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Mittwoch, 23. September 2015

Gottseibeiuns der Filmgeschichte

Jud Süß - Unter der Regie von Veit Harlan, mit dem (darf man das sagen? der VdZ, der sich als Verehrer der Kunst dieses Mannes sieht, tut es ...) wie immer großartigen Heinrich George, einem Ereignis in jedem Fall.

Gibt es einen Film, auf den sich die Zusprechung des Bösen so konzentriert hat, wie diesen? Ein Lackmustest der Gutheit: Wer gegen diesen Film ist der weiß, daß er zu den Guten gehört. 

Der Witz dabei: Die Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit, der Vorgeschichte zum Bankrott des Herzogtums Württemberg im 18. Jhd. Und ein Seitenhieb sei dem VdZ erlaubt: Der Anti-Amerikanismus der Linken und Grünen der Gegenwart, so viel was man in den letzten Jahren im Zuge der Welt-Wirtschaftskrise hörte und las, so viel was gerade in "linksintellektuellen Kreisen" als Stand der Dinge gilt, gleicht verblüffend den Argumenten ... nationalsozialistischer Provenienz. Diese wahre Aussage  muß die Szene schon aushalten.

Nachdem im frühen Mittelalter der Mittelmeerraum durch sarazenisch-arabische Kriegshorden als eigentlicher, seit ewig zusammenhängender (das Meer verbindet, es trennt nicht!) Lebensraum Europas zusammenbrach, brach auch der Handel zusammen, und damit auch der Geldverkehr. Es gab bis ins 10. Jhd. in Europa kein Geld mehr, es gab nur noch Tausch- und Naturalienhandel. Zwei Gruppen waren es, die den Handel - und damit Geld - wieder nach Europa brachten (sieht man von den Wikinger im Norden, und den Venezianern im Süden ab, die - beide - byzantinisches Geld brachten).

Und das waren zum einen wurzellose, abenteuerliche Charaktere, die auch zu Reisen aufbrachen und so den Faktor "Raum" nutzten, also hier kauften, was dort gebraucht wurde, hier also Söhne aus Bauernhäusern, die "überzählig" waren, und das waren zum anderen ... Juden.  Selbst in den dunklen Zeiten vor der Jahrtausendwende hatten sie sogar über Spanien und Süditalien Europa mit Waren versorgt, die zuvor alltäglich, nun aber absolute Mangelware waren. Man denke nur an Papier. (Das in Europa durch sündteures, hauchdünn geschabtes Kalbsleder zu ersetzen versucht wurde.)

Juden aber, als Wanderer zwischen den Welten, wurden von den arabischen Eroberervölkern relativ problemlos akzeptiert, sie konnten sich gut arrangieren, und hielten den Handel durch ihre Kontakte mit Orient und Asien aufrecht. So wurden sie schließlich sogar gezielt von Königen und Kaisern nach Europa geholt, denn Zentralmacht ohne Geld ist undenkbar. Das Städtewesen, Grundpfeiler der Zentralmächte, hatte also zwei Bedingungen: Klöster (in ihrer Arbeitsteiligkeit die Vorläufer der Industrie), und es waren jüdische Kaufleute.

So entstand aber in ganz Europa die Identifikation von "Handel" bzw. "Geld" mit - Charakterlosigkeit. Denn Händler nutzten ziemlich unchristlich die Notlage anderer aus, um möglichst hohe Profite herauszuholen.

Doch von Anfang an bildete sich eben diese Abhängigkeit der Zentralmächte und Regierungen von den Kaufleuten heraus. Die - man denke an die Fugger oder die Welser - natürlich nicht nur Juden waren, aber es waren doch überproportional viele Juden. Die (man denke an Venedig, das sein eigentlich revolutionäres politisches System aus dem Vorrang der wirtschaftlichen Interessen einführte, und das durch den Handel mit Byzanz, und geschickte Diplomatie mit den arabisch-türkischen Völkern den Handelsweg nach Asien wieder öffnete, und lange lange behielt) den Umgang mit dem Abstraktum "Geld" gut beherrschten. Das erste europäische Bargeld hat seine Wurzeln deshalb in Oberitalien, in Venedig, als reine Notationen von Sachwerten und Arbeitsleistungen als Äquivalent.

