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Mittwoch, 8. Mai 2019

Wo die Lebenswracks anbranden

Hamburg, Elbschloßkeller. Einer der Anker in der Verzweiflung von Menschen, die in der Gesellschaft keinen Fuß auf den Boden kriegen. Da über Schuld oder Versagen zu reden, ist müßig und falsch. So klein kann die menschliche Gesellschaft, die Stadt, das Dorf, die Millionenstadt (die in ihren Vierteln und Zusammenhängen und Routen wieder Dorf ist, denn nur im Dorf kann der Mensch überhaupt leben) gar nicht sein, daß es nicht Menschen gibt, die einfach keinen Halt finden. Da hilft keine "Sozialarbeit" und kein "Integrationsbeauftragter.

Daß es ein Prozent der Menschen ist, darüber streitet niemand. Der VdZ glaubt aber, daß mit Graubereichen jede Gesellschaft zehn Prozent hat, die einfach nicht zu integrieren, sondern einfach ... in ihrer Unbrauchbarkeit, ihrem Scheitern zu lieben sind. Und dieser Prozent-Bereich hat noch einmal das Doppelte in seinem Sog. Bei einem Drittel aller Menschen kann man nie nach Leistung und Nutzen gehen, sie werden keiner Gesellschaft, keiner Gemeinschaft letztlich gerecht. Und doch werden diese Menschen gebraucht, und doch stehen sie an einem Platz in der Ordnung. Im eigentlichsten Sinn, nicht aus aufgeplusterter "Barmherzigkeit". Und auch nicht, damit wir sie alle alle superglücklich und wohlhabend "wie wir" machen.

Als der Hl. Laurentius (+258 n. Chr.) in der Zeit der kaiserlichen Christenverfolgung bei Androhung von Folter aufgefordert wurde, die "Schätze der Kirche" auszuliefern, kam er am nächsten Tag mit einer Schar Armer, Elender, Pöbel. Das, soll er gesagt haben, das sind unsere Schätze. Er wurde bekanntlich geröstet. Nun, er hat damit ganz sicher nicht gemeint, daß man an diesen Armen seine Großherzigkeit beweisen könne, das ist bestenfalls zweitrangig.

Er hat damit wohl das Herz der Armen und Elenden gemeint, das in aller Schuld und allem Versagen die Chance hat, in eine Haltung der Demut zu gelangen, die sie zu leuchtenden Kerzen im Reiche Gottes machen. Es ist die liturgische Haltung, die eigentliche Haltung des Menschen des Heils in der Welt. Es ist die Haltung, die alles erhofft, aber nichts fordert und nichts erwartet. Die Haltung von Menschen, die sich in keiner menschlichen Gesellschaft in Stand halten können, und von keiner gehalten werden. Wer, wenn nicht die Armen kann erfahren, daß der Mensch letztlich alles Gott verdankt?

Nein, es kann nicht Ziel einer Politik und einer Gesellschaft sein, alle Elenden, alle Armen zu "beseitigen", auf "hohes Niveau" zu heben, wie es der verruchte Sozialstaat versucht. Das geht bei vielen nicht, warum auch immer, und das soll bei vielen gar nicht geschehen, warum auch immer. Es kann nur ein sicheres Ziel geben, und das ist das Ziel der Kirche, der Mission: Diese Menschen anzuleiten, daß sie sich nicht ums ewige Heil bringen, denn jeder Außenseiter ist schwach und besonders sensibel für Versuchung.

Eine Mission also, die wieder und wieder aufrichtet, den Blick nach oben lenken lernt, lernt, daß es aufs Bemühen ankommt, wieder und wieder aufzustehen, damit sich die Seelen dieser Menschen nicht dem Elend, in das sie gelangt sind, angleicht, sich gar darin suhlt und "zufrieden" ist. Sondern die Not als Meißel der Chance begreift, die die Schale der Gnade so richtig tief ausgraben kann. Wenn das gelingt, können sie als Kerzen im Dunkel der allerehrwürdigsten Kathedrale richtig leuchten. Hinten, ganz hinten, beim Nischenaltar zum Heiligen Laurentius etwa.

