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Donnerstag, 29. November 2018

Zum Wesen des Internet als Wesensmerkmal einer Zeit (4)

Teil 4)



Das bisher Gesagte muß nicht einmal bedeuten, daß die Implementeure solcher Netzwerke (und deren gibt es viele; sie sind nicht zufällig immer dann historisch nachweisbar, wenn sich eine Gesellschaft in Zentralismus verkrampft; das geht bis zum Umbau der Infrastruktur im späten 19. Jahrhundert hin zu Stromnetzen, Kanalnetzen, Wasserversorgungsnetzen, Bahnnetzen - alles Kinder eines und desselben Geistes einer Zeit) bewußt eine Strategie verfolgt haben. Denn es genügt dazu, sich innerhalb der Impulse einer Zeit zu bewegen, also in gewisser Hinsicht (und das hat mit Sittenlosigkeit als Boden revolutionärer Kraft zu tun, ist den 68ern also eingeschrieben) zu tun, was die Zeit von einem fordert. Denn eine Zeit hat immer eine Gesamtbewegung, also auch - eine Strategie. Und an sich wäre auch daran nichts auszusetzen. 

Aber es gibt eben sehr wohl ein absolutes Maß für die Qualität und damit erst Höhe einer Kultur. Seit über 150 Jahren aber wird Kultur nur noch als technischer Fortschritt gesehen, während das, was Kultur einzig trägt, der Kult, die Sittlichkeit die daraus erfließt, immer bedeutungsloser wurden. Ohne Kult als erste Quelle wird aber Technik zur bloßen Ablaufperfektionierung bestehender sittlicher Impulse. Im Internet haben wir genau das. Besser, schneller - egal wovon. Menschlichkeit als das eigentliche Menschsein wird zur bloßen Simulation. Gefühl, Ahnen zur Sentimentalität und subjektivistischen, irrationalen Hysterie (wie die Klimaangst, die Angst vor allen möglichen "Giften", die Ernährungsneurosen zeigen.) Fällt eine Kultur, ist das natürliche Verhalten der Menschen damit ein sicherer Weg zum Scheitern. Ist sie hoch, steigt sie, ist es umgekehrt. Dann gelingen auch die individuellen Lebensentwürfe fast "automatisch". Weil dann das Allgemeine auch (mehr oder weniger) das Richtige heißt.*

Was David Icke im weiteren Verlauf seiner Analyse vorträgt hat durchaus seine Richtigkeiten. Es ist aber nur noch Detail, und dem wollen wir uns hier gar nicht weiter widmen, das macht ohnehin er. Wie diese Vorgänge im Einzelnen funktionieren wird aber erst begreifbar, wenn man die großen Gesamtbewegungen - also die Wirklichkeit von etwas - erfaßt hat. 


(Wird fortgesetzt)









*Damit ist auch Wesen, Verhalten und Funktion der Mütter in seiner "Gutheit" relativ. Denn die Mütter sind als Frauen tendentiell immer (über das unerläßliche Wesensmerkmal des Gehorsams) auf die Allgemeinheit ausgerichtet, ja sie sind selbst Allgemeinheit. Die Individualisierung, auch in der Bestimmung einer Richtung zur Gestalt in der Welt (als der Wahl eines Zieles, auch gegen die Allgemeinheit) kommt aus dem Mann. Genauer: Aus seinem Namen, metaphorisch wie buchstäblich. Eine Zeit wie die unsere, wo die Frauen den Namen des Mannes nicht mehr annehmen (und das steckt vielleicht sogar bestimmend hinter der heutigen Eheverweigerung der Jugend), oder diesen "zu stehlen", also als Bestimmer seiner Inhalte zu deklamieren, sagt alles über sich selbst: Sie zieht zur Vermassung, vor allem in den Kindern.






