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Sonntag, 6. März 2022

Die neue ÖVP-Methode - Verhinderung des Überblicks (2)

Die Strategie der Lüge als Legitimationsgrund, der Ausnahmezustand als Normalzustand der Politik einer Partei. Und was Marx dazu gesagt hätte - Die ÖVP ist sozusagen mein familiärer und traditioneller Herkunftsstall, ich wüßte nicht warum ich mich dessen schämen sollte. So, wie sie der Herkunftsstall all der aufgeklärten Bürgerlichen ist, die sich in Liberale (nicht zu verwechseln mit "Freiheitlichen") und Grüne weiter aufgesplittert haben. Was nur eine Spaltung mehr war, denn alles Volk stammt letztlich aus dem Bauernstand.

Die ÖVP mit ihrem Bezug auf die christliche Soziallehre ist aber sogar mehr. Sie ist sogar als "Ursuppe" des Volkes und seiner "politischen Präferenzen" zu verstehen. Anders ist diese Weltanschauung nicht zu begründen, als durch ihren Anspruch auf das naturrechtlich definierte "Volk". Als Ursuppe.

Samstag, 5. März 2022

Die neue ÖVP-Methode - Verhinderung des Überblicks (1)

In der Berichterstattung der Massen- und Mainstrammedien (öffentlich-rechtliche Medien sind in diese Kategorie eingeschlossen) fällt aber neben der oft interessanten Sprachwahl noch etwas auf. Nämlich der "Verzicht" auf Überblicke und Gesamteinschätzungen, die bisherigen Kriterien folgen. Was damit gemeint ist? 

Man nehme die Ukraine. Nirgendwo ist ein Überblick zu erhalten, nirgendwo sieht man - wie früher, da konnten es nicht genug sein! - Gesamtkarten mit exakten Markierungen, wo wer steht, wie die russischen Kräfte voranschreiten, wie die Ukrainer im Ganzen kämpfen. Denn nur das ist ja interessant - das Reale. Nur daraus läßt sich ja eigenes Urteil - das immer vorausgeht, es geht also immer und in allem Denken und Urteilen um die alles Detailhafte (das sonst ein Amorphes "nichts" bliebe weil ist) erst ordnende (zu sich selbst machende) und erhellende Gestalt eines Insgesamt - schärfen und entwickeln. Und genau das scheint nun unerwünscht? 

QR Fake News zur Ukraine
Denn stattdessen werden wir mit Details Details Details überflutet. Die erschüttern und vor eine Stimmung erzeugen sollen. (Und wie viele davon sind mit kaum glaublicher Dreistheit erlogen; bitte, schon das macht doch zutiefst mißtrauisch.) 

Montag, 28. Februar 2022

AKTUALISIERTER Nachschub zum Fall der Ukraine (5)

Schau - Trau - Wem? - Wieviel leichter wäre alles, würde man in einem Land leben, wo ein Wort ein Wort, ein Handschlag ein Handschlag wäre. Wo die Politik Dinge sagt, die wahr sind, die gerecht sind, und der Position wie der geopolitischen Aufgabe des Staates entsprechen würden.

Und wieviel leichter wäre es, an die Fama vom bösen Aggressor und dem weißen Lämmlein, das sich zitternd in die Ecke kauert und den tödlichen Schnitt des Schlächters erwartet - wenn zum Beispiel nicht dermaßen viel gelogen und betrogen würde. Und wenn die Lämmlein wirklich ehrlich, offen und wahrhaftig wären.

QR Die extrem freche Medienlüge

Ein Beispiel für so eine unfaßliche Lüge, die bei der Bevölkerung ein Bild erzeugen soll - und da muß man sich doch fragen: warum soll bei der Bevölkerung ein bestimmtes Bild erzeugt werden? Sind auch wir im Krieg? Sind auch wir darin Partei? wenn man sich die Politik und die Eliten ansieht könnte man freilich meinen: JA, ohne zu erklären: WARUM? - liefert BILD-TV. Und das Beispiel ist dermaßen frech, daß ich sogar wieder einmal zu Gloria.tv verlinke, um es zu zeigen, weil ich es vorerst nur dort sehen kann: 

Sonntag, 19. Juli 2020

Als der Antichrist kam

Es ist grotesk? Es ist tief wahr zu sagen: Wären wir wie Andreas Hofer und die Tiroler in den ersten Jahren des 19. Jahrhunderts in der Lage das System des Napoleonismus des aufgeklärten Europas als System des Antichristen zu erkennen, wäre unsere Kultur noch gesund. Somit ist es ein Symptom, ein ganz bedenkliches Symptom sogar, daß wir heute diese Haltung gar nicht mehr verstehen können, sondern bestenfalls als frömmlerischen Obskurantismus abstempeln.

Oh wie wir uns aber täuschen zu meinen, dies wäre eine Frage der Vernunft, des Verstandes, der Logik, der Ratio. Sie ist etwas ganz anderes. Sie ist irrationales Produkt (also bloß der Entscheidung, dem Urteil folgende Rationalisierung) einer sittlichen Haltung, zu der wir uns entschieden haben. Von der Zeit Hofers trennen uns nicht Verstandeswelten, nicht Zivilisation oder Technik oder Fortschritt, sondern Welten des Sittlichen. Der Kostümwechsel ist nur Klimbim, Täuschung, und der angebliche Fortschritt seit damals nur Ergebnis der Flucht vor der Wahrheit, in der wir uns selbst verdammt haben.

Verstehen, und somit auch in einem Film wahrhaftig darstellen, können wir das, was Hofer und seine Tiroler bewegte, also schon lange nicht mehr. Sodaß man schon froh sein muß, wenn eine Darstellung dieser Epoche nicht allzu schlimm danebengeht, nicht allzu sehr zu interpretieren versucht. Was immer daneben gehen muß. Und heute geht es im Film (wie in der Kunst generell) so gut wie immer daneben.

Denn wir haben das System der Unfreiheit lieben gelernt, es ist vielleicht sogar schon erblicher Faktor einer durch Gewohnheit fleischlich gewordenen und damit vererbbaren Neigung zur Selbstverfehlung und damit zum Tod geworden. Ausgedrückt in Krankheiten, die Generationen und Völker befallen, nicht nur einzelne Personen.

Damit fehlt natürlich den Unsrigen überhaupt jede Möglichkeit, einen guten Film zu machen. Über Hofer, aber auch generell. Von Sünde und Schuld getrieben kann niemals Wahrheit und Wirklichkeit - das Wesen der Kunst - entstehen weil geschaffen werden. Und Geschichte muß jeweils geschaffen werden, sie "ereignet" sich nicht "von selbst".

Aber schon damals war Tirol - in derselben Konstellation wie heute - gespalten. Die Städter, die Profiteure des Napoleonismus, der letztlich gesiegt hat, und in dem wir heute leben, hielten sowohl in Tirol wie in Bayern das Heraufgekommene, die Neue Zeit, für das Wünschenswertere.

Ihre Lebenshaltung ist sie, die unsere, die heutige. Sie ist eine Haltung des Arrangements mit der Unfreiheit, in der wir das Ewige (das es nur existentiell gibt, nicht als Attitüde, nicht als Kirsche auf einem ansonst mechanistischen, auf Effekt abzielenden Lebensablauf) zugunsten des Irdischen aufgegeben haben. Nur in dieser Transzendenzbereitschaft wie -fähigkeit aber liegt die Freiheit.

Den Verlust der Freiheit ertragen wir nicht nur, sondern wir wünschen ihn lange schon herbei. Um unserer Schuld auszuweichen. So wird unser Wollen eine Verwünschung der Welt (des und der anderen), in der wir selbst in quälender Unfreiheit stehen und weder Mut noch Kraft haben, uns zur Freiheit zu erheben. Das ist die Hölle. Unsere Zeit ist deshalb böse geworden, unser Lachen ist heimtückisch, zynisch und falsch. Das Gut, das wir nicht haben, soll auch nicht der andere haben.

Freiheit ist ein actu, ein aktives Existieren als permanentes Offensein gegen die Wahrheit hin. Sie ist kein permanent durch äußere Umstände zu erreichender oder sichernder Zustand. Aber in Ketten liegend, wollen wir sie gar nicht mehr erkennen, weil uns jeder Schmerz zu groß scheint. Als Verdrängungsstrategie, in der der Mensch zu oft glaubt, es sich dauerhaft einrichten zu können, scheint dieser Schmerz noch erträglich. Diese Losung ist ausgegeben, an diese Losung klammern wir uns, und zertreten jeden, der sie anzweifelt.

