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Treibgut - Wo am breiten Strome die Ufer stehen, sind Schwarzerlensamen aufgegangen, und schäumen als saftige Büsche die Ränder der großen Lethe, die alles ins Dunkele Meer trägt; ihre weichen Äste, die noch nicht ahnen lassen, welcher später als kahler Stamm reife Blätter hoch in der Sonne wiegen wird, tauchen in die Wasser, wie Kinderhände. Dann und wann greifen sie, denen alles noch ernstes Spiel ist, nach Treibgut. Oder es bleibt hängen, lädt zum Tanze, haucht im Kusse Lebwohl
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Dienstag, 14. Juni 2022
Nicht WENIGER, sondern-MEHR Autos brauchen wir
Montag, 9. Mai 2022
Nur noch von Giftpfeilen umgeben
Man könnte also von Sakramentalität sprechen, die Ruinen kennzeichnen.
Sonntag, 20. März 2022
Gedankensplitter (2005c)
Samstag, 19. März 2022
Gedankensplitter (2005b)
Wobei - es geht ausdrücklich nur um die VERBREITUNG russischer Inhalte, also von allem, das AUS RUSZLAND STAMMT. Auf den möglichen Streit, was als Propaganda gesehen werden könnte und was nicht, läßt sich der Staat gar nicht erst ein. VERBREITUNG, heißt es.
Freitag, 18. März 2022
Gedankensplitter (2005a)
Der sogenannte Traditionalismus verweigert der eiugenen Elterngeneration die Übernahme DERER Tradition, um dabei nicht einmal auf die vorletzte Generation zurückzugreifen, sondern auf einen Fixpunkt irgendwann in der Vergangenheit. Man nennt das eigentlich nicht Traditionalismus, sonder Archäologismus.
Freitag, 24. September 2021
Die drei Phasen der Weltgeschichte (1)
Eine ganz andere Geschichte - Die Archäologie und Paläoarchäologie hat schwer damit zu kämpfen, daß sie die Schichten noch auseinanderhalten kann, auf die sie stößt, und die aus drei globalen, großen, und mehreren kleineren (dabei ebenfalls globalen) Katastrophen kosmischen Ausmaßes steht. Nachdem sie aber über kein taugliches Geschichtskonstrukt verfügt, also einer völlig falschen Erzählung folgt, mit der die entdeckten Tatsachen nur bei Ausschluß größter Evidenzen in "Übereinstimmung" zu bringen sind, wird sie daraus auch keinen Ausweg finden. Ihr Beitrag zur Selbstfindung des Menschen durch Kenntnis der eigenen Vergangenheit, die ohnehin schwer durch einen progressiv zunehmenden Verlust der Erinnerung getroffen ist, wird also immer dürftiger und nähert sich der Irrelevanz. Sprich: Was immer sie erzählen, es ist leeres Geschwätz.
Nur einige wenige Ausreißer, oft genug in der Ecke der Phantasten, und die fast alle aus dem Lager der Außenstehenden stammen, durchbluten noch das über weite Strecken ausgetrocknete, im wahrsten Sinn inspirationslose Narrativ.
Mittwoch, 28. April 2021
Als die Lebens(t)räume billig wurden (3)
Teil 3) Anmerkungen zum Kommunismus als Grundhaltung des westlichen Menschen und zur Frage, und warum die Erfindung der Perspektive in der Malerei einem Impfen gegen Krankheiten analog ist.
*Es ist egal, welchen Begriff man dafür verwendet - Marxismus, Sozialismus, Kommunismus, Sozialstaat (wie den unseren) als Lebensform, die dazu führt bzw. diesen Hintergrund hat. Alles das hat jene Ideologie als Basis, die mit einem alle Bereiche umfassenden Weltbild in den 1970er Jahren durch politische Intention von sozialistischen Parteien entfesselt worden sind. Parteien, die sich spätestens ab dem vorgeblichen Zusammenbruch der Systeme in Osteuropa in den Jahren 1989/90 sozialDEMOKRATISCH nannten. Um ihr eigentliches, nie verändertes Ziel zu verbergen.
