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Samstag, 27. November 2021

Woran das Rotkehlchen glaubt (2)

Anmerkung* - Schöpfung Tag 5. Der Mensch und die Dreifaltigkeit als Urbild - Eine kleine Anregung am Rande: Je näher die Schöpfung dem Menschen kommt, je ähnlicher sie ihm wird, desto mehr spielt auch das Wort (Geist!) eine Rolle. Und nicht nur das: Grosso modo kann man sagen, daß je mehr diese (nicht-menschliche) Welt in der Lage ist, mit ihrer "Sprache" zu spielen, desto schöner ist sie, weil Gott GANZ schön ist, die Schönheit als Pracht und Herrlichkeit selbst ist.

Je ausschließlicher ihr Gehabe dem Spiel gleicht (man denke an balzende Auerhähne, überhaupt an manche Vögel - die, liest man die Genesis, mit den Tieren des Wassers VOR den übrigen Tieren geschaffen wurden, warum das wieder? weil sie offenbar ALLGEMEINERE, noch weniger ausdifferenzierte Prinzipien Gottes realisieren? Man könnte in diese Richtung denken), also keinen "Nutzen" hat, desto begeisternder sind sie. Und daß schöne Frauen (aber auch Männer) so oft von der Schauspielerei (unnötig wie alle Künste - Spiel!) oder der Philosophie träumen, hat nicht nur Narzißmus zum Grund.

Freitag, 26. November 2021

Woran das Rotkehlchen glaubt (1)

(Überarbeiteter und erweiterter Beitrag vom 22. August 2021) - Für den Leser vermutlich eine Kleinigkeit, den VdZ (und vielleicht manchen anderen) hat es doch nachdenklich gemacht. Im Tagesevangelium vom Dienstag der 18. Kalenderwoche (Mt. 14,22-36) zu lesen, wie einerseits Jesus über das Wasser geht (zu den Jüngern, die bei stürmischem Wetter im Boot sitzen, spät am Abend, also bereits dunkel, und dunkel hieß damals wirklich TOTAL dunkel, wie man es bestenfalls auf einsamen Almen noch erleben kann, oder in einer afrikanischen Wüste), anderseits liest man von Petrus, der ihn nicht nur als erster erkennt, sondern sofort reagiert, und dasselbe Wunder vollbringen möchte.  

Petrus war in allen solchen Fragen, in denen es um den Glauben ging, schreibt der Hl. Hilarius, stets der erste, und er war es mit seinem eigenen Verständnis und mit seinem eigenen Willen und mit seinem eigenen Charakter. Er stieß sich also sofort "ab", wollte sich auf das stützen, was er glaubte, und wollte sich sofort in die Freiheit begeben, vom Mutterschiff abstoßen, sich selbständig beweisen, sich selbst vollziehen. Wenn auch die Kraft dazu nicht immer gereicht hat, weshalb derselbe Petrus auch sprach: Sieh meinen Glauben, hilf meinem Unglauben. Ganz so, als wäre Glaube mehr als subjektives Wollen. Was der landläufigsten Auffassung von "Glauben" ziemlich widerspricht, nicht wahr, werter Leser?

Samstag, 28. März 2020

Zwang zur Gottgleichheit

Dieser eine Punkt ließ den VdZ aufhorchen. Er hat Erhellungspotential, der Leser möge es selbst prüfen. Da heißt es in einer Glosse auf Tichys Einblicke, in der Angela Merkel mit dem Chinesenführer Xi Jinping verglichen wird:

 »„Beim Umgang mit der Krise stehen sowohl das Ansehen als auch die Legitimität der Partei auf dem Spiel“, heißt es im akademischen Fach-Newsletter „China Neican“: „Letzten Endes werden die Chinesen die Partei – trotz all der Kontrolle der öffentlichen Meinung – sehr kritisch beurteilen.“«

Diese Aussagen lassen sich nämlich auf einen Punkt verdichten: Den, in welchem einer Partei (und deren Funktionäre, die an dieser Parteimacht teilhaben) oder einer Person selbst göttliche Kraft zugeschrieben werden. Jene Kraft, die "alles" regeln und lenken kann.

In diesem Denken wird zugleich der Glaube an diese Lenkungskraft, der Glaube daß aus dieser Partei (oder dieser Person) alles Gute erfließt, zum zentralen Punkt. Somit ist dieser Punkt auch die logische Entwicklung der Parteiendemokratie! 