Das wäre Armenseelsorge. Das wäre eine Aufgabe der Kirche. Die zu leicht damit an beiden Enden versagt: Bei den Armen und bei den Reichen, beide besonders gefährdete Seelengruppen. Mit ihren Sozialprogrammen sollen sich die wohlbesoldeten Gutmenschen der Kirchen ihre von Selbstzufriedenheit, verlogen in fünffach kostümierter Überheblichkeit und Eitelkeit stinkenden Ärsche abwischen.







*080219*

Dienstag, 12. Juni 2018

Toll gesetzter Humor

Von Leserin C kam dieser Text, der eine Nachricht des NDR - Hamburger Abendfernsehen wiedergibt. Humor gibt es ja erst dort, wo etwas tief ernst gemeint ist. Und das dürfte da der Fall sein.



Meldung NDR Fernsehen von heute (25. Mai 2018) im Hamburg Journal: "Am Hamburger Hauptbahnhof darf am kommenden Wochenende niemand ein Messer bei sich tragen. Das Verbot gilt testweise jeweils in der Nacht von Freitag auf Sonnabend und von Sonnabend auf Sonntag. Wer mit einer Stichwaffe erwischt wird, muss 250 Euro zahlen. Grund sind die Messerangriffe der vergangenen Wochen."





*250518*

Sonntag, 27. August 2017

Jede Kultur hat weil braucht Parallelmächte (3)

Teil 3) Der Liberalismus führt zur Theokratie
 - Die Anmerkungen





Ob wir also nicht vor einem ganz anderen Schritt stehen, einem Schritt, der die unausbleibliche Folge des religiösen, autonomistischen Zerfalls einer Kultur ist: Einem wahren kulturellen Rückschritt nämlich, in dem unsere Gesellschaften nicht nur in Parallelgesellschaften zerfallen sind. Die unweigerlich auch lokale, regionale Formen suchen werden; in den "NO-GO-AREAS" europäischer Städte (Schweden, Frankreich, Deutschland) haben wir es ja bereits. Was wir in Hamburg erlebt haben, war nicht das (einseitig) Versagen eines Staates, der seine Ordnung nicht garantieren kann.

Es war ein Menetekel: Die Randalierer von Hamburg taten dasselbe, wie es muslimische Sonderräume überall in Europa bereits tun. Die demonstrieren, daß nur religiöse Rückbindung, die Verankerung von Recht im Absoluten in der Lage ist, Ordnung auch im zivilen Leben zu gewährleisten. Die "Bürgerruhe", die wir heute in Europa haben, beruht nämlich nicht auf einer Anerkennung von Recht und Gerechtigkeit, sondern auf einem weitgehenden Konsens, sich um die Grundlagen von Recht und Gerechtigkeit nicht zu kümmern. Denn dann würde es auch manchmal mühsam. Aber eine solche Rechtsordnung versagt genau dann, wenn sie gefragt ist, denn sie ist mehr und mehr die Hülle um ein Wert- und damit Machtvakuum. Keine Polizei, keine Exekutive der Welt, egal welchen Staates, vermag aber so einen Sack voller Flöhe noch zu befrieden. Kein Volk kann bestehen, das nicht aus seiner transzendenten Verankerung heraus im Frieden lebt. Jemand hat mit Recht deshalb die Frage gestellt, was passiert wäre, wenn solche Demonstrationskrawalle zugleich noch in Frankfurt und Berlin ausgebrochen wären. Deutschland hätte gar nicht genug Polizisten, um dem zu wehren. Die waren alle (!) in Hamburg.

