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Dienstag, 3. Januar 2023

Kletten im Haar

In der seit dem 10. Jahrhundert endgültig eingeleiteten Technisierung des Schreibens - Hugo von St. Victoire setzt in der Wortteilung der Schrift und dem nun folgenden leisen Lesen in dem die Sprache ihre Gestalt verloren hat, die stattdessen mathematisch aufs Papier gezirkelt und damit zweidimensional wird, den Beginn der abendänsichen Katastrophe an - in deem das Schreiben selbst unaufhaltsam zu einem nur noch techniischem Akt wurde, hat sich die Erstellung von Texten (die als fleischgewordenes Wort nur dann gelten können, wenn sie auch eine menschliche Gestalt annehmen), immer weietgehender vom Humanen (und damit von der Kunst) entfernt.

Carl Friedrich von Nägelsbach weist deshalb schon zu Beginn seiner "Anmerkungen zur Ilias nebst einigen Excursen" (mir war schon der Titel überaus sympathisch) darauf hin, daß der heutige Mensch (er schriebt das etwa 1850 als Hilfestellugn für den Unterricht des Griechischen an Gymnasien - ein großartiges Werk voller Weisheit) darauf hin, daß die Ilias praktisch immer vollkommen unverstanden und mißverstanden bleibt. Weil man nicht versteht, daß sie niemals als Text verstanden war, sondern Homer (und er ist wie Goethe völig sicher, meint auch das belegen zu können, daß das ursprüngliche Wert als Gahnzes vollkommen aus der einen Hand des Dichtersstammt, den die Überlieferung als Homer erinnert) sie als rein mnemotechnisches Werk verfaßt hat, dessen Effekte, dessen Sprache, desen Bilder, dessen Fabeln und Details ausschließlich auf den Augenblick ausgerichtet waren, in dem ein Sänger auf ein Publikum trifft, das zuhört und in seinem ganzen Gemüt reagiert und interagiert.  Erst viel später hat man begonnen, diese großartige Geschichte aufzuschreiben, und dann vor sich auf Papyrus zu lesen und zu reflektieren. 

Samstag, 10. Dezember 2022

Und der nächste Selbstfaller

Selbstfaller - ugsl. Wiener Umgangssprache; dem der althdt./biblische. Spruch "Wer jemand eine Grube gräbt, fällt selbst hinein" zugrunde liegt. Er meint, daß der Schaden für den, der jemandem anderen böswillig Schaden zufügen möchte, im Rahmen der jeweiligen Selbsterhaltungskraft bemessen höher ist, als der vermeint verursachte Schaden am anderen. 

Abgesehen davon, daß niemand im Ernst zweifeln wird, daß Rußland - noch dzau indirekt (?) unterstützt von der OPEC, die bereits vor einem Monato der zwei angekündigt hat, die Ölförderung zu drosseln - sein Öl am Weltmarkt verkaufen kann, und zwar zu "Weltmarktpreisen". 

Abgesehen davon, daß diese Preisdeckelung, die die EU über russisches Öl verhängt hat, eine ganz grotesk erscheinende Wirkung haben wird. Sie wird den Ölpreis nicht NACH OBEN deckeln, sondern VON UNTEN STÜTZEN (und damit NACH OBEN DRÜCKEN.) 

Das heißt, daß sich die Ölpreisschranke von 60 Euro maximal nun als UNTERSTER PREIS etablieren wird (die Begründung, die ich in der Fiancial Times las, ist ebenso simpel wie kompliziert, aber absolut plausibel).
Ganz abgesehen also davon - ganz nebenbei: der Preis in Ostasien, wohin das russische Öl nun fließt, liegt derzeit bei rund 79 Dollar, und chinesische Kalkulationen gehen von 100 Dollar in den nächsten Monaten aus, und die werden das zahlen - wird EIN EU-Land ganz speziell unter dem Ölembargo zu leiden haben. 
Ein Land, das ohnehin DURCH die EU jenseits aller Selbsterhaltungskraft liegt. Dieses direkte Opfer des nächsten EU-Embargoschritts ist der EU-Intensivpatient GRIECHENLAND.

Freitag, 7. Oktober 2022

Die Angst vor dem Schmerz

Selbst das ist eine der vielen Schein-Topoi, von denen wir schon regelrecht umzingelt sind. Deren Wirkung man im Alltag dadurch bemerkt, daß die Aussagen udn Einschätzungen der Mitmenschen völlig wirr und widersprüchlich geworden sind. Was die meisten Menschen von sich geben sind als Meinungen deklarierte Sprechblasen, die sie wie in Trance von sich geben. 

Eine Seuche, die auch tief in "untere Schichten" greift. In dem Punkt hat Lisa Eckhart einmal etwas sehr Richtiges gesagt.
Die sogenannte Meinungsfreiheit, meinte sie, bedeutet in der Realität, daß jeder unter den Zwang gerät, unbedingt eine Meinung haben zu müssen.

Donnerstag, 5. Mai 2022

Von der Gewalt der Schönheit

Leider ist die in der Antike weithin und lange Jahrhunderte berühmte Statue der Phryne aus der Hand des Praxiteles, der sich wie so zahllos viele unsterblich in die Frau verliebt hatte, irgendwann zerstört worden. Von ihr weiß man also nur noch aus der Überlieferung, denn nach ihrer Entstehung im 4. Jahrhundert v. Chr. war man jahrhundertelang aus der ganzen Welt nach Athen gereist, um dieses Wunder der Schönheit zu sehen. Die angebliche Kopie, die im Vatikan steht, ist alles andere als eine solche, wie kompetente Kunsthistoriker bewiesen haben. 

Als ich dann im Netz nach hierher übertragbaren Bildern suchte, um dem Leser einen Eindruck zu vermitteln, wie diese im 4. Jahrhundert v. Chr. vielleicht berühmteste Hetäre (=Gefährtin) des antiken Griechenland ausgesehen haben könnte, mußte ich passen. 

Montag, 7. März 2022

Wie den Griechen, so auch den Ukrainern - über Nationen, und deren Wiege

QR Junge Freiheit
In der Jungen Freiheit habe ich es nun definitiv beobachtet, es trifft nahezu die gesamte Rechte, und jede Menge weiterer sich als "Kritische Stimmen" Gebärdende. Die sich in Corona-Zeiten als harsche Gegner gezeigt haben, denen ich aber - wie hie rnachzulesen - immer vorgeworfen habe, daß sie etwas befördern, was ich nur noch als letzte Stufe einer zerfallenen (Vergangenheitsform, nicht mehr Gegenwart) Staatsordnung bezeichnen kann. 

Denn wo immer die zusammen- und umfassenden Ebenen aufgelöst sind, fällt eine Ordnung auf die nächste untere Stufe der Organisation zurück. Also vom Staat auf die Länder, dann die Bezirke, dann Gemeinden, dann Siedlungsgemeinschaften oder "Straßen", dann Familien, dann Ehen, als letzte, alle übrigen grundlegenden, aber ohne diese nicht denkbare und existente Formen des menschlichen Lebens. Das immer ein Leben in Gemeinschaft ist, und deshalb immer nach Gemeinschaften strebt.

Aber untersuchen wollen wir, daß mit einem mal Mainstream, Rechte, Linke (und wer weiß noch) auf einer Meinungsebene zu stehen scheinen. Und eines bejubeln: Den Aufstand eines Volkes, das heißt seiner Menschen, um sich "gegen einen Aggressor zu stellen." Bejubeln, daß der Mann von der Straße ein Gewehr von seiner Regierung bekommt, um zu schießen, die Frau von nebenan einen Molotowcocktail anrührt, um ihn auf die Bösen zu werfen. Was ist da passiert? 

Donnerstag, 13. Mai 2021

Einer neuerlichen Vergegenwärtigung wert (2)

Teil 2) Das Recht auf Wucher ist das Schmiergeld, um das Schweigen zur Geldbeschaffung der Politik zu erkaufen 


QR Petr Bystron

Somit entpuppt sich das Ganze als seichte Komödie. Man hat nur drei Jahre gewartet, das war alles. Und holt nun den "gerechten Grund" aus der Schublade, wo jener Kasperl für alles wartet, der für so viel schon hat herhalten müssen. Und noch heute taugt, um das Maul des Volkes mundtot zu schlagen: Die Verbrechen und ein zur Untat verabsolutierter Krieg des Dritten Reiches, mit dem sich jeder anständige Deutsche ja gehörig bis in alle Ewigkeit identifiziert.

Aber was damals geschehen ist, werte Leser, das sollte hier wieder einmal in aller Präzision vor Augen gestellt werden: Daß der Staat seit je und auch in diesen unseren Jahren nicht weniger einen Pakt mit dem Großkapital heilig hält. Wofür die Bürger gerne und nach Belieben am Nasenring in der Arena herumgeführt werden. Die aus ihren Steuern bezahlen, was die Großfinanz in Wahrheit eingesackt hat. Die gar nie ein Risiko trägt. Den sie werden auf jeden Fall gerettet.

Mittwoch, 12. Mai 2021

Einer neuerlichen Vergegenwärtigung wert (1)

E. Michael Jones faßt den Kapitalismus einmal zusammen mit: "State sponsored usury." Also als "vom Staat finanzierter Wucher." Der Leitsatz, der seit dem späten Mittelalter unausgesprochen, verschwiegen bis heimlich, aber immer selbstverständlicher Platz griff, wird an anderem Ort auch mit "Privatisierung der Gewinne - Öffentlichkeitshaftung für Verluste", also als Umlage von Verlusten auf den gemeinen Steuerzahler beschrieben. 

Dieser Grundsatz herrscht bis zum heutigen Tag. Selbst in der Corona-Krise bleiben die Klagen vieler vieler Klein- und Mittelstandsunternehmer weitgehend ungehört. Denn es sind lauter Einzelfälle, lauter Komplikationen, die aus irgendwelchen Umständen eine Zuerkennung von Ausgleichszahlungen (die vom Staat direkt verursachte Schäden wenigstens soweit gutmachen sollen, als die Existenzgefahr der Mittelständler verringert wird) leider unmöglich machen.

Dienstag, 17. November 2020

Fähigkeiten ohne Tugend sind gefährlich

"Wohin der Leiter eines Gemeinwesens dasselbe bringen kann, wenn ihm Strenge der Grundsätze (=Tugend; Anm.) fehlt, ist Perikles (der scheinbar das antike Athen zu einer nie gesehenen und nie mehr erreichten Blüte geführt hat; jenes Athen, das aber sofort nach ihm ... zerfiel; Anm.) der sprechende Beweis. 

Je mehr vorzügliche Gaben ein solcher Lenker hat, um desto gefährlicher, wenn ihm die wichtigste fehlt. 