Diesem Glauben ist jede Form von Zweifel tödlich, er bedroht die Existenz der Partei bzw. die Stellung als Stand, also jenen Ort im Netz der Beziehungsgeflechte (die man Gesellschaftsordnung nennt), von dem alles Wohl ausgeht. Das gilt natürlich auch bei Personen. Womit der Schritt zum Kult (als Aberglaube, als Götzenglaube) gar nicht mehr zu setzen ist, der ist bereits implizit gegangen.

So ist die Notwendigkeit einer Zensur erklärbar. Die aber nicht bei Medien aufhört, dort beginnt sie eher. Sie muß vielmehr die Gehirne der Einzelnen umfassen. Die Parteiendemokratie hat also den Zug zum Totalitären als Wesensbestandteil. 

Wie Xi Jinping es sagt: Die Chinesen werden die Partei "sehr kritisch beurteilen". Sie werden von ihr alles erwarten, weil sie gottgleich gesetzt ist. Wenn das nicht eintritt, wenn der Glaube daran einbricht, werden aber die Kaiser geopfert. Das hat nicht nur in China Tradition. Umso mehr muß der Kaiser darauf achten, daß niemand Zweifel an ihm äußert und damit sät. Es geht um sein Leben. Er braucht die Gottgleichheit - samt dessen Sphäre des Sakrosankten - lebensnotwendig.

Diese Stellung wird nunmehr zur gedachten Stellung. Sie erwächst aus einer Vorstellung des Gesamtgebildes "Gesellschaft" (wie groß oder klein, wie spezifisch auch immer, also vom Vogelzüchterverein bis zum Staat), und überwuchert die Wirklichkeit des Dings (hier: der Partei; oder bestimmten Repräsentanten.)

Der Wert des Nimbus übertrifft somit ihre Aufgabe, er wird absolut gesetzt. Eine Folge der Verdinglichung des Geistigen.

Aber lassen wir das einmal beiseite. 

Nicht zufällig kennen wir diese Tendenz auch von der Kirche, wo sie die Vitalität und Wirklichkeit ihres Tuns und Handelns unter die Notwendigkeit stellt, daß ihre Stellung nicht angekratzt werden darf (obwohl sie das in der Meinung der Menschen eben WEGEN dieses Handelns längst ist). Und wie in der Kirche, so ist auch bei den Parteien ein schleichender Wirklichkeitsverlust die Folge. Der schließlich zum Ausgrenzen der Vernunft führt, weil die Vernunft - an sich eine Anbindung an die Wirklichkeit (die hinter allem steht! also mit Realität, mit Faktischem nicht zu verwechseln ist) - zum Feind des Nimbus, der gedachten Stellung wird.




Freitag, 9. Januar 2015

Die Welt ist zuerst Spiel, nicht Zweck

Das Zweckdenken, das Denken, daß alles auf Erden einem Zweck diene und  nur deshalb überhaupt da sein, und wo es diesen Zweck verfehle, wieder vergehe, ist keineswegs ein inhaltliches Denken. Es ist ein DenkSTIL, es ist eine menschliche Haltung, die dem Denken noch vorausgeht und es präformiert. Damit aber schränkt sich jedes Forschen in einem ungeheuren Ausmaß ein, und wird der Fülle der Erscheinungen einfach nicht gerecht, ja, es blendet die Fülle der Erscheinungen sogar zunehmend aus. Man "sieht" immer weniger.

Das ist auch das Verwerfliche am Darwinismus. Zum Generalschlüssel erhoben, verhindert es sogar zu erkennen, was an den darwinistischen Gedanken durchaus brauchbar wäre. Denn natürlich gibt es  eine gewisse Selektion, natürlich wirkt auch Anpassung, und natürlich prägen auch Zwecke, aber jeweils nur in bestimmtem Rahmen, der aber nicht einmal entscheidend ist, um die Gestalt eines Lebewesens zu verstehen.