So wird aus einer Bedrückung eine unvergebbare Sünde wider den Heiligen Geist. Der Antichrist, als den die Tiroler Napoleon begriffen haben, hat gesiegt. Und er zerstört die Geschichte, macht sie zu einem bloßen faktischen Ablauf von toten Ereignissen, in denen sich jeweils nur dasselbe wiederholt und die Oktavenleiter der Weltebenen rauf und runter klettert. Weil Mechanismus das Lebendige verweigert und aus der Welt bannt, sodaß diese sich auf sich selbst geworfen in sich selbst dreht.

Da nimmt es nicht Wunder, wenn aus solcher Kulturstimmung die Anschauung wächst, daß die Welt ein starres Schema ist, das sich in Zyklen wiederholt, aus denen nicht ausgebrochen werden kann.




*120620*

Freitag, 5. April 2019

So selten, daß man es hervorheben muß (3)

Teil 3)




Auch auf den angeblichen Katastrophensommer wird eingegangen. Denn zwar sei richtig, daß es in Deutschland Trockenheit gab, warum aber spricht man nicht davon, daß das Wetter 2018 für einen anderen Teil der Landwirtschaft (Obstbau zum Beispiel) ein wahrer Segen war? Und was die angeblichen Extremwetter anbelangt, zu denen jedes Wetter umgedeutet wird - Schröcksnadel erzählt völlig richtig, daß es Muren und Verheerungen durch Niederschläge immer gegeben hat, er kann sich selber daran erinnern. Was ist daran neu?

Schröcksnadel, der auch Schigebiete betreibt, macht auf etwas anderes aufmerksam: Wie schwerwiegend sich die Klimaalarmistik auf die Unternehmer (in den Alpen) auswirkt. Denn vor fünfzehn Jahren hat man überall verkündet, daß es bald keine Winter mehr geben werde. (Worüber man heute lieber schweigt. Die gesamte nördliche Erdhalbkugel erlebt seit zwanzig Jahren einen strengen Winter nach dem anderen.) Das hat dazu geführt, daß die Banken investitionsfreudigen Unternehmern keine Kredite mehr gaben. Heute stellt sich heraus - nichts davon ist eingetreten. Und dennoch heißt es, wie es immer geheißen hat: Ja, aber in der Zukunft, da wird es eintreten ...

Niemand scheint die Auswirkungen solcher Aussagen auf so viele wirtschaftliche Kleinräume zu bedenken. Denn mit solch einer Falschmeldung wird in den Alpen die Infrastruktur eines Gebietes abgewürgt. Der Friseur hat zu wenige Kunden, die Gasthäuser machen zu, Arbeitsplätze werden rar, Menschen ziehen weg, Schulen werden zurückgebaut, die Verkehrswege und Infrastrukturen werden nicht ausgebaut, etc. Ist das verantwortliches Handeln? Er selber ist sich völlig sicher, daß auch in den nächsten dreißig Jahren alles bleiben wird wie es ist.

Was er wohl damit meinte, drückte er ungefähr so aus: Er sei der einzige in der Runde (bis auf den EU-Abgeordneten, der sagt, er sei Landwirt), der Risiko durch das Wetter/Klima trage. Er sei somit auch der einzige, der sich unbedingt auf die Realität konzentrieren müsse. Und dieser sein persönlicher Eindruck sage ihm, daß er vertrauensvoll investieren könne. Das wäre, würde er den ständig heraufbeschworenen Klimaschock befürchten, doch Selbstzerstörung. Und an anderer Stelle hat er ja schon angedeutet: Das dürften auch sämtliche Schi-Unternehmer des Alpenraumes so sehen. Denn niemand will seinen Betrieb verkaufen, dafür würde er jeden aufgegebenen Schi-Betrieb sofort kaufen.

Im übrigen sagt auch die Statistik, daß die Zahl der Extremwetter alles andere als signifikant zugenommen hat, wie es überall heißt. Nur halten wir jetzt auf jeden Starkregen hundert Kameras. Und fragen uns bei keiner Überschwemmung, ob nicht eine jahrzehntelange verfehlte Wasserbewirtschaftungs- und Gewässerregulierungspolitik damit zu tun hat, und nicht das "Klima".

Selbst aber wenn wir annehmen, daß es so ist, wie die Klimaalarmisten sagen, und wir hier alles an Maßnahmen umsetzen, die wir angeblich der Weltrettung schulden und die geplant und im Gange sind, ist der deutsche und österreichische Beitrag zur Erdtemperatur, der "irgendwann" eintreten soll (oder nicht) so lächerlich gering (Limburg sagt, daß es sich um zehntausendstel Grade handelt), daß man doch an der Sinnhaftigkeit der gewaltigen Kosten zweifeln muß, die das verursacht. Das Geld wäre anderswo, etwa bei Anpassungsmaßnahmen, oder bei veränderter Technik (Automotoren), oder bei subventioniertem Umsteigen auf sparsamere Elektrogeräte, viel besser angelegt.

Wo man doch nicht einmal sicher sein kann, daß all die beschlossenen Maßnahmen auch wirken. Denn die ständig gepredigte Gewißheit der wissenschaftlichen Aussagen ist alles andere als eine Gewißheit. Und der angebliche "weltweite wissenschaftliche Konsens" ist lediglich ein Konsens einiger Klimaalarmisten. Die Mechanismen des Klimas hat man bis heute nicht, bestenfalls rudimentär und in Teil-Zusammenhängen verstanden. Und die sehr wahrscheinlich wichtigsten Klimafaktoren (Sonne, natürliche Klimaschaukeln, Meeresströmungen, kosmische Einflüsse) fehlen überhaupt in allen Berechnungen, oder sind nur ganz gering bewertet. Weil man sie eben gar nicht wirklich kennt und die Klimamodelle, auf die man sich bezieht, so lange durch Eingriffe in die Daten angepaßt hat, daß sie auch ohne diese Faktoren auskommen.

Im übrigen ist es ein seltsames Vorgehen, Erderwärmung zu meinen und Klimawandel zu sagen. Denn das Klima ist AN SICH ein pausenloses Zueinander, hat an sich gar keinen stabilen Zustand, sondern ist die statistische Summe aus unzähligen Einzelbewegungen und Reaktionen. Klimawandel zu bekämpfen ist deshalb völlig absurd. Klima ist wie alles was wir als "Welt" (darinnen auch "Erde" enthalten ist) bezeichnen nur überhaupt "da", WEIL es sich verändert und bewegt. Ohne pausenlose Veränderung gäbe es nicht einmal Wetter. Alle Dinge sind somit eine Art "innerer Kern", der nur aus Beziehungen besteht, während alles rundum einem pausenlosen Wandel unterliegt. Vereinfacht gesagt: Wirbelt es nicht ständig im Wandel rund um diesen unsichtbaren Kern herum, gäbe es das Ding nicht. Nur im Tod gibt es diesen Wandel nicht mehr.

Aber als Medienereignis, als Zeugnis dankenswerter Offenheit, mag es den einen oder anderen doch zum Anschauen reizen. Denn schon nur diese Offenheit zu zeigen reicht, um in den Augen anderer Öffentlichkeitsproponenten "rechts" oder gar "rechtsextrem" zu sein. So wird mittlerweile auch Servus TV bezeichnet.





Nachtrag: Im Talk bei Servus TV behauptet der Obermeteorologe Österreichs Michael Staudinger, daß sich die Wissenschaft einig ist. Und er behauptet, daß die Klimamodelle hervorragend funktionieren und die Klimaentwicklung exakt vorhergesagt habe und vorhersage. Der Leser möge sich nur dieses eine Interview mit einer Koryphäe der Klimaforschung ansehen, Patrick Michaels. Dessen Status als Wissenschaftler durch eine ganze Reihe von Titeln und Funktionen im Forschungsbetrieb ausgewiesen wird. 

Der in diesem Viertelstunden-Interview (in Bild und/oder Text) vom Oktober 2018 das völlig vom Tisch wischt. Denn er sagt, was ist: Die 32 Klimamodelle, auf die sich die Politik im Westen berufen, sind vollkommen falsch. Warum? Weil sie "parameterized" sind, weil also die Forscher zahlreiche Parameter festlegen. Und gleichzeitig in den programmierten Abläufen der wichtigsten klimatisch-meteorologischen Vorgänge irren, dem Transport von Luftschichten. 

