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Samstag, 6. Mai 2017

Sie hat nur auf ihre Gefühle gehört

Nicole Jorgenson
Dieses unten zu hörende Interview (tut mir leid, liebe Leserin G, es geht  nicht anders: wieder auf Englisch) mit der  norwegischen Sopranistin Nicole Jorgenson ist so gut, daß es hier gebracht werden soll. Denn die bildhübsche Norwegerin, die in South Dakota aufwuchs und sich dann in Amerika dauerhaft niederzulassen versuchte, berichtet auf ganz normale, sehr weibliche Weise von ihren Erfahrungen, die sie - als ehemalige Linke - "rechts", "traditionell" werden ließen.

Sie war als Kind in dritter Generation norwegischer Einwanderer aus Trondheim/Bergen (Norwegen) in einer ethnisch-kulturell geschlossenen Gruppe aufgewachsen. Alles war berechenbar. Man lebte und vertraute sich, Häuser waren niemals abgeschlossen. Man feierte seine Feste, und sie dachte schon, daß überhaupt jeder Mensch so aufwächst.

In die Stadt zu gehen und (Musik) zu studieren war für sie deshalb ein Kulturschock. Hier begann ihre Indoktrinierung mit Marxismus, und sie nahm auch diese Haltungen an. Rettunganker waren nachträglich gesehen ihre Eltern, die meinten, daß es sowieso unverantwortlich sei, sich für ein Musikstudium so schwer zu verschulden, wie es ein Abschluß des Studiums bedeutet hätte.

Also ging sie nach zwei Jahren nach Deutschlandl Wo sie in Heidelberg ihr Studium fortsetzte, aber ihren Unterhalt von Anfang an selbst durch Musikunterricht auf der Militärbasis der Amerikaner verdiente. Das war genau zur Zeit des großen Finanzcrash 2008. Eine Zeit, in der sie mitbekam, in welch enormem Tempo sich ihr neues Gastland. Ein Land, das sie sogar als "besetztes Land" erlebte, wo sich alles aber so seltsam und rasch zu verändern begann. Ihr fiel auf, daß der Rückzug der Alliierten (Amerikaner) aus Deutschland auch in Heidelberg jede Menge Häuser frei werden ließ. Der Bürgermeister hielt es jetzt aber für eine gute Idee, diese mit Zuwanderern zu füllen. Die aus anderen, aus fremden Kulturen kamen.

Sie hatte sich nie unsicher gefühlt, als blonde Frau auf Tournee zu gehen, in halb Europa aufzutreten. Plötzlich aber, mit 2015, veränderte sich das Bild völlig. Plötzlich, und sprunghaft zunehmend, mehrten sich die Frauen in Hidjab und Burka, waren die Männer auf den Straßen immer mehrheitlicher fremdländisch, afrikanisch, türkisch, was auch immer: fremd zur Alltagskultur. Und plötzlich wurde sie belästigt und in der Straßenbahn sexuell bedrängt. Niemand ihrer Freundinnen, denen es genau so ging, hatte sich zuvor etwas dabei gedacht, mit dem Fahrrad unterwegs zu sein. Auch das änderte sich schlagartig. Wobei, so ganz neu war das alles nicht, es nahm jetzt nur überhand.

Interessant, was sie über ihre Gesangstätigkeit in deutschen Chören erzählt. Wo sie überrascht war, daß so viele asiatische, im speziellen koreanische Sänger präsent waren. Diese haben schon aufgrund ihrer Anatomie oft sehr mächtige Stimmen. Alleine der (im Verhältnis) größere Kopf verleiht ihnen einen anderen Resonanzkörper. 

Aber ihnen fehlte etwas ganz Entscheidendes: Sie sangen stets, wie Solisten singen. Das Feine, das aufeinander Sensible, das europäische Gesichte - und das Gesicht ist für den Klang entscheidend: Die "Maske"! - eben haben, fehlte ihnen. Damit änderte sich der Klang der Darbietungen. Aber niemanden scheint zu stören. Denn die deutschen Schulen hatten schon längst begonnen, sich auf den "Weltmarkt" auszurichten. Und dort haben asiatische Sänger einfach mehr Betätigungsfelder, denn es gibt tausende Opernhäuser auf der Welt. Aber nur 200 in Deutschland. Also wurden mit deutschen Steuergeldern asiatische Sänger ausgebildet und an deutschen Opern beschäftigt. Bis sie weggingen.

Sie selbst aber stellte eine eigentümliche Liebe zu jener Musik fest, die aus ihrem kulturellen Erbe stammte, der Klassik Europas, aber auch den Liedern und Volksliedern, die sie in ihrem Elternhaus erlebt hatte. Geprägt von einer Landschaft (Norddakota) mit einem rauhen Klima. Mit Eigenheiten wie entstehen, weil man sich in den langen, dunklen Wintern in der engsten Nachbarschaft erwärmte und unterhielt, während draußen bei minus 30 Grad die Stürme bliesen und der Schnee sich türmte. (So nebenbei: Von Jahr zu Jahr mehr.)

Sie liebte auch Westernmusik, denn das war auch die Musik ihrer amerikanischen Vergangenheit. Doch die war nicht  gefragt. Also versuchte sie es in Popmusik, wo aber solche Spezifika sogar störend waren, weil die Popmusik auf eine Weise universalistisch ist. Sie fühlte sich damit ihrer selbst entfremdet, und war nur noch unglücklich. Sang sie wo vor bemerkte sie bald, daß man eine Art "allgemeine Degeneration" sogar bereits erwartete. Bis hin zur Art des Schauspiels, das voller Nacktheit und Entblößung war.

In ihrer Heimat in Norddakota aber wurde ihr mehr und mehr klar, welche Persönlichkeiten ihre Vorfahren gewesen sein mußten, die sich gegen diese harten Umweltbedingungen durchgesetzt hatten. Niemand hatte es leicht gehabt, denn es gab nichts außer Schneestürmen in harten Wintern, denen trockene Sommer folgten. Dennoch hatte man, in aller ständigen Lebensbedrohung, durchgehalten und mit der Zeit lebensfreundliche Bedingungen geschaffen - eine norwegische Kultur in einer amerikanischen Umwelt.

In multikulturellen Welten wie in Deutschland sei ihr die extreme Isolation aufgefallen, in die die Menschen fallen, und wie sie ihr unbekannt war. Man sieht einander nicht einmal nicht einmal mehr in die Augen, weil man den anderen nicht mehr einzuschätzen vermag und sich deshalb ständig wie auf rohen Eiern bewegt. Bei ihren letzten Deutschlandbesuchen fiel ihr dann auf, daß die Einwanderung schon jedes Maß überschritten und das Land nun aus allen Angeln gehoben hat.

Ähnliches erlebt sie aber auch in Norddakota. Wo man in den letzten Jahren gezielt versucht hat, Somali und Nordafrikaner anzusiedeln. Sprungartig stieg die Verbrechensrate, und das allgemeine Unsicherheitsgefühl wuchs ins Unermeßliche. Heute wagt keine Frau mehr, ihren Einkaufswagen im Supermarkt alleine zu lassen, wenn ihr Kind drinnen sitzt. Blonde, blauäugige, also europäischstämmige Kinder im speziellen sind höchst entführungsgefährdet. Sie selbst fühlt sich ohnehin schon lange schlecht, weil sie blond und blauäugig ist, was für viele so hoche Anziehungskraft hat.

Jorgenson hat auch in Indianerreservaten - freiwillig - unterrichtet. Ihre Erfahrungen dort waren aber höchst widersprüchlich zu ihren damaligen idealistischen, linksliberalen Denkansätzen, und öffneten ihr die Augen. Der in den Reservaten, nur eineinhalb Fahrstunden von ihrer Heimat entfernt, exzessiv verbreitete sexuell-inzestuöse Mißbrauch unter Indianern war nur eines der vielen Dinge, die ihr auffielen. Alkoholismus, Drogenmißbrauch schaffen dort eine regelrechte Lebenssphäre der Verkrüppelung. Dabei waren die Vicca, wo sie zu helfen versuchte, ein Volk, das schon durch die Sioux an den Rand der Ausrottung gebracht worden waren, das war also keine Idee der Weißen. Die Indianervölker waren auch untereinander Todfeinde. Denn auch diese "Naturvölker" lieben keineswegs die Fremden, und lehnen Multikulturalismus sogar strikt ab! Jeder will Teil eines Ganzen, einer Gruppe Gleicher sein, meint Jorgenson. Alle wollen fest umrissene Identität.

Sie begann allmählich zu begreifen, welchen Wert ihre eigene Ethnie und Kultur hatte. Durch simpelste Erlebnisse, etwa indem sie ihr Kind an ihrer Brust stillte und feststellte, erlebte sie daß sie froh und stolz darüber war, daß ihr Kind ... wie sie aussah. Sie gab allmählich ihrem Gefühl Raum, daß sie am glücklichsten war, unter "ihresgleichen" zu sein. Daß ihr einfach das am meisten gefiel, was ihr als tradiitonelle Kultur, als ihr Ähnliches übermittelt worden war. Sie ließ den Gefühlen Lauf, stolz auf das zu sein, was sie selbst hatte - die ethnische Gruppe, der sie angehörte, ihr Mann, der wie sie blond und blauäugig war.

Ihr gesundes natürliches Empfinden, seine Stärke, bewies sie auch, als sie zugab, daß sie vieles nur noch abstieß, was von ihr auf Bühnen speziell in Deutschland verlangt worden war (und das ist schon enorm viel, der VdZ weiß, wovon er spricht), und zwar von Bochum bis Berlin. Das ein Abwerfen von allem hieß, das von ihr als Fundamente ihrer persönlichen Moralgefühle begriffen wurde. Aber sie wollte dem nicht mehr widersprechen, was ihr als falsch vorkam.

Ihre Wende war eigentlich nur eines: Resultat ihrer Sehnsucht nach Ehrlichkeit. Sie wurde "traditionell", "rechts", weil sie ihren eigenen Gefühlen nachgab. Das ist das Interessanteste an diesem Interview. Wollen nicht genau das die Linken? Ist das nicht sogar das vorgebliche Ziel der "neuen Pädagogik"? (Übrigens hat der VdZ schon mehrmals festgestellt, daß Waldorf-Schüler zu den konsequentesten, unnachgiebigsten, ja ideologisch härtesten "Rechten" gehören, das nur nebenbei.)

Sie war europäisch, sie sprach fließend Deutsch, sie hatte längst begonnen, die deutschen Philosophen zu lesen, die Kultur zu lieben und zu verstehen, war also bereits vollkommen integriert, hatte einen unbegrenzten Arbeitsvertrag, lebte also von ihrer Arbeit, alles. 

Da ... warf man sie aus Deutschland hinaus. Man verlängerte ihre Aufenthaltsgenehmigung nicht mehr, und genau so ging es ihren Freundinnen, hoch ausgebildeten Fachkräften mit zahlreichen Ausbildungszertifikaten. Während jeder Nordafrikaner (etc.) bleiben kann.  Ist das also der Typ von Zuwanderern, der hier gewünscht wird? Dann, so Jorgenson, dann sollen sie damit auch fertigwerden. Soll sie sich schämen, daß sie bond und blauäugig und erfolgreich ist? Sie ging wieder zurück in die USA.

Der VdZ bringt das Gespräch nicht zuletzt deshalb, weil er mit absoluter Sicherheit sagen kann, daß es den heutigen Generationen der Verrücktheit - und es sind mittlerweile fast alle schon verrückt -  nur an einem fehlt: An genau dem, das sie als Argument für ihre Desorientiertheit anführen, sie also tatsächlich als mangel feststellen, aber falschen Ursachen zuschreiben: Was ihnen fehlt ist der Mut zur eigenen Wahrnehmung. Das wird dem VdZ sogar von seinen eigenen Kindern an Argument vorgebracht wird - und er wird als schuld daran genannt! Dabei will er ihnen zu genau dem verhelfen, was sie vorgeben zu wollen: Daß sie - und wie lange hatte er gebraucht selber dazu zu finden - endlich ihren Gefühlen folgen. Aber sie identifizieren den Feind nicht richtig, und sehen ihn in der Vernunft, die ihnen das ist, das sie "verkrüppelt". Aber genau das ist eine Lüge. Denn es ist genau umgekehrt. Die Vernunft abzulehnen ist der sicherste Weg, die eigene Wahrnehmung zu verfehlen.





