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Mittwoch, 3. Juni 2020

Als wir noch die Hände schüttelten (2)

Wirbel um den österreichischen Fußballklub LASK Linz. Die Mannschaft, die immerhin im Europacup-Achtelfinale steht, wurde geheim (sic!) beim Training gefilmt. Der Film wurde dann an die Medien weitergegeben, die ihn sofort veröffentlichten. Denn er beweist, daß die Spieler den vorgeschriebenen Abstand nicht eingehalten haben.

Ein Skandal, schreibt die Kronen Zeitung, denn ein Fußballverein habe Vorbildwirkung! Nun droht ein Ausschluß aus dem laufenden Meisterschaftswettbewerb, den der LASK noch vor Salzburg anführt, wenn nicht der Zwangsabstieg in die zweite Liga.

Der Liga-Ausschuß betonte nämlich, daß nun mit "voller Schärfe" gegen den Verein vorgegangen werde. Der trainiert habe, obwohl es wegen der Corona-Seuche verboten sei. Zitat: „Mit einem solchen Verhalten würden alle erfolgreichen Bemühungen der letzten Woche, dem gesamten Fußball in Österreich eine neue Perspektive zu geben, konterkariert.“ Der Liga-Boss, der sofort mit dem Innenministerium telephoniert hatte, um die Wogen zu glätten wo er auf die Selbstreinigungskraft der Fußballliga hinwies, meinte: „Der heutige Anlassfall ist natürlich ein Rückschlag, aber ein verbandsinterner, der lückenlos aufgeklärt werden muss“.

Ja, bitte, wir brennen auf Aufklärung. Denn natürlich muß gelten, daß „[...] wenn sich die Vorwürfe bestätigen, ist es völlig klar, daß das Verhalten nicht zu akzeptieren ist und es Sanktionen geben muss.“ Wo kommen wir da hin, wenn ein Fußballverein trainiert. Noch dazu im Freien. Noch dazu, wo es jetzt um alles geht!
Zitat Krone: Man befinde sich „von Fußball-Seite in der entscheidenden Phase im Kampf gegen das Corona-Virus, und daß diese Situation dem Fußball in keinster Weise hilft, ist selbstredend“, sagte Ebenbauer.
Corona-Krise? Kein, keiner, am keinsten! Wer weiß, was die Leutchen vom LASK sonst noch gedreht haben, um endlich wieder Meister zu werden.

Der VdZ freilich hatte einen Eindruck der besonderen Art. Vielleicht muß er den Fußballclub Salzburg Red Bull doch anders sehen als bisher. Denn was dessen Sportdirektor Freund zum "Skandal" äußerte, hinterläßt jenen Hautausschlag, den Pimmelflitzer generell hinterlassen, der aber Männern nicht angemessen ist. Es sei unfair, meinte der Mann. Und die Salzburg-Profis hätten sich immer saubrav an alle Berufsverbote in der tödlichen Corona-Krise gehalten, wie es eben im "fairplay" unter allen Vereinen ausgemacht war.

Hm. Fußball ist doch ein Sport unter Männern? So wurde er zumindest erfunden, und so wurde er eigentlich ausgeübt. Oder doch nicht mehr? Aha, alles klar. Weil vor einigen Jahren definitiv aus Männern jene Transusen wurden, die jeder normale Mann in seiner Kindheit noch völlig unbedarft und öffentlich akzeptiert verachtet hat. Seither verdienen Fußballer Märchengagen, seither kosten ihre Vereinsübertritte dreistellige Millionenbeträge, proportional dazu, wie feminin sie in "Frau der Welt" oder "Bild am Sonntag" aufschwimmen.

Es war mal ein Männersport, konstatiert man traurig, ein Sport für "so richtige Männer", die sich Motoröl aufs Kinn schmierten, und aus den Achselhaaren das Aroma ihres Fünftageschweißes verströmten, weil sie vor lauter Umgetriebe einfach nicht zum Duschen gekommen waren. Und welche Frau hätte es ihnen nicht verziehen! 

Bis so mancher unter ihnen, der es bislang geschafft hatte, mit äußeren Merkmalen das Wesen eines Mannes vorzutäuschen und sich in Männerumkleidekabinen einzuschleichen, um wenigstens mal zu sehen, was ein Hammer ist, vor etlichen Jahren die Männerumkleiden verließ, um sich in Weiberduschen zu etablieren und mit Zitronengrinsen weiter zu plappern, daß Frauen auch so tun sollten, wie Männer tun, wenn sie tun. 

Was er in Wahrheit meinte: Die Referenzbilder sollten nun jene sein, die nur so tun wie Männer tun, die so tun als würden sie tun. Fehlen nur noch Salzburg-Videos für "no rassism" oder "no discriminatio of gay" (International = super muß natürlich alles bei Red Bull sein.) Was? Die gibt es schon? Alles klar. Ein Stein folgt auf den anderen. Das muß das Ende der Salzburg-Ära sein, wenn man den VdZ fragt. Weggefegt von den LASK-Männern.




*150520*

Sonntag, 22. März 2020

Der klandestine Atheismus

Dieses sind die Zeiten für die großen Männer mit den tiefen Worten. Wie jenem von Joachim Löw, den der VdZ als Spieler, noch mehr als Trainer (v. a. bei Wacker Innsbruck) sehr schätzte. Aber nun, durch die Coronakrise in die Langeweile gedrängt, drängt es ihn, mit Gedanken an die Öffentlichkeit zu treten, die nichts mit Fußball zu tun haben. Und dabei zerbröselt alles Gute, was der VdZ je über ihn gedacht hat.

Joachim Löw ist wie die meisten, nein, die allermeisten heute, etwas Bestimmtes. Der Leser möge sich erst selber ein Urteil machen. Ein Urteil über jemanden, der da sagt, das sich "die Erde gegen die Menschen wehrt".

Pause. Sie denken wohl. Na, kommt nichts?

Also gut, hier die Lösung des Rätsels: Leute, Leutelchen dieser Denkart gehören in die Schublade "doofe Atheisten". Denn Atheisten sind strunzdumm. Mehr gibt es über sie nicht zu sagen. Und über jene, die heute ach so tiefe Sprüche von sich geben.

Si tacuisses ... Für einen großen Fußballlehrer hätte ich Dich gehalten. Jetzt weiß ich, daß alles an Joachim Löws Laufbahn Zufall und primitiver Mechanismus war, zumindest ab einem gewissen Zeitpunkt. Brüder an der Spree, schmeißt ihn deshalb als Bundestrainer endlich raus. Daß die deutsche Fußballnationalmannschaft zunehmend "nichts mehr reißt", wie man an der steirischen Mur sagt, ist KEIN Zufall. Atheisten, die somit dem Zufall unterliegen, sind zu nichts zu gebrauchen. Sie tun nur so.



*180320*

Mittwoch, 13. Februar 2019

Erst Strukturen, dann Figuren

Man überliest es wohl leicht, aber es steckt eine tiefe Wahrheit über die Welt drinnen. Wenn die Basler Zeitung schreibt, daß "erst die Strukturen, dann die Figuren" kommen. Sie betitelt damit einen Bericht über das (angebliche) Chaos beim FC Zürich. Der langjährige Anführer der ersten Schweizer Fußballliga kämpft seit geraumer Zeit mit einem eigenartigen Leistungsabfall, der im letzten Herbst in einer sehr gebrauchten Saison vorerst endete. Daraufhin brach eine heftige Diskussion los, welche Personen geschaßt, welche gestärkt, welche geholt werden sollen. In allen Bereichen des Vereins.

Aber es scheint besonnene Gestalten in dem Chaos zu geben. Die nun darauf hinweisen, daß es keinen Sinn hat, über Personen zu sprechen. Denn erst einmal muß der Verein seine Strukturen (wieder) ordnen, dann erst könne jeder an seinem Ort auch Arbeit abliefern, die bewertet werden kann. Die Struktur muß vorgeben, wo die Kompetenz einer Figur liegt, das kann sich nicht aus Einzelpersonen ergeben.

Es ist immer erst der Ort, der gegründet sein muß. Und in ihm ist die Ordnung, die allen Teilen dieses Systems seinen Platz zuweist. Diesen Platz haben dann alle zu erfüllen, die ihn ausfüllen. Das heißt, die sich darauf transzendieren, die Sache dieses Ortes - seine Beziehungen, seine Forderungen in diesen zu genügen - zu erfüllen. Dort kann sich zwar dann auch persönliche Eigenschaft, die "eigene Art" einflechten, und sie ist nicht einmal unwichtig, aber geht man nur von persönlichen Eigenschaften aus, kann das im allerbesten Fall die Lebensunfähigkeit eines Organismus vortäuschen. Die dann zusammenbricht, wenn diese Figur aus dem Spiel geht.

Deshalb wird der Bericht schon im zweiten Satz unpräzise und widerspricht sich selbst. Wenn es da heißt, daß es eine Person braucht, bei der alle Fäden zusammenliefen. Nein, es braucht keine Person, es braucht einen Ort, an dem alle Fäden zusammenlaufen. Es braucht nur eine Person, die diesen Ort ausfüllt.