Das heißt, daß sie das erwünschte Ergebnis (und das, von dem sie meinen, es würde akzeptiert) im Vorhinein zum Maßstab der angeblichen Klimaeinflüsse festlegen. Das Ergebnis ist natürlich lediglich die Erfüllung ihrer eigenen Träume. Dementsprechend weichen die Vorhersagen immer weiter von den gemessenen Daten ab. Eine 2016 erschienene französische Studie attestiert deshalb den Klimamodellierern eine "Kunst der Klimamodellierung". Mit der Realität aber hat das nichts mehr zu tun. Trotzdem beruft sich die Politik auf sie, und zwar zu 100 Prozent.

Nur ein einziges Modell funktioniert, und das ist das der Russen. Das stimmt in seinen Prognosen auch mit den gemessenen Temperaturwerten überein. Und es zeigt auch die flache, so gut wie nicht ansteigende Reihe der globalen Temperaturen, wie sie gemessen werden. Aber darüber spricht man bei uns nicht. Tatsache ist, daß die Erwärmung der Erde um etwa 0,9 Grad Celsius seit dem späten 19. Jahrhundert vielleicht etwas mit dem Menschen zu tun hat, mag sein. Aber dann erhebt sich die Frage, warum die Hälfte dieser Erwärmung schon zu Anfang des 20. Jahrhunderts gemessen wurde, als ganz sicher nicht CO2 der Klimamotor gewesen sein kann. Die bei uns kolportierten Temperaturlinien sind ja im Grunde fehlerhaft, wenn nicht absichtlich gefälscht. Denn sie verschweigen ältere wie jüngere Messdaten und greifen nur eine Datenreihe heraus, in der die Globaltemperatur anstieg.

An Staudinger aber ist die Frage zu richten, auf welche "Wissenschaft" er sich beruft. Wenn er es nicht besser weiß, ist seine Qualifikation in Frage zu stellen. Wenn er es weiß und dennoch anders darstellt, sind Spekulationen über seinen Charakter legitim.




*270119*

Donnerstag, 4. April 2019

So selten, daß man es hervorheben muß (2)

Teil 2)




Daß wir uns hier im Kreis bewegen, wo der Anfang beliebig wird, ist nur ein Aspekt der Sache, der wie die Sache selbst im Gespräch rasch untergeht. Aber schon auch illustriert, mit was für Gummiargumenten wir es bei der Klimaalarmistik zu tun haben. Die zu allem "Fakten" hat, die im nächsten Moment wieder ganz anders sind.

Um Schröcksnadels leidenschaftliche Aussagen herum kristallisiert sich dennoch das vielleicht Sinnvollste, was dieser Stunde zu entnehmen ist: Daß wir anstatt auf umstrittene (oder auch nicht umstrittene) abstrakte Statistiken zu starren doch das machen sollten, was der Mensch immer gemacht hat: Sich auf das, was ganz real herantritt, auch ganz handfest und real einzustellen. Die Gründe, warum dies oder das so ist, sind dabei ziemlich nebensächlich und sowieso nicht klar.

Wenn das extrem flache, weithin auf Meeresniveau liegende Bangladesch jährlich von so großen Überschwemmungen des Brahmaputra (der halb Asien entwässert) heimgesucht wird und wir uns bemüßigt fühlen, ihnen zu helfen, und sei es durch Billigarbeit für Textilfirmen mit hierzulande tollen Markennamen - (O-Ton) "Warum schicken wir dann nicht hundert Niederländer dorthin, mit zehn Milliarden in der Tasche, die dort dann Dämme bauen." Oder warum treibt man nicht die Forschungen am Wasserstoffmotor voran, anstatt Dieselmotoren zu verbieten? Warum stopfen wir massenhaft südamerikanisches Soja in unsere Schweine, von denen wir dann die Hälfte noch dazu exportieren, anstatt die Schweinezucht den hier vorhandenen Futtermitteln anzupasssen? Und warum besteuern wir die Eisenbahn, während die Flugzeuggesellschaften unversteuertes Kerosin verheizen und damit billigere Tickets als die Bahn anbieten können?

Dem stimmt der österreichische Grünen-EU-Abgeordnete Thomas Waitz (der im übrigen nicht immer und nicht in allem so verblödet wirkt, wie man es bei Grünen sonst gewöhnt ist; gut, er ist ja auch Landwirt, sagt er zumindest, sieht aber auch so aus, hat also anders als der normale Grüne vermutlich noch irgendetwas mit Wirklichkeit zu tun, vielleicht einen Hauch weniger Pseudogebildeten-Bobo-Gutmenschen-Gehirnwäsche hinter sich; auch wenn man ihm eine gewisse äußere Ähnlichkeit mit Nullen wie dem deutschen Grünkasperl Hofreiter nicht absprechen kann) heftig zu: Er selber fahre jedesmal mit dem Nachtzug nach Brüssel, das teurer als ein Flugticket sei. (Die Frage, wer während seiner Aktivitäten als Abgeordneter seinen Hof betreut, der sicher ein Bio-Hof mit handgestreichelten Eiern, reifgeschmusten Karotten und totgekosten Altsauen ist, also viel Zeit und Arbeit verlangt, wird leider nicht gestellt. Die Rentabilität wird aber kein Problem sein, dafür sorgt gewiß sein Brüssel-Gehalt. Das hält manche Sauwirtschaft über Wasser.)

Die Überraschung bei der Debatte bietet aber tatsächlich eine weitere Grüne, die Klimaaktivistin und Soziologin Laura Grossmann, wie alle Klimafachleute also fachlich direkt kompetent, die gegen Schluß der Debatte fast sympathisch wird. Als sie sich mit Schröcksnadel vorsichtig solidarisiert. Was zwar ihre Gehirnmasse nicht unbedingt größer werden läßt, aber sie wenigstens nicht so ausschließlich zu jenem Brechmittel macht, das Rastazopfträger an sich schon bedeuten. Ja, es ist interessant zu beobachten, daß sie in dem Maß sympathischer wird, als sie frauliche Eigenschaften zeigt. Das geht gegen Schluß der Debatte bis an die Grenze zur Nettheit! Ach, denkt da der geplagte Normalbürger, das Wählermaterial also, von dem alle träumen, das sie dann genau deshalb mit allen Mitteln manipulieren wollen, und das so widerspenstig ist, würden die meisten Frauen doch endlich davon ablassen zu meinen, die Erwartungen, die man ihnen von Kindheit an im Namen des Feminismus übergestülpt hat, erfüllen zu müssen. (Wo ist die Schere?! Ein Königreich für eine Schere gegen Rastazöpfe!)

Naja, und wenn wir hier schon alle beteiligten Personen (außer den Moderator, den ersparen wir uns, der ist sowieso heillos mit der Gesprächsleitung überfordert) anführen, darf Michael Limburg vom EIKE nicht fehlen. Der aber kaum zu Wort kommt, man faßt es kaum. So heftig und vor allem viel und durcheinander reden die anderen. Es hat etwas sehr Komisches, im besten Sinn, wenn man da Limburg manchmal mit Händen und Füßen ums Wort kämpfen sieht, er aber nicht durchkommt. Daß er die sachlich relevantesten Argumente hätte beitragen können, läßt sich auch daran ablesen, daß sich der Wiener Supermeteorologe mit wirklich perfiden Untergriffen an seine Vernichtung machte, sobald Limburg etwas Ernsthaftes beizutragen hatte.

Was daran erinnert, daß wir es bei der Inszenierung der Klimaalarmisten praktisch immer mit einer süßsauren Komödie der Eitelkeiten zu tun haben. Wer das bei all dem laufend über uns ergehenden Klimaalarmismus nicht berücksichtigt, wird nie etwas verstehen. Man stelle sich doch bitte vor, Limburg hätte den absoluten Fachmann Österreichs vor laufender Kamera widerlegt! Also mußte er eben diesen als "Lobbyisten" und von irgendeiner Interessensgruppe "Finanzierten" nicht nur nicht niederreden, sondern sogar noch verleumden.

Ausgerechnet ein vermutlich sehr hoch bezahlter Staatsangestellter und Bewohner der Welt der Sonderwerkstätten sagt, daß Limburg und das EIKE geschmiert wird. Na klar, Klimaalarmisten schließen eben (wie alle Gutmenschen) von sich auf andere, denn mehr Welt als sie selbst in ihren Bewußtseins-Mauern einschließen kennen sie nicht, und bekämpfen dann in den anderen, stellen in ihnen aus sich heraus, was sie von sich selbst gar nicht wissen und vor allem archetypisch-stellvertretend totschlagen möchten.