*211018*

Mittwoch, 28. November 2018

Zum Wesen des Internet als Wesensmerkmal einer Zeit (3)

Teil 3) Die Rolle des Internet im Rahmen einer Strategie




Also ist es auch vernünftig, sehr vernünftig sogar, Institutionen, die in einem Staat Einfluß und Macht zur Gestaltung der Zukunft haben, als Ziel mehr oder weniger zahlreicher Einzelpersonen (sic!) zu sehen. So daß diese Institutionen und Einrichtungen gar nicht so schwer die ganz persönlichen Merkmale und Charaktereigenschaften dieser Einflußnehmenden annehmen können. Da muß man gar nicht einmal Korruption annehmen. Es genügt ganz einfach persönlicher oder subtiler Einfluß auf die Leiter und Stellen dieser Institutionen. Und sei es durch persönliche Sympathien. Oder gemeinsame Sichtweisen, oder Hobbies, was auch immer. Genau das ist es ja, was "Netzwerke der Macht" in der Regel sogar sind: Plattformen, wo sich mehr oder weniger Gleichgesinnte treffen, austauschen, lieben, streiten, einigen. Und dabei gewisse Intimität schätzen, wer täte das nicht. Es braucht also keine Paranoia, um hier ganz natürliche Gesellschaften zu sehen, in die gar nichts hineingeheimnißt werden muß. So ist die Welt, so sind alle Menschen, auch wir.

Wir nennen hier einmal mehr Caroll Quigley, der mit seinen Enthüllungen über den "tiefen Staat" im anglo-amerikanischen Raum ("Establishment"), von dem er selbst Teil war, genau das meinte: Es ist alles ganz natürlich und normal. Kein Grund, darum ein großes, dunkles Geheimnis aufzubauen. So läuft es, und diese verborgenen Gesellschaften gibt es selbstverständlich. Aber sie sind nicht so mysteriös, wie die Öffentlichkeit gerne annimmt. Und sie sind auch viel weniger einheitlich, als sie meint. Ja, sie sind auf eine Weise "Verschwörungen". Aber auch sie streiten untereinander, oder bekämpfen sich gar, weil sie von unterschiedlichen Visionen getragen sind. (Das gefällt dem VdZ auch an "Mister Dax Dirk Müller", der das sehr ähnlich zu sehen scheint.)

Dies alles gesagt, ist das Video von David Icke schon weit weniger "verschwörungstheoretisch-paranoid" zu sehen. Und man ist frei dafür, so manchen guten Gedanken aufzugreifen und in seine Überlegungen einzubeziehen. Und die eine oder andere recht düstere Sichtweise mit einem achselzuckenden Lächeln zu ertragen. Denn natürlich ist das Internet "verkauft" worden. Und natürlich hat man es als große Freiheit verkauft, so wird es ja von so vielen auch gesehen. Daß sie sich damit in die Hände von Interessen begeben haben, aber auch der Logiken, die diese Medientechnik aus sich selbst in dem abbildet, der sich ihrer bedient, steht auf einem anderen Blatt Papier. Gerade das aber sind die Punkte, die man mit der größten Sorge betrachten muß.

Der erste Punkt im Rahmen dieser Gesamtstrategie war sicher, das Internet zum Zentrum des Lebens der gesamten Menschheit zu machen. Das gehört zu den Voraussetzungen für alle weiteren Überlegungen. Damit konzentriert sich in den Händen der Netzwerkbesitzer Macht. Und mit Macht kann man etwas machen. Diesen Absichten kommt natürlich der allgemeine Denkstandard sehr entgegen. Die eben, wie oben ausgeführt, eine Auffassung von Denken und Wissen und Erkenntnis sehr entgegenkommt, die den Menschen im Verstand alleine begründet sieht ("Cogito ergo sum") und die Information als bloßen Datenfluß, als bloßen Reizfluß nimmt. Analog zur Auffassung der Gehirntätigkeit im Menschen, die als bloße Verarbeitungsmaschine aus Sinnesreizen verstanden wird, gesteuert von Wünschen und Trieben, die die Richtungen geben, nach denen diese Nervenreize geordnet werden. Über diesen Hebel wird also auch das Denken der Menschen steuerbar. 

