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Samstag, 29. Mai 2021

Neues von der Gestaltsicht (3)

Teil 3) Und wir? Wir sehen einen Vatermörder, der als Lebenssituation mit Aufreißerschmäh um halb zwei an der Bar hängt


Denn hat sich die via Vererbung ähnliche bis gleiche Disposition zuerst noch in der Hinwendung zur Musik geäußert, greift ein Sohn (meist etwa zur Mitte seines Lebens) nach dem Vater. Eine folgerichtige Ablöse in der ontischen Ausrichtung des menschlichen Lebens auf Lebensphasen, die wiederum im Insgesamt des menschlichen Geschickes stehen, das generationenübergreifend IST.

QR Stefan Verra
Jetzt wissen wir somit, warum Stefan Verras jüngst erschienenes Buch den Titel trägt "Auch Leithammel sind nur Menschen" - als Zertrümmern der Vatergestalt! Und warum er dann mit Schopenhauer, diesem klugen Beobachter und Protokollisten der Eristik, der Kunst "im Gespräch zu siegen" daherkommt. 

Denn Evolutionisten müssen ja (sonst fehlt das unbedingt notwendige Prinzip des Fortschritts, des "warum" sich etwas entwickeln soll) das Leben als Kampf klassifizieren. Den sie selbst ja tatsächlich führen. Evolutionisten künden also (wie alle) nur von sich.

Dennoch rezipiert Verra manches gut. Das tun Liberale bekanntlich, die heute gerne diesen Zug zum "Konservativen" haben, wir haben oft schon darüber gehandelt. Was er übers Verkaufen sagt ist völlig richtig! Verkauf ist ein Seinsübergang, hat der VdZ (der ja nicht wenig Erfahrung mit dieser menschlichen Handlung hat) hier schon öfter formuliert. 
Der Kunde stimmt im "Verkaufsgespräch" einem Produkt zu, weil er es letztlich als in seine Seinssphäre zugehörig einstuft. Und somit ist sein "Kaufwille" als Wille, der als Verteidigungsgestus eines bereits Besitzenden (bzw. bereits Besessenen) am allerbesten beschreibbar ist.

Freitag, 28. Mai 2021

Neues von der Gestaltsicht (2)

Teil 2) Der eine liest, der andere sieht die Gestalt 


In eine ähnliche Kerbe, sogar noch direkter die des Gestaltsehens, schlägt dieses Gespräch desselben Senders mit dem Osttiroler, dessen Vater (nanonana, wie der Wiener da sagen würde) Bildhauer ist. Und was ist ein bildender Künstler mehr und anders als ein Gestaltseher! 

Was ist überhaupt ein Künstler mehr als ein Gestaltseher, der von dieser nur dem geistigen Menschen sichtbaren "Unsichtbaren" so gefangen ist, daß sie seine Lebensgrundlage ausmacht. Wenn sich also der im ersten Teil dieses Beitrages vorgestellte Eric Standop als Gestaltleser vorstellt, so stimmt umso mehr, wenn sich Stefan Verra als Gestaltseher bezeichnet. Er sieht, der andere liest, je nach Medium, in dem er tätig ist, aber immer ist es dieselbe Archetypik der Stellung zur Welt.

Donnerstag, 27. Mai 2021

Neues von der Gestaltsicht (1)

Es ist etwas, das jeder kann. Oder könnte, das heißt: Die allermeisten wissen nicht, daß sie die Welt so sehen, wie Eric Standop es zum Beruf gemacht hat. In und von dem er aber erst in Ostasien (Hongkong) arbeiten und leben konnte, denn für diese Dinge hat man in Europa wenig Sinn. Während das, was jeder Mensch kann - das Lesen von Gestalt, das Rezipieren dessen, was er davon wahrnimmt, das in Europa stumm, stillschweigend in die persönlichen Urteilsprozesse einfließt - in Asien überhaupt gerne zur für sich stehenden "Kunst" gemacht wird.
QR Eric Standop

Die es gar nicht ist. Denn das Wissen um eine Grammatik, die aber unendlich komplexe Dynamik ist, in der das Momenturteil in das Einfluß nimmt, was beurteilt und in das, was "ist", sodaß das Gehörte, das Urteil des Gesichtslesers (in dem Fall) in das eigene Sein miteinfließt und ... lähmt, katatonisiert, erstarren läßt, ist keine Kunst, sondern ein Defekt, wenn es für sich gestellt und "angewandt" wird.