Was auch noch aufzuschreiben war

KONNOTATIONEN

Donnerstag, 22. Mai 2008

Der Kunde biedert sich dem Lieferanten an

Was man meist völlig außer acht läßt ist der Umstand, daß sich das Publikum zum Theater und noch mehr zu den Proponenten als Figuren "verhält", was sich im Verhalten deren Werk gegenüber ausdrückt.

Das mag simpel klingen, bis zu dem Punkt wo man gewahr wird, daß in Zeiten der Hollywoodisierung des Erlebens das Publikum sich dem Theater (etc.) bzw. der Sphäre der Kunst und Öffentlichkeit (heute untrennbar ...) ANBIEDERT. Es möchte teilhaben an diesem Leben, diesen Menschen, diesem Lebensfluidum, das für eben dieses Publikum fast ausschließlich aus von den Medien gelieferter Möblage besteht.

Eigentlich grotesk, weil sämtliche vorformulierte Floskeln - zumal in einer Welt des Kapitalismus und des Konsumentenrechts ganz andere Mechanismen suggeriert werden. Aber dies ist Teil dieses Spieles - alle glauben zu machen, es sei so. Und der Beifall des Publikums sei die Reaktion von bedient werdenden Kunden.

Nachgerade umgekehrt nämlich sitzen nur wenige Kunden in den Stühlen der Theater. Deren Beifall Kauf oder Nichtkauf bedeutet, weil sie erst NACH dem Geschehen entscheiden, ob sie die Aussage kaufen. Während die meisten Theaterbesucher schon längst die Ware besitzen, sobald sie das Geld an der Kassa hinterlegt haben, weil das was sie gekauft haben durch Konvention längst geregelt ist.

Sie meinen, ich spräche hier vom bürgerlichen Publikum, wie es gemeiniglich bezeichnet wird, meist mit abfälligem Beiton? Weit gefehlt! Dieses Publikum weiß ja meist, daß sein Theaterbesuch Teil einer Lebenseinrichtung ist, und es ist auf diesem Ruhekissen sogar auch einmal bereit, sich aufbrechen zu lassen.

Das heute bei weitem konventionellste Publikum, die bei weitem konventionellste Szene ist genau jene Szene, die von sich am lautstärksten behauptet, Neues, Avantgarde und aktuelle Kunst zu liefern. Die stärkste und längst alles zu Tode lähmende Konvention des Kunstbetriebes ist die Konvention des Brechens aller Konventionen, weil es zum Selbstzweck, zum Marketingziel geworden ist, anstatt überrascht zur Kenntnis genommene immanente Wirkung der Konzentration auf eine Aussage im Gelingen einer Sache. Dieser ist der Großteil des Publikums längst beigetreten.

Umso eifriger bastelt die Kunstszene an der Unsinkbarkeit ihres Schiffes - das doch längst leckt. Und hat längst "sich" als Ware der Kunst etabliert - anstatt ihr Werk.

Biographiemaschinen

Erdrückt von pausenlosen Vorführungen von aus Verkaufsgründen auf Aussagbares "geprüfte" Archetypen, fixiert auf eine Biographie mit medientauglichen Alleinstellungsmerkmalen gestalteter Bilder, meinen viele Menschen, zu leben hieße ebenfalls, eine Biographie zu erzeugen, die sich nach bekannten Drehbuchkriterien entwickle.

Zugleich übernehmen sie gezwungenermaßen die Rolle des Kameramannes und des Regisseurs, des gesamten Filmteams - und überprüfen als Produzenten laufend, ob das Ergebnis mit den Anforderungen übereinstimmt: den Wirkungen, die die Leben der Vorbilder (angeblich!) hervorrufen.

Eine Berlinger Wahrsagerin hat mir einmal in einem Gespräch erzählt, daß es für Sie oft sehr schwer ist, Kundenzufriedenheit zu erzielen, weil sie mit enormen Erwartungen der Menschen konfrontiert ist. Ausnahmslos jeder ihrer Kunden erwarte sich von ihr Schilderungen von (zukünftigen) Geschehen und Ereignissen, die hollywoodtauglichen Maßstäben gerecht würden.

