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Montag, 20. November 2017

Utopia entsteht. Nicht zum ersten mal.

Der junge Scheich - Wer ein iPhone hat ist kultiviert!
Zugleich mit der Ankündigung des Kronprinzen und nächsten Oberhaupts von Saudi-Arabien, der angeblich sogar schon heimlich Israel besucht hat, also (vermutlich in Oxford/England erzogen) auf völlig neue Karten setzt, werde sich einem aufgeschlossenen, offenen, toleranten Islam (wieder) zuwenden, laufen die Vorbereitungen für eines der größten und aberwitzigsten Projekte der Menschheit. 

Mitten im Wüstensand, am Roten Meer, in einer klimatischen Zone, die durch eine sanfte Brise vom Roten Meer her ständig wohl temperiert ist, nie ohne Sonne bleibt, aber nie zu heiß wird, wird derzeit die Stadt NEOM geplant und zu bauen begonnen. 

Mit einer ersten Fertigstellungsankündigung für 2025 sollen auf einer projektierten Fläche von letztendlichen und unglaublichen 25.000 Quadratkilometern (ein Drittel von Österreich, fast so groß wie die Stadt ThschianSchou in China mit ihren mittlerweile 105 Millionen Einwohnern im Stadtgroßbezirk) über drei Länder gespannt (Jordanien - Arabien - Ägypten) die Lebensbedingungen für eine wahre "Stadt der Träume" geschaffen werden. Ökologisch, humanistisch, klimaneutral, aufgeklärt, mobil, voller Entertainment, voller Business, voller kreativer Menschen, voller innovativer Unternehmen, einfach ... perfekt. Das neue Utopia, mit geschätzten 500 Milliarden Doller Investitionsaufwand.

Für so einen Scheich gewiß ein Klacks. Allein in London hat Saudi-Arabien angeblich das Doppelte bis (je nach Schätzung) Vierfache investiert, über die Konten in der Schweiz wird ohnehin hartnäckig geschwiegen. (Zum Vergleich: China hat in den USA ca. 2 Billionen Dollar investiert.)

Die ersten Sandbagger fahren jedenfalls schon! Und schon hat ein russischer Zukunftsfonds (ähnlich wie der in Norwegen angelegt, der ebenfalls Billionen aus dem Nordseeöl verwaltet) viele Milliarden Dollar erster Investitionen angekündigt.

Der Leser möge sich selbst ein Bild (und eigene Gedanken) machen. Das Video auf der verlinkten, beeindruckend gut gemachten Webseite der neuen Gigantenstadt ist jedenfalls aufschlußreich und sehenswert.





*271017*

Rechts stehen und links denken

Rechts stehen und links denken ...  hier wird es plastisch. Was Sarah Wagenknecht hier im Deutschen Bundestag abliefert verdient Respekt. Gar nicht, weil sie in allem Recht hat. Da ließe sich manches sagen. Aber weil diese höchst aparte Dame schon notorisch einen offenen Blick - Basis für Vernunft! - offenbart, der erleichtert aufatmen läßt. Mit solchen Politikern ließe sich immer und von allen Seiten her diskutieren, da weiß man woran man ist.

Wagenknecht steht eben links. Denkt aber ... rechts? Nein. Realitätsbezogen. Und das IST eigentlich schon rechts. Die Kämpfe der letzten Jahre sind ja Kämpfe um die Vernunft. Die einzigen, die das nicht begreifen, sind ... die Etablierten. Die die Ausschaltung der Vernunft wollen.

Das hat der VdZ immer an Linken geschätzt, WENN sie denn das boten, was doch eigentlich die Linke geboren hat: Realitätssinn. Den es auch unter Künstlern - so sie solche sind - immer gibt, so links sie auch sein mögen, so links sie sich auch gebärden.

Manchmal ist das zu viel, manchmal zu übergewichtet, oft sogar, als Klavierspiel auf den Emotionen. Meist viel zu materialistisch bedacht, an den Lösungen gescheitert. Und was weiß der Deibel noch alles. Einem dogmatisch-versumpften Gysi kann der VdZ nicht mehr folgen, da kommt die Neigung zur Dummheit aus Lasterhaftigkeit durch, da ist nur noch Kaderpartei, und die verabscheut der VdZ, das sagt er offen. Da wird auch nicht mehr gedacht, da wird nur noch adaptiert, Ideologie durchgehechelt, Partei promoviert, deren Interesse vertreten. Da geht es nicht um Diskurs, um Sprache. Die wird da nur mißbraucht.

Aber - die Linke, wie Wagenknecht sie darzustellen scheint, hat immer viel Realität aufgezeigt. Auch der Kirche. Ja, es war ein Fehltritt, daß der VdZ als Student Mitglied des Kommunistischen Studentenverbandes KSV war (wobei: er war es vor allem wegen einer Leidenschaft, wir schweigen darüber). Aber was er damals dachte ist von dem, was er heute denkt, gar nicht so verschieden. Es mußte nur gehoben, geputzt, denkerisch ausgesäubert und zusammengeführt werden. Deshalb wurde er (wieder) Katholik. Heute wird er von den offiziellen Katholikensiumulanten sogar als Nazi beschimpft.

Es ist kein Wunder, daß innerhalb der deutschen Linken an Wagenknechts Sessel gesägt wird. Denn die deutsche Linke ist mit allen übrigen zu einem Gesamtbrei des Establishments geworden.






Oder schauen Sie sich, geneigter Leser, einmal diese Rede an, auch aus 2017:









*231017*

Sonntag, 19. November 2017

Alles verläuft nach Plan

Jahrzehntelange entomologische Beobachtungen hatten immer wieder dasselbe gebracht, sodaß Jean Henry Fabre zu einem Schluß kam: Insekten egal welcher Art handeln nicht einem subjektiven Sinn gemß, sondern ihr Instinkt füllt Stellen in einem Plan. Jede Handlung steht nämlich für sich, hat offenbar seine Belohnung ("Lust") in sich. Das Insekt "fragt" sich aber nie, ob sie noch sinnvoll ist.