Dienstag, 27. April 2021
Als die Lebens(t)räume billig wurden (2)
Teil 2) Erschlagen von den Balkonen der Gierigen
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| QR Balkonstory auf oe24 |
Montag, 26. April 2021
Als die Lebens(t)räume billig wurden (1)
Der geneigte und Leser würde vermutlich an der Nachricht nichts erkennen was ihr Wichtigkeit geben könnte, um sie in den ambrosius.konnotationen zu verorten, das sich doch mit "ach so geistigen Themen" befaßt. Aber regelmäßige Leser wissen schon, daß es auch eine der selbstgestellten Aufgaben dieser Seiten ist, in oft den kleinsten, nebensächlichsten, alltäglichsten Dingen die tiefsten Zusammenhänge zu sehen. So ist es wohl auch bei der Meldung, daß in Oberösterreich bei einem Einfamilienhaus der Balkon abgebrochen ist, als ihn drei Frauen mit einem Kleinkind betreten hatten. Man sieht es vor Augen, die Oma, die Tochter, eine Freundin mit dem vierjährigen Hansi-Burli. Alle (außer dem Buben; so ein Kindel läßt noch genug Raum für den Schutzengel, den drängen erst die gescheiten Erwachsenen aus dem Leben) sind schwer verletzt, die Mutter sogar lebensgefährlich.
Donnerstag, 28. November 2019
Wort wirkt weiter
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Freitag, 22. November 2019
Der Wahnsinn hat Methode
So nebenbei: Die Bauindustrie braucht weltweit (im besonderen über Beton) das Fünffache an Energie (samt CO2-Auststroß, wenn also schon) wie der gesamte individuelle wie öffentliche Verkehr. Beton alleine braucht fast so viel fossile Brennstoffe wie ... das Militär.
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Dienstag, 30. Juli 2019
Nur Schönheit kann Kultur, nur Schönheit besiegt Dummheit
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Donnerstag, 11. Juli 2019
Heliozentrismus wurde einfach zum Postulat erklärt (4)
Wenn sich die These erhärtet, stehen wir vor der Tatsache, daß wir aus Vernunftgründen zur uralten Sicht der Menschheit zurückkehren müssen. Die auch die Kirche seit je in ihrer Theologie und Metaphysik vertreten hat, und ohne die ihre Heilslehre im Grunde gar nicht haltbar wäre. Natürlich ist "The Principle" die Ausarbeitung einer metaphysischen Idee. Und diese Idee wird durch die heutige Astrophysik, durch die Wissenschaft immer eindeutiger gestützt. Aber es ist in keinem Fall die Wissenschaft, die uns sagen kann und ihr Forschen davon beeindrucken lassen darf, welche Folgen auf unser Leben das haben wird. Und es dürfte auch keine Rolle spielen, daß die Reputation zahlloser Nobelpreisträger und Forschungsinstitute auf dem Spiel steht. Das wird die Diskussion vermutlich noch schärfer machen, als man unter rein wissenschaftlichen Gesichtspunkten erwarten sollte. Hier geht es um enorm viel Persönliches ...
Freilich, dem Geozentrismus steht noch eine Mammutaufgabe bevor. Er muß belegen, daß sämtliche physikalischen "Wahrheiten", die von einem heliozentrischen Weltbild ausgehen, und die doch auch beachtliche Proben ihrer Zutreffendheit geliefert haben (wobei viele dieser Zutreffendheiten auch, das stimmt gewiß, in den Bereich reiner Spekulation und Fabuliererei gehören, viel "Gewußtes" ist nur ein "Geglaubtes" oder "Spekuliertes") auch dann stimmen, wenn man die Erde als Zentrum des Universums annimmt. Viele physikalische Phänomene müssen neu erklärt und durchgedacht werden. Mit der großen Schwierigkeit, daß eine Diskussion mit bestehenden Theorien, die auf Heliozentrik aufbauen, auf sachlicher Ebene sehr schwierig sein wird, weil hinter der heute als solche verstandenen Sachlichkeit in der Regel sehr gut verborgene Metaphysik steht, die genau das zu sein verleugnet.
