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Dienstag, 14. Juni 2022

Nicht WENIGER, sondern-MEHR Autos brauchen wir

    Video auf Tichys Einblick
Das ist wenigstens wieder einmal was Handfestes, was in Tichys Einblick zu sehen ist. Nicht dieses seit Jahr und Tag und in mittlerweile unerträglicher Dichte seriverte, längst abgestandene "Gesellschaftskritik"-Wässerchen, das sich schon ein ganz breites Flußbett gegraben hat, in dem die "Kritik" als schlickiger, lehmverdreckter, ungenießbarer und langweiliger Strom dahinzieht, und mittlerweile so gut wie alles zusammenfaßt, was da angeblich die Zeit analysiert, heißt: "durchschaut".

Neues, Konkretes aber hört man nicht mehr, und in den realen politischen Geschehnissen spiegelt sich ohnehin nichts davo wieder, die ziehen irgendwohin davon, leben wie in einer der mittlerweile zahlreichen Parallelwelten.

Dankbar nehme ihc deshalb zur Kenntnis, was hier gesagt wird. Es geht um eines der vielen Ärgernisse der Gegenwart, den Fahrradverkehr als Hauptdarsteller der so zeitgemäßen Kritik am Automobil, und zwar am benzingetriebenen Automobil. Denn während man den Eindruck hat, daß die Meinungs- und Medienlandschaften, die vollgestellt sind mit Hinweisschildern und Mahnbotschaften, eine Realität wiederspiegeln, tun sie nichts dergleichen, sondern erhöhen nur den Erziehungsdruck. Denn was Elite sein will, das erzieht den schmutzigen, miesen Rest der Menschheit.

Montag, 9. Mai 2022

Nur noch von Giftpfeilen umgeben

In der Betrachtung dieser unserer Zeit, die sich natürlich so wie alle Zeiten in Medien ausdrückt - Medium, das ist Mittler, das ist Träger, Vermittler von Idee als Forma der Materia - wächst mein Entschluß von Tag zu Tag mehr, sämtliche Inhalte, die mir begegnen, sei es in Gesprächen, in Medienberichten, in Druckwerken (speziell in Druckwerken: ich habe sogar aufgehört, "zeitgenössische" Bücher zu lesen, sie lohnen bis auf wenige Ausnahmen oder Teilgebiete mit Teilerntemöglichkeiten überhaupt nicht mehr, sind reine Zeitvergeudung) als Scheinmanöver, als Verschleierung und Täuschungspraktik zu sehen.

Sodaß es mir grotesk erscheint die Forderung zu hören, daß es uns in den letzten Jahren im speziellen an der Bereitschaft gemangelt habe und ermangele, DEN ANDEREN ZUZUHÖREN. Um nichts geht es doch weniger! Und der Kern des Problems fehlender Einheit ist ganz woanders zu lokalisieren, als in inhaltichen Differenzen, die doch um Gottes Willen mit ein bißchen Bemühen auszudiskutieren seien.

Ruine bedeutet einen vorhergehenden Ruin - Nicht einmal darauf möchte ich noch weiter eingehen. Sondern darauf, daß sich die Ruinenhaftigeit dieser Zeit darin erkennen läßt, daß - wie ebenin Ruinen! - der Ausdrucksgehalt (also die Idee) mit der faktischen Materialität zu einhundert Prozent DECKT. 
Man könnte also von Sakramentalität sprechen, die Ruinen kennzeichnen.

Sonntag, 20. März 2022

Gedankensplitter (2005c)

Der Tempel in Jerusalem als Stufe zur Kirche. Die Zerstörung des Geschmacks. Technikgewinn als Verlust der Lebensqualität - Damit hat sich aber gar nicht so sehr eine noch weitergehende Ablösung vom Judentum Christi vollzogen. Das hat sich nie getrennt, Jesus Christus WAR das erfüllte Judentum, ein anderes hat es nie gegeben. (Was sich später so bezeichnete, war eine neu gegründete Religion.) Diese eine und einzig wahre Religion hat sich lediglich VERÄNDERT, weiter in die Geschichte hinein entwickelt, und ausgefaltet, das ist alles.

Und das hat sich im Kirchenbau gezeigt. Der sich von Anfang an auf die Architektur des Jerusalemer Tempels bezogen und diese nachgeahmt hat. Und DORT war der Ort der Opferhandlung IN EINEM EIGENEN RAUM. Ja, hinter idesem war noch einmal ein Raum - das eigentliche Allerheiligste, das nur einmal im Jahr beim Paschafst von einem jährlich wechselnden Priester betreten wurde. Selbst wiederum Symbol der Bundeslade, die sich darin befunden haben soll.

Samstag, 19. März 2022

Gedankensplitter (2005b)

UKRAINE als Schnittlauch auf jeder Suppe. Architektur, der Heilige Raum als Grammatik von Beziehungen. Die geraubte Zeit - Es geht nichts mehr ohne Ukraine. Wie auch, bei solchen Nachrichten? Die darauf abzielen, daß man darüber reden soll, und die klare Absicht haben, den Alltag der Menschen durch Furcht und Angst zu bestimmen. Bis in den nletzten Winkel wollen sie ienen aufscheuchen udn beherrschen.

Diesen Zweck soll die absurde Strafsumme erreichen, die in Österreich das Verbreiten von Feindpropaganda - und nur so kann das verstanden werden: Man sieht einen FEIND, MIT DEM MAN SICH IM KRIEG BEFINDET, denn das SIND Kriegsmaßnahmen - präventiv unterbinden sollen. Hinkünftig soll sich jeder dreimal fragen, ob das, was er macht, irgendwie "von" Rußland sein könnte, und "als" Propaganda verstanden werden könnte. 

Wobei - es geht ausdrücklich nur um die VERBREITUNG russischer Inhalte, also von allem, das AUS RUSZLAND STAMMT. Auf den möglichen Streit, was als Propaganda gesehen werden könnte und was nicht, läßt sich der Staat gar nicht erst ein. VERBREITUNG, heißt es.

Freitag, 18. März 2022

Gedankensplitter (2005a)

Eigentlich genau umgekehrt - Das Seltsame ist, daß das, was man "Traditionalismus" nennt, und das sich ganz besonders darauf beruft, daß es "die Tradition" aufgreife und weiterführe, die Tradition gewissermaßen "überspringt", und auf eine Art Vorgestern zurückgreift. Aber genau das verweigert, was Tradition ist, und was sie angeblich früher auch gewesen war. 
Der sogenannte Traditionalismus verweigert der eiugenen Elterngeneration die Übernahme DERER Tradition, um dabei nicht einmal auf die vorletzte Generation zurückzugreifen, sondern auf einen Fixpunkt irgendwann in der Vergangenheit. Man nennt das eigentlich nicht Traditionalismus, sonder Archäologismus.
Das Allerseltsamste aber ist, daß das gar nicht das Wesen der Tradition ist. Sondern es ist ganz exakt DAS PRINZIP DER REVOLUTION. Jede Revolution, und zwar wirklich jede, beruft sich auf einen Punkt in der Vergangenheit, den es nun angeblich wieder aufzugreifen gebe. WEIL die vorhandene Stufe nicht mehr im Strom der Tradition stehe, sondern diese FALSCH INTERPRETIERT habe.

Freitag, 24. September 2021

Die drei Phasen der Weltgeschichte (1)

Eine ganz andere Geschichte - Die Archäologie und Paläoarchäologie hat schwer damit zu kämpfen, daß sie die Schichten noch auseinanderhalten kann, auf die sie stößt, und die aus drei globalen, großen, und mehreren kleineren (dabei ebenfalls globalen) Katastrophen kosmischen Ausmaßes steht. Nachdem sie aber über kein taugliches Geschichtskonstrukt verfügt, also einer völlig falschen Erzählung folgt, mit der die entdeckten Tatsachen nur bei Ausschluß größter Evidenzen in "Übereinstimmung" zu bringen sind, wird sie daraus auch keinen Ausweg finden. Ihr Beitrag zur Selbstfindung des Menschen durch Kenntnis der eigenen Vergangenheit, die ohnehin schwer durch einen progressiv zunehmenden Verlust der Erinnerung getroffen ist, wird also immer dürftiger und nähert sich der Irrelevanz. Sprich: Was immer sie erzählen, es ist leeres Geschwätz.

Nur einige wenige Ausreißer, oft genug in der Ecke der Phantasten, und die fast alle aus dem Lager der Außenstehenden stammen, durchbluten noch das über weite Strecken ausgetrocknete, im wahrsten Sinn inspirationslose Narrativ.

Mittwoch, 28. April 2021

Als die Lebens(t)räume billig wurden (3)

 Teil 3) Anmerkungen zum Kommunismus als Grundhaltung des westlichen Menschen und zur Frage, und warum die Erfindung der Perspektive in der Malerei einem Impfen gegen Krankheiten analog ist.


*Es ist egal, welchen Begriff man dafür verwendet - Marxismus, Sozialismus, Kommunismus, Sozialstaat (wie den unseren) als Lebensform, die dazu führt bzw. diesen Hintergrund hat. Alles das hat jene Ideologie als Basis, die mit einem alle Bereiche umfassenden Weltbild in den 1970er Jahren durch politische Intention von sozialistischen Parteien entfesselt worden sind. Parteien, die sich spätestens ab dem vorgeblichen Zusammenbruch der Systeme in Osteuropa in den Jahren 1989/90 sozialDEMOKRATISCH nannten. Um ihr eigentliches, nie verändertes Ziel zu verbergen. 

Dienstag, 27. April 2021

Als die Lebens(t)räume billig wurden (2)

 Teil 2) Erschlagen von den Balkonen der Gierigen

QR Balkonstory auf oe24

Und jetzt sind wir endlich zurück beim Balkon, der in einer der vorigen Wochen bei einem Einfamilienhaus in Oberösterreich abbrach und beinahe Menschenleben gekostet hatte. Denn er steht für eine Zeit, in der die Menschen aufhörten, an ihre Nachfahren zu denken und für sie Substanz aufzubauen, die richtigerweise nicht nach momentaner Geldaufbringung sondern nach Dauerhaftigkeit gemessen wurde. Was wir heute aber vor Augen haben, betrachten wir unsere Lebens- und Wohnweisen, ist Kulisse. Errichtet mit Pappmaschee, bunt bemalt und mit vielen Hologrammen überstrahlt, die uns wesentlich leichter in einer Scheinwelt leben lassen. 

