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Samstag, 20. August 2022

Gedankensplitter (1431)

Man kann mit Fug und Recht mit Robert Spaemann sagen, daß der heutige Mensch in Jean Jacques Rousseau seinen Protototyp hat. Nahezu seine gesamte Philosophie kann als Schale herangehzogen und mit den heute landläufigen und dominanten, auch "wissenschaftlichen" Anschauungen befüllt werden -es wird nahezu kein Rest mehr bleiben. Keine Leerstelle, und kein Rest. Es deckt sich verblüffend.

Offenbar dauert es also 200 Jahre, bis sich eine Philosophie verallgemeinert. Auch wenn das kein Automatismus ist, sondern wiederum ganz bestimmten (persönlichen!) Motivkämpfen unterliegt, so kann bei den Ieen von Rouseau doch gesagt werden, daß sie so fundamental in die menschliche Psyche eingreifen, daß sie tatsächlich "weltbewegend" waren, und diees Kultur zutiefst durchwirkt haben. 

Sonntag, 14. August 2022

Sein wie Gott

Das Problem des Subjektivismus als der Heranziehung des persönlichen "Fühlens" als Grundlage der persönlichen Entscheidungen ist kaum nochzu übersehen und sowieso nichtzu unterschätzen. Fast alles, was wir heute vor Augen haben, ist darauf zurückzuführen. 

Es erkennt nicht, daß die persönliche Entscheidungsgrundlage aus dem Zusammefließen aller möglichen Elemente und Strebungen im Menschen entsteht, die ihren jeweiligen Vorrang aus quasi zufälligem Vorrang der einen oder anderen Strebung bezieht.

Sonntag, 31. Juli 2022

Gedankensplitter (1426b)

Zum Abschluß noch ein Punkt in der Reihe der vergangenen Hüftschüssse, und das ist der der Ungelöstheit des Problems der Kultur überhaupt. Gatto et al. setzen still voraus (und wir dürfen zurecht vermuten, wo die Gründe dafür liegen - sie sind in Richtung Neid, Unzufriedenheit, Verletztheit, Invertiertheit usw. zu suchen) daß diese Kulturformen in sich unsinnig, zufällig, also unbedeutend und lediglich illegitim interessengesteuerte Unterdrückungsmechanismen sind. 

Woher das Menschenbild kommen soll, das den Menschen SO sieht, kann gleichermaßen vermutet werden. Der Realität entspricht es nur dort, wo das Menschsein bereits in seinem Scheiterern ist. Sodaß es eine "Möglichheit zum Bösen" bleibt, ohnd deshalb das Prinzip der Welt ZU SEIN! Denn das Gute an der Welt ist, daßsie Schöpfung ist, und damit in ihrer eigentlichen Natur, die es aber erst in Gestalt zu bringen gilt, und das ist Erziehung, zur Wirklichung kommt.

Samstag, 30. Juli 2022

Gedankensplitter (1426a)

Der New Yorker "Pädagogik-Rebell" John Taylor Gatto (1937-2018) meinte einmal, daß er die Erfahrung gemacht habe, daß das amerikanische Schulsystem durch die Praxis, mit der Abschlüsse und Diplome zu erwerben sind, bewirkt hat, daß er laufend auf Absolventen treffe, die schon durch ihre gesmmelten Titel in hohe und höchste Positionen gelangen und unendliche Vorteile am Arbeitsmarkt haben, in Wirklichkeit aber selbst von ihrem studierten Fach absolut keine Ahnung haben. 

Das einzige was sie gelernt haben ist, solche multiple choice-Tests auszufüllen. Und diese sind als Leistungsmesser grotesk. Weil sie schon aus ihrer Natur heraus nahezu jeden "qualifizieren", der nur halbwegs weiß, wie man sie ausfüllt.

Eingeführt wurden sie, um quasi neutrales, rein auf Leistung zentriertes Abprüfen der Fähigkeiten eines Kandidaten zu ermöglichen. Darin zeigt sich also bereitrs ein technizistischer, funktionalistischer Begriff des Wesens der Welt als Summe von je vereinzelbaren, für sich stellbaren Funktionen. 

Die Realität schaut dann so aus, daß von vier Wahlmöglichkeiten (Standard bei solchen Tests) zwei ganz offensichtlicher Unsinn sind. Jeder, der nur halbwegs einen Bleistift bedienen kann, kann das erkennen. Bleiben also noch 50 Prozent der Möglichkeiten übrig. Wenn nun noch ein Funke von Hausverstand besteht, ist die Wahrscheinlichkeit, daß man sie mehrheitlich "richtig" ankreuzt so hoch, daß ein Durchkommen nahezu garantiert ist. 

Sonntag, 24. April 2022

Der Lohn des Priesters auf unserem Tisch (2)

Diese Wahrheit ist in allen Völkern und zu allen Zeiten wenigstens in einem bestimmten anfanghaften Beginnen auch noch mehr oder weniger erinnert worden. Vor zehntausend Jahren ganz gewiß noch mehr als nach dem Wiederbeginn nach der Sintflut, seither aber wieder deutlich abgeschwächt und immer schwcher werdend. In gewisser Hinsicht können wir also sagen, daß wir es heute deutlich schwerer haben, als unsere Vorfahren vor 4.000 Jahren. Die sich noch besser erinnern konnten, so könnte man es ausdrücken. 

Während wir uns immer schwerer tun. Umso schwerer, als wir einen Stoß gegen die Erinnerung erlebt haben, indem vor zwei-, dreihundert Jahren in einem massiven und sehr praktischen, realen Vorgang die Tradition abzureißen versucht wurde.

Ein Vorhaben, das in den letzen zwei Generationen eine Dynamik angenommen hat, die schon Menschen wie mich, den Geburtenjahrgängen der ersten 1960er-Jahrgänge zugehörig, eine Zeit, deren Menschen noch in "zwei Welten" standen - in der alten wie in der revolutionären, also das Vorhandene niederreißenden neuen - die also noch uns heute 60jährigen und Älteren immer deutlicher bewußt wird, je mehr wir uns der eigenen Schwelle zum Tode nähern.

Samstag, 23. April 2022

Der Lohn des Priesters auf unserem Tisch (1)

Das Opfer, das die Priester Gott darbringen, nahm sienen ausgangspunkt am Paschah-Fest, das in Jesus Christus alle vormals noch "rein menschlichen" Handlungen zum innertrinitarischen Geschehen erfüllten, im Selbstopfer der zweiten göttlichen Person, dem Gottessohn Jesus Christus, wahrer Mensch und wahrer Gott. In ihm findet sich nicht nur Menschheit und Gottheit unlösbar verbunden, sondern der Akt des Opfers vor Gott - zur Sühne und damit Süändentildung, zur Besänftigung hinsichtlich der Gerechtigkeit, die auch Strafe bedeutet, zum Lob, zum Dank, zur Bitte - nimmt die Schöpfung selbst (über den Menschen, der zusammenfassender, krönender Teil dieser Schöpfung ist, in dem sich nämlich alles irdisch Geschöpfliche wiederfindet - ist in das innertrinitarische Geschehen hineingeholt worden.

Im Osterfest wird dieser die Menschheit erst erlösende Akt, der in einem Durchbrechen des Zeitlichen, in einem definitiven Einbruch des Ewigen geschehen ist (also geschichtlich wurde), neu in die Gegenwart geholt. Solcherart, wird das Opfer vor Gott zu Ostern je neu geschichtlich GESTIFTET. Und kann sich nunmehr zum Geschichtlichen selbst ausrollen, wie es im Jahreskreis, in den die gesamte Natur, von den äußersten Sternen bis zum kleinsten Korn sich gliedert, dann geschieht. In dem die Welt zu Ostern beginnt (die Zeit des ersten Frühjahrshalbmondes ist für die Menschen seit je der Beginn des Jahres gewesen), aus dem (irdischen) (Tode heraus ins (irdische) Leben eintritt, sich zur Fruchtbarkeit steigert, die in der Ernste den gesamten Jahreskreis nährt, um dann in der Vorbereitung auf die lange Nacht des Winters den Zyklus zum Christkönigsfest, das ist der letzte Sonntag vor dem 1. Adrentssonntag, zu vollenden.

Montag, 26. Juli 2021

Eine seltsam gewordene Welt

Es war ein maßgeblicher Funktionär des öffentlichen Lebens (das nur noch Funktionäre kennt, denn schöpferische Gestalten gibt es nicht mehr), der sich in einer der zahllosen Fernsehdiskussionen wahrhaftig in Rage redete. In der er deutlich spürbar nur noch Zentimeter vor körperlicher Gewalt stand, der, wer immer noch im Studio war zum Opfer fallen hätte können. Worum ging es?

Es ging um die angebliche Verantwortungslosigkeit (und wörtlich) Unmoral jener Mitbürger, die sich NICHT einer der an allen Ecken und Enden aufgedrängten Corona-Impfungen anheimstellen wollten. Es ging um die sogenannten Impfgegner und Corona-Leugner, dieser Menschengruppe, die als Verbrecher zu kategorisieren längst zu etablieren versucht wird. Dazu meinte dieser Funktionär Folgendes:

Dienstag, 13. August 2019

Frog boiling - Umprogrammierung zur Diktatur (2)

Teil 2) Freiheit außer für die Feinde der Freiheit


Wörtlich meinte er, daß es darum gehe, "die Menschen umzuprogrammieren". Damit könne verhindert werden, daß weiter reaktionäre oder faschistische Positionen verteidigt würden. Wer solche Meinungen vertrete habe kein Recht auf Rede-, Meinungs- oder Pressefreiheit, denn diese Menschen stellten sich dem gesetzmäßigen Gang der Geschichte (Hegel, Marx) entgegen. Erst am Ende der Geschichte stehe ein Zustand wahrer Freiheit. Dann könnten auch alle Restriktionen wieder aufgehoben werden. Wenn alle somit gleich = fortschrittlich, "gut" dächten.

Diese Haltung hat eine lange Tradition, und wenn sie sich auch erstmal so explizit bei Rousseau findet (wir haben an dieser Stelle bereits darüber geschrieben, daß Rousseau persönlich wie in seinen Schriften auf verblüffende Weise ALLES vorwegnimmt, was wir als "heutigen, modernen Menschen" sehen), so hat sie ihre realen Wurzeln in der Französischen Revolution, ihr Vorbild im Tugendterror der Jakobiner, die das Volk der Franzosen zu einer "guten Gesellschaft" umbauen wollten. Die Freiheit des Bürgers ist minderwertig, verglichen mit der hochwertigen Freiheit, die im Zustand der vollendeten Utopie vorhanden sein würde. Das war der Freibrief, um tausende und abertausende aufs Schafott zu schicken. Denn irgendjemand mußte natürlich bestimmen, wer der "Feind der Freiheit" auch ist. Und das bestimmte die neue Moral-Elite. Freies Rederecht galt dabei nur für die eigenen Leute.

Parallel zu dieser Bewegung, die sich im Zuge der 1968er manifestierte (die, wie wir mehrfach schon betont haben, in ihren Anfängen einen wahren Kern hatte, der aber dann von der Linken okkupiert wurde), setzte die systematische Verfolgung aller Nicht-Linken ein. Durch Verleumdungen und Druck, der ihre "Unmoral" beweisen sollte, die ihnen jedes Recht auf Mitsprache und -gestaltung absprach. Als Marcuse merkte, was er da initiiert, wozu er da die theoretische Grundlagenarbeit geleistet hatte, wollte er zurückrudern - und wurde selbst zum Opfer dieser längst etablierten Meinung.

