Dieses Blog durchsuchen

Posts mit dem Label Hörmann (Prof. Franz) werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Hörmann (Prof. Franz) werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 23. Januar 2015

Wahrheit ist eine ganz andere Frage

Na dann bringt es der VdZ denn doch - den 1 1/4stündiger Vortrag (audio) von Harvey Friedman (die Zahl seiner Pseudonyme dürfte legendär sein), auf den ihn Leser V hingewiesen hat. Für welchen Vortrag Ähnliches gilt (nicht zufällig beruft sich Friedman auf ihn) wie für die Thesen des Wiener Universitätsdozenten Franz Hörmann,. der wie Friedman öffentlich auftritt, um Zukunftsszenarien zu entwerfen, ja tatsächlich vorzubereiten.

Sinngemäß gilt dasselbe: Da ist an eigentlich allen Details mehr oder weniger Richtiges dran. Aber das GANZE ist blanker Unsinn, und eine Auseinandersetzung damit kann nicht über Diskussion über Details erfolgen.

(Wobei: es wäre möglich, sehr wohl möglich; aber Verstehen ist eben nicht das plumpe Ergebnis einer mathematischen, quasi zwingenden "datenorientierten" Operation, so wenig man ohne Daten und Tatsachen auskommt!) Und der VdZ kennt eine Szenerie, besitzt eine Innenkenntnis der (wirklichen) Europäischen Hochfinanz, wie sie den allermeisten Menschen ganz sicher VÖLLIG unbekannt, ja unvorstellbar ist. Die auch dem Vortragenden Friedman - das behaupter der VdZ - ganz gewiß nur vom Hörensagen, wenn überhaupt, bekannt ist. Stichwort: Toskana ... Wer immer an Namen auftaucht, ja überhaupt bekannt ist, er "ist es nicht", der diesen, von Ihnen vermuteten Part im Schauspiel einnimmt. Das um sein Begrenztheit weiß. Wer immer also gar glaubt, er hätte etwas zu sagen,. er hätte die Welt "in der Hand" - vergessen wir ihn getrost.

Mit "Rothschild sind die Bösen" ist da rein gar nichts gewonnen, die Dinge liegen viel, ja VIEL komplexer, und sind in solchen Schwarz-Weiß-Rechungen nicht einmal annähernd erfaßbar. Und nicht "die Rothschild" sind die Bösen (ja, selbst wenn sie selbst das glauben). Die Analysen werfen am Ende der Rechnung nicht "die Übeltäter" (und nicht einmal übeltäterisch einfach isolierbare Faktoren!) aus. Alle, ausnahmslos, bleiben in Seitengassen stecken.

Und das heißt schon gar nicht, daß der saloppe Hinwurf, daß Politiker in der Regel Nieten am Gängelband der Hochfinanz sind, verkehrt wäre.

Wobei,  nur so nebenbei: Es GIBT diese Hochfinanz in Österreich gar nicht, also nicht politisch-substantiell. (Sehr wohl aber: in Personen, die hier quasi zufällig wohnen.) Raiffeisen etwa eine Rolle zuzuschanzen, die sie gar nicht haben (was bestenfalls ein paar Taschenbillardistas schmeichelt), ist zum Lachen, Herr Friedman. Vielleicht reden Sie, Herr Friedman, überhaupt über Dinge, die Sie gar nicht kennen, nicht verstehen, und deshalb als Angstszenario aus "Daten" zusammenschustern.

Die hier vertretenen Thesen "sachlich" zu kritisieren, im Detail, wäre aber eine Diskussion über das Insgesamt des Menschen, der Geschichte, der Wirklichkeit überhaupt. DORT liegt das Problem, denn dort liegt das persönliche Problem: Jede These ist nämlich ein persönliches Problem. Es gibt keine Wahrheit, die sich aus rein rationalen Kategorien wie ein Summenspiel ergäben. Sie gründet im Letzten immer in der Person.

Nur ein winziges Detail, winzig weil nur so herausgreifbar: Da mangelt es doch völlig am Verstehen des Wesens eines Staates! Der Geschichte, der Anthropologie, Philosophie als Verstehensprozeß vermutlich überhaupt, ja wo nicht ...