Montag, 26. April 2021

Als die Lebens(t)räume billig wurden (1)

Der geneigte und Leser würde vermutlich an der Nachricht nichts erkennen was ihr Wichtigkeit geben könnte, um sie in den ambrosius.konnotationen zu verorten, das sich doch mit "ach so geistigen Themen" befaßt. Aber regelmäßige Leser wissen schon, daß es auch eine der selbstgestellten Aufgaben dieser Seiten ist, in oft den kleinsten, nebensächlichsten, alltäglichsten Dingen die tiefsten Zusammenhänge zu sehen. So ist es wohl auch bei der Meldung, daß in Oberösterreich bei einem Einfamilienhaus der Balkon abgebrochen ist, als ihn drei Frauen mit einem Kleinkind betreten hatten. Man sieht es vor Augen, die Oma, die Tochter, eine Freundin mit dem vierjährigen Hansi-Burli. Alle (außer dem Buben; so ein Kindel läßt noch genug Raum für den Schutzengel, den drängen erst die gescheiten Erwachsenen aus dem Leben) sind schwer verletzt, die Mutter sogar lebensgefährlich. 

Donnerstag, 28. November 2019

Wort wirkt weiter

Wieder + Konrad Fischer, der Architekt, der sich kein Blatt vor den Mund nahm. Sein Wort wirkt weiter. In dem er mit vielen Ausflügen auch in die Baupraxis und -theorie zeigt, wie rasch "Gewußtes" zu einer Spielart des Wahnsinns wird.







Freitag, 22. November 2019

Der Wahnsinn hat Methode

Über die katastrophalen Nebenwirkungen unserer Bauweisen, die von Speicher und Energieausgleich auf Strahlung, Austrocknung und Umgebungsbeheizung umstellt, haben wir unter Bezug auf die Studie von DI Jürgen A. Weigl bereits gehandelt. In diesem Video geht Architekt + Konrad Fischer auf Sinn und Unsinn von Wärmedämmung ein. Im besonderen prangert er die nachträgliche und zusätzliche Dämmung von Hausfassaden durch aufgebrachte Dämmschichten ein. Er tut es aber berufsgemäß unter besonderer Berücksichtigung bauphysikalischer Tatsachen und Auswirkungen. Die Außendämmung von Gebäuden ist aber noch mehr. Sie ist ein riesiger Schwindel.

So nebenbei: Die Bauindustrie braucht weltweit (im besonderen über Beton) das Fünffache an Energie (samt CO2-Auststroß, wenn also schon) wie der gesamte individuelle wie öffentliche Verkehr. Beton alleine braucht fast so viel fossile Brennstoffe wie ... das Militär.









Dienstag, 30. Juli 2019

Nur Schönheit kann Kultur, nur Schönheit besiegt Dummheit

Nein, Herr Dushan Wegner, da muß der VdZ widersprechen. Wenn Sie schreiben, daß Deutschland die Ingenieurskunst durch den Dummkult ersetze, und DESHALB "nach unten durchgereicht" wird. Also in allen Bereichen (bis zum Fußball) abrutscht. Und Sie müßten es wissen, denn Sie zitieren Goethe als Ausweis für einen Geist, der einmal herrschte, aber heute durch Infantilität und Dummheit ersetzt worden wäre.

Denn auch (und selbst Goethe, wenn er auch bereits ein erster Vertreter, ja Propagandist des Kommenden war) dieser Gigant hat seine Größe nur entwickelt, indem er auf einer Kultur AUFGEBAUT hat, von der er dann zehren konnte. Groß ist er erst geworden, nachdem er die erste Rebellion der Pfarrerssöhne im "Sturm und Drang" überwunden hatte. Und dazu hatte er noch ein Umfeld, das ihm dabei behilflich war. Aber dieses Umfeld ist im 19. Jahrhundert Stück für Stück zusammengebrochen. 

Aus einem Kulturland wurde ein Technikland, das ist die brutale Wahrheit. Schönheit wurde durch Nutzdenken ersetzt. Das hatte im Vergleich mit vielen Völkern der Welt enorme Vorteile, ähnlich wie Napoleon sie gegenüber den alten europäischen Völkern und Regierungen hatte. Die nicht damit gerechnet haben, daß es jemanden gibt, der Nutzen und technische Effizienz um jeden Preis verfolgte, auch um den Preis das aufzugeben, was jedes Volk eigentlich hält: Schönheit. Wahrheit. Kultur.

Deutschland, dieses Deutschland, das in gewisser Weise direkte Aftergeburt des Napoleonismus (weil Reaktion darauf) war, HATTE eine Kultur, ja. Die sich in vielen regionalen Staaten und Völkergemeinschaften zeigte und entfaltete. Was dann folgte war der Sieg des Nutzdenkens, des Technizismus. Bereits Bismarck und Wilhelm II. waren eine Frucht davon. Was dann folgte war die Dominanz deutscher Wissenschaftler (was deutsch zur ersten Wissenschaftssprache zu Beginn des 20. Jahrhunderts machte), einerseits bereits eine Folge des technischen Denkens und anderseits - die Schatten einer Kultur sind lang, wenn die Sonne sinkt - die Reaktion DES GEISTES auf den Zerfall der innersten Grammatik des Volkes.

Der Nationalsozialismus war bereits die technische Imitation, die Simulation solcher Kultur. Die zeitliche wie ästhetische Nähe zur Bauhaus-Architektur, die das Leben völlig in technische Funktionen auflöste, ist nicht zufällig. Aber es waren Versuche, den Niedergang aufzuhalten. 

Denn Technizismus führt immer und ausnahmslos zur Verdummung. Und diese Früchte ernten wir heute. Die Größe Deutschlands nach dem Kriege, das Wirtschaftswunder, war keine Größe mehr. Es war das letzte Auspressen der nur kurzen Zeit saftigen Zitrone des Technizismus. Alles was dann folgte war die Reaktion darauf. In der sich nämlich vieles Richtige mit einigem Falschem vermengte. Wo sich das Falsche deshalb durchsetzt, weil es eben das Wesen der Kultur nicht einmal mehr in Spurenelementen in sich trägt und anti-kulturell ist. 

Was sich nach dem Kriege dann als Wirtschaftswunder aufspielte, war bereits der Sieg des Technizismus. Und daß darauf die sexuelle Revolution, die Postmoderne mit ihrem Marxismusaufguß die gesamte sittliche Grundlage der deutschen Völker auflöste, war logische, fast möchte man sagen überfällige, reife Frucht aus einem Boden des Technizistischen, der bei der Suche nach Geist nichts mehr hergab, weil er seit zweihundert Jahren erschöpft worden war. Denn auch der Technizismus der "deutschen Tüchtigkeit" hat nur deshalb so viele Scheinfrüchte getragen, weil er die kulturelle Substanz der Vorväter ausgeschwemmt hat. Bis nichts mehr da war. Die Väter der 1968er-Generation hatten noch richtige Fragen, ähnlich wie die in den 1920ern, aber sie fanden endgültig keinen mehr, der sie noch beantworten konnte. Es gab keine Gegenwehr mehr, weil es keine Substanz mehr gab.

Damit war das Tor weit weit für die Sozialisten in den 1970ern offen. Die nun systematisch ein Staatssystem aufbauten, das jeder kulturellen Substanz endgültig den Garaus machte, zugleich den Aufbau von Substanz verhinderte, und damit jene sittenlose Generationen hervorbrachte, die wir heute haben: Völlig vertrottelte Menschen, die Bauklötze staunen, weil sie nur Scherben statt einem Leben in Händen haben. 

Ja, Herr Dushan, Sie haben deshalb durchaus recht: Deutschland ist am Ende. Was sich sonst noch abspielt, etwa die Massenmigration oder die Genderpruntzerei, ist nur noch Antwort auf die eigene Substanzlosigkeit. Das Verschwinden der Identität, das im Verdunsten des Geistes begründet ist, auf den die Massenmigration primitiver Kulturen nur Antwort gibt, ist einfach nur noch logisch. Wo aber keine Identität, da Dummheit. Es gibt nur sittlichen Raum. Das Strunzdumme schafft nur Raumentleerung, bis zum Vakuum.

Wir ernten heute jedoch nur, was wir seit zweihundert Jahren gesät haben. Womit? Jawohl, Herr Dushan, beginnend mit der Aufklärung als äußerem Ereignis, auf die die Liberalen ja so stolz sind. Das ist eine traurige, tragische, aber befreiende Wahrheit. Eine Rückkehr zur Vernunft ist nicht einfach über ein paar Medienspektakel erreichbar. Es käme dem gleich, was manche Bewegungen (wie der Faschismus, ja selbst wie die Bauhaus-Bewegung) mit Gewalt bereits versucht haben: Die Re-Etablierung von Kultur. Wo aber keine Kultur ist, wo also die Triade Schönheit - Wahrheit - Gutheit nicht mehr lebt, herrscht die Ödnis der Dummheit. Die der Endpunkt der Aufklärung ist, so schaut's aus.

Deshalb ist Ihr Lamento, Herr Dushan, nur das übliche Jammern der Liberalen. Die nun unter dem Desaster leiden, das sie selbst angerichtet und verschuldet, gegen das sie aber nicht das geringste Rezept haben, ja das sie nach wie vor vertreten, wenn man sie nur läßt. Das sie also im nächsten Moment - nur auf die nächste, andere Weise - wieder anrichten würden.


Donnerstag, 11. Juli 2019

Heliozentrismus wurde einfach zum Postulat erklärt (4)

Teil 4) Gespräch im Video



Aber man muß sich doch zum Gegenteil einmal vorstellen, wie einfach viele Berechnungen würden, was sich dann für Möglichkeiten unter Umständen ergeben, wenn wir davon ausgehen können, daß sich das Weltall in einer Koinzidenz mit dem Lauf der Sonne verhält!  

Dafür machen wir gerne einen anderen Fehler, meint Delano, wenn wir die Sonne und ihre Planeten betrachten. Wir vergessen, das alles in Bezug zum gesamten übrigen Weltall zu setzen. Es ist auch für Einstein eine große Frage gewesen, wieweit die beobachtete Rotation sowohl der Sonne wie der übrigen Planeten, auch im weiteren Weltall, nicht überhaupt die Ursache dessen ist, was wir als Anziehungskraft dieser Himmelskörper feststellen. Mit der Frage, ob sich die Erde dreht oder nicht, hat das rein gar nichts zu tun. Aber natürlich müssen wir die Anziehungskraft der Planeten berücksichtigen, wenn wir Berechnungen anstellen. 