Was ist damit gemeint?  Fabre hat es in zahllosen Versuchen demonstriert. Immer wieder nahm er etwa Hautflüglern, Sandwesen oder Schlammbrütern oder oder ihre Brut weg. Er brach ihre oft so kunstvoll errichteten Bauten auf, auch noch während das Insekt sie errichtete und etwa nach neuem Material unterwegs war, er nahm die eingelegte Nahrung weg, mit der sie das eingelegte Ei versorgen wollten, sobald es geschlüpft war, oder er nahm überhaupt das Ei weg. Alle Varianten probierte er, immer wieder korrigierte er seine Versuchsreihen. 

Auch die Raupen von Schwalbenschwanzschmetterlingen kamen dran. Hier zerschnitt er etwa deren Kokon, während sie ihn noch spannen, stellte ihn auf den Kopf, machte Löcher, das Ergebnis war dasselbe. Die Raupe setzt das Stadium ihrer Arbeiten - etwa die Innenarbeiten - fort, in dem sie war und wo sie von einem zum anderen fortschritt, obwohl der Kokon etwa auf einer Seite offen, sie also leichte Beute für Räuber ist. Aber sie schloß das Loch nicht, obwohl sie eindeutig noch genug Spinnstoff hatte! Ihn zuzumachen war bereits dran, nun stand etwas anderes an, auch wenn es sie das Leben kosten würde.

Sämtliche Insekten fahren in ihrem Handeln je nach Stufe - Eilegen, Bau oder Kokon errichten, mit Nahrung füllen ... - fort. Sie müssen sehen, daß es sinnlos ist, weil etwa das Ei fehlt, die bereits hergebrachte Nahrung herausgenommen wurde, sodaß die Raupe nach dem Schlüpfen verhungern mußte. Ja er nahm die Mauern des Baus weg. Ergebnis? Die Wespe (und alle Insekten haben ein stupendes Ortsgedächtnis, sie finden die Stelle immer, wo sie ihren Nachwuchs aufziehen möchten, selbst wenn der Bau selber weg ist) setzte ihre Arbeit auf der glatten Mauer fort, weil nun das Verputzen und dann das Verschließen dran war, sogar wenn der Bau selber fehlte.

Sie arbeiten nach einem Plan, der im Ganzen steht, aber dessen Teile jeweils für sich bestehen, der nicht im Insekt selber "intelligent" vorhanden ist. So perfekt, so unglaublich vollkommen ihre Tätigkeit an sich wirkt. Aber das Tier selber kennt keinen Sinn, den sie reflektieren, korrigieren, anpassen würde. Kommt etwas Außerplanmäßiges, das den Zweck ihres Tuns im Ganzen zunichte macht, ist sie völlig überfordert, dabei: nicht einmal gestört! Ist dies dran, macht sie dies, ist das dran, macht sie das. Das war's.

Zu ganz analogen Schlüssen kommt Jakob Uexküll bei seinen Untersuchungen niedrigster Lebensformen, beginnend bei reinen Plasmatieren, bis hin zu Seeigeln. Plasmatiere sehen zwar aus wie Flüssigkeiten, verhalten sich aber anders als diese nach einem Gesamtplan. Sie haben ja eine erstaunliche Besonderheit: Sie können jeweils Organe formen, die der zu verrichtenden Tätigkeitsstufen (sagen: beim Eß- und Verdauungsakt) entsprechen, lösen diese Strukturen aber dann wieder auf, um aus dieser Regeneraton heraus die Strukturen für den nächsten Schritt zu bilden. Bis hin zur Ausscheidung.

Je höher die Lebewesen werden, desto mehr nehmen die Einzelorgane insofern Form an, als sie ihre Struktur behalten, desto weniger also können neue Strukturen gebildet werden.

Zu einem ersten Höhepunkt der Aussagen kommt er in "Umwelt und Innenwelt der Tiere" bei den Schilderungen seiener Beobachtungen an Seeigelarten.  Wo er zu denselben Aussagen wie Fabre kommt: Seeigel verhalten sich nach einem Plan, der einen nur staunen läßt, weil alles derartig  ineinandergefügt ist. Aber die Seeigel selbst sind nur ein Plan, der wiederum in einen großen Plan "mit der Umwelt" eingefügt ist. 

Niedere Tiere wie die Seeigel haben kein "Gesamtzentrum". Sondern alle ihre Organe, jeder Stachel, die Nerven, die Beißzangen, die Giftverwendung, die verschiedenen Muskelgruppen, die die Stacheln bewegen, alles hat im Grunde ein Teil- und Eigenleben. Man kann sie alle regelrecht "für sich" untersuchen, sie funktionieren genau gleich und sind reine Reflexmaschinen. Aber darin (!) sind sie alle derartig auf "einen ganzen Seeigel und die Umgebung, die er braucht" abgestimmt (und nicht um ein Jota mehr! Alle anderen werden bestenfalls zu Reizen, aber nicht zu Dingen, auf die er reagieren könnte, die er gar "erkennte"), daß er als Seeigel - wie eine Republik, schreibt Uexküll einmal - lebt und überlebt. Was beim reinen Beobachten des Tieres so gezielt aussieht, ist in sich jeweils kein Ziel, sondern nur die Abfolge für sich stehender Reaktionen von Organen auf Einzelreize. 

Auch hier also: Alles ist ein Plan, in den alle Einzelfaktoren - Lebewesen wie Umgebung - eingefügt sind, aber nichts ist die Intention eines ganzen, einzigen Lebewesens. Das beginnt erst im Geist. Das gibt es erst im Menschen.