Aber Hamburg war - auch - symptomatisch für etwas, das (gerade bei Liberalen) Grundtenor in Westeuropa geworden ist.  Man möchte sich waschen, ohne naß zu werden. Wir wollen nur eines: Es muß ruhig bleiben. Wir wollen alles, auch das was dieses Chaos begründet, aber wir wollen vor allem, daß wir in unserem gemütlichen Wohlstandsleben nicht gestört werden. Erst wenn das der Fall ist, schreien wir nach Recht und Ordnung. Wir wollen vor allem nicht denken, denn das könnte zu Prinzipien und Notwendigkeiten führen, die wir nicht auf uns nehmen wollen. Der Ruf nach Gesetzesmacht, wie er in dem erwähnten Artikel auf Tichy's Einblicke (und von Liberalen generell) laut wird, ist deshalb dem Pragmatismus des Egoismus zuzuschreiben, DER Lebenshaltung des modernen Menschen. Wir wollen Folgenbeseitigung, die Wendeseite des Sozialstaates heutiger Prägung. Wir wollen Vertuschung unseres Lebens- und Kulturdesasters! Und wir bekommen sie prompt von der Politik geliefert.

Während wir aber an der Schwelle zu einem Europa stehen, das sich buchstäblich neu denken muß. Denn eine Einigung auf der Basis einer homogenen Kultur, die erst eine Akzeptanz von Gesetzen brächte, ist mit jedem Tag der letzten Jahrzehnte (und mit jedem Tag, wo weitere tausende Kulturfremde in unsere Länder strömten) unmöglicher geworden. Der Gedanke an ein "politisch geeintes Europa", wie er immer noch verfolgt wird, hat sich damit endgültig verabschiedet. Ihm bliebe nur noch die Form einer totalitären Diktatur. Und der ist immer ein Verfallsdatum auf die Stirn tätowiert. Was uns blüht, ist ein Europa an sich unvereinbarer Rechtsvorstellungen, weil religiösen Gebundenheiten, das in zahllose, oft genug sehr kleine Regionalräume zerfällt und zerfallen ist. 

Dieses doch noch zu einer politischen Kraft zu formieren, ist tatsächlich aber eine Herausforderung. Die zu wirklichen uns aber eines fehlt. Eines, das jede Kultur als Raum definiert hat und konstituierte: Die Helden, die in den Augen aller Helden sind. Und die ihr Heldentum als leuchtendes Urbild einer Lebensform und Religionsgebundenheit in unsere Welt strahlen, das für alle oder wenigstens die meisten Anlaß genug ist, ihm zu folgen. Dann erst wäre auch ein für alle verbindliches Gesetzeswerk wieder akzeptabel.

Aber man falle um Gottes willen nicht auf die Lamenti der Liberalen herein, die immer schon dann stark waren, wenn es darum ging, Mißstände anzuprangern, die sie selbst aber in unsere Kultur getragen haben. Die zu beheben sie aber weder die Kraft noch den Geist haben. Die plumpe Forderung nach einem starken Staat in Alleinstellung, was die Gesetzgebung anbelangt, ist deshalb nicht mehr als alles, was die Liberalen stets gefordert haben: Ein Rezept mit Ablaufdatum, das durch ebendieselben Liberalen zu widerrufen nur eine Frage der Zeit ist.** Denn diese geforderte Alleinstellung des Staates führt nicht alleine zur Diktatur, nein. Sie führt vor allem zu einer ... Theokratie.




Die Anmerkungen


*Gerade diese (rationalistische) Gesetzesinterpretation bei österreichischen Höchstgerichten wird zurecht von vielen beklagt. Sie entstand durch allmähliche Umbesetzung der höchsten Senate durch linksliberale Richter (die in Österreich von der Politik eingesetzt werden). Mit schweren langfristigen Folgen: Damit wurde nämlich der Gedanke der Gerechtigkeit aufgegeben. Heutige Höchstgerichtsurteile in Österreich sind zunehmend, wie Rechtsanwälte dem VdZ bestätigt haben, nur noch Formalurteile, ignorieren ganz bewußt den "inneren (also durchaus: transzendentalen) Gehalt" der Gesetze, der aber ihr Maßstab sein muß. So wird ein Gesetzeswerk eines Staates aber zum bloßen technischen Ablaufapparat degradiert, das nicht dem zu Recht verhilft, der es als Gerechtigkeit aufgrund ungerechter unterer Instanzenurteile verlangt, sondern dem, der diesen Apparat am besten zu bedienen weil seinen inneren Gehalt zu umgehen versteht.