Was sich an Kontroversen rund um den Film zeigte, wir haben darüber berichtet, muß man eigentlich als Hinweis darauf sehen, welche Sprengkraft er hat. Wenn sich bewahrheitet beziehungsweise nicht widerlegt, was er hier vorstellt - die Erde ist das Zentrum des gesamten Universums - stehen wir vor dem größten Paradigmenwechsel der Wissenschaft seit Galileo Galilei bzw. Kopernikus. Die Auswirkungen wären kaum zu überschätzen. Dann befände sich die Wissenschaft ironischerweise in exakt derselben Situation, wie es die Kirche war, als sie mit diesem dramatischen Wechsel im Weltbild konfrontiert war. Und sofort begriff, daß es um die logische Kohärenz der Wahrheit im Ganzen ging.  Es geht um nichts anderes als um die Frage, wer wir sind.

Wenn sich die These erhärtet, stehen wir vor der Tatsache, daß wir aus Vernunftgründen zur uralten Sicht der Menschheit zurückkehren müssen. Die auch die Kirche seit je in ihrer Theologie und Metaphysik vertreten hat, und ohne die ihre Heilslehre im Grunde gar nicht haltbar wäre. Natürlich ist "The Principle" die Ausarbeitung einer metaphysischen Idee. Und diese Idee wird durch die heutige Astrophysik, durch die Wissenschaft immer eindeutiger gestützt. Aber es ist in keinem Fall die Wissenschaft, die uns sagen kann und ihr Forschen davon beeindrucken lassen darf, welche Folgen auf unser Leben das haben wird. Und es dürfte auch keine Rolle spielen, daß die Reputation zahlloser Nobelpreisträger und Forschungsinstitute auf dem Spiel steht. Das wird die Diskussion vermutlich noch schärfer machen, als man unter rein wissenschaftlichen Gesichtspunkten erwarten sollte. Hier geht es um enorm viel Persönliches ...

Freilich, dem Geozentrismus steht noch eine Mammutaufgabe bevor. Er muß belegen, daß sämtliche physikalischen "Wahrheiten", die von einem heliozentrischen Weltbild ausgehen, und die doch auch beachtliche Proben ihrer Zutreffendheit geliefert haben (wobei viele dieser Zutreffendheiten auch, das stimmt gewiß, in den Bereich reiner Spekulation und Fabuliererei gehören, viel "Gewußtes" ist nur ein "Geglaubtes" oder "Spekuliertes") auch dann stimmen, wenn man die Erde als Zentrum des Universums annimmt. Viele physikalische Phänomene müssen neu erklärt und durchgedacht werden. Mit der großen Schwierigkeit, daß eine Diskussion mit bestehenden Theorien, die auf Heliozentrik aufbauen, auf sachlicher Ebene sehr schwierig sein wird, weil hinter der heute als solche verstandenen Sachlichkeit in der Regel sehr gut verborgene Metaphysik steht, die genau das zu sein verleugnet.

Aber leistbar sollte das sehr wohl sein, zumal viele unserer bisherigen vermeintlichen Gewißheiten sachlich betrachtet auf äußerst schwachen Füßen stehen. Den meisten Leuten ist überhaupt nicht klar, auf wie vielen puren Annahmen und Postulaten, auf denen weiter und weiter aufgebaut wurde und wird, ihr angeblich so sicher gewußtes Weltbild basiert. Ja, egal wer - alle glauben ihr Weltbild ebenfalls nur. Die oft anzutreffende Überzeugung, daß die Bewegung der Erde um die Sonne sogar beobachtbar wäre, stimmt einfach nicht.

Und bislang haben die Heliozentriker auch sehr wenig bis gar nichts Überzeugendes geliefert, das die Geozentrik widerlegen würde. Auch wenn sie versuchen (wie beim Darwinismus) zu beweisen, daß sich Glaube und diese Theorien nicht widersprechen. (Eine Diskussion dazu findet sich hier.) Umso vehementer ergehen sich viele Gegner fast unisono in persönlichen Angriffen, das ist auch hier der Fall, Delano berichtet darüber.

Ebenso hat die Berufung auf die Mathematik eine fundamentale Schwäche. Weil nicht alles was sich berechnen läßt auch real sein muß. Somit ist auch die Mathematik keine Grundlage für ein Weltbild. Sie kann es nur belegen, sofern sie sich auf Reales bezieht, das ihr vorausgeht.

Schaut man aber genauer zeigt sich, daß das heliozentrische Weltbild sich als unheimlich zusammengeschustert präsentiert, und nur einen großen Vorteil hat: Niemand kann noch Propaganda von fundierter Aussage unterscheiden, weil das Weltbild der Menschen zu größten Teilen von Propaganda, die man sich sogar selbst auferlegt, nicht mehr zu unterscheiden ist. Denn es gibt sehr wohl - und das ist ein Indiz, daß da etwas nicht stimmt - massive Interessen, so ein Weltbild um jeden Preis aufrechtzuhalten. Weil sich enorm viel damit verknüpft, das mit Physik und Wissenschaft nicht das Geringste zu tun hat, sondern nur ein Ziel hat: Gott aus dem Universum (und aus dem individuellen Leben) hinaus zu beweisen, und den Menschen (und damit sein Sündenbewußtsein) zu marginalisieren weil zu entraumen.

Dazu kommt, daß unsere Kultur mittlerweile 400 Jahre an den Theorien bastelt, die die Heliozentrik zum Ausgangspunkt haben. Und das heißt 400 Jahre Adaptionsgeschichte, die in enorm komplizierte Lösungen und Modelle mündete, auf denen ein weiteres Gebirge von Anschauungen aufgetürmt wurde, die uns heute bestimmen und im autoritativen Status von "Wissen" sind.

Welt ist aber nur, weil die Dinge in Beziehungen zueinander stehen, und darauf, diese Beziehung zu realisieren, ausgerichtet sind. Das ist dann Raum: Realisierung von Beziehung, nicht absoluter "Raum". Nicht nur gilt also, daß Welt Raum bedeutet, sondern auch, daß allem Physischen ein geistiges, ideenhaftes Netz zugrunde liegt, das die Weltwerdung treibt und trägt. Die Ordnung geht allem voraus, sie kommt nicht nachträglich, und schon gar nicht zufällig. Allem Forschen geht somit das Denken über die Grundkonzeption voraus, nicht umgekehrt. Erst dann werden Daten zu Fakten, erst dann werden Ereignisse zu Informationen. Das gilt für die Heliozentrik nicht weniger. Aber nur die Geozentrik scheint es auch zu wissen.




Hier in einem Zusammenschnitt Stellungnahmen einiger der im Film "The Principle" sprechenden Wissenschaftler. Bewußt wurden die anerkanntesten Astrophysiker befragt. Keiner von ihnen vertritt den Geozentrismus. Aber ihre Beobachtungen, ihre Aussagen über das, was im Weltall zu sehen ist, sprechen für sich.

Max Tegmark



Lawrence Kraus



Es gibt kein Experiment, mit dem die Bewegung der Erde bewiesen werden kann.







Mittwoch, 10. Juli 2019

Heliozentrismus wurde einfach zum Postulat erklärt (3)

Teil 3) Das physikalische Argument



Seit vierzig Jahren ist die "kosmische Hintergrundstrahlung" bekannt. In ihr zeigt sich uns (als Beobachtern) das älteste Licht des Universums, das als Rest des Urknalls interpretiert wird. Dieses Licht muß absolut gleichmäßig und überall am Rand eines sich vom Kleinsten ausgehenden, ständig wachsenden, weil seit dem Urknall auseinanderfliegenden Universums vorhanden sein. Jüngste Beobachtungen haben aber ein völlig anderes Bild ergeben! Diese Hintergrundstrahlung, dieses "Licht vom Urknall", das es sein soll, ist keineswegs zufällig und gleichmäßig, sondern zeigt ein Verhalten, das ... auf die Erde zurückweist. Es hat eine Richtung (in zwei Polen) in ihrer (quasi "flachen") Ausdehnung, in deren Mitte ... die Erde liegt. 

Und dieses gesamte Weltall bewegt sich genau im Rhythmus beziehungsweise in der Bahn, in dem sich die Sonne in Bezug auf den Äquator, beziehungsweise im Pendeln zwischen den Polen 20. März und 23. September, also den beiden Wendekreisen, bewegt.*** Mit anderen Worten: Das gesamte Universum scheint sich entlang des Äquators in einer Drehbewegung der Sonnenbahn entlang und dieser folgend aufzureihen! Was hier entdeckt wurde, kann damit auf keinen Fall in einem Urknall entstanden sein. Das Universum zeigt eine Systematik, die einer Urknalltheorie und deren Implikationen absolut widerspricht.

Mittlerweile bestätigen zahlreiche weitere wissenschaftliche Arbeiten weltweit, daß auch sämtliche beobachtbaren Phänomene - Galaxien, Quasare etc. - sich entlang dieser Richtung der kosmischen Hintergrundstrahlung aufreihen. Und das heißt: Entlang der Ekliptik (also der Bahn der Sonne am Himmel) bzw. in deren Pendeln zwischen den beiden Tag- und Nachtgleichen (Äquinox). Das wäre unter Urknall-Annahmen auf keinen Fall möglich.

So daß nur zwei Möglichkeiten bleiben: Entweder ist die Urknalltheorie, die notwendig den Zufall braucht, widerlegt, und darauf weist alles hin. Oder alles, was man bisher darüber zu wissen meinte, ist obsolet, weil es ganz offensichtlich eine systemhafte Grundgesetzlichkeit gibt, die man aber nicht kennt. Die im Weltall beobachteten Tatsachen lassen jedenfalls keinen anderen Schluß zu - es sei denn, man verändert das Grundpostulat. Und gibt die Heliozentrik auf und wechselt zum Geozentrismus. Auf den noch dazu praktisch sämtliche bisherigen, wesentlichen physikalischen Gesetzlichkeiten genauso anwendbar bleiben. Auch das ist ja eine Tatsache, denn wir KÖNNEN ja zum Mond fliegen, wir KÖNNEN ja eine Sonde zum Mars schicken, etc. etc. Also muß da schon "einiges richtig" sein. Und es ist völlig gleichgültig, auf eine Weise, was sich worum dreht! Denn für die Berechnungen, die solchen Projekten zugrunde liegen, ist es gleichgültig, was sie als Gesamtbild annehmen. Wichtig ist für sie nur, auf welche Basis sie sich beziehen.

Wer von New York nach Caracas segelt, orientiert sich an den Sternen. WARUM die dort sind, warum manche fix sind, andere wandern etc., ist dabei völlig gleichgültig. Sie verhalten sich in einem gewissen Verhältnis zu Positionen auf der Erde, das ist alles, was dabei wichtig ist, und jeder Seefahrer kann sich an ihnen orientieren, es ist ein altes, uraltes Erfahrungswissen, wie sich der sichtbare Sternenhimmel verhält. Das alles bleibt also gleich. Es geht nur um das WARUM. Es wechselt also "lediglich" die Gesamtbetrachtungsweise und was DAMIT zusammenhängt, weil damit natürlich die Interpretation der Beobachtungen und alle daraus hervorgehenden oder darauf aufbauenden Folgerungen. Bei unter der bisherigen Annahme der Zufälligkeit des Weltalls ist nichts von alledem Richtigen noch länger begründbar. Und das ist für die Astrophysik wörtlich "schockierend".