In Wirklichkeit aber sei das Leben nahezu aller Menschen völlig "normal" und den Erwartungsmaßstäben an Bedeutung und Wirkung gegenüber ereignislos, bzw. spiele sich das Leben fast aller Menschen zwischen sehr engen Polen ab. Damit aber würden sich genau ihre Kunden niemals zufriedengeben.

Aber die Menschen werfen ihr Leben lieber weg, als sich dem Wagnis auszuliefern, daß es ist , was es ist, und unter Umständen nicht Oscardimension hat oder überhaupt bekannten Kriterien nach Lorbeeren einheimst. Die Scham, die der heutige Mensch dabei empfindet, denkt er daran, alle Potemkinschen Dörfer aufzugeben, zeugt davon, daß es immer weniger Menschen gibt, die ihr Leben kraftvoll leben, sondern die stattdessen Biographien für Fernsehanstalten und Video-Verleihe schaffen wollen.

Weshalb jene Geschäftszweige - noch mehr aber zwischenmenschliche Verhaltensweisen - boomen, die es ermöglichen, die Fassadenkonstrukte von Biograpien aufrechtzuhalten. Die das Leben so wunderbar beherrschbar und fehlerlos machen.

Es ist kein Zufall, daß die frühen 1970er-Jahre einen bemerkenswerten Zuwachs einer ganz neuen "Menschlichkeit" brachten. Plötzlich gab es neue Kriterien, die das Maß an Wohlverhalten bestimmten: nämlich wieweit jemand bereit war, der Phantasie des anderen, was denn etwas sei, beizutreten. Gut war, was jedermann dazu erklärte - sympathisch, wer ihn egal worin bestätigte.

Was für eine Heuchelei zog da unter der Mogelverpackung, der früheren Heuchelei ein Ende zu bereiten, ein. Wo an sich wechselseitig interessante Biograpien vorlog.

Mittwoch, 21. Mai 2008

Das Gesamtkonzept der 68er

Grundsätze, Schlagworte und politische Ziele der 68er-Generation, wie sie sich in ihren Folgen heute, in der Generation Schröder und Gusenbauer, darbieten, und einlden, in einem Gesamtkonnex gesehen zu werden, der sich aufdrängt, weil jeder einzelne Baustein perfekt in ein Gesamtkonzept, in ein Endziel einerseits, in einen Motivkomplex anderseits (Generation Wohlstandslangeweile).

"Ex factis, non ex dictis amici pensandi!"

Um ihre subjektiven und egomanischen Ziele - jede Ideologie gründet ausschließlich in subjektiven Absichten und Verschleierung von charakterlichen Schwächen - abzusichern, finden sich in der Politik der Linken - welches Wort problemlos mit dem Begriff der 68er kompatibel ist - diese politischen Forderungen und totalitären Maßnahmen, die eine beliebige Zerstörung der Gesellschaft inkauf nehmen, weil sie von einer Generation gefordert und getragen werden, die noch nie erlebt hat, was es heißt, Konsequenzen und existentielle Folgen zu tragen (Wohlstandsgeneration), und die es auch nicht (mehr) erleben wird. In der Renten- und Sozialstaatsabsicherung das letzte zuz erledigende Kapitel sind, mit dem diese Generation sich dann verabschiedenwird, nachdem sie nur Wüste hinterlassen hat - Politik nach dem Motto also: die paar Jahre (bis ich unter der Erde bin) wird es sich schon noch ausgehen.

Das sind die wesentlichen Bestandteile, auf ihren Kern reduziert:

- Enteignung des Nachwuchses und dessen Verstaatlichung
- Entzug des Rechts auf Erziehung für Eltern
- Übertragung des Begriffs der Sozialpflichtigkeit von Sachen auf Menschen
- Bruch der Kontinuität der Generationen durch Herausgreifen der entscheidenden Wichtigkeit der eigenen Generation, die sich berechtigt sieht, alles neu zu machen
- Mißtrauen jeder anderen Generation, auch den Jungen, gegenüber
- Ersetzen des Privilegs des Orts durch den des Geburtsdatums
- Nachdem der Marsch durch die Institutionen gelang, ist die 68er Generation jene, die mit "Reform" Wahrung des Besitzstandes und der Wohlstandsprivilegien meint.
- Die Ziele der Linken beschränken sich zunehmend darauf, den Kinderlosen Teilhabe an einem Reichtum zu gewähren, zu dem sie selbst nichts beigetragen haben.