Wir haben es seit zwanzig Jahren ganz deutlich mit einer Klassenherrschaft zu tun, sagt Weißmann. Einer Herrschaft derjenigen, die über die Medien verfügen und alle zum Verstummen bringen, die andere Positionen als sie vertreten. Dabei geht es um viel Geld, um Macht, um Geltung. Einer Schichte, die abgesehen von Meinungsmache nichts können und deshalb umso verbissener auf dieses Herrschaftsinstrument setzen "müssen", wollen sie ihre Positionen halten. Im Zusammenspiel mit der Politik, die ähnliche Voraussetzungen hat, hat sich mittlerweile ein medial-politischer Komplex gebildet, wo Staat und Zivilgesellschaft Hand in Hand arbeiten und ein Machtinstrumentarium geschaffen haben, das auf herkömmliche Diskursbedingungen - Demokratie! - insofern verzichtet, als sie sich immer dreister im Recht sieht, im Nahem der höheren Moral (unter Mißbrauch von Begriffen wie Menschenrechte, Vielfalt, Humanität etc.) jeden institutionellen politischen Weg auszuschalten und zu übergehen. 

Mit großem Erfolg hat sie so der Mehrheit der einfachen Bevölkerung jedes Mittel aus der Hand genommen, ihre Ansichten zur Geltung zu bringen, wollen sie nicht als die "öffentlich Geächteten" dastehen. Aber anders als Marcuse, der aus seinen Zielsetzungen nie ein Hehl machte, werden die Ziele dieser Machteliten verborgen und verheimlicht. Sie treten unter scheinbar rein "sachlichen" Geboten auf - die Klimarettung sei einmal mehr genannt, die sich zum wahrlich bedrohlichen Hebel entwickelt hat, die jede demokratische Institution mittlerweile überrennt und übergeht, nur noch als posthoc-Rechtfertigung heranzieht, sofern das nützlich ist.  

Einer der Proponenten dieser Entwicklung, Jürgen Habermas, hat schon 2015 öffentlich geäußert, daß man systematisch an der "Entthematisierung" aller jener Themen arbeiten müsse, die "die Rechten" (und mit diesen ein großer Teil der Bevölkerung) als Thema betrachte. Keine Diskussion über die Selbstzerstörung Europas, keine Diskussion über Zuwanderung, wachsende Kriminalität, Verfall der inneren Sicherheit, keine Diskussion über demographische Entwicklung, und keine Diskussion über Dekadenz. Thema um Thema aus dem Wertekreis der "bürgerlichen Mehrheit" wurden auf diese Weise aufgestellt und der Normalbürger regelrecht von Denkverboten umstellt. In denen eine zu habende Meinung herrscht, die sämtlichen seiner bisherigen, ja man muß sagen: sämtlicher seiner natürlichen Regungen widerspricht. 

Habermas hat rascher als Marcuse begriffen, daß das offene Reden über Revolution, Sozialismus in unserer offenen Gesellschaft kaum zum Ziel führen wird. Deshalb wurde unsere Gesellschaft auch umdefiniert, zu einer "entgegenkommenden Kultur" (die in Wahrheit eine gegen revolutionäre Bestrebungen wehrlose Gesellschaft ist)** umbenannt, die ausdrücklich der eigentliche Sinn des Grundgesetzes sein soll. Dahinter aber verbirgt sich etwas ganz anderes, das durch "richtige (aber umgedeutete) Begriffe" noch mehr verdunkelt wird. Denn wer wollte sogar dagegen etwas sagen, daß sich Gemeinwohl nur unter Herstellung eines "allgemeinen, deckungsgleichen Bewußtseins" erreichen lasse? Der Haken liegt freilich in der "Herstellung". 

Jede Zulassung tatsächlich kontroverser Meinungen im öffentlichen Raum sind auf diesem Weg eine Machtminderung und Verhinderung. Sie müssen deshalb unterbunden werden. Und tun es heute enorm effektiv durch vorgegebenen "Zeitdruck": Ein Problem (Klimakatastrophe) sei so drängend, daß keine Zeit mehr bestünde, es auch noch kontrovers zu diskutieren, andere zu überzeugen. Vielmehr sei es im Sinne effizienter Problembewältigung angebracht, jeden verzögernden Effekt, jeden Störenfried auszuschalten. 

Ein öffentlicher Diskurs aber, der Teile der Bevölkerung ausschließt, ist gar kein öffentlicher Diskurs mehr. Was Habermas selbst so ausgedrückt hat, trifft heute zu. Er selbst hat es freilich nur in den 1960ern formuliert, als sich die Linke noch in einer Minderheitenposition befand. Heute hat man die Position deshalb gewechselt. Die Rede der Linken von "mehr Toleranz", "mehr Freiheit", "mehr individueller Selbstbestimmung" muß deshalb als das benannt werden, was sie ist: UNREDLICH. Sie soll nur der Linken dienen, mißliebige Meinungen, sofern sie noch bestehen, zu überlagern und zu verdrängen und letztlich zu verändern. Hier werden lediglich Machtverhältnisse verschleiert. Und das ist keineswegs neu. Es ist Teil der Machtstrategie der Linken, seit es sie gibt. Und das heißt: Seit tausenden von Jahren. Als Subversionsstrategie gesellschaftlicher Minderheiten, mit der sie die Mehrheiten unterminieren und letztlich überwinden möchte.

Deshalb braucht die Gegenwehr gegen solche Subversion auch ein "hartes Gesicht". Es braucht Mut und Entschlossenheit, sich gegen etwas zur Wehr zu setzen, das mit geschickter schizoider Taktik dazu führen soll, Tatsachen zu schaffen.






**Hier offenbart sich einmal mehr die fatale Grundschwäche liberaler Gesellschaften. Die nur unter Rückgriff auf bestehende Wertegefüge "funktionieren", und nur so lange - und ansonsten hilflos sind, und Angriffen auf sie nur mit Willkür begegnen kann. "Keine Toleranz den Intoleranten" ist einer der dafür so typischen Leitsprüche, die mit der Schwammigkeit der Begriffe operieren, die eine wirkliche diskursive Verankerung gar nicht möglich machen. Sondern zum Gegenteil in der bloß subjektiven Vorstellung von geglücktem Leben gründen - also sich derselben Grundlage bedienen, wie es ja auch die Linken tun, ohne das aber wirklich abgrenzen zu können, weil das Menschenbild dahinter völlig identisch ist.


Montag, 12. August 2019

Frog boiling - Umprogrammierung zur Diktatur (1)

Das Interessanteste dieses Vortrages des Historikers Karlheinz Weißmann (dessen Buch über den Nationalsozialismus wieder einmal empfohlen werden soll) kommt gleich zu Beginn. Wenn er sechs historische Zitate vorträgt, deren Urheber wie so oft überraschen. Aber ein wunderbares Beispiel dafür geben, auf welchem moralischen, geistigen Konsens diese unsere Gegenwart aufgebaut worden war. Ein Konsens, eine Gemeinsamkeit der grundlegenden Haltungen, die eine demokratische Auseinandersetzung überhaupt erst sinnvoll machen.

Weil sie Demokratie niemals als Machtkampf von Denkweisen begreifen und begriffen haben, die der gerade per Volksentscheid herrschenden Mehrheit die Möglichkeit gibt, Entscheidungen zu treffen, die außerhalb eines von allen (!) mitgetragenen Konsens über Lebensweise und Haltungen liegen. Josef Pieper weist ja einmal darauf hin, daß unsere Demokratien sich auf einem gefährlichen Weg befinden. Wo die Diskursgemeinschaft sich zu einer Gewaltgesellschaft entwickelt hat, wo jeweils die einen über die anderen herrschen und sich auch gegen die Haltungen der Minderheiten hinwegsetzen zu können meinen. Dies hat heute zur aktuell massivsten Gefahr geführt, die bereits so gewöhnlich wurde - Stichwort: "frog boiling"* - daß wir sie gar nicht mehr als Außergewöhnlichkeit bemerken: Wo eine Gruppe die andere mundtot macht, und es niemandem mehr auffällt, daß es sich hier um eine strukturelle Verschiebung der Gewaltlegitimation handelt, in der eine neue Privilegiertenschichte entstanden ist, die mehr darf als andere. Und im besonderen die Legitimation an sich reißt, sämtliche Meinungslandschaften und -ebenen zu kontrollieren.

Die sachlichen Grundlagen, auf die die Zitate verweisen, haben heute unverändert Gültigkeit, sie sind im Absoluten verankert. Verändert hat sich nicht die Sache somit, sondern das Irrationale, die emotionale Haltung dazu. Die heute als skandalös sieht, was vor gar nicht so langer Zeit allgemeiner Konsens der Geister aller Richtungen war. Die vor allem aber eines einte: Die Verwurzelung in Geschichte und Substanz des Lebens des Volkes, dem sie entstammen. Darunter sind nicht wenige Personen, die in der Zeit des Nationalsozialismus selbst verfolgt worden waren - und dennoch heute als "rechtsradikal = nationalsozialistisch" verunglimpft werden. Von Menschen, die nicht die geringste Ahnung haben, was dieser überhaupt bedeutet und wie er sich konkret darstellte.

Aus dieser Unkenntnis heraus ist es nur ein kleiner Schritt, eben dieselben Wege der Nazis zu beschreiten und sich "dennoch" davon verbal zu distanzieren! Das ist das große Gefahrenmoment der Gegenwart, in der ausgerechnet jene Kreise mit dem Totschlagargument "Rechts/Nazi" flink bei der Hand sind, die exakt die gleichen Wege wie diese beschreiten, um - wie diese - die Welt zu retten und ihrer Utopie zugeformt "besser" zu machen. Wir stehen aber kurz davor, genau dort zu landen, wo wir angeblich "nie mehr wieder" sein sollten. Die Korpora sind dieselben, nur die Etiketten sind vertauscht. Und mehr als begriffsleere Etiketten bietet der gegenwärtige Diskurs ja auch nicht mehr.

Weißmann kann sich - wie wohl viele von uns - aber noch daran erinnern, wie vor wenigen Jahrzehnten das oft kontroversielle Spektrum der Weltanschauungen und Haltungen zu keinerlei Entzweiung dahingehend geführt hatten, daß man nicht mehr "miteinander redete". Vielmehr herrschte ein Klima des "Dauerdisputs", ob an den Küchentischen oder bei Klassenfahrten. Man wußte, wer wie dachte, und das war es dann auch schon. Der alltägliche Lebensvollzug war davon kaum betroffen. 

Das ist heute anders. Heute sieht sich sogar die eine Gruppe dazu berechtigt, ja verpflichtet, "erziehend" auf die andere einzuwirken. Denn wer nicht an ihren Auffassungen teilhat, der hat gar kein Recht mehr, in dieser Gesellschaft zu leben, geschweige denn seine Meinung zu vertreten oder sie so zu bilden, daß sie nicht der gesollten Ansicht entspricht. Es wird unter das Diktum der Soll-Moral, der political correctness gestellt, die keine abweichende Haltung mehr zuläßt - auch mit Gewalt, ja mit Hilfe entsprechender Gesetze. Etwas, was vor dreißig, vierzig Jahren undenkbar gewesen wäre. 

Das hat interessanterweise in breiten Teilen der Bevölkerung dazu geführt, daß viele Menschen das Gefühl haben, "daß etwas nicht mehr stimmt". 41 Prozent der Deutschen sehen das Umfragen gemäß auch tatsächlich als "neu" und meinen, daß es etwas mit political correctness zu tun hat. 

Betrachtet man diese genau, so stellt sie sich als andere Form des marxistischen Kampfes um die Gesellschaftsherrschaft dar. Dabei hat man sich der Minderheiten bedient, die das Vehikel sind, um die Mehrheitshaltungen zu verändern und zu zerstören. Denn im "Dienste" dieser Minderheiten und deren "Benachteiligungen" ist auch Gewalt legitim, und die von dieser Gewalt Betroffenen werden mundtot gemacht. Das revolutionäre Grundkonzept ist alt und gleichgeblieben: Über eine "vorübergehende" Phase der Unfreiheit (für die Mehrheiten) soll der Zustand der Freiheit "für alle" erreicht werden. 

Dabei stellten sich die Vorreiter dieser Strategie - die Frankfurter Schule (Marcuse, Adorno etc.) sind dabei zu nennen - nicht eine Diktatur einer Kaderpartei nach altem Muster vor, sondern eine "Erziehungsdiktatur". Diese Revolution würde die Macht an eine Elite übertragen, die natürlich "gut, selbstlos und fortschrittlich" war, die aus den Intellektuellen bestehen sollte, die die dumpfe, unaufgeklärte Masse in eine lichte Zukunft führen soll. So hat es Herbert Marcuse noch in den 1960er-Jahren ("Der eindimensionale Mensch") ganz offen und deutlich ausgedrückt.


