Treibgut - Wo am breiten Strome die Ufer stehen, sind Schwarzerlensamen aufgegangen, und schäumen als saftige Büsche die Ränder der großen Lethe, die alles ins Dunkele Meer trägt; ihre weichen Äste, die noch nicht ahnen lassen, welcher später als kahler Stamm reife Blätter hoch in der Sonne wiegen wird, tauchen in die Wasser, wie Kinderhände. Dann und wann greifen sie, denen alles noch ernstes Spiel ist, nach Treibgut. Oder es bleibt hängen, lädt zum Tanze, haucht im Kusse Lebwohl
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Sonntag, 3. Juli 2022
Gedankensplitter (1414)
Sonntag, 13. März 2022
Von Verbrechen, die wir begehen (2)
Warum Krieg das Leben der Völker nicht änderte. Und wann. Und wann er erst zum Verbrechen wird. Und warum wir schon zwanghaft mit Kanonen auf Spatzen schießen, und lieber in Ruinen leben als in blühenden Landschaften - Wir wollen hier sogar noch die Frage aufwerfen, womit - im Leid - und unter welchen Umständen die Invasion eines Landes durch eine feindliche Armee zu vergleichen ist, bricht man es auf den normalen Lebensvollzug herunter. Werden schlagartig die Unternehmen stillgelegt? Können die Menschen nicht mehr ihr früheres Leben fortführen, mit Taufen, Hochzeiten und Begräbnisfeiern, mit Ahnenkult und religiösen Großfesten, mit Arbeit, Einkommen, Brot und Wurst, mit dem Spiel des geliebten Fußballvereins und der Theateraufführung "mit der Netrebko" im ausverkauften Stadttheater. Ob die U-Bahnen fahren, die Busse und Taxis.
Ich erinnere mich an dieser Stelle an Erzählungen meines Vaters, die in Form von Photographien dokumentiert sind. Der (nach Polen) im Elsaß und in Paris (vor Rußland) stationiert war, und der mit so vielen seiner Kameraden ein Paris erlebte, das ihn begeisterte. Und was hat ihn begeistert? DIE FRANZOSEN, deren Leben, deren Elan, deren savoir vivre also. Ich will hier nur andeuten, was damit in die Diskussion als Zusatzstoff in den Suppentopf "eingemischt" werden soll.
Samstag, 12. März 2022
Von Verbrechen, die wir begrüßen (1)
Kreuz und quer läßt sich das Argument feiern, daß man Rußland mit Sanktionen belegen müsse - wir reden von Rußland, vom Land Rußland, also von der als Rußland formierten Völkergemeinschaft - UM PUTIN ZU ZWINGEN. Zu zwingen, den Krieg zu beenden, die Krim zurückzugeben, den Donbas zu räumen, Zelensky huckepack zu nehmen und mit einem Lederriemen im Mund als dessen Pferd einmal um den Roten Platz zu laufen, oder was auch immer.
Die Begründung für diese Maßnahmen wird von allen dabei für gutgeheißen. Trifft man Rußland, trifft man dessen Wirtschaftskraft udn damit die Lebensvollhzüge der Bevölkerung, trifft man auch Putin. Warum? Das ist nicht so klar. Denn es ist bekannt, daß der Effekt völlig ins Gegenteil schlagen kann, zu einer Solidarisierung des Volkes mit der Regierung führt, sodaß die Sanktionen mit hoher Wahrscheinlichkeit sogar ins Gegenteil umschlagen könnten.
Ist Rußland und Putin aber überhaupt ein und dasselbe?
Dienstag, 7. Januar 2020
Something big happens, again and again
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Dienstag, 8. Januar 2019
Collateral Damage
Kaum beachtet von unseren Medien sind außerdem die Opfer unter den jeweiligen nationalen Armeen, den "Alliierten", also den Exekutivkräften der betroffenen Länder selbst. Sie sind zehn- bis fünfzehnfach höher als die US-Verluste. Sie sind damit sogar höher als die angeblich bekämpften Feinde, die 'pöhsen' Terroristen etc. Mit der Frage, warum das überhaupt so viele sind? Wenn es so viele Terroristen (und die Opfer sind nur ein Bruchteil der Feinde) gibt - wo beginnt dann die Unterscheidung zwischen offiziellem, ja staatlichem Feind und Terrorist? Und WER zahlt denn wirklich die Zeche des Rachefeldzuges für die dreieinhalb tausend Toten beim Anschlag von 9/11?