Delano meint deshalb vorhersagen zu können, daß man in den nächsten fünf Jahren verzweifelt versuchen wird, diese beobachtete Systematik doch noch irgendwie mit dem bisherigen Bild des Kosmos zu vereinen. Es wird nicht gelingen. Dafür wird etwas anderes eintreten: Viele Berechnungen werden ganz wesentlich EINFACHER, wenn wir annehmen, daß nicht die Sonne, sondern die Erde das Zentrum ist. Viele oder gar alle der über siebzig "kosmischen Konstanten", die man einführen mußte, weil einfach etwas so und so WAR beziehungsweise ist, das aber nicht den Rechenmodellen entspricht - ein Umstand, den viele Astrophysiker wie Unzicker ohnehin schon lange schwer kritisieren, und sogar einen "Neuanfang" der Astrophysik fordern - können wegfallen. 

Man muß nicht mehr annehmen, daß dunkle Materie (die über 99 Prozent der Materie des Weltalls ausmachen muß, weil sonst sowieso nichts aufgeht, eine solche aber noch nie beobachtet wurde, also eine reine Annahme ist) oder dunkle Energie (die ebenfalls noch nie jemand beobachtet hat) vorhanden sind, weil man sich sonst nichts erklären könnte. Einstein selbst hat bestätigt und betont, daß man sämtliche Berechnungen und Formeln aufrecht halten kann, wenn man annimmt, daß die Erde ruht und das Weltall sich um die Erde dreht. Nichts würde sich dann ändern!


Morgen Teil 4) Das Gespräch im Video



***Wobei der VdZ hofft, die physikalischen Ausführungen Delanos halbwegs verstanden zu haben, der VdZ ist kein Astrophysiker. Im Film "The Principle" wird dies sehr eingehend und fachlich-sachlich dargestellt, wobei auch die Tatsache ihre Rolle spielt, daß diese Entdeckung ein sehr renommierter ... atheistischer Astrophysiker gemacht hat, der ganz sicher keinen Geozentrismus nachweisen wollte.


Dienstag, 9. Juli 2019

Heliozentrismus wurde einfach zum Postulat erklärt (2)

Teil 2) Kirchen als kosmologische Wahrheit



Und das tun Kirchen als Ort der Anwesenheit Gottes prinzipiell bis heute. Trotz aller Veränderungen ist das ihr tiefster Sinn. Bis heute, und überall. Verändert hat sich nämlich nicht "die Kirche" in ihrer ontologischen Bedeutung, sondern verändert hat sich die Kosmologie, und damit zwangsläufig die Liturgie, denn verändert hat sich alles, was mit Heilsvermittlung zu tun hat. Wenn als Argument der liturgischen Veränderungen ("Volksaltar" etc. etc.) angeführt wird, daß der Mensch "aufgewertet" werden müsse, er sich verloren fühle, dann liegt der wahre Grund dafür in der Kosmologie, im Bild das wir vom Universum haben, in dem wir nämlich nach heutigen "physikalischen" Prämissen tatsächlich weil angeblich völlig vernachlässigbar und peripher sind.

Während der Gläubige in alten Kirchen, in früheren Zeiten, noch von allem angesprochen war, er sich als Zentrum des Universums empfinden konnte, ja sollte und mußte. Was immer an Argument heute angeführt wird, das den Umbau der Kirchenräume (wie er heute wie eine Seuche um sich greift) begründen soll, ist in Wahrheit die Rationalisierung einer aus diesem veränderten Bild des Universums erwachsenen Befindlichkeit. Wo nur noch Funktionen bleiben, aber die eigene Existenz "ent-ortet", ortlos wurde. Denn in diesem heutigen physikalischen Weltbild ist ein (absoluter) Ort des Menschen gar nicht mehr bestimmbar. Selbst dort, wo nun UFOs ins Spiel kommen, geht es nur um diese Befindlichkeit, und einen Versuch, einen absoluten Ort zu finden (weshalb "Außerirdischen" dann meist gottgleiche Eigenschaften zugeschrieben werden.)

Interessanterweise widerspricht dieses neue (heutige) Bild des Universums einem weiteren Befund, Delano weist sehr gut darauf hin: Daß nämlich die Tatsache bemerkenswert ist, daß sich der Mensch praktisch immer als Zentrum des Universums EMFINDET, dafür aber keine Indizien mehr findet. Also pathologisiert sich diese Grundbefindlichkeit (die sich in kleinen Kindern noch am deutlichsten erkennen läßt) - die in sich im Wesentlichen aber sogar WAHR wäre! Das setzt sich dann fort, weil Erwachsenheit nicht heißt, diesen Zentrismus abzulegen, sondern ihn in der Vernunft darauf zu lenken, sich als Teil eines Ganzen einerseits, und als an einen bestimmten Ort (innerhalb des Gesamtortes Erde) verwiesen, anderseits zu realisieren. Was im Zueinander von Altarraum und Volksraum (in gotischen Kirchen im Querschiff am deutlichsten manifest) seine größte Wirklichkeit und Wahrheit erfährt, aber das nur nebenbei. 

Es geht in der Heilsvermittlung also zuerst einmal um den Ort, an dem man steht! Und hier ZUERST im Ganzen. In dieser realen Ortswahrnehmung, in diesem "an seinem Platz sein", liegt dann auch die eigene Erfüllung, auch somit das Heil. Wir reden hier über Realitäten, nicht über gedankliche Spekulationen. Das Wesen der Dinge, über das somit auch die Erfüllung geht, ist deshalb als "Ort" am besten beschrieben.

Mit einer falschen Kosmologie wird deshalb die menschliche Existenz in seinen tiefsten Grundfesten düpiert. Das innere, zutiefst ontologisch fundierte Bewegtsein (logos ist ein "auf - zu"), das auf einen Ort ausgeht (als Wesensmanifestation), das auf "seinen" Ort ausgeht, findet keine Entsprechung mehr.* 

Aber auch die Glaubwürdigkeit der eigenen Wahrnehmung nahm und nimmt durch ein solcherart verändertes schweren Schaden, ja wird mit der Zeit ausgehöhlt. Denn über ein geozentrisches Weltbild würde mit einem Schlag auch die subjektive Erfahrung - wo läßt sich, bitte, erfahren, daß sich die Erde bewegt? Wo, daß sie sich dreht? Wie erfahren wir die Planeten, die Sonne? ... - mit dem "Wissen" wieder übereinstimmen. Wenn das nicht der Fall ist, kommt es mit der Zeit automatisch zu etwas ganz anderem: Der Mensch hört auf, "seinen Augen zu trauen".  Er hört auf, sinnliche Daten mit Selbstbewußtsein zu interpretieren, also zur Wahrnehmung zu machen. Er gibt seinen Selbststand in der Vernunft AUF, und läßt sich somit von autoritativen Stimmen ("Wissenschaft") bestimmen, wird somit hörig, und damit unfrei und beliebig steuerbar!**

Delano führt in seinem Gespräch noch ein anderes Argument an. Wir Menschen haben es in 110 Jahren geschafft, durch das heliozentrische Weltbild getragen unser Sonnensystem mit Raumsonden zu verlassen. Nun muß man feststellen, daß in der derzeitigen Kosmologie es allein in unserer Galaxie Milliarden von Planeten gibt, die Bedingungen haben sollten, die denen der Erde gleichen, so daß unter materialistischer Prämisse auch dort Leben entstehen hätte können und damit sollen (sic!). Diese Planeten aber sind meist Milliarden von Jahren ÄLTER als die Erde. Nun stelle man sich einmal vor, wo wir mit diesen "neuen" Gedankenwelten in einer oder in zehn Millionen Jahren sein würden - und wo die Lebensformen auf anderen Planeten sein müßten! Wer immer aber ins Weltall sieht muß feststellen: Wenn es da so viel Leben geben soll - wo ist es denn dann?


Morgen Teil 3) Das physikalische Argument



*Allein daraus lassen sich so viele Psychopathologien (aber auch der meisten, wenn nicht aller Sünden) begreifen, mit denen wir es speziell heute zu tun haben, daß der Platz die Zusammenhänge aufzuhellen hier niemals reichen würde.

**Das bei solcher Argumentation gern gehörte Wort, daß ja doch auch das Geglaubte von einer Autorität käme - nämlich der Kirche, als Geoffenbartes, als Offenbarung - ist insofern nicht zutreffend, weil dieses von der Kirche vorgelegte Interpretat (nennen wir es so) ERST und NUR INSOWEIT tatsächlich geglaubt wird, als es der eigenen Vernunft NICHT WIDERSPRICHT. Denn der Mensch weiß, daß es keine zwei Wahrheiten geben kann, sein Glaube ist deshalb immer dem Urteil seiner natürlichen Vernunft und damit der Zustimmung unterworfen. Ja, das MUSZ sogar so sein, und die Katholische Kirche hat "blinden Glauben" immer abgelehnt. Glaube MUSZ mit der Vernunft übereinstimmen, und Gnade hat nur dann Sinn, wenn sie auch die natürliche Vernunft durchdringt und erweitert und den Menschen zur Freiheit bringt. (Das unterscheidet den Katholizismus grundlegend vom Protestantismus, das nur als Hinweis. Das SOLA SCRIPTURA Luthers soll also vor allem eines tun: Die Unfreiheit, die mangelnde Rolle der Vernunft durch den Bezug auf ein Absolutes festigen. Was sich im übrigen auffällig mit dem Judentum und deren buchstäblicher Deutung der Torah deckt. Deshalb ist der Protestantismus immer der erste Schritt zum Atheismus hier, zu Irrationalismus bzw. Rationalismus - zwei Seiten derselben Medaille - und Heidentum dort.)




Montag, 8. Juli 2019

Heliozentrismus wurde einfach zum Postulat erklärt (1)

Das hier eingestellte Video ist ein Gespräch (es beginnt bei Minute 3', die seltsame Einleitung kann man überspringen) mit einem der Filmemacher von "The Principle", auf welchen Film wir bereits hingewiesen haben. Rick Delano geht darin darauf ein, daß Einstein darauf hinwies, daß es keine Möglichkeit gibt, zu bestimmen, ob und wie rasch sich ein Objekt bewegt, das sich mit einem anderen parallel im Raum bewegt. Denn es fehlt der Bezugspunkt. Daß wir uns bzw. die Erde als "stehend" wahrnehmen liegt hingegen daran, daß sich unser Zustand bei einem Objekt im All durch die Bewegung komprimiert. Also ist auch daraus keine Bewegung erkennbar. 