Der Ersatz der familiären natürlichen Lebens-, Autoritäts, Pflichten-, Rechts- und Liebesbande durch anonymisierte Solidaritäten ist notwendig, um die Bewegungsfreiheit dieser Generation abzusichern. Die egomanische Selbstverzweckung der partnerschaftlichen Früchte - Sexualität - verlangt die Zerstörung des natürlichen Gefüges und der Integrität der Familie. "Die kollektivierte Deutung des 6. Gebotes soll die Kinder nicht mehr zu Ehrerbietung den Eltern gegenüber anhalten, sondern zur Versorgung einer anonymen Versichertengemeinschaft." (Konrad Adam) Einer großen Masse auch derer, die die Zeichen der Zeit erkannt und auf eigene Kinder verzichtet haben.

"Die Zeiten sind vorbei, in denen Eltern ihre Kinder wie eine persönliche Investition betrachten durften, deren Zinsen sie im Alter abkassieren durften." Sie sollen und dürfen das nicht mehr, weil es so viele andere gibt, die das selbe (von denselben Kindern) wollen. Weshalb es notwendig ist, die "Kardinaltugend der Linken", die Solidarität, als Hebel zu benutzen.

Das Geld der anderen ist rasch zu verpflichten

Um dies zu erhalten, ist kein Preis zu hoch. Insbesonders, wenn er von anderen zu zahlen ist. In der Freigabe der Abtreibung und Propagierung einer folgenlosen Sexualität, deren Folgen genau die Freigeber und Propagandisten nicht mehr betreffen, wird einer Generation die selbe Verantwortungslosigkeit sich und anderen gegenüber als Freiheit vorgegaukelt, die die 68er sich selbst nahmen, mit dem Pferdefuß, daß aufgrund des Altersprinzips die Sintflut die neuen Generationen noch zu Lebzeiten erreichen wird. Wesentlich dabei ist die intellektuelle Diskreditierung jener, die in dem plakativen Ruf nach "Solidarität" ihre persönlichen Verantwortlichkeiten nicht einmal annähernd beschrieben sehen. Ein Ruf, der nicht nur Gemeinschaft bedeutet, sondern auch den Gegner bezeichnet.

Ein Gegner, der um jeden Preis intellektuell diskreditiert werden muß. Mit Begriffen wie "Auschwitz"-Generation (die üble Vorgeschichte der Eltern) oder "play-back-"Generation (den Jungen, Postmodernen einer reizlosen Zeit gegenüber, die nur noch Trümmer einer Verfallsphase in der Hand halten.) "So wurde der Hedonismus zur Tugend verklärt, Selbstverwirklichung zum Ausdruck einer höheren Moral." (Adam) Nur sie, die 68er, "leben im hie und heute, (inmitten einer verfallenen Welt) in fröhlicher Verzweiflung ... (aus: "Das bleiche Herz der Revolution" von Sophie Dannenberg) Spaß als "Treibmittel der Revolution." (Adam) Es fehlt eben an der ausweglosen Ernsthaftigkeit, sodaß die 68er keineswegs in allen ihren Erscheinungsmitteln konsequent auf ein Ziel hinbewegt zu sein, dem sie alles unterordnen, auf das sie alle ihre Kräfte konzentriert haben. Schon an der "Elastizität" der Argumente mit denen man es auch heute zu tun hat wird deutlich, daß das, was sie eigentlich wollen - und das ist auf so simple Tatsachen zu reduzieren, daß es umso weniger leicht glaubhaft wird, wäre nicht die Welt und die Geschichte so! - nur dumpf im Untergrund erkennbar wird, wenn überhaupt, überlagert von einem Wust an Theorie und Theorien, deren innere Folgerichtigkeit nur am Rande interessiert. Theorie ist für die 68er lediglich ein Mittel (gewesen? nur gewesen?), um ihre wahren Ziele zu verschleiern und umso leichter zu erreichen.

