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Samstag, 16. Juli 2022

Nicht vergessen

Als Libyen 2011 in Grund und Boden bombardiert wurde - vorgeblich, weil der angebliche und jedes Maß überschrietende, also jedes militärische Eingriffen zugunsten der leidenden Bevölkerung rechtfertigende Massemörder Muamar al Gadhaffi (die Anklageschriften sind übrigens bis heute nicht vorhanden bzw. zwar angeblich einmal vorhanden und 77 Seiten lang, die sich auf ungeklärte Weise nach kurzer Zeit in leere weil vermultich gar nie gefüllte Seiten verwandelten) hatte die NATO keine Hemmungen, die gesamte zivile Infrastruktur des Landes in 'Grund und Boden zu bombardieren. Und sie hätte noch mehr bombardiert, wären der glorreichen Luftwaffe Frankreichs nicht nach vier Wochen die Bomben ausgegangen. Aber es gab auch so genug zivile Tote. Zehntausende. Kinder, Frauen, Alte, Kranke. Denn kämpfende Männer hat man eh nicht gefunden.
 
   James Corbett - Libyen 2011
Als die Kampfhandlungen vorüber, Gadhafi - nach alter Berber-Art des Umgangs mit einem besiegten König - gepfählt war, funktionierte nichts mehr im Land. Außer die Feuerwaffen, mit denen sich nun die nach dem Staatszerfall verbliebeen Clans und Stämme die Schädel einschlugen, die der tote Diktator vorher viele Jahrzehnte lang in gewisser Ordnugn gehalten hatte. 

Donnerstag, 5. April 2018

So simpel war es

Die ganze Verlogenheit des US-beherrschten Westens offenbart sich im Rückblick auf die Ereignisse in Libyen 2011 in erschreckender Weise. Deshalb greifen wir hier einmal zurück. Und zeigen, daß besonnene Menschen sehr wohl voraussahen, was in Libyen passieren würde. Wo sich 2011 ein plumper, abscheulicher US- und NATO-Putsch abspielte. Libyen, das heute völlig im Chaos versunken ist, war 2011 das nach westlichen Zivilisations-, ja sogar Kulturstandards am weitesten entwickelte Land des gesamten Kontinents Afrika. 

Es gab in Libyen einen Sozial- und Lebensstandard, der sich mit Europa messen konnte. Was sich 2011 dort abspielte war nichts als ein simpler Raubzug, in dem es um Libyens Öl, Wasser und Gold ging. In dem der starke Kurs Muammar Gaddafis westlichen primitiven Kapitalinteressen im Wege stand, denn der libysche Führer war dabei, eine afrikanische Union als starke Gegenposition zum West-Kapitalismus auf die Beine zu stellen. 

(Hat der Leser seither noch etwas von einer afrikanischen Union gehört? Oder hört er seither nicht ständig das von völlig absurden Medien zelebrierte Lamento, daß Afrika völlig am Boden sei? Was glaubt er, warum sich seither - seither! - das sogenannte "Flüchtlingsdrama am Mittelmeer" abspielt?)

Der Fall Libyens war ein schweres amerikanisches Verbrechen, maßgeblich von Hillary Clinton bewegt, und etliche europäische Länder haben sich an dieser Plünderungsaktion beteiligt. Das Chaos, das seither in Nordafrika herrscht, war völlig vorhersehbar. Wie soll aus solcher Erkenntnis noch Achtung vor der herrschenden Klasse Europas, dem westlichen Establishment möglich sein? Was vor allem war an alle dem "demokratisch"? Glauben diese Herrschaften, wir sind alle schon genau so blöd, wie sie aufgrund ihrer Buttergehirne meinen, daß die Menschen überhaupt sind?

Weiß da keiner mehr, was er tut? Nein. Sie wissen es. Davon muß man bei jedem Erwachsenen ausgehen. Und deshalb muß man aus ihren Taten ablesen, was sie wollen, nicht aus ihren Lügenmäulern. Was man daraus aber abliest, läßt einem nur noch den Atem stocken.

Libyen, sagte einer der Kommentatoren schon 2011, wurde vergewaltigt, nichts sonst läßt sich dazu bis heute sagen.  Und die Vergewaltiger sitzen in weichen Walfischpenislederstühlen, schlürfen ihren Cocktail, während sie ihre gestohlenen Milliarden zählen und Präsidentschaftswahlen fingieren, und wollen der Welt "Demokratie" erklären.

So nebenbei: Schaue sich der Leser doch einmal den sogenannten Vertreter der "Demokratie" an. Diese UN-Schießbudenfigur, die buchstäblich wie ein entseelter Zombie jene Standardfloskeln von sich gibt, mit denen groteskerweise hierzulande Politiker sogar noch Wahlen gewinnen. Der VdZ mußte zwischendurch kotzen gehen, während er diese Zeilen schrieb. Er kennt jede Menge Wichtigtuer, die unser krankes System hochgespült hat, die GENAU SO sogar noch heute reden. Und seine (aus konkreter Erfahrung gespeister) Meinung über die unfaßbare Inkompetenz von UN-Vertretern ist ohnehin nicht druckwürdig. Die UNO wirkt, als hätte man der Welt die versammelte Dummheit, ja Geistesstörung aufgedrückt.

Sind wir wirklich so blöd, wie uns die Mainstream-Medien - nicht eines, das sich für die Wahrheit interessierte! -  wähnen? Ja. Der VdZ glaubt es längst. (West-)Europa verdient, was ihm zustößt. Es ist zu einer Anstalt von Trotteln geworden. Solch ein verkommenes Volk von Trotteln und freiwilligen Sklaven wird von Gott ausgespien.

Was erwartet sich ein Europa solcher Taten aber an historischer Reaktion? Was erwarten die Europäer als "Nemesis Divina", an Gottes gerechtem Richtspruch?

Witzig, übrigens, was für Fragen E. Michael Jones an seinen libyschen Kollegen richtet, der wirkt, als sei er durch einen Schnellgang der Waschmaschine gelaufen.  

Was für Demokratie der überhaupt meine, um die es angeblich als Verbesserung gehe? Um das amerikanische Verständnis, wonach die Reichen mit ihrem Geld bezahlte Politiker etablieren, die den Staat dann nach ihrem Gusto ausrichten? 

Um ein Land wie die USA zu errichten, in dem die häufigste Bankrottursache die Kreditkartenabrechnung für medizinische Behandlung ist, die in Libyen ... frei war? Oder die horrenden Kosten für die Ausbildung, die die Jugend Amerikas mit lebenslang unbezahlbaren Krediten belasten? Was für Verbesserungen soll es in Libyen denn zukünftig geben, wo die Ausbildung auch an Universitäten (samt Auslandsstudien, übrigens) für die Bürger (vom staatlichen Öl bezahlt) kostenlos ist? Nirgendwo in Afrika ist sogar die Stellung der Frau derartig "gleichberechtigt" wie in Libyen! 

Um was für Verbesserungen ging es also dabei, Libyen 2011 in Klump und Asche zu bombardieren? Um was für eine Demokratie? Oder heißt Demokratie nach dem Geschmack Amerikas vielleicht nicht wirklich nur, daß eine Gesellschaft, ein Staat komplett unter die Kontrolle der Banken gerät? 

Will das das libysche Volk wirklich? Hier das Wort "Demokratie" zu verwenden ist doch blanker Zynismus. Der sogenannte Volksaufstand in Libyen wird kein anderes Resultat bringen als daß ein gesamtes Land unter die Kontrolle des Internationalen Währungs Fonds und der Weltbank gerät, die dann die Lebensbedingungen der Libyer bestimmen. Privatisierung? Lächerlich. 

Die Profiteure der Privatisierung der libyschen Staatsunternehmen - ein angeblicher Schritt zur Demokratisierung - sind klar. Und die Libyer sind es nicht! Dafür wird dem ganzen Volk das hervorragende System der Wohlfahrt und der sozialen Sicherheit zerschlagen, von dem es profitiert hat. Und das alles Gaddafi eingerichtet hat, der sein Volk am Ölreichtum des Landes wirklich teilhaben hat lassen, kein Land der Welt hat so vorexerziert, wie ein Volk insgesamt von seinen Bodenschätzen kollektiv profitieren kann.

