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Samstag, 23. Juli 2022

Von fataler Romantisierung und noch fataleren Undifferenziertheiten (2)

Technizisten protestieren eben schneller als Substantialisten. Sind sie acher? Nein. Entwurzelter, universalisierter? Ja. Hier schreibt der Sohn eines der ersten Bauernbund-Politikers Österreichs nach 1945. Der die kommende Politik gehaßt, aber auch die Bauern wegen ihrer primitiven Gier verachtet hat. - Herrschaften, das sind reale Probleme, und deren gibt es noch mehr. Sie verlangen, daß man auch die unerträgliche Lgein den Niederlanden mit feiner Pinzette sortiert. Der Bauer hat sich in Europa nämlich schon in weiten Teilen - und zwar AUS POLITISCHEM WILLEN, es war gewollt, es war herausgefordert, es war gefordert und mit Milliarden udn Abermilliarden an Geld bewässert - zu einem Industrieunternehmer entwickelt, der kaum noch über die wahren Zusammenhänge von Leben und Lebendigem nachdenkt.

Samstag, 19. März 2016

Was haben die Väter gemeint?

Josef Wagner (1919-1973) - Aufnahme 1942
Der VdZ war von diesem Video-Interview sehr berührt. Immerhin hat der Vater des VdZ eine der dem Interviewten "ähnliche" Kriegsgeschichte 1939-45 erlebt. Josef Wagner war an allen Fronten bis 1942. Polen, Frankreich, Rußland.

Die Dinge sind komplex. Die Geschichte stellt uns immer vor Aufgaben, die wir erst aus der Distanz besser einordnen können.

Der Vater des VdZ war ab Ende 1944 (dokumentiert) im Widerstand, in dem, was man später "Freiheitskampf" (für ein neues Österreich) nannte. Dieser Umstand hatte dann seine nähere Heimat - das Mostviertel - viel zu verdanken. Es wurde ihm in seinem Heimatort Neuhofen/Ybbs. dem er nach 1945 als Bürgermeister vorstand, in der Ernennung zum Ehrenbürger gedankt. 

Der seinerzeitige Major (und spätere Generalmajor) Otto Ernst Remer (Träger des Ritterkreuzes mit Eichenlaub) - ist berühmt. Von ihm existieren nicht nur Filmaufnahmen, sondern auch die Tonbandaufzeichnung jenes legendären Telephonats mit Adolf Hitler vom 20. Juli 1944, als dieser ihn persönlich beauftragte, den Putsch niederzuschlagen. Was der Preuße tat. 

Remer war dabei nie (wie der Vater des VdZ) Mitglied der NSdAP.  Der Eindruck, den man von ihm aus diesem aufgezeichneten Gespräch gewinnen kann, ist also vielfältig.

Aber dem VdZ ist neu aufgestiegen, daß es die Pflicht der Söhne ist, die Taten ihrer Väter mit STAUNEN und damit als Maßstab zu betrachten. Und sich zu fragen: Warum haben sie so gehandelt? Was wollten die damit aussagen? Was ist die Wahrheit hinter ihrem Handeln?

Höre der Leser zu. Höre er zu, und frage er sich neu: Was haben die Väter gemeint? Es ist mehr als ernst zu nehmen.Gerade dort, wo wir meinen, es nicht mehr zu verstehen, oder gar: Es besser zu wissen.

Am Tage des Namenstags des Vaters des VdZ - Josef - geschrieben. Der VdZ weigert sich, sich für seinen Vater zu schämen. Er weigert sich, sein Leben nicht als Aussage auch für ihn, heute, zu sehen.

An einem gewissen Punkt ... zerfallen alle Dinge, zerstäubt die Kraft von Beziehungsideen. In jedermanns Leben ist das so. Oft und oft. Man muß es aber erkennen können. Denn dann muß man Beziehungen (idea) setzen. Ideen und Bilder haben immer unscharfe Ränder.

Der VDZ weiß nicht, was - aber irgendetwas an diesem Video macht ihn unsicher, ob es nicht von Loreot produziert worden ist. Der 1990 ja noch lebte und wirkte.