Der Forscher für Alpentouristik (wir haben seine Studien bereits vorgestellt, denen gemäß sich in den letzten dreißig Jahren nichts an der Schneelage geändert hat; nur sind die Jahreszeiten jeweils stärker geworden, die Sommer um 3 Grad wärmer, die Winter dafür kälter) bringt noch etwas ein: Die seltsame Kluft zwischen dem Erleben der Menschen in den österreichischen Alpen - wo die derzeitigen Jahreszeiten als "fast perfekt" angesehen werden - und den Aussagen, die das als Katastrophe bezeichnen.  

Er finde es außerdem seltsam, daß wir so tun, als sei das Klima vor der Industrialisierung (also vor der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts) "ideal" gewesen. (Man beachte, das sei eingefügt, daß die Aussagen über eine "normale Erdtemperatur" sogar bei Klimaalarmisten recht schwanken, sodaß niemand genau sagen kann - auf Youtube gibt es dafür eine Reihe von Belegen und widersprüchlichen Aussagen, oft bei denselben Personen - worauf sich das "Zwei-Grad-Ziel" überhaupt bezieht.) 

Dabei war das Klima in Europa jahrhundertelang eine "kleine Eiszeit", in der die Menschen allen Berichten nach noch im 19. Jahrhundert mit Hunger und Not gekämpft haben. Durch das Wetter. Es gibt Niederschriften von Pfarrern aus Alpendörfern, die schildern, daß aufgrund so vieler wetterbedingter Mißernten die Kinder vor Hunger wie die Schafe auf den Weiden gegrast haben. Dort wollen wir also wieder hin? Die Erwärmung der letzten 150 Jahren (die sich etwa im Bereich von 0,8 Grad globalem Durchschnitt bewegt, wie es heißt; manche zweifeln das an, weil die Datenlage viel zu dünn ist für solche Aussagen) ist für den Alpenraum zumindest ein Segen!


Morgen Teil 3)





*270119*

Mittwoch, 3. April 2019

So selten, daß man es hervorheben muß (1)

Auch das ist ein Medienprodukt aus dem Umkreis des Red Bull-Millionärs Dietrich Mateschitz - der TV-Sender Servus TV. Der zwar eine recht bescheidene Reichweite hat, aber sich auffallend um eine ausgewogene Berichterstattung kümmert. Die auch mancher Stimme Raum verschafft, die aus den öffentlich-rechtlichen Sendern regelrecht verbannt sind, weil man diese Vernunft für gefährlich betrachtet.

So gab es Ende Jänner auch eine Sendung zum Thema "Klimawandel". In dem sich allen Ernstes "Klimaskeptiker" und "Klimaalarmisten" quasi gleichberechtigt gegenübersaßen. Das Ergebnis der Diskussion ist den Lesern dieser Seiten gewiß bekannt, und der VdZ hält sowieso von solchen Talk-Diskussionen nichts. Man kennt die jeweiligen Argumente. Aber sie können die "Schlacht" nicht entscheiden, das sollte man längst erkannt haben. Denn es geht um etwas Dahinterstehendes, und das macht jede solche Diskussion zur Scheinveranstaltung.

Niemand wird "verändert" daraus hervorgehen. Denn es geht um sehr grundsätzliche Fragen die Vernunft und ihrer hierarchischen Natur betreffend, wir haben das hier bereits begonnen aufzuarbeiten. Denn es geht weit mehr als um "wissenschaftliche Fakten" um Probleme der Legitimität als Struktur- und Autoritätsproblem der Wissenschaft an sich. Denn natürlich hat kaum ein Wissenschaftler das, worauf er "als bereits gewußt" aufbaut, selbst erforscht. Er geht einfach davon aus, daß das stimmt.

Die Wissenschaftsgeschichte ist voll von Beispielen, wie sehr das schiefgehen kann. Wie sehr auf einige (fragwürdige oder gar falsche, zumindest falsch interpretierte) Kernstudien aufbauende, schließlich gigantisch angewachsene Forschung völlig daneben liegen kann. Man denke an eines der jüngsten Beispiele, den "Cholesterin-Mythos", wo auf 13 ernsthafte Studien, die aber ganz verschiedene Ergebnisse brachten, also keineswegs Einmut in der Bestätigung der "Gefährlichkeit von Cholesterin" bedeuteten, über 21.000 Folgestudien aufgebaut haben. Die dem über viel PR populär gemachten Spruch "Cholesterin ist tödlich" folgend sämtlich irrelevant sind und unermeßlichen Schaden in der real angewandten Medizin (dafür klingende Kassen bei Pharmakonzernen) bewirkt haben.

Es gibt dazu eine Untersuchung, die erst kürzlich veröffentlicht wurde, und genau das belegt. Da war nicht nur der Margarine-Konzern, der das in die Welt gesetzt hatte, um gegen Butter konkurrieren zu können. Da waren bald Vegetarier-Religionen, Klimaverblendete, etc. etc. Denn der moderne Mensch hat DANACH Bedarf, nach einer Religion, denn genau die hat man ihm genommen. Man wollte eben überall zu gerne, daß alles so wäre. Wollte glauben, was da verkündet wurde. Auch Wissenschaftler sind zuerst einmal Menschen, die etwas werden wollen, die gut verdienen und ihrer Frau einen Nerz zu Weihnachten spendieren wollen, die nach Anerkennung gieren, die geliebt werden oder gar den Nobelpreis erhalten wollen.

Wer da zu viel gegen den Strom der Autorität schwimmt, setzt das alles aufs Spiel. Die Übertragung der Wissenschaft von "Wahrheit" auf "Religion", wie sie die "post factical science" (ein weiteres Beispiel der Unfähigkeit der englischen Sprache, "philosophisch" zu sein, sie kann nicht einmal zwischen "Tatsache" und "Faktischem" nicht unterscheiden, beides ist "fact") als immer breiter die Universitäten verseuchende Krankheit befallen hat, hat dieser Entwicklung endgültig Tür und Tor geöffnet. Es ist nicht wichtig was Wahrheit ist, es ist wichtig, ob das was wir tun dem "Guten" dient ... und die Autorität sagt, was gut ist. Der Technizismus des Materialismus bietet noch dazu die Möglichkeit der Illusion, daß bei Befolgung der Ablaufmethoden auch das Ergebnis "wahr" sein müsse.

Hier stehen sich demgemäß leicht nachvollziehbar nicht zwei gleichberechtigte wissenschaftliche Befunde gegenüber, sondern Vernunft kämpft mit einer Moral, die vorgibt, die Vernunft in dem Moment ausgrenzen zu können, ja zu sollen, wo es um die Weltrettung geht. Hier kämpft Vernunft und Hausverstand mit einer Art Religion des Irrationalen und Unsittlichen. Hier kämpft die Vernunft mit einem Herrschaftsanspruch, der nur an Wahrheit zuläßt, soweit sie dem vorgefaßten Endergebnis zuarbeitet. Das wird recht deutlich, wenn man dem EU-Abgeordneten der Grünen zuhört, der an diesem Talk teilnimmt, und pausenlos auf Mythen zurückgreift, höre der Leser einmal genau zu.

Höre er auch die Verleumdungen, die von Klimaalarmisten wie dem Meteorologen Staudinger ganz selbstverständlich in die Welt gesetzt werden, wenn er den "Klimaskeptikern" Finanzierung durch dunkle Hintergrundmächte spricht. Nur um zu verschleiern, daß Klimaalarmisten finanziell bestens ausgestattet nur von dieser politischen Agenda leben. Hören Sie die Wahrheit - Limburg spricht sie an - die jeder Mensch mit Lebenskenntnis nur bestätigen wird, daß es gar nicht um "tausende Wissenschaftler" geht, sondern um ein paar Dutzend "engagierte Aktivisten", die sich als Stimme dieser Tausenden aufspielen. Und höre so nebenbei der Leser die "Inklusivsprache", die die Grün-Klima-Bewegten bereits so verinnerlicht haben, daß man bei solcher ideologischer Geprägtheit nur noch von einer (notwendig) beschränkten Denkfähigkeit sprechen kann.

