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Samstag, 1. Januar 2022

Ad Maiorem Gloria Dei

Es ist natürlich nicht so leicht zu fassen, weil es an jene Verstehensgrenzen stößt, in denen wir unserer Bildlichkeit nicht entkommen können. Die durch die erbsündlichen Erkenntnisbrüche nicht mehr dem Schauen, sondern in das Nacheinander und damit Zusammenklistern des Zeitlichen zurückgesunken ist. Im Alltag müssen wir also wie mit einer Schere Bildfolge um Bildfolge ausschneiden und zusammenkleben, um so zu einem zeitlos Gültigen und zu Gesetzen zu kommen. 

Das ist im Schauen, das uns erst in der Neuen Schöpfung wiedergeben werden wird, und an dem unsere Seele ab dem Zeitpunkt, wo sie sich vom Leib getrennt hat - also im Tode - bereits teilhat, ohne aber noch die Leiblichkeit zu besitzen, um daraus dann Welt zu schaffen. Das wird erst nach dem Jüngsten Tage wieder der Fall sein.

Aber wir müssen es insofern zu verstehen suchen, als wir DIE KIRCHE erst begreifen können, wenn wir sie unter diesen Auspizien zu sehen versuchen. Als SOCIETAS PERFECTA ist sie nämlich KEINES dieser zeitlichen Abfolge-Reiche, sondern eine Dynamik des Heiligen Geistes, die ihr Material AUS dem Irdischen umfaßt, durchdringt und zur Gestalt bringt, die wir dann WELT heißen dürfen.

Materia - Mater. Der 1. Jänner ist deshalb der Gottesmutter Maria geweiht, die dieses bedingungslose JA der Erbsündelosen in die Welt ERSTMALS seit Eva WIEDER gebracht hat. 
Analog der Ersten Schöpfung einige tausend Jahre zuvor, nur noch weiter gehoben: Durch die geschichtlich gewordene göttliche Erlösungstat. 

Montag, 15. November 2021

Gedankensplitter (1535b)

Insofern war der Investiturstreit die frühe Entscheidung zur geistigen Katastrophe der Kirche. Als die Kirche den entscheidenden Ruck hin zur Selbst-Institutionalisierung ALS Behörde und weltliche Organisation bekam. Ich kann in diesem Punkt Martin Luther absolut verstehen. Denn das Reich Gottes IST NICHT von dieser Welt, und kann es nie sein.

Hier ist die Welt - dort ist die Kirche, die zu ihr "quer" steht. Also die Natur durchdringt und überhöht. Aber dazu muß es erst einmal die Natur "geben", und die findet sich nur in der menschlichen Gesellschaft ALS reale Hierarchie.

Die Entscheidung im 11. Jahrhundert aber hat wie ein langsames Ausrinnen die Dringlichkeit der Welt ALS ORT DES KREUZES verschwinden lassen. Und eine "Kirchlichkeit" bewirkt, die wie ein Rückzug von Golgotha zu sehen ist und wie in einem separaten Raum abläuft. Genauso hat sich heute auch die sogenannte Spiritualität ausgebildet. 

Dienstag, 3. April 2018

Was an Franziskus tatsächlich das Wirken des Hl. Geistes sein könnte (2)

Teil 2) Gratia supponit naturam 


Damit stehen wir mitten in der Frage um den jetzigen Papst Franziskus. An dem deutlich wurde, daß er (und ehrlich gesagt: nur die allerwenigsten Päpste, gerade der letzten Jahrhunderte) das Format hat, eine "Welt-Körperschaft" wie "die Kirche" zu führen. Sodaß sich unsere Erregung - auch die des VdZ - auf etwas bezieht, das im Grunde die Forderung nach etwas ist, das gar nicht erfüllbar ist. Das bis tief ins 20. Jahrhundert hinein aber deshalb erfüllbar schien - schien! - weil die Prägung des Großteils der Gesellschaften unserer Länder noch im "lokalen" Sinn katholisch war. Und es schien so, weil bis ins 19. Jahrhundert hinein der Bischof von Rom AUCH Landesfürst war.

