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Sonntag, 3. Juli 2022

Gedankensplitter (1414)

Ein interessanter Gedanke, der da in einer Diskussion fiel: Die amerikanische Verfassung garantiert jedem Bürger das Recht auf die eigene Waffe. Das hat übrigens mit dem Willen der Gründergeneration des 18 Jhd. zu tun, sich und sein Land zu verteidige, die ersten Armeen Washingtons waren zivile Bürger, die zur Waffe griffen, und deshabl wurde es ein für alle mal festgeschrieben.

Was aber gemeiniglich übersehen wird ist, daß mit diesem Recht des Bürgers, sich zu bewaffnen um sich (und damit sein Land) zu verteidigen, die Polizei als Ordnungsmacht auch die Vollmacht hat, auf jeden, der eine Waffe trägt, im Verdachtsfall zu schießen.

***
Recht ähnlich verhält es sich bei asymetrischen Kriegen. Das heißt, daß eine angreifende offizielle, staatliche Armee - Uniformen, Rangabzeichen usw. sind ja kultivierende Aspekte des Krieges, sie machen ihn also menschlicher (da soll nichts relativiert oder in Anführungszeichen gesetzt werden, wenn Krieg, dann nur kultiviert, samt unterschiedlicher Rechtsprechung) - von jedem, der sich "verdächtig" verhält, auch annehmen muß, daß er eine Gefahr darstellt, also gewillt ist, die Waffe gegen den staatlichen Feind zu verwenden. 

Sonntag, 13. März 2022

Von Verbrechen, die wir begehen (2)

Warum Krieg das Leben der Völker nicht änderte. Und wann. Und wann er erst zum Verbrechen wird. Und warum wir schon zwanghaft mit Kanonen auf Spatzen schießen, und lieber in Ruinen leben als in blühenden Landschaften - Wir wollen hier sogar noch die Frage aufwerfen, womit - im Leid - und unter welchen Umständen die Invasion eines Landes durch eine feindliche Armee zu vergleichen ist, bricht man es auf den normalen Lebensvollzug herunter. Werden schlagartig die Unternehmen stillgelegt? Können die Menschen nicht mehr ihr früheres Leben fortführen, mit Taufen, Hochzeiten und Begräbnisfeiern, mit Ahnenkult und religiösen Großfesten, mit Arbeit, Einkommen, Brot und Wurst, mit dem Spiel des geliebten Fußballvereins und der Theateraufführung "mit der Netrebko" im ausverkauften Stadttheater. Ob die U-Bahnen fahren, die Busse und Taxis. 

Ich erinnere mich an dieser Stelle an Erzählungen meines Vaters, die in Form von Photographien dokumentiert sind. Der (nach Polen) im Elsaß und in Paris (vor Rußland) stationiert war, und der mit so vielen seiner Kameraden ein Paris erlebte, das ihn begeisterte. Und was hat ihn begeistert? DIE FRANZOSEN, deren Leben, deren Elan, deren savoir vivre also. Ich will hier nur andeuten, was damit in die Diskussion als Zusatzstoff in den Suppentopf "eingemischt" werden soll.

Samstag, 12. März 2022

Von Verbrechen, die wir begrüßen (1)

Kreuz und quer läßt sich das Argument feiern, daß man Rußland mit Sanktionen belegen müsse - wir reden von Rußland, vom Land Rußland, also von der als Rußland formierten Völkergemeinschaft - UM PUTIN ZU ZWINGEN. Zu zwingen, den Krieg zu beenden, die Krim zurückzugeben, den Donbas zu räumen, Zelensky huckepack zu nehmen und mit einem Lederriemen im Mund als dessen Pferd einmal um den Roten Platz zu laufen, oder was auch immer. 

Die Begründung für diese Maßnahmen wird von allen dabei für gutgeheißen. Trifft man Rußland, trifft man dessen Wirtschaftskraft udn damit die Lebensvollhzüge der Bevölkerung, trifft man auch Putin. Warum? Das ist nicht so klar. Denn es ist bekannt, daß der Effekt völlig ins Gegenteil schlagen kann, zu einer Solidarisierung des Volkes mit der Regierung führt, sodaß die Sanktionen mit hoher Wahrscheinlichkeit sogar ins Gegenteil umschlagen könnten.  

Ist Rußland und Putin aber überhaupt ein und dasselbe?

Dienstag, 7. Januar 2020

Something big happens, again and again

Ob er nun al-Baghdadi hieß, oder Osama bin Laden ... die Liste der Namen ist lang. Die Liste, auf der die Bösewichter als die heißesten, wildesten, gefährlichsten Feinde der USA angeführt wird. Und Mann für Mann wird unter seltsamsten Umständen beseitigt, sobald die Politik es braucht. Obama möchte vorbauen, um Truppenabzüge aus dem Irak "sachlich" zu begründen? Dann muß der Oberbösewicht ausgeschaltet werden. Er wird heimlich um die Ecke gebracht, in einer phantastischen Geheimoperation, die die Leistungskraft der US-Streitkräfte einmal mehr beweist, um dann über Meer entsorgt zu werden. Bei Trump hat sich der wie ein "Hund" in die Enge getriebene IS-Oberbösewicht in eine Höhle zurückgezogen, um sich dann, völlig in die Enge getrieben, in die Luft zu sprengen. Nichts bleibt mehr von ihm über, außer ein paar Fleischfetzen, die die Operational Forces sofort analysieren und einwandfrei bestätigen: Die DNA ist die von al-Baghdadi.

James Corbett macht sich darüber lustig. wie oft wurden diese Bösewichter schon ums Leben gebracht, verhaftet, wieder freigelassen, wieder erschossen, wieder in die Luft gesprengt ... Und kaum ist der eine unter den Verblichenen, steht sofort der nächste auf. Wer die Rhetorik alleine der beiden Präsidenten Trump und Obama ansieht, die mediale Inszenierung, muß einfach verblüfft über die Parallelen sein. Und könnte oder sollte sich seinen Teil denken.

Es bleibt schon nur noch Sarkasmus, als Ventil des Humors der Hilflosigkeit, in der er ins Absurde flüchtet. Wie bei diesem "Vergleich": Wer von beiden ist besser - Trump oder Obama? Beide beim Verkünden derselben Nachricht.

Es braucht die Personifizierung, und also erfindet man sie, wenn man sie braucht, um politische Absichten verfolgen zu können, die dem normalen hausverständigen Menschen sonst kaum zu verkaufen wären. Vieles an der Politik ist seit über hundert Jahren ein reines Medienevent geworden, das dramaturgisch-technisch perfekt nach Handbuch aufbereitet die Menschen letztlich hilflos machen soll. Weil die "objektive Gefahrenlage" - und "sicher" kann es ja niemand sagen, selbst wenn er den Braten riecht, und ihm von all dem aufsteigenden Mief schon schlecht wird - überwältigt und in ihrer (möglichen) "Mächtigkeit" lähmt.

Kann man es wirklich von der Hand weisen, daß der gesamte "Terror", vor dem die Welt seit zwanzig Jahren erstarrt, eine plumpe Scheininszenierung ist?







Dienstag, 8. Januar 2019

Collateral Damage

Unter Kollateralschaden versteht man "Nebenopfer" einer eigentlichen (Kriegs-)Handlung. Sie waren nicht beabsichtigt, wurden aber zumindest in Kauf genommen. Betrachtet man die Racheaktion der USA nach 9/11, die die Länder Pakistan, Afghanistan und den Irak am schwersten, Syrien im Nebeneffekt betroffen haben, so ist dieser Kollateralschaden so gewaltig, daß man sich manche Fragen stellen muß.

Nicht nur werden die offiziell registrierten US-Toten von rund 6.900 (Soldaten, von denen die Hälfte bei Verkehrsunfällen oder schlicht durch Hitzschlag starben) sogar von den sogenannten "Contractors" übertroffen. Wobei denen zuzuschreiben ist, daß sie viele ihrer Opfer gar nicht melden. Contractors sind, zur Erinnerung, private Armeen, die im Auftrag und auf Rechnung des Staates Kriege führen. Nicht berücksichtigt sind auch die Spätfolgen, sei es durch körperliche Schäden, sei es durch psychische Devastation. Nicht berücksichtigt sind auch jene Zivilopfer, die als "indirekte Opfer" gar nicht erfaßbar sind. Durch Verletzungen, Krankheiten, Hunger. Vorsichtig geschätzt haben wir es hier mit über 800.000 Opfern zu tun. Horrend ist nämlich die Zahl der Zivilopfer. Auf einen gefallenen US-Soldaten kommt das Dreißig- bis Vierzigfache an direkt erfaßten Zivilopfern. 

Kaum beachtet von unseren Medien sind außerdem die Opfer unter den jeweiligen nationalen Armeen, den "Alliierten", also den Exekutivkräften der betroffenen Länder selbst. Sie sind zehn- bis fünfzehnfach höher als die US-Verluste. Sie sind damit sogar höher als die angeblich bekämpften Feinde, die 'pöhsen' Terroristen etc. Mit der Frage, warum das überhaupt so viele sind? Wenn es so viele Terroristen (und die Opfer sind nur ein Bruchteil der Feinde) gibt - wo beginnt dann die Unterscheidung zwischen offiziellem, ja staatlichem Feind und Terrorist? Und WER zahlt denn wirklich die Zeche des Rachefeldzuges für die dreieinhalb tausend Toten beim Anschlag von 9/11?

So nebenbei: Die russische Intervention in Syrien soll zwischen 12.000 und 19.000 Zivilopfer gekostet haben. Immerhin (die Gänsefüßchen auf der Tastatur gehen aus) wurde die IS dadurch wirklich besiegt. Deren direkt verursachten Toten in die Viel-Zehntausenden gehen. Noch heute werden Massengräber mit jeweils hunderten Hingerichteten, "Gesäuberten" (da sind sie wieder, die Gänsefüßchen, der VdZ hat sie wiedergefunden) entdeckt.

Hier eine überblicksartige Statistik, weiter unten ein Video, das dieselbe Sachlage aufarbeitet. Und die die Frage aufwirft, was ein Land noch von der Geschichte - die in der Hand Gottes ist - erwartet, das derartiges Leid über die Welt bringt.










*221118*

Donnerstag, 13. Dezember 2018

Man muß kein Verschwörungsnarr sein, um Verschwörungen für realistisch zu halten

In diesem Vortrag kommt Christopher Bollyns Botschaft noch deutlicher, konzentrierter durch. Es geht ihm nämlich darum, daß die Ereignisse von 9/11 und der "Krieg gegen den Terrorismus" eng zusammenhängen. Aber nicht, wie offiziell verkündet, daß der Terrorismus NACH 9/11 als Hauptfeind erkannt wurde. Sondern, daß Terrorismus lange zuvor als gesellschaftspolitisches Mittel erkannt und eingesetzt und geplant wurde. 

So daß 9/11 nur noch die Funktion hatte, die Bereitschaft des amerikanischen Volkes, ja der Welt, militärisch im Nahen Osten zugunsten Israels einzugreifen geschaffen wurde. Ist das wirklich neu?  Liegt das so ganz außerhalb des Denkbaren? War "Pearl Harbour" recht viel anders? War es die Versenkung der Lusitania? Der angebliche Zwischenfall in Tonkin? War es als Auslöser im spanisch-amerikanischen Krieg 1898 mit der USS Maine anders, die seltsamerweise im Hafen von Havanna in die Luft flog? Ist das, was uns die Mainstreammedien heute erzählen, glaubwürdiger? Herrschaften! Hier erfolgt ein scharfer Aufruf zur Vernunft!

Was immer der Leser daraus ableiten möge, Bollyns Deutungsversuche über Zusammenhänge zwischen 9/11 und den langfristigen strategischen Absichten Israels, das Land der Zionisten, sind in jedem Fall interessant. Ja mein Gott, dann halt als Fallstudie, wenn man ihn für "krank" erklärt, warum auch immer. Der Mann sagt aber doch nichts anderes, als wir durch das Gesehene doch selbst vermuten hätten können: Daß 9/11 nur der Trick war - und sei es durch Zulassung - durch den ein ziemlich mächtiges, potentes Land in einen Krieg hineingezogen werden sollte, den es gar nichts anging. Ein Land? Eben. Viele Länder sogar. Mit Millionen Toten als Ergebnis. Muß man da Verschwörungstheoretiker sein, wenn man einfach seine eigenen Schlüsse zieht, weil die offizielle Politik total unglaubwürdiges Zeugs daherschwafelt?