Aber es gibt Experimente (von den Physikern Michelson Morley konzipiert), und deren Ergebnisse sind bis heute unwiderlegt, die Ende des 19. Jahrhunderts den Schluß zulassen, wenn nicht nahelegen, daß sich die Erde NICHT bewegt.  Man könnte Einsteins spezielle Relativitätstheorie sogar als den Versuch sehen, diese Tatsache zur rein subjektiven Erscheinung zu machen und wieder zu entobjektivieren. Die spezielle Relativitätstheorie funktioniert aber nur unter der Annahme, daß die Effekte der Massenanziehung (Gravitation) ignoriert werden können. Das Problem ist aber, daß es keinen einzigen Punkt im Universum gibt, wo man das real tun könnte, sagt Delano. Deshalb funktioniert die spezielle Relativitätstheorie auch nur dort, wo man die Einflüsse der Gravitation als zu gering und deshalb vernachlässigbar einstufen kann. 

Einsteins These sagt, daß es aber gar nicht möglich ist, eine absolute Geschwindigkeit (oder Ruhe) eines Objekts auszusagen, weil Geschwindigkeit immer nur in Relation zu einem anderen Objekt besteht, weil dann meßbar ist. Und apostrophiert eine absolute Geschwindigkeit, die des Lichts. Sonst würde ja das Licht der Sonne auf dem Weg zur Erde wegen der Gravitation der Sonne wie der Erde in seiner Geschwindigkeit sich verändern. Immerhin mußte er konzedieren, daß es aus der Physik heraus nicht möglich ist zu sagen, ob sich die Erde bewegt - oder die Sonne. Dennoch hat er den revolutionären Übergriff von Physik auf Metaphysik definitiv gemacht, und die Erde zum sich um die Sonne drehenden Planeten erklärt.

Die Gegenwehr gegen die Annahme einer ruhenden Erde läßt sich natürlich schon allein aus der Tatsache erklären, daß sämtliche Erkenntnisse der Physik seither unter dieser neuen Prämisse vollständig neu durchgedacht und uminterpretiert werden müßten. Die Kopernikanische Annahme, daß sich die Erde um die Sonne bewege, und das ganze Sonnensystem sich wiederum innerhalb des Weltalls bewege, hat sich so im allgemeinen Bewußtsein gefestigt, daß man mittelfristig auch nicht davon ausgehen kann, daß ein Umdenken stattfinden wird. Wir sind von der Wiege an mit diesem heliozentrischen Weltbild aufgewachsen, und das auf eine Weise, als wäre das selbstverständlich und völlig sicherer Bestandteil unseres "Wissens". Daß selbst die größten Physiker dies als Annahme gesetzt haben, die aber selbst nicht bewiesen werden kann, ist dem heutigen Menschen damit völlig neu.

Eine neue Autorität wurde etabliert. Die Wahrheit teilt sich nun in zwei Wahrheiten, wo die des Menschen über der des Glaubens steht.

Die Frage ist also, ob die uralte Sichtweise der Antike (und der Kirche), daß die Erde ein "spezieller Ort" ist, auf den sich das Universum bezieht, re-etabliert werden muß. Immerhin kann die Physik das Gegenteil nicht beweisen. Aber mehr noch: Mit der Etablierung dieses neuen Paradigmas - die Erde dreht sich um die Sonne - wurde die Autorität der Bibel erstmals zerstört und durch die menschliche Rationalität ersetzt. Aus Prinzip, nicht aus "beweisbaren Tatsachen" heraus. Und darum geht es auch. Die Auswirkungen waren katastrophal. Nach und nach mußte damit die Kirche die Heilige Schrift umdeuten, zur Allegorie machen, und die Un-Historizität, die geschichtliche Irrelevanz der Bibel erklären. Damit wurde sogar die Philosophie bzw. die Metaphysik aus dem Spiel genommen! Und das war auch das Ziel von Galileo Galilei: Die Etablierung einer neuen Autorität, die der Physik bzw. der Naturwissenschaft ÜBER den Glauben und über die Metaphysik. Die Folgen ließen nicht lange auf sich warten.

Nur stimmt das schon aus rationalen Gründen nicht, und erneut ist der Verweis auf Poincaré und vor allem Gödel angebracht. Es gibt kein rationales System, es gibt keine Mathematik, die nicht auf Geglaubtem beruht! Das Geglaubte geht also der rationalen Erkenntnis voraus, eine rationale Erkenntnis ohne zuvor Geglaubtes, ohne aus sich Evidentem, ist gar nicht möglich. Und bis Galilei war zu allen Zeiten und bei allen Völkern dieses Primäre in der Selbstoffenbarung Gottes begründet. Es gibt also überhaupt keine Naturwissenschaft OHNE Theologie und deren Magd, der Philosophie.

Die heutige allgemeine Sichtweise ist also nicht nur ein Irrtum, sondern eine Verschleierung der Wirklichkeit. Der Glaube, daß die Wissenschaft "wahr" sei, wahrer auch als die Wahrheit des Glaubens, ist schlicht falsch. Er ist wie ein Köder, über den ganz andere - religiöse, metaphysische - Sichtweisen mitgeschluckt werden, die aber viel fundamentaler wirken als die vorgebliche "wissenschaftliche Tatsche". 

Es gibt ein Experiment, das jedem anzuraten ist: Sich nachts ins Freie zu stellen, den Sternenhimmel zu betrachten, und einmal zu versuchen, die Wahrheit die sich aus dem Glauben ergibt zu probieren. Und einmal zu probieren, was in einem passiert, wenn man die Erde zum Zentralpunkt des gesamten Dramas des Universums macht, auf der Gott selbst Fleisch angenommen hat, wie es also unser Glaube sagt. Sodaß mit einem Mal Glaube und Empirie in aller Breite und Tiefe übereinstimmen. So, wie also der Mensch vor 500 Jahren gefühlt, gedacht und gelebt hat. Mit einem Mal erzählt das "Selbe", das vorher wie jetzt beobachtet wird, etwas völlig anderes. Mit der Änderung der Kosmologie, mit der Veränderung des Ortes, an dem der Mensch steht, hat sich also alles, wirklich alles verändert.

Mit diesem Erleben stelle man sich dann in eine alte oder ältere Kirche, denn die war zumindest bis zum Barock nicht nur ein Modell des Kosmos (das nach dem Barock, bereits unter dem zunehmenden Einfluß der Aufklärung, immer epigonenhafter, weil in seinen Grundzügen immer weniger verstanden wurde). Sondern die Kirchen zeigen den tiefsten Sinn des Lebens überhaupt, der darin besteht, einen Ort zu erfahren, an dem man steht, und von diesem aus zur Welt, zu den übrigen Dingen und Menschen, und zum Übernatürlichen, zum Himmel, zu Gott die Art der Beziehung zu erfahren. Innerhalb sich derer dann jede einzelne geschichtliche Tat, auch die Erlösung, abspielt. 


 Morgen Teil 2) Kirchen als kosmologische Wahrheit




Freitag, 5. Juli 2019

Welt und Liturgie: Raum durch Schall

Wer über Liturgie und deren Entwicklung spricht, denkt meist in großen Gestaltwürfen, zergliedert die körperlichen Bewegungen, die Riten, die gesetzten Gesten. Und er diskutiert über theologische Inhalte in Texten oder über geistige Konsequenzen architektonischer Räume. Eine Frage bleibt aber immer unerwähnt. Dabei ist sie so entscheidend, daß man es als verräterisch sehen muß, daß sie in der Regel wegbleibt. Und das ist die Frage der Raumbeschallung.

Selbst Verteidiger Alter Riten ignorieren das Thema. Und selbst wer den sogenannten "vorkonziliaren Ritus" (vulgo "Alte Messe") pflegt oder besucht, bedient sich scham- und gedankenlos einer Tontechnik, in der der liturgische Raum bis in die letzten Winkel in Dolby-Surround-Qualität beschallt wird. Damit löst man den Raum auf.

Man kann ja die Kritik der Veränderungen im Kult der römischen Katholischen Kirche nach dem Zweiten Vatikanum auf einen Punkt reduzieren. Als fehlende, verlorene Ausrichtung auf Gott. Es ist ein völlig verändertes Rezeptionsverhalten dem Geschehen gegenüber, das in Selbstoffenbarung des Transzendentalen und Vergegenwärtigung des eigentlichen Erlösungsgeschehens die Gemeinschaft der Getauften - die Kirche - in das Opfer Jesu Christi hineinnimmt, und somit stellvertretend für die Menschen diese in das innertrinitarische Leben eingliedert, sofern die Menschen in Christus sein und bleiben wollen. Der heutige am katholischen Kult teilnehmende Mensch - und das ist die wesentlichste Veränderung, die durchgesetzt wurde - nimmt an diesem Geschehen nicht mehr in erwartender, distanzierter Haltung teil, sondern er wird animiert, diese Erlösung quasi "selbst" durchzuführen. Diese mißverstandene "participatio actuosa" kann deshalb als subjektivistische Wende bezeichnet werden, und sie ist Dreh- und Angelpunkt auch der sogenannten Pastoral. Der Mensch muß sich als Empfangenden begreifen, weil er nur in dieser Haltung an Jesus Christus teilhat. Und dazu muß er sich an Christus orientieren, auf ihn hin ausrichten.

Wenn wir es bei diesen kurzen Hinweisen belassen, dann aus dem Grund, daß der Schall in der Frage der Orientierung und damit jedes Ortswissen nicht nur eine herausragende, sondern die entscheidende Rolle spielt. Und Schall ist die erste Manifestation von Wort, und damit von Sinn. Es ist Grundlage des Denkens (weit über die bloße Rationalität hinaus, die selbst wieder auf einer vorausliegenden Erfahrungsqualität beruht), und es ist die Grundlage des Geistes, ja ist das Material des Geistes. Gerade der katholische Kult ist sogar in seinem innersten Kern eine Realwerdung als Erlösungsgeschehen über das Wort.

