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Samstag, 26. März 2022

Gedankensplitter (2009b)

Die zerstörte, nicht "verlorene" Einheit. Wie John D. Rockefeller aus Schlangenöl eine Medizin neu erfunden hat. Und um es zu verkaufen den furchtbaren Irrtum recht verkaufsfördernd fand, fortan einen gesunden Menschen ZU MACHEN. Genau das macht die mRNA-Impfung exemplarisch - Die kulturelle Höhe eines Volkes, die politische Stärke eines Fürsten kann man auch daraus erkennen, ob Parallelgesellschaften zugelassen, ja sogar ermutigt und gefordert werden, OHNE DIE EINHEIT eines vitalen Organismus ZU VERLIEREN. Diese vielleicht für Sie durchaus überraschende Erkenntnis muß man sehr ruhig durch Lunge, Leber und Magen streifen lassen - weil IM HERZEN ERWÄGEN.

Noch bis Maria Theresie war "Deutschland" ein unermeßlich reicher Subkontinent der Kulturausfaltung. Bis zu ihr. Dann setzten ihre "Reformen" ein, auch und mit den allergrößten Auswirkungen ihre Rechtsreform, die sämtliche Teil- und Praallelgesetzeslandschaften mit Gewalt zerquetschte.

Freitag, 25. März 2022

Gedankensplitter (2009a)

Wenn man eine Weltdeutung vertritt, die NUR BEHAUPTET wird, die sich also NICHT in der Natur ("Evidenz"), damit in der Vernunft weil damit für das normale Erleben bestätigt findet, muß man Gegenaussagen, die die Behauptung gefährden, natürlich verhindern und wenn sie doch auftreten, bestrafen. Umso schärfer, je bedeutender die behauptete Geschichte eingestuft wird.

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QR Buseks letztes Interview
Das letzte Interview mit +Erhard Busek, dem liniksliberale Aushängeschild der Wiener Öfaubeh in den 1970ern und prononcierten Motor des "Neuen Katholizismus" der Selbstauflösung. Ich schreibe das, weil er hier ganz offensichtlich einen Grundfehler in seinem Persönlichkeitsgrundhat. Aber das mag Gott nun bewerten, er starb vor zwei Tagen, r.i.p. Dabei war er doch noch gar nicht so alt. 

Das Zeitschicksal - So nenne ich das mittlerweile. Es betrifft SÄMTLICHE DERZEIT VORHANDENE Generationen, und wenn man will: Weltweit. Denn dieses Schicksal wird sie alle ereilen. Auch der ÖVP-Politikmensch hat das Durchschnittsalter der (männlichen) Bevölkerung nicht erreicht, wie so viele aus dem sogenannten "subjektiven Ereignishoriziont". Der auf "wissenschaftlichen" Uninn lieber verzichtet, um die Essenz der persönlichen Eindrücke für seine Urteile heranzuziehen. Zumindest in solchen Fragen. Und hier drängt sich erneut die Frage auf: Einmal zu viel geimpft, Herr +Busek, r.i.p.? Aber zugegeben hätte er das nie, jede Wette.

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Bleibt nur noch die unsägliche, aber immer amüsantere Isabelle Daniel als Reibepunkt. Denn sie ist in Werde-Zustand, wie Frauen ja immer, die den Hafen, an den sie gebunde sind, um jeden Preis verheimlichen wollen, weil er sie aus einer Zugehörigkeit herausfallen lassen könnte. Der sie aber ihre gesamte Existenzkraft verdanken. 

Was an sich ja nicht verdammenswert wäre. Wie wollte man dem Blatt verdenken, daß es grün wird wie alle anderen Blätter? Haben wir denn nicht längst gelernt, daß das Prinzhipg der Einheit das Daseinsprinzip der Schöpfung überhaupt ist? Eben. 
Also müssen wir mit dem spitzen Bleistift differenzieren. Denn auch der Mythos des MASSENMENSCHEN ist in seiner negativen Konnotierung (einer Nicht-Freiheit) nur EIN TEIL des Versuchs, Gott aus der Welt hinauszuwerfen. Weil nichts sein kann, wenn es nicht DIE ANALOGIE DES EINSSEINS mit seinem Daseinsgrund ist. In dem es also einen "von außen" hereinkommenden Gott braucht, dessen Gnade wir alles verdanken. 
In wessen Interesse ist es also, die Einheit als Daseinsprinzip zu verbannen? Na? Na?!

Sonntag, 20. Januar 2013

Strategie der Machteroberung

Der legalistische Staat, schreibt Max Weber, in dem sich die Bürokratie mit der herrschenden Macht gleichsetzt, neigt dazu, stahlharte Gehäuse der Hörigkeit hervorzubringen. 

Aber weil Recht und Gesetz in der moralischen Ordnung der Menschen ihren Ausgangspunkt hat, also in der Religion, wie immer diese aussieht, kann einer bestehenden Ordnung die Moralisierung des Volkes gefährlich werden. Denn Moral verdrängt eine Rechtsordnung, die ihr nicht entspricht, sie steht über ihr. Sie kann eine zweite Rechtsordnung errichten, die das bestehende Recht unwirksam macht. Nur Moral kann eine Macht legitimieren.

Der Kampf um die Moral eines Volkes ist also immer ein Kampf um die Macht. Wo immer sich eine politische Bewegung artikuliert, die die Moral zum Ziel hat - und jede politische Bewegung im Legalismus hat ein moralisches Anliegen, anders kann sie sich gar nicht legitimieren -, streckt sie die Hand direkt nach der Wurzel der Macht aus: nach der Rechtsgebung.

Die Stärke oder Schwäche, ja die Legitimität einer bestehenden Staatsmacht läßt sich daran ablesen, in welchem Maß politische Auseinandersetzung von moralischen Argumenten dominiert wird. Wenn also ein Staat von innen her auseinanderbricht, so durch Moral, und das heißt: durch die Religion seiner Bürger. Der legalistische Staat, der sich also auf einer positivistischen Rechtsordnung begründet, mündet fast unausweichlich in eine religiöse Auseinandersetzung.

Ist ein Staat schwach, werden die Hierarchien disponibel, und damit zerfallen sie. Denn das Wesen einer Hierarchie ist ihre gesellschaftliche Verankerung in den Bürgern selbst. Damit beginnen auch seine Bürger in ihrem Verhältnis untereinander, um die Autorität der von ihnen vertretenen Moral zu kämpfen, die sich in ihnen repräsentiert. Moral verdrängt den Stand. Damit verlagert sich das Bild seiner Tätigkeit vom Handlenden hin zum Moralisierenden. Es ist also so gut wie immer ein Zeichen nahenden Zerfalls, wenn der Zudrang zu Berufen, die Moral und Moralbegründung zum Inhalt haben hoch ist.* Das führt aus innerer Notwendigkeit zur Steigerung des Anteils von Frauen im öffentlichen Leben. Denn ihr Zugang zur Macht ist moralischer Natur, und ihr Zugang zur Macht ist die Herrschaft über die Moral. Schwache Staaten führen also zwangsläufig zum Matriarchat.




