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Sonntag, 17. Juli 2022

Die Destruktivität des Meditierens

   Yuri Bezmenow im Interview
Eine der Methoden, den feindlichen Westen zu schwächen und aufzulösen, indem man die soziale Verbundeheit auflöst, war, die (v. a.) jungen, dafür anfälligen Menschen dazu zu bringen, "zu meditieren". 

Der KGB, sagt Yori Bezmenow, der 1984 in Kanada übergelaufene KGB-Agent, hat darauf gesetzt, so die Menschen zu isoliern, auf sich zu werfen, und somit zu vereinzeln. 

Während man sie genau dadurch von den sozialen und politischen Angelegenheiten ihrer Gesellschaften trennte. Die fortan im subjektiven Gefühls- und Befindlichkeitsrausch bedeutungslos wurden.

Dienstag, 13. Februar 2018

Wie man eine Gesellschaft zerstört (2)

Teil 2) Die nächsten Stufen der Zersetzung einer Gesellschaft


Diese Aushöhlung der ersten Stufe passiert schleichend, allmählich, durch viele kleine Nadelstiche. In einer zweiten Stufe, die zwei bis fünf Jahre dauert, geht es um bereits gezieltere Destabilisierung einer Gesellschaft. Aber auch diese Arbeit überläßt man einer Gesellschaft selbst. Dazu werden sämtliche wirtschaftlichen und sozialen Beziehungen radikalisiert. Kompromisse sind nicht einmal mehr innerhalb einer Familie möglich, Eheleute sind nicht einmal mehr einig, ob das Kind aufessen soll oder nicht. Die Rolle von Lehrer und Student wird unklar. Das betrifft auch Arbeitgeber und Arbeitnehmer, beide akzeptieren nicht mehr ihre jeweiligen Bedürfnisse, alles wird zu einem Kampfverhältnis, in dem der Stärkere siegt. Und dieser Kampf wird heroisiert. 

Normalste soziale Beziehungen werden zu Angelegenheiten der Gerichte.  Die individuelle Streitlösungsfähigkeit verschwindet. Und die Medien, durchtränkt mit Mediokrität, spielen dabei eine fatale Rolle, indem sie die Antagonismen verstärken. 

Auf dieser Stufe, die sich langsam aus der ersten heraus entwickelt hat, beginnt die Rolle der Provokateure von Bedeutung zu werden. Etwa durch Studenten, die im Ausland (damals: in der Sowjetunion) studiert haben, aber auch durch "Schläfer" im eigenen Land. Sie übernehmen nun Führungsrollen in einzelnen Gruppen und Bewegungen und werden "prominent". Klingt Schläger nicht etwas überzogen? Nein. Man nehme etwa einen Homosexuellen, der fünfzehn Jahre mehr oder weniger verborgen sein Leben lebte. JETZT macht er sein Leben zu einer politischen Angelegenheit, stellt sich der normalen Gesellschaft gegenüber. Überall entstehen solche Antagonismen: Schwarz gegen weiß, gelb gegen grün, und die Auseinandersetzungen werden immer gewaltsamer. Die Schläfer, bislang unauffällige, akzeptierte Bürger, werden zu Anführern. Von denen viele tatsächlich und direkt KGB-Agenten sind. Andere bekommen Geld von diversesten Organisationen, die sich bestimmten "Anliegen" widmen. Menschenrechte, Frauenrechte, Kinderbefreiung ... 

Diese zweite Ebene der Destabilisierung ist durch Einschränkungen von "Freiheiten" für einige dieser Gruppen rückgängig zu machen, denn sie haben sich ja selbst zu Feinden der Gesellschaft deklariert. Nicht, indem man sie unterdrückt, das ist nicht notwendig. Notwendig ist nur zu unterbinden, daß sie sich als politische Kraft betätigen. So wie man verhindern muß, daß die Protagonisten dieser Bewegungen zu Macht und Einfluß kommen. Es muß einem klar werden, daß sie tatsächlich Feinde der Gesellschaft sind. Und wenn er es hier nicht ist, auf dieser Stufe, wird er es unweigerlich später. 

