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Mittwoch, 27. Juli 2022

Gottes sanfter Atem ist der Orkan der Geschichte

Diesmal greife ich die Lesung zum 21. Juli auf, die dem Buch Jeremia entnommen ist. Denn es beschreibt eine der häufigsten Fehlhaltungen des Menschen: Sich sein Leben sicher, berechenbar, beherrschbar zu machen. Und damit der einzigen wahren Lebenshaltung, der Ausgeliefertheit an Gott, in dem man sich in die Hand Gottes gelegt hat, zu widerstehen. Sodaß das je gegenwärtig Entgegentgretende das Schöpferische sein könnte, das jeden Augenblick in das Zelt des Heiligen stellt. 

Aber was habt ihr, was ihr nicht empfangen habt? Was gibt es, das sein Dasein weil sein Wesen nicht Gott verdankt, und ohne ihn nicht zugrunde geht? So muß unser Denken sich von einer falschen Planungsmentalität losreißen, in der wir nicht vom tragenden Grund ausgehen - dem Einbergen in Gottes Hand - sondern mit aller Kraft an technischer Ablaufplanung festhalten, die uns dann immer mehr zum eigentlichen Lebensfundament wird und doch ein Akt der Vergötzung der eigenen Bilder und damit Erinnerung ist.. 

Sonntag, 3. April 2022

Ein Leben voller Wunderbarkeiten

So viel öffnet sich dem sehenden Auge, dem hörenden Herzen, auf daß die Welt in ein ununterschiedenes und ununterscheidbares Ineinander aller Ebenen und Höhen des Seins entspreche. Die Welt wird als das erkannt, was sie ist - eine unausgesetzte Komposition des Ineinander und Miteinander unendlicher Wundergeschehen, deren Zeugen wir täglich werden können. Eine Welt, wie sie in der Kirche Wirklichkeit geworden ist, geschenkt und gespendet, durchtränkt und durchweht vom Geist Gottes.

Immer wieder stehe ich also staunend vor so einfachen Diongen wie dem Matrikelwesen. Jenen Büchern, die die Priester seit vielen Jahrhunderten führen, und die keineswegs der Verwaltugn wegen eingerichtet wurden. Diesen Nutzen haben sie zwar auch, aber er ist nur der Abfall des eigentichen Vorgangs. Und er ist, ind en Getauften auch die Namen jener aufzuzeichenn, die am Jüngsten Tag aus ihren Gräbern hervorgerufen werden. Denn nur der in Gott Getränkte hat auch einen Namen, nur er hat etwas auf alle Zeit Bleibendes.

Sonntag, 2. Mai 2021

Und wirtschaften im Paradies (2)

 Teil 2) Es hat etwas von Paradies


So hält der VdZ es ja (und seit je) mit praktisch allen Geschäften in seinem unmittelbaren Wohnbereich. Seit je. Und er hat einmal gerechnet (aber sagen Sie das nicht weiter, werter Leser). Er ist damit immer auch pekuniär am besten gefahren. Weil das, was auch der Betrieb dann für einen tut, mit der Zeit zumindest von immer mehr Geschenkhaftem ergänzt wird.

Und dann wird etwas erfahrbar, das der VdZ als Vorgriff, Ahnung und Erinnerung an einen Idealzustand des menschlichen Zu- und Miteinander betrachtet. Wo Wirtschaften nicht zu einem Verhältnis von Produkt und Preis wird, sondern zu einem wechselseitigen Beschenken. Wo einer den anderen an seinem Gut teilhaben läßt. Wo man einen Preis bezahlt, gewiß, und eine definierte Leistung erhält, was sonst, aber wo der Umgang miteinander den Charakter eines durchaus beglückenden Spiels angenommen hat. 

Wer das noch nicht erlebt hat, ist nur zu bedauern. Wer Wirtschaften und geschäftlichen Umgang miteinander nur als todernste Rechnung kennt, der sollte sich Sorgen darum machen, ob er überhaupt noch lebt.

Samstag, 1. Mai 2021

Und wirtschaften im Paradies (1)

Es sagt etwas über den Geist der Ungarn aus, worüber die Budapester Zeitung am 9. April berichtet: Dem Staat gehe, so schreibt die Zeitung, die Geduld aus. Deshalb würden die Strafen für Fahren ohne Führerschein, die bisher bis zu 400 Euro betrugen, nicht einfach erhöht, sondern durch die Drohung von Gefängnis definitiv verschärft. Eine Geldstrafe alleine wirkt nämlich nicht, wie die Statistik zeigt. Alleine in den ersten drei Monaten des Jahres 2021 wurden über 3.000 Ungarn wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis angezeigt. 

Sonntag, 17. Januar 2021

Von Voodoo, Vernunft und Wünschen (2)

 Teil 2) Alles ist in einem Prinzip zusammenzufassen: 

Wer ist Herr über Leben und Tod


Der von einer anderen Seite ohnehin - und das alles also innerhalb eines halben Jahres! in diesen vergangenen Monaten sind, werte Damen und Herren, im Schatten des Wellengekräusels der "Corona-Pandemie" ganz bedeutende Grundsätzlichkeiten passiert, die aber kaum zur Aufmerksamkeit kamen, denn Grundsätze sind immer geistigerer Natur als Konkretionen, und damit den Sinnen kaum noch erkennbar weil nur noch ableitbar! - bereits entgegengekommen wird, nämlich der der Sterbehilfe. 

Die bereits per Gesetz in Österreich von einem "freiwilligen" Akt zu einem von außen durchführbaren, und damit verhängbaren wurde. Mit der Tatsache, daß die Beihilfe aus der Strafbarkeit herausgenommen wurde, wird nunmehr eine Praxis installiert, die in ihren Randbereichen bereits jetzt und von Anfang an von einer von außen auferlegten Sterbe-Nach-Hilfe immer weniger unterscheidbar wird. 

Das läuft zumindest über die Frage, die auch für die Politik von so großer Bedeutung ist: Die nicht über die Sinne, sondern nur über die Abstraktion entscheidbare Frage nach dem "Willen" des SterbendenDer nunmehr von einem Außenstehenden interpretiert und definiert wird. 

Aber wovon ist das wiederum als gängige Praxis schon seit langem initiiert worden? Von der scheinbar so harmlosen, kaum in der Öffentlichkeit diskutierten sogenannten "Patientenverfügung", in der jeder einem ausgewählten Nächsten das Recht zugestanden wird, den eigenen Willen zu interpretieren. 

Man sieht an diesem Fall also sehr gut, wie ein Prinzip nächste Fakten nach sich zieht, die zuerst noch wie völlig andersgeartete, also leicht unterscheidbare Fakten gewirkt haben. Aber sie werden von Prinzipien berührt, und somit zieht ein Faktum das nächste nach sich, das von diesem Prinzip berührt wird.

Dabei übersehen wir hier einmal das nächste Prinzip. Denn man muß davon absehen, daß der Staat erstmals den sogenannten "assistierten Selbstmord" und sogar den Selbstmord überhaupt aus der Strafordnung ausgliedert! In der er sich bis dato befand: Selbstmord ist (oder war) bislang eine Straftat! Der Leser möge sich daraus die Stellung des Einzelnen zu Umgebung, Ort und Volk ableiten. 

Somit ist aber prinzipiell die Tötung eines anderen außer Strafe gestellt. Ob diese Tötung - und die ist es nach wie vor! - eine Straftat ist oder nicht wird nun nur noch von (fallweisen) "Interpretation" abhängig gemacht. 

Auch diese erst jüngst gefällte höchstrichterliche Entscheidung ist also eine Grundsatzentscheidung, die sich nicht nur selbst gar nicht an "Fällen", sondern an im Recht bereits vorhandenen Grundsätzen orientiert hat. 

Aber damit ist klar, daß sich nächste Fallentscheidungen anschließen werden. Die jeweils an die verschwimmenden Grenzen zu Grundfragen des Rechts anschließen in der eine gelebte Tatsache zum Recht werden wird (denn das tut das Leben: Es SETZT zumindest tendenziell Recht). Somit ist auch von dieser Seite das Recht auf Leben, das in jedem Volksempfinden auch eine Pflicht (also beidseitig) ist, außer Kraft gesetzt. 

Damit fällt der Mord selbst. Weil seine Definition ins Neblichte absinkt. 

Aber gehen wir weiter zurück. Und stellen die Frage: Warum und wie sind wir so weit gekommen? Ganz einfach: Weil dieses Lebensrecht bereits durch die Verhütung und der darin enthaltenen Frage nach "gewolltem und ungewolltem Leben" entschieden wurde: Der Mensch hat das Recht, einen Naturakt zu setzen und dessen Folgen aber dann nach "gewollt" oder "ungewollt" zu beurteilen. 

