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Samstag, 23. Mai 2015

Wie es mit dem Islam weiterging (3)


Teil 3) Alles falsch - aber nichts gelogen




Darin gründet übrigens die dem Menschen des Vorderen Orient (nebenbei: auch dem Griechen der Antike) nachgesagte "Verlogenheit", die alles andere als eine solche ist: Der Orientale interessiert sich einfach nicht für Details, ihm geht es alleine um das Große Ganze, um das "Dahinter", um die Lebens- als Erlebensqualität.*

Wer einmal, nur einmal mit Türken (wie der VdZ vor einiger Zeit wieder einmal) Geschäfte macht, wird das feststellen. Mündliche Vereinbarungen sind nichts als Höflichkeiten, sie ändern sich jede Viertelstunde, je nach Stimmung und Situation und Kommunikationsverlauf. Das ist keine Bosheit, keine Verlogenheit, keine Betrugsabsicht, ja der Partner sagt etwas offensichtlich Falsches, und dennoch lügt er nicht dabei - es ist Mentalität. Wenn Gott nicht Fleisch geworden ist, ist das Stofflich-Irdische völlig relativ. Das ist für einen Europäer fast nicht zu verstehen, und dabei höchst interessant und liebenswert. 

Nur eines muß auch klar sein: Auf dieser Mentalität läßt sich eine europäisch-westliche Markwirtschaft niemals (!) aufbauen, weshalb eine Türkei zur EU zu wünschen ein Akt besonderer Lieblosigkeit, wenn nicht Produkt typisch zeitgemäßer Technikverlorenheit ist. Denn es hieße, einem Volk sein Herz herauszureißen, es in Folge völlig umzukrempeln, um denselben Kriterien ungebremsten Geltungsvorrang einzuräumen, die Europa, noch mehr die USA (und von dort: auf Europa initial einwirkend, wie die Wirtschaftsgeschichte des 19. Jhds. zeigt) so kalt und tot gemacht haben. Selbst zwischen Deutschland und Österreich bestehen ja bereits genau dieselben Unterschiede, nur graduell anders, die (immer noch unterschätzt!) zwar vielleicht mathematisch hier und dort bessere Rechnungen ergeben, aber langfristig alles Leben austreiben, dessenwegen man ja arbeitet und handelt.  

Der Arianismus - und selbst der Protestantismus ist ein solcher (weshalb er dem Rationalismus so hohe Bedeutung beimißt; eine Reaktion auf die sich auflösende weil vor Gott bedeutungslose Welt) - des Islam wird niemals dasselbe verbindliche Verhältnis zum Fleischlichen, Konkreten als Inkarnation des Absoluten haben, wie der Katholik.

Zickurat von Samarra
Legenden, "Geschichterl", wie der Österreicher sagt (und es übrigens auch als damit sympathisierend meint), die im Fall des Islam in beachtlich hohem Maß auf schlichten Übersetzungs- und Übertragungsfehlern der Heiligen Schriften (dem zum "Quran" gewordenen aramäischen Lektionar) beruhen. So wird aus "himmlicher Hilfe" (bi-idr) durch Unverständnis des Aramäischen und später hinzugefügte, das Unverstandene interpretieren sollende Punkte ein Ort namens Badr, den es aber nie gab. Luxenberg und 100 Jahre vor ihm Ignaz Goldziher** haben enorm viele solcher Überlagerungen festgestellt, die ein Verständnis unmöglich machen, geht man nicht linguistisch ans Werk.

Die wahrscheinlich erste Moschee (masjid), die sich von einer christlichen Kirche unterschied, taucht Mitte des 9. Jhd. auf, auch wenn sie im 13. Jhd. bis auf die Außenmauern zerstört wurde. In Samarra. Sie weist neben dem rechteckigen Mauergeviert (das einmal Säulengänge vorgestellt hatte) außen einen dem altbabylonischen "Zikkurat" nachempfundenen Turm auf, der die Stiegen für den Muezzin noch außen trägt. Sie wanderten später nach innen. Ihr Name - Moschee - geht auf das aramäische Wort für einen "Platz der Gottesverehrung" zurück: masjid. In ihr ist die Gebetsrichtung Jerusalem - die Ausrichtung der christlichen Kirchen (Naherwartung des endzeitlichen Richters; genau diese eschatologische Ausrichtung ist bis in die Gotik hinein in christlichen Kirchen als OSTUNG erhalten: Christus, das Licht, ist mit der aufgehenden Sonne bzw. als sie erschienen, und erscheint jede Messe dort - das Ende liegt im Westen, im Untergang) bereits nach Mekka gewandert.


(wird fortgesetzt)




*Diese Haltung ist auch in Ungarn weit verbreitet. Trinken Sie ein Gläschen, seien sie übertrieben freundlich, loben sie alles überschwenglich, umarmen sie jeden und alles - und sie werden in den richtigen Fällen angewandt billiger kaufen, als sie je dachten.