*221018*

Dienstag, 9. Oktober 2018

Staatsgründungsmythen können auch gelogen sein (2)

Teil 2)




So auch dieser Film. Der wie jeder Film die Literaturvorlage umbauen und dramaturgisch straffen muß. So daß ein Film herauskommt, der "das Heldentum" darstellt, wie man es sich eben so vorstellt. Und das anhand der nun endgültig zur Fiktion gewordenen Gestalt namens Chris Kyle tut. 

Der Film hat mit der Wirklichkeit nicht viel zu tun. Kyle war sicher ein mutiger Mann, irgendwie. Aber er war sicher nicht "der beste aller Zeiten", wie der Film behauptet. Es gab auch andere, die ähnlich erfolgreich waren. Kyle hat sich nur besser verkauft - als US-Helden. Und die amerikanische Öffentlichkeit, vor allem aber die Medienlandschaft und die Politik, hat sich mit Begeisterung auf solche Weißwaschung gestürzt, die Kyle mit seinem Heldenarchetyp bot, das er ... geschaffen hat. 

Vor allem aber stellt Ventura die Frage, ob man so einen Mann überhaupt zum Helden erklären dürfte. Einen Heckenschützen (kann ein Heckenschütze "mutig" sein?), der dutzende, hunderte Menschen hinterrücks erschossen hat. Darunter Frauen, Kinder, Männer die möglicherweise nur zur falschen Zeit am falschen Ort waren.

Und der in seiner Biographie nachweislich und mehrmals gelogen hat. Nicht einmal die Zahl der Auszeichnungen kommt ohne gehörige Übertreibung aus. Der so abenteuerliche und höchst fragwürdige Geschichten erzählt hat - die in Wahrheit die US-Regierung schwer kompromittieren würden! - wie daß er zur Zeit des Hurricanes Katrina am Dach des "Dome" (mit anderen Kollegen) Stellung bezogen und allein 30 Plünderer aus der Ferne "erledigt" hatte.

Für die von Kyle selbst immer wieder kolportierte Geschichte gibt es überhaupt keinen Hinweis, daß er nämlich zwei Männer, die ihm seinen Truck stehlen wollten, in Selbstjustiz totgeschossen hat. Woraufhin ihn die Polizei zwar anhielt, aber nach einem Telephonat mit "Washington" und dem Pentagon sofort wieder freiließ. Als Reaktion habe Kyle angeblich viele Mails erhalten, in denen ihm sogar von Sherriffs Anerkennung ausgesprochen wurde: Richtig, sehr gut, so muß man mit dem Gesindel umgehen. Aber ob das so war? Wer weiß. Denn die ganze Geschichte scheint völlig erfunden.

Daß Kyle von manchen, nein, von gar nicht so wenigen als Soziopath, Waffenfanatiker, pathologisch überheblich, weil narzißtisch schwer gestört beurteilt wird, sollte halt seine Verehrer besser nicht stören. Denn da ist der Held Kyle, der sich in die Rolle eines gottähnlichen Richters versetzt sah, der die Welt zu retten hatte, ohne sich um Recht und Gesetz kümmern zu müssen - er entschied und alle dankten ihm. Als er durch einen in den Motiven bis heute nicht ganz klaren Akt eines Veteranen - ebenfalls psychisch gestört, dem Kyle, der sich für ziemlich gut hielt, einfach "zur Heilung" eine seiner Waffen in die Hand gedrückt hatte - zusammen mit einem Ex-Kameraden erschossen und an seine Begräbnisstätte gebracht wurde, standen auf der gesamten Highway-Strecke von 200 Meilen hunderte, tausende, abertausende Zivilisten, Veteranen und Patrioten Spalier, um diesem "Helden" mit Fahnen und Ehrenbezeugungen das letzte Geleit zu geben.

Kyle hat einen Mythos um sich selbst gebastelt, an den er von anderen geglaubt wissen wollte, ein Wahnbild seiner selbst, wie manche meinen. Sodaß er sich vermutlich einfach nicht viel dachte und aus simpler Eifersucht handelte (und darum geht es am Anfang dieser Geschichte), indem dem bekannten Frauenheld und hochdekorierten Vietnam-Veteranen (Kampfschwimmer, also einer der ganz Harten), Wrestler-Champion und Gouverneur eines Bundesstaates, Jesse Ventura, in einer völlig frei erfundenen Episode als Landesverräter und Schwächling darstellte. Den er, der Held und Patriot und Navy-Seals, mit einigen Faustschlägen locker zu Boden streckte, um ihn für die angeblich ausgestoßenen Beleidigungen gegen die USA und vor allem die Navy-Seals zu bestrafen.

Was nicht nur nicht stimmen dürfte, es gibt nur Gegenzeugen, niemand hat etwas von einer angeblichen Auseinandersetzung oder gar nur einem Gespräch bemerkt, sondern dem Beschuldigten nach eigener Behauptung die komplette Existenz zerstörte. Und das könnte in den USA möglich sein, wo "Patriotismus", "Seals" etc. eine Rolle spielen, in die wir uns kaum hineinversetzen können, weil wir weit mehr und immer noch von Realem, von wirklicher Wirklichkeit und nicht von Pseudologien und Positivismen gehalten werden. Ventura geht sogar so weit zu behaupten, daß dies - auch - ein Racheakt der Linken war, der Oligarchie, die ihn damit aus dem Weg räumten und Kyle dazu ermunterte, denn wie gesagt: Alles zahlt ja die Versicherung.

Denn natürlich hat Ventura geklagt, wir sind ja in den USA. Und hat auch vor Gericht Recht bekommen. Mit einem bitteren Salzkorn dabei, wie gesagt. Die Versicherung des Verlags von Kyle's Autobiographie deckte ohne mit der Wimper zu zucken alles ab. Man wird's ja noch versuchen dürfen? Immerhin waren die Umsätze hoch genug. Das hat zu einer nächsten Klage geführt, und hier ist das Ergebnis neuerlich zugunsten Venturas ausgegangen, aber mit nicht an die Öffentlichkeit gegebenen Konsequenzen. Bekannt ist nur, daß die Witwe von Chris Kyle einen Teil der Versicherungsleistung, wie man liest, offiziell zurückgezahlt hat. 

Die einzige Konsequenz die komplett wirksam blieb, war die Zerstörung von Venturas Ruf und Ansehen. Der als "Anti-Patriot und Seals-Entehrer" nun bei keinem Sender mehr seine Medienkarriere fortsetzen kann (außer bei Russia Today, wie er in einem Interview sagt), und vor allem bei keinem Veteranentreffen der Navy-Seals mehr teilnehmen kann, weil man ihn dort als Nestbeschmutzer haßt und mit Fäusten bedroht.

Während der Held neuen Typus - Chris Kyle, Sniper und Army-Held des Irakkrieges, ein wahrer Patriot und Amerikaner, der sein Recht auf ein Waffenlager im Keller mit der Waffe in der Hand verteidigen würde. Nun sind wir auch wieder am Anfangspunkt. Warum Clint Eastwood in diesem nicht unaufwendig gemachten, extrem "patriotischen" Film die Regie geführt hat. Clint Eastwood tritt auch öffentlich in Wahlgängen im Namen der American Rifle Association auf, also der Vereinigung der Waffenliebhaber und -produzenten. 

Allen, bis hin in die Politik, in die Armeeführung, das Verteidigungsministerium, die Veteranenvereine (und die sind in den USA nicht ohne Einfluß), kam ein Held gerade recht. Der die Sache Amerikas generell mit Heldentum reinwusch. Da es war nebensächlich, ob Chris Kyle gelogen hatte oder überhaupt eine fragwürdige, geltungsbesessene, narzißtisch schwer gestörte Erscheinung war. Die Folgen daraus konnte man mit Versicherungen geradebügeln. Wichtig war, daß sich hier der Archetyp eines Helden daraus fertigen ließ, der für so viele als Identifikationsfigur gerade rechtzeitig kam. Zu einem Zeitpunkt, wo so gar niemand mehr an die Heilige Mission der USA glauben will. 

Und das ist gelungen. Durch eindrucksvolle Einzelbilder. Denn der Film ist nicht gut - er ist dramaturgisch sogar an sehr vielen Stellen regelrecht desolat, eine bloße Aneinanderreihung von auspickenden Bilderfolgen. Was er alles mit diesen interessanten Bildern (da ist nicht einmal etwas spannend, das sicherste Zeichen für Dramaturgieschwäche) zuschmiert - gibt es keinen Inhalt, soll der Zuschauer durch zumindest interessante Details getäuscht werden.

Er ist deshalb von den Bildern etc. her sehr gut, technisch-methodisch überhaupt bestens, weil mit offensichtlich viel Geld (das Pentagon ist ein Hauptfinanzier von Hollywood) gemacht. In der Hauptrolle noch dazu und bestens gewählt: mit einem der sympathischsten US-Schauspieler der Gegenwart besetzt, mit Bradley Cooper.

Nur sollte man um Gottes Willen nicht meinen, daß diese Geschichte etwas mit der historischen Realität zu tun hat. Das hat sie weder mit der US-Intervention im Irak, noch mit der realen Person Chris Kyle. Alles ist ein abstraktes, reines Märchen, das aber genau deshalb das Zeug zu einem Staatsgründungsmythos hat, weil es universal verwendbar ist. Auch weil es in einem fernen Land und einer fernen Zeit spielt. "Es war einmal in einem Land hinter den sieben Bergen ...".

Das geht? Nein. Jein. Eher abzusehen ist, daß sich auch hier der amerikanische Behaviorismus wie immer über die Wirklichkeit als Ganzes täuscht. Wenn das scheinbar funktioniert dann nur bei einem ideologischen, voluntaristischen Konstrukt der Zweitwirklichkeit, wie es Amerika und sein Amerikanismus überhaupt darstellt. Was soll aus so einem Land anderes kommen? Wo der im bevölkernden Menschenbrei (ein Produkt des social engineering, keine ursprüngliche Logik) vorhandene, ständig wieder aufgezoschte Staatsgründungsmythos mit den realen, also ontologischen Grundlagen des realen Staates rein gar nix zu tun hat, sondern pure Erfindung ist? Die manche glatt eine Lüge nennen.









*010918*

Montag, 8. Oktober 2018

Staatsgründungsmythen können auch gelogen sein (1)

Worum es in dem US-Rechtsfall Kylie vs. Ventura überhaupt ging, ist für einen Europäer wahrscheinlich nur mit Mühe nachvollziehbar. Aber irgendetwas an dem Fall ist interessant, der VdZ ist nur nicht sicher, was. Der damit endete, daß Chris Kylie's Witwe 1,8 Millionen wegen Rufschädigung an den Frauenliebling, verdienten Vietnam-Veteran, ehemaligen Wrestler und Gouverneur von Minnesota Jesse Ventura zu zahlen verurteilt wurde. Was ihr ziemlich gleichgültig sein konnte, weil die Versicherungen, die der Verlag abgeschlossen hatte, der mit der Veröffentlichung der Memoiren des "großen Irak-Krieg-Helden Chris Kyle" einen Millionenerfolg eingefahren hatte, der durch die höchst erfolgreiche Verfilmung in "American Sniper" 2014, einem der patriotischesten Filme, den die USA jemals hervorgebracht hatte, noch mit reichlich Gold bezuckert wurde, alles bezahlten. Das Gericht hatte zugestimmt. Man wolle der Witwe des Helden doch nicht ihr Haus pfänden?

In einem Interview meinte Ventura einmal, daß das Gerichtsurteil so sei, als würde man jemanden nach einem Bankeinbruch zwar zu zwei Jahren Haft verurteilen, ihm aber das Recht auf Eigentum an der Beute garantieren. So würden solche Fälle in Zukunft nämlich ausjudiziert. Nun ja, ganz Unrecht hat er damit nicht. Das amerikanische Rechtssystem ist anders als das europäische ein "Fallgesetz". Das heißt, wenn ein Fall einmal so und so entschieden wurde, ist das maßgebend für alle weiteren dieser Art. Das amerikanische Recht akzeptiert also "faktisches (historisches) Recht" weit deutlicher als das kontinentaleuropäische (denn das Prinzip ist vom englischen Recht übernommen) Recht. 

Verwirrt, werter Leser, sollten wir einhalten, klären? Bravo. Diese Verwirrung war erwartet. Sie stellt sich bei vielen Vorgängen in den USA rasch ein. Beginnen wir die Geschichte deshalb von Anfang an und langsam, um sie zu entwirren. Und da müssen wir bei der Vorlage zu dem Film "American Sniper" beginnen, nämlich der auf Verlagsdruck mit ziemlichem Tempo (andere Memoiren zum Irakkrieg waren auf dem Weg, man wollte zuerst am Markt sein und am meisten abkassieren) geschriebenen Autobiographie von Chris Kyle. Der Zeitdruck dürfte also auch schon so manche Sorgfaltspflicht unter den Teppich gekehrt haben.

