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Samstag, 14. September 2024

Vom Paradoxen der Freiheit

Psalm 84 sagt es. Wo ist mein Nest? Wo ist der Ort, auf den der Mensch sein Herz legen kann, um FREI zu sein? 
Es ist der Altar, der Ort der Hingabe, des Selbstopfers.
Denn Gott der Herr ist Sonne und Schild. Er schenkt Gnade und Herrlichkeit. Der Herr versagt denen, die rechtschaffen sind, keine Gabe. Herr der Heerscharen, wohl dem, der dir vertraut (sic!).
Gott, der uns besser kennt als wir, der uns näher ist als wir es uns jemals sein können (es sei denn in der Zukunft, in der Neuschöpfung nach dem Jüngsten Gericht, der definitiven Glattstellung von allem) ist auch der finale Punkt, an dem wir unsere Freiheit finden. 

Weil wir, geschaffen nach seinem Ebenbild, erst in dieser Ähnlichkeit mit Gott, die einem Einssein gleichkommt (ohne uns natürlich ontologisch zu Göttern zu machen) bzw. darin im letzten Punkt - unserem Lebensziel - mündet, auch unser wahres Selbstsein finden, ist nur darin auch die Freiheit zu finden. 

Eine Freiheit, die erst dann vollkommen ist, wenn sie der Freiheit (eines) Gottes gleichkommt, ja von ihm stammt. Eine Freiheit, die damit nicht an das Irdische in seiner Unterlegenheit gegenüber dem Geistigen und an seine Gesetzesgebundenheit gekettet ist. Sodaß der der glaubt, seine Freiheit läge darin, sich genau an dieses Irdische zu binden, diesem zu folgen, das Sklaventum wählt. 
Wer seine Freiheit IN SICH sucht, der findet nicht die Freiheit. Er bleibt in der Gebundenheit des Tieres.

Donnerstag, 16. Februar 2023

Feilenspäne

Die Kulturen der Welt sind wie ein Lack, der sofort abplatzt, wenn man mit dem Fingernagel daran kratzt. Zum Vorschein kommen dann immer dieselben Menschen, mit denselben Freuden und Leiden, denselben Stärken und Schwächen, denselben Bösheiten und Qualitäten. Wenn nur das das Geheimnis der Welterklösung wäre, dann hätte Gott nicht Mensch werden müssen. Dann hätten Propheten genügt. 

Aber das Geheimnis der Erlösung ist etwas, das uns im Westen durch die Todessaat der Aufklärung völlig unbegreiflich geworden ist. 

Und wir haben durch die Aufklärung begonnen, das Unbegreifliche als besondere Aufforderung zu verstehen, es begreiflich zu machen. Und dafür bleiben usn aber nur sehr menschliche Kategorien, die dem Göttlichen gar nie angemessen sein können. Also haben wir uns den Weg zurück versperrt. Im nichtwetlichen Teil der Welt aber, im Orient, in Afrika, in Asien, ist dieses Verständnis noch vorhanden. Wo ein Gefüge, eine Gestalt einfach deshalb akzeptiert wird, WEIL SIE SO IST.

Sonntag, 18. September 2022

May God Give A King (2)

   Umfragewerte zur österr. Politik
Dem nicht von Gott Legitimierten vertraut man nicht, und jede Täuschung endet deshalb eines Tages. Beim Beld, bei den Eliten. Vom Ende der falschen Eliten, von der Hoffnung auf einen König - Wie rasch diese Tatsachen aber durch die jüngsten Ereignisse an die Oberfläche kommen, wie wenig sie noch länger zu überspielen sind - dazu sind die Zerstörungen, die uns auferlegt wurden, bereits zu sehr spürbar und deren Fortgang zu real - das zeigen die aktuellen Umfragen von Meinungsinstituten

Seit man diese Werte erhebt, war noch nie, so deren Aussagen, das Vertrauen der Bevölkerung in die Politik, die sie "regiert" oder die in diesem Polittheater schon lange mitspielt, dermaßen niedrig wie heute. 

So wenige Menschen vertrauen den politischen Strukturen noch wirklich, daß man fast davon ausgehen muß, daß diese Minderheit auch jene ist, die für diese Kluft verantwortlich ist oder sie als Funktionär sogar schafft.