GLAUBEN heute viele. Und - gerade "Studierte", "Gebildete" glauben das, deren Denken von den wiederum eigenen Mechanismen des Universitätsbetriebes gesteuert ist. Ihnen folgen zuhauf jene, die (auch das ein natürlicher Prozeß) ihre Gewißheiten von Autoritäten holen. Denn das Wesen des Menschen ist eben einmal: Gemeinschaftswesen, und dann: Hierarchizität. Das schlecht zu machen ist in sich bereits revolutionäre Technik, und hat nur dort seine Relevanz, wenn es darum geht, ANDERE Autoritäten herauszubrechen, zu stürzen. In Wahrheit "funktioniert" der Mensch so, weil das seine Ontologie ist. 

Der die katholische Lehre von der Erlösung in und durch Christus ja exakt entspricht, denn der Mensch als auf die Wahrheit ausgerichtet braucht einen persönlichen, fleischlichen Gott, als der obersten, allerlegitimiertesten Autorität. An dem allen gibt es also nichts Unnatürliches oder Verachtenswertes. So ist der Mensch, ganz einfach. Kritisierbar, diskutierbar ist nur, an welche Autorität sich der Mensch bindet. Nur: DASZ er an eine Autorität gebunden ist, das sollte man sich ständig und wieder und wieder vor Augen halten. 

Die antiautoritäre Bewegung ist also nur ein Zucken des Revolutionären, das sich Macht verschaffen will. Sie ist in sich blanker gedanklicher Unfug. Sondern war immer nur Instrument, um (legitime) Autoritäten zu stürzen, um dann deren Platz einnehmen zu können. (Wobei manchmal und manchem schon reicht, bei Frauen sieht man das nicht selten, Kinder zum Beispiel nur zu "ent-binden", ohne daß bestimmt wird, wer die nunmehr leere Stelle der Autorität einnimmt. Das ist übrigens besonders verwerflich und gefährlich, aber genau so erklärt sich die heutige extreme (sic!) Vermassung der Jugend, in der jedes Reden von "Freiheit" zur brutalen Täuschung wird. Stattdessen kennt die Jugend nur nicht mehr, wer sie steuert. Und das, ja genau DAS erklärt auch die heutige Bereitschaft, sich okkulten Verschwörungstheorien zuzuwenden. Dem heutigen Menschen ist alles dunkel. Vor allem aber die Macht, weil er gar keine eigene Macht (in seinem Lebensumfeld) mehr erlebt. Denn eine ent-hierarchisierte Gesellschaft funktioniert in Wahrheit für niemanden mehr. So merkt aber niemand, in welche neuen Hierarchien er eingebunden ist.

Dieser Verweis auf die Autorität (Anti-Autorität) ist nicht zufällig. Denn dieser Irrtum ist einer der wichtigsten Motoren hinter dem Internet. Er macht erst das Internet wirklich zu einem Instrument.


Morgen Teil 4)







*211018*

Dienstag, 27. November 2018

Zum Wesen des Internet als Wesensmerkmal einer Zeit (2)

Teil 2) Warum es nicht unvernünftig ist, so zu denken




Doch gibt es eine Situation, in der jeder Staat sogar ganz offen die Kontrolle über die Vorgänge in seinem Land an sich zieht. Und das ist der Krieg. Unter dem obersten Ziel des Erhalts des Bestandes des Ganzen nimmt er sich das Recht, alle Vorgänge, die nicht direkt diesem Ziel dienen, zu beschränken und zu bekämpfen. Und formt sich selbst zur Ideologie um.