Chris Kyle selbst war ein Navy Seals, also eine Art Elite-Soldat der US-Armee. Und als solcher war er ein "Sniper", also ein Heckenschütze, ein Scharfschütze, der (das ist unbestritten) einer der erfolgreichsten (nicht aber, wie im Film behauptet, DER erfolgreichste) Heckenschütze der US-Militärgeschichte war, weil er es bei vier Einsätzen und insgesamt drei Jahren im Irak angeblich auf fast 200 "Abschüsse" brachte. Die Zahl ist strittig.

Heckenschützen, Scharfschützen haben seit Einführung von Schußwaffen ja in allen Armeen der Welt eine besondere Rolle gespielt. Und deshalb auch einen halb rechtsfreien Raum zugesprochen bekommen. Denn sie mußten - auf sich gestellt - selbst entscheiden, ob und was und wer mit gezieltem Schuß außer Gefecht zu setzen war. Das hat schon etwas von "Selbstjustiz", der Leser kann es vielleicht nachempfinden. Und hat auch ganz sicher Auswirkungen auf die Selbsteinschätzung des Snipers in seiner Rolle in der Welt. Die Geschichte von Kyle dürfte das zeigen. Und die Geschichte derjenigen, die in ihm unbedingt einen Helden sehen wollten. Er schien so ... ur-amerikanisch.

Daß es Hecken- oder Scharfschützen (Sniper) gibt, hat im wesentlichen zwei Gründe: Die große Mehrheit derjenigen, die als Soldaten requiriert werden, haben ja keine besondere n Fähigkeiten. Schon gar nicht die Fähigkeit, so nüchtern und kühl und kaltblütig zu agieren, wie es ein Heckenschütze tun muß.

Mit den Schußwaffen ging ab dem späten Mittelalter nämlich auch das Massenheer einher. Die Schußwaffe war anonym, und (im Vorläufer der Armbrust) sogar von der Kirche verboten, vom ritterlichen Ehrencodex verpönt. Sie galt als unritterlich und unedel, der Begriff des Soldaten hat sich also gewaltig gewandelt und ist auf einen "Kriegs-Gewinneffekt" reduziert worden. Aber sie war erfolgreich, das entschied. Der normale Soldat war ja individuell wertlos (der VdZ setzt das nicht einmal unter Gänsefüßchen), er zählte nur als Kalkulationsfaktor im taktischen Kalkül, zu dem Schlachten und Kriege wurden. Der Erste Weltkrieg zeigt das in einer Klarheit, die erschüttert. Angriff - 30 Prozent Erstverluste, macht so und so viel bei neuerlichem Angriff, dem so und so viel Prozent an Verteidigern gegenüberstehen, etc. etc. Welches Denken mehr und mehr die frühere Kriegsführung als Kampf unter Rittern, unter Edlen ersetzte. Wir haben, meinen deshalb manche, schon lange keine Kriege mehr, denn Krieg verlangt Kultur. Wir haben kulturlose, inhumane Vernichtungs- und Auslöschungsmaschinerien.

Dazu brauchten diese Sonderkämpfer (manche nennen sie auch: besonders skrupel- und ehrlose Menschen, der Leser möge selbst entscheiden) aber auch besonders gute Waffen. Im Zeitalter der Pulverwaffen waren das Gewehre mit gezogenem Lauf. Die viel Geld kosteten, und vor allem viel Zeit zur Fertigung brauchten. Das war im Kalkül von Kriegen nicht mehr drinnen. Sodaß man den normalen Soldaten immer nur halbwegs taugliche Massenwaffen mit gegossenem Lauf in die Hand drückte, die so irgendwie feuerten, gab es eben ergänzend noch diese (meist relativ kleine) Sonderschar, die tatsächlich zielen und treffen konnten. Die Masse der Heere wurde nur nach statistischen Effekten und Wahrscheinlichkeiten berücksichtigt, weil sie nur Zahl, Staffage, Kanonenfutter war (bzw. im Laufe der Kriegsgeschichte, vor allem mit dem Aufkommen von Sprengwaffen, also Granaten, Kanonen, Minen, und wie erst mit dem Maschinengewehr wurde.) Spätestens seit Napoleon war das klar, der amerikanische Bürgerkrieg und der Krimkrieg, für uns die Kriege in Norditalien und dann die innerdeutschen Kriege hatten es bewiesen.

Auch Chris Kyle hatte also eine Hochpräzisionswaffe und war an ihr bestens ausgebildet. Gut verborgen, lauerte er wie viele seiner Kollegen im Hinterhalt und wartete, bis sich ein lohnendes Objekt vor das Zielfernrohr schob. Dann wurde es eliminiert. Durch das Zielfernrohr zu sehen wurde zur Haltung, die Welt war nur noch Ziel, nur noch Entscheidung: Gut oder böse? Ohne Prozeß, ohne genaue Prüfung, der Verdacht, ja der Eindruck genügte. Das ist nicht zufällig so formuliert. Um das Geschäft der Heckenschützen ranken sich so manche Legenden, und nicht wenige davon behandeln die moralische Fragwürdigkeit. Man war deshalb in der Auszeichnung von Snipern immer höchst vorsichtig, und die meisten wollten nie Öffentlichkeit. Bei Kyle war auch das anders. Er suchte sie.

Er gab vor, die moralische Frage klar gelöst zu haben. Die in seiner Autobiographie und noch mehr in dem danach hergestellten Film "American Sniper" (Regie: Clint Eastwood, Präsident o. ä. der American Rifle Association) natürlich ebenso eindeutig beantwortet wird: Wir sind die Guten, die Sniper sind die Helden mit allem Recht, die dort sind nämlich die Bösen, die Iraki. 

Man weiß mittlerweile, daß etliche Episoden in Kyle's Buch übertrieben (Kyle verdoppelte sogar die Zahl der Auszeichnungen, die er erhalten bzw. angeblich erhalten hatte), andere glatt erfunden sind. Entscheidend für den Verkaufserfolg aber war, daß Kyle die Größe und Schönheit des freien Amerikaners war, der mit der Waffe in der Hand für Ordnung im Land sorgt. Weil das Gesetz das nicht zu gewährleisten vermag, das durch lästige Gesetze und Rechtsprozeduren gebremst und behindert wird. Also müssen "Gunmen", die Revolverhelden dafür sorgen. Schätzungsweise die Hälfte aller amerikanischen Filme behandelt genau dieses Thema, stellt genau das als "Lösung" dar. Für viele ist es DER amerikanische Mythos schlechthin.

Es ist der jedem gewiß bekannte Traum, alle Ungerechtigkeit (und die ist zuvorderst eine als solche und ganz persönlich empfundene) durch eigenes Handeln und eigene, ja höchste Richter-Macht (Eritis sicut Deus!) aus dem Weg räumen zu können. Die perfekte Utopie, die vollkommene Allmacht. Durch Waffen in unsere Hand gegeben. Denn da gibt es ein unüberwindliches, perfektes Gewehr, von uns selbst hergestellt, das alles trifft, man muß nur an ein paar Rädchen daran drehen, dann ist jede Weltunbill zu überwinden. Die Idealwaffe schlechthin also, die wie im Traum funktioniert, und die weder Ort noch Zeit kennt.

Ist nicht das die Faszination (und die Angst), die von Schußwaffen ausgeht, und die Amerikaner nicht anders empfinden als Araber, die als dieselben Waffennarren ja bekannt sind? Ist nicht genau das der Punkt, den alle Regierungen der Welt fürchten, wenn es um die Frage "Waffenverbote" oder "Individualbewaffnung" geht? Waffe heißt nämlich nicht nur Mittel zur Gerechtigkeitsherstellung. Sie heißt Mittel zum Jüngsten Gericht. Im Film "American Sniper" geht es genau um das. Das macht ihn auch so faszinierend, daß man ihn filmisch kaum zu beurteilen vermag.

Auch der VdZ hat ihn schon mindestens dreimal gesehen, trotz seiner offensichtlichen dramaturgischen Schwächen. Die sind unbedeutend. Das Archetyp ist es, was fasziniert. Es gibt sogar ein ganzes Genre "Sniper-Filme", das von Filmen wie "Shooter" (perfekt besetzt durch Mark Wahlberg) - Selbstjustiz, Jüngstes Gericht in Reinkultur - angeführt wird. Weil es das Archetyp und damit das Bedürfnis gibt, es zu "erleben".

Übrigens ist letztgenannter Kassenerfolg 2007, also unmittelbar nach dem zweiten Irakkrieg entstanden. Auch er hat das Heldentum des perfekten Amerikaners als heilige Mission dargestellt, der die Verwaltung (als korrupt) und überhaupt die Ordnung des Staates feindlich gegenüberstellt. Bestenfalls die höchsten Personen - Präsident - bleiben ideal. (Ein ganz real ganz gefährliches dramaturgisches Schema, übrigens. Will das judenbestimmte Hollywood die amerikanische Ordnung generell weil durch Korruption illegitim geworden überwinden? Heißt es nicht, daß vor jenen die allergrößte Vorsicht geboten sei, die den Kaiser loben, aber das Übel das sie bekämpfen seiner "unfähigen Verwaltung" zuschieben? Frei nach dem Motto "Wenn das der Führer wüßte!"

So weit geht "American Sniper", das ein Märchen rund um einen überragenden Scharfschützen, den das Drehbuch Chris Kyle nennt (und zufällig gibt es einen Mann, der auch so heißt und auch Scharfschütze war), freilich nicht. Es bleibt persönlicher, intimer, staatstragender.


Morgen Teil 2)





*010918*

Dienstag, 26. Dezember 2017

Erstmals wurden sie demaskiert

Es paßt durchaus zu Weihnachten, denn es geht um das Ende eines Krieges. Dieses Ende ist aber mehr, meint E. Michael Jones in diesem Interview in einem amerikanischen Sender. Es ist das Ende einer Art der Kriegsführung, die seit 50 Jahren die Welt destabilisiert und geängstigt hat. Die immer mit derselben Methodik vorging. Erst wurde in der Weltöffentlichkeit ein Bild erzeugt, daß eine Bevölkerung unzufrieden mit der Regierung sei, aber kein Mittel habe, sie auszuwechseln.

Dann kamen Nachrichten, daß diese Regierung (meist in der Gestalt eines Diktators, denn der Mensch braucht immer Menschen, sonst kann er nichts verstehen) das Volk mit brutaler Gewalt unterdrückt. Dann kamen immer mehr "Widerstandskämpfer", die von ausländischen Mächten (meist den USA) ausgebildet, ausgerüstet und ins Land gebracht, aber ganz oder teilweise als "innere Opposition" dargestellt wurden. Diese initiierten inneren Konflikte, die bis dahin irgendwie zwar bestanden, aber recht gut im Griff waren, nun aber zur Eskalation getrieben wurden. Vor allem Konflikte religiöser, aber auch ethnischer Art eignen sich bestens dafür. So entstand ein "Bürgerkrieg", in dem diese Kämpfer das Land mit Zerstörung überzogen, bis die Regierung die Kontrolle verloren hatte und gestürzt wurde. Sofort wurde eine neue Regierung installiert, die vor allem eines war: willfährig und beherrschbar.

Zurück blieben lauter "failed states", zombieartige Staatsgebilde, in denen jede organische Struktur zerschlagen war, in der die Bevölkerung sich auf kleinere Einheiten (Stamm, Klan, Familie) zurückzog, sich für das große Ganze (bis auf Ausnahmen) nicht mehr interessierte weil ums Überleben kämpfte, und die deshalb mit neu eingesetzten künstlichen Staatsregimen leicht zu "regieren" waren. Deren Interessen sich schon darin erfüllten, gewisse Partialinteressen (wie die Schiiten im Irak) zu verfolgen, sich also für Weiteres kaum interessierten, oder überhaupt (wie häufig in Afrika) Großindustrien (meist Öl, Rohstoffen, Ressourcen aller Art, auch die Ausbeutung menschlicher Arbeit ist darunter, wie sich in zahlreichen Beispielen belegen läßt) zu steuern oder direkt zu besitzen. Die zufällig unter starkem ausländischem Einfluß standen. 