²Das kann und muß sogar so weit gehen, daß es eine - und das ist nur in einer Person, einem Menschen verankerbar! - Instanz geben muß, die zumindest "Begnadigungsrecht" hat, um eine wahre Gerechtigkeit immer noch siegen lassen zu können, selbst wenn das Formalrecht anders entschieden hat. Das Leben des Menschen ist immer ein "komplexes, chaotisches, nicht-lineares" System, dem ein immer lineares Gesetz gegenübersteht. Dessen Wirksamkeit im Sinne der Gerechtigkeit deshalb begrenzt ist. Formales Recht ist immer - immer! - Stückwerk! Jemanden eines Gesetzesbruches anzuklagen muß deshalb immer heißen, ihn gegen ein allem Gesetz innertes, transzendentes, ewiges, absolutes Gesetz einer höheren Ordnung verstoßen zu sehen. Zwar muß ein Staat als Gesetzgeber immer darauf bestehen, daß sein Formalrecht respektiert und "wie ein absolutes Gesetz" gestellt wird, aber er muß immer bereit sein, und braucht dazu sogar Parallemächte (Kirche!), die den Fall aufgreifen, wo dieses Formalrecht Unrecht bedeuten würde, weil es der transzendenten, absolukten, ewigen Ordnung widerspricht. 

Die Vertreter dieser Parallelmacht müssen dabei u. U. sogar bis zum Martyrium gehen, was es in der Kirchengeschichte nicht selten gab. Was auch immer man also den Krawallierern von Hamburg vorwerfen kann und muß - in der puren Gewaltausübung liegt es nicht, nicht prinzipiell! Es liegt, wie es jemand einmal ausdrückte, daran, daß sie zwar dasselbe tun wie der Gerechte, aber im Unrecht sind weil sie den falschen Gott anbeten.

**Vergessen wir doch nicht, um nur bei diesem Beispiel zu bleiben, daß es gerade die Liberalen waren, die noch vor wenigen Jahren Vertreter unbeschränkter Einreisemöglichkeit für alle waren. Stillschweigend haben sie sich mittlerweile davon verabschiedet, und sind heute sogar oft in Positionen aufzufinden, die sie noch vor wenigen Jahren als "rechts" und verabscheuenswürdig verdammt haben. Dennoch versuchen sie nun oft genug, sich wieder an die Spitze des öffentlichen Disputs zu setzen. Diesem Schaumgärtchen des Liberalismus entspringen dann so forsche Formulierungen wie "Toleranz nur den Toleranten" etc., als Versuch, den eigenen Kopf zu retten und halt immer "vorn dabei" zu sein.






*050817*

Samstag, 26. August 2017

Jede Kultur hat weil braucht Parallelmächte (2)

Teil 2) Parallelmächte sind kein Widerspruch, 
sondern Bedingung für einen Rechtsstaat




Denn auf was für Gesetze beziehen sich die Liberalen?  Auf die momentanen, die durch Bezug auf "Verfassungstreue" in quasi-religiösen Status gehoben werden? Gesetze sind nie reine Formalwerke, und zu beklagen, daß "pöhse" Richter sie interpretieren, ist gelinde gesagt naiv. Kein Gesetz kann jemals erschöpfend sein, es ist immer nur Wegmarke auf ein dahinterstehendes Gesetz, und jeder Richterspruch ist nur eine Interpretation dieses inneren Sinns, des logos eines Gesetzes, den Verbalisierungen immer nur in mehr oder weniger Deckungstreue ausdrücken können. Wo ein Gesetz aufhört, sich auf diesen seinen inneren (und das heißt: transzendentalen) Sinn zu beziehen, wird es zum technischen Zuschlaginstrument. Jeder Staat braucht deshalb immer solche Parallelmächte. 