Der Ort der Hierarchie ist dann nicht ein Raum der Parallelwelten, der er heute ist, samt allen Häßlichkeiten, die dem pneumatischen Wesen der Kirche regelrecht die Gurgel abgedrückt haben, wie Karrierismus. Die Gnade suchte dann jenen Ort, an dem der Mensch real steht - in der Gesellschaft, in der Kultur, in der Familie, usw. usf.

Sodaß sich die Korporalität "der Kirche" mit "dem Papst" (als Bischof von Rom, mehr war er nie: Bischof unter anderen Bischöfen, und alle sind sie Nachfolger der Apostel) einerseits auf die weltliche Macht und Stellung bezog, anderseits aber den Geist der Hierarchie mißverstand und weltlich-dinglich machte. Die fürderhin mehr und mehr die pneumatische Gestalt der Kirche übersehen ließ.

Denn diese ist prinzipiell ja gar nicht "wahrnehmbar", sondern eine ontologische Konstellation, eine "Matrix des Seins" gewissermaßen. Und darin ist sie eine geistige Durchdringung der Welt, der Menschen. Die sich im Kult treffen, um sich von dort her formieren zu lassen: Im Opfer vor Gott, in der Ecclesia, der Versammlung vor Gott, als einzig gemäße Gestalt des Vollkommenen, des Himmels nämlich. Weshalb tatsächlich die Erwartung der Wiederkunft des auferstandenen, zum Himmel aufgefahrenen Christus, durch den dann der Hl. Geist als Geist des Vaters zu uns kam, zu jenem zentralen Punkt wird, der der christliche Kult immer war.



*240318*

Montag, 2. April 2018

Was an Franziskus tatsächlich das Wirken des Hl. Geistes sein könnte (1)

Das Problem um die Kirche - römisch oder orthodox - könnte viel verwickelter sein, als es vielen scheinen mag. Weil hier jahrhundertelange, ja jahrtausendelange Prägung. Seit nämlich die Entwicklungen seit dem 11. Jahrhundert - und es waren Entscheidungen - "die Kirche" von einem pneumatischen Begriff zu einem ganz deutlich institutionalisierten Gebilde in der Welt machten. Als ein Benediktiner-Mönch Papst wurde, der die Kirche nach dem Modell der Klöster umgestalten und zu einer Gestalt neben der weltlich-politischen Gesellschaftsgestalt machen wollte. Und diese beiden Gestalten im Investiturstreit direkt auseinanderriß, in der sich diese Institution zu einer politischen Konkurrenz mit dem Kaiser- und Fürstentum machte. Sodaß die Säkularisierung, die sich dann vollzog, eine logische Konsequenz ebenso war, wie die spätere (heutige) Niederlage der Kirche als pneumatische Natur. Sprich: Die Kirche hat heute kaum noch geistigen Einfluß, WEIL ihre weltliche Korporalität als politische Einrichtung entmachtet und defacto ausgelöscht ist.

Dann wäre die gesündere, wahrere Entwicklung tatsächlich auf Seiten der Orthodoxie gelegen. Denn diese hat auch rein praktisch die innerweltliche Korporation weitgehend abgelehnt. Sie hat sich nie anders denn pneumatisch verstanden.

Damit löst sich auch die Frage ganz anders: Wie man glaubt, daß der "Organismus Kirche" sicher steht, sodaß die Zusage der Unüberwindbarkeit der Kirche gelten kann. Das wird so zu einem Dilemma das nur eines ist, weil sich die Vorstellung von Kirche an eine innerweltliche Korporation klammert, sich daran gebildet hat.

Denn natürlich gibt das Denken einen Primat vor, den eine Person darstellen muß. Bleibt also nur die Frage um die Gestalt der "Kirche" selbst. Wieweit ist sie nur pneumatisch zu verstehen, als innerer Geist der ansonsten weltlichen Organisation? Wenn, dann kann sich die Frage nur über diese Klärung beantworten.

