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Freitag, 20. Dezember 2019

Wer hinter der Pornoindustrie steckt (4)

Übertragung aus dem Amerikanischen durch Eberhard Wagner

Teil 4) Revolutionäre der Sexualität



Führt man diese subversive These weiter, dann kann die Jüdische Beteiligung in der XXX-Industrie als die sprichwörtlichen Stinkefinger gegen das gesamte WASP (White Anglo Saxon Protestant)-Establishment in Amerika erscheinen. Einige Pornostars sahen sich selbst sogar als Speerspitze im spirituellen Kampf zwischen dem christlichen Amerika und dem weltlichen Humanismus. Gemäß Henry Ford, hört man jüdische Pornodarsteller sich häufig über ihre Freude brüsten, mit der sie "anarchische, sexuelle Schmeißfliegen für das puritanische Biest" sind. Jüdische Beteiligung in der Pornographie ist dann, diesem Argument nach, das Resultat eines uralten Hasses auf die Christliche Autorität. Sie versuchen so, die dominante Kultur in Amerika durch deren moralische Zerstörung zu schwächen. Der Pornodarsteller Astyr erinnert sich, daß er "in der Volksschule ständig davonlaufen und kämpfen mußte, weil er ein Jude war. Es könnte also durchaus sein, daß ein nicht unerheblicher Antrieb hinter meiner Pornokarriere war, daß ich damit diesen Leuten den Stinkefinger zeigen konnte." 

Al Goldstein, der Herausgeber von Screw, sagte einmal (auf lukeford.net), ‘Der einzige Grund dafür, daß Juden in der Pornoindustrie tätig sind, ist der, daß wir denken, daß das Christentum Scheiße ist. Katholizismus nervt ungemein. Wir glauben nicht an Autoritarismus." Pornographie wurde deshalb zu einem Weg, die christliche Kultur zu zerlegen. Weil sie bis zum innersten Herzen des amerikanischen Mainstreams geht (und sie wird ohne jeden Zweifel auch von dieser WASP-Elite konsumiert), wird sein subversiver Charakter umso bedeutender. Porno ist nicht mehr "das, was der Butler sah", weil er ein Voyeurist war. Sondern er wird heute durch neue Extreme vorangetrieben, die die auch Grenzen der Ästhetik in der Pornographie ständig erweitern. In dem Moment freilich, in dem neue sexuelle Positionen vorgestellt werden, ist der Wunsch zu schockieren, selbstverständlich evident.

Es ist deshalb eher eine Angelegenheit der traditionellen, revolutionären beziehungsweise radikalen Antriebe jüdischer Immigranten in Amerika, der in sexuelle Bereiche kanalisiert wird, als ein Anliegen linker Politiker. So, wie Juden über die Geschichte überproportional in revolutionären Bewegungen präsent waren, so sind sie nun unverhältnismäßig stark in der Pornoindustrie vertreten. Juden in Amerika sind seit je sexuelle Revolutionäre gewesen. Und ein großer Teil dessen, was über sexuelle Befreiung geschrieben wurde, stammt aus der Feder von Juden. Die Sturmtruppe jener Bewegung, die Amerika dazu gezwungen hat und zwingt, eine liberalere Sichtweise der Sexualität anzunehmen, waren und sind Juden. 

Juden waren auch die Torwächter zur sexuellen Revolution der 1960er Jahre. Wilhelm Reich, Herbert Marcuse und Paul Goodman ersetzten Marx, Trotzki und Lenin als tonangebende revolutionäre Literatur. Die zentralen Anliegen von Reich waren Arbeit, Liebe und Sex, während Marcuse vorhersagte, daß eine sozialistische Utopie das Individuum dazu befreien würde, sexuelle Befriedigung zu erlangen. Goodman schrieb über die "wunderschönen kulturellen Konsequenzen", die einer Legalisierung von Pornographie auf dem Fuße folgen würden: Es würde "die gesamte Kunst beflügeln", und "Sexualität vermenschlichen". Pacheco war ein jüdischer Pornostar, der Reichs intellektuelle Hochzeit von Freud und Marx gelesen hat. (lukeford.net)

"Als ich meine erste Rolle in einem Pornofilm bekam, ging ich mit Haaren zu einem XXX-Casting, die bis zum Hintern reichten, hatte eine Ausgabe von Wilhelm Reichs "Sexuelle Revolution" unter dem Arm, und beklagte mich lautstark über "Arbeit, Liebe und Sex."