Hier ein Video mit einem Gesangsauftritt der Norwegerin in Heidelberg, 2013.






*250417*

Dienstag, 27. Januar 2015

Spannend ist es allemal

Das Interessante am derzeitigen niedrigen Ölpreis ist, daß er niemandem zu nützen scheint. Was immerhin bemerkenswert ist. Außer den Konsumenten, mit Verzögerung allerdings, die etwas (!) weniger für ihr Benzin zahlen (3/4 des Benzinpreises sind ja ohnehin Steuern), um am Sonntag öfter einen Ausflug machen zu können, und etwas den Unternehmen. Das bestätigt die Meinung des VdZ, der nie an eine konzertierte Veranstaltung geglaubt hat, etwa weil es Rußland (das in hohem Maß vom Energieexport abhängt) schädigen würde. Die Leidtragenden - unter Anführungszeichen! - sind hingegen fast alle. Und das macht den Ölpreis an sich noch interessanter, der ja seit 40 Jahren, unter dem Unkenruf einer "endlichen und bald beendeten Ressource" ein Kunstgebilde außergewöhnlicher Dimension ist.

Aber es schadet den USA, weil die so erhoffte Autarkei in der Energieversorgung in hohem Maß vom Fracking abhängt. Doch das Fracking rechnet sich nicht mehr bei einem Ölpreis unter 60 Dollar.

Es schadet Norwegen, das sich um normales Wirtschaften ja überhaupt nicht mehr gekümmert hat, und nur noch auf ein Kunstgebilde besonders "kreativer" Wirtschaft aufgebaut hat, das mit 600, 700 Milliaren (Stand 2013) weltweit auf den Kapitalmärkten rumorendes Geldvermögen baut, die jedes Nachdenken erspart blieben ließ.

Es schadet natürlich auch Rußland, dessen Exporterlöse sich fast halbiert haben, rechnet man diese mit Importen gegen, also am Binnenmarkt durch die notwendigen Importe einen Inflationsschub ausgelöst haben.

Es schadet einer ganzen Reihe von Schwellenländern, wie Brasilien, die auf ihr Erdöl aus Tiefseebohrungen vor der Küste als Zukunftsschatz bauen,  weil Tiefseebohrungen einen Ölpreis von 80, 100, 160 Dollar und mehr brauchen, um sich zu rechnen. Wobei von diesen Kosten für Tiefseebohrungen fast alle Länder betroffen sind.

Wie England, dessen Staatshaushalt sich seit dreißig Jahren nur wegen des Nordseeöls - Tiefseebohrungen - über Wasser hält.

Es schadet jeder Form von Energiewende in Deutschland, die ihre ohnehin hoffnungslos überteuerte Energieproduktion nun noch offensichtlicher unwirtschaftlich ins Ofenrohr schiebt, um sich eine doppelte Energieproduktion zu leisten wie andere sich einen Picasso an die Wand hängen.

Es hilft nicht einmal Arabien, das man noch als größten Profiteur bezeichnen könnte, weil es nun zwar an Wichtigkeit gewinnt - das arabische Öl ist meist besonders günstig zu fördern - aber auch nur an Relevanz gewinnt, solange der Ölpreis hoch ist. Es ist außerdem anzunehmen, daß die arabischen Länder ihr Ölgeld wie einen Lottogewinn in recht spekultaive Werte investiert haben, die fragil sind, weil sie von den Wirtschaftsentwicklungen im Westen abhängen. Der Rest - s.o. Steigt der Ölpreis wieder, ist Arabien nicht geholfen. Dann steigt auch die Zahl der Konkurrenten, und alles ist beim alten.

Hilft es wenigstens China, der mittlerweile zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt? China lebt vom Export. Wird durch Wirtschaftsschwäche in den USA und Europa der Export schwächer, bricht das Kartenhaus China zusammen. Denn die Inlandsnachfrage ist die dramatische Schwäche des Landes, und die Rentenversorgung dazu, denn Millionen und Abermillionen von Chinesen haben Billionen von Dollars im Ausland investiert, um eine Altersversorgung zu haben. Das Land hat ja kein Sozialsystem.

Hilft es wenigstens Afrika? Mitnichten. Der ganze Kontinent hängt von der Weltwirtschaft ab. Wird die schwächer, fällt Afrika wieder einmal endgültig in Sack und Asche.

Woher also diese Dynamik des Ölpreisverfalls kommt weiß gar niemand so richtig. Bricht da gar einfach - im Sinne einer unberechenbaren Reaktion eines hochkomplexen Systems - eine Säule einer grotesken Phantasiewirtschaft, auf der die Welt seit vierzig Jahren baut? Wir werden sehen. Spannend ist es allemal.

Aktueller Nachtrag: Der niedrige Ölpreis ist aber sicher ein Indikator für Nachfrageschwäche, also für eine keinesfalls nur kurzfristige Wirtschaftsschwäche. Die zu kaschieren sich ja alle Welt anschickt, denn wer schlecht spricht - macht leicht auch schlecht, was noch gut werden könnte. Was zumindest die Propaganda ziemlich, ja fanatisch ernst nimmt. Aber rechne man doch 1+1 zusammen: Die EZB wirft locker mal weitere 1,2 Billionen Euro auf den Markt, deren Druckerfarbe noch nicht einmal getrocknet sein wird, haben sich die Staaten schon darauf gestürzt, um ihre Liquidität aufrechtzuhalten, indem sie Geld in die Menge wirft (das komischerweise immer die Größeren erwischen, und vor allem die, die ganz vorne und der Bühne sehr nahe stehen), weil sonst ihr Steuernachschub versiegt, und ihre Schulden überhaupt nicht mehr darstellbar werden, ihre Politik also an Machtlosigkeit eintrocknen könnte. 

Und dann gibt es einen Indikator, den bekanntermaßen nur Insider kennen: Den Kupferpreis. Denn er ist seit vielen Jahrzehnten Indikator für die Wirtschaftslage im Allgemeinen. Und der ist seit Monaten sehr sehr niedrig. Also, werter Leser - warm anziehen! Der Winter geht mit neuen Stürmen weiter!




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Dienstag, 19. August 2014

Vorsicht vor Bärendiensten

Der Film lohnt eine relecture, er war ja schon vor Jahren hier zu finden: Ein norwegischer Kabarettist und Moderator geht dem seltsamen "norwegischen Genderparadoxon" - "The Gender-Equality-Paradoxon" - nach. Denn obwohl Norwegen, seit 15 Jahren offizielle und progressive Geschlechtergleichschaltung eingeführt hat, obwohl es weltweit als das Land mit der höchsten "Gendergerechtigkeit" (und -gleichheit) gilt, läßt sich ein seltsamer Schwenk feststellen: die traditionell den Geschlechtern zugeschriebenen Rollen sind vor allem beruflich nicht diffundiert, sondern haben sich noch mehr herausgearbeitet.

Harald Eia spricht darüber mit den (natürlich zur Wissenschaft betitelten; wer ist das heute nicht ...) Genderbeauftragten der norwegischen Regierung, ein nicht zuletzt als Reaktion auf diese Diskussion mittlerweile übrigens aufgelöstes Büro. Als diese, konfrontiert mit den Tatsachen, darauf beharren, daß es keine angeborenen Geschlechterdifferenzen gäbe, und sämtliche Studien die dies behaupten überaltet und längst widerlegt seien, fliegt er um die halbe Welt, um das zu prüfen.

Mit genau dem gegenteiligen Ergebnis: Der aktuelle Forschungsstand belegt so klar wie noch nie Geschlechterdifferenzen sogar vom Embryo an. Die Genderberauschten aber weigern sich nach wie vor, dies zur Kenntnnis zu nehmen. Gegen die Wissenschaft, und vor allem gegen das Empfinden der Bevölkerung, die auch ausreichend zu Wort kommt.

Doch soll das nicht noch einmal aufgekocht werden. Vielmehr soll an dieser Stelle auf ein Problem der Argumentation GEGEN den Genderwahn hingewiesen werden. Es wird deutlich, wenn man den Ausführungen der britischen Forscherin Ann Campbell folgt. Ja, sie verweist auf die genetischen Unterschiede, aber nach den Ursachen gefragt offenbart sich die substantielle Schwäche der "Anti-Gender-Front", wenn sie auf dem Boden der Evolution steht. Denn: genau das ist ja die Argumentation der Genderbeflissenen. Campbell kann, aus diesen Thesen darauf, nur auf die traditioinellen Rollenverteilungen hinweisen, die sich seit der ersten Erhebung des Humanoiden aus dem Äffischen entwickelt haben. Hier wird also argumentiert, daß sich die Unterschiede AUS den unterschiedlichen Aufgaben - Kinderkriegen, Stillen vs. Jagd und Schwerarbeit - entwickelt haben sollen. Campbell kann übrigens gar nicht verstehen, wie die norwegischen Genderbeauftragten so argumentieren können - es ist wissenschaftlich nicht gedeckt. Aber kann sie selbst es entkräften?

Eine Berufung auf "Empirie" ist aus naheliegenden Gründen wissenschaftlich gar nicht gedeckt. Denn es "gibt" sie nicht, die "alles aus sich selbst beweisende Empirie", an die aber so viele Menschen heute glauben, ja, was als regelrechtes (Ver-)Bildungsziel unserer Schulen angestrebt wird. (Der VdZ behauptet das mit Fug und Recht, unter Bezug auf eigene Erfahrung mit seinen Kindern.)

Denn es ist doch umgekehrt, und eigentlich argumentiert auch der Film so: Die unterschiedlichen Aufgabenzuweisungen haben sich AUS den genetischen Unterscheiden ergeben, nicht umgekehrt. Wenn sich außerdem alles "entwickelt hat", und sonst keinen Sinn außer pragmatischen Nutzen hat, dann kann es auch verändert werden, wenn sich der Nutzen ändert.

Und genau so argumentieren ja die Vertreter der Genderideologie.

Erst aber ist das Wesensbils, DANN die Aufgabe, als Antwort, als geprägte Antwort, als wesensgemäße Antwort als Sinn, als "Pflicht". Die weltweit gleichen (!) Ausprägungen der Geschlechterrollen sind kein Zufall, sie sind die jeweilige Kultivierung des Wesens der jeweiligen Menschen. Ausbildung der prinzipiellen Polarität des Menschseins, ja allen Lebens selbst.

Ohne ein festes Wesensbild, und damit sind wir bei den Grundlagen der Natur- und Humanwissenschaften überhaupt angelangt, läßt sich nicht gegen den Genderwahn argumentieren. Dann ist die Rollenverteilung nach wie vor zufällig, an sich sinnlos, bestenfalls von Zwecken her gebunden, aber die lassen sich ja ändern. Genau darauf zielt ja sämtliche Gleichstellungsumerziehung ab. Was sich entwickelt hat, kann sich auch wieder anders entwickeln, wenn man ihm nachhilft. Immerhin sitzt kein Mann mehr mit Pfeil und Bogen auf Bäumen und keult Wildkirschenwachteln zum Abendessen, immerhin gibt es Maschinen die körperliche Arbeit erleichtern (und damit die Geschlechterbindung von Aufgabe und Arbeit quasi lösen), immerhin gibt es Kinderbetreuungseinrichtungen oder Teilzeitväter weil hochkomplexe Sozialsysteme ... Evolution ist genau das nicht: eine Begründung für Tradition. Trahere - tragen, ziehen, übernehmen. Aber warum? Kann nicht heute die Politik weltweit in alle lebensvorgänge eingreifen? Frauen Kredite verschaffen, Männern die Säuglingsaufzucht ermöglichen? Wenn Charakter zufällig, nur relativ ist, läßt er sich auch ändern.