Damit kommen wir auch möglichen Motiven näher, die ein Staat (wie die USA) haben könnte, solche Totalüberwachung und Manipulation einzusetzen. Und damit stehen wir mitten in den Auswirkungen des Kalten Krieges, wie er die USA spätestens ab 1947 - obwohl gerade ein Weltkrieg zu Ende gegangen war - in den Zustand eines Dauerkriegs versetzte. Mit direkten Auswirkungen, wie sie sich dann in Maßnahmen des "social engineering" ausdrückte. Die Auflösung ethnisch-religiöser Identitäten, die sich besonders gegen den Katholizismus wandte, weil der immer als "fünfte Kolonne im Staat" Opposition sein konnte, ist nur eine davon, wir haben davon schon oft gehandelt. Letztlich läßt sich sogar der angebliche Grundsatz der freien Demokratien - die Trennung von Staat und Kirche - darauf zurückzuführen. Denn er heißt ja in Wahrheit: Unterwerfung der Religion und damit aller Menschen unter die Ideologie des Staates.

So nebenbei: Wir reden hier vom "Staat" als wäre er ein Täter. Sind es nicht immer Personen, mit denen wir es zu tun haben? Ja und nein. Denn gerade als Staat ist ein Volk in dieser Eigenschaft, sich zum Staat geformt zu haben, er zu einer Idee geworden, die auf eine Weise tatsächlich wirklichende Kraft für alle seine Mitglieder hat und sogar haben muß. Denn wenn er sich nicht als Idee aufgreift, der alle Staatsdiener, Präsidenten etc., aber auch jedes seiner Mitglieder in gewisser Weise dienen müssen (im König sogar restlos und immer, wie im Priester, oder im Dichter, im Philosophen, in denen Sinn und Aufgabe in ihrer Gestalt Fleisch SIND*), hängt sein Bestand und Schicksal auch an den Zufälligkeiten von Personen. 

Das ist nicht einmal in der Monarchie so, auch wenn es in Revolutionsbewegungen der Vergangenheit immer wieder so behauptet wurde. (Und tatsächlich im Absolutismus seit der Renaissance manchmal so verstanden wurde. Schon Friedrich II., der Staufer, dachte sehr ernsthaft darüber nach, ob nicht alles, was er in aller Zufälligkeit und Willkür sage und wolle auch automatisch Gesetz des Staates ist.) Ohne "Staat" als Idee zu begreifen, ist das Wort "Staat" als Rechtsgarantie, die er in erster Linie ist, sinnlos. Und ohne dieses Wort mit Eigenschaften zu füllen, die als Wesen des Staates gedacht sind, kann er nicht begriffen werden.

Wenn es aber plausibel ist, daß einzelne sub-staatliche Institutionen (Geheimdienste) eingegriffen haben, ist es auch vernünftig die Möglichkeit zu sehen, daß diese Institutionen von Einzelinteressen und Interessensgruppen beeinflußt werden können. Wer immer die dann sein mögen. Und weil es genauso vernünftig ist davon auszugehen, daß das Menschen mit Öffentlichkeitsgewalt sind (Medienbesitzer, Großkapitalisten) ist es auch vernünftig, ja anzunehmen, daß diese (nun sind wir schon bei) Einzelpersonen direktes Interesse haben, Einfluß auf das Ganze zu nehmen, sind Thesen, die das annehmen keine (neurotischen) Verschwörungstheorien sondern eben - ernstzunehmende Theorien.

Zum Wesen von geheimen, "dunklen" Netzwerken

Zu denen noch insofern Menschenkenntnis hinzuzufügen ist als oft fälschlich angenommen wird, daß es solchen Personen "um Geld und noch mehr Geld" gehe. Wer einmal wenigstens irgendwie reich gewesen ist, also viel Geld bewegen konnte, der weiß, daß das falsch ist. Mehr als leben können auch Reiche nicht, und es ist in dieser Zeit der social media jedem offenbar, daß sie gar nicht viel anders leben als Du und ich. In so einem Stadium wird anderes wichtiger. Erst ist es Ehre und Ruhm, und dann die Stellung, der Einfluß auf die allgemeinen Geschicke. Die wirklich Reichen also haben weniger an Geld und Ehre Interesse, lieben die Verborgenheit sogar viel mehr. (An die Öffentlichkeit drängen ja nur die Neureichen.) Sie wollen Geschichte schreiben. Richtige Geschichte. Wollen die Zukunft selbst gestalten, bis hin zum Wunsch, die Menschheit zu gestalten und nach ihren Vorstellungen zu verbessern.

