhand. Frage - scharf angeschnitten, unerreichbar an die Kante und Punkt. Übrigens: Die Idee mit dem Stöpsel hat den Ausschlag gegeben, ich bin mir sicher. Muß ich mir merken." 

"Aber, wenn ich mir die Bemerkung erlauben darf: Mit Metallisée-Lackierung wäre er leichter zu verkaufen. Wegen dem Regen und so."

"Ich verspreche ihnen da immer eine Pelerine dazu. Gratis. Manchmal zieht's."

"Hmm, auch gut. Das macht das Kraut auch nimmer fett, und die Leute sind beruhigt." 

"Ich werde das mit der Lackierungsvariante an Aston Martin weiterleiten," fügte der Herr und Gebieter nun hinzu. Dann eilte er zu seinem Schreibtisch, kam alsbald zurück, und zeigte dem Angestellten stolz den Entwurf zu einem Prospekt. Das sollte den Verkauf für den edlen Schlitten so richtig ankurbeln. "Frisch von der Werbeagentur. Was sagst Du? Geht nächste Woche an alle Haushalte im Großraum Pforzheim-Dinkelrohde. Bin gespannt ..." 

"Hmm, nicht schlecht. Ein paar werden schon hängenbleiben," nickte sein Bediensteter. 

"Sicher! Beim Rolls war es ja auch so." 

"Na gut, aber da hatten wir die Aktion mit der Sporttasche, erinnerst Du Dich? Das war es. Das hat gezogen." 

"Da, lies doch genauer! Da unten, steht doch drauf!?" Er nahm das Papier dem Verkäufer aus der Hand, schob die Brille auf die Stirn, suchte, fand. "Siehst Du, da!" Er zeigte mit dem kleinen Finger. "Diesmal habe ich ein Manikürzeug in der Aktion. Ein Wagen - drei Manikürzeuge. Gratis drauf. Vater-Mutter-Kind. Weißt ja, die Schwaben sind immer ein bissel konservativ." 

Nun studierte auch der Verkäufer den Entwurf genauer. "Ah da, richtig ... Pfauh, die werden uns die Türe eintreten." Er stand auf, und ordnete nun seinen Schreibtisch. Es wurde ja bald sechs. Als er die Papiere einordnete, überflog er den Kaufvertrag von vorhin noch einmal. Da bemerkte er etwas. "Oh Sch... statt 890.000 habe ich 980.000 hingeschrieben." 

"Wie?" Sein Chef sprang auf, stellte sich hinter ihn und blickte über seine Schulter. "Ah ja ... Eleganter Ziffernsturz, würde ich sagen. Mach Dir nichts draus, das kann in der Eile vorkommen, ist mir auch schon passiert." Er klopfte seinem Mann tröstend auf die Schulter, bis er sichtlich einen Einfall hatte. Er starrte vor sich hin, und überlegte ein paar Sekunden. Dann kam er heraus. 

"Hat er was gemerkt?" 

Der Verkäufer schüttelte den Kopf.

"Warten wir, ob er es merkt. Soll von selber kommen. Noch ein Glas?" In der Wodkaflasche war noch etwas drin.

"Nur ein zwei Gläser, höchstens. Muß noch fahren."

"Alles klar. Mehr ist eh nimmer da. War viel los heute."


*131020*

Mittwoch, 12. August 2020

Eine geheime Leidenschaft

Zugegeben, der VdZ hat eine sehr geheime Leidenschaft, die durch dieses ihm von Leser K zugespielte Video aufgedeckt werden könnte ... Autos. Vor allem alte Autos. Aber nicht nur. Schöne Autos. Schöne Linien, elegante Innenraumgestaltung.

Welche Kategorie fast immer zugunsten alter Autos urteilen läßt, denn noch vor fünfzig Jahren hatte jede Otto-Normalverbraucher-Kutsche einen Innenraum, den die Gegenwartsautos nicht annähernd erreichen.

Genieße der Leser (sofern er diese Leidenschaft ein wenig teilt) einfach diese Bilder von einem Veteranentreffen im 21. Wiener Gemeindebezirk. Und vergesse er all das Sprachsurren, das so unsinnig ist, aber mit "Auto" verbunden wird.

Und schwelge er in Erinnerungen, wie es der VdZ tut, an Zeiten, in denen Autos einfach schön und aufregend sein durften. Und somit (wie jeder Besitz) in die Welt ragender, Welt herstellender Teil der Persönlichkeit allgemein verstanden und begriffen war. Sodaß auch Technik dann SCHÖN sein kann.
Und der Leser möge nicht kirre werden. Nach wie vor (wie denn anders!?) gilt, daß das Gute und Wahre im Schönen sichtbar wird. Daß es also keine Trennung von Gut und Schön gibt. Sondern daß der sicherste Weg zum Guten der über die Schönheit ist. Schönheit wiederum ist aber kein ästhetisierendes Irgendwie, vielleicht gar relativ niedergequatscht, sondern der Glanz, das Aufblitzen des Himmlischen auf der Erde. An dem nichts, wahrlich nichts falsch sein kann! 
So wie ein Häßliches, so wie etwas, das nicht von der Idee des Schönen AUSGEGANGEN ist, wo also nicht irgendeine Behübschung für ein vorgeblich und umso dringlicher durchzusetzendes Gutes gesucht werden mußte, niemals GUT sein kann. 
Fällt dem Leser denn nicht auch auf, daß (deshalb) Gutmenschen ausnahmslos häßlich oder in (oft lächerlich getarnten) kleinbürgerlichen Schönheitsbehauptungen erstarrt sind? 
Heutige Automarken - und ach, wie viele wunderbare Automarken sind in den letzten fünfzig Jahren verschwunden! welch' Unternehmensgeist, welch' schöpferisches Potential wurde dadurch zerstört! - können hingegen nur noch durch die Aufschriften unterschieden werden.
Welch' Tod des Unternehmertums, zugunsten eines abstrakten, technizistischen Geschäfts- und Gewinnmodells. Das mehr von Politikwünschen via Bestechung denn durch Hingabe an das eigene Tun geprägt wird.
Der VdZ hat den Verdacht, daß Automobilvereine mehr, ja weit mehr für das Durchstehen des Abendlandes tun als jede noch so durchtrieben auftretende Renovations- und Aktions-Initiative. Denn sie reformieren - im wahrsten Sinn! - die Fundamente, weil sie an der wahrlich fleischlichen, realen, konkreten Basis des Menschseins ansetzen und für dessen Durchblutung sorgen.

Oder spürt es der Leser nicht auch so seltsam warm im Bauch werden, wenn er solche Bilder sieht?




Hier noch mehr. 



*300720*