*241017*

Hatte Hitler in allem Recht? - Die Versuchung des Funktionierens (7)

Teil 7)


Bei den hier dargestellten Texten handelt es sich im Wesentlichen um eine freie Übertragung des Kommentars, der dem am Ende der Ausführungen folgenden Film unterlegt ist. Er ist eine Darstellung - oder eine angebliche Darstellung - der Wirtschaftspolitik des Dritten Reiches, wie sie ab 1933 implementiert wurde. Wir werden immer wieder im Text, aber vor allem am Ende einen Kommentar geben, der zeigt, daß es sich hier um eine verblüffende Vorwegnahme vieler auch heute üblicher oder für gut geheißener Maßnahmen ist, die aber als prinzipiell falsch gelten müssen. Warum? Eben NICHT, weil einzelne Maßnahmen falsch sind. Sondern weil sie von einem Staatsverständnis ausgehen, in dem der Staat sich seine Volkswirtschaft MACHT. Dieses Problem heutiger Politik ist also keineswegs neuesten Datums, es hat sich seit der Renaissance mehr und mehr aufgebaut. Wo die Sichtweise eines Volkes, eines Staates ALS MECHANISMUS, ALS MASCHINE entwickelt wurde. Und hier widerspricht auch die Politik radikal der katholischen Soziallehre, wird zur Äquivokation: Man verwendet (auch heute) oft deckungsgleiche inhaltliche Aussagen, sieht aber jedes Mittel als gerechtfertigt, um den Effekt zu erreichen. Es ist also eine totalitäre Utopie. Und die lehnt der Katholizismus radikal ab.

***

DAS ist in Deutschland passiert. Und zwar schon lange VOR Hitler: Es ist in der preußischen Eroberung sämtlicher deutscher Völker passiert, und hat in der Reichsgründung von 1871 seinen unrühmlichen Höhepunkt gefunden. AB DA gab es sie erst, die "deutsche Identität", auf die sich dann Hitler in exakt demselben Gestus bezog. Daß er damit auf eine ähnliche Entwicklung in den USA - dem damaligen ersten Konkurrenten auf dem Weltmarkt - reagierte, also gleiches mit gleichem beantwortete, steht auf einem anderen Blatt Papier. Auch Bismarck reagierte. Er reagierte auf die Imperiumsbildung der Briten, die tatsächlich die Gefahr dieses Universalismus bedeutet hat.

Deutschland, Hitler, die deutschen Völker, aber auch Großbritannien sind (in einer wahren Sogwirkung auf viele weitere Länder, wie Frankreich oder die USA) damit der VERSUCHUNG ZUR EFFEKTIVEN STÄRKE erlegen. Es hat immense Lockkraft, sieht man seine Kräfte von sich losgelöst, sieht sich als Funktion eines großen Ganzen, das in den Effekten der technischen Weltbewältigung und -überwältigung Gewaltiges bewegen kann. 

Und dieser Versuchung unterliegen auch heute viele Völker, viele Politiker. Denn ja, in einem zentralistischen Gebilde wird die Stoßkraft auf ein ganz bestimmtes Ziel hin gebündelt. Deshalb hat es ja zu Kriegszeiten auch eine ähnliche Regelung - in allen Völkern übrigens - gegeben. Die Folge des Darwinismus ist also auch hier: Kampf! Es ist der Kampf der Völker, und deren Menschen, die sich bald, entwurzelt, im Verlust des Glaubens an den individuellen Lebenssinn, der in der nächsten sozialen Schichte ansetzt und sich dorthinein ergießen muß, einer universalistischen Idee widmen. Im Krieg hieß dies: Alles dem Ziel des kollektiven Überlebens unterzuordnen. Aber alle Völker sahen dies stets als Notmaßnahme sehr beschränkten Charakters.

Aber mittlerweile begreift sich Politik weltweit so, und dieser Zentralismus ist zum Dauerzustand geworden. Damit befinden sich alle Menschen heute im Dauerkrieg. Dem eine Politik der Grenzenlosigkeit, des Liberalismus auch alle Mittel beiliefert. Denn ohne schützende soziale, das Individuelle und die Freiheit schützende Hüllen muß der Einzelne sich ständig seiner Haut erwehren. Selbst alltäglichste Verrichtungen müssen täglich "neu erfunden" werden. Der Einzelne hat nie mehr einen freien Rücken, der ihm erlaubt, kräftig in die Welt in "Sachgebiete" vorzudringen. Er muß stattdessen seine bloße Haut retten, täglich, stündlich, immer. Und mittlerweile sogar in innerlichsten Gebieten wie Religion oder Geschlechtlichkeit.

Das Zeigen dieses Films an dieser Stelle, das Vorstellen des Wirtschaftsprogramms der Nationalsozialisten, soll also eine Warnung sein. Eine vielleicht letzte Warnung. Es soll zeigen, daß wir in einer Entwicklung begriffen sind, die nicht das Naturrecht wiederherstellt, sondern die das was durch dessen permanente und immer weitergehende Verletzung ausgelöste "Fehlen des sozialen Kitts" wie auch der natürlichen Elemente der Persönlichkeitsbildung zu einer Politik verführt, die im Zentralismus ganz selbstverständlich den Ersatz dieser individuellen Elemente sieht. Was sich im Deutschland ab 1933 abspielte, auch in der Begeisterung die es teilweise zumindest bewirkte, ist dem was sich heute abspielt direkt vergleichbar. 

Wenn wir also Hitler-Deutschland als das "Böse selbst" bezeichnen, dann müssen wir diesen Begriff auch direkt auf unsere Gegenwart anwenden. Wir haben nur gelernt, die Begriffe der Nationalsozialisten zu vermeiden, um die Sache nicht zu offensichtlich zu machen. Aber insgesamt gesehen sind wir am besten Weg, in der Vernichtung der Natürlichkeit des Menschen, in der Vernichtung der Freiheit der Menschen, noch viel weiter zu gehen, als es Hitler je wagte. Und auch das ähnelt sich wie ein Ei dem anderen: Bei jedem Mißbrauch des Menschen ist kennzeichnend, daß er dem Mißbrauchstäter wie der Tat ... aus Wohlgefühl und Bequemlichkeit, zu der er verführt wird, gerne zustimmt.