Lediglich auf der Ebene des subjektiven Empfindens der Bevölkerung, am Boden des Faktischen, läßt sich nicht argumentieren. Dieses Empfinden ist wahr, gewiß, aber das hat ontologische Gründe, und nur auf dieser Eben läßt sich dieses "wahr" erfassen. Faßt man die nicht, kann nur polemisiert werden, und irgendwann werden die Gegenargumente unterliegen, weil der Mensch in einem unlösbaren Konflikt zwischen Denken und Empfinden steht. Worin das eigentlich "Gewußte" (als Geblaubtes) im Willen als Richte des Handelns siegen wird. Wenn man die Angelegenheit also nicht grundlegender anfaßt, steht dem Gender-Gleichwahn nichts entgegen - außer irrationale, nicht rechtfertigbare Subjektivität, die nur im Trotz (wenn auch: in gewisser Treue, denn das Empfinden geht viel tiefer, ist substantiell, weil die Sinne auf die Gestalt gehen) zu halten ist.

Nicht einmal davon kann man sprechen, daß es eine neue anthropologische Diskussion bräuchte. Denn daß es die braucht, wird gerade den Humanwissenschaften mit ihren Ansätzen, die etwa die Frage nach dem Leib-Seele-Verhältnis gar nicht klären können, lange schon klar. Aber es läßt sich auch keine Anthropologie klären, wenn es nicht zuvor zu einer metaphysischen, ontologischen Diskusion kommt. Denn die Humanwissenschaften als Naturwissenschaften lassen sich keineswegs aus sich heraus begründen.

So läßt sich der Film als Versuch bewerten, zwei unkombinierbare Schlüsse zu vereinen - Evolution und Geschlechterrollen, wie sie sich einfach unübersehbar aufdrängen. Als Faktum einer offensichtlich nicht veränderbaren Natur. Denn Frauen sind vom ersten Tag an differenziert, Mädchen glotzen auf Gesichter und sind kommunikativ, Buben starren auf Systeme und ihr Kommunikations- und Sprechverhalten entwickelt sich spät. (Nur wegen des Testosterons? Dann verändern wir doch die Testosteronbeigaben?)

Die Gender-Gegner haben die Wirklichkeit (nicht einfach die faktische Realität, die ja vielfach bedingt ist) auf ihrer Seite, das ist ihre Stärke. Während die Genderwahnsinnigen genau das ncith  haben, was sie behaupten: eine Basis auf wissenschaftlichem Denken und Forschen. Es ist eine Ideologie, es ist ein politischer Wille, nichts sonst. Und wenn sich Gender-Ideologen auf naturwissenschaftliche Ergebnisse berufen, so selektiv und nach Willkür, nach Dienstbarkeit. Denn Gender-Ideologie ist nicht Wissenschaft. Nicht einmal im Rahmen einer materialistisch-mechanistische Naturwissenschaft. Wenn heute wie im gesamten deutschen Sprachraum (Österreich im besonderen, das ja seit 1918 Vorreiter ist, wenn es um Umerziehung geht; das heutige Österreich hat eben keinen Seinsgrund, ist selbst nur Pragmatismus)  Genderseminare VERPFLICHTEND für jeden Universitätsstudenten vorgeschrieben sind, dann sagt das alles. Solchen Universitäten gehört jeder Euro an öffentlichen Mitteln SOFORT gestrichen. Sie sind nicht mehr Orte freier Wissenschaftlichkeit. Sie sind Orte der ideologischen Umerziehung. Lagern vergleichbarer, als Denkstätten. (Auch hier bezieht sich der VdZ auf Beobachtungen bei seinen Kindern, die zum Großteil studieren.) Hier zeigt sich eben das, was man am "nordischen Menschen" zurecht bewundert: Mut zur Wirklichkeit. Als den norwegischen Regierungen klar wurde, daß Gender nichts mit Wissenschaft zu tun hat, wurden sofort die Mittel dafür gestrichen.

Aber genau das ist der Grund, warum die Gender-Ideologie nicht aufhören wird können, zu behaupten, umzuerziehen, und immer wieder von aktuellen Erhebungen zur Einstellung der Bevölkerung frustriert sein wird. Dann geht sie eben andere Wege. (Man erspare dem VdZ Berichte über Erfahrungen mit UNO-Stellen; mehr Wirklichkeitslosigkeit gibt es gar nicht mehr.)

Nichts wird sich ändern, auch wenn derzeit ein Sturm durch die österreichischen Medien geht, etwa was die unsäglich dumme Inklusivsprache anlangt - ja, wir werden von Trotteln bestimmt, so ist es. Punkt. Und wir lassen uns von ihnen bestimmen.

Aber bei nicht widerlegter Grundargumentation, die aber nicht innerhalb dieser ideologischen Reichweite liegt, die ihr vielmehr vorausgeht, die aber niemand antastet, werden sie das als Freibrief sehen und diesen erhalten, die ideologische Umerziehung noch dichter zu machen, und die Menschen noch mehr zu verwirren, gerade bei jungen Menschen die Identitätsbildung noch schwerer zu machen.

Aber was ist sie, die Wirklichkeit, die doch jeder fühlt, um die doch jeder weiß?  (Man beachte etwa die grandiosen Sprachanalysen von Ortega Y Gasset - jeder weiß um sie, alles spielt sich im Rahmen dieser Wahrheit, dieser Wirklichkeit ab; Wittgenstein läßt sich in seinem Ringen nur so verstehen.)


Die Wahrheit kann nicht filetiert, Teilwahrheiten nicht instrumentalisiert werden, soweit sie eben reichen. Das ist das Problem, das leider vernachlässigt wird. Ein erbostes "Das geht jetzt aber zu weit!" ist kein Argument.

In jedem Fall ist der Film aber Zeichen einer gewissen Freiheit, die sich in Norwegen ihre Luft wieder geholt hat. In der Ideologieklammer Österreichs wäre das gar nicht möglich. Hier gehören Gendergegner längst zur Kategorie der (rechten) Nicht-Menschen. Aber diese haben das Problem, daß der Vorwurf, sie seien der Vernunft nicht fähig, einen kleinen Funken Wahrheit enthält. Denn die Argumente "gegen" entbehren dieser tatsächlich. Weil sie weit tiefer greifen. Doch da, da stehen ware Heere von mächtigen Dämonen dagegen, diese Denkwege (wieder) zu öffnen.

Eine Arbeit, die aber nicht die Menschen des Alltags - kein Arbeiter, keine Hausfrau, kein Agnestellter, kein Unternehmer - leisten können. Hier sind die Einsamen, die Ausgestoßenen, die Herausglösten gefragt. Die Künstler, die Philosophen, die Eremiten. Mit ihrer "unnützen" Zeit. Die von den Brosamen leben, die von den Tischen der tüchtigen Menschen fallen. Die Tüchtigen, die diese Unnützen aber im wahrsten Sinn notwendig brauchen, was sie leider auch gerne vergessen. Nur in dieser Polarität nämlich kann eine Gesellschaft egal in welcher Form gedeihen. Die Genderfrage ist keine Frage der alltäglichen Dispute.







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Dienstag, 8. Juli 2014

Ein Land verändert die Welt

Rund 650 Milliarden Euro ist er bereits schwer, der staatliche norwegische Ölfond. In ihn fließen die Überschüsse aus dem Ölverkauf, und er soll Norwegens Zukunft in Wohlstand sichern. Dazu hat der Ölfonds bereits 1,3 % der Aktien weltweit sowie 2,5 % in Europa aufgekauft. Ende 2013 gehörten ihm weltweit 8213 Unternehmen. Und selbstverständlich Immobilien, vor allem im Luxusbereich.

Nun will er seine Investitionstätigkeit vor allem auf Schwellenländer ausweiten, und stockt seinen Mitarbeiterstand auf zusammen 1500 auf, die diese globalen Investitonen in mittlerweile 58 Ländern aquirieren und verwalten.

Es hat schon seine Eigentümlichkeit um die Nordländer und ihr Verhältnis zum Geld. Das sie dem Handel, den Bodenschätzen und Früchten des Landes die sie dafür einsetzten, und ihrem Willen sich zu behaupten verdanken. Von dem sie seit 1200 Jahren immer viel hatten, als es in Europa durch den Wegfall des Mittelmeerraumes im 7. Jhd. kaum Geld gab, was die Aktionsmächtigkeit jeder politischen Zentralmacht stark beschränkte. Das änderte sich erst mit dem Handel, der Europa ab dem 11. Jhd. re-kapitalisierte, von Italien her im Süden über Venedig, Pisa, Genua, damit mit der Lombardei, im Norden aber durch die skandinavischen Handelsplätze und -wege.

Denn die Nordländer hielten den Handelsweg über Rußland nach Süden und dort nach Asien in der Hand, ehe ihnen Venedig durch die Eroberung Konstantinopels im 13. Jhd. diese Wege so schwächte, daß sie dem Druck östlicher Steppenvölker nicht mehr standhalten konnten. Die stadt-staatlichen Strukturen waren einer Zentralmacht wie den Mongolen nicht mehr gewachsen. Aber vom Norden kam Geld nach Europa. Noch heute zeugen städtebaulich die oft riesigen Zentralplätze in osteuopäischen und russischen Städten von der Dimension des Handels als Erwerbsquelle.  Mit (damals) erstaunlichen "demokratischen" Strukturen.*

Sie waren nicht zuletzt deshalb aber maßgeblich bei der Einrichtung der Hanse, einer Freihandelszone, die zu hoher politischer, ja quasi-staatlicher Macht aufstieg, die sich nicht zuletzt der durch die Verluste der Nord-Süd-Wege geschwächten nordischen Kaufleute verdankte, die verlorenen Nord-Süd-Wege durch Ost-West-Wege ersetzte. Und auf das skandinavische Handelsnetz mit dem Zentrum Gotland abzielte, im Grunde also auf die gotländischen Handelsgenossenschaften (Nowgorod!) anknüpfte. In jedem Fall auf den Zerfall staatlicher Macht (im Westen im Interregnum, im Osten durch den militärischen Machtverlust der Nordländer, die sich nie zu einer Zentralmacht einigen konnten, was ihnen ja zum Verhängnis wurde).**

Sie dehnten sich aber auch nach Westen, wo sie die Potenz gehabt hätten, ihren Fuß auf Amerika zu stellen - es gilt als ziemlich sicher, daß Normannen bis ins Andenhochland vorgedrungen sind -, und in den Mittelmeerraum aus, wo sie das immer schon reiche Sizilien zu einem Kernpunkt europäischer Politik im späten Mittelalter machten, eine zentrale Rolle bei der Wiedereingliederung des Mittelmeerraumes in den europäischen Handel spielten. 

Über ihre Rolle beim Aufblühen der europäischen Kultur in der Gotik, in der sich ein Bogen vom Kaukasus bis nach Spanien zu spannen (und zu schließen) scheint, wird gestritten, sie dürfte aber entscheidend gewesen sein.*** Über die kaukasisch-gotische Ornamentik und Ästhetik, in der sich in Spanien der arabische Einfluß zum Kreis schließt. Denn der Geschmack der Skandinavier war über den Handlen hier byzantinisch geprägt, dort aber und vor allem persisch-arabisch.****

Zumindest aber - über das zuströmende Geld. Denn die Gotik ist bereits eine "Geldkunst", sie ist ohne abstraktives Geld nicht mehr denkbar. Schon gar nicht als städtische Volksästhetik und Ausdruck des Weltempfindens, wo sie eindeutig auf Handel, arbeitsteiliges Gewerbe und damit Geld aufbaut und Verkehr mit einem Außen braucht. Denn Geld kann nur als je "Zusätzliches" kommen, als Impulsgeber wirtschaftlicher Dynamik und Ausweitung braucht es das Fremde, Neue, das das Eigene herausfordert, es in Aneignung zu verwandeln.