Nur in einem theokratischen Staat ist genau dieses Prinzip (der Verbindlichkeit der absoluten Wahrheit) ausgeschaltet (zugunsten einer zu Verhaltensrichtlinien erstarrten Dogmatik als Weltweg; der Islam - aber bei weitem nicht nur der Islam; die political correctness etwa ist eine ebensolche Religion - zeigt, wo das hinführt.) Und es ist alles andere als ein Zufall, daß in einer in Autonomismus (Individualismus) atomisierten Kultur, ind er man die Kirche in die Bedeutungslosigkeit abgedrängt hat, solche Formen des Theokratischen fröhliche Urstände feiern.

Nie, zu keinen Zeiten hat ein Gesetzeswerk aus sich heraus auch die Grundidee, die allen Gesetzen zugrundeliegt, das Gemeinwohl, die absolute Gerechtigkeit, schützen können. Auch die Richter in der Nazi-Zeit haben sich auf Gesetzesformalismen berufen. Gesetzeswerke können eben immer nur ein inneres Gefüge schützen, aber niemals jene Legitimität bringen, die für ein Volk außer Frage steht. Das macht den Umstand, daß jeder Richter auch Recht SCHAFFT, nicht zu einem beklagenswerten, sondern zu einem sogar wünschenswerten Umstand.* Auf den Formalgehalt, den Buchstabengehalt von Gesetzen alleine zu pochen ist das, was die Römer als "summum ius, summa iniuria" (die Summe aller Gesetze ergibt die Summe des Unrechts) bezeichnet haben. Anders als Tichy's Einblicke schreibt, sind also Parallemächte kein Widerspruch zum Rechtsstaat, sondern die Bedingung, daß ein Rechtsstaat zu keiner Diktatur des Formalrechts wird sondern eben - zu einem Rechtsstaat, den es nur gibt, wenn die Idee (und Vernunft) der Gerechtigkeit über dem Formalrecht steht.²


Morgen Teil 3) Der Liberalismus führt zur Theokratie - Die Anmerkungen







*050817*

Freitag, 25. August 2017

Jede Kultur hat weil braucht Parallelmächte (1)

Es verwundert nicht, wenn es nach Hamburg gerade die Liberalen sind, die nach einem starken Gesetzestaat rufen. Wie immer, hat der Liberalismus Jahrzehnte und Jahrhunderte die Auflösung fester gesellschaftlicher Gefüge zugunsten einer "Freiheit für alle und alles" gefordert, um dann anhand von Einzelereignissen (wie das Chaos in Hamburg) an den Folgen zu erschrecken, und nach einer ordnenden Macht zu rufen. Die natürlich nur der Staat sein kann. In ihren Augen. Dessen Gesetzeswerk nun alle Macht zugesprochen wird. Gibt es nicht diese und jene Gesetze, die ... und so weiter.

Tatsache ist, daß es tatsächlich und immer "Parallelmächte" in einem Staat gibt und geben muß. Denn die weltliche Dimension - Gesetze, Ordnungsvorschriften - sind nur Ausfluß eines letztlich aus einer transzendentalen Ordnung aufsteigenden Weltdeutung. Erst diese ist jenes Vorbild, nach dem sich die weltliche Ordnung richtet und zu richten hat. Das ist heute nicht anders als früher. Als sich in der Institution Kirche (im katholischen Raum noch länger als im protestantischen, der aber auch viele Jahrhunderte noch von der alten katholischen Prägung gelebt hat) jene mahnende und wachende Macht konstituiert hatte, die der Staatsmacht kontrollierend und maßgebend zur Seite stand. Als Parallelmacht. Man vergißt, daß es nur so möglich war, eine Kultur aufzubauen, die wesentlich davon lebte, als es die Freiheit der Bürger vor der Willkür der Macht und Obrigkeit schützte. Und zwar weil sich die Mächte letztlich dieser transzendentalen Ordnung ebenfalls unterworfen sahen, dagegen nicht argumentieren konnten. Denn diese Ordnung der Kirche baute auf der Vernunft auf. Und die war es, das Europa, das Abendland so stark machte.