Aus diesem Vortrag muß man sogar schließen, daß - egal, wie viele Erfahrungen der Vortragende auch summarisch gesammelt haben mag, und nun schildert - das Verständnis von Wirklichkeit bei Friedman es ist, das den Gesamtvortrag nahezu verrückt (wenn auch nicht weniger unterhaltsam) macht. Wozu das daraus ableitbare Detailwissen deshalb gut ist, ist hier nicht beantwortbar.

Die aus dem Vortrag ableitbaren Handlungsimperative sind deshalb sogar grotesk, ja zum Fürchten, und seine ideellen Implikationen aufzuzeigen wäre vielleicht sogar für diesen Herren selbst ein Problem.

Der VdZ wagt die Behauptung, daß Friedman dabei sogar genauso typisch zu charakterisieren ist wie jene, die er kritisiert: In einem völligen Verkennen der Komplexität, der Ineinanderverwobenheit, der dialektisch aufeinander bezogener, dabei sogar zuweilen von schöpferischen Akten bekennzeichneter politischer, wirtschaftlicher, geistesgeschichtlicher, überhaupt also geschichtlicher Prozesse, also der Natur menschlichen Handelns.

Sodaß man eigentlich zu der Aussage kommen muß: Um solche Gesamtaussagen zu machen, muß einem fundamentale, realistische Wirklichkeitserfahrung, als Erfahrung eines schöpferischen Prozesses, fast völlig fehlen, trotz "detaillierter empirischer Erfahrung", oder nie möglich gewesen sein.








***

Donnerstag, 11. Dezember 2014

Da stimmt rein gar nichts

Früher dachte der VdZ einmal, daß so manche Ideen des Prof. Hörmann irgendwie originell seien, und zumindest für eine Durchlüftung des Gehirnsystems taugen. Nach Betrachten dieses Videos widerruft er diese Einschätzung. Dann was Hörmann hier verkündet, zu einer Gesamtutopir gerundet, ist schlicht und ergreifend ... Unsinn. Und zwar von vorne bis hinten. So sehr, daß ein argumentatives Eingehen darauf verschwendete Lebenszeit ist.

Das Video ist rein deshalb interessant, weil es einen Überblick über Meinungsinhalte gibt, die heute gar nicht selten sind, aber nur eines anzeigen: Wie verwirrt die Menschen längst sind. Daran ändert auch nichts, daß Hörmann seine Utopie in Eutropie umtauft. Denn das beansprucht jede Utopie.








***

Donnerstag, 19. Mai 2011

Erfrischender Cocktail

Was soll man zu dem sagen, was Professor Franz Hörmann (Wirtschaftsuniversität Wien, sein Fach: Bilanzierung; es war hier schon einmal die Rede von ihm) in der "Bezirksrundschau Urfahr" (!) von sich gibt? Er hat in vielem Recht.

Prof. Franz Hörmann
Nicht Recht hat er freilich bei allem, was auf seinen seltsam unklaren Begriff von "Geld" aufbaut. (So wie ich ja seinen brachial-kommunistischen "Visionen" keinesfalls etwas abgewinnen kann.) Aber das können Sie selbst nachlesen, jetzt sind sie ja gewarnt. In seinen Prognosen stimme ich ihm sogar überhaupt nicht zu - eine Inflation zu prognostizieren ist keine Prognose, denn wir befinden uns seit vierzig Jahren mittendrin.

Seit der Staat über Geldvermehrung Poiltik macht, Gesellschaftspolitik übrigens (und die läuft ja in Österreich über die Gewerkschaften, die lange Zeit eigentliche Macht in diesem Land, schon seit 65 Jahren), seit er Geld verteilt im Sozialstaat, solange schon inflationiert unser Geld, und wird es weiterhin und noch mehr tun, weil das die einzige Art ist, wie solche Geldmengenvermehrung sich absorbiert: Wert tariert sich zu Wert, Geld (in unserer Form, als Papier- und Buchgeld) steht nur "dazwischen" und drückt das aus.  Da braucht's kein dramatisches "über Nacht".

Vielleicht hat Hörmann genau dort das Problem - denn das ist auch der fatale Trugschluß der marx'schen Wirtschaftsthesen, auf dem dann sein ganzes Nachdenken aufbaut: auf dem Irrtum, Geld hätte einen absoluten Wert. Geld, Wert und Ware sind aber fließende weil letztlich subjektive Bezüge. Aber vielleicht meint er es auch so, wenn er sagt, daß es kein Geld gibt, sondern nur Wertbezüge, und Wert sei "eine dimensionslose Größe".