**Der österreichisch-jüdische, genuin deutschsprachige, aber häufig ungarisch schreibende Budapester Linguist und Orientalist Ignaz Goldziher gilt bis heute als einer der maßgeblichen Kundigen des Orient (wie des Islam), und hat schon vor über 100 Jahren auf die höchst wackeligen Beine des Koran und der Hadithen hingewiesen. Was ihn aber nicht nur nicht gestört hat: er fühlte sich selbst als Orientale, ja als Muslim (auch wenn er vieles so gar nicht mochte), und hat die linguistisch überaus interessante Geschichte der Interpretationen zu erforschen begonnen. Er hat somit bereits damals begonnen (und dieser Schritt steht heute noch aus, so vielversprechend die - außerislamische - Islamforschung mittlerweile wieder angesetzt hat) den Islam aus der menschlichen Mentalitätsgeschichte heraus zu verstehen, und seinen spirituellen Kern neu herauszuarbeiten. Samt dem Erkennen der Bedeutung der Poesie bei den Arabern. Die für den Rationalisten ja ohne objektiven Belang ist, für Goldziher (und nicht nur ihn) aber die Essenz bedeutet hat.





***

Freitag, 22. Mai 2015

Wie es mit dem Islam weiterging (2)

Teil 2) Mentalität und Wahrheit


Aus Topoi, auch in der Bibel in großer dichte erkennbaren allgemeinen, "archetypischen" Handlungen. Beziehungen und Vollzügen, in immer schlechter (schon rein sprachlich) verstandenen (ursprünglich syrisch-aramäischen) Schriften, wurden überhaupt nach und nach Einzelpersonen. Auch solche Vorgänge sind religionshistorisch regelrecht allgemein nachweisbar. Aus dem harun, dem Gerechten der Schrift, wurde Harun al-Rashid, der gerechte Verkünder Aarons (als biblische Figur Sprecher des Moses), der wie so manche andere historisch nicht nachweisbar, ja sogar recht unwahrscheinlich ist. 

Eine Schlüsselfigur wurde schließlich der ostpersische Herrscher al-Manum. Er zog nach Bagdad, riß die dortige Regierung an sich, und zog weiter nach Westen, den er nicht kannte. Er kam bis an den Nil, und natürlich nach Jerusalem. Und da, im Felsendom, fand er den Beweis: Dort stand es eindeutig: Mohammed, der Sohn Allahs! Was unter dem syrisch-aramäischen al-Malik noch "Gepriesen sei der Knecht Gottes" hieß, wurde nun als "Mohammed, der Sohn des Abd Allah" bestätigt - der Beweis für die historische Figur des Mohammed war gegeben.

Manum war ein intellektuell wacher Geist, eigentlich ein Aufklärer. Er war an rationellen Klärungen interessiert. So ließ er sogar die beiden nebeneinander existierenden Behauptungen gegeneinander antreten: Die Erde als flacher Teppich, oder als Kugel. Es siegte die Kugel, mit einer Berechnung des Erdumfangs auf 100 km genau. Auch begann man unter ihm, die kursierenden "Koran"-Texte (wir erinnern uns: "queyran"=aramäisch: das Verkündigungsbuch aramäisch-christlicher Hymnen) zusammenzufassen. Und in der Zeit begann man auch, die arabische Schriftsprache erstmals zu vereinheitlichen und weiter auszuformen. Die aramäischen Texte wurden arabisch gelesen, und in einem erstmaligen "Hocharabisch" sowie einer ausgebauteren Schrift "arabisiert". Aber es setzte sich die westliche Lesart durch, die sich gegen diese Aufgeklärtheit wandte.

Und mehr als nachvollziehbar ist somit, daß sich dieser Abspaltung der katholischen Kirche nach und nach Elemente des "Naturglaubens" der arabischen Bevölkerungen beigesellten. Darauf führen sich zahlreiche Stellen des Koran zurück, auch solche, die gegen heidnische Gebräuche vorgehen wollten. Geblieben ist aber die Mondverehrung. Für ein Wüstenvolk nur zu verständlich, denn die Sonne hat dort alles andere als amikalen Charakter. Übrigens stammt das angeblich im Koran zu findende Wort für Heiden - "musrikun" - aus einer späteren Fehlinterpretation, denn es leitet sich von "sarik" ab, und das bedeutet "die Beigeseller". Also nicht "Nicht-Christen" oder "-Gläubige", sondern Häretiker, als solche, die Gott weitere Personen "beigesellten".

Der persische "Ali" unterlag, wurde ein (personifizierte) Märtyrer, und der personifizierte "Muhammad" setzte sich durch, samt einem Geburtsort "Mekka", einem angeblich "bedeutenden Handelszentrum", und dem Sterbeort "Medina". Ein Handelszentrum Mekka aus jener Zeit ist historisch aber unbekannt, zu der Zeit stand dort bestenfalls eine christliche Kirche. Aus einem "bakka", einem Allgemeinbegriff für "umgrenzter Raum" aber, wurde Mekka, eine fiktive mythische Stadt, in der bald alle Mythen zusammenliefen, so wie die fiktiven Handelsstraßen, die sich dort angeblich gekreuzt haben. Die gesamte Geschichte - eine wirkliche "Geschichte" - des Islam "wanderte" nach Arabien. Historische Ereignisse wurden zu (als solchen freilich nicht mehr nachweisbaren, nur aus dem Glauben heraus als "real" erkennbaren) islamischen Ereignissen umgedeutet.

Verrückt?  Nein. Wer hieraus dem Islam einen Strick drehen will, irrt, zumindest prinzipiell (wenn auch nicht "fachwissenschaftlich")

Der Mensch weiß ja im Innersten, ja es ist die Struktur seiner Vernunft, daß die Welt in Wirklichkeit nur aus Topoi besteht: aus archetypischen Beziehungsgestalten. Sie sind die wirkliche Wirklichkeit der Welt, und Details der Vereinzelung verbergen dies oft. Das ist keine Ironie, sondern das ist pure Wahrheit, die auch dem Rationalismus zugrunde liegt, nur weiß der das nicht. Das Maß der Wahrheit solcher Topoi als erkannte Wirklichkeit in einer Situation liegt nicht in der fehlenden Konkretisierbarkeit, es liegt in der Sittlichkeit des Erkennenden.