Aber dem Präsidenten des Österreichischen Schiverbandes, Peter Schröcksnadel, Schigebietsbesitzer, mitverantwortlich für die seit vielen Jahren kaum zu überbietende Dominanz austriakischer Schirennläufer, zuhören. Der schon aus beruflichen Gründen auf der ganzen Welt herumkommt, und das Wetter notwendig gut beobachten muß. Das ist allemal interessant. Der Mann sieht die Dinge mit den Augen des Hausverstandes, und hat sich offenbar auch ganz gut theoretisch informiert. Der vor Mitteilungsdrang berstet, was der sowieso chaotischen Diskussion noch mehr Chaos beigibt. Aber das stört kaum, man erwartet ohnehin nix.

Gleich zu Beginn wirft er in die Runde, daß in der Debatte so viele Vorgänge gar nicht berücksichtigt würden. Er sei vor kurzem in Neuseeland gewesen. Dort habe er mit Forstingenieuren gesprochen, denn ihm seien die großen Waldbrände aufgefallen. Diese würden aber jedes Jahr (und seit vielen Jahren) gezielt gelegt, von den Forstleuten selber. Denn anders würde man der Insekten nicht Herr werden. Wer berücksichtige diese gigantischen Mengen an Ruß und Kohlendioxyd, die hier seit vielen Jahren in die Atmosphäre geschleudert würden, fragt Schröcksnadel? Und solche Dinge gäbe es noch mehr.

Was den Obermeteorologen Österreichs Michael Staudinger, Chef der ZAMG in Wien (O-Ton Servus TV, wobei man schon sagen muß: Die ZAMG, die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik in Wien, ist mit ihren kurzfristigen Wetterprognosen unübertrefflich und extrem präzise; der VdZ hat es viele Male bei Filmprojekten erlebt, die vom Wetter abhängig waren, also Außenaufnahmen hatten, während denen die Filmproduktion fast per Standleitung mit der ZAMG telephonierte, und so auf zehn Minuten genaue Dispositionen treffen konnte "in zehn Minuten gehen die Wolken weg, dann kann wieder gedreht werden" etc. - da geht es ja um viel Geld, hohe Kosten, 40, 50 Leute am Set, außer den Chefs freilich meist miserabel bezahlt, usw. usf.) dazu bewog einzuwerfen, daß das eben aufgrund der menschengemachten Klimaerwärmung geschehe, weil ein wärmeres Klima eben die Insekten fördere.

Wobei sich der Mann sogar zu dem auf den ersten Blick verblüffenden Vergleich versteigt, daß kleine Dosierungen oft die größten Auswirkungen haben - wie bei Arsen. Denn die Menge mache das Gift. Man ist erst einmal verblüfft, bis man begreift, warum: Der Unsinn ist zu überwältigend. CO2 ist ein Gift? Seit wann? Und sind 400 ppm oder 500 ppm oder 600 ppm dann "systemüberwältigend"? Warum? Wie? Gibt es nicht einmal so etwas wie einen (molekulargesetzlich bedingten) Sättigungsgrad der oberen Atmosphäre, etc.? (Was nämlich nach physikalischer Gesetzlichkeit besagt, daß eine Zunahme des CO2 im Ausstoß keine lineare, sondern eine stark degressive Sättigungslinie in der oberen Atmosphäre bewirkt. Dieses zusätzliche CO2 bleibt also sowieso nicht dort oben, es sinkt wieder zu Boden. Wo sich dann die Pflanzen gierig darauf stürzen. Naja, jeder weiß, woran er stirbt ...) Herrschaften, was erzählt uns dieser vorgeblich hochqualifizierte Mann? Erfundene, aber für alle Blöden saugut klingende Schauergeschichten? Wie kommt er bei so einfachen Dingen schon in Erklärungsnöte, die ihn zu Lügen provozieren?  DAS ist das Interessanteste an ihm!

Interessant ist aber auch etwas anderes. Hört man nicht an anderen klimabesorgten Stellen, daß die Insekten genau wegen der Klimaerwärmung weniger würden? Oder ist es nun doch die schon regelmäßig Rekordniveau annehmende winterliche Kälte, die der Klimaerwärmung wegen die Insekten reduziert? Naja, je nach Bedarf eben.


Morgen Teil 2)





*270119*

Donnerstag, 6. Dezember 2018

Realität schlägt Dampfplauderei

Da lobe man sich doch die Tiroler. Kein Wunder, daß sie erst in den 1970er Jahren (tatsächlich!) Österreich "beigetreten" sind, also die entsprechenden Beschlüsse durch den Landtag geschickt haben. Vorher also gar nie bei "Österreich" waren, könnte man sagen. 

Denn der Präsident des Österreichischen Schiverbandes beweist den berühmten Realitätssinn der verwurzelten Menschen. Und der ÖSV ist ja beileibe nicht ein erfolgloser Verein, wie wohl auch den bundesdeutschen Lesern einleuchten wird, denn die Erfolge der österreichischen Wintersportler sind keineswegs der Größe des Landes, das sie vertreten, proportional. Damit mußt da schon einige Wirklichkeit erkannt worden sein, denn zwar kann Erfolg nicht "gemacht" werden, aber er wird nur, wenn es möglich ist, also die Wirklichkeit zusammenstimmt. Oder wie heißt es so schön? Die Gnade braucht auch einen Andockplatz, damit sie zum Wunder werden kann. Oder, wie es der Pratersternsüffelant ausdrückt: "Von Nix kummt nix."

Dieser Herr Peter Schröcksnadel, nebenbei noch Unternehmer, hat nun in einer Bemerkung, die die Kronen Zeitung für mitteilenswert hielt, über den Klimawandel gesprochen. Und in seiner bekannten Launigkeit gemeint, daß er sich nicht davor fürchte. Denn die Forscher können sich sehr wohl verrechnet haben. Ihre Prognosen stimmen jedenfalls nicht. Und daß ein Sommer warm ist, wie der heurige, freue ihn doch, was wäre daran schlecht? ER lasse sich doch nicht vom Wetter, von Einzelereignissen irritieren? Daß Mitte Oktober in Kitzbühel der Schnee für den Beginn der Schi-Trainingssaison aus Speichern aufgebracht werden müsse, weil - unüblich für diese Zeit - kein "natürlicher" Schnee vorhanden sei? Ach, meint der Waschbär, was ist daran ein Problem? Ist doch alles mal so, mal so. Für den Tourismus wäre das freilich unvernünftig, jetzt Schnee händisch auszubringen. Für die Trainings ist es aber in Ordnung, man zahlt ja dafür. (Anmerkung: Der ÖSV gilt als einer der reichsten Sportverbände in Österreich. Denn er wird aus den Kassen der Hersteller von Wintersportgeräten finanziert, und diese Industrie ist in Österreich noch recht gut unterwegs. Der VdZ kann sich nur noch dunkel daran erinnern, aber als Hermann Meier in Japan seine legendäre Goldmedaille in der Abfahrt errang, trotz spektakulärem Trainingssturz und daraus erfolgter schwerer Oberschenkelprellung, verkaufte sein Ausrüster binnen zweier Wochen alleine in Japan und den USA zusätzlich zum sonstigen Absatz 20 Millionen Schibretter. Und das nur in diesen beiden Ländern!)

Wir haben vor geraumer Zeit übrigens an dieser Stelle über eine seriöse Langzeituntersuchung an den Schneefällen und Schiwintern in den Tiroler Alpen gesprochen. Vertrauenswürdig, weil es hier um handfeste Interessen geht! Welcher Trottel würde in Tirols Schisport investieren, wenn dessen Ende am Fensterbrett liegt? Diese Untersuchungen bringen das Ergebnis, daß sich nix, aber wirklich gar nix geändert hat. Außer daß ... die Sommer wärmer weil reicher an Sonnentagen, aber die Winter schneesicherer und kälter werden. Heute kann man in Tirols Spitzengebieten sogar um 50 Tage länger Schi fahren als noch vor 30 Jahren.

Und mit dieser Haltung ist der ÖSV-Präsident nicht alleine, allen verbalen Plaudereien zum Trotz. Denn wie drückt es Schröcksnadel in einem Interview mit dem Trend aus? "Ich habe schon oft gesagt, daß ich jedes Schigebiet kaufe, das mir einer anbietet, weil er sich vor dem Klimawandel fürchtet. Aber es will einfach keiner verkaufen."  Tja, so manche haben wohl erst dann Realitätssinn, wenn es um ihr Geld geht.

Ach, Tirol ... es wäre vieles so einfach.





