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Samstag, 24. Dezember 2016

Ist das Friede?

"Liebt der den Frieden, der passiv alles hinnimmt, der sich rein passiv verhält gegenüber jeder Unterminierung, des Sich-lähmens durch Furcht, durch Verlust der Freiheit, Vernichtung der Familie, Vernichtung religiösen Lebens? Liebt ein Volk den Frieden, das sich durch ein anderes unterwerfen läßt? Ist Frieden nichts anders als der Gegensatz von Krieg? 

Wäre dem so, dann würde Sklaverei und Kirchhofsruhe auch Frieden sein. Aber dagegen bäumt sich das Beste in unserem Inneren auf. Unser inneres Gefühl sagt uns: Friede ohne Freiheit ist kein Friede! Einen solchen Kirchhofsfrieden, einen solchen Frieden der Sklaverei können die himmlischen Heerscharen nicht gemeint haben, als sie in der Heiligen Nacht den Hirten auf dem Felde die Geburt des Heilands verkündigten."

Konrad Adenauer in seiner Weihnachtsansprache 1952




*051016*

Sonntag, 27. November 2016

Wenn ein Papst nicht politisch denkt

Dem gerade zum Papst Johannes XXIII. gewählten Kardinal Roncalli stand Konrad Adenauer sehr distanziert gegenüber. Seiner "menschlichen Art", die ihn in der Weltpresse so beliebt machten, konnte der deutsche Kanzler nichts abgewinnen. Es sei für einen Papst unpassend, wird er zitiert, der habe vielmehr politisch* zu denken, das entspräche seiner Stellung und seiner Aufgabe. Als Adenauer nach dem Besuch beim Papst 1960 auch noch hört, daß Roncalli Johannes XXIII. das Zweite Vatikanische Konzil "aus dem Gefühl der Eingebung heraus" einberufen habe, wird er noch zurückhaltender. So berufe man kein Konzil ein, sagte er, das enorme politische Auswirkungen habe. Noch kritischer wurde er, als er die Veränderungen in der Kirche wahrnahm, die schon zu Zeiten des Konzils einsetzten. Auf den "Verbands- und Vereinskatholizismus" eine Modernisierungswelle zu setzen, würde unabsehbare Folgen der Auflösung haben.**

Die gesellschaftspolitischen Folgen der Art des Roncalli-Pontifikats hat Adenauer (und viele mit ihm) ebenfalls richtig vorhergesehen. Schon 1962 gewinnt in Italien die Kommunistische Partei eine Million zusätzlicher Stimmen, und auch in Deutschland, Frankreich und einigen anderen Ländern verlieren die christlich-demokratischen/-sozialen Parteien deutlich Stimmen an die Sozialisten, die durch allfällige Sympathien für den Papst aus genuin antikatholischem Milieu nicht wettgemacht werden. Adenauer gibt dem Papst Mitschuld für die gesellschaftlichen Entwicklungen, nicht nur in Deutschland, der auf eine Annäherung an die Sozialisten und Kommunisten setzte, ohne die höchst problematischen und mit dem Katholizismus unvereinbaren, dabei prinzipiellen Punkte ihrer Parteiprogramme anzusprechen. Ludwig Erhard wird ihm später zustimmen. Natürlich müsse man dem Einzelmenschen Sympathie entgegenbringen, aber das könnte doch niemals für die Doktrin gelten!***

Es gehe da um eine schwere Beschädigung des katholischen Milieus, meinte er. Die politischen Folgen seien desaströs. So würde den Sozialisten Tür und Tor geöffnet, um im katholischen Milieu unter Vorspiegelung falscher Tatsachen Stimmen zu fischen, vor allem aber die geistige Identität der Menschen aufgelöst, von denen man niemals verlangen könne, daß sie große philosophische Debatten führen und geistige Unterschiede erkennen. Deshalb brauchen sie Identifikationspunkte und -figuren. Man kann die Rolle der Kirche und den Glauben selbst nicht ohne kulturelle Bedingungen sehen.

"Wie ich gesagt habe -  er denkt nicht politisch, und das geht einfach nicht. Man kann die Kirche mit ihrer enormen gesellschaftlichen Bedeutung nicht aus dem Gefühl leiten."




*"Politisch Denken" heißt nicht, ständig irgendwelche "Aussagen zur Politik" zu machen (denn die ist Aufgabe der Laien und Politiker, NICHT des Klerus), sondern das eigene Tun und Sagen und Dasein im Rahmen eines Netzes gesellschaftspolitischer Wirkungen, Konstellationen und Gegebenheiten zu sehen. Deshalb ist etwa Papst Franziskus ebenfalls KEIN politischer Denker, handelt aber ständig DIREKT politisch, und tappt dementsprechend von einem Desaster ins nächste.

**Er wird später bestätigt werden; schon 1973 äußert sich Kardinal Frings erschrocken über das, was er, der selbst so "konzilsbegeistert" gewesen war, nun beobachtete.

***In dieser Hinsicht muß man klare Verbindungen zwischen der 68er-Revolution und dem Zweiten Vatikanum ziehen. Nicht nur in den USA stammten die Umbrüche von Jungen vorwiegend aus dem ehedem katholischen Milieu. Die ausdrückliche Aufweichung des "Katholischen", die man dem Zweiten Vatikanum ohne jeden Zweifel zuschreiben muß (was sich schon in den Formulierungen vieler Konzilstexte ausdrückt), und die auch der VdZ ganz genau so erlebt hat, hatte eine wahre Explosion der Identität der Menschen zur Folge. Die nun neue Haltepunkte suchten und durch die Selbstverweigerung der Kirche der Verwirrung regelrecht in die Arme getrieben wurden. Francis Wheen spricht in seinem bemerkenswerten Buch über die 1970er sogar von den "Strange days indeed" - einem Ausbruch von Verrücktheiten, der bis in die hohe Politik reichte.




*051016*

Sonntag, 20. Dezember 2015

Jeder muß auch einsame Entscheidungen treffen können

"Wenn man in die Tiefe der Dinge sieht, ist es immer einfach, wenn auch nicht immer angenehm. Kompliziert bleibt nur, was oberflächlich bleibt." Konrad Adenauer im Gespräch 1965. "Erfolgreiche Verhandlungen sind nur möglich, wenn man einander vertraut. Vertrauen aber kann nur entstehen, wenn die Verhandlungspartner sich als ehrlich und wahrhaftig erleben. Ein Politiker kann zwar nicht immer alles sagen. Aber in dem was er sagt, muß er ehrlich sein."

"Das große Problem Deutschlands in der politischen Reife der Gesellschaft [1965; Anm.] ist, daß aus der Generation der 35- bis 55jährigen Männer so viele fehlen, weil sie im Kriege gefallen oder frühzeitig gestorben sind. Damit fehlt es an Stetigkeit. Politik, die Vertrauen verdient, braucht aber Stetigkeit."








*201215*