Rabbi Samuel H. Dresner meinte deshalb einmal (E. Michael Jones, ‘Rabbi Dresner’s Dilemma: Torah v. Ethnos’ Culture Wars, May 2003), daß die "die Jüdische Rebellion auf mehreren Ebenen ausgebrochen ist", und eine davon ist "die herausragende Rolle, die Juden als Anwälte des sexuellen Experiments" einnahmen. Insgesamt muß man sagen, daß Pornodarsteller eine Gruppe von Menschen sind, die die Rebellion, die Selbsterfüllung, die Promiskuität hochjubeln.*

Wofür schämen wir uns?

Dieser kurze Überblick, diese kurze Analyse der Rolle und der Motivation von Pornoproduzenten und -darstellern wurde in der Absicht erstellt, Licht auf diesen normalerweise verschwiegenen Bereich im Leben von amerikanischen Juden in der populären Kultur zu werfen. Darüber ist bisher noch kaum geschrieben worden. Bücher wie jenes von Howard M. Sachar, "A History of the Jews in America " (New York: Knopf, 1992), verschweigen nämlich dieses Thema einfach. 

Und es war deshalb völlig sicher, daß beim 350-Jahr-Jubiläum der Ankunft der ersten Juden in Amerika davon mit keinem Sterbenswörtchen berichtet wurde. Und schon gar nicht strich jemand stolz die Innovationskraft von Juden in diesem Bereich heraus. Sogar der normalerweise sehr toleranten Time Out New York war es zu peinlich, sich damit zu befassen, wenn auch der eher bilderstürmerische 'Heeb' plant, eine Ausgabe nur diesem Thema zu widmen.

Aber in Anbetracht der relativ toleranten Sicht der Sexualität bei Juden muß man sich die Frage stellen, warum wir die Rolle so schamhaft verschweigen, die Juden in der Pornoindustrie spielen? Es mag ja sein, daß uns das nicht paßt, aber die Rolle von Juden in diesem Bereich ist dermaßen signifikant, daß es höchst an der Zeit ist, sich damit einmal ernsthaft auseinanderzusetzen.

Nathan Abrams ist Universitätsdozent für Modern American History an der University of Aberdeen. Er hat gerade ein Buch über den Neo-Konservativismus in den Vereinigten Staaten fertiggestellt.





*Das schlägt in die Kerbe, die Gertzman mit "Bootleggers and Smuthounds" schlägt. Wenn er dort die These aufstellt, daß Pornographie ohne den Gegenpart Moral nicht existieren würde, und verschwindet, wenn es auf keine moralische Opposition stößt. Aus sich heraus gäbe es somit gar keine Pornographie. Sie ist ihrem Wesen nach eine Waffe der Rebellion gegen Moral, entspringt also einem revolutionären Gestus.



Mittwoch, 18. Dezember 2019

Wer hinter der Pornoindustrie steckt (3)

Übertragung aus dem Amerikanischen durch Eberhard Wagner
 
Teil 3) Irgendwie muß man ja Geld verdienen



Juden haben sich mit der Pornoindustrie aus denselben Gründen befaßt, aus dem sich ihre Glaubensbrüder mit Hollywood befaßt haben. Sie fühlten sich von einer Branche vor allem deshalb angezogen, wenn sie ihnen nicht nur offenstand, sondern sie gerne aufnahm. Und das hatte vor allem mit der Neuheit dieses Gewerbes zu tun, sodaß es kaum Beschränkungen (für Juden) oder Regulierungen wie in so vielen anderen Bereichen des amerikanischen Lebens gab. In der Pornographie gab es keine Diskriminierung von Juden. Außerdem wurde das Kino zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als ein Unternehmer noch kaum große Summen von Kapital brauchte, um im Filmgeschäft zu starten, als vorübergehende Erscheinung eingestuft. 