Aber leistbar sollte das sehr wohl sein, zumal viele unserer bisherigen vermeintlichen Gewißheiten sachlich betrachtet auf äußerst schwachen Füßen stehen. Den meisten Leuten ist überhaupt nicht klar, auf wie vielen puren Annahmen und Postulaten, auf denen weiter und weiter aufgebaut wurde und wird, ihr angeblich so sicher gewußtes Weltbild basiert. Ja, egal wer - alle glauben ihr Weltbild ebenfalls nur. Die oft anzutreffende Überzeugung, daß die Bewegung der Erde um die Sonne sogar beobachtbar wäre, stimmt einfach nicht.
Und bislang haben die Heliozentriker auch sehr wenig bis gar nichts Überzeugendes geliefert, das die Geozentrik widerlegen würde. Auch wenn sie versuchen (wie beim Darwinismus) zu beweisen, daß sich Glaube und diese Theorien nicht widersprechen. (Eine Diskussion dazu findet sich hier.) Umso vehementer ergehen sich viele Gegner fast unisono in persönlichen Angriffen, das ist auch hier der Fall, Delano berichtet darüber.
Ebenso hat die Berufung auf die Mathematik eine fundamentale Schwäche. Weil nicht alles was sich berechnen läßt auch real sein muß. Somit ist auch die Mathematik keine Grundlage für ein Weltbild. Sie kann es nur belegen, sofern sie sich auf Reales bezieht, das ihr vorausgeht.
Schaut man aber genauer zeigt sich, daß das heliozentrische Weltbild sich als unheimlich zusammengeschustert präsentiert, und nur einen großen Vorteil hat: Niemand kann noch Propaganda von fundierter Aussage unterscheiden, weil das Weltbild der Menschen zu größten Teilen von Propaganda, die man sich sogar selbst auferlegt, nicht mehr zu unterscheiden ist. Denn es gibt sehr wohl - und das ist ein Indiz, daß da etwas nicht stimmt - massive Interessen, so ein Weltbild um jeden Preis aufrechtzuhalten. Weil sich enorm viel damit verknüpft, das mit Physik und Wissenschaft nicht das Geringste zu tun hat, sondern nur ein Ziel hat: Gott aus dem Universum (und aus dem individuellen Leben) hinaus zu beweisen, und den Menschen (und damit sein Sündenbewußtsein) zu marginalisieren weil zu entraumen.
Dazu kommt, daß unsere Kultur mittlerweile 400 Jahre an den Theorien bastelt, die die Heliozentrik zum Ausgangspunkt haben. Und das heißt 400 Jahre Adaptionsgeschichte, die in enorm komplizierte Lösungen und Modelle mündete, auf denen ein weiteres Gebirge von Anschauungen aufgetürmt wurde, die uns heute bestimmen und im autoritativen Status von "Wissen" sind.
Welt ist aber nur, weil die Dinge in Beziehungen zueinander stehen, und darauf, diese Beziehung zu realisieren, ausgerichtet sind. Das ist dann Raum: Realisierung von Beziehung, nicht absoluter "Raum". Nicht nur gilt also, daß Welt Raum bedeutet, sondern auch, daß allem Physischen ein geistiges, ideenhaftes Netz zugrunde liegt, das die Weltwerdung treibt und trägt. Die Ordnung geht allem voraus, sie kommt nicht nachträglich, und schon gar nicht zufällig. Allem Forschen geht somit das Denken über die Grundkonzeption voraus, nicht umgekehrt. Erst dann werden Daten zu Fakten, erst dann werden Ereignisse zu Informationen. Das gilt für die Heliozentrik nicht weniger. Aber nur die Geozentrik scheint es auch zu wissen.
Max Tegmark
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Mittwoch, 10. Juli 2019
Heliozentrismus wurde einfach zum Postulat erklärt (3)
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Dienstag, 9. Juli 2019
Heliozentrismus wurde einfach zum Postulat erklärt (2)
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Montag, 8. Juli 2019
Heliozentrismus wurde einfach zum Postulat erklärt (1)
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Freitag, 5. Juli 2019
Welt und Liturgie: Raum durch Schall
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Freitag, 24. Mai 2019
Raum als göttliche Ordnung (3)
*Letztendlich beruht Kommunikation sogar auf der Nonverbalität des Gestalthaften. Und damit auf den Raum als Wirklichkeit des Beziehungshaften, der Aussage zum eigenen Wesen in der Begegnung, die sich nur in der Begegnung von Gestalten ans Licht hebt. Rituelles als Tanz der Gestalten, der sich selbst wiederum auf ein Dahinterstehendes, Geistiges, wirklich Wirkliches bezieht, in dem beide sich treffen, das beide umfaßt. (s. u. a. dazu Zubiri: Wesen als Ort! Ort als Wesen.)