Samstag, 30. Juli 2022

Aut Deus - Aut Nihil (2)

Aber der zweite Reinigungsvorgang ist bedeutender. Und: Wie man erkennt, wo man steht - Aber dieser ersten Reinigung, der aktiven Renigung, in der wir es sind, die alles tun müssen, schließt sich mit der Zeit eine zweite an. Die sich in ihrer Hobelwirkugn bereits mehr auf die nächsten Ebenen bezieht. 

Und das ist die passive Reinigung. Denn niemand kennt uns so,. wie Gott es gut, er ist uns näher als wir es sind. In ihr lernt der Mensch zu allem Ja zu sagen, was Gott mit ihm will, lernt den Willen Gottes mehr als alles sonst zu suchen. Lernt an der Wahrheit zu hangen, und nicht an irdischem Ersatz. Denn alles formt sich dem Bilde nach, an dem es hangt.
Schon hier zeigt sich die völlig unvereinbare Antithetik des Christentums zu allem, was sich heute als Kritik am Zeitgeist geriert, oder gar Spiritualität nennt. Und ausnahmslos als "Selbstermächtigung" identifiziert wird, sodaß das Gute mit dem gleichgesetzt wird, "was ich will". Mehr als das. Nur das Christentum KENNT den Gott, dem es anhangt.

Donnerstag, 28. Juli 2022

Aut Deus - Aut Nihil (1)

Wie schwer es doch den Christen zu fallen scheint, die Radikalität des Anspruchs zu begreifen, die im Christentum nicht einfah nur "loiegt", wie eine "Superleistung", sondern die das Christentum überhaupt erst IST. Sodaß man sagen kann daß es erst BEGINNT, wenn der Satz "Entweder Gott oder das Nichts", das glatt in "entweder Heiligkeit oder die Hölle" übersetzt werden muß, begriffen wird. 

Die Heilige Schrift ist ein einziges Verweisen auf diese Radikalität, auf diese Ausschließlichkeit, in der das Leben des Erlösten erst dort real ist, wo es sich unentwegt von der Gnade und der Gemeinschaft mit Gott her nährt.

Erst dann auch beginnt all die weitere Literatur zu sprechen, die sich daran gruppiert, und die alle dem selben dient, was auch in den Tageslesungen des 23. Juli  einmal mehr vor Augen gestellt wird. 

Es ist die Kurzformel der Mystik, wenn es im Galaterbrief 2,19-20 heißt: 

Samstag, 2. Juli 2022

Von der Heilsnotwendigkeit Mariens

Könnten wir auch zur Gnadenfülle in Gott gelangen OHNE die Gottesmutter Maria? Die Antwort ist ebenso rasch gegeben, wie faktisch-taktisch naheliegend: NEIN. Denn es war unabdingbarer Teil der Heilsökonomie Gottes, zuerst die Gottesmutter und Jungfrau Maria in Nazareth durch den Engel zu FRAGEN, ob sie bereit wäre, am Heilswerk Gottes durch den Empfang des Sohnes Gottes mitzuwirken. Es ging also um die Mitwirkung der Menschenfrau Maria.

Sie hätte auch ablehnen können. Aber sie hat es nicht gemacht, und in dem Moment kam der Heilige Geist über sie und sie empfing aus dem Vater den Sohn. Gezeugt, nicht geschaffen, wie das Glaubensbekenntnis deshalb sagt. 

Das ist die allgemeine Art und Weise der Mittlerschaft der Gottesmutter Maria. 

Aber es gibt noch eine besondere Art. Und sie ist nicht weniger bedeutend. Nicht ontologisch, aber in der Realität und gelebten (als zu lebender) Praxis. Nur weil die Nabe bedeutender ist als die Speiche, kann das Rad nicht quasi auf das unbedeutendere verzichten.

Sonntag, 19. Juni 2022

Gedankensplitter (1553)

Eine Zeit, in der das Schöne des Wahren zum Traurigen wird. Weil man zugleich fühlt, daß es abgelehnt wird, und keine Chance hat, verstanden zu werden.