Dazu kamen Voraussetzungen, die für den konventionellen Film bereits bestanden, und die sich für Pornofilme gleichermaßen, ja besser eigneten. Um "Herrenfilme" oder Wiederholungsschleifen, wie sie üblich waren, zu zeigen brauchte es kaum mehr als einen Projektor, eine Leinwand und einige Stühle. Somit gab es keinen zwingen Standard, und man konnte mit neuen Ideen kaum verlieren, also einiges wagen. Und für neue Wege im Geschäft waren Juden immer zu haben. Gertzman erklärt die Gründe dafür:

"Wenn Juden sich von irgendeinem Unternehmensfeld ausgeschlossen fanden, haben sie mit gutem Instinkt Wege gesucht, Mitstreiter zu finden, mit denen sie zusammenarbeiten und ihre Anstrengungen bündeln konnten ... Juden haben deshalb über eine lange historische Zeit die Mentalität und die Fähigkeit von Maklern kultiviert, und sie waren auf diese ihre Fähigkeit stolz."

Das Erwachsenen-Unterhaltungs-Geschäft verlangte außerdem etwas, das Juden im Überfluß besaßen: Chuzpe, diesen gewissen frechen Schneid. Die frühen Jüdischen Pornographen waren wahre Marketinggenies, waren ehrgeizige Unternehmer, die ihren Erfolg ihrer Schläue, ihrer Intelligenz, und ihrem grenzenlosen Selbstvertrauen verdankten.

Natürlich war das Hautmotiv der vielen Juden in der Pornobranche damit Geld zu verdienen. Und genauso wie ihre Pendants, die Hollywood-Produzenten, die eine Traumfabrik für Amerikaner schufen, mit einer weißen Leinwand, auf die die selbst geschaffenen Visionen und Träume der jüdischen Filmmagnaten projiziert werden konnten, genauso bewiesen die Pornomagnaten, daß sie ein Talent dafür hatten, den Publikumsgeschmack zu erkennen. Und gibt es einen besseren Weg, den Stoff, aus dem die Träume sind, anzubieten als durch die Erwachsenen-Unterhaltungs-Industrie? Die Darsteller machten Pornographie für Geld, für sonst nichts. Weshalb es der Direktor der ADL (Anti-Defamation-League) Abraham H. Foxman so ausdrückte: "Die Juden, die sich mit der Pornographie-Industrie befaßt haben, haben das als Individuen gemacht, die dem amerikanischen Traum nachgejagt sind."




Entheiligter Sex


Nina Hartley
Genauso, wie ihre Pendants im Mainstream, haben Juden, die sich mit Pornographie beschäftigt haben, das im Normalfall nicht als Repräsentanten einer bestimmten religiösen Gruppierung getan. Die meisten der Darsteller und Pornoproduzenten sind deshalb zwar kulturell jüdisch, aber sie sind es nicht im religiösen Sinn. Viele sind völlig verweltlicht, und nur dem Namen nach Juden. Außer vielleicht Sturman, der sich ausdrücklich als Jude sah - er war ein großzügiger Donator bei jüdischen Wohltätigkeitsveranstaltungen - und außer vielleicht Richard Pacheco, der sich einmal in einem Interview als rabbinischer Schüler bezeichnete.

Sehr wenige Filme, wenn überhaupt welche, haben irgendein jüdisches Thema, obwohl Jeremy einmal versucht hat, einige jüdische Pornostars zusammenzubringen, um einen koscheren Pornofilm zu machen. Die einzige wirkliche Ausnahme ist der Film "Debbie Duz Dishes", wo Nina Hartley eine sexuell unersättliche jüdische Hausfrau spielt, die Sex mit jedem möchte, der an der Haustür läutet. Der Film hat sich sehr gut verkauft, produzierte jede Menge an Nachahmern, und ist momentan kaum noch zu kriegen - was wahrscheinlich eine nächste Marktnische anzeigt, die es zu nützen gilt. Und tatsächlich heißt es auf der Webseite der "World Union of Jewish Students":

"es gibt tausende Menschen, die jüdische Pornographie suchen. Gleich nach Dingen wie Jüdischem Kalender, Jüdischen Singles, Jüdischem Dating und Jüdischen Musikfestivals kommt "Jüdischer Porno" in der Top-Liste der Suchbegriffe auf GoTo.com."


