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Freitag, 20. Mai 2011

Christentum macht schlechte Kunst nicht besser - II

Teil 2) Ist Hollywood wirklich tot, und warum? - Nur schöne Künstler machen schöne Filme

Barbara Nicolosi, Drehbuchautorin in Hollywood, in ihrem Blog:

My opinion is that we have nearly lost the ability to tell a good story. Part of this is the loss we are seeing in all the art forms, which I think has something to do with the loss of rigor and discipline that is the doorway to the beautiful. Also, I think a lot of the artistic impulses in our time have been drowned in Ritalin and Prozac. Finally, I think the urge to make something beautiful comes from a sense of gratitude and immortality. In our culture, both those values are ever more quaint.

When we consider the Church, nothing is clearer than that we seem to have proudly cast off the beautiful as an elitist throwback to a less enlightened time. In the Church, we spurn the beautiful in favor of egalitarianism, politics and utility. I have had priests tell me that they can’t afford to ensure beautiful music for the liturgy, or else that beautiful music is relative, or that beautiful music is less important than in making Doris and Stan, the untalented but warm-hearted music ministry folks, feel appreciated. After the terrible music, the next most egregiously bad practiced art from in the Church today is oratory. Too many of our pastors seem to take it as a point of pride that their homilies have nothing of the basics of a good speech about them. Far from making our hearts burn within us, most homilies today leave the faithful’s brains burning with indignation. I’m waiting for people to finally crest with all the banality and start shouting back at the pulpit.

In Hollywood, storytelling has been lost mainly due to the fact that movies are seen first as commercial products and second as whole, harmonious and radiant stories. There is no change to any part of a story that today’s studio wont make to please an egomaniacal actor or director. There is no part of a movie too sacred not to be cheapened by product placement. There is no overarching theme that can survive the endless tinkering of producers trying desperately to bring the project in on time and under budget. The only real future for good storytelling seems to be outside the studio system. It’s sad, but I think Hollywood’s days of having access to the imagination of the world are gone.



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Donnerstag, 19. Mai 2011

Christentum macht schlechte Kunst nicht besser - I

Auf nachfolgende Dame stieß ich zufällig - als ich die Aussendung eines katholischen Nachrichtendienstes, die ich schon lange Zeit ignoriere, doch wieder einmal öffnete. Da las ich den "Aufruf" von Barbara Nicolosi, es sollten sich Katholiken doch auch mehr in Hollyood engagieren.

Nun zeichnen sich "katholische Künstler" und v. a. deren Rezeption in "katholischen Kreisen" dadurch aus, daß sie entweder meinen, es genüge "katholisch" zu sein (und in jedem zweiten Satz den Papst zu zitieren), um auch ein guter Künstler zu sein, oder sie werden von Nachrichtenmedien aller Schattierungen deshalb "angehimmelt", weil sie bei einem Popkonzert ein T-Shirt mit "Jesus loves You" trugen und nach ihrem profanen Gelage im Fernsehintervie gesagt haben, daß sie auch schon mal beten. Nichts anderes habe ich also von Frau Nicolosi erwartet, die Mitglied in unzähligen Gremien und Komittees (darunter auch vatikanischen) ist und mit Preisen und Auszeichnungen zwar überhäuft wurde, von denen die meisten aber irgendetwas wie "catholic" oder "christian" im Namen führen. Und das macht skeptisch, vor allem, wenn man die amerikanische Art des naiven, fast aggressiven Optimismus dazudenkt. Aber irgendetwas ließ mich auf knappe Jubelmeldung - "Seht, jemand ignoriert uns nicht!" - doch näher recherchieren, und sieh da ...


Teil 1) Kein Mensch hat etwas gegen Christen im Film - sie sollten nur bessere Kunst machen!


Nach neun Jahren in einem Kloster, trat Barbara Nicolosi wieder ins normale Leben zurück, ging nach Hollywood, stieg ins Filmgeschäft ein, wo sie sich zehn Jahre erfolgreich herumtrieb, eine Reihe von Drehbüchern schrieb, und aus ihren Erfahrungen heraus die Filmschule "Act One" gründete. Zudem war sie Mitherausgeberin an dem Buch "Behind the Screen: Hollywood Insiders on Faith and Culture".

