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Samstag, 14. Mai 2022

Es ist eine Erfindung der Neuzeit (2)

Der Eigennutz, die Skrupellosigkeit, die Gier und der Neid erfanden (und erfinden immer wieder neu, aber in stets wechselnden Kostümen) die Mär von der Relevanz leiblicher Nachkommenschaft für Besitz, Stand und Macht zur Utopie und Ideologie - UND die des Eigennutzes als ANGEBLICHER und einziger wirlich natürlicher Motivans für persönliche Entfaltung und Wirtschaftsentwicklung, der sich dann aus dem Kapitalismus und dessen Eigentumsbrutalität zum sogenannten "Liberalismus" ausblühenden Ideologie, wie sie sich Anfang des 19. Jahrhunderts etabliert hat. (Und dann im Evolutionismus ihre quasi-metaphysische Legitimation erhielt: Der Evolutionismus hat also den Kapitalismus zur absoluten Menschheitslehre weil -wahrheit geheiligt, wo Stärke, Eigensucht und Skrupellosigkeit zur moralischen PFLICHT erhoben wurden.) Ebenfalls ist das Faktum, daß sich das Eigentumsbegriff in ein absolutes Recht verwandelt hat, ist dieser Epoche der Moderne zuzuschreiben. Es war vorher unbekannt.

Denn genau so, wie das Eigentum als Leihwerk durch Gott angesehen worden ist, und sich mit der Auffassung des Christentumg vollkommen deckte (was nicht heißt, "alles - allen", sondern daß die Verantwortung der an ein ding bindende Rahmensei, und als solcher erst als moralische Leistung qualifizierbar wird.

Freitag, 13. Mai 2022

Es ist eine Erfindung der Neuzeit (1)

Um auch eine historische Perspektive zur Unterlegung der Feststellungen der letzten Tage - die leibliche Abstammung sei nicht die ein Vater(Mutter)-Kind-Verhältnis Begründene, sondern eher zufällige Disposition des Natürlichen, der vom Geist erst zu erringenen, in Besitz zu bringenden Materia, sondern das Wort, der Name, der Geist, und der Wille - zu geben, darf ich nur ein paar historische Tatsachen nachliefern. Die bekannte Tatsache, daß der erste Kaiser Roms, Augustus, ein adoptierter Sohn von Julius Caesar gewesen ist, und dabei (und das ist hier der entscheidende Beleg) völlig selbstvertändlich mit Akzeptanz im Volk (und unter allen politischen Konkurrenten) rechnete, ist eine davon.

Aber aus der zuletzt begonnene Auseinandersetzugn mti dem 100jährigen Krieg Frankreich - England und dem Weg zu diesem dynastischen Streit fällt auf, wie viele der Regenten und Personen des politischen und militärischen (also historisch belegten) Personen adoptiert, an Sohnes statt angenommen waren, ist beeindruckend. Und auch hier, in der Höhe des christlichen Abendlandes, sogar auch von seiten der Kirche, gab es nicht den geringsten Widerstand, nicht das kleinste Befremden.

Samstag, 5. Februar 2022

Stellung kraft Geburt

Was wohl die Geschichtsbücher einmal darüber sagen werden? Es gilt doch als eine der großen Errungenschaften der "leistungsbezogenen" Volksorganisation, die auf wundersame Weise auch die Besten "nach oben" bringt, das alte und ungerechte System der Hierarchie kraft Geburtsrechten abgelöst hat. 

Früher galt, daß jemand dies oder das werden konnte oder wurde, WEIL er in diese oder jene Familie, als dieser oder jener Sohn bzw. Nachfahre geboren wurde. Und man empfand das als gerecht. 

