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Dienstag, 23. August 2022

Westliche Werte von der heitereren Art (2)

Sanktionspaket Numero 7. Haß verblendet den Verstand - Dabei gibt es ganz kreative Formen, in denen sich ein Haß auf das Volk der Russen abzeichnet, der einen staunen läßt. Polen hat einen Vorschlag, der diesen offenen Bruch mit den EU-Verträgen (Schengen) versüßen will, indem es ein Visum vorschlägt, das nur jeweils begrenzt läuft, dann muß der Russe in eine NIcht-EU-Land, für dieselbe Zeit. Lesen Sie die Zeitungen, werter Leser, man findet fast täglich Berichte über Ideen, wei man die Russen als Volk demütigen und peinigen könnte. Schlägt den Sack, und meint den Esel. 

Den kleingedruckten Teil der Sanktions-Vorschläge, daß jeder Russe am Grenzübergang einen doppelt eingeschlüpften Kasatschok tanzen und dabei "Kalinka" singen muß (VIER Strophen!), sonst wird er als staatenloser Flüchtling behandelt, und zurückgewiesen, hat man vorerst nur hinter verschlossenen Türen diskutieren lassen. 

Montag, 22. August 2022

Westliche Werte von der heitereren Art (1)

Müßten wir uns nicht - alle, in uneren Ländern - bis auf die Knochen blamiert, dürften wir längst herzlichst lachen über die Sondervorstellung, die uns die Politiuk Tag für Tag gibt. Denn eigentlich ist das Stück ja abgespielt, aber auf vielseitigen Wunsch der Akteure wird es täglich verlängert. Der Krieg ist verloren, die Sanktionen wirken nicht, und die Selbstbeschädigung durch das nun drei Jahre konstant anhaltende Bulldozerwettrennen um unsere Ökonomie und unser soziales Leben könnte kaum vernichtender sein, wird deren Verzweiflung immer größer. Ein positiver Coup willl einfach nicht gelingen. 

Also wendet sich der Zorn einmal gegen das eigene Volk, darinnen vor allem gegen jene, die das Maul voll nehmen und es noch dzau immer gewußt haben, und dann gegen die Übeltäter.

Neueste Idee, and er nun jeder wieder in seine Heimatkoje gekrochen ist, um sich darüber Gedanken zu machen, ist die Idee, die Russen selber, also alle Menschen, die in Rußland leben und Kinder zeugen und Häuser bauen und Cremschnitten backen, obwohl die Ukraine sehenden Auges in das Verderben seiner Menschen rennt und obwohl die Westeuropäer schon davor zittern sich ausgiebiger zu duschen, und den Winder fürchten, der kalt werden könnte, das ganze Volk also zu bestrafen. Und zwar durch ein kollektives Einreiseverbot in die EU. 

Dienstag, 22. März 2022

Der Schrecken der Äquivokation

Es hat mich zunehmend erschreckt festzustellen, daß so vieles, was aus Mündern kommt, die ich doch glatt als mir völlig entgegengesetzer Absichten und Hoffnungen stammender Geistesherkunft beurteile, mit eigenen Analysen übereinstimmt. Bis ich mir darüber klar wurde. Sie erlauben sich nämlich etwas, das durch die Gehirnwäsche und Des-Information, der unsere (ja, alle westlichen oder westizistischen, also "nach Westen" strebenden) Länder unterworfen waren und sind, Bereichen zufällt, die immanent als Tabu und Verbotszone eingerichtet sind. Und das ist eine weitgehende Zulassung (Zulassung!) von Realitäten. 

Ohne diese aber keine Venrunft, ohne die unbedingte Bereitschaft zuzulassen, was immer da "außen" als und in der Welt sein möge isset gibt es keinen Zugang zum Wirklichen, und nichts von dem, was man als Nachdenken bezeichnet. Das die Oberflächenwirren zur Ruhe kommen läßt, um die unsichtbaren, die hitner allen Dingen stehende Wirklichkeit erkennen könnte. Ohne diese Reinigung, ohne diese Selbstlosigkeit somit, ist keine Wahrheit und kein wirkliches "Denken" möglich.

Samstag, 6. Juni 2020

Das Argument der Stunde

Das einzige Argument für den Lockdown (das völlige Niederschrauben des sozialen und wirtschaftlichen Lebens, das wir weltweit erleben) das man bekommt, schreibt William M. Briggs, lautet ungefähr so:
Wir wissen, daß Lockdowns funktionieren weil Lockdowns funktionieren, und deshalb haben wir Lockdowns verfügt, denn wenn wir keine Lockdowns verfügt hätten, wäre alles viel schlimmer. Das sagt uns die Wissenschaft.
Dieses höchst seltsame Argument, schreibt Briggs weiter, erhält man von Virenfachleuten ebenso wie von Doktoren aller möglichen Geistesfächer. Sie halten das für überzeugend. Und ein überraschend großer Teil der Bevölkerung glaubt ihnen beziehungsweise glaubt auch daran. Das heißt: Will daran glauben. Will an ein wenig Sicherheit inmitten der großen unabschätzbaren Angst glauben.
Die Menschen sind so verzweifelt darin, sich an dieser Überzeugung festzuklammern, daß Lockdowns notwendig sind, daß sie als Evidenz nur anerkennen, was sie in ihrem Glauben bestätigt.
Aber es gibt keinen einzigen wissenschaftlichen Beweis, daß ein Lockdown etwas anderes produziert als schwerste gesellschaftliche, wirtschaftliche und (!) gesundheitliche Schäden. 



*180520*

Sonntag, 26. Januar 2020

Worum es aber geht (2)

Teil 2) Wir erleben alles das ja längst.
Pessimismus als Generationenerfahrung der Enttäuschung. 
Aber keine Verzweiflung.



