Dieses Blog durchsuchen

Posts mit dem Label Märchen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Märchen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 17. November 2022

Im Dnjepr reingewaschen

Zwar hat das World Economic Forum sämtliche Hinweise und Verweise auf den Namen FTX von seinen Webseiten gelöscht, als am 10. oder 11. November bekannt wurde, daß diese Krypto-Börse vor einer gewaltigen Pleite stehe, aber noch vor einigen Monaten hatte deren Gründer, der erst 30jährige "Young Global Leader" Sam Bankman-Fried, noch gefeierter Redner gewesen. Das war dem WEF nun offenbar peinlich.

Wenn nicht mehr. Denn manche Gerüchte wollen nicht verstummen. FTX sollte nämlich für die Ukraine Spenden in Kryptowährung sammeln, und dann in die Lokalwährung, den Hrywna, konvertieren. Offenbar hoffte Kiew, daß auf diese Weise nochzusätzliche Gewinne zu erzielen sein würden, die den Krieg finanzieren helfen könnten.

Freitag, 23. April 2021

Gedankensplitter (813)

Es hat in meiner Beobachtung nie an spöttischen Stimmen gemangelt, die eine angeblich in der Vergangenheit so allgemeine Betrachtungsweise, Vorkommnisse in der Natur als von Göttern oder geheimnisvollen Wesen durchgeführt oder getrieben zu bezeichnen.

Ich kann mich aber des Eindrucks nicht erwehren, daß genau das heute in ungeheuer verbreitetem Ausmaß gerade bei den "Gescheiten" der Fall ist. Denn wie oft wird aus einem beobachteten Verändern einer Konstellation die Erzählung eines aktiven Geschehens. 

Wo (sagen wir) ein Virus "tut", ein Virus "übergeht", also aktiv wird! Dabei ist er kein Lebewesen, und "tut" deshalb gar nix. Nicht einmal eine Lawine "tut" etwas, wenn "sie" verschüttet. Die Grenze vom bloßen Schildern von Ortsveränderungen durch Bewegung (als: Bewegt weil angestoßen worden sein) ist hauchdünn. Aber ganz entscheidend. 

Und so kommt es zu wahrhaftigen Personalisierungen von Naturgeschehnissen. "Hier hat die Evolution in hunderten von Millionen von Jahren ..." Plötzlich haben wir es mit einer Religion und mit Götzendienst zu tun.

Sonntag, 7. Juli 2019

Über das, was den Mythen vorausgeht (2)

Teil 2) Die lange Fußnote zu Peterson, Jung und Aristokratie



*Die sehen zu lernen die Psychologie oder die Psychoanalyse nur dort etwas beitragen kann oder könnte, wo sie in der Wahrheit (und damit in einer wahren Anthropologie) gründet. Der weltanschauliche Hintergrund von Jung und Peterson - als Beispiele - ist nicht geeignet, die Symbole auf absolute Wirklichkeiten zurückzuführen, im Gegenteil, er verwirrt und lenkt auf die Weltimmanenz zurück. Die Katze beißt sich also in den eigenen Schwanz, der Boden schwindet diesem Blick auf sich selbst. Wer öfter schon Petersons Video-Vorträgen im Internet zugesehen hat wird deshalb feststellen, daß er nur Ratlosigkeit zurückläßt. Er wirbelt viel auf, kann aber dann keine Klarheit schaffen, weil es an Wahrheit fehlt. So daß man sich fragt: Und nun? 

Das ließe sich nur beantworten, wenn man begänne, eine Weltanschauung zu formulieren. Erst auf dieser läßt sich Handlung aufbauen. Und zwar jene Anschauung, die in dem Gehörten bereits enthalten ist, eine andere Wahl hat man gar nicht, wenn man die Deutungsmuster als wahr anerkennt. Somit wird klar, daß die Sache sehr problematisch ist. Denn Weltanschauungen haben immer nur jene Gestalt, die die ihnen zugrundeliegende Grammatik in die Welt treiben und verankern will. Deshalb muß man sein Augenmerk auch bei diesen Figuren genau darauf richten und man wird staunen.

Die Psychologie (Psychoanalyse) ist nicht nur wertlos, sie ist destruktiv und subversiv, wenn sie sich nicht nach der ontologischen (durch Metaphysik aufschlüsselbaren) Ordnung orientiert. "Psyche" ist eben nicht (wie im offiziellen Lehrbetrieb dargestellt; der VdZ hat es so erlebt) rein subjektives "Geräusch" ohne objektiven Wert, sondern sie ist überhaupt nur verstehbar und sinnvoll, wenn sie sich an der richtigen Anthropologie orientiert und einen rechten Begriff von "Geist" hat. Daraus, aus der ontologischen Konstellation, somit aus absoluten Beziehungs-Größen, ergeben sich die "psychischen" Spannungen etc. Der VdZ kennt jede (wirklich: jede) Menge Psychologen. Sie sind im Grunde allesamt Volltrottel. Und umso mehr überzeugt, daß sie alles wissen. Dabei am allerwenigsten wissen, wovon ... sie nicht einmal einen Begriff haben, was Geist sein könnte. Ginge es nach dem VdZ, er würde diesen Beruf sofort verbieten und als gewerbsmäßigen Betrug klassifizieren. Selbst Sigmund Freud war ein glatter Betrüger.

Daran scheitern aber auch sehr viele der sogenannten "rechten" Deutungsversuche, wie an diesem Video erkennbar wird. Das zwar hörenswert, weil es klug und intelligent ist, aber an diesen Bedingungen scheitert und trotz gegenteiliger Behauptungen weltimmanent und damit verzweifelt bleibt. Denn als einzige Realisierung bleibt Positivismus und Willensethik. Hier bleibt dann tatsächlich nur noch Nietzsche, Hegel und Kant. Handeln aber als aus dem Sein herauswirkender, weil im Herausstellen (zum Werk) Welt-werden-wollender, im Sein selbst gründender Antrieb, wo der menschliche Wille nur die im Gehorsam umgesetzte Analogie zum göttlichen liebenden Willen ist, ist dort (wie und weil im Protestantischen) nicht bekannt.

Zwar finden die Aussagen von der notwendigen Aristokratie von sehnsüchtigen Wünschen begleitet ihren Weg ins Ohr, aber der Ansatz ist NICHT, daß das über "Leistung" erfolgen kann, auch nicht über "Tugend", sondern sich aus dem Ort ergibt, damit gar nicht "machbar" oder "erstrebbar" ist, sondern zugewiesen werden muß. Denn die wesentliche Tugend, die erste Tugend des Menschen ist sich auf den Ort hin zu transzendieren. Dementsprechend lehnen die Proponenten dieses Gesprächs auch eine Haltung ab, in der sich der zum Weltwollen ermannende Mensch seiner Schuld durch die Notwendigkeit einer Vergebung vom Sein selbst her nicht entledigen DARF, weil er sonst seinem Vorbildwillen widerspricht, und unter seine Größe fällt, zu der er sich entschließen mußte.

Eigentlich haben wir es also hier mit demselben Wahnsinn zu tun, den wir so gerne an Politik und Medien kritisieren: Daß der Erhalt des öffentlichen Images, der öffentlichen Rolle die Offenheit für die Wahrheit und Wirklichkeit verbietet. Diesmal aber verliert er noch jene Berechtigung, die der Schutz von Strukturen oder Institutionen tatsächlich braucht, denn er wird an die Grenzen der persönlichen Existenz getragen und dieser auferlegt. 

Es braucht aber nicht mehr persönliche Qualität, sondern ... weniger, im Sinne von: sie muß weniger Rolle spielen. Und zwar auch, wenn von Tugend die Rede ist. Denn wenn es keinen von außen verliehenen Ort gibt, der also auch außerhalb meiner selbst besteht und bestehen bleibt, wenn es also keine OrdnungsSTRUKTUR gibt, die mir vorausgeht, steht und fällt auch der Ort mit mir, einerseits, und andererseits wird der Druck zum persönlichen "Tugendleisten" irgendwann untragbar. Nein, auch hier gilt, daß eine gesellschaftliche Ordnung NICHT auf der persönlichen Leistung, ja nicht einmal auf der persönlichen Tugend aufbauen kann, was immer eine Tugend überhaupt heißen soll, die NICHT auf einen vorgegebenen Ort bezogen ist. Der Ort muß heilig sein, nicht die "Person", die ihn gerade innehat.