Es ist etwas Ähnliches zwischen Perikles und Ludwig XIV. - nicht der Person des letzteren, Gott bewahre mich, den Olympier so zu schänden! - aber dem Geist seiner Regierung, dem siécle de Louis XIV."

Franz Grillparzer in "Zur Geschichte einzelner Persönlichkeiten" (1819)

"Braucht keine Worte, möchte ich den Philosophen zurufen, die in einer andern Bedeutung, als in der ihr sie braucht, schon gang und gäbe geworden sind! Es ist der erste Schritt zur Begriffs-Erschleichung. Was haben die Worte: Glaube, Heilig, Gott für Verwirrungen angerichtet in unseren Tagen!"

Ders. in "Studien zu Philosophoie und Religion" (1817)

Es gibt Meinungen, denen gemäß Franz Grillparzer, hätte er sich je von seinem Beamtendasein in Wien gelöst, an das er sich stets geklammert hielt, um seine Existenzbasis nicht zu verlieren, Goethe'sche Dimension erreichen hätte können. Er selbst hat diese Angst ums Alltägliche gegen Lebensende als seinen fatalsten Fehler erkannt.


*231020*

Samstag, 3. Oktober 2020

Sehnsucht nach Muttis Brüsten

Ging es da nicht irgendwie bei Moria und Flüchtlingslager und Brand und Streit um Aufnahme der Ärmsten der Armen, um die Rettung von Kindern und Bedürftigen, und dem Öffnen der Herzen für hilflose Opfer? Gab es da nicht Bilder von Müttern in Zeitungen, die schreiende Kleine mit braunen, groß aufgerissenen Augen auf dem Arm und in die Kamera hielten? 

Leutel, nun wird es lustig. Von diesen Kindlein sind die ersten 51 in unseren Landen angekommen. Schauen Sie doch unten selber, werter Leser! Und herzen Sie in Gedanken die unbeholfenen Kleinen, knuddeln Sie diese quengelnden Rabauken, und quirligen Schnaddelküken, die man einfach liebhaben muß, und jede Geste des Entgegenkommens der Politiker und guten Menschen nur zu verständlich machen.

Und wenn wir schon die ganze Sache bezahlen, mit denen sich diese unsere Eliten ihren Stern am Himmel verdienen, verdienen wir doch wenigstens die Bilder jener, die wir da mit unserem Steuergeld retten? Tataaa! 

Die ersten lieben Kleinen, die wir gerettet haben, kommen an.


Leider haben unsere lieben Kleinen die Teddys, die Sie und ich hingeschickt hatten, schon beiseitegelegt. Rasierer gab es aber eh im Taxfree-Bereich. Rasierer? Na die sind da unten alle frühreifer als hier, das haben wir schon oft gehört, oder? Das macht vermutlich die Sonne.

Nachtrag: Mittlerweile sind auch die nächsten 139 Knuddelracker aus Moria eingelangt

Was ist das heutige Kriterium für Kinder? Richtig. Sehnsucht nach Muttis Brüsten. Sehnsucht nach den Brüsten der Frauen überhaupt. Je fremdländischer und bleicher sie sind, umso mehr. Das reicht um Freiflug und Gratisaufenthalt samt Direktbetreuung auf sagen wir ... also x Jahre von deutschen Steuerzahlern zu erhalten.

Derselbe Mann, der somit schon auf Twitter seinen Humor offenbar macht, beweist diesen auch auf Youtube. Mit dem unten angefügten Filmchen. (Dank an Leser R) 

Ein schönes Wochenende!

 


*140820*

Montag, 16. Dezember 2019

Zukünftige und gegenwärtige Problemzonen

Bildschirmaufnahme von einem Vortrag von D. Montgomery
Man muß nicht viel quatschen, wenn man sich diese Karte ansieht. Die zeigt, wo auf der Welt die Böden bereits so ent-vitalisiert, so wenig fruchtbar sind, daß sie entweder nichts mehr tragen, oder nur noch mit viel Chemieeinsatz zu "Fruchtbarkeit" gepreßt werden können. Auf einen Schlag wird so manches deutlich:

  • Die Wanderungsproblematik von Afrika nach Europa hat maßgeblich mit dem Auslaugen der Böden zu tun.
  • Auch China hat längst das Problem erschöpfter Böden und damit das Problem der Ernährung. Die chinesische Politik, in Afrika riesige Flächen zu pachten oder zu kaufen, um sie zu bebauen, wird mit einem Schlag verständlich. Auch Asien bietet keine Reserven mehr.
  • Bald wird auch Indien geopolitisch aktiver werden (müssen), denn auch die indischen Böden sind bereits über weite Strecken erschöpft.
  • Die desaströse Entwicklung des historischen Römischen Reiches wird noch verständlicher, wenn man auf der Karte sieht, daß weite Teile des Mittelmeeres bereits seit der Kaiserzeit und den sozial-politischen Entwicklungen keinen Ertrag mehr lieferten. Rom hat sich bis ins erste Jahrhundert noch durch Expansion über die Misere hinübergerettet, wobei die Eroberung Ägyptens lebensnotwendig war. Durch den Dienst im Militär waren weite Strecken Italiens von kleinbäuerlicher Wirtschaft auf exzessiven Latifundienbetrieb verändert, wo es zu immer mehr Grundbesitz in den Händen immer weniger Oligarchen kam. Deshalb die vielen Brotabhängigen in Rom, deshalb so viele Zentralismus-Entwicklungen (heute würden wir es als "Mehrung von Sozialstaatsabhängigen" bezeichnen).
  • Die Erklärung des Niedergangs des griechischen Imperiums wird schon durch die Karte nachgeliefert: die Böden des Hellenischen Reiches waren erschöpft! Die Römer trafen bereits auf ein erschöpftes Griechenland (zu dem weite Teile der Türkei gehörten). 
  • Auffallend auch, daß die gesamte Levante, von der Türkei angefangen über Syrien bis zum Libanon, nur noch ausgelaugte Böden aufweist. Auch das ein Zustand, der seit der Römerzeit besteht. Hier (neben dem Balkan) besonders auffallend: die Zusammenhänge zwischen Entwaldung und Bodenerosion.
  • Auffallend, aber selbsterklärend, der miserable Zustand der Böden in Kasachstan. Diese einstmalige Steppe war in der Sowjetunion mit einem größenwahnsinnigen Projekt, der Umleitung der Zuflüsse zum Aralsee bzw. der Nutzung dessen Wasser selbst, "fruchtbar" gemacht worden. Noch dazu mit extrem wasserziehenden Pflanzen wie der Baumwolle, wozu außerdem riesige Flächen für Weizenanbau kamen, hatte man diese damalige Teilrepublik zu einem florierenden Export- weil Devisenfaktor aufgebaut. Das Ergebnis ist bekannt. Heute ist der Aralsee nahezu ausgetrocknet, und Kasachstans "Felder" kämpfen mit Versandung und Versalzung.
  • Brasiliens regenwaldbedeckte Böden sind keineswegs so fruchtbar, wie die schönen Bilder grünen Urwalds suggerieren wollen. Im Gegenteil, hat Brasilien über große Flächen unfruchtbaren Boden. Dazu noch der Hinweis, daß hier - ähnlich wie im Kongobecken - der Urwald keineswegs ein Zustand besonderer Fruchtbarkeit ist, sondern das Degenerationsstadium nach einer Epoche exzessiver Bodenexploitation.
  • Erst recht gilt das über Brasilien Gesagte für Mexico! Die Erschöpfung der Böden war bereits zur Zeit der Azteken und Mayas das drängendste politische Problem, das die aggressive Expansionspolitik dieser Völker vor siebenhundert Jahren ziemlich erklärt. Ähnliches gilt es von Peru und dem gesamten Nordwesten Südamerikas zu sagen.
  • Auffallend der schlechte Zustand der Agrarböden in ganz Europa.
  • Womit sich zeigt, was für Kindergartenwischler sich in der Politik bewegen, die nun ein Abkommen über landwirtschaftliche Lieferungen ausgerechnet mit Südamerika (Mercosur-Abkommen) treffen, das bereits weitgehend erschöpfte Böden mit geringem natürlichem Ertrag hat. Was das (Chemieeinsatz etc. etc.) bedeutet, kann sich jeder ausmalen. Aber vielleicht ist das auch die einzige Erklärung dieser nächsten Globalisierungs-Druckschraube. Der Bayer-Monsanto-Deal läßt grüßen, der das exakt "falsche" Geschäftsmodell verfolgt, das ausgelaugte Böden "braucht" und voraussetzt.
  • Auch der frühere Brotkorb halb Europas, die Ukraine, mit ihrer früher legendären Tschernosen-Erde, dieser Schwarzerde mit bis zu drei Ernten pro Jahr, hat zum größten Teil bereits erschöpfte Böden.
  • Auffallend auch der schlechte Zustand der Böden in praktisch ganz Südostasien, einem der bevölkerungsreichsten Landstriche der Erde. Auch hier sind die Zusammenhänge zwischen Regenwald (Urwald) und Bodenerschöpfung deutlich.
  • Daß der Brotkorb der USA, der Mittlere Westen, erschöpft ist, wissen wir zumindest seit der Ära Roosevelt. In den 1930ern waren die mittleren Bereiche der USA, die "Greated Plains", die dereinst großen, fruchtbaren Ebenen, über weite Strecken durch exzessive, rücksichtslose Landwirtschaft (denn die meisten Zuwanderer nach den USA waren Glücksritter, die auf Teufel komm raus "reich" werden wollten, koste es was es wolle, und die Natur dort schien ohnehin unerschöpflich und riesig, was bis heute zutrifft.
  • Die großen "Reservezonen" der Welt hinsichtlich Bodenzustand scheinen Kanada und das russische Sibirien zu sein.

Ein weiteres Fazit? Man kann mit der eigentlichen Grundressource der Erde, dem Boden, nicht einfach Vabanque spielen und abschöpfen, was nur geht. Man muß MIT der Erde leben, buchstäblich. Wer die Erde und ihre Strukturen nicht liebt, wird in ihr nicht bestehen können, so einfach ist es. Denn Erkenntnis ist abhängig von der Liebe, als ganzheitlichem Wohlwollen und Haltung des Staunens. Nicht von der Cleverness irgendwelcher Technikfuzzis. Übrigens steht das schon in der Bibel, nur nebenbei. Alle Lebewesen der Erde hängen von der Pflanzenwelt, also vom Boden ab.