Samstag, 8. Februar 2020

Auf dem Weg zum Sklaventum (2)

Teil 2) Zu den Vätern


Der Vater kommt in allen diesen Konzepten ohnehin nicht mehr vor. Außer in einem Punkt: Er wird alles bezahlen und existentiell tragen müssen. Diese Verpflichtung, diese Verspannung des Mannes in Schuld-, Schulden- und Arbeitsleistung wird deshalb immer weiter wachsen. Als immer offensichtlicher werdender Schritt zum Sklaventum des Mannes kommt er damit Vorstellungen einer Gesellschaftsorganisation zupaß, in der sich eine Elite berufen, verpflichtet und kraft überlegener Moralität legitimiert sieht, den großen Teil der Menschheit als "Materialdepot" für ihre "überlegenen" Interessen zu behandeln. Hier deckt sich perfekt die schlimmste Form des Kapitalismus (als Oligarchentum) mit dem Kadergedanken des "wissenschaftlichen Materialismus" in Marxismus/Kommunismus. Karl Marx hat nicht zufällig die Familie als Hauptfeind des Marxismus erkannt.

Also muß auch die Ehe, diese Grundform des Zueinander des Menschen ("als Mann und Frau schuf er ihn"), aus der Integrität einer Vertrauensbeziehung herausgebrochen werden. Während die Grundempfindung, die den Mann zur Frau zieht - der Eros - über Pornographie und für sich betrachtete Ersatzbefriedigung isoliert, unschöpferisch, weltabgewandt und unfruchtbar gemacht wird. Über die an die Stelle des Eros tretende, isolierbare Begierde nimmt der Mann fortan seine Fremdherrschaft, über die er jederzeit triggerbar werden soll, auf sich. Weil dieser Grundantrieb im Mann aber vor allem steht, nimmt er seine vorgetäuschte Befriedigung, die die Schwachheit begünstigt, ja legitimiert, gerne hin, wenn ihm diese Befriedigung erlaubt wird, und stellt sich "gerne" unter das Joch des Sklavenrads.

Damit hat sich die Elite jede potentielle Konkurrenz um die Weltherrschaft aus dem Weg geschafft. Und sich eine reiche Anhängerschar gesichert, die exakt diese Furcht vor der (männlichen) Konkurrenz (als Urteil vor dem Sein, übrigens, also als Zuweisung eines Ortes, auf den Gott einen hingestellt hat, um es simpel zu sagen) nunmehr als Freibrief garantiert erhält, trotz dieser Schwachheit durch Nützlichkeit und Dienstbarkeit an der Weltherrschaft zu partizipieren, die ihnen sonst verschlossen bliebe.




*261119*

Freitag, 7. Februar 2020

Auf dem Weg zum Sklaventum (1)

Sachlich gesehen bringt Birgit Kelle in einem Gespräch mit Roland Tichy vieles auf den Punkt, und zeigt die Verrücktheit und Widersprüchlichkeit, die sich rund um das Thema "Kind" derzeit aufbaut und in Gesetzesform geronnen ist und weiter rinnen will. Wir stehen in den aktuellen Bestrebungen der Erweiterung der Leihmutter-Regelungen vor den letzten Schritten, die Frau generell als Gebärmaschine auszubeuten, sie auf den Geburtsvorgang zu reduzieren. Und verfangen uns in einem Dickicht von Widersprüchen und moralischen Horrorszenarien, denen niemand mehr Einhalt gebieten wird können.

Diese Widersprüche sind im Tiefsten freilich in jenem materialistischen, evolutionistisch-mechanistischen Menschenbild gegründet, das sich seit geraumer Zeit in unserer Kultur aufgebaut hat. Darin aber kollidiert es mit in der Emotionalität noch wachen Bedürfnissen aller Seiten und Arten. Also muß man leibliche Vorgänge von geistigen trennen, eine hohe Mauer zwischen den beiden errichten, und jede Überschau verhindern. Die psychische (seelische) Welt des Menschen soll damit - in der Tradition der mißverstandenen Auslegung der Rolle des Bewußten beim Menschen seit Descartes - zu einem Theater der Vorstellungen werden, einer Welt, die mit dem Bühnenrand abbricht.

Ethische Grenzen gibt es nur noch dort, wo dieses Bewußtseinstheater noch nicht ausgeweitet genug ist und deshalb mit Emotionen kollidiert, die aus anderen Welten stammen, zu denen die Verbindungen noch nicht genug gekappt sind.