In dieser Grundsatzentscheidung über die Entstehung von Leben, über dessen Ent-Bindung von ihrem natürlichen Entstehungsakt (Geschlechtsverkehr) folgte unausbleiblich die Abtreibung, und so mancher hat damals davor auch gewarnt weil das gesehen. Von diesem mit der Verhütung mitgeschleppten Virus - pardon: Prinzip - war der nächste Schritt klein. Und der war die Einführung der Euthanasie. 

Das in der Verhütung enthaltene Prinzip war nämlich tendenziell (er "fiel" also in diese Richtung), über lebenswertes und lebensunwertes Leben zu befinden. Das lag in der Bewertung des Sexualaktes, den man aufteilte, sezierte gewissermaßen, und so seiner ganzheitlichen Natur beraubte, zur Funktion machte.

Verhütung - Zwangsimpfung - Eugenik. Die Linie ist klar. Sie macht explizit, was schon vor hundert Jahren in zahlreichen (!) Staaten dieser Welt gang und gäbe war. Nicht nur in Deutschland, wo es nach dem Krieg dämonisiert werden mußte, um die aus geostrategischen Gründen durchgeführte Vernichtung Deutschlands zu rechtfertigen. Sondern schon Jahre VOR Deutschland in Skandinavien, in den USA und in der Schweiz. 

Nicht nur, aber eben dort gab es die Zwangssterilisierung von "Lebensunwerten", von Erbgeschädigten, von Geistesgestörten, von Schwachsinnigen, von Unintelligenten, von ... einfach "abstoßenden" Menschen. Mit der Hauptfrage: Wollten diese Kretins nicht selbst, daß sie ihr dumpfes Leben gar nie bekommen hätten, könnten sie diese Frage überhaupt entscheiden? Das brachte im Interesse der Volksgesundheit per Gesetz hunderttausenden, wenn nicht Millionen Menschen die Zwangssterilisierung. Und es war möglich, weil die Impfung per Zwang bereits Gesetz gewesen war.

Wo aber liegt die Wahrheit in dieser Frage? Sie liegt darin, daß es in der Schöpfung insgesamt nicht um bestimmte Aktualisierungen und Erkenntnis- oder Rationalitäts-Stufen als Kriterium des Menschseins geht, wie aber schon bei Descartes erstmals zum Kriterium des Menschseins überhaupt wurde ("Cogito ergo sum" - ich bin nur, weil und soweit ich "denke"), sondern um das, was Jesus selbst in mehreren überlieferten Geschehnissen mit "Selig die Armen im Geiste" und als gewisse "Stufe des Kindseins" bezeichnet hat. Das gerade auch den geistig nicht "Erwachsenen" nicht nur einschließt, sondern sogar zum bevorzugten Menschen per se macht. 

Denn er hat etwas, das wir Rationalitätsmaschinen nicht mehr haben: Er hat die Kluft zwischen Gut und Böse nicht und damit sogar überwunden. Weil er auf der Stufe des Vor-Erbsündlichen Menschseins steht. Daß er insgesamt nicht "gut" oder "böse" werden kann weil nicht entscheidet, macht ihn erstens generell aber "gut", und zweitens gemahnt es an die Ausrichtung des Menschen auf eine Gesellschaft, auf den Nächsten. 

Und erinnert an das Wesen der Schöpfung als unfaßbares, gigantisches System der Hierarchie, der HEILIGEN ORDNUNG. In der eines dem anderen zur Nahrung wird - und somit nicht sich selbst gehört, auch nicht der MENSCH, auch nicht diesem sein Leben. 

Was durch jeweilige Verhältnisse im Rahmen einer nie vermeidbaren, von uns Erwachsenen aber in gewissem Rahmen (als sittliche Entscheidung) mitbestimmbaren weil WÄHLBAREN Autoritätsbeziehung geschieht. In der wir dann unsere Urteilskriterien VON AUSZEN erhalten. Als Norm, als Gesolltes, als Sein überhaupt. 

Es ist immer eine Offenbarung, die uns zeigt, was über uns steht, und wonach wir uns also ausrichten müssen. Wobei die menschliche Kette in Jesus Christus endet (und beginnt).

Aber egal welcher Mensch, immer ist er Abbild Gottes, und aus diesem selbst hervorgegangen: Als Geschöpf, als bejahtes Sein und somit als gewolltes Glied in diesem Spiel eines unendlichen Gottes.

Der sich in einem unfaßbar schönen Theater der Schöpfung an sich selbst erfreut, und uns Menschen - in Jesus Christus - in diese Freude mit hineinholt. Ungeschuldet, aus freiem Willen, und aus reiner Liebe.


*130121*

Donnerstag, 21. November 2019

Was wirkliche Extremwetter sind

Der Alpenexperte Günther Aigner, den wir hier schon mehrfach vorgestellt haben, weil seine an den realen Beobachtungen orientierten Befunde so wohltuend sachlich sind, hat einen nächsten Vortrag erstellt. In dem er der Frage nachgeht, was Extremwetter waren und sind.

Das Resultat seiner Untersuchungen zahlreicher Chroniken und Berichte ist für manche vermutlich überraschend. Denn wir werden heute zwar täglich und stündlich mit der Behauptung geohrfeigt, daß wir in einer Periode ständiger und immer dramatischerer Extremwetter leben. Aber das fällt wohl eher unter die Kategorie "Glückliches Vergessen" ... das leider zu Verwirrung und fatalen Fehleinschätzungen führt, wenn es einer Haltung entspringt, die nicht mehr in der Lage ist, von der Gegenwart zurückzutreten um erst so, eingebettet in die Erinnerung, beurteilen zu können, was momentan wirklich passiert.

Ein Blick in die Geschichte der letzten tausend Jahre lehrt, daß das, was wir heute und in den letzten hundert Jahren erleben, daß also das, was wir als Schreckgespenst Klimawandel angeblich erleben, nicht einmal annähernd diesen Begriff verdient. Es ist nur belangloses Oszillieren in einem völlig normalen Ereignisrahmen, den nur unsere narzißtische Verstörtheit zum Extrem macht. In der wir hypochondrisch jede Minute zum Thermometer greifen, um mit schreckensweiten Augen zu gucken, wie es jetzt um unsere Temperatur steht. Um dann hysterisch in eine Katastrophe hinein zu extrapolieren. Denn nur eine Katastrophe ist diesem heutigen Narzißten angemessen. Erst ein "einmaliges Geschehen" macht uns zu etwas Besonderem, wie "Götter es eben verdienen", und vor allem das wollen wir doch sein. Also gilt alles, was wir bei immer noch näherer Betrachtung finden, als Indiz für diese Besonderheit.

Statt zu sehen, was wirklich ist, phantasieren wir uns somit in eine Vorstellung von Normalität als stets gleichbleibende Wetterumstände, die pathologischen Charakterdeformationen entspringt, die den Blick auf sich selbst lenken und damit dem Tode zutreiben. Denn was tot ist wandelt sich freilich nicht.

Vielleicht steckt also sogar das hinter dem Klimawandelwahn - der verzweifelte Versuch, einen Wandel zu (er)finden, während alles in jene reglose "Konstanz" versinkt, die unseren inneren Zuständen entspringt. Die uns politische wie moralische Systeme hat schaffen lassen, die in Riesenschritten auf einen Zustand zusteuert, in dem alles was sich bewegt, alles was uns zur Bewegung herausfordert, zur Bedrohung wird. Jede abweichende Meinung, jede abweichende Haltung wird zum Schrecken, weil sie uns aus unserer Acedia reißen könnte. Denn dann wird es mühsam, wenn wir das tun müssen, was wir zu tun hätten, nicht das, das uns in Scheinaktivität Tätigkeit vorgaukelt. (Und wie viel tut der Mensch, um das nicht tun zu müssen, was er zu tun hat! Er powert sich dafür sogar aus.) Also muß alles, sogar das Wetter kalmiert werden, um unsere zusammengekrümmte Haltung im Mutterleib zu beschützen.

Man stelle sich einmal vor, was bei den von Aigner erzählten Extremwettern der Vergangenheit los wäre, würden sie heute passieren! Vermutlich würde die UNO eine Sondersitzung einberufen, und die Grünen Panzereinsatz fordern, um Klimaskeptiker und CO2-Moleküle totzuschießen und alle zu zwingen, Sojaschnittchen zu essen und Elektroautos mit Kobold im Tank zu kaufen.

Jede Normalität ist eine Idee, nicht mehr. Die uns freilich jenen Anker- und Zielpunkt bildet, wohin wir uns ständig zu wandeln haben, ohne ihn je zu erreichen. So ist das Normale zwar das Wichtigste und Erste, aber zugleich das gar nie dinghaft bestehende. Es ist nur eine Haltung des Abstands zu Augenblicksregungen, die uns erst zur Vernünftigkeit befähigt.