Morgen Teil 2) Freiheit außer für die Feinde der Freiheit


*"Frog boiling" ist eine Metapher für den bei Fröschen zu beobachtenden Umstand, daß sie in einen Topf gesetzt, der langsam erhitzt wird, nicht merken, wenn die Temperatur des Wassers für sie lebensgefährlich wird, weil sie sich so lange an die Temperatursteigerung noch angepaßt haben. Bis es zu spät ist. So wird auch unser Denken über weite Strecken in Gleichschritt mit der Zeit und deren Diskursen geprägt und sogar fundamentiert. Wenn wir deshalb keine ausreichende Fundierung in außerhalb des "Topfes" liegenden Anschauungen und Haltungen haben, werden wir die absolute Änderung des Lebensklimas, das uns umgibt, gar nicht feststellen. Bis es zu spät ist.


Montag, 25. September 2017

Zur Knechtschaft befreit (2)


Teil 2) Es ist eine ontologische, notwendige Kritik, und kein Antisemitismus


Es ist falsch, dies als "Verschwörungstheorie" zu verleumden. Dies zu tun ist bereits ein Versuch, die Vernunft und ihre Schlüsse apriori zu entkräften. Es ist aber notwendig zu sehen, daß dieser ontologisch verwurzelte Antrieb tatsächlich existiert, und historisch nachweisbar seine verheerende Wirkung entfaltet hat. Er macht das Judentum zu einem Quell permanenter Revolution, auch das ist historisch leicht belegbar, der das Ziel hat, bestehende Ordnungen zu zerstören. Und ihr Hauptfeind ist - schon ontologisch! - die Katholische Kirche, die die eigentliche Fortführung des "von Gott auserwählten Volkes" aus dem Alten Testament ist. Das Judentum ist also in sich und zuerst antikatholisch. Die Kirche ist das Zeichen, das ihm widerspricht. Denn wo es das nicht wäre, gäbe es keinen vernünftigen Grund für einen Juden, sich NICHT zum Christentum zu bekehren. Zumal das Alte Testament nicht aufgeht, wenn man nicht das Neue Testament als seine Erfüllung begreift.

Weil sich das Judentum aber spätestens nach dem Jahre 70 (der Zerstörung des Tempels in Jerusalem) weltweit einer immer christlicheren, katholischen Welt gegenübersah, sah es sich wo immer hin es sich ausbreitete in einem Widerspruch zur bestehenden, vorgefundenen Kultur. In der sie eine religiös unvereinbare Minderheit bildeten. So begann einerseits ihre selbst induzierte Abgrenzung, und anderseits ihr politischer, gesellschaftspolitischer Kampf "ums Überleben". Und das heißt: Um die Macht. Dabei machte sie sich immer der Problematik von Minderheiten zunutze - und instrumentalisierte sie als revolutionäre Avantgarde, als Träger eines weitreichenden, meist auf Umdeutungen zum "Opfer-Status" aufruhenden Impulses, der Gesellschaften aufbrechen sollte und auch aufbrach. Sexuell befreite Frauen, ihr "Recht" fordernde Neger, Homosexuelle ... So wurde das Mehrheitsempfinden und -verhalten zum Verhalten einer (angeblichen) Opfer-Minderheit umgeformt.

Am effektivsten passiert das durch die Entbindung der Sexualität, zu der das 20. Jhd. technische (in erster Linie über die Entwicklung der Medien) Hilfsmittel in einer Art beisteuerte, die ganz neue Möglichkeiten eröffnete. Denn sie betrifft praktisch jeden, und jeder hat sich ihr immer wieder neu zu stellen, denn sie ist nicht nur die stärkste, sie ist auch die aktualistischeste als je neu aktuelle, gerade in der der Freiheit innewohnenden Wirklichkeitsoffenheit je neu zu formende Weise der Wirklichkeitsreaktion.  Wirklichkeit gibt es aber nur im Geist - als (vorgefundene, die Dinge überhaupt erst tragende) Ordnung.

Wer fortan die Medien beherrschte beherrscht die geistige Gestimmtheit, ja die Hierarchie und Ordnung einer Kultur. Denn sie formen die Sprachlandschaft als geistigen Raum. Die heutige Sprachregelung, die uns wie eine dämonische Seuche umfaßt ("gender"), ist sogar noch ein weiterer Schritt: Es ist als Lüge und Blendung ein notwendig immer aggressiverer Versuch, das Denken zur Wahrheit hin zu blockieren. Zeigt somit die fundamentale Angst der Lügner, die das Sein, den logos gegen sich wissen und deshalb alles unternehmen, um ihn außen zu halten, wenn auch durch Schein-Gequatsche und Umdeutung aller Begriffe seine Anwesenheit zu simulieren.

Speziell das organisierte Judentum hat sich also sehr rasch um die Herrschaft über die Medien bemüht, ja sich eine eigene Medienwelt - aus den Zufälligkeiten der abendländischen Kultur, denn Film, Unterhaltung, vor allem aber seichte Unterhaltung, ja erotisches Entertainment etwa waren als "unchristlich" verpönt - in Hollywood geschaffen. 

Dessen Einfluß noch einige Jahrzehnte durch die Kirche zurückgedrängt werden konnte, ehe deren Einfluß auf die Medien in den 1960er Jahren in den USA - und von hier aufgrund der imperialen, kulturmächtigsten Kraft der USA in der ganzen Welt - überwunden wurde. Weltweit wurden fortan Medien zur Lanze der "sexuellen Befreiung", internalisierten dieses Mittel des Kulturkampfes, und entfesselten so jene Formkräfte, die noch Kultur überhaupt bilden und halten konnten. Weltweit setzte eine Revolution ein, die sämtliche gesellschaftlichen und familiären Strukturen aufzulösen begann. Denn schlechthin jede Autorität wurde zum "Instrument der Bedrückung", ja des Bösen.

Ein weiteres entscheidendes Instrument dabei war das social engineering, das die Politik seit der Mitte des 20. Jahrhunderts zu bestimmen begann. Gezielt wurden ethnisch-religiöse Gemeinschaften aufgesprengt (der "Multi-Kulturalismus" ist eine der Giftblüten daraus), und damit die Menschen aus jedem sozialen Halt herausgelöst und alleine gestellt. Sittliche Kraft ist aber immer in höchstem Maß sozial bedingt, nie nur "individuelle Leistung". Der Mensch ist ohne Kultur, ohne soziales Umfeld nie möglich, beides gehört untrennbar zusammen.

Dieses Verhängnis hat aber nicht nur die sozialen Gefüge, allen voran damit die Familien, sondern auch die Kirche mit voller Wucht getroffen, und zwar auch aus eigenem Versagen. Es ist eindeutig nachweisbar (und nicht einmal Juden bestreiten das), daß die praktischen Mechanismen und Organisationen hinter sexueller Befreiung - und vor allem der Pornographie - von Juden eingerichtet und fest in jüdischer Hand waren und bis heute sind. Es war und ist wie immer und überall: Das Böse wird nur deshalb mächtig, weil es die Stärke zuläßt, diese selbst zur Schwäche wird. Ist aber die Kirche ausgehebelt (die heute sogar einer umfassenden kulturellen Stimmung des Anti-Katholizismus gegenüber steht, die sogar ... die Kirche selbst schon erfaßt hat), verliert unsere gesamte Kultur ihren Halt.

Dies ist wichtig zu sehen, denn man kann die Gegenwart nicht verstehen, wenn man diese Mechanismen nicht sieht. Vor allem aber wird den Menschen der Gegenwart ihr eigenes Leben nicht verständlich. Es wird in der Biographie der heutigen Menschen nicht klar, welch verheerende Rolle die sexuelle Befreiung spielte, die in den frühen 1970er Jahren wie eine hohe Forderung aufstand. Jeder und alles diskutierte darüber, pausenlos, der VdZ hat es so erlebt. Er hat aber auch erlebt, nur hat er es erst spät in seinen Zusammenhängen erkannt, wie diese "Freiheit" das individuelle Leben zu verdunkeln begann, Lebensentwürfe immer systematischer scheitern ließ. 

Die auch für ihn bestehende "Forderung" nach neuen, an der geboten freien Sexualität orientierten Formen des Lebens, stand und steht in unlösbaren Widersprüchen zu eigentlichen, wesentlicheren, viel wichtigeren Lebenszielen. Speziell junge Menschen stehen damit in einem schweren Irrtum, der ihr Leben oft genug sogar völlig zerstört, ihnen die Kraft zu viel wichtigeren Lebenszielen raubt, ihre Aufmerksamkeit, ihr Denken auf irrelevante Gebiete abzieht, die sich weil sie nicht lösbar sind zu Lebenshindernissen entwickeln. Es dauert - wenn es überhaupt entdeckt wird - oft viele Jahrzehnte, und viele Niederlagen, die alle ja Folgen haben, um dies zu erkennen. Dann ist das Leben aber meist bereits "vorbei", ist der Mensch zu alt, um noch "ein Leben" aufzustellen. (Deshalb spielt der Mythos, daß man jederzeit alles tun könne, eine so große, verheerende Rolle. Denn es ist nicht wahr; alles im Leben hat auch seine adäquate Lebenszeit.)

Erst so wird auch klar, daß dies zu sehen nichts mit Antisemitismus zu tun hat, sich also niemals auf "Rasse" o. ä. beziehen kann. Es geht vielmehr um die Anerkennung von geistigen Wirklichkeiten, die aus dem Denken auszublenden (eben weil man Angst vor dem Vorwurf des Antisemitismus hat) das Denken selbst nie zum Licht der Klarheit kommen läßt. Der kulturelle Schaden, mit dem wir zu tun haben, ist bereits so groß, daß man von Kulturkatastrophe sprechen muß, der keine Hoffnung auf eine Zukunft in Freiheit als kulturelle Kraft noch zuläßt.







*170817*

Sonntag, 24. September 2017

Zur Knechtschaft befreit (1)

Wie aber kann es sein, daß etwas, das wir als Befreiung glauben, uns in Wahrheit direkt in die Unfreiheit führt? Es hat zu tun mit dem Wesen des Menschen. In der sexuellen Befreiung (sexual liberation) wird der Mensch auf seine Körperlichkeit zurückgeworfen, er wird ermuntert, seine Herrschaft des Geistes, das ihn zu einem Vernunftwesen macht, zurückzuziehen und sich den rein körperlichen Begierden und Anwegungen auszuliefern. Diese sind aber keineswegs, wie heute als "Bildungsgut" kolportiert wird, aus sich heraus auf eine gedeihliche Entwicklung ausgerichtet, zumindest nicht beim Menschen. Denn diesem fehlt der tierische Instinkt (auch wenn es auch bei Tieren zu Ungewichtungen, zu Perversionen, zu Festnagelungen an Teilinstinkte kommen kann), in dem das Tier mit schlafwandlerischer Sicherheit nur das tut, was seinem Ganzen dient. 

Der Mensch ist aber im Geist zentriert. (Der freilich mehr ist als Verstand; er ist der gesittlichte Verstand, gewissermaßen, der über Haltungen, die der Mensch annehmen, lernen muß mehr und mehr zu Haltungen des "für ihn Richtigen" führt, also der Wahrheit bedarf: Geist ist an sich ein Ausfluß der Verankerung im logos, also in Gott. Und das kann nur konkret - in einer Haltung des Kultes - sein.) Dieser aber ist nicht ein "Hinzukommendes", das wie ein Luftballon über einer in sich immer richtigen Körperlichkeit hängt, sondern beides ist ineinander verhangen, mit dem Primat des Geistes als führender Instanz. Anders als das Tier kann sich also der Mensch verfehlen. Sich selbst verfehlen! Er kann Falsches entscheiden, falsch handeln. Um das möglichst zu vermeiden, hat er die Vernunft.