Entsprechend wird die Demokratie nicht dort zum Übel, wo die sie leitenden Politiker oder Eliten zu persönlichen Dreckhaufen werden, weshalb es eine "neue, echte" Aristokratie bräuchte, sondern dort und dann, wo sie sich nicht mehr auf die Heiligkeit der Institutionen bezieht als das, was allem menschlichen Tun vorausgehen muß. Weil das aber der Demokratie nach heutigem Verständnis nicht innewohnt, kann ein Wollen von "besseren Zuständen" (egal wo) nur heißen, daß man diese Demokratie in dieser Form zumindest ablehnen muß. Weil sie NIE zu einer besseren sozialen Struktur und Organisation führen kann. Bessere, tüchtigere Politiker (weil "echte Aristokraten") sind allerhöchstens ein geringfügig und kurzfristig (!) geringeres Übel.





Samstag, 6. Juli 2019

Über das, was den Mythen vorausgeht (1)

Anders als gemeiniglich dargestellt, sind die Mythen nicht die erste Wahrnehmung des Transzendenten, also auch nicht die eigentlichen Archetypen, wie C. G. Jung sie deutet. Der christliche Glaube, die göttliche Offenbarung ist nicht "später" als die Mythen, sondern lediglich ihre Einbettung in die Wahrheit (der Sprache) folgte historisch später, erfüllte aber alle Mythen der Menschheit. Und zwar insofern, als es deren Irrtümlichkeit aufzeigt, indem sich die Grammatik der Schöpfung (weil die Struktur der Wirklichkeit) eine Beziehung ist, die sich im Ersten auf die innere Struktur der Dreifaltigkeit zurückführt. 

Die Inkarnation Gottes in seinem Sohn Jesus Christus ist also der Korrekturpunkt, auf den die Menschen seit je gewartet haben und an dem sich sämtliche überlieferten Bilder in die Wahrheit holen lassen, weil nun scheidbar wird, was daran falsch war und was prinzipiell richtig. Denn die ersten Bilder, die sogenannten "Archetypen", die in Mythen und Märchen gezeigt sind, sind historisch notwendig durch menschliche Fehlung zumindest wahrscheinlich verfälscht und verbildet. Sie müssen an der göttlichen Offenbarung zurück-geeicht werden. Beziehungsweise lassen sie sich sogar nur aus dieser göttlichen Selbstaussage erst verstehen. Auch in dem, wo sie sich verrannt haben oder verbogen wurden. Deshalb haben Mythen (ebenso wie Märchen) immer eine einem Volk, einer Kultur zugehörige Gestalt.

Daß sich die Mythologien aber im Letzten auf wirklich wirkliche göttliche Grammatik beziehen liegt darin, daß natürlich die Erfahrungswelt des Menschen von Anfang an durch die Repräsentanzen der wirklichen Wirklichkeit (die wahren und einzigen Archetypen, also die Grammatik der Welt und Schöpfung) geprägt wird. Und das sind allem voran die Mutter, in ihrem bestimmenden Gegenüber, dem Vater, das sind die Figuren die einen umgeben, das sind die Landschaften und deren Prägung durch ihre Tektonik.  

Insofern sind alle diese ersten Erfahrungskonstellationen auch "heilig". Denn in diesem Heiligkeitsnimbus drückt sich noch am unmittelbarsten das Transzendente (als unsichtbares, aber einzig wirkliches Wirkliches, als göttliche Grammatik sozusagen) aus.

Es gibt eben ein Universales, das allen Mythen zugrunde liegt weil vorausgeht - die Grammatik Gottes des Dreieinen, die für die gesamte Schöpfung gilt.
In ihrer ersten Wirklichkeit aber sind die "Archetypen" Beziehungsdynamiken. Und deren Gestalthaftigkeit eine Übersetzung dieser Dynamiken (am ehesten noch als Erfahrungsqualitäten durch die Welt identifizierbar) in geschöpfliche Dinge der Umgebungswelt, die zu diesen Erfahrungen Analogien aufweisen. Denn tatsächlich, das sind sie ja auch. Letztlich ist in allem Gott auf diese Weise und als Analogie (Ähnlichkeit zu seinen Eigenschaften) erfahrbar.

Auf die Wahrheit selbst ist nicht anwendbar, was für alle möglichen Religionen gelten kann oder sogar muß, aber nicht auf das Katholische anwendbar ist. Denn während die Psychoanalyse und das symbolische Denken - auch wie es Jordan Peterson oder Jonathan Pageau praktizieren - von einer Religion als "zweites" ausgehen, also als etwas, das dem psychischen Erleben FOLGT, ist das Katholische in Wahrheit das diese Erfahrung erst begreifbar machende. Weil es sich auf jene Wirklichkeit bezieht, die diese Erfahrung begründet. Sie versetzen damit die wirkende Kraft des Wirklichen selbst in die Welt, machen sie zu einem der in ihr autonom enthaltenen Ding und schließen auf die eine oder andere Weise, mehr oder weniger, die Gnade aus. So werden die Mythen, die Archetypen wirklich zu einem rein psychischen und psychogenen Ding der Welt. Und das ist letztlich erschreckend blanker Atheismus.

Dennoch kann gesagt werden, daß zumindest in den Märchen auch ein Abbild der menschlichen Wirklichkeit dieser (wirklichen, ersten) Archetypen, die sich je nach Weltwerdung in der konkreten Realisierung steigern, konkretisieren, in Dingen oder Personen als Repräsentanten gerinnen, auf uns gekommen ist. Das bereits in unsere volkseigene, also historisch auf uns bezogene Erfahrungs- und historische Welt übersetzt, in der Gegenwart vorhanden ist. Und sei es eben durch ihr durch die Tradition weitergegebenes Erbe von Gestalten.

Sie verdienen also größten Respekt, ja in etwas abgemilderter Form den Nimbus des Heiligen, dem nur mit Scheu und Ehrfurcht zu begegnen ist. Als jenes Blätterdach, das von einem Wind bewegt wird, aus dem die wirkliche Wirklichkeit zu uns spricht und in einer Zeit als Geschichte geborgen wurde, in der die Geschichte sie noch als weit unmittelbarere Erinnerung an das, was bei der Vertreibung aus dem Paradies verloren wurde.

Aber das wertvolle Leben beginnt sich erst in dem Moment zu begreifen und damit durch die Erschütterung handfest zu werden, wo es sich als Wandeln im Hain begreift, in dessen Blätterrauschen der Geist Gottes des Seins selbst weht. Der in der Kirche, deren Bauten genau diese Haine abbilden, in die Gott als die Mitte von allem herabkommt, zur realen Erfahrungswelt als real gewordene Neue weil Erneuerte Schöpfung wurde. Noch anfanghaft, noch fragil, noch zerbrechlich, aber im Ausharren auf den Jüngsten Tag, den Tag der Wiederkunft Christi. Ab dem befreit von aller Spreu und allen Dornen die Schöpfung wieder zum realen Paradies wird, aus dem alles Seinswidrige ausgeschlossen ist.

Was also allen diesen Symboldeutern von C. G. Jung bis zu Jordan Peterson fehlt, ist die historische Realisierbarkeit eines Lebens in archetypischer Reinheit. Und das macht alles, was sie tun und sagen, nicht nur zu einem vergeblichen, sondern sogar zu einem letztlich ideologischen Programm. Das auf eine Utopie abzielt, die nicht realisierbar ist. Denn es ist die menschliche Schuld, die wieder und wieder, die täglich sieben mal siebzig mal, diese Welt zu einem so trüben Wasser macht. Aus dem nur ein Ast herausragt, der noch von der Tiefe und dem letzthinnigen Ziel kündet: Der Kult, und die Kunst.


Morgen Teil 2) Die lange Fußnote zu Peterson, Jung und Aristokratie




Samstag, 2. Dezember 2017

Die Mär von den Klimaflüchtlingen

Auch das eine der üblichen Katastrophenmeldungen, die Panikstimmung verbreiten sollen - daß nämlich hunderte Millionen Afrikaner "wegen des Klimawandels" nach Europa strömen wollen. Aber hier wie anderswo kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, daß hier eine Dynamik in Gang gesetzt und nicht ein Zustand beschrieben werden soll. Solcherart, in einer "selbsterfüllenden Prophezeiung", entwickelt diese Botschaft einen Sog, der viele hineinzieht, die zuvor gar nicht an ein Auswandern gedacht haben. Somit muß man davon ausgehen, daß solche "Analysen" gezielte Desinformation sind, hinter der eine Absicht steht: Genau diese Dynamik auszulösen. Vielleicht gleich mit dem Lockbild, daß man hier und hier hin (also: Deutschland) kommen könne, und alle Probleme seien gelöst. Was natürlich eine glatte Lüge ist. 

