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Sonntag, 9. August 2020

Was Abendländer von Morgenländern scheidet (3)

Teil 3) Weil es ohne das Abendland nicht geht



Im Hinduismus (was, wie dem VdZ einmal ein indischer Gelehrter so erklärte, daß das nichts anderes heiße als "die Religion der Inder als jener Menschen, die dort, in Indien, eben leben", der in sich also gar keine definierbare "Religion" ist) zerfällt diese Grundlage des Seins ohnehin in buchstäblich zahllose Vorstellungen. In Bilder, von denen die meisten bis zu einem Punkt gehen, an dem sie dann einfach abbrechen, weil sie die gedankliche Konsequenz nicht lösen können. 

Wie jener sehr häufigen Vorstellung, daß die Welt auf dem Rücken eines Elefanten ruht, der wiederum auf einer Schildkröte steht. Diese steht selbst auf einer Schildkröte, die kleiner ist, diese wiederum auf der nächsten, die noch kleiner ist, und so weiter und so weiter. Was am Anfang steht? Diese Frage stellt der Hindu nicht. Diese Ungelöstheit des Anfangs, also der Widersprüchlichkeit und Ungelöstheit des Denkens "nimmt er hin."

Von den zahlreichen irrationalen, nicht näher bestimmten oder bestimmbaren "Naturhaltungen" wollen wir gar nicht sprechen, weil sie kaum zusammenfaßbar sind. Auch der tiefst überzeugte Kommunist hat in seinem realen Leben Glaubenshaltungen und Religiositäten, deren er sich aber nicht bewußt sein will oder darf. (Nur ist "Religion" noch lange nicht "Erlösung" oder "Heil"; es sind nur irdische mehr oder weniger gutgemeinte "Versuche", denen aber eine Bedingung fehlt: Wahrheit in Gestalt einer Person.) 

Natürlich können wir hier nur einen kurzen Abriß der Problematik vorstellen. Aber der reicht vielleicht dem einen oder anderen. So, wie oft ein einziges Wort genügt, um einen ganzen Gedankenboden sichtbar zu machen, den man über viele Jahre in ein Unbekanntes gespannt hat, der nur von der Widerspruchsfreiheit lebte, ehe mit einem Schlag der Schlußstein begegnete, der alles zu einem Gewölbe bzw. fertigen Gebäude verband. Das mit einem Schlag "einfach da war". So wie durch diese paar Worte, die dem VdZ in dem Büchlein "Die Seele des Orients" von Willy Haas zuflogen.

Und die ihm ein ziemlich großes Verstehensgebäude zeigten, in dem der Mensch des Orients, vom Mittelmeer bis zur Japanischen See, plötzlich begreifbar wurde. Sodaß sich in diesem Begreifen aber auch der Abendländer zeigte. Der mit einem Mal in einer Größe vor Augen steht, die nur wundern macht, warum wir uns vor der Zukunft fürchten sollten! Denn der Abendländer hat etwas, das so gut wie jedem Menschen auf der Erde fehlt. Er hat den ... Gott der Wahrheit.

Deshalb steht die abendländische (Europa, Nordamerika) Wissenschaft vor der Tatsache, daß sie regelrecht irrelevant wurde. In dem Maß, in dem sie ihre Grundlagen "vergißt", nicht mehr ernst nimmt, ist sie nicht mehr in der Lage, die Welt zu begreifen und zu erklären. Sondern verliert sich immer mehr nur noch in "Teillogiken", Teillogizismen, die so nützlich und notwendig sind "wie ein Krope", wie der Wiener sagt. 

Und an denen zu orientieren einer der fatalsten Kulturfehler ist, zu dem verführt zu werden nur als Teil einer globalen Machtstrategie verstanden werden kann. Nichts war cleverer als die Abendländer an die Relevanz ihrer Grundlage - dem (katholischen) Christentum - zu glauben und daran festzuhalten. 

Idee eines notorischen Optimisten ...
So wurde es geschwächt, und damit zur reifen Frucht, die anderen Mächten in den Schoß fällt. Die freilich eine Frucht ernten, die kastriert, trocken und tot ist. Das ist ihr Fehler. Und das ist (noch) der Fehler auch der Chinesen. 