Und dann ist eben die Kirche von der konkreten Gesellschaft und Kultur nicht zu lösen. Dann kann es im Wesentlichen nur Lokal- und Ortskirchen geben. Dann sind es die konkreten Priester vor Ort, direkt am Dorf, in der Gemeinde, der Pfarre, die "die Kirche" repräsentieren - als Haupt, dem der Leib der Gemeinde der Gläubigen gegenübersteht. Und in diese Richtung geht mein Denken ohnehin schon seit langem.

Dann war die Wurzelsünde tatsächlich die Reform im 11. Jahrhundert, als sich die Kirche zu einem festen Organismus, zu einer Institution für sich konstituierte.* Als man eine "bessere Kirche", eine nach mönchisch-klösterlichem Vorbild gestaltete Utopie wollte, als es die Gesellschaft, die Kultur sichtbar überhaupt hergab.**


Morgen Teil 2) Gratia supponit naturam




*240318*

Montag, 10. Februar 2014

Morgenleuchten der Demokratie

Niemals hätte das Rechtsgefühl bis ins hohe Mittelalter hinein das Volk als Souverän angesehen. Genauso wenig wie den König als absoluten, in keinem Fall angreifbaren Herrscher. Er war Mittler zwischen Gott und dem Volk, und das Volk erteilte ihm bei einer Wahl nicht die Macht, sondern wählte jemanden, der die Macht ausübte - die er von Gott erhielt. Sich gegen die Macht zu erheben wäre deshalb immer ein Sakrileg gewesen, ein Verstoß gegen ein göttliches Gebot. Es ging wenn - nur um die einzelne Person, in genau abgezirkelten Verstößen und Bereichen. 

Man wählte keinen Diener, sondern einen Herrscher. Das uralte Widerstandsrecht der Germanen lebte solcherart im Rechtsgefühl aller fort, und es bezog sich nur auf den Einzelwiderstand, wo Recht vorenthalten oder Unrecht ausgeübt wurde. Wo jeder sogar das Recht hatte, dem König die Fehde zu erklären.

Wie dieses Verhältnis genau zu verstehen war blieb freilich in den Randbereichen immer ein wenig unklar und verschwommen, und oft genug einfach durch den Sieger in einem Streit definiert. 

Beide Gedanken - Absolutismus und Volkssouveränität - tauchten erstmals im Investiturstreit auf, im Streit, ob der Papst Gregor VII. einen ketzerischen König, Heinrich IV., absetzen könne, oder nicht. Und man nahm sie nicht wirklich ernst, denn das Rechtsempfinden war fest, jeder wußte, was es meinte, und das war nicht im Sinne dieser Gedanken. Daher kümmerte man sich eher wenig um diese Argumente, die beide Seiten der anderen an den Kopf warfen, um ihr Recht im politischen Streit zu beweisen, und wo die Richtigkeit des Gedankens manchmal der politischen Taktik unterlag.

Aber ausgerechnet die Kirche war es, aus deren Kreisen jenes Argument erstmals in der Geschichte des Abendlandes auftauchte, daß das Volk SOUVERÄN sei. Der kirchliche Rechtsgelehrte knüpft dabei an das germanische Widerstandsrecht an, und überinterpretiert es, im Sinne der päpstlichen Politik.  Niemals aber hätten die Germanen ihren Herrscher als ihren Diener begreifen wollen.

Und im Gegenzug entstand der Gedanke der Unangreifbarkeit des Herrschers, auf kaiserlicher Seite. Gestützt durch das Ausgraben der spätrömischen Gesetzeswerke, in denen man den damaligen Absolutismus der Imperatoren auf die neuen Verhältnisse umlegte. Auch das hatte es nie gegeben.  Kein Fürst war je unantastbar, ja etwa bei Westgoten, bei den Merowingern oder den Langobarden gab es eine Unzahl von Fürstenverlassungen und Absetzungen. 