Rebellen der Sexualität


Gibt es über den bloßen finanziellen Aspekt einen tieferen Grund, warum speziell Juden so stark im Pornogeschäft tätig wurden? Nun, es gibt sicher ein Element der Rebellion in der Beschäftigung von Juden im XXX-Bereich. Dessen stark tabuisierte und mit Verboten belegte Natur macht ihn anziehend. Wie ich weiter oben geschrieben habe, ist Pornographie gleichbedeutend mit "der ganzen Welt der verbotenen Sexualität, der Sexualität der Gojim, der Nicht-Juden, und deren reale Freuden stellt man sich sämtlich als eine große Lüge vor ..." [Reel Kashrut in "Jewish food in film", JQ 189, Frühling 2003]

Geht man nach einem anonymen Insider in diesem Geschäft, wie ihn E. Michael Jones in seinem Magazin Culture Wars (Mai 2003) zitiert, dann "sind die führenden männlichen Darsteller der 1980er säkularisierte Juden, die aber in einem orthodoxen Umfeld aufgewachsen sind, während die weiblichen Darsteller aus römisch-katholischen Schulen stammen." Das Standard-Porno-Szenario wurde so zu einem Ausfluß der jüdischen Phantasie "schtupp die katholische Schikse". (Neal Gabler schreibt dasselbe übrigens auch über die Juden in Hollywood; Anm.)

Aber darüber hinaus ist zu erwähnen, was der orthodoxe Jude und die Obertratsche des Porno, Luke Ford, auf seiner Webseite lukeford.net so ausdrückt: "Pornographie ist nur ein Ausdruck der Rebellion gegen Standards, gegen ein diszipliniertes Leben im Gehorsam der Torah gegenüber, wie es einen Juden kennzeichnet, der das Judentum lebt." Es ist außerdem eine Revolte gegen die (oft der Mittelklasse angehörenden) Eltern, die sich wünschen, daß ihre Kinder Rechtsanwälte, Doktoren und Konzernmanager werden. Oder, wie der Pornodarsteller Bobby Astyr es auf derselben Seite sagt: "Es ist ein Stinkefinger gegen die Onkel mit ihren kitschigen Ringen an den Fingern, die mich als Kind niederbügelten, weil ich dummerweise geäußert hatte, daß ich gerne Musiker werden wollte."

In dem Maß aber, in dem religiöser Einfluß zurückwich und durch weltliche Einflüsse ersetzt wurde, sahen freidenkerische Juden, besonders solche aus der kalifornischen Bay-Area, Sex als Mittel der persönlichen wie politischen Befreiung. Amerika bedeutete die freieste Gesellschaft, die Juden je erfahren hatten, und genau das hat sich im Wachstum der Erwachsenen-Industrie gezeigt.

Die jüdischen Frauen, die am Bildschirm Sex haben, standen in scharfem Widerspruch zum Stereotyp der "Jüdisch-Amerikanischen Prinzessin". Sie (und ich spekuliere hier) könnten sich selbst als Erfüllung des Versprechens der Befreiung gesehen haben, die sich vom Haushalt emanzipierten, den die Feministin Betty Friedan 1963 "ein Konzentrationslager zum Wohlfühlen" nannte, nachdem sie erstmals das versprochene Land entdeckten, als das ihnen die Porno-Filmszene in Südkalifornien erschienen war. Es schien ihnen wegweisend für ihre wirtschaftliche und soziale Freiheit: Sie entschieden sich also mehr aus freien Stücken dafür, sich dort zu engagieren, als sie es aus ökonomischen Zwängen oder anderen Umständen heraus taten. Wenn sie sich einmal dort festgesetzt hatten, konnten sie auf ihren eigenen Füßen stehen, und zwar schon alleine deshalb, weil weibliche Pornodarsteller das Doppelte von dem verdienen, was man ihren männlichen Partnern zahlt.