Barbara Nicolosi
Darin wird u. a. die These vertreten, daß Hollywood zwar eine lange Geschichte christlicher Filme hätte. Dennoch sei die Kluft zwischen christlichen Vorstellungswelten und der Produktionswirklichkeit in Hollywood heute oft beträchtlich. Wobei die Antwort vielfach bereits gegeben sei wenn man betrachte, daß die aktuell besten christlichen Filme (Zitat) keineswegs von christlichen Filmemachern gemacht worden wären - wie "Herr der Ringe" (Lord of the Rings), "Die Stunde des Siegers" (Chariots of Fire) oder "Die Verurteilten" (The Shawshank Redemption). Dafür schlagen sich sogenannte christliche Filmemacher mit "Dreck" (wörtlich auch auf amerikanisch: dreck) wie "Omega Code" herum, ein Film, der einfach als Film schlecht sei.


Vier Hauptprobleme hätten christliche Künstler in Hollywood, schreibt sie: Da sei erstens ein Mangel an künstlerischer Qualität sowie eine Fehleinschätzung der speziellen Wirkmechanismen im  Film. Zweitens fehle es am nötigen Respekt vor der professionellen Qualität und den Standards der Branche. Drittens hätten viele kein Netzwerk Gleichgesinnter, das auch über die Möglichkeit verfügte, neue Leute ins Geschäft zu bringen. Viertens fehle es an substantieller christlicher Spiritualität und Lebenshaltung, die der spezifischen künstlerischen Berufung in seinen Eigenheiten auch eine adäquate Antwort zu geben imstande wäre.

Die rein beruflichen Probleme, die sie anführt, sind also von denen anderer Geisteshaltungen überhaupt nicht unterschieden. Einzig die Frage der Seilschaften ist schwierig. Aber eventuell aus ganz anderen Gründen, als oft angenommen. Hollywood ist nämlich keineswegs "christenfeindlich", sagt Barbara Nicolosi. Ja, sie schreibt sogar:

I realized coming here that it's not that Hollywood was persecuting the Church as much as it was the Church was committing suicide in Hollywood. Big difference. So I basically wrote an article about it to this effect that Hollywood wasn't anti-Christian as much as it's anti-bad art, and we're just giving it schlock
(=Schund).

Es gebe also, meint sie in einem Interview in der vergangenen Woche, keinen Grund für katholische Filmemacher, sich nicht in Hollywood zu versuchen. Vielmehr sollten diese sich viel aktiver einmischen. Zuvor aber - das Handwerk erlernen.

Act One ist eine (zumindest lt. Homepage) beachtliche Ausbildungsstätte, aber auch eine Art Produktionspool und auch -firma für christliche Filmemacher und -projekte. Our vision is to produce cinema and television that respect and serve the global audience, combining mastery of craft with depth and substance. Our emphasis is on transforming the content of Hollywood entertainment and the culture that produces it. Barbara Nicolosi war u. a.  beratend an "Die Passion Christi" (Mel Gibson) beteiligt.  2012 wird Barbara Nicolosi bei MGM die Realisation ihres Drehbuches zu einen Film über die Gottesmutter Maria - immerhin mit Al Pacino und Peter O'Tool - erleben.

Das Blog dieser Dame findet man übrigens am selben Host wie dieses Blog. Ob ihr Optimismus in seiner penetranten amerikanischen Art, der auch vorkommt - man solle doch das Medium für christliche Botschaften nutzen, etc. etc. - freilich Substanz hat, das zu beurteilen sei dem geneigten Leser dieser Zeilen überlassen. Auch die Antwort auf die Frage, was denn "christlicher Film" überhaupt sei.

Immerhin aber findet sich dort eine weitere bemerkenswerte Stellungnahme - die Dame dürfte also künstlerisch Substanz haben, dürfte wissen, wovon sie (beim Film) spricht.


Morgen, Teil 2) Ist Hollywood wirklich tot, und warum? - Nur schöne Künstler machen schöne Filme



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