So nebenbei: Die russische Intervention in Syrien soll zwischen 12.000 und 19.000 Zivilopfer gekostet haben. Immerhin (die Gänsefüßchen auf der Tastatur gehen aus) wurde die IS dadurch wirklich besiegt. Deren direkt verursachten Toten in die Viel-Zehntausenden gehen. Noch heute werden Massengräber mit jeweils hunderten Hingerichteten, "Gesäuberten" (da sind sie wieder, die Gänsefüßchen, der VdZ hat sie wiedergefunden) entdeckt.
Donnerstag, 13. Dezember 2018
Man muß kein Verschwörungsnarr sein, um Verschwörungen für realistisch zu halten
Dienstag, 9. Oktober 2018
Staatsgründungsmythen können auch gelogen sein (2)
Für die von Kyle selbst immer wieder kolportierte Geschichte gibt es überhaupt keinen Hinweis, daß er nämlich zwei Männer, die ihm seinen Truck stehlen wollten, in Selbstjustiz totgeschossen hat. Woraufhin ihn die Polizei zwar anhielt, aber nach einem Telephonat mit "Washington" und dem Pentagon sofort wieder freiließ. Als Reaktion habe Kyle angeblich viele Mails erhalten, in denen ihm sogar von Sherriffs Anerkennung ausgesprochen wurde: Richtig, sehr gut, so muß man mit dem Gesindel umgehen. Aber ob das so war? Wer weiß. Denn die ganze Geschichte scheint völlig erfunden.
Kyle hat einen Mythos um sich selbst gebastelt, an den er von anderen geglaubt wissen wollte, ein Wahnbild seiner selbst, wie manche meinen. Sodaß er sich vermutlich einfach nicht viel dachte und aus simpler Eifersucht handelte (und darum geht es am Anfang dieser Geschichte), indem dem bekannten Frauenheld und hochdekorierten Vietnam-Veteranen (Kampfschwimmer, also einer der ganz Harten), Wrestler-Champion und Gouverneur eines Bundesstaates, Jesse Ventura, in einer völlig frei erfundenen Episode als Landesverräter und Schwächling darstellte. Den er, der Held und Patriot und Navy-Seals, mit einigen Faustschlägen locker zu Boden streckte, um ihn für die angeblich ausgestoßenen Beleidigungen gegen die USA und vor allem die Navy-Seals zu bestrafen.
Was nicht nur nicht stimmen dürfte, es gibt nur Gegenzeugen, niemand hat etwas von einer angeblichen Auseinandersetzung oder gar nur einem Gespräch bemerkt, sondern dem Beschuldigten nach eigener Behauptung die komplette Existenz zerstörte. Und das könnte in den USA möglich sein, wo "Patriotismus", "Seals" etc. eine Rolle spielen, in die wir uns kaum hineinversetzen können, weil wir weit mehr und immer noch von Realem, von wirklicher Wirklichkeit und nicht von Pseudologien und Positivismen gehalten werden. Ventura geht sogar so weit zu behaupten, daß dies - auch - ein Racheakt der Linken war, der Oligarchie, die ihn damit aus dem Weg räumten und Kyle dazu ermunterte, denn wie gesagt: Alles zahlt ja die Versicherung.
Während der Held neuen Typus - Chris Kyle, Sniper und Army-Held des Irakkrieges, ein wahrer Patriot und Amerikaner, der sein Recht auf ein Waffenlager im Keller mit der Waffe in der Hand verteidigen würde. Nun sind wir auch wieder am Anfangspunkt. Warum Clint Eastwood in diesem nicht unaufwendig gemachten, extrem "patriotischen" Film die Regie geführt hat. Clint Eastwood tritt auch öffentlich in Wahlgängen im Namen der American Rifle Association auf, also der Vereinigung der Waffenliebhaber und -produzenten.
Er ist deshalb von den Bildern etc. her sehr gut, technisch-methodisch überhaupt bestens, weil mit offensichtlich viel Geld (das Pentagon ist ein Hauptfinanzier von Hollywood) gemacht. In der Hauptrolle noch dazu und bestens gewählt: mit einem der sympathischsten US-Schauspieler der Gegenwart besetzt, mit Bradley Cooper.