Abends, zurück, steigt dieses seltsames Fazit auf: Als hätte ich an diesem Tag wie zum Exempel nur Ausländer gesehen, die wie Zecken an den Österreichern hängen, und sie belügen, betrügen, bestehlen und verachten, wenn nicht hassen.

***

Wien Meidling. Die ausländische (arabische?) Empfangskraft beim Arzt spricht halbwegs gutes (Anführungszeichen!) Deutsch. Dennoch weiß ich, daß exakte Kommunikation nicht mehr möglich ist. Das Wesentliche des Sprechens ist also auch hier nicht mehr möglich. Aber das wird ohnehin nicht relevant, ehe man mich untersucht, muß ich einen nächsten Termin vereinbaren.

Aber die Frau ist offenbar dem Klientel angepaßt, das die Warteräume bevölkert. Sie genießt es sichtlich, mich, den einzigen Inländer im Wartesaal, gleich, nein, schlechter als die anderen zu behandeln, udn von mir Dinge zu verlangen, die unter Österreichern selbstverständlich sind. "Kommen sie pünktlich zum Termin." Sie schreibt mienen Namen wie einen islamischen Namen, kennt diesen so typisch deutschen Namen naatürlich nicht, hat ihn vermutlich noch nie gehört. Ich überlege was ich sagen würde, wenn sie etwas sagen würde, daß das ein seltsamer Name sei, oder ähnlniches. "Ein sehr deutsche Name"? Wäre ich dann als Rassist verleumdet, und noch schlechter dran? 

"Aber nur, weil ein andere Termin ausgefallen ist! Sonst erst in zwei Woche."

Die viel größere Begnadung

Jeder Wundertätigkeit, jeder Prophetie weil Vorhersehung natürlichen Geschehens ist die heiligmachende Gnade des Glaubens, des als Gnade iengegossenen Glaubens vorzuziehen. Es ist die direkte Anwegung von Gott, der sein inneres Leben dem Menschen mitteilt, sodaß dieser es glaubt, weil er es einfach glaubt. Er hat es gesehen, so wie man im Traum etwas sieht, denn schauen wird er es erst nach dem Tode. Aber so, wie die Hoffnung und die Liebe eingegossen sind, wahrlich göttliche Tugenden also, so auch der Glaube. Niemand kann es machen, und es ist auch kein Vernunftglaube, wie ihn die Dämonen haben.

Diese müssen widerwillig an Gottes Existenz glauben, weil sie gar nicht anders können, weil es zu ihrem eigenen Unbill die Augenscheinichkeit verlangt. Aber den eingegossenen Glauben haben sie verloren. Doch nun sehen sie die Wunder und die sonstigen Zeichen der Offenbarung.

Da mutet es schon seltsam an, wenn wir erleben, daß dieser Glaube, diese große Gnade, von manchen Menschen als minderwertig abgeurteilt wird. Müßte man da nicht also denken, da dies aus blankem Neid geschieht?

Montag, 2. Mai 2022

Worin wir irren, wenn wir irren (2)

Wenn wir in diesen Tagen und Wochen nach der Auferstehung Christi also von der Wirkung der Kirche in der Welt hören, von den vielen Heilungen und Bekehrungen hören, die nun auch durch die Apostel und die Anhänger Christi eingetreten sind, also durch den Heiligen Geist, der in der Himmelfahrt Christi dann definitiv den Geist Gottes in der nun und damit irdisch werdenden, realen, also immer DURCH PERSONEN repräsentierten (dabei mehr oder weniger verschatteten) KIRCHE verankert, wenn wir also von allen diesen Wundern hören (und Wunder sind das eigentliche Wesen der Schöfung, denn nichts "muß", nichts "ist einfach WEIL" irgendwelche physischen Dinge so uns so konstituiert sind, dann ist uns vielleicht nicht recht klar, in welche Welt diese Erlsung hineingeplatzt ist.