*Man beachte in diesem Zusammenhang die hohen Studentenzahlen in Politikwissenschaften und Psychologie. Und hierin wiederum den hohen Anteil von Frauen. 




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Mittwoch, 22. September 2010

Der Grundimpuls

Manch einer übersieht gerne, welche Rolle in der Demokratie der Antrieb spielt, es durch die Abstimmungsvorgänge nach oben zu schaffen, es zu schaffen, zu herrschen, Macht auszuüben. Ja ihr ganzes Geheimnis ist ja nichts als die Machtverteilung, in der man sich vor einem Zukurzgekommensein zu schützen meint.

Den Gedanken entnehme ich einer Notiz von Max Weber, der beileibe nichts von Demokratie in dem Sinne hielt, als er meinte, durch sie würden die votierenden Massen edler Taten und vernünftiger Entscheidungen ertüchtigt werden. Weber hoffte, daß durch sie eine Blutauffrischung der blutleer gewordenen Eliten geschehen könnte. Er hoffte, daß sich wirkliche Staatsmänner auf diese Weise einen Weg nach oben erkämpften konnten, den ihnen die erstarrten Patriziersysteme versperrten. Männer wie Bismarck und Gladstone und Cromwell, wie später Franklin D. Roosevelt, John F. Kennedy und Charles de Gaulle - allesamt strotzend vor Machtlust, allesamt sturmerprobt und in Wahlkämpfen gehärtet.

Endlich wieder Ausweg aus der Langeweile, die angesichts der Bürokraten, die überall herrschten, die Völker befallen hatte. Weber war Liberalist, und er wußte, daß Demokratie in Unterdrückung der miesesten Sorte mündete, wenn sie nicht von gehörigem Liberalismus durchmischt war. Deshalb baute er auch (in der Weimarer Verfassung) vor, und schuf als Gegengewicht einen starken Präsidenten, verquickte es mit dem Plebiszit - die alte Königsidee im Grunde.

Man sagt heute gerne, daß diese starke Präsidentenposition das Desaster von 1933ff ausgelöst hätte. Hindenburgs Position wäre zu stark gewesen, und damit hätte eine Fehlkonstruktion Hitler ermöglicht. Man sagt aber nicht, schreibt Gerhard Nebel, daß es vielleicht einfach zu schwache, charismalose Politiker gab. Und Webers Idee völlig richtig war.

Charisma, wie es Hitler zweifellos hatte, und wie es Hindenburg hatte, dem es Deutschland zu verdanken hatte, daß Hitler so lange von der Macht ferngehalten wurde - bis Hindenburg einfach zu senil geworden und überlebt war. Charisma? Immerhin, so Nebel, handelt es sich auch hier um einen Einbruch der Transzendenz, sei es himmlischer, sei es teuflischer Mächte, und es ist eine Kategorie, wie sie zu allen Zeiten im Königtum ihre Entsprechung hatte, sohin in jedem Volk, in jedem Menschen selbst eine Antwort hat, ob man das will oder nicht. Auf jeden Fall ist es verkehrt und lächerlich, es zu einer psychologischen Qualität zu verkrüppeln.

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So könnte einer heute wie aus der Geschichte den Eindruck gewinnen, die Demokratie sei zu einer Veranstaltung charismenloser, von Ideologien gesteuerter Langeweiler degeneriert, die sich vorsorglich zu einer Abwehrgemeinschaft zusammenschlössen, um dem Charismatiker, dem Exzellenten, keine Chance zu lassen, sie zu übertreffen. Worauf sie wieder jener unteren Ordnung anheimfielen, der sie ja eigentlich angehören.



*220910*

Donnerstag, 17. Juni 2010

Zur Erinnerung

Der Staat, so Max Weber, ist keinesfalls ein loser Zusammenschluß sozialer Gebilde, sondern er ist eine klar bewußte Veranstaltung des Monopols, Gewalt zu verteilen beziehungsweise auszuüben. Staat läßt sich soziologisch nur über die Mittel der Gewalt definieren. "Ohne Gewalt gibt es keinen Staat," sagt deshalb Trotzki völlig richtig in Brest-Litowsk (wo er 1918 die Friedensverhandlungen mit Deutschland führte, Anm.) Fehlt einem Staat diese Gewalt, kann man von Anarchie sprechen.

Zwar ist Gewaltsamkeit nicht das einzige und normale Mittel der Ausübung politischer Macht, aber es ist das ihm spezifische. Was in der Vergangenheit (immer) Gewalt auch Mittel jeweiliger sozialer Gefüge, so ist heute das Verhältnis der Staaten zur Gewalt höchst intim geworden, indem sie nach und nach alle, auch die in partiellen Gefügen existierende Gewalt(en), an sich gezogen haben. Das ist das, so Weber, der Gegenwart Spezifische: daß der Staat jede Form der Gewalt monopolisiert.

Politik heißt also: Streben nach Leitungsgewalt, nach Macht. Während jeder Herrschaftsbetrieb, der Staat also, vor allem eines braucht, um zu funktionieren: Gehorsam gegenüber jenen Herren, deren Gewaltausübung auf dem Anspruch auf Legitimität besteht.

Warum ich das bringe? Weil man sich manchmal, und für viele gilt gewiß: das erste Mal, mit den ganz einfachen Grundtatsachen der Dinge, die uns umgeben, noch mehr aber: die uns bestimmen, auseinandersetzen muß. Vielfach hat man heute ja den Eindruck, daß die meisten Diskussionen mit Begriffen operieren, deren Grundgehalt kaum noch transportiert wird, die also völlig leer und deshalb offen für jede Form von Mißbrauch verwendet werden.

So das Verhältnis von Staat und Gewalt. Das nachdenken läßt über das Verhältnis jedes soziologischen Gebildes - und wie erst die Familie - zur Gewalt. Und über die Konsequenzen, die es hat, wenn der Staat, die jedem sozialen Gefüge notwendig eigene Gewalt zentralisiert.