Und wir sehen es ja. Tagtäglich sogar. Aber niemand wagt in den Mund zu nehmen, was die Hand längst tut. Wagt, die Sache beim Namen zu nennen. Alles das, was hier als "Segregationsmodell" angeführt ist, PASSIERT LÄNGST. Es geht also gar nicht darum, die Dinge neu einzuführen! Sondern es geht darum, diese Entwicklung in den Händen zu behalten, und uns nicht davon überrollen zu lassen. Was nicht aber einfach heißt, daß dann mehrere Kulturen nebeneinander ("friedlich") ko-existieren, sondern daß wir selbst (sic!) zu jener Nebenkultur werden, zu der uns die Geschichte machen wird. Wenn wir nicht endlich den Tatsachen ins Auge sehen. Wir tun es ohnehin längst, ohne es aber zu benennen. Das nennt man Realitätsflucht! Die Migrationsdiskussion ist also weitgehend völlig leeres Gerede, das möglichst vermeidet zu benennen, worum es geht.

So lange aber werden wir uns von solchen Ereignissen wie in Frankfurt tagtäglich neu "überraschen" lassen müssen. Weil wir alle, ausnahmslos, die Augen vor der realen Welt, in der wir leben, schließen. Wo sich unaufhaltbar eine Veränderung der Landschaften, der Staaten und Staatengebilde Bahn bricht, ohne daß wir sie so gestalten, daß wir auch in dreißig oder fünfzig Jahren noch unsere Lebensweise aufführen können. Denn die wird sich, wenn wir nicht den Willen zur Realität aufbringen, nicht nur ändern, sondern uns wird eine neue Lebensweise vergewaltigen.

Vor allem werden wir uns vor einer anderen, sehr realen Gewalt schützen können: Derzeit sind wir durch unsere Vogel-Strauß-Politik, ob individuell oder in institutionellem Rahmen, Opfer jener gesellschaftlichen Kräfte, die die Zuwanderung aus anderen Kulturen dazu benützen, die bestehenden Systeme und Verhältnisse zu zerrütten, weil sie hoffen, davon zu profitieren. Nur bei ausreichend Realitätssinn kann also das Volk dem Griff der Linken (die immer "Menscheviki", also eine Minderheit sind, die um die Herrschaft kämpft) nach der Macht widerstehen.

Mensch heißt immer: Raum. Denn Mensch ist Ort, Knoten von Beziehungen, der dadurch erst Raum schafft, indem er diese Beziehungen aktiv erfüllt. Es streiten also bei Massenzuwanderung Beziehungsknoten.

Aber dann, wenn wir wieder Herr über unsere Zukunft sind (soweit man das sein kann), selbst wenn es momentan schmerzt, weil alte Idealvorstellungen aufgegeben werden müssen (wie die von der Groß-Deutschland-Romantik, auch die übrigens ein Musterbeispiel von langanhaltender Realitätsverweigerung, als Ignoranz der Folgen - und Notwendigkeiten - für Europa) kann man solchen Nachrichten wie die von Frankfurt und dem Bad für Muslime mit Gelassenheit begegnen, ja sich daran sogar "freuen". Weil man weiß, daß wir ohnehin unsere eigenen Räume haben, die integer sind und unsere Räume bleiben.

Die Gretchenfrage wäre dann - und vielleicht ist das Ahnen dieser Wahrheit auch der Grund für die Verweigerung des offenen Blicks - ob wir intellektuell-geistig noch in der Lage wären, so ein System zu konzipieren. Ob wir charakterlich noch in der Lage sind, so ein System zu etablieren und durchzutragen. Alles das bezweifelt der VdZ.*

Der deshalb rät, in ganz andere Richtungen zu denken. Wie wir in einer fremden Kultur und Religion überleben werden können. Wir sehen nicht eine Kultur, die ums Überleben kämpft. Um es so zu sehen, muß man schon längst verderbt sein. Sondern wir erleben einen Zustand nach einer Kultur, von der wir nur noch die Rücklichter in zunehmender Ferne entschwinden sehen. In deren Ruinen wir leben, die wir je nach Belieben mehr oder weniger mit Farbe anklecksen, auf daß sie doch noch "nett" aussieht, und da und dort so tut als ob.

Wir erleben in Wahrheit also einen Zustand, in dem die überwiegende Mehrheit der Menschen in Schockstarre verfallen ist. Aber nicht wegen eines Freibads für Muslime in Frankfurt.

Pessimismus? Gewiß. Pessimismus, was bestimmte Dinge der Weltwirklichung anbelangt. Aber Pessimismus ist nicht Verzweiflung, sondern kommt einer Enttäuschung gleich. Einer Enttäuschung, die wir als Generationenproblem mit uns herumtragen und erfahren. Wie allen Generationen in solchen Umbrüchen, man denke an die post-römische Völkerwanderungszeit. Verzweiflung kann darüber nur der erfahren, der seine Lebensperspektive im Tiefsten entweder an diese Welt, oder an falsche Götzen eines bloß vorgestellten Transzendenten, eines also nicht-realen Gottes gehängt hat.

Aber das, werte Leser, haben wir beide ja nicht, oder?



*Wie wenig wir - damit ist unser Sprach- als Denkraum gemeint - bereits in der Lage sind, unsere Situation zu denken, zeigt dieses aktuellere Video "Wissenswertes" von Dieter Nuhr. Der das Bildungssystem auf die Schaufel nimmt, und in der Detailkritik über 3/4 der Strecke völlig richtig liegt. Um dann - man muß sich das vorstellen! - ein Bekenntnis zum Liberalismus abzugeben. Also genau das fordert, was uns so wehrlos gemacht hat, daß wir bestenfalls "herummeckern" können. Damit ist Nuhr genau das, und nicht mehr: Ein Herummeckerer.




*201119*

Donnerstag, 19. Dezember 2019

Hoffentlich hat sie doch bereut

Heute vor 104 Jahren wurde Edith Piaf in Paris geboren. Wir bringen wieder einmal ihr "No, je ne regrette rien", ihr verzweifelst auf der Bühne bis zuletzt durchgehaltenes "Nein, ich bereue nichts", das uns in seiner so glaubwürdigen Verzweiflung immer wieder neu berühren darf. Gebe Gott, daß sie diesen furchtbaren Irrtum noch rechtzeitig erkannte. Der für so viele "vorbildlich" wurde, maßgeblich durch eine verdrehte Vorstellung von Wahrheit und Öffentlichkeit und Ansehen. Lange schon schwer krank, starb sie am 10. Oktober 1963, unter Umständen, die vermuten lassen, daß ihre engste Umgebung in dieser Komödie des Schreckens mitspielte, und ihr alles Wesentliche für einen letzten, guten Sterbemoment vorenthielt.