Uns ist nicht klar genug, in welch furchtbaren, schrecklichen Zustand die Menschen waren, und mit welcher Sehnsucht sie also nach einer neuen Schöpfung gewartet haben, die (auf geistige Weise) durch die Erlösung Christi in diese Welt gekommen ist. Und die in der Versammlung des Erdkreises, der Ökumene, die Kirche, die ecclesia ist, diese als Erdkreis (und hier ist auch das All gemeint, das in der Erde hängt, nicht umgekehrt) geschlossen aus den Getauften und der über sie (personal!) in die Neue Schöpfung hineingenommene Welt.

Sonntag, 1. Mai 2022

Worin wir irren, wenn wir irren (1)

Niemals gelangt der Mensch zu Wissen aus eigenem Erkennen heraus. Wobei wir bereits an diesem Satz, an den Begriffen, so festhängen könnten, daß wir an deren Klärung Bibliotheken füllen könnten, es wäre alles enthalten, um bestimmter Gründe willen aber es vorerst mit der Schwammigkeit belassen wollen, in der sie im Gebraucht stehen. Als wahre "black boxes" oder Trojanische Pferde, wie auch immer man sie dann sehen möchte.  

Doch von dieser Seite bleibt etwas Konkretes, an dem wir ein Gespräch weiterbauen können. Wenn wir uns darauf konzentriere, daß Wissen immer auf einem Glauben VON ETWAS basiert, das wir nur glauben (als für wahr und damit Weltwirklichkeit halten, letzlich also "wissen"), weil wir JEMANDEM glauben. Jeder Mensch ist also auf einem ihm übergestellten (und von ihm als übergestellt anerkannten) Menschen aufgehangen, während auch an ihm wiederum andere ihm zu- und also untergeordnete Menschen anhangen.

Die Frau dem Mann, die Kinder den einheitsbildenden Eltern, der gesamte menschliche soziale Bau, den wir dann als Gesellschaft usw. bezeichnen, und der ijmmer ein vielfältiges Spiel aus hierarchischen Über-, Zu- und Unterordnungen ist. Diese Verankerung ist aber auch mehr als die jeweilige Teilhabe am wissen des Übergeordneten durch ein Zu- und Untergeordnetes, es ist immer und zuerst sogar die Zuordnung zu einer Identität, also zu einem Sosein in der Welt.

Mittwoch, 2. März 2022

Warum es keine beherrschte Atombombe gibt (2)

Aber Reagan fand es witzig, damit zu spielen, und er war sicher nicht der einzige Präsident mit dieser Art von Humor - Dazu muß man wissen, daß die Amerikaner mit solch einer Situation unter Reagan ganz gezielt gespielt haben. Reagan ließ nämlich die Flotte der Atombomber immer wieder - über Nordeuropa und die Ostsee - bis kurz vor die Grenzen des russischen Luftraumes anfliegen, wo sie dann jedesmal wieder kehrt machten. 

Reagan erzählte davon immer mit der Selbstgefälligkeit jemandes, dem ein besonderer Streich geglückt wäre, denn jedesmal hätten dann die russischen Abwehrkräfte, die Flugzeugflotten, die Atombomber, die Abfangjäger, die See- und Landstreitkräfte, voll mobil machen müssen. Um dann unverrichteter Dinge den Alarm wieder abblasen und zu den Heimatstützpunkten zurückkehren zu müssen. (Den umgekehrten Fall müssen die Amis nicht fürchten, weil die Anflugzeiten der russischen Flugkräfte wesentlich länger sind. St. Petersburg kann von der NATO in fünf Minuten angegriffen werden. Die Großstädte der USA nicht unter 60 Minuten, die strategischen Zentren nicht unter Stunden.)

Aber die Wahrheit ist, daß Reagan mit Unglaublichem gespielt hat. Und ein Risiko heraufbeschwor, daß diesem ungebildeten Stohkopf sicher nicht bewußt war.

Dienstag, 1. März 2022

Warum es keine beherrschte Atombombe gibt (1)

Um es gleich vorweg zu nehmen: Ich habe aus wohlüberlegten Gründen keine Angst vor einem "Ende der Welt durch einen Atomkrieg", und schon gar nicht glaube ich, daß die Apokalypse zu unserer Verfügung stünde, es also ganz in unserer Hand läge, sie herbeizuführen. 