Wenn aber, dann werden die Chinesen draufkommen ... und möglicherweise dann sogar das Abendland neu zu beleben versuchen. Denn um auf seine Vorteile verzichten zu wollen - dazu sind sie zu pragmatisch. Das wäre dumm. Und so dumm wie die heutigen Abendländer sind sie nicht.

Denn die sind Orientalen. Die können mit unlösbaren Widersprüchen in nebeneinanderstehenden, eigentlich unlösbaren Parallelwelten leben. Zwischen denen sie hin- und herspringen. Wenn, dann können nur die Orientalen somit auch das Abendland bestehen lassen. Denn der Abendländer ist aus dem Wissen um die Unverträglichkeit von Widersprüchen in seinen Irrtümern gefangen, hat sich selbst totgeschlossen. 

Diese Widerspruchsfähigkeit macht den Orientalen zwar "undurchschaubar" und sogar "unberechenbar". Aber das gibt in der derzeitigen Situation des Abendlandes, das sich selbst nicht mehr helfen kann, sogar etwas wie Hoffnung. 

Als Hoffnung auf das Wissen um das geheimnisvolle, dem Menschen nie durchdringbare (doch immer widerspruchslose) Sein, in dem Gott letztlich alles zum Guten führen wird. Nicht, weil die Orientalen weiser, klüger oder mehr der Wahrheit zugeneigt sind. 

Sondern weil sie - hoffentlich, weil wenn, dann ohne zu wissen warum, also schlicht aus Pragmatismus - früher als wir Abendländer begreifen, daß das Abendland das Herz der Welt ist. Nach wie vor, und seit je. Hört dieses zu schlagen auf, versinkt die gesamte Welt ins Dunkel von Chaos und Widerspruch, in dem auch die Gewalt, das einzige Mittel um Chaos zu "ordnen", keine wirkliche Lösung ist. Denn in Systemen der Widersprüchlichkeit ist Gewalt die einzige Methode des Zusammenhalts. Auch ohne Einheit.



*Warum "gibt" es dennoch in China ernstzunehmende Wissenschaft? Vorsicht, werter Leser, überschätzen wir das nicht. Warum? Weil die Chinesen auf der Grundlage des atheistisch-nihilistischen, lediglich pragmatischen (und HÖCHST pragmatischen, also sehr klugen) Konfuzianismus als Lebenshaltung der meisten Chinesen einfach die offensichtlich überlegene Haltung des Westens, also des Abendlandes, übernimmt. Eine eigentliche Religiosität findet in allen möglichen, jeweils individuellen Religositäten statt. In Dingen, Aberglauben, alltäglichen Haltungen, Gewohnheiten, Methoden, Praktiken ... die nur nicht eines sind: Rational-geistig widerspruchsfrei in ein Ganzes eingefügt und somit geklärt. 

Damit wird der Welt- und Wissenschaftsgrund lediglich und allerhöchstens "erklärt", also "rationalisiert". Und ansonsten erklärungslos zur Kenntnis genommen. Punkt.  Denn der Kommunismus-Marxismus KANN das Problem nicht wirklich einordnen, seine Erklärungsansätze für Religion sind schlicht falsch.

Dieser "Treibsatz" der Wissenschaft leidet aber notorisch unter "Treibstoffproblemen". Er ermattet immer wieder, und braucht deshalb den Impetus des Abendlandes. Auch das wird China bald erkennen, keine Sorge. Die Welt und die uns bevorstehende Geschichte ist also viel spannender, als wir oft glauben wollen, wenn wir uns die Welt allzu einfach erklären. Nicht nur die Person, auch die Geschichte ist hoch komplex ...


*260720*

Samstag, 8. August 2020

Was Abendländer von Morgenländern scheidet (2)

Teil 2) Warum der Abendländer 
überlegen bleiben wird 



Dieses Sein aber ist dem Abendländer (letztlich) Christus, als inkarnierter Gott. Es ist ein Gott, der in sich gut ist, der in sich widerspruchsfrei ist. Somit ist alles Seiende, das an diesem göttlichen Sein teilhat, weil es sonst nicht wäre (wobei diese Teilhabe aus einer Haltung heraus geschieht - verliert das Ding, der Mensch diese Haltung des Empfangenden, verliert er auch die Teilhabe am Sein, er stirbt somit, das Ding vergeht).