Denn unmittelbar neben einer solchen Zentralisierung der Macht (beziehungsweise Gewalt) steht, daß in einem Staat Gehorsam und Loyalität den Herrschenden gegenüber nur mit zwei Mitteln wirklich aufrechterhalten werden können: durch soziale Anerkennung und Reputation, die der Herrschende vergibt, und ... durch materielle Anreize und Belohnungen, durch Geld.  Der totale Staat braucht also auch totale materielle Verfügungskraft.

Wie umgekehrt: totale Verfügungsgewalt bringt unweigerlich und automatisch, als der Sache einwohnend, totale Gewalt.

Soviel zum Sozialstaat, zu dessen Automatismus es gehört, jedes soziale Gefüge nach und nach zu determinieren, und damit aufzulösen, alle kleinen Sozialgefüge zu einem einzigen großen umzugestalten ...

Schon aus diesem Grunde muß mit großer Skepsis betrachtet werden, wenn unter "Verwaltungsreform" verstanden wird, untere Verwaltungseinheiten aufzulösen, um Verwaltung (noch mehr) zu zentralisieren! Vielmehr sollte über ein anderes Prinzip nachgedacht werden - nämlich jenes, ob nicht die Wurzel gar vieler Übel in der "Professionalisierung" von Politik als Beruf liegt: brauchen wir überhaupt Berufspolitiker? Sie staunen? Die Schweiz hat keine ...




*170610*

Dienstag, 15. Juni 2010

Partei, nicht Parlament

Eine der bemerkenswertesten Entwicklungen, so Max Weber in "Politik als Beruf", war die Umbildung der Demokratien zu Parteienlandschaften. Damit wurde das Wesen des Politikers maßgeblich verändert: die Parteien wurden zu schlagkräftigen "Maschinerien", die durch Diszipilin und Effizienz das Ziel - Stimmen- und Machtgewinn - umsetzen sollten. Erstmals entstand der Typus des Parteibeamten, und zugleich veränderten sich die Anforderungen an den Führer der Partei.

Denn das unzweifelhafte Hauptkriterium wurde nun, daß derjenige auch als Führer gewählt wurde - von den Parteibeamten - der den Apparat, die Maschinerie, am besten bedienen konnte! Und damit entstand erstmals auch eine bemerkenswerte Diskrepanz zu den Parlamenten, denn diese Anforderungen bedeuteten auch, daß die Parteimaschinerie in Gegensatz zum Parlamentarismus an sich gelangte: Führer war der, dem der Parteiapparat auch gegen das Parlament folgte.

Die Parteimitglieder und -funktionäre erwarteten selbstverständlich auch vom gewählten Führer persönliche Vorteile! Er mußte, aufgrund seines Charismas, das von ihm erwartet wurde, nicht nur den Machtbereich der Partei, und damit der Funktionäre, vergrößern, sondern sie auch für die Gefolgschaft entlohnen.

Nicht mehr also der Parlamentarier war der "Pfründevergeber", sondern der Parteiführer. Ein dramatischer Paradigmenwechsel! Aus dem Politiker aus Charisma - wurde ein plebiszitär gewählter Parteiführer. Und Weber dazu radikal: "Die Leitung der Parteien durch plebiszitäre Führer bedingt die Entseelung der Gefolgschaft, ihre geistige Proletarisierung, könnte man sagen. Um für den Führer als Apparat brauchbar zu sein, muß sie blind gehorchen, Maschine [...] sein, nicht gestört durch Honoratioreneitelkeit und Prätensionen eigener Ansichten."

Eine Entwicklung im übrigen, die aufgrund der soziologischen Gegebenheiten in den USA von Anfang an verkehrt herum zu Europa ablief, auch wenn sich mittlerweile manches angeglichen hat - dort waren es, anders als hier, zuerst die bürgerlichen Parteien, die solche Entwicklungen nahmen. In Europa hingegen die Sozialdemokraten.



*150610*

Montag, 14. Juni 2010

Verzweckung der Journaille

WEIL, so Max Weber, das moderne Parteienwesen insbesonders der Sozialdemokratie unter der "Leitung" einer Ideologie steht, bewirkt sie eine quasi-Verbeamtung ihrer Parteistrukturen. Gleichzeitig hat ihre Wortlastigkeit für Journalisten Möglichkeiten geschaffen, wie sie den bürgerlichen Parteien fremd waren, deren politische Demagogie weit mehr auf persönlicher Leistung, Reputation und Charisma beruhte, und die Aufstiegsmöglichkeiten von Journalisten haben sich dort zunehmend verschlechtert. Allerdings ist Journalistentum und wirkliche Parteiführerschaft so gut wie ausgeschlossen, weil die beruflichen Anforderungen eine rein praktischer Vereinbarlichkeit der beiden Tätigkeiten ausschließen.

Diese Entwicklung, kann man hinzufügen, hat sich im 20. Jahrhundert vollauf verfestigt und Max Webers Analyse aus 1920 bestätigt: Die Linke hat weltweit die Medienwelt weitgehend in die Hände gespielt bekommen, und sie hat ungleich der bürgerlichen Journalisten ausgebildet, die ihrem Wesen nach Vertreter ihrer Ideologien waren. Journalisten gehörten nicht nur zu den ersten, sondern lange Zeit neben den wirklichen Abgeordneten einzigen bezahlten Politikern in der Geschichte europäischer Politik.

Dabei, so Max Weber warnend, hat in dieser heutigen Form der Demokratie der Journalist ein Ethos zu tragen und zu erfüllen, der dem des Gelehrten in der Subtilität der Freiheitsbewahrung in nichts nachsteht!

Dort, wo die Medien noch (Weber schrieb seine Arbeit über "Politik als Beruf" 1919!) unabhängig sind - und ihr kapitalistisches Wesen würde sie nicht nur dazu anhalten, sie brauchen ja alle Seiten als Inserenten, sondern ist auch die Ursache für eine umgekehrt selten verantwortete Haltung gezielter und verwirrender Indifferenz -  seien überall Bestrebungen der politischen Gruppierungen zu beobachten, sie durch Inseratengelder für sich zu instrumentalisieren. Das bringt automatisch die größten Probleme für kleine Medien, große können sich dieser Einflußnahme noch eher entziehen.

In jedem Fall ist das Anonymitätsprinzip - man beachte: Dieses Prinzip ist heute so gut wie gefallen - ein Garant für die Freiheit der Medien. Denn schon im Ersten Weltkrieg hat sich eindeutig gezeigt, so Weber, daß die Aufgabe der Anonymität für manche Medien zwar deutliche Auflagensteigerungen brachten, aber die Verantwortungsbereitschaft der Medien, die vielfach auf schlimmes Boulevardniveau sanken, gegen die Erwartungen, die man in persönliche Greifbarkeit hatte, rapide sank: Der Weg war frei für nicht immer unzweifelhafte Journalistenpersönlichkeiten.