Mit der Niederlage der Daesh (IS) aber stieß diese Methode, einen mißliebigen, nicht gefügigen Staat aus dem Weg zu räumen, erstmals an eine Grenze, ihre furchtbare Dynamik wurde erstmals durchbrochen. Und das ist dem energischen Handeln von Rußland und dem Iran zu verdanken, das die Lage im Vorderen Orient wendete. Selbst die Türkei, die mittlerweile sogar über einen NATO-Austritt nachzudenken scheint (nachdem es lange die IS unterstützte und selbst meinte, ein Süppchen aus einem zerfallenen Syrien kochen zu können) wurde durch Rußland "umgedreht", ein seltener Fall, der wohl den Besonderheiten Erdogans zuzuschreiben ist. 

Mit einem weiteren Beispiel (aus so vielen), wie die in sich widersprüchliche, inkonsistente Außenpolitik der USA völlig andere Ergebnisse zeitigt, als geplant waren - und das ist der Irak, so wenig man den wirklich einzuschätzen vermag. Denn dort hatten die USA nach dem 2. Krieg ein schiitisches Minderheitenregime installiert. Aber man hat diesen Umstand unterschätzt. Nun steht zu vermuten, daß die Türkei im Irak sogar einen Verbündeten in der Frage eines kurdischen Staates gefunden hat. Denn würde ein solcher im Norden des Irak gegründet (und um das zu verhindern, braucht die Türkei den schiitischen Irak), hätte das ganz sicher dramatische Folgen auf die Kurdenproblematik.

Die alle effektiv und konkret der syrischen Regierung beistanden oder auch nur in ihre Richtung wirkten und sie soweit stärkten, daß sie nicht gestürzt wurde, sondern den "Bürgerkrieg" gegen den IS gewann. Damit wurde bewiesen, daß diese Art der Kriegsführung tatsächlich zu überwinden ist. Syrien liefert das Exempel dafür, daß diese Art, unliebsame Staaten zu beseitigen, nicht nur nicht zum Erfolg führen muß, sondern in einem Desaster enden kann.

Im Falle Syriens waren neben den USA (die vermutlich zu guten Teilen zumindest das schmutzige Handwerk für andere erledigten, wie so oft übrigens) auch Israel und vor allem Saudi-Arabien an diesem Versuch Syrien zu zertrümmern, beteiligt. Wobei man darüber spekulieren kann, wieweit eine Änderung des Verhaltens der USA durch Donald Trump erst die Weichen gestellt haben könnte. 

Und diese Mächte haben sofort reagiert. Und sich in seltsamster, aber pragmatischer Allianz (Saudi-Arabien und Israel) erst auf den Jemen, und nun auf den Libanon konzentriert, denn dort bieten die Houthi und die Hisbollah immer noch die schiitische (und jemenitische bzw. palästinensische) Stirn.

Schlüssel war, so E. Michael Jones, daß man erstmals in der langen Geschichte der verdeckten Kriegsführung den Gegner benennen konnte. Denn wie soll man einen Gegner bekämpfen, den man nicht kennt? Das zu verschleiern war ja bislang der entscheidende Moment dieses Konzepts. Hier aber erkannte man sie: die Vereinigten Staaten, die Saudis, Israel, Katar. Was in Syrien noch scheinbar phantastisch funktionierte, hat erstmals versagt. Und die Strategie ist nun bekannt, man kennt die Handschrift, man kennt die Verursacher, wird sie auch zukünftig erkennen und weiß, wie man dagegen vorgehen muß. Wer ist dieser "man"? Rußland, Iran, das waren sie in diesem Fall. 

Dieser Plan ist in Syrien nun erstmals nicht aufgegangen, Rußland, das das eindeutig bessere, wohl einfach "natürlichere" Konzept hatte, hat gemeinsam mit dem Iran (der eher regional beschränkte Interessen hat) gezeigt, daß man ihn zu zerstören vermag. Die USA wird sich zukünftig etwas anders überlegen müssen, der Plan ist durchschaut, man riß ihnen die Maske herunter. Wenigstens in Syrien kann wieder Frieden einkehren.

Es ist immer und ausschließlich die Wahrheit, die befreit. Und nur diese Freiheit kann Einheit und Frieden bringen.










*241117*

Dienstag, 19. Dezember 2017

Ein Schritt zum Frieden

Was bislang immer noch und immer wieder ins Reich der Legenden und Verschwörungstheorien abgeschoben wurde, obwohl es doch allgemein "bekannt" war, wird nun offiziell, weil von den USA bestätigt: Die Trump-Administration legt einen Großteil jener bislang unter Verschluß gehaltenen Dokumente offen, die belegen, daß die USA 1953 zusammen mit dem britischen Geheimdienst - ja, auf dessen Drängen hin - den Sturz des demokratisch gewählten Ministerpräsidenten Mohammad Mossadegh organisiert und betrieben hatten.

Dabei zeigt sich bereits jetzt, noch ohne daß diese Dokumente wirklich ausgewertet wurden, wie so etwas funktioniert. Wie also ein Geheimdienst ein Land destabilisieren und eine Regierung aus dem Amt putschen kann. Es zeigt sich auch in allen menschlichen Komponenten, denn man darf nicht vergessen, daß es auch innerhalb der US-Geheimdienste durchaus kontroverse Ansichten und Absichten gibt. Im Mittelpunkt steht der Enkel des vormaligen US-Präsidenten Roosevelt, Kermit Roosevelt jun., der in den Diensten des CIA stand und in Teheran einen Putsch gegen den amtierenden iranischen Präsidenten organisieren sollte. Der aber nicht gut lief. Also kabelte man ihm, er solle alles abbrechen. Roosevelt jun. gehorchte aber nicht sondern trieb sein Unternehmen voran, was letztlich doch noch zum Erfolg führte. Er konnte Schah Reza Pahlavi nach oben bringen, und es gelang ihm sogar, Menschen auf die Straße zu bringen, so daß es in den Augen der Welt aussah, als stünde das Volk hinter dem Schah. 

Doch ging die Rechnung für die Briten nur halb auf. Denn auch Pahlavi verlangte eine Beteiligung an den Gewinnen des britischen Ölkonzerns. Damit waren nur die geostrategischen Pläne umgesetzt worden. Denn die USA und die Briten wollten verhindern, daß der Iran mit Rußland weiter kooperierte und so der Sowjetunion Einfluß auf einen beträchtlichen Teil der Ölvorkommen zukam. Denn Rußland und der Iran haben seit je sehr enge Beziehungen. Wirtschaftlich, weil es der europäische Zugang zur Seidenstraße war, aber auch politisch spielten die Perser eine wichtige Rolle für Europa. Als etwa die Ungarn im 9.  Jahrhundert nach Westen vorstießen trafen sie im pannonischen Becken auch auf iranische Völker. Es gibt Meinungen, daß sogar die südostungarischen Szekler (die mit den Ungarn eine Allianz eingegangen waren) persischen Ursprungs sind. Und ein guter Teil Süd- und Mittelrußlands war über Jahrhunderte sogar von persischen Fürsten ("Goldene Horde") regiert oder Vasallen Persiens, was sich erst mit den Romanows als Zaren (Ivan IV., der "Schreckliche") änderte, der erstmals die Russen einte und alle Fremdherrscher aus dem Land zu werfen begann.

Noch interessanter aber ist ein Aspekt, der im Bewußtsein der Kontinentaleuropäer fast nicht vorhanden ist, aber dem VdZ zunehmend als Schlüssel zum Verstehen der Geschichte der letzten 200 Jahren erscheinen will. Es geht um die Rolle Großbritanniens (Englands) als Imperialmacht. Nicht nur hat England auf die europäische Philosophie einen verheerenden mächtigen Einfluß gehabt, sondern auch politisch-militärisch. Und diese Identität als Imperium spielt auch heute noch einen weit größeren Einfluß, als wir gemeiniglich wahrhaben wollen.

Das drückt sich auch im beträchtlichen Einfluß der Briten auf die amerikanische Außenpolitik aus. London hat weit mehr Macht und Einfluß, als man glauben möchte. Wie weit der geht kann man aber fast nur spekulieren, denn er geschieht im Verborgenen. Es gibt in England nach wie vor starke Strömungen, die von einer Wiederauferstehung des Imperiums träumen, worunter sogar Wiedervereinigungspläne, zumindest strategische Unionen mit den USA eine beträchtliche Rolle spielen. Wie Caroll Quigley etwa enthüllt.

Daß das so ist, belegen die nun veröffentlichten Iran-Dokumente. Auch hier sind die USA letztlich dem britischen Drängen gefolgt. Denn es ging zuallererst nur um britische Unternehmen (BP), die Mossadegh durch seine Verstaatlichung von Ölquellen unter Druck gesetzt hatte. Sodaß man sogar in der Einschätzung der amerikanischen Rolle im Nahen Osten zu recht anderen Schlüssen kommen könnte - daß sie nämlich die Kohlen für ganz andere Mächte aus dem Feuer holen. Immerhin gelang genau das den Briten im 20. Jahrhundert mehrere Male. Man denke nur an den Kriegseintritt der USA sowie seine Rolle in beiden Weltkriegen. Und die Gründung eines Staates Israel war lange schon ein politisches Ziel einflußreicher Kreise Londons.**

Noch etwas soll erwähnt werden. Denn man kann die Rolle solcher Enthüllungen gar nicht hoch genug veranschlagen, betrachtet man ihre psychologischen Wirkungen. Denn wenn jemandem Unrecht geschehen ist, wird er mit diesem Unrecht nur sehr schwer fertig, wenn der andere dieses Unrecht bestreitet und seine Taten verschweigt. Das hält die zugefügte Wunde damit offen und der Verletzte steht unter hohem inneren Druck, durch Behauptung - die aber nie durch Akzeptanz abgesichert ist - dieses Unrecht als Tatsache "zu setzen".

Erst, wenn sich ein Täter entschuldigt, wenn er um Verzeihung bittet, kann ein Heilungsprozeß einsetzen der nicht einfach nur auf göttliche Gnade, ja ein Wunder in der Seele setzt. Das man in der Psychologie als "posttraumatisches Belastungssyndrom" kennt. Wo der Verletzte also lernen mußte, eine Wunde gewissermaßen "abzukapseln", innerhalb seines Selbst zu isolieren, die aber nie heilen, mit der man nur leben lernen kann. Denn wenn jemand seine Schuld nicht einbekennt hält er die Tat aktuell, als handelte er permanent weiter so.

Die Iraner wußten immer, was passiert war. Aber wie unter Dauermobbing wurde ihnen ihr Recht auf Wahrheit aberkannt. Ja, ihre Konterrevolution 1979 (mit Ajatollah Khomeini) wurde von der Weltöffentlichkeit sogar wie eine extremistische Krankheit behandelt. Doch das war die Revolution von 1979 nie!* Sie war vielmehr der vom Volk tief begrüßte Versuch der Wiederherstellung des status quo ante.

Die Veröffentlichung dieser Dokumente ist also ein wahrhaftiger Schritt in Richtung Befriedung. Er erlöst das Opfer - den Iran - und anerkennt, was man ihm zugefügt hat. Auch wenn eine offizielle Entschuldigung wohl kaum erfolgen dürfte, ist sie nun eigentlich geschehen.









*Der dem Irak auf amerikanischen Einfluß hin einen unfaßbar blutigen Krieg auferlegte, um den nunmehr nicht mehr US-hörigen Iran buchstäblich auszubluten. Die spätere amerikanische Angst vor Chemiewaffen Saddam Husseins hatte dort ihre Wurzeln: Denn man hatte Hussein in diesem Krieg mit dem Iran damit ausgestattet, die dieser auch zur Anwendung brachte. Man spricht heute von über einer Million toter Soldaten, auf beiden Seiten, viele davon (auf persischer Seite) durch Chemiewaffen. 

**Wie sagte dereinst Cecil Rhodes? Man muß überhaupt nicht an die Regierung kommen, um die Politik eines Landes bestimmen zu können. Die wahren Machtströme fließen außerhalb. Die Gründung eines Staates Israel freilich war wohl auch eine Spätfrucht des 1. Weltkrieges, wo mit dem Balfour-Abkommen die Gunst der Juden, die weltweit eher auf Seiten der Mittemächte standen, durch die Förderung des zionistischen Gedankens gewonnen werden sollte.






*181117*

Dienstag, 7. November 2017

Seltsame Allianzen - Was nun in Syrien?

Die Medien hierzulande schreiben kaum noch etwas darüber, der VdZ hat die wenigen Meldungen hier und da und dort aber weiter verfolgt. 