Was man damit aber erreicht (wobei man mit hunderten Milliarden Dollar winkt, die da froh und munter zur Verteilung ausgeschrieben werden, wenn man sich denn als Opfer des Westens deklariert, wenn man denn zustimmt, daß die Wurzel des eigenen Übels im reichen Westen liegt) ist, daß sich viele Länder melden, die sich als solche Opfer einstufen lassen. Das ist der Schlüssel zu viel Geld! Und auf Rosen gebettet sind dann noch jene, die erzählen, daß es der rapide Anstieg des Meeresspiegels (naturwissenschaftlich eine glatte Fehlbehauptung, auch sie durch nichts belegt, sieht man von schwindeligen Hochrechnungen ab) ihre Inseln unter Wasser setzte. Jede genauere Prüfung zeigt, daß wenn es denn schon zu Überschwemmungen auf der einen oder anderen Insel kam oder kommt, die Ursachen ganz woanders liegen - und praktisch immer wirklich selbst gemacht sind. Durch exzessive Bautätigkeit etwa, die jede natürliche Wasser- und Küstendynamik ignorierte. 

Von einem beschleunigten Anstieg des Meeresspiegels aber ist weit und breit keine Spur, um nur diesen einen Punkt zu nennen. Umgekehrt winken ja nicht nur die Paris-Unterzeichner-Staaten mit enormen Geldflüssen (die die Politiker ihren Bürgern über Steuern abzapfen), sondern auch der IWF (Internationale Währungsfonds) ist lange schon zu einer Praxis übergegangen, in der für die Staaten oft lebensnotwendige Kredite nur dann vergeben werden, wenn sie mit Investitionen verbunden sind, die "das Klima retten".

Das ist auch der einzige Grund, warum dem Pariser Abkommen so viele Länder zugestimmt haben, in dem es ja nur um Geldverteilung geht - die Maßnahmen von Paris als "Klimaschutz" (ein völlig absurdes Wort) sind derartig ineffizient, daß man selbst als Klimaerwärmungsphantast rot werden müßte: Alles umgesetzt, könnte man die "Weltklimatemperatur" um gerade einmal 0,05 Grad "senken", wenn das denn überhaupt ginge. Donald Trump mußte also gar nicht ins Grundsätzliche gehen, als er den US-Ausstieg aus Paris verkündete, er konnte nur mit den Argumenten der Klimafraktion selbst vorgehen.

Aber die Phantasie, die die von diesem Klimawahn Befallenen entwickeln, ist ja generell erstaunlich. Und soll in Wahrheit bewirken, was man angeblich als sichere Tatsache bereits vorspielt. Die Phantasten der menschengemachten Klimaerwärmung - schon Aristoteles zeigt in klarer Logik, daß das Wetter immer in Zyklen verläuft, weil aus Gründen der Energiestabilität und -ausgleichsprozesse verlaufen muß - sind ja auch genau das: Diese Menschen WÜNSCHEN sich, was sie da als unausweichbares Schicksal an die Wand malen, weil sie meinen daß sich so ein Weg zu Einfluß und Macht auftut, der ihnen sonst versperrt bleibt. 

Die Klimaphantastik ist eben die Reaktion von Außenseitern, Ausgestoßenen, Verlierern, Nicht-Integrierten, jüngeren Söhnen und ortlosen Wanderern, die über diesen Umweg "Rache" an ihrer Heimat üben, die sie ausgespien hat. Mit einer neuen Botschaft, deren Logik nur sie besitzen (weil sich die Interpretation ja laufend ändert, man beachte nur die "Vorhersagen", die über die Jahre deutlich machen, daß sowohl das eine wie sein Gegenteil behauptet werden), kommen sie dann zurück. Und sie kommen in der Absicht zurück, daraus kräftig Kapital zu schlagen, eine neue Hierarchie zu begründen, die die alte überlagert und in der sie nun jene ersten Plätze innehaben können, die sie sonst nicht möglich sahen.

DIE ZEIT bringt nun zu dieser Panikmeldung über die Völkerwanderung aus Klimagründen einen recht nüchtern gehaltenen Artikel, in dem dessen Autoren die Frage stellen, woher sich diese Behauptung belegen sollte. Denn es gibt keinerlei Evidenz dafür! Migration ist immer ein weit komplexeres Geschehen und mit Klimaveränderung nicht begründbar. 

Die Autoren, die dabei von einer Klimaerwärmung ausgehen, also in dieser Hinsicht sogar dem gängigen Panik-Narrativ entsprechen, weisen darauf hin, daß sämtliche Thesen, die dahingehend lauten, durch nichts zu erhärten sind. Dürren, Wetterkatastrophen, Mißernten gab und gibt es immer und überall. Warum das aber - womöglich gar bei der armen Landbevölkerung - einen Migrationsdruck auslösen sollte ist nicht belegbar. Und gerade die arme Bevölkerung ist nicht die, die auswandert! Der Hauptteil der Migranten aus Afrika stammt aus Schichten, die man eher mit "Mittelklasse" (in ihren Herkunftsländern) bezeichnen müßte. Wie Gunnar Heinsohn außerdem einmal bemerkte: Arme, hungernde Bevölkerungen machen nie Aufstände, zetteln nie Kriege an. Sie sind vor allem damit beschäftigt, zu überleben. 

Den Armen im Süden, so die Autoren, fehlen schlicht die Ressourcen, um nach Europa auszuwandern. Meist haben auch gerade die Staaten mit hoher Migrationsbereitschaft schwache oder von Haus aus unzureichende staatliche Verfaßtheit. Häufig ist die innere Sicherheit ein Problem und das Gesellschaftssystem ist von Korruption, Machtkämpfen und Spannungen jeder Art (auch ethnisch, oder religiös) gekennzeichnet. Die Faktoren sind jedenfalls sehr sehr vielfältig, die schwierige, schließlich vielleicht als untragbar gesehene Lebensbedingungen schaffen und zwischen den Regionen auch sehr unterschiedlich sind. Wer wollte denn wirklich auseinanderklamüsern, wieweit eine Klimaveränderung eine Rolle spielt, und welche?

Wenn es zu Migrationsbewegungen kommt, so bewegen die sich meist innerhalb des eigenen Landes, und haben meist zeitlich begrenzten Charakter, um eben die Mißbill des Lebens dadurch auszugleichen.

Syrien sei ja auch so ein Fall, es wird immer wieder als exemplarischer Fall zitiert. Aber warum soll er das sein? Ja, es hat dort vor dem Ausbruch des Krieges 2013 eine mehrjährige Dürre gegeben. (Nicht zum ersten Mal, und die Ursachen könnten ganz woanders liegen: Etwa in einer kurzsichtigen Landwirtschaft, die durch jahrzehntelangen Kommunismus des Assad-Vorgängers das Land und seine Böden, damit seine Kleinklimata und seine Ausgleichsfähigkeit geschunden hat.) Aber der Anlaß zu den Verwerfungen war doch rein politischer Natur, und es ist schon seltsam, wenn die beteiligten Mächte das unter den Tisch fallen lassen und stattdessen von "Klimawandel" faseln. 

Höchstens könnte einem der Verdacht kommen, daß die durch die Wetterunbill schlechteren Lebensbedingungen eine gewisse Bereitschaft und Anfälligkeit signalisieren, Verwurzelungen im eigenen Land und Volk zu lösen, um damit eine massivere und raschere Destabilisierung des Landes zu erreichen. Denn die Einflußnahme ausländischer Mächte auf den syrischen Staatszustand sind unbestritten. Heute leben ja zehn Prozent der syrischen Bevölkerung (wenn es denn stimmt, denn die Ermittlung von Staatenzugehörigkeit bei Migranten ist oft schwierig) in Deutschland.

Die Gleichung Klimawandel = Massenmigration, so die Autoren in DIE ZEIT, geht jedenfalls nicht auf. Deshalb ist die UNO gut beraten, in dem derzeitigen Arbeitsprozeß, der das Migrationsproblem behandeln soll, zuerst einmal zu bedenken, wie in all diesen Ländern grundlegende Faktoren wie Sicherheit der Lebensführung und Rechtssicherheit hergestellt werden kann. Das muß Priorität haben, und ist vieler Anstrengung wert. DANN kann man noch darüber diskutieren, daß Klimawandel einen weiteren Streßfaktor darstellt, der in diesem Konzert von Faktoren auch eine - aber eher untergeordnete - Rolle spielt.





*111117*

Donnerstag, 30. Juni 2016

Und in Dornenhecken verborgen

Nun ist die mittlerweile fast flächendeckend ausgebreitete, die junge Generation nahezu ausnahmslos deckende Erscheinung wie die "Zweite Weisheit" das direkteste Zeichen des Kulturverfalls, das denkbar wäre. Umso mehr, als es natürlich der Zeit - die darin steckt - verborgen bleibt. Und sie hat auch ihr Führungspersonal, ihre Leitfiguren gefunden, bzw. jene diese.

Denn die "Zweite Weisheit" dient ja nur der Absicherung, sie ist selbst Schutzmechanismus, autorisierte Moralhoheit. In der sich die Lebenspraxis im Faktischen einrichtet und sich der lästigen Spannung zum logos entledigt. Trennung von Dogma und Pastoral - es ist wie ein Leisten, über den sich die Gegenwart brechen läßt.

