Das Problem um die Kirche - römisch oder orthodox - könnte viel verwickelter sein, als es vielen scheinen mag. Weil hier jahrhundertelange, ja jahrtausendelange Prägung. Seit nämlich die Entwicklungen seit dem 11. Jahrhundert - und es waren Entscheidungen - "die Kirche" von einem pneumatischen Begriff zu einem ganz deutlich institutionalisierten Gebilde in der Welt machten. Als ein Benediktiner-Mönch Papst wurde, der die Kirche nach dem Modell der Klöster umgestalten und zu einer Gestalt neben der weltlich-politischen Gesellschaftsgestalt machen wollte. Und diese beiden Gestalten im Investiturstreit direkt auseinanderriß, in der sich diese Institution zu einer politischen Konkurrenz mit dem Kaiser- und Fürstentum machte. Sodaß die Säkularisierung, die sich dann vollzog, eine logische Konsequenz ebenso war, wie die spätere (heutige) Niederlage der Kirche als pneumatische Natur. Sprich: Die Kirche hat heute kaum noch geistigen Einfluß, WEIL ihre weltliche Korporalität als politische Einrichtung entmachtet und defacto ausgelöscht ist.
Dann wäre die gesündere, wahrere Entwicklung tatsächlich auf Seiten der Orthodoxie gelegen. Denn diese hat auch rein praktisch die innerweltliche Korporation weitgehend abgelehnt. Sie hat sich nie anders denn pneumatisch verstanden.
Damit löst sich auch die Frage ganz anders: Wie man glaubt, daß der "Organismus
Kirche" sicher steht, sodaß die Zusage der Unüberwindbarkeit der Kirche
gelten kann. Das wird so zu einem Dilemma das nur eines ist, weil sich die Vorstellung von Kirche an eine innerweltliche Korporation klammert, sich daran gebildet hat.
Denn natürlich gibt das Denken
einen Primat vor, den eine Person darstellen muß. Bleibt also nur die
Frage um die Gestalt der "Kirche" selbst. Wieweit ist sie
nur pneumatisch zu verstehen, als innerer Geist der ansonsten
weltlichen Organisation? Wenn, dann kann sich die Frage nur über
diese Klärung beantworten.
Und dann ist eben die Kirche von der
konkreten Gesellschaft und Kultur nicht zu lösen. Dann kann es im
Wesentlichen nur Lokal- und Ortskirchen geben. Dann sind es die
konkreten Priester vor Ort, direkt am Dorf, in der Gemeinde, der
Pfarre, die "die Kirche" repräsentieren - als Haupt, dem
der Leib der Gemeinde der Gläubigen gegenübersteht. Und in diese
Richtung geht mein Denken ohnehin schon seit langem.
Dann war die Wurzelsünde tatsächlich
die Reform im 11. Jahrhundert, als sich die Kirche zu einem festen
Organismus, zu einer Institution für sich konstituierte.* Als man
eine "bessere Kirche", eine nach mönchisch-klösterlichem Vorbild gestaltete Utopie wollte, als es die Gesellschaft, die
Kultur sichtbar überhaupt hergab.**
Morgen Teil 2) Gratia supponit naturam
*240318*