*Der für Rußland später bzw. nach Ivan dem Schrecklichen ab dem 16. Jhd. so bestimmende Zentralismus kam erst als Folge der Herrschaft der Mongolen, deren Herrschaftsstrukturen übernommen wurden. Bis dorthin war das noch eher cisuralisch gebliebene Rußland (in dem sich Zentralismus nicht durchsetzen hatte können) als zwischen zwei Meeren fungierende Klammer von Steppen- und Waldland ein Land der Freien, wo ein Teil den anderen brauchte, das nur in Austausch und Handel funktionierte - und bis heute funktioniert. Auf dem Gerüst der Flüsse aufbauend, die das Land als Verkehrswege wie Nord-Süd-Spanten duchziehen. Wer Rußland treffen will, muß seinen Handel und seine Verkehrswege treffen. Der Satz ist bis heute aktuell, er berührt ein strategisches Grundproblem der Russen seit je.

**Der immer stärkere Handelsplatz der Hanse, London, sollte (als Finanzplatz) dann schicksalsbestimmend für Europa werden. Bestimmte sie doch den Weg Europas als Weg des technizistischen (und der Politik verschwisterten) Kapitalismus, der, nachdem die staatlichen Mächte ab dem 17. Jhd. die "Geldproduktionsmaschine" Hanse in den Griff bekamen, spätestens im 19. Jhd. auch die bodenverhafteteren, bäuerlicheren Länder Zentraleuropas - von Norden her - erdrückte.

***Eine der stärksten Gegenthesen spricht von keltischer Prägung. Der Ursprung über die Mauren (auf Spanien) ist in der nordischen These ja eingeschlossen bzw. berühren sich diese Halbkreise hier. Es ist deshalb bemerkenswert, daß der endgültige Siegeszug des Kapitalismus im 19. Jhd., der Lebensweisen in ganz Europa umwälzte, von einer neugotischen Phase geprägt war. In der die Gotik pseudologisch funktionalisiert und technisch nachgeahmt wurde.

****Möglicherweise stammt der Name "Rus" sogar von der Phase persischer Stämme - der Antes, mit ihrem Führer "Ros" - herstammt. Denn der persisch Einfluß war hoch. Im Synonym "Mütterchen Rußland" dürfte eine persische Muttergöttin fortgelebt haben.




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Donnerstag, 18. Oktober 2012

Auflösen des nie Verbundenen

Eine norwegische Studie, über die der Standard berichtet, brachte das Ergebnis, daß Paare, in denen exakte Aufgabenteilung herrscht - Hausarbeit 50 : 50 etc. - und wo der Mann also mehr zu Hause ist, eine deutlich höhere Scheidungsrate aufweisen, als bei Paaren, bei denen solche Vereinbarungen nicht bestehen, zu beobachten ist.

Während der Standard erwartungsgemäß als Erklärung anführt, daß "gender equality" mit dem höheren Bildungsstand zu tun hätte, der zugleich die Angst vor den Folgen einer Scheidung nehme, muß solches Ergebnis ganz anders gedeutet werden. Denn hier wird ein wichtiger Grundsatz des Menschlichen überhaupt berührt:

Wenn in einer Ehe die Beziehungen zueinander auf eine abstrakte Ebene gespiegelt werden, fehlt der Ehe genau das, was sie zu einer solchen überhaupt macht, und damit  natürlich die Bindungskraft: das unbedingte Einlassen aufeinander, wozu auch die Unauflöslichkeit gehört. Denn erst unter dieser Bedingung - der Auslieferung an das Ohnendliche - wird der Mensch überhaupt erst offen für ein Du. Was auch die Frage sogenannter "Eheverträge" berührt, bei denen die Frage berechtigt ist, ob sie nicht contradictio in adjectio sind - also gar keine Ehe zustande kommt, ein schwieriges moraltheologisches Problem damit.

Wird die Beziehung unter "objektive Sachbedingungen" gestellt, wird sie entmenscht. Sie steht vor dem Horizont einer Idee, einer Vorstellung. Weil genau das fehlt, was eine Beziehung zu anderen Menschen überhaupt erst zu solchen macht: die Vorstellungsfreiheit. Und damit die Offenheit für die Liebe, die in der unbedingten Hingabe an den anderen - und nur dann - eine neue Zukunft entstehen läßt. Alle die heutigen Bemühungen, das Verhältnis Mann - Frau unter bestimmte Bedingungen zu stellen, "neu" zu definieren, egal wie immer diese Ideen aussehen - Gleichberechtigung, Gender, aber (und das mag für manche überraschend sein*) AUCH "konservative Ideale", eben alles was als objektives Bild gelten kann - zielen also direkt auf die Möglichkeit ab, daß solche Bindungen überhaupt noch entstehen, und VERHINDERN sie.

Solcherart geschlossene Ehen halten wenn überhaupt nur, weil die Liebe immer überrascht, und selbst solche Konstrukte zu zerschlagen oder praktisch-real in die Unbedeutendheit zu verschieben vermag. Selbst wenn dieselben meinen, es wäre das Gegenteil der Fall. Indem sie reale Bindungen und Abhängigkeiten (ja, von denen muß man dabei sprechen, das Wort gehörte längst entstaubt, Bindung bedeutet nämlich: Abhängigkeit; zerbricht sie, bleiben Ruinen) entstehen läßt, oder weil viel Willenskraft einen Schein aufrechtzuhalten vermag, nicht selten befeuert von Angst (in der Verhängung mit identitären Fragen). Das Wesentliche des Menschwerdens am anderen (das die Polarität der Geschlechter braucht) bleibt in allen diesen Fällen aber vorenthalten.

Dem widerspricht die Tatsache, daß der Mensch nur zu sich kommt, wenn er sich "auf das Dritte, die Ehe hin" transzendiert, keineswegs! Denn diese Selbsttranszendierung ist nachgerade Bedingung solcher Paarbeziehung - weil nur sie IN DAS OFFENE HINEIN leben läßt. Und DAS ist die Bedingung für Ehe. Und damit die Grundlegung des Verhältnisses zur Welt überhaupt, als Wirklichkeit.

Vereinbarungen besprochener Art zu treffen, läßt von vorneherein also gar keine Bindung aufkommen. Entsprechend leicht läßt sich ein offizielles Beziehungsverhältnis - zu dem "Ehe" dann verkommt - sehr leicht wieder lösen. Es gab ja nichts, das zu lösen wäre. Paare, die meinen, ihre Ehe, ihre Beziehung unter Ideen stellen zu können, verhindern, daß überhaupt menschliche Beziehung entsteht. Ihre Beziehung ist eine Beziehung zur Idee, der sie entsprechen wollen, nicht zum anderen, sie leben eine Ideologie. Ein Prozeß, der heute ja nahezu sämtliche zwischenmenschliche Beziehungen - nicht zuletzt innerhalb der Familie - vergiftet, ja enteignet hat.





*Man kann nicht ein gelingendes Leben anstreben, indem man gleichzeitig als Bedingung dafür dieses unbedingte Leben abwürgt. Die Unauflöslichkeit der Ehe, auch das Zueinander von Mann und Frau, ist nicht zuerst ein Gebot, und daraus folgt dann das Gelingen. Sondern es ist zuerst eine Beschreibung der NATUR der Dinge, der Prinzipien des Lebendigen. Das Bemühen muß sich also zuerst am natürlich(st)en Zueinander orientieren, und das bezieht sogar auch historische Gestalt mit ein. Grenzen in Form von Geboten haben nur dort Sinn, wo sie willentliche Zerstörungen verhindern sollen. Temporär bzw. punktuell haben sie dann Sinn. Als konstruktiv sein sollendes Fundament aber sind sie absolut ungeeignet. Eine Gender-Equality-Ehe ist durch keine Moral der Welt zu halten - denn sie ist naturwidrig, zerstört sich also durch vermeintliche Moral (und entsprechende Gesetze). Diese kann nur helfen, die Natur der Sache zu entdecken, oder zu bewahren. Wenn sie (genauso wie die konservativ-moralistische Ehe) dennoch auch "hält", so hat das ganz andere Gründe. In beiden Fälle wird ihr ihr Wesen vorenthalten: Unauflöslichkeit der Ehe ist ein der Selbstentwicklung vorausgehendes Ziel, und verwirklicht SICH im Maß der Selbstwerdung der Einzelnen. Die Ehe ist also das Urbild der Schöpfung überhaupt, und damit aller Dinge. Wirklich wird etwas nur durch die Verwirklichung seines Sinns, und dieser offenbart sich als konkrete Aufgabe aus dem Augenblick. Ein Zweck kann aber nicht (direkte) Wirkursache sein, schreibt schon Aristoteles: Der Kranke wird gesund - er wird nicht Gesundheit.



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Samstag, 13. Oktober 2012

Das Leben sucht seine Wege

Norwegens Entwicklung ist in vielem vorbildhaft. Letzteres Wort soll aber nicht mißverstanden werden, indem man es richtig versteht. Das Land der Norsker zeigt vielmehr die verderbliche Wirkung von Geld am deutlichsten, das nicht dem direkten Lebensvollzug der Menschen entsprungen ist, sondern - in dem Fall - als Ölmilliarden zusätzlich ins Land floß. Es hat ermöglicht, daß sich die meisten gesellschaftlichen Entwicklungen jeder Konfrontation mit der Wirklichkeit selbst ersparen konnten. Damit ist Norwegen in vielem zum Vorreiterland geworden, in dem sich die Mythen und Utopien der gegenwärtigen Politik am fortgeschrittensten umgesetzt finden. Denn das viele zusätzliche Geld erlaubte der Politik sich ungehemmt inneren Prozessen zuzuwenden, und nährt riesige Rucksäcke an Zuträgern, zu denen auch Wissenschafter gehören, und die sich zu einer regelrechten Parallelgesellschaft entwickelt hat. Die sehr gut von Fördertöpfen und Steuergeldern lebt. Immerhin weist sie selbst jene politischen Ziele als rational aus, von denen die einfache Bevölkerung auch gar nichts hält. Deren Beharren auf eigener Wahrnehmung damit nur deren mindere geistige Qualität ausweist. Je gebildeter, so heißt es ja, desto fortschrittlicher sei man in den Ansichten. Wissenschaftlich erwiesen.

So galt Norwegen bis vor kurzem als das hinsichtlich Gleichberechtigung der Frau, was längst mit "positive Diskriminierung" zu übersetzen ist, fortgeschrittenste Land der Welt. Mit welchem Erfolg, war hier vor einigen Wochen nachzulesen. Die Wirklichkeit, das Leben selbst, läßt sich eben auf Dauer nicht unterdrücken. Denn die Menschen jedes Landes wollen vor allem das: leben, und leben heißt: das Leben steigern, in dem man seine alle Welthaftigkeit erst konstituierende Eigenart hervorbringt. In der Bewertung der Wege und Weisen, die dazu führen, sind sie "gnadenlos", wenn es auch oft lange dauert.

Ähnliches läßt sich zum Beschluß der norwegischen Regierung sagen, das mit Anfang 2008 allen Kapitalgesellschaften vorschrieb, in ihre Aufsichtsräte und Führungsgremien 50 % Frauen zu berufen. Etwas, das ja seit langem auch in Resteuropa diskutiert wird, als EU-Beschluß aber, man höre und staune, selbst von so ausdrücklich auf Gleichberechtigung ausgerichteten Ländern wie Dänemark, Schweden oder die Niederlande - alle drei an den vordersten Rängen der "Gender equality" - zurückgewiesen wurde.

Und sieh da, es ging offenbar, die Quote wurde tatsächlich vorschriftsmäßig erfüllt, alle Unkenrufe widerlegt, die vor den Folgen warnten. 

Was aber war da in Norwegen passiert? Etwas, an das wohl niemand zuvor gedacht hatte, und das ob seiner Einfachheit, seiner posthoc-Logik, schmunzeln macht:

Denn formell war dieser Gesetzesauftrag bald erfüllt. Aber warum? Weil die wenigen Frauen, die zuvor bereits solche Positionen innehatten, nun auch von den übrigen Unternehmen in die jeweiligen Funktionen berufen wurden. Das heißt, daß die 50 % Frauen in den Aufsichtsräten ... überall dieselben sind. Gleich viele Frauen, mit mehr Posten, ganz einfach. So, wie man in Österreich viele Jahrzehnte einen sogenannten "gewerberechtlichen Geschäftsführer" bestellen konnte, der das Unternehmen nie von innen sah, sondern nur seinen "Schein" zur Verfügung stellte. Gegen gewisses Entgelt, versteht sich, das sich meist aber in sehr bescheidenem Rahmen hielt. Risken wendete man mit kleinen Vertragswerklein ab, und waren defacto ohnehin vernachlässigenswert (was den fraglichen Wert der Gesetzespflicht beweist). Sodaß man das strenge Gewerberecht unterlief - indem man es formal erfüllte.