Blendet er diese aus, so läßt er sich keineswegs auf eine "gesündere, richtigere" Grundlage fallen, sondern er gibt nur die Selbststeuerung auf und macht sich zum Produkt zufällig eintreffender Anregungen. Diese führen dazu, daß er sich immer leichter in Teilbefriedigungen stürzen läßt, die aber nicht mehr in ein gedeihliches, gelungenes Insgesamt eingebettet, also auf sein Gesamtziel (Geist) ausgerichtet sind. Er wird zur unförmig ausgebeulten Hose, sozusagen, in der Teilantriebe das Ganze deformieren und das Gesamtziel verfehlen lassen, weil davon wegziehen. 

Was natürlich nicht wirklich funktioniert; ein Mensch der nicht auf sein Ziel hingesteuert wird, wird die Unerfülltheit, in der jede seiner Zellen steckt, denen "das Entscheidende fehlt", in anderer Form zu beheben suchen. Seine geistige Landschaft trägt alle Merkmale von "Ersatzgebieten", Fanatismen gar, die dem zentralen Ich vorgaukeln, geistgesteuert zu sein. Diese Sichtweise, die sich heute fast flächendeckend ausgebreitet hat, ist eine um 200 Jahre später eingetretene Erfüllung von Weltanschauungen, die direkt auf die französische Aufklärung, allen voran J. J. Rousseau, zuzuschreiben sind. Der heutige Mensch ist deshalb der Nachvollzug eines Prototyps, wie ihn Rousseau vorgezeichnet hat.

Die "sexuelle Befreiung" - also der Rückschritt auf sexuelle Begierden und momentane Anwegungen - hat den Menschen dazu verführt, sich diesen momentanen Anwegungen auszuliefern. Er braucht immer mehr geistige Kraft, sie einzufangen, was ihm immer schwerer möglich wird, je länger er daran gewöhnt ist bzw. je weniger er gewöhnt ist, sie in seinen Geist einzuhegen, also ihre Erfüllung der Vernunft zu unterwerfen. Damit wird er über willkürlich gesetzte Impulse steuerbar! Er bleibt in sich gefangen, wird also unfrei und verbeißt sich wie ein waidwundes Tier in seine Leidenschaften. Jedes höhere Kulturleben erstirbt damit.

Diese Gefangenheit ist für manche Interessengruppen aber gewollt. Denn wer eine Kultur der Vernunft beraubt, wer sie ihren Leidenschaften ausliefert, kann sie immer leichter beherrschen. Die Menschen sind bald nur noch damit beschäftigt, ihre Antriebe zu befriedigen, und nicht mehr, ihr Leben vernünftig zu gestalten. Ja sie empfinden immer mehr jeden Menschen, jeden Verweis auf den Geist, als schwer störendes, ihre Erfüllung behindernden Umstand, den es zu beseitigen gilt. Ihr ganzer Lebensinhalt verlagert sich auf die Erfüllung der immer wieder aufbrechenden weil angereizten Begierden, während die eigentlichen Gebiete des Menschseins - die nur im Geist liegen, die vom Geist nur ausgehen können, nichts sonst vermag den Menschen zu ordnen - immer mehr vernachlässigt werden. Hier haben wir auch das Hauptmotiv jener erwähnten Interessengruppen. 

Denn so wird der Mensch der wirklich führenden, sein Leben bestimmenden Aufgaben beraubt, und orientiert sich mehr und mehr an fremden Interessen, verliert also seine Freiheit und vor allem die Macht, sein Leben maßgeblich zu bestimmen. Das führt zu Situationen wie heute, wo ein winziges Randproblem ("gay-marriage" - Ehe für Homosexuelle) zu einem Hauptkriterium des Denkens und Wollens wird, obwohl es mit dem Lebensvollzug des Einzelnen nichts zu tun hat. Dieser Lebensvollzug aber wird gar verhindert. Eine dauerhafte, geglückte Ehe und Familie auszubauen wird heute den Menschen immer unmöglicher, weil sie gar nicht mehr wissen, worauf es dabei ankommt. Eine "sexuell befreite" Kultur fällt also in sich zusammen, weil es ihr eben an Kultur fehlt. An der institutionalisierten Anleite zu einem (wenigstens weithin) geglückten Leben. Die Sexualität ist also der Schlüssel zu Geglücktheit wie zu Verlorenheit in Unfreiheit, denn sie ist (im Eros dargelegt) eine den ganzen Menschen umgreifende, ja in gewisser Hinsicht seine elementarste Lebenskraft.

Es ist also wieder an der Zeit, einen der neuesten Videobeiträge von E. Michael Jones hier zu bringen, der diese Themen in neuer Weise zusammenfaßt. Es gelingt ihm immer besser, die Dinge zusammenzudenken, sodaß er sich mehr und mehr zu einer Hauptbotschaft formiert. Er ist diesen Zusammenhängen nun schon Jahrzehnte nachgegangen und versucht zu zeigen, worauf er gestoßen ist. Etwa wie die sexuelle Befreiung ein gezielt eingesetztes Mittel der Politik und der mit ihr verbundenen Interessengruppen war und ist. Will der Mensch seine Freiheit (die eine Befähigung ist, im Augenblick sachlich gerecht zu handeln; das was man als Tugend bezeichnet) wiedererlangen muß er sich von dieser Befreiung befreien, die ihn nämlich nur in Ketten legt. In die Ketten seiner Leidenschaften, denen völlig falsch eine Erfüllungspotenz zugeschrieben wird (Rousseau), die sie nicht im Entferntesten haben. 

Jones identifiziert dabei die sexuelle Befreiung als Strategie. Sie ist die Strategie von Gruppen, die als Minderheit, als Schwache keine andere Chance sehen die Herrschaft über die Mehrheit zu erlangen, als diese zu schwächen. Insofern ist es tatsächlich eine Grundstrategie des Judentums, im besonderen seit Christi Geburt. Denn in der Ablehnung der Gottessohnschaft Jesu haben sie sich ontologisch gegen das Sein - gegen den logos, gegen die göttliche Ordnung der Welt, damit gegen das innerste Wesen des Menschen, gegen die Vernunft mithin - gestellt. Sie anzuerkennen würde bedeuten, daß sie ihren elementaren Fehler (die Ablehnung des Erlösers, auf den sie nach wie vor warten) eingestehen, sich also im wahrsten Sinn bekehren müßten. Weil dies aber eine unausbleibliche Folge der Vernunft wäre, müssen sie die Vernunftordnung ablehnen, ja diese wird ihnen zum Todfeind und Schrecken. 

Ihr Schuldbewältigungs-Instrument wurde die Psychologie, im besonderen die Psychoanalyse. Sie verstand sich von Anfang an als Instrument, die über eine triebhaft verstörte Sexualität (aus einem Seins-, also logos-, Ordnungs-Widerspruch heraus notwendig) entstehenden Schuldgefühle zu "beseitigen". Vereinfacht: Indem sich der Psychologe an die Stelle Gottes setzte, und mit einem Ersatz-Erklärungsmodell die von den Menschen gefühlte Schuld in dichte Wortwolken hinein vernebelt und das ontologisch (im Sein) begründete Fühlen des Menschen durch Ersatzgerüste (die wie Stützapparate, künstlich eingezogene Skelette wirken) vor der Vernunft als "falsch" entwerten läßt. Gelöst wird damit nichts, buchstäblich nichts. Aber der Mensch wird in einen inneren Widerspruch geführt. Das Widersprechende aber - der logos, das Sein - wird als "kulturell-gesellschaftlicher Repressionsmechanismus" verleumdet und für Böse erklärt.

Es kann also nicht verwundern, wenn man sieht, daß die Entwicklung der Psychoanalyse an sich ein jüdisches Unterfangen war. Und absoluter Höhepunkt dabei war nicht nur Freud, sondern sein Schüler Wilhelm Reich. Der es in den 1930er Jahren (und später) tatsächlich geschafft hat, eine ganze Kultur - ausgehend von Deutschland unter Hitler die gesamte abendländische Kultur - für "böse" (weil "in sich faschistisch") zu klassifizieren. Damit hat er die Vernunft, die die Begierden formen und lenken muß, diskreditiert, und er war darin enorm erfolgreich. Dazu kamen die (wie man heute weiß: absurd gefälschten) "Forschungsergebnisse" von Kinsey ("Kinsey-Report"), die den Menschen vormachten, daß ihre sexuellen Verfehlungen keineswegs verwerflich, sondern "normal" seien, nur wurde diese "Normalität" (also der Ausweis, "wie der Mensch wirklich ist") bewußt unterdrückt.

Diese Sichtweise hat sich verallgemeinert, und auch hierin war direkter Einfluß jüdischer Kreise maßgeblich. So hat Wilhelm Reich die sexuelle Befreiung, die in den 1960er Jahren unsere Gesellschaften erfaßt hat, vorbereitet, ihr alle Wege geöffnet. Wer immer gegen sie aufzutreten versuchte wurde und wird bis heute als "Faschist" - also als das Böse schlechthin - verleumdet.


 Morgen Teil 2) Es ist eine ontologische, notwendige Kritik, und kein Antisemitismus



*170817*

Sonntag, 7. Mai 2017

Folgen für die Zwischenmenschlichkeit

Natürlich ist es nur logisch, daß die Abkehr von der Vernunft als alles bindender logos, dem alle verpflichtet sind, ersetzt durch den Rückgriff auf das, was man "fühle" oder subjektiv "denke" als einzig verbindlicher Norm, ein allgemeines Gefühl der Unsicherheit bewirkt. Denn persönliches Gefühle und "Meinungen" sind nicht nur labil, wechselhaft. Es findet sich in ihnen einfach kein tragender, verbindlicher, sicherer weil objektiver Grund mehr für irgendeine Form von Zwischenmenschlichkeit. Was ganz zuerst einmal mit dem Verlust einer verbindlich erfahrenen Religion zu tun hat, denn nur von dort her können sich absolute Verbindlichkeiten ergeben, nur auf Gott hin läßt sich Einheit finden. Nichts bildet aber heute mehr jene Einheit, die objektiv ist und deshalb klar definierbaren Rechten und Pflichten einhergeht. 

Wie sollte sich da noch Vertrauen bilden? In WAS sollte noch vertraut werden können? WORAUF soll sich ein stabiles Leben noch aufbauen können, wenn es keine äußeren Kriterien mehr gibt, die tragen, auf die Verlaß ist, sondern alles nur dem persönlichen Fühlen und Urteilen unterliegen soll? 

Damit ist auch klar, daß das Denken und Fühlen des anderen - es soll ja der eigentliche Verläßlichkeitspunkt sein - zur potentiellen Gefahr wird, wenn man es nicht über andere Mechanismen konsensbereit macht. Und dafür dient die political correctness.  Dafür dient die über rein persönliche Gefühle installierte Moralordnung des Gutmenschentums, in der katastrophische, apokalyptische, die ganze Welt umfassende Notwendigkeiten eine entscheidende Ankerfunkntion bilden sollen, in der genau das, was man angeblich unantastbar läßt, subjektives Gefühl, subjektives Urteil, ausgeschaltet werden soll. So soll diese Verläßlichkeit installiert werden. 

Begleitet vom Zwang, diesen guten Menschen auch zuzugehören. Mit diesem Etikett, durch zahllose äußerliche Attribute wie ein Schild vor sich her getragen, antwortet der Einzelne, um sich als vertrauenswürdig zu beweisen. Und damit (man muß hier wirklich von verzweifelt sprechen) eine Art neues Recht zu installieren, das ihm verläßliche Zwischenmenschlichkeiten, Verbindungen* garantieren soll.