Was immer existiert, was immer gar lebt, existiert und lebt nur durch den Wandel und im Wandel. Und was uns das Wetter beschert, liegt wie alles, was uns am meisten bestimmt, nicht in unserer Hand. Der Klimawahn ist also ein ganz klarer Auswuchs eines Kampfes gegen Gott, der aus der Welt hinauskomplementiert werden soll. Was uns aber immer bestimmt, ist das Resultat eines gigantischen, uns unendlich übersteigenden Gesamtgeschehens, dessen Ausgang dem Spiel Gottes anheimliegt, das die Welt für ihn ist. Weil für ihn anderes zählt als unsere momentanen Befindlichkeiten und kurzschlüssigen, reduktiven Gedankenlächerlichkeiten, in denen wir die Welt zu einer Maschine gemacht haben, die unserer Kontrolle unterliegt.

Es ist somit klar, daß der Mensch in einer Welt, in der er Gott nicht mehr sieht, also blind ist, alles unter seine Kontrolle bringen möchte, und sich vormacht, das zu können, weil er sonst vor Angst verzweifeln müßte. Und jeden bekämpft, der eine gewissermaßen ergebnisoffene Welt vertritt weil diesem Bunker, in dem wir sitzen, immer wieder die Türen öffnet.

Unser Leben auf der Welt ist somit eher einem Rodeo-Ritt zu vergleichen, bei dem wir nicht wissen, in welche Richtung der Stier, auf dem wir sitzen als nächstes springen wird. Der uns deshalb sogar immer wieder abwirft, weil wir den Wandel ab und zu nicht mehr bewältigen. Aber solche Abwürfe schauen anders aus als das, was wir in den letzten Jahrzehnten an Wetter erleben. Für das wir eigentlich nur dankbar sein können - und müssen! Weil es uns wirkliche Extreme erspart hat, wie ein ein Blick in die Geschichte zeigt. Oder wollen wir wieder eine "Magdalenenflut" wie im Juli 1342, die geschätzt ein Drittel des gesamten Humus Europas ins Meer gespült hat? Auf die hin die Landwirtschaft weithin von Acker- auf Viehwirtschaft umsteigen mußte, weil es viele Anbauflächen nicht mehr gab und nur Tiere (vor allem Schweine) den Rest nutzen konnten.

Aigner sagt deshalb völlig richtig, daß es absurd ist, sich das Ideal eines "vorindustriellen Klimas" zu wünschen. Denn die Wetterereignisse vor 1850 sind alles andere als "normal verlaufen." Dort sind vielmehr Tragödien passiert, die wir uns lieber nicht wünschen sollten.

Diesen Gedanken kann man sogar weiterführen, wie wir hier immer wieder versucht haben. Weil die Konstanz des Wetters, die wir im großen geschichtlichen Rahmen gesehen für die letzten hundert Jahre konstatieren müssen,  ein Hinweis darauf sein könnte, daß die Dichte der Besiedelung der Welt diese immer mehr den menschlichen Kulturleistungen unterwirft, wie es uns bei der Schöpfung aufgetragen war. Die Zunahme der Weltbevölkerung ist also ein Segen, und nicht Ursache für eine Katastrophe, wie uns dauernd vorgemacht wird. Denn jeder Mensch ist in Gottes Hand geschrieben. Jeder. Aber es liegt an ihm, Gott, der ihm das Sein mitteilt weil sein Sein will, zu antworten.








Sonntag, 30. September 2018

Der Verzicht aufs Sein

Also wenn man eines sagen kann, dann das, daß dieser Neymar da Silva Santos - kurz: Neymar, sagt Wikipedia - sehr sehr gute PR-Berater hat. Und Gillette einen tollen Coup gelandet hat, diesen PR-Zug des nächsten brasilianischen Wunderfußballers (und das ist er wohl) in seine eigene Kampagne einzubauen. Mehr will der VdZ dazu gar nicht sagen. Außer, daß solche Art des Reagierens den faktischen Gegebenheiten unserer medial-propagandahaften Gegenwart perfekt entspricht. Außer, daß uns dieses Video zeigt, woran wir wirklich kranken, und das ist ... fundamental.

Das ist ein Agieren auf rein faktischer Ebene (Hegel), das auf das Sein selbst verzichtet, ja das ihm sittlich unerträglich ist. Nicht, wie Heidegger meint, weil man das Sein vergißt. Sondern weil man nicht mehr sittlich zu handeln vermag, denn darum geht es beim "Seinsverzicht". Der mit Emotion, Gefühl, momentaner Gedankenlandschaft auszukommen meint, um sein zu können. Sich so zu einer Art "Befindlichkeits-Metaphysik" aufschwingt.

Genug gesagt. Klicke der Zuseher unten im Video den Untertitel-Button an, wo wenigstens auf Englisch (Portugiesisch werden ja noch weniger Leser sprechen) nachvollziehbar wird, was Neymar hier sagt. Und man sollte es durchaus sehen, denn gemacht, gemacht wie gedacht, ist es phantastisch.






Wer aber Zweifel am Attribut "Wunderfußballer" hat, sollte sich einmal diese Szenen* anschauen. Und sich dann fragen, ob es nicht stimmt: Daß sich der geistige Horizont eines Menschen von seinem Ort her definiert. Und damit von der Art seines Tuns. Und die ist hier zweifellos: Die Beherrschung des Balls, als Fußballer und damit Herrscher des Orts, an dem er am Feld steht. Mehr kann, ja mehr DARF von so einem Menschen auch gar nicht verlangt werden. Der sich erfüllt, wenn er sich an seinem Ort an dessen Anforderungen hingibt und darüber Mensch wird.

Die Größe, die Dimension eines Menschen ergibt sich eben aus seiner Aufgabe, die sich wiederum aus seinem Ort ergibt. Dort, in der Hingabe an diesen Ort, an den er festgenagelt ist (Neymar als Schrauber am Mercedes-Fließband in Sao Paolo wäre vielleicht eine lächerliche Durchschnittsfigur geblieben, aber vielleicht auch zum flottesten Schrauber in der Geschichte von Mercedes Brazil geworden) liegt sein Wesen und der Positionswert, der wiederum kulturell, sozio-ökonomisch etc. bestimmt wird.

Der vom menschlichen Wert insofern unabhängig ist, als sich menschlicher Wert (und damit auch sein Heilswert) NUR über die Hingabe an den wesensbestimmenden Ort ergibt. Wenn überhaupt, dann kann man erst hier über die Gleichheit aller Menschen sprechen. Die über die Verschiedenheit erst wirklich und vor allem Welt wird. Das obige Video aber vernichtet eben diese Unterschiedlichkeit, um nun doch mehr gesagt zu haben als beabsichtigt war.






*So nebenbei: Solche Videos ließen sich von sehr sehr vielen Fußballern dieser Welt anfertigen, der Zuseher möge es dem VdZ glauben. Unvergeßlich war ihm ein Auftritt des österreichischen Nationalteams 1978 (also kurz vor der sensationellen Weltmeisterschaft in Argentinien in eben diesem Jahr) im Amstettener Stadion im Zuge eines Testspiels. Da beobachtete er vor dem Spiel Spieler wie Walter Schachner (der immerhin noch eine beachtliche Karriere hingelegt hat), die beim Aufwärmen mit dem Ball jonglierten. Oder der Leser sollte sich einmal die im Netz verfügbaren Videos der Großtaten eines Andreas Ivanschitz (aus Österreich) zu Gemüte führen. Von dem er vermutlich noch nie etwas gehört hat. Oder wer erinnert sich eines Herbert Prohaska, der es sogar noch zu einer beachtlichen internationalen Karriere geschafft hat. Und solche gibt es viele, sehr viele. In allen Ländern, unter allen Völkern.

Was fehlt allen zu Neymar? Etwas anderes als Talent, etwas anderes als die technische Fähigkeit, einen Ball zu streicheln, mit ihm zu spielen. Es fehlt die sittliche Haltung der dauerhaften Hingabe ans Sachliche. 

Die Güte eines "Spielers" im Leben entscheidet sich nicht in der Spitzenleistung, sie entscheidet sich an seiner schwächsten Leistung, die immer noch ... guter Durchschnitt ist. Das gilt am Theater genauso wie im Fußball. Deshalb ist eine "Kultur" sehr sehr gefährlich, ja tödlich, die da meint, es hinge alles am "Talent". Nein. Alles hängt an der Sittlichkeit. Und diese Sittlichkeit hat mit dem Tätigkeitsfeld zu tun, das einem Menschen zugeordnet ist. Ja, das seinen Platz in der Ordnung der Vorsehung bestimmt. Dann, ja dann kommt manchmal sogar noch göttliche Inspiration dazu.