Wenn ein Organismus ein Wesen haben will, also ein Organismus sein will, der "einen Namen" haben und erwerben will, dann muß ihm das Wesen vorausgehen. Und das ist er als Ort mit einer Ordnung.

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Und plötzlich tritt noch etwas auf - die Antwort auf die Frage nach der Bezahlung. Denn wenn es heute hier und dort Supergagen gibt, und zwar wirkliche Supergagen (man denke an manche Managergehälter bei Banken), dann hat es genau diesen Hintergrund. Weil sich auch Wirtschaft nicht mehr über Strukturen regelt, sondern überall findige "Schlitzohren" braucht, die aus einer nicht mehr lebendigen, vorhandenen Struktur doch noch große Gewinne herauswürgen. Bezahlung richtet sich damit nicht mehr nach Stand und einer Bedeutung, die sich aus der Struktur selbst ergibt, sondern nach zufälligen Kriterien, eigentlich aus einer Fähigkeit zum Verstoß gegen eine Ordnung.

Es braucht damit überall Personen, die nicht mehr Orte ausfüllen, also Normalität herstellen, sondern Leute, die ständig gegen Normalität verstoßen. Damit schiebt sich die Weltwirtschaft in immer höherem Tempo in einen Zustand höchster Fragilität. Ziel ist nicht mehr eine Struktur - ein Organismus, ein Gebäude - das möglichst lange besteht (und deshalb natürlich auch Gewinne machen muß, zumindest im Durchschnitt), sondern Zufallsbanden, die möglichst rasch möglich viel Geld herauspressen. Und dann wirft man die leere Hülle (die nur noch zur Camouflage wird) weg.

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Und dieses Prinzip läßt sich buchstäblich auf alles übertragen, womit wir es überhaupt in der Welt zu tun haben. Nur von hier aus kann man diskutieren, nur von diesem Verständnis aus kann man verstehen, warum so vieles funktioniert und nicht funktioniert. Zumal die Entwicklung seit langen langen Jahrzehnten genau darauf hinausläuft, überall die Strukturen - das Wesen von Dingen generell - in Frage zu stellen, und sich nur noch mit den Personen zu befassen, die angeblich ausschlaggebend dafür sind. Familie, Ehe, Politik, Wirtschaft, einfach alles. Wenn es heute um Wesen geht, dann nur, um zu etablieren, daß das Wesen eines Ortes darin besteht, KEIN Wesen aufzubauen. Oder sogar ein Wesen, das die Zerstörung von Wesen zum Inhalt hat.

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Wir haben an dieser Stelle schon oft darauf hingewiesen, daß Menschsein ohne Kultur undenkbar ist. Nicht als Hinzugekommenes, sondern als die Art und Weise, wie man Mensch ist. Aber man muß noch mehr dazu sagen. Man muß auch sagen, daß man von Kultur (ja, vom Menschsein damit) nur sprechen kann, wenn sich die Menschen auf einen Ort hin selbst überschreiten, transzendieren. Auf ein Wesen hin. Wo es keine Wesenseinheiten, keine Organismen gibt, also keine eindeutigen Begriffe, damit keine Namen, gibt es auch keine Kultur. Sondern nur Menschen, die irgendwie durchzukommen trachten, und verzweifelt inmitten eines Fehlens von Kultur irgendwie irgendetwas versuchen, und dabei wild um sich schlagen. Ohne Orte, ohne Strukturen, die sich auf ein Wesen beziehen bzw. dieses darstellen, gibt es keine Kultur, und damit kein Menschsein.





*171218*

Dienstag, 19. Juni 2018

Wer für Island Fußball spielt

Island hat zur WM in Rußland, wo es wieder einmal eine entzückende Rolle spielt, dreiundzwanzig Fußballer aufgeboten. Ganz offiziell gibt es dort auch nicht mehr, also - kaum. Hundert sind gemeldet. Aber wahrscheinlich haben siebensiebzig sich unter die Zuschauer gemischt oder sich am Vodka zu sehr vergnügt. Denn die Presse bringt nun diese Graphik. Mehr als dreiundzwanzig Fußballer bleiben gar über, rechnet man ab, was sicher nicht spielen kann ...


Graphik: Die Presse




*180618*

Freitag, 12. Februar 2016

Auf Laien übergegangener Unfehlbarkeitsanspruch

Das Thema wird noch weiter vertieft werden, soviel ist absehbar, weil es Schlüssel zu vielem Verständnis ist. Und weil es ständig berührt wird, wenn man einmal begonnen hat, es im Hintergrund zu sehen. Die Rede ist von der Verlagerung des Christentums von der Seite einer "Amtskirche" hin zu einer Laienkirche, wir haben hier schon darüber gesprochen.

Und eine Klarsprechung tut not. Denn die täglichen Agenden, die sich aus den durch die Globalisierung immer häufigeren Berührungspunkten mit anderen Religionen und Kulturen ergeben, zeigen die Verwirrung, die aus dem Mangel an Differenzierung entstehen. 

Nehme man etwa die Diskussion, ob die Trainingslager deutscher Fußball-Erstligisten in Katar ethisch zu rechtfertigen seien, oder nicht. Ob vor allem die "Menschenrechte" 

Nun ist unser Begriff der "Menschenrechte" bereits ein völlig säkularisierter, also laisierter ethischer Begriff! Der sich wie jedes Reden vom Menschen daraus speist, was denn der Mensch überhaupt sei. Das aber, werte Herrschaften, führt direkt dazu, wie sich der Mensch seine Entstehung und seine Verantwortung denkt. Es führt also zu religiösen Fragen. Und da stellt man etwas Erstaunliches fest:

Während nämlich die (klerikale, amtlich-institutionalisierte) Kirche (und wer von Abendland und Christentum spricht, spricht automatisch von der römisch katholischen Kirche, das ist ohne jeden Punkt und ohne Komma ein Tatsache) mehr und mehr ins Niemandsland abgedriftet ist, wo sie nicht mehr weiß, was es überhaupt heißt, Wahrheit zu vertreten, ja zu repräsentieren (also: zu sein), sich selbst als Religion unter anderen schon ganz offen relativiert (was ihr natürlich nur Verachtung von allen anderen Religionen einbringen kann, aber auch von eben diesen Laien, denn ...), kommt der zutiefst und nach wie vor (weil prinzipiell) ausschließlich aus dem Christentum heraus motiverte wie erkennbare Menschenrechtsanspruch, der schon lange in den Händen der Laien liegt, sich weltweit verabsolutiert. 

Nur daraus ist verständlich, daß Politiker gerade der moralischesten, also der zutiefst Religion und Politik nicht differenzierenden politischen Anstalten unserer Länder wie die Grünen Beschwerde führen, daß man es als Europäer nicht dürfe: Die Gegebenheiten in einem Land zu nützen, die nur bestehen, weil notorisch weil kulturell bedingt Maßstäbe gelten, die für das laisierte Christentum "unethisch" sind. Was zu sagen nur möglich ist, wenn man von dem ausgeht, wovor jeder Kleriker mittlerweile die Hosen bis zum Bauchnabel voll hat: daß nämlich diese christlich-abendländisch motivierten "Werte" überall zu gelten hätten.

Auf diesen neuen Unfehlbarkeitsanspruch näher einzugehen, die Rolle dieses Anspruchs auf Absolutheit, die Wirkfaktoren, die dazu geführt haben näher zu untersuchen - das scheint doch lohnend? Zumal sich dem VdZ allmählich ein Bild der intellektuellen Landschaft von Personen wie Claudia Roth enthüllt (siehe auch das verlinkte Video), das mit "Schlichtheit" noch sehr sehr sanft umschrieben wäre. Denn das Wort "dumm" ist doch eher unschicklich; einer Dame gegenüber ... so wahr es wohl sein könnte. Die da meinte, kulturelle Unterschiede könne es beim Essen geben, aber doch bitte nicht bei Menschenrechten! Das lernt man doch in jeder Dorfschule Niedersachsens, daß Menchenrechte überall zu gelten hätten?

Solche intellektuelle Kapazität würde freilich in jedem Fall und mit künstlerisch gestalthaftem Blick geurteilt eher in eine etwas kargere Umgebung passen als dem wunderschönen Niedersachsen eigen ist. Und zwar in höchstem und tiefstem Sinn. Etwa in solche wie sie Wüsteneien wie Kathar eignen, in denen Bayern München oder Borussia Dortmund seine Fußballer für die Saison zu wappnen alpenländischen Winterlandschaften (voller laisiertem Christentum) vorzogen. Vielleicht aus demselben Grund, nur mit anderem Recht? Weil sie sich nämlich nur um eines zu kümmern haben könnten: um Fußball. Nicht um Politik. Die Zeiten, wo Fußballvereine sich mehr um staatspolitische Ziele fördernde Propaganda zu kümmern hatten als um Fußball sind dabei in unseren Ländern noch nicht einmal vergessen. Und so manche dürften das auch gar nicht wünschen.