Übrigens differenziert Weber deutlich, wenn er Journalistik als an sich geeigneten Weg eines Berufspolitikers sähe. Denn wie selten woanders, kommt es hier auf den tadellosen Charakter an, weshalb insbesonders Charaktere, deren Daseinsgefühl vor allem nur dann stabil bleibt, wenn sie in einer gesicherten ständischen Lage sich befinden, ungeeignet und gefährlich sind.

Das Leben des Journalisten, so Weber, ist Hasard schlechthin! Und zwar unter Bedingungen, die die innere Sicherheit in einer Art auf die Probe stellen wie wohl kaum sonst in einer beruflichen Situation. Es sei deshalb nicht das erstaunlich, daß es unter Journalisten so viele moralisch-menschlich entgleister Persönlichkeiten gebe, die den vielfachsten Versuchungen dieses Berufes erlegen sind, sondern das erstaunlichste sei, daß es so viele moralisch INTEGERE Menschen unter Journalisten gäbe.



*140610*

Samstag, 12. Juni 2010

Entsittlichung der Politiker

Scharf und nüchtern sieht Max Weber die Verpolitisierung des Beamten, auch wenn Weber selbst nie Stellung dazu nimmt.

Aber er weist darauf hin, daß das Wesen des Beamten sein muß, neutral und unparteiisch zu VERWALTEN. Die spezifische Ehre eines Beamten war und ist es nunmehr, auch Verwaltungsvorgänge, die ihm persönlich zuwider wären, durchzuführen, und zwar im Sinne seiner ihm übergeordneten Dienststelle, im Sinne eines technischen Verwaltungsvorgangs.

Umgekehrt ist es die Ehre des politischen Führers, für alles, was unter ihm passiert, die ungeteilte Verantwortung zu übernehmen, und den Kopf hinzuhalten für alle Vorgänge, auch wenn er sie nicht persönlich "getan" hat.

Verpolitisiert der Beamte, wird gar der Beamte Politiker, so ist es unausweichlich, daß auch die Politik verantwortungslos und bürokratisch wird.

Verbeamtet der Politiker, gilt dasselbe. Die Durchmischung dieser Sphären hat also den sittlichen Tiefstand der Politik zur Folge. Ja, gerade sittlich hochstehende Beamte sind dann - sittlich TIEF stehende Politiker. Denn ein Staat - und den zu führen, ist die Aufgabe der Politik - IST nicht seine Verwaltung, sondern braucht die Gestaltung durch freien Geist, der Gestalt laufend in die Zukunft vorwirft. Die es dann, von nur dazu fachlich fähigen Schichten, den Beamten, jeweils effizient zu verwalten gilt.

Übrigens: Annähernd zwei Drittel der österreichischen Parlamentsabgeordneten rekrutieren sich ... aus dem Beamtenstand.



*130610*

Sonntag, 18. April 2010

Man lebt, wie man glaubt

"Es kommt also zunächst wieder darauf an: die besondere Eigenart des okzidentalen und, innerhalb dieses, des modernen okzidentalen, Rationalismus zu erkennen und in ihrer Entstehung zu erklären. Jeder solche Erklärungsversuch muß, der fundamentalen Bedeutung der Wirtschaft entsprechend, vor allem die ökonomischen Bedingungen berücksichtigen.

Aber es darf auch der umgekehrte Kausalzusammenhang darüber nicht unbeachtet bleiben. Denn wie von rationaler Technik und rationalem Recht, so ist der ökonomische Rationalismus in seiner Entstehung auch von der Fähigkeit und Disposition der Menschen zu bestimmten Arten praktisch-rationaler Lebensführung überhaupt abhängig. Wo diese durch Hemmungen seelischer Art obstruiert war, da stieß auch die Entwicklung einer wirtschaftlich rationalen Lebensführung auf schwere innere Widerstände. Zu den wichtigsten formenden Elementen der Lebensführung nun gehören in der Vergangenheit überall die magischen und religiösen Mächte und die am Glauben an sie verankerten ethischen Pflichtvorstellungen
."



Max Weber in "Die protestantische Ethik", worin er (selber Protestant) aufweist, wie die Entwicklung des modernen Kapitalismus von der Entwicklung des emanzipatorischen Protestantismus nach Luther bedingt ist. Wie, vereinfacht, die Art des menschlichen (und natürlich vor allem wirtschaftlichen) Handelns von der Grundhaltung zur Welt bestimmt ist. Der Protestantismus aber hat das Wirtschaften selbst, weil das ganze Denken über die Welt, in der Entmythologisierung zu einem bestenfalls noch durch positivistische Moral, nicht mehr aber aus dem (metaphysiklosen) Wesen der Dinge heraus (deren Maß nicht mehr in ihnen selbst, in ihrer Natur, und als solche Willensäußerung Gottes, liegt), beschränkbaren Selbstzweck entfesselt.

Der Rationalismus, der Technizismus der Gegenwart ist maßgeblich einer Geisteshaltung innert, die deckungsgleich mit den Quellen des Protestantismus ist, und umgekehrt, vor allem eben: umgekehrt. Denn die Sicht auf die Welt, die Haltung zu den Dingen, bestimmt jeden Moment menschlichen Handelns. Schon gar, weil der Protestantismus einem ununterbrochenen "Erziehungsprozeß" gleichkommt. Das "sola fide" Luthers - nur der Glaube genügt - führt zu einer Überbetonung des Wertes der menschlichen Arbeit und Leistung in ihrer Instrumentierung! Nicht zufällig gibt es im Protestantismus das "nutzlose Spiel" als Lebensform - das Mönchstum, der ausgeprägte Kult - NICHT. Gott zu gefallen ist nur noch über die Erfüllung nützlicher innerweltlicher Pflicht möglich. Weshalb die disziplinierenden, alles kontrollierend-moralisierenden Elemente des Mönchstums, profaniert, sehr wohl ins Laienleben übernommen wurden. Cromwell's puritanische Truppen hießen "die Mönche"! Damit wird sogar die Wirklichung in der Welt - H. Marcuse schreibt das einmal - "unvernünftig", nicht mehr wirklich rechtfertigbar, letztlich: sinnlos, und damit ... normenlos. Luther sagt es ja einmal: "Die Werke aber sind tote Dinge, können Gott nicht ehren noch loben."