Und es mehren sich die Tatsachen und Anzeichen, daß es mit der IS in der Levante zumindest militärisch vorbei ist. Konsequent und hartnäckig haben die letztlich ordnenden Mächte - syrische Armee, Rußland, Iran, Hisbollah, und nicht zuletzt (!) die Kurden im Nordosten - das Ende des Spuks eingeleitet. Entsprechend berichtet Frontex auch, daß unter den sogenannten "Flüchtlingen" auf den noch offenen Routen (Mittelmeer) so gut wie keine Syrer (mehr) sind. Eine Route, die sich eiderdautz auch so gut wie geschlossen hat, seit die lybische Küstenwache tut, was sie immer tun habe wollen, aber erst jetzt darf, weil es erwartet wird.* (Sebastian Kurz wird sich also auch sputen müssen, sonst klauen ihm noch andere die Kerzen von der Torte.)

Den Menschen in Syrien steht nun freilich ein langer, harter Weg bevor, ihr Land wieder instandzusetzen. Wie es in Europa im 20. Jhd. eben auch war. Es gibt sogar schon Berichte, daß die syrische Bevölkerung wieder in ihre Orte zurückkehrt, sofern sie geflüchtet war. Ebenso mehren sich die Berichte, daß die IS-Kämpfer nun neue Aufgabenbereiche suchen. Etwa 1.500 IS-Kämpfer sollen vor dem Absprung nach Europa stehen. (Manche Medien nennen es "Rückkehr", aber als was "kehren" sie zurück?) 

Aber schon beginnen neue Ansätze einzuwirken, so leicht geben die Amerikaner nicht auf, wenn auch alles schon ein wenig kraftlos wirkt. Sie fordern nun eine Zukunftskonferenz, in der sie bei ihrer alten Forderung bleiben: Präsident Assad muß zurücktreten, heißt es da. Er sei nämlich ein Hindernis der inneren Befriedung. 

Hindernis? Dabei hat er doch gegen härteste Angriffe offenbar Ruhe geschaffen? Nein, es empfehlen sich nun andere strategische Vorgehensweisen, um die alten Ziele zu bewahren, zu retten was nach dem jämmerlichen Auftritt eines angeblichen Anti-Terror-Krieges (der hier fütterte, was er dort zu bekämpfen vorgab) noch zu retten ist. 

Israel will dabei verhindern, daß sich von Persien bis zum Libanon ein schiitischer Bogen zieht, der ihm den Iran als Leitmacht der Schiiten vor die Haustüre setzt. Und es sieht sich dabei erneut in dieser seltsamen Allianz mit den Sunniten der Türkei und den Arabern. Der Iran aber ist der Hauptgegner gegen eine strategische Beherrschung der Levante durch Israel.

Wobei auch die Türkei ihre alten Ziele wieder aufzuwärmen beginnt. Der mittlerweile sogar nachgewiesen werden konnte, daß die IS von dort aus nach Syrien "eingesickert" ist und Nachschub erhielt. Aber das ist ein altes, anderes Kapitel, wir haben darüber genug geschrieben.

Was der Türkei aber nicht in den Kram paßt ist, daß die Kurden einen so wichtigen Beitrag zum Sieg über die IS geleistet haben. Die ja ein Dauerproblem für Istambul ist, das erneut verkündet hat, daß es alles tun wird, um die Bildung eines kurdischen Staates zu verhindern. Was auch klar ist: Ein kurdischer Staat oder staatsähnliche Autonomiegebiete in Syrien oder von dort ausgehend würde sich die Kurdenfrage der Türkei ganz neu zur Aufgabe stellen weil stellen müssen. Also ist der neue Feind klar: Die Kurden in Nordost-Syrien. Der nun in die Zange genommen werden soll.

Denn hier kann sich die Türkei eines neuen Verbündeten gewiß sein - des heute US-gesteuerten Irak. (Der selbst in schwersten inneren Widersprüchen steckt, denn es waren die USA, die dort die Schiiten stark gemacht, die Bevölkerungsmehrheit der Sunniten aber marginalisiert haben.) Der Irak, der vor wenigen Tagen verkündet hat, daß verschiedene militärische Operationen der Kurden eine offene Kriegshandlung gegen den Irak seien. Sodaß man überlegen müsse, ob nicht eine Kriegserklärung statthaft sei. Oder ist das der verdeckte schiitische Versuch, den Levante-Bogen zum Iran zu schließen?**

Gleichzeitig verschärft die USA ihren Ton dem Iran gegenüber. Beobachter meinen, daß es sich dabei nur um einen verzweifelten Versuch handelt, der extrem verworrenen weil inkonsistenten Außenpolitik der USA doch noch den Mantel der Konsistenz umzuhängen, um einen letzten Rest von Glaubwürdigkeit zu wahren. 

Und das Netanjahu-Israel sieht keinen Grund zur Zurückhaltung offen zu sagen, daß es sich jedes Recht sieht, mit ihrer Luftwaffe allfällige kriegs- oder strategisch wichtige Ziele in Syrien anzugreifen.

Aber  noch etwas anders bereitet sich vor, der die USA vor weitere, ganz entscheidende Probleme stellen könnte: Zwischen Rußland, China und Arabien bereitet sich - auch das eine Frucht der US-Politik, das so nebenbei, die wie es aussieht kein einziges außenpolitisches Ziel mehr erreichen, seit vielen Jahrzehnten, sodaß ihnen bestenfalls noch das Säbelrasseln (siehe Nordkorea) bleibt, aber das ist immer ein Mittel mit Ablaufdatum - ein Öl-Clearing (in Landeswährungen, allen voran den chinesischen Renminbi) vor, das den US-Dollar als Weltreservewährung vor unüberwindbare Schwierigkeiten (und enormen Inflationsdruck) stellen wird.

Die Lage ist scheinbar undurchsichtig, gewiß, zumindest nicht leicht zu durchschauen, auch für den VdZ. Aber das war sie auch zu Zeiten, als die Medien täglich groß aufgemachte Berichte brachten. Während sie nun schweigen. Vielleicht weil sie warten, welche Richtlinien sie nun verfolgen sollen. Denn die alten sind allen abhanden gekommen, die hat der Gegenwind zum Zeitgeist verblasen.





*Ein nicht unwesentlicher Grund dafür war der bemerkenswerte propagandistische Erfolg der "C-Star-Mission" der Identitären Bewegung. Die scheinbar kaum Zählbares bewirkt hat, aber medial ungemein präsent war - denn es gab sie doch, die investigativen Journalisten, wenn auch nicht von den Leitmedien, die haben weiterhin nur Fakenews wiedergekäut und verleumdet, das einzige, was sie noch können - zu einem Schwenk der europäischen Außenpolitik geführt, und den Politikern Feuer unterm Hintern gemacht hat. Die nun auch gehandelt haben. Weil sie Angst hatten, daß man ihnen das Thema (und damit einen leicht zu erzielenden Erfolg) stehlen könnte. Und sieh da: Die lybische Küstenwache erfüllt nun ihre Aufgabe. 

Plötzlich gibt es auch keine ertrunkenen "Flüchtlinge" mehr im Mittelmeer. Seit fünf, sechs, sieben Wochen ist offenbar niemand mehr ertrunken! Weil niemand mehr in die Schlepper-Tschenakel steigt, weil diese von der libyschen Küstenwache aufgegriffen und zurückgebracht werden. Plötzlich kommen auch kaum noch "Flüchtlinge" in Italien an. Auch darüber aber berichten unsere Leitmedien nicht.

Das Versiegen des Stroms aus Mittelafrika ist nur eine Frage der Zeit. Sobald sich nämlich herumspricht, daß es "no way" - keinen Weg - nach Europa mehr gibt. Eine Voraussetzung dafür, daß auch allfällige Hilfsmaßnahmen in den Ländern, von denen alle so vollmundig reden (der VdZ glaubt NICHT an deren Erfolg; Erfolg hätte nur die gute alte Mission) selbst greifen können. Weil den Leuten dort klar wird, daß sie SELBST etwas tun müssen und KÖNNEN, um ihr Land lebenswerter zu machen. Wie auch immer, es ist in Wahrheit auch dort ein Problem der dritten, vierten Söhne ... die KEINE Gesellschaft verarbeiten konnte und kann, die immer für ein expansives Moment (im Inneren durch Erschließung, oder nach außen) gesorgt haben und sorgen. Nicht erst seit den antiken Griechen oder den Römern.

**Die Verworrenheit der politischen Ziele islamisch dominierter Staaten hat eine lange Tradition. Sie ist die Folge einer Absage an den logos, an die Vernunft als weltbestimmendes Prinzip. Damit können sich auch keine substantiellen politischen Ziele bilden, die über die Zeiten gleichbleiben. Was bleibt ist ein "so irgendwie beherrschen wollen". Ein ontologisch unverrückbares "Warum", das wie ein Magnet jeden Kompass ausrichtet, fehlt aber dann. Das Resultat ist ein Wollknäuel an "Interessen", wo wenn man an einem Ende zieht das andere unruhig wird.



*221017*

Sonntag, 9. April 2017

DAS hätte auch Hillary Clinton so gemacht (2)


Teil 2) Warum diese Politik wirklich perspektivlos ist





Es kann keinen Zweifel geben, daß das Abendland - die "westliche Kultur" also, sofern sie noch eine solche ist, auf jeden Fall war sie das einmal, ist das ihre Wurzel - inmitten der islamischen Vielfalt nur einen wirklichen, weil möglichen Gesprächspartner hat, und das ist die Schia, das sind die Schiiten. Denn innerhalb der Schiiten gibt es nachweislich starke Strömungen, die auch viel politischen und kulturellen Einfluß haben und sogar das reale Geschehen (speziell im Iran) seit 1979 (Sturz des Schah-Regimes) stark dominiert haben, in denen etwa Heidegger eine große, hierzulande aber völlig unbekannte Rolle gespielt hat und nach wie vor spielt. 

Die auf eine Wiederaufnahme der im 9. Jahrhundert radikal abgeschnittenen Wurzeln in der griechischen Philosophie - dem logos - hinauslaufen. Damit erst wäre jene Gesprächsmöglichkeit mit dem islamischen Raum hergestellt, von der so manche heute phantasieren, ohne deren Boden - logos, also Vernunft - zu sehen. Ohne den alles Reden Gequatsche oder bestenfalls pragmatisches, kurzfristiges "Irgendwie-Übereinkommen" bleiben muß. Wie wir es so handfest mit der Türkei seit vielen Jahren erleben.

Freilich haben diese Richtungen im Islam - und nicht weniger in Europa bzw. im Westen! - einen Haken, und der wird wohl auch den Ausschlag geben, daß die Realpolitik das genaue Gegenteil anzupeilen scheint: Sie sind gegen jene "westizistisch-kapitalizistisch" deformierte Un-Kultur gerichtet, die sich auch in Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges so verheerend und zerstörerisch ausgebreitet hat. 

Weshalb sich in diesen Ländern - die Rede ist vom Iran, vom Irak, in gewisser Weise auch von Syrien, das der Schia seit Jahrzehnten freundlich gegenüberstand, alles Länder bzw. Völker mit einer jahrtausendealten Kultur, auf jeden Fall aber auch vom Yemen, dessen Islam ebenfalls der Schia (Zähiriten) nahe ist und deshalb von Saudi Arabien (noch vor 50 Jahren reines Nomadenland) heute kriegerisch bekämpft wird; dazu kommt ein Teil der Palästinenser (Hisbollah), die sich gegen den Wahabitismus richten - ein starker, aber keineswegs irrationaler "Anti-Amerikanismus" ausgeprägt hat. Der in seinem Grundton nämlich mit der Kulturkritik des abendländischen Westens nahezu identisch ist (ohne, ja gerade nicht auf eine Gleichsetzung der beiden Religionen und Kulturen abzuzielen, sondern ein "kultiviertes Nebeneinander in gewußter kulturell-religiöser Gegnerschaft" hinausläuft)

Das alles vor einem weiteren Hintergrund, der Syrien zu mehr macht als zum bloßen und sinnlosen Kampf um strategische Vorteile und schon gar Öl. Denn seit vielen Jahren und zunehmend hat sich auch in Rußland eine starke geistige Strömung aufgebaut, die von Putin immer direkter vertreten und im Land längst breite Zustimmung findet - und die praktisch identisch mit den erwähnten geistigen Entwicklungen in der Schia-Islam-Welt ist. Mit praktisch derselben kritischen Haltung gegenüber dem Westizismus und US-Amerikanizismus. 