So bleibt auch kein Platz in diesem eingeschränkten Denken für ein Prinzip, das vielleicht als Sinnorientierung aller irdischen Gestalten, in jeweiliger Höhe der Stufe des Daseins, als entscheidend gesehen werden muß - das des freien Spiels, auf das alles Seiende hinweist, und in dem es sich letztlich im Menschen in voller Höhe präsentiert. Denn dort vermag er auch zu schaffen, erst dort ist die Freiheit erreicht, die in allen Wesen unterhalb seiner nicht möglich ist, weil dort noch alles lückenlos in ein Formengeflecht eingebunden ist, das in sich (bliebe es in sich, gäbe es den Menschen nicht) in die Erde eingeschlossen ist. Obwohl es auch dort den Zweck ständig überschreitet. Denn für Blumen oder Schmetterlinge, für Sexualmerkmale wie Hauserzähne, Geweih oder Spiegel, gibt es keine wirklich erhellende Zweckbestimmung. Auch nicht für rein gestalterischer Freude folgenden Organen, die zuweilen sogar dem Selbsterhaltungstrieb widersprechen.

Innerhalb der bloßen Mechanik des Denkens - denn Zweck kennzeichnet die Maschine, und selbst dort gibt es als Leitgedanken das Spiel der Form, ja wo die Form, das Gestaltungsspiel aussetzt, beginnt sogar das Reich des Nicht-Menschlichen - bleibt also für einen immer größeren Bereich der Welt als Welt der Erscheinungen nur noch die Flucht ins "irgendwann Erklärbare", in "black boxes". Dahinter aber steht nicht die Kraft der Vernunft, die wird nur behauptet. Weil reduziert auf eine bloße mechanistische Logik, die aber selbst die erfahrbare Wirklichkeit des Denkens überhaupt nicht mehr erfaßt, das beim Denken Erfahrene hingegen ab- und entwertet.

Aber auch das ist eine Haltung präformierenden Denkens, was sogar genau aus dieser Haltung zwangsläufig hervorgeht. (Pöltners "Evolutionäre Erkenntnistheorie" übrigens zeigt sehr schön diesen Zirkelschluß.) Und damit zerrönne Denken, Erkennen ins völlig Wesenlose, weil uns die Welt selbst niemals zugängig würde, wir bloßes Tier blieben. Wozu wir aber praktisch unsere gesamte reale Erfahrung, auf der wir doch überhaupt unser Selbstsein, unser Bewußtsein aufbauen, ausblenden müssen. Der Mensch würde damit zum zufällig treibenden Luftballon, dem alles in Sinnlosigkeit zerfiele. 

Warum er dann dennoch Sinn braucht, vermag diese Sicht schon nicht mehr zu erklären, bestenfalls zu behaupten, ohne es diskursiv argumentieren zu können. Denn dann fiele auch der Diskurs ins Wesenlose, und die Welt würde definitiv zur Hölle des Zufälligen und Sinnlosen, der nur noch mit Verzweiflung zu begegnen wäre. Denn auch die Logik bliebe nichts als leeres, sinnloses Gewäsch. So, wenn also das Denken bestenfalls noch den Zweck hat, sich im Dasein zu halten, kann ein Mensch nicht leben. Selbst die Wissenschaft - auf die er sich ja beruft - wird damit sinnlos, weil es keine Gewißheiten mehr gibt, und die ihm selbst als solche erscheinenden Gewißheiten zu zynischen Selbstaffektationen, zu Selbsttäuschungen werden.

Damit fallen aber alle Werte, alle Liebe, alles, was ihm selbst das Leben lebenswert macht (ohne daß er sich des Lebensdurstes erwehren könnte, der ihm auf seltsame Weise ein alles umfassendes Gut präsent hält: Leben, empirisches Leben). Dieses Denken führt unzweifelhaft und direkt in jene lebensfeindlichen Höllen, die die Menschheit zuweilen zu ertragen hat, weil sie ihr manche bereiten.

Wie anders aber eine Welt, die zuerst der Schönheit geweiht ist, was sich tief begründen läßt, verstehen läßt, wenn man es denn verstehen will. Die sich im Licht des Sinns aufschließt, und plötzlich dem Menschen eine Dimension zugängig macht, die das Leben und die Welt in ein ganz anders Licht stellen, und ein ganz anderes Verstehen eröffnet. Das aber genau das nicht macht, was heute so verbreitete Haltung ist: die Welt im Zweck, den man ja erst selbst als solchen bestimmen muß, ersticken zu lassen. Denn nicht wir bestimmen die Vernunft, wir bestimmen nur das Maß unserer Vernünftigkeit. 