Dieses Sein ist nicht nur widerspruchsfrei, es ist auch Taktgeber jener Logik, jener Intelligibilität der Welt, die anzunehmen den Abendländer unter anderem zu jenen Wissenschaftshöhen geführt hat, die den Okzident - nach wie vor! nur haben wir das vergessen! - als einzigen wirklich fähig macht, Wissenschaft zu betreiben. 

Warum muß man ihn so herausgehoben betrachten? Denn zweifellos ist die Wissenschaft (in ihrer Systematik eine abendländische Erfindung, wenn man so will) jene Bedingung gewesen, die die abendländische Kultur in eine Überlegenheit brachte, die von der gesamten Welt als Bedingung und Grundlage des realen Lebens betrachtet wird. 

Diese Überlegenheit wird so lange anhalten, wie der Mensch des Abendlandes (der Christus, den Gott der Christenheit also, zur Grundlage weil jenem Sein sieht, aus dem heraus die Welt "isset") diesen Gottesbegriff, dieses Verständnis von Gott (dem Sein, das aber Person ist, zu dem alles Dingliche, zu dem jeder Mensch im besonderen - "nach Seinem Bild schuf er ihn" - in einer Beziehung steht, die NICHT technisch-automatistisch ist, sondern den besonderen Bedingungen einer Beziehung unterliegt) nicht vergißt oder verdrängt. 

Solange er dieses Verständnis der Welt und seiner selbst (und des Denkens, des Geistes, der Vernunft als den rationalen Faktor, der bereits von den Bedingungen des Persönlichen durchtränkt ist) aufrecht hält, wird er der übrigen Welt überlegen sein, soweit diese dem christlichen Gott nicht beitritt. Was ein so reales Geschehen ist, daß es sogar an die konkrete Taufe gebunden ist, die ein ontologischer Tatbestand ist, der sich in der Welt ganz real auswirkt. Das ist beobachtbar! Das ist beobachtbar, wenn man wie Haas beobachtet, wie der Abendländer und wie der Morgenländer IST. 

Warum wird es dem Morgenländer nicht und nie gelingen, zu diesen Möglichkeiten vorzustoßen? Warum wird der Asiate gewissermaßen "immer" diesen Rückstand haben, und auch nie aufholen? Er wird ihn nicht aufholen, solange er nicht Christ ist. JEDE der Religionen, jede der Seinsdefinitionen, die sich in Asien - von der arabischen Halbinsel bis zu den Ausläufern Vietnams oder Nordchinas und Koreas - hat ein in sich bestehendes NEBENEINANDER. 

Das haben alle diese natürlich bemerkt. Aber mangels des Verstehens, mangels des Glaubens letztlich (somit wird, werter Leser, der Glaube als seinshafte Teilnahme an der geistigen Wirklichkeit des Seins selbst, also Gottes, auch als Bedingung menschlichen Wohlergehens begreifbar) kann er diese Widersprüche, diese Uneinheitlichkeit nur "auf die eine oder andere Art" lösen.*

Im Buddhismus etwa durch Auslöschung des Ich (und aller Dinge) im "Nirvana". Jenem Ort, wo es kein "Leid" mehr gibt (was klar ist, denn wo es "nichts" gibt, kann es auch kein Leid mehr geben).

Im Islam, der einen Gott der Willkür anerkennt, WEIL er diese Widersprüche nicht lösen kann. Der sogar diese Willkür und diese Widersprüchlichkeit so weit treibt, daß er lediglich feste Lebensregeln einerseits, eine rational nicht faßbare "Mystik" (wie im Suffitum) anderseits als "Gotteserfahrung" kennt, weil sie die reale psychische Verfaßtheit des Menschen durch Methodik (z. B. Tanz) an die Grenze der Selbstbewußtheit treibt, also einem (wenn man so will) medizinischen Grenzzustand Göttlichkeit zuschreibt. 

Was immer "weise" im Islam ist (und das gibt es dort), ist, schreibt einmal Nikolaus von Cues, der vor fünfhundert Jahren eine Schrift über den Islam verfaßt hat, aus dem Christentum übernommen. Ist der Islam doch immerhin historisch ohne große Probleme auf eine christliche Häresie zurückzuführen. Sodaß sich seine Hauptschrift, der Koran, in seinem Kern als fragmentarisch überlieferte christliche Verkündigungsschrift bestimmen ließe. (Sage der Leser das aber keinem Muslim, bitte!) Weshalb es auch im arabisch-muslimischen Raum keine Wissenschaft GIBT, so sehr sich manche auch gegen diese Tatsache wehren bzw. so sehr sie bestreiten, was aber doch so augenfällig ist. 