Aber es muß auch klar sein, daß das, was heute als "rechte Politik", als "Reconquista", als Korrektur gefordert wird, im Grunde und eigentlich ausnahmslos denselben Grundfehler macht, wie ihn Hitler machte, und wie ihn sämtliche Parteien machen. Sie sehen Politik von den Effekten her. Sie sehen staatliche Politik als "machen" jener Dinge, die nur der individuellen Freiheit und der Wahrheit als individueller Begegnung mit dem Transzendenten, Leben als individuelle Antwort auf das Sein begreift. Das durch kein noch so verlockendes Idealbild (wie das eines "deutschen Volkes", einer "deutschen Identität". die wieder nur ein positivistisches, zweitwirkliches, pseudologisches Konstrukt ist) ersetzt werden kann. Und - darf. 

Denn damit unterliegt man demselben Irrtum: Man erliegt der Versuchung des Funktionierens eines Apparates, einer Maschine, und man unterliegt der Verführungskraft der Stärke dieser Technik.

Das "Richtige" an der Wirtschaftspolitik des Nationalsozialismus, dem schon damals nicht nur das deutsche Volk, sondern auch viele internationale Beobachter auf den Leim gegangen sind (und sie würden es heute nicht weniger tun), lag in den aufgegriffenen Bildern. Diese adressierten tatsächlich eine anti-moderne Bewegung, wie sie den Menschen aus ihrem natürlichen Verstehen fast notwendig vor Augen stehen. Angesichts einer Welt, in der sich alles auflöst, der Einzelne auch begreift, daß er auf sich geworfen nur noch ums nackte Überleben kämpft, zum Sklaven weit mächtigerer Kräfte wird. Es ist deshalb auch richtig, daß individuelle Freiheit in Wahrheit nur ein Kampf gegen die Globalisierung sein kann, gegen einen Liberalismus, der alle Dinge, alles Menschsein letztlich auflöst und zu einem Bündel von Funktionen macht. Aber nur darin lag auch das Richtige, das der Titel des Films "Hat Hitler alles richtig gemacht?"so benennt.

Das prinzipielle Fehlen ist das dem Nationalsozialismus immanente Streben nach Zentralismus. Es gehört deshalb zu den Treppenwitzen der Geschichte, daß der Hitlerismus jene orientalischen, dem Osten (je weiter, desto mehr) eigenen Despotismus nachbildet, jenen Osten, den man zum Grundfeind der deutschen Nationalzivilisation erklärte. Aus notwendiger, psychogenetischer Abwehr des Eigenen?

Die Praxis hat bewiesen, daß die Lösung dieser Probleme niemals DIREKT erfolgen kann. Oder, wie Rosmini es einmal formuliert: Etwas Geistiges verdinglicht. Alle diese Probleme, alles das was heute zu Recht als "Fehlendes" moniert wird, ist als geistiges Idealbild (Bild) nur INDIREKT zu lösen. Es ist zu lösen, indem Politik den menschlichen Lebensvollzug beim Nächsten, einfachsten, Konkretesten ansetzen läßt - dem nächsten Umfeld. Lernt, diesem sachlich zu begegnen. Wenn wir heute vor so gewaltigen Auslösungserscheinungen stehen so liegt also die Lösung des Großen ... NUR im KLEINEN. Nur in der Hebung individueller Sittlichkeit. Mehr als Politik also bräuchten wir heute ... Bekehrung und Mission.  DAS braucht die Politik.

Nur individuell gehobene Sittlichkeit wird über kurz oder lang auch das große Ganze wieder zu jener Kulturhöhe heben können, die Europa bis ins 15. Jahrhundert aufbaute, ehe sie allmählich wieder abzusinken begann, um im 19. und dann vor allem im 20. Jahrhundert in immer schnellerem Tempo zu zerschellen.

Für die Politik heute aber muß gelten, daß sie alles tun muß, um diesen Zerstörungsprozeß wenigstens zu verlangsamen, indem sie ihn wenigstens nicht beschleunigt. Das legitimiert auch die Abwehr einer absurd gesteigerten Zuwanderungspolitik. Damit so nicht auch der letzte Bodensatz noch verspielt wird, aus dem vielleicht wieder einmal ein christliches Abendland erwachsen kann. Zu dem zwar nur noch die Fassaden stehen, noch, aber damit wenigstens noch die Erinnerung lebendig weil dem Alltag verhaftet bleibt. Mit Leben füllen müssen es aber die Menschen selbst. Jeder Einzelne. Die Politik darf das nicht verhindern.


Das Video






Nachtrag vom 19. November 2017: Wie der VdZ erfuhr, ist dieses (völlig harmlose) Video in Deutschland NICHT abrufbar. Das soll auch bereits andere Videos in der Vergangenheit betroffen haben. Ohne Zweifel muß dies deutscher Netzzensur zugeschrieben werden. Eine Maßnahme, die es in Ungarn offenbar nicht gibt, wo es oft sogar so gut wie keine poltitical correctness gibt. Aber der Leser sei beruhigt, der (kommentierte) Text der letzten Tage enthält alles Wesentliche, denn wie so oft ist das Filmbild auch hier meist nur Illustration, die aus sich gar nichts bis wenig Aussage beisteuert.