Denn darum geht es ja. Darum geht es auch in der Entwertung des Geistes, des wirklichen Denkens in Freiheit und Distanz, in der Spannung des logos zum faktischen Zustand, welcher man sich entledigen möchte und eine neue Zufriedenheit als Paradigma von Lebensglück ausruft,in dem es sich jeder "nach seiner Facon" einzurichten vermag. 

Sie ist in den Trägern einer Kultur vermittelt worden, in den herausgebrochenen, emanzipierten Frauen der Selbstbestimmtheit, in der Depotenzierung des Vaters - dem Erfahrensgegenstand weil der Verkörperung des logos. Wo der Vater aber nicht mehr das Gesollte bestimmt, die immer vorausliegende Form, der es zu genügen gilt - während die Mutter Prinzip der Barmherzigkeit, der Milde, der Güte, des Bergens in der Müdentheit - dort gibt es auch keinen Geist mehr. 

Wo die Mutter zum Maßstab wird, und nicht die die den Maßstab des logos bergend aufnimmt, ihn als Ziel zeigend (Zeigen, das Prinzip des Lehrens und Lernens!) weitergibt, auf den ihr fremden weil polar gegenüberstehenden logos hinweist, fällt alles nicht nur in sich, sondern wandert ins Minus, in die Vergangenheit.* Und der Ort löst sich auf, denn logos heißt - Ort, getaucht in logische Beziehungen, erst so wird er ja zum Ort. Die Sprache löst als Sinnträger auf, sie wird zur Fuchtel einer Funktion, zur "Information", zur Anweisung, zur Vernebelung, der Begriff wird sinnlos. 

Die Königin Sophia, Schönste aller Schönen, wird davongejagt, in das Schloß hinter den sieben Bergen verbannt, und mit dicksten Dornenhecken umgeben, eines Prinzen harrend, der sich ohngeachtet der Stachel zu ihr dereinst durchschlägt. Der den Mut der voranwehenden Fahne wieder in die Welt bringt. So lange aber schäft sie, erstickt am Lügenbissen der neiderfüllten Weltenhure.**

Denn in der Welt draußen, da hat logos keine Aufgabe mehr, er wird zum lästigen und weil unsinnlich scheinbar so leicht zu verbannenden Anhängsel, deren so sorgsam zu hütende Jungfräulichkeit zum Hohn der Lebensgefräßigkeit wird. Der man freilch dies und das zugesteht, sie zu verwüsten wagt man denn doch nicht. Aber es hat keine Lebensrelevanz mehr, es ist ein Schnörksel am Karren Welt, der freilich ganz woanders hinfährt, und von dem der logos keine Ahnung, in dem er keine Relevanz hat. Also verbannt man ihn.

Hier trifft sich die Jugend mit dem Alter, das dankbar in den Chor einstimmt, selbst schon vatermüde und mutterstark aufgewachsen, und sich der Auseinandersetzung mit den ihnen schon vergangenen Lebensversäumnissen erspart.

Wo aber der logos irrelevant wird, kann es keine Kultur mehr geben. Dort wird Kultur zum Verweser vergangener Kultur, gibt es Gestalt nur noch so weit und so lang, als alte Substanz zum Verzehr geboten wird.

Und NEIN. Selbstverständlich beruht die logos-Verweigerung nicht auf einer logos-Losigkeit. Im Gegenteil, ist es ihr Dämon. Den sie aber vorzieht. Denn der verlangt die Zahlung erst in einer dem logos-Verweigerer eben nicht sichtbar sein müssenden Zukunft. Der ihm gestattet, er die Gegenwart über den Zaun der Müllhalde zu werfen, wohinter sie vorerst nicht mehr zu sehen ist. Der logos-Verweigerer ist ein Kreditmensch. Was wunders, daß seine Zeit in Krediten untergeht, die eine Höhe erreicht haben, die ihm schon kategorial gar nicht mehr sichtbar ist, die ihm erst der logos sichtbar machen würde?



*Die Menschheitsgeschichte zeigt es deutlich: Wo immer sich Kennzeichen eines solchen Matriarchats zeigen, ist eine Kultur binnen kurzem verschwunden. Denn die Welt, die ja bestehen will, holt sich den logos zurück, und löscht aus, die ihn verbannten. Sehnsuchtsvoll seufzend begrüßt von den ... Müttern.

**Oh ja, das Volk wutße es im tiefsten Inneren, immer, und hat es in seinen intuitiven Geschichten so klar gesagt und weitergegeben. Nur können wir sie nicht mehr verstehen, denn wir können nicht mehr lesen, wir wollen und können nicht mehr erzählen. Wo ein Volk aber aufhört, sich die alten Geschichten wieder und wieder zu erzählen, den Traum seiner selbst zu bewahren, wird seine Sprache leer, und damit muß es versinken.





*140516*

Freitag, 31. Juli 2015

Vorzeichen mythischer Renaissancen

Mehr als 800.000 deutsche Haushalte wurden 2011 vom Netz abgeklemmt, weil sie ihre Stromrechnung nicht mehr bezahlen konnten. Die Zahl steigt rapide, angeblich jährlich um 300.000. Auf 7 Millionen Haushalte schätzt man bereits die Zahl der Energie-Armen, die nur noch wählen können, ob Sie Lebensmittel einkaufen oder die Stromrechnung bezahlen. Das berichtet die Webseite stopthesethings unter Berufung auf einen deutschen Spiegel-Artikel, was sie mit dem Titel versieht: "Die Energiewende wirft Deutschland in die Steinzeit zurück.

Mit interessanten Begleiterscheinungen. Alleine 2011 wurden in Deutschland 400.000 Holzbrandöfen verkauft, Tendenz steigend, was die Preise für Öfen in die Höhe treibt. Steigend ist auch die Zahl der Öfenanlagen für Festbrennstoffe - Holz und Kohle - in Deutschland. Wer schon die Stromrechnung nicht begleichen kann oder auf Nummer Sicher gehen will, wird aber gewiß nicht auf Pellets, Holzbriketts oder Hackschnitzel abzielen.

Gleichzeitig steigen in den Wäldern die Holzdiebstähle an, berichtet das FOCUS-Magazin. Ganze Waldteile verschwinden über Nacht. In Brandenburgs Wäldern schätzt man den Verlust durch "freie Entnahme" schon auf 10 %, in Bayern liegt der Anteil von Diebstählen erst bei 5 %. Wenn aber ganze Bäume verschwinden, steht man vor dem Rätsel, wie das geschehen kann. Weil man dazu ja ein geeignetes Fahrzeug braucht. Im Kofferraum eines PKW kann man einen Baumstann wohl eher nicht abtransportieren.  Es muß also bereits einen organisierten Graumarkt für Brennholz geben.

Wobei die Klein- und Gelegenheitsdiebstähle noch überwiegen. Mit einem Fahrzeug stehenzubleiben und Holz, das "herumliegt", oder Holzscheite, die zufällig gestapelt sind, einfach einzuladen, ist schnell geschehen. Nur selten wird jemand erwischt, wie in jenem Fall, wo man einen Privat-PKW stellte, dessen Fahrer Holz im Wert von 2.000 Euro einer nicht ganz dem Interesse des Waldeigentümers entsprechenden Verwendung zuführen wollte.

Auch wenn man berücksichtigen muß, daß das Verhältnis der Deutschen zu "ihrem Wald" mythisch und eng ist, sodaß manchen kapitalistische Eigentumsgrenzen wie ein barbarischer Verstoß gegen den ewigen Volksgeist erscheinen mögen. Es wird noch einige Jährchen brauchen, bis Richter solche Beweggründe wieder als rechtskonform anerkennen. Oder Holzentnahme für den Privatbedarf weitgehend frei ist, wie noch vor ein paar hundert Jahren. Was so fest im Selbstgefühl der Deutschen verankert ist, daß bis heute niemand an einen Straftatbstand denkt, wenn er die Großmutter raunend erzählen hört, daß sich Hänsel und Gretel wie jeden Morgen aufmachten, um Holz aus dem Wald zu holen. Oder waren es Beeren und Pilze, um sie auf dem Markt zu verkaufen, um ein paar Kreuzer dazuzuverdienen?

Es käme heute aufs selbe hinaus. Vielleicht wird deshalb bald das Märchenerzählen verboten, als Anstiftung zu einer Straftat oder so ähnlich. Bis man es eines Tages - weil zur allgemeinen Rechtsauffassung geworden - doch freigibt. Immerhin dürften manche den Holzdiebstahl bereits jetzt als Zusatzverdienst benötigen. Die Kleinanzeigen mehren sich, in denen Brennholz aus privater Hand zum Verkauf angeboten wird. Der Markt dafür ist ja im Wachsen, wie man hört. Hänsel und Gretel werden also bald wieder gute Chancen haben, den armen Vater mit ein bißchen Kleingeld zu unterstützen. Immerhin gehören Volkstraditionen zu den eigentlichsten Mitteln der Rechtsfindung.