Nur zur Illustration: Die Menge der jährlich über Lebensmittelproduktion "aufgegessenen" Erde beträgt weltweit jährlich dreiundzwanzig Milliarden Tonnen. Soviel erodiert, Jahr für Jahr. Das sind immerhin 0,7 Prozent der gesamten auf dem Planeten vorrätigen Erde. Weil es so viele Menschen gibt? NEIN. Weil wir mit der Erde nicht richtig umgehen! Und zwar jeweils, JEWEILS durch Ignoranz und persönliche Schwäche wie Gier und Trägheit. In den vergangenen vierzig Jahren wurde weltweit ein Drittel des bekannten Agrarlandes, sprich vierhundertdreißig Millionen Hektar, wegen erschöpfter Ertragsfähigkeit aufgegeben.

***

Darf der VdZ eine wilde Vermutung aussprechen? Daß dieses gesamte Politikerdreckspack lieber mit dem eigenen Zehenkäse namens "Klimawandel" spielt, als von dem, was die Welt wirklich bewegt, auch nur einen Funken Kenntnis zu nehmen.

Hart? Herrschaften, das Beil fällt über die, die es aufgestellt haben und bei jeder Wahl neu aufstellen, um bei ihm zu schwören. Wer diese groteske Form von liberaler Demokratie will, die wir haben, wo die "Fähigkeit" mit der Person zusammenfällt (ganz anders als in einer hierarchisch-monarchischen Verfaßtheit, die nie beansprucht, Politik zu "machen", die machen die Leut schon selber, und das ist demokratisch, wie es sich die lächerlichen Putzelmännchen in Berlin oder Wien nicht einmal träumen lassen, sondern nur zu "herrschen", als Gestaltvollendung des Volksganzen als Kultur), ist auch die Person der Drecksbeutel. Wer sich wählen läßt, hat dann auch die Folgen zu tragen. Weshalb unbedingt - und unbedingt in unserer Form von Demokratie - persönliche Haftung zu verlangen ist! Wir haben es hier mit der Vorsehung Gottes zu tun. Und da geht bald endgültig der Sensenmann um. Die Demokratie heutigen Zuschnitts hat an der Guillotine begonnen, sie wird auch dort enden.




Samstag, 9. März 2019

Trunk vom Heiligen

Volkstanz ist irgendwas Dionysisches, subjektiv Ausgelassenes, Formloses? Mitnichten und Neffen, werte Herrschaften. Es ist höchste Beherrschung, höchste Formierung. Dann wird sogar von Briten getanzter Sirtaki zu einer Ahnung der griechischen Seele. Denn in der Bewegung, im Rhythmus zeigen sich die Dinge. Und der Volkstanz ist das Feiern der Volksseele.

Jede Bewegung ist gemessen, vorgegeben, nur darin hat sie Platz in der Gesamtordnung. In der sich dann der Trunk vom Heiligen bietet.








*120119*

Freitag, 15. Februar 2019

Fundamente einer Wirtschaft

Als die Krise kam, waren die beiden Brüder ohne Chance auf Beschäftigung, trotz ihrer akademischen Weihen. Da besannen sie sich auf ihre Wurzeln, die des Großvaters, eines Olivenbauern. Wurzeln, die die Eltern bereits verlassen hatten. Aber nun machten die Brüder mit Liebe und Hingabe, was sie konnten, und begannen wieder Olivenöl zu produzieren. Mit dieser Haltung entsteht automatisch Qualität, die auch auf die Umgebung ausgreift und Strukturen einer soliden Wirtschaft bildet. Und seien sie noch so klein.

Warum man freilich bei der NZZ (die den Film gemacht hat) meint, daß das nur dann herzeigbar ist, wenn das Zauberwort "Export" vorkommt, ist eine andere Frage. Es wäre viel interessanter gewesen zu erfahren, in welchem Maß die beiden Griechen motiviert waren, für ihre unmittelbare Umgebung gutes Öl herzustellen. Die es, zu ihren Kaufmöglichkeiten weil Löhnen (die sie für die Arbeit in den Ölgärten erhalten) verkauft, sicher nicht weniger braucht als ein Gourmettempel in Frankfurt. Wo jene Banker ihre Abendessen zu sich nehmen, die auf Volkskosten aus den notleidenden Griechenlandkrediten freigekauft wurden.

Übrigens schreibt die NZZ, daß sich in Griechenland bis auf solch kleine Ansätze wie hier vorgestellt seit dem mit gigantischen Beträgen verschummelten Staatsbankrott überhaupt nichts verändert habe. Die Verwaltung ist nicht weniger korrupt und langsam, und die Strukturen im Land haben sich kein Jota bewegt. Die offiziell vermeldete Sanierung des Staatsbudgets ist ein formaler Schein. Nur die Armut der unteren Schichten ist größer geworden. Und seit 2010 hat eine halbe Million Menschen (bei 10,8 Millionen Einwohnern) das Land verlassen, darunter 180.000 mit Universitätsdiplom.

Wie die beiden Brüder. Die angesichts der Lage auf das zurückgegriffen haben, als einzigen Ausweg, das sie zur Verfügung, wozu sie die Möglichkeiten hatten. (Die zuvor also brach lagen, das darf man nicht vergessen.) So schätzenswert, so schön das Beispiel auch ist. Es zeigt aber auch, woran eine Volkswirtschaft zugrunde gehen kann. Durch eine an den Fundamenten der Wirtschaft vorbei ausbildende, künstlich aufgeblasene "Bildungspolitik". Das viele Geld, das die Ausbildung der beiden gekostet hat, war pure Verschwendung. Und das kann man sich bei den 180.000 oben Erwähnten auch gleich mit fragen. Die im Lande selbst offensichtlich keiner braucht, wozu auch gehört, daß man sich deren Lohnansprüche nicht leisten kann. Auch das ist dasselbe: An einem Volk, das das bezahlt hat und bezahlen muß, sinnlos "vorbeigebildet".

Ein Körnchen der Staatslast, an der sie nun leiden, und die aus unproduktiver Verwendung von Mitteln bei gleichzeitiger Ignoranz des Möglichen stammt, haben die beiden also selbst zu verantworten. Sie hätten (wie so viele) nur von Jugend an bei ihren Wurzeln bleiben müssen. Dann wäre manches in Griechenland erst gar nicht so gekommen.









*181218*

Dienstag, 25. September 2018

Alles ändert sich. Nur nicht Griechenland.

Die Graphik von Agenda Austria ist interessant und zeigt, was mit Griechenland in den letzten Jahrzehnten (und seit seinem EU-Beitritt erst, dem Beitritt zum Euro später) passiert ist. 

Das Schaubild stellt die Entwicklung des BIP pro Kopf im Vergleich zwischen Österreich und Griechenland dar. Nominell hat sich nämlich bis zur Finanzkrise das BIP (als Summe aller Einkommen) in Athen exorbitant stärker entwickelt als in Wien. Aber dieses Wachstum war ausschließlich auf Schuldenpolitik aufgebaut. 

Wo der Staat über seine Ausgabenpolitik - Beamtenlöhne, Staatsaufträge, (leider viel zu wenige) Investitionen, Sozialstaat - das Wirtschaftswachstum wie einen Luftballon aufgeblasen hat. Griechenland wurde zu einem Hochlohnland mit sehr hohem Preisniveau. Denn die Preise paßten sich natürlich an. Aber alles wurde importiert. Denn die Produktion im eigenen Land wurde über die willkürlich hochgetriebenen, von keinem Marktsignal gestörten Löhne zu teuer. Es wurde also immer weniger produziert, das Rentenantrittsalter sank und sank (so daß auch die Arbeitslosenrate "moderat" blieb).  

Warum ist das passiert? Weil es im Inland populär war, mit immer neuen Wohltaten Stimmen zu sammeln, was im übrigen alle Parteien gemacht haben. Der EU-Beitritt, und noch mehr der Beitritt zur Euro-Zone, hat das Land (wie so viele Länder in Europa!) dazu verführt, Wirtschaft über Geldinfusionen aufzublasen. Ohne daß sich ein wirklicher Markt hätte bilden können. Es fehlte einfach an Wirklichkeit!

Dann kamen die Jahre 2007 und 2008, und mit einem Mal wurden die Kreditvergabekriterien schärfer. Griechenland konnte immer schwerer seine Ausgabenpolitik finanzieren, bis es keine Kredite - die wie im Schneeballsystem nur durch immer neue, höhere Kredite "zurückgezahlt" werden konnten - mehr aufnehmen konnte. Auch stiegen die Zinsen, dem Risiko entsprechend. Trotz der "boomenden" Wirtschaft (die das nur auf dem Papier tat) hatte das Land Jahr um Jahr Defizite im Staatshaushalt aufgebaut, die zusätzlich finanziert werden mußten. 

Der Leser möge den Artikel studieren, den der VdZ im Netz fand. Wo der internationale Bankmanager Klaus Kastner die Zustände in Griechenland VOR wie nach dem Zusammenbruch der Zahlungsfähigkeit des Landes beschreibt. Und Gedanken darüber anstellt, was schiefgelaufen ist, und was man hätte besser machen können. Denn gerettet hat man 2011 nicht das Land. Gerettet hat man die Banken, das ist nun einmal so. Indem man gegen den Grundsatz freier Marktwirtschaft verstoßen hat und Geldgeber durch Umwälzung der Kredite auf die Steuerzahler im Norden und Westen Europas aus der Haftung nahm. 

Obwohl sich für Griechenland rein gar nichts dadurch geändert hat. Aber nun ist das Land auf Jahrzehnte in seiner Wirtschaftsdepression festgenagelt, weil das Entschiedende - Strukturveränderungen auch in der Verwaltung, Investitionen in die Wirtschaft und in die Infrastruktur - nicht geschehen ist und nunmehr auch künftig nicht geschehen kann. Denn Griechenland hat dafür schlicht und ergreifend kein Geld, und wird auch keines haben. Die Staatsausgaben sind nach wie vor hoch, die Schulden exorbitant (das Doppelte des jährlichen Bruttoinlandsprodukts BIP), die zu erwartenden Steuereinnahmen niedrig. Denn Griechenland hat heute gerade noch 75 Prozent seines BIP vor dem Staatsbankrott. Die Arbeitslosenrate liegt bei 25 Prozent, die Jugendarbeitslosigkeit bei 50 Prozent. Über 500.000 Griechen haben in den letzten Jahren ihre Heimat verlassen, und es sind die mit der besten Ausbildung, die gehen.

Nach wie vor wird in Griechenland weit mehr importiert als der dortigen Volkswirtschaft gut tut. Wie das geht? Über das neue Verschuldungsinstrument, das vor etlichen Jahren eingeführt wurde und den kryptischen Namen "Target 2" trägt. In diesem System "bezahlen" die Staatsbanken die Unternehmen, "bezahlen" also so die Importe, während diese Schulden in einer Art offenen Bilanz aufgeschrieben werden. So kam Deutschland, der Exportweltmeister, zu einem Forderungsstand gegenüber maroden Staaten, die mittlerweile 1 Billion Euro ausmacht. Und für die der deutsche Steuerzahler über die Deutsche Bundesbank haftet. Umgekehrt haftet der Staat Griechenland für diese Bilanzkredite, ohne daß sich jemand vorstellen kann, wie diese Lieferschulden jemals rückgezahlt (beglichen) werden sollten.