Nur sollte man um Gottes Willen nicht meinen, daß diese Geschichte etwas mit der historischen Realität zu tun hat. Das hat sie weder mit der US-Intervention im Irak, noch mit der realen Person Chris Kyle. Alles ist ein abstraktes, reines Märchen, das aber genau deshalb das Zeug zu einem Staatsgründungsmythos hat, weil es universal verwendbar ist. Auch weil es in einem fernen Land und einer fernen Zeit spielt. "Es war einmal in einem Land hinter den sieben Bergen ...".
Das geht? Nein. Jein. Eher abzusehen ist, daß sich auch hier der amerikanische Behaviorismus wie immer über die Wirklichkeit als Ganzes täuscht. Wenn das scheinbar funktioniert dann nur bei einem ideologischen, voluntaristischen Konstrukt der Zweitwirklichkeit, wie es Amerika und sein Amerikanismus überhaupt darstellt. Was soll aus so einem Land anderes kommen? Wo der im bevölkernden Menschenbrei (ein Produkt des social engineering, keine ursprüngliche Logik) vorhandene, ständig wieder aufgezoschte Staatsgründungsmythos mit den realen, also ontologischen Grundlagen des realen Staates rein gar nix zu tun hat, sondern pure Erfindung ist? Die manche glatt eine Lüge nennen.
Montag, 8. Oktober 2018
Staatsgründungsmythen können auch gelogen sein (1)
Mit den Schußwaffen ging ab dem späten Mittelalter nämlich auch das Massenheer einher. Die Schußwaffe war anonym, und (im Vorläufer der Armbrust) sogar von der Kirche verboten, vom ritterlichen Ehrencodex verpönt. Sie galt als unritterlich und unedel, der Begriff des Soldaten hat sich also gewaltig gewandelt und ist auf einen "Kriegs-Gewinneffekt" reduziert worden. Aber sie war erfolgreich, das entschied. Der normale Soldat war ja individuell wertlos (der VdZ setzt das nicht einmal unter Gänsefüßchen), er zählte nur als Kalkulationsfaktor im taktischen Kalkül, zu dem Schlachten und Kriege wurden. Der Erste Weltkrieg zeigt das in einer Klarheit, die erschüttert. Angriff - 30 Prozent Erstverluste, macht so und so viel bei neuerlichem Angriff, dem so und so viel Prozent an Verteidigern gegenüberstehen, etc. etc. Welches Denken mehr und mehr die frühere Kriegsführung als Kampf unter Rittern, unter Edlen ersetzte. Wir haben, meinen deshalb manche, schon lange keine Kriege mehr, denn Krieg verlangt Kultur. Wir haben kulturlose, inhumane Vernichtungs- und Auslöschungsmaschinerien.
Es ist der jedem gewiß bekannte Traum, alle Ungerechtigkeit (und die ist zuvorderst eine als solche und ganz persönlich empfundene) durch eigenes Handeln und eigene, ja höchste Richter-Macht (Eritis sicut Deus!) aus dem Weg räumen zu können. Die perfekte Utopie, die vollkommene Allmacht. Durch Waffen in unsere Hand gegeben. Denn da gibt es ein unüberwindliches, perfektes Gewehr, von uns selbst hergestellt, das alles trifft, man muß nur an ein paar Rädchen daran drehen, dann ist jede Weltunbill zu überwinden. Die Idealwaffe schlechthin also, die wie im Traum funktioniert, und die weder Ort noch Zeit kennt.
Ist nicht das die Faszination (und die Angst), die von Schußwaffen ausgeht, und die Amerikaner nicht anders empfinden als Araber, die als dieselben Waffennarren ja bekannt sind? Ist nicht genau das der Punkt, den alle Regierungen der Welt fürchten, wenn es um die Frage "Waffenverbote" oder "Individualbewaffnung" geht? Waffe heißt nämlich nicht nur Mittel zur Gerechtigkeitsherstellung. Sie heißt Mittel zum Jüngsten Gericht. Im Film "American Sniper" geht es genau um das. Das macht ihn auch so faszinierend, daß man ihn filmisch kaum zu beurteilen vermag.