Was hier als letzter Punkt (und damit als gar nicht so wichtig) angeführt scheint, ist in Wahrheit sogar der erste. Als Sinnfrage. Denn es gibt keinen Unternehmer, der nicht von einer mit der Allgemeinheit zusammenhängenden Vision befeuert ist, sonst trägt er seine Unternehmensidee gar nie durch. Denn das heißt auch immer Opfer, Mühen und Schmerz. Wer diesen Weg glaubt vermeiden zu können, wird sein Unternehmen, seinen Reichtum nicht lange haben.


Morgen Teil 3) Die Rolle des Internet im Rahmen einer Strategie



*Weshalb jede Revolution an einer Kritik der Personen, also ihrer fleischlichen Gegenwart und Gestalt ansetzt, um die mangelnde Legitimität der gegenwärtigen Machtpersonen - und ihre eigene Legitimität durch Versprechen, das zu ändern - zu beweisen. Das läßt sich recht schön an der Reformation oder an der französischen Revolution ablesen, die beide bereits Medien-Revolutionen waren. Selbst 1918 war es bei uns nicht anders, wo es allerdings durch echte und allgemeine Noterfahrung (Niederlage, Kriegsopfer) ganz leicht war, die Legitimität der Herrscher in Frage zu stellen.




*211018*

Montag, 26. November 2018

Zum Wesen des Internet als Wesensmerkmal einer Zeit (1)

Der VdZ nimmt dieses Video eines Engländers - das man vielleicht nicht in allen Punkten ganz ernst nehmen muß, vieles aber ist richtig beobachtet (wenn auch recht eigen gedeutet) - um auf die vielen Artikel zu verweisen, die er schon vor etlichen Jahren an dieser Stelle veröffentlicht hat. Und die sich mit dem Internet und den social media auseinandersetzen. Sie sind nach wie vor gültig und aktuell.

Darin bezieht er sich auf die Tatsache, daß der Idee des Internet hegelianische, der Aufklärung und dem Nominalismus entstammende Begriffe zugrunde liegen. Die von einer rationalen Weltvernunft ausgehen, die als bloß summarisch verstandene "Wahrheit" (als Rationalität, die von jedem metaphysischen, religiösen Grund befreien zu müssen weil zu können behauptet - "Göttin Vernunft") auch einer bloßen Technik überantwortet werden kann. Im Gegenteil, diese Technik wäre dann sogar die Erfüllung dieses Traumes einer absolut perfekten Ratio, also der Wahrheit.

Daß das aus rationalen Gründen nicht möglich ist hat Gödel bewiesen, auch dazu haben wir längst geschrieben. Aber im Internet haben wir es tatsächlich mit dieser Vorstellung zu tun. Weshalb David Icke gar nicht so verkehrt liegt, wenn er behauptet, daß die Zielvorstellung hinter dem Internet, dieser weltweiten Verknüpfung von Menschen und damit Verstand, der Anschluß an eine zentrale Künstliche Intelligenz (KI oder AI, Artificial Intelligence) ist.  Die damit sämtliche Vorgänge und Menschen der Welt ins Paradies führt, weil sie alles "total vernünftig" zu regeln vermag. Damit ist das irdische Paradies verwirklicht, das hinter dem Rationalismus als treibende Utopie steckt.