Damit ist klar, daß die wehende Flagge der "Individualität", die im erlaubten, ja geforderten Rückzug auf subjektive Gefühle und Meinungen für eine gesellschaftliche zwischenmenschliche und solidarische Ordnung und Einheit, genau zum Gegenteil führt. Dieser Subjektivismus ist nämlich nicht in der Lage, eine verläßliche reale, ein Außen (Gestalt) konstituierende Existenz zu begründen. Sondern sie wirft den Menschen auf den Totalitarismus, auf die Vereisungsmaschine, die wieder befestigen soll, was ständig zwischen den Fingern zerrinnt. Es bleibt nur ein tiefes Grundgefühl übrig: Angst. Denn nichts hält über dem Nichts, dem ewigen Tod. Und diese Angst (vor der völligen Vernichtung) ist ja auch das Kennzeichnendste an den heutigen Moralbewegungen im obigen Sinn. Die noch dazu auf eine Generation trifft, die bereits zum überwiegenden Teil in Lebenssituationen steht, die diese Einheit und objektive Vernunft nicht mehr hat sondern nur auf mehr oder weniger fragilen, nie mehr als möglicherweise kurzfristigen "Vereinbarungen" beruht.

Der Subjektivismus der Gegenwart (wie er in Rousseau sein Muster fand - Rousseau ist der Prototyp des heutigen Menschen!) und der Zwang des Totalitarismus sind also nur zwei Seiten ein und derselben Sache, in deren Mitte der Mensch eine seiner Natur gerecht werdende Existenzmöglichkeit sucht, und doch nicht findet. Schon deshalb kann heute eine substantielle, eine relevante Gegenbewegung nur eine Bewegung zur Vernunft sein, während das gegenwärtige Establishment, das ja diese "revolutionären", "modernen" Thesen in ihrer Janusköpfigkeit vertritt, als Anti-Vernunft auftreten.

Und das macht auch deutlich, daß das Establishment (unbewußt wie aber auch bewußt) als Kampfbrigade gegen den logos auftritt und eindeutig eine gegen den inkarnierten Gott selbst gerichtete Bewegung ist, was immer sie auch behaupten mag. Denn Vernunft läßt sich nur als ganz real und gegenwärtig in Gott installiert überhaupt als Vernunft begreifen.



*Für die es ja nicht einmal Begriffe gibt die das tun, was Begriffe eben tun: Inhalte fassen, definieren. Sodaß sich daraus etwas Reales, Konkretes ableiten ließe. Vermutlich steht das hinter der "Ehe für alles und alle", zumindest als tiefgründiges Mitmotiv.




*270417*

Donnerstag, 12. November 2015

Und wie sind diese Schulden entstanden?

Nun wollen wir gar nicht auf den Umstand eingehen, daß das Definieren des Wortes "Demokratie" wie ein Ziehen und Zerren eines sehr elastischen Wortes für alles und jeden verkommen ist; daß ein Begreifen wirklicher volkswirtschaftlicher Zusammenhänge für den Durchschnittsbürger zu hohe Trauben sind. Und der Erstaunlichkeiten wären noch jede Menge zu vermerken. Wir wollen nur den Umstand vermerken, daß im Weltbild des im ORF interviewten Filmemachers Erwin Wagenhofer die Frage, warum Griechenland so hohe Schulden hatte und hat, nicht einmal vorzukommen scheint.

Wenn der Kontakt zur Wirklichkeit nicht mehr gelingt - und das hat immer sehr persönliche Gründe - und dadurch nicht wunschgemäß reagiert, wird das Weltbild zu einem simplen Kräftediagramm, in dem zweifellos "andere" die Schuld tragen, wenn die Wirklichkeit ihr Recht fordert. Man muß derzeit von einer regelrechten Renaissance des Marxismus sprechen, dessen immanente Präsenz in der täglichen Kritik, wie sie schon zum Brot des Mannes von der Straße geworden ist, den wenigsten klar ist. So in der Feststellung des Einflusses der Internationalen Finanzmächte.

Denn dieser wäre gar nicht, oder nicht in diesem Maß entstanden, wenn sich die Politik in den Staaten nicht von marxistischen (und eigentlich: rousseau'schen) Ideen eines Staates als "Versicherung gegen das Leben" hätte durchwirken lassen. In dieser seltsam wirken mögenden, aber natürlichen Allianz, die historisch der Absolutismus mit dem mechanistisch-materialistischen Weltbild einging. Und genau dort stehen wir heute: Mitten im Rousseauismus des 18. Jhds., dem wirkmächtigsten trojanischen Pferd der Neuzeit, das das Abendland auf den Kopf stellte*. Wagenhofer hat in seinem Film "Alphabet" unfreiwillig den Beweis dafür geliefert. Hier wie anderswo wird deshalb genau das gefordert, das die Leiden die man spürt, weil sich die Wirklichkeit zurückmeldet, bewirkt.





Vielleicht hätte Herr Wagenhofer einmal Dieter Nuhr zuhören sollen. Der stellt die kompetenteren Fragen. Vielleicht sollte er auch einen Dokumentarfilm machen.







*Diese ganz eigenartige Nähe zum wesentlichen Strom der sogenannten "Aufklärung" findet sich auch im neuesten Buch von Alexander Kissler. Man könnte also den seltsamen Umstand bemerken, daß heute unterschiedlichste, formal unvereinbare Seiten Kritik äußern - und nicht bemerken, daß beide dasselbe fordern! Dazu ein andermal mehr.





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Freitag, 16. Oktober 2015

Erst konkrete Identität schafft Talent

Jede gesellschaftliche Einrichtung - und erst hier kann man von Kultur sprechen - ist die Gestaltrichtung einer Beziehung. Je differenzierter eine Kultur wurde, je höher entwickelt sie also ist, desto feiner ist dieses Geflecht von (formalisierten) Beziehungen.  Das sind sie, die Masken, die Identitäten. Sie sind es, die das Sosein des Einzelnen bestimmen, und zwar in der Verantwortung dieser Maske gegenüber. Verantwortung bestimmt also das Maß der Durchwirkung des Alltäglichen "mit Kultur", in Kultur hinein, nur in Verbindlichkeit kann also Kultur überhaupt bestehen. Sie ist nicht der Verfügbarkeit des Einzelnen ausgeliefert, ist aber auf die Erfüllung durch den Einzelnen angewiesen. Eine Kultur ohne Einzelne, ohne Erfüllung durch Menschen, gibt es nicht.

Aus diesen formalisierten Beziehungen (deren erste und grundlegendste die der mütterlichen Umgebung ist, und das ist die Familie) heraus ergeben sich somit auch die Aufgaben. Als das, was der Einzelne am anderen, an der sozialen Umgebung, an der Umgebung überhaupt (also auch an Sachen) zu vollziehen hat.

Es ist also diese Institutionalisierung, die der konkreten Gestalt, die der Einzelne zu erfüllen hat (als Maske), auf die hin er sich zu überschreiten hat (weil er nur so sein Ich zu besitzen vermag, nur so kann es sich ihm als Objekt gegenüberstellen, nur so kann er es durchdringen und sich anverwandeln) ihre konkreten Inhalte gibt. IN IHNEN wirkt er mit dem, was er vermag -  mit seinen Talenten.

Nicht so also ist es, wie in Anknüpfung an die Reflexivität Rousseaus* in völliger Pervertierung des Wesens des Menschen heute bereits allgemein geglaubt wird, daß es die Talente seien, die dem Einzelnen vorgeben, was er zu tun, was er zu erfüllen hat. Sondern es ist seine formalisierte Beziehung - es ist die Identität als Definition der Beziehung, der Pflichten und Rechte der jeweiligen Mitwelt gegenüber. Das Gefüge einer Kultur, einer Gesellschaft, eines Staates, eines Gemeindeverbandes, einer Familie, wird also nicht durch "Talente" posthoc angepaßt oder definiert. Es ist umgekehrt. 

Talent ohne Identität ist leer, es "für sich" näher definieren zu wollen in Wahrheit lächerliches Rätselraten mit Figuren aus dem Reich der Ordnung, meist getrieben von dem Ehrgeiz (der Unzufriedenheit mit dem Ort, an dem man steht), in der Hierarchie ganz oben zu landen. Eine Ordnung der Menschen "auf Talenten" aufbauen zu wollen ist der Versuch, im Treibsand Räume abzustecken. Erst auf der Basis einer festen, von allen respektierten gesellschaftlichen Ordnung kann dann auch individualisierte Anpassung oder gar Erweiterung stattfinden - so wie der Förster, der auch Zither spielt, der Bäcker, der auf der dörflichen Volksbühne überzeugend den Harlekin gibt. Kein Mensch ist monistisch, jeder mehr oder weniger vielfältig. Aber nicht alles wäre eine Figur, nicht alles trüge eine Identität. (Was es zwar gibt, aber nur in Ausnahmefällen, und die müssen aus ihrer Natur heraus erkämpft werden.) Es ist das Stück, das die Rolle vorgibt, die ein Spieler dann so oder so (individuell) ausfüllt, indem er die funktionalen Vorgaben der Figur (die Aufgabe, die jede Rolle am anderen hat) erfüllt. Meinetwegen - als gelangweilter König, als feuriger Kammerdiener, als zumpfiger Postbote.

Diese Positionierungen, diese Institutionalisierungen sind dann auch die "Talente", von der die Bibel spricht. Denn sie zum Leuchten zu bringen ist mehr als technische Funktionserfüllung. Der Volksmund kennt es ja. Wenn er sagt: "Das ist so ein richtiger Lehrer, mit Leib und Seele." Daß dieser Stand, diese Identität auch mit familiären Prägungen (weil Vererbungen hier, prägendem sozialem Milieu dort) zu tun hat liegt auf der Hand. Es ist aber immer das Amt, das den Minister macht, keine "Leistung", die das Amt schüfe. (Selbst wenn man das frei zu beurteilen meint, zieht man ja in Wahrheit das Amt als Kriterium des Urteils heran.)

Nicht weniger gilt dies von der Ehe. Auch sie ist eine institutionalisierte Beziehung, diesmal der Geschlechter, die erst in diesem Miteinander jeweils - in Selbstüberschreitung - sich selbst aus der Hand des anderen empfangen. So wird der Mensch also ganz, und er selbst: Aus der in der Ehe institutionalisierten Beziehung von Mann und Frau zueinander. Die wie jede Beziehung (!) hierarchisch gegliedert ist, um Einheit zu ermöglichen. Nicht also die "Liebe" gründet die Ehe - die Ehe gründet die Liebe, die nur aus der Selbstüberschreitung erwächst weil zu sich selbst wird.**

Macht man die Ämter beliebig, macht man ihre Erfüllungskriterien zur posthoc abzulesenden Sache von "Talent", löscht man es aus. Nicht mehr, nicht weniger. Und stürzt somit die Menschen in Identitätslosigkeit.



*Robert Spaemann spricht nicht zufällig bei Rousseau vom "Prototyp des heutigen Menschen". So gut wie alles, was heute landläufige Auffassung im Westen ist, ist wie ein Abguß der Ansichten des Franzosen. In Rousseau ist die Moderne erstmals wirklich kristallisiert.

**Im Gegensatz zu heute so weit verbreiteten Meinungen ist also das freie Zusammenleben eines Paares nicht der "Naturzustand", sondern umgekehrt: die Ehe ist das Natürliche, die Nicht-Ehe das Unnatürliche, einer kulturellen Stimmung Entsprungene.


*161015*

Samstag, 1. August 2015

Wie ganz Europa einer Fata Morgana folgte (2)

Teil 2) Eine Bombe schlug ein -
Wer sich mit fremden Federn schmücken will, verleumdet einmal die Vergangenheit.
Die wird erst zum Verursacher, wenn man versagt


Sahlgren untersuchte 2014 also die Gründe in Finnland, und das Ergebnis - die hohe Wahrscheinlichkeit der Zusammenhänge, und Sahlgren ist keineswegs ein Vertreter des Autoritarismus, liest man die Studie: fast im Gegenteil; er findet zumindest das, was in Finnland passiert ist, gar nicht schlecht, und die Welt, die darüber breit berichtet, schon gar nicht - schlug ein wie eine Bombe:

Finnlands Schulsystem war deshalb so gut, weil es bis in die 2000er Jahre von den alten Lehrern und Lehrmethoden zehrte.