Aber anders als die Optik, anders als der Sehsinn, der auf ein vorausgehendes geistiges Interpretat angewiesen ist - ohne Wort, ohne Geist sieht der Mensch buchstäblich nichts - dem oft eine fast ausschließliche Bedeutung beigemessen wird, anders auch als der Geruchssinn, der im Weihrauch oder dem Geruch des Bienenwachses, auch anders als der reine Tastsinn, ist, bei aller Verbundenheit der Sinne, in der alle miteinander verschränkt sind, ist somit das Gehör der entscheidende Schlüssel auf das, was geschehen macht, einerseits, und die Orientierung darauf zu zur Gestalt macht. Und es ist somit entscheidend für das Erfahren der grundsätzlichen Qualität eines Geschehens, und damit für das Urteil, die Haltung diesem Geschehen gegenüber - die Rede ist also vom Raum als erste und umfassendste Orientierung und Realisierung. 

Jenen Raum, der das Wesen der Gestalten erkennen läßt, weil Raum durch Beziehung entsteht und sich erst über Beziehung als geistige Qualität erschließt. Jeder kann es selbst erfahren, daß das Hin-Hören auf etwas mit einer inneren Haltung der Aufnahmebereitschaft einhergeht. Der Mensch beugt sich sogar vor, wenn er etwas genau hören will, und damit versetzt er sich in eine hohe Aufnahmebereitschaft. Es hat somit größte Bedeutung, daß ein Wort nicht nur erklingt, sondern daß der Hörende mit diesem Wort, mit diesem Ton, mit diesem Schall auch den Ort rezipiert, von dem dieser Ton und dieses Wort ausgeht.

Mit einer Beschallung der Kulträume aber nimmt man dem anwesenden Teilnehmer genau das. Der Ton, der Schall, die Musik, das Wort, das er hört, wird ortlos. Es umgibt ihn zur Gänze, und versetzt ihn damit in einen Zustand der Raum- und damit Beziehungslosigkeit zum Geschehen, nach dem er sich nicht einmal mehr ausstrecken muß, weil es im Übermaß zu ihm herkommt und jedes Raumgefühl auflöst. Damit löst es aber auch die körperlich erfahrbare Beziehung zum Gehörten auf. Genau das, was also prinzipiell notwendig ist, um am Erlösungsgeschehen, das im Heiligen Raum durch den Priester in persona Christi vollzogen wird, teilzunehmen - die Orientierung! - wird damit ausgelöscht.

Jede Veränderung von Architekturen, jede Veränderung im Ritus ist unter diesem Blickwinkel gesehen ... deshalb zweitrangig. Weil die erste Orientierung der Gläubigen, die an dem Erlösungsgeschehen teilhaben wollen, über den durch Raumerfahrung verorteten Schall geschieht. Er bestimmt das erste Verhältnis zum Quell des Tones, der Liturgie. Schlimm genug sind die Volksaltäre, ist die durch sie bewirkte veränderte Grundaussage. Schlimm genug sind die veränderten (im Wesentlichen aufgelösten, verdunsteten) Riten selbst. Aber all das bleibt noch weitgehend potentiell und nicht aktualisiert, wenn das Gehör die Grundorientierung vorgibt - als Ausrichten auf das Geschehen selbst. Das sogar durch die Dichotomie Kult/Worte und Volksgesang eine architektonisch bedingte Grundbestimmung ergibt, in der sich der Teilnehmende (das Volk) vorfindet. 

Wenn man all die sonstigen architektonischen Veränderungen zu Recht kritisieren kann, die noch bedeutender einzuschätzen sind als die Veränderung in den Riten selbst (die so gesehen sogar relativ gering ausgefallen sind), die Raum brauchen und damit der Erkenntnis Beziehungen darreichen, so ist insgesamt die unselige Entwicklung in der Tatsache festzumachen, daß sie immer raumloser wurde. Real aber wird etwas immer erst IM Raum und DURCH den Raum. Sämtliche Veränderungen der Liturgiereform sind als Auflösung von Raum charakterisierbar. Sämtliche Entwicklungen, die man als Auflösung unserer Kultur bezeichnet, sind ... Probleme des Schalls. 

Das Übel setzte an, als Schall zum akustisch-technischen Problem, und Hören zur ins Subjektive eingeschlossenen Ästhetik wurde.

ABER diese Entwicklung hat bereits Jahrzehnte zuvor begonnen, und zwar ganz real. Sie hat in dem Moment begonnen, wo man begann, in den Kulträumen Tonanlagen einzubauen, Verstärkeranlagen zu installieren, Mikrophone zu verwenden, und damit den Raum als erlebbare, formende Größe aufzulösen. Damit haben wir durch eine technische Entwicklung unsere Religion protestantisiert, das heißt: spiritualisiert und entkernt. Und die Erlebensqualität zur psycho-genetischen (also aus der Psyche entstehenden weil hervorzubringenden) Frage gemacht, und damit das Wort ins Rationalistische ausgetrocknet.

Am Beginn stand nicht einfach nur der logos. Am Beginn, werte Herrschaften, stand ... der Ton. Denn er ist die Gestalt des Wortes, und erst DAMIT Welt und Schöpfung. In ihm liegt alles, liegt das Wesen der Welt, das eine Entelechie des Wortes, des logos ist. Im Wort, im Ton wurde somit auch die erste Grundkonstellation ("Himmel und Erde") zur Weltqualität. Als Gott sprach - sprach! - es werde Licht, war dieses Licht deshalb zugleich der Schall, der Ton, den er ausbrachte, weil er damit die Scheidung von Himmel und Erde zur Welt machte. Daraus ist dann alles weitere hervorgegangen, auf ihm hat alles weitere aufgebaut, und was immer später kam - es zielte auf diese erste Konstellation ab. 

Was die Antike noch sehr gut wußte, wofür die Tempel bis hin zu den Pharaonen und ihren Pyramiden Zeugnis ablegen, ist bei uns offenbar in Vergessenheit geraten. Daß nämlich die Architektur die erste und alles weitere umfassende Kunst ist. Und damit hängt in seinem tiefsten Wesen zusammen, daß die Rhetorik der Antike die erste, einzige, umfassendste Bildungs- weil Formungsquelle war. Denn der Ton als innerste Qualität des Wortes - die Musik erzählt es doch ganz deutlich! - ist die erste Ikone des logos. Denn der Ton ist das (fast bzw. zum Teil sogar) sakramentale Symbol jener Urbilder, denen gemäß die gesamte Welt als Beziehungsraum erst zur Welt wurde.

Und auf dem Schall baut deshalb auch die Liturgie, der Kult auf. Er erfüllt weil erschafft im Hörbaren alle weiteren Riten, er tut es durch die Offenbarung von Raum, und damit auch von jenem Ort, an dem Gott uns hingestellt hat, und der unser Ort ist, an dem und durch den wir uns heiligen sollen. Wenn wir aber die Kulträume durch den künstlich verbreiteten Schall ent-räumen, entziehen wir allem weiteren Erkennen den Boden, und nehmen dem Menschen die Grunderfahrung der Welt, die Ort ist. 

Wenn wir die Kirchen also wieder "ent-schallen", das heißt alle diese das Erkennen so überschüttenden, stumm und stumpf machenden Verstärkeranlagen wieder entfernen, werden wir ein wahres Wunder an Wieder-Aufkeimen des Glaubenssinnes erleben, dessen kann man sicher sein. Es ist kein Sekundärproblem - es ist das erste Grundproblem der Ent-Religiosierung der Menschen, die wir erleben. Und auf ihm bauen sämtliche weiteren, sogar die kulturellen/zivilisatorischen Probleme auf, die sämtlich im Umgang mit dem Ton als raumschaffende Wirklichkeit begonnen haben - in einem veränderten Umgang mit dem Medium Wort, dem im Still-Lesen erstmals der Schall und damit die Wirklichkeit des Wortes genommen wurde.





Freitag, 24. Mai 2019

Raum als göttliche Ordnung (3)

Teil 3) Wie schon häufig: Die zu Exkursen ausgeuferten Anmerkungen





*Letztendlich beruht Kommunikation sogar auf der Nonverbalität des Gestalthaften. Und damit auf den Raum als Wirklichkeit des Beziehungshaften, der Aussage zum eigenen Wesen in der Begegnung, die sich nur in der Begegnung von Gestalten ans Licht hebt. Rituelles als Tanz der Gestalten, der sich selbst wiederum auf ein Dahinterstehendes, Geistiges, wirklich Wirkliches bezieht, in dem beide sich treffen, das beide umfaßt. (s. u. a. dazu Zubiri: Wesen als Ort! Ort als Wesen.)

²In einer historischen Entscheidung im 16. Jahrhundert haben sich England, Frankreich, Portugal und Spanien verbindlich sogar darauf verständigt, daß jenseits eines gewissen Breitengrades im Atlantik keine Rechtsordnung mehr bestand. In einer Zeit, wo in Europa Staaten ihre Beziehungen bereits zu verrechten begonnen hatten - im sogenannten "Völkerrecht", in dem nur noch der Papst zuständige Schiedsinstanz war. Deshalb mußte auch Rom die Streitigkeiten zwischen Portugal und Spanien im Fall des "Jesuiten-Staates" in Paraguay schiedsrichten. 

Aber das hat seine Ursprünge in diesen uralten Rechtsansichten, in denen sich natürlich noch jede Menge Heidentum mitschleppt, das man im Wesentlichen als "Angstverhältnis" unter Menschen begreifen muß. Vermutlich sogar alle Völker bezeichnen sich in ihrem Namen, den sie sich selbst geben, als "Menschen", alle anderen über einzelne Eigenschaften, oder gar als Nicht-Menschen. Eine Vorstellung, die übrigens Spanien am frühesten (christlich) weiterentwickelt hat, denn Menschen sind prinzipiell alle Völker, und müssen auch so behandelt werden (wenn auch nicht unmittelbar als der "Gemeinschaft zugehörig". In der Entscheidung die Indios betreffend zeigt sich das. Als der Franziskanerpater Las Casas vor Karl V. erwirkte, daß dieser den Indios alle Rechte als Menschen zustand, war das keineswegs eine Selbstverständlichkeit, denn es war nicht klar, ob ein Mensch ohne Kultur überhaupt Mensch war. 

Sie mögen lächeln, werter Leser, so einfach ist das gar nicht, und gerade heute gibt es fatale Tendenzen, diese Feststellung wieder gemäß dem Heidentum zu treffen: In der Abtreibung etwa, in der Euthanasie, oder in der Gehirntoddefinition, wo man überall den Status Mensch von gewisser Aktualisierungskraft abhängig macht. Und die anderen Länder ließen sich damit auch noch viel Zeit. Denn erst wollten sie ja einmal ihren Platz neben oder über Spanien im seit 1492 erst zu ordnenden Raumgefüge erobern, da war ihnen offizielle Anarchie lieber.