Nur wenn die Seinslogik auch in der Welt zu finden ist, kann man jene Bedingung der Wissenschaft erfüllen, in der das Denken sich vom Sein der Dinge prägen läßt, weil diese Dinge auch derselben Logik entsprechen, die Gott zugeschrieben wird: Widerspruchslosigkeit allem voran.


Morgen Teil 3) Weil es ohne das Abendland nicht geht



*260720*

Freitag, 7. August 2020

Was Abendländer von Morgenländern scheidet (1)

Die Seele jedes Menschen ist in ihrer Grundausrichtung und damit Ordnung gewissermaßen bei jedem Menschen gleich. Eine Struktur, die freilich nur geistig zu erfassen ist, sich also schon von der Kategorie her für keine Behandlung durch Naturwissenschaft eignet - falsche Methode zum falschen Objekt, sozusagen. Man untersucht ja auch die Struktur eines Eisenmoleküls nicht mit Seziermesser und Bluttabellen. 

Das Wunder der Seele beginnt bei der metaphysischen Tatsache, daß an einem Ort jeweils nur ein Ding sein kann. Damit hat jede Seele andere Bedingungen, unter denen sie mit der Welt korrespondiert, und denen gemäß sie sich mit jenen Inhalten füllt, die ihre (bei allen gleiche, aber nur im Geist zu erfassende) Grundausrichtung vorfindet und aufnimmt. Somit hat jede Seele ihre eigene Komplexität, und diese ist, weil die Seele ein Ganzes ist, das wie jedes Ganze an einer "Spitze" (als Hauptbestimmungsfaktor) aufgehängt ist, somit "anders" als jede andere Seele. 

Aus den Daseinsbedingungen, die an jedem Ort anders sind (und alles was ist, ist an einem Ort), befindet sich jede Seele in einem wiederum völlig anderen Umfeld vulgo "Umgebung". Mit anderen Einflußfaktoren, die wiederum aber - vergessen wir das nicht! - auf für alle Seelen (wie alle Dinge) gleichen Sinnbedingungen stößt. Sinn? Ja, Sinn. Weil der Sinn es ist, der alle Dinge, wie ein Magnet, AUSRICHTET. 

Was ein Ding, was eine Seele von der anderen unterscheidet, ist "lediglich" der Weg aus den jeweils anderen Bedingungen, in denen es (sie) sich befindet, zu ihrem (geistigen) Sinn zu finden. Das ist ihr Hauptstreben, und nur daraus ist die Seele deshalb zu verstehen. Worin eine Seele in ihren unterschiedlichen Ebenen natürlich auch - beginnend mit der Landschaft als jener Tektonik, die den Grundrhythmus des Menschen vorgibt, in dem er "schwingt" - natürlich jeweils anders finden muß. 

Deshalb läßt sich nicht nur davon sprechen, daß Seelen eines bestimmten Umkreises gewisse Gleichheiten aufweisen (die wiederum geistiger Natur sind), sondern auch in ihren Wegen zum Sinn gleiche Züge demonstrieren. Deshalb kann man sehr wohl von einer Seele des Orients (Morgenland) in ihrer Unterscheidung von der Seele des Okzidents (Abendland) sprechen. Deshalb kann man in diesen jeweiligen geographisch (wenigstens so irgendwie) bestimmbaren Orten auch bestimmte seelische Grundzüge lokalisieren.

Diesen Versuch unternahm auch Willy Haas in seinem schmalen Büchlein "Die Seele des Orients" vor mittlerweile fast einhundert Jahren. Haas mag damals, als sein Büchlein erschien, nicht von großen Leserkreisen beglückt worden sein. Aber eines dieser Büchlein schwamm über diese hundert Jahre bis zum Verfasser dieser Zeilen, der es in einem Antiquariat fand. Und dem er nun einen wichtigen Impuls verdankte, warum auch immer, in dem er viele Gedankenwege zu einer Idee verbinden konnte, die den Themenkomplex mit einem Schlage erhellt. 

Haas beschreibt 1916 ja nur, was er sah, er nahm also nur Fakten zur Kenntnis. Und meinte aus seinen Beobachtungen sohin den Grund definieren zu können, warum der Abendländer den Menschen des Orients nicht versteht und auf eine Weise auch nie verstehen kann. 