Sehr schön zeigt Kelle aber die ontologischen Zusammenhänge aller derzeit bereits möglichen und möglich werden sollenden Vorgänge rund um Kind und Mutter, d. h. in Wahrheit auch der Väter, die aber bereits völlig aus dem Spiel genommen sind. Abtreibung, Leihmutterschaft, Eugenik (genetische Vorauswahl), Prostitution, und nicht zuletzt: Homosexualität ... 

Aus der "Ehe für alle" wird nun zwangsläufig auch das "Kind für alle". Dieses "Recht" übertrifft alle übrigen Menschenrechte, die etwa das Kind selbst noch hätte, solange es uns noch nicht ausreichend vor die Augen treten kann, im Leib der Mutter. Der Zynismus, die tiefe Verlogenheit, mit denen hier sogar noch von "reproduktiver Gesundheit" gesprochen wird, ist kaum noch zu überbieten. Ebenso wenig wie die Verlogenheit zu übersehen ist, mit der dieselben, die für die Abtreibungsrechte als "Recht der Frau" eintreten, nun die Einführung von "Kinderrechten" fordern. Deren wahre Intention damit offenbar wird: Sie sollen als Instrument dienen, mit dem der Staat beliebig in Familien eingreifen kann, weil er zukünftig sogar die Pflicht festschreibt, sich täglich mit an den Tisch der Familien zu setzen. 

Während die Kinder aus ihrem ureigensten sozialen Gefüge, ALS Kind von Eltern, herausgebrochen und schein-autonomisiert wird. Scheinhalber, weil natürlich der Staat diese Autorität übernimmt, die naturrechtlich als Recht (wie Pflicht, natürlich) lediglich den Eltern zukommt. Damit werden sie zum bloßen Spielball von Interessen und sind Fremdmächten ausgeliefert. Dort unterliegt es einem existentiellen Hürdenlauf, in dem es sich unter ständiger Observation weiß, wo in dem Moment, wo es bestimmten Vorstellungen und Ansprüchen nicht genügt, sein Lebensrecht verwirkt wird.

Kinder werden zur Ware, Leihmütter zu einer neuen Form der Prostitution

Kelle weist aber auch auf noch etwas hin. Zukünftig wird immer mehr den Kindern jene Sicherheit genommen, die bisher als unnehmbar galt: Die Sicherheit der Mutter bzw. wer die Mutter ist. (Denn "Pater semper incertus" - "Der Vater ist immer unsicher", beruht lediglich auf dem Wort und kann sogar ergriffen werden, worauf die Idee der Adoption als Grundform der Beziehung Vater-Kind beruht.) Was besonders in seinen ersten Lebensjahren von entscheidender Bedeutung ist, um sich in der Welt über die Identifikation mit der Mutter zu etablieren, ehe es allmählich zum Wort (zum Vater) kommt, und damit zur Freiheit. 

Die technische Zergliederung, die einer Reduktion des Weltwerdevorgangs auf technische Vorgänge gleichkommt, die sogar örtliche Teilung der Zeugungs-, Empfängnis-, Schwangerschafts- und Geburtsvorgänge macht aber selbst diese Identifizierbarkeit zur juristischen und philosophischen Spitzfindigkeit, der die tiefere emotionale, persönlichkeitsbegründende, vor allem aber der Liebe (über Ähnlichkeit und Vertrautheit) aufhelfende Selbstverständlichkeit fehlt. Man stelle sich alleine vor, was es für einen Menschen an seelischem Bruch bedeutet, neun Monate im Leib einer (fremden) Mutter aufzuwachsen, um dann per Geburtskanal in eine völlig neue, fremde Welt der "Bestelleltern" gestoßen zu werden. So ein Mensch muß also auch als Erwachsener jede Kultur, jede gesellschaftliche Ordnung als Bedrohung durch einen Feind empfinden, der ihm die Einhausung in der Welt verweigert und das Grundvertrauen in die Ordnung der Natur verhindert und zerstört.