Die seit Jahrhunderten erst klandestin, dann immer offener - durch die weltliche Staatsmacht maßgeblich getrieben! -  betriebene Zerschlagung der moralischen, also auf die transzendente, in Gott gegründete Ordnung bezogenen Macht der Kirche war es, die diese Bezugspunkte nach und nach ins Pluralistische zerfallen ließ. Und den Individualismus, den Autonomismus des Menschen ausrief. Auch das in angeblichem Bezug auf die Freiheit, die in Wahrheit nur bedeutete, daß der Einzelne auf sich geworfen dem Ganzen des Staates (als letzter gefügter Einheitsmacht, gestützt durch sein Gesetzeswerk) gegenüberstand. Und so alle seine Macht verlor. Im Autonomismus hat der Einzelne also nicht einen Zugewinn an Freiheit zu verbuchen, sondern muß seine Ohnmacht zur Kenntnis nehmen, in der er den ordnenden Mächten gegenübersteht.

Heute haben wir es mit einer unübersehbaren Fülle von transzendenten Bezügen zu tun, aus denen die auf sich geworfenen, alleine gestellten Menschen ihre Handlungsparadigmata beziehen. Die ausgerufene religiöse Freiheit als Form der Lossagung von institutionalisierten Autoritäten (die, man vergesse das nicht, im Falle der Katholischen Kirche ihre Verankerung und ihren Prüfstein in der Vernunft an sich hat, der sogar der Klerus selbst unterworfen ist) hat bewirkt, daß sich jeder Einzelne nun als Reaktion aussucht, welchen Moralinstitutionen er sich temporär unterstellt. Er ist sich selbst zum Maßstab geworden. Und damit zerfällt unsere Gesellschaft in immer rascherem Tempo in zahllose (Pseudo-)Religionsgemeinschaften, denn solche sind es. So verliert das Gesetzwerk unserer Länder, das - auch das vergessen wir längst! - immer noch auf der christlichen Weltordnung (also: auf der Kirche) aufgebaut ist (denn von dort kommt der Gerechtigkeitsbegriff, an dem es sich orientiert), in immer rascherem Tempo seine Verbindlichkeit "für alle". 

Jeder, buchstäblich bald jeder sieht sich heute im Recht das bestehende Gesetzwerk zu hinterfragen und nötigenfalls zu ignorieren. Und das muß man wörtlich nehmen: Im Recht! Warum wohl? Woher bezieht er dieses Recht, dass ihm als moralischem Anspruch sogar über alles formale Gesetz steht? Gesetze sind eben durchaus etwas Fließendes, und jede Staatsmacht hat nur dann und so lange Macht, als seine Gesetze von (weitgehend) allen als auch für ihr Leben verbindlich angesehen werden. Ist das nicht mehr gegeben, werden Gesetze verhandelbar, volatil. Sie haben dann nur den Stellenwert eines einzukalkulierenden Faktors, den man aber so gut es geht im Sinne seiner wirklichen, wahren Gerechtigkeitsvorstellungen zu umgehen, auszuspielen, vor allem zu mißbrauchen, weil nur noch zu benützen sucht. 

Das wurde durch die Zuwanderung der letzten Jahrzehnte nicht besser, im Gegenteil. Die Konsequenzen daraus haben sich verschärft. Schon deshalb verschärft, weil wir es mit neuen sich aufbauenden, jedes Gesetz und jede Gesetzesakzeptanz durch ganz neue, nicht christliche Maßstäbe hinterfragenden Mächten und Religionen zu tun haben. Die Frage kann eben nicht sein, ob es legitim und gut und richtig ist, daß der Staat Parallelmächte haben kann und darf, wie es auf "Tichy's Einblicke" (einem bewußt liberalen Medium) moniert wird, sondern die Frage muß sein, was uns auch an gesetzlichen Veränderungen ins Haus steht, und ob es überhaupt einen Zentralstaat geben kann - wie ihn nun die Liberalen in einem ihrer vielen Widersprüche fordern - der solche Gegebenheiten erfassen und ordnen kann. 