Sehr richtig ist auch, wenn er sagt, daß Banken im Grunde immer bescheißen: denn das Geld, das sie verleihen, ist niemals ihres (paradoxerweise aber ist gerade das, das sie schaffen, indem sie weit mehr verleihen, als sie Spareinlagen haben, umso mehr "ihres"!) - eine Bank ist also (das sagt im Grunde Ludwig Mises oder Murray Rothbard, also die "Österr. Schule d. Volkswirtschaft") immer eine Form von ... Betrug. Mit einer großen Ausnahme: wenn nämlich die Eigentümer der Bank mit ihrem Privatvermögen haften, und das war ursprünglich und gerade auch bei den größten Banken der Fall.

Seine Analysen sind aber in jedem Fall erfrischend. Hier seien deshalb einige seiner besten Sätze aus diesem Artikel gebracht. Zu Themen, die so pointiert hier noch nicht ausgestellt waren, die aber nach den wirtschaftlichen Entwicklungen der letzten Jahre längst aufs Tapet gehört hätten: weil sich herausgestellt hat, daß die Denkgrundlagen unserer Eliten völlig versagt haben! Die Vernunft ist längst woanders beheimatet, das war eine der großen Folgen des Zusammenbruchs 1918, dem eigentlichen Schreckensdatum für das Abendland. Es stimmt: was in diesem Land (und weltweit) wirklich passiert, hat die Grenze zur (staatlichen) Räuberei schon häufig überschritten.

Hingewiesen sei vor allem auf die Aussage, die sich auch hier längst fand: daß all diese "Rettungsaktionen" für Banken letztlich nur Aktionen der Staaten waren, ihre eigene Zahlungsfähigkeit zu erhalten. Die Staaten brauchen die Banken, sonst kann die Politik sich nicht weiter finanzieren. Die Quittung dafür erhält der Steuerzahler, die Bürger, wer sonst. Im Parlamentarismus gibt es ja "den Staat" noch weniger, als in einer Monarchie, wo es ja noch annähernd etwas wie Privathaftung gab.

BezirksRundschau: Verschuldet sich der Staat am Kapitalmarkt?
Hörmann: Nein, nicht am Kapitalmarkt, er ist bei den Privatbanken verschuldet. Den Kapitalmarkt als Institution gibt es nicht. Das ist ja nur ein Wortspiel. Es gibt ja nur die Teilnehmer am Kapitalmarkt. Diese spielen untereinander Spiele. Das ist so, wie in einem Pokerzimmer. Sie schulden dem Pokerzimmer nichts. Sie schulden den individuellen Spieler etwas. So schuldet der Staat den einzelnen Banken etwas. Das ist natürlich vollkommen absurd, grotesk und skurril, denn die Banken, bei denen der Staat selber verschuldet ist, sind genau die Banken, die er jetzt mit Steuern gerettet hat.

BezirksRundschau: Sie sprechen Hoheiten an. Inwieweit ist unser Wirtschaftssystem ein Erhaltungssystem geschaffen für „Eliten“?
Hörmann: Zu hundert Prozent, es war nie etwas anderes. Die Familienmitglieder und Freunde der Politiker haben ihre eigenen Banken und können denen – wann immer sie wollen – Kredite, Vorzugsaktien, Wertpapiere, von denen sie wissen, dass der Kurs steigt, und laufend risikolose Gewinne zukommen lassen. Massenweise und nur so. Das geht wie man sieht in Kärnten sogar auf Landesebene. Wahrscheinlich sogar auf der Gemeindeebene, wenn es eine Gemeindebank ist. Banken sind private Geldpressen.

BezirksRundschau: Der Ökonom Stephan Schulmeister hat an der Linzer Uni kürzlich gesagt, die Wirtschaftswissenschaft ist eine autistische Wissenschaft. Was sagen sie dazu?
Hörmann: Die Veränderungen, die wir jetzt momentan haben, werden dazu führen, dass es Wirtschaftswissenschaften gar nicht mehr geben wird. Wirtschaftswissenschaften haben schon jetzt, so wie sie heute in den Lehrbüchern steht, keine Existenzberechtigung mehr. Überhaupt keine. Jeder, der heute so etwas noch vorträgt, der muss das wirklich vor seinem eigenen Gewissen verantworten können. Wir brauchen Psychologie, wir brauchen Soziologie, wir brauchen Technologie und wir brauchen ein anderes Menschenbild. Wirtschaftswissenschaften und Rechtswissenschaften sind keine Wissenschaften. Weil etwas, das ich nicht überprüfen kann, das ich aber aus Gründen, die ich nicht erklären kann, anderen als Norm vorgeben will, kann man nicht mit Wissenschaft rechtfertigen. Das sind nichts anderes als Fassaden zur Aufrechterhaltung von Herrschaftsmustern. Diese brechen jetzt zusammen, durch die freie Informationsvernetzung.