Deshalb muß sich auch dieser Versuch einer Rekonstruktion des Islam scharf gegen rationalistische Kritik am Islam abgrenzen. Denn der VdZ ist immer noch dem Islam näher, als dem Rationalismus. Den Islam aus Rationalismus kritisieren greift zu allererst die Anthropologie auch des Christentums an. Nur ein Katholik kann deshalb den Islam kritisieren weil konkretes Vereinzelte einordnen.

Mythen, Legenden, nachträglich "ge"funden, wie es eben dem Menschen entspricht. Daran ist an sich nichts Verwerfliches. Denn in diesem Punkt hat der offizielle Islam sogar recht, wenn man behauptet, daß man ZUERST den Inhalt verstanden haben muß, um dann überhaupt sagen zu können, was in einem Text steht. Ja, der Text, das Konkrete, sinkt zur völligen Bedeutungslosigkeit herab.

Das ändert freilich nichts daran, daß selbst die Kaaba auf eine christliche Kirche zurückgeht, und noch bis ins 9. Jahrhundert als christliche Kirche fungierte. So wie sich bis in den indischen Ozean Zeugnisse sehr frühen christlichen Glaubens dieser Erdregion finden (vom Apostel Thomas, der der Legende nach in Indien starb?). Und als der Heilige Franz Xaver im 16. Jahrhundert nach Indien unterwegs war, berichtete er in seinen Briefen von bei Landungen in Arabien überraschend angetroffenen Christen, die schon viele Jahrhunderte lang weder Priester noch Sakramente, aber christlichen Glauben hatten, wenn auch nur noch in Resten.

Weitere Forschungen an vorislamischen Zeugnissen werden mittlerweile aber in Arabien durch gezielte Zerstörungen unterbunden. Schriften, Koranversionen, die von einem Propheten Mohammed sprechen, tauchen erst im 9. Jahrhundert, und da schlagartig und in großer Zahl, auf. Die angebliche Überlieferungslücke, die für diese Jahrhunderte zwischen seinem angeblichen Leben und Wirken, und den ersten Aufzeichnungen existieren, gibt es nicht. Es gab Schrift VOR Mohammed, es gab Poesie die überliefert ist (samt Autoren), und es gab sie nicht nur erst ab dem 9. Jahrhundert. Es gab aber nachweislich Zensur und sogar Bücherverbrennungen. Aus den bereit angeführten christlich-arianischen Schriften wurde nach und nach (in sehr zahlreichen Versionen) ein neues Buch - der Koran. Aus einer ursprünglich christlichen Häresie - eine Religion, zumindest eine Sichtweise, die diesen Anspruch mehr und mehr erhob. Die sprichwörtliche "Toleranz" des Islam gab es gar nie, weil sie gar nicht notwendig war: die Unterschiede zwischen den verschiedenen Spielarten des Christentums waren da, aber niemandem fiel eine "andere" Religion auf. Die entstand vor allem auf der nach und nach "entgöttlichten" Rolle Jesus des Christus, bis er nur noch Prophet war.

Den Anfang des Islam "als Islam", als eigene Religion, markiert eine mehr oder weniger bewußt erfundene Gründungslegende, als Legende von einem Propheten namens Mohammed. Die im 9. Jahrhundert auftaucht. Ab da wurde immer gezielter und eifriger "rückinterpretiert", der Koran auf einen Propheten, einen von Gott gesandten und beauftragten Religionsgründer, umgeschrieben. Und weil die existierende Schrift des Arabischen zu rudimentär war, erfand man gleich eine eigene Schrift, das Koranarabisch. Mit dem ersten Buch in dieser Schrift und Sprache, dem nunmehr zu einem solchen Buch zusammengefaßten und redigierten Koran. Die Geschichte wurde zum Erweckungserlebnis, zur Legitimation umgedeutet.

Der Leser meint, das gäbe es nicht? Das käme nicht vor? Der VdZ kann da nur müde lächeln. Es kommt nämlich laufend vor. Er selber kennt Personen, die sich als gesendet betrachten, als "religiöse Erneuerer" (als der oberste Legitimationstitel, unter dem man der Welt seinen Willen aufzwingen kann), und dabei Bezug auf "Ereignisse" nehmen, deren Bedeutung als Erweckungsereignisse freilich nur sie kennen, weil sie objektiv nicht vorhanden waren. Und plötzlich wird - mit dem "neuen Sinn" - ihre ganze Geschichte umgedeutet. 

Dieses "Sendungsbewußtsein", das zu einer objektiv in zu Geschichten umgestalteten "Ereignissen" besteht, die in dieser Sinngestalt (und das ist Gestalt) rein erfunden sind, ist sogar so häufig, daß man es als psychische Lage betrachten kann, die an gewissen Grenzen und Persönlichkeitssituationen sogar bei jedem auftaucht. Beim Gesunden temporär, sodaß er wieder in die Spur der Vernunft zurückfindet, beim psychisch Instabilen, beim Narziß etwa in Form des Fanatismus. Hilaire Belloc dürfte also sehr richtig gesehen haben, daß die Anfänge des Islam "als" Islam in den Reihen der Schwachen zu suchen sind. Bei den Beduinen. Die plötzlich zur elitären Schichte wurden. Die spezifische Prägung des Koran - von der christlichen Schrift zum islamischen Koran - macht sein beduinisches Beiwerk aus.