Kein Schulsystem Europas war bis zu den Reformen derartig streng hierarchisch und von Disziplin geprägt, mit einem Wort: von der ganz alten Schule gewesen. Das gleiche, wie in den asiatischen Schulen gilt, nach wie vor, die heute die Leistungslisten weltweit anführen. Doch die machten nie einen Hehl daraus, daß sie auf Autorität, Disziplin und Strenge setzten - für die Bildungsreformer Europas waren sie deshalb als Vorbild ungeeignet. Und niemand erinnerte sich daran, daß das in Finnland ja bis vor kurzem auch noch so gewesen war, wo es doch jetzt so kollektiv und antiautoritär zuging.

Finnische Lehrer wurden früher streng gesiebt, nur die Besten durften unterrichten, und sie galten im ganzen Land als unnahbar und autoritär. Gehorsam spielte eine enorme Rolle, und das war ganz gesellschaftskonform, weil Gehorsam in Finnland traditionell eine sehr große Rolle spielte. Zumindest länger, als im Rest von Europa. Schon 1991, wie sich nun ergab, damals, als die autoritäre Schule erstmals zu reformieren begonnen wurde, war die Leistung finnischer Schüler europaweit unschlagbar. Durch genau jene Schule also, der hierzulande als antiquierte Seelenvernichterin und Menschentod jedes nur verfügbare Beil in den Rücken geworfen wird.

Offenbar hat Finnland aber an den Mythos, den andere über das Land verbreitet haben, geglaubt, als es vor fünfundzwanzig Jahren auf die Reformpädagogik umgestellt. Der Erfolg hielt ja an! Offiziell zumindest. Denn lange wirkten ja noch die früheren Leistungsfundamente nach. Und auch die alten Lehrer, denen das asiatische System überaus vertraut war, blieben ja noch lange am Werk, wurden ja nicht sämtlich auf einen Schlag pensioniert.

Daß zu Anfang die Testleistungen noch so hoch lagen, waren also nichts als die Nachwirkungen des alten Schulsystems. Selbst wenn nun das System umgestellt wurde - und dieses Neue sahen die Politiker, die da von überallher anreisten - so blieb diese Stellung der Schule und des Lernens noch lange in der finnischen Gesellschaft wirksam.

Obwohl allen klar war, daß ein so tiefgreifender Reformschritt zehn bis fünfzehn Jahre brauchte, um überhaupt sichtbar zu werden, taten aber alle Verantwortlichen so, als hätte es nie ein anderes System als dieses der Reformpädagogik gegeben. Dessen Erfolge ja für sich sprachen, die den Reformern mehr als gelegen kamen, weil sie ihnen völlig freie Hand gaben.

Bis die sichtbaren Erfolge nachließen, die schulischen Leistungen immer schwächer wurden. Schwächer, weil es mittlerweile gelungen war, diesen Geist aus der finnischen Gesellschaft auszutreiben, und vor allem weil die alten Lehrer nach und nach in Pension gegangen waren.

Und nach und nach veränderte sich der Erfolg der finnischen Schule in einen aufgelegten Mißerfolg mit großen Problemen für die Schulen. 2012 waren die Leseleistungen beim PISA-Test bereits dramatisch gesunken. Erstmals begann man nun, das Prinzhip des "gemeinsamen Lernens" wieder aufzubrechen. Spezialklassen werden allmählich wieder eingerichtet, um die unterschiedlichen Leistungsniveaus zu berücksichtigen, schwache Schüler besonders zu fördern. Was in Europa auf Verwunderung stieß, selbst Deutschland hatte ja längst auf den finnischen Erfolgsweg umgestellt. Wobei sich dort die Folgen rascher meldeten, vor dem Hintergrund dieser Aussagen eine interessante Tatsache, übrigens.

Eine Totalreform der Reform ist natürlich nicht zu erwarten. Dafür ist bereits zu viel an der geistigen Substanz des Landes ruiniert. Immerhin ist ja nun wirklich zeitgemäß - ganz Europa macht es ja auch so. Und Schüler, die keine Autorität mehr kennen, sind doch zumindest glücklicher? Also ... theoretisch müßte das so sein. Denn die Rousseau'sche Menschensicht sagt es ja so. Und immerhin fühlen sich ja nun alle in der finnischen Schule so wohl. Theoretisch. Und die Lehrer sind so empathisch. Theoretisch.

Auch wenn die jungen Finnen nichts mehr lernen. Und eine Unicef-Studie im Jahre 2007 zu dem für alle überraschenden Ergebnis kam, daß nirgendwo auf der Welt die Schüler so ungern zur Schule gehen, wie in Finnland. (Und trotzdem wird - wie im selben Welt-Artikel - behauptet, daß das Konzept zum Wohlfühlen der Kinder beitrage! Als sollte eben einfach sein, was sein sollte, und das Ergebnis ist gleichgültig.) Vielleicht wollen sogar Kinder von der Schule etwas anderes, als sich kuschelig zu fühlen?

So aber, zum Abschluß dieser Ausführungen, sind wir am eigentlichen Punkt, dem der Archetypik dieses Falls Finnland angelangt. Dem gegenüber die praktischen Überlegungen weit weit zurücktreten. (ff.)


*010815*

Freitag, 31. Juli 2015

Wie ganz Europa einer Fata Morgana folgte (1)

Es ist zum Lachen, wenn es nicht zum weinen wäre. Jahrelang wurde uns eingetrichtert, daß Finnland das Musterland der zeitgemäßen Schule wäre. Mühelos erklomm das Land nämlich im Jahre 2000 die Spitze im Pisa-Test. Ab da war der Mythos in Beton gegossen: Finnland führt uns vor, wie es zu gehen hat. Jeder der sich gegen die Reformpädagogik stellt, stellt sich dem Fortschritt in den Weg. Denn wie da unterrichtet werde, hieß es! Man habe es doch mit eigenen Augen gesehen, und Pisa bestätigt es: die Quadratur des Kreises ist möglich.

Ganz Europa sehnte sich alsbald nach finnischen Lehreren, nach finnischen Schulverhältnissen, wo Schüler an autonomen Schulen sich ihr Lernen völlig frei und selbständig im Kollektiv organisierten, die Lehrer zu bloßen Verstehern und Anleitern mutiert waren, und alles in brüderlichster, liebevollster, individualistischester Atmosphäre - samt den großartigsten Leistungsergebnissen, die Gott für den Menschen ausgedacht hat. Schüler lernten von anderen Schülern, und das alles fast ohne Hausarbeiten, in einer Gesamtschule bis zur 9. Schulstufe.

Auch hierzulande berief man sich natürlich auf Finnland, und verhöhnte alle Kritiker: Die Gesamtschule sei in Finnland erprobt, sie einzuführen ist also nichts als einem bewährten Weg zu folgen.

Seit 2000 pilgerten Experten und Politiker aus ganz Europa ins Paradies des Egalitarismus, des Endes des Frontalunterrichts, der Begabtenförderung und des Eingehens aufs Individuum - Finnland, Finnland, hoch preis ich Dich, sang die Linke (und in der Bildungspolitik gibt es ja nur noch solche, das System hat sich längst selbst reproduziert) abends, bei einem Glaserl Toskana-Rosé im lauen Sommerlüfterl, und alle fühlten sich bestätigt, auch unseren Schulen, die dem Glück der Menschheit so im Wege standen, den Todesstoß zu versetzen. Denn das ist es. So wie in Finnland, so muß es auch bei uns werden.

Und natürlich fühlten sich auch hierzulande viele eher traditionell Denkende irritiert. Der Widerstand gegen die Gesamtschule auch in Nicht-Linken-Kreisen schwand wie Butter in der Julisonne. Nur wenige blieben bei dem, was sie über Pädagogik und Lernen in seinem Zusammenhang mit Identität und Autorität wußten, die uralten Erkenntnisse über den Menschen und das Wesen seiner Erkenntnis schienen in Finnland seltsam widersprüchliche Wege zu gehen. Bei DEM Erfolg?

Die Jubel-Stimmen sind mittlerweile aber schon recht leise geworden. Weil in Finnland etwas Seltsames passiert ist.

Nein, damit ist nicht der Zusammenbruch von Nokia gemeint, das noch vor zehn Jahren den weltweiten Handymarkt beherrschte, und plötzlich mangels Innovationen weg von der Bildfläche war. Dann stieg Microsoft ein, auch nicht gerade Führer in Innovationen, und erstickt mittlerweile fast an dem Bissen. Man munkelt bereits von Aufgabe der Hardwaresektion überhaupt. Oder hängt das alles irgendwie mit dem finnischen Schulsystem zusammen? Klammern sich in beiden Fällen nicht Ertrinkende an Ertrinkende, um gerettet zu werden?

Denn mit einem Schlag fällt Finnland in den letzten Jahren in den PISA-Reihungen zurück, und zwar dramatisch. Plötzlich brechen die Schulleistungen ein. Und Umfragen ergeben, daß nirgendwo in der Welt Kinder so ungern in die Schule gehen, wie in Finnland. Zwischen 2003 und 2012 sank die PISA-Leistung des Landes um ganze 25 Punkte. Das ist der Lernerfolg eines ganzen Schuljahres. Also doch die Einwanderer, wie andere bereits wußten?

Was ist da passiert?

Nun, den Politikern, die in Massen nach Suomi gekarrt wurden, und dort ausgewählte Spezialschulen besuchten, die im Sonderstatus von staatlicher Lenkung freigestellt waren, war das natürlich nicht aufgefallen. Man mag Schulsysteme verändern, umbrechen, radikal umstellen - aber verstehen muß man ja doch nichts davon?! Der heutige Mensch ist doch schon prinzipiell darauf eingestellt, daß er von einem Moment auf den anderen ganz Neues in der Welt entdecken kann. Die der Vernunft widerspricht, aber was macht das schon? Die Empirie ist die Königin! Denken? Das war einmal. Wir bewußtseiteln ohne Regeln, dafür innovativ. Oder doch nicht?

Diese Frage - Was ist da in Finnland passiert! Woher kommt dieser Leistungseinbruch im Schulsystem? - stellten sich schließlich auch Bildungsforscher wie der Schwede Gabriel Heller Sahlgren, Research Director am Centre for the Study of Market Reform of Education (CMRE), und Affiliated research fellow beim Research Institute of Industrial Economics in Stockholm. 

Nicht ohne nationales Eigeninteresse. Denn Schweden hat ja wie so viele andere den vorgeblich so erfolgreichen Weg der Finnen nachgeahmt. Und schon erste negative Folgen zu verspüren. Etwa mit der Schulautonomie. Denn plötzlich müssen Schulen um Schüler werben, weil die Guten sich nur die besten Schulen aussuchen, was zu der schrecklichen Situtation geführt hat, daß es zwei Pole gibt - sehr gute Schulen, und sehr schlechte - aber keinen Mittelbau. Gleichzeitig wurden die Leistungen aber nicht besser, weil die Schulen nun damit zu werben beganne, daß auf ihrer Schule besonders viele Schüler mit guten Noten wären - was einer allmählichen Senkung des Leistungsniveaus zu verdanken war.



Morgen Teil 2) Eine Bombe schlug ein - 
Wer sich mit fremden Federn schmücken will, verleumdet einmal die Vergangenheit.  
Die wird erst zum Verursacher, wenn man versagt






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Donnerstag, 2. April 2015

So sicher nicht

Nun geistert eine neue "Studie" durch die Öffentlichkeit. "Experten" haben (wohl im Auftrag des Stifts selber) die Mißbrauchsgeschichte des oberösterreichischen Stifts Kremsmünster untersucht. Und sind dabei zu erschröcklichen Befunden gekommen, meint angeblich auch das Stift selber.

Das einzige aber, womit die Studie aufräumt, ist das abendländische, das aristotelisch-thomistische, das katholische Menschenbild. Schon die Befragtengröße - 40 Opfer, ca. 25 Täter, Verantwortliche, und andere - läßt eine mathematisch relevante Aussage gar nicht zu. So läßt sich keine These bilden, so kann man nur eine bereits vorgefaßte These belegen.