Wie auch immer - Fakt ist, daß vorerst einmal manche Forstwirtschaft ihre Verarbeitungsmethode umstellt. Was es bislang üblich, Bäume nach dem Fällen, Entasten, Schneiden bis zu einem Jahr im Wald liegen zu lassen, damit sie trocknen, ist man dazu übergegangen, sie so rasch als möglich abzutransportieren, um sie an einen gesicherten Ort zu verbringen. Die Zeiten, wo man solch unbotmäßig Eigentumsbesorgten "Gieriger Volksschädling!" nachspuckt, könnten aber näher sein, als mancher glaubt.




***


Sonntag, 25. November 2012

Das Wahre ist unglaublich

Ein Satz von Plutarch, oft verwendet, meist aber falsch weil falsch übersetzt, schreibt Franz Vonessen, in Übersetzungen die zwar auch auf ihre Art wahr sind, aber ihn nicht ausschöpfen, wie zum Beispiel: "Mangelndem Zutrauen (apistia) entgeht es (das Göttliche) und wird nicht erkannt.". 

Die beste Übermittlung in Anklang an Schleiermacher lautet freilich:

"Durch seine Unglaublichkeit entschlüpft das Wahre dem Erkanntwerden."

Das Kleinkind beginnt bei den allergeistigsten Erkenntnissen, das Sinnliche folgt erst nach und nach. Die Erkenntnis beginnt als Offenheit für jene Züge der Welt, die übersinnlich sind, bei seelischen Phänomenen, wie Freundlichkeit, Liebe, Zuwendung. Anfangs interessiert es sich für Gesichter, nicht für Sachen.

Heraklith meint dazu, daß die Menschen das Göttliche aber nicht festhalten, ja nicht einmal auffassen können. Die Erkenntnis findet so keinen Halt, gleitet ab, bis sie ganz unten, am Boden angekommen ist, wo sie Stand findet.  Hier setzt sie sich erleichtert fest und richtet sich ein - und stülpt alle Begriffe um. Plötzlich wird die abhängige Form der Erkenntnis höher bewertet als die Gotteserkenntnis, die immer schwieriger wird.

Dann versteht man nichts mehr von der Wahrheit, sondern nimmt das Göttliche für Ausgestaltungen der Phantasie. von denen man glaubt, frühere Generationen hätten sie  in Anwandlungen von Schlichtheit aus den Reatlitäten, mit denen sie noch nicht so recht umzugehen wußten, herausgezogen. 

Aus Mythen wurden so Märchen. Wo das Märchen beginnt, ist die Visio Dei, die Gottesschau, bereits verloren gegangen. Wer sieht, ist sich der Welt sicher. Wer nicht sieht, wer blind ist, will sich ihrer vergewissern, und klammert sich an das, was ihm wichtig ist. Er sucht die Sache auf jede Weise dingfest zu machen. Aus der Welt des sichtbaren Gottes wurde eine Welt des Traumes, des Schönen und Liebenswerten, der Dichtung, der Kunst und eben auch der Hausmärchen. In ihnen werden die letzten Reste älterer Wahrnehmung festgehalten, unter einer dicken Dornenhecke schlummert der heilige, alte, reine Sinn. Und wäre nicht der Kairos Helfer, der den schwierigen Weg zum Kern der Sache eröffnet, im Spiel wäre, erstickte der Eindringling unweigerlich im Dickicht einer Phantasie, zu der es den Schlüssel nur von innen, vom erreichten Zentrum her, gibt.

Das Wahre aber wird nicht falsch, es bedarf nur geöffneter Augen; es muß nur erkannt, aus den Ablagerungen tausendjährigen Mißverstehens ausgegraben, ans Licht geholt, von seiner Unglaublichkeit, die aber nicht ihm selber anhaftet, sondern auf uns, den "Erkennenden" lastet, befreit werden.

Zu glauben, wirklich zu glauben muß gelernt werden. Und es braucht heute enorme Mühe, die eigenen Verbautheiten zu destruieren, ihnen nachzugehen, sie dadurch aufzulösen, um aus den Armeln unserer rationalistischen Zwangsjacken wieder freizukommen. Um wieder wahr zu denken, um wieder zu erkennen, um Gott wieder zu sehen.




***

Dienstag, 9. Oktober 2012

Von zwei Seiten

Im Roman, schreibt Goethe einmal sinngemäß, wird Mögliches unter unmögliche Bedingungen gestellt. Daraus lebt er, und daraus wird das Mögliche erst erhellt, ja formt sich gar begrifflich. 

Im Märchen ist es umgekehrt: Unmögliches, Phantastisches, wird in eine Lage des Möglichen gebracht, und bricht damit die Wahrnehmung aus Verhärtungen im alltäglichen Zweckdenken auf.

Den Stoff sieht jedermann vor sich. Den Gehalt aber findet nur der, der etwas dazu zu tun hat. Die Form ist ein Geheimnis den meisten.


***

Donnerstag, 7. April 2011

Erfüllung der innigste Wünsche

Die Phantasie des Märchens kreist um das zum Höchsten gesteigerte menschliche Leben, voller Wunder und Wunderlichem, Vorstufe und Abglanz allen dichterischen Bildes einer solchen höchsten Welt, schreibt Robert Petsch.

Dazu braucht es die Freiheit des Spieles mit den Elementen der Erfahrung und der Vorstellung unter der Herrschaft unserer letzten, unserer Idealvorstellungen, die die deutsche Sprache mit dem Wort "der Wunsch" umschreibt.

Jacob Grimm dazu: "Den Inbegriff von Heil und Seligkeit, die Erfüllung aller Gaben scheint die alte Sprache mit einem einzigen Worte, dessen Bedeutung sich nachher verengerte, auszudrücken, das hieß der Wunsch. Dieses Wort ist wahrscheinlich von wunja, wunnjo, Wonne, Freude abstammend, wunnisc, wunsc, Vollkommenheit in jeder Art, was wir Ideal nennen würden."

Im Märchen wirft der Mensch alle Begrenzungen fort, verzichtet auf jeden Anspruch auf Zweck und reales Für-wahr-halten, und öffnet sein Gemüt für die höchstmögliche Befriedigung. Diese Hochstimmung stellt sich so der Angst entgegen bzw. gegenüber. Und diese Struktur ist letztlich die Struktur allen dichtenden Erzählens.

***

Hast mi?

Das Entscheidende im Erzählen ist der Punkt, auf den das Leben gebracht wird. Erzählen selbst, als Literatur, als Kunst, ist dabei nichts als das Leben selbst auf seinen Punkt gebracht: als Panorama der Selbstdarstellung des Seins, das sich dem Erkennenden darbietet, um so, im Erkennen, eins zu werden.

Die Entwicklung der Literatur - vorausgesetzt, sie entwickelt sich, denn auch das Gegenteil ist möglich: ein Stoff kann auch von der Darstellung zur Mitteilung degenerieren - von all den Vorformen des Erzählens her, die bereits mehr als bloße Mitteilungen sind, ist damit eine Entwicklung hin zu einem immer pointierteren Herausarbeiten dieses einen Punktes. Über alle Geselligkeitsfunktion hinauszutreten, die diese Vorformen - Mythe, Sage, Märchen, Legende, Kasus, Witz, Memorabile - noch haben. (Was im übrigen - Robert Petsch weist es in "Wesen und Formen der Erzählkunst" so schön auf - in Redewendungen wie "Hast mi?", "Verstehst mich?", "Nicht wahr?" etc. so präsent ist.) Und die ohne die Person des Erzählers noch nicht auskommen: die seine Mimik, Gestik, sein Person- und Beteiligtsein brauchen. Erst wenn der Erzähler beginnt, sich wirklich auf die Form zu konzentrieren, sie mehr und mehr zur Trägerin zu machen, durch Rhythmik, durch Gestaltung, beginnt Kunst: als von einem Zentrum her geordnete, gedeutete, und daraus belebte, geschaffene Welt. Nur so wird Welt verstehbar, wenn auch nicht rationalistisch durchdringbar.

So aber finden wir sie ins Allgemeine aufgestiegen, und losgelöst vom Erzähler, für sich seiend, eben "etwas". Weil das Erzählte in der Darstellung eine abgeschlossene Welt, ein Ding IST, und für den Hörer oder Leser abrufbar macht. Wo die auf ein Medium reduzierte, eingedickte Form den Inhalt wirklich trägt. Ins Allgemeine, wohin überhaupt der Mensch im Geist drängt, denn von dort stammt er. Und das ist Sprechen, das ist Erzählen als Darstellen dieses Prinzipiellen, der Quelle des Lebens.