2011, so Kastner, wären die Chancen noch halbwegs gut gestanden, daß Griechenland sich mit den Banken an einen Tisch gesetzt und durch ein Schuldenmoratorium samt befristeter Zinsaussetzung seine Handlungsfähigkeit zurückerhalten hätte. Man hätte Spielraum gehabt, die Verwaltung zu reorganisieren (die maßlos und sinnlos aufgebläht ist), die wuchernden Sozialmaßnahmen rückbauen, und gezielt Investitionsanreize (auch durch befristete Kreditgarantien) für die Unternehmer zu setzen. Vor allem hätte man die Importe (die nur die Inlandsproduktion verdrängt und ersetzt haben) restriktiv behandeln, zurückdrängen, und damit die Nachfrage im Inland befeuern können. Ja, Athen hätte sogar Anschubkredite aufnehmen weil Druck auf die Banken ausüben können: Wenn die nicht zugestimmt hätten, hätten sie eben Kredite abschreiben müssen. Und darüber wären die Eigentümer der Banken sicher nicht glücklich gewesen.

Eventuell hätte Griechenland auch wirklich den Euro verlassen müssen. Der Bankmanager meint freilich, daß das sogar "still" möglich gewesen wäre. Man hätte nur den Euro im Land "wie die Drachme behandeln" müssen. Dem VdZ ist aber nicht ganz klar, wie das gemeint sein könnte. In jedem Fall, da kann auch der VdZ mit, hätte sich Griechenland aus dem Marktfeuer herausnehmen, die Produktivität im Land heben, die eigene Währung somit stabilisieren (also Geld mit Arbeit und Produktion zur Deckung bringen) müssen, ehe es seine Grenzen vorbehaltlos wieder einem internationalen Markt öffnet. Wie es ja der Sinn der EU und vor allem des Euro ist.

Interessant, daß Kastner mit dem rasch zur Legende als "einsamer Kämpfer für die von den bösen Banken Unterdrückten"- die Rede ist von Yanis Varouflakis (der erst in diesen Wochen ein Buch auf den Markt gebracht hat, in dem er sich als Robin Hood präsentiert) - recht nüchtern und damit kritisch umgeht. Denn der hatte ja schon lange vor 2011 von einer Konzentration auf das eigene Land gesprochen, und seine Vorschläge waren ursprünglich auch recht brauchbar. Aber aus einem nicht nachvollziehbaren Grund hatte sich der Mann, kaum daß er Finanzminister war, in den Kopf gesetzt, den Euro zu retten - statt die radikalen Schritte zu setzen, die sein Land gebraucht hätte, und von denen er lange ja immer gesprochen hatte. Damit hat Varouflakis selbst dem Bail-out der Banken die Tore geöffnet, und die Troika, also das Kuratel, unter das Griechenland gestellt ist, ins Land geholt. 

Der ja von Merkel (et al.) immer damit begründet wurde, daß "ein Fall Griechenlands ein Fall des Euro, ein fall des Euro aber ein Fall der EU" wäre. Bis heute ist nicht nachvollziehbar, warum das unausweichlich - "alternativlos" - gewesen sein sollte, erstens. Und zweitens ist das, was heute über Griechenland verhängt ist, nichts anderes als ein zeit- und uraschenverschlepptes Nachholen dessen, was vor etlichen Jahren mit entschlossenem Handeln auch passiert wäre. Denn Griechenlands Jetztzustand wird zwar aus nachvollziehbaren Gründen von eben diesen Politikern Europas als "Erfolg der EU" dargestellt - aber das Land ist im Grund eine Leiche. Und es bleibt ein Rätsel, wie die sich in den nächsten 20, 30 Jahren, ja überhaupt wiederbeleben sollte. 

Hätte man 2011 aber einen anderen Weg gewählt - eben die Banken NICHT aus der Haftung zu lassen! - wäre (über ein Stundungsmoratorium, sagen wir auf 50 Jahre) vermutlich nicht einmal viel abzuschreiben gewesen. Nicht jedenfalls die 200 Milliarden, die seither nach Athen geflossen sind. Und NICHTS, wirklich nichts fundamental geändert haben.

Auch, wenn Athen ab 1. August 2018 keine weiteren "Hilfen" aus Brüsseler Stuben mehr bekommt. Woher aber sollte plötzlich der nun notwendige Jahres-Budgetüberschuß von 3 Prozent in Athen erwirtschaftet werden? Wo doch Griechenland seit seiner Unabhängigkeit im 19. Jahrhundert (sic!) nicht ein einziges Jahr hatte, bei dem das Staatsbudget solche Überschüsse ausgewiesen hätte? Hat man vergessen, was immer über Athen gesagt wurde? Alles ändert sich - aber Griechenland wird sich nie ändern.




*270818*

Freitag, 10. August 2018

Griechenland kann man nicht schönreden

Warum alle Medien es nachgebetet haben, ohne auch nur etwas zu recherchieren, bleibt ein Mysterium. Denn da hieß es landauf landab in Schlagzeilen, Deutschland habe an der Griechenlandhilfe bisher über zwei Milliarden Euro an Zinsen verdient. Das Motiv für so eine Schlagzeile ist freilich kein Mysterium, da soll der Boden aufbereitet werden, der Leser möge selber seinen Reim darauf machen, wofür. 

Die Wahrheit sieht nämlich ganz anders aus. Und der Deutschlandfunk bringt sie in einem Interview mit dem CDU-Haushaltsexperten Klaus-Peter Willsch. Mitnichten und -neffen hat Deutschland auch nur einen müden Cent damit verdient. Da könnten lediglich die Grünen im Berliner Bundestag keine Budgetzahlen lesen, die das verbreitet haben. Selbst die Zinsen aus den Anleihen, auf die sie sich bezogen, mit denen die Griechenlandhilfen technisch durchgeführt wurden, wurden rückgeführt, obwohl denen weit höhere Kosten und vor allem Risiken gegenüberstehen. Stattdessen hat die Griechenlandhilfe so viele Milliarden gekostet - und wird noch viel mehr kosten - daß einem der Kopf vor so vielen und so hohen Zahlen schwirren könnte. Die Staatsverschuldung ist dennoch weiter gestiegen, von 160 auf 180 Prozent des BIP, das ist das Dreifache der offiziellen Euro-Kriterien.

Und ein Effekt ist mehr als fraglich, nüchtern betrachtet gar nicht vorhanden. Denn wenn es auch gerne einmal heißt, daß es mit Griechenland langsam wieder bergauf gehe - Willsch sieht das überhaupt nicht so. Gar nichts hat sich geändert, meint er. Es blieb in Athen bei Beteuerungen und Ankündigungen, Maßnahmen gab es so gut wie keine. Lediglich den Rentnern geht es schlecht wie noch nie. Die Mentalität am Hellespont aber hat sich nicht nur nicht geändert, sie ist sogar angesichts eines winkenden weiteren "Bail-out" (also eines Rauskaufs aus den Schulden durch andere Länder) noch weiter in die Verantwortungslosigkeit gewandert. Niemand denkt mehr darüber nach, was denn im eigenen Land schieflaufen könnte, denn die Hilfsgelder decken ohnehin alles zu. Die EU tut hier etwas, das sie von Anfang an offiziell ausschloß: Sie beträgt sich als solidarische Haftungsanstalt. Und das darf niemals eintreten, so der CDU-Haushaltsexperte.

Damit Griechenland wieder auf die Füße kommt, gibt es eben nur ein Rezept: Ausstieg aus dem Euro, und ein Schuldenschnitt nach einem Staatsbankrott. Solange das nicht geschieht, befindet sich das Land in einem Dauerkollaps.





*250618*

Donnerstag, 23. Juni 2016

Vernunft, Medea und Brexit (2)


Teil 2) Es geht nur - NUR - um Vernünftigkeit.
Um ein Ende der Unvernunft.




Noch einmal: Es geht hier nicht um Rassismus oder Fremdenfeindlichkeit, sondern um ein Problem, das wir nicht einmal kennen und deshalb auch nicht richtig behandeln können. Setzt man voraus, daß es dem Staat ein Anliegen sein muß, tortz der immer notwendigen und natürlichen Wechselwirkungen (also: Klein- und Kleinstkrisen) stabil zu bleiben und sein Sozialgefüge wenigstens grosso modo organisch zu halten. Und das hat sehr stark mit Zahlen zu tun, mit Mengen. Viel dringender ist also die Frage, warum die Regierungen ein Interesse daran haben (und: können sie das?), ein Problem gar nicht zu kennen, das man dem regierten Volk auflädt. Wer kann an den Auswirkungen - wie der gewaltigen Steigerung der Immobilienpreise, die so stark die angestammte Bevölkerung betreffen - dieser Zuwanderung Interesse haben? (Sofort fallen einem da ein: Investoren in Immobilien; Banken; Kapitalfonds; alle also, deren "Wert" im letzten IMMER an Immobilien hängt.) 

Aber noch etwas fällt auf, wieder und wieder, und es wird immer offensichtlicher: Weil die etablierten Parteien, weil vor allem aber der Träger der Kultur in Europa - die Kirche - sich hartnäckig weigert, die Probleme zu sehen, die Realitäten zur Kenntnis zu nehmen, sondern eine irrationale Politik sogar noch stützt, wird das "Handwerk der Vernunft" angesichts drängender Probleme immer ausschließlicher von Gruppen und Personen gefordert und erledigt, die die Entchristlichung des Abendlandes sogar noch vorantreiben. Und das ist besonders bitter, und das ist eine besonders schwerwiegende Schuld. 

Wir brauchen nicht nur eine andere Politik, wir brauchen auch eine andere Kirchenführung, einen anderen Klerus. Die wieder offen sind für Vernunft. Dann werden sie die Völker wieder führen können, denn dann werden sie ihnen wieder folgen.*

Und sämtliche - sämtliche! - Bewegungen in Europa, die das herschende System gefährden, und es sehr real gefährden (und das muß offenbar so sein), sind keine unmoralischen und rechtsradikal-destruktiven Bewegungen. Dazu macht man sie nur, und dazu werden sie werden, weil die Reaktion flächendeckend so lächerlich irrational ist. Sie sind ein Aufschrei - NACH VERNUNFT.