Ohne daß der Westen es bemerkt hat, der in einem stupiden Kalter-Krieg-Denken und geistiger Trägheit erstarrt ist, die ihn die wahren Auseinandersetzungen gar nicht mehr bemerken läßt (stattdessen wird diese Kulturkritik mit "Rechtsradikalismus"-Keulen totgeschlagen, wo immer man sie findet), hat sich hier ein geistig-kultureller Raum zu formieren begonnen, der von Rußland über Persien tief in den Nahen Osten reicht. Der Hintergrund dieses scheinbar nur außenpolitisch-militärischen Konflikts wird also tatsächlich immer prinzipieller und schicksalsentscheidend - sogar für die Welt. Mit geistigen Auseinandersetzungen, die in Europa noch nicht einmal ansatzweise ähnlich ernsthaft rezipiert werden. Der in den "neu-rechten" Bewegungen und Parteien zwar und noch recht ungereinigt aufflackert, aber in den Augen des VdZ nur wenig realpolitische Chancen hat. Wenn, dann läge es - an den USA. Und hier scheint sie bereits am Anfang zu unterliegen, wie sich jetzt zeigt. 

Als geistige kulturreformatorische Entwicklung die auf ein Europa trifft, das sich spätestens durch die geschickte Propaganda im Rahmen des "Kalten Krieges", der zu einer Identifikation der meisten Westeuropäer (und auch der Kirche) mit dieser Unform von Kultur, die in Wahrheit konkretes politisches Interesse war und ist, geführt hat, aus der sie nicht mehr herausfinden. Europa ist zumindest in seiner offiziellen Politik fast nicht mehr reformfähig und hat auch außenpolitisch alles verschlafen, sich damit als Gesprächspartner fast schon aus dem Rennen genommen.

Die übrigen - sunnitischen, schon gar wahabitischen (El-Quaida!) - Richtungen des Islam akzeptieren den Widerspruch. Für sie ist Gott deshalb reiner Wille, reine Willkür. Dieser Islam ist einer Begegnung auf der Ebene der Vernunft nicht zugängig. Ein Umgang mit ihm kann somit nur rein pragmatisch und damit kurzfristig geprägt sein. Er wird deshalb auch ummöglich von der Verbindung mit der Scharia (als politisch-rechtlicher Komponente) zu lösen sein, und das ist auch historisch eindeutig belegbar. Und er wird auch - und das ist der groteske Widerspruch sogar in den vorgeblichen Zielen der US-Außenpolitik: "Demokratisierung" - niemals einen Zugang zur Demokratie finden können, wie immer man das bewerten mag. Denn der Sunni-Islam ist direkt an ein despotisches Zentralregime gebunden. Vernunft kann die Umma nicht zusammenhalten.

Ja, hörte ich unlängst, ist nicht Jordanien ein Beispiel für eine Ausnahme? Nein, das ist ein Irrtum. Jordanien hat sich den Frieden genau um das gekauft, was Europa auch macht: Durch Selbstauflösung einerseites, und durch starke Polizeigewalt anderseits (nur spricht man darüber hierzulande nicht), hat sich Jordanien weitgehend offiziell quasi verwestlicht, sich damit als Israel-Gegner neutralisiert, ist aber damit zur Marionette des Westizismus geworden, von Israel hier, von Arabien dort gewissermaßen als Puffer eingerichtet. Das wird innerhalb des Landes noch zu schweren Spannungen führen, dessen ist sich der VdZ sicher. Jordanien ist kein Weg der Zukunft, sondern ein alter, perspektivloser Irrweg.

Damit ist die US-Außenpolitik im Nahen Osten in wirklich jeder Hinsicht perspektivlos, und widerspricht allen vorgegebenen Zielen eigener Politik. Eine Freundschaft mit den Schiiten lehnt man ab, weil es sogar an die eigene Kulturproblematik ginge, und die Allianz mit den völlig jeder abendländischen Kultur fremden und unvereinbaren, dialogunfähigen Sunniten (v. a. Arabien; aber auch der IS ist sunnitisch, und die Türkei liefert gerade den besten Beweis für die Richtigkeit der Thesen auf diesen Seiten) hat nur soweit und so lange Bestand, als sich immer wieder neu zu findende und prinzipien- weil vernunftlose pragmatische Lösungen finden lassen. Sie ist deshalb aus ihrem Wesen heraus auf einen unbefriedbaren Dauerkonflikt, ja Krieg angelegt, weil sie sich nicht komplett zurückziehen will. Und weil sie das ist, ist sie auf ... militärischen Sieg angelegt. 

Sieg von wem? Das möge sich nun der geneigte Leser selbst zusammenreimen, denn "Öl" spielt zwar eine, aber bei weitem nicht die entscheidende Rolle. (Asien ist schon viel zu stark, um von den USA noch übers Öl in Schach gehalten zu werden.) Kleiner Tip: Es hat mit der Haltung der Sunniten zu Juden zu tun. Ein Friede im Nahen Osten, der mehr ist als die zufällige Abwesenheit oder Unterdrückung von (Gegen-)Krieg, ist damit und so lange die amerikanische Außenpolitik den denselben Interessen gesteuert bleibt wie derzeit unmöglich. Aber das zu ändern würde eine Kulturreform (im wahrsten Sinn) in den USA und im Westen generell voraussetzen. Die mit "America first" zwar einen ersten Anknüpfungspunkt hätte, den aber auch Donald Trump offenbar nicht wirklich aufgreift. Wie es aussieht, kann sich auch er nicht aus den selbstzerstörerischen Widersprüchen befreien, die die USA seit vielen Jahrzehnten deformieren.





*070417*

Donnerstag, 22. September 2016

Peak Oil - ein nützlicher Mythos

Einen sehr interessanten Artikel eines australischen Ölfachmannes fand der VdZ in diesen Tagen. Darin beschreibt Jo Vialls Umstände, die sogar geopolitische Vorgänge beleuchtet. Es geht darin um drei Fragen: Die um den berüchtigten "peak oil" - jenen Punkt, an dem die Menschheit mehr Öl verbraucht, als es zu fördern vermag, es geht um die Fördermethode, und es geht schlicht und ergreifend darum, wie Erdöl überhaupt entsteht. In allen diesen drei Fragen hat Rußland einen Vorteil errungen, der dramatische Auswirkungen hat. 

Vialls schreibt, daß die Russen schon zu Anfang der 2000er Jahre kapiert haben, daß Erdöl NICHT aus fossilen Rückständen entsteht, wie weithin immer noch geglaubt wird. Und sie haben es bewiesen: Sie bohren seither nämlich viel tiefer (8-10.000 Meter und mehr), und hören vor allem nicht auf zu bohren, wenn sie auf für Öl undurchlässige Schiefer- und Granitschichten stoßen. Diese wurden bis dorthin als "Ende" der Förderstange gesehen. Aber das sind sie nicht. Im Gegenteil - DARUNTER geht es erst los. Denn Öl entsteht im Erdmantel, durch geologische Prozesse, nicht durch Preßvorgänge bei biologischem Material. Es ist deshalb unendlich vorhanden. So lange, als man nicht mehr verbraucht, als man fördert und als nachfließt bzw. nachgebildet wird (was allerdings in derartigen Mengen geschieht, daß es irrelevant ist.)

Der Grund, warum bisherige Ölbohrungen "versiegen" liegt nicht darin, daß das Öl sich erschöpft. Wenn das der Fall ist, wird oder wurde bisher einfach ein nächstes Loch gebohrt. Der Grund liegt darin, daß sich Ölbohrlöcher mit der Zeit durch Sedimente etc. verlegen. Das ist der einzige Grund, warum ein Bohrloch nach zehn Jahren aufhört, Öl zu liefern. Was, so nebenbei vermerkt, ein riesen Geschäft ist. 

Doch weiß man aus den bisherigen, konventionellen Förderquellen, daß sie sich auf wundersame Weise nachfüllen. Das ist auch kein Wunder, schreibt Vialls. Denn es stammt eben aus dem Erdmantel, und wird von dorther nach oben gedrückt. Bis es eben auf undurchlässige Schichten stößt. Die Rückseite jener Schichten, an denen man bisher von oben her stehengeblieben ist. Immerhin ist es ja schon bisher bekannt, daß Öl immer dort vorkommt, wo tektonische Platten aufeinanderstoßen. Und das hat mit deren geologischer Formation zu tun, denn an diesen Stoßstellen dringt Öl meist von selber nach oben. Mit der Tiefbohrtechnik wird man davon fast unabhängig.

Anders als die Amerikaner, haben nun die Russen eine Technik entwickelt, diese Bohrlöcher wieder zu säubern. Eine Technik, die aber die Amerikaner nicht haben! Mit der aber Rußland sogar alte, nach vormaliger Auffassung "versiegte" Bohrlöcher nach und nach wieder aktiviert haben. Zusammen mit einer Förderbeschränkung, die verhindern soll, daß mehr entnommen wird als nachfließt, und dazu noch mit der Tiefenbohrweise, hat Rußland das Tor zu einer defacto unbeschränkten Ölproduktion aufgestoßen. Und sie haben eine Technik, die sie weiterverkaufen können. Mit ihrer "maßvollen Tiefbohrtechnik" betreiben die Russen schon derzeit 300 Ölquellen, die unerschöpflich sind.

Und sie haben sogar schon anderen Ländern damit geholfen. Das erste mal dem völlig ruinierten Vietnam. Dort hatten amerikanische Ölfachleute den Vietnamesen erst jede Hoffnung genommen - unter dem Land gäbe es kein Öl, war die Expertise nach den amerikanischen Kriterien. Bis die Russen kamen. Und auf 10.000 Meter bohrten. Und sieh da: Vietnam kann heute einen guten Teil seines verbrauchten Öls selbst fördern! Dasselbe ist in Bangladesh passiert. Und schließlich hätte es auch im Irak passieren sollen. Aber da begann Amerika endgültig, dies als Bedrohung zu begreifen, noch dazu wo Saddam Hussein einen Umstieg der Ölverrechnung auf Euro plante - das wäre für die amerikanische Währung aber höchst bedrohlich gewesen. Über Zusammenhänge mit der Invasion des Irak wurde ja hinlänglich bereits diskutiert. 

Man erkennt aber in jedem Fall noch deutlicher, welche Rolle der Ölpreis spielt. Denn Rußland hat mit seiner Lösung technisch maßvoller Förderung, in der es nicht mehr fördert als nachfließt, gewissermaßen einen "sensibleren Mindestpreis" riskiert, den es durch Mengensteigerung (womit die Fixkosten - Bohrung, Anlagen etc. - anteilig sinken) nicht so einfach unterlaufen kann.

Denn das Öl ist für Amerika in zweifacher Hinsicht entscheidend: Einmal weil es in Dollar verrechnet wird. Weltweit. Damit ist Amerika zum weltgrößten Schuldner geworden, weil alle Volkswirtschaften Dollar kaufen müssen. (Weshalb der Öl-Deal der letzten Jahre zwischen China und Rußland für die USA von enormer Bedeutung ist - er wird in den Landesswährungen abgerechnet.) Die Menge der umlaufenden Dollars weltweit muß also stabil bleiben. Und dann aber muß Amerika die Ölversorgung der Welt überhaupt beherrschen. Das ist ihr eigentlicher Schlüssel zur Weltmacht, und das läßt sich als Ziel ihrer Strategie auf jeden Fall aus ihrem Handeln rückfolgern. Nur wenn die USA den gesamten Handel mit diesem Rohstoff beherrscht, der nach wie vor und auf überhaupt nicht absehbare Zeit 85 % des weltweiten Energienachschubs stellt, kann sie ihre Macht und damit ihre beherrschende Stellung auf der Welt, der sie ihre Existenz verdankt (Dollar!), bewahren.*

Amerika braucht also den "Mythos peak oil". Es braucht das Festhalten daran, daß Öl in begrenzten, beherrschbaren Förderstätten an die Erdoberfläche kommt. Denn es hat keine Alternative - es kann den russischen Weg schon aus technischen Gründen (noch immer) nicht gehen. Man denke aber auch alleine daran, welch gigantische Investitionen mit einem Schlag unrentabel, sinnlos würden! Dafür würde sich amerikanisches Öl im Vergleich drastisch verteuern, denn die russische Lösung hat noch einen weiteren enormen Vorteil: sie ist im Verhältnis zu einer Neubohrung spottbillig. Um 1-2 Millionen Dollar läßt sich ein "versiegtes" Bohrloch wieder klarbekommen! Daneben aber würde sich die gesamte Geostrategie der Amerikaner in Luft auflösen. Niemand ist an einer "knappen Ressource Erdöl" also mehr interessiert als die USA. Diese Tatsache ist auch heute in jedem Fall gültig.

Und sie ist der gefährlichste Hintergrund in der immer konsequenter vorangetriebenen Auseinandersetzung mit Rußland. Wenn Jo Vialls davon schreibt, daß DAS auch der eigentliche Hintergrund um den "Fall Chodorkowsky" war - dieser habe nämlich die Ölgesellschaft Yukon an die Amerikaner verkaufen wollen (was im übrigen ja der Fall war), und damit vor allem aber auch die Technik ausgeliefert - so wäre das zumindest gut erfunden, weil höchst plausibel und faktengestützt.