Das Internet ist aus diesem Geist der Utopie geboren. Sämtliche maßgebliche Gründerfiguren, denen wir diese Sache verdanken, kommen aus der New Age Bewegung der 1968er. Die vom Anbruch des Wassermannzeitalters träumten, und dies als Zeitalter verwirklichter vollkommener Menschlichkeit sahen. Darin gründet auch der Trieb, alles Vorhandene, alles Traditionelle abzustreifen und zu zerstören, auf dem sich dann Philosophien wie die von Foucault entwickeln und durchsetzen konnten. Denn es gab nun einen Schuldigen für alle Lebensprobleme, die vor allem seelische Probleme waren, mit denen man sonst mühsam zu kämpfen hatte. 

Das alte Konzept der Sittlichkeit und Tugend wurde zum feindlichen Unterdrückungsmuster, seine Vertreter zu Diktatoren erklärt, die nur aus Machtphantasien heraus handelten. Zum Gegenteil verhieß der neue Leitstern der grenzenlosen Freiheit auch im Kopf (wie durch Drogen und grenzenlose "Offenheit" als Aufgabe aller übernommenen Verhaltensregeln und Standes- wie Identitätsmerkmale verstärkt), daß der Mensch aus sich heraus gut wäre, und daß auch alles gut würde, wenn er sich völlig unbeeinflußt seinen Antrieben, Trieben, Wünschen und Begierden ausliefere, sich aber von allen als behindernd empfundenen Vernunftrelikten befreie. Damit wird auch eine Gemeinschaft von Gleichen geschaffen, die miteinander in ungehemmtem, durch nichts als persönliche Wünsche und Ziele bestimmtem Verkehr stehen. Natürlich auch sexuell.

Identität wird zur Erfüllung von Wunschvorstellungen, die auch täglich wechseln können. Dem kommt ein Medium entgegen, das an sich ein Medium der Flüchtigkeit ist. Denn elektrische Zustände - und auch alle Denkvorgänge, Gefühle, Triebe etc. etc. werden als solche verstanden, auch das eine alte aufklärerische Vorstellung - sind eben flüchtig. Bleiben nur, wenn sie mit Energie versorgt werden, um sich dann in Nichts aufzulösen. Endlich also war man von den Folgen der eigenen Identität befreit, denn ohne Erinnerung zerrinnt tatsächlich alles ins Nichts.* 

Aber damit haben wir uns einer Gefahr ausgesetzt, an die der Einzelne nie wirklich gedacht hat.  In dieser totalen Vernetzung, die an ein Zentralgehirn angeschlossen ist (egal ob Maschine oder Mensch), wurden wir so manipulierbar und täuschbar wie noch nie. Und noch nie von so wenigen! Nicht nur untereinander. Und wir werden erpreßbar, weil wir uns einem unbekannten Speicher gegenüber öffnen, oft extrem öffnen, von dem wir nicht wissen, was er damit macht. Wir sind nur angreifbar, und im Ganzen gesehen: Angreifbar, ja zerstörbar wie noch nie. 

Das öffnet das Internet aber auch Kräften, mit denen wir nicht gerechnet haben. Weshalb es gar nicht so verwegen sein muß davon auszugehen, wie Icke es im Video macht, daß hinter der raschen Verbreitung des Internet (und wenn, dann war es dieses Internet, das sich vor 25 Jahren fast explosionsartig ausgebreitet und zu einer enormen Bedeutung entfaltet hat) Geheimdienste stehen. So daß das Internet zwar von Einzelnen entwickelt und ausgedacht, aber von Mächten verbreitet und kontrolliert wird, die selbst kaum kontrollierbar sind. (Das CIA etwa kann man als "Staat im Staat" bezeichnen. Es unterliegt keiner wirklichen Kontrollmöglichkeit des Washingtoner Kongresses, also der Volksvertreter.) 