Übermorgen Teil 4) Revolutionäre der Sexualität




Dienstag, 17. Dezember 2019

Wer hinter der Pornoindustrie steckt (2)

Übertragung aus dem Amerikanischen durch Eberhard Wagner

Teil 2) Nathan Abrams über die Juden in der Amerikanischen Pornoindustrie 
Eine Arbeit aus dem Jahre 2004




Sie ist eine selten erzählte Geschichte - die Geschichte von Juden in der Pornofilmindustrie, diesem weit schäbigeren Cousin von Hollywood. Natürlich würden wir, das heißt wir Juden, lieber so tun, als gäbe es diese XXX-Moral überhaupt erst gar nicht. Aber es führt einfach kein Weg um die Tatsache herum, daß säkulare Juden in der gesamten Adult-Film-Industrie in Amerika eine überproportionale Rolle gespielt haben, und immer noch spielen. 

Die Verwicklung von Juden in die Pornographie in den Vereinigten Staaten hat eine lange Geschichte. Die somit das ihre dazu beigetragen haben, eine erst unbedeutende Subkultur in eine der grundsätzlichsten Konstituenten der amerikanischen Lebensweise zu verwandeln. Dort sind sie also wirklich aktiv, die "falschen Juden":

Als Agenten von Schmutz und Schund

Die jüdischen Aktivitäten in der Pornoindustrie müssen in zwei Gruppen geteilt gesehen werden, auch wenn die sich manchmal überlappen: Pornographiehersteller und Darsteller. Für beide gilt, daß obwohl Juden nur zwei Prozent der amerikanischen Bevölkerung ausmachen, sie in der Pornographie stets hervorgestochen haben. Viele Erotika-Händler im Buchhandel zwischen 1890 und 1940 waren eingewanderte Juden, die noch in Deutschland geboren sind. Folgt man Jay A. Getzman, dem Autor von "Bootleggers and Smuthounds: The Trade in Erotica 1920 - 1940" [Philadelphia; University of Pennsylvania Press, 1999] waren Juden  in der Verbreitung von Galantiana [erfundene Geschichten mit erotischen Themen, oder Bücher mit schmutzigen Witzen und Liedern], in Schamgrenzen brechend freizügigen, explizit sexuell notierten Romanen, Sex-Comics, Sexratgebern und generell schamlosem Material, stets in den vordersten Rängen zu finden.

Ruben Sturman - Bild: earthlinggb
In der Zeit nach dem Kriegsende 1945 war Ruben Sturman, den man den "Walt Disney des Porno" nannte, der notorischeste Pornodarsteller Amerikas. Wie das US-Justizministerium festgestellt hat, kontrollierte er den Großteil der Pornographie, die im Land kursierte, und zwar bis weit in die 1970er Jahre hinein. Geboren 1924, wuchs Sturman im Ostteil von Cleveland auf. Am Anfang verkaufte er nur Comics und Zeitschriften. 

Doch bald stellte er fest, daß Sexmagazine das Zwanzigfache an Gewinn abwarfen. Also widmete er sich ausschließlich der Pornographie, und begann sogar, eigene Zeitschriften zu produzieren. Die er dann in eigenen einschlägigen Geschäften verkaufte. Ende der 1960er Jahre stand er bereits an der Spitze sämtlicher Vertriebsfirmen für "Erwachsenen-Magazine", und Mitte der 1970er besaß er schon über zweihundert eigene Verkaufslokale dafür. 

Sturman begann auch bald, zeitgemäßere Versionen der traditionellen Peep-Shows (das ist normalerweise ein dunkles Zimmer, in dem sich ein kleiner Farbfernseher befindet, auf dem der Betrachter als XXX eingestufte Videos ansehen kann) einzurichten. Wobei es gar nicht stimmt, wenn man sagt, daß er die Pornoindustrie kontrollierte. Er WAR die Pornoindustrie. Durch Zufall wurde er wegen Steuerhinterziehung angeklagt, und prompt verurteilt. Er starb, abgeschieden und vereinsamt, 1997 im Gefängnis. Sein Sohn, David, führte jedoch das Familiengeschäft fort.