So hält man sich also nun Quotenfrauen. Mit natürlich trotzdem unverhältnismäßig viel Gewicht im Gesamtkonzert, gewiß, sodaß man diese Gruppe Frauen, die es ohnehin bereits nach oben geschafft hatte, im Lande "Goldröcke/golden skirts" nennt. 

Aber es ist für die norwegischen Unternehmen offensichtlich noch das geringere Übel, sie suchten die "Frauen in Führungspositionen" weiterhin nach eigenem Gutdünken und eigendefinierten Anforderungskriterien aus. Nur eben nun aus einer begrenzten Frauengruppe. Unternehmen, die eben nach Wirklichkeiten vorgehen müssen, sonst gibt es sie nicht lange - so, wie sie die Wirklichkeit sehen. Denn daraus sind sie entstanden und gewachsen. Wirtschaften ist immer persönlicher Vollzug, nie "funktionalistisch", darin täuscht man sich gerne selbst bei reinen Manager-Organisationen. Und die damit einen eleganten Weg fanden, beides so halbwegs zu verbinden: Gesetz und Eigenwille. Aber man kann einem Organismus nicht seine Selbstorganisation rauben, sonst verliert er seine Lebenskraft und stirbt.

Norwegen hat also mit diesem Gesetz gar nichts erreicht. Nicht, was dessen Intention war: die Wirklichkeit zu verändern. Es hat nur eine gewisse Schichte bereits bisher Privilegierter noch weiter privilegiert, und die Spaltung von Schein und Wirklichkeit vergrößert. So, wie man in Österreich geeigneten Personen - legendär dabei die "Baumeistertafel" - bequeme weitere Zusatzeinkommen verschafft hat. Oder so, wie die das Leben abstrahierende, individuelle wie individualsierte Bedürfnisse "objektivierende" Zentralplanung in der DDR einen riesigen Schwarzmarkt, aus Produzenten wie Abnehmern, der individuellen Lebensvollzug auffing, regelrecht geschaffen hat. In dem sich die Wirklichkeit dem staatlichen Zugriff entzog, indem die Menschen zwischen offizieller Systemerfüllung, und persönlicher Lebensgestaltung klar unterschieden. Die noch  mehr als im "freien Westen" Gewicht auf Qualitäten legte, die der Gesetzgeber eben ausrotten wollte. Weil jede Parallelgesellschaft NUR auf diese Personalität bauen kann. Das konnte auch das extrem ausgebaute offizielle Spitzelwesen nicht verhindern. Selbst Spitzel sind Menschen ...

Man darf sohin auf die nächsten Gesetze gespannt sein, die auch diese Schlupfwege abzudichten versuchen werden. So, wie man in Österreich mittlerweile eigene Kontrollen eingerichtet hat, die die physische Anwesenheit dieser Geschäftsführer überprüfen. Aber damit nur andere Schlupflöcher erzwang. Die freilich weitere Kosten produzieren, z. B. in Form eigens eingerichteter "Geschäftsführerbüros". Kosten, die die einfache Gesellschaft zu tragen hat. Die Kosten der Politik werden immer vom einfachen Bürger und seiner Arbeit, eben von persönlichen Verantwortlichkeiten getragen.

Aber das Leben sucht seine Wege, um sich zu vollziehen, und es vollzieht sich nie abstrakt, allgemein, es vollzieht sich immer individuell und konkret. Immer. Man kann es ihm nur erschweren, nicht verhindern. Verhindern kann man nur bestimmte Arten des Vollzugs. Und Wirtschaft ist subjektiver Lebensvollzug, sonst ist sie gar nicht. Kein noch so totalitäres und totales Netz kann alle Löcher im System abdichten, so sehr man auch den Apparat aufblähen zu müssen meint. Das sollte man nie vergessen.



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Mittwoch, 19. September 2012

Weil nicht sein kann was nicht sein darf

Diesen sympathischen, leicht ironischen, dabei sachlichen Film (39 min) aus 2011 brachte das Norwegische Fernsehen, und blieb dort - angeblich - nicht ohne Wirkung. Norwegen, durch das Nordseeöl eines der reichsten Länder der Welt, hat bekanntermaßen seit vielen Jahren enorme Anstrengungen unternommen, um "gender equality" durchzusetzen. Millionen um  Millionen flossen in Gleichheitsbemühungen. 2008 war Norwegen weltweit sogar das Land mit der größten "gender equality"!

Aus einer Sichtweise heraus, die davon ausgeht, daß beide Geschlechter prinzipiell dieselben Interessen haben, daß also alle Geschlechterunterschiede Produkte gesellschaftlicher Zwänge, Zufälle, und kultureller Stereotypen sind. Zumindest sahen es die zuerst im Film befragten norwegischen Genderforscher so. Das sollte sich doch nun einmal auch überprüfen lassen?

Also wurde eine nüchterne, auf Realitäten des Alltags beruhende Bestandsaufnahme im Land gemacht. Und das Ergebnis war ... erstaunlich. Alle Bemühungen, all die vielen Millionen über all die Jahre, sie haben scheinbar nichts bewirkt. In Norwegen muß man fast von einem "gender paradox" sprechen: Nach wie vor, sogar wieder verstärkt, finden sich in den jeweils Geschlechtern als "typisch" zugeschriebenen Berufsfeldern eben diese Geschlechter weit überwiegend und aus freier Wahl vertreten. Und niemanden stört es, der Bevölkerung scheint das sogar völlig normal: auch sie sieht diese Unterschiede, sogar angeboren.

Und obwohl in den Schulen längst Mädchen die besseren Ergebnisse liefern, sie werden keine Ingenieure. Sie werden nach wie vor lieber Krankenschwestern, und alle finden das richtig. Männliche Krankenpfleger in Babystationen bleiben sowieso nicht lange. Und nach wie vor, trotz intensivster "Erziehungsbemühungen", wollen norwegische Buben Bubenspielzeug, bevorzugen Mädchen rosafarbene Püppchen. Was es nach Auskunft der Genderforscher aber nicht geben dürfte!

Also machte sich die Redaktion auf, setzte sich ins Flugzeug, und sprach mit Psychologen, Biologen, Sozialforschern ... in England. Und sieh da: deren Aussagen nach ergeben sich quer durch alle Länder und sozialen wie soziologischen Bedingungen absolut gleiche Merkmalsdifferenzen. Männer und Frauen sind, so der einhellige Tenor, in ihren Interessen - und überall auf die gleiche Weise - verschieden!

Fast am bemerkenswertesten dabei: ein Facharzt für Deformationen an den Geschlechtsmerkmalen. Wenn die Geschlechtsmerkmale nicht eindeutig das Geschlecht zuordnen ließen, gebe es für eine eine eindeutige Methode für die Erkennung des wahren Geschlechts. Er erkennt sie ... anhand der Auswahl des Spielzeugs. Er setzt die Kleinkinder einer Front von aufgebauten Spielsachen gegenüber, und sieh da: Buben suchen Fahrzeuge etc., Mädchen Puppen. Kinder werden offenbar mit so klarer biologischer geschlechtlicher Disposition geboren, daß das Ergebnis ein eindeutige Geschlechtszuordnung nur anhand der Interessen erlaubt.

Entzückend dabei: Als man diese Ergebnisse "Genderingenieuren" vorlegt, meinen sie, daß dies veraltete Ansichten seien. Tatsächlich? Die erwähnten englischen Wissenschafter wurden mit dieser Einschätzung konfrontiert, und waren etwas überrascht. Denn ... ihre Forschungsergebnisse sind brandneu! Eher die Ansichten der Geschlechtergleichheit s.o. seien Ansichten, die früher einmal verbreitet worden seien. Aber sie hätten sich nicht bewahrheitet, seien deshalb aufgegeben. Einhelliger Tenor: Geschlechtsunterschiede sind bereits biologisch angelegt! Wenn auch die Biologie nicht alles sei.

Selbst bei wenige Monate alten Babys aber, wo keinerlei soziokulturelle Prägung vorliegen kann, die sogar gleich behandelt würden, wären deutliche geschlechtsspezifische Interessensneigungen in den Reaktionen wahrnehmbar. Eine (unvermeidliche) Evolutionsbiologin meint sogar, evolutionär deutliche Sinnkonzepte auszumachen, die diese Ungleichheit der Geschlechter begründeten. Frauen fühlen sich deshalb am wohlsten, wenn sie zuhause sind, sich um soziale Kontakte, die Kinder usw. kümmern, das habe sich evolutionsbiologisch einfach so entwickelt. Während Männer schon aufgrund ihrer Stimmlage, ihrer Körperlichkeit, von Kindern ganz anders angenommen werden, zu technischen Berufen neigen, usw. usf. 

Warum aber wollen dann Frauen in Entwicklungsländern, in Schwellenländern, so auffallend oft Ingenieure werden, männliche Berufe ergreifen? Das, so die Evolutionsbiologin, sei eine interessante und bekannte Übergangserscheinung, die sich aber aus der Protesthaltung erkläre, weil dort Frauen unterdrückt würden. Aber sich wieder verliere, sobald die Gesellschaft freier würde.  

Denn je freier eine Gesellschaft sei, desto mehr würden die Menschen nicht gleicher, sondern ungleicher! Sie hätten nun die Möglichkeit, ihren ureigensten Interessen und Neigungen einfach nachzugehen - mit eben diesem Ergebnis: auch die Geschlechterdifferenz würde wieder GRÖSZER, nicht kleiner!

Köstlich, als der Reporter sie daraufhin mit Aussagen des gender-Experten konfrontierte, als ihr sein Statement auf Video vorgespielt wurde: Sie war perplex, als der Mann da behauptete, daß der Geschlechterunterschied eine reine Fiktion sei, Zufall, der sich in den äußeren Merkmalen zwar zeige, aber keinerlei Bedeutung hätte. "Amazing," meinte die perplexe Dame. Sie verstehe nicht, wie man so etwas behaupten könne. Noch dazu wo diese Ausdifferenzierungen klare, selbst neurobiologische Grundlagen habe, auf die kein soziales Verhalten der Welt verändernden Einfluß nehmen könne. Die Geschlechterdifferenz komme von innen, sei biologisch angelegt.

Also flog der Reporter wieder in seine Heimat zurück, um die Genderforscher mit diesen Ergebnissen zu konfrontieren. Die wiesen das einhellig zurück. Wenn auch etwas verlegen.

Die hätten doch nur gefunden, wonach sie gesucht hätten, meinte etwa die eine. Geschlechterdifferenzen seien ausschließlich kulturelle Erscheinungen. 
Mit welcher wissenschaftlichen Begründung, meinte daraufhin der Reporter, könne sie behaupten, daß biologische Disposition keinen Einfluß auf das Geschlecht habe? 
Wissenschaftlich? Naja, ... sie habe, meinte eine Dame, einen großen theoretischen Background. Da SEI kein Raum für Biologie. Da müßte die ganze Soziologie ja umdenken.

Ein anderer Gender-Forscher meinte, er könne nicht verstehen, warum Wissenschafter sich so sehr damit auseinandersetzten, biologische Grundlagen für Geschlechterdifferenzen zu finden.
Worauf er denn, so der Reporter, wissenschaftlich begründe, daß es keine innerten, biologischen Gründe für die Geschlechterdifferenz gäbe?
Na weil es wissenschaftlich bisher keinerlei Beweise gegeben hätte, daß sie biologisch begründet sei.
Ja, aber das habe er ja nun gesehen, in England gebe es jede Menge Forschungsergebnisse, die darauf hindeuten?!
Naja, das seien allesamt "schwache" Studien. Er stütze sich auf wissenschaftliche Ergebnisse: es gebe keine biologisch begründbaren Unterschiede zwischen den Geschlechtern - wie sie fühlten, wofür sie sich interessierten.
Er meine also, darauf der Reporter, er würde so lange behaupten, daß es keine Unterschiede gäbe, solange es nicht wissenschaftlich bewiesen sei?
So sei es. Die gezeigten Filme überzeugten ihn nicht.