Man muß auf dieser Stufe verhindern, daß die öffentliche Meinung vergewaltigt wird. Und man muß verhindern, daß die Gesellschaft als Ganzes unproduktiv wird. Deshalb muß ebenso verhindert werden, daß sie in Konsumismus absinkt, und das betrifft durchaus auch die Werbung. Niemand darf das Recht haben andere dazu zu manipulieren, mehr zu kaufen als man braucht und eigentlich möchte. Man muß vermeiden, daß der Einzelne in eine Konsummaschine verwandelt wird, als die er nicht mehr seinen, sondern den Interessen anderer dient. Eine Gesellschaft auf dieser Ebene muß den Mut zur Selbstbeschränkung haben!
 
Ansonsten führt diese zweite Stufe unweigerlich in das dritte Stadium, das der Krise. Sie setzt ein, wenn die offiziellen Institutionen nicht mehr funktionieren können, weil sie immer von oben angedeuteten, selbstermächtigenden Institutionen "abgefangen" werden. Sie verlangen alle nun die Macht, und wird sie nicht übereignet, wird sie mit Gewalt geholt. Die Gesellschaft verliert ihre Produktivität. 

In dieser Phase wünschen sich die normalen Bürger eine Rettergestalt, einen Messias. Die Vorbehalte gegen eine starke, zentralistische Regierung schwinden, denn man will, daß alles wieder an seinen Platz kommt, alles wieder funktioniert. Und dieser Retter taucht auch auf. Entweder in Gestalt eines anderen Landes, oder als inländische Gruppe, die die Führung übernimmt. Einer Gesellschaft bleiben nun nur noch zwei Wege: Bürgerkrieg, oder Invasion von außen. 

Rückgängig zu machen ist die Subversion auf dieser Ebene nur noch durch energisches, auch militärisches Handeln, das jeden der beiden Wege unterbindet. Etwa wie in Chile geschehen, oder in Syrien.

Beides führt zur vierten und letzten Stufe, der der "Normalisierung". Die neue Regierung braucht keine Zwischenorganisationen mehr. Deshalb werden alle diese Zwischenstufen eliminiert. Die Schläfer, die vormaligen Vorkämpfer, die Professoren die die neuen Ideologien lehrten - sie alle haben ihre Aufgabe erfüllt, sie können gehen. Ab sofort wird kein Aufbegehren mehr gewünscht.

Diese Stufe ist nur noch durch militärisches Eingreifen und Gewalt rückgängig zu machen. 

***

Prinzipiell kann eine Gesellschaft nicht destabilisiert werden, wenn sie es nicht selber will und auch zuläßt. Deshalb wendet sich psychologische Kriegsführung an die in jeder Gesellschaft vorhandenen eigenen Oppositionskräfte und -stimmungen. Und die gibt es überall. Jede dieser Willensrichtungen (einer Minderheit!) wird aufgegriffen und verlängert. Subversion arbeitet also mit dem Erlebnis von "Befreiung", und vor allem mit den Machtträumen, die in den meisten Menschen - gerade einer Minderheit - recht leicht zu wecken sind. Denn so gut wie jeder träumt von irgendetwas, das sich in seinem Leben aber nicht erfüllt.






*010218*

Montag, 12. Februar 2018

Wie man eine Gesellschaft zerstört (1)

Was Yuri Bezmenov hier in einem Film aus 1983 als Methode demonstriert, wie eine Gesellschaft zerstört werden kann, und zwar: jede Gesellschaft, ist kein theoretisches Geschwafel. Es stammt aus seiner Ausbildung. Denn Bezmenov war dereinst als KGB-Mitarbeiter Spezialist für Presse und Öffentlichkeitsarbeit. 

Und er weist darauf hin, daß Geheimdienstarbeit keineswegs ihren Schwerpunkt auf Agententätigkeit und Spionage gelegt hat. Das sind romantische Vorstellungen aus Schundromanen und -filmen, die mit der Wirklichkeit nichts zu tun haben. Der wirkliche Kampf spielt sich auf der psychologischen Ebene ab. Und Ziel sind immer Gesellschaften, die nach außen offen sind, die sich nicht abschotten, wie es manche Länder historisch getan haben und tun. 

Wir gehen hier deshalb intensiver auf seine Vorträge ein, weil sie - wiewohl 30 Jahre alt - ein über die Zeit gültiges Schema offenbaren. Aufgerollt von einer Seite, die der Praxis entstammt. Denn theoretisch ist natürlich nichts neu an dem, was der ehemalige KGB-Agent da aus seiner Erfahrung mit dem sowjetischen Geheimdienst da entrollt. 