*191018*


Samstag, 9. Juni 2018

Aus dem Chaos zur Kultur gewandelt

Zum Abschluß dieser Themenserie ein Film über Tiroler Bauern, wie sie 1930 etwa gelebt haben. Die Bilder erinnern uns, wie wir alle das, was wir heute als kultivierte, leicht zu bewältigende Landschaften, durch die wir meist nur noch mit dem Auto oder dem Zug brausen, dem Fleiß und dem Schweiß unserer Vorfahren - buchstäblich! - zu verdanken haben. Nichts wurde unseren Vorfahren hier geschenkt. Noch vor fünfhundert, wie erst vor tausend Jahren war alles, was wir heute als sanfte Landschaft aus Äckern, Wäldern und Auen erleben, ein einziger Urzustand. Ungeordnet, und für den Menschen kaum bewohnbar. Noch Cäsar beurteilte das Land nördlich der Alpen als extrem menschenfeindlich. In diese Länder zu gehen war für die römischen Legionäre eine Strafversetzung, die nur Versprechungen auf hohe Landzuteilungen motivieren konnte, dem Ruf hierher zu folgen. 

Stein um Stein wurde entfernt. Tier um Tier gezähmt. Acker um Acker gerodet und urbar gemacht, bebaut, geerntet, zur Nutzung geführt, was zuvor niemand nutzen konnte. Den Menschen als Störfaktor der Natur zu sehen, können nur fettgefressene, sozialstaatsverdreckte und klerikal-arrogantisierte Idioten.

Dann kommen Touristen (pardon, UNO Angestellte), die einem erklären, daß wir halt Glück haben - sie eben nicht - weil alles so fruchtbar und ertragreich ist. Dann kommen unsere Söhne und Töchter, fettgefressen und Bancomat-verseucht und deshalb "autonom", und verschleudern unser Gut, weil sie meinen, es sei ja ohnehin nur unserer ausbeuterischen Attitüde zu verdanken, dem Ausbluten afrikanischer Kolonien, weiß der Deibel ... die noch nie in ihrem Leben Blutblasen vom Schaufeln an ihren Händen hatten, außer bei Maturareisen nach Antalya, wegen der Wichsorgien und Drogenspritzen.

Es waren ganz konkrete Menschen, es waren unsere Vorfahren, die - und das soll nicht unerwähnt bleiben, es ist essentiell: unter sachkundiger, gelehrter Anleitung, vor allem aber unter Übernahme des Arbeitsethos von Mönchen! Klöster zu gründen war nicht einfach ein "Festigen eines Herrschaftsanspruchs", wie all diese geistig vermüllten Historiker und Jungmülleranten in allen möglichen Blödsinnskommentaren vermerken, nein, es war der Beginn einer Kultur! - dieser wilden Urlandschaft über ein Jahrtausend jene Kulturlandschaft abrangen, jene geistig vorgeformte, in allen Dingen von oben nach unten und von unten nach oben analoge Ordnung installierten, die den Menschen erst dauerhaft überleben und schließlich sogar gut leben ließ.

So gut, daß diese Gutmülleranten, die sich für tolle Heilige halten - und heute hält sich der größte Charaktermüll für tolle Heilige - vor lauter geheim gehaltenem schlechten Gewissen allen Vorfahren ihr Daseinsrecht absprechen. Weil ihnen sonst bewußt werden würde, daß sie selbst - sittenloser Müll sind. Wie die ganze 68er-Generation, Müll, und umso bemühter waren sie, alle späteren zu Müll zu wandeln. Der VdZ sah vor kurzem eine TV-Sendung, Gebührenfernsehen, wo doch tatsächlich ein unfaßbares Nichts wie dieses Langbein sich erdreistete, die Vorvorderen als böse Faschisten, sich selbst aber als "neuen Menschen" zu bezeichnen. Gott möge doch diesen Abschaum vom Angesicht der Erde tilgen, der jeden Lebensmoment zum Schreckensmoment der Hölle machen wollte und macht! Gott. Nicht wir, natürlich.

Ihnen, diesen unseren Vorfahren, gebührt dabei nicht nur unser Dank und unsere Achtung, die auch dort vorhalten muß, wo wir nichts verstehen. Ihnen gebührt eine heilige Ehrfurcht, dem dämonischen Chaos ein Land abgerungen zu haben, in dem wir Heutigen so leicht - scheinbar - leben können. So leicht, daß wir meist schon meinen, dieser Kulturzustand wäre der Urzustand, und nicht die Frucht des wirklichen Menschseins, das erst ein Menschsein ist, wenn es in Gott gründet und darauf abzielt.










*170518*

Freitag, 8. Juni 2018

Wie verhält man sich in der Natur? (5)

Diesmal mit dem Thema: Was tun, wenn die Kuh nun angreift? Wenn sich die Almidylle als unkultiviertes Chaos zurückstuft, hat der Mensch mit Gefahren zu tun, die sein Kulturraum eigentlich bereits bewältigt hat. Was, wenn nun sein kulturgewöhntes Verhalten auf dieses Chaos trifft? Das ja erst zur Ordnung wird, wenn es auf den Menschen und seine Lebensart ausgerichtet ist? 

Das Thema dieses Kurzfilmchens mit Tobias Moretti ist, was der Bauer tun kann, um die Touristen aus ihrer nun geforderten Ordnungsaufgabe etwas zu entlasten?

So nebenbei: Der VdZ hat viel Jahre selber Tiere auf Almen gehalten. Sie dort im Herbst dann geschlachtet. Etc. etc. Er spricht also durchaus aus seinem Erfahrungsraum heraus. 








*170518*

Donnerstag, 7. Juni 2018

Wie verhält man sich in der Natur? (4)

Heute: Thema Mutterkühe. Die "natürlichere Haltung" von Kühen hat bewirkt, daß man die Kälber oft - wie es "in archaischen Zeiten" war - bei den Mutterkühen läßt. Damit aber wacht ein Mutterschutzverhalten auf, mit dem niemand mehr gerechnet hat. Denn immerhin sind diese Rinder doch seit Jahrhunderten "gezähmt", ihrem "natürlichen Verhalten" entfremdet? Mitnichten und -neffen. 

Denn die "unberührte Natur" ist nicht nur dem Menschen durchaus gefährlich, sondern sie ist auch nicht auslöschbar. Ungefährlich wird sie erst, wenn er sie zähmt, also in die Ordnung menschlichen Seins - und das heißt: Kultur - überführt. Dazu hat er den Verstand. Ob es also überhaupt mehr ist als ein schlechter Scherz, Kühe wie die Nomadenstämme wieder quasi wild zu halten, bezweifelt der VdZ ziemlich. 

Vielmehr dürfte es sich um einen der dummen Scherze der überzeugungsfanatischen Bio-Idioten halten, deren Folgen ... in Wahrheit die Bauern auszutragen haben. Die wieder einmal brav genickt haben. Denn diese Art der Tierhaltung ist heute doch gar nicht mehr zu bezahlen, und in der Arbeitsleistung - Bauernhöfe sind heute nicht mehr von einer Menge von Personen bevölkert, bei denen es nicht auf Stundenlöhne etc. ankam, die einfach "mitlebten" - nicht zu leisten ist. Tatsächlich: Nicht zu leisten! Arm sind die Bauern, die diesen Schmähfuh tatsächlich glauben, und daran elendiglich scheitern. 

Die paar Touristen, die dabei umkommen, sind dagegen der Rede kaum wert.










*170518*

Mittwoch, 6. Juni 2018

Wie verhält man sich in der Natur? (3)

Heute: Drohgebärden.
Tip: Nehmen Sie auf ihre Wanderung einen Stecken (Wanderstock etc.) mit.
Nicht vergessen: Hohe Absätze ;-)










*170518*

Dienstag, 5. Juni 2018

Wie verhält man sich in der Natur? (2)

Heute: Lebensraum Alm. Allgemeine Verhaltenstips für Bergwanderer.










*170518*

Montag, 4. Juni 2018

Wie verhält man sich in der Natur? (1)

Herrlich, der vom VdZ als Schauspieler überaus geschätzte Tobias Moretti in einer Serie von Kurzfilmchen, die unseren deutschen Freunden vielleicht hilfreich sein können, wenn sie ihren Sommer in Österreichs freier, wunderschöner Natur verbringen wollen. Die es da wirklich noch gibt. Und die Filmchen sind gut gemacht. Moretti lebt ja, wenn er nicht gerade spielt, auf einem eigenen Bauernhof in Tirol, den er auch wirklich bewirtschaftet.