*081017*

Samstag, 18. November 2017

Hatte Hitler in allem Recht? - Die Versuchung des Funktionierens (6)

Teil 6) Die Versuchung des Funktionierens 
Deutschland ist das Resultat der Versuchung zur Stärke



Bei den hier dargestellten Texten handelt es sich im Wesentlichen um eine freie Übertragung des Kommentars, der dem am Ende der Ausführungen folgenden Film unterlegt ist. Er ist eine Darstellung - oder eine angebliche Darstellung - der Wirtschaftspolitik des Dritten Reiches, wie sie ab 1933 implementiert wurde. Wir werden immer wieder im Text, aber vor allem am Ende einen Kommentar geben, der zeigt, daß es sich hier um eine verblüffende Vorwegnahme vieler auch heute üblicher oder für gut geheißener Maßnahmen ist, die aber als prinzipiell falsch gelten müssen. Warum? Eben NICHT, weil einzelne Maßnahmen falsch sind. Sondern weil sie von einem Staatsverständnis ausgehen, in dem der Staat sich seine Volkswirtschaft MACHT. Dieses Problem heutiger Politik ist also keineswegs neuesten Datums, es hat sich seit der Renaissance mehr und mehr aufgebaut. Wo die Sichtweise eines Volkes, eines Staates ALS MECHANISMUS, ALS MASCHINE entwickelt wurde. Und hier widerspricht auch die Politik radikal der katholischen Soziallehre, wird zur Äquivokation: Man verwendet (auch heute) oft deckungsgleiche inhaltliche Aussagen, sieht aber jedes Mittel als gerechtfertigt, um den Effekt zu erreichen. Es ist also eine totalitäre Utopie. Und die lehnt der Katholizismus radikal ab.

***

Der allen diesen Texten der vergangenen Tage vorangestellte Kommentar faßt bereits das Wesentliche an der Kritik der Wirtschaftspolitik des Nationalsozialismus zusammen. Aber er zeigt zugleich etwas auf, das keineswegs dem Hitlerismus vorbehalten bleibt. Denn er zeigt, daß das Prinzip der Politik bis heute dasselbe geblieben ist, oder diese Vorgangsweise wieder aufgegriffen hat. Und dabei ist, unter universalistischen Motiven - man denke nur an die Mär von "übergreifenden Problemen, die nur gemeinsam gelöst werden können" - der Welt einen Zentralismus überzustülpen, der mit fatalen Versuchungselementen arbeitet. 

Denn wer begrüßte nicht die erklärten Ziele, wer wollte nicht eine Weltrettung, Wohlstand für alle, prosperierende Wirtschaft, wer nicht einen Arbeitsplatz? Wer wollte nicht, daß es seinem Land gut geht? Aber die Verführung liegt genau hier. Indem das Wesentliche menschlichen Selbstvollzugs - und zu dem gehört Arbeit - von seiner Grundlegung losgerissen wird. Ja, vom Sinn der Welt und des Menschen getrennt, zu einem Ziel für sich gemacht wird. 

Wohlstand eines Volkes ist aber nur die Folge des sittlichen Selbstvollzugs des Lebens in eben diesem Volk. Er setzt also beim Einzelnen und seiner Freiheit an. Ohne diese Freiheit (die es nur in Wahrheit wohlgemerkt gibt) verliert aller Wohlstand seinen Sinn, wird zum tierischen Tun. Die Folgen solcher Politik, die die Effekte eines solchen Selbstvollzuges diesem selbst vorzieht, ja den Selbstvollzug als waches Interagieren, Kommunizieren mit dem Begegnenden den Gesamteffekten entsprechend "adaptiert", sind eine immer weitergehende Entsittlichung der Menschen. Nein, man muß es beim Namen nennen: Man kauft den Menschen ihre Freiheit ab, macht sie zu Sklaven, indem man sie überredet, ihre Freiheit dafür aufzugeben. Bis in die Bildungspolitik hinein geschieht das heute nicht weniger als zu Zeiten des Nationalsozialismus. Wo die Bildung zur Übernahme einer Bewältigungstechnik wird, die dem Gesamteffekt zu dienen hat.

Damit wird das Individuum aus dem Sinngefüge seines Lebens gerissen. Seine Freiheit beschränkt sich salopp formuliert auf die Wahlfreiheit zwischen Cola und Pepsi. Der Staat begreift sich nur noch als Ablaufoptimierungsingenieur von wirtschaftlichen Prozessen. Nicht von ungefähr fordern gerade die dezidiert liberalen Parteien den Staat als "Servicestelle" zu sehen und ihn entsprechend umzubauen. Er soll schwach sein, damit sich das Kapital in "freiem Wettbewerb" entfalten kann. So wird angeblich allen zugleich gedient, denn "der Markt" regelt angeblich alles.

Das tut er nicht. Das tut er in keinem Fall. Denn der Kapitalismus dieser liberalen Prägung ist nur die Fortführung eines metaphysisch-heidnischen Konzepts der Welt als Ort des Kampfes zwischen Hell und Dunkel, zwischen Abstoßung und Anziehung, zwischen Gravitation und Beschleunigung. Er steht in einer Linie mit dem Konzept des Darwinismus (und dem ihm entsprechenden Hegelianismus), in dem sich das Gute (als das Beste) von selbst einstellt, und zwar unausweichlich und durch die "List der Vernunft" (Hegel) in jedem Fall. 

Aber das ist falsch. Es ist genauso falsch wie das politische Konzept, das Hitler nicht weniger verfolgte als es heutige Politik verfolgt. Das sich die Aufgabe sieht, den Fortschritt seines Volkes "zu machen". Die Vorgaben zu liefern, denen sich dann alle zu fügen, die die Menschen einfach zu erfüllen haben. Dafür garantiert sie auch den materiellen Wohlstand aller, garantiert die Teilnahme an Konsum und Wohlgefühl, und erklärt alle zu Feinden, die diesen Prozeß stören könnten. Sie erklärt damit die Freiheit zum Feind. Indem das Gemeinwohl zum materiellen Wohlgehaben erklärt wird. 