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Mittwoch, 4. November 2015

Lust auf mehr

Wenn der geneigte Leser so wie der VdZ an Fußball interessiert ist, und Lust hat auf die Erkenntnisse eines einmal wirklich intelligenten Spielers, der sollte diese Interview mit dem seinerzeitigen Tormann Jens Lehmann im österreichischen Standard lesen. Es macht Lust auf mehr. Denn dieser Mann scheint den Fußball als Spiel wirklich reflektiert zu haben, aber mehr noch: daraus den Fußball ins Ganze einordnen zu können. Vernunft ist eben nicht einfach ein rationales Summenziehen. 

Damit zeigt er, daß man eben wirklich in allem das GANZE Leben erfahren kann, wenn man sich hingibt, und somit AN einem Material reift. Welches ist gleichgültig, das bestimmt nur die inhaltliche Färbung. Anders geht es aber nicht. 

Mit Lehmann zu sprechen könnte also zwar wirklich von Fußball, noch mehr aber sogar vom Leben begreifen lassen, weil der ehemalige Torwart es geschafft haben dürfte, das Vereinzelte - Fußball - recht weit schon ins Eine und Alle zurückzuführen. So wird Einzelposition, Individualität, wirklich zu einem Blickwinkel, der durch diese Subjektivität der Individualität das Ganze noch weiter ausleuchtet, noch deutlicher erkennen läßt.




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Dienstag, 14. Januar 2014

Nationale Mythen

Im oberschlesischen Königshütte (poln. Chorzow), das 1921 trotz 75%igem Votum für den Verbleib bei Deutschland Polen zugeschlagen wurden, gründet einer der Volksmythen der Polen. Und er entstand bei einem Fußballspiel, dem ersten, das gegen den großen Bruder Sowjetunion (mit der Legende Jaschin im Tor) geführt - und gewonnen wurde. 1957 siegte Polen 2:1, und die 100.000 Zuschauer im Königshüttener Naturstadion sangen in Siegesfreude erstarkt erstmals öffentlich die polnische Nationalhymne, als Bekenntnis zur eigenen Nation: Hier war wieder der Geist sichtbar geworden, aus dem das so schwer geprüfte Land seine Existenz rechtfertigt und nährt. Eigentümlich genug: Aus dem 36 Jahre zuvor annektierten Schlesien erstanden in den 1950er-1960er Jahren jene Fußballvereine, die Polen über den europäischen Fußball, über das Außen, Identität gaben.







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Dienstag, 17. Dezember 2013

Eine Legende

62jährig, ist er nun an Krebs gestorben. Walter Frosch, Fußballerlegende des FC St. Pauli in Hamburg, Verteidiger, und in der Jahrhundertelf des Vereins. Der durchaus die Kneipe und das offene Leben schätzte. Der Standard schreibt:

Den früheren Schalker Nationalteamspieler Erwin Kremers hat der gelernte Schornsteinfeger zu seiner Zeit bei Kaiserslautern einst bei einem Heimspiel auf dem Betzenberg gleich am Anfang "dreimal über die Bande gehauen, damit da Feierabend war", wie Frosch damals sagte. Kremers hielt es ganze 18 Minuten auf dem Platz.

Der ausgiebige Zigarettenkonsum war für ihn ebenso charakteristisch wie diverse Sauftouren, auch mal am Abend vor einem Spiel. Da soll es im angetrunkenen Zustand im Morgengrauen sogar zu Wettrennen um Bierfässer gekommen sein. Kurz vor dem Spiel erklärte Frosch einmal seinem Trainer die roten Augen dann pfiffig mit einer "Bindehautentzündung" - und ging später wie selbstverständlich seinem Job als Verteidiger nach.
 
Sogar bei Bayern München wäre Frosch, der eine Einladung zur deutschen B-Nationalmannschaft mit den Worten "Entweder A-Mannschaft oder Weltauswahl" ausschlug, fast einmal gelandet. Die prägnanteste Zahl seiner Karriere waren aber nicht die 122 Erst- und Zweitligaspiele oder die elf Tore, die er dabei erzielte, sondern insgesamt 18 Gelbe Karten, manche sagen 19, die er in der Zweitligasaison 1976/77 sammelte. Unter anderem deshalb führte der DFB die Gelbsperre ein. Man nannte Frosch den Grätschenkönig.


R. i. p.







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Donnerstag, 20. Juni 2013

Ein Leben

Als der österreichisch-ungarische Fußballspieler Bela Guttmann als Trainer von Benfica Lissabon 1962 entlassen wurde, stieß er einen Fluch aus: Benfica würde in 100 Jahren keinen internationalen Bewerbe mehr gewinnen. Seither HAT Benficfa - in sieben Endspielen! - keinen dieser Bewerbe mehr gewonnen. Zuletzt heuer, 2013, beim 0:1 gegen Chelsea, wo das die Niederlage trotz überlegenen Spiels besiegelnde Tor in der 93. Minute gefallen war.

Guttmann war in jener Mannschaft der Wiener Hakoah, dem damaligen österreichischen Meister, der 1925 als erste kontinentale Fußballmannschaft gegen einen englischen Verein, West Ham, auf englischem Boden gewonnen hatte, und das gleich mit 5:0. Nach schillerndem Lebenslauf - Besitzer einer Bar in New York, Mitbesitzer einer Bank, die 1929 pleite ging - landete er in Lissabon als Trainer einer Mannschaft rund um den phänomenalen, erst 20jährigen Eusecio. Man entließ ihn, als er nach dem Gewinn des Europacups der Landesmeister 1962, in einem legendären Finale gegen Real Madrid, eine Gehaltserhöhung verlangt hatte. 

Benfica schien damals freilich seine Fußballmannschaft aus Prinzip sehr kurz zu halten. Der aus einfachsten Verhältnissen stammende, bescheidene Eusebio, der alleine dem Verein zahllose Triumphe einbrachte, war auf 15 Jahre vertraglich gebunden, bei einem fixierten Gehalt von einigen wenigen hundert Dollar aber gerade in der Lage, zu überleben. Während man seine Ablösesumme so hoch ansetzte, daß kein Verein sie bezahlen konnte.

Wo Guttmann ab 1939, wo er mit Ujpest Budapest als Trainer den Mitropa Cup gewann, verblieb, blieb ein Rätsel, er verriet es nie. Sondern tauchte 1945 wieder in Budapest auf - und sprach perfekt Portugiesisch. Auf inoffiziellen Listen war er 1952 im Betreuerstab jener ungarischen Fußballmannschaft geführt, die bei den Olympischen Spielen in Helsinki Gold gewann. 1956 tauchte er als Begleiter einer ungarischen Fußballmannschaft um Ferenc Puskas auf, die nach einer Auslandsreise nicht mehr in die Heimat zurückgekehrt war, und noch einige Zeit auf Tournee ging. Er gilt als Erfinder des 4-2-4-Systems, das Brasilien 1958 zum Fußballweltmeister machte. 1959 holte er als Trainer des FC Porto auf Anhieb die nationale Meisterschaft, ehe er zu Benfica wechselte, und 1961 und 1962 den Pokal des Europäischen Cups der Landesmeister holte. 

Nach seinem Abgang in Unfrieden war aber auch seine Erfolgsserie zu Ende. 1964 war er, nach häufigen Wechseln, noch für einige Monate Trainer der österreichischen Nationalmannschaft, wurde aber wegen antisemitischer Äußerungen entlassen. Danach war er noch mal hier, mal dort, u. a. bei der Wiener Austria. Er starb 1981 in Wien. 

Benfica hat seither nie mehr einen internationalen Titel geholt.




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Sonntag, 5. Mai 2013

Von Spielebrechern

Na, schreibt Leser L dem Verfasser dieser Zeilen, das haben Sie davon, von Ihrer Idealisierung des Fußballs. Da droht ein italienerischer Spieler (noch dazu - Anmerkung: ? - montenegrinischer Herkunft) der Juventus Turin den anrückenden Bayern aus München vor dem Viertelfinalspiel in Turin mit "Krieg!" Hat der nicht vergessen, daß es sich um ein Spiel handelt? Zeigt das nicht, womit wir es beim Fußball zu tun haben? Mit beinharter Realität? Aber Gott sei Dank hat Rummenigge die richtige Antwort gegeben: Solche Rhetorik hat nichts am Fußballplatz verloren, schon gar nicht von jemandem, der wissen müßte, was Krieg bedeute.

Mitnichten, guter L, mitnichten, und zum Gegenteil. Schon Kinder spielen Krieg, und sie tun, was Spiel eben bedeutet: Wirklichkeit simulieren, der der Ernst aber fehlt. Und dazu gehört das Balzverhalten von Spielern genauso, wie das Blecken der Zähne und das Klopfen auf den Schild. Das weiß mit Sicherheit der Italiener nicht weniger, als Rummenigge. Beweis? Dieses Spiel ist jederzeit zu beenden. Von allen. Und zwar in dem Moment, wo alle sagen: So, Schluß. Damit zerplatzt der Rahmen, aus dem heraus alles was im Spiel passiert ist, gedeutet werden muß und kann.