 Morgen Teil 3) Alles falsch - aber nichts gelogen


*220515*

Donnerstag, 21. Mai 2015

Wie es mit dem Islam weiterging (1)

Vielleicht ist uns Heutigen zu wenig nachvollziehbar, in welch eschatologischer Stimmung sich die alte Welt in den Jahrhunderten des Niedergangs und Endes des römischen Reiches befand, in der Zeit des 2. bis 8. Jhds. (Wobei: unterscheidet sich darin wirklich das Heute von der Zeit der Spätantike? Leben wir nicht heute schon fast gewohnheitsmäßig in einer Zeit der gefühlten oder zum Zeitgefühl hochstilisierten ultimativen Bedrohungen? Atomkrieg, Klimakatastrophe, Rohstoffende, Artensterben, ...) 

Augustinus ist nur einer der zahlreichen Zeitzeugen (wie: Symptome), die dies bestätigen. Auch er hielt den Einbruch der Barbaren zumindest als Topos für eine endzeitliche Strafe Gottes. Für die Menschen jener Zeit war der Untergang des Römischen Reiches nicht nur unvorstellbar (so wie wir uns heute einen Untergang Europas nicht vorstellen können), sondern ein Nachher war undenkbar und Chaos. Man erwartete also zum einen den Antichrist, zum anderen die Wiederkunft Christi als Weltenrichter.  Gerade die orientalisch-byzantinischen Kirchenbauten jener Zeit zeigen es eindrücklich: Christus der Pantokrator erscheint am Horizont, wie es die Apokalypse des Johannes beschreibt.

Dieses Gefühl verlor sich erst langsam, aber es kann prinzipiell gar nie "aussterben", weil es zur Welt selbst gehört. Wer Welt sagt, muß Anfang sagen, und vor allem auch: Ende. Denn in Christus ist das Alpha und Omega erschienen. 

Erst allmählich schwand die Dominanz dieses Endzeitgefühls, und schwang sich vorsichtig zu neuem Optimismus auf. Das zeigt sich auch im Sohn des hier bereits eingeführten Abd el-Malik, den auch in der islamischen Tradition bekannten Al-Walid. Er besaß nicht mehr dieses religiöse Eiferertum des Vaters, baute in Damaskus den Tempelbezirk des Hl. Johannes aus, und verlegte seine Residenz nach persischer Tradition in diese Stadt. 

Als neues Zentrum der arabischen Christenheit hatte sich aber längst Jerusalem herausgebildet, mit seinem Tempelberg, der von seinem Vater errichteten Sakralstätte, und dorthin zog es die Pilgerströme aus der Region. Abd al-Malik sah Palästina eben als Gelobtes Land, und dort mußte man den Richter der Welt erwarten. Die Vorbereitung bestand darin, sich des islam, der (wörtlich) Übereinstimmung mit der Schrift zu befleißigen. Warum? Weil sich das arabische Christentum als wahre Nachfolger des Alten und Neuen Testaments (samt einiger Apokryphen), als wahres Volk Gottes sah, das der Schrift treu geblieben - islam - war. Sodaß sich das arabische Christentum speziell nach dem Konzil von Nizäa (das die Gottessohnschaft Jesu und damit die Dreifaltigkeit konstatierte*) von der Westkirche getrennt hatte. Ihr Hauptmerkmal war also: Es gibt nur EINEN Gott.

Die islamische Tradition machte daraus unter vielfachen Übertragunsfehlern und Problemen bei der Umrechnung vom Mond- zum Sonnenkalender eine durchgehende Kette von Kalifen. Die ist historisch aber nicht nachweisbar. Erst ab der Mitte des 8. Jhds. ist mit den Abbasiden-Kalifen wieder historisch sichereres Terrain zu betreten. Und hier zeigt sich bereits eine allmähliche Verlagerung des religiösen Zentrums nach Medina. Vermutlich ist eine der dortigen Inschriften, die noch von mohammed als Gerundium im Sinne des Titels "der Gesalbte/der Gesandte" (Christus) im christlichen Sinn spricht. 

Ab da beginnt eine neue Dynamik. Die bereits prinzipiell im arianischen Christentum angelegte Trennung von Gott und Jesus Christus wurde folgerichtig immer expliziter - Gott "verließ" die Erde, gewissermaßen. Jesus "ibn Maryia" (notwendigerweise "verschwand" ihr Mann, Joseph) wurde mehr und mehr nur noch zum von Gott durch Zeichen (Jungfrauengeburt) erkennbaren Propheten. Das vom Griechentum und seiner (nicht immer einfach zu verstehenden) Philosophie durchtränkte Christentum des Westens wurde immer weiter (weil immer unverständlicher) abgelehnt, von einfacheren Konzepten verdrängt. 