Gemeinschaft, damit Vertrauenswürdigkeit beruht auf gemeinsamen Riten, auf vor allem nonverbal selbstverständlich etablierter, kraft persönlicher Verhältnisse (zu denen auch Gesetze gehören) verbindlicher Art des Umgangs miteinander. Wer dieser Ritengemeinschaft nicht angehört wird zuerst einmal mit Vorsicht behandelt, nicht ins Innerste einer Gemeinschaft eingelassen, muß sich erst bewähren, und das ist ein Gebot der Klugheit.

**Im großen Rahmen gesehen ist - rudimentär, aber immerhin - noch die gesamte Millionenstadt auf den Stephansdom als Zentrum ausgerichtet, ja um ihn angeordnet.

³Wenn wir heute keine Stadtmauern mehr brauchen, dann deshalb, weil bereits das gesamte Land in unseren Ländern in die Ordnung der Städte hineinbezogen und damit Kulturland ist. Das Bemerkenswerte an Mitteleuropa bzw. unseren Ländern ist ja, daß es keinen Flecken mehr gibt, der NICHT in eine Ordnung gestellt ist. Selbst wenn (sagen wir) ein kleines Waldstückchen im Dorf Unterpfingelstätten als "verwildert" auf einem großen Acker steht, ist seine Wildnis ein Platz in einer Ordnung. 

Und ist streng zu unterscheiden von einer anderen Unordnung, die Zeichen von mangelnder, nicht vorhandener Kultur ist, wie sie im Süden Europas oder von der Türkei bis in den gesamten arabischen Raum und Afrika zu sehen sind. Wo Menschen sogar mitten in Müllhalden leben, die sie offiziell Orte oder Städte nennen. In einem von Menschen bewohnten chaotischen "Raum", die nicht in der Lage sind, Raum zu schaffen, weil begegnende Dinge ihren Beziehungen gemäß in eine Ordnung zu stellen. Menschen, die also bestenfalls Oasen (und sei es in den ummauerten Hinterhöfen) kennen. Denn erst Ordnung schafft überhaupt das, was wir als "Raum" bezeichnen. Das meist ein gründliches Mißverständnis ist: Weil wir seine meßbare Emanation für "Raum" erklären.  Meßbar sein heißt aber nur, ein Verhältnis zu anderen Dingen zu haben. Ein Raum-Maß als absolute Größe gibt es nicht. Es herrscht hier dasselbe Mißverständnis wie beim Begriff der (irdischen) Zeit.






Donnerstag, 23. Mai 2019

Raum als göttliche Ordnung (2)

Teil 2)




Die Mauern der Städte waren deshalb auch mehr als bloße Verteidigungswerke. Sie waren die Grenze zwischen Kultur und Chaos, zwischen Leben und Unordnung, zwischen Gut und Böse, Gott und Satan. Die Welt außerhalb der Mauern war Tohuwabohu, Chaos, Unordnung, Feindesland, nicht in jene Gemeinschaft integriert, die der eine Gemeinschaft kennzeichnende Ritenfundus erst verläßlich macht. Alles innerhalb einer Stadt unterlag bereits der göttlichen Geordnetheit, war über den Altar, den Knoten- und Quellpunkt menschlichen, weltlichen Raumes, in Gott selbst hineingeborgen. Und der Mitbürger, der ebenfalls innerhalb der Mauern lebte, war ohngefragt Bruder und Nächster. Bei allen anderen war es nicht sicher und sogar eher unwahrscheinlich.³

Ganz anders in der Stadt also wie dem gegenüber, der vor den Mauern stand. Der nicht nur bei den Römern nicht einmal den Anspruch auf Menschenwürde hatte, weil er Barbaros, Wilder, Plapperer, Wirrkopf, Wilder, aber kein vollwertiger Mensch (also Kulturwesen) war. Dem deshalb auch keine Rechte zustanden, der in manchen Epochen und an manchen Orten sogar vogelfrei war und jederzeit bereit sein mußte, sich gegen Feinde zu wehren.²

Die Stadt hingegen, eine Erweiterung der Kirchen, die ja die vollkommene Welt und ihre Ordnung darstellten, nicht mehr, deshalb in deren Vorhalle, gewissermaßen, war diese dem göttlichen Plan folgende Unterwerfung der Welt. Sie war mit hineingenommen in das Himmlische Jerusalem, die Kirche, als Schöpfung, die zum Lobpreis Gottes erhoben wurde.  

Bemerkenswert ist, daß jede Kultur ab dem Moment ihren Zerfall anzeigt, in dem NICHT mehr jeder weiß, wo er hingehört, nicht mehr an diesem Platz aufwächst und sich so einzugliedern vermag und als Teil der Welt erfährt, der gebraucht wird. Wenn die sozialen Gebilde immer zufälliger und ungeordneter werden, und sich ihre Institutionalisierungen auflösen. Dieses Zueinander wiederum war durch Riten, Gebräuche, Grenzen und Tabus geregelt, die auf das Zentrum - Gott, Kirche, Ordnungsquelle - ausgerichtet waren. Deren Zueinander streng in Symbolik und Körpersprache formalisiert sein muß. 

Mary Douglas zeigt in "Ritual, Tabu und Körpersymbolik" sogar überzeugend, daß eine Kommunikation OHNE solche Rituale usw. gar nicht möglich ist.* Löst sich deshalb das Rituelle des Zueinander der Menschen auf, löst sich auch eine Gesellschaft auf und eine Kultur hört auf, zu bestehen, weil sich auch die Identitäten ihrer Menschen aufgelöst haben. Ohne Ort, ohne Platz in der Ordnung kann kein Mensch aber leben und bestehen. Nur aus Gott kann Segen erwachsen. Und nur aus einem Kampf um so einen Ort kann man die heutige Zeit verstehen.

Niemand bestreitet deshalb, daß seit dem Spätmittelalter und der frühen Neuzeit, als überall die bisherigen Stadtgrenzen und Mauerringe zu eng wurden - noch im 15. Jahrhundert lebten ja nur etwa drei Prozent der Bevölkerung unserer Länder in Städten, welcher Anteil bis ins 18. Jahrhundert auf zehn und mehr Prozent stieg, ehe er im 19. Jahrhundert endgültig emporschnellte -  die Städte mehr und mehr in gewissen Wildwuchs übergingen, sowohl vor den Mauern (wo es kein Ordnungsgesetz gab), als auch innerhalb (wo Ordnungsgesetzte verboten oder im reinen Nutzendenken übertreten wurden). Was (etwa im Fall Salzburg) in einigen Fällen im 17. und 18. Jahrhundert noch einmal dem aber bereits konstruierten Ordnungsdenken der Renaissance weichen mußte, wo man die alte, antike Ordnung (in neuem Gewand) wiederherzustellen suchte.

In den meisten Fällen wich der nach dem Mittelalter entstandene Wildwuchs noch einmal einer geplanten Ordnung, zumindest teilweise, als man im 18. und 19. Jahrhundert die aus militärischen Gründen überflüssig gewordenen Festungsanlagen schliff und mit dem nunmehr offenen Glacis (dem Freiraum zu den Vorstädten hin) vielen Städten gleich neben ihrem bisherigen Zentrum plötzlich große Flächen zur Disposition standen. Paris verdankt seine heutige Charakteristik ebenso dieser Tatsache wie Wien mit seiner Ringstraße, in der sich die Städte gewissermaßen neu erfanden, indem sie noch einmal die Ausrichtung auf ein Zentrum - diesmal bereits die weltlichen Herrscher - versuchten. Die heutige Wiener Ringstraße ist wie eine große U-förmige Zange angelegt, die an der Donau mit zwei Kasernen (die Stubenringkaserne gibt es nicht mehr, nur noch die Roßauer Kaserne) ansetzt, und in einer Art Schelle vom (letztlich aber, Zeichen der Kraftlosigkeit und des Zerfalls der Monarchie, schon nur noch zur Hälfte gebauten) Kaiserforum (vulgo Äußere Hofburg) gehalten wird.**

Bis dieses Raumbewußtsein, dem wir unsere Städte verdanken, allmählich völlig der Zufälligkeit wich. Heutige Städte, heutige Großstädte, heute gebaute Stadtviertel und Häuserensembles haben keine Ordnung mehr, weil sie kein Zentrum mehr haben, auf das alles ausgerichtet ist. Damit könnten sie überall stehen. Sie geben keine Heimat und damit keine Identität mehr. Sie sind nur noch "da", und man wechselt gefühlslos von einer zur anderen. Wo man dennoch so etwas wie Heimat findet, geschieht das bestenfalls wie zur Zeit der Völkerwanderung, wo sich die neu angekommenen Völker in den vorhandenen Ruinen niederließen und die Menschen es sich so gut wie möglich einrichteten. Bis die Kirche kam, und nach und nach wieder ein Zentrum zur Ausrichtung, und damit Identität und Ordnung bot. Übrigens - nach antikem Vorbild.

Wie wenig technisch, ja wie wenig "ästhetizistisch", wie sehr mythologisch-religiös die Anlage der nun gebauten Städte aber war, wurde spätestens ab dem Moment klar, als es weltweit in den 1920er bis 1950er Jahren Versuche gab, völlig neu nach Nutzen und technischem Ablauf konzipierte Städte auf dem Reißbrett zu entwerfen und umzusetzen. Neben Brasilia (Brasilien) und Chandigarh (Indien), beides Großstädte, die eine von Oscar Niemeyer, die andere von LeCorbusier als Ganzes auf die grüne Wiese geplant und umgesetzt wurden, sind es Stadtviertel wie das Gropius-Viertel in Berlin und jede Menge weiterer Stadtviertel weltweit, die angeblich technisch perfekt dem Bedürfnis der Menschen entsprachen, aber heute nicht mehr weit von der "Slum-Klasse" liegen.

Im Fall Berlin zeigt es sich noch drastischer, weil diese "Stadt" erst recht spät als bloße Zusammenlegung von Fischerdörfern im Geist der Aufklärung "entstand", also nie einen Plan, sondern eben diese Zufälligkeit des Zentrumslosen und damit keine Ordnung hat. Man sieht es heute deutlich. Vom Zustand der Peripherien in den meisten Städten wollen wir da gar nicht anfangen - ein Nebeneinander bezugsloser Autismuszeugen, mit identitätslosen, schutzlosen Konsumenten, und weltblinden Ablaufsklaven (Arbeiter, Angestellte) ...