***

Donnerstag, 14. Oktober 2010

Doch noch eine Notiz

Binnen Stunden fanden sich unter dem Artikel des Wiener Universitätsprofessors Franz Hörmann "Banken erfinden Geld aus Luft" im Standard tausende Postings. Die meisten begeistert zustimmend. Was hatte Hörmann da geschrieben? War bzw. ist der nicht Professor für Bilanzwesen? Was hat der zur Wirtschaftskrise der Gegenwart zu sagen? Eine Replik, die heute im Standard zu lesen war, nimmt süffisant genau darauf Bezug: der solle aufhören, Prophet zu spielen, sondern sich um seine Bilanzen kümmern.

Der Verfasser dieser Replik diskreditiert sich selbst. Denn die Finanzkrise der Gegenwart ist EXAKT eine Frage der ... bilanziellen Bewertung. Es ist eine Frage der WERTE, das kann man durchaus in jeder Hinsicht so sehen. Und der VdZ wird nicht vergessen, wie er noch vor zwanzig Jahren ausgelacht wurde, als er aus der konkreten Erfahrung als Unternehmer heraus nicht nur das Wesen der heutigen Wirtschaft exakt erfaßte, sondern auch öffentlich darlegte, daß die Bilanzen der Unternehmen das Papier nicht wert seien, auf dem sie stünden - der Wert eines Unternehmens sei nur solange vorhanden, solange das entsprechende Bewertungssystem aufrecht sei. Sobald dieses wanke, breche wie im Dominospiel ein System zusammen, und (den Begriff verwendet auch Hörmann) dann bewahrheitet sich, daß der Liquidationserlös eines Unternehmens, ja der Wirtschaft, exorbitant geringer sei, als die geschaffene Geld- (und Kredit-)menge.

Die Frage der "Werte" einer Gesellschaft und der ihr zugehörigen Wirtschaft ist also von immenser Wichtigkeit, denn sie ist einerseits extrem relativ, somit anderseits keine abstrakte "An sich-"Basis für Kredite und "neues Geld." Geld hat kein "an sich" - es ist nur ein Ausdruck des Bezugs von Leistungsversprechen von Personen, es ist nicht mehr.  (Auch darüber stand hier erst jüngst wieder zu lesen.)

Gefahr ist also immer dann in Verzug, wenn sich die Geldmenge von dieser - noch einmal: MENSCHLICHEN - Leistung entfernt. Im Grunde ist das diese menschliche adhoc-Leistung überschreitende Geld LEER, es existiert nur noch virtuell, und ist somit Inflationsauslöser (und das hat sich noch immer so eingestellt, noch kein Geldsystem der Geschichte hatte lange Bestand). Auch Gold kann das Problem nur teilweise lösen, nur etwas verbessern. Ein System wie es sich nun weltweit etablierte, das GELD zum Leistungsträger machte, und den Menschen regelrecht aus dem System nehmen wollte - die Bilanz zieht jede seriöse Demographie -, ja die den Menschen gar als Hindernis (Abtreibung, Verhütung, Überbevölkerungshysterie etc.) zum glücklichen Leben begreifen wollte, muß also zwangsläufig scheitern!

Bis ins Detail decken sich die Befundanalysen Hörmanns mit dem, was auf diesen Seiten seit langer Zeit zu lesen, und seit Jahrzehnten Ansicht des Autors ist. (Wenn auch nicht in allen Einschätzungen, vor allem was die Ursachen betrifft, dazu unten.) Über die fundamentale Schwäche des Zustands unseres Wirtschaftssystems, wie es sich entwickelt hat, und die Nähe herrschender Steuerungsinstrumente samt der sie stützenden Politik zum Verbrechertum.

Hörmann geht freilich weiter. Er prognostiziert klar, und das ehrt ihn sogar auf eine Weise, daß der Euro 2011 zusammenbrechen wird, und daß 2013 ein Totalzusammenbruch unseres weltweiten Wirtschaftssystems ansteht. Diesem wird eine völlig neue Art des Wirtschaftens folgen.