Doch Gemeinwohl meint etwas ganz anderes. Es meint, daß sich jeder Einzelne zu seiner Freiheit erheben können muß, und daß die Politik diese seine Freiheit zu schützen habe. Freiheit (in Wahrheit, die für Freiheit unerläßlich ist) muß deshalb auch das höchste Gut in einem Land sein. Nicht die Effekte daraus, und auch nicht die Gefahr, die sehr realistische Gefahr, daß der Einzelne diese Freiheit mißachte, mißbraucht, und "Böses" oder "Falsches" gut. Der Staat hat nur dann einzugreifen, wenn dieses individuelle Böse die Freiheit des Nächsten bedroht oder vernichtet. Und er hat es in Subsidiarität zu tun, das heißt, er hat alle untergeordneten Mechanismen und sozialen Institutionen zu respektieren, die sich auf unteren Ebenen dieses Problems annehmen. 

Ein solcherart verstandener Staat darf also gar nicht ein Gewaltmonopol so absolut und universal verstehen, daß es die Gewalt untergeordneter sozialer, gesellschaftlicher Kreise einschränkt. Damit nimmt er dem immer gestuften sozialen Aufbau eines Landes die Möglichkeit, sich dem Naturrecht gemäß (also dem gemäß, wozu der Mensch angelegt ist, und das zielt auf Freiheit und Wahrheit ab) zu entwickeln und wirft den Einzelnen in die Isolation. Sie zerstört so das individuelle Verantwortungsbewußtsein und raubt dem Einzelnen jede schöpferische Kraft. Diese werden dafür vom zentralistisch agierenden Staat an sich gerissen und durch Gesetzesregelungen bis ins Einzelne (und in zunehmendem, bald ausuferndem Maß) bestimmt. Die gewachsene, immer im nächsten Umfeld verwurzelte wie zu verwurzelnde Identität wird damit durch eine zweitwirkliche, nur noch in expliziten Bewußtseinsvorgängen vorhandene neue "Identität" ersetzt.


Morgen Teil 7) Ob sich aber Hitlers Politik von der der Gegenwart 
überhaupt unterscheidet? Worin? 
- Und: Das Video







*211017*

Der Samstag-Nachmittag-Film

Und wir greifen weiter tief in die Kiste des Deutschen Films. Diesmal eine Verfilmung aus 1938, die eines Romans von Hans Spoerl, "Der Maulkorb". Die Freiheit der Meinung war im Dritten Reich ein ganz erstaunliches Thema. Und wenn man Goebbels, dem Chef der Reichsschrifttumskammer, der Oberzensurbehörde, vieles vorwerfen mag, eines sicher nicht: ER war nicht dumm. Er wußte genau, daß man der freien Meinungsäußerung viel Raum lassen mußte, um den Kochtopf nicht zum Sieden zu bringen. Besser, diesem Gespenst "Realität" ins Auge zu sehen, als es unbekannte Wege gehen zu lassen. Ganz subtil, bitte schön. Was ist das Thema des Films? Die Infragestellung der traditionellen Obrigkeit. Waren die Nationalsozialisten gar Revolutionäre? Brauchten die Nationalsozialisten gar die Untergrabung der Autorität? Läßt sich hier gar eine Linie zu Kleist ziehen, zu seinem "Zerbrochenen Krug"? Auch hier der arme, kleine, ehrliche Bürger, der sich für die Obrigkeit opfert, einfach weil er den Traum hat, daß es ihm "ein bißchen besser" geht. Schier schwindelig könnte einem da werden. Auch wenn hier die Solidarität dem Staat gegenüber das wundersame Allheilmittel ist, das auch alles übrige ordnet. Einmal für Gott geopfert, ist die Gnade überwältigend. So ungefähr.

Wieder aber - welch großartiges, freies Schauspiel, bis in die Nebenrollen. Möglich, weil einfach alles Rollen sind, die hier geschaffen wurden, keine der Verwirrungen der Gegenwart noch herrschten, was "natürlich" sei und damit Austrocknung auf Niedrigkeit meinen. Der Mensch ist immer ein Spieler, ja er ist erst Mensch, sofern und wo er Stil, seinen Stil hat. Besonderes Scheinwerferlicht deshalb auf Will Quadflieg, diesem Meister des Sprechens, diesem wahren Schauspieler, der eben wußte, daß der Schauspieler "immer spielt" - dann ist er Menschendarsteller. Ach, und wer die wunderbare Elisabeth Flickenschildt liebt, der wird auch bedient.









*131017*

Freitag, 17. November 2017

Warum der 1. Weltkrieg wirklich ausbrach

Irgendwie ist die ehemalige Mitarbeiterin des österreichischen Militärs natürlich eine Sondererscheinung, belassen wir es dabei. Aber Mag. Monika Donner ist nicht dumm, und nützt offenbar auch ihre Zeit gut. Denn was sie hier recherchiert hat, und in eine Gesamtsicht der geostrategischen Lage vor dem 1. Weltkrieg verarbeitet hat, deckt sich weitestgehend mit dem, was der VdZ dazu denkt und zu wissen meint.

Das Video lohnt. Und im Grunde sollte diese Sichtweise allmählich Fuß fassen, weil es auch die Selbstbetrachtung der Österreicher und Deutschlands erhellt. Wenn beide Länder so große Probleme der Selbstfindung haben, so liegt es nämlich ganz sicher darin, daß sie das notwendig zu Denkende nicht denken wagen. Und das ist vor allem eine Betrachtung der eigenen Vergangenheit. Ohne gerechtes, wahres Geschichtsbild ist Seelenfrieden, ruhige Betrachtung der Gegenwart nicht möglich. Bleibt die Vergangenheit im Dunklen, bleibt die Gegenwart irrational und diffus.

Donner spricht die Konfliktzonen an, die sich im späten 19. Jahrhundert aufgebaut hatten. Wie in Afrika, in der Levante, im persischen Golf (Bagdad-Berlin-Bahn), die Allianz zwischen Frankreich und Rußland, im Elsaß, in der Frage der Flotten, wo überall die Interessen eines in atemberaubendem Tempo stärker werdenden Deutschlands mit denen der Engländer und Franzosen kollidierten. 