Ganz sicher als glaube ich auch nicht an ein Ende der Welt, das in einem Sinn gedeutet wird - und die Anmutung, daß es so gedeutet wird, habe ich bei all dieser Quatscherei über Atombomben und Kriegsgefahren, und zwar schon seit meiner frühesten Kindheit in den 1960er Jahren - daß wir Menschen "in der Lage sind, die Menschheit (oder gar den Planeten) auszulöschen." Ich kann nur den Kop0f schütteln angesichts einer Sichtweise die sich und anderen vormacht, der Mensch wäre in der Lage, gewissermaßen Gott ins Handwerk zu pfuschen, und die Zeit VOR dessen Plan zum Ende der Zeit,m de ein Plan MIT DEM MENSCHEN ist, abzukürzen. 
Diese Macht hat der Mensch nicht. Und es gibt überhaupt unendlich viel mehr, das wir nicht beeinflussen oder gar "machen" könne, als wir glauben. Ja, wir leben sogar UND AUCH HEUTE in einer Welt des Nicht-Machbaren, um es ein für alle mal zu sagen.

Samstag, 2. Oktober 2021

Aus den Notizen am Nachmittag eines normalerweise gebrauchten Tages (2)

Schaffen ist Umordnen, Umordnen ergibt das Neue. Das Luder in der Abendmesse Aber darauf legt sie es wohl an. Die Ungarin. Und die Gnade. - Eigenartige Doppelnatur des Wortes. Wie jedes Ding in dieser gigantischen, nur staunen machenden Schöpfung. Und Staunen, so Jolles wieder, bringt Fragen. Aber dieses Fragen hat seine Antwort bereits in sich, denn es kommt aus der Antwort. Das ist nicht irrational, sondern ein Geheimnis. Das Wort setzt und wird gesetzt, das fällt in eins: Das Darstellen ist ein Schaffen, das Geschaffene ein wieder schaffendes - weil sprechendes - Darstellen (Sein von Gestalt; Darstellen als Schaffen weil Sprechen).
 
Wesen des Schauspielers, Wesen der Kunst, Wesen es Handwerks, Wesen der Welt. Wesen Gottes, in Jesus?

Selbst von dieser Seite aber wird die Ehe konkret als das den Menschen Konstituierende begreiflich - als Mann und Frau schuf er ihn (den Menschen) - das Wort ist einfach immer und überall das, was Schöpfungsprozesse auslöst weil Sinn hervortreten und Fleisch werden läßt. 
 
Deshalb ist noch jede "gescheiterte" Ehe (was ist das?) besser als keine. (Wenn es denn eine Ehe ist.) Ohne gründendes Wort - nichts, buchstäblich. Wie widerlich, schon rein ästhetisch, wie die Leute heute leben. Seltsam, daß das verschwinden konnte. Noch vor sechzig Jahren war es so selbstverständlich. Jeder, wirklich jeder hat geheiratet, das war auch die Standardfrage für jedes Kind. Die Spiele, alles waren "Ehen." Das Vater-Mutter-Kind-Spiel, das vergißt man doch nicht, das spielen doch alle Kinder.

Donnerstag, 30. September 2021

Aus den Notizen am Nachmittag eines normalerweise gebrauchten Tages (1)

13 Uhr) Die Lektüre ist mein Restprogramm für heute. Der Vormittag ist ja durch den Fehler bei den Tabletten eher nicht so gelaufen. Der Elektriker kam nicht, und diesmal war mir die Unzuverlässigkeit der Ungarn nur allzu willkommen.

Denn wenn ich die Medikamente zur Nacht vergesse, habe ich am nächsten Tag den Salat. Ich merke es normalerweise, weil ich aufwache und im Halbschlaf Alpträume, und, davon wach, so eiskalte Gedanken an Selbsttötung auftauchen, daß es mir kalt über den Rücken läuft. Dann weiß ich: Die Tradolan ... 
Die Pregabalin habe ich weniger in Verdacht. Vier Stück, je zwei und zwei, unmittelbar vor dem Schlafengehen. Wehe wenn nicht. Auch wenn die Schmerzanfälle immer seltener geworden sind, selbst wenn ich durch sofortiges Nachnehmen der vier Tabletten das Schlimmste noch abwenden kann, neige ich am Morgen danach zu Depressionen, weil ich schon im Vorhinein weiß, daß es ein gebrauchter Tag werden wird.