Und warum das alles? Wegen der Eigensucht vieler Menschen, die eine Welt wollen, die sich jeden Moment ihrer spontanen Willkür fügt, und jede Wahrnehmung der gigantischen Kollateralschäden, die sie dabei anrichten, ausschalten möchte. Deshalb muß auch jede Logik, jede Konsistenz des Weltbildes vermieden werden. Und man tut es, indem man die Vernunft selbst durch (negative) Moralisierung verhindert, während man den gefälligen Spontanbeschluß positiv romantisiert.

Morgen Teil 2) Zu den Vätern







*261119*

Montag, 3. Februar 2020

Vaterschaft ist Adoption, Kindschaft Erfüllung einer Bitte

Jede Vaterschaft ist eine Adoption, eine Annahme eines Kindes. Insofern gibt es keine "biologische" Determinante, die über eine gewisse Formträgerschaft hinausgeht, aber das Kind selbst nicht fatalistisch festlegt. Ist diese Annahme der erste Akt* der Beziehung Vater - Kind, kann dieses Verhältnis nur noch angenommen werden.** In dieser Annahme ist auch die Eingliederung in die Religion der Väter - Religion ist immer "Religion der Väter" - mit gegeben.²

²Deshalb kann auch die Taufe (mit ihrem Hauptgeschenk, dem Glauben) nur "erbeten", nicht "gewählt" werden. Denn sie bedeutet die Aufnahme in ein neues Volk, das nur "qualitativ" in die Welt wirkt, dem also die Welthaftigkeit erst beigegeben werden muß. In der konkreten Familie, dem konkreten Ort, Volk, etc. Alles das ist wiederum insofern gleich, weil man nicht "beitreten" kann, sondern "aufgenommen werden" muß. Das auch in Richtung so mancher verworrener Vorstellung beim Thema "Integration" oder "Zuwanderung", aber auch "Patchwork-Familie" gesagt. Was immer nur eine "Bitte", nie ein "Recht" sein kann, und mit Gehorsam beantwortet werden muß.

Eine "freie Wahl" der Vaterschaft (wie der Religion) ist dem Kind nicht möglich, es wäre ein unlösbarer Widerspruch zum Wesen der Identität als Geschenk, als Zuschreibung, als Aufgabe. Eine frei gewählte Identität wäre tot und starr. Insofern ist Gehorsam und Fügsamkeit dem Kind wesentlich.

Und das muß auch Inhalt der Erziehung bzw. Prägung durch die Mutter sein: Das Kind muß sich auf das Haus des Vaters hin transzendieren, das seinem Dasein vorausgeht, und ihm das Dasein (mit der Existenz als Aufgabe) zuordnet. Erst dadurch hat es die wesentlichen welthaften Voraussetzungen, Mensch zu sein. 

Denn dieses ist es, das ihm den Platz auf der Erde gibt, den Ort, der das Wesen festlegt, das es dann zu erfüllen gilt. Und nur in dieser Dynamik des Erfüllens gibt es das, was Dasein bedeutet, in der Dynamik der Existenz.

Weist das Kind diese Zugehörigkeit zurück, lehnt es sie ab, schädigt es sich selbst in seinem geistigen Aufbau, der nunmehr zerfallen muß und zu keinem schöpferischen Aufbau kommt. Sein ganzes Leben wird nur noch eine Auseinandersetzung mit diesem "Stehen neben der Ausgangsspur". Es ist damit auch die Geburt des Revolutionären.

Somit ist auch Volk - als Angehörigkeit in eine weitere Form der Vaterschaft - eine Angelegenheit des Geistes, der Zugehörigkeit unter ein Haus in Selbstüberschreitung (Transzendenz). Eine "rassisch", eine "biologische" Volkschaft gibt es nicht, sie ist, soweit sie vorkommt, eine zufällige Koinzidenz. Was sich auch in der Geschichte zeigt. 