Während von einzelnen Kirchenrechtlern wieder argumentiert wurde, daß wer einen König wähle, diesen auch jederzeit wieder absetzen könne, erwiderten die Königstreuen unter Bezug auf das römische Recht, daß wer jemandem etwas schenke, diese Gabe nicht wieder zurückverlangen könne.

Aber in diesem Streit zeigte sich im 11. Jhd. erstmals als Wetterleuchten der spätere Absolutismus hier, die Demokratie dort, schreibt Fritz Kern. 

Es hatten sich Unsicherheiten der Auslegung offenbart, die aufbrachen, als das Empfinden versucht wurde, und ausformuliert werden mußte. 

Immer mehr versuchten daraufhin die Herrscher, das Widerstandsrecht zu eliminieren. Und sie taten es auch durch Verträge, in denen etwa das Staatsrecht beim Lehensrecht Anleihen nahm. 

Damit trat immer mehr auch der Gedanke auf, daß das Verhältnis des Herrschers zu seinem Volk ein Vertragsverhältnis sei - die konstitutionelle Monarchie bereitete sich vor. Der König war damit nicht mehr Zeichen Gottes für seine Untertanen. Worin auch der alten christlichen Auffassung von der Staatsgewalt widersprochen wurde, die jeden Herrscher zu ertragen hatte, das (passive) Widerstandsrecht nur dort auftrat, wo er die Verletzung der ersten Pflicht - der Gott gegenüber - verlangte. 

Ebenso versuchten die Herrscher des späten Mittelalters zunehmend, das Volk "präventiv" in die Staatsgeschäfte einzubauen, in den ständestaatlichen Einrichtungen, um so nicht Gefahr zu laufen, abgesetzt zu werden. Während von anderer Seite her sich in Deutschland* der Rat der Reichsfürsten bildete, der einerseits das Recht hatte, den König zu wählen, aber auch abzuurteilen, ja ihn abzusetzen. Was gedacht war als "Formalisierung", um die Rechtslage klarer zu halten, Wildwuchs zu beschneiden weil das Recht zu institutionalisieren, erwies sich in ganz Europa als unhaltbar, und zerstörte formal die Souveränität. Weshalb es ab dem 15. Jhd. in "stillschweigendes Verlassen" überging ...

Aber vor allem, so Kern in "Gottesgnadentum und Widerstandsrecht", hat sich im Gedanken des Volkssouveräns, der im 11. Jhd. auftauchte, die Demokratie des 19./20. Jhds. vorbereitet. 

Denn fortan sind diese Gedanken, die ursprünglich je Grenzüberschreitungen im Investiturstreit waren, nicht mehr von der Bildfläche verschwunden, und sie wuchsen sich zu ihrer späteren Vollgestalt aus, die eigentlich in Widerspruch zum Rechtsempfinden der europäischen Völker stand.




*Das Wesentliche an der Magna Charta in England war nicht, daß das Volk gewisse Rechte erhielt. Das Wesentliche war, daß der König einem Gericht unterstellt wurde, das sich an seinem Privatvermögen schadlos halten konnte - ihn aber NICHT absetzen oder persönlich verurteilen konnte. Damit wurde der Staat nie destabilisiert, man mußte den König nie stürzen, und dennoch mußte man Absolutie nicht dulden. Gleichzeitig wurde das Widerstandsrecht gegen königliches Unrecht institutionalisiert, was anfangs zwar noch nicht wirklich funktionierte, aber den Weg zur Schaffung eines Parlaments ebnete, mit dem es endgültig funktionierte.




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Freitag, 6. Dezember 2013

Ins Gegenteil umgeschlagen

Es wäre verfehlt zu meinen, daß der von der Kirche und Religion völlig getrennte weltliche, säkulare Staat ein Erfingung weltlicher Politik wäre, schreibt Henri Pirenne. Und macht auch hier eine Linie der Entwicklung sichtbar. Denn vielmehr ist der säkulare Staat eine direkte Folge kirchlicher Entscheidungen.