Aber heute war es anders.

Sonntag, 8. August 2021

Vom Zentrum gehalten

Man kann alle Dinge der Welt und des Lebens auch wie Planeten sehen, die um die Mitte der jeweiligen Menschen (und alle Dinge der Welt drehen sich letztlich um vereinzelbare, individuelle Menschen) kreisen. Alle Irrtümer, alle Sünden, alles Fehlen - und die Menschen und die Welt sind so voller Irrtümer und Fehler, daß man schier verzweifeln könnte, sähe man sich dazu aufgetan, sie alle zu beheben, sie sind dermaßen zahlreich! - kann man sich so vorstellen, daß alle diese Dinge, die um uns kreisen, sich zu verselbständigen suchen. Sie tun es, weil sie aus ihrer eigenen Natur heraus angetrieben sind, sich SELBST zu vervollkommnen. 

Vollkommen aber wird alles nur dadurch, daß es in einen ganzen, alles umfassenden Horizont gestellt wird. Man kann einen Teil einer Maschine für sich nehmen und ihn "vervollkommnen". Aber vollkommen wird er erst, wenn er an seiner Stelle sitzt und das hält und befestigt, wozu er überhaupt gemacht (geschaffen) wurde. 

Um im Bild zu bleiben: Alles muß um diese Mitte geordnet kreisen. Alles muß dem Ganzen dienen, und nichts darf sich verselbständigen, sondern muß seinen Sinn von dem beziehen, das als Zentrum alles informiert.

Mittwoch, 30. Dezember 2020

Gerade jetzt ist die Gnadenvermittlung notwendig

Die öffentlichen liturgischen Handlungen der Kirche Ungarns fanden auch über die Weihnachtsfeiertage - und trotz aller Lockdown-Regelungen der Regierung - fast ungehindert statt. Zwar war der Kirchenbesuch deutlich geringer als der VdZ es von früheren Jahren gewohnt ist, aber er konnte jederzeit die Heiligen Opfer besuchen, somit auch diese Weihnacht in allen ihm zur Verfügung stehenden Akten der Gnadenschöpfung wahrlich feiern. 

Als Begründung ließen die ungarischen Bischöfe in einem Beschluß der Bischofskonferenz, der der als papabile gehandelte Primas der ungarischen Kirche und Erzbischof von Esztergom-BudapestKardinal Péter Erdö, vorsitzt, verlauten, daß es gerade in Zeiten der Bedrängung und Not von umso größerer Bedeutung sei, den Menschen die Erneuerung durch die Sakramente und das Gebet nicht vorzuenthalten.

Basilika Esztergom
Zwar rieten die Bischöfe, die staatliche gebotenen Vorsichtsmaßnahmen - Maske, Abstände, Schutz der vulnerablen Gruppen - einzuhalten, und zwar fand die Mitternachtsmette in Sopron generell statt in der Mitte der Nacht schon um 18 Uhr des 24. Dezember statt, und zwar war sie vergleichsweise schütter besucht - noch vor einem Jahr fand man in der Basilika St. Michaly oder in den Kirchen der Stadt kaum Platz, dicht gedrängt standen die Menschen, bis zu den Ausgängen, und harrten die vollen zwei Stunden der Feier aus - aber sämtliche Pfarren und Kirchenrektorate der Stadt hielten den gewohnten Rhythmus der öffentlichen Liturgien zu den Feier- wie Wochentagen aufrecht. 

Nur nebenbei sei gesagt: Auch die Mundkommunion wurde niemandem verweigert. (Wie überhaupt der Umgang mit dem Corona-Phänomen in Ungarn deutlich entspannter als etwa in Österreich oder Deutschland stattfindet, wenngleich die Folgen für das gesellschaftliche, wirtschaftliche Leben kaum geringer sein dürften. Zu eng sind unsere Länder in ihren Lebensvollzügen bereits verwoben.)