Damit aber sind sie keineswegs so einmalig wie sie glauben. Selbst das Paradigma der Revolution ist wie die Geschichte beweist meist nicht mehr als jener Schleier gewesen, der die Richtung des Handelns verhüllen soll.


"Eine Jugend vermag sich gegen ihre Eltern zu stellen - sie vermag sich aber kaum dagegen zu wehren, nicht so zu werden wie diese ..." (Adam) Wenn ich an dieser Stelle bereits mehrmals Prallelen zu totalitären Regimen und Epochenn der 1930-45er aufgezeigt habe, wenn ich hier schon mehrmals versucht habe, vor den "Warnern zu warnen", so genau deshalb: weil sie, die "anderen", mit ihrem lauten Gebrüll der Verurteilung der Vergangenheit nicht weniger versuchen als den Totalitarismus vergangener Geistesepochen zu instrumentalisieren. Nur: noch perfekter, noch einmal um eine Drehung der Weltgeschichte perfider.

Parallelen nicht nur in den Charakterzügen, sondern noch mehr in der Bedenkenlosigkeit, mit der sich diese Generation einen historischen Auftrag "des letzten Moments" zuschanzte und in ihren mißbrauchten, herangezüchteten Epigonen immer noch zuschanzt, die ihnen bereitwillig auch in der nächsten Generation den Rücken freihalten. (Auch Dutschke, um nur ein Beispiel zu nennen, der angebliche Prediger der Gewaltfreiheit, verwendete pausenlos die Phrase, das "keine Zeit mehr sei" etc. - eines der kennzeichnendsten Elemente Adolf Hitlers!) Die 68er haben die Macht nicht demokratisiert oder moralisiert - die haben sie nur erobert.

Und genießen sie jetzt - denn "Macht macht Spaß" ist durchaus ein Motto, das selbst den heutigen Grünen in Österreich - die ideologisch die seltsamsten Brackwasser in der politischen Landschaft auftreiben - auf die Stirn geschrieben scheint.

Die ganze 68er-Bewegung läßt sich somit auf die einfache Tatsache reduzieren, daß eine Generation in Kokurrenz mit ihren Eltern stehend im Wettrennen um die Verteilung der Zukunft nicht zu kurz kommen wollte. In einer Epoche, wo die Politik in Europa zunehmend nur noch damit befaßt war, den Wohlstand zu verteilen, ja wo dieser Verteilungscharakter aus dem Kollektivcharakter subjektloser, amorpher, biolgistischer Gesellschaftsmasse gerechtfertigt war, suchte diese Zeitstimmung ihre Umsetzung. Alle geistigen, intellektuellen, philosphischen etc. Tendenzen dieser Zeti lassen sich unter dieses Motto subsummieren - dem sie dienen, das sie absichern sollten. Aus einer Generation heraus, die den Eltern bereits aus den Händen gebrochen war und wurde.

Eltern, die einer längst übermächtigen Zivilisiertheit und Überschwemmung mit Möglichkeiten gegenüber ihrer Hilflosigkeit ausgeliefert waren, weil zunehmend jeder selbst dem Insgesamt der Zeitgeiser alleine gegenüberstand. Und die Macht des Trends, der diffusen Zeitstimmung und Zeitromantik umso mehr lockte, als er sich immer geeigneter zur Klärung zwischenmenschlicher Machtfragen (z. B. durch Psychologisierung) eignete.

Mit den Feigenblättern der Schlagworte. Allen voran eines Karl Marx, der davon spricht, daß "das Reich der Freiheit dort beginnt, wo die Lohnarbeit aufhört. Oder eines Theodor W. Adorno, der die Reduzierung der Bedeutung der Arbeit auf ein Minimum angesichts der entfesselten Güterfülle prophezeite. Und auch ein Jürgen Habermas wies seine Studenten daruf hin, daß die westliche Gesellschaft auf eine Zeit zugehe, wo die Bedeutung der Arbeit auf die Zuteilung von Rang und Stellung aufgelöst sei. Und Herbert Marcuse lud ein, mit dem Abbruch des bestehenden Gesellschaftsgefängnisses zu beginnen, auch ohne den Plan für den Neubau zu besitzen.