Deshalb ist der Fortbestand eines Hauses (es ist mit Familie vergleichbar, aber dieser Begriff umschreibt es zu wenig präzise) abhängig von der Weitergabe des Geistes des (ersten) Vaters und Gründers.***

***

Das macht das Kind nicht zum Objekt willkürlicher Auswahl nach der Geburt, sondern es zeigt nur die wesenhafte Gleichheit von Adoption und "persönlicher Zeugung". Der freilich bei der Aufnahme eines "leibfremden" Kindes (mit dem besondere Verheißung verbunden ist) eine irdische Erfüllung versagt bleibt - das leibliche Abbild im persönlich gezeugten Kind zu sehen.

Aber dem Sexualakt beim Menschen geht diese Adoption bereits ZUVOR, bzw. ist mit ihm untrennbar verbunden, bleibt aber eine Adoption, kann also auch durch den Vater (bzw. die Eltern) aufgelöst werden (sic!). Etwa, wenn das Kind den Gehorsam verweigert, sich also einem fremden Vater (Haus) unterstellt.

Nur bei Vorliegen dieser Adoptionserklärung (was hier speziell den Mann betrifft) ist jedoch das geschlechtliche Zusammensein wesensgemäß, und darin gründet auch die Auffassung der Ehe als Sakrament, als Anknüpfung an den vor-erbsündlichen Fall bzw. dessen Restauration. Wo im "Ja" der Ehe alles eingeschlossen war bzw. sakramental (als Getaufter ist er das automatisch) ist, sich somit Wort und Leiblichkeit untrennbar einen. Darin ist aber auch eingeschlossen, daß mit dem Ehe-Ja Mann und Frau einander in der hierarchischen Ordnung bejahen, die sie einander zusagen³, und damit auch den (apriori adoptierten) Kindern (und das ist der eigentliche Ort, in den Gott den Menschen schafft) ihren Ort zusagen: Der Sexualakt schafft den Ort, an den dann ein Kind eintreten kann.  

***

Der Rückgriff auf körperliche (biologische) Abstammung ist immer ein "Notgriff", der aus der Schwäche geboren ist, oder politischen, interessengesteuerten Zielen folgte. Insofern hört auch jede Rassentheorie damit auf, irgend etwas an begründender Relevanz zu haben. Er ist im Wesentlichen heidnisch, weltimmanent, weltverschweißt, steht somit dem Geistigen (und damit wirklicher Vaterschaft) zuwider, und ist eine Erscheinung der Degeneration: Aus der ursprünglichen Einheit von Wort und Tat herausgebrochen, in der sich beide Seiten (Geist und Leib, Wort und Tat) sakramental zu einem Wirkmoment umfassen (wie also vor dem Sündenfall).

Insofern ist es zwar - als Erinnerung, als Sehnsucht nach der einstigen Vollkommenheit des Existierens, insofern als Gespanntheit auf eine verlorene Größe, die wiederzuerlangen der Mensch sich sehnt, weil sie seine ursprüngliche Hingeordnetheit, seine wesensgemäße Geschaffenheit und Sinnorientierung erfüllt - häufig zu sehen, und hat auch viel Verwirrung in der Definition von Volk, Familie, Kindes- wie Vaterpflichten und -rechte angerichtet.

Unsere Alltagssprache, unser Alltagsleben ist sogar regelrecht durchtränkt von den Widersprüchlichkeiten, die sich daraus ergeben, und deformiert von dort aus unser Denken und Erkennen. Um diese Widersprüchlichkeit zu bereinigen, ist wie bei ähnlichen solchen Fällen eine Zeit der Vorsicht nötig, in der jedes Wort, das gesprochen wird, jeder Gedanke, der sich formieren will, auf diese Voraussetzungen hin von uns selbst überprüft wird. Wer einen Irrtum erkennt, den er sehr wahrscheinlich schon lange begangen hat, sollte deshalb immer eine Zeit lang schweigen.




*So, wie der erste Akt der Zugehörigkeit zum Volk Gottes die Taufe ist.