Max Weber stellt also nicht zufällig fest:

"Ein Blick in die Berufsstatistik eines konfessionell gemischten Landes pflegt mit auffallender Häufigkeit eine Erscheinung zu zeigen, welche mehrfach in der katholischen Presse und Literatur und auf den Katholikentagen Deutschlands lebhaft erörtert worden ist: den ganz vorwiegend protestantischen Charakter des Kapitalbesitzes und Unternehmertums, sowohl wie der oberen gelernten Schichten der Arbeiterschaft, namentlich aber des höheren technisch oder kaufmännisch vorgebildeten Personals der modernen Unternehmungen."



*180410*

Freitag, 17. Juli 2009

Vereidigung auf die Mutter

Die Vereidigung" von Soldaten geht - als uralte, archaische Sitte - zurück auf die lex sacrata der frühen Zeit Roms, und der Völker am Apennin! Worin sich der Plebs eine Form zweckorientierter, vorübergehender militärischer Gebundenheit und Organisation gab. Sie wurde mit dem Initialritus eines Eides konstituiert, und war immer auf Verfestigung und Hinüberführung in den bestehenden Staat ausgerichtet.

Dabei war sie eine Form von echtem Widerstandsrecht, wenn sie sich mit der "Sezession" verknüpfte, was mehrmals vorkam (als Zusagen des Senats nicht eingehalten wurden, aber auch im Widerstand gegen Tyrannen). Wenn der Senat die fides - eine moralische Gebundenheit an das Wohl des Volkes - brach, war auch der Untertan von seinen Bindungen an das Recht gelöst, denn die Treue galt dem Recht. Ein schon bei den Germanen zu findendes Recht, übrigens. Der ungetreue König verlor die Gefolgschaft seines Volkes, wenn alle anderen Möglichkeiten der Gegenwehr erschöpft waren. (Bei den Germanen ging dies noch weiter: bis zum Gebot des gewaltsamen Widerstands.)

Dieses Bild wird freilich erst vollständig, wenn man die ursächliche Verbindung von Richterspruch und Gottesurteil/-willen (hier: im Kampf) berücksichtigt. Für die Römer war irdisches Geschehen direktes Handeln der Götter! 

(s. u. a. Max Weber, Franz Altheim)




*170709*

Freitag, 10. Juli 2009

Funktionseliten statt Kultureliten

"Hinter allen Erörterungen der Gegenwart um die Grundlagen des Bildungswesens steckt an irgendeiner entscheidenden Stelle der durch das unaufhaltsame Umsichgreifen der Bürokratisierung aller öffentlichen und privaten Herrschaftsbeziehungen und durch die stets zunehmende Bedeutung des Fachwissens bedingte, in alle intimsten Kulturfragen der eingehende Kampf des FACHMENSCHEN-Typus gegen das alte KULTURMENSCHENTUM."

Die durch bürokratische Strukturen (in allen Kulturen in ihren Spätphasen) erfolgte wie effektuierte Technisierung unserer Kultur (wobei auch die Bürokratisierung im selben Sinn Technisierung bedeutet, wie sie die Basis für die utilitaristische Ökonomisierung des Soziallebens bedeutet wie diese vorantreibt) steht in beachtlichem Gegensatz zum Bildungs- und Menschenideal sowohl des (als Beispiele genannten) antiken Griechenland, des alten China, oder des europäischen Mittelalters. Und sie bringt automatisch eine Nivellierung der Beherrschten, durch Auflösung der Stände, nein: durch deren Umwandlung in "Klassen" (als einheitlichen technischen Gesellschaftsbezügen unterliegend). Bürokratismus ist Rationalismus, und deshalb wie dieser immer revolutionär, indem sie [archaische, traditionelle, gewachsene] Herrschaftsstrukturen durch unpersönliche, verzweckte Regeln und Mittel ersetzt.

Das meint Max Weber, und er führt an, daß während in diesen Hochkulturen der "kultivierte Mensch" Ziel der Bildung und Erziehung war, der auch soziale Ehre und Prestige verdiente, kam (und kommt - als Prognose ca. 1925 verfaßt) es in Europa zu einer völligen Auswechselung der Kultureliten durch reine Funktions-, utilitarisierte und damit eigentlich zur Klasse proletarisierte Fachwissenseliten, die natürlich auch die sozialen Ehrenzeichen usurpieren. "Es ist das Zurückdrängen der Begabung (des "Charisma") zugunsten des Besitzes," bringt es Weber auf einen Punkt.

Er beschreibt damit bereits vor hundert Jahren das Problem der heutigen Eliten als kaum mehr umkehrbaren, längst eingeschlagenen Weg. Denn er geht einher mit einer Verbeamtung/-bürokratisierung - während Merkmal jedes Verwaltungsapparates seine effiziente Selbsterhaltung kraft seiner faktischen (auf "Fachwissen" beruhenden) Macht ist.

Lediglich im mittelständischen (nicht verbürokratisierten) Unternehmertum sieht Weber noch eine kulturgebundene Bastion.




*100709*

Nicht einmal mehr die Liebe

Max Weber nennt es "Disziplinierung", Georg F. Jünger Folge der Technisierung - beide meinen dasselbe: weil sich für gewünschte Effekte - technische Siege, hier wie da, in denen "persönliche Ehre" nichts mehr zählte - das arbeitsteilige Aufgehen des Einzelnen in der Ausübung abgezirkelter Funktionen als überlegen erwies, begann ab dem Mittelalter jeder Lebensbereich zu zerfallen.

Was zuerst war? Militär, wo der Ritter nicht mehr gebraucht wurde, weil hoffnungslos der Phalanx, aber auch den modernen Waffen unterlegen war? Es gab sogar Bestrebungen, die Armbrust zu verbieten. Aber die Schweizer, die hier revolutionär wirkten, waren gar nicht durch ihre neuen Waffen überlegen. Sie waren es durch ihre neue, technisierte Kampfweise, die auf Ehrbegriffe und Rittertum - die Ziele waren gewichtiger als das, was sie dafür aushebeln mußten - pfiff. Damit waren sie in ganz Europa gefragte Leute.

Oder die Wirtschaft, die zur Industrie revolutionierte und den Proletarier schuf, der ohne Bezug zu einem Endprodukt seine abstrakte Arbeitskraft verkaufte? Aufbauend auf einer Güterverteilung, auf einer Verkehrswirtschaft, die als alles überdeckende "Maschine(rie)" der kleinen Einheit ihren Takt vorgab, und damit die Metamaschine schuf, die bald alles, bis ins Kleinste hinein, zu "takten" begann.

Heute ist es wohl der gesamte zwischenmenschliche Bereich, der technisiert ist. Nicht einmal mehr die Liebe hat schöpferischen Freiraum.