Aber man resigniert allmählich. Offenbar muß es so sein. Offenbar hat es das Establishment darauf angelegt, eine Bewegung zu schaffen, die mit diktatorischem Impetus sich selbst verfehlt, weil man sie in anhalender Vernunftverweigerung zu diktatorischen Maßnahmen zwingt. Frei nach dem Motto: Dann wollen wir Euch wenigstens in jenen Abgrund mitreißen, in den wir uns gestürzt haben. 

Der VdZ hat immer gesagt: Der aktuellste Mythos der Gegenwart ist MEDEA. Medea ist aktueller denn je: Wenn wir schon nicht die Kinder haben können, dann sollen sie auch Euch nicht gehören. Dann töten wir sie.









*Wer immer eine Gruppe von Menschen geführt hat, wirkich geführt hat, das heißt: auch Ziele erreicht hat (wie es praktisch jeder mittelständische Unternehmer tut), der weiß, daß das Wesentliche an Führung nicht ist, daß man jedes Detail kennt, jedes Problem selber lösen kann, im Gegenteil, dafür hat man ja Glieder dieses Organismus. Aber der wird als Führer aktzeptiert von dem alle wissen, daß er jederzeit bereit ist, VERNÜNFTIG zu handlen, VERNÜNFTIG zu entscheiden. Das baut sogar jenen Vertrauensvorschuß auf der gewährleistet, daß Gehorsam und Motivation selbst dann herrrscht, wenn der Einzelne eine Entscheidung nicht versteht. Solange das gewährleistet ist, ist auch Anerkennung von Autorität keine Frage. Vernunft ist das ganze Geheimnis von Führung! Vernunft ist auch das Geheimnis eines Staates. Aber gegen diese Vernunft wurde seit Jahrzehnten massiv verstoßen. Sowohl in der Politik wie in der Kirche. 

Und der VdZ behauptet sogar, daß es diese ERFAHRUNG DER VERNUNFTLOSIGKEIT ist, die so gut wie alle der bekannten Probleme mit den aktuellen Zuwandererwellen überhaupt erst AUSLÖSEN. Denn kein Mensch fügt sich einer vernunftlosen Ordnung. Also - auch kein Zuwanderer. Migration, Zuwanderung (und selbst die Christianisierung!) hat historisch nur dann "funktioniert", wenn die Zuwandernden die Ordnung des Ziellandes (oder der anderen Religion) als vernünftig, ja sogar überlegen vernünftig angesehen haben. Sonst wurde Zuwanderung zur Okkupation.






*110616*

Mittwoch, 22. Juni 2016

Vernunft, Medea und Brexit (1)

Hier ein faktenreicher und gut argumentierter Standpunkt eines Briten zur bevorstehenden EU-Abstimmung in Großbritannien, der sehr stark vom Standpunkt der Zuwanderung auf die Insel ausgeht. Dabei geht es überhaupt nicht um Rassismus oder Ablehnugn anderer Ethien. Es geht um die Fähigkeit einer Kultur und eines Staatsgefüges, sich selbst zu bewahren und stabil zu bleiben, das nur eine bestimmte Menge an Zuwanderung verträgt, will es nicht zum Land der anderen werden. Auf die Spitze getrieben: Wenn alle Japaner nach China auswandern, und alle Chinesen nach Japan, dann bleiben die herkömmlichen Heimatländer nicht mehr China oder Japan, sondern es sind neue Staaten mit neuen Kulturen. 

Das ist schon deshalb von gewisser Pikanterie, weil die Zuwanderung nach Großbritannien ja aus bestimmten Gründen erfolgt: WEIL eben Großbritannien so ist, wie es heute ist. Aber das wird nicht so bleiben, bleibt alles gleich, und das ist auf den ersten Blick absehbar, und keine dumpfe Angst oder Fremdenphobie: Die derzeitige Politik verändert den Charakter und die Lebensweise der Bevölkerungen Europas nicht ein wenig, sondern grundlegend. Weil es ignoriert, daß Zuwanderung, Integration ein Prozeß ist, der viele viele Jahre und Generationen braucht, der eine starke Heimatkultur braucht IN DIE es erst möglich ist integriert zu werden. Es braucht klares Bewußtsein, daß Zuwanderung nur eine bestimmte Grenze verträgt, sonst wird sie zur Umvolkung, zum Auslöser eines irrationalen, zur bewußten Auslösung eines chaotischen Prozesses. Das mit "Angst vor Veränderung" oder Xenophobie oder Rassismus zu verleumden ist nur eines: Infam! Niederträchtig.

Dazu etliche Zahlen (aus dem Video):

Zwischen 1995 und 2015 sind 8,5 % der angestammten Bevölkerung Großbritanniens zusätzlich dazugekommen. Darunter alleine 850.000 Polen. Niemand hat etwas gegen Polen oder wen auch immer. Aber sie brachten eine ganze Reihe sozialer Probleme mit. Denn damit stieg die Nachfrage nach bestimmten Produkten, wie Wohnungen, und das hat die Preise dafür in die Höhe getrieben. Während das Überangebot an Arbeitskräften die Löhne nach unten drückte. Das gesamte angestammte Lebensgefüge der Briten - und das Inadäquatwerden von Preisen ist ein sehr guter Parameter, um das zu erkennen - ist damit massiv umgewichtet worden.

Der Film zeigt auch eine interessante Diskrepanz auf: Denn während die offiziellen Zuwanderungszahlen von rund 3 Millionen Zuwanderern (bei rund 1 Million Abwandernden) in den letzen 10 Jahren ausgehen, weist die Zahl der Versicherten (das sind NICHT die Beitragszahler, sondern jene, die vom Sozialsystem profitieren) aus EU-Staaten alleine (!) einen Netto-Saldo von über 4 Millionen aus. Bei Zuwanderern aus Ländern wie Rumänien und Bulgarien klaffen diese Zahlen sogar um den Faktor 4 auseinander. 

Das läßt sich auch nicht mit den kurzzeitigen Zuwanderern (unter einem Jahr Aufenthalt) argumentieren. Die offiziellen Zahlen übernationaler Organisationen und nationaler Regierungen, die Migrationszahlen veröffentlichen (die derzeit nur geschätzt werden können), können also gar nicht stimmen. Die Zuwanderung in das Sozialgefüge Großbritanniens ist mindestens doppelt so hoch wie die reinen Zuwanderungszahlen bekanntgeben. Und das betrifft erst einmal Länder, die wenigstens einen halbswegs kompatiblen kulturellen Rahmen haben.

Weit dramatischer und in den Folgen umfassender (u. a. durch eine weit höhere Geburtenrate als im EU-Schnitt) stellt sich nämlich die Zuwanderung nach Großbritannien aus Nicht-EU-Ländern dar, die seit 25 Jahren jährlich rund 200.000 Zuwanderer betreffen. 550.000 Pakistani und 760.000 Inder bilden mittlerweile schon eine regelrechte Sub-Population. Und diese Zahlen sind nur Schätzungen.

Bei anhaltend gleichen (!) Immigrationszahlen wie in den letzten 20 Jahren wird sich die Bevölkerung Großbritanniens in den nächsten 20 Jahren von derzeit 64 Mio. auf 74 Mio erhöhen. Das alleine wäre keine Aussage, wenn man nicht berücksichtigt, daß es dabei innerhalb der Bevölkerung zu massivem Verschiebungen der Ethnien und ihrer kulturellen Hintergründe kommen wird. Diese 20 Jahre sind ein Zeitraum, in dem sich diese Zuwanderer selbst bei der optimistischen Annahme, daß sie dann auch zu Steuerzahlern werden, als gewaltige Belastung für Sozial- und Steuersysteme darstellen. Alleine von Mitte 2014 bis Mitte 2015 betrugen die offiziellen Netto-Kosten der Nicht-EU-Zuwanderung mit 15,6 Milliarden Pfund (rd. 20 Mrd. Euro). Darin sind aber die allgemeinen Kosten - Infrastruktur (Schulen, Ärzte und Krankenhäuser, Polizei, etc. etc.) - noch gar nicht enthalten. Sämtliche Prognosen bestätigen, daß der vorgegebene fiskalische Netto-Gewinn nicht nur nicht eintreten wird, sondern daß die Kosten für die Migration in den nächsten Jahren explodieren werden.

Zum Vergleich: Die Bevölkerungsdichte Englands (innerhalb von GB) ist bereits heute etwa so groß wie die von Indien. (Was man im übrigen von den meisten europäischen Staaten sagen muß; dieses Faktum wird meist vergessen.)

Aber nehme man die über 4 Millionen syrischen Flüchtlinge, die derzeit in den Ländern rund um Syrien untergebracht sind und denen aus humanitären Gründen keiner die Hilfe verweigern will. Eine weitere Rechnung zeigt aber die Sinnlosigkeit der derzeitigen Syrien-Flüchtlingspolitik:  Denn die Kosten der derzeitigen Vorgangsweise, Syrer nach Europa (England) zu holen, betragen - unabhängig von allen kulturellen Problemen, die man den Flüchtlingen selber zumutet - das VIERFACHE dessen was es kosten würde, sie im Nahen Osten (wieder bzw. neu) anzusiedeln. Zudem hat sich die EU erpreßbar gemacht, und sie wird auch erpreßt. Nicht nur von der Türkei, sondern auch von Griechenland, das weitere Milliarden zur Verhinderung des Staatsbankrott offen mit dem Hinweis verlangt hat, daß es sonst Millionen Flüchtlinge mit Schengen-Papieren ausstatten und nach "Berlin" weiterschicken würde.

Es zeugt keineswegs von einem verlockenden EU-Geist, wenn einzelne Länder die Migrationsfrage als Bio-Waffe benutzen, um Gelder von der EZB zu erhalten. Ist das der Geist der europäichen Solidarität? Will man wirklich in einem solchen "Club" Mitglied sein, der einen eigentlich nur wehrlos macht, und wo Solidarität als Erpreßbarkeit verstanden wird? Eine EU, die nun sogar die Türkei aufnehmen will (aus demselben Grund: weil sie sich erpressen, ihre Unfähigkeit Probleme zu lösen durch Selbstverkauf verschleiern will) - wo Umfragen nach 12,6 Millionen (muslimische) Türken erklären, daß sie nach Großbritannien auswandern wollen, sobald ihr Land in der EU ist?
Die EU ist nicht in der Lage, die wirklichen Probleme, die nüchterne Überlegung aufzeigt, zu lösen, ja sie will sie nicht einmal zur Kenntnis nehmen. Sie ist irrational, konzeptlos und fast unfähig zu handeln. Aber an diese Migrationspolitik ist Großbritannien durch seine derzeitige EU-Mitgliedschaft gebunden.


Morgen Teil 2) Es geht nur - NUR - um Vernünftigkeit. 
Um ein Ende der Unvernunft.