"Die Utopie war schön und gut, nur ließ sie zu lange auf sich warten." Also wurde sie weil die Zeiten günstig waren - Hochkonkunktur, Vollbeschäftigung - in die Gegenwart verlegt. "We want the world - and we want it now!" (Adam) Damit entsprechen sie sogar formal der kapitalistischen, ja demokratischen Logik: die Gewaltverhältnissen entspricht, wo jener das Sagen hat und sich durchsetzt, der am lautesten schreit, am unbekümmertsten fordert, und fordern gleichzeitig diese heraus. (Angegriffen, wird jeder Glaube zum Dogma" G. K. Chesterton, a.a.O.)

Doch immer noch herrscht im Hintergrund die Utopie von der Freiheit zum "Zwang zur Erwerbsarbeit", der Traum vom Paradies - er verbirgt sich auch hinter der Forderung nch erwerbsfreiem Grundeinkommen für alle. In dieselbe Kerbe schlägt die schon lange zu beobachtende Tendenz der Gesetzgeber, Einkommensaufkommen und -verwendung zu entkoppeln: der Wille der Muttersöhnchen, notfalls die Welt zu betrügen, um ihre Ziele zu erreichen, wozu sie Entwirklichung brauchen. Es wird offenbar wenn man begreift, daß diese geistigen Prinzipien und Motive die bewegenden Kräfte und Ziele sind.

Wie nannte manch kluger Kopf die Arbeitsmarktpolitik der Nationalsozialisten? "Die Schaffung von Arbeit durch Arbeitsscheue."

Joschka Fischer, einer der proponenten der 68er-Bewegung in Deutschland, machte bei seinem Amtsabschied vor wenigen Jahren folgende Feststellung: Unter den Teilnehmern an der 68er-Bewegung habe sich soetwas wie ein gemeinsamer Geist, ein Zusammenhalt wie in einer Dorfgemeinschaft herausgebildet - als Zusammenhalt einer ganzen Generation. Und das verbinde für ein ganzes Leben. Den Preis dafür zahle aber die nächste.

Anders gesagt

Theodor Wilhelm, Hochschulprofessor, zur 68er-Bewegung: "Die große Weigerung, dies von Marcuse entdeckte und propagierte Zauberwort, hat in den 60er und 70er Jahren zu einer bis dorthin unbekannten Zelebrierung des Ichs geführt, für die sich bei früheren Jugendbewegungen keine Parallele findet. Seit Beruf und Leistung keinen unmittelbaren Lebenssinn mehr offenbaren sieht sich der 16- und 20jährige fast mit Notwendigkeit auf die Selbstverwirklichung verwiesen. Die Psychowelle hat zur Ausstaffierung des sich selbst Wichtignehmens Material beigetragen, das den Mißbrauch förmlich herausforderte und in der Kombination mit den antikapitalistischen Theoremen erscheint die Konzentration auf das eigene Selbst wie mit höheren Weihen versehen."

Dienstag, 20. Mai 2008

Ortlos, biographielos

An jedem der tausenden Zettel, die sich in meinem Archiv befinden, haftet Geschichte in Geschichten, bewußt oder unbewußt, als bloße biographische Details, deren Einordnung und damit Sinn uns noch nicht oder nicht mehr bekannt ist, die unauflöslich damit zusammenhängen, und dem Gelesenen Dinge hinzufügen, die nicht abgrenzbar sind. Setze ich mich heute an ein Manuskript von sagen wir 1999, so ist dieser Umstand unleugbar, und ich arbeite sehr bewußt daran, der Zeit eine objektive Aussage zu entwinden.