Aber - und das muß man ganz deutlich sagen - die Juden wurden so wie das Geldwesen überhaupt seit je von der Politik benutzt, wenn auch dann doch nicht beherrscht. Was ein Problem für die Geldgeber war, denn der Staat hat eben auch die Gewalt der Willkür. Nur ein Beispiel: Den 30jährigen Krieg hätte Kaiser Friedrich III. nicht finanzieren können, ohne (neben der Geschichte mit Wallenstein, der die Notlage des Kaiserhauses geschickt benutzte, um Macht und Einfluß zu gewinnen,m aber auch Wallenstein arbeitete viel mit Juden zusammen) Juden einzuschalten, und das Geldwesen zu verpachten. Oder - wie meist - Monopole zu vergeben, Nutzungsrechte. Wie es der Film zeigt.

Wenn den geneigten Leser der Film interessiert, möge er rasch handeln, und ihn ansehen. Denn die Bemühungen besorgter Gemüter, ihn aus dem Netz zu verbannen, sind erstaunlich vielfältig.

Dabei zeigt sich auch in diesem Film - vielleicht eben deshalb die aggressive Pose der Linken gegen solche Zeugnisse -  der zutiefst links-revolutionäre (und damit so ungemein zeitgemäße) simplifizierende Grundimpuls des Nationalsozialismus. Das Erklärungsmodell für die Auswüchse des Kapitalismus, das Jud Süß anbietet, deckt sich bis ins Detail mit einem wirklich großen Segment der Internetdebatte, die die Welt erklärt.

Mit so manchen Sonderfacetten, die sich in versteckter Form auch heute wiederfinden. So die ungemein wirkungsvolle weil enorm tief ansetzende, von der heutigen lächerlichen Psychologie meist völlig verkannten - weil in der Tiefendimension unerkannten - Angst um die dem eigenen Lebenskreis zugefügte Frau. Es ist - oh ja, der VdZ weiß, was er da sagend riskiert - genau die Linke, die die Frauen ... zum Freiwild macht, um davon zu profitieren. Da schließen sich seltsamste Bögen zur Islamisierung Europas, die die Linke so eifrig betreibt.

Und so stirbt Jud Süß im Film nicht wegen seiner Korruption und Verschlagenheit oder Gier, sondern weil er sich "mit christlichem Fleisch vermengt" hat. Nach lutherischem Gebot steht dafür der Tod.

Großartig erhellend dazu dazu die Szene, in der der Jude das "reine Mädchen" offeriert. Wie zeitgemäß für heute dabei die Reduktion des ontolgosichen Geschehens auf "Amüsement", auf  "Erlebens-Vorteil". Ist das nicht überaus zeitgemäß? Mehr. Es tut not, sich mit diesen Dingen, und auc mit diesem Film, vernünftig auseinanderzusetzen.

Bilde der Leser sich also sein eigenes Urteil über diesen Film. Sei er aber gewarnt: Die Sachverhalte sin dtief verschlungen.Worin sich übrigens, nur so nebenbei sei es erwähnt, die Inkonsistenz des Nationalsozialismus zeigt, der keineswegs eine stringent durchgestaltete Ideologie war. Wie es die Linke ist. Denken kommt vom Hören. Wahres Denken vom wahren Hören.