Der Anlaß der Filmchen ist, daß es jährlich erstaunlich viele Unfälle und sogar tote Touristen in Österreichs Almgebieten gibt. Die deshalb umkommen, weil sie sich in Situationen finden, die sie überfordern. Sie unterschätzen die Fremdheit, in der sie selbst bereits leben. Was sich gerade dort zeigt, wo es Bauern gibt, die auf Tierhaltungsformen umgestiegen sind, die in den eigentlich sanftesten, "doofsten" Tieren Verhaltensweisen wachrufen, mit denen niemand rechnet, weil sie völlig verschwunden schienen. Und mit denen der heutige weltfremde Mensch nicht mehr umgehen kann.

Also, heute und in den nächsten Tagen: Wie verhält man sich ...

... mit Hunden auf der Alm?








*170518*

Freitag, 11. April 2014

Teilhabe an der Passion

Nur das, was als Form geistig enthalten ist, kann in seiner Unvollkommenheit, seiner Verletzung, seiner Zerstörung überhaupt als solches empfunden weil gesehen werden. Deshalb empfindet der Geistige - die Perösnlichkeit - mehr Schmerz als der Ungeistige. Deshalb, schreibt Otto Weininger in "Geschlecht und Charakter", empfindet der Mann (bzw. der Mensch im Männlichen, man könnte es so umbrechen*) mehr Schmerz, als die Frau.

Damit ist auch das Leiden Christi das in seiner Größe und Vollkommenheit am höchsten Ausdenkbare. Denn in ihm ist tatsächlich die (historisch gewordene wie zukünftig werdende) Sünde und Bosheit ALLER ZEITEN enthalten. Sein außerhalb der Zeit stehender, und doch in diese hineinragende Geist hat alles Wirkliche der Geschichte gegenwärtig.

Deshalb ist es keineswegs leeres frommes Gerede, wenn die Kirche sagt, daß dem Gläubigen möglich ist, die HISTORISCHEN Leiden Christi seien in ihrer Schwere und Art von meiner momentanen, historischen gelebten Sündhaftigkeit abhängig. Und deshalb ist es kein leeres Gerede, wenn es heißt, daß der historische Mensch die historischen, konkreten, fleischlichen Leiden des Erlösers mildern, diesen trösten, an seinem Leiden sogar teilhaben, ihn entlasten kann, in der Sühne.**

In Christus ist uns das göttliche ewige Grundgeschehen der Erlösung sinnlich (historisch) gegenwärtig geworden, und in den Sakramenten, in der Liturgie, im Kult nach wie vor historisch gegenwärtig.

Die Nachfolge Christi - die der einzige (!) Weg zur Selbstverwirklichung ist - kann deshalb gar nicht anders aussehen als die (grundsätzliche) Bereitschaft, Christ Kreuz auf sich zu nehmen, wie immer es aussieht, weil es immer nur historische Konkretion, relative Gestalt hat. Nicht zufällig steht aber der Tod, das Leiden, am ANFANG des Jahreskreise, an der Pforte zur Fruchtbarkeit und des Lebens. Am Eingang zur Freude an den Dingen der Erde, die diese aus dem Geheimnis des Lebens heraus (aus dem Tod) hervorbringt, und in der sie uns überschwemmt.

Fast alles aber, was wir heute beobachten, ist ein einziger Versucht, dieser Bereitschaft (!) zum Tod  (die das Sterben selbst bereits ist) auszuweichen. Die sittliche, schöpferische, kulturelle Höhe einer Zeit bemißt sich ausschließlich an dieser Bereitschaft der Zeitgenossen, zu sterben. Ein Versuch, das Leben selbst doch zu gewinnen, nur auf anderen Wegen, die dieses Sterben ersparen. Und in der Suche nach ERsatzzielen ist der Mensch ungemein erfindungsreich (die Klimawandel-Apokalypse ist dafür prototypisch.) Wer den Moralismus, das "Gutmenschentum" erfassen will, hat es darin erfaßt. Nur dieses Sterben macht offen für die Wirklichkeit - als Moment der je neuen Überraschung.



*Was also nicht heißt, wie heute meist mißverstanden, daß die Frau vermännlichen soll, sondern daß das Frausein Frausein wird und werden muß durch die Männlichkeitshaltung in der es ergriffen wird, weil das Wesen des Logos initial und als "idea" männlich-zeugend ist.

**Die Selbstweihe Tirols an das Herz Jesu, die zum Ende des 19. Jhds. vollzogen und vom Vatikan offiziell approbiert wurde, hat deshalb historische Dimension und Auswirkung. Denn in ihr hat sich freiwillig ein ganzes Land, ein Volk dieser Sühne zugesprochen. Was auch immer an Geschichtlichem mit Tirol passiert ist, kann nur - konkret historisch - unter diesem Aspekt überhaupt verstanden werden.




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Mittwoch, 4. Dezember 2013

Freiheit bedeutet Adel

Es ist nicht ohne Interessantheit, was Pirenne über die Entstehung des Adels schreibt. Immerhin ist Pirenne ein profunder Kenner der Materie.

Denn er meint, daß die Gleichsetzung der Bedeutung von "Adel" mit "Freier" im 10. Jhd. noch allgemein war. Sodaß JEDER, der FREI war, auch ADELIG war. In dieser Bedeutung ist es in die Zeit fortgewachsen. In den schneller als Deutschland sich entwickelnden Gesellschaften von Frankreich und den Niederlanden lebt das selbst in der Namensgebung - "de", oder "van", die von Deutschen als "Adelsprädikate" verstanden werden, in den betreffenden Ländern aber zum Teil sogar gar nicht - noch fort. Und in der Antike wurde er ohnehin nur so verstanden.

Nicht Adel bedeutet Freiheit - sondern Freiheit bedeutete Adel.

Nur der Umstand, daß viele, manchmal ein gesamte Bevölkerung, diese Freiheit aufgab oder aus wirtschaftlichen Gründen* aufgeben  mußte, und daß sich aus dieser Konzentration der Verantwortlichkeit auf immer weniger eine Art "Schichte" herausbildete, hat zu dem geführt, was in den deutschen Ländern den Begriff "Adel" nach heutigem Verständnis herausgebildet hat. Die Reduzierung der Freien war es also, die den Adel zu einem "Stand" machte.

Selbst, wenn man sagt, daß sich der Adel hier aus der Übernahme von Verwaltungsaufgaben, dort aus der Dienstpflicht zur Waffe - also dem direkten Dienst am König, am Staat - entwickelte, so ist soziologisch klar, daß es nur aus dem Bauernstand heraus, sowie aus der Schichte der römischen Beamten, die auch in unseren Ländern noch verblieben waren, zu solch einer Schichtenbildung kommen konnte. Wer wäre sonst dagewesen?

Aber ADEL und FREIER ist in seiner ursprünglichen Bedeutung synonym. Auf beide wurden die alten Rechtsgefüge des Familien- und Sippenrechts angewandt, sie waren rechtsfähig. Aus der faktischen Entwicklung heraus wurde dieses Recht aber zunehmend auf immer weniger anwendbar, und dieselbe faktische Entwicklung führte zur Erscheinung der "Leibeigenen".

Hier sei mit besonderer Innigkeit auf den Vergleich der Entwicklung in Bayern und Tirol hingewiesen. EIN Volk, eine Bevölkerung - ZWEI völlig unterschiedliche Entwicklungen! Die Tiroler, die bis heute sogar ihr Recht auf Waffentrage ("Schützenvereine") aus der Pflicht zur Landesverteidigung heraus bewahrt haben, waren immer FREI. Sie haben auch topographisch bedingt ihren Kampfgeist nie aufgegeben.** Im nur einen Bergkamm entfernten (und außerdem einfacher zu bewirtschaftenden) Bayern hat sich ein System der Großgrundbesitzer herausgebildet, in dem nur wenige diese ursprüngliche Freiheit behielten.



*Die mikroökonomischen Mechanismen einer Konzentration von Grund und Boden, dem Übergang vom Besitzer zum Pächter, sind vielfältig und komplex, und zu allen Zeiten und aller Orten recht ähnlicher Natur. Vor allem Ackerbauern (Kornfrüchte haben weit geringere absolute Spannen als etwa Viehzucht) waren davon betroffen. Nur einige der so häufigen Mißernten hintereinander, bei dem allgemeinem Geldmangel damals sowieso, und ein kleiner Landherr konnte ruiniert, in die Abhängigkeit genötigt sein, um zu überleben. Längerer Kriegsdienst, der jedem Freien oblag, hieß zudem längere Abwesenheit vom heimatlichen Hof, war damit doppelt belastend.