In dieser Tradition wurde im an sich christlichen Arabien auch der griechische Bilderkult, die pompöse Liturgie, abgelehnt. Wie in der Reformation im Europa des späten Mittelalters begann sich eine Vereinfachung und Subjektivierung, eine Direktheit der Gottesbeziehung durchzusetzen. Mit dazugehörigem Schrifttum. (Luthers Bibelübersetzung war ja auch nicht einfach eine "1:1-Übersetzung", sie war vielmehr eine Transformation in die Volkssprache, also eine erhebliche Vereinfachung.) Aus dem Christentum wurde eine immer mehr "abrahamitische" Religion. Denn noch ein Schuh drückte die patriarchalisch fühlenden und lebenden Araber: Die Rolle der Frau Maria. Also wurde sie mehr und mehr (man kann sich das sehr gut als unbewußte Neigung vorstellen; denn es sind diese Neigungen, diese Bewegungsgestalten in uns, die das Denken und seine Logik in Form von Gewißheiten prägen) Also mußte die Herkunft des Propheten - des Gesandten, des Gesalbten: "mohamed", "christus" - selbst eine unüberbietbare, Maria bei weitem übertreffende Autorität haben.

Und die erhielt es, durch einen "logischen" Stammbaum, der über Abraham bis zu Adam zurückging, den man "mohamed" einrichtete. Aus dem Sohn Gottes, dem "abd allah", wurde nun der tatsachliche Sohn eines tatsächlichen Mannes namens Allah - der abd allah. Dazu kam, daß im 7. Jhd. die Naherwartung des "mohamad al mahdi", des "Gesandten, dem Erlöser", abnahm - er kam einfach nicht! Und zwar: er kam nicht im dafür eingerichteten Punkt, dem Tempelberg. Das muhamad-Jesus-Konzept, bringt es Norbert G. Pressbaum auf den Punkt, wurde immer kraftloser, unglaubwürdiger, und verschwand allmählich.

Zeitgleich schwächte sich ohnehin die reale Macht der Kalifen, denn ein Gebiet war aus rein technischen Gründen eigentlich nur in seinen Brennpunkten, den Städten, auf Dauer beherrschbar. Das war im Europa des Mittelalter nicht viel anders. Einzelne, lokale Konzepte spielten zunehmend ihre (lokale) Rolle, auch in den Glaubensvorstellungen. Schon gar in einem Land, das von Palästina bis nach Persien reichte, und von zahllosen Völkerschaften bewohnt, von zahlreichen Sprachen und Dialekten zerklüftet war. Nur eine Hochsprache gab es, das syrisch-aramäisch, das sogar in Persien für offizielle Dokumente verwendet wurde. Dazu aber kamen Einflüsse zahlreicher anderer Religionen, nicht zuletzt des Judentums und des Buddhismus. Sie alle trugen zum vielfältigen Glaubensbild Arabiens in jener Zeit bei.

In Persien, wo sich immer mehr der Aspekt des Vollstreckers Gottes, des "ali", durchsetzte. In den weiter westlich gelegenen Gebieten läßt sich hingegen eine Lesart der Schriften erkennen, die aus dem "mohamed" eine Person machte. (Beide inhaltlichen Aspekte - in den Schriften: Ehrentitel - sind ja durchaus Aspekte, die der Sohn Gottes, Jesus Christus, hat.) Die erste Spaltung vollzog sich, die auch bis heute besteht: durch diese persischen Shiiten.


Morgen Teil 2) Mentalität und Wahrheit




*Nicht "erfand", wie so mancher esoterische Schwachkopf nach Lektüre passender Druckprodukte zu "wissen" meint. Der dabei aber nur zu denkschwach ist, um die gewiß nur mit viel Mühe verstehbare, aber denn doch philosophisch klar erkennbare Wahrheit einem oberflächlichen kirchenpolitischen Machtkampf zuschreiben möchte. (Jeder urteilt eben über Sachverhalte, wie er selber ist.) Das philosophische, eigentlich metaphysische Problem ist der arianisch-arabischen Ostkirche ("islam") ja dann auch geblieben. 




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Samstag, 16. Mai 2015

Die Sache mit dem Islam geht weiter (3)

Ohne feste historische Verankerung der Ursprünge, ist aber der Koran eine reine Projektionsfläche von Phantasien und Wunschvorstellungen. Mit einem offenbarungspositivistischen Verständnis und wortwörtlichen Interpretationen kann immer wieder eine fragwürdige Theologiepolitik betrieben werden.

Die westliche Islamforschung ist zur Zeit ausschließlich arabisch-philologisch orientiert. Sie verzichtet auf die Anwendung von Methoden, die in den Historischen Wissenschaften zum Standard gehören, und berücksichtigt nicht die orientalischen Sprachen, die im Koran ihre Spuren hinterlassen haben, ebenso wenig die zahlreichen religionsgeschichtlichen Bezüge. Offensichtlich aber spricht der Koran Hörer an, die in diesen lebendigen Traditionen standen. und reagiert auf aktiv vertretene Positionen. Ihn ohne Rekurs auf diese Vorgaben auslegen und verstehen zu können, ist unmöglich. Wenn diese Mühsal des Nachforschens nicht geleistet wird, wird der Koran zur bloßen Projektionsfläche eigener Vorstellungen – seien sie muslimischer oder westlich-„wissenschaftlicher“ Art. Er selbst versinkt dann im Dunkel – das Gegenteil seiner postulierten kanonischen Geltung. 



 Wird fortgesetzt





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Mittwoch, 13. Mai 2015

Die Sache mit dem Islam geht weiter (2)

Teil 2) Im Anfang war da nur Christentum





Die Nachfolge Maavis trat 681 der syrische arianische Christ Abd al-Malik, der gewiß eine gewisse Position in der Region haben mußte, aber das ist nicht nachweisbar. Malik selbst schon, es existieren Münzen. Er versuchte zuerst offenbar, das Reich zu konsolidieren, und Byzanz zu beruhigen, indem er die Tributzahlungen erhöhte. Vielleicht war er militärisch zu schwach, es ist anzunehmen, aber es kam zu einer gewissen Blüte unter ihm - dem sogenannten "mahamadismus": Der Zeit des Gepriesenen, des "muhamad", ein Titel. Und als solcher taucht der Begriff auch auf Münzen aus Südpersien aus jener Zeit auf.