Woher, so der mittlerweile leicht verwunderte Reporter im Fortgang des Filmes, nähmen die norwegischen Genderforscher nur ihre Gewißheit, daß sie Recht hätten? Kaönne man, so meinte er, als Wissenschafter damit leben, Möglichkeiten - wie daß die Biologen auch etwas zu sagen hätten - nicht einmal in Betracht zu ziehen? Könne es nicht sein, daß die norwegischen Genderforscher nur fänden, wonach sie suchten?

Die Norweger, wie alle Skandinavier Leute mit bekannter Neigung zu Entschlußkraft, haben - angeblich - per Regierungsbeschluß die bisher mit jährlich umgerechnet 56 Mio Euro dotierte "gender-equality-"Stelle des Landes heuer aufgelöst.







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Mittwoch, 21. Dezember 2011

Dunkle Motive

Wie das zu sehen ist? Ich weiß es nicht. Sehenswert ist die Dokumentation über die Aktivitäten und Ziele der Moslembruderschaft in Europa - der vielleicht nicht einzigen, aber wohl einflußreichsten muslimischen Internationale - aber gewiß. Mit deutschen Untertiteln.

Europa überrumpeln? Man muß nicht Krieg führen, um zu siegen, meint der Imam. Weil es schon aus demographischen Gründen gewisse Wahrscheinlichkeit hat. Muslime treffen in Europa auf eine Gesellschaft, die in Dummheit und gleichzeitig überheblichem Moralismus stirbt.

Während mehr und mehr sogar der Begriff "Demokratie" zum schwammigen Irgendwas aus Lebensgefühl, Libertinität, Antiautoritarismus und Wohlstand gerät. Gezielt verwischt, um nicht-demokratischen Zielen zu dienen, von verschiedenen Seiten. Vielleicht von allen. Denn der Verdacht könnte sich aufdrängen, daß Demokratie in unserer Form nur deshalb so proklamiert wird, weil sich alle erhoffen, mehr als der Nächste an sich reißen zu können, klüger als alle zu sein.

Längst läßt es sich auf rein ideenphänomenologische Ebene herunterbrechen: Eine säkularisierte Welt zerfällt zwangsläufig, löst sich auf. Nachdem das Christentum in Europa auf kaum faßbare Weise verdunstet, verdunstet auch Europa. Religiosität ist ein menschlicher Grundakt. Es gab noch nie eine Kultur ohne Religion, und jeder Mensch ist auf eine Weise religiös, ob er das will oder nicht. Doch in Europa zeichnet sich eine erste wirklich a-religiöse Gesellschaft ab. Die Frage ist, wo sich die chthonischen Kräfte, die auch in diesen Menschen wirken, anbinden werden oder längst angebunden haben.

Es gibt gewiß auch Kluge, überall, auch im Islam: Da sagt einer der führenden Köpfe des Islam, der in Kairo in einer Wohnung lebt, die mehr einer Bibliothek gleicht, daß der Islam vor 1000 Jahren zu denken aufgehört habe. Die Muslime seien - sagt der Imam! - zu Affen geworden, die andere imitierten. Vielleicht beschreibt er einfach die Endlichkeit von Denksystemen des Irrtums? Denn nur die Wahrheit ist unendlich entfaltbar, nur die Wahrheit, die persönliche Wahrheit, nicht eine Lehre, ist ohne historische Formenbegrenztheit. Jedenfalls sagt er, daß die Muslime sich an jene Kulturen anpassen sollten, in denen sie wohnen. Es gibt keine Regeln, die den Hijab (den langen Schleier, Anm.) vorschreiben - das sind Identitätsmerkmale, politische Zeichen, keine Glaubenssätze. Damit schaden sie nur dem Ansehen des Islam.

Aber die Muslimbrüderschaft - eine politische Vereinigung mehr, als eine religiöse - ist höchst aktiv. 1920-1970 noch waren die Frauen in Ägypten von Frauen in Europa in Gehabe und Kleidung kaum zu unterscheiden. Noch 1995 hatten in Kairo kaum Studentinnen einen Schleier, um ihr Haar zu bedecken. 2004 haben bereits 90 % der Studentinnen an der Universität einen Schleier. Mit dem Schleier, den man den Frauen aber umhängt, erstirbt auch ihre Neugierde für die Welt.




The Islamic Brotherhood in Europe 
with German Subtitles
  from Vlad Tepes on Vimeo.



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Sonntag, 18. Dezember 2011

Das Böse ist besiegt!

Es gibt kein Böses mehr - diese Botschaft darf man getrost für bare Münze nehmen, die Gerichtsverhandlung um Anders Breivik, den Massenmörder aus Norwegen, beweisen es.

Nein, da hat nicht einer willentlich 70 oder 80 oder 90 Menschen abgemurkst, kaltblütig erschossen (und hier trifft das Wort kaltblütig wirklich zu!) Hier ist nicht einer vorsätzlich und klug geplant auf eine Insel getuckert und hat seinen Munitionsvorrat leergeschossen, um den sozialistischen Feind zu treffen. Nein!

Hier hat auch nicht einer eine Weltanschauung aufgebaut, herbeikonstruiert, die in Wahrheit aus subjektiven Erfahrungen mit zerbrochenem Elternhaus eine unterbewußten Haß auf die Gesellschaft gemacht hat, der nun seine Bahn brach! Nein!

Hier hat ein Produkt des Sozialstaates nicht anders gekonnt, und weil das Ergebnis nicht erwünscht ist, wird der Ersatzteil ausgebaut, und zum Hersteller zurückgeschickt. Breivik war nicht zurechnungsfähig, und wird deshalb in eine Anstalt gesteckt. Nicht bestraft. Wobei: wer die Strafanstalten in Norwegen kennt, kommt eher auf den Gedanken, daß sie staatlich finanzierter Dauerkuraufenthalten dienen, aber keiner Strafe.

Diese Kategorie gibt es nicht mehr in modernen Zeiten. Dafür gibt es nur noch Verständnis, alle sind ja nur Opfer und Produkte gesellschaftlicher und familiärer Bedingungen, wie sollte man da jemanden für etwas verantwortlich machen? Wenn niemand - und genau das findet sich in Norwegen in einem beeindruckend fortgeschrittenen Stadium - wenn also niemand mehr Wert darauf legt, etwas zu sein, sondern alle sich bescheiden damit, nichts zu sein, um Konflikte zu vermeiden, dafür aber bestens versorgt sind, funktioniert das schon! Glauben sie alle zumindest. Die Wissenschaftler und Gesellschaftspropheten der Linken. Es gibt nur einen Feind, und erst meinte man schon, in Breivik einen solchen zu haben: die Systemverweigerer. Die Individualisten, die etwas ganz anderes suchen als Völlegefühl nach Krabbencocktails und Fernsehhighlights, die Persönlichkeit sein wollen. Fort mit Ihnen! Raus mit Ihnen!

Aber Breivik? Nein, den hat man schon integriert, in Watte gepackt, und unschädlich gemacht. Er ist nicht zurechnungsfähig. Denn wer dieses Wohlsein nicht will, der kann nur unzurechnungsfähig sein. Schließlich will doch jeder normale Mensch nur eines: Glücksgefühl? Die Psychologie sagt es doch! Glück ist eine Frage der Endorphinausschüttung. Also, rein mit der Pille, und das Leben ist bewältigt!

90 Tote? Kollateralschaden. Statistisch akzeptierte Ausschußquote. Kennt jeder, der sich mit Prozeßablaufoptimierung (ISO 9000) auseinandersetzt. 2 % Bodensatz, das ist kaum zu beseitigen, der Aufwand dafür steigt nicht nur exponentiell für diesen Rest, sondern er reduziert sich kaum, weil der Apparat beginnt sich selbst zu produzieren, und irgendwann produziert nur der Apparat mehr Fehler, als der Produktionsprozeß. Aber wir arbeiten dran.

Der Glücksfilm riß an einer Stelle. Das ist unangenehm, gewiß, also für die, die es betrifft, aber nun ist die Stelle wieder repariert. Nur niemanden beängstigen, daß es auch Böses gibt auf der Welt! Seid ganz ruhig, es gibt nur technische Abläufe, Mechanismen, und die sind da und dort einmal defekt, das ist so, damit muß man leben, aber mit jedem Fall mehr kriegen wir auch das in den Griff, wird die Maschine perfekter, lückenloser. Mit mehr Disziplin der Bevölkerung, jede außerhalb des Systems auftauchende Sonderregung zu unterbinden, auf jeden Fall.

Denn an sich geht es doch allen gut, blendend, hervorragend! Und alle sind glücklich inNorwegen, dem kleinen Paradies, das man hier aufgebaut hat, mit Petrodollars, die verantwortungsbewußt in Südamerika oder Bangladesh angelegt werden, natürlich ökologisch und fair, nachhaltig eben. Und wer nicht bekommt auch seine Therapie bezahlt die ihm alles aus dem Gehirn räumen soll, es auflösen soll, was diesem Empfinden entgegensteht. In einem Staat, in dem niemand mehr gebraucht wird, weil er durch das Nordseeöl für alle Zeiten (Gänsefüßchen) ausgesorgt hat, aber jeder alles darf.

Breivik? Ein unschuldiges Opfer. Nicht erwünscht, gewiß. Aber wer nimmt Produkte ernst? Breivik wird dafür ganz gewiß dankbar sein. Hoffentlich vergißt keiner einmal die Psychopharmaka, mit denen er niedergehalten werden wird müssen. Der arme Kerl, klar, wenn jemand so denkt wie er, kann er ja gar nicht anders. Also sollte man zuerst auch seine Weltanschauungen aushebeln, ihn von dieser Last zu denken befreien. Mit Pillen geht das ohne weiteres! Wir wollen ja nicht gleich von Laseptomie reden.

Nur: was heißt "unzurechnungsfähig"? Eben, den Bruch des Vernünftigen. Das Maß der Schuld wächst mit dem Maß der Freiheit, in der jemand aus dem Vernünftigen zurücksteigt in den Brei der Unentschiedenheit, der richtig verstanden genau der Brei des Dämonischen ist, des Chaotischen, und plötzlich das Nicht-Richtige wählt. Kraft seiner Freiheit.

Ist nicht das Böse also genau das - unzurechnungsfähig? Wir kennen Breivik nicht. Aber wie Produkte eines kranken Gehirns haben seine Thesen im einzelnen so gar nicht geklungen, sondern durchaus konsistent. Wirr, gewiß, aber nur in den Gewichtungen und Schlüssen. Wie es eben passiert, wenn jemand im Grunde längst etwas will, und weiß daß er es will, und nur daran arbeitet, dieses Wollen auch zu rechtfertigen. Dann wird das Gedankengebäude, an dem er oft energisch arbeitet, nicht organisch, sondern etwas unrund. Weil jedes Wollen unrundes Denken mit sich bringt, es umgekehrt aber gar kein wollensfreies Denken gibt, nur eine Sache, um die es geht. Und dort liegt nämlich die Freiheit des Menschen - in der Entscheidung für eine Sache. Samt allen Irrtumsmöglichkeiten. Samt allen Möglichkeiten, böse, also bewußt zerstörerisch, zu handeln. Wobei meist das Böse in uns schon daran erkennbar ist, als wir uns im Denken sehr gerne verwirren, um die Gewissenslast zu erleichtern - eine Art autochthone Entmündigung also.

Wenn die Sache freilich dogmatisiert ist, weil das Wissen dogmatisiert ist (durch den Aberglauben an eine rationalistische Wissenschaft, an ein logizistisches Denken dem es nur um richtige Summenbildung gehen kann, um eine Nachahmung von Computerprozessen also, sodaß es nicht wahres, sondern nur richtiges Denken gibt, das nur noch ein Ergebnis bringen kann) - dann ist ja ... jeder unzurechnungsfähig, der nicht das gewünschte Denkergebnis bringt?