*300718*

Mittwoch, 1. August 2018

Wir haben alle dieselben Aufgaben

Das Leben im Glauben, also das Leben in Gottes Plan und Vorsehung und Gnade - also das Leben in der wirklichen Wirklichkeit - beginnt erst dort, wo wir zu begreifen beginnen, daß es tatsächlich völlig gleichgültig ist, mit welchen "Inhalten" wir unser Leben ausfüllen. Inhalte, die uns immer vorgegeben sind, im übrigen. In welchem Stand, in welcher Tätigkeit, in welcher Aufgabe, in welcher Lage, an welchem Ort, ob verheiratet oder nicht, ob mit oder ohne Kindern ... es ist einerseits egal. Obwohl uns nichts daran egal sein darf.

Es ist deshalb egal, weil es im Leben und als Sinnerfüllung immer nur um eines geht: Um die Bewältigung archetypischer Aufgaben. Insofern ist jede, wirklich jede Beziehung zur Welt, in die hinein wir uns transzendieren, wo wir also die Aufgabe ernst nehmen (sic!), jeder anderen absolut gleichwertig. Völlig gleichgültig an welchem Ort wir stehen, haben wir alle - wirklich alle! - die gleichen Aufgaben.

Das gibt diesen Orten natürlich eine gewisse Stabilität. (Jede Revolution wendet sich ja gegen die Orte, nicht gegen die Inhalte, im Gegenteil, sie überbewertet die Inhalte und behauptet, daß sie je nach Ort wechseln.) Und es macht deutlich, daß wir es tatsächlich mit einem großen Welttheater zu tun haben, wie Calderon es so wunderbar zum Ausdruck bringt. In dem jeder seine Rolle zu erfüllen hat, sonst zerfällt das Stück, weil seine Ordnung zerfällt und wir alle des Ortes verlustig gehen, der doch unser Platz zur Erfüllung wäre. 

Und in diesem Stück haben alle Elemente ihre Beziehung zueinander. Das ist der Ort, an dem die Figur ihre Rolle zu spielen hat. Als Bauer, als Gärtner, als Edelmann, als König. Das Paradox ist, daß wir zwar alle also auf eine Weise gleich sind, aber nur deshalb (sic!), weil das Figurenspiel zueinander unterschiedlich (und hierarchisch) ist.

Deshalb, und nur deshalb, kann man davon sprechen, daß das Leben ein Spiel ist. Denn dieses Wissen relativiert alle Inhalte, macht sie auf eine Weise unbedeutend, und schafft damit jene Distanz, aus der heraus wir aus allem Faktischen, aus allem Tatsächlichen immer wieder zurücktreten und uns der inneren Gestalten besinnen. Jener Gestalten, die wir als Archetyp alle in gleichem Ausmaß und auf die gleiche Art zu bewältigen haben. Nur daran werden wir dann eines Tages auch gemessen werden. Und nur daran sollten wir auch den anderen messen.

***

Eine Kultur, die sich daran erkennen läßt, daß sie in zahlreiche Teilgesellschaften aufgegliedert ist, die in einer Ordnung stehen und institutionalisiert sind, also einen Namen, einen Begriff haben, ist in ihrem Stand genau daran zu erkennen, daß sich alle um die Archetypen kümmern. Der Zerfall hat sein sicherstes Erkennungsmerkmal dann, daß die Menschen beginnen, um Inhalte zu ringen und zu streiten, als hinge alles davon ab. Und nicht - von den Orten. Denn diese Orte werden verlassen und sogar geringgeschätzt. Und die Menschen glauben, daß diese Orte von den Inhalten abhängen und von diesen sogar geschaffen werden. Das Gegenteil ist aber der Fall. Und so bleibt den Menschen immer weniger, bis sie völlig leere Hände haben. Weil die Fülle von den Archetypen ausgeht, nicht von den faktischen Konkretionen. Diese sind nur insoweit von Bedeutung, als sie auf Archetypen verweisen.

***

Das vorrangigste, erste, alles weitere grundlegende Archetyp des Lebens ist das Kreuz. Die Selbstüberschreitung. In ihm sind alle weiteren enthalten. Nur in Bezug auf das Kreuz erhalten Inhalte ihre (relative, und doch ernste, als Aufgabe - was von "gegeben" kommt - zu sehende) Bedeutung. Und zuerst und zuallervorderst ist Kreuz mit dem Ort verbunden, den wir zu erfüllen haben.

***

Es gibt aber auch ein falsches Kreuzverständnis. Das im Grunde eine Verirrung in die Inhalte ist. Die also nie die Frage nach dem angemessenen, gegebenen, zugewiesenen Ort stellt, sondern die Inhalte als entscheidend nimmt. Wo man also eine unhaltbare Position (weil an einem falschen, in der Regel selbstgewählten, willkürlich, irrtümlich gewählten Ort) über die Inhalte zur Selbstüberschreitung heranziehen will. Hier läge das Kreuz im korrigierenden Wechsel des Ortes.


*200618*

Freitag, 20. Juli 2018

Historische Melancholien


Eigentlicher Grund zur Melancholie ist in diesem Fall die Zersplitterung eines ungemein geschlossenen Kulturkreises. Es geht also nicht um Träume von einstiger Größe oder Machtvollkommenheit, es geht um künstliche Grenzen, wo besonders in langen Jahrzehnten des Eisernen Vorhangs ein seit je zusammengehöriger, zusammengewachsener Kulturraum geteilt war. Eine Wunde, die nach den Vertreibungen der Österreicher 1945/46 - auch die Sudetendeutschen im Norden Böhmens, auch die Schlesier in Mähren sahen sich immer als Österreicher - noch schlimmer schmerzte.

Immerhin zeigt dieses Lied bereits eine gewonnene Distanz zu sich selbst. Es ist Zeichen von Verarbeitung, wenn man zum Spiel mit einer Sache gelangt, nicht mehr von ihr getrieben wird.

Peter Alexander

Wie Böhmen noch bei Öst'reich war, 
vor finfzig Jahr, vor finfzig Jahr, 
hat sich mein Vater g'holt aus Brinn, 
a echte Wienerin.







*Als kurz vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges der englische Botschafter anläßlich einer Audienz bei Kaiser Franz Josef diesem anbot, auf die Seite der Entente zu wechseln, es würde sich lohnen, antwortete dieser voller Unverständnis: "Aber ich bin doch ein deutscher Fürst!" Wie sollte er da zu den Feinden Deutschlands wechseln, von dem er doch selber ein Teil war?

**Bis zum Jahresende 1914 war die Zahl der Gefallenen und Verwundeten Österreich-Ungarns genau so hoch wie die Gesamtzahl der Soldaten in der Mobilmachung vom August 1914 betragen hatte - zwei Millionen. Ein ganzes Heer mußte ersetzt werden. Nicht zum letzten Mal. Und es waren die Besten, die Ritterlichsten, die Tapfersten, die Mutigsten, die von den neuen blutig-technischen Kriegsmethoden, von diesem Krieg der Techniker, Kaufleute und Industriellen, völlig überrascht waren, weil sie als Ritter in den Kampf gezogen waren. Mit gezogenem Säbel ritten, mit aufgepflanztem Bajonett liefen sie auf die feindlichen Schützengräben zu - als die Maschinengewehre los tackerten. Niemand hätte so einen Krieg für möglich gehalten. 

Hätte Österreich das aber nicht gemacht, wäre Deutschland vom ersten Moment an ohne Chance gewesen, weil es einen Zweifrontenkrieg niemals hätte bestehen können. Der ganz andere Dimensionen hatte als lediglich die Kämpfe gegen zwei Armeen in Ostpreußen (Tannenberg). Sogar dieses wollte die deutsche Heeresleitung kampflos aufgeben, als die Russen einmarschierten, weil man dazu durch den Ausgriff nach Westen keine Kräfte hatte. Bis ... Hindenburg kam. Der das bekannte Husarenstück ablieferte, mit einer halben Armee zwei Feindarmeen zu schlagen, weil sich deren Kommandeure spinnefeind waren. Österreich hat das alles freilich nichts genützt, im Gegenteil.




*100618*

Freitag, 11. Mai 2018

Dennoch - Non timete! Fürchtet Euch nicht! (4)

Teil 4)




Im Grunde kommt es bei der Dämonie nur auf eines an: Auf eine Ablehnung von Gott. Deshalb muß man jeden Exorzismus in zwei Teilen sehen: DER EINE ist die Ver- oder Austreibung der Dämonen. Aber genau so wichtig ist, daß der Betroffene NACHHER eine geordnete Beziehung zu Gott pflegt. Nur, wenn der Platz in seiner Seele von Gott ausgefüllt wird, sein "Haus" somit Gott gehört, hat es keinen Platz für Dämonen. Wenn er das nicht tut, hat er zwar ein vorerst gekehrtes, sauberes Haus, aber in diesem werden sich sehr rasch die Dämonen - und mehr als zuvor - einhausen.