Steven Hirsch - Bild: Wikipedia
Sturman hatte aber einen gleichgesinnten Bruder. Und das war der 43jährige jüdische Clevelander Steven Hirsch, den man "Donald Trump des Porno" nannte. Die Verbindung zwischen den beiden bestand über den Vater von Steve, Fred, der so etwas wie ein Vermögensverwalter und -berater für Sturman war. Heute betreibt Hirsch die Vivid Entertainment Group, die man oft das Microsoft der Welt des Porno nannte. Sie war der US-Top-Produzent für einschlägige Filme. 

Hirsch's Geschäftsgeheimnis war aber, herkömmliche Marketingmethoden auch im Pornogeschäft zu etablieren. Und tatsächlich wendet Vivid bis heute das gleiche System an wie die Hollywoodstudios in den 1930er und 1940er. Das betrifft vor allem die Praxis, mit Darstellern Exklusiv-Verträge abzuschließen, diese somit an Hirsch zu binden, der auch ihr Karrieremanagement übernimmt. Vivid war sogar Thema einer TV-Show, die erst kürzlich auf Channel 4 lief, und in der es um die Hintergründe der Pornoszene ging.



Fesche jüdische Mädchen und Burschen

Ron Jeremy - Bild free wikipedia
Auch die Darsteller waren in den 1970er und 1980er Jahren weit überwiegend Juden. Zwar vor allem bei den Männern, aber auch bei den weiblichen Darstellern stellten sie einen beachtlichen Anteil. Der unbestrittene Star unter diesen hebräischen Zuchthengsten ist Ron Jeremy. Den man in der Branche "das Stachelschwein" nannte. Jeremy ist einer der größten Pornostars Amerikas

Der heute 51jährige wuchs in einer jüdischen Familie der unteren Mittelklasse in Flushing, Queens, auf, und hat bis heute in über 1.600 Pornofilmen mitgewirkt. Bei weiteren hundert hat er Regie geführt. Das hat ihn zu einer Art Ikone in Amerika gemacht. Als Held der Männer aller Altersgruppen, egal ob jüdischer oder sonstiger Herkunft. Er verkörpert den frechen, übergewichtigen, behaarten, häßlichen Typ, der aber dutzende wunderschöne Frauen ins Bett bekommt. Damit ist er so etwas wie ein heutiger König David, als jüdischer Superhengst, der die traditionellen Helden der jüdischen Überlieferung ablöst. 

Er war also nicht der typische Talmudschüler, als die man Juden sonst kannte. Seine Stellung wurde erst vor kurzem dadurch weiter einzementiert, daß eine Dokumentation mit dem Titel "Porno Star: Die Legende von Ron Jeremy" herauskam, die sein Leben beschreibt.  

Als der wahrscheinlich bekannteste jüdische, männliche Pornostar, hat Jeremy wahre Wunder in der Psyche des Jüdischen Mannes in Amerika vollbracht. 

Erst vor kurzem hat er nun eine CD veröffentlicht, die eine Zusammenstellung von "Best-of"-Szenen aus seinen Filmen enthält, und den Titel "Band-A-Long-With Ron Jeremy", also ungefähr "Fick Dich durch - mit Ron Jeremy", trägt. Für 7,99 Dollar, einschließlich Versandkosten, erhält der glückliche Zuhörer nicht nur die Möglichkeit, sich die von Jeremy persönlich ausgesuchten, Pornoszenen reinzuziehen, sondern ganz beiläufig erfährt er persönliche Details aus dem Leben der "Legende". Die Werbekampagne verspricht deshalb, daß dadurch die Pornographie aus den verschämten Hinterzimmern mitten in den Mainstream geholt wird.