Nur in einigen Punkten stimmt der VdZ nicht mit Donner überein. So darin, daß Deutschland nach der Weltmacht gegriffen habe. Das hält der VdZ nicht für richtig, zumindest indirekt war das der Fall.  Weil der wirtschaftlichen Kraft, die Deutschland nach der Zentralstaatsschaffung 1871 (die nur formal eine Reichsgründung war) notwendig auch eine militärische Machtnotwendigkeit folgte. Das von Bismarck geschaffene Deutschland (so könnte man das tatsächlich bezeichnen) mußte zwangsläufig (selbst wenn Bismarck das zu vermeiden suchte) seine Rolle als beginnend dominierender Faktor im Europa- und Weltgefüge einnehmen.

Ebenfalls hält der VdZ die These, daß die Wallstreet Hitler großgezüchtet und finanziert hätte für nicht schlüssig. Sie aus relativ kleinen Krediten (die gibt es, ja) abzuleiten ist ihm zu dünn. Und geredet wird immer viel, wo Menschen sind, also sind auch Wortmeldungen unterschiedlichster Art nicht immer so ganz auf die Goldwaage zu legen. (Daß Henry Ford die Juden als politische Kraft der Ostküste/Wallstreet in ihrem politischen Einfluß sehr kritisch sah ist kein Geheimnis, er hat es ja sogar in Buchform veröffentlicht. Wobei Antisemitismus noch etwas ganz anders ist!)

Und was heißt "Hitler finanziert"? Die Wirtschaftsprogramme der NSdAP waren enorm geldintensiv, weil im Grunde schuldenbasiert, waren "deficit spending" reinsten Wassers, analog zu Roosevelt. Sie alle - weltweit - griffen jeder gehofften wirtschaftlichen Entwicklung durch staatliche Programme weit voraus. Überall war es Bluff. Aber es waren bei Hitler Schulden (sogar "Wechselreiterei", also die Bezahlung eines Wechsels durch einen nächsten) im Inland!

Irgendwann reichte das nicht mehr, Deutschland war 1939 finanziell am Ende, und brauchte dringend ausländisches Kapital. Nicht, weil es zu viel rüstete, die Rüstungsprogramme liefen erst 1937/38 so richtig an. weshalb die Militärs vor jedem Krieg dringend warnten, die Besetzung der Tschechei 1939 war ein extremes Hazardspiel! Hitler selbst wußte, daß Deutschland vor 1944 keinen Krieg beginnen hätte dürfen, weil das Heer zu schwach war, die Säulen deutscher Strategie - Mobilität - vorher gar nicht stellen konnte.

Das größte Problem der deutschen Wehrmacht war deshalb die Untermobilisierung (sic!) angesichts seiner einzig möglichen Mobilitäts-Strategie. Der Rußland-Feldzug zeigte es unbarmherzig, er scheiterte genau daran: Nur 10 Prozent der Heereskräfte war motorisiert! Es hätten aber weit mehr sein müssen. Der Feldzug kam also nur im Schritttempo voran, damit kam er viel zu langsam voran. Moskau 1941 war die Antwort, der Anfang vom Ende. Das Heer wußte das, deshalb wurde seine Führung auch 1939 abgelöst.

Deutschland brauchte aber das Gold, internationales Geld, um seine Importe (es konnte sich NIE selbst mit Lebensmitteln versorgen, Fette etwa waren ein unlösbares Problem) zu bezahlen. (Dazu an anderer Stelle mehr.) Das erste, was am 13. März 1938 aus Wien abrollte, waren deshalb die LKW mit dem Gold Österreichs (und das hatte damals sehr viel Gold, der Schilling - vulgo "Alpendollar" - war extrem stabil, weil goldgedeckt.)

Gut, man kann darüber sprechen, ob die Kreditklemme, in die man Deutschland (durch die Reparationszahlungen seines Goldes beraubt) auf den Weltfinanzbörsen rückte, ein aggressiver Akt war, ähnlich wie bei Japan (hier direkt mit Rohstoffen), sodaß ein Krieg schon aus dieser Sicht unausweichlich wurde. Auch darüber, daß das die Alliierten wußten, es darauf anlegten. Und mit der Eskalation des Krieges genau darauf abzielten - Deutschlands Ressourcen waren absehbar begrenzt und erschöpflich. Aber wer redet darüber? Der VdZ bleibt bei seiner Ansicht, daß sich Deutschlands Zentralisierung 1871 eine Entwicklung (Wirkung) in Gang setzte, der das Land als Staat letztlich nicht gewachsen war. Er bleibt also dabei: Der Fehler war die Reichsgründung 1871.

Erst aber, wenn man diese Reziprozität zwischen den Ängsten Englands (freilich, im Rahmen eines Versuchs, die dominierende Weltmacht zu bleiben) und der Deutschlands immanent einwohnenden (wenn auch explizit "bescheiden" bleibenden) Machtansprüche sieht, wird in den Augen des VdZ ein Schuh draus. England sah es realistischer, das meint der VdZ wirklich, und "mußte" handeln. Das stimmt wohl, weil es doch nicht in Ruhe einfach zusehen konnte, bis ihm Deutschland endgültig wirtschaftlich und daraus folgend militärisch (insofern reagierte Wilhelm II. realistisch, wenn auch zu spät, als er dem Flottenbau Vorrang gab; damit hat er aber die Konkurrenz mit England erst so richtig angeheizt) global den Rang ablief.

England war extrem globalisiert - als Empire - und von seinen Kolonien - England war ein "Gesamtwerk", damit durch die See verwundbarer als Deutschland - abhängig. (Aus dieser Sicht hatte Cecil Rhodes gar nicht Unrecht!) Und Deutschland hätte das mehr berücksichtigen müssen. (Konnte es das aber angesichts der Wirtschaftsentwicklung? Das ist eben die Frage, die wieder in die Frage um den Fehler des Zentralstaates 1871 mündet, der ein Sieg des Technizismus war.) Bismarck jedenfalls bedachte es, wenn er es auch verkannte. Wilhelm II. verhielt sich hingegen tatsächlich provokativ erlag der "Versuchung der Stärke". Dabei hätte es sein rechter Arm ... komplett ausgesagt! Der starke Arm war ... schwach, war unterentwickelt!