***

Sonntag, 13. Februar 2011

Da aber verlangte der König ...

Theresia v. Avila - o.p.n.
"Fürchte Dich nicht," hört Theresia von Avila in einer ihrer Botschaften nach der Hl. Kommunion, und sie nimmt das nächste Gründungsprojekt in Angriff. Aber sie hält selber rückblickend in ihrem "Buch der Klostergründungen" fest, daß solche Worte immer besonders mühevollen Wegen vorangehen. So in Burgos, das dem Bischof von Valencia untersteht. Der zwar mit Worten ganz hinter ihrem Projekt steht, aber es mit seinen Taten eigentlich unmöglich macht.

"Wie das böse Prinzip im Märchen", schreibt Irene Behn in "Spanische Mystik" dazu, der immer neue Bedingungen stellt, und kaum sind diese erfüllt, kommen noch schwerere, noch unerfüllbarere. Schließlich aber doch, nach der letzten, die nach Theresia selbst nach Maßgabe ihrer Kräfte unmöglich schien, sind diese untergründigen Dämonien überwunden, und er freut sich mit ihr, daß alles gelang.

Ja mehr: "Denn eben das," schreibt Theresia, "womit er das Werk verhindern sollte, diente nach deinem Ratschluß [oh Gott] zu dessen höherer Vollendung."

***

Donnerstag, 10. Februar 2011

Tod des Märchens

Der Einbruch der Technik. Selbst die Witze werden flach und blechern.


 
 
*100211*

Montag, 27. Dezember 2010

Der dritte Mann aber ...

Stella Artois - Das Belgische Bier, wie immer: extravagant. Auch durch die Wahl dieser alten Erzählweise. Da war eine schöne Prinzessin, und drei Männer ...


***

Samstag, 23. Oktober 2010

Welche Frau wollte nicht bluten

"Die Schönheit der Sage, Vater Vito. Sie zog den Hirten Luziade zu sich durch den Bach in den Schoß der Erde. Maitagory, die Jungfrau Pyrene, die Feuerschlange Leheren: sind alle eins. Nächsten Tages stürmte Gott das Gebirge über sie und Luziade. Himbeerrote Felsen. Blauglitzernden Firn. Das Feuerweib träumt, mich mit Eis zu bedecken. Ihr Sterben hängt an dem meinen, im Märchen. Das Märchen verlangt, daß ich sie peitsche. Sie will bluten."

"Welches Weib wollte nicht bluten," bestätigte der Patriarch. "Auf kindliche Frömmigkeit kommt es an. Kindlich und kindisch sind zweierlei. Mein Ritt war Fügung. Auf Umwegen fand ich den Weg. An deiner Tochter wurde ich fröhlich. Fröhlich geworden, stieß ich auf die Not der Seelen. Diese Seelen glauben. Die brauchen das harte Brot von Himmel und Hölle, Sakrament und Bann, Gnade und Verdammnis. Denen ist mit Märchen, wie Joseph sie erzählt, nicht gedient."

Wolf Niebelschütz, in "Die Kinder der Finsternis"


*231010*

Freitag, 25. Juni 2010

Zwei Seelenhaltungen

Frobenius unterschiedet, mit zahllosen Beispielen aus der Geschichte Afrikas belegt, zwei Typen von Weltanschauungen, eigentlich: Welthaltungen. Und er nennt sie "Höhlenhaltung" und "Weitenhaltung". Diese seelischen Grundstimmungen und -haltungen drücken sich vollkommen in den Mythen und überkommenen Märchen aus - an deren Beginn sich niemand erinnern kann, sie schienen immer "da" gewesen zu sein, und entstehen (wenn sie entstehen, am Beginn von Kulturen, auch das gibt es ...) auch "spontan", ihr Beginn ist nicht zu erhaschen.

Nie konnten Menschen mit Höhlenhaltung jemals anders herrschen und leben als durch Unterdrückung und Angst. Sie schmücken ihre Höhlen aus, machen sie - wie im Orient - zu Palästen und mit Zierrat überfrachteten Paradiesen, um über alle Enge hinwegzutäuschen, aber ihr Schicksal ist Kismet, Zufall, Glück, Fügung und Schickung. Sie neigen zu Fanatismus und Gewaltexzessen.

Anders der Mensch der Weite. Er hat wirkliche Helden, die in die Weite der Welt hinausgehen oder gesendet werden, und so erzählen es auch die Gründungsmythen - in alle Welt zogen sie hinaus (zum Beispiel die Ghanesen), und regierten in Freiheit und Gerechtigkeit die Welt. Ihre Haltung ist gelassen, sie vermögen auch unterworfene Völker in Ruhe und Sicherheit leben zu lassen, ja diese blühen gar unter ihnen häufig auf, weil nicht selten das "Siegervolk" ihnen zum Gegensatz eine überlegene staatliche Organisation ausweisen. Sie leben in fruchtbarer seelischer Spannung - und brauchen keine Sensation.




*250610*

Donnerstag, 24. Juni 2010

Gegenwärtige Substanz

Es fehlen schon seit (mittlerweile, Anm.) hundert Jahren bald die "Olschen", die alten Frauen, die hinter dem Spinnrad saßen, und abends den Kindern die alten Märchen und Geschichten und Balladen vortrugen.

Das war weit mehr als "eine Geschichte vorlesen", oder Information weitergeben, es war auch mehr als einfach "vortragen"! Es war das Gegenwärtigwerden der Inhalte selbst, die somit in den Zuhörern weiterlebten, weil wirklich empfunden und durchlebt wurden. In diesem Gegenwärtigwerden wurden sie zeitlos und ewig, weil sie aus aller Zeit fielen.

So blieb das Kulturschöpferische erhalten, wurden die Seeleninhalte wachgerufen, und zum Tanz geladen.

In dem Moment, wo diese Geschichten aber sterben, oder zur Inhaltstechnik oder Pädagogik werden, schließt eine Kultur ihre Türen und legt sich zum Sterben.

Ganz hat er freilich nicht recht. Denn noch in den 1960er Jahren gab es sie, die dunkelen Frühabende, wo die Mutter mit den Töchtern beim Strümpfestopfen saß, die Arme von Zeit zu Zeit durchschüttelte, als wollte sie sie abtropfen, weil sie Probleme mit der Durchblutung hatte, und - auch - erzählte. Von der alten Heimat, von Kindheiten in früheren Zeiten, aber auch von Schicksalen, darunter nicht wenige Seltsamkeiten, die die Rätselhaftigkeit des Lebens erfahren ließen. Während ich am Boden saß und mit Bauklötzen spielte oder wirklich auf der Eckbank saß, die Hände vor mir auf den Tisch gelegt, in die ich das Kinn stützte, und zuhörte.



*240610*

Sonntag, 22. November 2009

Raben und Augen

Die Mär von Krähen, die auf Augen losgehen, stammt aus dem Mittelalter. Dort hatte man nämlich auch Raben und Krähen auf Jagd abgerichtet, indem man sie lehrte, die Augen der Beutetiere auszuhacken.

Dies tat man, indem man ihnen von Jugend an Köpfe von Tierkadavern, deren Augen durch Fleischstücke ersetzt worden waren, vorhielt, sodaß sie darauf konditioniert wurden.




*221109*

Sonntag, 8. November 2009

Leider kein wahres Märchen

Jahrzehnte, ja: lange Jahrhunderte galt die Türkei, insbesonders nach dem Zusammenbruch ihrer Expansionsstrategie, namentlich durch die Niederlage gegen Österreich und Europa (Lepanto 1532, Wien 1683ff), zeigte das Riesenreich immer deutlichere Verfallserscheinungen. Außenpoltisch erlitt es eine Niederlage, eine Schmach nach der anderen, das Reich löste sich zum Beispiel in Nordafrika wie von selbst auf, England und Frankreich mußten, wie im Falle Ägypten/Suez, kaum nachhelfen, und wollten es auch bald nicht mehr. Als "Kranker Mann am Bosporus" war die Türkei im ganzen 19. Jahrhundert nämlich nur noch eine eigentümliche Marionette sämtlicher europäischer Großmächte im Gerangel um die Vorherrschaft am Kontinent, ja: in der Welt - alle Seiten brauchten den Schein einer starken Türkei, alle Seiten stützten deshalb, wirklich ein groteskes Kapitel der Weltgeschichte, die jeweiligen Herrscher.