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Sonntag, 20. September 2015

Kolberg - Aussage über die Gegenwart (3)

Teil 3) Nachbemerkliche Exkurse - Endlich: Der Film Kolberg









Nachbemerkungen

*Was an Filmen generell abzulesen ist, ist das Maß der Persönlichkeit, der Individualität einer Zeit. Denn deren Charaktere werden im Drehbuch beschrieben, solche von Schauspielern dargestellt. Und hier fällt sehr wohl auf, daß in älteren oder alten Filmen die Zahl der Originale groß ist. Während im heutigen Film so gut wie keine Originale mehr auftauchen, bestenfalls neurotisch Gestörte. Originalität, wirkliche Originalität (und das ist nicht die Willkür einer Charakterstörung, keine Absonderlichkeit) ist ein Zeichen von individueller Freiheit, und damit der Freiheit weil Wahrheitsnähe eines Gesellschaftsklimas, weil das nicht trennbar ist. Entsprechend lauten die Anforderungen an die Schauspieler, entsprechend geprägt sind sie aber auch.

**Bis Napoleon war die Kriegstaktik auf Heere beschränkt, die einander in Einzelschlachten bekriegten. Dabei spielten Städte und Festungen eine große Rolle, denn sie konnten ganze Heere aufnehmen, die wiederum eingreifen konnten, schloß man sie nicht zumindest ein. Der Grund war außerdem, daß das Land ringsum, die große Fläche eines Staates, aufgrund der Kleinheit der Heere unmöglich zu kontrollieren war. Das wurde erstmals Napoleon mit seinen Masssenheeren möglich, der damit auch das bis dorthin unlösbare Problem der Versorgung von Truppen - die immer aus dem Land erfolgte, das man besetzt hielt; bei einer Stadtbelagerung war auch das aber nur höchst begrenzt möglich - umging: Seine Armeen besetzten das Land, ließen die Städte lediglich isoliert und eingeschlossen, ohne sie zu bekämpfen (was stets hohe Verluste kostete), bis den Eingeschlossenen weitere Versorgung unmöglich wurde. Es liegt nahe, daß Hitler in seinem Angriff auf die Sowjetunion 1941 diese Taktik imitierte, denn auch er ließ große Kessel und Städte "links" liegen, deren Besiegung große Opfer gekostet hätte, hielt sie lediglich eingeschlossen, und wollte sie aushungern. Worin er furchtbar scheiterte, denn gerade durch die bei Leningrad bzw. im Norden gebundenen Truppen wurde der Durchbruch der Sowjets in der Frontmitte ab Juli 1943, in Folge der Schlacht bei Kursk, zur zusammenbruchartigen Bedrohung.




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Samstag, 19. September 2015

Kolberg - Aussage über die Gegenwart (2)

Teil 2) Nun Volk steh auf. Heute.





Die in Kolberg vorzufindenden Haltungen der Proponenten, die das deutsche Volk zum letzten Aufgebot aufputschen sollte, trotz der bereits zerstörten Städte und Millionen Tode, sind nichts als Nachboten der französischen Revolution. Sind die Wegweiser für die heutige Zeit der pseudologischen und autonomistischen Politisierung der gesamten Bevölkerung, der nur noch Massenrausch, Zugehörigkeit zählt. Politik ist nicht mehr Sache der Regierungen, der Amtsträger, der Gesandten, Krieg ist keine Sache des Staates alleine mehr, nein: es ist Sache jedes Einzelnen. Es wird heute gerne vergessen, daß selbst die allgemeine Wehrpflicht aus diesem Geist kommt. Napoleons Erfolge waren auf diese Form der Politik ausgerichtet, durch Massenaushebungen hatte er erstmals kriegsstrategische Möglichkeiten**, die bislang außerhalb jeder Ethik standen. Auf die das Volk aber bereits durch die Grundbewegung der Revolution 1789ff, einer fundamentalen Umkehr der Haltung, vorbereitet war. Die Regierung, die Amtsträger sind veraltet und verstaubt. 