Man ließ sie nicht zurück. Ließ dem verzweifelten Trotz, den sie an den Tag legte und der durchaus Respekt abverlangt, der sogar eine gewisse Größe darstellt, keine Auflösung. Auch nicht, als ihr der Schöpfer das Szepter der Musikwelt in ihrem Krankheitsleiden langsam aus der Hand nahm.

Gott, der ihr verzeihen möge, daß sie von Bühne, Öffentlichkeit und Medien in eine Haltung der Unversöhnlichkeit getrieben und eingefestigt wurde. Die sie zur Ikone der menschlichen, gottlosen Autonomie machte, die sie - Frau; Frau nimmt immer den zugewiesenen Platz an, ja wartet darauf - annahm und tapfer durchhielt. Und reich mit Scheingaben, mit Geld und Ruhm überhäufte, um in ihr die eigene Verworfenheit und verfehlte Sicht der Welt von sich weg zu zelebrieren und scheinbar wahr zu machen. Die sie somit so schwer mißbraucht hat.

Schauen Sie, werter Leser, ihre Augen an.





"Die Piaf", die rasch nach oben stieg und enormen Einfluß auf Frankreichs Musikszene hatte, riß fast die halbe Nation mit sich. Indem sie die richtige, notwendige, berechtige Melancholie als Grundstimmung der Poesie mit sich in die Stimmung der existentiellen Verzweiflung angesichts der faktischen (kapitalistischen) Zustände riß. Das Chanson wurde nicht einfach "gesellschaftskritisch", wie es seiner Art zukam, sondern links. Weil die Piaf ihre Sittlichkeit am Altar der Gefälligkeit opferte, der sie sich anschmiedete, fand sie nie zum Geist, nur zur Intellektualität, die aber aus sich kein Ziel kennt und leer weil ein sophistisches Vernebelungsgefecht der Schuld bleibt.

Sänger wie Charles Trenet (wieder einmal, unten, diesmal mit "Douce France", an dem man sich nicht satthören kann) oder Fernandel (Sie lesen richtig, werter Leser, Fernandel war vor seinem zufälligen Welterfolg mit "Don Camillo" weniger ein Schauspieler, als ein Sänger entzückender Chansons) wurden fast zur Nebenerscheinung. (Manchen sonstigen, oft in unseren Ländern äußerst populären Chansonniers spricht der VdZ glatt jene Existentialität ab, die der Kunst innewohnen muß. Die eine Haltung, nicht einfach inhaltlich ausdefinierbar ist.)

Frankreich war von diesem Existentialismus als Reigen von Sartre, Camus (mit Vorbehalten, er überwand den Existentialismus letztlich, das zeigt sein "Mythos von Sisyphos", der existentiell, aber nicht mehr existentialistisch ist), mit eben Piaf und deren Schützlingen wie Montand oder Aznavour tief geprägt. Und noch heute ist jene nihilistische Seite gerne als die entscheidende Seite von Paris gesucht und besucht. In der Paris in das ultimative Licht eines Sündenpfuhls gehüllt wird (siehe die Paris-Deutung von Henry Miller), und diese Verlorenheit zum scheinbaren Halt in einer Scheinwelt hochzieht. Aber es ist ein Kampf, den das Licht nicht aufgeben darf! Den freilich bourgeoise Konventionalität niemals führen kann, ja gar nicht erkennt.

Der Linken ist es leider weithin gelungen, das Leiden der Künstler an der Welt in ihre ideologischen Bahnen zu drücken. Auch wenn es, wie bei der Piaf, das Leben kostet. Deren Schmerz - sie war katholisch aufgewachsen und als Kind tief gläubig - das Leiden war, von der Kirche getrennt zu sein. Der Gegenentwurf, den sie als Erwachsene trotzig und durch ein chaotisches Leben zu belegen versuchte, ist nicht geglückt.







Mittwoch, 8. Mai 2019

Wo die Lebenswracks anbranden

Hamburg, Elbschloßkeller. Einer der Anker in der Verzweiflung von Menschen, die in der Gesellschaft keinen Fuß auf den Boden kriegen. Da über Schuld oder Versagen zu reden, ist müßig und falsch. So klein kann die menschliche Gesellschaft, die Stadt, das Dorf, die Millionenstadt (die in ihren Vierteln und Zusammenhängen und Routen wieder Dorf ist, denn nur im Dorf kann der Mensch überhaupt leben) gar nicht sein, daß es nicht Menschen gibt, die einfach keinen Halt finden. Da hilft keine "Sozialarbeit" und kein "Integrationsbeauftragter.

Daß es ein Prozent der Menschen ist, darüber streitet niemand. Der VdZ glaubt aber, daß mit Graubereichen jede Gesellschaft zehn Prozent hat, die einfach nicht zu integrieren, sondern einfach ... in ihrer Unbrauchbarkeit, ihrem Scheitern zu lieben sind. Und dieser Prozent-Bereich hat noch einmal das Doppelte in seinem Sog. Bei einem Drittel aller Menschen kann man nie nach Leistung und Nutzen gehen, sie werden keiner Gesellschaft, keiner Gemeinschaft letztlich gerecht. Und doch werden diese Menschen gebraucht, und doch stehen sie an einem Platz in der Ordnung. Im eigentlichsten Sinn, nicht aus aufgeplusterter "Barmherzigkeit". Und auch nicht, damit wir sie alle alle superglücklich und wohlhabend "wie wir" machen.

Als der Hl. Laurentius (+258 n. Chr.) in der Zeit der kaiserlichen Christenverfolgung bei Androhung von Folter aufgefordert wurde, die "Schätze der Kirche" auszuliefern, kam er am nächsten Tag mit einer Schar Armer, Elender, Pöbel. Das, soll er gesagt haben, das sind unsere Schätze. Er wurde bekanntlich geröstet. Nun, er hat damit ganz sicher nicht gemeint, daß man an diesen Armen seine Großherzigkeit beweisen könne, das ist bestenfalls zweitrangig.