Und das alles wird sich in dem Moment aufhören, in dem der IWF die Sache bestimmen wird. Stattdessen wird das Land nun in Bürgerkrieg und Zwist auseinanderfallen. Die NATO ist doch kein Verteidigungsbündnis - es ist ein Aggressionsbündnis. 

Und da wagt es die NATO-Puppe von General (unter Gaddafi) tatsächlich die bekannten Floskeln zu dreschen, daß unter der neuen Flagge der Demokratie Libyen sich in ein sehr reiches Land allgemeinen Wohlstands verwandeln wird, ein Land, das nun Teil der internationalen Gemeinschaft sein wird. Die Zeit der Demokratie sei nach 42 Jahren Diktatur gekommen, meint der unfaßbare Blaublitzer, alles werde nun gut. Das behauptet er wirklich!

Das alles sind Aussagen aus 2011. Es ist genau so gekommen, wie die Vernünftigen es eingeschätzt haben. Es ist genau so NICHT gekommen, wie es uns USA und NATO (Frankreich, England) und UNO verkaufen wollten. 

Herrschaften, wir werden doch seit vielen Jahren von der Politik nur noch verarscht. Nur eine Entschuldigung kann es da noch geben, und der VdZ glaubt das sogar: Das Establishment ist wirklich so blöd.

So nebenbei: Die Sendung - ein Zeitdokument - wurde 2011 von einem iranischen Fernsehsender produziert.










*220318*

Dienstag, 26. Dezember 2017

Erstmals wurden sie demaskiert

Es paßt durchaus zu Weihnachten, denn es geht um das Ende eines Krieges. Dieses Ende ist aber mehr, meint E. Michael Jones in diesem Interview in einem amerikanischen Sender. Es ist das Ende einer Art der Kriegsführung, die seit 50 Jahren die Welt destabilisiert und geängstigt hat. Die immer mit derselben Methodik vorging. Erst wurde in der Weltöffentlichkeit ein Bild erzeugt, daß eine Bevölkerung unzufrieden mit der Regierung sei, aber kein Mittel habe, sie auszuwechseln.

Dann kamen Nachrichten, daß diese Regierung (meist in der Gestalt eines Diktators, denn der Mensch braucht immer Menschen, sonst kann er nichts verstehen) das Volk mit brutaler Gewalt unterdrückt. Dann kamen immer mehr "Widerstandskämpfer", die von ausländischen Mächten (meist den USA) ausgebildet, ausgerüstet und ins Land gebracht, aber ganz oder teilweise als "innere Opposition" dargestellt wurden. Diese initiierten inneren Konflikte, die bis dahin irgendwie zwar bestanden, aber recht gut im Griff waren, nun aber zur Eskalation getrieben wurden. Vor allem Konflikte religiöser, aber auch ethnischer Art eignen sich bestens dafür. So entstand ein "Bürgerkrieg", in dem diese Kämpfer das Land mit Zerstörung überzogen, bis die Regierung die Kontrolle verloren hatte und gestürzt wurde. Sofort wurde eine neue Regierung installiert, die vor allem eines war: willfährig und beherrschbar.

Zurück blieben lauter "failed states", zombieartige Staatsgebilde, in denen jede organische Struktur zerschlagen war, in der die Bevölkerung sich auf kleinere Einheiten (Stamm, Klan, Familie) zurückzog, sich für das große Ganze (bis auf Ausnahmen) nicht mehr interessierte weil ums Überleben kämpfte, und die deshalb mit neu eingesetzten künstlichen Staatsregimen leicht zu "regieren" waren. Deren Interessen sich schon darin erfüllten, gewisse Partialinteressen (wie die Schiiten im Irak) zu verfolgen, sich also für Weiteres kaum interessierten, oder überhaupt (wie häufig in Afrika) Großindustrien (meist Öl, Rohstoffen, Ressourcen aller Art, auch die Ausbeutung menschlicher Arbeit ist darunter, wie sich in zahlreichen Beispielen belegen läßt) zu steuern oder direkt zu besitzen. Die zufällig unter starkem ausländischem Einfluß standen. 

Mit der Niederlage der Daesh (IS) aber stieß diese Methode, einen mißliebigen, nicht gefügigen Staat aus dem Weg zu räumen, erstmals an eine Grenze, ihre furchtbare Dynamik wurde erstmals durchbrochen. Und das ist dem energischen Handeln von Rußland und dem Iran zu verdanken, das die Lage im Vorderen Orient wendete. Selbst die Türkei, die mittlerweile sogar über einen NATO-Austritt nachzudenken scheint (nachdem es lange die IS unterstützte und selbst meinte, ein Süppchen aus einem zerfallenen Syrien kochen zu können) wurde durch Rußland "umgedreht", ein seltener Fall, der wohl den Besonderheiten Erdogans zuzuschreiben ist. 

Mit einem weiteren Beispiel (aus so vielen), wie die in sich widersprüchliche, inkonsistente Außenpolitik der USA völlig andere Ergebnisse zeitigt, als geplant waren - und das ist der Irak, so wenig man den wirklich einzuschätzen vermag. Denn dort hatten die USA nach dem 2. Krieg ein schiitisches Minderheitenregime installiert. Aber man hat diesen Umstand unterschätzt. Nun steht zu vermuten, daß die Türkei im Irak sogar einen Verbündeten in der Frage eines kurdischen Staates gefunden hat. Denn würde ein solcher im Norden des Irak gegründet (und um das zu verhindern, braucht die Türkei den schiitischen Irak), hätte das ganz sicher dramatische Folgen auf die Kurdenproblematik.

Die alle effektiv und konkret der syrischen Regierung beistanden oder auch nur in ihre Richtung wirkten und sie soweit stärkten, daß sie nicht gestürzt wurde, sondern den "Bürgerkrieg" gegen den IS gewann. Damit wurde bewiesen, daß diese Art der Kriegsführung tatsächlich zu überwinden ist. Syrien liefert das Exempel dafür, daß diese Art, unliebsame Staaten zu beseitigen, nicht nur nicht zum Erfolg führen muß, sondern in einem Desaster enden kann.

Im Falle Syriens waren neben den USA (die vermutlich zu guten Teilen zumindest das schmutzige Handwerk für andere erledigten, wie so oft übrigens) auch Israel und vor allem Saudi-Arabien an diesem Versuch Syrien zu zertrümmern, beteiligt. Wobei man darüber spekulieren kann, wieweit eine Änderung des Verhaltens der USA durch Donald Trump erst die Weichen gestellt haben könnte. 

Und diese Mächte haben sofort reagiert. Und sich in seltsamster, aber pragmatischer Allianz (Saudi-Arabien und Israel) erst auf den Jemen, und nun auf den Libanon konzentriert, denn dort bieten die Houthi und die Hisbollah immer noch die schiitische (und jemenitische bzw. palästinensische) Stirn.

Schlüssel war, so E. Michael Jones, daß man erstmals in der langen Geschichte der verdeckten Kriegsführung den Gegner benennen konnte. Denn wie soll man einen Gegner bekämpfen, den man nicht kennt? Das zu verschleiern war ja bislang der entscheidende Moment dieses Konzepts. Hier aber erkannte man sie: die Vereinigten Staaten, die Saudis, Israel, Katar. Was in Syrien noch scheinbar phantastisch funktionierte, hat erstmals versagt. Und die Strategie ist nun bekannt, man kennt die Handschrift, man kennt die Verursacher, wird sie auch zukünftig erkennen und weiß, wie man dagegen vorgehen muß. Wer ist dieser "man"? Rußland, Iran, das waren sie in diesem Fall. 

Dieser Plan ist in Syrien nun erstmals nicht aufgegangen, Rußland, das das eindeutig bessere, wohl einfach "natürlichere" Konzept hatte, hat gemeinsam mit dem Iran (der eher regional beschränkte Interessen hat) gezeigt, daß man ihn zu zerstören vermag. Die USA wird sich zukünftig etwas anders überlegen müssen, der Plan ist durchschaut, man riß ihnen die Maske herunter. Wenigstens in Syrien kann wieder Frieden einkehren.

Es ist immer und ausschließlich die Wahrheit, die befreit. Und nur diese Freiheit kann Einheit und Frieden bringen.










*241117*

Dienstag, 7. November 2017

Seltsame Allianzen - Was nun in Syrien?

Die Medien hierzulande schreiben kaum noch etwas darüber, der VdZ hat die wenigen Meldungen hier und da und dort aber weiter verfolgt. 