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Montag, 4. Mai 2015

Erinnerungen

Geboren 1961, sind diese Rhythmen und Gefühle Kindheitserinnerungen, die nachgeweht haben. Denn seine Geburtsstadt war russische Besatzungszone, 1955 "frei" geworden. Man beachte vor allem das musikalisch großartige "Eij uch nem" ab ca. Minute 13. Mit dem "Puth" (gleich zu Beginn; richtig übersetzt: "Marsch! Der Weg ist unsere Aufgabe!") ist er aufgewachsen. Und mit den Erzählungen seiner Mutter, die die Russen als einerseits wilden, dabei von Gefühlen (vor allem für Kinder, freilich, auch für Frauen; die Mutter des VdZ hatte sich durchaus zu wehren, auch wenn die Russen die älteren Geschwister regelmäßig mit Zucker oder Butter - rare Güter damals - versorgten) regelrecht überschwemmten Haufen, anderseits als von hochkultivierten Offizieren großartig in Schach gehaltene Armee erlebte. Amstetten in Niederösterreich hatte als Besatzungsregime das russische Garderegiment. Die Zeremonien etwa zur Totenehrung (Amstetten hat bis heute zwei russische Friedhöfe) müssen beeindruckend gewesen sein.

Russophilie? Vielleicht. Vielleicht als Erbe übernommen, als Grundhaltung. Vom Vater. Wenn der VdZ später, mit dem ersten Radio, das er etwa 1976 als Weihnachtsgeschenk erhielt, war das Hören von "Radio Moskau" verbunden. Und damit verbunden war eine tiefe Sympathie mit dem Volk, seiner Seele, allen politischen Intentionen abhold. Ein Volk. Man nannte ihn später "Kommunist". Dabei liebte er nur das Volk, das was er davon in Musik (und Sprache ist pure Musik) fühlte. (Und die Schule, die er später besuchte, die Russisch als Pflicht- und Schwerpunktfach eingerichtet, weil den Handel mit der UdSSR zum Schwerpunkt hatte, Frucht der Besatzungszeit, diffamierte ihn sogar - im übrigen: erfolglos - dahingehend bei Anfragen späterer Unternehmen, in denen der VdZ beschäftigt war.)

Die vom Vater des VdZ gegründete Zeitung - die erste in Niederösterreich nach dem Ende des 2. Weltkrieges, die es schaffte, wirklich periodisch in tausend Exemplaren gar zu erscheinen, unter unendlich schwierigen Bedingungen, die zu bewältigen der enormen Kommunikationskraft des Vaters des VdZ zu verdanken ist, die wie jede Zeitung in Kaffeehäusern vorgelesen wurde: auf ein Exemplar kamen zehn "Leser"="Hörer" - berichtet freilich auch von "verschwundenen" Frauen und Mädchen. Tragisch, diese Nachrichten zu lesen, man ahnt das Furchtbare dahinter. In einer Zeitung, die aus russischen Papierbeständen gedruckt wurde, die der Vater des VdZ mit so viel Klugheit losgeeist hatte, daß hier wirklich Diskussionen stattfanden, die den Boden für das spätere Österreich bereiten halfen. Ehret die Väter!

Als die Pläne des groß Denkenden aber die Horizonte der Bauernschädel des Dorfes Neuhofen (Wiege Österreichs! im Dritten Reich eine berüchtigte "Nazihochburg") überstiegen, man ihn absetzte, ihm im Amt getroffene Entscheidungen aus formalen Verfehlungen privat anlastete (und damit die gesamte Entwicklung der Familie des VdZ entscheidend beeinflußte), rückte die in Amstetten stationierte Gardeeinheit aus, um ihn wieder in Amt und Würden zu setzen. Nur das Einlenken des Vaters - Josef Wagner, r. i. p. - verhinderte eine Eskalation der Lage. (Im übrigen: nicht das erste Mal; sein ausgezeichnetes Verhältnis zum Kommandanten der Russen verhinderte mehrmals blutiges Einschreiten der Roten Armee; weil der russische Major in Amstetten ihn nicht nur als "Freiheitskämpfer", sondern wie ganz Amstetten "als Kopf" hoch schätzte; als Freiheitskämpfer bezeichnete man damals jene, die zwar nicht "im Widerstand", aber doch unter lebensgefährlichen Umständen ein Wiedererstehen Österreichs noch unter der Nazi-Herrschaft vorbereiteten und jene Strukturen vorbildeten, auf denen dann wie aus dem Nichts 1945 DOCH ein Österreich erstehen konnte.)

Neun seiner elf Geschwister waren also noch unter russischer Besatzung geboren. Das zumindest emotionale Urteil des VdZ über die Russen beruht also durchaus auf sehr persönlicher Überlieferung, weil Familiensaga. Es ist damit auch sehr differenziert und war immer von Sympathie für den russischen Menschen selbst begleitet, in all seinen Höhen und Tiefen. So hat er es von schwer kriegsgebeutelten, opferreichen Vorfahren übernommen. Kann jemand, der so singt - und Singen, Musik heißt: Einordnen in den Rhythmus der Ideen, also der Ordnung Gottes - einfach nur böse sein?