An dem wir selbst wie auf einer Skala das Stadium unserer Zersetzung ablesen können. Und davon ausgehen können, daß diese Zersetzung nicht einfach automatisch erfolgte, sondern einer Logik folgt, die gewolltem Einwirken entspricht, die also beabsichtigt ist. Und die etwa Sun Tsu schon vor 2500 Jahren als Kriegskunst definierte. 

Gleichzeitig helfen diese Gedanken, zu verstehen, was in anderen Ländern passiert ist und passiert. Auch, wo und wieweit sich Länder gegen solche Zersetzung wehren. Letztlich aber sollte es uns doch stutzig und vielleicht darüber nachdenken machen, ob das, was sich in unseren Ländern abspielt, nicht auffallend einer Methodik entspricht, wie sie Geheimdiensten seit langem als Art der Kriegsführung nicht nur bekannt ist, sondern auch gezielt angewendet wird.

Bezmenov meint, daß es keine 25 Jahre dauert, um das Ziel zu erreichen. Getreu der alten chinesischen Kriegslehre wird dabei nicht "gegen" eine Gesellschaft agiert, sondern MIT ihr. Einem mächtigeren Gegner, der zuschlägt, sollte man nämlich nicht mit Gegenwehr begegnen, sondern ... seine Bewegung verlängern, sie noch weiter verstärken. Der größte Sieg wird nicht auf den Kampffeldern errungen. Viel klüger ist es, eine Gesellschaft von sich aus dazu zu bringen, sich dem Feind anzuschließen. 

Die Methode erfolgt in vier Stufen. Die erste dauert ca. 15 bis 20 Jahre. Denn so lange braucht es, um eine Generation mit neuen Ideen zu infiltrieren, die diese dann selbst vertritt und weiterverbreitet. Ziel ist es, diese Generation von den allen Menschen gleichen natürlichen Haltungen wegzubringen - weg vom Patriotismus, weg vom gesunden Menschenverstand, weg von den alten Moral- und Glaubenssystemen, die die Gesellschaft bislang stabil hielten. Nach und nach wird so die Aufmerksamkeit von den eigentlichen Vorgängen auf Scheinvorgänge gelenkt. 

Anstelle von Mathematik, Physik, Chemie wird der Fokus auf "biologische Ernährung", "Sexualität", "Probleme der Kriegsführung in antiken Vorstädten" gerichtet. Solide Institutionen werden so geschwächt und durch "bedeutendere" Scheininstitutionen ersetzt. Persönliche Bindungen, Verantwortungen werden vom Individuum weggenommen und durch künstliche, bürokratisch kontrollierte Körperschaften ersetzt. Soziales Leben, Freundschaft und Nachbarschaft werden durch "Sozialarbeiter" ersetzt, durch Menschen, die auf der Gehaltsliste der Bürokratie stehen. Sodaß deren Interesse in erster Linie sein wird, monatlich ihr Gehalt von der Regierung zu bekommen. Was bei ihrer Arbeit herauskommt ist von untergeordneter Bedeutung. Wichtig ist, daß die natürlichen sozialen Bindungen aufgelöst werden. 

Nach und nach werden vom Volk gewählte (oder von diesem traditionell akzeptierte) politische Vertreter durch künstliche Organe ersetzt, besetzt mit Personen, die nie jemand gewählt oder "gewollt" hat. Ja, oft sind das Personen, die niemand mochte, und die nun doch nach oben kommen. Medien sind eine dieser Gruppen, die sogar monopolartige Macht bekamen und dann allen Menschen und der Politik vorschrieben, was gut und was nicht gut sei. Auf einem Niveau der Mittelmäßigkeit bildet sich eine Schichte von "Snobs" heraus, die glauben, sie wüßten alles besser. Dort gibt es keinen Wettbewerb mehr, gute Journalisten haben es sogar viel schwerer. Es werden vor allem die gebraucht, die alles freundlich lächelnd akzeptieren.

So werden die offiziellen Machtstrukturen durch eine Schichte der Mittelmäßigen ausgehöhlt, und bald verdankt die Macht sich sogar diesen künstlichen Organen - also haben diese bald tatsächlich Macht. 

Das Vertrauen in die Gesetzesorgane und vor allem die Exekutive wird zerstört. Das ist an Filmen gut erkennbar. Heute werden Polizisten fast nur noch als psychotisch, dumm und korrupt dargestellt. Während der Gesetzesbrecher zum Sympathieträger wurde, der kreativ und einfach toll ist, und der nur deshalb unproduktiv ist, weil ihn die Gesellschaft unterdrückt hat. Das Vertrauen in die öffentliche Ordnung schwindet, nach und nach werden grundsätzliche moralische Prinzipien durch eine neue Moral verdrängt, weil die Straftat immer weniger ein Verstoß ist, sondern berechtigte Gegenwehr.