Der aber, der etwas aus dem Spiel herausgreift, und es in die ernste Realität versetzt, DER ist der Spielverderber. Er hat nicht einmal mehr die Freiheit, das Spiel wirklich zu spielen. Er sieht nicht den abgezirkelten Raum, in dem es stattfindet, sondern dieser Raum scheint überhaupt schon disponibel, je nach Element, das im Spiel vorkommt. Er zerstört die Sonderwirklichkeit, in der alles zwar sachlich den ernsten, wirklich aber den nicht-ernsten Regeln folgt, um sie als Rosenköpfchen auf sein ernstes Jackett zu stecken. Das gehört sich nicht, und das macht die Bayern auf eine Weise lächerlich, die ihnen nicht vergönnt werden soll. Die bei der Pressekonferenz anstatt Betroffenheitsminen lieber zurückfeuern hätten sollen: "Wir schießen zurück! Tritt um Tritt, Tor um Tor, Gurkerl um Gurkerl!" Das hätte gesessen, wenn ein Ribery mit empörter Handgeste angedroht hätte, daß er als Antwort diesen Vucinic tunneln würde, daß der meine, er sei soeben seiner montenegrinischen Männlichkeit beraubt worden. Damit wäre alles im Spiel (und unter Männern) geblieben.

Rummgenibbe aber macht aus Spiel Ernst, und will es plötzlich doch auf der Betulichkeitsebene der seriösen Wirklichkeit sehen. Da aber gehört es niemals hin. Die Italiener, die nichts taten ... als spielen, die wissen das. Selbst wenn der kicker schreibt, daß sie um jeden Grashalm gekämpft hätten. Daß alles Spiel war, hat sich im Spiel bewiesen, und in den Reaktionen auf ihre Niederlage. Die vergessen sogar oft, daß es überhaupt auch Ernst gibt. Denn den gibt es nur in einer anderen Sphäre. Bei denen finden sogar Parlamentswahlen nur als Spiel statt, nach deren Abführung sich herausstellt, daß die Gewählten den Ernst einer Regierung gar nie auf sich nehmen wollten. Und kein Italiener ist ihnen böse.

Wie? Der geneigte Leser meint, daß doch auch die Bayern nur spielten? Daß also die Betroffenheitsmimik gleichfalls nur die - nationalspezifisch eben unterschiedene - Kammschwellung des Gebalzes in der Arena wäre? Naja, das könnte natürlich etwas haben.




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Freitag, 22. März 2013

Auch das ruiniert die Politik (3)

Teil 3) Was das Zusehen mit dem Zuschauer macht -
samt einem kleinen Exkurs zum Theater





Wenn also der Blick in die Antike deutlich macht, in welch kultischem Rang Sport einst gestanden ist und es im Grunde ohne Abstriche heute noch tut, so ist das keine "bedauerliche Entgleisung", sondern wurzelt tief im Wesen des Menschen, in seinem Dasein in einer gefallen menschlichen Natur. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Den Sport als minderwertiges Brot für die primitiven Massen abzutun entspringt derselben Herzensquelle wie die, das Rosenkranzbeten der alten Frauen vor jeder Messe oder so viele der einfachen religiösen Bräuche, die im Kirchenjahr zu finden wären und ohnehin schon so ausgedünnt sind, immer seltener noch weitergegeben werden, milde und dabei abwertend zu belächeln. Er ist auch weit mehr als "vermassendes Erlebnis", so sehr er zu diesem werden kann. Auch diese Bewertung geschieht meist viel zu voreilig, und bezieht ihre Kraft aus einer völlig verkehrten individualistischen, Sicht des Einzelnen, die ihn monadisiert. 

Schon darin wird es deutlich, zu sehen, was das Theater - als säkularisierter Ast des Heiligen Kults, der aber am selben Stamm wächst - als allererstes konstiert. Und das ist der abgezirkelte Raum, der die Trennmauer zieht zwischen Spiel - und Ernst. Die meisten Vorwürfe, die man manchem Unwesen des Sport seinen Wirkung auf Zuseher betreffend macht, beziehen sich deshalb ausschließlich auf die mangelhafte Abgrenzung von Spiel und Ernst. In einer Welt wie der heutigen, wo die Welt selbst zum Spiel verkommt - eine der katastrophalsten Auswirkungen des Sozialstaates - ist es nicht verwunderlich, wenn der Bezirk des Spiels mangels Abgrenzung auf den Ernst des Lebens selbst übergreift. Den es für viele ja gar nicht mehr zu geben scheint. Ja, sogar der große Begriff der Liebe wird ja längst zum Plättungswerkzeug mißbraucht, um die Lebenswelten aufzulösen. Genau damit aber löst man die Liebe selbst auf.

Nicht jede Ansammlung von Menschen ist also das, was man mit "Vermassung" bezeichnen darf. Selbst der Beleuchtungsunterschied zwischen Bühne (Spielfeld) und Zuschauerraum trägt dabei seine Bedeutung. Denn zwar ist im Dunkel des Auditoriums die Figur des Einzelnen nicht mehr vorhanden, aber gerade durch dieses Dunkel ist es ihm möglich, bei sich selbst zu bleiben, ohne jede Mühe des Weltseins, und damit für sich zu erleben, was er eben erlebt. Während im Spiel (Kunst, Sport) das Leben selbst damit gewissermaßen gefeiert, ausprobiert wird, ist die politische Masse bzw. Vermassung eine sehr ernste Größe, die nicht jederzeit abzubrechen ist, und alleine aus diesem Umstand den wesentlichen Unterschied klar macht.

Sohin befinden wir uns, aus einer anderen Richtung kommend, aber wieder mitten im Ausgangsthema dieser Ausführungen. In dem es nämlich um die Frage nach Berechtigung und Ursprung von "Ablösesummen" geht. Die seinerzeit den niederländischen Spieler Bosman dazu bewegte, seinen Verein zu verklagen - und zu seinen Gunsten von den Gerichten entschieden wurde. Um die Deformierung zu erfassen, die dieses Urteil selbst bereits war, das nämlich von einer Fehlbewertung vermeintlicher Menschenrechte erwuchs, müssen wir uns mit dem Verhältnis Spieler (Akteur) und Verein befassen. Es wird zum exemplarischen Fall in einer viel grundsätzlicheren Hinsicht - weil es eine Auseinandersetzung mit den Zusammenhängen zwischen Person und Gemeinschaft geht.




Teil 4 demnächst) Über die Zusammenhänge des Einzelnen 
mit der Gemeinschaft, oder: Persönlichkeit heißt nicht Individualismus





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Donnerstag, 21. März 2013

Auch das ruiniert die Politik (2)

Teil 2) Kleine Philosophie des Sports





Sport, damit auch Fußball, funktioniert nur durch identifikation. Der Verein, auch repräsentiert durch die Charaktere der Spieler, wird zu einem puppenartigen Teil des Ego, den man in den Wind des Wettbewerbs steckt. Das Schicksal ist ungewiß - Sieg oder Niederlage werden zum Selbsterlebnis. Ohne Zuseher ist Sport sinnlos. Ihn zur Körperertüchtigung umzudeuten, ihm also einen Zweck zuordnen zu wollen, lächerlich. Die Schäden des Leistungssports für seine Ausübenden sind bekannt und gewaltig. Wer 20 Jahre Leistungssport betreibt, ist meist ein körperliches Wrack, muß fortan mit beträchtlichen Folgen legen. Sofern er nicht überhaupt durch Unfall oder Verletzung eine Behinderung zu tragen hat.

Wer bei einem Fußballspiel zusieht, muß deshalb leiden wollen, und können. Das macht ihn in seinem anthropologischen Wert viel interessanter, als oft abwertend gemeint wird. Und nicht zufällig sind oft größte Künstler und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens eingefleischte Fußball- bzw. Sportanhänger. Deshalb sind auch die größeren Unterschiede in der Bewertung des Sports in seiner Publikumsauswirkung innerhalb von Sportarten zu suchen. Sportarten wie Fußball haben sehr viel Ähnlichkeit mit Theateraufführungen, ihre aktualistische Komponente, das Verschwimmen von Bühne und Zuschauerraum, das Durchbrechen des Bühnenraums, der vierten Wand also, gehört deutlich mehr zu ihrem Wesen. 

Wobei oft übersehen wird, daß auch für die Bühne der Zuschauer konstituierend ist - nichts tötet eine Vorstellung so gezielt, wie ein Publikum, das nur "neutral" zusehen will. Auch das Spiel auf der Bühne ist ein "Spiel für", hat essentiell dialogischen Charakter, ist immer ein "wir". Kein Autor, der nicht in Wahrheit einen Dialog mit dem Leser führt, wenn er schreibt, kein Sänger, der nicht "für" seine Zuhörer singt und im Vortrag selbst in einem aktuellen Geschehen steht, das in diesem Moment entsteht. Auch die "hohe Kunst" also ist immer ein aktuelles Geschehen, und damit ist die Verbindung zur Sportaufführung viel enger, als oft gemeint wird.