Und vorgefaßte Thesen hat die Studie genug vorzuweisen. Ob sie das zugibt oder nicht, denn die angeblich selbst gestellte Forderung nach Objektivität ist reine Farce. Denn der gesamte explizite oder unausgesprochen vorhandene Hintergrund, vor dem die Pädagogik des Internats dieser jahrzehnte-, jahrhunderlangen Kaderschmiede der österreichischen Elite, ist der übliche Aufgruß aus Rousseau und allem, was die zeitgenössische Pädagogik und Psychologie an Trotteleien aufzubieten hat. Wo dann jedes Kind anfänglich "gut" sei. Oder geht davon auch dieses Stift aus? Dann gehört dort jeder explizit exkommuniziert (denn ipso facto ist er es) und auf die Straße gesetzt. Aus und Punkt. Ein Kind hinzuschicken ist dann erst ein Verbrechen. Nicht, weil Padres versagen können. Weshalb im übrigen ohnehin jedes zweite katholische Internat zugesperrt gehörte, würde es nicht in Mauern stattfinden, die mehr predigen, wahrer predigen, als dieses Gesöcks von Scheinpädagogen, Atheisten, Charakterleichen und Kinderverderbern, das sich dort häufig herumtreibt.

Wo also der Sinn liegen soll, die Pädagogik eines katholischen Internats zu untersuchen, wenn die Untersuchenden einen völlig anderen Wertehorizont haben, als ihn katholischer Geist haben darf und sollte, das wäre tatsächlich eine psychologische Studie wert. Stattdessen scheinen die Stiftsverantwortlichen selbst (denn die haben das ja in Auftrag gegeben) nur nach Argumenten gesucht zu haben, die Vergangenheit des Stifts zu desavouieren. Und voller Subjektivismus und Charisma ein ganz neues Kapitel zu schreiben, halleluja, die Stunde der Guten ist nämlich gekommen. Nun ist sie da, die Zeit der freien Verhältnisse zur Sexualität, die Zeit der Entnazifizierung, die Zeit der "richtigen Autorität", die keine Macht, keine Gewalt braucht, wie sie gute Herzen endlich verwirklichen können.

Denn das Ergebnis ist ja im voraus klar gewesen. Man kannte die Einzelfälle - und es gibt bei sexuellem Mißbrauch, bei pädagogischem Versagen nur Einzelfälle, auch wenn sie häufig sind - und hat nie etwas gemacht. Direkt, gleich, wirksam. DAS ist das Versagen, wo rasches, immer aber persönliches Handeln notwendig wäre und gewesen wäre. Aber dieses Versagen wird nicht geringer, wenn man nun neuerliche persönliche Verantwortung umschifft, indem man den Zeitgeist zum Zeugen ruft, und die ganze Geschichte der Anstalt ins schiefe Licht rückt als Vorwand, "neu anfangen" zu können. Denn nun haben Experten es bestätigt: Es lag am System!

Dahinter steht der Wahn der Zeit, zu meinen, man könnte fehlerlose Dinge herstellen, man könnte fehlerlos erziehen. Also müsse es eine Pädagogik geben, die keine Fehler mache. Aber - das gibt es nicht! Und das ist auch nicht die Urkatastrophe. Das wird sie nur, wenn man dieses Faktum hysterisiert.  Heute wisse man ja, wie es gehe. Denn wenn - vor allem: früher! - Fehler passierten, waren sie so prägend, daß das Leben eines Menschen für immer zerstört wurde.

Nein, das ist es nicht. Das wird es aber schon eher dann, wenn man genau so tut: als würden solche Dinge Prägungen geben, die zum Heil unfähig machten. Neigungen, ja, die werden dadurch geprägt, und können es einem Menschen schwerer machen, zu einer ausgewogenen Persönlichkeit zu reifen. Aber nicht unmöglich. Denn die Freiheit eines Menschen endet nicht dort, wie die mechanistische Psychologie unserer Breiten verkündet, die nicht nur Doderer als "Erkrankung des Geistes" bezeichnet hat. Sondern sie beginnt dort, wo er Neigungen hat, die es zu überwinden gilt.

In einer Zeit, in der zur regelmäßigen Erfahrung im Beichtstuhl wird, daß es doch eigentlich gar keine Sünde gebe, paßt das natürlich. Gott sei ja so barmherzig, hört man dann (nur nicht: zu bestimmten Übeltätern)! Sodaß man ein schlechtes Gewissen darüber hat, überhaupt noch ein schlechtes Gewissen wegen seiner Untaten zu haben. Buße, Sühne hat doch ausgedient!*

Der VdZ hat die Studie gelesen, weitgehend zumindest, denn nach 80 (von 240) Seiten ist ohnehin alles klar. Ersparen Sie ihm Details, sie sind es nicht wert. Die Studie strotzt vor Dummheiten, Psychologisierungen, impliziten Unterstellungen, psychologisierenden Verleumdungen, vor mehr oder weniger oder auch gar nicht versteckten Forderungen nach neuer Weltsicht.** Als Skandalgeschichte konnte er sie aber nicht lesen. Viel eher sah er das beachtliche Ringen um einen Weg, mit dem Faktischen des Menschen, des Kindes, des Jugendlichen unter Wahrung der Verantwortung, aber auch in anbetracht der Fehlerhaftigkeit von Menschen, Erziehern genauso wie Kindern, zurechtzukommen. Eher hat er viel Gutes in diesen Ansätzen erblickt, sicher nicht einen Stein des Anstoßes, wie die Studienautoren beabsichtigten. Und die Früchte von Kremsmünster sprechen ohnehin für sich: Das Stift hat jahrhundertelang Elite, wirkliche Elite herangebildet. Und jenen, die es nicht waren, klar gemacht, daß sie es nicht sind.

Klares, energisches Reagieren, ja, von Mensch zu Mensch, von Person zu Person, ja, das hätte oft gefehlt. Der einzige Satz der Studie, der stimmt, weil er immer und überall und für jeden stimmt: Der Geist des Ordens, die (im übrigen: jedem Vater, ja jeder Führungsperson ans Herz gelegte) Regel des Heiligen Benedikt von Nursia, wurde zu wenig verwirklicht. Ecclesia semper reformanda!

Das fehlt aber heute nicht weniger, und morgen schon gar nicht. 'Sodaß man deshalb ja alles auf Methoden schieben möchte, um sich von der schweren Last der persönlichen Verantwortung zu befreien. So, wie sich von allem zu befreien, was Sein hat, was Gestalt hat, was Kontur hat. Denn das ist es, was heutiger Waschlappensinn als Mühe und Zwang und Nötigung empfindet - ein Gewissen, das er nicht und nicht zur Ruhe bringen kann, solange er in der Welt lebt. Die vollgestellt ist mit Dingen, die Anteil am Sein haben, sonst wären sie nicht. Die Mut braucht, Dinge zu schaffen, was Gewalt heißt, auch wenn man irren, fehlen kann, ja sogar davon ausgehen muß, daß man es tun wird, weil der Mensch eben nicht von Anfang an gut ist, nur böse gemacht, (fehl)erzogen wird.

Erziehung gibt es nur persönlich. Nur als Einzelfall. Und sie ist immer von der Person abhängig, immer. Und deshalb eine Frage der Heiligkeit. Ohne Heiligkeit - keine "perfekte" Erziehung. (Wobei diese Perfektion ganz sicher völlig anders aussieht, als sie universitätsverblödete Rousseau-Schwätzer träumen.) Es ist also eine immer schwere, immer neu anzugehende Aufgabe, die nie ohne Fehler auskommt. Erwachsenwerden heißt eben: Fehler ausgleichen zu lernen. Trotzdem an der Gestalt festhalten, am Idealbild, an der Rolle. Heißt sogar und gerade, sich von den eigenen Fehlern nicht korrumpieren zu lassen.

Und das ist es genau, was heutige Pädagogik und Psychologie betreibt: Seinsdiffundierung. Daß die Kirche das auch noch als Zielvorstellung annimmt, so tut, als hätte sie zur allgemeinen Klage über die Vergangenheit auch - als Betroffene! die Kirche als Täter! - etwas beizutragen, ist die wahre Katastrophe. Solche Studien sind Werkzeuge in den Händen der Schwachen, der Charakterleichen, die endlich ihre Zeit gekommen sehen, ohne die Mühe der Tugend auf sich nehmen zu müssen, die die "frühere" Elite hatte, auch nach oben zu kommen. Indem man das Gute verleumdet. Indem man die Deutungshoheit über Kriterien der Gutheit an sich reißt, ermächtigt (hier haben wir sie: die Gewalt!) durch die Koalition mit den Armeen des zufälligen Zeitgeists. Unter dem Deckmantel einer neuen Pastoral (= Gewalt) der zuchtlosen Triefmäuler und Vielredner. Die nur noch dann Ziele erreichen, wenn sie es schaffen, Ziellosigkeit durchzusetzen, die man dann Liebe nennt.

Wenn Kremsmünster diesen Weg gehen will, kann man das Stift tatsächlich zusperren.



*Und das verkünden Priester im Beichtstuhl mit vollem Ernst, ja unter der Behauptung der Liebe - in der sie den Pönitenten, der sich ob seiner Fehler nicht gut fühlt und weiß, zum skrupulösen Idioten, zum Psychopathen erklären, der sein Gewissen aushebeln sollte, statt nach Buße oder Sühne zu begehren.

**Einer der Treppenwitze der gegenwärtigen (europäischen) Mainstream-Psychologie und Pädagogik ist ja, daß sie meinen, NEUES zu propagieren, und dabei unreflektiert (und vor allem: unwissend) philosophischen Moden aus dem 18. Jhd. nachspringen. Gerade bei Rousseau läßt sich das hervorragend zeigen: Denn der Franzose ist auf stupende Weise der Prototyp des heutigen aufgeklärten, alles besser wissenden Menschen, der aber nur nachbetet, was damals gesagt wurde. Der heutige Mainstream (sowohl in These wie Antithese, also "Kritik") ist - wörtlich! - Rousseau 1:1.




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Samstag, 23. November 2013

Das Amt macht den Minister

Es sind nicht die "Fähigkeiten", die einen Menschen begabt machen oder nicht. Sondern seine Gabe ist - der Platz, an den er hingestellt ist. Darin irren so gut wie alle Annahmen über Kinder, Schule und Förderung, die heute herumgeistern. Es sind simple Reduktionen in Form eines Neo-Rousseanismus, nicht mehr. Und hier irren auch die meisten Ansichten, die heute über Erziehung bestehen. Sie irren in der auf den Kopf gestellten Anthropologie. Wer also Rousseau liest, liest was heute Grundlage der Pädagogik ist, die einen ungeformten, neutralen Menschen annimmt. Den es aber nicht gibt. Und zwar überhaupt nicht gibt.

Wozu immer ein Mensch befähigt ist ergibt sich aus seiner Position, aus seiner Identität, und damit seiner Herkunft, der gesellschaftlichen Stellung in die er hineingeboren wurde. Im kleinsten Umfeld beginnend, wie ins größte hineinwachsend, mit der Reifung. Sie erst macht eine Fähigkeit überhaupt erst zu einer solchen. Eine Gesellschaft ergibt sich nicht "von unten nach oben", sondern umgekehrt: sie teilt Identität zu - sie BENENNT. Sie erst macht konkret. Denn es gibt keine neutralen "Fähigkeiten", diese sind blind, diffus, unklar. Sie werden nur als Konkretion aber Gestalt, und das heißt, sie werden nur in einem konkreten Umfeld überhaupt benennbar.

Es ist der Name, der einen zu dem macht, der man ist, und es ist diese Name, diese Bezeichnung, aus der ein Vermögen, ein Mögliches, zu einem Wirklichen wird. Als Antwort auf ein herangetragenes Problem.  Wenn es vielfach nicht mehr so erkennbar wird, dann nur aus dem einzigen Grund, daß es an ursprünglichen Geschlossenheiten von sozialen Umfeldern fehlt. Was immer aber als "Fähigkeit" (heute) an jemandem erkannt wird, ist es nur deshalb, weil ein gesellschaftliches Umfeld dazugedacht wird.