²In einer historischen Entscheidung im 16. Jahrhundert haben sich England, Frankreich, Portugal und Spanien verbindlich sogar darauf verständigt, daß jenseits eines gewissen Breitengrades im Atlantik keine Rechtsordnung mehr bestand. In einer Zeit, wo in Europa Staaten ihre Beziehungen bereits zu verrechten begonnen hatten - im sogenannten "Völkerrecht", in dem nur noch der Papst zuständige Schiedsinstanz war. Deshalb mußte auch Rom die Streitigkeiten zwischen Portugal und Spanien im Fall des "Jesuiten-Staates" in Paraguay schiedsrichten.
Aber das hat seine Ursprünge in diesen uralten Rechtsansichten, in denen sich natürlich noch jede Menge Heidentum mitschleppt, das man im Wesentlichen als "Angstverhältnis" unter Menschen begreifen muß. Vermutlich sogar alle Völker bezeichnen sich in ihrem Namen, den sie sich selbst geben, als "Menschen", alle anderen über einzelne Eigenschaften, oder gar als Nicht-Menschen. Eine Vorstellung, die übrigens Spanien am frühesten (christlich) weiterentwickelt hat, denn Menschen sind prinzipiell alle Völker, und müssen auch so behandelt werden (wenn auch nicht unmittelbar als der "Gemeinschaft zugehörig". In der Entscheidung die Indios betreffend zeigt sich das. Als der Franziskanerpater Las Casas vor Karl V. erwirkte, daß dieser den Indios alle Rechte als Menschen zustand, war das keineswegs eine Selbstverständlichkeit, denn es war nicht klar, ob ein Mensch ohne Kultur überhaupt Mensch war.
Sie mögen lächeln, werter Leser, so einfach ist das gar nicht, und gerade heute gibt es fatale Tendenzen, diese Feststellung wieder gemäß dem Heidentum zu treffen: In der Abtreibung etwa, in der Euthanasie, oder in der Gehirntoddefinition, wo man überall den Status Mensch von gewisser Aktualisierungskraft abhängig macht. Und die anderen Länder ließen sich damit auch noch viel Zeit. Denn erst wollten sie ja einmal ihren Platz neben oder über Spanien im seit 1492 erst zu ordnenden Raumgefüge erobern, da war ihnen offizielle Anarchie lieber.
Gemeinschaft, damit Vertrauenswürdigkeit beruht auf gemeinsamen Riten, auf vor allem nonverbal selbstverständlich etablierter, kraft persönlicher Verhältnisse (zu denen auch Gesetze gehören) verbindlicher Art des Umgangs miteinander. Wer dieser Ritengemeinschaft nicht angehört wird zuerst einmal mit Vorsicht behandelt, nicht ins Innerste einer Gemeinschaft eingelassen, muß sich erst bewähren, und das ist ein Gebot der Klugheit.
**Im großen Rahmen gesehen ist - rudimentär, aber immerhin - noch die gesamte Millionenstadt auf den Stephansdom als Zentrum ausgerichtet, ja um ihn angeordnet.
³Wenn wir heute keine Stadtmauern mehr brauchen, dann deshalb, weil bereits das gesamte Land in unseren Ländern in die Ordnung der Städte hineinbezogen und damit Kulturland ist. Das Bemerkenswerte an Mitteleuropa bzw. unseren Ländern ist ja, daß es keinen Flecken mehr gibt, der NICHT in eine Ordnung gestellt ist. Selbst wenn (sagen wir) ein kleines Waldstückchen im Dorf Unterpfingelstätten als "verwildert" auf einem großen Acker steht, ist seine Wildnis ein Platz in einer Ordnung.