Wie anders ist dies bei elektronischen Dokumenten, wie anders im Internet. Seit 8 Jahren habe ich Seiten im Netz. Sie unterlagen einem allmählichen, nie unterbrochenen Transformationsprozeß, und in einem einer Pflanze ähnlichen Wachstumsverlauf, ohne Sprünge, immer dieselbe, bei dem zu jeder Phase der Leser aber demselben, unveränderten Anspruch auf objektive Gültigkeit, ja Letzt- und Jetztgültigkeit entgegentrat, wuchs sie zur heutigen Form, zu heutigen Inhalten.

Geschichtslos deshalb?

Oder sind nicht nur die Spuren der Geschichte anderer Natur, sodaß wir wieder einmal - wie oft schon? - durch die Änderung der Technik einfach lernen müssen, diese Zeichen wieder zu erkennen, die uns unbewußt ohnehin immer den vollen Kenntnisstand anboten? Bis dieses ganze Zueinander von Faktoren so gedanklich durchdrungen und dem Unbewußten, auch dem Irrationalen, dem Dämonischen gar entrissen ist, daß es wieder spricht.

Roßtäuscher

Das, was die Quantenphysik als "Neues Weltbild" verkaufen möchte, was Einstein als "Neu" darstellte, ist doch in Wahrheit nur neu vor dem Hintergrund dessen, was die Physik selbst - eben diese, dieselbe Physik - der Welt einmal als "neu" verkauft hat, was als wissenschaftlich als synonym für ausschließich wahr gelten sollte, wollte man noch Glaubwürdigkeit wahren.

Zum Symbol dafür wurde der Fall Galileo Galilei. Dessen Mythologisierungen zahlreiche Spielarten der Aussage ermöglichten. Er sei ein Verfechter einer uns heute so klaren Wahrheit geworden - daßdie erde rund sei. Das zält für die einen vor allem. Die anderen: Sich um die Sonne drehe. Alles klar. Wer das leugnet, muß dumm sein. Und seit Newton ist es ohnhin klar: Der simple, strikte Mechanismus, der die Ursach-wirkungs-Natur der Welt eindimensional macht,der ist es, der die welt zusammenhält, widie Welt ist, im Kleinen wie im Großen. Bis er jedes Interpretionsbild zur Teleonomie degradierte: also zur nachträglichen und phantasievollen Benamsung, in Verkehrung von Ursache und Wirkung. Genau darum ging es im Fall Galileo: was ist ein wissenschaftlicher Beweis? Galileo wußte es nicht! Er hat einfach das Gegenteil von dem behauptet, was in ihm selbst zur Erkenntnis führte: daß die Theorie aus dem Faktum, nicht umgekehrt, erfolge.

Seit Einstein von einem "was bewegt sich auf wen" außer in voller Anerkenntnis des Subjektivismus zu sprechen ist unmöglich. Und gar nicht so neuerdings, sondern seit fünfzig Jahren, sagt uns die Quantenphysik, mit dem Brustton der Überzeugung, daß die Welt ganz anders sei. Daß sie kein kontinuierlicher Aufbau von unten nach oben der immer selben Gesetze sei, sodaß die Art, wie ein "großes" Ding reagiere, sich in kleinerem Maßstab auch von den kleinsten Teilchen aussagen ließe. Nix da.

"Ein neues Weltbild," wird uns angekündigt. Es verlange - soviel könne man schon sagen - die Paradigmen bisheriger Weltgewißheit aufzukündigen. Und selbst Stimmen mischen sich darunter, die sich namentlich auf einen Geist berufen, dessen Manifestierer als Ordensgründer etc. Verkünder solcher Narreteien wahrscheinlich auf der Stelle erschlagen hätten. Als Feigenblatt soll meist wenigstens noch der agnostizistisch-atheistische Standpunkt gehalten werden.

Was als nächstes? Soll nun die Kirche bedauern, daß Galileo Galilei doch nicht recht hatte? Wo doch endlich vor ein paar Jahren ein Witzbold ihn "rehabilitiert" hat?