Aber die Türkei - eine Gründung der aus Asien (Korea) ursprünglich stammenden, im Westen im anatolischen Hochland gelandeten nomadischen Turkstämme unter ihrem Herrscherhaus, den Osmanen, war todkrank. An sich ein religiöses Reich - denn wirklich zur Großmacht waren die Osmanen erst geworden, als sie auch das Kalifat, die Oberherrschaft über alle islamischen Staaten, für sich (und nach Istanbul) erworben hatten - zerfiel das Reich innerlich längst, auch wenn es nach außen noch wie eine Großmacht dastand. Kaum vorstellbare Dekadenz, Korruption, Machtwillkür ... Die Geschichte gerade der Jahrzehnte bis zur Erhebung der "Jungtürken" 1909 liest sich wie ein archaisch-blutiges Märchen aus 1009 Nächten, mit einem wirklich Wahnsinnigen, nachweislich Paranoiden, als letzten Herrscher. Dann kam der erste Weltkrieg, und der nominelle Zerfall des Großreiches der Osmanen. Bis der türkische Oberst Kemal Atatürk putschte, und mit militärischer Gewalt einen Rumpfstaat "rettete". Mit einem aufgeklärt - laizistischen Programm wollte er, eben auch mit brutaler Gewalt, die Türkei vom Mittelalter ins 20. Jahrhundert führen.

Solche Reiche leben lang, unter Umständen. Toynbee weist auf Ägypten hin, wo eine tote, versteinerte Kultur scheinbar unbeschadet 1500, 2000 Jahre weiter bestehen bleiben kann, nominell.

Heute ist die Türkei ein wirtschaftlich sehr prosperierendes, an sich modern verwaltetes, laisiertes Land, mit europaweit den höchsten Wirtschaftswachstumsraten, aber nach wie vor starken inneren Spannungen - übrigens wie bei uns: In der Auseinandersetzung mit dem radikalen Islam, den Islamisten. Spricht man mit Türken, die noch in der Türkei leben, vor allem, wenn sie aus dem Megaballungsraum Istanbul (eine Stadt, deren Bevölkerung man nur noch schätzen kann: Zehn Millionen sind die häufigsten Schätzungen, der Großraum wird mit zwanzig Millionen, manchmal deutlich mehr, Bewohnern angegeben).

Soweit im Eilzugstempo zur Geschichte der Türkei.

Warum schreibe ich das an dieser Stelle? Weil man sich manchmal, wenn man in Gefahr steht, sich der Verzweiflung hinzugeben, nach seltsamen Allianzen sehnt, deren Seltsamkeit auf einem Irrtum über die wahre Natur ihrer Gestalt, die eben nur Schein ist, beruht.

Da schreibt nämlich der KURIER (Titelverlinkung) treuherzig, daß die Arbeitsämter warnen, daß etwa ein Drittel der türkischen weiblichen Jugendlichen "verschwinden" - von der Schule weg, nicht mehr am Arbeitsamt oder als Arbeitnehmer auftauchen.

Man darf da schon einmal schmunzeln. Und sich eins ins Fäusterl lachen. Denn: Dem AMS erscheint es bereits zur Notwendigkeit zu gehören, daß Frauen bei ihm auftauchen?! Mehr aber scheint es heute bereits so weit jenseitig, daß Frauen zuhause bleiben, ihr Leben im Haushalt, als Mütter und Ehefrauen leben, als kulturfremd.

Denn hier schreibt der KURIER weiter sinngemäß: Dies sei eines der stärksten Integrationshindernisse.

Und da wird es natürlich interessant. Denn an sich sind solche Nachrichten ... verführerisch. Weil sich eines hier aussagt, was man ja eh weiß, wofür man zuweilen kämpft, weil man es immer als eines der Hauptziele ideologischer Begehrlichkeiten weiß: Man muß die Familien knacken! Nur dann hat man umerzieherischen, manipulativen Zugriff auf ihre einzelnen Mitglieder. Wo die Familien intakt bleiben - da hat der Staat das Nachsehen. Das war immer so. Weshalb ich ohne jedes wenn und aber behaupte, daß die persönliche Freiheit noch vor hundert Jahren, wie aber erst vor fünfhundert Jahren, oder tausend, in einem Maß größer war, das uns gar nicht mehr vorstellbar scheint.

So wenig, wie dem AMS vorstellbar ist, daß es ein Glück gibt, das weit jenseits ihrer zeitgeistig-ideologischen Lebensvorstellungen liegt: Eine Frau, die nicht ins Erwerbsleben einsteigt. Eine Familie, die deshalb integer bleibt, nicht "integrierbar" ist.

Wo eine Familie erhalten bleibt, wo ihre Integrität nicht angetastet wird, dort ist sie eben eine für staatliche Willkür unüberwindliche Bastion. Dort beißen sich alle Feministen und Ideologen und Psychologen etc. die Zähne aus. Erst wenn der Staat als Türbrecher fungiert, haben diese Hebel des Wahnsinns Zutritt.

Haben sie dies einmal geschafft - am effektivsten funktioniert es über die Depotenzierung des Mannes, der "Emanzipation" der Frau eben (und, als Folge, der Kinder - in dieser Reihenfolge läuft das) - fällt ihnen jeder Einzelne der Familie in die Arme, wird zum Werkzeug politischer Willkür. Während der Mann (es braucht einen Rest Wirklichkeitsanker, sonst bricht alles zusammen) entrechtet wird, weil werden muß.

Natürlich ist die Geschichte auch interessant, weil sie amüsant ist. Verwunderung aufkommen lassen könnte, über das geringe Geschichtsbewußtsein, zumindest, über die nächsten Zeugnisse dieser heute (in Wahrheit gar nicht) so erstaunlich weit verbreiteten Naivität. (Erst gestern: Man denke an die Studenten, die wirklich glauben, sie wären ideologiefrei, das verkünden ... und eine Liste Forderungen präsentieren, die einen Ideologiepunkt nach dem anderen umfaßt!)

Jene Naivität, die heute erstaunliches Merkmal der Nachwachsenden ist, weil diese Generationen längst glauben, und zwar: wirklich glauben, daß das, was sie "wissen" und erleben unumstößlich gültig ist und zu bleiben hat, für alle Zeiten. Ein gesonderter Nachdenkstoff, allerdings. Und so können sich die Heutigen gar nicht vorstellen, daß das alles einmal völlig anders, ja umgekehrt war ... Ein wirklicher, schlagender und schmerzlicher Beweis, in welchem Ausmaß die linke Gehirnwäsche der letzten Jahrzehnte bereits gegriffen hat: Die Menschen heute empfinden ihren Fanatismus als "einzig möglich und normal". Vor allem aber: Als notwendig, und sei es mit Gewalt durchzusetzen!

So weit konnten sie nur kommen, weil - ja, so ist es - die substantiellen Kräfte in diesem Land zu gutgläubig waren. Aber das ist eine andere Geschichte.

Doch noch vor (bis vor!) dreißig Jahren war es keineswegs normal und natürlich, eher das Gegenteil, auch bei uns, daß Frauen am AMS jemals aufgeschienen sind. Ein Staatsvolk, das lebenslustvoll genug ist sich erhalten zu wollen, bestehen bleiben, vererben will (also Selbstachtung vor dem eigenen Werk, fürs Überleben so notwendigen Stolz hat), muß ausreichend Nachwuchs in die Welt setzen.

Wenn es das tut, kann - ich betone: kann (denn daß wir es uns anders nicht einmal leisten können, das wird noch heftig verschleiert, wird sich aber bald weisen) - die Frau nicht ins Erwerbsleben einsteigen, sondern dann muß - ich betone: muß - sie zuhause bleiben und dort kräftig mitwirken, im Generationenverbund, im Geschlechtsverbund, wo alle als erste konkrete Lebensaufgabe Familie als Erwerbs-, Überlebensgemeinschaft, als integren Organismus verstehen. Jedes Sozialsystem der Welt, das glaubt, sich alle diese Leistungen erkaufen zu können, die die Familien seit je selbstverständlich und aus völlig ungeschuldeter, selbstverständlicher Liebe erbringt, wird scheitern, das ist absolut sicher. Daß wir noch nicht so weit sind, das zu sehen, liegt nur an der Intransparenz unseres Sozialstaates und am Blendwerk der Schuldenbasis, auf der wir alle leben.

So also könnte es einen schon manchmal jucken, in den zugewanderten Türken (bzw. Mohammedanern) Verbündete einer gesünderen, älteren, heileren Welt zu sehen, nach der wir uns doch alle sehnen. Denn wir alle ... wollen unsere Kindheit! Wir alle wollen jenes Glück, das uns dort zumindest aufgeblitzt ist, als Sehnsucht, als Traum, als ... Erinnerung. Wir sind in unseren Träumen unser besseres, idealeres, glücklicheres Ich, zumindest können wir es dort sehen! Wo es Dinge gibt, die uns im komplexen Wachapparat längst abhanden gekommen sind, deren Wert aber zutiefst drinnen in seinem wahren Gewicht, als unermeßlich und fundamental erscheint. Ein Idealbild von unserem Leben, um dessen Verwirklichung wir ein Leben lang kämpfen, wenn wir das einmal begriffen haben, wenn wir einmal - so läuft es meist - nach ausreichendem Leidensdruck aufhören, uns dagegen und damit gegen uns selbst zu wehren.