Er hat damit wohl das Herz der Armen und Elenden gemeint, das in aller Schuld und allem Versagen die Chance hat, in eine Haltung der Demut zu gelangen, die sie zu leuchtenden Kerzen im Reiche Gottes machen. Es ist die liturgische Haltung, die eigentliche Haltung des Menschen des Heils in der Welt. Es ist die Haltung, die alles erhofft, aber nichts fordert und nichts erwartet. Die Haltung von Menschen, die sich in keiner menschlichen Gesellschaft in Stand halten können, und von keiner gehalten werden. Wer, wenn nicht die Armen kann erfahren, daß der Mensch letztlich alles Gott verdankt?

Nein, es kann nicht Ziel einer Politik und einer Gesellschaft sein, alle Elenden, alle Armen zu "beseitigen", auf "hohes Niveau" zu heben, wie es der verruchte Sozialstaat versucht. Das geht bei vielen nicht, warum auch immer, und das soll bei vielen gar nicht geschehen, warum auch immer. Es kann nur ein sicheres Ziel geben, und das ist das Ziel der Kirche, der Mission: Diese Menschen anzuleiten, daß sie sich nicht ums ewige Heil bringen, denn jeder Außenseiter ist schwach und besonders sensibel für Versuchung.

Eine Mission also, die wieder und wieder aufrichtet, den Blick nach oben lenken lernt, lernt, daß es aufs Bemühen ankommt, wieder und wieder aufzustehen, damit sich die Seelen dieser Menschen nicht dem Elend, in das sie gelangt sind, angleicht, sich gar darin suhlt und "zufrieden" ist. Sondern die Not als Meißel der Chance begreift, die die Schale der Gnade so richtig tief ausgraben kann. Wenn das gelingt, können sie als Kerzen im Dunkel der allerehrwürdigsten Kathedrale richtig leuchten. Hinten, ganz hinten, beim Nischenaltar zum Heiligen Laurentius etwa.

Das wäre Armenseelsorge. Das wäre eine Aufgabe der Kirche. Die zu leicht damit an beiden Enden versagt: Bei den Armen und bei den Reichen, beide besonders gefährdete Seelengruppen. Mit ihren Sozialprogrammen sollen sich die wohlbesoldeten Gutmenschen der Kirchen ihre von Selbstzufriedenheit, verlogen in fünffach kostümierter Überheblichkeit und Eitelkeit stinkenden Ärsche abwischen.







*080219*

Dienstag, 6. Juni 2017

Völlig egal, warum. Man liebte es.

Ach mein Gott, der VdZ mag dazu nichts mehr explizieren. Ihn bewegt dieses Lied der Hildegard Knef (und nicht nur dieses von ihr) zutiefst, warum auch immer, er weiß es nicht. Was ließe sich daraus alles extrahieren.  Nein. Er verweigert. Er liebt es. Er liebt irgendetwas an diesem Existentialismus der Hildegard Knef. Basta. Er ist darein aufgewachsen. Basta. U(nd er ist doch auch, ja wie denn anders?, Kind seiner Zeit. 

Zu diesen Liedern fuhr er als kleiner Bub Schlittschuh, sie wurden über die krächzende Anlge über den Platz verbreitet, den dieser alte Mann als Dienst an der Menschheit Winter für Winter in seiner Freizeit mit Wasser zur Eisfläche verwandelte. Zu ihr begleitete er einen seiner großen Brüder, der am Sonntag, nach der Messe, regemäßig in die Trafik in der Rathauspassage ging, die so modern wirkte mit ihrem riesigen Schaufenster, diesem nüchternen Ambiente, und mit der Verkäuferin flirtete, während er seine Zigaretten und die Bunte - mit der Knef am Titelblatt - kaufte. Anschließend ging es ins Cafe Garn, und er erhielt immer ein Achterl Himbeersaft und manchmal sogar ein Würstel mit Senf. Bis es heim ging, zum Mittagessen. Alle diese jungen Menschen schienen so vertraut, so eine Familie. Klassen existierten nicht. Eine von diesen war später Erbin eines der größten Industrieunternehmen Österreichs.






Und dann fiel der eine. Sie waren unterwegs gewesen, übermütig, wie junge Menschen es so gerne, so berechtigt sind. Und sie kamen zurück, und der eine lag am Rücksitz. Tot. Sohn eines der angesehensten Fleischer in der Heimatstadt. Nie erschien dem VdZ diese Jugend, die er da sah, so geschlossen, so als eine Schicksalsgemeinschaft, vereint in derselben Tragödie. Und da kam dieses Lied. Am Eislaufplatz. Der VdZ hat nie verstanden, warum später dieses Lied als angebliches "Öko-"Lied verstanden werden konnte. 

Nein. Es ist das Lied des Todes eines Menschen. Eines Freundes des großen Bruders, einem Mitglied dieser Clique, die sich Soinntag für Sonntag im Garn traf, lachte, laut diskutierte, und dem VdZ als kleinem Bruder des einen ein Achterl Himbeersaft bestellte. Und manchmal ein Würstel mit Senf. Am frühen Morgen nach so froher Jugendnacht in einem Autounfall erloschen. Der wie seine Freunde alle, samt der Trafikantin, diesem jungen hübschen Mädel, nie mehr so wie früher über die Feuer zur Sonnenwende springen würde. Wenn der VdZ nunmehr über die Eisfläche zog, und dieses Lied erklang, sah er ihn liegen, in seinem Blut, sah er die Tragödie des Menschen. Den immer drohenden, letztlich die einzige Gewißheit: Tod. 

Das war auch ein wesentlicher Teil der 68er. Ja, vielleicht ihr wesentlichster. Bei einer Umfrage 1975 gaben mehr als 50 % der deutschen Bevölkerung an, daß sie einem Mitglied der Baader-Meinhof-Gruppe heimlichen Unterschlupf gewähren würden, wären sie vor die Situation gestellt.
 