Die Bürger aber, die einfachen Bürger, sind modern, aufgeschlossen, und vor allem technikaffin. Und es sind die unteren Chargen, die Unteroffiziere und Leutnants, die also, die durch die Auftragstaktik (statt der Befehlstaktik) direkt in der kämpfenden Truppe der deutschen Kampfstrategie die entscheidende Rolle spielten. So auch in diesem Film: Die persönliche, individuelle Ehre, in der gesamten Menschheitsgeschichte das tragende Element des Kriegers, wird durch technische Effektivität einerseits, durch überindividuelle (pseudologische) Begriffe anderseits (Volk, Vaterland, Sieg der Revolution, Sieg der Idee, etc.) ersetzt. Zwei Grundsichten, die immer wieder gegeneinander standen - etwa als Konflikt zwischen Persern und Griechen, zwischen zentralistischem Massenstaat und der im Staat Gestalt gewordenen Einheit von freien, individuellen Bürgern.

Es sind in Kolberg deshalb genau so diese einfachen "tüchtigen", auch die armen Bürger, die Bürger mit Zivilcourage, die Leistungselite, nicht die "alte" Elite, die das Heft in die Hand nimmt und "groß" denkt. Die Besitzenden sind die egoistischen Charakterschweine, die Fürsten und Könige Eidbrecher und untreu - es lebe der Bürger als König. Man lasse sich von Einzelaussagen (etwa die Treue zum ... historischen (sic!) König) im Film nicht irritieren, die seine eigentliche Linie verwischen wollen. Da haben dann natürlich - in der Not - auch die Frauen ihre entscheidende Rolle. Wenn alle Stricke der Männer reißen, werden gerne auch Vollmachten erteilt. Geduldet. Da wird sogar die Königin zur (eine ganz eigenartige, beeindruckende Szene) zur Gottesmutter Maria

Genau das, was heute überall passiert: Die Gestalt, die Form wird ersetzt durch partielle Effektivität und Funktion, Gestalt durch Technik, inmitten einer banausischen Lebenswelt. Das ist die neue Ehre, um die es geht, heute wie .... damals. Selbst die Linie zum Terrorismus als Kampfmethode sich revolutionär verstehender Kräfte ist deutlich zu sehen. Der Nationalsozialismus hat sich immer als revolutionäre Bewegung "von unten" verstanden. Bitte: Wie viele Parteien gibt es heute, die dasselbe tun? Angesichts der Aufrufe zur Einheit in Kolberg "trotz allem" - wer würde sich da nicht an so manche Plakate im aktuellen Wien-Wahlkampf erinnert fühlen, die auch so seltsam von "Einheit" (unter dem Schild der SPÖ) sprechen? Die Archaismen sind dieselben.

Und so wiegt auch das verführerischeste - aber verlogenste - Moment des Films am schwersten: Das die Rebellion rechtfertigt, "bis" ein "guter Kommandant" vom König, der Obrigkeit, gesandt wird. Dann gehorchen auch die Bürger wieder. Sagen das nicht auch viele heute? Meinen nicht viele, es sei heute so? (Oh ja, auch der VdZ stellt sich selber immer wieder diese Frage.)

Und natürlich - das ganze Land, alles kann geopfert werden, um das Ganze zu retten. Wer ist da nicht an den "Krieg gegen das Klima" erinnert? Selbst der Künstler (der Geiger) darf dann fallen, weil er sich nicht dem großen Ganzen eingliedert. Wie die Gestalten, die am Plakat stehen. Es geht doch um Höheres, oder?

Was kommt als Nächstes? Hitler sah sich gerne als zweiten Friedrich den Großen - es wird nicht mehr lange dauern, bis sich heutige Politiker auf Kreisky oder Prinz Eugen berufen. Wehrt Euch, die Gefahren des Bösen marschieren ein, und wenn das ganze Land in Schutt und Asche fällt.

Deshalb sollte man diesen Film gesehen haben, und ganz nüchtern betrachten, wo seine eigentlichen Momente liegen - und wie sie zu bewerten sind. Als Aussage über einen selbst, als Aussage über die Gegenwart. Deshalb fürchten ihn die linken Linken, und deshalb lieben ihn die linken Rechten.