*110616*

Freitag, 6. Mai 2016

Fehlertyp Griechenland

Es ist natürlich eine interessante Frage, die die Agenda Austria da in einer ihrer gar nicht seltenen Schnapsideen stellt: Denn zwar nähert sich der nächste Tag der Zahlungsunfähigkeit Athens, aber die Frage nach einem Schuldenschnitt muß sich der Frage stellen, ob denn Griechenland wirklich unzumutbar hohe Schulden überhaupt habe!? Ob es nicht - in Portugal, Spanien, Italien - Staaten in Europa gibt, die sogar noch höhere Schulden und damit Zinsenlast zu tragen hätten, ohne daß sie nach Schuldenschnitt verlangten. Die aber nach wie vor festen Willens seien, diese Schulden auch zurückzuzahlen. 

Dazu komme, daß Griechenland von extrem niedrigen Zinsen profitiere (wobei ja der ESM mit seinen auf ganz Europa umfassenden Zinsniveau ohnehin bewirkt hat, daß die Höhe der Zinsen die ein Land zu zahlen hat seine Bonität gar nicht mehr ausdrücken.) Sodaß die jährliche Zinslast Athens gerade 4 % des BIP betrage, was durchaus europäisch üblich sei. Würde man mit einem (neuerlichen) Schuldenschnitt aber nicht das falsche Signal geben? Denn diese nüchternen Fakten würden doch belegen, daß es nicht an den Schulden, sondern an der Fiskalpoltik Athens liege, daß das Land schon wieder zahlungsunfähig sei. Athen, so Agenda Austria, soll aber doch endlich jene Reformen und Sparmaßnahmen und Liquiditätshebel durchdrücken, zu denen es sich doch verpflichtet habe, und die Voraussetzung für die bisherigen Rettungsmaßnahmen gewesen sind?

Tja, werte Herrschaften, hier stoßen wir an mehr als an rein politische Unwilligkeit. Hier stoßen wir an ein Grundproblem des westlich-kapitalistischen Systems. Der Fehler Athens war dabei nicht, zu hohe Schulden durch zu freimütige Ausgabenpolitik aufgeladen zu haben. Der Fehler Athens war ein gewissermaßen "akademischer" Fehler, denn es ist der Fehler jeder sogenannten volkswirtschaftlichen Betrachtung. 

Die bei der Betrachtung von Volkswirtschaften von mathematisch abstrakten Modellen ausgeht. In diesen Modellen ist auch die Rechnung restlos aufgegangen, daß eine Stärkung der Kaufkraft durch willkürliche Erhöhung des Einkommensniveaus in Griechenland auch das volkswirtschaftliche Niveau in die Höhe treiben würde. Also ist es durchaus zulässig, die Schulden zu erhöhen, weil sie mit dem erwarteten höheren Niveau der Steuereinnahmen auch wieder bedienbar werden. Im besten Fall muß ein Land dazu an anderen Stellschrauben drehen - die ganz einfach die Produktivität der Wirtschaft erhöhten. Wozu kräftige Investitionen in Infrastruktur gehören, sei es in Datennetzen, Autobahnen, Brücken oder Handelsschrankenabbau. Dann würde sich das schon regulieren. So jedenfalls schaut es am Schreibtisch aus. Da, werte Herrschaften auch einer Agenda Austria, DA hätten wir Ihre warnenden Stimmen gebraucht, ihren Widerstand, ihre Zeitungsartikel. Wie sie der VdZ übrigens vorzuweisen hat. Der seit je unter dem Wortgeprassel von "Ostphantasie" und "Strukturwandelinvestitionen im Mittelmeeraum" Hautausschläge bekam weil sie jeder unternehmerischen Erfahrung und Seriosität widersprachen.

Aber daran haben sowohl Athen als auch die EU gerne geglaubt, denn das Modell ist einfach verführerisch. Und plötzlich kostete der simple Ouzo nach dem Essen auf Designgeschirr auf einem mit Hotelbetonschachteln zugewüsteten Pathmos mehr als in der Beckerstraße in Hamburg. Man hat nur eines übersehen - diese Gespinste und Vorstellungen von Prosperität sind einfach nicht wahr. Sie sind vielmehr Leiden.

Sie sind nicht wahr, weil in der Realität ganz andere und höchst komplexe Wirkmechanismen im Spiel sind. Mechanismen und Haltungen, die nicht einfach per Schreibtischentscheid zu verändern sind. Das glauben nur Vorzugsstudenden der WU Wien oder Harvard. Faktoren wie die Einstellung eines Volkes zur Arbeit sind nicht nru "auch wichtig", sondern sie sind Grundlage.

NEIN, wir wollen hier nicht und niemals den Griechen Faulheit vorwerfen! Dazu müßte man nämlich erst einmal argumentieren, warum die nordeuropäisch-puritanische Fleißgetriebenheit tatsächlich ein besseres Leben bedeutet. Ein Fleiß, der in der Moderne ein immer größer werdende Persönlichkeitsfelder fordert, in welche der Mensch sich fragmentieren. Als Arbeitender wie als Bewohner. Wo sich seine Leistung wie sein tägliches Leben von seiner Personsganzheit abtrennt, sich selbst maschinisiert, sich selbst instrumentalisiert und mit Zwängen und Zwangskreisläuften erwürgt. 

Dazu ist der Anwohner des Mittelmeerraumes per se wenig geneigt, und das war immer schon so. Selbst den alten Römern, selbst den alten Griechen warf man schon vor, daß sie die Arbeit nicht gerade erfunden hätten, sogar stinkfaul und arbeitsscheu waren. Die Römer überhaupt lebten lieber von Kapitaleinkommen und Wucher, als es keine neuen Eroberungen mehr zu plündern gab, und kein noch so etatistischer Kaiser (die Geschichte Roms seit Caesar ist eine einzige Geschichte des Zentralstaates und des Etatismus) hat das verändern können, und kein noch so restriktives Gesetz das Arbeit erzwingen wollte konnte ersonnen werden, das nicht binnen kurzem wieder umgangen wurde. (Die diesbezügliche Wirtschaftsgeschichte Ignaz Seipels ist hier übrigens brillant und ein Geheimtip!)

Die Wahrheit über Griechenland (und gar nicht wenige andere Länder, machen wir uns doch nichts vor) ist, daß man seine Zahlungsfähigkeit der tatsächlichen Leistungskraft anpassen hätte müssen. Seit je. Jetzt zu verlangen, daß es diese Leistung eben erhöhen müsse, auf das Niveau der Schreibtischmathematiker zu bringen habe, die von einem Menschen ausgehen, der bestenfalls in Nordeuropa vorkommt (und über die Nebenkosten und -effekte wollen wir hier gar nicht reden), ist alles andere als menschlich. Es ist schlicht dumm.

Daß man den Menschen dieses Raumes sogar eine gewisse Kindlichkeit zuschreiben muß (eine Aussage, die einmal ein - deutscher - Beichtpriester dem VdZ gegenüber geäußert hat, nachdem er verschiedentlich in Rom als Beichtiger ausgeholfen hatte), ist ebenfalls kein Grund. Darin liegt nämlich sogar eine poetische Kraft, die zu berauben ein Verlust für die Menschheit wäre und dem im Rationalismus und dem darauf ruhenden Kapitalismusverständnis tiefgefrorenen Nordeuropäer eines Tages noch wertvollste Regenerationsquelle am Weg zurück zum Menschen sein kann. 

Dieses "Kind Athen", dem man keineswegs ohne Eigeninteresse mit dem randvollen Korb voller Erdbeeren und Hüftsteaks vor den Augen herumgetanzt ist, Erdbeeren und Steaks, die man in Wirklichkeit dorthin zu verkaufen hoffte, WENN diese Länder eben auch so eiskalt ihr Leben den Wirtschaftsmaschinerien ausliefern würden, hat einfach der Versuchung oder gar dem Druck nachgegeben. 

Die EU braucht schon seit Jahrzehnten "Hoffnungsgebiete" - und das heißt praktisch immer, siehe Osteuropa, Gebiete mit einer weit weniger auf "Effizienz" ausgerichteten Wirtschaftsgebahrung als Lebensvollzugsgebahrung von Völkern - in die sie ihre unter Schulden nur so ächzenden Wirtschaft durch neu gewonnene Zukunft (die ja nur heißt: als geglaubte Zukunft) ihre unter mathematischen Gesetzen aufgezogene Überproduktion liefern können. Man gibt dazu hier den Kredit, mit dem dort diese Produkte gekauft werden können. Und schon sind tausende Unternehmensbilanzen wieder gerettet. Die sich selbst nur noch dem Umstand verdanken, daß sich nordeuropäische Menschen so bereitwillig rein mathematisch-abstrakten Anforderungen unterwerfen. Und "Maschinen auslasten", anstatt ihr Leben zu gestalten, die leben um zu arbeiten, statt arbeiten um zu leben. 

Aber dazu waren die Griechen ganz einfach nicht bereit. Sie haben mit derselben, in einer ganzen Völkergeschichte erwachsenen Lebenshaltung auch das zufließende Geld betrachtet. Als die EU nach Cypern-Süd Milliarden verschob, um die dortige Wirtschaft über "Unternehmenskredite" auf Vordermann zu bringen, fuhren bald auffällig viele nagelneue Mercedes übers Land. Grund? Wer einen Mercedes wollte, meldete nun einfach ein "Taxiunternehmen" an - und schon floß Geld. Und jeder Bürokrat wars zufrieden, weil Cypern plötzlich so viel unternehmerische Aktivität bewies. Den Rest der Geschichte kennen wir ja. Auch Cypern mußte gerettet werden, wobei man in dem recht überschaubaren Land (sinnbildlich) einfach ein paar Luxuskarossen wieder zurückforderte.

DAS sind die Realitäten auch in Athen und auf den Inseln des Dodekanes. Sie haben sich um den Ehrgeiz einiger Politiker in Brüssel und im Parlament in Athen einfach nicht gekümmert. Und haben genommen, was man ihnen anbot - um eben wie bisher einfach zu leben, und zu arbeiten, was eben dafür gerade notwendig war. Und ging es ihnen damit nicht immer gut?

Nun besteht aber freilich das Problem, daß dieses Land durch europäischen Strohkopf, der wirklich daran glaubt, daß Wirtschaft ein mathematisches Rechenspiel ist, in all seinen ehedem gewachsenen Strukturen, wo ein Rad ins andere griff und irgendwie so alles funktioniert, soweit es eben notwendig und angeboten und nachgefragt war - man nennt das übrigens: freier Markt! - zerrüttet ist. Vermutlich nachhaltig. Nordeuropäisches Geld (wir rechnen der Einfachheit halber auch den anglo-amerikanischen Raum dazu) hat jedes gewachsene Wertgefüge völlig durcheinandergebracht. Bis sich das wieder einrenkt werden vermutlich Generationen vergehen. 