Vielleicht sollten diese Herrschaften nicht übersehen, daß sie selbst es sind, die ihre Irrwege und ihre Gewaltausübung endlich einmal bedauern sollten. Mit der sie den Menschen Jahrhunderte eingeredet haben, was sie nun wieder umstoßen sollen. Mit der sie ein gesamtheitliches Weltbild, wie es sich in den tiefsten Eingeweiden der Kirche - im ewigen, unendlichen Abstraktum - unverändert befand und befindet (also: zu finden ist), diffamierten, verleumdeten, und nun nur deshalb scheu wieder hervorholen wollen, damit nicht auffällt, daß sie abscheuliche Lügner waren. Denen zu trauen auch heute nicht lohnt.

Stattdessen aber arbeiten diese lieber am Bilde einer "nicht erkennbaren" Welt. Wenn DAS einmal alle glauben, enthebt sich jeder aller Rechtfertigungspflicht, und kann tun und lassen, was er will, weil er jede Spur zu verwischen vermag.

Montag, 19. Mai 2008

Nie als Dichter gefühlt

"Ich habe mich nie als Dichter gefühlt. Ich bin nur einer der manchmal Menschliches auszusagen hat und sich dazu jenes Instruments bedient, das er verhältnismäßig am besten beherrscht. Dieses Menschliche gewinnt mir die Menschen; den Literaten, die seiner entraten und auch wieder nur bei Literaten zeitungspapierene Lorbeeren pflücken können, bin ich natürlich odiös. Das muß so sein, das kann gar nicht anders sein."

(Anton Wildgans, Brief an Graf Kálnoky; über die Ablehnung, die er regelmäßig in der Fachpresse - im Gegensatz zum Publikum - erfuhr)

Fortschritt und Erbe

Der Sinn menschlichen Erinnerns, allen Bleibens, aller Tradition liegt darin, das einmal im Weltenlauf geschichtlich Gewordene gegenwärtig (und lebendig-wirksam) zu halten, um so den Strauß der Schöpfung, an dem Gott sich erfreuen möchte, und der ihr Sinn ist, zu komplettieren.

Verweigert sich eine Generation der Übernahme eines Gutes, das von den Vorvorderen auf sie herabgekommen ist, verarmt real und tatsächlich die Welt.

Nichts anderes geschieht mit dem fleischlich Vererbten, den Talenten und guten Persönlichkeitsmerkmalen.

Insofern kann man von einem "Fortschreiten" der Menschen tatsächlich sprechen. Das aber im Gegensatz zu revolutionärer Auffassung nicht im "Schaffen von Neuem durch Zerstören des Alten" besteht, sondern in einem organischen Wachsen und Weiterwerden, das das Alte aber nicht ausreißt, sondern weiter und immer feiner ziert.

So ist auch Teil der Tradition, das in früherer Zeit nicht Ausgegarte, nur Schwelende, zur Blüte zu führen. Weil es auch in der gegenwärtigen Generation weiterschwelt. Aber auch Mißlungenes auszuscheiden gehört dazu. So erschließt sich erst der Sinn des Spruches: "De mortui nihil nisi bene!" Denn sie wirken fort, und tun dies auch mit Verdienstlichkeit - oder Verderben. Aber die Früchte jedes Menschen werden auf seinem Konto nie mehr endend ab dem Moment, wo er in der Geschichte aufgetaucht ist, fortgeschrieben.

Anderseits wird so auch die Verpflichtung jedes Menschen deutlich, sich in seiner unwiederholbaren Einzigartigkeit so ernst zu nehmen, daß er selbst in aller Eigenart eine weitere Facette dieses Blumenstraußes Gottes werde. Der Seele, wenn sie sich vom Leib löst, bleiben jene entelechialen Kräfte, die in der Tugend und in der Sehnsucht erhalten blieben, während die unerfüllte Forderung nach Leib schmerzt wie der Phantomschmerz eins abgetrennten Gliedes.

Geheimnisvoll

Mehr als die Hälfte der Bewohner Deutschlands haben schon die eine oder andere außergewöhnliche Erfahrung gemacht - Geistererscheinungen etc., aber auch UFO-Beobachtungen. Befragt, geben vor allem jene, die keine religiöse Bindung oder Vorstellung haben, an daß sie an Außerirdische glaubten bzw. Besuche dieser für möglich hielten.