*140517*

Sonntag, 4. Juni 2017

Hier haben wir die Gründe (2)

Und hier, in diesem vorerst letzten Bild der Serie, die wir hier zeigen, erklärt Victor Delhez genau, WARUM er verzweifelt ist. Hier erklärt er nämlich daß es am Zustand der Tugenden liegt, der Drei Göttlichen Tugenden, Glaube - Hoffnung - Liebe, wie alle Tugenden ein Circulus Vituosis. Er gibt Auskunft über sich und seine Verzweiflung indem er zeigt, wie es um sie bestellt ist: Sie sind tot! Sie sind nicht zum Leben erwacht. Deshalb bleibt die Welt grau, und wirkt die traditionelle, überlieferte Kultur als Erbe wie ein Friedhof, über dem ein dunkler Himmel hängt. 

Wenn wir dies als "Teil 2" der Erklärungen bezeichnen, so nicht als Hintereinanderreihung, sondern um zu zeigen, daß es sich hier um Widersprüche handelt, die die Widersprüche der Gegenwart sind. Denn die Verlegung der Gründe, der Macht nach außen ist die logische Folge der menschlichen Ohnmacht, die aus dem Tod der Tugend hervorgeht. Verliert der von Dämonen umlagerte Mensch (siehe die Bilder zuvor) seine Selbstmächtigkeit, ist es immer eigenes Versagen, in den allermeisten Fällen Acedia, das Laster der geistigen Trägheit. Die moderne Welt bietet dafür aber nur eine Erklärung: Die der äußeren Umstände. 

Der Mensch ist dann nur noch ein Opfer der Mechanismen, die ihn umgeben und die andere über ihn gestülpt haben. Nur die Hände haben noch Fleisch - und die Hände, das ist das Gesetz, die Hände, die Hand ist der Mechanismus der Weltgesetze. Aber die Tugend hat kein Gesicht, kein Fleisch mehr, ja es ist zum bizarren Schrecken geworden. Die Hände (zwei tragen sogar einen Treue-/Ehering) suchen es, aber sie greifen ins Leere des toten Schädels. Man könnte es vielleicht sogar so deuten, daß das Konzept der Tugend (der inneren Durch- und Neugestaltung durch das Sein, und das sind die Tugenden) nicht mehr glaubt, daß es versagt hat. Nun sind Hände gefragt, nur sie blieben.

Das ist wahre Frucht des Hegelianismus, in dem Mensch und Geist (als menschlicher Geist) zu einem Produkt einer dialektischen Maschinerie werden. Der in den USA so verbreitete Behaviourismus knüpft mit seinem Menschenbild genau daran an. In diesem Bild wirken deshalb die (göttlichen, also der Gnade zu verdankenden) Tugenden hilflos und verzweifelt, ihre Zet ist vorbei.

Und hier haben die den Widerspruch auf einem Silbertablett serviert, in dem auch der Protegé von Delhez verharrt. Denn auf einer Seite wissen beide offenbar sehr gut um die Bedeutung der Kultur. Aber ihnen fehlt auf der anderen Seite der Weg und die Einsicht, wie man kultureller Mensch sein kann. Das zeigt sich nicht zuletzt in der Definition der Armut, deren (siehe die wunderbaren Schriften von Leon Bloy dazu) heilsöffnender Charakter völlig übersehen wird. 

Stattdessen wird materielle Armut verleumdet und sogar als heilsverhindernd angesehen, während hinter der Verzweiflung, die über die "tradionelle Kultur" gemalt wird, durchaus etwas wie Haß vermutet werden kann. Verachtenswert wird sie aber genau in dem Moment, wo Armut als ein unbedingt zu beseitigender Zustand angesehen wird, den zu beseitigen sogar ein "Recht" der Armen ist, das zu allem berechtigt. Denn hier wird Armut durch das wirklich heilsverweigernde Gegenteil - die Verkrallung in die Güter der Welt - ersetzt. Aber Armut ist der einzige Weg zum Heil! 

Denn sie heißt Sterben, sie heißt dieser Welt absterben, und das ist ihre wahre Größe und Sendung. Das heißt, daß die Armut dann zum Heil wird, ja eine ungeheure Heilschance sein kann und tatsächlich ist, die keineswegs einfach als "nicht von Gott gewollt" abgetan werden kann, das ist glatte Blasphemie. Sondern daß auch sie zur Form tragen möchte und kann, ja weit mehr und eher kann als der Reichtum, der an dieses innerste Geheimnis der Erlösung durch Geld nur schwer herankommt. Weshalb es den Reichen wirklich schwer ist, zum Heil zu gelangen! Die ersten Zielobjekte katholischer Pastoral müßten also tatsächlich die Reichen sein, sie sind zu allermeist die wahren Elenden.

Der Widerspruch zeigt sich damit auch im jetzigen Papst. Der Bergoglio-Papst löst nämlich die Form auf, immer und überall, aber nur Form kann Kultur sein, denn gerade sie ist der Auftrag der Armut. Bergoglio sieht aber nicht die Armut in ihrer Größe, er sieht nur die menschliche Sicht als Elend, weiß offenbar nicht, daß das eine, Elend, mit dem anderen, Armut, nichts zu tun hat. Und er tut es, weil ihm dazu ... die Tugenden fehlen, das muß man einfach rückfolgern. Also sind seine "Konzepte" auf das Außen der "Armutsbeseitigung" ausgerichtet, wo der Schuldige gesucht wird. (Das ist auch das, was man ihm sogar zu Recht als "sozialistischer Zug" vorwerfen kann.) 

Sieht somit nicht, ja schlägt den vielen Armen der Welt wirklich ins Gesicht (die es ja auch in unseren Breiten gibt, so ist es ja beileibe nicht), die in ihrem Leiden, in ihrem Sterben, an das sie täglich regelrecht angepreßt werden, daß die Armen die größte Gnadenquelle weil -pforte für die Kirche als mystischer Leib Christi sind, mit ihm in der Taufe, im Sakrament der Eucharistie verbunden. Ihr Blut ist es also vor allem, das den Kampf um die Welt austrägt und dem Erlöser aufs Kreuz nachgefolgt ist, und damit für die ganze Kirche wirksam wird. Denn die Grundhaltung der Kirche als mystischer Leib - ist das Betteln, wie Bloy so großartig schreibt.