Morgen Teil 3) Nachbemerkliche Exkurse - Endlich: Der Film Kolberg





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Freitag, 18. September 2015

Kolberg - Aussage über die Gegenwart (1)

(Hinweis: Wenn der geneigte Leser den Film Kolberg, um den es hier geht, noch VOR den Konnotationen des VdZ sehen möchte, um sich zuerst ein unberührtes Urteil zu bilden, der möge noch zwei Tage warten - und dann, in NACHbetrachtung, diese Bemerkungen lesen.)

Ein ganz selten gezeigter Film ist der 1945 trotz größter Kriegsnot mit bis dahin im Film nie gesehenem Aufwand produzierte Kolberg unter der Regie von Veit Harlan, mit dem wie meist großartigen Heinrich George. Schon rein technisch war der Film für die damalige Zeit herausragend, in Cinemascope-Breitleinwand, natürlich in Farbe, mit tausenden Komparsen und Kostümen, und mit nahezu allem, was der deutsche Film an Stars aufzubieten hatte. Großartige Schauspielkunst, handwerklich feinste Arbeit in jeder Hinsicht, kann man ihm deshalb nicht absprechen.

Er wird aber trotzdem kaum einmal gezeigt, als hätte man Angst davor. Und das liegt sicher nicht an der im Fortlauf immer schwächeren Dramaturgie, der man anmerkt, daß sie sehr bemüht Parallelen zum aktuellen Kriegsgeschehen zu ziehen versuchte. Die Bilder des zerstörten Kolberg wirken wie Aufnahmen aus zerbombten Städten, die Botschaft ist klar: Irgendwann wird der Feind einsehen, daß man durch Zerstörung des Lebensraumes das Volk nciht beugen kann, irgendwann wird er einsehen, daß man damit Grenzen überschreitet, irgendwann wird beim Feind wieder Menschlichkeit (sic!) einziehen, so wie bei Napoleon damals. Daß so ein Denken in der deutschen Führung tatsächlich existierte, ist belegt.

Und jetzt kommt's: Genau das, was man dem Film anlastet, sagt er gar nicht aus! Ja, gewiß, explizit wird davon gequasselt, noch und noch. Aber die wirkliche Aussage ist eine ganz andere, und die ist es, die in den Tiefen des Zuschauers wirkt. Man findet nämlich in Kolberg KEINE VERNÜNFTIGE LÖSUNG mehr. Es gibt sie nicht mehr. Die Peripetie- das Einlenken Napoleons - wirkt regelrecht herbeigeschustert. Und das, bitte schön, das WAGTE das Naziregime seinen Bürgern zu erzählen! Es sah keine (vernünftige, sich aus dem Handeln ergebende) Lösung mehr! Genau das wird in Kolberg eingestanden. Man hat offenbar (weil man selber so war und handelte, also: die Wirklichkeit verkannte) nur noch die Macht des Wortes, der Pseudologie (das Wirkfeld der Propaganda) gesehen, nicht mehr die wirkliche Aussage, die im viel tieferliegenderen, nicht direkt Sichtbaren der Gestaltengefüge liegt. Kolbergs Wirkung muß also ... ENTMUTIGEND gewesen sein, NICHT auferbauend, wie Goebbels sicher dachte. Seine Botschaft ist nämlich - Verzweiflung.

Der Gnadenakt Napoleons, der die Stadt (nein, seine Bewohner, von der Stadt ist nur noch wenig übrig) schließlich rettete, ist dramaturgisch nicht motiviert (dabei wäre das gar nicht so schwer gewesen; war es der Zeitdruck, der hier so schludern ließ?), er wird nur behauptet. Und das ist die künstlerisch größte Schwäche von Kolberg, weshalb der Schlußteil des Films regelrecht in unmotivierte Einzelaussagen zauseinanderfällt. Selbst Heinrich George verliert sich dann in isolierte Einzelmomente. Solche dramaturgischen Löcher kann kein Schauspieler der Welt mehr organisch füllen. Denn ein Schauspieler kann nur Orte im Vernunftgefüge stellvertretend darstellen, freihalten gewissermaßen, und damit aufzeigen. Er kann fehlende Stringenz nicht ersetzen. Damit nimmt man aber dem Film sowieso jede (beabsichtigte) Wirkung. Er war ehrgeizig, bemüht, absichtsvoll, aber er erfüllt diese Absicht nicht.