Daß in alledem private Vereinigungen, vor allem im Finanzbereich, ihre Süppchen zu kochen versuchten und enormen Einfluß hatten (wie wir es heute haben) ist ein eigenes Kapitel. Für das es sehr viele Indizien gibt, keine Frage. 

Es kommt im Videogespräch schließlich zu Fragen um den 2. Weltkrieg. Auch dazu findet der Leser auf diesen Blog-Seiten viele Texte, in denen der VdZ größtenteils zu ähnlichen Teil-Schlüssen kommt wie Donner. Daß es etwa rund um den japanischen Angriff um Pearl Harbour zahllose Ungereimtheiten in den offiziellen Versionen der Geschichte des Kriegseintritts der USA gibt, ist kein Geheimnis. Es gibt zu viele Indizien, die für eine recht andere als die offizielle Version sprechen, die auch der VdZ noch in der Schule hörte. Noch dazu, wo das Verhalten der USA über die Jahrhunderte bis in die Gegenwart exakt diese Charakteristik zeigt: Jemanden so lange zu provozieren, bis er zuschlägt, um dann "gerechtfertigt" (weil angeblich nur verteidigend) zuschlagen zu können. Was bis zu Seltsamkeiten um 9/11 geht.

Aber kennen wir solches Verhalten nicht aus ganz persönlichen Erfahrungen mit Menschen, ja von uns selber? Entspricht nicht die USA in ihrer Gesamtheit diesem Charakterbild? Wo man die umgebende "anstoßende" Welt zu einem Verhalten provoziert, weil die Kraft, der Mut fehlt, so zu handeln, wie man handeln sollte oder wollte? Gestalten wir nicht selber im Alltag oft und oft unser Leben so, daß wir die Verantwortung dahingehend abschieben, als wir versuchen, ein "Schicksal" zu schaffen, in dem wir nicht mehr anders können - im Schaffen von "Alternativlosigkeiten" also?

Der VdZ ist halt überall dort vorsichtig, wo die Geschichte zu monokausal betrachtet werden soll. Das widerspricht einfach seiner Erfahrung mit dem menschlichen Handeln, das meist ein ungeheures Gemengelage ist. Sodaß er lieber von "Richtungsfeldern" spricht, im großen wie im kleinen Wirkfeld. Die freilich, natürlich, immer durch konkrete einzelne Taten in geschichtliche Dimensionen gehoben werden. In jeder Biographie wie auf der großen Weltbühne. Es wird aber oft der Fehler gemacht, daß man Ereignisse in direktem Zusammenhang mit speziellen Ursachen setzt, um dann zu meinen, sie wären begreifbar und erklärt.

Das ist unter anderem eine Gefahr einer Geschichte, die zu sehr in Studierstuben entsteht, wo Historiker zu wenig persönliche Verwurzelung in den nächstliegenden Wirklichkeiten der Welt haben. Denn erst diese Einbindung macht möglich, die Plausibilität von großen Theorien der Welt und ihrer Geschichte anhand von Grundschemata zu beurteilen. Oder kennt der Leser ein Geschehen aus seinem persönlichen Umfeld, wo Handlungs-Intention und ausgelöste Wirkung völlig übereinstimmen? Der VdZ nicht. Und das gilt auch für die "große" Geschichte. 

Oder, simpel ausgedrückt: Wer im Alltag keine Menschenkenntnis hat, wird niemals die große Geschichte erforschen können.

Es ist also auch eine Tatsache, daß die Geschichte der Weltkriege im 20. Jahrhundert das Verhalten komplexer Systeme zeigen, wo viele viele Bruchstellen, Spannungen und Entwicklungen schlagartig eine bestimmte (desaströse) Richtung einschlugen. Wo dann formal auslösende Ursache und Wirkung in gar keinem Verhältnis der Dimensionen stehen. (Vulgo: der berühmte Schmetterlingsflügelschlag, der einen Orkan auslöst.) Darin täuscht man sich gerade in der Geschichtsbetrachtung sehr sehr oft. Denn hier muß jede Geschichtsbetrachtung scheitern. Erstens werden wir nie alle Faktoren kennen, weil wir ihre Gewichtung im Rahmen eines Gesamtereignisses nicht kennen und nie kennen werden. Zweitens aber tragen Ereignisse, Wirkungen, Gelingen wie Scheitern immer einen Rest von Geheimnis und Transzendenz, von Gottes Zulassung, aber auch und gar Gottes Willen. Deshalb sollten wir zu jener Art des Erkennens kommen, in der es von der Gottesmutter hieß: "Und sie erwog in ihrem Herzen."

In gewisser Weise ist menschliches Handeln und Urteilen (auch in der Geschichtsbetrachtung) immer ein schöpferischer Akt, ein Akt des Mutes, der Entscheidung, weil er immer irgendwie ein Hineingreifen in eine dunkle Box ist, die nur Löcher für die beiden Arme hat, mit denen man hineingreift und "handelt" und "urteilt". Aber - der Mensch MUSZ so agieren, um Mensch zu sein, weil immer neu zu werden. Sich dieses Urteilen zu ersparen, ist nicht ach so liebevoll-menschlich, sondern eine Flucht vor dem Menschsein selbst.

Man darf also nicht jedes Detail auch dieses Videos in seiner Gewichtung als "Ursache" auf die Rasierklinge werfen. Aber im großen Ganzen ist Donner insofern zumindest zuzustimmen, als es wirklich höchste Zeit ist, daß wir - Deutsche, Österreicher - eine uns auferlegte monistische Sicht der Geschichte des 20. Jahrhunderts ablegen und versuchen, die Dinge endlich so zu sehen, wie sie waren.









*231017*