Auch der VdZ hat ihn schon mindestens dreimal gesehen, trotz seiner offensichtlichen dramaturgischen Schwächen. Die sind unbedeutend. Das Archetyp ist es, was fasziniert. Es gibt sogar ein ganzes Genre "Sniper-Filme", das von Filmen wie "Shooter" (perfekt besetzt durch Mark Wahlberg) - Selbstjustiz, Jüngstes Gericht in Reinkultur - angeführt wird. Weil es das Archetyp und damit das Bedürfnis gibt, es zu "erleben".
Übrigens ist letztgenannter Kassenerfolg 2007, also unmittelbar nach dem zweiten Irakkrieg entstanden. Auch er hat das Heldentum des perfekten Amerikaners als heilige Mission dargestellt, der die Verwaltung (als korrupt) und überhaupt die Ordnung des Staates feindlich gegenüberstellt. Bestenfalls die höchsten Personen - Präsident - bleiben ideal. (Ein ganz real ganz gefährliches dramaturgisches Schema, übrigens. Will das judenbestimmte Hollywood die amerikanische Ordnung generell weil durch Korruption illegitim geworden überwinden? Heißt es nicht, daß vor jenen die allergrößte Vorsicht geboten sei, die den Kaiser loben, aber das Übel das sie bekämpfen seiner "unfähigen Verwaltung" zuschieben? Frei nach dem Motto "Wenn das der Führer wüßte!"
So weit geht "American Sniper", das ein Märchen rund um einen überragenden Scharfschützen, den das Drehbuch Chris Kyle nennt (und zufällig gibt es einen Mann, der auch so heißt und auch Scharfschütze war), freilich nicht. Es bleibt persönlicher, intimer, staatstragender.
Dienstag, 26. Dezember 2017
Erstmals wurden sie demaskiert
Es ist immer und ausschließlich die Wahrheit, die befreit. Und nur diese Freiheit kann Einheit und Frieden bringen.
Dienstag, 19. Dezember 2017
Ein Schritt zum Frieden
Noch interessanter aber ist ein Aspekt, der im Bewußtsein der Kontinentaleuropäer fast nicht vorhanden ist, aber dem VdZ zunehmend als Schlüssel zum Verstehen der Geschichte der letzten 200 Jahren erscheinen will. Es geht um die Rolle Großbritanniens (Englands) als Imperialmacht. Nicht nur hat England auf die europäische Philosophie einen verheerenden mächtigen Einfluß gehabt, sondern auch politisch-militärisch. Und diese Identität als Imperium spielt auch heute noch einen weit größeren Einfluß, als wir gemeiniglich wahrhaben wollen.
Das drückt sich auch im beträchtlichen Einfluß der Briten auf die amerikanische Außenpolitik aus. London hat weit mehr Macht und Einfluß, als man glauben möchte. Wie weit der geht kann man aber fast nur spekulieren, denn er geschieht im Verborgenen. Es gibt in England nach wie vor starke Strömungen, die von einer Wiederauferstehung des Imperiums träumen, worunter sogar Wiedervereinigungspläne, zumindest strategische Unionen mit den USA eine beträchtliche Rolle spielen. Wie Caroll Quigley etwa enthüllt.
Daß das so ist, belegen die nun veröffentlichten Iran-Dokumente. Auch hier sind die USA letztlich dem britischen Drängen gefolgt. Denn es ging zuallererst nur um britische Unternehmen (BP), die Mossadegh durch seine Verstaatlichung von Ölquellen unter Druck gesetzt hatte. Sodaß man sogar in der Einschätzung der amerikanischen Rolle im Nahen Osten zu recht anderen Schlüssen kommen könnte - daß sie nämlich die Kohlen für ganz andere Mächte aus dem Feuer holen. Immerhin gelang genau das den Briten im 20. Jahrhundert mehrere Male. Man denke nur an den Kriegseintritt der USA sowie seine Rolle in beiden Weltkriegen. Und die Gründung eines Staates Israel war lange schon ein politisches Ziel einflußreicher Kreise Londons.**
Noch etwas soll erwähnt werden. Denn man kann die Rolle solcher Enthüllungen gar nicht hoch genug veranschlagen, betrachtet man ihre psychologischen Wirkungen. Denn wenn jemandem Unrecht geschehen ist, wird er mit diesem Unrecht nur sehr schwer fertig, wenn der andere dieses Unrecht bestreitet und seine Taten verschweigt. Das hält die zugefügte Wunde damit offen und der Verletzte steht unter hohem inneren Druck, durch Behauptung - die aber nie durch Akzeptanz abgesichert ist - dieses Unrecht als Tatsache "zu setzen".