Und es mehren sich die Tatsachen und Anzeichen, daß es mit der IS in der Levante zumindest militärisch vorbei ist. Konsequent und hartnäckig haben die letztlich ordnenden Mächte - syrische Armee, Rußland, Iran, Hisbollah, und nicht zuletzt (!) die Kurden im Nordosten - das Ende des Spuks eingeleitet. Entsprechend berichtet Frontex auch, daß unter den sogenannten "Flüchtlingen" auf den noch offenen Routen (Mittelmeer) so gut wie keine Syrer (mehr) sind. Eine Route, die sich eiderdautz auch so gut wie geschlossen hat, seit die lybische Küstenwache tut, was sie immer tun habe wollen, aber erst jetzt darf, weil es erwartet wird.* (Sebastian Kurz wird sich also auch sputen müssen, sonst klauen ihm noch andere die Kerzen von der Torte.)

Den Menschen in Syrien steht nun freilich ein langer, harter Weg bevor, ihr Land wieder instandzusetzen. Wie es in Europa im 20. Jhd. eben auch war. Es gibt sogar schon Berichte, daß die syrische Bevölkerung wieder in ihre Orte zurückkehrt, sofern sie geflüchtet war. Ebenso mehren sich die Berichte, daß die IS-Kämpfer nun neue Aufgabenbereiche suchen. Etwa 1.500 IS-Kämpfer sollen vor dem Absprung nach Europa stehen. (Manche Medien nennen es "Rückkehr", aber als was "kehren" sie zurück?) 

Aber schon beginnen neue Ansätze einzuwirken, so leicht geben die Amerikaner nicht auf, wenn auch alles schon ein wenig kraftlos wirkt. Sie fordern nun eine Zukunftskonferenz, in der sie bei ihrer alten Forderung bleiben: Präsident Assad muß zurücktreten, heißt es da. Er sei nämlich ein Hindernis der inneren Befriedung. 

Hindernis? Dabei hat er doch gegen härteste Angriffe offenbar Ruhe geschaffen? Nein, es empfehlen sich nun andere strategische Vorgehensweisen, um die alten Ziele zu bewahren, zu retten was nach dem jämmerlichen Auftritt eines angeblichen Anti-Terror-Krieges (der hier fütterte, was er dort zu bekämpfen vorgab) noch zu retten ist. 

Israel will dabei verhindern, daß sich von Persien bis zum Libanon ein schiitischer Bogen zieht, der ihm den Iran als Leitmacht der Schiiten vor die Haustüre setzt. Und es sieht sich dabei erneut in dieser seltsamen Allianz mit den Sunniten der Türkei und den Arabern. Der Iran aber ist der Hauptgegner gegen eine strategische Beherrschung der Levante durch Israel.

Wobei auch die Türkei ihre alten Ziele wieder aufzuwärmen beginnt. Der mittlerweile sogar nachgewiesen werden konnte, daß die IS von dort aus nach Syrien "eingesickert" ist und Nachschub erhielt. Aber das ist ein altes, anderes Kapitel, wir haben darüber genug geschrieben.

Was der Türkei aber nicht in den Kram paßt ist, daß die Kurden einen so wichtigen Beitrag zum Sieg über die IS geleistet haben. Die ja ein Dauerproblem für Istambul ist, das erneut verkündet hat, daß es alles tun wird, um die Bildung eines kurdischen Staates zu verhindern. Was auch klar ist: Ein kurdischer Staat oder staatsähnliche Autonomiegebiete in Syrien oder von dort ausgehend würde sich die Kurdenfrage der Türkei ganz neu zur Aufgabe stellen weil stellen müssen. Also ist der neue Feind klar: Die Kurden in Nordost-Syrien. Der nun in die Zange genommen werden soll.

Denn hier kann sich die Türkei eines neuen Verbündeten gewiß sein - des heute US-gesteuerten Irak. (Der selbst in schwersten inneren Widersprüchen steckt, denn es waren die USA, die dort die Schiiten stark gemacht, die Bevölkerungsmehrheit der Sunniten aber marginalisiert haben.) Der Irak, der vor wenigen Tagen verkündet hat, daß verschiedene militärische Operationen der Kurden eine offene Kriegshandlung gegen den Irak seien. Sodaß man überlegen müsse, ob nicht eine Kriegserklärung statthaft sei. Oder ist das der verdeckte schiitische Versuch, den Levante-Bogen zum Iran zu schließen?**

Gleichzeitig verschärft die USA ihren Ton dem Iran gegenüber. Beobachter meinen, daß es sich dabei nur um einen verzweifelten Versuch handelt, der extrem verworrenen weil inkonsistenten Außenpolitik der USA doch noch den Mantel der Konsistenz umzuhängen, um einen letzten Rest von Glaubwürdigkeit zu wahren. 

Und das Netanjahu-Israel sieht keinen Grund zur Zurückhaltung offen zu sagen, daß es sich jedes Recht sieht, mit ihrer Luftwaffe allfällige kriegs- oder strategisch wichtige Ziele in Syrien anzugreifen.

Aber  noch etwas anders bereitet sich vor, der die USA vor weitere, ganz entscheidende Probleme stellen könnte: Zwischen Rußland, China und Arabien bereitet sich - auch das eine Frucht der US-Politik, das so nebenbei, die wie es aussieht kein einziges außenpolitisches Ziel mehr erreichen, seit vielen Jahrzehnten, sodaß ihnen bestenfalls noch das Säbelrasseln (siehe Nordkorea) bleibt, aber das ist immer ein Mittel mit Ablaufdatum - ein Öl-Clearing (in Landeswährungen, allen voran den chinesischen Renminbi) vor, das den US-Dollar als Weltreservewährung vor unüberwindbare Schwierigkeiten (und enormen Inflationsdruck) stellen wird.

Die Lage ist scheinbar undurchsichtig, gewiß, zumindest nicht leicht zu durchschauen, auch für den VdZ. Aber das war sie auch zu Zeiten, als die Medien täglich groß aufgemachte Berichte brachten. Während sie nun schweigen. Vielleicht weil sie warten, welche Richtlinien sie nun verfolgen sollen. Denn die alten sind allen abhanden gekommen, die hat der Gegenwind zum Zeitgeist verblasen.





*Ein nicht unwesentlicher Grund dafür war der bemerkenswerte propagandistische Erfolg der "C-Star-Mission" der Identitären Bewegung. Die scheinbar kaum Zählbares bewirkt hat, aber medial ungemein präsent war - denn es gab sie doch, die investigativen Journalisten, wenn auch nicht von den Leitmedien, die haben weiterhin nur Fakenews wiedergekäut und verleumdet, das einzige, was sie noch können - zu einem Schwenk der europäischen Außenpolitik geführt, und den Politikern Feuer unterm Hintern gemacht hat. Die nun auch gehandelt haben. Weil sie Angst hatten, daß man ihnen das Thema (und damit einen leicht zu erzielenden Erfolg) stehlen könnte. Und sieh da: Die lybische Küstenwache erfüllt nun ihre Aufgabe. 

Plötzlich gibt es auch keine ertrunkenen "Flüchtlinge" mehr im Mittelmeer. Seit fünf, sechs, sieben Wochen ist offenbar niemand mehr ertrunken! Weil niemand mehr in die Schlepper-Tschenakel steigt, weil diese von der libyschen Küstenwache aufgegriffen und zurückgebracht werden. Plötzlich kommen auch kaum noch "Flüchtlinge" in Italien an. Auch darüber aber berichten unsere Leitmedien nicht.

Das Versiegen des Stroms aus Mittelafrika ist nur eine Frage der Zeit. Sobald sich nämlich herumspricht, daß es "no way" - keinen Weg - nach Europa mehr gibt. Eine Voraussetzung dafür, daß auch allfällige Hilfsmaßnahmen in den Ländern, von denen alle so vollmundig reden (der VdZ glaubt NICHT an deren Erfolg; Erfolg hätte nur die gute alte Mission) selbst greifen können. Weil den Leuten dort klar wird, daß sie SELBST etwas tun müssen und KÖNNEN, um ihr Land lebenswerter zu machen. Wie auch immer, es ist in Wahrheit auch dort ein Problem der dritten, vierten Söhne ... die KEINE Gesellschaft verarbeiten konnte und kann, die immer für ein expansives Moment (im Inneren durch Erschließung, oder nach außen) gesorgt haben und sorgen. Nicht erst seit den antiken Griechen oder den Römern.