Und genau da hakt es dann. Sind Hörmanns Analysen noch exakt und nachvollziehbar, mischt er ab diesem Zeitpunkt nur noch blanke Utopien ein, die vom ratlosen Leser - und die Mehrzahl jener sind wohl so zu attribuieren - mit dem Köder geschluckt werden.

Dabei ist es ältester, abgestandener Aufguß, den Hörmann da verbreitet. Simpler Etatismus, Planwirtschaft ganz einfach kommunistischen Zuschnitts, oder, wie in einer Artikelreihe hier erst vor kurzem vorgestellt war, eine NEUE WIRTSCHAFT, wie sie im Deutschland der 1920er Jahre von Männern wie Rathenau zu einem "wissenschaftlich ausgeklügelten" System ausgebaut wurde. Gerade mit Rathenau's NEUER WIRTSCHAFT decken sich Hörmanns Vorschläge auffallend.

Auch Hörmann meint zum Beispiel, daß das Zentralproblem des Wirtschaftens, die Motivation, auf ähnlich naive, blauäugige Weise wie Rathenau das für möglich hielt, zu beseitigen wäre. Wenn allen der Druck genommen wird, so Rathenau, so Hörmann, dann würden alle glücklich. Dann würden alle motiviert, dann würden alle kreativ und selbstverwirklicht endlich in eine neue Zeit aufbrechen. Fuchs schläft neben Gans, und Wolf neben Rehlein, und alle habe sich lieb. Spätestens da läuft einem der kalte Schauer über den Rücken, denn spätestens nun wird klar, daß auch die Vision Hörmanns eine gottverdammte Utopie ist, die nicht nur aus ihrer Natur heraus in Terror mündet, sondern die das sogar erst jüngst bewiesen hat. Daß dies noch immer zuwenig bekannt ist, und dieser Mangel ist immer schon zu beklagen gewesen, beweist sich ohnehin oft genug. Es gibt aber keine Alternative zur Freiheit, und es gibt ihn nicht, den Mittelteil des Übergangs, wo man einfach einmal ein paar Jahre und Jahrzehnte streicht, um dann, dann endlich, ins Paradies einzutreten. Nicht hier auf Erden! Nicht, weil alle so böse sind, wo doch alle auch anders könnten, man müßte sie nur ... nein: Prinzipiell. Darum geht es nicht!!! Hörmanns Ziele sind verkehrt, weil die Anthropologie dahinter, die in Hörmanns Thesen mitgeliefert wird, falsch, einfach falsch ist. Hörmann verbreitet somit letztlich nichts als Weltanschauung. Und zwar nicht einmal eine sehr originelle, sondern er verkauft abgestandenes Regenwasser. Vielleicht trinken die Leut es ja jetzt ...

Diese fundamentale, aber sogar gefährliche, Schwäche des Hörmann'schen Beitrags verrät sich aber selbst dort, wo er Mischsysteme (!) wie in China als Alternative vorschlägt. Wo sich Elemente des freien Wirtschaftens mit zentraler Lenkung vereinen. Ähnliches gab es ja auch bei uns - in Zeiten des Krieges. Im Ersten Weltkrieg genauso wie im darauffolgenden. Die Schäden sind irreparabel.

So verlockend es ist, und gerade jetzt ist es verlockend, das liegt in der Luft: die Messiaserwartung steigt und steigt, denn die Welt ist in ihrer Widersprüchlichkeit für die Menschen nicht mehr verstehbar, auch weil ihnen das wesentliche Instrumentarium abhanden gekommen, nein, aus den Händen geschlagen ist: der Hausverstand (und Hörmanns Analysen gehen über diesen Rahmen ja gar nicht hinaus!). Es gibt keinen "verordneten Weg" ins Glück, in die Freiheit, aus dem Chaos heraus. Unser Problem ist ja gerade die Überregulierung der letzten Jahrzehnte, ist der Mißbrauch der Staaten und Gesellschaften in ihnen durch die Politik.

Es gibt keinen "optimalen Weg", kein Wunschbild, keinen Idealzustand, den es anzusteuern gälte, mit diesen oder jenen Gesetzen und Regelungen. Hörmann arbeitet genau mit solchen Visionen, die uns schon jetzt das Genick gebrochen haben: Wohlstand für alle, vereinfacht; Glück und Zufriedenheit für jeden! Nein! Die Welt ist nicht so, daß das möglich wäre, nicht in dieser Welt, in der Freiheit auch heißt, Risiko zu tragen, weil NUR DANN Freiheit überhaupt gewirklicht ist.