Übrigens: Fr. Lampert stellt das römische Missale für Exorzismen vor, das nach 1999 eingeführt wurde. Als letztes der Liturgiebücher nach dem Zweiten Vatikanum, wie er betont. Lampert weist positiv darauf hin, daß es viele Gebete für Laien enthält, die dann nämlich nur "Gott bitten, daß er" die Dämonie beseitigt. Er ist fast seltsam nachsichtig. Denn das seit 1617 bestehende Exorzismus-Rituale der römisch-katholischen Kirche das also vierhundert Jahre Erfahrung komprimiert hat, BEFAHL dem Satan und seinen Dämonen. Oder, wie es Fr. Lampert eben sagt: "Nur wo ein Priester sich und seine Sendung ernst nimmt, nimmt ihn auch der Teufel ernst." 

Der VdZ kennt Berichte von anderen Exorzisten, die sich sehr beklagt haben, daß mit den neuen römischen Büchern zum Exorzismus-Ritual die Effektivität der Exorzismen so dramatisch geschwächt wurde, daß sie wieder zu den alten Büchern griffen. Die neuen Rituale nimmt der Teufel nicht wirklich ernst.









*020518*

Donnerstag, 10. Mai 2018

Dennoch - Non timete! Fürchtet Euch nicht! (3)

Teil 3) Sieben Wege, wie man der dämonischen Besetzung die Tore öffnet




Wesentlich dabei ist zu wissen, daß Dämonen keine "feste Wohnstätte" haben. Deshalb immer darauf warten müssen, an einen Ort "eingeladen" zu werden und damit konkret - und das geht nur über Sinn, logos, also über Beziehung und Aufgabe, Ausgerichtetheit - werden, also welthaft wirken zu können. Direkt oder indirekt. Sie brauchen ein Seiendes, das sein Wesen auf es hin orientiert. Was immer "isset" (Aktivform des "Ist", das "Ist" ist eben ein Aktivum) isset nur, soweit und solange es seinem Ort entspricht, also seinem Wesen, und das heißt Beziehungen und Beziehungsaufforderungen erfüllt. Also an anderem einerseits handelt, und daraus anderseits (immanent, also nicht primär explizit) sein "isset" (Identität) erhält. Das Wesen der Dinge ist Ort, und darin Beziehung. Erst so wird etwas Raum, also Gestalt.*

In den allermeisten Fällen sind dämonische Einwirkungen deshalb auf Weisen zu bekämpfen, die jedem Priester oder jedem Gläubigen selbst zur Verfügung stehen, und die im Wesentlichen nur "Stärkung des Selbstseins" (als Ausrichtung auf seinen Sinn) bedeuten. Wenn sämtliche Exorzisten darin übereinstimmen, daß die Fälle von Dämonie und satanischen Erscheinungen im letzten Jahrzehnt weltweit deutlich angestiegen sind, ist ihr Einschreiten als Teufelsaustreiber nicht nur letztes Mittel. Die Zunahme dämonischer Manifestationen hat recht klare Ursachen. Die bei den Menschen, in deren Lebensweise, in deren Haltungen liegen, die ein "Auflösen des Selbstseins, ein Öffnen auf andere Herren hin" bedeutet.  Und dazu gibt es damit klar benennbare Verhaltensweisen.

Als erste ist die Bereitschaft zu nennen, sich mit Esoterik (verborgene Heilswege) und okkulten (okkult = verborgen) Praktiken schon unter Kindern und Jugendlichen heute enorm groß. Ob nun "Tischerlrücken", Pendeln, alle Formen von Wahrsagerei, Medialität oder spiritistische Erfahrungen sind ziemlich populär geworden. Sicher dazu gehört auch der heute gar nicht seltene "Schamanismus" oder "Hexerei". Generell hat der heutige Mensch großes Interesse am Okkulten, mehr als an Gott. Es entspricht seiner Neugier. Auch was sich als "paranormale Phänomene" zeigt, ist praktisch immer eine Einladung an Dämonen. Und nicht zuletzt ist Manipulation und Gehirnwäsche ein Schritt zur Dämonie. Denn sie bedeuten den Verlust der eigenen Vernunftbasis, also die Selbstherrschaft.

Was alles nicht weiter verwundert, weil der Verlust der Autorität der Kirche mit sich gebracht hat, daß man neue Wege zum Transzendenten sucht. Dessen Existenz ein sicherer Bestandteil menschlicher Wahrnehmung ist. Es "gibt also etwas", so sagt es die menschliche Grunderfahrung, aber wer deutet es nun? Der Einzelne selber kann es nicht, auch wenn das allen eingeredet wird und als "Freiheit" lächerlich-zynisch bezeichnet wird. Man empfängt Sprache, man empfängt damit auch Denken, Wissen, die Krone der Vernunft.

Dazu kommen als Punkt zwei im Praktischen das sehr effektive Mittel, dämonischen Wesen Einfluß zu gewähren. Da wären Drogen zu nennen, da wäre aber vor allem auch die sexuelle Befreiung (im speziellen über Pornographie) zu nennen. Beide bedeuten eine innere Aufspaltung des Menschen, in der der Geist (das "Ich") aufhört, die Herrschaft über den (weil in seiner Gesamtverfaßtheit als im Geist verhängter Mensch integrierten) Leib zu behalten. Vereinfacht gesagt ist es dann, als würde der Mensch die Wachen an allen seinen Grenzen abziehen und in eine andere Richtung als sein Leib blicken. Während kommen kann, wer immer da wolle, um vom sich selbst überlassenen Land Besitz zu ergreifen.  

Die Ähnlichkeit des Bildes mit gegenwärtigen Geschehnissen ganz anderer Natur, ja sogar mit manchen Krankheiten, die heute auftauchen, ist ganz gewiß nicht zufällig. Beides geht aus demselben Archetyp hervor: Dem einer Aufgabe beziehungsweise des Verlusts der Herrschaft des Geistes über das Territorium, auf das er bezogen wäre. Nun kommen andere Geister, die das Land in Besitz nehmen. So könnte man beschreiben, was bei Besessenheit, dem letzten Stadium der Dämonie, passiert: Sie braucht die Zustimmung, sie braucht das Gewährenlassen.

Das kann auch - dritter Weg - durch einen Fluch eines anderen, also durch den bösen Willen anderer Menschen geschehen, ins Dämonische zu gelangen. 

Natürlich sind dabei Kinder besonders betroffen, für die noch die Eltern sprechen müssen, die also noch nicht Herr über sich sind. Das ist der vierte Weg. Aber auch daraus gibt es Wege, wenn der Betroffene erwachsen wird. Es ist nie zu spät, aus der Dämonie heraus zu gelangen. 

Ein fünfter Weg zur Dämonie ist die habituelle Sünde. Bei solchen Menschen, die sich nicht von der Sünde trennen wollen, weil sie schon quasi Teil ihrer Persönlichkeit ist, beginnt ein Rationalisierungsprozeß des sündigen Verhaltens, was ebenfalls bedeutet, daß die Vernunft, die Selbstherrschaft aufgegeben wird. 

Der sechste Weg ist die direkte und freiwillige Einladung an Dämonen, in einen einzuziehen. Was auf den ersten Blick für den Leser eigenartig wirken mag, passiert in der Praxis auf indirektem Weg gar nicht so selten. Und entspringt meist dem Wunsch eines Menschen, daß in ihm der Geist eines anderen, den er vielleicht bewundert, den Raum einnehme.  

Der siebente Weg, auf dem man Dämonen einladen kann, sind zerbrochene Beziehungen.  Dabei kommt es darauf an, wie man damit umgeht, denn es gibt bei jedem Menschen natürlich jede Menge zerbrochener Beziehungen und Wunden daraus.  Schlimm wirkt es sich dann aus, wenn ein Betroffener in Bitterkeit oder Haß fällt. Auch das ist eine Abwendung von Gott, und damit von seiner Gnade. Deshalb ist es so wichtig zu lernen, zu vergeben, es zumindest Gottes Vorsehung zu überlassen.

Morgen Teil 4) Das Video




*Deshalb sind Dämonen, ist der Teufel immer und überall völlig richtig als "erschreckend häßlich" dargestellt. Man hüte sich also vor dem Kult des Häßlichen, der heute so verbreitet ist. Häßlichkeit von Irdischem/Welthaftem ist immer eine Analogie zum Dämonischen. Und die Menschen haben das überall und seit je gewußt.