**Die Verworrenheit der politischen Ziele islamisch dominierter Staaten hat eine lange Tradition. Sie ist die Folge einer Absage an den logos, an die Vernunft als weltbestimmendes Prinzip. Damit können sich auch keine substantiellen politischen Ziele bilden, die über die Zeiten gleichbleiben. Was bleibt ist ein "so irgendwie beherrschen wollen". Ein ontologisch unverrückbares "Warum", das wie ein Magnet jeden Kompass ausrichtet, fehlt aber dann. Das Resultat ist ein Wollknäuel an "Interessen", wo wenn man an einem Ende zieht das andere unruhig wird.



*221017*

Donnerstag, 14. September 2017

Wie das Rationale zum Unverünftigen wird

Das Kennzeichen der Vernunftlosigkeit ist nicht unbedingt der Mangel an Rationalität, an Logik im Detail. Im Gegenteil, Vernunftlosigkeit zeigt sich ganz besonders in der Richtigkeit von Teillogik. Die Abwesenheit von logos heißt etwas anders: Sie heißt, daß einem Handeln und Denken der innere Kompaß fehlt, der alles wie von heimlicher Hand gezogen auf ein Zentrum, ein Ziel ausrichten macht. Deshalb kann Rationalität auch eine Gefahr bedeuten, wenn sie das Fenster nicht ins Transzendente öffnet. Dann verliert sich keineswegs die Logik, im Gegenteil richtet sich die Teillogik aber auf weiterreichende Sinnhorizonte aus, die die notwendige Begrenztheit einer Teilproblematik aufmacht. Falsch verstanden kann dies natürlich Irrationalität bedeuten, ja sie wird dazu, wenn die Gesamtorientierung, der innere Kompass nicht auf den bekannten Gott ausgerichtet ist. Der das Sein ist, das in seiner von der Liebe genährten Dynamik ins Seiende - zur Welt - drängt.

Wenn sich über die heutige Politik in Europa etwas sagen läßt dann das, daß ihr diese Vernünftigkeit fehlt.* Das äußert sich darin, daß sie ein Problem löst - also einer Teillogik folgt - und daneben aber unzählbare, unbekannte nächste Probleme aufreißt. Ein Beispiel dafür scheint sich in Afrika anzubahnen, und man nennt es "Lösung der Migrationsfrage", im noch konkreten Fall als "Schließung der Mittelmeerroute" bezeichnet.

Weil man also davon ausgegangen ist, daß die Zuwanderung von Millionen Afrikanern ein Problem der Lage ihrer Heimatländer ist, hat man tatsächlich eingegriffen. Und wie hat man es vorerst einmal gemacht (ohne viel darüber zu berichten)? Man hat es gemacht, indem man begonnen hat, die Exekutivkräfte jener Länder (Mali, Niger, Tschad, Mauretanien und Burkina Faso) aufzurüsten. 

Diese Länder haben sich zusammengetan und wollen eine von Frankreich und Deutschland bestens ausgerüstete und ausgebildete Truppe von 5.000 Mann schaffen, die die Millionen Migrationswilligen südlicherer Länder stoppen. Die auf ihrem Weg nach Libyens Mittelmeerküste - zur kürzesten Route nach Europa, sieht man von Spanien ab - ihre Länder durchqueren müssen, um angekommen auf NGO-Schiffe oder päpstliche Flugzeuge zu warten, die sie bequem weiter (und im Grunde illegal) nach Europa transferieren. Diese Länder waren dazu bisher schon aufgrund ihrer schwachen Polizeikräfte gar nicht in der Lage. Und noch weniger willens.**

Frankreich schon aufgrund seiner Tradition, Deutschland aufgrund der Tatsache, daß es davon am meisten betroffen ist, haben also Waffen, Fahrzeuge und Ausbildner ins diese Sahra-Länder gesandt. Damit aber haben sie in ein fragiles System der staatlichen lokalen Mächte eingegriffen, das bisher mehr schlecht als recht eine Art "Friede" aufrechthielt. Denn kein Land war ausgerüstet und organisiert genug, um Kriegsgelüste wirklich auszutoben. Das könnte sich nun ändern! Und das erste Land, das das fürchtet, ist - Libyen! Ein Land, das vor wenigen Jahren von den USA UND EUROPA in die Ohnmacht heilloser Verwirrung gebombt wurde. Libyen hat vor allem keine staatliche Ordnung. Nach der Vernichtung des Systems Gaddafi fiel es auf die nächste Stufe eines Staates zurück, auf die der Stammesordnungen. Und das heißt, daß es seine staatliche Handlungsfähigkeit weitgehend verlor. 

Diese Situation gleicht der einer Wehrlosigkeit. Nicht nur, weil die Potenz nicht da ist, sämtliche Kräfte eines Staates zu bündeln (was im Fall einer Bestandsbedrohung vorübergehend zumindest notwendig ist; auch eine Reichsorganisation, ja gerade eine solche, die unterschiedliche autonome Staaten und Völker für bestimmte Fälle wie Krieg einen könnte, beschränkt sich u. a. auf Situationen, in denen sie alle Macht verlangt und bekommt. Wie Krieg), sondern weil auch die Mittel fehlen. Also kann man davon ausgehen, daß so provisorisch die Zentralkräfte Libyens (die dem Gebilde noch so etwas wie den Anschein eines Staates geben, obwohl derzeit niemand sagen kann, mit WEM man denn da überhaupt verhandeln, reden sollte) auch gebildet wurden, sie im Bedrohungsfall doch eine gewisse Rolle spielen müssen und vermutlich werden.
Aber eben weil niemand weiß, WER es denn sein könnte, welche Seite, welcher Stammeshäuptling, welcher Politiker, der diese Rolle übernehmen könnte, ist es unverantwortlich, auch Libyen einfach aufzurüsten. Ohne die Gefahr zu riskieren, das Land erst recht in Bürgerkrieg zu vertiefen. Da grenzt es schon fast an ein Wunder, daß sich Libyens eifersüchtig gehütetes Chaos soweit organisieren konnte, als es plötzlich DOCH gegen die Schlepper an seinen Küsten einschritt. Erfolg der Teillogik. Daß nun Spanien überrannt zu werden droht, ist eine andere Sache. Darum kümmern wir uns später.

Aber alle erwähnten Staaten stehen seit Jahr und Tag in innenpolitischen wie außenpolitischen Konflikten. Ist nicht Frankreich vor wenigen Jahren sogar in Mali einmarschiert, hat seine Militärpräsenz in Tschad und Burkina Faso verstärkt, um die aktuellen Regierungen zu stabilisieren? (Und so nebenbei seine wirtschaftlichen Interessen - die Interessen seiner Unternehmen also - zu sichern.) Es ist nicht von der Hand zu weisen, daß die qualitativ bedeutsame militärische Aufrüstung der momentanen Führungen dieser Länder in einem Dominoeffekt den halben Kontinent aufrühren könnte. Die Nachbarländer (oder andere Interessengruppen, darunter nicht zuletzt islamistische Bewegungen) werden nicht einfach zuschauen, und können das gar nicht.

In jedem Fall also sieht es so aus, als würde Europa in ein nächstes Chaos investieren, das irgendwann zu einem platzenden Luftballon wird. Ein Chaos das damit beginnt, indem man Mächte mit Mitteln und Machterhaltungspotenz ausstattet, die wie das Raten im Dunkeln zufällig ausgewählt werden, weil es gerade kurzfristigen Zwecken dient. Wer aber glaubt, ein Chaos würde sich dadurch beheben, indem man einen der Chaoten mit noch mehr Muskeln ausstattet, wird seine blauen Wunder erleben. Gerade das Verhältnis westlicher Mächte zu Afrika ist eine beredte Geschichte solchen Unverstands, mit dem hier fast programmatisch agiert wird.

Recht und Gerechtigkeit sind nie eine Frage aktualistischer Kräfte und faktischer Zustände, sie sind ontologisch gegründet. Und von dort her bauen sich die Kräfte auf, wieder und wieder, und unbegrenzt. Lösungen für Afrika zu finden ist eine Frage der Ontologie! Europa hat sich leider längst zu viel auf die eines Hegel eingeschossen, eine Spätfolge des für heutige Schwammköpfe gelösten Universalienstreits, in dem aber die Wahrheit und damit die Wirklichkeit unter die Räder kam.