Erst, wenn sich ein Täter entschuldigt, wenn er um Verzeihung bittet, kann ein Heilungsprozeß einsetzen der nicht einfach nur auf göttliche Gnade, ja ein Wunder in der Seele setzt. Das man in der Psychologie als "posttraumatisches Belastungssyndrom" kennt. Wo der Verletzte also lernen mußte, eine Wunde gewissermaßen "abzukapseln", innerhalb seines Selbst zu isolieren, die aber nie heilen, mit der man nur leben lernen kann. Denn wenn jemand seine Schuld nicht einbekennt hält er die Tat aktuell, als handelte er permanent weiter so.
Die Iraner wußten immer, was passiert war. Aber wie unter Dauermobbing wurde ihnen ihr Recht auf Wahrheit aberkannt. Ja, ihre Konterrevolution 1979 (mit Ajatollah Khomeini) wurde von der Weltöffentlichkeit sogar wie eine extremistische Krankheit behandelt. Doch das war die Revolution von 1979 nie!* Sie war vielmehr der vom Volk tief begrüßte Versuch der Wiederherstellung des status quo ante.
Die Veröffentlichung dieser Dokumente ist also ein wahrhaftiger Schritt in Richtung Befriedung. Er erlöst das Opfer - den Iran - und anerkennt, was man ihm zugefügt hat. Auch wenn eine offizielle Entschuldigung wohl kaum erfolgen dürfte, ist sie nun eigentlich geschehen.
Dienstag, 7. November 2017
Seltsame Allianzen - Was nun in Syrien?
Sonntag, 9. April 2017
DAS hätte auch Hillary Clinton so gemacht (2)
Das alles vor einem weiteren Hintergrund, der Syrien zu mehr macht als zum bloßen und sinnlosen Kampf um strategische Vorteile und schon gar Öl. Denn seit vielen Jahren und zunehmend hat sich auch in Rußland eine starke geistige Strömung aufgebaut, die von Putin immer direkter vertreten und im Land längst breite Zustimmung findet - und die praktisch identisch mit den erwähnten geistigen Entwicklungen in der Schia-Islam-Welt ist. Mit praktisch derselben kritischen Haltung gegenüber dem Westizismus und US-Amerikanizismus.
Ohne daß der Westen es bemerkt hat, der in einem stupiden Kalter-Krieg-Denken und geistiger Trägheit erstarrt ist, die ihn die wahren Auseinandersetzungen gar nicht mehr bemerken läßt (stattdessen wird diese Kulturkritik mit "Rechtsradikalismus"-Keulen totgeschlagen, wo immer man sie findet), hat sich hier ein geistig-kultureller Raum zu formieren begonnen, der von Rußland über Persien tief in den Nahen Osten reicht. Der Hintergrund dieses scheinbar nur außenpolitisch-militärischen Konflikts wird also tatsächlich immer prinzipieller und schicksalsentscheidend - sogar für die Welt. Mit geistigen Auseinandersetzungen, die in Europa noch nicht einmal ansatzweise ähnlich ernsthaft rezipiert werden. Der in den "neu-rechten" Bewegungen und Parteien zwar und noch recht ungereinigt aufflackert, aber in den Augen des VdZ nur wenig realpolitische Chancen hat. Wenn, dann läge es - an den USA. Und hier scheint sie bereits am Anfang zu unterliegen, wie sich jetzt zeigt.
Ja, hörte ich unlängst, ist nicht Jordanien ein Beispiel für eine Ausnahme? Nein, das ist ein Irrtum. Jordanien hat sich den Frieden genau um das gekauft, was Europa auch macht: Durch Selbstauflösung einerseites, und durch starke Polizeigewalt anderseits (nur spricht man darüber hierzulande nicht), hat sich Jordanien weitgehend offiziell quasi verwestlicht, sich damit als Israel-Gegner neutralisiert, ist aber damit zur Marionette des Westizismus geworden, von Israel hier, von Arabien dort gewissermaßen als Puffer eingerichtet. Das wird innerhalb des Landes noch zu schweren Spannungen führen, dessen ist sich der VdZ sicher. Jordanien ist kein Weg der Zukunft, sondern ein alter, perspektivloser Irrweg.