Was den Sport aber unterscheidet ist, daß der Lenker des Geschehens nicht ein Mensch ist, sondern die immer aktuelle, nie vorauswißbare Wirklichkeit selbst. Das macht ihn somit auf eine Weise zu einem religiösen Erlebnis, die staunen macht. Und zwar nicht simpel als "Ersatzreligion", sondern tatsächlich zu einem Element des Religiösen als anthropologische Dimension selbst. Vielfach wird Sport sogar schon zum einzigen Ort religiösen Erfahrens. 

Und ist eine einzigartige Metapher für die Welt selbst. Herr über das Geschehen am Spielfeld ist nicht der Mensch. Und ist auch nicht das Geld. Der Mensch kann nur tun, was er zu tun in der Lage ist. Aber das Ergebnis, der Sieg oder die Niederlage oder das Unentschieden, die Zuweisung eines Platzes in der Ordnung der Welt also, ist nicht bestimmbar. Der Zuseher wie der Akteur muß also eine enorme Bereitschaft zum Sterben mitbringen. Tut er das nicht, randaliert er zum Beispiel, wenn das Ergebnis nicht seinen Wünschen (nach Sieg, nach Heros) entspricht, so zeigt das bereits eine gefährliche Schieflage an, die aber einem der zerstörerischesten Grundzüge unserer Zeit entspricht - dem Charakter der Schmerzvermeidung, dem Rationalismus der Weltplanung und -beherrschung. 

Das zeigt einmal mehr den Zusammenhang zwischen dem Ort, an dem ein Verein, ein Sportler ansässig ist, "für" den er also antritt, und dem Charakter der Mannschaft. Wirkliche Sportfans haben sich in Freud UND Leid an ihren Verein gebunden, und ihr eigentlicher Gewinn ist die Ernüchterung, die dem willigen Tragen des Kreuzes entspringt. Auch Sport ist also nicht raumlos möglich. Virtuelle Mannschaften, "Retortenvereine", waren auch noch nie jene Vereine, die auf Dauer Erfolg haben, ja überhaupt bestehen konnten. Und das hat nur marginal mit wirtschaftlichen Faktoren zu tun - diese drücken das nur aus. Jene Sportanhänger, die einen Sport nur wegen der vorgeblichen Kunst verfolgen, die die hohe Beherrschung des Geschehens entspringt, sind zum einen selten, zum anderen lügen sie meist, verbergen, daß sie sehr wohl Partei ergreifen.

Die Rolle des Sports für das Selbstgefühl eines Ortes, einer Landschaft, einer Nation gar, ist deshalb kaum zu überschätzen. Nirgendwo findet sich das so explizit erfaßbar, wie in totalitären Systemen. Wo dieser Aspekt sogar zum ausschlaggebenden wird. Denn gerade das totalitäre System will seinen Platz in der Welt nicht dem Willen höherer Vorsehung überantwortet wissen, sondern selbst bestimmen, ja es bezieht seine Rechtfertigung gerade aus einem formulierten Anspruch auf einen solchen Platz.

Gleichzeitig soll an dieser Stelle auf einen anderen Umstand aufmerksam gemacht werden: Daß nämlich oft die Vereine mit den treuesten Anhängern nicht selten gar nicht die Vereine sind, die in diesem Fußballkonzert der Giganten eine große Rolle spielen. Sie kommen selbst unter die Räder. Warum? Weil diese Struktur des Fußballs bereits einen Technizismus erfordert, der dieser Verwurzelung entgegensteht, sie verunmöglicht. Vereinfacht formuliert: Jene Vereine haben Vorteile, die sich um das Wesentlichste des Sports nicht mehr kümmern, sondern funktionalisiert agieren, den Anforderungen des "business" mehr und besser entsprechen. Egal in welchem kulturell-zivilisatorischen Bereich haben immer jene die kurzfristigsten Vorteile, die diesen Technizismus als erste weil am skrupellosesten umsetzten. 
 
Das ist im wesentlichen sogar die Geschichte der meisten "Großen" der Weltgeschichte. Und es prägt auch die Geschichte des sportlichen Wettkampfs. Wer als erster eine bislang immanente, selbstverständliche Regel des Anstands, der Ethik bricht, hat kurzfristig einen Vorteil. Der Kriegsherr, der Massenheer-Wirkung statt Einzelkämpfertum eingesetzthat, der machiavellanische Politiker, der die Lüge benützt, um eines vermeintlich höheren Zieles willen. Das Aussetzen der Regeln der Gegenwart, das "kurzfristige" Aushebeln der Wirklichkeit also, im Namen einer besseren Zukunft - es ist das Wesen der politischen Utopie. Und es läßt sich auch im Sport eindeutig feststellen. 
 
Und die Politik hat genau das verschärft, ja es gehört heute zu ihren wesentlichen Wirkungen. Weshalb ihre Einzelzielsetzungen immer ausschließlicher nichts anderes mehr sind als Versuche, "Nebenwirkungen" ihres eigenen Versagens (als Verstoß gegen das Prinzip der Politik selbst) wieder zu bereinigen. Womit sie mit derselben Gesetzmäßigkeit wie im Schneeballsystem nächste (technizistische) Fehlentwicklungen auslösen. Ein Spiel ohne Ende, in dem die Politik die Probleme, die sie zu beseitigen verspricht, lange schon selbst schafft. Sie ist damit zum Selbstläufer geworden, an anderer Stelle wurde bereits darüber gehandelt.
 
Fassen wir also in einem Zwischenschritt einmal zusammen - indem wir uns vor Augen stellen, daß Sport mit Vermassung gar nicht originär zu tun hat. Daß deshalb in seinem Rahmen das Phänomen Fußball weit eher unter Regeln des Kultes und des Theaters zu sehen ist.




Teil 3 morgen) Was das Zusehen mit dem Zuschauer macht - 
samt einem kleinen Exkurs zum Theater






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Mittwoch, 20. März 2013

Auch das ruiniert die Politik (1)

Die Politik regelt eine Erscheinung, und löst einen Rattenschwanz an Reaktionen eines natürlichen Systems - das sich aus Selbstinteressen der Entfaltung entwickelt -  aus, die sich um diese Entscheidung herumbiegen wollen, weil müssen. Wir kennen das zur Genüge, haben es an zahlreichen Beispielen vom "zweiten Leben" in totalitären Systemen immer wieder darzustellen versucht.

Wenn nun einer der Sprecher des Fußballvereins FC Bayern München, Karl Heinz Rummenigge, im Fachblatt kicker verlauten läßt, die Politik solle sich um Gottes willen aus dem Fußball heraushalten, so hat das exakt denselben Hintergrund. Rummenigge verweist nämlich auf eine Regelung, die bereits 1995 die Politik vornahm, und deren Auswirkungen fatal waren. 

Im Zuge des sogenannten "Bosmans-Urteil" - den genauen Ablauf des Falls aus 1995 mit seinen Folgewirkungen schildert der Stern - kam es nämlich zu einer Regelung durch die Brüsseler Behörde. Im Glauben, Mißstände abzuschaffen, griff die Politik in die Speichen des Fußballs, und verbot einfach Ablösesummen. Aus dem vermeintlichen Schutz der Fußballer wurde eine Dynamik, die mittlerweile die gesamte Struktur des europäischen Fußballs nachhaltig beeinflußt, ja zerstört hat. Die realen Folgen, die diese Einmischung in einen an sich stabilen Organismus "Fußball" nach sich zog, in denen das natürliche Interesse und Leben der Vereine Wege und Auswege suchte, sich zu erhalten, waren Konzentrationsprozesse bei den Vereinen, enorme Steigerungen bei den Gehältern von Spielern auch eher durchschnittlicher Fähigkeiten, und vor allem eine Zweiteilung des europäischen Fußballs in eine "Königsklasse" und "den Rest". Mit einer kaum noch zu durchstoßenden Trennwand. Nur noch Vereine mit gewaltigen Budgets sind in der Lage, dieses Tempo mitzumachen, das durch die Logik des medialen Interesses auf immer weniger Vereine eindampft. Gleichzeitig schneiden sich Vereine ihre Fundierung in ihrem Raum ab. Eigener Nachwuchs kommt immer schwerer und seltener in die Hauptmannschaften, und der Umgang mit Talenten wird immer extremer - für die Talente, wie für die Vereine.

So wie ein Fernsehkonsument mit der Zeit nur noch die Darbietungen immer weniger als Maßstab erfährt - und verlangt - verliert der Fußball (in diesem Fall, sinngemäß gilt dies für alle übrigen Sportarten) seinen Unterbau, seine Verankerung als Sportverein "für alle", aus dem in Ausleseprozessen und Kämpfen die Spitze hervorgeht. Ein, zwei Dutzend Vereine maximal bestimmen heute das Fußballgeschehen in ganz Europa, und innerhalb dieser kleinen Gruppe dominieren wiederum einige wenige. Die finanzielle Basis hunderter, tausender Vereine, die noch 1967 einen Wettkampf zwischen dem Wiener Sportklub und Juventus Turin (7:0) zu einem immer wieder möglichen Überraschungsereignis machten, ist nicht ausreichend, und wird es auch nie sein, um diesen Gigantenwettbewerb mitzugehen. 