Und das tut der Zweckdenker nicht weniger. Nur findet er den Weg des Selbst zur Vernunft nicht, weil er die alles Leben abtötende Sicherheit eines selbstgewählten Gefängnisses (und wenn er dieses Gefängnis auch frei wählt) der Freiheit des Schöpferischen, des Spiels, der Schönheit vorzieht, die sich aus dem Studium des Lebens selbst - als Wirklichkeit, in der wir (jener wie diese) vor allem stehen - ergibt. Er verweigert das Wasser, weil er nicht sehen will, daß der Durst nicht auf Unfreiheit, sondern auf die Bedingung für Freiheit und Freude abzielt. Denn der Mensch faßt das gesamte Universum in sich zusammen, als Zentrum und Krone aller Dimensionen. Aus einer - empirischen - Richtungskraft des (immer geheimnisvollen, einfach "da-seienden") Lebens selbst, das aus sich heraus, folgt man ihm, immer zu seiner Steigerung in das Schöne, Zweckfreie, aber Sinnvolle führt, niemals zu seiner Vernichtung.

Doch das zu erkennen vermag nicht der, der sich durch seine Haltung diesem Erkennen verschließt. Und sich dabei auf eine vorgebliche empirische Gewißheit beruft ... und dabei übersieht, daß er eine Vorentscheidung, gedanklich, verstandesmäßig, trifft, keinesfalls der Empirie folgt, auf die er sich beruft. Sodaß ihm seine Denkstruktur dieses Gefängnis bereits vorgibt, und die - empirische - Erfahrung und Gewißheit der Freiheit des Geistes, in der alles in einer ungeheuren Ordnung aufleuchtet, verhindert.




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Samstag, 8. März 2014

Das Nichts des Zweifelnden

Die Bindungslosigkeit des Menschen (die die der Liebe entbehrende Verweigerung von Gestalt als Ehe von Form und Materie ist) entspricht der Ebene des Zweifels, der jede Festlegung entsagt. In der Meinung, nur so erhielte er sich die Freiheit, vernichtet er das Vertrauen, die Basis der Dinge überhaupt.

Tatsache bleibt dann zwar, daß er tatsächlich "zu allem" fähig bleibt, aber nur potentiell. (Und schon gar nicht, übrigens, praktisch, ein Aspekt, der vielfach völlig übersehen wird, denn zur Befähigung braucht es weit mehr als "Talent" bzw. eine gewisse Disposition, Fähigkeit kann sich nur in der Verschwisterung mit Tugend entwickeln und entfalten, wird also nur bei praktischer Fähigkeit zur wirklichen Tüchtigkeit, zum "Können".)*

Gleichzeitig nämlich bleibt der Zweifelnde (und Bindungslose) in seiner "freischwebenden" Intelligenz - nichts.

Erst in der Bindung (dem "schaffenden Wort" des Versprechens, des Eids, ein Urgeheimnis des Wortes, der Sprache, auf dem sie überhaupt aufbaut, das zurückreicht in den "logos", das Wort, das im Anfang war - als Sinngebäude, und das ist ja: Gestalt) vollzieht der Einzelne das Wesen eines Werkes, das ihn ja immer übersteigt bzw. in dem er sich übersteigt, aus sich heraustritt (ekstase). Denn in ihr wird das höhere Vollzugsgesetz zum (höheren, weiteren) Organismus, den er wirkt, erfüllt. Das Teil, auf andere Weise ausgedrückt, stirbt in das Größere, Ganze(re) hinein. Theoretisch: bis es "alles" ist. Wobei diesmal wäre es wirklich "alles", und nicht "alles vielleicht, aber nichts wirklich".

Identität ist damit das Zweifachspiel des Gegebenen - und des Ergriffenen, und dann selbst als Basis der Beziehung zur Welt Bewahrte. Denn alles Seiende (alles, was "etwas ist") muß sich (als Idee**) selbst ergreifen, um im Dasein zu bleiben.