Lediglich dazu rieten die Bischöfe, daß ältere und kranke Menschen gut auf sich achtgeben und die öffentlichen Kulte eher meiden sollten. Für diese Fälle dispensierten sie von der Pflicht, an gebotenen Feiertagen an diesen Kulten teilzunehmen. Was freilich nicht heißt, daß irgendeine "Pflicht zur Heiligung des Tags des Herren" aufgehoben ist. 


*281220*

Sonntag, 15. März 2020

Wenn man schon an die Wirklichkeit einer Pandemie glaubt ...

... dann sollte man auch an die wirkliche Wirklichkeit glauben. In jedem Fall ist die Corona-Fabel eine Prüfung, wenn auch in ihrer Hauptsache aus ganz anderen Gründen. Ja, es geht um die Verwurzelung im Glauben, aber es geht in der Hauptsache um die Kraft, die daraus erwächst, und uns in die Lage versetzt, den Fata Morganas der Zeit nicht auf den Leim zu gehen. Die Spannung zu ertragen, die es bedeutet, mehr und mehr gegen das aufgebaute Narrativ der Allgemeinheit zu stehen, wie ein Leuchtturm in der Brandung.

Dennoch ist dieses Wort eines Bischofs von einer gewissen Schönheit. Und insofern empfehlenswert weil Balsam auf unsere gehetzten Seelen. Wie wünschte sich der VdZ Priester, die mutig die Lächerlichkeit auf sich nehmen, mit der sie rechnen und die sie in ihren Kammern festhält. Die aber das große Kreuz aufnehmen und vor sich her tragen, die die Treuen ihrer Gemeinden bei der Bittprozession rund um die Kirche anführen, die zum Abschluß der Stadt mit weit ausholender Geste der Weihwasserausteilung den Segen spenden, und so das Heilsversprechen Gottes verkünden.



Mittwoch, 11. März 2020

Aus Mangel an Verstehen

In der FAZ fand sich in diesen Wochen ein dermaßen guter, substantieller Kommentar zum "Synodalen Weg", der derzeit in Deutschland als Forum sein Unwesen treibt, in dem eine Neugründung der Kirche durchgesetzt werden soll, daß der VdZ den Leser unbedingt darauf hinweisen möchte. Denn er zeigt ein Verständnis, das man nicht mehr erwarten würde.

Insbesonders ein Punkt soll herausgegriffen werden. Weil der Verfasser, Christian Geyer, etwas zu begreifen scheint, das völlig verloren ist, auch bei den meisten "Katholiken". Es geht um die Identität von Hierarchie und Gnadenfluß. Es geht um die Funktion von Autorität als Quelle einer geistigen Qualität, an der nur im Gehorsam teilgenommen werden kann. Deshalb erschüttern auch Stellungnahmen wie einiges an den Aussagen des ehem. Abtpräses Notker Wolf, die er im bayrischen Fernsehen von sich gab. Wolf hat freilich, was angeblich so wichtig ist: soziale Akzeptanz. Aber entspricht das, was er sagt und wie er wirkt wirklich dem Wesen der Kirche, also damit dem Gnadenfluß, als vitaler Prozeß dessen, was in der Kirche zur bloßen Welt HINZUKOMMT? Noch dazu wo Wolf ein überzeugendes Beispiel dafür ist, wie sich die Forderung nach Akzeptanz immer mit dem verschwistert, was man "Anbiederung" nennt und alle Tore für eitles "Bitte habt mich lieb!"-Gehabe öffnet.

Die autoritäre, hierarchische Verfaßtheit der Kirche (und im übrigen JEDER sozialen Organisation und Gemeinschaft) ist ein ontologisches Wesensmerkmal, den man sich als Weg der Gnade vorzustellen hat, in dem der Himmel, die transzendente Dimension, in die Welt kommen will und kann. So kann der Geist die Welt durchdringen und durchwirken, sodaß diese in einer neuen Qualität fortbesteht. Sie ist soziologisch bestenfalls beschreibbar, aber nicht weltimmanent und damit ohne Transzendenz verstehbar, begründ- und erklärbar.