Malik selbst versuchte dem Kaiser wenigstens religiös etwas Paroli zu bieten. Er ist es deshalb auch, der den Felsendom*** in Jerusalm errichtete, als Gedenkstätte, nicht als direktes Gebetshaus (das lag und liegt noch heute gegenüber). In der zweiten den Christen wichtigen Stadt dieser Region, neben Damaskus. Und zwar an jener Stelle, an der der Überlieferung gemäß Abraham seinen Sohn Isaak opfern wollte. Den noch die späteren Kreuzfahrer als christliche Kirche ansahen. 

Er war eine Art Gegenstück zur Hagia Sofia in Byzanz, ihr in der architektonischen Konzeption sehr ähnlich (wie viele andere Kirchenbauten aus dieser Zeit auch), die rund 100 Jahre zuvor erbaut worden war, und in deren Inneren sich eine berühmte Inschrift befand (die später entfernt wurde, weil eine Versöhnung der christlichen Richtungen erleichtert werden sollte). In ihr war die Dreifaltigkeit festgehalten. An die die Arianer nicht glaubten. So, wie sie auch an die Gottessohnschaft Jesu des Christus glaubten. Abd al-Malik setzte also in einer 280 Meter langen Umschrift ins Innere dieser Kirche eine Gegenschrift, ein arianisches Gegen-Glaubensbekenntnis, die noch heute dort steht. 

Das im Wesentlichen so lautet: "Es gibt nur einen Gott außer Gott allein, er hat keinen Teilhaber". Und: "Gelobt sei der Knecht Gottes [bewußt diminuierender Ehrentitel Maliks, wie damals üblich; Anm.] und sein Gesandter." "Jesus Christus, Sohn der Maria, ist der Gesandte Gottes." "So glaubt an Gott und seinen Gesandten, und sagt nicht Drei"

Abd al-Malik begann, eine eigene arabisch-christliche Kirche, mit dem Zentrum im syrisch-aramäischen Raum, zu gründen. Praktisch sämtliche, heute als "islamisch" bezeichnete Begriffe und Grund- bzw. Stehsätze ("Es gibt nur einen Gott" etc. etc.) sind auf christliche Glaubenssätze und Aussagen zurückzuführen, und später einfach übernommen und zu "islamisch" erklärt worden. Wie überhaupt aus dem Behauptungsbedürfnis gegenüber Byzanz mehr und mehr ein Abgrenzungsbedürfnis entstand, das sich in der Entwicklung der Schrift oder in religiösen Sätzen und Gebräuchen ausdrückte.

"Isa bin Maryam". Jesus, Sohn der Maria. Der Kaiser von Byzanz hatte seine Hagia Sofia, der Kaiser der arabischen Kirche hatte ab 694 sogar auch seinen Dom, den Felsendom. (Karl der Große hat in seiner berühmten Pfalzkapelle in Aachen sicher keinen islamischen Bau kopiert - das Oktogon des Felsendoms, Zeichen der Vollkommenheit "8", war vielmehr eine damalige Grundform für Sakralbauten.)

Für Abd al-Malik war Jesus Christus eben nicht Sohn Gottes, sondern "der gepriesene Prophet". Sein "Muhamadismus" war der Name, unter dem dieses arianische Glaubensbekenntnis subsummiert wurde, und so nannte man seine Untertanen "Muhamadaner". Die Kurzformel MHMD findet sich dann auch auf Münzen, auf denen auch eine eschatologische Figur aufgeprägt ist: Christus, der Gesandte Gottes, der Verkünder Gottes, der "kalif Allah", mit dem Flammenschwert des Richters bei der Wiederkehr. Ein Kreuz kommt selten vor, aber es spielte generell als Symbol in der arabisch-arianischen Kirche eine geringere Rolle, was sich schon theologisch aus dem Arianismus heraus begründen läßt.****

Dafür wimmelt es in der Gegend von Münzfunden eindeutig christlicher Prägung. Daß ein Herrscher einer untergebenen Gruppe - den "Muslimen" - eigenes Prägerecht zugestanden hätte, ist zudem eher unwahrscheinlich. Dafür gibt es in keinem einzigen Dokument und Fund aus dem 7. und 8. Jhd. aus dieser Gegend auch nur den leisesten Hinweis auf eine "neue Religion in Arabien", oder wird das Wort Islam oder Muslim verwendet. Als christliche Häretiker freilich wurden die Araber, die "Mohamedaner" (als die, die an Christus als den Gesandten, aber nicht als Gott glaubten) tatsächlich oft bezeichnet, was sie als Arianer auch waren.

Das Wort Muslim taucht erstmals überhaupt erst 753 auf, in Persien, führt sich aber auf das syrisch-aramäische Wort für "Rechtgläubige" (meshlem) zurück - und das waren für Arianer eben die Arianer.

Warum aber wird das alles so ganz anderes gesehen, auch von Erforschern des arabisch-islamischen Raumes, oder man denke an die regelrechte Islam-Romantik (Goethe!), die im 19. Jhd. in Deutschland, ja Europa ausbrach? Wir haben einfach bestimmte Interpretationen und Geschichten übernommen, das war es auch schon. Die Gründe dafür sind vielschichtig, wir werden darüber gewiß noch handeln. Ein Hinterfragen der Behauptungen des Islam selber (der jede fundamentale kritische Auseinandersetzung und Forschung ja als blasphemisch verbietet) hat einfach nie - bzw. nur in Randbereichen - stattgefunden.