Die Rückzahlungskraft der Griechen aber sollte man besser an dem bemessen, was sie VOR der europäischen Hochschaubahn hatten, in die man sie eingeladen hatte. Und ihnen den Gefallen tun, sie aus der Zwangsjacke des Euro wieder freilassen. Der Schaden ist auch jetzt schon groß genug. Er wird nicht kleiner. 

Stattdessen sollte Europa daraus seine Lehre ziehen, die die gute alte österreichische Schule der volkswirtschaftlichen Betrachtung schon seit 150 Jahren anempfiehlt, und die sich immer wieder bewahrheitet: Keine Volkswirtschaft der Welt kann durch Geld und Geldzuflüsse "gehoben" werden. Sie wird dadurch aber mit Sicherheit ruiniert.

Das sollten sich auch die Wohlstands-, Ungerechtigkeits- und Gleichheitsphantasten auf die Ohren schreiben die da glauben, daß es lieb, nett oder gar christlich wäre, mit Geld um sich zu werfen. Denn DAMIT ist buchstäblich niemandem geholfen. Damit wird aber jeder ruiniert, weil sich sein Wertgefüge nicht gemäß seiner Persönlichkeit entwickelt und er auf jeden Fall dadurch in der Sittlichkeit absinkt. Wahre Wirtschaft gründet vielmehr immer in der Religion der Menschen selbst, denn auf ihr ruht jene Sittlichkeit auf, aus der heraus man die Welt gestaltet und in Angriff nimmt, als Auftrag versteht. Das vergißt heute offenbar selbst schon der Vatikanchef und dessen Moralentourage.





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Donnerstag, 25. Februar 2016

Eine Lawine beginnt sich zu lösen

Der Bayernkurier berichtet, daß die Zahl der nach Deutschlang Zuwanderung begehrenden und die Grenze überschreitenden Menschen im Jänner 2016 das 20fache der Zahlen von 2015 betrage. Täglich, und das bei diesen winterlichen Verhältnissen, kommen 1500 bis 2100 Zuwanderer ins Land, von denen die deutsche Polizei mangels Kapazität kaum 10 % überhaupt registrieren kann. Berichte, wonach täglich bis zu 200 Zuwanderer an der deutschen Grenze abgewiesen und zurückgeschickt werden wirken da wenig vielversprechend. So, wie Berichte häufiger werden, daß Gemeinden an die Grenze ihrer Leistungskraft in der bloßen Aufnahme und Versorgung von Zuwanderern gelangt sind, und Zeitungsmeldungen immer alltäglicher werden, daß Behörden Häuser konfiszieren.

Aber sobald die Witterungsverhältnisse wärmer werden, steht eine noch bedeutend größere Lawine ins Haus. Derzeit stauen sich schon hunderttausende Menschen in Griechenland und Mazedonien bzw. auf der Balkanroute. Alleine im November haben noch 150.000 Menschen die Türkei nach Griechland hin verlassen, die zusammen mit weiteren Hunderttausenden nun auf ihre Weiterreise bei besserer Witterung warten.

Was aber am meisten zu befürchten ist ist, daß sich Millionen Wirtschaftsflüchtlinge von Afrika bis Pakistan bereits auf den Weg gemacht haben oder bald machen, die nur die Jahreszeit noch etwas zurückgehalten hat. Denn seit letztem Sommer sind in allen diesen Ländern die Bilder von der Willkommenskultur in Deutschland über die Fernsehschirme geflackert und haben gar nicht abschätzbare Menschenmengen ermuntert, den Vorbildern zu folgen. Denn man sah mit Staunen: Es gibt in Europa keine Schranken, keine Grenzen, und keine Einwanderungshürden.* Im Gegenteil, die Zuwanderer werden sogar noch ... chauffiert. (Jemand nannte das Spektakel deshalb "Zuwanderungstourismus".) Außerdem winkt ihnen hier Rundumversorgung zumindest für die absehbar langen Monate und Jahre der Behandlung ihrer Asylanträge.

Nicht zuletzt hat sich viel Know How angesammelt, sodaß die nächsten Wellen immer besser auf den Marsch nach Europa vorbereitet sein werden. (Auch in der PR, davon kann man ausgehen. Die nächsten erschütternden Bilder von ertrunkenen Fünfjährigen, die am Strand liegen, sind vorprogrammiert.) Von französischen Beobachtern wird vermeldet, daß sich etwa im Sudan große Mengen an Auswanderungswilligen vorbereiten, und Griechenland berichtet über eine starke Zunahme von Afghanen und Nordafrikanern bei den Grenzübertritten im Jänner.


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Leser J sandte dem VdZ dieses 4min. Video. Es nimmt die seltsamen Erzählungen ins Visier, daß der "reiche Norden" dem "armen Süden" durch Zuwanderung oder Umverteilung die Last der Armut abnehmen könne. Das ist schon aus den reinen Mengenverhältnissen heraus eine pure Illusion, wie Roy Beck anschaulich demonstriert. Der Wohlstand, der die Armut besiegt, muß in diesen Ländern (und deren Menschen) selbst produziert werden, anders geht es nicht.





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*Man weiß außerdem längst, daß selbst noch so vollmundige Beteuerungen, Abschiebungen durch Rückverbringungen in die Herkunfstländer vorzunehmen nicht nur an den technischen Möglichkeiten scheitern müssen, sondern daß die Herkunftsländer die Migranten, die häufig gar keine Papiere (mehr) haben weil diese entsorgten, gar nicht mehr zurücknehmen. Dabei wird die Quote an wirklich Asylberechtigten nach hiesigen Gesetzen und Normen auf vielleicht 20-30 % geschätzt, der Rest hat überhaupt keine Chance, weil sein Herkunftsland als sicher gilt. Was man mit diesen Millionen macht, weiß derzeit offenbar noch niemand.



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Samstag, 30. Januar 2016

Ein beißbereiter Präsident

Als Ungarn vor einem halben Jahr unter dem Eindruck und der richtigen Analyse, was da abläuft und deshalb noch kommt, nach Wochen der ersten Schockstarre seinen Beitrag zum Schengen-Vertrag tatsächlich erfüllte, und die EU-Schengen-Außengrenze zum Nicht-Schengen-Land Serbien (und später, in abgespecker Version, zum gleichfalls Nicht-Schengen-Land Slowenien) ganz so, wie es in diesem Vertrag als Verpflichtung zugesichert hat, durch einen Zaun dem illegitimen Übertritt zu verhindern begann, wurde es in ganz Europa auf übelste Weise beschimpft. 

Ja, Orban wurde vom Rotnaserl Schultz bei einem EU-Treffen als Diktator begrüßt, und die höchsten Ebenen überboten sich in Drohungen ob der Unmenschlichkeit dieser fasischischen Diktatur. Na, und wie erst die Medien, die ja von der Politik so abhängen, daß sich etwa in Österreich nicht eine einzige Zeitung aus eigener Kraft erhalten könnte.

Was ist aber nun passiert? Die Presse berichtet, daß Brüssels EU-Kommision gestern Griechenland gedroht habe, daß für den Fall, daß es seine Grenzen nicht augenblicklich schützt, das heißt: binnen drei Monaten (seine tausenden Kilometer Küste) so abschließt, daß niemand mehr illegitim ins Schengen-Europa einreisen kann, aus diesem Schengen-Raum defacto - durch Einführung von Grenzkontrollen gegenüber Griechenland - ausgeschlossen wird. 

Dann kann es sehen, wo es bleibt, und was es mit den Hunderttausenden macht, die bereits dort sind, oder ab dem Frühjahr Monat für Monat wieder einströmen werden. Schon jetzt steht im Raum, daß man sich um die See-Hoheitsrechte Griechenlands (Ätsch, verspielt ist eben verspielt!) eher wenig kümmern wird, um durch die Küstenwache anderer Staaten die Effektivität griechischer Einreisekontrollen zu überwachen, wie es heißt. Dann tauchen eben italienische oder bulgarische oder maltekische Schifflein samt Grenzschutztrüpplein an Bord vor Chalkidiki auf und geben den bedröppelten Griechen gehörig Zunder, pardon, "greifen ihnen unter die Arme". Das sind die mittlerweile eh gewöhnt.

Die Kommission beruft sich darauf, daß Griechenland laut ratifiziertem Schengen-Abkommen zum Dichtmachen seiner Grenzen (man nennt es freilich "Kontrolle der Einreisenden") verpflichtet (sic!) sei. Anders als mit dichten Außengrenzen kann ein quasi grenzenfreier europäischer Raum nämlich nicht funktionieren. 

Neeeeein, wirklich? Aber das hätte man doch dem Ungarn Viktor Orban auch sagen sollen?! Denn dann hätte man den ungarischen Zaun sogar noch als Niederlage dieses Faschisten verkaufen können. Indem die europäisch-solidarische Presse schreibt:  

EU zwingt Orban zum Nachgeben - Brüssel fordert sofortige Errichtung von Grenzzäunen und Auffangzonen, um Ungarns provokante Schengen-Vertragsverletzungen zu unterbinden. Merkel: Orban will Europa durch ungebremste Zuwanderung destabilisieren! Schultz: Orban will die Macht in Europa! Und Bild titelt einen obendrauf: Unter Zuwanderern nachweislich ungarische Agenten. 

Hollande sagt vorerst freilich nix, soweit bekannt. Der ruft in den Tagen darauf aber den nächsten Notstand aus und säuselt im Abendfernsehen, daß er Ungarns Laxheit als Angriff auf Frankreich werte, er habe bereits teilmobilmachen lassen, woraufhin seine Umfragewerte um gezählte 2,5 Prozentpunkte auf nun schon fast 23 steigen. Um noch einmal um einen Punkt zu eskalieren, als er sich in "France Soir" mit nacktem Oberkörper (samt dezent unter der rechten Brustwarze eintätowierter Lilie von Anjou) und geschulterter Renault-Ein-Mann-Abwehrrakete vor einem elsässischen Grenzhüttchen aus dem 1. Weltkrieg zeigt. 

Jean-Claude Juncker wollte ursprünglich ja auch aufs Bild. Von wegen Europa der Vaterländer und so. Aber er war an dem Tag in sicherheitsspezifischen Geheimverhandlungen mit Vertretern von google und facebook in Letzeburg festgeeist und hatte zur von der ausführenden Videokünstlerin angebotenen Montage ins digitale Enderzeugnis, das nun sämtliche Nachrichtenagenturen verbreiteten, ein für diesen Zweck eher unbrauchbares Photo von ihm im gepunkteten Schlafanzug gesandt. Gegen diese Punkte war auch CorelDraw 5.7 machtlos. Angeblich ein Versehen der Sekretärin, dieses Bild, angeblich habe sich Merkel sogar sehr pikant darüber geäußert, aber das sind alles nur noch Gerüchte, nur noch Gerüchte, und wir wollen hier ja substantiell bleiben.