An den Fakten zum Öl selbst hat der VdZ ohnehin recht wenig Zweifel, auch wenn er sich fachlich nicht kompetent sieht. Aber immerhin ist dieser Gedanke, wie Öl entsteht, keineswegs eine neue Idee ist. Schon der Exil-Österreicher Thomas Gold hat in den 1950er-Jahren (empf. Lektüre: "The Hot Biosphere") darüber höchst überzeugend gearbeitet. Zeitgleich mit russischen Wissenschaftlern, die zum selben Ergebnis gekommen sind. Daß es ein Land wie Rußland brauchte, das nach 1990 völlig am Boden lag, also nichts zu verlieren hatte, um darauf auch zu setzen, ist alles andere als verwunderlich.




*Würde die Welt aus dem Dollar als Verrechnungswährung für Öl aussteigen, würden mit einem Schlag unfaßbare Summen (die die Welt heute als Devisenreserven führt) in die USA zufließen und die amerikanische Wirtschaft über eine Hyperinflation in Grund und Boden stampfen. Die Amerikaner sind definitiv und seit vielen Jahrzehnten der bei weitem größte Schuldner der Welt! Was aber haben wir lange schon erkannt? Es ist nicht ein erlittenes Unrecht. Es ist die Schuld die um Vergebung (Nachlaß) schreit, die Verhalten am meisten korrumpiert und aggressiv macht, und in der Entwertung der Mitwelt, ihrer Abwertung zum Nicht-Menschen, diesen Nachlaß herstellen möchte. Gibt es etwas, wie sich amerikanische Wirtschaft, ja alles aus den USA - von der political correctness bis hin zum Klimawahn, ja bis in die Eigenart amerikanischer Produkte (die Rolle der Simulation darin; das Internet, Facebook ... alles: Entstaltungen, Hebel zur Korrumpierung des Kunden) - besser charakterisieren ließe?





*130816*

Mittwoch, 7. September 2016

Die Geschichte eines unglaublichen Unrechts

Im Zentrum dieses Films, auf den der VdZ aufmerksam gemacht wurde, steht ein Interview mit dem ehemaligen Außenminister des Irak (unter Sadam Hussein), Tareq Aziz. Wenn stimmt, was der Mann da durchaus glaubwürdig und immerhin von vielen Seiten mit Evidenzen bestätigt darlegt, hat sich mit den Golfkriegen eine unglaubliche Sauerei abgespielt.

Dabei muß man die Perspektive noch viel weiter denken. Denn 1990 brach der Ostblock zusammen. Das war überhaupt für die USA "die Stunde der Chancen". Mit ungeheurer Energie versuchten sie nicht nur die militärisch-strategische Lage zu ihren Gunsten zu verändern, sondern vor allem den Rohstoffmarkt (Öl) endgültig unter ihre Kontrolle zu bekommen. Wer den Aufstieg Asiens verfolgt weiß, warum das von derartiger Bedeutung ist. Denn Asien hängt praktisch völlig von Ölimporten ab. Öl, das aus der arabischen Welt kommt bzw. kam. Wer dieses Öl kontrolliert, kontrolliert die asiatischen Staaten, der kontrolliert die Welt.

Gleichzeitig erfolgte die Expansion der NATO (und die IST die USA) in Osteuropa, und drängte das damals in einem völligen Niedergang befindliche Rußland durch vollendete Tatsachen an die Wand. Das ging so lange gut, bis Putin an die Macht kam, der den Verfall Rußlands tatsächlich und endlich stoppte, und das Land langsam wieder stärkte. Der Rest (mit dem Spitzenfall Ukraine) ist bekannt.

Irak hat die größten oder zweitgrößten (nach oder vor Arabien?) Ölreserven der Welt. In einem ersten Schritt wurde die Ölproduktion durch diesen 1917ff. durch England und Frankreich (Sykes-Pikot-Abkommen) willkürlich geschaffenen Staat (als eine Abtrennung von ehedem irakischem Territorium) ausgeweitet. Daraufhin fiel der Ölpreis auf einen Stand, der für den Irak, der vom Öl maßgeblich abhing, lebensbedrohlich wurde. Zwischen 1988 und 1990 fiel die irakische Währung in seiner Parität zum Dollar von 4 : 1 auf 2000 : 1. Das heißt, daß der (wie jeder arabische Staat) extrem importabhängige Irak an die Grenze seiner Leistungsfähigkeit kam. Denn der Dollar, mit dem diese Importe bezahlt wurden, wurde für ihn immer teurer, während das Öl als sein Exportgut (nach Inlandsparitäten) faktisch hergeschenkt war.

Und das, nachdem das Land einen zehnjährigen Krieg gegen den Iran (als dem erklärten Israelfeind und Rußlandfreund, jenes Rußland, das nun zu schwach war, um den Iran weiter zu stützen, weil seine Wirtschaft bei der "Wende" durch die Gorbatschow'schen Fehler völlig zusammenbrach) geführt hatte - als strategisches Instrument der USA! - der beiden Seiten geschätzt je 500.000 Tote gebracht und vor allem gigantische Summen Geldes verschlungen hatte, ohne in irgendeiner nennenswerten Veränderung zu enden. Außer - daß auch der Iran außerordentlich geschwächt war.

Also richtet der Irak 1990 an Kuweit die dringende Bitte, die Ölproduktion wieder zu drosseln, weil seine Förderpolitik die Existenz des Irak bedrohte. Was Kuweit machte, mußte der Irak - so Taziz - als aggressiven Akt auffassen. Es erfolgte keine Reaktion. Während aber die amerikanische Botschafterin zu jenem Zeitpunkt dem Irak praktisch völlige Autonomie und amerikanisches Desinteresse vorspielte, hatten die Amerikaner bereits voll ausgearbeitete Reaktionsszenarien vorliegen. Auf das, was dann auch kam: Der Irak griff militärisch Kuweit an. 

Nach diesem ungleichen Krieg, der den Irak hunderttausende Tote kostete und das Land durch hunderttausende US-Geschoße mit insgesamt 400 Tonnen (!) Plutonium daraus verseucht war, verhängte Amerika sogar noch ein totales Handelsembargo. Das hieß, daß der Irak auch kein Öl mehr exportieren konnte. Das drückte das Land endgültig an die Wand. Denn nun konnte es nicht einmal mehr Lebensmittel und Medikamente einführen. Es kam zu geschätzt 1,6 Millionen (!) Toten in direkter Folge. 

Und die UNO spielte mit, ließ sich von den USA instrumentalisieren. Zahlreiche hohe Beamten traten daraufhin zurück, denn die UN-Kommission war offensichtlich von CIA-Leuten durchsetzt. In den  Jahren 1991-98 wurde unter offizieller UN-Aufsicht, aber inoffizieller US-Regie, der Irak defacto vollständig entwaffnet. Der Preis für das berühmte "Oil for food-"Programme, mit dem wenigstens so viel Öl exportiert werden "durfte", wie es zur Einfuhr der notwendigsten Güter brauchte. Und obwohl über 9000 Orte inspiziert, Raketen und umfangreiche Mengen an Munition vernichtet, zahllose Produktionsstätten "im Geruch" zerstört wurden. Waffensysteme, die die USA selbst (!) dem Irak geliefert hatten, der sie nämlich gegen den Iran anwenden sollte (in diesem Krieg wurden tatsächlich Giftwaffen mit verheerenden Folgen eingesetzt), endete die UN-Untersuchung mit der Feststellung ... daß der Irak Massenvernichtungswaffen produzieren könne oder gar "habe". Kofi Annan wusch seine Hände in Unschuld. Die UNO hatte erbärmlich versagt.

Wir wissen heute, daß alles glatte Lüge war. Der Irak war spätestens 1998 vollständig wehrlos, und die Untersuchungen hatten ohne jeden Rest von Zweifel ergeben, daß es KEINE Massenvernichtungswaffen, weder chemisch noch atomar, im Land gab. Aber es war willkürlich geschaffener Anlaß zum nächsten Golfkrieg, der dem Irak als Volk und Staat den Todesstoß gab. 

2003 überfielen die USA mit britischer, französischer, ja breiter europäischer Unterstützung den bereits wehrlosen Irak ein zweites mal. Seither schätzt man mindestens eine Million weiterer Tote - samt Millionen Geflüchteter - durch den durch das hereinbrechende Chaos ausgelösten Bürgerkrieg, in dem einzelne Gruppen und ausländische Kräfte, die ihren Einfluß ausweiten wollen, versuchen, die Macht zu erlangen, um das Land wieder zu ordnen. Gruppen, die zuvor über Jahrhunderte in friedlicher Eintracht mit- oder zumindest nebeneinander gelebt hatten. 

Die gesamte arabische Region wurde seither destabilisiert. Geschehen aber im Namen des "Gottes der Christen", welchen Bezug die Amerikaner auf abscheulichste Weise mißbraucht haben, sehen die Araber den Irak-Krieg als weiteren christlichen Kreuzzug. 

Angesichts der Dekadenz der westlichen Welt, angesichts der im arabischen Raum wesentlich präsenteren Verbrechen, die im Namen des Christentums - George Bush! - begangen wurden, hat die arabische Welt jeden Respekt vor dem Westen verloren. Ja, begreift ihn als Feind.









*280716*

Dienstag, 26. Juli 2016

Manchmal sind Details doch wichtiger

Es ist ja weiter nicht schlimm, wenn man all diese Details wieder vergißt, sobald man sie gehört hat. Was kümmert es uns wirklich? Aber im täglichen Bombardement mit unsinnigsten Behauptungen, die sich PR-Stuben aller Couleurs so ausdenken, hilft es manchmal, an ein paar Eckdaten erinnert zzu werden. Wie hier, wo in geraffter Form von "Die Anstalt" die US-Politik im Nahen Osten und Nordafrika der letzten Jahre in mancher Fragwürdigkeit dargestellt wird. Jaja, im Groben wissen wir das alles. Aber manchmal, ganz manchmal, sind Details doch wichtiger als das Ganze.









*060616*

Freitag, 18. Dezember 2015

Christenverfolgung

Am 6. September 2014 eroberte die ISIS Mosul, die zweitgrößte Stadt des Irak mit über 3 Millionen Einwohnern. Eine halbe Million flüchtete, unter Zurücklassung von allem was sie besaßen, darunter die meisten Christen bzw. diejenigen, die nicht zum Islam konvertieren wollten. Neun von ihnen sprechen in diesem bewegenden Video darüber und erzählen damit mehr von IS, als zahllose Dokumentationen es vermögen.







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Samstag, 14. November 2015

Der fehlende Puzzlestein

Vermutlich muß man gehörig umdenken, auch der VdZ, der da einiges zu wenig mitbedacht hatte, wenn es um die Einschätzung der Lage im Nahen Osten bzw. arabisch-muslimischen Raum geht. Jean Raspail, algerienerfahrener Franzose, weist in "Das Heerlager der Heiligen" darauf hin, und der Israeli Shlomo Avineri führt es in einem Presse-Gespräch recht einleuchtend aus: Wir haben es hier zu einem guten Teil mit Gebilden zu tun, die gar nie Staaten im eigentlichen Sinne waren, sondern die diese Bedingung nur formal erfüllten. Deshalb blieb auch deren Regierung nie etwas anderes übrig, als mit eiserner Hand zusammenzuhalten, was nie zusammenzuhalten war. 

Avineri führt im besonderen Libyen, Syrien und den Irak an. Hier haben die Wetmächte (Sykes-Pikot-Abkommen von 1917) künstliche Staaten geschaffen, ohne Rücksicht auf völkische Elemente zu nehmen, die gar nie zusammenzuspannen waren. Diesen Gebilden fehlte nun aber das, was einen Staat überhaupt erst konstituiert - der einheitliche Wille eines Volkes, sich im Staat eine höhere Potenz zu verleihen. Einzig Jordanien und Arabien hätten, so der israelische Nahostexperte, jene innere Legitimation, die vielen übrigen Staaten fehlen - es sind Monarchien, die auf religiöser Seite eine wichtige Funktion für den gesamten islamischen Religionsraum erfüllen, weil sie die heiligsten Stätten des Islam beinhalten und schützen, oder wie im Fall Jordaniens überhaupt religiös verankert sind: der jordanische König gilt als Abkömmling des Propheten.