*070518*

Mittwoch, 9. Mai 2018

Dennoch - Non timete! Fürchtet Euch nicht! (2)

Teil 2) Die vier Formen der dämonischen Belastung




Der amerikanische Exorzist Fr. Vincent Lampert führt in dem zum Schluß der Artikelreihe eingefügten Vortrags zunächst einmal die vier Formen dämonischer Belastung an. Dabei sind die ersten drei nicht prinzipiell Anlaß, einen Exorzisten zu rufen. Generell gilt ja - und das betonen sämtliche Exorzisten - daß Satan und Dämonen von einem Laien durch ein geordnetes Glaubensleben im Rahmen der Sakramente ohne jedes Problem fernzuhalten sind. Wer in Christo lebt hat nichts zu befürchten. Nie. Was meint, daß sie einem in einem intakten Glaubensleben stehenden Katholiken nicht gefährlich werden können. 

Was nicht aber heißt, daß sie sich nicht bemerkbar machen können. Doch sollte man mit diesem Thema deshalb vorsichtig sein, weil man recht gerne zu einem Punkt kommt, wo man "hinter jeder Ecke" die Vertreter der Hölle wittert, und das ist nicht nur ganz sicher nicht so einfach eine Tatsache, sondern man übersieht andere, "natürliche" Wege, ein anstehendes Problem zu lösen. Und man übersieht leicht das Wichtigste: Die Fokussierung auf das Heilige, das sicherste Mittel gegen jede Einwirkung satanischer Mächte. 

Das gilt auch für allfällige dämonische Manifestationen, die nie im Zentrum stehen können sondern nur vom Wichtigsten ablenken - der Verbindung mit dem Heiligen, das Vertrauen auf die Gnade. Fr. Lampert berichtet, daß ihm häufig geschehe, daß sich Menschen an ihn wenden, die von ihm außergewöhnliche Maßnahmen fordern. Die dann regelmäßig enttäuscht sind, weil das was er ihnen sagt so simpel scheint: Meßbesuch, Rosenkranz beziehungsweise Gebet, Kampf gegen die Sünde.

Systematik. 

Vorweg: Dämonische Aktivität kann es auf zwei Arten geben, der "normalen" und der "außergewöhnlichen" Art. Zu den normalen Aktivitäten gehören Dinge wie Versuchungen, die scheinbar ganz alltäglich passieren und auch ganz alltägliche Wege benützen.

Bei der außerordentlichen dämonischen Wirkung gibt es nach Fr. Lampert vier Arten. Er nennt in nach der Schwere aufsteigender Reihenfolge die Heimsuchung (Infestation), die Belästigung (Vexation) und die Verfolgung (Obsession). Die letzte Stufe, die sein eigentliches Wirkgebiet ist, ist dann erst die wirkliche Besessenheit (Possession), in der sich der Dämon beziehungsweise der Teufel also des Körpers von jemandem bedient, die Herrschaft darüber hat. (Was eben einen schwachen Ich-Geist braucht.) Die aber sehr selten ist.

Als Heimsuchung werden Dinge wie Spuk genannt, also sonderbare Vorkommnisse, Klopfgeräusche, Schritte, Lichterscheinungen, Bilder die zu Boden fallen oder Objekte, die hier verschwinden und dort auftauchen. Sie sind mit einem Ort oder einem Objekt verbunden. Dabei KANN es auch sein, daß solche Dinge Anrufe von Armen Seelen sind, für sie zu beten. Es gibt genug Berichte, die davon sprechen, daß solche Dinge aufhörten, nachdem man Messen für den Verstorbenen lesen ließ etcetera.

Die zweite Art der außergewöhnlichen dämonischen Manifestation ist die Belästigung, die Vexation. Hier geht es bereits um körperliche Angriffe. Das kann sich als Schnittwunden, Kratzer oder Bisse äußern. Oder zum Beispiel als Schriftzüge, die auf der Haut erscheinen und nach einer Zeit wieder verschwinden.

In der dritten Stufe, in der Verfolgung, kommt es bereits zu geistigen Angriffen. Die betroffene Person wird von bösen Gedanken bedrängt oder überflutet. Bis hierher sollte noch jeder Priester in der Lage sein, mit dämonischen Wirkungen fertigzuwerden. Sollte deshalb, weil Dämonen einen Priester nur in dem Maß ernst nehmen, wie dieser seine Berufung ernst nimmt. Also sein Priestertum nicht einfach als "Job" auffaßt, den er eben erledigt.

Denn schließlich ist da die Besessenheit. Der sollte sich nur noch der bestellte, autorisierte Exorzist zuwenden. Denn hier behandeln die Dämonen den Körper des Betroffenen, als wäre er ihr eigener. Sie zeigt sich deshalb in unnatürlichen Dingen, wie gigantischen Kräften, Levitation, in der Kenntnis von Fremdsprachen, die der Betroffene normalerweise nicht spricht, im Wissen von Dingen oder Geheimnissen, die er gar nicht wissen kann.



Morgen Teil 3) Sieben Wege, wie man der dämonischen Besetzung die Tore öffnet






*020518*

Dienstag, 8. Mai 2018

Dennoch - Non timete! Fürchtet Euch nicht! (1)

Oh, der VdZ liebt Exorzisten. Warum? Weil sie so viel Spukiges, Außergewöhnliches zu berichten haben? Keineswegs. Im Gegenteil, das interessiert ihn überhaupt nicht. Was soll an all den parapsychologischen, spiritistischen, okkulten Erscheinungen schon interessant sein? Der VdZ hat immer diese Vielen bedauert, die da meinen, hier etwas Wesentliches zu sehen oder zu erfahren. Wie geistig arm muß deren Leben sein.

Nein, alles das: Nein. Er liebt Exorzisten, weil sie so REALISTISCH sind! Weil sie so HUMORVOLL und distanziert sind, wie jeder Realist. Weil sie so abgeklärt sind. So, wie jeder Mensch, jeder Stand, der noch mit der wirklichen Wirklichkeit zu tun hat, und sich nicht ein Reich der Sonderbehandlung geschaffen hat, das ihn notfalls auch ohne jede Wirklichkeit ganz gut durchkommen läßt. Nein. Realisten sind humorvoll, weil im Begreifen des Realen auch die nötige Distanz enthalten ist, ja diese nur Realitätsbegreifen ermöglicht. So seltsam das manchem erscheinen mag: Welt kann erst dann begriffen werden, wenn man sie als das begreift, was sie ist. SPIEL. Spiel Gottes. Alle diese Superernsten, die da meinen, von jedem ihrer Handzucker hinge das Schicksal der Welt ab, sind doch nur eines: Lächerlich, und meistens sogar schwer geisteskrank. Denn hinter ihrer Ernsthaftigkeitspose steht abscheuliche Überhebung, steht das "eritis sicut Deus". Das "Sein wie Gott".

Was in diesem Vortrag, den es leider nur auf Englisch gibt, auch begreifbarer wird. Wer mit dem Teufel zu tun hat, hat es eben mit der ziemlich wirklichen Wirklichkeit zu tun, da gibt es - wie in jedem Spiel! - kein Pardon für Versagen und Fehler, da geht es knallhart um die Existenz! Und wer existentiell handelt, der weiß um Gott und seine erste, entscheidende Bedeutung. Der weiß, daß die Welt Spiel ist.

Atheisten sind ja im Grunde immer dumm und humorlos, ihr "Humor" tarnt sich als Sarkasmus oder gar Zynismus. (Warum sollte sich der Teufel mit ihnen überhaupt also befassen?) Darum blüht der Atheismus, wie William M. Briggs so überzeugend und eloquent aufzeigt, vor allem in groß ausgebauten Leviathan-Staaten, vulgo: im Sozialstaat heutiger Prägung. Und (auch) deshalb, werter Lester, deshalb nimmt die Zahl der Fälle, in denen sich Menschen an ihre Diözese um Hilfe wenden, so deutlich zu, nicht nur in den USA. Aber freilich, nicht nur deshalb, wenn auch die direkten Gründe (Narzißmus; steigender Atheismus; stark steigende Rolle des Okkultismus) damit zumindest indirekt zusammenhängen.

Nur - der VdZ wird den Vortrag des Exorzisten Fr. Vincent Lampert (Exorzist der US-Diözese Indianapolis) vor jungen Studenten anders als sonst so oft nicht auf Deutsch quasi wiedergeben. Er ist zu lang, zu detailreich.

Dennoch, auf zwei allgemeine Dinge will er hinweisen, die Lampert ausführt, die will er hier zusammenstellen. Das eine sind die Formen und Arten der dämonischen Belastung. Und das andere sind die Wege zu einer dämonischen Belastung. Diese Dinge haben in den Augen des VdZ recht praktischen Wert, und an ihnen kann vielleicht auch der Leser manches seiner Wahrnehmung schärfen. Denn die Gefahr ist, sagt der im Vortrag (vor allem in der zweiten Hälfte) köstliche Lampert, daß Leute, die sich mit dem Teufel und den Dämonen befassen, bald hinter jeder Ecke Dämonen sehen. Und das entspricht einfach nicht der Tatsache, zum einen, und unterschätzt zum anderen die wirkliche Wirkweise eben dieser ganz gehörig. 