Und ist streng zu unterscheiden von einer anderen Unordnung, die Zeichen von mangelnder, nicht vorhandener Kultur ist, wie sie im Süden Europas oder von der Türkei bis in den gesamten arabischen Raum und Afrika zu sehen sind. Wo Menschen sogar mitten in Müllhalden leben, die sie offiziell Orte oder Städte nennen. In einem von Menschen bewohnten chaotischen "Raum", die nicht in der Lage sind, Raum zu schaffen, weil begegnende Dinge ihren Beziehungen gemäß in eine Ordnung zu stellen. Menschen, die also bestenfalls Oasen (und sei es in den ummauerten Hinterhöfen) kennen. Denn erst Ordnung schafft überhaupt das, was wir als "Raum" bezeichnen. Das meist ein gründliches Mißverständnis ist: Weil wir seine meßbare Emanation für "Raum" erklären. Meßbar sein heißt aber nur, ein Verhältnis zu anderen Dingen zu haben. Ein Raum-Maß als absolute Größe gibt es nicht. Es herrscht hier dasselbe Mißverständnis wie beim Begriff der (irdischen) Zeit.
Donnerstag, 23. Mai 2019
Raum als göttliche Ordnung (2)
Ganz anders in der Stadt also wie dem gegenüber, der vor den Mauern stand. Der nicht nur bei den Römern nicht einmal den Anspruch auf Menschenwürde hatte, weil er Barbaros, Wilder, Plapperer, Wirrkopf, Wilder, aber kein vollwertiger Mensch (also Kulturwesen) war. Dem deshalb auch keine Rechte zustanden, der in manchen Epochen und an manchen Orten sogar vogelfrei war und jederzeit bereit sein mußte, sich gegen Feinde zu wehren.²
Die Stadt hingegen, eine Erweiterung der Kirchen, die ja die vollkommene Welt und ihre Ordnung darstellten, nicht mehr, deshalb in deren Vorhalle, gewissermaßen, war diese dem göttlichen Plan folgende Unterwerfung der Welt. Sie war mit hineingenommen in das Himmlische Jerusalem, die Kirche, als Schöpfung, die zum Lobpreis Gottes erhoben wurde.
In den meisten Fällen wich der nach dem Mittelalter entstandene Wildwuchs noch einmal einer geplanten Ordnung, zumindest teilweise, als man im 18. und 19. Jahrhundert die aus militärischen Gründen überflüssig gewordenen Festungsanlagen schliff und mit dem nunmehr offenen Glacis (dem Freiraum zu den Vorstädten hin) vielen Städten gleich neben ihrem bisherigen Zentrum plötzlich große Flächen zur Disposition standen. Paris verdankt seine heutige Charakteristik ebenso dieser Tatsache wie Wien mit seiner Ringstraße, in der sich die Städte gewissermaßen neu erfanden, indem sie noch einmal die Ausrichtung auf ein Zentrum - diesmal bereits die weltlichen Herrscher - versuchten. Die heutige Wiener Ringstraße ist wie eine große U-förmige Zange angelegt, die an der Donau mit zwei Kasernen (die Stubenringkaserne gibt es nicht mehr, nur noch die Roßauer Kaserne) ansetzt, und in einer Art Schelle vom (letztlich aber, Zeichen der Kraftlosigkeit und des Zerfalls der Monarchie, schon nur noch zur Hälfte gebauten) Kaiserforum (vulgo Äußere Hofburg) gehalten wird.**
Im Fall Berlin zeigt es sich noch drastischer, weil diese "Stadt" erst recht spät als bloße Zusammenlegung von Fischerdörfern im Geist der Aufklärung "entstand", also nie einen Plan, sondern eben diese Zufälligkeit des Zentrumslosen und damit keine Ordnung hat. Man sieht es heute deutlich. Vom Zustand der Peripherien in den meisten Städten wollen wir da gar nicht anfangen - ein Nebeneinander bezugsloser Autismuszeugen, mit identitätslosen, schutzlosen Konsumenten, und weltblinden Ablaufsklaven (Arbeiter, Angestellte) ...