Das Thema UFO ist eben faszinierend wegen seines mysteriösen, rätselhaften Charakters. Nicht zufällig nehmen UFO-Sichtungen zu, wenn davon medial die Rede ist.

Zweifellos stützen sich die Thesen der Außerirdischen zum überwiegenden Teil auf mechanistisch-biologistische Weltvorstellungen: ihre Wahrscheinlichkeit selbst unter "seriösen" Wissenschaftlern führt sich auf Wahrscheinlichkeitsrechnungen zurück, denen gemäß eine Situation jener der Erde ähnlich in den Milliarden (hypothetisch vorhandenen) Galaxien anzunehmen vorzufinden sein wird. Stephen Hawkins meint dazu, daß er aber der Ansicht sei, daß er intelligentes Leben für sehr selten hält. Das seiner Ansicht nach wahrscheinliche Leben spiele sich wenn dann zum überwiegenden Teil auf sehr niedrigem Niveau ab.

Nun hat ja auch Großbritannien (in Deutschland sind die Beobachtungsdatenbanken längst öffentlich zugängig) seine UFO-Akten öffentlich gemacht. Ergebnis: In über 7000 Akten nichts, außer die gewohnten Geschichten ...

In meiner frühen Jugend war auch ich unter einer größeren Anzahl von Menschen, wie ich später einer Radiomeldung entnahm, die ein unbekanntes fliegendes Objekt im Mostviertel gesehen hatten. Es war ein einem Sternspritzerfeuer ähnliches Licht, das sich völlig lautlos erst langsam am Himmel in nicht allzu großer Höhe bewegte, dann sehr schnell zu einer gigantischen Geschwindigkeit beschleunigte und am Horizont verschwand. Mehr noch, es war, als würde dieses Objekt Stille verbreiten - letzteres eine Wahrnehmung, die ich eher als subjektives Erleben klassifizieren würde. Ich bin überzeugt, daß es KEIN außerirdisches Raumschiff war. Es gehörte für mich auch damals nicht einmal in die Kategorie jener Erzählungen der Erwachsenen, die von Geistererscheinungen und -begegnungen der Großmutter, oder Kugelblitzen berichteten, die über den Kamin und Zimmerofen ins Haus gerollt, stehengeblieben und sich als lächelndes Jesuskind geoffenbart hatten, ehe sie wieder verschwanden. In meiner Kindheit wurde tatsächlich noch viel erzählt, weitergegeben - wir hatten abends keinen Fernseher zum Einschalten.

Tatsache ist, daß die beobachtete Anzahl paranormaler (die ich für völlig anders einzuordnen halte als UFO-Geschichten) oder generell ungewöhnlicher Erlebnisse z. B. in den letzten Monaten des 2. Weltkriegs - wo über dem Land generell große Spannung und Sorge lag - sprunghaft anstiegen. Im Raum Mostviertel kann in manchen Gegenden fast jedes Haus von einem solchen Erlebnis berichten, die alle sehr stark die Vorstellungs- und Glaubenswelt der Beobachter, ja deren Charakter wiederspiegeln. Aber das wird meist und bis zum heutigen Tage in den Familientraditionen des Weitergebens recht "normal" abgehandelt.

Unter den mir in diesen Zusammenhängen zu Ohren gekommenen, die auch seltsame Himmelsphänomene (leuchtende Kreuze, blutrote Horizonte etc.) beinhalten, ist übrigens nicht ein UFO-Bericht. Man hat wenn ich mich jetzt nicht irre alle in einen Zusammenhang mit Gott und dem menschlichen Schicksal gesehen, und die Phänomene stimmen in diesen Hinsichten mit den Deutungen überein.

Aus Beobachtungen kann man den Eindruck gewinnen, daß Menschen in den UFO-Geschichten eine Art "innerweltliche Transzendenz" sehen. Es hat etwas von Geheimnis, bleibt aber innerhalb der menschlichen Vorstellungswelt und -physik. Und ist deshalb nicht so "bedrohlich" als ein überhaupt nicht menschlichem Erkennen zugängiger Gott. Was die Nähe zur Esoterik belegt.

Sonntag, 18. Mai 2008

Telemedial

Erschütternd ...