Die Zersetzung der Moral der Arbeiter erfolgt über das Zerstören des Vertrauensverhältnisses Arbeitnehmer - Arbeitgeber ebenso wie Konsument - Produzent. Immer mehr wird direkter Austausch zwischen diesen Gruppen durch eine dazwischengeschaltete Verteilungsinstitution ersetzt, die ideologisch handeln und durch jeden Konflikt noch mehr Macht konzentrieren. (Das betrifft v. a. die Entwicklung der Gewerkschaften.) Der Einzelne verliert Entscheidungskompetenz, Preise, Löhne sind nicht mehr eine Sache individuellen Bedarfs, sondern ideologischer Vorgaben wie Gleichheit oder Klassenkampf, die letztlich nur in eine Forderung münden: So viel wie möglich, und immer mehr, und allen dasselbe. Persönliche Exzellenz wird so immer unbedeutender. 

Es war eines der konkreten Ziele des KGB, den Glauben an "Gleichheit" im Westen zu bestärken, erzählt Bezmenov. Aber nur eine Gesellschaft der Ungleichen kann sich ausdifferenzieren, ihre Bedürfnisse decken. Warum also soll ein krimineller Zuwanderer aus Kuba (damals; Anm.), dessen erster Weg zum Sozialamt führt, dieselben Rechte haben wie ein ordentlicher Bürger, der alles unternimmt, um sich mit egal welcher Arbeit über Wasser zu halten?

"Soziale Gerechtigkeit" als Gleichheit aber kennt keine Differenzierungen. Mit der Zeit weiß niemand mehr, was richtig und was falsch ist. Die Begriffe verschwimmen in einer Situationsethik. 

Dieser ersten Stufe der Zersetzung kann man im Wesentlichen nur durch die Stärkung der Rolle der Kirche entgegenwirken. Nur sie ist in der Lage, der Erodierung der Werte durch Stärkung der individuellen Gewissen und Wissenslage (sic!) zu widerstehen. Jede Gesellschaft, jede Kultur ist historisch belegbar in dem Moment zusammengebrochen, wo sie ihre Religiösität verlor. Nur so kann der gesellschaftliche Zusammenhalt bewahrt werden. Eine Gesellschaft kann nicht durch weltimmanente "Wahrheiten" (wie 2x2=4) überleben. Sondern nur, wenn sie ihre Erfüllung in einem transzendenten Ziel sieht, wo alles der Ehre Gottes dient. Nur Glaube kann effektiv vor ideologischer Unterwanderung schützen.

Zugleich muß aber auch konkret gehandelt werden. So muß der Zustrom durch ausländische Propaganda unterbunden werden. Das Argument, daß man doch dadurch nicht höre, was alternativ gedacht würde, ist deshalb hinfällig, weil diese Propagandisten gar nicht denken, sondern nur sagen, was den Interessen ihrer Ideologie dient. Sie versuchen deshalb nur zu manipulieren, nicht einen offenen Diskurs zu nähren. Wenn auf dieser Stufe bereits eine Gesellschaft mutig handelt, kann die ganze weitere Kette der Subversion verhindert werden. Und hier muß noch keine Gewalt einsetzen, hier genügt entschlossenes Handeln. 

Dazu gehört auf jeden Fall auch die Stärkung der lokalen, inländischen Kulturproduktion, wie Musik, Film, Theater, und die Beschränkung des Imports solcher ausländischen Provenienz. Die Verwirrung, die etwa Hollywood-Produktionen in Indien - Bezmenov hat dies dort direkt beobachten können - anrichten, ist gewaltig, hier werden komplett neue, fremde Verhaltensmuster und Wertelandschaften propagiert. Was die Sexualisierung dieser Produktionen anrichtet, haben auch andere Autoren längst eingehend behandeln. (Bezmenovs Aussagen und Beobachtungen decken sich mit denen von E. Michael Jones, über dessen Bücher und Sichtweisen auf diesen Seiten schon eingehend berichtet wurde.)

 Morgen Teil 2) Die nächsten Stufen der Zersetzung einer Gesellschaft 


*010218*