In einer nicht nach göttlichem Plan angelegten Welt verkommt auch der Mensch. Nicht Nutzen bestimmt den Menschen, sondern Beziehung und Schönheit, Ritus und Gestalt. Denn nicht nur ist er selbst nach einem göttlichen Plan, nach einer Geometrie geordnet, sondern die ganze Welt, ja der gesamte Kosmos, vom Größten bis zum Kleinsten, ist auf denselben (archetypischen) Ordnungsprinzipien und Größenverhältnissen weil Beziehungen (nur auf je anderen Ebenen) aufgebaut. So ist die Schöpfung ein einziger Klangkörper, in dem in jedem Teil derselbe Rhythmus, dasselbe, alles durchdringende, alles beherrschende, alles ordnende Loblied erklingt. Um wie viel mehr muß das dann auch in den Städten sein, die den Lebensraum des Menschen bedeuten?




 
Morgen Teil 3) Wie schon  häufig: Die zu Exkursen ausgeuferten Anmerkungen




Mittwoch, 22. Mai 2019

Raum als göttliche Ordnung (1)

"Macht Euch die Erde untertan!" Diese Aufforderung stünde nicht in der Genesis der Bibel, wenn sie nicht einen Grundantrieb im Menschen aussagen würde: Den, sich die Erde zu unterwerfen, sie zu ordnen, sie zu gestalten, und so zum Teil menschlicher Kultur als Insgesamt seines Lebensvollzugs auf der Erde zu machen. Diese Gedanken werden neu bewußt, wenn man sich die interessanten Forschungen des Stadtplaners und Architekten Klaus Humpert ansieht.

Der beim Studium der Bebauungskarten seiner Heimatstadt Freiburg im Breisgau auf Regelmäßigkeiten stieß, die ihn verblüfft haben. Immer mehr konnte er sich des Eindrucks nicht erwehren, daß sich unter dem heutigen Antlitz der Stadt, viel deutlicher in ihren mittelalterlichen Strukturen, soweit sie erhalten oder nachvollziehbar sind, ein Plan stehe.

Damit widerspricht er den gängigen Ansichten der meisten Historiker, wie sie in dem interessanten Film in der Gestalt des em. Universitätsprofessors und Kunsthistorikers Günther Binding auftreten. Die davon ausgehen, daß unsere Städte im Mittelalter rein zufällig und pragmatisch entstanden sind, ohne daß ihnen ein Gesamtplan zugrunde gelegen wäre. Auch gibt es keine überlieferten Pläne, die belegten, daß jene 300 Städte, die zwischen dem 11. und 14. Jahrhundert im gesamten mitteleuropäischen Raum gegründet worden waren, geplant und nach einer vorgegebenen Ordnung aufgebaut worden wären.

Das mag sein, entgegnet dem Humpert, aber das kann ganz andere Gründe haben. Tatsache ist, daß er bei seiner insgesamt 15-jährigen Forschungsarbeit meint eindeutige Belege gefunden zu haben, daß nicht nur diese Städte zum allergrößten Teil nach einem Bebauungsplan errichtet wurden, sondern daß diese Pläne auch von Vorbildern ausgingen, die zum Teil in Italien lagen, die aber Freiburg im Breisgau vielleicht sogar als "Mutter aller deutschen Städte" sehen läßt. Denn hier zeigt sich das Grundschema am deutlichsten, und ist anhand heutiger Straßenverläufe und Häuserfronten so deutlich zu erkennen, daß es nicht verstehbar wäre, diese Indizien zu ignorieren.

Nun, ein wenig kann man Humpert da schon helfen. Denn abstrus ist sein Gedanke, daß das Mittelalter die Erde als göttliche Geometrie auffaßte, keineswegs, sondern im Gegenteil: Es ist das Grundverständnis von Welt überhaupt, das uns im speziellen über Griechen, Römer oder Ägypter (etc. etc.) längst bekannt ist. Man lese dazu etwa die maßstäblichen Klassiker von Fustel de Coulanges, oder Mircea Eliades "Das Heilige und das Profane". Niemandem wäre es bis ins späte Mittelalter - und in der Renaissance schon erst recht nicht, dort freilich beginnt sich das Ganze zu pervertieren, um schließlich ganz zusammenzubrechen - eingefallen, ein Haus und schon gar eine Stadt zu bauen, ohne sie auf göttlichen Willen hin auszurichten, ja in diesem zu fundieren.

Deshalb war eine geheiligte Urstätte sowohl bei den Römern das erste, was man tat, ebenso wie das spätere christliche Abendland, das anfänglich zu einem guten Teil ganz real aus den Ruinen römischer Städte entstand, es sich nehmen ließ, seine Städte und Siedlungen als Ensemble rund um eine zuerst bestimmte Kirche (Altar, Allerheiligstes etc.) zu gruppieren. Jeder Stadtteil, jedes Haus, jedes geplante Berufsviertel, jedes Verwaltungsgebäude hatte dabei seine Ordnung und Stellung in dieser Ordnung, die eine Stellung innerhalb des göttlichen Weltplanes war.

Was nicht in dieser Ordnung Platz hatte, hatte auch in der Stadt keinen Platz. Unreine Gewerbe (Färber, Schlachter) waren da ebenso gemeint wie Freuden- oder Krankenhäuser. Jede Himmelsrichtung hatte dabei ihre Bedeutung, und kein Tor war zufällig gesetzt, alle hatten eine mit ihnen metaphysisch verbundene Sinnstellung. Ebenso wie die Märkte und das, was auf ihnen gehandelt wurde. Erst in zweiter Linie war die Topographie von Bedeutung, oder entnahm man ihr Hinweise.

Auch die Distanzen zwischen diesen Bereichen waren nicht zufällig, sondern in Geometrie bzw. Zahlenverhältnisse gefaßte, darin erkennbare Beziehung. Freilich gelingt es Humpert nicht - und daß er diesen Gedanken nicht näher ausführt oder gar kennt verwundert einigermaßen - die Maßzahlen, auf die er immer wieder gestoßen ist, in der Metaphysik zu verankern, denn darin waren sie begründet. Er würde vermutlich noch viel mehr entdecken.

Und (man möge es nicht falsch verstehen, aber doch sollte es gesagt werden) er hat auch nicht überprüft, ob diese Kreise und Positionen, die er fand, nicht mit Planetenkonstellationen (also der damals noch untrennbar verbundenen Astronomie und Astrologie) zu tun haben. Denn nach aristotelischem Weltbild sind die Planeten die urstofflichsten, bis auf Gott schon äußersten, allem quasi zugrundeliegenden, gröbsten, aber alles gleichermaßen und in gleicher Art (fraktal, also ein Schema in allem, vom Kleinsten bis zum Größten) durchwirkend wie davon durchwirkt.²

Und das ist wohl auch die größte Schwäche seiner Argumentation, die sogar das, was er herausgefunden hat - die mittelalterliche Stadt, Fundament so gut wie aller unserer heutigen Städte, war allem Anschein nach streng durchgeplant, und keineswegs eine zufällig entstandenen Aneinanderreihung von zufällig hier anlandenden Menschen - ein bißchen doch wie zufällig aussehen läßt. Sodaß auch verstehbar ist, wenn Binding meint, daß man in jeder Anhäufung von Punkten und Orten, wenn man lange genug sucht, eine Systematik entdecken kann. Dieser Teil seiner Arbeit scheint unvollendet, dabei wäre es der Grundstein.

Aber prinzipiell hat er sicher recht. Nicht nur, daß zumindest bis zum Weißwurschtäquator und nach der Völkerwanderung, also nach dem Abzug der Römer über die Alpen, zumindest nach dem Verlust deren kultureller Vormachtstellung, viele Orte (als "noch nicht Städte") buchstäblich auf römischen Ruinen errichtet wurden. Dabei wurden die Straßenverläufe ebenso oft übernommen, wie Gebäude. Ja, viele heutige Altstadtkerne sind sogar direkt in römische Großbauten (wie Amphitheater) eingebaut worden, um diese zu nützen. So, wie man die Bauten abtrug, um deren Baumaterial zu verwenden.

Sopron (Ödenburg), ehedem Scarbantia, wo der VdZ wohnt, ist ein typisches Beispiel dafür: Das Stadtzentrum folgt noch heute mehr oder weniger präzise der römischen Stadtplanung. Obwohl der Wohlstand der späten Renaissance architektonisch gewaltig umgerührt hat, folgen die meisten Straßen und Ausgänge aus der Altstadt, die von dem ehedem weiten Glacis ("Graben") umgeben ist, ihrer römischen Erstanlage. Mit seinem Tor im Osten, Westen, Norden und Süden, mit denen jeweils auch Funktionen verbunden waren.*

Der aus der Antike herüberkommende Mensch hat sich bis ins späte Mittelalter kein Leben ohne festen, in Gottes Plan gegründeten Ort vorstellen können. (Und er hatte damit ja zutiefst recht! Wie gut wäre es, wenn wir uns dieser Wahrheit heute wieder bewußter würden.) Tief religiös, hat sich niemand, wirklich niemand ein willkürliches, zufälliges Leben vorstellen können, wie es mit dem Subjektivismus der Renaissance schließlich allgemein wurde. Ort, Platz gibt Legitimität. Gott hat in der Schöpfung prinzipiell ja eigentlich den Raum geordnet, und DAMIT (Raum = Welt = Beziehungsordnung) geschaffen. Und deshalb war der konkrete Raum Ausdruck und Schauplatz des göttlichen Weltenplanes, und damit des Menschen. Nur so war Segen zu erwarten: Wenn man an seinem Platz stand. Und das gilt natürlich bis in persönliche Verhältnisse hinein.**


 Morgen Teil 2)



²Diese Janusgesichtigkeit ist für den Verstand das größte Problem mit der Astrologie. Sie ist Spiegel wie selbst Gestalt, Gewirktes wie Wirkursache zugleich. Also kann sie von da her auch kein Orientierungspunkt sein, und sie zu betrachten gerät allzu leicht in die Todesfalle dessen, das in sich hineinsieht, weil das, WAS sieht auch das ist, WAS MAN sieht (=Invertiertheit). Siehe dazu Walter Hoeres "Reflexivität".

*Der überlieferte Streit von Romulus mit Remus, der den soeben von Romulus gezogenen Graben für die Stadtmauer übersprang, wird erst so verständlich. Remus hat die Ordnung aufgelöst. Auf der allein eine Stadt zu gründen war. Denn nur eine Ordnung ist ein "Etwas". Also mußte Remus erschlagen werden, denn er gefährdete die nur vom Menschen zu errichtende Welt. (Gott hat das Material gestellt, sozusagen, und seine Eigenart in Orten festgelegt, in die jeweilige Beziehungs-Typiken - "Dinge", "Etwasse" - treten.) Ohne Ordnung gibt es nur das Nichts amorpher, a-welthafter Potenz.

**Auch Ehe und alles was aus ihr folgt ist ein Ort, und damit erst Form von Beziehung.