Während Ägypten sowohl völkisch wie durch die lange Tradition die Voraussetzungen für einen Staat immer hatte und nie verlor. Wenn ein Staat aber im Grunde innerlich unumstitten ist, verträgt er auch einen Pluralismus der Religionen und politischen Strömungen, wie sie heute in Ägypten herrschen. Weshalb der Israeli meint, daß gute Voraussetzungen herrschten, daß das momentane Militärregime mittelfristig wieder milder würde.

Aber was wir derzeit erleben sei ein Zusammenbruch von säkulären Gebilden, die gar nie lebensfähig, die nur Wunschdenken europäischer Reißbrettpolitiker waren, die vorwiegend europäische Interessen im Blickfeld hatten. Defacto sei ja in Syrien bereits ein kurdischer Staat entstanden, und weitere würden entlang der Bruchlinien der Religionen und Völker folgen. Eine raumübergreifende Lösung scheint außer jeder Reichweite, und für den vorderasiatischen Teil könnte wahrscheinlich bestenfalls eine religiös-verquickte Lösung - ein wiedererstehendes Kalifat - wieder Ordnung schaffen. Aus dieser Sicht hat sich die Türkei durch die Jungtürken-Revolution von 1905 den Weg zu einer Ordnungsmacht definitiv selbst verbaut, denn als säkulärer Staat fehlt ihr die Legitimation, die alle Araber anerkennen könnten. Es könnte also im Halbscherz, den der VdZ an dieser Stelle bereits einmal durchgespielt hätte, tatsächlich der einzige mögliche Ausgangspunkt ... Damaskus liegen.

Man müßte Raspails Anmerkung natürlich weiter ausdehnen, denn augenblicklich würden uns Europäern auch so manche Probleme Afrikas begreifbarer. Nur, weil wir es nach europäischem Begriffsgebrauch gewöhnt sind, deklarierte Staaten - Namen, die oft ja nur europäischem Zynismus oder noch mehr: der Naivität entsprungen sind - als solche zu sehen, heißt das noch lange nicht, daß es je welche waren. Eigentlich geht Europa damit der unseligen Vertragstheorie der Aufklärung auf den Leim. Denn die wird auch damit widerlegt. Wir übersehen damit aber, daß viele sogenannte Staaten der Welt um eine solche Staatswerdung überhaupt erst ringen. So manche Gebilde also voreilig "wie einen der unseren Staaten" zu behandeln, meist noch durch europäisch-amerikanische Interessen motiviert, verhindert damit sogar den Frieden in diesen Gebieten. Nicht nur die USA, sondern auch die europäischen Staaten haben deshalb schon so manche Katastrophe angerichtet.

So müßte man also wohl die Türkei sehen, die seit Atatürk eine ähnliche Säkulargeschichte hat, die ihre erste Entladung im Armenozid hatte und mit seinen Kurden bis heute nicht zurecht kommt. Und in jedem Fall tut Avineri es für die Ukraine. Zu der er sinngemäß dasselbe sagt: Hier hat man nach 1989 versucht, Völker und Bevölkerungen künstlich zusammenzuspannen, denen jede Voraussetzung für einen Staat fehlte, wie es die heutige Ukraine sein sollte. Was zuvor noch die Sowjetunion zusammengehalten hatte, zerfiel unter dieser Anforderung. Damit entstand ein Machtvakuum, so wie das in vielen arabischen Staatsgebilden der Fall ist. Doch gibt es kein solches Vakuum, es wird sofort durch andere Mächte gefüllt.

Europa sei dabei recht hilflos. Denn die political correctness, sagt der Professor aus Tel Aviv, verhindert ein rationales Durchleuchten der Probleme. Und allemal dürfte er recht haben wenn er sagt, daß es naiv ist  zu meinen, daß Prozesse, die in Europa viele Jahrhunderte gebraucht haben, dort in Jahrzehnten ablaufen könnten. Nur, so möchte man hinzufügen, damit ein verlogener Friede - als Vermeidung jeden Krieges mißdeutet - herrscht, der das dekadente westliche Gemüt weiter wegdämmern läßt.




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Freitag, 5. Juni 2015

Der Irrtum schafft sich seine Wirklichkeiten selber

Sie fühlen sich belogen, sie fühlen sich betrogen - die Schätzungen über psychische Schädigungen amerikanischer Soldaten, die an der Niederwerfung des Irak beteiligt waren, schwanken je nach Definition zwischen 10 % und 50 %. Wir kamen, um den Terrorismus zu bekämpfen. Die einzigen Terroristen, die im Irak waren, waren aber wir. So eine der Aussagen eines der beteiligten Soldaten, die sich in den USA an die Öffentlichkeit gewagt haben und von ihren eigenen Eindrücken berichten. Wir sollten die amerikanische Freiheit verteidigen. Das einzige, was wir verteidigt haben, waren die Profitinteressen von Unternehmen an diesem Krieg. Dafür haben wir ein Land besetzt.

Wenn es nur ein Krieg gewesen wäre. Wir erleben in den USA vielmehr das Kulminationsstadium einer christlichen Häresie, des Puritanismus. Die Amerikaner erfassen in einer Stimmung, daß es so nicht weitergehen kann, daß sie an die Wand fahren. Aber es bleibt ein Gefühl, die Ziele, die Gegnerauswahl bleibt zufällig und widersprüchlich. Denn zur begrifflichen Distinktheit, um die wirklichen Wirklichkeiten zu erfassen, fehlt ihnen die sittliche Kultur. Denn Erkenntnis ist ein sittlicher Akt. Um aber Sittlichkeit zu erkennen, fehlte den Puritanern die Freiheit, der Geist. Sie wurde so zur statischen Moral.









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Dienstag, 13. Januar 2015

Mutig - köstlich - Kabarett

Volker Pispers in einem fulminanten Aufriß der amerikanischen Außenpolitik und deren Kampf gegen den Terrorismus. Und so weiter. Glücklich das Land, das solche Kabarettisten hat. Selbst, wenn man gar nicht der Meinung des Kabarettisten. zu ständigem, auch kritischem Reagieren aufgefordert ist. Die Aussage liegt aber in der Art des Zugangs: über Sinndeutung, reine Wörtlichkeiten für sich gestellt. So ist dieses Programm auch nach 10 Jahren noch aktuell. Es bleibt einem manchmal die Luft weg.

Geben wir doch acht, daß wir nicht in einen oberflächlichen Antiamerikanismus fallen! - Mein Antiamerikanismus ist aber nicht oberflächlich!







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Mittwoch, 3. September 2014

Wo sind sie nun, die Jubilanten?

Wo sind sie jetzt, die Jubilanten über den "Arabischen Frühling" am Tahrir-Platz? Hört man noch etwas von ihnen? Hat auch nur einer jener, die mit ihren Handys sogar nach Kairo geflogen sind, um sich dort in wahrer revolutionärer Freiheitstaumel zu tauchen? Wo sind die Zeitungen, die sich entschuldigen, die sich an die Brust schlagen, weil sie diesen Irrsinn selbst mitgetragen und befeuert haben?

Haben sie ihre Zunge im Internet verschluckt, die bekennen sollte: Wir haben uns geirrt, wir haben die Lage völlig naiv und falsch eingeschätzt, die Kräfte gar nicht gekannt,  und schon gar nicht kennen wollen, die da am Werk waren?

Das also berichtet nun die Presse, als sie von "Human Rights Watch" schreibt, die das vor einem Jahr stattgefundene Massaker in Rabaa Adawiyya untersucht hat. Gut 900, wahrscheinlich über 1000 Demonstranten der Muslimbruderschaft sind damals getötet, weitere 4000 verletzt worden. Wo die Armee des nun so großartig demokratischen Ägypten eine regelrechte Massenexekution abgeführt hat. Die Demonstranten waren wegen dem Sturz von Mumanned Mursi auf die Straße gegangen.

Und so geht es nun in Ägypten zu:

Eigentlich hatte „Human Rights Watch" seinen Bericht in Kairo vorstellen wollen, doch sowohl der Chef der Organisation, Kenneth Roth, als auch die Direktorin für den Mittleren Osten und Nordafrika, Sarah Leah Whitson, wurden „aus Sicherheitsgründen" an der Einreise gehindert und des Landes verwiesen. Seit einem Jahr läuft in Ägypten eine beispiellos-brutale Unterdrückungskampagne, zunächst gegen die Muslimbrüder inzwischen auch gegen die demokratische Jugendbewegung, die 2011 den Arabischen Frühling auslöste. Mehr als 40.000 Menschen sind seit dem Sturz Mursis verhaftet worden. In den Gefängnissen wird systematisch gefoltert. Die Gerichte verhängen massenhaft lange Gefängnisstrafen oder Todesurteile.

Wo sind sie jetzt? Wo sind die Kräfte für Frieden und Demokratie, beides natürlich untrennbar, so sagen sie zumindest, die den ganzen arabischen Raum in Chaos, Verzweiflung und Mord gestützt haben, vom Irak bis zu Syrien, Libyen und eben Ägypten? Sind sie zu beschäftigt mit neuen Friedensmissionen? Oder machen sie gerade Urlaub in der Toskana?

Es war nicht so vorhersehbar? Nein. Es WAR vorhersehbar. Hier auf diesem Blog und natürlich anderswo wurde es vorhergesagt. Ach, sie haben es doch alle so gut gemeint? Sie wurden um ihre Revolution betrogen? - Es war noch nie anders. Und das hat mit dem Wesen von Revolutionen zu tun. Mit solchen dieser lustigen Internet-Virtual-Art sowieso. Man drängt dann nämlich einen Organismus auf jeden Fall auf Einseitigkeit. Auch Mubarak war kein Feind der Fröhlichkeit, gewiß, aber er hat das Land zusammengehalten, sodaß die überwiegende Mehrheit ihr Leben leben konnte. Aber nun? Nicht einmal die, die geglaubt haben, man müsse nur am Tahrir-Platz ein wenig herumtanzen und die New York Times per Email benachrichtigen, und schon öffne sich eine neue Lebenswelt aus Amazon-Bestellungen und wichtigen Blogs, die das Land in neue Höhen des Disputs treiben, nicht einmal die haben nun etwas zu lachen. Nun hat man den offenen Machtkampf, und man hat einen Sieger, der nichts zuläßt, was ihn in Frage stellen könnte. Auch nicht die Amazon-Besteller. Denn die sind alles andere als harmlos, sie sind nützliche Idioten.

Und genau so vorhersehbar war und ist der Haß, der nun allen jenen entgegenschlägt, die mit den Fahnen, mit denen die edlen Kreuzritter in die Schlacht gegen das Böse zogen, identitifziert werden - Demokratie, Christentum, westliche Lebensweise, USA. Die mit dem heillos dummen, nicht einmal naiven "habt Euch doch alle lieb" in die Welt gelaufen sind, gerufen von lächerlichen Wohlstands- und Sozialstaatsfratzen, denen nie etwas von Wert war und ist, außer ihr iPod, gehätschelt von Politikern, die sich doch längst ... ach, lassen wir das. Die Scheiße müssen ohnehin die anderen ausbaden, denen an diesem Leben, diesem Land, dieser Kultur noch etwas liegt. Und die nicht nach so unüberbietbarem Worbild die Welt mit Demokratie beglücken, und sie deshalb irakisieren.

Denn immer offener bricht sich der Haß der Muslime in Deutschland und Österreich, in Europa bahn. Auch hier - Schuld der Medien, so vieler ach so Mitfühlender, die so viele Tatsachen, etwa in deutschen Städten, einfach verschwiegen haben. Bis es nicht mehr länger ging. Weil sie nun immer öfter durch die Straßen Westeuropas - jetzt in Utrecht - rennen und mit geballter Faust schreien: "Wir bringen Euch Christen alle um!"

Natürlich fühlen sich die, die diese Entwicklungen gefördert haben - und es sind nicht die Muslime selbst gemeint - nicht angesprochen oder bedroht. Christen? Es gibt genauso wenige Christen unter den Christen, wie es Muslime unter den Muslimen gibt. Damit sind also nicht sie gemeint, meinen sie. Aber keine Angst. Es reicht, wie in Ägypten, mit dieser westlichen aufgelösten Nihilismuswelt identifiziert zu werden. Das wissen sie. Da genügt es nicht sich öffentlich eh als Kirchengegner und ohne diesen ganzen Hokuspokus - Kreuzzüge, Hexen, eh schon wissen - zu deklarieren, wie das so üblich ist. Das Luschige dieser Art imponiert gestandenen Islamisten herzlich wenig. Und das macht den Herzerln dann doch Angst. Weshalb sie vielleicht so ein klein wenig überlegen, ob es nicht ganz gut wäre, die Muslime hier ähnlich zu behandeln, wie die Ägypter es tun, seit dem demokratischen Frühling. Auch wenn das nicht gerade christlich ist.




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