Aber abgesehen davon: Geht man solchen Schwächen des Hinbiegens von Handlungen und Dramaturgien nach, müßte man drei Viertel bis neun Zehntel des gegenwärtigen Filmkonsums in die Tischlade packen. Wir merken sie nur kaum, weil wir daran gewöhnt und in dieses Aktuelle verwoben sind. Auf diesen Ebenen ist es für einen Betrachter immer sehr schwer zu unterscheiden, wo welche seelisch-geistigen Schichten angesprochen werden, wo Kunst aufhört, und Agitation beginnt. Solche Lücken werden für gewöhnlich, und wenn genug Budget vorhanden ist, mit interessantem Einzelschnickschnack, etwa "Action", Beeindruckung gefüllt. Das ist im Zwischenmenschlichen ja oft nicht anders, wenn jemand merkt, daß er seine Selbsterzählung nicht kontingent weiterführen kann.

Der VdZ hat sowieso den Eindruck, daß der Mißbrauch der Metiers der Kunst für politische oder moralische Anliegen bereits zur allgemeinen Anforderung wurde, und die beteiligten Künstler spielen meist erschreckend mit, ja merken gar nicht mehr, daß sie längst nur noch agitieren, nicht mehr das das Sein destillierende, damit zur Poesie freilegende Spiel der Form treiben. Aber lassen wir das, Künstler sind eben extrem polar: hier anpassungssüchtig weil beeindruckbar und schwach bis zur Charakterlosigkeit, dort unlösbar getrieben vom Sein, vor dessen Antlitz sie schauend stehen, ohne Rückzugsmöglichkeit in die Konventionen einer Weltfigur. Eine Spannung, die viele zerreißt.

Und dennoch zeigt man mit dem Finger auf jene Künstler, die an solchen Produktionen mitgemacht haben? Ist das nicht grotesk? Künstler haben doch nur ihr Material, ihre Arbeit um überhaupt zu sein, und sein heißt: wirken, aktiv sein? Da zählt nur die Wahrheit der Figur, des Kostüms, der Charakterzeichnung, der Kameraeinstellung, nicht das, was Politik damit dann anstellt.* Denn soviel doch noch, weil es Kolberg betrifft: Politlenkung ist das letzte, was man fernen Regimen und Zeiten vorwerfen darf, um zugleich zu behaupten, man wäre heute frei davon. Die Kunst war kaum je agitativer als heute. Und schon sind wir in der Aussage dieses Beitrags.

Denn vielmehr hat der VdZ einen Verdacht über die Gründe, warum solche Filme wie stachelige Früchte behandelt werden. Vielleicht hat man nämlich genau diese Angst: Daß die Menschen die vorhandenen Parallelen zur Gegenwart entdecken? Die Parallelen zu heute allgemein gewordenen, ja sogar für "gut" und "demokratisch" erklärten Haltungen?

Denn das inhaltlich Interessanteste an dem Film, und was ihn so aktuell macht, ist etwas ganz anderes: In ihm kommt der LINKS-REVOLUTIONÄRE Charakter des Nationalsozialismus ganz deutlich zum Vorschein. Hier zeigt sich sogar das Angesicht der "Demokratie", wie sie heute interpretiert wird. Hitler-Deutschland - es wurde hier schon mehrfach darauf hingewiesen - war der moderne Staat par excellence, und er war wegweisend für unsere Gegenwart.



Teil 2) Nun Volk steh auf. Heute.





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Dienstag, 10. September 2013

Filmempfehlung

"George"

Ein tief bewegender Film, der das Herz zerreißt vor Sehnsucht nach dem Reich des Schönen und Wahren, und den Blick angewidert abwenden läßt vor jener so umfassenden Niedrigkeit, die uns bis in die letzten Winkel nachgekrochen ist, und uns erstickt.