Und es gibt in ganz Afrika nur sehr wenige Staaten, die es geschafft haben, einen inneren Kulturstand zu erlangen, der eine Staatsformierung sinnvoll macht oder entstehen ließ, der also der wahren Ontologie entspricht, die der Exekutive eine Rolle zuweist, die einem Kulturland angemessen ist, weil nur dem Gemeinwohl dient. Offenbar hat man nicht einmal aus der Entwicklungshilfepolitik der letzten Jahrzehnte gelernt. Die die Missionstätigkeit der Kirche, der einzigen Entwicklungshilfe, die sinnvoll (weil eben der wahren Ontologie gefolgt) ist, somit ein Volk von innen her stärkt sodaß es auch das Außen sinnvoll gestalten kann, so verhängnisvoll und rational-unvernünftig (!) ablöste.

Afrika ist heute ein Musterbeispiel faktisch-begrenzter, naturrechtlich aber defiziöser, damit nicht dauerhafter Lösungen. Und wenn man europäische Intervention wie hier durch die deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen als "Stabilisierung und Unterstützung im Kampf gegen Terror und Extremismus" nennt ist weiterhin alles möglich und gerecht. Schon gar weil von der Leyen (geübte Merkel-CDU-Repräsentantin) Wert auf die Feststellung legt, daß Deutschland nur "nichtletale" Mittel zur Verfügung stellt. Töten sollen die anderen. Die indirekten Mittel dazu, die Kommunikationsmittel mit denen sie gerufen werden, die Wagen auf denen die "Pöhsen" mit ihren Gewehren stehen, die Zelte in denen sie schlafen, die Motorräder mit denen sie an die Front düsen - meinetwegen, die können aus Deutschland kommen. Das Problem ist sowieso nur weiter verschoben. Nach Süden, nach Nigeria. Wegschieben. Noch weiter weg. Das nennt man neuerdings "in Afrika stabilisieren", oder "das Problem bei den Wurzeln sanieren".***

Das trifft nicht nur für Libyen, sondern auch für sämtliche Staaten des Sahara-Gürtels zu. Das ist aber kein Boden für sinnvolle Diplomatie, damit entsteht weiter und weiter nur Flickwerk nach wirrem Muster, daß irgendwann reißt weil keiner weiß, wo die Nähte verlaufen. Eventuell züchtet man etwa hier eine islamisch bewegte, politische Potenz, die Europa erst recht erpreßbar und bedroht macht. Oder sei es, daß Libyens Stämmeorchester von Europa ebenfalls Waffen verlangt (Wüstenstämme lieben Waffen), unter der Drohung, sonst die Schleusen (wieder) zu öffnen. Die sich derzeit allmählich schließen, wie es aussieht. Dabei aber den Flüchtlingsstrom nach dem Westen (Marokko/Spanien) umlenken, wie es aussieht. Es könnte also sein, daß sich das Problem sowieso nur verlagert.

Zumal der europäischen Politik ein Plan, ein Konzept, das auf der exakten Kenntnis dieser Länder und ihrer inneren Bewegungen beruht, zu fehlen scheint. Alles deutet darauf hin. Man beschränkt sich auf ein Teilproblem: Ein Stoppen der Migrationsmassen auf ihrem Weg in den Norden. Wobei es sogar darin zu verdeckten Konflikten kommt.

Denn Deutschlands Merkel ist das so gar nicht recht. Sie müßte sich hier tatsächlich einmal langfristig an eine Politik binden, sich identifizierbar machen. Und das macht sie deutlich unflexibel, weil greifbar, widerspricht also dem, wovon Merkel bisher gelebt hat. Denn sie will ja gar nicht, daß die Migrationsströme gestoppt werden, warum auch immer. Aber das ist in dem Fall sowieso irrelevant, weil es genug europäische Politiker gibt, die nicht auf das warten können was nie eintritt: Daß Deutschlands Politik endlich doch vernünftig und konsistent wird. Merkel tut ja mittlerweile ohnehin so, als wäre es ihr völlig gleichgültig, was in ihrem Land WIRKLICH passiert, solange sie ihre mediale Sondershow als Parallelwelt hat. Sodaß es niemandem auffällt, daß das, was sie sagt und tut, regelrecht irrelevant geworden ist. Oder wie brachte ihr politisches Prinzip Volker Pispers einmal auf den Punkt? "Mir nach, ich folge Euch."

Wohin das was da in Afrika abläuft insgesamt führt weiß aber niemand. Weil niemand mehr weiß, so muß man es zusammenfassen, was überhaupt die bewegenden Kräfte eines Volkes und eines Staates sind. Daß das so ist, ist eine der sichersten Erkenntnis aus der Beobachtung der Politik im Europa der vergangenen Jahrzehnte selbst.






*Dafür gibt es einen ganz klaren Grund: Der europäischen Politik fehlt generell ihre Rückbindung an die Kirche. Die vielgepriesene "Trennung von Staat und Kirche" ist keineswegs eine Errungenschaft, sondern der sicherste Weg zur Vernunftlosigkeit. Sie entbindet die Politik ins Haltlose, und raubt ihr damit jede sinnvolle, damit langfristige Orientierung. Noch nie in der Geschichte hatte ein Staat Bestand, der seine Orientierung aber nicht aus der Ausrichtung auf Gott bezog. Andernfalls löst er sich von innen heraus auf, und sein Rechtssystem zerfällt.

**Sodaß man sich doch fragen müßte, was - welche Konzessionen, welche Versprechen, welche Geldmittel, welche politischen und wirtschaftlichen Interessen - sie zu diesen Maßnahmen nun bewegt haben. Wollen wir wetten? Wir werden es nie, oder frühestens in etlichen Jahren, wenn irgendwelche seltsam "unlösbaren" Probleme oder rätselhafte Solidaritätspflichten auftauchen, erfahren. Man nennt das "Diplomatie", auch die muß ja schon länger niemand mehr vernünftig (nur "zweckvoll") gestalten.

***Jede Untersuchung zu dem Thema kommt zum selben Ergebnis: Nahezu ein Drittel der afrikanischen jungen Menschen wollen nach Europa auswandern. Auch ein Sohn des VdZ, der sich einige Zeit in Ghana aufhielt, bestätigte das: Nahezu jeder der Jungen will nach Europa. Das Problem dürfte also mit "Rückhaltemaßnahmen" nicht lösbar, nicht einmal aufhaltbar sein. Mit Handy- und CocaCola-Importen aber auch nicht. Denn Afrika hat mittlerweile eine ähnliche Handy-Durchdringung wie Europa. Und jeder trinkt CocaCola. Es muß also an tieferen, kulturellen Motiven liegen. Afrika wurde zu keiner Kultur, auch wenn es in die Globalisierung mittlerweile eingebunden ist. Es fehlt im Gegenteil mehr denn je an kultureller Substanz, die der Westizismus nicht zu liefern vermag. Die einzigen, die das derzeit zu sehen scheinen, sind übrigens die afrikanischen katholischen Bischöfe. 






*190817*

Dienstag, 26. Juli 2016

Manchmal sind Details doch wichtiger

Es ist ja weiter nicht schlimm, wenn man all diese Details wieder vergißt, sobald man sie gehört hat. Was kümmert es uns wirklich? Aber im täglichen Bombardement mit unsinnigsten Behauptungen, die sich PR-Stuben aller Couleurs so ausdenken, hilft es manchmal, an ein paar Eckdaten erinnert zzu werden. Wie hier, wo in geraffter Form von "Die Anstalt" die US-Politik im Nahen Osten und Nordafrika der letzten Jahre in mancher Fragwürdigkeit dargestellt wird. Jaja, im Groben wissen wir das alles. Aber manchmal, ganz manchmal, sind Details doch wichtiger als das Ganze.