Die Entwicklung ist freilich komplex. Und sie drückte sich im Investiturstreit im 11./12. Jhd., der in jeder Hinsicht gegenteilig ausging, als Kirche und Kaisertum gewollt hatten, erstmals prägnant aus. An dessen Ende die regionalen Fürsten und das sich in dieser Zeit erstmals entwickelnde Bürgertum als Sieger dastanden.

Im 10. Jhd. war das Papsttum völlig den Ränken und Begierlichkeiten römischer Adeliger und italischer Fürsten unterworfen. Es gab bis zu drei Päpste gleichzeitig, die von je einer Machtgruppierung eingesetzt worden waren. Bis Otto III. die päpstliche Macht getreu seinem (sehr hohen, idealen) Selbstverständnis als Protektor der Kirche wiederherstellte, ordnete und schützte, was für die Kaiser vorerst zu einer Daueraufgabe wurde. Weil es zu einer Einsetzung der Päpste durch den Kaiser führte. Aber damit wußte sich die Kirche immer mehr eingeschnürt und abhängig. Der Kaiser hatte sie sich selbst zum Gegner gezüchtet, denn in der Kirche selbst regte sich ein neues Selbstverständnis, ausgelöst über Reformbewegungen, die auf mönchisches Potential zurückgriffen. Mit der bedeutendsten Bewegung - jener von Cluny.

Sehr rasch wuchs der Kirche eine ungeheure Reputation und geistliche Macht im Volk selbst zu. Während der Kaiser fast zwangsläufig zunehmend Mönche aus dieser Erneuerungsbewegung wählte, um sie zu Päpsten einzusetzen.

Doch diese aus ihrer Natur heraus weltabgewandte, mönchische Reformbewegung bedeutete einen völligen Rückzug der Kirche aus der Welt, eine völlige Entflechtung, bis hin zum definitiven Verbot der bis dahin oft tolerierten Priesterehe im Jahre 1022. Sie wurde in ihrer Selbstdefinition zu einer heiligen, unantastbaren, reinen göttlichen Einrichtung, in die kein Mensch einzugreifen hatte. Und dieselben Päpste, die ihre Investitur dem Kaiser verdankten, ergriffen bald Maßnahmen, um sich aus dieser Macht zu lösen. Und sie stießen gleichzeitig den weltlichen Staat der Fürsten auf sich selbst zurück. Während das Reich des Kaisers (das nicht als Staat aufzufassen war und ist) zu einer Institution wurde, die sich völlig der göttlichen Salbung verdankte, damit vom Papst abhängig war. So sah es im 11. Jhd. auch das Volk. Nicht zuletzt auf dieses neu entfachte Selbstbewußtsein ist auch die Kirchenspaltung mit Byzanz 1054 zurückzuführen.

Was alles für das Bürgertum, das durch den aufkommenden Handel im Norden Italiens zuerst sich regte, ein willkommener Anlaß war, sich aus kaiserlichen Verpflichtungen loszusagen. Erstmals entwickelte sich also ein bürgerlich-politisches Selbstbewußtsein, das sich von der übergeordneten Macht emanzipierte. Während sich das Kaisertum selbst in seiner realen Macht ohnehin nur noch auf Deutschland bezog, weil sich der überwiegende Rest Europas - die slawischen Länder, oder Frankreich - schon zuvor emanzipiert hatte.

Wenn gleichzeitig, wie es schließlich Gregor VII. 1076 festlegte, der Kaiser keine Bischöfe mehr einzusetzen hatte, so nahm er diesem aber die Säulen seiner (weltlichen) Macht. Die die schon von Beginn unter Karl dem Großen an machtlosen Kaiser durch Einsetzung und Belehnung von Bischöfen mit Ländern mühsam aufgebaut hatten. Denn aus der Entwicklung des Kaisertums seit Karl dem Großen heraus, waren die Bischöfe, war die Kirche die bewußte und entscheidende Säule des Kaisertums überhaupt. Nahm man dem Kaiser den Einfluß darauf, schwächte man ihn politisch - und mit ihm zugleich den Schutzherren der Kirche. Die Kirche mußte sich also andere Allianzen, eigene Machtpolitik suchen, und tat es auch, wie etwa in der Allianz mit den Normannen - gegen den Kaiser, oder der späteren Anlehnung an Frankreich.