Seymore Butts - Bild celebritynetworth.com
Seymore Butts, mit bürgerlichem Namen Adam Glasser, ist hingegen alles, was Jeremy nicht ist: Jung, gutaussehend, und immer braungebrannt. Glasser, ein 39jähriger Jude aus New York, eröffnete 1991 in Los Angeles ein Fitness-Studio. Als aber die Kunden ausblieben, lieh er sich eines Tages für 24 Stunden eine Videoausrüstung, ging in einen Strip-Club in der Nähe, heuerte eines der Mädchen an, kehrte mit ihr in sein Fitnessstudio zurück, und begann zu drehen. Obwohl der Film sauschlecht war, schaffte er es, mit Chuzpe und einigen aufgeblasenen Visitenkarten, einen Vertrag mit einem großen Filmproduzenten auszuhandeln. Also begann er einen Film nach dem anderen auszustoßen. Innerhalb weniger Jahre wurden die "Seymore Butts" (Butts kann man etwa mit "Stöße" übersetzen) - diesen Namen gab er sich einerseits in seinen Pornofilmen, und er wurde anderseits sein Markenname - zu einer der größten Franchise-Ketten im Pornogeschäft. 

Als König des Gonzo-Genres (Filme ohne Handlung, als reine Aneinanderreihung von Sexszenen, mit Handkameras aufgenommen, um Realität und Spontaneität vorzutäuschen, wozu auch die low-tech-Ästhetik beiträgt) ist er heute der wohl bekannteste jüdische Porno-Mogul. Seymore Inc., seine Produktionsfirma, bringt jährlich rund sechsunddreißig Filme auf den Markt. Die meisten davon sind für weniger als 15.000 Dollar Budget produziert, spielen aber allesamt das Zehnfache ein. 

Glasser beschäftigt zwölf Personen, darunter seine Mutter und seine Cousine Stevie, die man als wahres Buchhaltungsgenie anerkennen muß (und die außerdem als Alleinerzieherin einen Sohn großzieht). Außerdem hält er sich einen zwar sehr charmanten, aber ziemlich gewissenlosen Taugenichts als Mädchen für alles. 

Gegenwärtig hat Glasser sogar seine eigene Reality-Show im Fernsehen (die auch auf Channel 4 ausgestrahlt wird), eine zehnteilige Doku-Soap, die er "Family Business" nennt, also "Familienbetrieb", und wo im Vorspann ein Photo von Glasser's BarMitzvah-Feier (der Tag der religiösen Mündigkeit, den Juden etwa im Alter von dreizehn Jahren feiern) aufscheint.

Morgen Teil 3) Irgendwie muß man ja Geld verdienen




Montag, 16. Dezember 2019

Wer hinter der Pornoindustrie steckt (1)

Dieser folgende Beitrag ist eine Übertragung eines Artikels aus dem jüdischen Magazin "Jewish Quarterly" vom 15. Juni 2017 durch den VdZ. Er stammt aus der Feder von Nathan Abrams von der Universität Aberdeen, wo er sich schon 2004 mit der auffallenden Rolle auseinandergesetzt hat, die Juden in der Pornoindustrie gespielt haben und nach wie vor spielen. 

Wir sind darüber dankbar, denn wenn ein Nicht-Jude so etwas schreiben würde, kann er damit rechnen, sofort mit dem Vorwurf des Antisemitismus konfrontiert zu werden. Wie auch immer man die Hintergründe einschätzen mag, haben wir es mittlerweile mit einer Situation zu tun, in der es nicht möglich ist, das Judentum und Juden zu kritisieren, ohne mit schweren oder sogar existenzbedrohlichen Angriffen - persönlich oder medial oder gar strafrechtlich - konfrontiert zu werden. 

Dabei vergißt man, daß ein Verstehen der Vorgänge in einer Zeit und damit eines selbst nur möglich ist, wenn man sich mit ihr in allen Bereichen auseinandersetzen kann. Man vergißt, daß freie Meinungsäußerung, auf die heute alle angeblich so viel Wert legen, zuerst einmal bedeutet, daß man solche Auseinandersetzungen frei und "ergebnisoffen" (was natürlich nie heißen kann "ohne Apriori-Thesen", denn sonst kann man überhaupt nichts erkennen) führen können muß. Und wenn man einerseits die verheerende Rolle der Pornographie in unserer Kultur durchschauen will, ohne zu erkennen, daß das keine Erscheinung "aus heiterem Himmel" sondern eventuell sogar Wesenszug gewollter Subversion ist, daß dahinter also Personen und Absichten stehen, wird man nicht weit kommen. 