*060616*

Samstag, 14. November 2015

Der fehlende Puzzlestein

Vermutlich muß man gehörig umdenken, auch der VdZ, der da einiges zu wenig mitbedacht hatte, wenn es um die Einschätzung der Lage im Nahen Osten bzw. arabisch-muslimischen Raum geht. Jean Raspail, algerienerfahrener Franzose, weist in "Das Heerlager der Heiligen" darauf hin, und der Israeli Shlomo Avineri führt es in einem Presse-Gespräch recht einleuchtend aus: Wir haben es hier zu einem guten Teil mit Gebilden zu tun, die gar nie Staaten im eigentlichen Sinne waren, sondern die diese Bedingung nur formal erfüllten. Deshalb blieb auch deren Regierung nie etwas anderes übrig, als mit eiserner Hand zusammenzuhalten, was nie zusammenzuhalten war. 

Avineri führt im besonderen Libyen, Syrien und den Irak an. Hier haben die Wetmächte (Sykes-Pikot-Abkommen von 1917) künstliche Staaten geschaffen, ohne Rücksicht auf völkische Elemente zu nehmen, die gar nie zusammenzuspannen waren. Diesen Gebilden fehlte nun aber das, was einen Staat überhaupt erst konstituiert - der einheitliche Wille eines Volkes, sich im Staat eine höhere Potenz zu verleihen. Einzig Jordanien und Arabien hätten, so der israelische Nahostexperte, jene innere Legitimation, die vielen übrigen Staaten fehlen - es sind Monarchien, die auf religiöser Seite eine wichtige Funktion für den gesamten islamischen Religionsraum erfüllen, weil sie die heiligsten Stätten des Islam beinhalten und schützen, oder wie im Fall Jordaniens überhaupt religiös verankert sind: der jordanische König gilt als Abkömmling des Propheten.

Während Ägypten sowohl völkisch wie durch die lange Tradition die Voraussetzungen für einen Staat immer hatte und nie verlor. Wenn ein Staat aber im Grunde innerlich unumstitten ist, verträgt er auch einen Pluralismus der Religionen und politischen Strömungen, wie sie heute in Ägypten herrschen. Weshalb der Israeli meint, daß gute Voraussetzungen herrschten, daß das momentane Militärregime mittelfristig wieder milder würde.

Aber was wir derzeit erleben sei ein Zusammenbruch von säkulären Gebilden, die gar nie lebensfähig, die nur Wunschdenken europäischer Reißbrettpolitiker waren, die vorwiegend europäische Interessen im Blickfeld hatten. Defacto sei ja in Syrien bereits ein kurdischer Staat entstanden, und weitere würden entlang der Bruchlinien der Religionen und Völker folgen. Eine raumübergreifende Lösung scheint außer jeder Reichweite, und für den vorderasiatischen Teil könnte wahrscheinlich bestenfalls eine religiös-verquickte Lösung - ein wiedererstehendes Kalifat - wieder Ordnung schaffen. Aus dieser Sicht hat sich die Türkei durch die Jungtürken-Revolution von 1905 den Weg zu einer Ordnungsmacht definitiv selbst verbaut, denn als säkulärer Staat fehlt ihr die Legitimation, die alle Araber anerkennen könnten. Es könnte also im Halbscherz, den der VdZ an dieser Stelle bereits einmal durchgespielt hätte, tatsächlich der einzige mögliche Ausgangspunkt ... Damaskus liegen.

Man müßte Raspails Anmerkung natürlich weiter ausdehnen, denn augenblicklich würden uns Europäern auch so manche Probleme Afrikas begreifbarer. Nur, weil wir es nach europäischem Begriffsgebrauch gewöhnt sind, deklarierte Staaten - Namen, die oft ja nur europäischem Zynismus oder noch mehr: der Naivität entsprungen sind - als solche zu sehen, heißt das noch lange nicht, daß es je welche waren. Eigentlich geht Europa damit der unseligen Vertragstheorie der Aufklärung auf den Leim. Denn die wird auch damit widerlegt. Wir übersehen damit aber, daß viele sogenannte Staaten der Welt um eine solche Staatswerdung überhaupt erst ringen. So manche Gebilde also voreilig "wie einen der unseren Staaten" zu behandeln, meist noch durch europäisch-amerikanische Interessen motiviert, verhindert damit sogar den Frieden in diesen Gebieten. Nicht nur die USA, sondern auch die europäischen Staaten haben deshalb schon so manche Katastrophe angerichtet.

So müßte man also wohl die Türkei sehen, die seit Atatürk eine ähnliche Säkulargeschichte hat, die ihre erste Entladung im Armenozid hatte und mit seinen Kurden bis heute nicht zurecht kommt. Und in jedem Fall tut Avineri es für die Ukraine. Zu der er sinngemäß dasselbe sagt: Hier hat man nach 1989 versucht, Völker und Bevölkerungen künstlich zusammenzuspannen, denen jede Voraussetzung für einen Staat fehlte, wie es die heutige Ukraine sein sollte. Was zuvor noch die Sowjetunion zusammengehalten hatte, zerfiel unter dieser Anforderung. Damit entstand ein Machtvakuum, so wie das in vielen arabischen Staatsgebilden der Fall ist. Doch gibt es kein solches Vakuum, es wird sofort durch andere Mächte gefüllt.

Europa sei dabei recht hilflos. Denn die political correctness, sagt der Professor aus Tel Aviv, verhindert ein rationales Durchleuchten der Probleme. Und allemal dürfte er recht haben wenn er sagt, daß es naiv ist  zu meinen, daß Prozesse, die in Europa viele Jahrhunderte gebraucht haben, dort in Jahrzehnten ablaufen könnten. Nur, so möchte man hinzufügen, damit ein verlogener Friede - als Vermeidung jeden Krieges mißdeutet - herrscht, der das dekadente westliche Gemüt weiter wegdämmern läßt.




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Samstag, 18. Juni 2011

Was ist dort wirklich los?

Es war vielleicht noch weniger überraschend, daß Gadhafi vom Geschäftspartner über Nacht zum Diktator wurde. Gut, der Mann hat ja auch seine terroristische Vergangenheit. Dennoch hat die USA dasselbe gemacht, wie im Irak, wie in Afghanistan - eine "humanitäre Aktion" begonnen (meist, ohne überhaupt "Krieg" zu erklären), und dann der NATO an den Hut gesteckt. Und plötzlich fand sich die NATO Europas in eine veritable und nicht enden wollende kriegerische Aktion verwickelt, und bombardierte pausenlos libysche Ziele.

Vorgeblich mit dem Ziel, die Truppen des Diktators niederzuhalten, um so den Rebellen die Chance zu geben, den Willen des Volkes durchzusetzen. Aber die Zweifel mehren sich, und zwar in alle Richtungen - was ist das für ein Wille des Volkes, wenn ein so großer Teil (wie groß, ist nicht nachvollziehbar, derzeit noch nicht) hinter Gadhafi steht? Was ist das für eine humanitäre Aktion, wenn die NATO auch zivile Ziele zerstört? Wozu zerstört die NATO Hafenanlagen und Raffinerien? Wozu Lebensmittelfabriken und Versammlungshäuser?

Daß das geschieht, beweist folgendes Interview, das Russia Today* führte: in dem Maria Finoshina aus den USA als Leiterin einer amerikanischen "fact finding mission", die sich in Libyen aufhält, der Frage nachgeht, ob die Regierung der USA nicht wieder einmal, wie schon so oft, einfach lügt, um innenpolitischen Rückhalt für außenpolitische Ziele ganz anderer Art zu erhalten: denn es gab z. B. keine Massenvernichtungsanlagen im Iraq, den angeblichen Kriegsgrund. Zurück blieb aber ein völlig zerstörtes Land. "Ein zweites Somalia," meint Maria Finoshina: "Ein Land, dem die Kontrolle über sich selbst aus der Hand genommen wird."

Aber die Amerikanerin geht noch weiter: Sie meint, daß längst die NATO kollektive Bestrafungen an der Bevölkerung durchführt, die noch zu Gadhafi hält! Sie selber hat Krankenhäuser mit den Bombenopfern besucht, die sich in keinerlei "aggressiven" Zielen aufhielten und nur den Fehler begingen, nicht gegen ihre Regierung zu sein. Oder an den Tankstellen anzustehen, um ihre zivilen Fahrzeuge zu betanken. Auch hat die NATO die Einfuhr von Medikamenten verhindert, um diese Bombenopfer zu versorgen. Und weil die Bevölkerung offenbar wenig Wert darauf legt, "befreit" zu werden, führt die NATO Propagandaaktionen durch, die sie überzeugen soll, Gadhafi den Rücken zuzuwenden ... "The one question, people are asking me, over and over and over again, is: WHY?" Aber die Universität von Tripolis in Grund und Boden zu schießen kann doch von keiner militärischen Bedeutung sein? Die Frage muß doch auch sein, welche internationalen Gesetze die NATO dazu ermächtigen, Muamar Gadhafi zu liquidieren - was aber als strategisches Ziel vorgegeben wird. Momentan sei auch niemandem klar, was denn passiere, wenn Gadhafi tatsächlich getötet werde, ober das Land verlasse (und so lange wird ja die NATO wohl bombardieren.) Sie sei deshalb auch dabei zu eruieren, was die libysche Bevölkerung überhaupt wolle - denn offensichtlich wisse das niemand!