Morgen Teil 3) Wie schon häufig: Die zu Exkursen ausgeuferten Anmerkungen
Mittwoch, 22. Mai 2019
Raum als göttliche Ordnung (1)
Der beim Studium der Bebauungskarten seiner Heimatstadt Freiburg im Breisgau auf Regelmäßigkeiten stieß, die ihn verblüfft haben. Immer mehr konnte er sich des Eindrucks nicht erwehren, daß sich unter dem heutigen Antlitz der Stadt, viel deutlicher in ihren mittelalterlichen Strukturen, soweit sie erhalten oder nachvollziehbar sind, ein Plan stehe.
Was nicht in dieser Ordnung Platz hatte, hatte auch in der Stadt keinen Platz. Unreine Gewerbe (Färber, Schlachter) waren da ebenso gemeint wie Freuden- oder Krankenhäuser. Jede Himmelsrichtung hatte dabei ihre Bedeutung, und kein Tor war zufällig gesetzt, alle hatten eine mit ihnen metaphysisch verbundene Sinnstellung. Ebenso wie die Märkte und das, was auf ihnen gehandelt wurde. Erst in zweiter Linie war die Topographie von Bedeutung, oder entnahm man ihr Hinweise.
Und (man möge es nicht falsch verstehen, aber doch sollte es gesagt werden) er hat auch nicht überprüft, ob diese Kreise und Positionen, die er fand, nicht mit Planetenkonstellationen (also der damals noch untrennbar verbundenen Astronomie und Astrologie) zu tun haben. Denn nach aristotelischem Weltbild sind die Planeten die urstofflichsten, bis auf Gott schon äußersten, allem quasi zugrundeliegenden, gröbsten, aber alles gleichermaßen und in gleicher Art (fraktal, also ein Schema in allem, vom Kleinsten bis zum Größten) durchwirkend wie davon durchwirkt.²
Und das ist wohl auch die größte Schwäche seiner Argumentation, die sogar das, was er herausgefunden hat - die mittelalterliche Stadt, Fundament so gut wie aller unserer heutigen Städte, war allem Anschein nach streng durchgeplant, und keineswegs eine zufällig entstandenen Aneinanderreihung von zufällig hier anlandenden Menschen - ein bißchen doch wie zufällig aussehen läßt. Sodaß auch verstehbar ist, wenn Binding meint, daß man in jeder Anhäufung von Punkten und Orten, wenn man lange genug sucht, eine Systematik entdecken kann. Dieser Teil seiner Arbeit scheint unvollendet, dabei wäre es der Grundstein.
Sopron (Ödenburg), ehedem Scarbantia, wo der VdZ wohnt, ist ein typisches Beispiel dafür: Das Stadtzentrum folgt noch heute mehr oder weniger präzise der römischen Stadtplanung. Obwohl der Wohlstand der späten Renaissance architektonisch gewaltig umgerührt hat, folgen die meisten Straßen und Ausgänge aus der Altstadt, die von dem ehedem weiten Glacis ("Graben") umgeben ist, ihrer römischen Erstanlage. Mit seinem Tor im Osten, Westen, Norden und Süden, mit denen jeweils auch Funktionen verbunden waren.*
²Diese Janusgesichtigkeit ist für den Verstand das größte Problem mit der Astrologie. Sie ist Spiegel wie selbst Gestalt, Gewirktes wie Wirkursache zugleich. Also kann sie von da her auch kein Orientierungspunkt sein, und sie zu betrachten gerät allzu leicht in die Todesfalle dessen, das in sich hineinsieht, weil das, WAS sieht auch das ist, WAS MAN sieht (=Invertiertheit). Siehe dazu Walter Hoeres "Reflexivität".
*Der überlieferte Streit von Romulus mit Remus, der den soeben von Romulus gezogenen Graben für die Stadtmauer übersprang, wird erst so verständlich. Remus hat die Ordnung aufgelöst. Auf der allein eine Stadt zu gründen war. Denn nur eine Ordnung ist ein "Etwas". Also mußte Remus erschlagen werden, denn er gefährdete die nur vom Menschen zu errichtende Welt. (Gott hat das Material gestellt, sozusagen, und seine Eigenart in Orten festgelegt, in die jeweilige Beziehungs-Typiken - "Dinge", "Etwasse" - treten.) Ohne Ordnung gibt es nur das Nichts amorpher, a-welthafter Potenz.
**Auch Ehe und alles was aus ihr folgt ist ein Ort, und damit erst Form von Beziehung.