War es vor dem Bosmans-Urteil und der darauf folgenden Regelung noch gewöhnliche Praxis, aus dem Verkauf von Spielern aus dem eigenen Nachwuchs das Budget europaweit in halbwegs ähnlichen Proportionen zu halten, ist dies heute unmöglich. Große Vereine suchen europaweit bereits in frühestem Stadium nach Talenten, um sie an sich zu binden. Ligen kleinerer Länder verkümmern zum langweiligen Rest vorausgesuchten Mittelmaßes. Überall, nicht nur in Österreich. Während gleichzeitig der Anteil an Spielern die nicht aus dem EU-Raum stammen, die aber nicht diesen Regelungen unterliegen, enorm gestiegen ist, und auch damit heimischen Spielern - selbst wenn sie talentierter wären - den Platz in den Mannschaften wegnehmen. Kaum eine Mannschaft in Europa, die nicht ein oder mehrere Spieler aus Afrika oder Südamerika beschäftigt. Über die genauen Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge möge sich der geneigte Leser ein Bild aus Fachmedien machen, es hier zu wiederholen ist nicht der Platz.

Aber es wäre nicht heutige Politik, wenn sie nicht wie die EU jetzt versuchte, die selbst ausgelösten negativen Entwicklungen durch weitere Regelungen wieder eindämmen zu wollen. In 8 Punkten - der Kicker stellt sie vor - sollen nun alle diese Fehlentwicklungen zumeist durch Verbote korrigiert werden. Die Folgen sind absehbar: Aus noch mehr Regelungen von oben werden noch mehr Fehlentwicklungen folgen, das ist so sicher wie das Amen im Gebet. So wie in allen Bereichen die die Politik sich vornimmt, die in dem Appell enden: "man müßte nur ..." In denen zugleich die Sollbruchstellen vorgegeben sind, die Dolchstoßlegenden a priori, mit denen das Scheitern der Bösartigkeit der aus allem natürlichen Gleichgewicht geschobenen Organismen zugeschrieben wird. Und sich die Politik jeder Verantwortung begibt - nicht SIE war es, nein, es war die Schlechtigkeit der Menschen. Denn damit konnte ja niemand rechnen.

Niemand? Jeder. Jeder, der noch einen Funken Verstand bewahrt, diesen nicht in utopistische, zweitwirkliche Rationalismen delegiert hat. Auch hier wird sich also die Wirklichkeit des Fußballs in Europa ihre Wege suchen, als Zusammenfluß des Überlebenskampfes natürlicher Teilorganismen ein Zweitleben zu führen, das dem ersten, vorgeschriebenen, formal entspricht, aber der Wirklichkeit selbst im Schattenleben ihr Recht beimißt. Weil die Politik nicht erkennt, daß ihre Kriterien auf eine nur noch erschreckende Weise nicht mehr die Kriterien der Natur der Dinge sind, die zu repräsentieren ihre Aufgabe, die "zu gestalten" aber ihre Verstiegenheit geworden ist. Sport, und im speziellen Fall Fußball, wird also zum exemplarischen Fall.

Um diese Natur zu definieren, ist es aber notwendig, sich mit dem Wesen des Fußballs, und mit ihm mit dem gesamten Sport, näher auseinanderzusetzen. Erst so wird ja erkennbar, was die Natur einer Sache ist, die sich immer durchzusetzen versuchen wird. Sobald sie das nicht mehr vermag, stirbt solch ein Organismus. der immer mehr ist als eine Maschine, deren Logik also immer nur eine aposteriorische, nachträgliche in Ursache-Wirkung sein kann. Aber alles Werden, alles Gelingen ist ein Geheimnis, und nicht vorherberechenbar. Womit wir beim Thema wären.




Teil 2 morgen) Kleine Philosophie des Sports





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Freitag, 18. Januar 2013

Kunststückerl

Leser dieses Blog wissen um die (gewiß: rätselhafte) Liebe seines Verfassers zum Fußballsport. Der konnte sogar tatsächlich nicht widerstehen, dieses großartige Tor des Brasilianers Falcao auch an dieser Stelle zu präsentieren.






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Montag, 22. Oktober 2012

Fehleinschätzung des Besonderen

Es ist auf der Bühne nicht anders, wie im Leben, und wie im Fußball: Sticht ein Einzelner durch seine Leistung besonders hervor, so ist das - zumindest, wenn es länger anhält - meist Anzeichen eines Mißstandes, keines "Besonderen". Die besten Akteure im Leben zeichnen sich nämlich dadurch aus, daß der Betrachter meint, daß das "Ganze" gut sei. Hält der Umstand, daß jemand gegen ein schwaches, gänzlich anderes Umfeld hervorsticht, länger an, so zeigt sich eine grundlegende Krankheit, des Ganzen, wie im Urteil über den Herausragenden.

Warum? Weil wir nun doch zur political correctness überschwenken wollen, zumindest diesmal, und Vergemeinung predigen?

Keineswegs. Sondern aus dem einfachen Umstand heraus, daß alles nur zu sich selbst findet, wenn es sich auf das Gegenüber hin überschreitet, ins Offene hinein. Aus dem heraus ergibt sich zwangsläufig, daß das eigene "Gutsein" sich am Begegnenden entzündet, und NUR daran. Sonst ist es kein Gut, sondern das Bild eines Gutes. 

Sticht in einer Theateraufführung ein Schauspieler auf eine Weise hervor, die alle übrigen verblassen, "alt", schlecht aussehen läßt, irrt der Kritiker, der meint, NUR der wäre gut, alle anderen schlecht. Denn eigentlich, eigentlich ist oft das genaue Gegenteil der Fall: der Herausragende erringt sich seine Position GEGEN die anderen, indem er sie aussaugt, gewissermaßen. Er bleibt in sich, öffnet sich nicht der Aufführung, der Gegenwart, und spielt fast autistisch seinen Part. Damit gleiten die anderen von ihm ab, und fallen auf sich zurück.

Schauspieler können ein Lied davon singen, was es heißt, in einem schlechten Stück zu spielen, das nicht trägt, das womöglich noch durch Kunstkniffe des Regisseurs auf die Ebene des "Interessanten" gehoben wird, um diese fundamentale Schwäche als Ganzes zu kaschieren. Meist, indem ideologische Flaggen, Einzelaussagen, überspielte Gags etc. aufgepflanzt werden. Sodaß ihre Invertiertheit, in die sie fallen, nicht selten Selbstrettung ist - um sich vor dem schwachen Umfeld zu verwahren. Während ein gutes Stück, eine Inszenierung, die den geistigen Kern eines Stücks erfaßt und sich von ihm tragen läßt, auch jedem Schauspieler selbst hilft, zu sich zu finden, gut zu werden, im Rahmen des ihm Möglichen halt.

Wirklich gute Leistung, und sehr wohl in hierarchischer Ordnung, kann nur vor dem Hintergrund der Mitwelt gesehen werden. Kein Herausragender spielt sich in Wirklichkeit auf Kosten seiner Mitwelt hervor - er tut es gerade DURCH sie. Nur vor dem Hintergrund läßt sich eine Kontur erkennen, und hohe Leistung wird immer nur dann sie selbst, wenn sie sich auf sie bezieht.

Aber mehr noch: auch das Publikum spielt eine gleichwertige und bedeutende Rolle, und auch dieses wird meist gründlich unterschätzt. Denn Fälle wie der Besprochene - EIN Herausragender, in einem kläglich versagenden Umfeld - haben oft sogar genau darin ihre Wurzel, daß dieser EINE besser als die übrigen versteht, die Erwartungen zu erfüllen, ja zu bedienen. Während ein Publikum, das genau seine Erwartungen erfüllt bekommt, in sich mehr und mehr zusammenfällt, als eigentliches Theaterpublikum irrelevant wird.

Deshalb kann auch im Fußball - es illustriert das Gesagte hervorragend - eine Einkaufspolitik gründlich daneben gehen, die meint, durch EINEN hervorragenden Spieler ihre Ergebnisse zu verbessern. Denn ohne Zweifel wird der Einzelspieler von der Leistung der Mitspieler UND von der Anforderung geprägt, die ihm begegnet. NUR an ihr kann und wird er sein Potential wirklichen. Was sich besonders häufig in Österreich zeigt, wo schon viele Jahre dieses Phänomen zu beobachten ist: daß Einzelspieler, die in anderen Ligen hervorragten, nach und nach in ihrer Qualität zu sinken scheinen. 