Und die "goldenen Zeiten" des Islam? Sie sind eine Legende. Es hat sie überhaupt nie gegeben. Es wurde mit der Zeit einfach alles Historische und der Verklärung der eigenen Vergangenheit Nützliche "islamistisiert". Und unter Voraussetzungen, auch religiösem Licht betrachtet, wie wir Europäer es einfach gewöhnt sind und annehmen,weil wir so sind. Die hier aber gar nicht zutreffen. Nicht viel anders, als wir es bei anderen Religionen tun und getan haben, etwa dem Hinduismus, den es in der heute in Europa populären Form niemals und nirgendwo gab, der eine abendländisch-christliche Neudeutung, ja eine regelrechte Neuschöpfung ist.



(wird in Kürze fortgeführt - Von der christlichen Häresie 
zur eigenen Religion)





²Es fließt in diese sich immer weiter rundende Arbeit des VdZ über den Islam so viel Literatur aus so vielen "Ecken" ein, daß es jeden Rahmen sprengen würde, diese anzuführen. Und eine wissenschaftliche Arbeit soll es ja nicht werden, bewußt nicht. Der VdZ nimmt sich vielmehr die Freiheit, eine Art schwungvolle Erzählung "wie es wahrscheinlich gewesen ist" vorzutragen. Die bezüglichen Quellen und Arbeiten, die Belege liefern, sind aber hoch seriös und zum überwiegenden Teil (historisch, philologisch, religionswissenschaftlich) "state of the art of science". In einer hoch aktuellen wissenschaftlichen Debatte, die dabei oft wieder aufgreift, was bereits vor 100 Jahren bekannt, aber nicht bekannt gemacht war, arbeiten sich in den Augen des VdZ die hier vorgestellten Deutungsversuche als erste Konturen heraus. Die enorme Erhellungskraft spricht s. E. für deren weitgehende Zutreffendheit.

*Chosrau wurde ob seiner Machtherrlichkeit auch in alten Dokumenten als "pharao" bezeichnet, mit dem ägyptischen Herrscher also verglichen.

**An dieser Stelle wurde bereits vor einiger Zeit eingehend über die allen Völkern eigene mündliche, vor- und nebenschriftliche Überlieferung und deren (faszinierendes) Wesen berichtet. Durch die Tradition von Sängern, durch Volkslieder etc., wird aus immer wieder verwendeten Grundtopoi - Grundschemen - jeweils im Vortrag eine Geschichte geformt. Die dem Auditorium, der Verfaßtheit und Laune des Sängers, Ereignissen, etc. etc., jeweils angepaßt wird. Es geht also um die Topoi, historische "Beweise" lassen sich daraus niemals ziehen, selbst Geschichten, die sich auf historische Ereignisse beziehen, verändern sich im Laufe der Zeit erheblich. Übrigens ist auch die "Ilias" unseres geschätzten Homer eine solche, durch lebendige Tradition weitererzählte Geschichte, bis sie eben dieser Homer in eine Gesamtform brachte, und dadurch ein erstes Religionssystem aller Griechen fundierte. Die Teile der Ilias führen sich auf Topoi zurück, die sich in vielen Völkern und Traditionen nachweisen lassen, aber dort eben "dort" passiert sind. So wohl, wie die Hadithen, die dann von einem "Mohammed" erzählten, dem Idealsten aller Menschen.

***In der heutigen Form ist die vorgebliche Moschee Felsendom ein Produkt des 20. Jhds.

****Für den Islam sind diese Münzen mit dem "stehenden Kalifen" aber bis heute Beweise für die Existenz des Propheten Mohammed. 




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Dienstag, 12. Mai 2015

Die Sache mit dem Islam geht weiter (1)

Treiben wir die Dinge um den Islam weiter, fassen wir nächste Bausteine zusammen²:

Im Jahre 622 besiegte der byzantinische Kaiser Herakleios den Persischen Kaiser Chosrau II.* in Armenien entscheidend. Dieses Jahr ist ein Schlüsseljahr für die nördliche arabische Halbinsel, in der in den Gebieten des heutigen Palästina, Syrien und Mesopotamien die "arabi" lebten, die "Westlichen". Denn mit einem mal endeten Jahrhunderte schwerer Bedrückung, eine Zeit der Weltuntergangsstimmung, in der alle diese Menschen lebten. Überwiegend Christen, aber in zahlreiche Richtungen zerfallen, darunter auch viele Arianer (die also nicht an die Gottessohnsschaft Jesu glaubten, sondern ihn als Propheten, als besonders begnadeten Menschen sahen). Sie erwarteten die Wiederkunft Christi, des Gesalbten, des Begnadeten, und das Endgericht, denn der persische Kaiser war der Antichrist, die Perser "Feueranbeter", und das Land wimmelte von Propheten und Heilskündern. 