Dieses Bild liefert also einen, ja vielleicht den Schlüssel, um Delhez, aber auch um Bergoglio zu verstehen. Vor allem aber haben wir JETZT ERST die Kriterien erarbietet die uns ein Urteil über die Werke von Victor Delhez gestatten können. Denn jetzt sehen wir klar unterschieden, wo seine künstlerische Größe liegt (im Empfinden, was ihn als Künstler klar ausweist), wo er aber noch nicht durch zur Katharsis durchgedrungen ist, wo ihm also jenes Licht fehlt, das ihn die Schemen der Ideologie ablegen läßt (unter denen jeder Künstler ganz gewiß schwer leidet!), die ihm nur noch den Ausweg der Verzweiflung finden läßt. Als läge vor seinem Gab ein schwerer Stein, den bisher nichts und niemand beseitigen konnte. Auch nicht sein Protegé, der Papst.


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Victor Delhez, "Die Drei Tugenden - The Three Virtues"





*020517*

Donnerstag, 1. Juni 2017

Hier haben wir die Gründe (1)

Und in Fortführung der Reihe über Victor Delhez finden wir hier nun die erste Säule der Gründe für die Verzweiflung des argentinischen Malers, die seine Werke zu Symptomen macht, wenn auch zu sehr guten. Er sieht die Gründe in einer von außen kommenden Macht der Vorsehungslosigkeit, die auf die menschliche Kultur einstrahlt und (Würfel!) nach Willkür und Zufall vorgeht, damit Verzweiflung in die Menschheit trägt. In der der brüllende Löwe frei umherstreift.

Nein nein, Herrschaften, hier mit "Häßlichkeit" zu argumentieren, aus der Delhez abzulehnen wäre, wie es manche Fromme meinen, ist falsch, sehr falsch sogar. Denn wem es gelingt, die Häßlichkeit wahr darzustellen (und darin ist sie dann sogar "schön", wenn auch nicht einfach angenehm oder gefällig) zeigt, daß er sie als Häßlichkeit begriffen hat. Wenn auch noch nicht überwunden.

Denn es läßt sich noch etwas anderes erkennen. Dieser auch beim Protegé des Argentiniers, seinem Landsmann Papst Franziskus, so ausgeprägte (wirkliche, und damit wirklich zerstörerische Teil des) Hegelianismus, in dem das Übel in einem Außen liegt, dem der Mensch hilflos ausgeliefert ist. Und warum ist das so? Am Sonntag zeigen wir es, denn diese Bildserie, die der VdZ im Netz fand, liefert eine großartige Erklärungslinie für manches.


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*020517*

Dienstag, 30. Mai 2017

Die Verzweiflung der Gegenwart

Wenn der argentinische Maler Victor Delhez auch offenbar die Lösung (noch) nicht gefunden hat, so scheint er doch künstlerisch so Einiges wahrzunehmen. Aber die Aufgabe des Künstlers ist, durch die Übel der Zeit durch zu finden, weil diese in sich zu überwinden. Gelingt das nicht, bleibt er zwar "richtig" in seiner Symptomatik, aber verzweifelt, und damit nicht wahr. Das vor ein paar Tagen gezeigte, von ihm gemalte Christus-Bild beweist es: Nur in einem Herakles kann solch ein Geist sich vorstellen, daß Erlösung naht. Sein Geist aber ist damit offensichtlich irdgebunden.



Gesehen auf whatsupwiththesynod





*020517*

Sonntag, 7. Juni 2015

Wo die Geisteskrankheit beginnt

Das, was wir landläufig als Geisteskrankheit bezeichnen, hat mit einer Erkrankung des menschlichen Geistes gar nichts zu tun. Es sind Behinderungen des Geistes, ja, Störungen des Trieblebens, des Vorstellungsablaufes, ja, Störungen der Wirklichkeitserfahrung, gewiß. Aber an allen diesen Störungen kann der Geist sogar noch wachsen und reifen. Sie liegen unter ihm, und betreffen nicht seinen eigentlichen, engeren personalen Vollzug. (Damit hängt auch zusammen, daß viele sogenannte Geisteskranke, in Anstalten gar, einen Blick aussenden, der einen in seltsamen Zwiespalt versetzt: Denn man spürt hinter ihrer Verrücktheit einen außerordentlich klaren Geist, der genau weiß, was sich hier im Vordergrund abspielt.)

Eine wirkliche Erkrankung des Geistes ist von seinem Inhalt nicht zu trennen. Er kann sein Leben nicht beliebig führen, ohne daß es auf ihn zurückwirkt. Die wirkliche Geisteserkrankung setzt dort an, wo der Mensch aufhört, nach der Wahrheit und Wahrhaftigkeit zu streben, wo er aufhört, das Gültige zu suchen, die Wahrheit, die Güte. Erst wenn er davon abgleitet, so schreibt Romano Guardini einmal, wird er als Geist in Frage gestellt.

Dieser Abfall ist nicht schon gegeben,wenn der Mensch irrt, schreibt Guardini weiter. Er ist gegeben, wenn er die Wahrheit aufgibt. Nicht schon, wenn er lügt, auch nicht wenn er häufig lügt. Sondern wenn er die Wahrheit als solche nicht mehr als verpflichtend nimmt. Nicht, wenn er die anderen täuscht. Sondern wenn er sein Leben darauf ausrichtet, die Wahrheit zu zerstören. 

DANN erkrankt er im Geiste. Das muß nicht einmal psycho-pathologische Wirkungen haben, solche Menschen sind sogar oft erfolgreich und wirken kräftig. Trotzdem wäre er krank, und ein nicht nur psychisch, sondern auch geistig sehfähiger Beobachter würde es wahrnehmen.

Wenn er also von der Wahrheit abfällt, dann wird er krank. Wenn er nicht mehr danach strebt, Gott und die Wahrheit zum Inhalt seines Aktes zu haben. Denn die Qualität, die Güte eines Geistes, schreibt Augustinus, hängt vom Wert und Rang des Inhalts ab. Dieser Wert aber, als Ziel, als logos (als: auf etwas hin), ist dem Geist als Aufgabe gegeben, er ist nicht einfach da oder eine Art Schicksal. Es ist Aufgabe seiner Freiheit, diesen Inhalt und Rang zu wählen. 

Der Wertrang eines Geistes bestimmt sich also aus seiner Freiheit, und damit auch sein Wirklichkeitsgrad, seine Wirklichkeitssicherheit und -gefährdung, seine Gesundheit, und seine Krankheit.