Denn der Abendländer zieht alle Bereiche seines Umfelds, seiner Umgebung, also der Welt zu einem Punkt zusammen. Den er so auffaßt, daß er von einem Sinn her beleuchtet ist. Immer, und in jedem Fall führt also die Fülle der Einzelerscheinungen der Welt zu ein und demselben (geistigen) Begriffsbild. Das in sich keine Widersprüche enthalten kann. Der Abendländer sucht also so lange, bis er alles, was er vorfindet, in einen logos, in einem Sinn einzuordnen vermag.

Das ist beim Orientalen (wobei Haas diesen Begriff für die Menschen vom Vorderen Orient bis nach China einsetzt) anders. Dieser "kann" mit der Spannung leben, die ein bloßes Nebeneinander der Einzelerscheinungen der Welt mit sich bringt. Diese Bereiche werden nicht zusammengefaßt, sondern nur auf die eine oder andere Weise pragmatisch "stehen gelassen". 

Deshalb wird der Orientale dem Okzidentalen immer "undurchschaubar" erscheinen. Denn er ist das, tatsächlich! Durchschaubar ist nur der Abendländer, wenn man so will, weil der auch diesen Anspruch an die Interpretation der Welt, an das Lesen des logos als der inneren Grammatik der Welt, hat. 

Der Orientale kann deshalb von einem Bereich zum anderen springen, und dort jeweils diesem Teilbereich "genügen", entsprechen. Somit kann er von einem Moment zum anderen scheinbar "komplett anders" sein. Ohne daß er das als seltsam sehen würde, was dem Europäer aber als "Falschheit" erscheint. 

Wir wollen das einmal nur zur Kenntnis nehmen, einfach nur anschauen. Und uns erst jetzt mit den Gründen dafür auseinandersetzen. Denn die gibt es! Es sind Gründe, die in dem ansetzen, was wir oben als "Haken" bezeichnet haben, an dem alle Dinge (also die Welt) aufgehangen sind. Als Punkt, von dem her jedes Ding (also auch der Mensch) bestimmt sind. 

Hier stoßen wir somit sofort auf das Sein selbst, auf diesen abstrakten Begriff, den wir letztlich als "Gott" bezeichnen. Aus dem alles stammt, insofern es am Sein teilhat, also "Seiendes" ist, das "Sein hat". Das es auch verlieren kann, ohne daß das Sein selbst davon berührt ist. Dinge können vergehen. Lebewesen können sterben (ja, sie tun es mit Gewißheit), eine Tatsache die sich aus der Beobachtung, also Erfahrung ergibt. 

Morgen Teil 2) Warum der Abendländer 
überlegen bleiben wird 


*260720*

Mittwoch, 7. September 2011

Sehnsucht

Dort im Reinen und im Rechten
Will ich menschlichen Geschlechten
In des Ursprungs Tiefe dringen,
Wo sie noch von Gott empfingen
Himmelslehr' in Erdesprachen
Und sichnicht den Kopf zerbrachen

Wo sie Väter hoch verehrten,
Jeden fremden Dienst verwehrten;
Will mich freun der Jugendschranke:
Glaube weit, eng der Gedanke,
Wie das Wort so wichtig dort war,
Weil es ein gesprochen Wort war.

(J. W. v. Goethe, West-Östlicher Divan, Hegire)


***

Dienstag, 14. Oktober 2008

Vom geträumten Halbmond

Als Statthalter der degenerierten Seldschuken regierte der Türkenfürst Erthogrul im 13. Jahrhundert Armenien. Als der Druck der Mongolen aus dem Osten nicht nachließ, zog dieser mit seinem Stamm nach Kleinasien weiter.

Sein Sohn Osman trat dem muslimischen Glauben bei, und bewarb sich um die Tochter eines mächtigen Scheichs der Seldschuken. Aber ohne Erfolg: er war zu geringen Standes.

Eines Nachts träumte Osman, daß er dieses Mädchen zur Frau nahm, worauf sie einen Halbmond gebar, der sich weitete und bald über die ganze Erde rundete. Diesen Traum deutete er als die Prophezeiung eines Weltreiches.

Der Scheich, der von diesem Traum gehört hatte, wollte sich diese Chance für seine Familie nicht entgehen lassen. Er gestattete die Mesalliance.




*141008*