Sie werden nicht zu sich wachgerufen, und was einst bereits wach war, schläft allmählich wieder ein. Selbst ganze Mannschaften - Red Bull Salzburg ist so ein Beispiel, ähnlich verlief es mit den hochfliegenden Plänen, die mit dem Einzug von Frank Stronach als "reichen Onkel" bei Austria Wien - können davon befallen werden: Wider Erwarten versagten erwähnte Mannschaften im internationalen Vergleich. Der selbst hochkarätige Einkäufe, die Creme der Trainer, deutlich relativierte, ja ärmlich aussehen ließ.

Eine Mannschaft kann nur so stark spielen, wie der Bewerb, in dem sie sich befindet. Und hohe Einzelleistung hat immer einen direkten Bezug zum Umfeld, an dem sie sich affiziert. Desgleichen kann aber natürlich Versagen auf dieses Umfeld zurückzuführen sein, auf der Bühne als Beispiel, wenn "alle" für sich spielen, und dem Apperzeptiven keinen Raum, ihn abgleiten lassen. Weshalb Umgebungswechsel oft eine entscheidende Rolle spielen, will jemand zu sich finden. Eine Tragik, die sich oft in Familien abspielt, wenn außergewöhnliche Begabung fühlt, daß es die Trennung von diesen Wurzeln braucht, der diese Begabung ja doch zu verdanken ist, aus der sie sogar stammt. Denn auch der Sprößling ist nur Teil des Stammes, dem er entsproß. In ihm findet sich, was angelegt war, er macht nur etwas Neues daraus, weil er sich in die aktuelle Geschichte hinein transzendiert. Aber das Umfeld entwickelte sich gegen seine eigene Berufung! Was besonders häufig mit Vaterproblemen zu tun hat, aber das soll hier nur angedeutet bleiben. So, wie das Problem des "verschlampten Genies" erwähnt werden soll - es hat seine Ursachen in dieser Problematik.

Wenn man also hohe Einzelleistungen erreichen und beurteilen will, so muß das Gesamtumfeld bedacht werden. Es ist der Geist, in dem sich ein Gesamtfeld befindet, der den Einzelnen zu sich ruft und damit auch das Ganze, rückwirkend, weiter hebt, oder aber ... immer weiter zusammenfallen läßt.

Eine ideologisierte öffentliche Atmosphäre aber wird ohne jeden Zweifel wirklichen Genius nicht nur nicht zu sich und damit zur Entfaltung kommen lassen, sondern sogar in allen Hinsichten verhindern. Sie verhindert damit ihre eigene Gesundung, und nur Zufälle - als Zueinanderfallen vieler Umstände - oder wirkliche Umbrüche, gar Schocks, können diese Todesspirale aufbrechen: indem sie eine Gesellschaft wieder zur Wirklichkeit des Begegnenden öffnen.




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Mittwoch, 15. September 2010

Ein Spuk

Die Fußballnationalmannschaft von Bahrain besiegte vorige Woche, nach fulminantem Spiel, die Nationalmannschaft von Togo mit 3 : 0 Toren. Noch nie hatte man gegen Togo gewonnen - nun war es soweit. Der Trainer, der ehemalige Trainer der österreichischen Nationalmannschaft, Josef Hickersberger, und die Spieler erhielten den nächsten Mercedes als Siegprämie, der Sultan persönlich hatte das angeordnet.

Nur: als der (interimistische) Präsident des Fußballverbandes von Togo in den Zeitungen von dieser Niederlage seines Landes las, wurde er unter seiner dunkelen Gesichtsfarbe aber ziemlich blaß. Denn wer auch immer dieses Länderspiel gespielt hatte - es waren nicht Spieler der offiziellen Nationalmannschaft. Die Spieler, die in Bahrain das "Länderspiel" verloren hatten, waren in Togo völlig unbekannt, ja von einem Länderspiel wußte man dort gar nichts!

Nun kämpft man darum, das Spiel aus der offiziellen Statistik der FIFA wenigstens wieder gelöscht zu sehen. Die will dem Sachverhalt, der sie ansonsten nicht tangiert, denn es handelte sich um ein Freundschaftsspiel, natürlich auf den Grund gehen: WER also hat dort gegen Bahrain gespielt? Gerne kommen wir der Bitte des togoischen Fußballverbandes nach, ein Photo zu veröffentlichen: Vielleicht erkennt ein Leser dieses Blog einen der Spieler in Gelb? Und: weiß jemand, wo sich die Leiche des vorigen Präsidenten des Fußballverbandes von Togo befindet? Denn wie die Verwandten melden, ist sein Grab leer.

Natürlich, meinte der befragte Hickersberger, sei ihm spanisch vorgekommen, daß keiner der Fußballspieler Togo's auch nur einen Schluck Wasser während des Spiels trank, und das bei vierzig Grad im Schatten! Außerdem habe er noch nie von einer Fluglinie namens "Hades-Shadowlines" gehört, aber das alles besage ja heute nicht unbedingt etwas? Sprach's, und brach auf, um sich wieder zu Bett zu legen, wegen vermeinter Grippe. Schon während des Spiels sei er oft von kalten Schauern gepackt gewesen.

Wie der Sultan von Bahrein reagierte ist noch unbekannt. Angeblich aber haben sich nun sogar die Mercedes-Karossen in Luft aufgelöst.

 
 *150910*

Montag, 13. September 2010

Erst am Ende ist Schluß

Eine Tat ist eben erst getan, wenn sie getan ist - nicht, wenn sie (sicher) möglich ist. Größe begnügt sich aber oft genug damit, zu wissen, und das heißt: sicher zu sein, etwas zu beherrschen. Was übrigens eine typisch österreichische Haltung wäre, wäre sie nicht orientalischen Ursprungs. Aber sie zeigt sich auch bei einem Elfmeter in Marokko: der Tormann jubelt zu früh. Die Wirklichkeit zeugt, wenn man sie nicht bis ins letzte Eck kehrt, oft genug banausische Ergebnisse.



*130910*

Montag, 2. August 2010

Ein Künstler

Raul, beim gestrigen 3:1 für Schalke 04 gegen Bayern München, dem Finale des Deutschen Ligacups. In vollkommener Beherrschung von Situation und Gegenstand, im Genie des inspirierten Augenblicks schöpferische Gestaltung. Beherrschung, Wille, Können, Sittlichkeit (nicht: Moral!), Inspiration. Was für ein Moment, was für ein Tor, was für ein Künstler!

Seltene Augenblicke eines Sports, der viel zu oft in der Banalität berechnenden Kalküls erstickt, so aber vom Spiel zum "Business" mutiert - und stirbt.




*020810*

Dienstag, 27. Juli 2010

Ein wichtiger Schritt

RAI, der italienische staatliche Rundfunk, wird zukünftig bei Sportübertragungen auf die Zeitlupenwiederholung verzichten. Bislang wurde jede neuralgische Situation (und es hat auch bei uns längst überhand genommen) wieder und wieder gezeigt, und so kam es unter anderem zu ständigen Diskussionen über Schiedsrichterentscheidungen.

Das soll nun vermieden werden, denn es sei nutzlos, schaffe nur sinnlose Aufregung. Vielmehr werde die gewonnene Zeit für Analysen der Taktik etc. verwendet.

Das ist deshalb interessant, weil es ein Schritt in eine fundamental neue Richtung, ja in mancher Hinsicht eine Kehrtwendung ist. Im Bestreben, Schiedsrichterentscheidungen vollkommen zu machen, hat man ja seit vielen Jahren immer engere Wege beschritten. Längst ist der Schiedsrichter am Platz nur noch der Frontman einer hinter ihm stehenden vier-, ja fünfköpfigen Entscheidungsgremiums, das per Funk in ununterbrochenem Kontakt steht.

Und bemerkenswerterweise nahmen, wie die WM in Südafrika zeigte, die Fehlpfiffe nicht nur nicht ab, sondern sie nahmen scheinbar dramatisch zu!

Weil wir nun ja immer wußten und wissen, wann es zu einer Fehlentscheidung kam? Nein, behaupte ich, sondern weil die zurückgezogene Verantwortlichkeit des Hauptschiedsrichters am Feld (samt seiner gesteigerten Angst, Fehler zu machen) diesen zunehmend unfähiger machte, zu tun was er zu tun hatte: zu entscheiden, weil er sich aus der Spitze des Geschehens zurückzog. Was da geschah ist mit Verunsicherung längst nicht ausreichend beschrieben. Es ist ein Zurückziehen aus der Aufgabe, ein Zurückziehen aus dem ... (schon wieder das Wort?) Sein.

Je weniger Gewicht auf den aufeinanderprallenden Nadelspitzen der Dingheiten lastet, desto unrealer, un-seiender werden sie. Sie diffundieren, weil damit die Welt diffundiert, die nur Welt ist, weil sie das darstellt, wo und in welchem Maß sie mit dem Sein Kontakt hat. Womit auch angedeutet ist, warum sich heute unsere ganze Welt so dramatisch aufzulösen beginnt. Wo sich aber Welt auflöst, wuchert Lebenswille, Seinswille des Lebendigen, zum sinnlosen, ungeformten Krebsgeschwür.