**Bis in die neueste Zeit hinein: Als im August 1915 Italien Österreich völlig überraschend iin Südtirol angriff, waren es rund 90.000 einfache Tiroler (an sich wehrunfähig erklärte) Bürger, vom Schüler bis zum invaliden Greis, die mit einfachsten Mitteln die vielfach überlegenen Angreifer wenigstens so lange gehemmt, bis nach drei, vier Wochen reguläre österreichische Truppen von der Ostfront herangeführt waren. Von den Kärntnern 1919 - gegen jugoslawische Truppen - ist nicht viel weniger zu sagen. Daß dies alles heute, in Zeiten, wo Freiheit überhaupt kein oder bestenfalls ein "ja, auch irgendwie" Wert mehr zu sein scheint, nicht mehr verstanden wird, wundert nicht. Wie früher, wird Wohlstand gegen Freiheit eingetauscht. Die Menschen waren immer gleich.





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Mittwoch, 13. November 2013

Der König hat nichts mehr zu sagen

Der Zerfall der Königs- und Zentralmacht, der Umbau Europas zu einer Feudalgesellschaft im 7. und 8. Jhd. vollzog sich enorm schnell und unter wechselseitig einwirkenden Bedingungen. Nachdem die Steuerleistungen - der Einfall des Islam im Mittelmeer hat das "Geld" verschwinden lassen weil den Handel mangels Austausch ausgetrocknet, und damit das Steueraufkommen ausgetrocknet - blieb den Königen nichts anderes übrig, als sich die Treue ihrer Edlen und Mächtigen durch Landzuweisungen zu sichern. Das waren schon zuvor die Besitzer großer Ländereien gewesen, denn nur sie waren in der Lage, wenigstens im Kleinen Ordnung aufrechtzuhalten, Recht zu garantieren. Die Könige konnten es nicht mehr, ihnen fehlten selbst die Geldmittel.

Das führte zu einer Kettenreaktion, denn fortan unterstellten sich mehr und mehr kleinere Grundbesitzer und Bauern oder sonstwie freie Menschen (von den zahlreichen Sklaven, Kolonen (Minderberechteten, an die Scholle Gebundenen) und Leibeigenen, die aus den antiken Vorzeiten noch da waren, gar nicht zu reden) gleichfalls einem Großen, einem Granden, einem Grafen. 

Denen binnen eines Jahrhunderts so viel Macht zufloß, daß der Raum königlichen Rechts in Europa schon im 8. Jhd. verschwindend gering wurde. Den Königen gingen regelrecht ihre Untertanen verloren. Je mächtiger diese Grafen und Großen wurden, desto schwieriger war es außerdem, sie an die Königsmacht zu binden. Und eine der "Zahlungen", um Ordnung aufrechtzuhalten, war, sie der Königsmacht gegenüber immun zu stellen. Königliche Beamte hatten auf ihren Ländereien nichts mehr zu sagen, sie waren uneingeschränkt Herren auf ihren Ländern. Und sie nützten diese Freiheit oft sehr zum Leidwesen ihrer Untertanen.* Recht war damit vom Charakter der Rechtssprechenden abhängig.




*Daß die (meisten) Tiroler Bauern "seit Menschengedenken" frei waren und sind - schon anders als fünfzig Kilometer nördlich, im flach werdenden Bayern - führt sich mit Gewißheit auf den Umstand zurück, daß sie sich immer selbst verteidigt hatten, diese Pflicht (die auch ein Recht wurde) nie abgegeben hatten, und bis heute in Resten (siehe: Tiroler Schützen) sogar bewahrt haben. Wozu ihnen sicher die Topographie zuhilfe kam, aber das tut nichts zur Sache. Erst Maria Theresie hat im 18. Jhd. dieses Recht brutal ignoriert und damit formell fast ausgelöscht, in dem noch eine Erinnerung an eine uralte Freiheit lebt, die keine historische Entwicklung endgültig beseitigen konnte.





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Montag, 26. Juli 2010

Bei uns in Tirol

Der ORF berichtet auf seinen Seiten vom Telfser Wirtefest. Und es klingt sehr handfest-echt, was sich in diesen Tagen dort zugetragen haben dürfte:
[...]

Anders als in den Jahren zuvor wurde das Fest am Telfer Wallnöferplatz, also mitten im Zentrum, abgehalten. Der Alkohol floß offenbar in Strömen, die Gewaltbereitschaft bei zahlreichen Besuchern stieg stetig. Die Polizei stand schon am frühen Abend im Dauereinsatz. Hier drohte ein Besucher mit zwei Promille Alkohol im Blut andere umzubringen, dort ging ein anderer auf die Polizisten los. Zwei Besucher gingen mit ihren Fäusten aufeinander los, andernorts erlitt jemand eine Platzwunde nach einem Angriff.

Schlussendlich hagelte es Anzeigen, stundenlang mussten offenbar diverse Streitereien und Auseinandersetzungen geschlichtet werden. Am Ende war so viel los, dass auch die Polizei den Überblick verloren hatte. Erfahrungsgemäß rechnet die Telfer Polizei auch am Sonntag noch mit mehreren Anzeigen wegen Körperverletzung.


*260710*

Samstag, 12. Juni 2010

Alte Farbenpracht

In Amerika fand man Niederschriften aus Sterzing am Südhang des Brenners, aus seiner hohen Zeit, im 14. und 15. Jahrhundert, wo es eine reiche, ungemein prosperierende Stadt war, in der das Theaterspiel eine prächtige Blüte erreichte.

Erst noch in der Hand des Klerus, ging es bald in die der Bürger über, und war neben Hall eines der Zentren eines theaterverrückten, humanistisch geprägten Tirol jener Zeit, wo jede größere Stadt ihre Lateinschule hatten. Alle spielten mit, der Bürgermeister, der Pfarrer gar, wenn es ums Passionsspiel ging.

Besonderer Wert wurde in dieser lebensfrohen, mittelalterlich-musischen Zeit des letzten Ritters, des Kaisers Maximilian, auf die Farbsymbolik gelegt. Wobei man acht Hauptfarben unterschied und mit Bedeutung belegte, beziehungsweise eine solche zuordnete:

Grün war die Farbe des freien Herzens, das noch vor der Wahl steht.
Rot war die brennende Liebe.
Blau war die Stetigkeit, weiß die Hoffnung, und Geld der Minne Gold.
Schwarz hieß Trauer und Zorn, braun die Gebundenheit, und grau, die Bauernfarbe, hieß: demütiges Dienen.



*120610*

Mittwoch, 21. Oktober 2009

Österreichische Hochzeit

Es gab Zeiten, da war in Österreich, vom Etsch bis nach Preßburg, und dem südlichen Deutschland, kein Ort, kein Dorf, keine Stadt, ohne ihr eigenes Theater, ohne ihre Festspiele, ohne ihre Volksspiele. Und immer wieder als Strahlungspunkte die Klöster, deren Theaterszene im 18. Jahrhundert kulturprägend war.

In Tirol alleine lassen sich innerhalb eines halben Jahrhunderts, 1750 bis 1800, an über einhundertsechzig Stätten, über achthundert Volksaufführungen zählen. Staatstragödien, Opern aus Italien und Deutschland, Weltgerichtsspiele, Legenden, Komödien, Tragödien, Fastnachtsspiele ... Und es spielten die Bürger vor Ort, die Schmiede und Zimmerer und Köhler und Holzschnitzer und Müller und Bergleute. Wenn in Hallein im Winter die Salzach vereist ist, spielen die Schiffer Theater: in Wirtshäusern, auf Schlössern, und sie werden als Schauspieler berühmter denn als Salzschiffer.

"Der Tiroler Bauer hat in diesem halben Jahrhundert einfach alles gesehen, was seit 1600 über deutsche Bühnen, vieles, was in dieser Zeit über europäische Bühnen gegangen war." (J. Nadler)

1690, sieben Jahren nach der Belagerung Wiens durch die Türken, war alleine in Niederösterreich Kara Mustapha auf zwanzig Bühnen "Titelfigur". Josef Nadler vergleicht diese Zeit mit der Blütezeit Attikas, wo ebenfalls das Theater eine ähnliche Rolle gespielt hat: Als Bannen des Dämonischen, Übermenschlichen, Dunklen, indem man ihm Form gibt, und sich in der Figur des "Hans Wurst", einer Kombination von Teufel und Narr, Distanz dazu schafft.

Mehr und mehr kristallisiert sich Salzburg als Zentrum heraus - und in diese Zeit hinein wird dort ... Wolfgang Amadeus Mozart geboren.




*211009*