Nun waren aber in Deutschland die (meisten) Bischöfe mit Lehen belehnt, waren zugleich Landesherren. Ihnen diese Lehen zu entziehen, was einzige Möglichkeit des Kaisers gewesen wäre, hätte ihn nun in offenen Konflikt mit der Kirche gebracht. Kaiser Heinrich V., der Sohn Heinrich IV. (Canossagang ...), wagte bereits nicht mehr, Bischöfe zu investieren. 

Gleichzeitig war den Landesfürsten diese Regionalisierung der Kirche ja sehr recht, denn so konnten sie direkteren Einfluß auf die jeweiligen Bischofswahlen nehmen und damit ihre eigene Macht vergrößern - die regionalen Konsistorien, die die Bischöfe wählten, bestanden zudem vorwiegend aus adeligen Söhnen. Auch hier also war das Ziel einer Straffung der Kirche, vor allem auch in ihrer sittlichen Kraft, ins Gegenteil umgeschlagen: Noch nie waren die Bischöfe derartig unter der Fuchtel der Landesfürsten gestanden, wie im 11./12. Jhd., wenn auch in einer seltsam erscheinenden Doppelgestalt. Einesteils wurde mit der Kirche politisch gewillfahrt, anderseits wurde sie von denselben Fürsten (und vom tief religiösen Volk) mit Schenkungen überhäuft - in dieser Zeit entstanden erstmals wirkliche kirchliche Reichtümer, entstanden erstmals die prächtigen Dome und Klosteranlagen.

Aber der Einfluß des seiner Macht völlig entkleideten Kaisers auf diese Fürsten war noch nie so gering gewesen, was nicht zuletzt durch den Umstand möglich wurde, daß es zu dieser Zeit keinen größeren Angriff ausländischer Völker (im Osten) gab, der eine kaiserliche Zentralmacht ins Interesse aller Fürsten gestellt hätte. 

Gleichzeitig hatte die Kirche selbst die Entwicklung rein säkularer, von der Religion getrennter Staaten provoziert.* Und das war historisch ein Novum. Denn nie und nirgendwo in der Geschichte, weltweit, hat sich weltliche Macht auch und vor allem in den Augen der Menschen völlig von göttlichem Auftrag getrennt. Nur in Friedrich II., dem Stauferkaiser, hat sich dieser Konflikt noch einmal ausgetragen. Er endete mit der Niederlage des Kaisertums, und der Entwicklung autonomistischer, später nationaler säkulärer europäischer Staaten, die sich aus dem Bürgertum nährten.

Ein deutscher Reststaat - denn es waren bereits die Separatgründungen Schweiz, Niederlande, Luxemburg, Österreich, oder etwa die Franzisierung Lothringens bzw. des Burgund zuvorgegangen - hat sich aus dieser Entwicklung heraus ... erst im 19. Jhd. entwickelt.




*Die Idee des Reichs und Kaisers ist aber die einer "mystische Ehe", unauflöslich und in einem wechselseitigen Rhythmus mit der Kirche gekoppelt, weil sie nur so die Doppelnatur der weltlichen Macht (geistlich und politisch) in der Inkarnation des Reiches Gottes, der Kirche also, verkörpert. Die spätere Entwicklung des Kaisertums läßt sich als notbedingtes Ringen um weltlich-politische Macht, zu deren Faktor sie reduziert wurde, definieren, wo die Kaiser dieser reinen Idee in der Suche um ihr zweites Bein sogar oft treuer blieben, als die Kirche, die nicht selten ihre Rolle verweigerte, selbst jenes Bein, das sie selbst sich abschlug, zu ersetzen suchte. Und ihr "Bündnis mit dem Thron" immer wieder neu zu gründen suchte. Die Milch war aber bereits damals verschüttet.  





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