Vertane Gelegenheiten also, wo man hinblickt. Denn das hätte man doch Erweis konsistenter Politik nennen können! In der doch wirklich jeder europäische Staatenlenker weiß, was für Europas Existenz richtig ist, was er will, wozu jeder verpflichtet ist, und wie er es einhält. Schade. Ein paar Wochen zu spät. So weit kommt's jetzt noch, daß man diesen widerlichen Nazi als Vorbild hinstellen wird müssen. 

Da kommt es doch wenigstens der Widerspruchsfreiheit der Medienerzählung zupaß, daß der momentan am nächsten Fascho-Staatsstreich bastelt, und tatsächlich das, was in Frankreich seit Jahrzehnten Dauerzustand ist - eine Präsidialrepublik mit Sondervollmacht des Präsidenten zur Ausrufung eines temporären Staatsnotstands, samt durchgreifenden Exekutiv-Vollmachten - auch in Ungarn einführen will, um nötigenfalls Terroristen effektiv bekämpfen zu können. 

Befristete Sonderrechte, wie sie übrigens jeder Staat Europas kennt, wie Einschränkung der Reisefreiheit, lokal begrenzte Ausgeh- oder Versammlungsverbote, Beschränkung der Kontakte mit dem Ausland, der Medienberichterstattung, etc. So wird es derzeit zumindest diskutiert. So besteht es in der Präsidialrepublik Frankreich seit 1955 und wurde zuletzt bei den Pariser Anschlägen 2015 angewandt. So ungefähr hat sich das auch Orban vorgestellt.

Abgesehen natürlich davon, daß so etwas wirklich martialisch klingt und einen schon einschüchtern kann, aber in allen Staaten Europas, ja der Welt möglich und in Teilen ohnehin bereits alltäglich ist (man denke dabei nur an die Medienfrage, oder die digitale Dauerüberwachung, in der einige Länder seit Jahrzehnten so tun, als wären sie in Dauer-Notstand), abgesehen davon, daß man mit solchen Dingen keineswegs spaßen sollte, und abgesehen davon, daß solche Notstandsgesetze (so wie alle Gesetze) formal nie ganz gegen Mißbrauch abzusichern sind: 

Aber das heute überhaupt erst einzuführen kann doch nur einem Neonazi einfallen. Im Notfall nicht einmal mehr mit der kaum noch 20prozentigen Oppositionsminderheit debattieren und das Landesschicksal in deren Hände zu legen in der Frage, was denn im ernsten Terrorfall zu tun sei, so wie es Brüssel seit Monaten tut? Pfui. 

Wie vorbildlich dabei doch die EU. Debattiert noch heute. Sie ist nun sogar ganz energisch im Fall Griechenland. Wo kommen wir denn da hin - da bestehen doch V e r t r ä g e, bitte, das ist ja nicht nichts, daß die einfach alle einreisen lassen, die es wollen. Ansonsten wird durchaus weiter diskutiert. Was zwar bis heute keine einzige brauchbare Lösung für ein überaus, ja in den Augen vieler EU-gefährdendes Problem brachte, was mittlerweile sogar die österreichische Politik eingestand und zu wenigstens rhetorischen eigenstaatlichen Maßnahmen schritt (und das alles will was heißen!), aber dafür blieben alle ganz demokratisch.*

Apart: Wußte der gelernte Österreicher, daß der österreichische Bundespräsident so gar nicht zufällig oberster Befehlshaber des Bundesheeres ist, zudem und nur u. a. die Regierung absetzen, das Parlament auflösen und Neuwahlen ausrufen, jedes Gesetz beeinspruchen und lange blockieren kann, wenn er behauptet, es entspreche nicht der Verfassung, und Notverordnungen erlassen kann? Daß es in Österreichs und Deutschlands Verfassung Gesetze gibt, die auf kurzem Wege und durch Einschränkung der Grundrechte aller Bürger jeden effektiver bekämpfen lassen, der die demokratische Grundordnung (das versucht ja Terror) außer Kraft setzen oder gefährden will? Dagegen gibt es keinen Rechtsweg. Dann darf in Österreich von ihm sogar das Militär unbeschränkt herangezogen werden. Selbst jeder Landeshauptmann hat in so einem Fall besondere Vollmachten, in denen er alles an sich ziehen kann, wenn der Bund nicht mehr kann. In Deutschland kann er auch die Freizügigkeit und das Brief- und Fernmeldegeheimnis aufheben. Das kann er in Österreich nur mit der Regierung zusammen.

Haben da die Väter der Verfassung wirklich an Notfälle gedacht, in denen es eine etwas entschlossenere, bündigere Führung braucht, um die Existenz des Staates auch in Ausnahmefällen zu sichern? Und warum, meint der gelernte Österreicher, legt die Parteienpolitik so großen Wert darauf, daß nur handzahm abgerichtete Kuschelonkel dieses Amt erlangen?


*Übrigens zeigt sich auch hier wieder einmal die Umkehrung des Subsidiaritätsprinzips, das die EU sogar in ihren Grundverträgen anführt, aber mal so mal umgekehrt auslegt. Weiß ja eh keiner, was damit gemeint ist. Dieses Prinzip katholischer Soziallehre und des Naturrechts besagt, daß eine übergeordnete Einheit erst dann eingreifen darf, wenn die untergeordnete eine Aufgabe im Sinne des Ganzen nicht erfüllen kann.





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Donnerstag, 10. Dezember 2015

Individualismus braucht Überblick

Es war den alten Griechen außerordentlich wichtig, in einer Welt zu leben, in der der Überblick für den Einzelnen nicht verlorenging, schreibt Robert von Pöhlmann in seiner faszinierenden Untersuchung über die Überbevölkerung in antiken Großstädten. Eine Stadt durfte nur so groß sein, daß sie für ihre Bewohner eine gewisse Familiarität nicht verlor. Die Versammlungsplätze  mußte alle umfassen können, Kultplätze allen Einwohnern Platz bieten, die Baulichkeiten für alle überblickbar und damit bewohnbar bleiben, die Märkte, die Theater - alles mußte allen vertraut und als Teil ihres Lebens integrierbar bleiben. Die Stadt konnte nur so ein für alle überblickbares Ganzes bleiben. Und nur so konnte auch ihre Demokratie funktionieren: in der Verwurzelung ihrer Bewohner, aus der alleine auch Verantwortungsgefühl und -interesse sowie Solidarität erwächst, weil alles alle direkt angeht. Bedeutung, Rang, Ansehen, Ehre blieb so im Gesamtmaß der Persönlichkeit verankert, und nur darauf kann sich die Einschätzung etwa bei Wahlen beziehen.*

Überstieg die Bevölkerung eine gewisse Größe, so verlor sich dieser Überblick, und eine anonyme Masse entstand, die den Griechen ein Greuel war - zumindest, so lange ihre Kultur und ihre politische Macht nicht im Niedergang war. Also war es notwendig, daß ab dieser Grenze eine Neugründung initiiert wurde. Ein Teil der Bevölkerung verließ die Stadt, um eine neue zu gründen. Entweder weit weg, um als immer aber eng verbundene Kolonie zu bestehen, oder aber auch in unmittelbarer, manchmal sogar direkt anschließender Nähe - doch als eigene Einheit! Für Athen hieß das, daß es in der Antike nie mit dem Hafen Piräus zusammenwuchs, obwohl es mit einer Mauer verbunden war. Beide "Städte in der Stadt" nahmen einen je ganz eigenen Charakter durch die Bevölkerung an. 

Die Baugeschichte Neapels spiegelt es als ebenso wieder. Eine Stadt folge der anderen, jeweils fast direkt vor den Toren der alten neu gegründet (Neo-polis = Neustadt). Das große Syrakus wurde sogar als "Fünfstädte-Stadt" bezeichnet, denn das Wachstum griechischer Städte fand nicht wie bei einem Baum statt, der Ring um Ring ansetzte. Sondern durch Ausgliederung und Neupflanzung. 

Die Griechen hatten in ihren Blütezeiten jenen vermassenden Zentralismus immer abgelehnt, den sie vor allem bei ihren östlichen, asiatischen Nachbarn sahen und verachteten. Deshalb hatten sie auch nie eine Reichsverfassung ausgearbeitet, sondern immer nur je städtische Verfassungen. Eine Großstadt im heutigen Sinn, aber auch im Sinn der Antike, gab es in Griechenland nie. Großstädte wie Babylon. Das so groß war, daß die Bevölkerung des einen Endes erst Tage später von der erfolgten Einnahme der Stadt durch Feinde hörte. Solche Städte setzten Zentralismus voraus. Und solche Städte produzierten anonymes Proletariat. Und in solchen Städten entstanden soziale Probleme einer neuen und abstrakten Art, wie sie griechischen Städten unbekannt geblieben waren. 

Denn die Bedeutung des Individuums mußte in solchen Städten zwangsläufig verloren gehen. Stattdessen zählten ganz neue und technische Kriterien, die direkt mit der Nähe zur Zentralverwaltung zu tun hatten. Die Größe und Weite der Persönlichkeit, Kriterium für Adel, wurde nicht nur unbedeutend, sondern sogar hinderlich, weil weite Persönlichkeiten unvereinbar damit sind, sich in Spezial- und Partialnützlichkeiten zu neurotisieren. In solchen Städten etnstand also auch eine neue völlig Art von - unadeliger - Elite. Funktionsbedienung braucht keine Tugend, die ist sogar hinderlich. Denn jede Maschine, jeder Mechanismus verlangt das Gegenteil: Die Unterordnung unter ihre Ablaufzwänge.




*Simone Weil, und natürlich nicht nur sie, hält deshalb die in Parteien vorgeblich berechenbarer werdende Massendemokratie Europas für einen schweren Irrtum. Sie in der Antike zu begründen ist und war eine glatte Lüge. In Wahrheit wählen die Menschen heute etwas, das sie gar nie kennen können. Aber vor allem deshalb müssen Parteien verboten werden, schreibt sie, weil sie die Art der Entscheidung von den Personen weg auf eine Scheinlogik verlagern. In Wahrheit ist kein Wähler in der Lage, sachliche Probleme der Politik zu beurteilen, um die es angeblich gehe, vor allem aber wird das Prinzip der persönlichen Verantwortlichkeit von Politikern völlig unterspült. Politik wird "abstrakt-sachlich, richtig", statt verantwortlich und gerecht. Das setzt ein mechanistisch-materialistisches, ja atheistisches und damit wirklichkeitsfernes Menschen- und Weltbild voraus. Die moderne Massendemokratie entwirklicht die Menschen!




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