Um das so zu sehen muß man kein Verschwörungstheoretiker sein. Wer nämlich die Menschen kennt, weiß umso mehr, daß der Mensch so handeln kann und mit großer Wahrscheinlichkeit auch tun wird, wenn es ihm möglich ist. Weil aber diese Dinge im Geheimen bleiben, im Verborgenen (und davon auszugehen ist ebenfalls nur vernünftig), liegt die Gefahr am Fensterbänkchen, daß die eigenen Mutmaßungen, die durch Realitäten nie ganz geformt und eingegrenzt werden (können), über jedes Ziel schießen und eine Form von Paranoia bewirken. (Das meint man in Wirklichkeit, wenn man von Verschwörungstheoretikern spricht.)

Viele Indizien sprechen dafür, das solch eine Theorie zumindest im Wesentlichen der Realität entspricht, also wahr ist. Eingrenzbar, von einer pathologischen Paranoia abgrenzbar ist solch eine Annahme nur, wenn es gelingt, alle Welt- und Lebenserfahrung, alle Menschenkenntnis, alles Wissen, alle Bildung zu mobilisieren, um eine These auf ihren Wirklichkeitsgehalt, also auf Wahrheit zu prüfen.

Das ist nicht immer leicht. Denn noch dazu ist leider aber unsere Zeit nicht gerade angelegt, die es verstanden hat und versteht, die Menschen immer mehr von der Wirklichkeit zu trennen. Und sei es durch den Sozialstaat, der Ursache und Wirkung trennt. Nur daraus aber läßt sich ein Gedankenbild testieren: Entspricht die Annahme über einen Vorgang in der Welt meiner Vorstellung davon? Das hat zur Folge, daß die Meinung "vieler", also der Allgemeinheit, oft schrecklich falsch ist. Allgemeinheit aber hat eine wesentliche Aufgabe in der Frage des Bezugspunktes "Wahrheit". Denn wenn es eine Wahrheit gibt, so muß sie alles und alle gleichermaßen umgeben. Also hat Wahrheit auch eine natürliche Position "im Allgemeinen" - man nennt deshalb die Vernunft (die nur auf der Wahrheit gründen kann) auch "Hausverstand" oder "gesunder Menschenverstand", "common sense", usw. usf. Wir stehen hier übrigens mitten in einer der Grundfesten des katholischen Glaubens.


Morgen Teil 2) Warum es nicht unvernünftig ist, so zu denken



*Schon das ist ein schwerer Irrtum. Denn wie sich ja herausstellt, erinnert sich oft GERADE das Internet.  Tut es aber zumindest tendenziell, weil auf das, was man ins Netz eingibt, weniger Gewicht legt, als Notizbuch der schwachen Stunden, der Stunden des Versagens.  Es ist damit ein ideales Medium, um jemanden später zu erpressen. Denn wie sich im Leben herausstellt, braucht jeder denn doch eine "feste", über die Zeit kontinuierliche, von aller Geschichte unabhängigen, aber doch geschichtlichen weil fleischlichen, festen, konkreten, mit Merkmalen ausgestatteten Identität. Das beweisen sogar GERADE Plattformen wie Facebook und wie sie alle heißen. Die getragen sind von dem Wunsch, ein festes, dauerhaftes Bild von sich gestalthaft in der Welt zu errichten. Das freilich unter dem Mangel leidet, daß es nur besteht, solange der Strom der Nachrichten und Worte und Bilder reihum fließt. 

Dabei aber bedeutet Person in erster Linie ... Intimität, Geheimnis! Denn das Wesentliche im Menschen ist in seinem Handeln immanent, nicht explizit. Persönlichkeit heißt damit selbstverständliches "Geheimhalten". Denn im Tun, in der Gestalt also, wird ohnehin alles sichtbar, was für die Welt von Relevanz ist. Über die Wirklichkeit der Tatsache, daß heute pausenlos "aufgedeckt" wird, möge der Leser sich also selbst eine Meinung bilden. Ist Snowden oder Wikileaks wirklich Heldentum?





*211018*