Nicht einmal mehr die Liebe.




*100709*

Donnerstag, 9. Juli 2009

Utilitarismus kennt keine Person

Weber stellt "Stand" und "Klasse", im Begriffspaar "Stand : Markt" noch deutlicher, gegenüber: als einerseits "idealistisch", anderseits "ökonomistisch" geprägt. "Stand ist immer markthemmend."

Anders als in der reinen Ökonomisierung der zwischenmenschlichen Beziehungen, kennt nur der Stand einen über den Utilitarismus hinausgehenden Ethos. Den Weber als "Ehre" bezeichnet. "Der Markt kennt kein Ansehen der Person; sachliche Interessen beherrschen ihn. Er weiß nichts von Ehre. Die ständische Ordnung bedeutet gerade umgekehrt: Gliederung nach Ehre und ständischer Lebensführung und ist als solcher in der Wurzel bedroht, wenn [sie zugunsten einer utilitaristischen Marktordnung, die womöglich noch über der "Superadditum" ERFOLG überwertet ist, erliegt.]" Wobei "Ehre" natürlich ein "sozialer Wert" ist, Stellung wie Wertschätzung in einer Gemeinschaft ausdrückt.

Viele ständische Anforderungen und Sittlichkeitsgebote widersprechen zudem jenen Verhaltensweisen, die ein "freier Markt" aber erfordert - zum Beispiel das Feilschen, das in der Antike wie im Mittelalter vielfach als Makel galt.

Anders als politisch verkündet, sieht Weber in den Klassen (vereinfacht formuliert: einer gruppenbezogenen Definition und Monopolisierung von Marktchancen) KEIN Gemeinsames. Vielmehr sieht Weber gerade im Unterschiedlichen das Gemeinsame: Was diese Klassen vereint lebt gerade aus den Unterschieden, wie dem Markt: ihm unterworfen zu sein, seinen Bedingungen, der darauf bezogenen Rechtslage, der Definition und Stellung von Eigentum.

Den wirklichen und unvereinbaren Gegensatz sieht Weber also in einer ständischen hier - einer marktdominierten kapitalistischen gesellschaftlichen Ordnung dort. Das "Treibmittel" ist hier soziale Ehre innerhalb des Standes - dort materieller und zählbarer Erfolg. Nicht zufällig ist (weltweit) zu beobachten, daß die höchsten Stände jede auf Erwerb abzielende Tätigkeit als unehrenhaft verpönen.

Weber sieht historisch dabei eine Korrespondenz mit wirtschaftlichen Entwicklungen: wo immer es zu rasanten ökonomischen Umwälzungen kam, wurde eine ständische Gesellschaftsgliederung von "Klassenbildungen" verdrängt - verlangsamte sich eine solche Entwicklung, schob sich der Begriff der "sozialen Ehre" wieder in den Vordergrund.




*090709*

Ein Mythos, der manchen nicht unrecht kommt

Max Weber meint, bei historischer Betrachtung sei das Motiv für politische Zusammenschlüsse im Großverband (wie damals, um die Jahrhundertwende 19./20. Jahrhundert: Reichsgründung Deutschlands) keineswegs so eindeutig gesamtwirtschaftlich zu sehen.

Das ist ein Mythos, der zwar manchem nicht unrecht kommen mag, aber bei genauerer Betrachtung nicht haltbar ist.

Vielmehr meint Weber sei auffallend, daß selbst in der Antike ganz andere Interessensgruppen profitierten, und deshalb primär Motoren solcher Zusammenschlüsse gewesen seien. Am Beispiel Deutschlands war ein Zusammenschluß (Zollverein; Anm.) fast unlogisch, weil maßgebliche deutsche Wirtschaftszweige ihre Absatz- und Wirtschaftsräume ganz woanders hatten, nur nicht innerhalb Deutschlands: in England, in Rußland, in Frankreich.

Aber das Streben nach Pfründen, Ämtern, auch militärischen Karrieren (selbst bei Niederlagen ein fluktuierendes Gewerbe) sei als Motiv nachweislich oft genug maßgeblich für solche Zusammenschlüsse gewesen.

"Bei den großen Flächenstaatenbildungen des Binnenlandes vollends war in der Vergangenheit eine maßgebende Rolle des Güterverkehrs durchaus nicht die Regel." Ja, Weber meint: nicht einmal besonders gut ausgebaute Verkehrswege seien oft zu beobachten gewesen. Historisch ebenfalls eindeutig sei aber, daß Expansionen politischer Machtkörper praktisch IMMER der Gewinnung von Einkünften für den Zentralapparat dienten. Selbst die Expansion des römischen Reiches war ja nicht gerade von der Gewinnung wirtschaftlicher Prosperitätsräume gezeichnet, sondern fast ausschließlich getrieben von Bodenspekulanten, Steuerpächtern und Amtsjägern. Noch deutlicher gilt dies für die persische Expansion.

Als Regel kann gelten: wirtschaftliche Beziehungen waren stets nur die Folge machtpolitischer Vorgänge. Als Regel gilt: wirtschaftliche Beziehungen sind die Folge politischer Prozesse.

Gerade am Beispiel Roms weist Weber darauf hin, daß die dortigen Verhältnisse als beispielhaft für die weitere historische Entwicklung gelten müssen. Hier habe sich ein Wirtschaften entwickelt, das "imperialistischer Kapitalismus" zu nennen sei. "Es sind die kapitalistischen Interessen von Steuerpächtern, Staatsgläubigern, Staatslieferanten, staatlich privilegierte Außenhandelskapitalisten und Kolonialkapitalisten. Ihre Profitchancen ruhen durchweg auf der direkten Ausbeutung politischer Zwangsgewalten, und zwar expansiv gerichteter Zwangsgewalt."

Anderseits sei die späte Phase des römischen Reiches ein Beispiel dafür, wie die Notwendigkeiten des Apparates in Verwaltung und Militär das Aufkommen eines Kapitalismus als Merkmal wirtschaftlicher Prosperität regelrecht erstickten (sprich: das hohe Maß an Staatswirtschaft löschte die wirtschaftliche Eigeninitiative der Bevölkerung aus). Diese Entwicklung hinwiederum befeuert das Kreditwesen, und damit die Einflußnahme der Gläubiger auf die Politik.

Also der Kapitalisten? Falsch gedacht, meint Weber. Vielmehr mutiert das Staatsgläubigertum zum Rentnertum (Staatsrentner, wobei der Begriff "Rentner" nicht einfach ident ist mit "Pensionist"), und schafft somit die Chancen für Kredite (Anleihen) emittierende Banken.