**Darauf bezieht sich der Wortlaut des 4. Gebots, das dem "Du sollst Vater und Mutter ehren" anfügt: "auf daß Du lange lebest und es Dir wohlergehe auf Erden"

***Aus diesem Grund findet sich im Stammbaum Jesus Christi, der in den Evangelien immer wieder angeführt wird, keine (sic!) biologische Abfolge dargestellt (Männer und Frauen wechseln, manche gehören im "biologischen" Sinn von "biologischer Abstammung" sogar nicht einmal zum Haus Davids), sondern es ist die beweisende Rückführung auf den Geist des Vaters! Der von Generation zu Generation weitergegeben wurde. Nur dort, wo dies der Fall war, ist auch die "Abstammung" und die Tradition ungebrochen.

³Die Abwesenheit dieses Ja in seiner gottgewollten, wesensgemäßen Ordnung (die mit der Ehe definitiv begründet wird) macht die Frage nach der Gültigkeit von Ehen im Zeitalter der "Gleichberechtigung"  so brisant. Denn es erhebt sich nicht nur die Frage, ob solche Ehen überhaupt noch gültig sind, sondern es macht die Ehe selbst in ihren Grundfesten unsicher.




Sonntag, 19. Mai 2013

Vater ist Geist

Vaterschaft ist nicht einfach das physische Präsentsein des leiblichen Erzeugers. Schon aus der Natur des menschlichen Werdens wird seine geringe physische "Nachweisbarkeit" deutlich. Pater semper incertae heißt ein alter Rechtsgrundsatz. Und er verweist das Wesentliche des Vaterseins: als Position des Geistes.*

Wenn der Vater diese Aufgabe nicht erfüllt, ist er seinem Kind - selbst bei physischer Präsenz - nicht mehr Vater. Ist wie heute so häufig ein Zusammenleben mit der Frau (die heute zur Untreue per se neigt, ja von den Gesetzen dieser Länder definitiv dorthin getrieben wird) nicht möglich, unterbindet die Frau diese Stellung des Vaters, so ist es sogar besser, der Vater geht (physisch), um das "Vatersein an sich" wenigstens als erhaltenes Bild zu belassen - im von den zurückgelassenen Kindern gefühlten Mangel.**

Sohnschaft (als Wesensbegriff für physische Söhne wie Töchter angewandt) ist umgekehrt keine physische Eigenschaft, die einem ohnehin anhaftet. Sie ist im Nennen "Du bist mein Sohn!" eine Anforderung, im Gehorsam den Geist zu atmen, um aus ihm sein Leben zur Würde zu führen.*** Sie braucht aber den Gegenschritt, der Annahme des Vaters. Nur so wird Geist im Menschen überhaupt lebendig. "Irgendeines" Vaters? Nein. Denn die physische Aktualität des Vaters ist die Bedingung der Trägerschaft von Geist, ist der Geist, auf den hin Kinder verwiesen sind, deren Dasein in der Welt nicht abstrakt denkbar ist, sondern immer ein "Hinein", ein Hinein in eine konkrete Situation bedeutet. Der physische Teil spielt nur dahingehend eine Rolle, als diesem zugewiesenen Vatersgeist auch gewisse Talente und Anlagen leichter entsprechen können, und damit zur Vollgestalt kommen. (Weshalb es tatsächlich für Töchter selber leichter ist als für Söhne, adoptiert zu werden.)

Die Frau, die den Mann bzw. Vater bekämpft, weil sie ihm die Gefolgschaft verweigert, die Bereitschaft diesen Geist als Haupt anzunehmen, die also ein anderes Haupt gewählt hat und wählt, wird deshalb immer dessen Geist bekämpfen, in der Verleumdung als ihrer wirksamsten Waffe.