Konkret, um ein Beispiel aus den Vorschlägen Hörmanns (und Rathenaus) herauszugreifen: mitnichten werden die Menschen freier und schöpferischer ihr Leben wirklichen, wenn sie alle ein garantiertes bedingungsloses Grundeinkommen haben (wobei Rathenau es noch, so realistisch war er immerhin, es mit Arbeitszwang verband, übrigens: exakt was die DDR bzw. der ehemalige Ostblock machte). Stattdessen werden sie sogar demotiviert! Die Jugend der Gegenwart, die schon exakt in dieser "Garantiehaltung" heranwuchs (hier verschätzt sich Hörmann bereits in seiner Zustandsanalyse), beweist es, nicht zuletzt. Wer das Leben nicht als Erwartung an einen selbst erfährt - der hört auf zu geben, der hört auf morgens aufzustehen. Hatten wir erst unlängst ...

Schon diese Erwartung überhaupt zu haben zeigt die Krankheit - weil die Menschen vom Staat, von "der Gesellschaft", vom anderen ihr Lebensglück erwarten. Und auch hier irrt Hörmann schon in der Analyse: denn exakt in dieser Denaturierung liegt bereits die eigentliche Ursache der Wirtschaftskrise, und bald, nach Hörmann, nach mir, der totale Zusammenbruch. Wobei, und auch das kalkuliert Hörmann (weil er sich eben im Menschen verschätzt) nicht ein, es einen TOTALEN Zusammenbruch nicht geben wird, nie gab! Es bricht immer nur ein mehr oder weniger großer Überbau zusammen. Die Menschen aber, die mit zwei Beinen und zwei Händen und Herz und Verstand und Mund und Augen, die gehen schon am nächsten Tag her, in der nächsten Stunde, und organisieren sich ihr Leben neu. Einfacher, schlichter, mangelhafter - aber es hat NIE einen TOTALEN Zusammenbruch gegeben.

Der Staat solle aber, so Hörmann, so Rathenau, so andere, dann richten, was ER eingebrockt habe ... Nein, nein, und nochmals nein: Gesundung wird nicht DURCH DEN STAAT eintreten. Es kann nur Gesundung geben, wenn die individuelle Freiheit wächst. Sie ist unser Problem. Und sie ist fundamental anders, als es auch Hörmann verkündet. Sie bedeutet nicht Willkür, sondern die Möglichkeit des freien, vernünftigen, überlegten, ungetriebenen Verhaltens zu sich. Ein solcherart "herbeigesehntes" gesellschaftliches Klima ist ohne diese individuelle Freiheit, die eine persönliche Lebenswahl sein muß, sonst ist sie nicht Freiheit, nicht erreichbar.

Also kann eine Gesundung erst eintreten, wenn erstens die Fieberkrise wirklich ausgestanden ist, und zweitens Regelung um Regelung, Mißbrauch um Mißbrauch zurückgenommen worden ist. Sodaß die Menschen wieder zurück auf ihre eigene Problemlösungsfähigkeiten und Lebenskraft geworfen werden - und wieder beginnen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Und auch dann werden wir erleben, daß viele das System ausnützen, daß noch mehr ihre Freiheit verfehlen. Aber: SO IST EBEN DIE WELT!

Gott bewahre uns vor jenen, die uns hienieden eine bessere Welt einzurichten versprechen - wir sollen sie nur machen lassen. Ich glaube, es ist Duns Scotus, der einmal sagt, daß der Mensch nichts der Welt hinzufügen kann! Er solle aber dahinter sein, daß er ihr nichts nehme. Dann habe er die Tugend.

***
 
Vielleicht sind es aber die Leserreaktionen, die am interessantesten sind. Die Euphorie im Standard trägt nämlich alle Anzeichen eines wirklichen Erleichterungsgefühls, das eine tiefliegende Sehnsucht nach einem Ende des Drucks, nach einem Wechsel um jeden Preis ausdrückt. Auch das ist ein dezenter Hinweis, daß sich die Geschichte immer auffälliger wiederholt: Wir befinden uns in einer Schleife, die nun bei 1920/1930 angelangt ist. Wie es weitergeht? Hm ...


*141010*