Martin Mosebach hat übrigens zum VdZ einmal tatsächlich die Meinung geäußert, daß dessen Seele "etwas Russisches" habe. Das bestreitet er überhaupt nicht, auch wenn es einen Mangel ausdrückt. (Der Leser dieser Zeilen möge das durchaus berücksichtigen.) Zu dessen Lieblingslektüre immer Dostojewskij, Gogol ("Tote Seelen"), Puschkin, später auch Leskow, vor allem aber immer Ivan Gontscharow ("Oblomow") gezählt hat. Und der kaum je etwas leidenschaftlicher gesungen hat als russische Volkslieder, schon ab fünfzehn in Aufführungen (mit Hintergrundchor) im Pfarrsaal seiner alten Heimatpfarre. Und dessen Sangesweise bis heute von kaum jemandem so geprägt worden war wie von Ivan Rebroff. Neben der seiner Mutter. Neben Rudolf Schock. Neben Peter Alexander. Neben ... Man verdankt alles irgendjemandem. Die Welt zeugt sich aus sich selbst, wenn sie dem Sein folgt, offen für das Schöpferische Gottes ist.








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Montag, 13. Oktober 2014

No more comment (Rußland und Deutschland)

Der VdZ würde auch gerne amerikanische Gegendarstellungen hier vorstellen. Aber - es gibt sie nicht. Es fehlt eine artikulierte, differenzierte westlich-amerikanische Vision, eine Formulierung des Zieles westlicher Politik, die über die Mediendarstellungen (die das zum Teil also übernehmen) und über indifferente Schlagworte hinausgeht. Was will der Westen, was wollen "wir" - repräsentiert durch unsere Politiker - überhaupt? Wie soll unsere Zukunft aussehen? Wie wollen wir sie gestalten?

Der VdZ sieht sich hier wie selten sonst in der Tradition seines Vaters stehend, der - als Christlich-Sozialer bis in die Wolle, der jeden Sozialismus aus tiefstem Herzen ablehnte, der genau deshalb auch gegen Hitler aktiv war - sich mit den Russen als Besatzer aber bestens verstand und als erster Bürgermeister nach 1945 viel für seine Heimat herausholte, das ihr gar nie bewußt wurde. Sogar dieses Heimatdorf, eine bekannte Nazi-Hochburg, vor Vergeltung bewahrte. Der in einer Zeit, als die Sozialisten die nach 1945 von jeder demokratischen Beteiligung ausgeschlossenen Nazis mit allen Mitteln zu rehabilitieren suchten, um an die Macht zu kommen, sogar eine Zeitung gründete, in der er versuchte, über diese Fälschung der Zukunft wie der Vergangenheit aufzuklären, um gesunde Wurzeln wieder mit Leben zu erfüllen. Der Mut hatte, sogar zu viel Mut, sodaß ihn sogar seine eigene Partei verriet*, weil sie sich gleichfalls längst zu arrangieren begonnen hatte.









*Und Verrat ist Charakteristik der ÖVP bis zum heutigen Tag geblieben.




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Freitag, 17. Januar 2014

Pars pro toto

Vom Ruin der Gemeindekasse in Rosenau-Sonntagberg durch ausufernde Finanzgeschäfte, die Finanzierungsgeschäfte waren, bis die Kredite nicht mehr bedienbar waren, weil sämtliche (reale) Substanz verspielt war, war hier bereits die Rede. Dort regierte (Stahlwerke) seit je die SPÖ. Kaum 15 km entfernt liegt, wie sie bezeichnet wird, die Wiege Österreichs, Neuhofen an der Ybbs. Dort regiert (Bauern) seit je die ÖVP. 

Und nun wird bekannt, daß der zu den Kleinen unter den über 2.300 Gemeinden Österreichs gehörende Marktflecken, die tiefere Heimat des Verfassers dieser Zeilen, gleichfalls 2007 von der Idee geritten war, an internationalen Finanzmärkten ihr Haushaltsbudget aufzubessern*, und 1 Mio Euro eingesetzt hatte.

Das Geschäft ging negativ aus, berichtet jetzt (erst) die NÖN, die ohnehin ein einziger Verrat am Journalismus ist**, und nun liegt die Gemeinde (wie etwa in der um Dimensionen größeren Städten Linz, Salzburg und Wien) mit der örtlichen Raiffeisenbank im Streit. Denn sie weigert sich diese Schulden, die ursprünglich keine sein sollten, zu bezahlen. Sie hat das Geld auch gar nicht, denn der Schuldenstand ist ohnehin groß genug.