Und ... Rüstungslieferanten, als Interessentengruppen, deren Existenz eindeutig an der Entstehung von Kriegen interessiert ist. Womit sie systemtragend in mehrfacher Hinsicht sind, denn:

"Alle politischen Gebilde sind Gewaltgebilde," schreibt ferner Weber nüchtern in seinem Hauptwerk "Wirtschaft und Gesellschaft". Sie hätten die klare Notwendigkeit wie Natur, sich vor allem nach außen zu behaupten. Praktisch nie sei historisch ein "starker" Nachbar dafür gewünscht weil von Nutzen gewesen: jedes politische Machtgebilde vertrage keine starken Gegner.

Das kommt einem doch angesichts mancher Beobachtungen in Zusammenhang mit dem Verhalten inländischer Politiker und der EU nicht ganz unplausibel vor ...

Aber noch ein anderer Gedanke zeigt sich angesichts dieser Überlegungen gut beleuchtet: Daß die Staaten heute - hoch verschuldet (s. o.) - einen Zusammenbruch des Bankensektors schon deshalb gar nicht dulden konnten, weil damit Staatsbankrotte unausweichlich geworden wären! Denn im Falle eines Bankenzusammenbruchs würden Kredite fällig gestellt. Wie im Falle Islands, Litauens defacto geschehen, bei zahlreichen weiteren Staaten gerade noch abgewendet, bei weiteren aber noch immer im Raum.

Der Kapitalismus sei seiner Natur nach also expansiv, sei also: imperialistisch.

ABER: wer nun meint, Weber plädiere für einen Sozialismus, irrt erneut. Er zeigt vielmehr, daß das Wesen eines Staatssozialismus mitnichten friedliebender wäre. Denn es gibt keine Veranlassung zu meinen, daß nur weil nun andere Schichten - "Massen" - betroffen wären, diese weniger ökonomisch interessiert seien! Vielmehr trage der Güteraustausch in Expansion ein anderes Gesicht. Weber zeigt: Der Schwächere würde über direkte oder indirekte Form zum Tributzahler des Stärkeren. Die (vom Staat nun direkt abhängige; Anm.) "Masse" sei also in diesem Sinne zum "Kapitalisten" geworden, und habe dieselben (aggressiven) Motive, die Stärkung des Systems zum Hauptziel zu haben.




*090709*

Montag, 22. Juni 2009

Gesetzeskonformität ersetzt Gerechtigkeit

Max Weber über das Verdrängen des Naturrechts durch den Rechtspositivismus - ein Vorgang, den er bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts unabwendbar sah:

"Das Schwinden der alten Naturrechtsvorstellungen hat die Möglichkeit, das Recht als solches kraft seiner immanenten Qualitäten mit einer überempirischen Würde auszustatten, prinzipiell vernichtet: Es ist heute allzu greifbar [...] als Produkt und technisches Mittel eines Interessenkompromisses enthüllt. Aber eben dieses Absterben seiner metajuristischen Verankerung gehörte zu denjenigen ideologischen Entwicklungen, welche zwar die Skepsis gegenüber der Würde der einzelnen Sätze der konkreten Rechtsordnung steigerten, eben dadurch aber die faktische Fügsamkeit in die nun mehr nur noch utilitarisch gewertete Gewalt der jeweils sich als legitim gebärdenden Mächte im ganzen außerordentlich förderten. Vor allem innerhalb des Kreises der Rechtspraktiker selbst."

Weber sagt da nichts anderes als daß die heutige Rechtsauffassung den Juristen zu einem Funktionär egal welchen Rechts macht, sodaß das Gerechtigkeitsstreben zu "Gesetzeskonformität" einerseits, Gesetzgebung zur reinen Ausführenden eines sich irgendwie faktisch findenden "Volkswillens" anderseits (damit: Vorschub der Mehrheitswillkür) verkommt. Er fällt damit viel stärker als früher in die Waagschale einer gerade herrschenden "legitimen" autoritären politischen Gewalt. (Schon die Entwicklungen 1933 gaben ihm vollauf recht.)




*220609*

Donnerstag, 18. Juni 2009

Glaubwürdigkeit auf der Grundlage persönlicher Weitergabe

Einen interessanten Hinweis gibt Max Weber zur Rolle der Schriftlichkeit in Gesetz und Recht wie Heiligen Schriften - im Islam. Weber führt an, daß ein Vertrauen in die Schriftlichkeit ein Abweichen vom prophetisch-charismatischen Charakter der maßgeblichen Personen der Religion und Lebensordnung bedeutet hätte beziehungsweise bedeuten würde. Ihre Glaubwürdigkeit hängt aber an der ununterbrochenen Weitergabe der Wahrheit von Person zu Person! Deshalb gilt im Islam nach wie vor das Prinzip der Tradition der persönlichen Weitergabe der Grundsätze und Lehre in Schulen und Anstalten.

Eine "sola scriptura"-Rolle Heiliger Schriften meint Weber nur im "Altprotestantismus" zu finden. Selbst im Hinduismus findet sich nach Weber diese Tradition, wobei er ihn noch als Exempel benutzt, um die Unterscheidung zwischen dogmatischen Büchern der Offenbarung (srufi vedas) und "Erinnerungsschriften" (smeti), aus der Geschichte gegriffene Auslegungsschriften, zu demonstrieren, die es auch zum Beispiel im Islam gibt. (Natürlich auch im Katholischen, unter anderem in den Schriften der "Kirchenväter".)

Weber, ein Protestant, führt damit die (nunmehr also: auch) katholische Position zur Stellung und Rolle der Heiligen Schrift ("Die Kirche hat sie sich selbst gegeben!") Die Rolle der Schriftlichkeit, wie Weber sie sieht: um über die Dauer die Einheitlichkeit der Überlieferung nicht zu gefährden.

"... nicht die Heiligen Schriften die Wahrheit der Tradition und der Kirchenlehre, sondern umgekehrt: die Heiligkeit der als Fideikommiß der Wahrheit von Gott gestifteten Kirchen und ihrer Traditionen die Wahrheit der Schriften garantiere. Dies ist konsequent und praktisch: das umgekehrte (altprotestantische) Prinzip setzt ja die Heiligen Quellen der historischen und philologischen Kritik aus."