Und die Frage "Why?" möchte sie auch an ihren Präsidenten stellen. Denn: aus humanitären Gründen kann diese Mission ja nicht erfolgt sein, das ist offensichtlich. Denn die wirkliche humanitäre Katastrophe, in die das ganze Land gestürzt ist, hat erst die NATO verursacht! Sie kann nur einen Grund für die amerikanische Politik finden - in dem, was man O. I. L. nennt: "O for oil, I for Israel, and L for logistics! Logistics on behalf of Israel."

Dafür haben die Rebellen bereits eine "internationale Bank" gegründet, die das derzeit private Bankensystem Libyens ersetzen, und Libyen an das internationale Bankensystem anschließen soll. Angeblich sein von den Rebellen mit Israel bereits ausgehandelt, daß es eine Militärbasis in Libyen einrichten dürfe.

So die Dame.


Was ist da los, in Libyen? Und wieder die schon mehrmals hier gestellte Frage: Was ist (war) da überhaupt los, in Nordafrika? Was ist dort passiert, und was wird dort nun kommen? Denn es wurde wohl alles umgedreht - aber nirgendwo waren Ziele, die nun umgesetzt würden! Dafür schlingert ein Land nach dem anderen führungs- und orientierungslos - und bietet ideale Landeplätze für schräge Vögel!


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*Russia Today kommt wohl auch nicht von ungefährt: Bereits im Fall Libyen hat Rußland - mit China - sich der Stimme bei der Abstimmung in der UNO enthalten, als es um die Bombardierung des Landes ging. Dieser Tage hat Rußland mit China auch die Welt aufgefordert, die arabischen Länder - und Syrien - ihre Konflikte alleine lösen zu lassen, sich nicht einzumischen.

Sonntag, 3. April 2011

Langeweile?

Dann twittern Sie doch einen Staatsumsturz herbei? Posten Sie mit auf Facebook-Plattformen gelangweilter europäischer Kleinbürger, die zwar keine Ahnung haben, worum es in all den Ländern geht, die da um "Freiheit" kämpfen, aber kein Mensch wußte, daß sie unterdrückt waren; kein Mensch weiß, worum es überhaupt geht, in Libyen, in Tunesien, in Ägypten ... Daß manche Strukturen dieser Staaten nicht europäischen Pseudodemokratien aufgeweichter Wohlstandshirne genügten? Das reicht nicht. Daß "Menschenrechte" eingefordert werde, die aus Hollywood-Blockbustern und Steven-Spielberg-Inszenierungen abgekupfert wurden? Reicht erst recht nicht.

Aber geil ist es.

Kam in den Wochenendverkehr - Revolution in Libyen
Interview auf einem deutschen Sender, ich glaube: ZDF. Eine Reporterin, soeben aus Libyen zurück. Wurde das Mädel doch glatt beschossen. Wie es denn war? Eine Viertelstunde drückte sie herum, fesch wie sie war, na und was für Todesangst sie hatte. Lag in dem Auto doch glatt eine verkohlte Leiche! Nein?! Doch. Barbarisch.

Aber es schien nur um sie zu gehen. Und alle bewunderten diese Abenteurerin, na so eine auch. Ist doch gefährlich! Na sicher. Hatte Sie Angst? Na und ob! Zwanzig Minuten lang! Nein?! Doch. Die haben gezielt auf uns geschossen. Zweieinhalb Stunden lagen wir in Deckung.

Dann sind sie wieder heimgeflogen. Um direkt den Millionen Zusehern zu berichten. So ist es, wenn man ein Abenteuer erlebt. Wow. Sie erinnerte frappierend an jene amerikanische Journalistin, die in ihrem flotten T-Shirt und Photoapparat erleben wollte, wie es ist, so mitten unter 1 Million Männern am Tahrir-Platz, und die dann geschätzte zwanzig mal Opfer "sexueller Tätlichkeit", mit Müh und Not von einigen beherzten Frauen und Männern aus dieser blind aggressiven Meute gerettet wurde. Verdammt, das ist ja ernst!? Das ist ja echt?! Und ganz anders als "Schindler's Liste" - von Spielberg?! Wo sind die Geigen, wo das Fagott, beim dramatischen Höhepunkt? Wir sind doch die Guten! Ihr seid doch die Guten, wir helfen doch zu Euch?! Aber da ist echter Haß, und der ist noch dazu blind, wie immer. Nicht Spielberg-Juchee-Umarmungsschmus.

Kein Wort fiel jedoch über das Eigentliche, so es denn ein Eigentliches dort überhaupt gibt, denn das weiß nach wie vor niemand: Über die "Volkserhebung", über die Revolution, über den Kampf um Freiheit, von Libyen, worum es geht, wie es steht. Von alledem, von dem der europäische Superintellektuelle mit Postgraduate-Überqualifizierung dahertwittert und facebookt und zeitungspostet, immer parat mit Tips, vom Sozialstaatssessel aus, mit flinkem Daumen via iPod und iPad und Nokia 3007deLuxe direkt in die Venen der Revolution gespeist, heissa, Fränkie, schon gelesen? Sie rücken jetzt auf ElArishama vor! Mizzi, druck das bitte alles aus, zum Einrahmen, ist ja echt ein Hammer, das alles.

Eine Revolution, von deren Notwendigkeit alle außer die Einheimischen zu wissen schienen - denn es mangelt den Rebellen in Libyen vor allem an einem: an Leuten, die mittun ... Egal. Korrupt sind sie ja eh alle, diese Regierungen. CC an Fränkie nicht vergessen!

Und nachdem die bewährte US-Methode, ein Land in die Steinzeit zu bomben, um sich dann elegant zurückzuziehen, und den angerichteten Salat den Europäern zu überlassen, ohne auch nur den Funken von Ahnung oder Konzept zu haben - außer s. o. Spielberg-Werte und in dem Fall Harvard-Graduates - keiner also weiß, was dort los ist, und wohin es gehen soll, in der Zukunft, nachdem also auch pausenloser Raketen- und Bombenhagel nicht reicht, sind alle ratlos. Was spielt sich dort denn nun wirklich ab? Das fängt ja schon an wie in Jugoslawien!? Wie in Vietnam? Wie in Afghanistan? Wie im Irak?! Schnell ein paar Bomben, ein paar Tote, und dann: nichts wie weg!

Und Europa hat den Ball in der Hand - und ist ratlos. Soll es eine Revolution in Libyen "machen"? Noch vor wenigen Wochen wußten wir gar nicht, daß es dort eine Diktatur gab, war Gadhafi ein Freund?! Ja, kein Busenfreund, gewiß, außer für manche, aber an sich ... Wenn wir das gewußt hätten.

Was sagt denn das Reisebüro: müssen wir nun den Dharfour-Treck absagen, oder nicht, solche Lappen, könnten sich auch mehr um einen kümmern, ich mein: man muß so einen Urlaub doch lange genug vorplanen, ich riskier doch nicht meinen Job?

Wer ist dieses Wochenende dran? Syrien? Na denn los: Handyakkus aufgeladen, und ab geht's. Public-Viewing am Nestroyplatz. Aufstand im Libanon oder Jordanien, egal, jedenfalls live.2 (Punkt 2) - Direktbeteiligung möglich.