Familienzusammenhalt, in erster Linie, aufbauend auf einem völlig anderen Verhältnis von Mann - Frau - Kind, als es heute propagiert wird, als "normal" dargestellt wird. Mit Mama und Papa, mit mir, als Kind, und viel Glück und Sonne - und Schutz, viel Schutz und Sicherheit: Mit einer hohen Mauer rundum, am besten in einer Burg, an der alle bösen Eindringlinge scheitern. So erzählen es die Märchen, und sie verkünden uns unsere wirklichen Träume und Innerlichkeiten. Und bis zum heutigen Tag verkünden es die Umfragen unter den Wertvorstellungen der Jugendlichen und Erwachsenen, so viel kann da gar nicht gelogen werden. Und sind jedesmal Anlaß zu neuen Maßnahmenkatalogen größenwahnsinniger Politiker der Linken, wie endlich und endlich diese Gehirne gewaschen werden können ...

Aber man hätte sich furchtbar getäuscht, dies in den Migranten, vor allem aus der Türkei, aus islamischem Kulturkreis, zu sehen, die mit Artikeln wie dem im Titel verlinkten gemeint sind! Und dieser Täuschung unterliegen, wie man unschwer feststellen kann, gerade sehr rechte Kreise mit Vorliebe. Längst findet man Webseiten, wo sich solche Nutz- und Wirkgemeinschaften ankündigen oder verwirklichen: Die äußerste Rechte, und der Islamismus.

In einem Punkt mag diese Allianz sogar wesensgemäß sein - im Ideologisieren des Natürlichen, Gesunden, in der Vergötzung der kulturellen Institutionen Familie und Staat, die beides nicht von ihrem inneren Wesen her begreift, ja gar kein Wesen kennt, sondern von ihrem bloßen Phänomen her deren Werden und Bleiben technisch auflöst - weshalb diese Phänomene zum Terror der Rubriken, der Masken, der Gestalten werden. Aber das ist keine gangbare Allianz für den Abendländer. Er wäre in eine ähnliche Falle getappt, wie in der Zeit von 1918 bis 1933/38: Der Zweck heiligt keine Mittel!

Denn die Stellung der Familie im Islam, bzw. im Türkentum, soweit es nicht völlig verwestlicht ist, wie im Raum Istanbul, per Verfassung von Kemal Atatürk ja in der ganzen Türkei, ist ganz anders, als es bei uns traditionell und üblich war! Es herrscht dort auch KEIN Patriarchat, wie es unser Abendland geprägt und sozial gegliedert hat. Sondern die Familien sind matriarchalisch organisiert! Wahrscheinlich eine jahrtausendealte (Etrusker!) quasi genetisch gewordene Tradition, mit Persönlichkeitsstrukturen, die schon Aischylos (man lese: "Die Perser"!) klar der griechisch-abendländischen Seele gegenüberstellt - als Massenseele, als Mangel an dem, was das Abendland im Grunde aufgebaut hat, an Individualität, an Selbststand.

Daß sich hier ganz unbewußte Affinitäten finden, daß sich hier im Grunde ein Untergrund bereitet hat, der auch hierzulande längst in diese Richtung sich entwickelt hat, liegt auf der Hand. Die Entmännlichung unserer Familien, unseres Selbstverständnisses, die gleichzusetzen ist mit einer Entweltung, mit einer Umkehrung des Umgangs mit der Welt, vom Gestaltenden, Schöpferischen zum Ausführenden, hat diesen Boden aufbereitet, die Ernte bereitet. Denn das Wesen der Frau ist Vollzug, nicht Setzung.

So wie die Familie im Islam, die weitgehend (in Verkehrung der Subsidiarität) eine mundgerechte Abbildung und Weiterführung des Staates ist, ja diesem regelrecht zugeordnet - nicht umgekehrt, wie es bei uns war, und wie es unsere eigentliche, unsere Staaten begründende Staatslehre immer verkündet hat. (Und die es sich immerhin anders bis heute nicht zu verkünden wagt, so sehr vor allem die Grünen danach greifen.) Der sich als Organismus begreift, der nicht aus dem Individualismus der Einzelnen lebt, sondern diesen Individualismus nicht nötig macht, ja nicht brauchen kann, und übernimmt. Und weil in islamischen Ländern der Staat eine Schöpfung der Religionsmoral ist, sind matriarchale islamische Familien (die Stellung der Frau dort ist ja nur scheinbar entrechtet, ihre wahre Macht ganz anders!) Vollzugsorte einer für sich geregelten, nie am Boden wurzelnden religiösen Lebensgestaltung.

Türkische, islamische Menschen sind zuhöchst "Massenseelen", denen es an wirklichem Selbstentwurf fehlt, und in dem das Denken, Fühlen des Volkes, dem sie angehören, einen uns zumindest früher gar nicht vorstellbaren Raum einnimmt. Die Türken (ich weiß, ich verallgemeinere, aber auch aus sehr persönlicher und mannigfaltiger Erfahrung halte ich das für zulässig) sind keine Persönlichkeiten, die ihren Selbstentwurf, ihren Ehrbegriff, aus einem - und sei es gegen die ganze Welt stehenden - Wesensbild beziehen, das sie noch dazu als gottebenbildlich verstehen. Selbst das Bilderverbot des Islam läßt sich dahingehend deuten. Ihre Identität empfangen sie aus einer (wie: beziehen sie auf eine) Metaidee einer staatsdurchwirkenden, diesen im Grunde bildenden und ersetzenden, eine Religionsidee, die über unbedingte (und nicht metaphysisch begründete, sohin als "natürlich" erwachsene!) Verhaltensgebote die Staaten bildet. Nicht umgekehrt. Und genau hier mit Rassenvergötzung oder Nationsvergottung (siehe unter anderem Hegel: Die Nation als Gesamtorganismus/-geist!) absolut am selben Roß sitzend.

Woran zeigt sich, als Beleg für das Gesagte, daß die Relikte von Volkskultur nicht dem natürlichen sittlichen Boden entspringen? In dem Gewaltaufwand, den Türken betreiben müssen, in der ständigen Energie, die sie in die Erhaltung ihrer Identität investieren müssen; in der gewaltsamen Abschottung von der Außenwelt, im Bilden von Separatwelten hier - im Vermassungscharakter der Einzelnen, den jeder feststellen kann, der es einmal mit Türken (oder Mohammedanern) zu tun hat, die fast ausnahmslos in "Rudeln" auftreten.

Ihre Identität ist voluntaristisch, und damit zeigt sie alleine ihre matriarchale Herkunft. Somit braucht diese Identität fortwährend Expansion der Metaidee (Religion), braucht im Grunde einen permanenten Kriegszustand! Historisch muß man da nicht weit graben, um die Plausibilität dieser Thesen testieren zu können.

Weitere Indizien, die die nomadische Herkunft und spezifisch nomadische Identität aufweisen, die dem Abendland zuinnerst fremd ist, sind der geringe Bezug der Türken zu Boden und Architektur! Ich sage nicht, daß das nur bei ihnen zu beobachten wäre, aber: Wer alleine sieht wie Türken unter Umständen jahrzehntelang in Häusern wohnen können, in Wohnungen, an denen sie nicht einen Nagel verändern, als nähmen sie die Umwelt gar nicht wahr, weiß, was damit gemeint ist.

Auf Erhaltung, als Notwehr abzielende, überwiegend antinomische Identitätsmaßnahmen, die auch Gewalt einsetzen, sind manchmal zulässig und richtig, ja zeigen erst Verantwortungsbewußtsein. Aber auf Dauer ist es nicht genug, auf Dauer zeigt es, daß etwas mit der Fleischwerdung dieser Eigenschaften, und damit mit dem natürlichen Boden einer Kultur, deren Institutionen eben nicht "fleischgewordene, ausgefaltete Natur" sind, nicht paßt.

Deshalb sollten wir uns nicht täuschen lassen - da kommt keine kulturelle Erneuerung, sondern den Türken klebt Leichengeruch an ihren Händen. Sie sind nicht jene Barbaren, die, aus natürlichem Empfinden heraus, eine zerfallenen Kulturkörper nach und nach und neu beleben.

Da werden wir auf andere warten müssen. Vielleicht wirklich ... aus Afrika, noch wahrscheinlicher aber: aus Osteuropa. Auf Menschen, die noch mutig genug, vor allem aber selbstverständlich, zu den Träumen ihrer Kindheit stehen. Auch wenn wir Hiesige sehr weit vorne wieder anfangen müssen.




*081109*