(Max Weber in "Wirtschaft und Gesellschaft")




*180609*

Alter Etikettenschwindel

Max Weber sieht den Anteil des Christentums an der Abschaffung der Sklaverei defacto nicht relevant, weil sehr gering. Weil sich Sklaverei nur auszahlt, wenn die Lebenshaltungskosten gering waren (was ihre Reproduktion ausschloß, denn Familien sind teuer, haben einen hohen Anteil von unproduktiven Essern) und Boden billig, wenn nicht (durch Expansion) frei ist, war das Ende der Sklaverei in Amerika längst eingeläutet: Boden war bereits begrenzt, und die Zufuhr von Sklaven aus Afrika unterbunden beziehungsweise eingeschränkt, auch durch afrikanische Entwicklungen. Weber vergleicht die Lebensweise der Südstaaten-Farmer eher mit denen der römischen Großfamilie, den Sklavenhalter mit dem Pater Familiae, mit sehr weitgehenden Rechten, aber längst sehr familiären Haltungen.

Der Bürgerkrieg Nord-/Südstaaten hatte also nach Max Weber rein politische, kulturelle Gründe. (Julien Green übrigens definiert den Bürgerkrieg genau so: als kulturelle Katastrophe, nicht als "humanitäres Projekt" des Nordens; entsprechend spricht Green vom "Trauma des Südens") Es war ein Krieg der Farmerdemokratie und bürgerlichen Plutokratie der Nordstaaten gegen die südliche Pflanzeraristokratie. Ein Kampf der neuen, protestantischen Welt gegen die alte europäische, katholische Welt. Ein Kampf der Schwärmer und Mystizisten gegen aristotelisch-thomistische Metaphysik.

Die parallele Entwicklung in Europa - Weber sieht die unfreie Arbeit als generelles Kriterium dieser Kulturstufen, unterscheidet nur formal zwischen Sklaverei und Frondienst (die Bauernbefreiungen fanden am Kontinent ebenfalls zu etwa der gleichen Zeit statt) - war gleichfalls von Rentabilitätsüberlegungen getragen: Die Entwicklung moderner Produktionstechniken hatte unfreie Arbeit unrentabel gemacht.




*180609*

Mittwoch, 27. Mai 2009

Pervertiertes römisches Recht

Das römische Recht kannte die sogenannte "freie Ehe": In ihr konnte die Frau die Ehe jederzeit beenden. Aber dafür verzichtete sie auf die Versorgung als Witwe, und verlor jedes Recht den Kindern gegenüber.

Dies macht die Ungeheuerlichkeit der heutigen Rechtslage in Österreich so richtig deutlich, die nämlich das Gegenteil vorsieht, während die Pflichten des Mannes weitgehend unverändert dem des römischen Rechts entsprechen: Die Frau kann die Ehe jederzeit beenden, behält aber defacto alle Rechte auf die Kinder, sowie alle Versorgungsrechte.

Weber sieht übrigens sehr richtig als wesentlichen Faktor der ehelichen Güterregelung die Sicherung außenstehender (Ehe-) Gläubiger. Es ist deshalb nur logisch, daß die Kreditwürdigkeit des Mannes (ein Maßstab seiner Unternehmenskraft) hierzulande längst deutlich unter der der Frau rangiert.

In dem Moment, wo das wirtschaftliche Recht - bei der Frau in der Mitgift, auf die sie je und je mehr Zugriff hatte, beim Mann vorwiegend in vor allem von Dritten, Außenstehenden auferlegten werkzeuglichen und militärischen Bedingungen, wie zum Beispiel Waffenrecht - in die Hausgemeinschaft eindringt, sieht Weber den definitiven Beginn der Zersetzung der Hausgemeinschaft: Ab hier löst sich der Kommunismus auf, wird "gerechnet".




*270509*

Nur eheliche Kinder

Weiter in Max Weber's Anatomie der menschlichen Gesellschaft, die er in der von ihm quasi grundgelegten Soziologie in "Wirtschaft und Gesellschaft" akribisch vom Kleinsten ins Allgemeinste betreibt:

Aus der Verflechtung der Hausgemeinschaften in den Nachbarschaftshilfen ist die Bedeutung der Übernahme von Rechten und Pflichten durch die Nachkommenschaft verständlich, und die Gewähr durch jeden Einzelnen, sich im Sinne eines "do ut des" an dieses Geben und Nehmen untereinander zu halten. Ein Einbruch fremder Sippenansprüche hätte hier gravierende Unordnungen und Desolidarisierung stiften können.

Dadurch ist auch die Unterscheidung in illegitime/legitime, eheliche Nachkommen eine Einrichtung, die der Frau - der natürlich die Kinder zugerechnet wurden - Rechtssicherheit gab. Die Annahme als Kind durch den Vater war ja weitgehend ein willkürlicher Akt des Haushaltsvorstands (und die patriarchale Rechtsordnung ist historisch existentielle Voraussetzung jedes Volkes mit größerer Reichsgründungskraft, sohin größerer Kulturkraft) Eine Einrichtung, die sich in den nordischen Ländern noch bis ins Mittelalter erhielt. (Namensgebung, auch in slawischen Völkern!)

Die Gefahr des Bruchs dieser Solidarverpflichtung innerhalb der Gemeinde brachte die (verstehbare) Gefährdung der sozialen Stellung des ganzen Hauses mit sich!




*270509*

Nahe, aber keine Nachbarn

Der die Familie prinzipiell in ihrem Außenverhältnis tangierende weitere Kreis ist jener der Nachbarschaft. Ihre Berührung findet in der Nachbarschafts-Hilfe, in der ökonomischen Nothilfe statt, und reicht prinzipiell auch nicht weiter oder länger. Die Gemeinschaft solcher Nachbarschaften sind das, was mit Gemeinde verstanden werden kann, welche wiederum nur in ihrem Außenverhältnissen zu anderen Gemeinden (aus Nachbarschaften) besteht wie verstehbar ist. Die Größe der Familie selbst ist wiederum eindeutig ökonomisch bedingt.

Wobei es natürlich zu immer komplexeren Verflechtungen und kulturell-institutionalisierten Ausdifferenzierungen von Familie - Sippe - politischer Verband - Nachbarschaft/Gemeinde kommen kann und kommt. Sie setzen alle aber in der Nachbarschafts-Nothilfe an. Mit einem interessanten Hinweis: Weber sieht die Sippe (blutsverwandte Familien in unterschiedlichsten Formen) als klarste Gegenkraft gegen die politischen Verbände. Ja, die Rechtsgewähr des Einzelnen gründet in diesem Rückhalt.

Umso problematischer sieht Max Weber die heutigen sozialen Verhältnisse ("Mietskasernen"), die durch ihre ökonomischen Bedingungen, die große und nicht wirklich weiter bestimmbare Nähe bewirken, oft eine Abgrenzung der Hausgemeinschaften/Familien voneinander bewirken, anstatt solche Nachbarschaft zu entwickeln.




*270509*