Die Entscheidung von RAI  war also ein bemerkenswert richtiger Schritt - zu mehr Welt. Indem man beschließt, die Dinge wieder mehr auf sich selbst kommen zu lassen. Ein Anfang vielleicht gar, dem nun viele weitere Schritte folgen? Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne? Nein, es ist Magie. Jeder Anfang bringt eine Dingheit zur Welt, die zu wirken beginnt. Weil alles was ist, wirkt.


*270710*

Mittwoch, 16. Juni 2010

Neulich in Knittelfeld (2)

2. Teil) Das Unglaubliche passiert, und der Unglaublichkeiten mehr


Während die Vereinsfunktionäre im Knittelfelder Gasthof Zur Post schon ausgelassen weil so erleichtert das "Unfaßbare" feierten, drang eine Hiobsbotschaft durch, die die Stimmung schlagartig verwandelte. 

Denn der SV Sankt Lorenzen / Knittelfeld, aus diesem benachbarten Kuhdorf, hatte den TUS Sankt Stefan/L. aus dem Lorenzener Birkenstadion (Bild) vor zweihundertfünfzig fanatisierten (Originalton Vizeobmann Weber, mit einem Beiklang, als wollte er den Österreichsichen Fußballbund mit einer Anfrage kontaktieren, ob sowas von fanatisiert überhaupt zulässig sei. denn da mußte es doch Grenzen geben?) Zuschauern mit noch unglaublicheren 30 : 1 (9 : 0) regelrecht aus dem Stadion geschossen. Dabei waren alleine in den letzten zehn Minuten der Spielzeit noch acht Tore gefallen. 

Bei nunmehr mit vierundsechzig Punkten hergestelltem Tabellengleichstand, aber mit 108 : 103 erzielten und 28 : 26 erhaltenen Toren einer um drei Tore besseren Tordifferenz hieß der Meister also schon wieder nicht Knittelfeld, sondern SV Lorenzen ...

Da blieb allen der Mund offen, und still wurde es in der Post. Der eine oder andere rief verstohlen "Zahlen!" Richtung Schank, andere grinsten selten blöd und zynisch, wieder andere schüttelten ungläubig den Kopf. "Das ist doch g'schobm," sagte schließlich der Leimlehner, der Baumeister von Dreiwiesenhofen, einem Vorort von Knittelfeld, dessen Sohn seit zwei Saisonen bei den Junioren mittrainierte, und dem Insider Talent wie seinerzeit dem Reinmayer nachsagen, der ja auch aus der Gegend stammt, und den man sogar in der Champions-League erleben hatte dürfen.

Minutenlang sagte aber sonst niemand ein Wort. "Na wenn des ned g'schobm woa," meinte schließlich dann der Lechner Kurt, und sah sich unsicher unter seinen Sitznachbarn um. "A so a g'schobene Partie!"
Der Tauber Heinz leerte sein Glas, drehte sich dann zur mittlerweile mit dem Geldtascherl herumlaufenden Veronika und deutete, daß auch er gleich gehen wolle.
"A so a Schaas," wurde von irgendjemandem gezischt.
"Trotzdem sollt'n ma nicht vergessen, daß hier Großartiges für die Jugend geleistet wurde und weiterhin geleistet werden wird," meinte nun der Oberstudienrat Lechner das Ruder der Stimmung herumreißen zu können.
Aber niemand apportierte das Stöckchen.
Wenn nur nicht der Schupfer Edi so blöd gegrinst hätte! Und seine Bemerkung war völlig unpassend, mit der auch er nun die Stimmung aufzulockern gedachte: "Tja, im Fußball muß man eben mit allem rechnen. Der Ball ist rund. Sowas is' Schicksal!" 
Dem Weber stieg die Galle hoch. Er mußte gehen. Außerdem wartete sowieso seine Lebensgefährtin, sie wollten ja noch in diese Pizzeria in der Nähe von Kleinwiesen fahren. In der Stimmung, in der er jetzt war, hätte er aber gleich am liebsten alles hingeschmissen. Was ging ihn denn eigentlich dieser Verein an!? Als ob er nicht so schon genug Ärger hätte.
"Du hast alles getan, wirklich alles, was möglich war" beugte sich nun der Oberstudienrat mit raunender Stimme zu ihm hin. "Du hast Dir nichts vorzuwerfen, glaub mir! Jeder Verein kann sich alle Zehne abschlecken, der so einen Präsidenten hat wie Dich!"
"Jaja," nickte nun auch der Krieger Ernst, während er sich lärmend erhob, und schon im Hinausgehen seufzte er: "Geld spielt halt nicht Fußball - is's net so? Wann die am Platz alles vergeig'n, was kannst da noch mach'n?"

Aber den nahm sowieso keiner ernst, der hatte ja nie von nichts eine Ahnung.

Nachtrag vom 15./16. Juni 2010: Der steirische Fußballverband hat alle vier an obigen Vorgängen beteiligte Vereine bestraft, und die Spiele annulliert. Der Drittplatzierte, der SV Gaal, wurde zum Meister erklärt. So schrieb es der KURIER - wie immer mit Wissen aus geheimster Quelle gespeist, in dem der Welt recht gerne das Gesollte aufgenaselt wird, ich mein, eine Zeitung hat schon Verantwortung, und dieser muß sie sich gerecht machen - noch in der Abendausgabe. Und lieferte damit der Posse zweiten Akt.

DENN - die Kleine Zeitung berichtet in ihrer (späteren) Abendausgabe: Das stimmt nicht! Stattdessen war eine Vernehmung der Parteien durch Funktionäre des Steirischen Fußballbundes gerade im Gange, als die Nachricht hereinplatzte, der KURIER habe bereits den Ausgang des Verfahrens bekanntgegeben ... Daraufhin wurde die Einvernahme unterbrochen.

Noch ein Detail wurde bekannt. Wir bringen es, weil es dieses berühmte Anwehen von Schicksal spüren läßt: Ein Detail vom Spielverlauf in Sankt Lorenzen. Der SV Sankt Lorenzen hatte bis zur 88. Minute 19:1 geführt. Wer hätte da den Meisterpokal nicht schon in der Vitrine des Vereinsheimes gesehen? Da erlitt der Torwart des Gegners, des TUS Sankt Stephan, einen Hitzeschlag. Der Schiedsrichter ließ das Spiel für rund zehn Minuten unterbrechen, um den Bedauernswerten zu laben. 

Exakt in diesen zehn Minuten endete aber das Spiel des FC Knittelfeld, mit bekanntem Ergebnis: 21:0. Die Nachricht schlug bei Spielern und Funktionären von St. Lorenzen aber nicht nur wie eine Bombe ein ("Deis is g'schoum," waren sich alle einig, "na woun deis ned gschoum is?!"), sondern sie weckte offenbar schlummernde Energien. Denn als das Spiel nach erfolgter Labepause wieder aufgenommen wurde, bot der SV Sankt Lorenzen (mit den nun noch mehr fanatisierten Zuschauern im Rücken, Sie erinnern sich) noch einmal alle Kräfte auf. Und im Minutentakt wurden die zur Meisterschaft nun noch benötigten Tore geschossen. Und ein paar mehr. Damit niemand Schiebung vermuten könnte.

Sämtliche Funktionäre übrigens betonen, daß nicht geschoben worden - "Mia houm jou goa kaeinn Göuld, das ma schiam käinadn!" - sondern alles mit rechten Dingen zugegangen war. "Zweistellige Zu null-"Ergebnisse seien außerdem in dieser Liga durchaus üblich.



Die Kleine Zeitung schreibt am 16. Juni:
Die Stimmung in der Region ist unterdessen gekippt. Der Hauptsponsor des Sankt Lorenzen (!) hat dem Verein den Rücken gekehrt. Kinder von Funktionären wurden derart beschimpft, daß die Eltern sie nicht mehr in die Schule gehen ließen. Droh-E-Mails auf tiefstem Niveau langten bei den Klubs ein, ein Spieler wurde im Supermarkt sogar angespuckt.

Übrigens: Eine neue, geheime Hoffnung ist mittlerweile aufgekeimt, aber kaum jemand spricht noch darüber. Weil ja doch alle so vernünftig sind, werden in der Steiermark durch Gemeindezusammenlegungen viele viele Verwaltungskosten gespart, und wenn schon das nicht, wird die Verwaltung effizienter. Also so ungefähr. So ist zumindest das Konzept*. Aber damit Knittelfeld heißer Anwärter, als Zentrum einer neuen "Großstadt" mit seiner Umgebung zu verschmelzen. Aber dann, dann wird man wohl ganz gewiß Meister. 

In Zeitung und Fernsehen war man ja mittlerweile schon mal gekommen. Und in Blogs.



*Wir wissen mittlerweile, daß sich wie bei allen vernünftigen Ideen einer Zentralregierung weder das eine noch das andere erfüllt hat. Aber wo steht geschrieben, daß eine gute Idee keine gute Idee mehr ist, nur weil sie nicht funktioniert? Eben. In keinen Zeitungen. Und in keinem Blog. Fast.


*160610*