Was fatal an den durschnittlichen Universitätsabgänger der Gegenwart gemahnt: der nicht lernt, oder angehalten wird, die ihm eigene Urteilskraft (die nur als persönliche Reife und prinzipielle Philosophie zu denken ist) zu entwickeln, wo konkretes Wissen absolut flexibel bleiben muß, weil erst aus dieser Reife überhaupt hervorgeht. Wo er also lernt, mit seinen Willen umzugehen, nein: heute ist der elitär, der lernt, vorgegebenes Wissen anzuwenden und zu "begründen," scheinvernünftig also zu machen. Das wird wissenschaftliche Arbeitsmethodik genannt.

Und je mehr dem Einzelnen das gelingt, desto mehr Anerkennung winkt ihm von jenem System, das auch seine Opposition längst integriert hat, das keinen Feind mehr kennt. Außer seine wirklichen Feinde. Aber über die wird nicht gesprochen, denn wirkliche Feinde bekämpft man durch Nichtung - also durch Ignoranz. Schlimmstenfalls erzeugen wir Notfälle, Notsituationen (jawohl, erzeugen, weil dazu interpretieren!), in denen nicht lange gefackelt werden kann, denn nun geht es ums Ganze, wurscht, ob das je so gewollt worden war oder nicht. Diese Diskussionen werden nicht geführt, sie wurden auch nie  geführt, aber jetzt ist auch keine Zeit dazu. So ist die Wirtschaftskrise und die Politik dazu zu sehen.

Fazit? Wir beginnen in der Schule, der Erziehung bei den zu habenden, von einer Kommission festgelegten Denkergebnissen. Und von dort weg arbeiten wir uns nach unten, in die Entstehungsprozesse, in die Menschen. Und dort operieren wir, am offenen Gehirn, bis die Synapsen wie gewünscht funktionieren, die gewünschten Ergebnisse stützen. Ach ja, Kreativitätsknöllchen nicht vergessen! Zellen, wie jene, in der Breivik nun kreativ werden kann. Endlich. Er konnte als Bub so gut zeichnen, wissen Sie das?

Geht einfacher, als über DenkERGEBNISSE zu streiten. Oder über Schuld und Verantwortung und Sühne und Vergebung nachzudenken. Das ist doch Schnee von übervorgestern. Als man noch dachte, der Mensch wäre frei, wäre überhaupt ... Mensch. Und nicht Zellenapparatur Zeta-Ypsilon.

Übrigens: es gab mal eine Zeit, und sie ist noch gar nicht lange vorbei, da waren die kommunistischen Systeme vor allem dadurch berühmt, daß sie Denkabweichungen als Geisteskrankheiten klassifizierten. Pauschaliter, und prinzipiell. Wer das Glück der Menschheit nicht will, wie es wissenschaftlich erwiesen ist, der muß krank sein! Also ab in die Psychiatrie, und weggespritzt, das Bewußtsein!


P.S. Angerissen, mit ähnlich aufgeworfenen Fragen, ein Artikel in der FAZ.


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Freitag, 2. September 2011

Telephonprotokolle

Das ist archivlierungswürdig - die Anrufe des norwegischen Attentäters Breivik bei der Polizei, während bzw. nachdem er die Jugendlichen auf der Insel über den Haufen geschossen hatte. Insgesamt habe er es 10 mal versucht, sei aber nur diese zwei mal durchgekommen, das Handynetz war überlastet.

Vermutlich, weil die überlebenden Jugendlichen ihre Eltern angerufen hatten, die Eltern ihre Nachbarn, um davon zu berichten, die Polizei die Eltern, die Eltern die Polizei, die Anwohner am Festland ihre Freunde in Oslo "Stell Dir vor, was da passiert ... hörst Du die Schüsse? Ach, schau, nein, jetzt ist es ruhig ... seltsam, warte, ich schau mal raus ... ah, jetzt fängt es wieder an, hörst Du, Rude, siehste, schlimm, was? Und die Polizei kommt nicht daher! Warum die keiner anruft!?"

Gespräch 1 Anrufeingang beim Polizeidistrikt Buskerud Nord am 22.
Juli 2011, 18.00.49 Uhr laut nicht abgeglichener Anzeige.


Polizei: Polizei-Nottelefon.
Breivik: Ja, Guten Tag, mein Name ist Kommandant Anders Behring
Breivik von der Antikommunistischen Widerstandsbewegung Norwegens
Polizei: Ja.
Breivik: Ich bin derzeit auf Utöya. Ich möchte mich ergeben.
Polizei: Ok. Von welcher Nummer rufen Sie an?
Breivik: Ich rufe vom Handy aus an.
Polizei: Sie rufen vom Handy aus an.
Breivik: Ja. Es ist nicht mein Handy, es ist ein anderes ...
Polizei: Ein anderes, was ist es für eines? Hallo ... Hallo ..

(Hier brach das Gespräch laut Polizei ab)

Gespräch 2 Anrufeinang beim Polizeidistrikt Buskerud Süd am 22. Juli
2011, 18.26 Uhr laut Protokoll der diensthabenden Beamten


Polizei: Polizei-Nottelefon.
Breivik: Guten Tag, mein Name ist Anders Behring Breivik
Polizei: Ja, Hallo.
Breivik: Ich bin Kommandant in der Norwegischen Widerstandsbewegung
Polizei: Ja, Hallo.
Breivik: Können Sie mich mit dem Einsatzleiter von Delta verbinden?
Polizei: Ja ... von wo aus rufen Sie an und worum geht es?
Breivik: Ich bin auf Utöya.
Polizei: Sie sind auf Utöya, ja
Breivik: Ich habe meine Operation durchgeführt, ich möchte mich daher
nun ... ergeben.
Polizei: Sie wollen sich ergeben, ja.
Breivik: Ja.
Polizei: Wie heißen Sie, sagten Sie?
Breivik: Anders Behring Breivik.
Polizei: Und Sie sind Kommandant bei ... ?
Breivik: Knights Templar Europe heißt die Organisation, aber wir sind
organisiert in ... der Antikommunistischen und Norwegischen
Widerstandsbewegung gegen die Islamisierung Europas und gegen die
Islamisierung Norwegens.
Polizei:Ja.
Breivik: Wir haben gerade eine Operation im Auftrag von Knights
Templar durchgeführt.
Polizei: Ja ...
Breivik: Europa und Norwegen.
Polizei: Ja ..
Breivik: Und im Hinblick darauf dass die Operation durchgeführt ist,
ist es also ... vertretbar, sich Delta zu ergeben.
Polizei: Sie wollen sich Delta ergeben?
Breivik: Können Sie mich zumm Einsatzleiter von Delta durchstellen?
Polizei: Ja, Sie Sie sprechen schon mit jemandem, der in gewissem Maß
übergeordnete Verantwortung trägt.
Breivik: Ok, finden Sie heraus, was sie müssen und dann rufen Sie
mich auf diesem Telefon an, ok?
Polizei: Hm, welche Telefonnummer ..?
Breivik: Superfein, Tschüs.
Polizei: Ich habe Ihre Ihre Telefonnumer nicht! Hallo!


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Sonntag, 21. August 2011

Wenn nur noch Böse Waffen tragen

Auf ortner online fand ich einen interessanten Aspekt in Zusammenhang mit der Forderung, ein Waffenverbot würde die Untaten mit Schußwaffen minimieren. Er zieht das Fazit, daß in einer entwaffneten Gesellschaft der Einzelne wehrlos gemacht, der Untäter aber nicht an seiner Tat gehindert wird:

  • Gewalttaten können mit jeder Form von Waffe begangen werden, und gerade Gewalttäter sind nicht wählerisch, wenn es um die Form des Tötens geht. Untaten mit Schußwaffen sind (in Österreich, Deutschland) statistisch betrachtet außerdem sehr selten (0,2 % aller Verbrechen). Es ist definitiv unmöglich zu unterbinden, daß Gewalttäter sich auf irgendeinem (illegalen) Weg in den Besitz einer Waffe bringen. Tatsächlich werden auch (von erwähnten 0,2 %) deutlich mehr Untaten mit illegalen Schußwaffen begangen, als mit legalen.
  • Gewalttaten nehmen speziell in einem Umfeld zu (weil Täter besonders dreist vorgehen) wo mit keiner Form von Gegenwehr zu rechnen ist. Der Zusammenhang ist belegbar, daß besonders restriktive Waffengesetze einen hohen Anteil an "heißen Einbrüche" aufweisen - wo also die Täter von den Opfern bemerkt werden, ja anwesend sind.
  • Gewalttaten in definitiv bewaffnetem Umfeld sind selten, weil jeder Täter mit handfester Gegenwehr rechnen muß. Bewaffnete Kinderbetreuer in Norwegen hätten möglicherweise den Attentäter erledigt, ehe er so viele Morde begehen konnte. Privater Waffenbesitz besitzt also Abschreckungswirkung!

Fazit: Sicherheit ist ein zu hohes Gut, um deren Gewährleistung dem Staat zu überlassen. Im Falle eines gewaltsamen Übergriffs ist man in 100 von 100 Fällen auf sich allein gestellt – Polizei ist garantiert nicht zur Stelle. Das Beispiel Israels, mit seiner unerhört großen Zahl ziviler Waffenträger zeigt: Massaker wie jenes in Norwegen kommen dort nicht vor. Dort aber, wo privater Waffenbesitz verboten ist oder von paternalistischen Bürokraten behindert wird, verfügen eben nur noch Verbrecher über Waffen.





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Mittwoch, 17. August 2011

In den Untergrund gezwungen

Wäre die Tat des Anders Breivik nicht in sehr individueller und individualistischer Weise zu verstehen oder zu erklären, neigte ich jener Meinung zu, die Andreas Kämmerer auf der Seite der "Freie Wähler Frankfurt" dieser Tage publiziert hat. Mit einer sehr stringenten Argumentation, die die Neurotisierung des Denkens (Kämmerer spitzt es auf "political correctness" zu) zur Ursache solcher Extremisierung macht, und animiert weiterzudenken:

Wenn nämlich bestimmte Diskurselemente gar nicht mehr möglich sind, wenn sich das Klima öffentlichen Diskurses, öffentlicher (und: veröffentichter) Meinungsbildung wie in der political correctness so deutlich auf Denkverbote zuspitzt, wo bestimmte Ansichten und Argumente, die sich nicht innerhalb einer bestimmten dogmatisierten Moral bewegen, finden zunehmend Menschen ihr Denken nicht mehr in den Rahmen möglicher demokratischer Mehrheitsbildung gestelt. 

Das hat die unausweichliche Folge, daß mehr und mehr (!) Menschen ihre Ansichten als "außerhalb des politischen Diskurses" erfahren, sich selbst als Dissidenten erleben, die keine normalen Wege mehr finden, um ihre Wünsche berücksichtigt zu finden. Im Klartext heißt das sogar, daß JEDER, der nicht willens ist, vorgekaute Dogmatiken zu übernehmen, sondern wirklich - das Grundprinzip der Demokratie befolgend! - eine eigene Meinung zu bilden, die notwendig die Freiheit braucht, "ergebnisoffen" zu sein, sich politisch entmachtet erlebt.

Die political correctness funktioniert ja nur, wenn sie mit der Macht einhergeht. Denn sie braucht, um das Klima zu bestimmen, die Mehrheiten, die Masse. Und sie braucht diese Masse als feige, mutlose Systemdiener - und aus dieser Voraussetzung ist die Nähe zum Fanatismus endgültig evident: political correctness lebt nur in der Form des Fanatismus! Sie ist anti-demokratisch, und provoziert damit Vorgangsweisen außerhalb der gegebenen demokratischen Wege. Weil die political correctness das wirklich Soziale zerstört, Soziales also gar nicht mehr gegeben ist - Familie, Multi-Kulti-Gesellschaft, Zerstörung der Zwischenmenschlichkeit (in dem man sie in die öffentliche Sphäre hebt, vor allem auch in der Sexalität), etc. - ist eine Tat gegen diese Gesellschaft auch nicht mehr "asozial", im Gegenteil: der Proponent versteht sich als "letzter Vertreter des Sozialen". Und er hat damit nicht einmal unrecht.