Nicht zufällig aber - und darin stimmen sämtliche Exorzisten, die der VdZ bislang (auch persönlich) kennengelernt hat - sind gut 90 Prozent der Fälle, in denen sich Menschen an ihren Bischof (oder wen auch immer) mit der Bitte um exorzistische Hilfe wenden, tatsächlich psychologisch-geistige Probleme. Die effizienteste Hilfe ist dabei immer eines: Die Menschen sollen einfach beginnen (oder wieder beginnen), ein geordnetes geistig-geistliches Leben aufzunehmen. Also zur Beichte gehen, in den Sonntagsgottesdienst, sollen beten, und sich bemühen, ein solides, wahrhaftiges Leben zu leben. Aus und Punktum! Nix mit Sensation. Nix mit "hokus pokus". Kein Exorzist ist ein "Magier" (auch wenn alles, was er tut, der Kraft Gottes zuzuschreiben ist.) Nur - das wollen diese Menschen nicht. Sie wollen großes Brimborium. Sie wollen Hollywood, nicht handfesten Boden.


Morgen Teil 2) Die vier Arten der dämonischen Belastung





*020518*

Sonntag, 15. April 2018

Ach, einfach mal so

Immerhin sollten wir nicht vergessen, daß letztlich alles Spiel ist. Alles, das Fasten, das Feiern, das Entbehren, das Genießen, alles ist letztlich ein Spiel. Auch die Schöpfung ist ein Spiel, ein Spiel Gottes.

Erst in der Haltung des Spiels gewinnen wir jene Freiheit, auf die es ankommt, weil wir erst dann Mensch sind. Und damit Gottes Ebenbild. Ohne Freiheit (und also ohne Spiel) ist deshalb alles - Erfolg oder Mißerfolg - nichts.

Die Grenze zwischen Konsequenz (im Spiel) und Fanatismus, damit Unfreiheit, ist sehr rasch überschritten. Wer nicht frei ist, wer diese Distanz (weil im Spiel befindlich) nicht hat, kann weder opfern, noch kann er feiern, noch kann er lieben, noch kann er gerecht hassen. Er kann nicht weinen, er kann nicht lachen. Es braucht die Freiheit, es braucht die Distanz, es braucht das Spiel, es braucht den Humor als Grundhaltung.

Tom Waits - "Waltzing Matilda"








*300318*

Freitag, 13. April 2018

Der italienische Stil (2)

 Teil 2) Mussolini-Italien bis zum Ausbruch des 2. Weltkrieges



Der Zusammenbruch Italiens unter Mussolini begann, als es ernsthaft versuchte, ein Großreich zusammenzuschustern. Sich also der italienische Stil, in dem die Welt im Spiel aufging, ja sich begründete, angesichts der unzweifelhaften innenpolitischen Erfolge selbst ernst zunehmen begann, also die Distanz zu sich selbst verlor.

Genau da sahen die prinzipiell humorlosen Briten ihre Positionen gefährdet, und reagierten entsprechend. Gleichzeitig brach 1936 Hitler Österreich aus der Nähe zu Mussolinis Italien - mit dessen Duldung - heraus.

Begünstigt durch die immer weiter voranschreitende Annäherung Italiens an Deutschland, das erst jetzt - eigentlich durch seine sich abzeichnende militärische Kraft, während die innenpolitische Zustimmung zum Faschismus in Italien abnahm - beginnt, den Ton anzugeben. Dennoch war Europa noch eher in Sympathie gestimmt, denn die Angst vor dem Kommunismus ging mächtig um. Anfang November 1936 verkündet Mussolini sogar die "Achse Berlin-Rom".

Österreich war damit verloren. Aber auch für Mussolini-Italien brach das Ende an, auch wenn es vorerst noch eine eigene außenpolitische Linie verfolgte. Aber die Humorlosigkeit Hitlers - als absolute Unfähigkeit zum Spiel - riß das verspielte Italien ins Verderben. Mussolini will Macht real machen, und da bricht notwendig seine militärische Potenz zusammen.  Ja, in Abessinien (Äthiopien) verstößt er endgültig gegen jede Humanität, die sein ästhetischer Stil erst verhieß. Ab da bricht auch die Zustimmung im Volk ein, und er macht sich die Briten zum Todfeind, denen er den Weg nach Indien absperren will.

Und genau da reißt er auch das erst jetzt kongeniale Hitler-Deutschland in entscheidende Kalamitäten: Die notwendige deutsche Intervention erst in Jugoslawien, dann in Griechenland (was sich noch als besonders folgenreich erweisen sollte) und dann in Nordafrika (Libyen ist ab 1911 italienisch, aber zwischen den Engländern am Suez-Kanal in Ägypten und den anlandenden Amerikanern in Algerien eingekeilt) ist einer der definitiven Sargnägel an Hitlers Bestrebungen. (Denn von Plänen kann man nicht wirklich sprechen.)

Es mag Träume gegeben haben, aber nie Pläne. Das verzögert den Rußlandfeldzug 1941 entscheidend. Nämlich um genau die paar Wochen, die für die Eroberung Moskaus angesichts des einbrechenden Winters und der viel zu dünnen Versorgungsmöglichkeit (die deutschen Armeen hatten nicht einmal Winterkleidung, die der eigentlichen deutschen Taktik der Beweglichkeit hohnsprechende völlig unzureichende Mobilisierung ist ohnehin nicht mehr erwähnenswert) gefehlt haben.

Mussolinis Verwechselung von Spiel und der Realität der Moderne kostet schließlich aber auch Deutschland enorme Kräfte, das Dritte Reich überdehnt sich endgültig. Und sie entscheidet die Invasion in der Normandie, die genau von jenen britischen Armeen getragen wird (die amerikanischen Landeabschnitte sind ja teils furchtbar verblutet), die erst in Dünkirchen entkommen lassen wurden, dann aber - immer unter demselben Befehlshaber, Bernard of Montgomery - in Nordafrika über Rommels vereinte Deutsche und Italiener im Mai 1943 gesiegt hatten.

Aber auch umgekehrt: Man muß Mussolini zugute halten, daß er mit gewisser Vernunft gerechnet hatte. Denn nicht nur Italien war 1939 nicht zu einem nächsten Krieg bereit, sondern auch Deutschland. Das wußten alle Militärfachleute. Auch in Deutschland, weshalb Hitler die Generäle der Wehrmacht absetzte und selbst die Fäden in die Hand nahm.

Aber Hitler stellte Mussolini nach und nach einfach vor vollendete Tatsachen. Die gewaltigen Erfolge der deutschen Armeen in Polen 1939 und in Frankreich 1940 überrumpelten auch den Italiener. So entschließt Mussolini sich zum Angriff auf das britische Ägypten, der fatal verläuft, und sogar für den Angriff auf Griechenland.

Naja, immerhin, er hielt den Pakt, wenn er auch erst hinterherhinkte. Aber er verlor alles. Weil Italiens bereits in Abessinien angeschlagene Militärkraft - im Stahlpakt devot verkauft und in ein gemeinsames Schicksal verhangen - nichts mehr vermochte. Italien war nicht mehr kriegsfähig, und wurde so zum Gehilfen Deutschlands, das schließlich in Stalingrad endgültig verblutete. Es konnte damit der Invasion der Amerikaner in Sizilien 1943 nichts mehr entgegensetzen. Aber es hat damit Deutschlands Armeen, die ständig Feuerwehr spielte, endgültig überlastet.

1943 wird Mussolini in Italien vom König abgesetzt und inhaftiert. Dann von der SS befreit, und "regiert" von deutschen Gnaden noch einige Monate ein Restitalien am Gardasee. 1944 wurde er von Partisanen ermordet.

















*300318*

Dienstag, 9. Februar 2016

Einladung zum Fasching

Wie sehr selbst "nach Sylvester-Köln" wesentliche Elemente der Fragestellung ausgeblendet werden zeigt sich ... an der Empörung über die Aussagen eines islamischen Imam. Dieser hatte im russischen TV (angeblich; nun wird über die richtige Übersetzung gestritten) die Meinung geäußert, daß Frauen, die wie in Köln leicht bekleidet und parfümiert aufträten, "Öl ins Feuer" gössen. 