Sieg von wem? Das möge sich nun der geneigte Leser selbst zusammenreimen, denn "Öl" spielt zwar eine, aber bei weitem nicht die entscheidende Rolle. (Asien ist schon viel zu stark, um von den USA noch übers Öl in Schach gehalten zu werden.) Kleiner Tip: Es hat mit der Haltung der Sunniten zu Juden zu tun. Ein Friede im Nahen Osten, der mehr ist als die zufällige Abwesenheit oder Unterdrückung von (Gegen-)Krieg, ist damit und so lange die amerikanische Außenpolitik den denselben Interessen gesteuert bleibt wie derzeit unmöglich. Aber das zu ändern würde eine Kulturreform (im wahrsten Sinn) in den USA und im Westen generell voraussetzen. Die mit "America first" zwar einen ersten Anknüpfungspunkt hätte, den aber auch Donald Trump offenbar nicht wirklich aufgreift. Wie es aussieht, kann sich auch er nicht aus den selbstzerstörerischen Widersprüchen befreien, die die USA seit vielen Jahrzehnten deformieren.
Donnerstag, 22. September 2016
Peak Oil - ein nützlicher Mythos
Mittwoch, 7. September 2016
Die Geschichte eines unglaublichen Unrechts
Dienstag, 26. Juli 2016
Manchmal sind Details doch wichtiger
Freitag, 18. Dezember 2015
Christenverfolgung
Samstag, 14. November 2015
Der fehlende Puzzlestein
Während Ägypten sowohl völkisch wie durch die lange Tradition die Voraussetzungen für einen Staat immer hatte und nie verlor. Wenn ein Staat aber im Grunde innerlich unumstitten ist, verträgt er auch einen Pluralismus der Religionen und politischen Strömungen, wie sie heute in Ägypten herrschen. Weshalb der Israeli meint, daß gute Voraussetzungen herrschten, daß das momentane Militärregime mittelfristig wieder milder würde.
So müßte man also wohl die Türkei sehen, die seit Atatürk eine ähnliche Säkulargeschichte hat, die ihre erste Entladung im Armenozid hatte und mit seinen Kurden bis heute nicht zurecht kommt. Und in jedem Fall tut Avineri es für die Ukraine. Zu der er sinngemäß dasselbe sagt: Hier hat man nach 1989 versucht, Völker und Bevölkerungen künstlich zusammenzuspannen, denen jede Voraussetzung für einen Staat fehlte, wie es die heutige Ukraine sein sollte. Was zuvor noch die Sowjetunion zusammengehalten hatte, zerfiel unter dieser Anforderung. Damit entstand ein Machtvakuum, so wie das in vielen arabischen Staatsgebilden der Fall ist. Doch gibt es kein solches Vakuum, es wird sofort durch andere Mächte gefüllt.
Freitag, 5. Juni 2015
Der Irrtum schafft sich seine Wirklichkeiten selber
Dienstag, 13. Januar 2015
Mutig - köstlich - Kabarett
Mittwoch, 3. September 2014
Wo sind sie nun, die Jubilanten?
Natürlich fühlen sich die, die diese Entwicklungen gefördert haben - und es sind nicht die Muslime selbst gemeint - nicht angesprochen oder bedroht. Christen? Es gibt genauso wenige Christen unter den Christen, wie es Muslime unter den Muslimen gibt. Damit sind also nicht sie gemeint, meinen sie. Aber keine Angst. Es reicht, wie in Ägypten, mit dieser westlichen aufgelösten Nihilismuswelt identifiziert zu werden. Das wissen sie. Da genügt es nicht sich öffentlich eh als Kirchengegner und ohne diesen ganzen Hokuspokus - Kreuzzüge, Hexen, eh schon wissen - zu deklarieren, wie das so üblich ist. Das Luschige dieser Art imponiert gestandenen Islamisten herzlich wenig. Und das macht den Herzerln dann doch Angst. Weshalb sie vielleicht so ein klein wenig überlegen, ob es nicht ganz gut wäre, die Muslime hier ähnlich zu behandeln, wie die Ägypter es tun, seit dem demokratischen Frühling. Auch wenn das nicht gerade christlich ist.