Der Linken und ihrem Instrument PC wird deshalb ihr Zynismus gar nicht klar, in dem sie ihre Denkzäune aufstellt. Und in dem sie sohin erschafft, wovor sie warnt. Indem sie also auch den Extremismus für immer mehr Menschen zum einzigen Weg macht, sich in den öffentlichen Diskurs einzubringen. Weil diese Menschen die Oberfläche der PC als jene offene Kampfansage identifizieren, als die sie sogar gemeint ist - und sich als im Krieg befindlich zu begreifen anfangen.

Wenn man also Breivik und wenn man die political correctness politisch ernstnehmen will (was der Verfasser dieses Blog aber nicht tut!), dann ist diese Erklärung am naheliegendsten. Lesenswert weil voller Anregungen ist der scharfsinnige Aufsatz von Kämmerer allemal. Auch wenn der Verfasser dieser Zeilen meint, daß Kämmerer den konkreten Fall nur zum Anlaß seiner Thesenbildung nahm, also gewissermaßen Breivik umdichtet.



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Samstag, 6. August 2011

Eine Generation der Rambos

Das Einzige, was ich wirklich an Allgemeinem über den norwegischen Attentäter meine sagen zu können, ist, daß er etwas erfüllt, das doch jahrzehntelang amerikanische Actionfilme verkündet und als individuelles Charakterziel erstrebbar gemacht haben: Ein stinknormaler Mensch sieht sich im Aufruf, die ganze Welt zu retten. Ob in "Independence Day" oder als "Rambo" - es sind überall die Einzelgänger, die zurückgezogenen Genies, die einen inneren Auftrag haben. Den sie noch kräftig mit PC-Spielen ("World of Warcraft") auf Touren bringen.

Ja was erwarten wir denn? Da wird es Jahrzehnte als Idol dargestellt, wächst eine ganze Generation mit diesen idolen bereits auf, die von Propaganda so weit weg sind wie Oslo von Norwegen, und dann wundert sich jemand, daß auch solche Menschentypen heranwachsen?

Anders Behrens Breivik, 32 - "Er schrie und jubelte, während er schoß."
DIESE Geisteshaltung findet sich noch dazu tatsächlich überall, ob links, ob rechts - die Grünen sind ja eine regelrechte Bewegung des individuellen Weltrettungsbewußtseins!

Die Richtung ist gleichgültig, weltanschaulich ist auch der Norweger keineswegs zuordenbar. Kant paßt zu "Rambo" wie die Faust aufs Auge, sieht das niemand? Wenn man sein Manifest überfliegt - wer liest schon 1500 Seiten Zusammenkopiertes; Breiwik zitiert z. B. deutsche Autoren, obwohl er gar nicht Deutsch kann - fällt vor allem dieses Durcheinander auf.

Christlich (wenn schon: protestantisch, überhaupt eine Erwähltheitsreligion, die auszog, den Katholizismus zu retten; aber Breiwik bezeichnet sich selbst als "ungläubig"!). Freimaurer (die sowieso die Welt, mit dem Verstand, retten). Muttersöhnchen. Dem der Vater fehlt, und damit die Ausgewogenheit der Selbsteinschätzung - wahrscheinlich im erhabenen Urteil über den Vater die Welt rettet, der einem sonst ja seinen Platz zuweisen sollte, wäre da nicht die Mutter, die linke Gesellschaft, der Liberalismus, der Sozialstaat ... Norwegen ist sogar extreme Wege der Formlöschung begangen, was eine Entwirklichung anzeigt, die jeden Realitätsdruck, und damit jede Identitätsbildung, vermissen läßt. Norwegen braucht niemanden mehr! Auch keinen Gott. Denn Norwegen hat Öl. Das Land hat gigantische Geldtöpfe angelegt, die für alle Generationen der Zukunft aussorgen sollen. Niemand wird mehr gebraucht in Norwegen. Alle sind nur noch auf Urlaub dort.

In dieser Analyse stimmt sogar die Richtung, aus der der Wind weht. Und solche Charaktere sind alles andere als selten. Links wie rechts. Die Richtung ist egal. Heute ist Totalitarismus bereits in prinzipieller Zug der Persönlichkeitsbildung geworden, auch als Reaktion.

Totalitarismus ist aber keine Frage der Inhalte. Er ist eine Frage der Zuordnung seiner selbst, der Interpretation des Ich in der Kommunikation mit dem Du, dem Gegenüber. Ähnlich der Sucht ist er ein Problem der Gewalt über sich, nicht der Gegenstände (wie die Linke es regelmäßig versucht, substantielle Inhalte an sich zu desvaouieren - als Haß auf alles Sein, das prinzipiell dem Ideologenhirn widerspenstig ist.)

Der Mann in Oslo hatte ja in etlichen Einzelaussagen recht, so ist es ja nicht. Aber "recht haben" sagt gar nichts: einer Meinung anhängen macht nicht gerecht. Breiwik war wirr, und das zeigt sich im Mangel an Klugheit, denn sein Handeln hat keineswegs erreicht, was er wollte. Wo hätte er enden wollen? Indem er alle seiner Meinung nach gesellschaftsschädlichen Norweger - also: fast alle - eliminiert? Im Gegenteil, er hat genau die inkriminierte Lage noch weiter verschlimmert, er war also sogar kontraproduktiv - und damit sind wir wieder bei der gemachten Einschätzung: es ging nicht um Inhalte! Diese dienten nur als posthoc-Rechtfertigung, um die wirklichen und irrationalen Motive zu verbergen. So sehr die Linke die Diskussion darauf zu bringen versucht hat und noch weiter versuchen wird, um das Feld für ihr Handeln zu räumen, in dem es auch nicht um Inhalte geht. Auch die sind nur das Tarnnetz, unter dem Rambo wartet.

Aber plötzlich stellt so einer, der bisher eher eingeordnet gelebt hat (wenn die "Beobachtung für rechte Umtriebe" meint, sie hätte ihn im Visier gehabt, so ist das nicht einmal einen Huster wert - die haben auch jeden der noch normalen Bürger im Visier, ihre Kriterien sind universal wie Schmiegen, für einen Linken ist alles gefährlich, das nicht links ist), freilich Einzelgänger, freundlos, der aber dennoch aktiv sein Leben gestaltet hat, etwas fest, das übrigens (schöner Zusammenfall) in einem der aktuellen Kinofilme - "Was Du nicht siehst" (mit meinem lieben Kollegen Andreas Patton in einer der Hauptrollen) - thematisiert wird: der Mensch hat die Freiheit, zu handeln!

Er hat die Möglichkeit, etwas zu tun, auch Schlimmstes. Er hat nur sein Gewissen! Und das zu manipulieren ist heute (aber das war nie anders) Fertigkeit des Alltags. Was ihn hindert sind vielleicht noch manche innere (natürliche) Hürden (Muttersöhnchen!), innere Hemmungen. Schaut man aber der Welt ins Auge, ist es plötzlich eine Welt, vor der man sich nicht fürchten muß, in der man handeln kann. Einfach so! Das erlebt der heutige Mensch wie einen Befreiungsrausch.

Völlig gefaßt, hat der Norweger sich bei den Verhören "kooperativ" gezeigt. Nach eineinhalb Stunden Blutbad auf der kleinen Ferieninsel, während dem er geschrieen, ja gejubelt hätte, wie Überlebende berichten, erst dann hatte die Polizei (die nicht gleich ein Boot auftreiben konnte) ihn verhaften können, er hatte sich nicht gewehrt. Kein Zufall ist, daß der Bombenanschlag in Oslo vor dem Gebäude des Ölministeriums stattfand - Norwegen schwimmt im Geld, weil im Öl, es braucht keine Männer mehr, es braucht keine Söhne, der Staat sorgt für alles (Norwegen ist derzeit auch eines der letzten drei, vier Länder Europas, wo noch Sozialdemokraten regieren. Wie in Österreich.) Breiwik war bei der Mutter aufgewachsen, lebte bei ihr. Der Vater lebt in Südfrankreich, und möchte mit seinem Sohn nichts zu tun haben. Jetzt schon gar nicht. "Es wäre besser gewesen, er hätte  sich (vor dem Anschlag) selbst umgebracht," soll dieser öffentlich gemeldet haben, ehe er sich jeder weiteren Stellungnahme entzog.

Norwegen zieht Massenkuschler heran. Dem Ruf des Attentäters, als Bursche, ihm zu folgen, ist niemand gefolgt - er blieb alleine. Also nimmt nicht wunder, daß er vor allem eines nun wollte: Öffentlichkeit. Bei den Verhören, bei den Verhandlungen zum Prozeß, der ihm nächstes Jahr gemacht wird. Angeblich aus Pietät den Angehörigen der Opfer gegenüber. Zweifel an der Täterschaft bestehen ja nicht, weshalb man ihn auch ohne Urteil schlicht unter Verwahrung hält.

Also ist das zweite Ziel gleichfalls verständlich: genau jene Massenkuschler, die sich ihm als Masse, als a-individuelle Nichtse, überlegen zeigen, indem sie einfach die Funktionen des Körpers konsumieren (denn: von "Leben genießen" kann man hier tatsächlich nicht sprechen), eingefügt in diese dichte warme Humusschichte des Unbeweglichen, des Nichthandelns des Zeitgeists, der nur noch Sattheit kennt, aber die Seinskraft des Menschen, den Willen zur Gestalt nicht mehr sättigt. Also muß Rambo aufstehen, gerufen von den Bergen, aus der Einsamkeit zurück, Racheengel, der nun im Blutrausch die Welt richtet und rettet. Entbindung aus dem Mutterleib Volk/Mutter gelungen, ein Kind ist geboren - ein Individuum, mit Namen, mit Profil, ein Mann. Wie es früher mal war, als sich Sein nur aus der Mutter, mit Gewalt, erhob.

Es würde regelrecht verwundern, wenn solche Geschehnisse nicht in immer kürzeren Abständen vorfallen würden. Es wäre zu logisch. Und zwar GERADE WEIL Europa erneut aberwitzig präventiv-restriktiv und "pädagogisch"-manipulativ reagieren und den Mutterleib noch energischer wie bisher verdichten wird.

Ersatzwege sucht sich diese Haltung - die in Rambo zur Handlungskraft wird - ohnehin längst. Und dabei wird es wohl auch bleiben, was die Sache nicht unbedingt sympathischer gestaltet.

Denn eines fehlt den heutigen weltrettenden Rambos, ob sie nun Julien Assange oder Anders Breivik - der Unterschied ist Geschmackssache - heißen: Sie wollen am Schluß nicht selbst sterben. Sie wollen ihre "Tat" eigentlich nur für sich nützen. Und weil sie im Positiven, mit ihrem normalen Leben, nicht weiterkommen, zerstören sie das Ganze, so gut sie können, indem sie mit Vertrauensmißbrauch - eine Gesellschaft von Freien muß ihren Mitgliedern zumindest gewisses Vertrauen schenken, was auch heißt, damit zu rechnen, daß jemand es mißbraucht - arbeiten.

Ob das fürs wirkliche Heldentum reicht?


Nachsatz: Ansonsten bleiben von dem Fall nur Auffälligkeiten. So die Berechenbarkeit der Reaktionen. auch hierzulande - sie wären auf den Punkt vorhersagbar gewesen. Was den Verdacht weiter verstärkt, daß eine gewisse innere Tendenz, Geneigtheit im Fall Breiwik ans Tageslicht trat: als würden alle (in allen Farben und Schattierungen) mit solchen Vorkommnissen rechnen, ja manchmal könnte man sogar zur Meinung kommen: sich wünschen. Als habe Breiwik nur etwas getan, wonach es viele längst gelüstet. Aus nur scheinbar verschiedenen Gründen.





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