Übrigens, so nebenher gesagt: Darin liegt die nachweisbare (und unverstandenerweise "beklagte") Tatsache begründet, daß getrennte Väter sich mit dem Zerbrechen der Ehe und Familie nicht mehr um ihre Kinder kümmern. Mit der Ehescheidung aber ist ihre Stellung zerbrochen, und damit das Wesen des Vaterseins. Die "Spiel- und Sorgeväter", die sich wie weibische Schwämme auch später über ihre Kinder ergießen, richten nicht nur enormen Schaden an, sondern sie zerstören das eigentliche Vatersein FÜR DAS KIND.****

Schon aus dem Grund ist die "geteilte Obsorge", die die Gesetzgeber als so fortschrittliche und gute Lösung einführen, alles andere als "im Kindeswohl", denn sie ist eine Aporie, die das Kind aber in manifest Schizoidität festnagelt: Es darf sein Fühlen noch weniger zu Bewußtsein bringen, findet überhaupt keine Gründe mehr, die es legitim vertreten könnte. Die Praxis zeigt das auch, denn diese "geteilte Obsorge" funktioniert genau dort nicht, wo es um Vaterschaft geht. Sie funktioniert nur dort, wo sich beide Elternteile das Wesentliche der Erziehung ohnehin ersparen, auf Kosten des Kindes. Es gibt keine a-hierarchisch geteilte Obsorge, es gibt kein Vatersein ohne Gesamtverantwortung. Und es gibt keine Verantwortung ohne die Macht das Verantwortete zu gestalten.

Daß das nicht mehr zu Wort kommt hat einzig den Grund in bösartigen Absichten, die die Lüge um jeden Preis aufrechthalten wollen. Um JEDEN Preis.



*Der "neue Vater" ist also eine verabscheuenswürdige Verirrung, weil er das Wesen des Vaterseins verrät, den Kindern den Vater auf perfide, schizoide Weise (denn die physische Präsenz täuscht damit, sie lügt, entmachtet aber den gefühlten Widerspruch und Mangel im Außen) vorenthält. Weil sich der Mann damit einfach der Bürde enthebt die Vaterschaft bedeutet, sich seinen egoistischen Glücksgefühlen hingibt.

**Natürlich nicht die vollkommene, aber die bessere Lösung. Denn die Gestaltwerdung der Kinder muß der realen Gestalt entbehren, der "Bewegung", aus der die Ergreifung der eigenen Gestalt, aus dem Geist heraus, erschwert wird.

***Das Wesen der Adoption ist kein Firlefanz des Ehrgeizes oder Mitleids, sondern trägt darin seine Wurzel. Die Adoption ist die eigentliche Kindesschaffung durch die Benennung "Du bist mein Sohn, meine Tochter!" Sie ist vielmehr die für jeden Sohn (Tochter) notwendig zu setzende Schritt. Ohne diese Initiation sind Kinder nicht Kinder ihres Vaters. Es hat deshalb zu allen Zeiten und in allen Kulturen den entscheidenden und expliziten Schritt benötigt: daß der Vater ein Kind als seines annahm.

****Man beachte in diesem Zusammenhang einfach, welche Bedeutung der "Name" für das Kind (und, praktisch, für die Frau) hat. Kinder, die meinen sich von ihrem Vater lossagen zu können, Frauen, die den Vater ablehnen, sollten wenigstens die Ehrlichkeit aufbringen, dessen Namen abzulegen, den sie mit fremden Inhalten füllen und deformieren. Ohngeachtet der Folgen sei dies gesagt, die den Namensableger eben treffen, der sich seiner eigenen Wurzeln entledigt. Daß sie dies in der Praxis aber so gut wie nie tun zeigt aber ohnehin etwas anderes an: daß der Geist desjenigen sehr wohl gewollt wird, und sei es um des reinen Besitzes willen

Daß Mönche bei Eintritt in ein Kloster einen neuen Namen annehmen, hat genau darin seinen Sinn und Inhalt: Sie trennen sich von ihren Wurzeln, um sich neu gebären zu lassen, aus anderem Geist, geboren aus der Anarchie des wirklich Neuen, der neuen Sohnschaft, des Vaters aller Väter. (Weshalb das Gesagte auch im weitesten Sinn für Künstler, für alle "Herausgenommenen" gilt.) Und NUR so - wenn - könnte man dem Irrsinn entgehen, der der Vaterlosigkeit (als Ablehnung des Vaters - die Frau betreffend beachte man dabei die strukturelle Wahrheit des Medea-Mythos) zwangsläufig auf dem Fuß folgt.





*190513*