Aber der Geist hat sein Dasein nicht aus sich, er hat es empfangen. Und das Sein an sich kann er auch nicht mehr aufheben, nicht durch den schlimmsten Akt, nicht durch die böseste Absicht kann er sich selbst vernichten. Er kann nur in einem nicht endenden Akt auf das Nichts zustürzen (Guardini), ohne es je zu erreichen. Er kann es soweit als wertverneinenden Akt in Frage stellen, daß sein Geist nur noch Träger von Verfehltheit und Verdammnis und Verzweiflung ist.

Von dieser Krankheit kann auch keine Psychiatrie heilen. Sie ist nur durch Bekehrung, durch Umkehr heilbar - als personalem, geistigem Akt. Sie müßte also in einer Sinnesumkehr (logos) bestehen, und das kann schwerer sein als jede psychiatrische Behandlung.

Denn die Person selbst wird nur durch Gerechtigkeit und Liebe gewährleistet. Nicht aber, wenn sie ungerecht handelt fällt sie ab, sondern wenn sie aufhört, nach Gerechtigkeit zu streben. Denn nur in der Gerechtigkeit gesteht man den Dingen ihr Wesen zu (das sie erst zu dem macht, was sie sind), und das Recht, daß die damit zusammenhängenden Ordnungen ihr Recht haben. Und damit ordnet sich auch der Geist - in den Sinn. Denn Gerechtigkeit heißt, die Dinge in ihren Sinnzusammenhang (logos) stellen bzw. haben wollen.*

Dem Menschen ist alles übergeben (Gen 1, 27-30). Nicht als Gegenstand seines Beliebens, sondern als wesenshaltiges Gotteswerk zu treuen Händen seiner Erkenntnis und Ehrfurcht. Das zu sehen und zu bejahen, ist Gerechtigkeit; die erste und alle anderen grundlegende sittliche Haltung. (Guardini, aaO.)


Dort mündet die Genesis direkt auch in den Kulturauftrag als jenen Ort, in dem sich diese Gerechtigkeit wirklicht, die aber ohne Ordnung der Dinge in ihrem Zueinander, ohne konkrete Hierarchie der Schöpfung undenkbar ist. 

Fällt der Mensch davon ab, wird er zu einer Macht (weil ihm die Mächtigkeit dazu natürlich bleibt) - ohne Ordnung. Er wird krank.

Ebenso bedeutend ist die Liebe, schreibt Guardini an anderer Stelle. Denn Liebe heißt, die Wertgestalt im fremden (vor allem im personalen) Seienden zu erblicken; heißt von der Sorge um die Verwirklichung dieses anderen Seienden erfüllt und bewegt zu sein. Deshalb geht, wer liebt, in die Freiheit, weil er von sich und seiner eigenen Gebundenheit weg geht. Freiheit ist also ein Akt bzw. eine Aktmächtigkeit des gesunden Geistes. Und damit kann das Eigene wirklich werden: im Weggehen von sich selbst. Das ist dann gesunder Geist.

Wer also von der Liebe abfällt, der ist es auch, der krank wird. Nicht, wer einmal gegen die Liebe verstößt, oder öfter, oder häufig, oder wer einmal haßt, oder oft, oder einmal selbstsüchtig ist, oder oft. Aber er ist dann krank, wenn er diese Liebe zu etwas Unernstem macht, zu einer Frage von List und Gewalt oder Berechnendheit. 

Er ist krank, wenn er die Unordnung zur Ordnung erheben will, und er ist definitiv böse, wenn er das fordert und für andere durchsetzen will.**

Dann wird sein Dasein zum Kerker, er verschließt sich. Alles verschließt sich. Die Dinge bedrängen. Alles wird zuinnerst fremd und feind. Der letzte, einleuchtende Sinn schwindet. Das Sein blüht nicht mehr.




*Somit erübrigt sich auch jede Diskussion über Gerechtigkeit, wenn man nicht ZUVOR die Frage der Sachgerechtheit diskutiert. Wer meint, letztere zugunsten ersterer ausklammern zu können, will keinesfalls Gerechtigkeit. Aus dem Umstand von Ungleichheit läßt sich also niemals Gerechtigkeit ableiten, eher im Gegenteil ließe sogar Ungleichheit, auch große Ungleichheit, auf Gerechtigkeit schließen.

**Deshalb steht der Fanatismus immer sehr der Bösheit nahe, ohne es aber immer schon zu sein. Denn der Fanatiker ist fanatisch, weil er über dem Nichts Willkürliches zu errichten sucht - ihm ist aber auch das Gute noch Willkür. Das ist sein ontischer Mangel, unter dem er selber am meisten leidet. Aber er ist nicht automatisch böse, lediglich noch nicht gut. Wenn es auch den bösen Fanatiker - aus denselben Konstellationen, aber mit andern Inhalten - gibt, und beim Fanatiker eins ins andere sehr rasch umschlägt.



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Freitag, 9. Januar 2015

Die Welt ist zuerst Spiel, nicht Zweck

Das Zweckdenken, das Denken, daß alles auf Erden einem Zweck diene und  nur deshalb überhaupt da sein, und wo es diesen Zweck verfehle, wieder vergehe, ist keineswegs ein inhaltliches Denken. Es ist ein DenkSTIL, es ist eine menschliche Haltung, die dem Denken noch vorausgeht und es präformiert. Damit aber schränkt sich jedes Forschen in einem ungeheuren Ausmaß ein, und wird der Fülle der Erscheinungen einfach nicht gerecht, ja, es blendet die Fülle der Erscheinungen sogar zunehmend aus. Man "sieht" immer weniger.

Das ist auch das Verwerfliche am Darwinismus. Zum Generalschlüssel erhoben, verhindert es sogar zu erkennen, was an den darwinistischen Gedanken durchaus brauchbar wäre. Denn natürlich gibt es  eine gewisse Selektion, natürlich wirkt auch Anpassung, und natürlich prägen auch Zwecke, aber jeweils nur in bestimmtem Rahmen, der aber nicht einmal entscheidend ist, um die Gestalt eines Lebewesens zu verstehen.

