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Freitag, 15. April 2011

Hinaufbefördern, um wegzubefördern

Bleibt man auf rein phänomenologischer Ebene, so ist auf die Analysen von Eric Hoffer über den "Fanatiker" bezogen, festzustellen, daß keine Revolution, kein Umbruch je möglich war, der nicht auf der breiten Basis der Intellektuellen - Dichter, Priester, Philosophen, Lehrer, Wissenschafter, etc. - ruhte. Ausnahmslos jede Revolution war zuvor von den kritischen Analysen der Intellektuellenschichte vorbereitet worden, und kein folgendes Regime hat sich gehalten, die es sich nicht mit diesen gutgestellt, diese integriert hat.

Es geht vereinfacht um die Stellung und Schaffung einer Elite. Wobei hier der Begriff nur auf die faktische gesellschaftliche Stellung, nicht auf absolute Inhalte und Qualitäten bezogen, also rein funktional eingesetzt ist.

Ein System, das sich also stabilisieren möchte, das stabil bleiben möchte, ist vor allem daran zu erkennen, daß es sich Eliten schafft. Und dies geschieht durch - die Streuung von Titeln. Und sei es, daß die Anforderungen (im Schulwesen deutlich zu bemerken) gesenkt, die Zugänge erleichtert werden. Es geht um die gesellschaftliche Stellung, die ja immer auf die Vergangenheit (und die Bewertung des Titels zu jener Zeit, auf den Ursprung des Titels also) bezogen ist.

Nur unter diesem Aspekt könnte die "Akademisierung" der Bevölkerung gesehen werden. Veranktert ein Regime die Intellektuellen (rechtzeitig), entzieht es Veränderungen den Boden. Wer einmal verankert ist zeigt ohnzweifelhaft konservative, konservierende Tendenz. Nur nicht anerkannte "Männer des Wortes" bereiten den geistigen Boden, auf dem Machtumbrüche passieren - von "Männern der Tat," nie solchen des Wortes, das für diese Taten viel zu hinderlich wäre. Ein Mann der Tat, ein Regierender, oder ein Usurpator, kann nur Erfolg haben, wenn er das vertritt, was im Volk - geprägt von den Intellektuellen - gedacht wird.

Die "Hebung der Akademikerquote" in Österreich wie in der EU ist also eine Korrumpierung der Intellektuellenschichte, ist eine systematisierte Verweigerung der reflektierenden Grundanalyse einer Gesellschaft. Tiefergehende Erneuerung wird völlig unwahrscheinlich. Denn solche Analyse kann nur von Außenstehenden geleistet werden. Integriert ein System diese Analytiker, und sie tut es vor allem durch Anerkennung, werden sie zu Systemstützen. Dies betrifft auch und vor allem die Kunst, in einem ausgebauten Subventionsmechanismus zum Beispiel, die durch diese Integration blind wird.

"Umoveatur ut amoveatur" - Hinaufbefördern, um wegzubefördern.

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