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Donnerstag, 21. April 2011

Knackpunkt

Lehrer in Gablitz/NÖ: F. Ebner (1882-1931)
"Was dem Menschen am meisten im Weg steht [...] ist die gute Meinung, die er von sich selbst hat - tatsächlich jener "Glaube an sich selbst", der am Ende nichts anderes ist als die wahre Pervertierung des Glaubens [als höchstmögliche Haltung der Wirklichkeitsöffnung, Anm.] 

Wenn Rousseau meinte, der Mensch sei von Natur aus gut, so ist das einfach falsch. Die Natur ist weder gut noch böse und sie gibt auch in keiner Weise einen Maßstab für das Gute oder Böse ab, nur für das Nützliche und Schädliche, Angenehme und Unangenehme. Darum kann sich auch keine Ethik nach ihr richten. 

Aber das ist richtig: Jeder hat "von Natur aus" eine gute Meinung von sich, von der er um keinen Preis lassen will und die auch die Ursache ist, daß er das keinem Menschen unbekannt bleibende Gefühl, daß das Leben, das er lebe, doch nicht das rechte sei - es ist dieses Gefühl bereits ein Indizium des Geistes im Menschen -, in verkehrtem Sinne, ästhetisch statt ethisch, versteht und darum sich selbst in diesem Gefühl nicht versteht."

Ferdinand Ebner, in "Fragment 17"

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