Der byzantinische Kaiser zerschlug also 622 entscheidend die Perser (die Kriege dauerten freilich noch einige Jahre, endeten aber für Persien desaströs), 

Ins Jahr 622 wird auch die Flucht des Propheten Mohammed von Mekka nach Medina datiert. Über ihn gibt es keinerlei historische Daten, sondern lediglich die Schriften des Hadith, die wesentliche Grundlage für das islamische Rechts- und Lebensordnungssystem, das im wesentlichen davon ausgeht, wie es Mohammed gemacht hat oder gemacht hätte. Von diesen Lehrsätzen, Erzählungen, Legenden etc. gibt es bis zu 1 Million, die bekanntesten Sammlungen, die seit dem 9. Jhd. existieren, haben aber auf 7-8000 Sätze reduziert und anerkennen den Rest nicht als original. Denn über Jahrhunderte wurden wahllos und nach Bedarf solche Lehrsätze zugefügt. Auf diese Sammlungen beruft sich die sogenannten "Sharia".

Und in diesem 9. Jhd. taucht, in diesen Hadithensammlungen, die im wesentlichen bis heute gelten, auch erstmals der Begriff "Mohammed" als Eigenname auf. Der vorher aber niemandem bekannt war, und den auch keine einzige historische - nicht also islamisch-dogmatisierte - Quelle nennt. Bis dorthin, so die muslimische Erklärung, gab es nur mündliche Überlieferungen, die schließlich aufgezeichnet wurden. Zwischen dem frühen 7. Jhd. und dem 9. Jhd. klafft also eine Lücke, die nur der Hinweis mündliche Überlieferung füllt.**

Was auch nicht weiter verwunderlich sein dürfte. Denn den Eigennamen Mohammed gab es in Arabien gar nicht. Es handelt sich dabei vielmehr um ein aramäisches Gerundiv, und das Wort heißt "der Gesegnete", der "Begnadete", der "Gesalbte". Es heißt dasselbe wie "Christus".

Byzanz gliederte dieses Reich nun in Vasallenreiche, denn es war relativ wenig an diesen Ländern interessiert. Zwar war das Volk also befreit, atmete auf, und ein neues optimistisches Lebensgefühl brach auf,  aber diese Reiche führten untereinander nun Kriege, um Macht, um Einfluß, um Rangordnung. Das sind die Kriege, auf die sich die Hadithen berufen, die angeblich der Prophet Mohammed geführt und gewonnen hat. Die aber seltsamerweise keinerlei Spuren hinterlassen haben. Genau so wenig wie eine Person "Mohammed, der Prophet und Religionsgründer" als historisches außerislamisch-glaubenssystematisches Zeugnis nachweisbar ist.

Islamische Kriege und Schlachten, wie in der Überlieferung berichtet, sind gleichfalls historisch nicht nachweisbar. Auch ist nirgendwo von einem Heerführer "Mohammed" die Rede. Aber es gab genau in dieser Zeit eine Reihie von Satrapenkriegen. Neue Fürsten tauchten in einem allmählichen Machtvakuum auf, wie es in Machtvakuen immer geschieht.

Die Vernachlässigung des Ostens durch die byzantinischen Kaiser ging nämlich schließlich so weit, daß der Kaiser Konstantin II.  seine Residenz 662 nach Sizilien verlegte. Zwischen Persien und Ägypten herrschte  nun dieses Machtvakuum. Und er erste, der dies erkannte, was ein Fürst namens "Maavia". Diese Gestalt, die im Islam eine große Rolle spielt, ist erstmals auch historisch faßbar. Als Vasall des byzantinischen Kaisers, der diesen aber verriet, weil er sonst die Unterstützung im persischen Teil des Reiches verloren hätte. Und dieser Maavia ließ in Damaskus Münzen prägen, die Christus mit dem Kreuzglobus in der Hand darstellen.

Er wurde in diesem Jahr 662 im Südiran zum Emir gewählt, zum Amir al-Miminin. Und residierte in eben diesem Damaskus, in der auch die wichtigste Basilika der Zeit stand, die Johannes-Basilika (mit dem Kopf von Johannes des Täufers als Reliquie). 

Ein Jahr später nahm er den Kampf mit Byzanz wieder auf. Ein berühmter Inschriftenstein ist vorhanden, der mit einem Kreuzzeichen beginnt, und mit seinem Namen endet. Dieser bedeutet in Persien "oberster Schutzbewahrer", die wesentlichste Eigenschaft und der Legimitätsausweis eines Fürsten schlechthin. Daraus machte die islamische Tradition "Führer der Gläubigen", und schnitzte dem Mann eine schöne arabische Herkunfts- und islamische Glaubensgeschichte aus Mekka zu.

Die historisch faßbaren Daten um Maavi sind freilich etwas pragmatischer: Persien hatte immer schon ein Problem mit der Seekriegsführung. Maavi ließ nun 672 eine Flottenbasis nicht weit von Byzanz errichten, rüstete auf, und erlitt aber gleich zwei Jahre später eine furchtbare Niederlage vor der Stadt am Bosporus, woraufhin er dem byzantinischen Kaiser tributpflichtig wurde. Daraufhin erhob sich Widerstand im Osten, und Maavi wurde abgesetzt. Seine Spur verliert sich dann. Aufgrund zahlreicher Indizien kann aber als recht sicher anzunehmen gelten: Maavi war arianisch-arabischer Christ. Und auch als sicher gilt, daß noch im 9. Jhd. christliche (und buddhistische) Mission entlang der Seidenstraße (Persien- Afghanistan) stattfand.

Die muslimische Geschichtserzählung sieht das freilich ganz anders. Und macht aus ihm den ersten islamischen Kalifen. Historisch sicher ist aber etwas ganz anderes.



Morgen Teil 2) Im Anfang war da nur Christentum





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