2.300 Gemeinden, von 1000 Einwohnern bis zu 1,7 Millionen. Kaum eine hat NICHT spekuliert, ja die Landesregierungen haben über eigene Berater sogar dazu geraten. Man hört nur selten und krasse, oder nicht mehr zu verheimlichende Fälle über die Medien. Milliarden und Aber-Milliarden, die hier an Börsen über Wetten und Spekulationen Hebelwirkungen erzielten, und damit die Krise, an der die Träume von Volksbeglückung und ewig währender Geldflüsse besonders cleverer Politiker, die sich in immer komplexeren Geldbeschaffungsmethoden übten, zusammenfielen, direkt ausgelöst haben. Etwas anderes zu sagen wäre einfach nicht sachgerecht.

Wen will man hier bestrafen, wen einschränken, wenn man von Beschränkungen der Kapitalmärkte spricht? Populistisch verbreitet sind es ja die Reichen, die aus Langeweile und Gewinngier ihre Milliarden verschieben. Wen träfe man damit aber real am schlimmsten?

Tatsächlich ist es nämlich zu ZWEI DRITTELN die Politik, die auf den Finanzmärkten als Agitateur aufgetreten ist. Etwas, das sie nie hätte tun dürfen, aber seit tausenden von Jahren tut. Nun muß - wie immer - die übriggebliebene freie und verantwortliche Bevölkerung, längst auf 40 % reduziert, die Zeche dafür zahlen. Denn wer sonst sollte diese Gelder je erarbeiten? Beamte? Staatshörige? 

Nichts hat sich geändert, die Geschichte zeigt es. Zentralismus braucht Geld. Und zwar NUR Geld. Und er rechnet es sich froh.

Auf wen waren diese Spekulationen abgezielt, von Anfang an, wenn nicht auf die Werkschaffenskraft der realen Menschen? Wer glaubt, daß Geld etwas "für sich" wäre, und macht es damit zu so einem Ding? Sicher nicht der seine Existenz in direkter Verantwortung bewältigende Mensch. Es ist vielmehr die bereits zur Mehrheit gewordene Schichte der Bevölkerungen, die sich als Elite fühlt (90 % der Österreicher fühlen sich als Mittelschicht!), aber absolut keine Ahnung mehr hat, weil es ihr an sittlichender Erfahrung mit der Wirklichkeit der Dinge fehlt, wie etwas von realem Wert aufgebaut wird. Diese Hohlheit des Selbstgefühls der Menschen ist die wahre Gefahr, an der wir auch zusammenbrechen werden, daran gibt es keinen Zweifel mehr.





*Diese Tatsache ist insofern bemerkenswert, als der Vater des Verfassers dieser Zeilen 1945/46 Bürgermeister dieser Gemeinde war. Und er war abgewählt worden, weil seine Gemeindevorhaben - Investitionen in Gemeindebetriebe (Ziegelwerk, überregionales Freibad), die den Ort finanziell weitgehend autark machen sollten - den Bauern zu fortschrittlich waren. Heute wählen die Bauern der Landschaft Politiker, die Geld auf internationalen Finanzmärkten lukrieren wollen. Das erzählt viel über die Veränderungen in der Mentalität.

**Die Niederösterreichischen  Nachrichten (NÖN), zu deren Ursprüngen nach 1945 die Zeitung des Vaters des Verfassers dieser Zeilen gehörte, der (mit seinem Sekretär) in seinem "Amstettner Boten" ein Wochenblatt sehr anderen, freiheitsbetonten Typs gründete, gehören der Kirche. Es gibt kaum eine Zeitung in Österreich, deren Verpflichtung zur Wahrheit so deutlich erkennbar zugunsten einer ideengelenkten, pädagogisierenden "Verbesserung der Menschen" (und das heißt heute vor allem: politically correct) ausgeschaltet ist. Die Lächerlichkeit und nichtige Kleingeistigkeit der regelmäßigen Kolumnen der Chefredakteure sämtlicher Kirchenpublikationen ist ja kaum noch zu überbieten. (Man denke in Deutschland, wo nichts anders ist, an das Schicksal des "Rheinmerkur". Einst einer hervorragenden Zeitung, die gemäß der theologie nouvelle, der Taktgeberin des 2. Vaticanum, zu Tode "gegutet" wurde - bis sie keiner mehr las.) Aber der Verfasser dieser Zeilen weiß aus eigener Erfahrung, daß dies dem wahren Charakter der Kirchenfunktionäre entspricht. Wie meinte einmal Konstantin Wecker? "Nur ned auffallen, dann kannst ned reinfallen."




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