Nun ist das Interessante an dieser Aussage, daß auch sie einen Funken Wahrheit enthält. Zwar ist das Verhalten der männlichen Migranten zwar nicht zu rechtfertigen, aber über den 'Geschehnissen hängt denn doch auch ein eigentümliches Schild: Daß nämlich die Kultur des Gastlandes eine ausgeprägte (Nicht-)Kultur des Nicht-Rezipierens der Wirklichkeit ist. Daß es zu den Vorstellungen vieler Hiesiger gehört, die Dinge nicht mehr als das zu sehen, was sie sind, sondern in einen künstlichen, pseudologischen Rahmen zu stellen. Die Sprache also nicht am Gewußten zu formen, sondern am Gesollten. 

Denn auch die Entwicklung der Mode (um es vorsichtig auszudrücken) ist keineswegs zufällige Entfaltung einer Kulturfreude. Sondern sie zeigt sehr wohl auch ein Absolutes, ein ontisches Zueinander der Dinge an. Feminismus, der uns alle flächendeckend und mittlerweile psychotisch umhüllt, bedeutet nämlich genau das: Die Enteigentlichung des sinnlich Erfaßten, die Entkräftung des Gewußten, zugunsten eines nach Gesolltem Gedeuteten.

Und wir gehen folgsam, ja gar nicht ungern in diese nächste Falle, die kurz, bevor der Mensch seinen Fuß auf den Boden bekommt, mit dem nächsten Wägelchen daherkommt, auf die sein Schritt gesetzt werden soll, um ihn doch noch in eine nächste gesollte Richtung zu transportieren.

Gewiß, und noch einmal gesagt: das rechtfertigt nicht diese Verhaltensweisen. Und es übersieht, daß die Mode immer auch einen gewissen "Spielfaktor" enthält, als Moment des nicht ganz so Gemeinten, Stilisierten. Insofern immer auch ein wenig Provokation enthält, als Spiel mit dem Gezeigten, schon gar bei jungen Menschen, und noch mehr bei jungen Frauen. Die den wahren Ernst erwachsener Gestaltelemente noch nicht erfassen, aber doch testen wollen, wieweit sie bereits dieser Welt der Ernsthaftigkeiten zugehören.* Wie in jedem Spiel, wird auch von jungen Menschen oft und gerne Welt vorwegnehmend gespielt. Kinder spielen Vater-Mutter-Kind, Backfische famme fatale, etc. 

Das ist selbst für Erwachsene zuzeiten notwendig, und der Karneval ist ein einziges Spiel genau mit einer offiziell für ein paar Tage ent-ernsthafteten Welt. Weshalb er bzw. der Fasching eine so wichtige psychohygienische Rolle spielt. Als kollektives - legitimes und legitimiertes - Auflösen aller fleischlichen Form und Identität, dem nicht zufällig das Neukonstituieren der Form aus dem christlichen Erlösungsgeschehen folgt. Als Geschehen der Bereitschaft, sich neu und um einen nächsten Schritt richtiger, wahrhaftiger formen zu lassen. 

Das kennt der Islam nicht. Er kennt aber solche Auszeiten aus Rebellionsgeschehen. Vom Tahrir-Platz in Kairo 2011 sind ähnliche Geschehnisse ja bekannt. Sie waren ein Fasching. Und so wie sich in der Fassenacht rheinische Männer vorsehen sollten, weil die Frauen für eine Nacht jedes normale Gesetz außer Kraft setzen, so wie es immer Zeiten und Kulte gab, wo Frauen Jagd auf Männer machten (man denke an die antiken Griechen!), so entladen sich solche Umkehrungen der Formentledigung bei Muslimen, haben dort aber keine dezidierte Kulturform. Damit bleibt es latent. Sehr latent sogar, weil das Netz dieser Religion lückenlos-monoton streng ist.

Die Migrationswelle, die uns seit vorigem Jahr ungebremst überrollt, ist - und es verwundert, daß es niemand sehen will! - hat grundsätzlich etwas von Fasching.  Sie hat etwas von Unernsthaftigkeit. Der VdZ behauptet sogar, daß der überwiegende Teil der Millionen Zuwanderer gezielt den Fasching sucht, den dieses Abenteuer für ihn bedeutet. Denn die Ernsthaftigkeit, die diesen Invasionswellen unterschoben wird, existiert nicht. Oder bestenfalls für einige wenige. Die meisten müssen wissen, und wissen auch garantiert, daß sie hier keine Chance haben. Aber sie setzen bewußt ihre in ihrer Heimat geltenden Lebensgesetze der Ernsthaftigkeit außer Kraft, fliehen in den Fasching, und werden noch dazu eingeladen. Denn auch hier gilt Fasching, sogar übers ganze Jahr: Auch hier nimmt kein Staat seine eigenen Gesetze und Notwendigkeiten ernst, ja sogar die Regierungen lachen über Grenzen und internationale Verpflichtungen und stellen alles auf den Kopf.

Was ganz sicher oder zumindest ergänzend erklärt, warum manche Berichte Betroffener davon erzählen, daß die (wohl ausschließlich islamischen Kulturkreisen entstammenden) Migranten überrascht (!) über die Gegenwehr der Frauen und Mädchen waren. Weil dieses Abwehrverhalten im Widerspruch zu ihrer gestalthaften Aussage stand. Ist denn hier NICHT Dauerfasching?

Daß hiesige Männer längst gelernt haben, nicht mehr wahrhaftig zu deuten, was sie sehen, ist dabei der entscheidende Unterschied. (Und das ist die eigentliche Kastration des Mannes; das Heben der Dinge in wahrhafte Welthaftigkeit wäre seine Aufgabe. Übrigens: die nächste chthonische Zeitbombe, darüber noch zu anderen Zeiten mehr.)

Noch dazu ist Fasching als Kulturerscheinung in der muslimischen Welt unbekannt. (Was über ihn mehr aussagt, als ihm lieb sein kann.**) Erwachsenwerden heißt also auf eine Art auch, den Fasching als "umgekehrte Zeit" zu halten.

Was auf frappierende Weise dem Verhalten gegenwärtiger junger, nachrückender Generationen entspricht. Die entsetzt sind, daß der Dauerfasching, zu dem sie bereits erzogen wurden, nicht auch jenseits des 30. Lebensjahres und bis in die Pension weitergeht. Ja, so manche politische Forderung und manches politische Programm ist nichts anders als das Versprechen, daß dieser Fasching auch weitergeht, und gar nie mehr endet. Und enorm viel Empörung hat ganz genau den selben Grund: Empörung, daß nicht doch noch und nur Fasching gelte.

Das so völlig aus der Diskussion auszublenden dient ganz sicher nicht dem Zugewinn an Wirklichkeitsfundierung. Sylvester-Köln legt vielmehr den Finger auf ganz andere - und sehr große - Fragen.

Aber die wollen wir lieber gar nicht gestellt wissen.




*Aus diesem Grund ist es für Eltern notwendig, ihre jugendlichen Kinder vor sich selbst zu schützen. Die (man kennt dies vor allem bei pubertierenden Mädchen) gerne mit Elementen des Frau-/Mannseins spielen, ohne deren Aussagewucht wirklich zu kennen, die sich erst dem reifen Menschen erschließt.

**Der Islam ist als solcher untrennbar mit einer dogmatischen Beschränkung der Wirklichkeitsrezeption verbunden. Deshalb die fanatistische Überbetonung des "Männlichen", als pseudologisch die Wahrnehmung überlagernde Ebene einer ontischen Verfehlung. Erst als er sich dann auch zu einer "Religion" formierte - beginnend im 9., defintiv werdend im 12./(13. Jhd., zementierte er sich logischerweise auf einen Interpretationsstandard ein. So gut wie lale, womit wir es heute beim Islam (namentlich der Sharia) zu tun haben sind deshalb Rezeptionsstand des 13. Jhds., der im späten 19. Jhd. noch einmal erneuert wurde. 

Das sieht übrigens auch der Muslime und gewiß großartige Denker Navid Kermani so, was zu entdecken den VdZ ziemlich erfreut hat. Im selben Maß starb seine Poesie. Und DIE ist seine eigentliche Stärke, wenn man nach dem Guten im Islam sucht. Aber dazu muß man in die Zeiten VOR dem 13./19. Jhd. ausweichen. Ab da war der Islam unausbleiblich nur noch Kulturerstickung. Die Sehnsucht vieler Muslime - die der VdZ durchaus ernstnimmt und achtet - nach den "Zeiten von Cordoba" (der VdZ weist wieder und wieder auf die wunderbaren Schriften von T. H. Lawrence, und den großartigen, wenn man genau hört: tiefsinnigen Film "Lawrence of Arabia" hin) hat ihr wahrhaftiges fundamentum in re.
 



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Samstag, 26. Dezember 2015

Spiel der absoluten Gestalten - Liturgie

Zelebrant Bischof em. Exz. Elmar Fischer - 
Pontifikalamt in der Wiener Karlskirche 10. XI. 2015




Alle Rechte bei Gloria TV





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