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Mittwoch, 14. November 2012

Du bleibst, was du bist

Götz George steht vor der Kamera, um seinen Vater Heinrich George zu spielen, in einer halb-dokumentarischen Verfilmung dessen Lebens. Die FAZ hat ihn am Set besucht, hier Auszüge aus dem Artikel.

„Meine Mutter Berta Drews hat ständig von ihm erzählt“, sagt Götz George und fährt sich über das Gesicht. „Aber er war wie ein Phantom. Ich konnte ihn nie um Rat fragen.“ Schauspieler habe er selbst wohl nur werden können, weil der Vater früh gestorben sei. Denn dessen Devise sei gewesen: „Ein Genie in der Familie reicht.“ Seine Söhne hätten seinem Willen nach alles werden können, nur bitte nicht Schauspieler.


Heinrich George, 1893-1946

In erster Linie gehe es um die Frage von Schuld und Sühne, um die Verantwortung eines Künstlers in einer Diktatur, denn Heinrich George sei der einzige herausragende Schauspieler gewesen, der für sein Engagement in der nationalsozialistischen Propaganda mit dem Leben bezahlt habe. Dabei sei er weder Held noch Schurke gewesen, wie so viele Mitläufer.

[...] Sein Vater sei eine politische Niete gewesen, uninteressiert, er habe einfach nur spielen wollen. Sein Sohn will dem Künstler und Menschen nachspüren, den wolle er kapieren. Und er wolle ihn weder nachstellen noch kopieren. „Man interpretiert seinen Vater nicht. Das wäre unwürdig.“

[...] Den Weg zu der ehemaligen Militärbaracke in Münsingen, in der die Essensausgabe von Sachsenhausen nachgebaut ist, zeigen die Komparsen, die Maske und Kostüme in Elendsgestalten verwandelt haben. In dem kahlen Raum stehen sie Schlange, Blechbüchsen in den Händen. George steht hinter der Theke, im Rücken ein Regal voller Kommissbrote, deren Geruch sich mit dem Dampf aus dem Suppenkessel neben ihm vermischt. Die Kamera ist bereit, das Licht stimmt, der Ton läuft, der erste magere Mann nähert sich George und lässt sich einen Schlag dünne Brühe in die Dose kippen. Ob er denn seinen Text gelernt habe, fragt George mit müder Stimme.

“Verzeih, ich kann nicht hohe Worte machen“, stammelt der erste sich zurecht, der zweite stottert: „sehe nur, wie sich die Menschen plagen.“ Hoffnungslose Fälle. Doch dann der dritte. Wie er sich schon hinstellt, wie er den Mann mit der Kelle anschaut. „Du bist am Ende, was du bist“, rezitiert er, und seine Stimme füllt den Raum. „Setz dir Perücken auf von Millionen Locken. Setz deinen Fuß auf ellenhohe Socken, du bleibst doch immer ... was du bist!“ Die Suppenkelle schwebt in der Luft, dann klatscht sie nieder: „Hau rein, Mephisto!“, dröhnt George. Hätte auch Schimanski sagen können. Oder George, egal, welcher von beiden. Vielleicht hat Mephisto einfach recht.

Götz George im Interview über seinen Vater (2008)


Heinrich George in einem NS-Fernsehinterview - Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet. - "Heute ist ein Bett vorbereitet, das bequem ist." Die Zeiten haben sich nicht geändert. Ideologien sind, schreibt Jacques Ellul, nie inhaltlich entscheidend, sie sind austauschbar. Es ist die Art der Rezeption, die seit dem 20. Jahrhundert die Menschen zu Erscheinungen ein und desselben Charakters, des entwurzelten Propaganda-Charakters, machen. Feindbilder dienen lediglich der Absicherung der eigenen Verankerung in der Gruppenmeinung.


Heinrich George in "Der Postmeister" (Puschkin; 1940)



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