Denn auch solche Massenerscheinungen wie die Pornographie, technisch entufert und omnipräsent durch Internet und social media, entstehen nicht "aus Zeitstimmungen", sondern weil einzelne Menschen dahinterstehen, die sich davon etwas versprechen. Zu sagen, daß das auffallend oft Juden sind, ist deshalb auch kein Teil einer suspekten Verschwörungstheorie, sondern schlichte Tatsache. Insbesonders aber, wenn man behauptet, daß die Subversion bestehender Kulturen und sozialer Gefüge, insbesonders wenn sie christliche Fundamente haben, Teil dessen ist, was sich seit dem 1. Jahrhundert nach Christus als "Judentum" konstituiert hat, es also für dieses Judentum, das sich gegen den logos gestellt hat und seither unter enormem Rechtfertigungsdruck steht, symptomatisch ist, ist es nicht ohne Bedeutung zu zeigen, in welchem Ausmaß es eben Juden waren, die solche Agenden betrieben. 

Und die Zersetzung von Moral und sozialem Zusammenhalt durch Pornographie ist nicht der kleinste Teil daran. Schon gar, wenn man die Zusammenhänge mit der Unterhaltungsbranche insgesamt betrachtet, die bis vor gut hundert Jahren als moralisch fragwürdig galt, und auch wenn von Christen betrieben nicht gerade wohlgelitten war. Sogar die ehedem kommunistischen Staaten wußten noch bis in unsere Tage herauf von der subversiven Wirkung, die Pornographie auf eine Gesellschaft hat. 

Mit kleinbürgerlicher moralistischer Prüderie oder gar verkrampfter Freiheitseinschränkung, diesem argumentativen Vehikel, mit dem Pornographie im Westen durchgedrückt wurde, hat das nichts zu tun. Pornographie, der Lust und "natürlichen Begierde" als Legitimation zugeschriebene, von geistiger Ordnung entschränkte Sexualität ist nicht der Beginn der Freiheit, sondern deren Ende, weil der Beginn der Unfreiheit durch Herrschaft der Begierden über die Vernunftfähigkeit. Ohne Freiheit als Haltung, das Gute, das Richtige zu tun, gibt es keine Vernunft. Davon, daß mittlerweile in manchen Einschätzungen mindestens 15 Prozent der westlichen Erwachsenen als "süchtig nach Pornographie" bezeichnet werden, wollen wir gar nicht erst anfangen. Sie ist also ein Joch, kein Schritt zur Freiheit.

Übrigens war Abrams keineswegs der erste oder blieb der einzige Jude, der sich mit der Rolle der Juden in diesem Gewerbe auseinandersetzte. Der Leser sei insbesonders auf "Bootleggers and Smuthounds" von Jay A. Getzman aus 2001 hingewiesen. Und über die Entstehung Hollywoods durch Juden und die Motive dahinter, ist Neil Gablers "Ein eigenes Reich" nach wie vor die stichhaltigste Publikation. Es ist ein Faktum, daß Hollywood von den Anfängen an eng mit der Pornoproduktion verwoben war. Genau das zeigt auch Abrams.

Wir stellen deshalb sogar den Schluß seiner Abhandlung als Einleitung voran. Wo er - wir erinnern: ein jüdischer Gelehrter - in einem jüdischen Magazin, also an Juden gerichtet, schreibt:

In Anbetracht der relativ toleranten Sicht der Sexualität bei Juden muß man sich die Frage stellen, warum wir die Rolle so schamhaft verschweigen, die Juden in der Pornoindustrie spielen? Es mag ja sein, daß uns das nicht paßt, aber die Rolle von Juden in diesem Bereich ist dermaßen signifikant, daß es höchst an der Zeit ist, sich damit einmal ernsthaft auseinanderzusetzen.

Morgen Teil 2) Nathan Abrams über die Juden 
in der amerikanischen Pornoindustrie 
Eine Arbeit aus dem Jahre 2004