Sprengt sich ein gesellschaftliche Verband (Familie, Sippe, Land, aber auch etwa ein Unternehmen, ein Stand), wird ein gesellschaftlicher Verband zerstört, so steht in den Zerfallsteilen der Zweifel auf. Sie werden gezwungen, den aus den "losen Bindungen" (Schmerz) im Selbst erkennbaren Abdruck im Geist, im Verstand zu rekonstruieren. Das ist der Moment, von dem Voegelin spricht, wenn er die "Ideierung" als markante (katastrophische) Kultur-Verfallsstufe anspricht, als die große Versuchung des Hinaufdrückens des Realen ins Ideell-Statische. Um so aus der Idee (dem Ideenbild, einem Gedankending sozusagen) heraus dem "Schmerz" (s.o.) zu antworten und vermeintlich zu überwinden (und sei es: in der Trauerarbeit als Beziehung zum Nicht/Nicht-mehr im Reich der Toten).

Deshalb kann man davon sprechen (siehe: Augustinus), daß der "sich Täuschende" (Enttäuschte etc., der Schmerz Erleidende in obigem Sinne) sich im selben Zuge erst "als ICH" (bewußt) erfährt, wenn er sich bindet (und darin Verlust erleidet). Es ist die Geburtsstunde des reflexiv erfaßten Ich. (Ab hier könnten noch weite Brücken - bis zu Hegels Verstandesfundierung als Weltgeist - geschlagen werden, denn so bildet sich im Verstand das Ideenbild der Welt ab, bei Hegel sogar aus dem Grundprinzip der Verneinung/Antithese heraus.) Mit der Gefahr, dieses "zweite Ich" für die Substanz selbst zu halten - der Ausgangspunkt des seins-getrennten Rationalismus, der seinen Verstand überhaupt mit "Welt" identifiziert und sich (und Welt) aus sich selbst positiv konstruiert glaubt. 

Belassen wir es mit dem Hinweis auf Sokrates, der da sagt: "Wenn Du etwas lernen kannst, lerne das Nicht-Wissen." Denn der Rationalismus baut auf dem GLAUBEN (einer Vorentscheidung also) auf, daß das (im Verstand) Gewußte oder zu Wissende (und nur das) - die Welt sei. Damit fällt sein Ich auch zur Gänze ins Historisch-Relative (Descartes!), hat keine überzeitliche Substanz, die ihm voraus geht. Wenn man das noch mit der Tatsache der Bezogenheit des Selbst als soziales, historisch-relatives Konstrukt verknüpft (siehe etwa J. Lacans), bleibt überhaupt nichts mehr, fällt eine Kultur (weil die Personen, die in ihr leben) regelrecht in sich zusammen, löst sich ins Nichts auf. Wer die Geschichte des 20. Jhds. verstehen will, kann nur dort ansetzen: bei den vergeblichen Versuchen, mit diesem positiven Willen diese Substanz zu schaffen, die das 18. Jhd. definitiv auflöste, das 19. suchte (Kant, Hegel, Schopenhauer, Nietzsche ...) und konstruktivistisch vermeintlich fand, und das 20. zu realisieren müssen meinte. Und das wiederum wäre gar nicht möglich, wenn es sich nicht auf die tatsächliche Struktur alles Seienden beziehen könnte, das die Trinität aus Wort/Idee - Fleisch/Wissen - Liebe/Wille analog (ähnlich) dem Ursprung, Gott dem Sein also, in seiner inneren Geschehensweise DARSTELLT (für den Rationalisten: ist). 




*Das Selbstgefühl, "alles zu können", ist deshalb das typische Gefühl des Jugendlichen, des noch nicht Erwachsenen, dem einerseits die Kräfte zur Welt hin erwachen, anderseits die Formung fehlt, die diese "Anlagen" überhaupt erst zu Fähigkeiten macht, und damit spezifiziert, weil sie nur so Fähigkeiten werden. Der Nicht-Erwachsene "kann alles", ohne irgendetwas zu kennen (und damit zu lieben), und kann damit nichts. Der Erwachsene hingegen "hätte manches andere auch können", weiß aber, daß er sich entscheiden (als: positiv binden) mußte, um überhaupt etwas zu können.

**Mit der üblichen Warnung, Idee auf "statisches Bild" eingeengt zu sehen. Sie ist vielmehr als "Bewegungsbündel" zu verstehen, als Bündel von Antrieben zu einer Gestalt. Wird sie zum "statischen Bild", haben wir genau das, was den lebendigen Kulturvollzug als Selbsvollzug erstickt.




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