Morgen Teil 2) Parallelmächte sind kein Widerspruch, sondern Bedingung für einen Rechtsstaat





*050817*

Mittwoch, 12. Juli 2017

Hamburg war offensichtlich ein Scheidewasser

Und da wird es überhaupt nur noch lächerlich. Da postet ein Herr Ken Jebsen ein Video, in dem er sich erschrocken davon distanziert, was da in Hamburg in diesen Tagen passiert ist. Nein, natürlich habe man immer auch das gefordert, was die Demonstranten in Hamburg gefordert haben, aber man habe doch nie so gemeint, daß man dafür auch zur Gewalt greifen solle? 

Ah ja? Wer hat denn die Leute ständig und seit Jahren aufgefordert, als Linker, mit linken Ansichten, endlich, endlich die "Macht der Straße" zu bemühen, um etwas zu verändern? Nicht Sie, Herr Jebsen? Machen Sie sich doch nicht lächerlich." Worin unterscheiden sich die Forderungen der Demonstranten, und zwar gerade im Hardcore, von den Ihren? Gilt nun nicht mehr die Sache, sondern die Moral? Doch? Und - welche? Fehlt es gar nur an Eiern?

Oder was wird als Distanzierungsgrund angeführt, der eine Stellungnahme per Video erfordert? Daß die Hamburger Randalierer nicht so lieb und beliebt waren, wie Sie es gerne wären? Es wird sogar noch abstruser. Man habe die seit Jahren selbst verbreitete (völlig den Demonstranten gleichlautende) Kritik, so Jebsen, doch immer nur als Angebot zum Dialog verstanden! Nie als Aufforderung zu Gewalt gegen die Staatsmacht, im Gegenteil, man hätte (dazu versteigt sich Jebsen tatsächlich) mit den Polizisten diskutieren sollen, so sei es gemeint gewesen.

Geht es noch blöder? Geht es noch verwirrter? Hamburg war in diesen Tagen das, was Sie wollten, Herr Jebsen, ganz explizit und mit denselben Forderungen, die Sie seit Jahren stellen. Ganz einfach. Und Ihr Traum ist wirklich geworden. Das kommt aber halt raus, wenn solche beschöndudelten (und damit per se linken Kastraten wie Sie in die Welt schreien, weil sie sich für besonders klug ausweisen wollen, Trittbrettfahrer an der Linken, die seit Jahrzehnten sowieso alles beherrscht, und dann ernten was sie (mit-)säten. Und das war es auch schon. Ende der Durchsage.

Hamburg war das Scheidewasser. Und wer es nicht sehen wollte, sah es nun.  Wenn er wollte.

Den Schaden trägt die Vernunft. Ein Bereich, dem Herr Jebsen nie angehört hat. Der immer nur bereits galoppierende Pferde ritt. Und nun feststellen muß, daß die am Abend nicht einfach an die liebreizende Krippe kommen, um sich striegeln zu lassen. Das hat man davon, wenn man Recht hat, ohne die Wahrheit bemühen zu wollen.

Herr Jebsen, seit Jahren wird an dieser Stelle darauf hingewiesen, hier wurden Sie dennoch nie totgeschwiegen. Aber: Sie sind ein Linker, immer gewesen. Und Hamburg war eine linke Veranstaltung, mit linken, wie sonst: widersprüchlichen, abstrusen Forderungen. Was Sie jetzt versuchen, ist, doch noch das zu retten, was Sie immer versucht haben: Sich an eine nicht-linke, an eine naturrechtlich nur zu logische Volksbewegung anzuhängen, nein, sich ihr vorzureihen, als Fahnenträger, alles umzutaufen. Wie in Washington 1968, wo einer bereits formierten Demonstrationsbewegung von Bürgern einer an die Spitze springt, aus dem Gebüsch des Parks, an dem sie vorbeizieht, der eine knallrote Fahne in der Hand hält. So war es immer, nie war es anders.