Egal, wie "niedrig" oder wie "hoch" also ein Position ist, in die man hineingerufen wurde (niemand verdankt sich ja sich selbst, jeder wurde gerufen, "in die Welt geworfen"), so ist nicht darin Schicksal und Glück beschlossen, sondern in seiner Konkretion IN DIESEM Umfeld, von ihm her, und auf es zu. 

Der Fehler lag genau bei jenen, die meinten, es abschaffen zu müssen: Zu behaupten, daß diese gesellschaftliche Stellung Kriterium für Wert und Würde eines Menschen wäre. Sie ist aber nur für seine konkrete Gestalt verantwortlich, und zwar genau in ihr, und in keiner anderen. Nur in dieser Hinsicht sind alle Menschen gleich. Nicht aber in ihrer Gestalt.

Heute wird das Umgekehrte versucht. Und scheitert, selbst im Insgesamt von Dingen wie "Wirtschaft". Denn wenn man liest, daß in Spanien 50 % der Jugendlichen bis 25 ohne Arbeit sind, so sind das bereits Auswüchse eines aberwitzig gewordenen Bildungssystems, das Gleichheit in der Konkretion versucht und verhängt. Und damit genau das nimmt, was einem Menschen Aufgabe und Arbeit GIBT. Die nur in solchem Identitätsbezug zu einer ungeheuren Vielfalt erwächst, zu jener  Vielfalt, in der viele Berufe und Nuancierungen selbstverständlich sind, und in der Dinge gefragt sind, die eine Gesellschaft der "Gleichen" gar nicht mehr kennt.*

Selbst nach Berufswünschen gefragt (auf welche Frage - auch das ist ja symptomatisch - junge Menschen heute immer seltener noch eine Antwort geben, sodaß sich schon daraus die Frage ergibt: Je weniger die jungen Menschen wissen, was sie werden wollen, desto mehr wird von Förderung gequasselt ... wie bei allem heute: immer mehr, immer schneller, aber das Wozu fehlt immer vollständiger) ergibt sich deshalb heute eine seltsame Monotonie. Die sich sehr zum Ärger der Linken (und wer ist im Europa des Heute nicht schon links) immer noch stark am Elternhaus orientiert. Das auszutreiben sich ja die Schule heute vorgenommen hat.  Und damit einen Kampf gegen Windmühlen führt, an dem sie umso mehr scheitern muß, je mehr sie versucht, ihn zu gewinnen. 

Genau das, was diese Gleichmacherei aller zu bewirken vorgibt, flexible, vielfältige weil vorgeblich "freie" Berufewahl, genau das erreicht sie nicht. 35 % aller Studienabsolventen träumen ... von einem Job bei Google. Und der Rest ist arbeitslos, wie in Spanien, Griechenland etc. Also genau das nicht, was er sein soll - flexibel, vielfältig.

Aber diese neue Schule, wie sie längst auf Schiene stand und nun noch mehr Realität wird, wird damit noch mehr Verwirrung anrichten. Selbst, ja gerade dort, wo sie sich besonders individuell und flexibel geben will.** Etwa mit einem in Leistungs- und Neigungsgruppen aufgelösten Schulsystem. Das Identitätsbildung noch schwieriger macht, ja verunmöglicht, weil das soziale Umfeld jede Stunde und jedes Jahr wechselt, amorph bleibt, was die Ausbildung einer Persönlichkeit - und DAMIT Lernen und Lernbereitschaft, motiviert aus konkretem Aufruf, ALS dieser oder jener an der Welt zu handeln, weil man dazu berufen ist - erst ermöglichen würde.***

Weil eben davon ausgegangen wird, daß es so etwas wie "neutrale Fähigkeiten" gebe, die auszubilden möglich wäre.

Das sind sie nicht. Und noch einmal: Das sind sie nicht. Weil es solche neutralen Fähigkeiten nicht gibt. Es ist das Amt, die Stellung, die den Minister macht. Nicht irgendeine (technisch bestimmbare) Fähigkeit.




*Ein kleines Beispiel soll das illustrieren: Es ist fast unmöglich, in Ungarn einen guten Herrenschneider aufzutreiben. Es gibt jede Menge Näher und Näherinnen, und seit zwanzig Jahren auch Schneider, die sich als Herrenschneider versuchen. Aber dieser Beruf ist ausgestorben, der Schneider wurde durch den Industrienäher ersetzt. Es gab in dieser Gesellschaft der Gleich-sein-müssenden einfach keine Käufer für solche Dinge. Weil aber dieses Voll- und Idealbild des Schneiders fehlte, sank die Qualität auch dieser vielen Näher. Speziell also die Handwerksqualität in solchen Gesellschaften ist äußerst bescheiden zu nennen.

**Es ist schon deshalb alles andere als Zufall, daß ausgerechnet jene Schulen den besten Ruf haben, die das genaue Gegenteil bieten: nämlich feste Identität und Charakterprofil weil -anforderungen. NICHT in erster Linie "Fähigkeitenprofile". Wie etwa die Fachhochschulen zeigen, schaffen solche Fähigkeitenspezialisierungen lediglich eine nächste Generation von angepaßten Funktionalisten, aber keiner Persönlichkeiten.

***Deshalb ist es auch ein Irrtum die Schule generell "abschaffen" zu wollen. Das hieße das Kind mit dem Bade auszuschütten. Und es heißt auch, daß Schule von Autorität nicht zu trennen ist, denn nur was Autorität hat kann lehren - und nur das heißt: weiter werden, weil den Hörenden formen, der sich dem Gehörten anschmiegen muß, um es zu erkennen, um weiter zu werden. Deshalb ist der Frontalunterricht die vermutlich zielführendste Variante des Unterrichtens: weil sie das Gehörte nicht der Freiheit der Zustimmung entzieht, sondern als etwas darstellt, nach dem es gilt sich auszustrecken. Auch im allmählichen Hineinwachsen in die Überwindung des Schmerzes, den Weiterwerden immer begleitend bedeutet, aber ohne den es Erkenntnis als freie Leistung (und genau eben nicht als quasi "eingeschleuste Sichtweise") überhaupt nicht gibt.

Unabhängig von der Frage, ob Schulpflicht sinnvoll ist, und nicht eher ein Schulrecht sein sollte. Wenn heute besondes plakative "Gegenbeispiele" herumgeistern, wo buchschreibende Sonderfälle sich als Muster für eine neue Schulgesellschaft vorstellen, so kann man darüber nur den Kopf schütteln. Denn die identitätsbildenden Faktoren GERADE dieser Sonderfälle hat niemand berücksichtigt, und auch nicht die autoritätsbestimmenden Elemente, die gerade hier dabei waren. Richtig an dem Ansatz bliebe nur, daß die Ausbildung der Kinder - als Hineinwachsen in den Zustand der Kultur (!) - von der Identität und dem Stand der Eltern nicht einfach getrennt werden darf. Und daß es durchaus möglich sein muß, OHNE Lesen und Schreiben in eine Lebensaufgabe zu wachsen, die das gar nicht braucht.




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Sonntag, 15. September 2013

Ein bisserl mehr Rousseau, wenn gestatten?

Was uns zunehmend als Alternative zum derzeitigen Bildungssystem aufgeschwatzt wird, ist nichts als der nächste Unsinn. Es käme auf die Begabungen an, und damit sich diese frei entfalten könnten, wäre es angebracht, alle Hindernisse aus dem WEg zu räumen, die ihrer Entfaltung im Wege stünden.

Nur: Genau das sind die Kriterien, AN DENEN sich Begabung entfalten kann, ja NUR daran kann sie sich entfalten.  Und damit sie sich entfalten kann, braucht es keine Nabelschau, kein Starren auf sich selbst, sondern die Selbstüberschreitung in der Hingabe an das GERADE BEGEGNENDE. In allen seinen Ambivalenzen und Ungerechtigkeiten und Gerechtheiten. So wird jeder Mensch in seinen Platz hinein geformt. 

Seine Erfüllung aber liegt nicht ein einem quasi-paradiesischen Zustand, wo jeder seinen Begabungen nachgeht, wie er sie eben erhalten hat. Solcherart GIBT es gar keine Begabungen, denn eine Begabung ohne konkrete Kulturgestalt, in die hinein ein Mensch geboren wurde, aus der heraus er seine Aufgabe erhält - und die in seiner Art erfüllt, worin sich seine Begabungen entfalten, denen er ohnehin nicht "entkommen" kann - wird der Mensch ins Nichts geworfen.

Also wird die derzeitige Bildungsdiskussion auf eine Weise geführt, die schaudern macht. Weil sie zuallererst eine anthropologische Diskussion erforderte. So aber ist sie nicht mehr als die Frage nach ein wenig mehr Rousseau'scher Ideologie. Eine Verlängerung genau des falschen Weges, den die Pädagogik ohnehin seit Jahrzehnten so konsequent geht, und GENAU DAMIT alles verspielt hat: Wenn man nun also die Menschen als Krüppel bezeichnet, der nach einer völligen Veränderung des Schul- und Ausbildungssystems verlangte (wenngleich auch der Verfasser dieser Meinung ist, aber aus ganz anderen Gründen, mit ganz anderen Konsequenzen: nämlich GEGEN den Rousseau'schen Unsinn), so sind das längst die Früchte dieser Invertiertheit, zu der heute jedes Kind erzogen wird.

Schöpferisches Wirken des Menschen kann nicht ohne konkrete und vorhandene Kultur gesehen werden. Nur in sie hinein, aus ihr heraus kann es sich überhaupt entfalten. Abstrakt, "für sich" gibt es kein "schöpferisches Tun", und gibt es keine Begabungen. Denn es geht um das Hineinwirklichen in die Welt. Und das ist eine Frage der sittlichen Haltung, die wir seit Jahrzehnten ausgedünnt und schließlich in ihr Gegenteil verkehrt haben. So gut wie alle Vorschläge, das Bildungssystem zu reformieren, wollen genau diesen Weg noch radikaler gehen. 

Und zeigen darin exakt jenen engstirnigen Monismus, der sich zum in sich selbst verkrallten Fanatismus auswächst, den diese Haltung selbst bewirkt. Die alle persönliche Verantwortung - das einzige, aus dem schöpferische Kraft erwachsen kann - auf eine Systemschuld umwälzt, die den Auftrag sich gegen alle Widerstände hindurch zu sich beauftragt zu sehen, zu einer Bringschuld der anderen macht, und damit genau jene Haltung gar nicht erst entstehen läßt, die eine Entfaltung der Begabungen erst ermöglichen würde.

Somit ist die derzeitige Diskussion um unser Bildungssystem sinnloses, ahnungs- und vor allem geistloses Geschwafel. Nicht mehr.




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Donnerstag, 21. April 2011

Knackpunkt

Lehrer in Gablitz/NÖ: F. Ebner (1882-1931)
"Was dem Menschen am meisten im Weg steht [...] ist die gute Meinung, die er von sich selbst hat - tatsächlich jener "Glaube an sich selbst", der am Ende nichts anderes ist als die wahre Pervertierung des Glaubens [als höchstmögliche Haltung der Wirklichkeitsöffnung, Anm.] 

Wenn Rousseau meinte, der Mensch sei von Natur aus gut, so ist das einfach falsch. Die Natur ist weder gut noch böse und sie gibt auch in keiner Weise einen Maßstab für das Gute oder Böse ab, nur für das Nützliche und Schädliche, Angenehme und Unangenehme. Darum kann sich auch keine Ethik nach ihr richten. 

Aber das ist richtig: Jeder hat "von Natur aus" eine gute Meinung von sich, von der er um keinen Preis lassen will und die auch die Ursache ist, daß er das keinem Menschen unbekannt bleibende Gefühl, daß das Leben, das er lebe, doch nicht das rechte sei - es ist dieses Gefühl bereits ein Indizium des Geistes im Menschen -, in verkehrtem Sinne, ästhetisch statt ethisch, versteht und darum sich selbst in diesem Gefühl nicht versteht."

Ferdinand Ebner, in "Fragment 17"

 
*210411*