So bleibt auch kein Platz in diesem eingeschränkten Denken für ein Prinzip, das vielleicht als Sinnorientierung aller irdischen Gestalten, in jeweiliger Höhe der Stufe des Daseins, als entscheidend gesehen werden muß - das des freien Spiels, auf das alles Seiende hinweist, und in dem es sich letztlich im Menschen in voller Höhe präsentiert. Denn dort vermag er auch zu schaffen, erst dort ist die Freiheit erreicht, die in allen Wesen unterhalb seiner nicht möglich ist, weil dort noch alles lückenlos in ein Formengeflecht eingebunden ist, das in sich (bliebe es in sich, gäbe es den Menschen nicht) in die Erde eingeschlossen ist. Obwohl es auch dort den Zweck ständig überschreitet. Denn für Blumen oder Schmetterlinge, für Sexualmerkmale wie Hauserzähne, Geweih oder Spiegel, gibt es keine wirklich erhellende Zweckbestimmung. Auch nicht für rein gestalterischer Freude folgenden Organen, die zuweilen sogar dem Selbsterhaltungstrieb widersprechen.

Innerhalb der bloßen Mechanik des Denkens - denn Zweck kennzeichnet die Maschine, und selbst dort gibt es als Leitgedanken das Spiel der Form, ja wo die Form, das Gestaltungsspiel aussetzt, beginnt sogar das Reich des Nicht-Menschlichen - bleibt also für einen immer größeren Bereich der Welt als Welt der Erscheinungen nur noch die Flucht ins "irgendwann Erklärbare", in "black boxes". Dahinter aber steht nicht die Kraft der Vernunft, die wird nur behauptet. Weil reduziert auf eine bloße mechanistische Logik, die aber selbst die erfahrbare Wirklichkeit des Denkens überhaupt nicht mehr erfaßt, das beim Denken Erfahrene hingegen ab- und entwertet.

Aber auch das ist eine Haltung präformierenden Denkens, was sogar genau aus dieser Haltung zwangsläufig hervorgeht. (Pöltners "Evolutionäre Erkenntnistheorie" übrigens zeigt sehr schön diesen Zirkelschluß.) Und damit zerrönne Denken, Erkennen ins völlig Wesenlose, weil uns die Welt selbst niemals zugängig würde, wir bloßes Tier blieben. Wozu wir aber praktisch unsere gesamte reale Erfahrung, auf der wir doch überhaupt unser Selbstsein, unser Bewußtsein aufbauen, ausblenden müssen. Der Mensch würde damit zum zufällig treibenden Luftballon, dem alles in Sinnlosigkeit zerfiele. 

Warum er dann dennoch Sinn braucht, vermag diese Sicht schon nicht mehr zu erklären, bestenfalls zu behaupten, ohne es diskursiv argumentieren zu können. Denn dann fiele auch der Diskurs ins Wesenlose, und die Welt würde definitiv zur Hölle des Zufälligen und Sinnlosen, der nur noch mit Verzweiflung zu begegnen wäre. Denn auch die Logik bliebe nichts als leeres, sinnloses Gewäsch. So, wenn also das Denken bestenfalls noch den Zweck hat, sich im Dasein zu halten, kann ein Mensch nicht leben. Selbst die Wissenschaft - auf die er sich ja beruft - wird damit sinnlos, weil es keine Gewißheiten mehr gibt, und die ihm selbst als solche erscheinenden Gewißheiten zu zynischen Selbstaffektationen, zu Selbsttäuschungen werden.

Damit fallen aber alle Werte, alle Liebe, alles, was ihm selbst das Leben lebenswert macht (ohne daß er sich des Lebensdurstes erwehren könnte, der ihm auf seltsame Weise ein alles umfassendes Gut präsent hält: Leben, empirisches Leben). Dieses Denken führt unzweifelhaft und direkt in jene lebensfeindlichen Höllen, die die Menschheit zuweilen zu ertragen hat, weil sie ihr manche bereiten.

Wie anders aber eine Welt, die zuerst der Schönheit geweiht ist, was sich tief begründen läßt, verstehen läßt, wenn man es denn verstehen will. Die sich im Licht des Sinns aufschließt, und plötzlich dem Menschen eine Dimension zugängig macht, die das Leben und die Welt in ein ganz anders Licht stellen, und ein ganz anderes Verstehen eröffnet. Das aber genau das nicht macht, was heute so verbreitete Haltung ist: die Welt im Zweck, den man ja erst selbst als solchen bestimmen muß, ersticken zu lassen. Denn nicht wir bestimmen die Vernunft, wir bestimmen nur das Maß unserer Vernünftigkeit. 

Und das tut der Zweckdenker nicht weniger. Nur findet er den Weg des Selbst zur Vernunft nicht, weil er die alles Leben abtötende Sicherheit eines selbstgewählten Gefängnisses (und wenn er dieses Gefängnis auch frei wählt) der Freiheit des Schöpferischen, des Spiels, der Schönheit vorzieht, die sich aus dem Studium des Lebens selbst - als Wirklichkeit, in der wir (jener wie diese) vor allem stehen - ergibt. Er verweigert das Wasser, weil er nicht sehen will, daß der Durst nicht auf Unfreiheit, sondern auf die Bedingung für Freiheit und Freude abzielt. Denn der Mensch faßt das gesamte Universum in sich zusammen, als Zentrum und Krone aller Dimensionen. Aus einer - empirischen - Richtungskraft des (immer geheimnisvollen, einfach "da-seienden") Lebens selbst, das aus sich heraus, folgt man ihm, immer zu seiner Steigerung in das Schöne, Zweckfreie, aber Sinnvolle führt, niemals zu seiner Vernichtung.

Doch das zu erkennen vermag nicht der, der sich durch seine Haltung diesem Erkennen verschließt. Und sich dabei auf eine vorgebliche empirische Gewißheit beruft ... und dabei übersieht, daß er eine Vorentscheidung, gedanklich, verstandesmäßig, trifft, keinesfalls der Empirie folgt, auf die er sich beruft. Sodaß ihm seine Denkstruktur dieses Gefängnis bereits vorgibt, und die - empirische - Erfahrung und Gewißheit der Freiheit des Geistes, in der alles in einer ungeheuren Ordnung aufleuchtet, verhindert.




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