Das ist hoffentlich und endlich gescheitert. Aber es wird Ihnen schon noch was einfallen, Ihre Haut zu retten. Der VdZ ist Realist genug.









*100717*

Dienstag, 11. Juli 2017

Nur zwei Bemerkungen

Zwei Bemerkungen sollen zu Hamburg in diesen Tagen vorerst genügen: Da ist eine Erinnerung von E. Michael Jones, der seinerzeit (als damals wie heute Rechter) bei den sogenannten 68er-Protesten in Washington mitmarschierte. Denn anfänglich waren das (und das sagt nicht nur er) Proteste gegen die Moderne, gegen den brutalen Technizismus, gegen die Kulturzerstörung durch Kapitalismus, und keineswegs "linke" Protestbewegungen. Dazu wurden sie erst. Und auch, weil Folgendes passiert ist, nicht einmal, immer wieder und schließlich systematisch: Jones erzählt, daß sie durch Washington marschiert sind und dabei an einem Park vorbeikamen. Plötzlich sah er, wie aus dessen Gebüschen junge Männer mit roten Fahnen und kommunistischen Parolen auf Schrifttafeln hervorbrachen und sich an die Spitze des Demonstrationszuges setzten. Der mit einem Schlag so wirkte, als sei er insgesamt ein linkes, ein kommunistisches Unterfangen. Was er aber nicht gewesen ist. Dasselbe sei ihm bei den "Occupy Wall Street"-Bewegungen aufgefallen, die er als Beobachte besucht hatte. 

Die andere Bemerkung ist eher lapidar. Denn das, was die Medien an Bildern liefern, was an Schriften und Parolen aus Hamburgs bürgerkriegsähnlichen Zuständen (so ein dem VdZ bekannter Augenzeuge) bekannt wurde, ist eindeutig links. Entsprechend voll mit Unsinn und Widersprüchen. ABER wer nach diesen Schlachten (mit über 200 verletzten Polizisten) noch ernsthaft meint, daß die große Gefahr in Deutschland von "Rechtsradikalismus" ausgehe, der muß ernsthaft auf Geistesverwirrung untersucht werden. Denn was ohnehin jedem Vernunftbegabten klar war, hat sich hier deutlich gezeigt. Eine wirkliche Gefahr geht nur von den Linksextremen aus. Sie versuchen den Putsch, sie versuchen die Gewaltherrschaft, sie wollen gezielt den Staat zerstören. Und - so nebenbei - sie werden von diesem Staat selbst finanziert.

Das war's schon.






*100717*

Mittwoch, 20. Mai 2015

Vorsicht, ein Verbrechen!

Unbekannte Scherzkekse haben in Hamburg eine Tür eines S-Bahn-Waggons mit Ytong-Steinen zugemauert. Der Waggon fuhr eine ganze Linienstrecke hin und retour, ehe er aus dem Verkehr gezogen und wieder instandgesetzt wurde. Die Polizei hat noch keine Hinweise auf die Täter. Denn es müssen mehrere gewesen sein, die gezählte 17 schwere Steine samt Kleber und Mörtel angeschleppt und rasch verarbeitet haben. Das sei kein Bubenstreich mehr, meinte ein Hamburger Polizeisprecher, der Schaden gehe in die Zehntausende, und dem Täter drohten fünf Jahre Haft ob der schweren Sachbeschädigung. Um Gottes willen! Darf man wenigstens darüber lachen, ohne der Bildung und Mitwirkung an einer verbrecherischen Vereinigung geziehen zu werden?


Photo - Kronen Zeitung



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