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Dienstag, 8. März 2011

Vom Beginn einer Revolte

Der amerikanische Politikwissenschafter Mark Lilla im NZZ-Interview zu den Auswirkungen der Rebellion im arabischen Raum. Ausschnitte hier.
{...] Welche Reaktionen hätte die arabische Rebellion im Irak gezeitigt, wäre Saddam heute noch am Ruder? Es ist doch interessant, dass sich besonders die Architekten des Irakkrieges zu diesem Punkt überhaupt nicht äussern. Donald Rumsfeld hat gerade seine Memoiren veröffentlicht, in denen er alle Fehler bezüglich des Irakkrieges seinen Amtskollegen in die Schuhe schiebt, doch bei seinen Auftritten hat er, so viel ich weiss, über die gegenwärtige Situation kein Wort verloren. Das Gleiche gilt für die sogenannten «liberal hawks», d. h. jene liberalen Intellektuellen, die gegen den Vietnamkrieg waren, aber den Einmarsch in den Irak als Mittel zum Zweck – nämlich zum Sturz Saddam Husseins – befürworteten. Sie glaubten, das irakische Volk wäre Amerika dankbar, wenn es den Diktator erst einmal los wäre – was selbstredend nicht geschehen ist. Diese Leute haben etwas Wichtiges nicht verstanden: Man kann keine Revolution ohne Rebellen machen. Die Menschen revoltieren, wenn sie so weit sind. Das ist etwas, das man nicht forcieren kann.
Was war Ihrer Ansicht nach der entscheidende Punkt, an dem das Volk die Angst vor den Machthabern verloren hat – erst in Tunesien, dann in Ägypten und nun in Libyen?
[...] Wenn es einen aktuellen Konflikt gibt und erstmals Blut fliesst – und das Volk trotzdem weitermacht. Denken Sie an den ausserordentlichen Moment, als sich in Tunesien ein Mann in Brand gesteckt hat oder als die Iranerin Neda Agha-Soltan vor zwei Jahren bei einer Demonstration in Teheran vor den Augen der Welt getötet wurde. So etwas hat ein enormes Ansteckungspotenzial. Etwas Ähnliches geschah auch 1968 im Prager Frühling oder 1967 in Deutschland bei der Erschiessung von Benno Ohnesorg durch die Polizei. [Anmerkung: es ist heute erwiesen, daß die Erschießung Ohnesorgs von einem DDR-/Stasi-Agenten durchgeführt wurde, um eine breite Revoltge auszulösen.]

[Es] ist sehr gut möglich [daß Libyen nach Gadhafi in einem Chaos von Stammesrivalitäten versinken könnte.] Dasselbe gilt ja auch für den Irak oder Afghanistan. Afghanistan hat Wahlen, doch politische Parteien sind dort völlig bedeutungslos. Früher trafen sich dort alle Stammesfürsten in unregelmässigen Abständen zu einer grossen Versammlung, der sogenannten Loya Jirga, und arbeiteten in langen Verhandlungen Kompromisse aus, mit denen am Ende alle mehr oder weniger zufrieden waren. Heute spielen Institutionen wie diese keine zentrale Rolle mehr, aber Afghanistan hat auch keine funktionierende Demokratie. Das öffnet natürlich Tür und Tor für Korruption – wie man an Karzais Bruder und seiner Entourage sieht. Man kann keine Demokratie in einer Stammesgesellschaft errichten – zumindest ist derlei bisher noch nie gelungen.
[...] Überall in der Welt entstehen derzeit politische Formen, für die wir keine Begriffe mehr haben. Doch solange wir unsere Vorstellung von Demokratie sowohl als Standard, an dem alles gemessen wird, als auch als Beschreibungskategorie benutzen, können wir die Lage nicht adäquat einschätzen und also auch keine guten Entscheidungen treffen.

[...] Die neuen Medien sind ein Forum, um Protest zu artikulieren. Wirkliche Macht aber wird von Institutionen ausgeübt. Der Schlüssel zu Veränderungen ist nicht so sehr die Möglichkeit, der eigenen Stimme Gehör zu verschaffen, sondern vielmehr die Realisierung der Dinge, die man will, auch durchzusetzen. Man kann eine Demokratie durch die neuen Kommunikationswege erhalten und stützen, aber man kann mit dem Internet keine demokratische Konstitution aufbauen. Das Netz ist eine Kraft für die Rebellion, kein Garant für Demokratie.
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Sonntag, 6. März 2011

Update alle 10 Minuten

Die Zeitungen bieten Life-Teilnahme am Krieg in Libyen an. Mit Direktschaltungen, Twitter und Online-Streaming vermag der Leser nicht nur passiv zu konsumieren, sondern - welch ein Fortschritt - er kann fast schon eingreifen. Sich beteiligen. Vorerst nur durch Postings und "Chat" - Getratsche - über das Gesehene und Gehörte und Gelesene. Den Kriegsschauplatz kann man aussuchen, auch die Spielzüge.

"Jetzt rücken die Rebellen Richtung Tripolis vor. Gerade haben sie zwei Panzer, einen Pickup und einen Lieferwagen der Regierungstruppen erobert. Im Bild: ein Rebell versucht dem Kugelhagel der Regierungstruppen auszuweichen."

11.23 - 11.34 - 11.46 ... Nachrichten im 10-Minuten-Takt. Wirklichkeit wird abgelöst durch zufälliges Geschehen, das man aus dem, was zu beobachten man gerade in der Lage ist, herauspickt. Was die Finger gerade eben an Tastatur erwischen.

Der Joystick, die Maus am PC fliegt, die Tasten knarren, man kommentiert, man fiebert mit wie bei den Schisprungweltmeisterschaften, wo es um 10tel Punkte geht. Was will man mehr als Wochenendunterhaltung, zum Faschingssamstag? Ein Videospiel, das garantiert irgendwo wirklich passiert?!


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Donnerstag, 24. Februar 2011

Die üblichen Ängste

Auch von den Aufständen und Unruhen in Libyen sind nun "alle überrascht". Unternehmer, die sich jahrzehntelang dort engagiert haben, fürchten momemtan nur um ihre Investitionen. Von einem geknechteten Volk ist ihnen bislang nie etwas aufgefallen. Sodaß sich die Frage erhebt, was diese Damen und Herren dort überhaupt gemacht haben? Oder welche Bewertungsmaßstäbe zur Anwendung kamen, die mit den Selbsteinschätzungen der jeweiligen Bevölkerungen im arabischen Raum offensichtlich so wenig übereinstimmen.

Gadhafi droht im TV mit einem Blutbad
Oder ist es der ganz normale Internet-Chaos-Wahnsinn, der jede, wirklich jede Regierung, die willkürlichen Bedürfnissen nicht willfährig genug ist, zum Sturze bringt und bringen wird? Von den meisten Regierungen europas hat man ohnehin schon lange den Eindruck, daß sie das fürchten, ja, daß das das Grundgesetz demokratischer Politik ist: die Angst, nicht an die Macht zu kommen.

Vielleicht genau deshalb: weil sie ihren eigenen Bewertungsmaßstäben nicht mehr trauen, mit denen sie den Willen der Bevölkerung bewerten - aus diffusen Ängsten, sie könnten ganz weit daneben liegen. Wie in all diesen arabischen Ländern.

Und vielleicht genau aus dem unbewußte Wissen heraus, daß sie in Wahrheit ganz anderes wollen, als sie den Menschen vormachen - und deshalb um diese grundsätzliche Situation der Divergenz von Lüge und Wahrheit wissen, die Nebel der Dämonie über alles breitet. Selbst Griechenland, von wo neuerlich Demonstrationen und Streiks vermeldet werden, während das Land schon fast offiziell als pleite gilt, ließe sich so deuten. Denn gelogen, die Wirklichkeit außen vor gehalten, wurde von Anfang an genug, von allen Seiten, und seit vielen Jahren.

Die Installierung so dramatisch weitgreifender Kontrollmechanismen wie derzeit, unter so erstaunlich bereitilliger Dramatisierung immer übermächtigerer Bedrohungsszenarien - Klimawandel, Terrorismus, beides als direkter Kampf gegen Okkultes (!) weil man ja gar nicht wirklich weiß, gegen wen man die Waffen aufzieht, mit dem Aufbau alles umfassender Gängelungsapparate (Kommunikationsdaten, totale Videoüberwachung, etc. etc.), unter generaler Verdächtigung der Bevölkerungen und Umkehr eines alten und fundamentalen Rechtsprinzips, dem der Unschuldsvermutung, ließe sich unter diesem Gesichtspunkt sehen: wo sich Regierung und Volk als feindliches Gegenüber sehen (müssen). Und ganz anders und erstmals wirklich verstehen.

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