Was sich im Synodalen Weg aber zeigt ist ein erschütterndes Unverständnis der Kirche und des Katholischen generell. Sie zeigt sich als Tendenz, die wie ein Lebensprogramm um sich gegriffen hat und lange schon alle Bereiche des Lebens erfaßt hat: Man schafft ab, was man nicht (mehr) versteht. Und lehnt damit nicht einfach nur die Tradition ab, sondern wendet sich gegen alles, was überhaupt besteht, um es neu zu erfinden.

Einige Zitate, aus denen der post-moderne philosophische, in Wahrheit damit marxistische Ansatz, der seit langem das Denken allgemein und als Ton jedes öffentlichen Diskurses erfaßt hat, besonders deutlich wird. Hervorhebungen vom VdZ.

"... Dabei sprach aus der reizenden Wortmeldung ein Angebot, das man bei Strafe theologischer Irrelevanz auf dem Synodalen Weg nicht ablehnen durfte: dass nämlich alle Teilnehmer einander als Gleiche begreifen, ohne länger umständlich unterscheiden zu müssen, in Bezug worauf sie gleich sind und in welcher Hinsicht sie es mutmaßlich nicht sind.

Blockaden lösen

Freundlicher lässt sich Theologisches nicht ausbremsen! Ist die flache Hierarchie im Sozialen erst einmal als Superkriterium etabliert, so wirkt sakramentales Hierarchiedenken als Anschlag auf die Gemeinnützigkeit, und Ämterfragen können nicht anders denn als Machtfragen aufgefasst werden. Die Offenbarungsidee hätte sich demnach durch ihre Tauglichkeit auszuweisen, im jeweiligen Heute „Gräben zu überbrücken“ (Bischof Bätzing), „Blockaden zu lösen“ (Pater Langendörfer), „authentisch und echt“ (Bischof Bode) zu sprechen. ..."


"... Solche Rückkopplung von Religion ans persönliche Wohlgefühl, an Bedürfnisse privaten Aufgehobenseins, versteht sich nicht von selbst. Sie ist ein peinlicher Zug derer, die sich im Umgang mit Weltfremdheit – zu welcher der Katholizismus naturgemäß gehört – als Absolutisten ihrer Gegenwart gebärden, und dies durchaus autoritär, wie bei der Regie der Frankfurter Versammlung zeitweise deutlich wurde. Man versteht insoweit Kardinal Woelkis Zwischenruf, als er, ähnlich wie Bischof Koch und andere, gegenüber dem sozial begründeten Durchgriff aufs sakramentale Kirchenverständnis davor warnte, dasselbe „als kalten Kaffee abzutun – weil ich es vielleicht nicht verstehe“. Mit anderen Worten: Die Satzungen des Synodalen Wegs sind keinesfalls voraussetzungslos lesbar, wie sie nahelegen. Sie sind an theologische Vorverständnisse gebunden, denen nicht im Happening-Stil der Ignoranz, sondern mit theologischen Gründen beizukommen ist.

Glaubwürdigkeit statt Glaube

Warum Woelkis Ansicht, die Verfasstheit des Synodalen Wegs erinnere ihn typologisch eher an ein „protestantisches Kirchenparlament“, sogleich als Beschimpfung kritisiert wurde, erschließt sich unter analytischem Gesichtspunkt nicht, es sei denn, man möchte den „Geist des Miteinanders“ (Kardinal Marx) als Konsensbefehl auffassen, dem Widerspruch als Ruhestörung gilt. ..."

"... Das wirklich Verstörende war in Frankfurt etwas anderes: die Ersetzung des Glaubensbegriffs durch jenen der Glaubwürdigkeit. Tatsächlich beschwört der Synodale Weg die persönliche Glaubwürdigkeit der Glaubenszeugen wie ein Heilsversprechen. Was in der Marketing-Abteilung eines Wirtschaftsunternehmens überzeugt, wirkt in Gottes Namen dann doch leicht blasphemisch ..."



Sonntag, 27. Januar 2019

Sozialsystem ohne Liebe ist nicht möglich

Der VdZ wird darauf gewiß noch näher eingehen, aber was ihm nach neuerlicher näherer Bekanntschaft mit dem Gesundheitsapparat unserer Sozialsysteme aufstieg, scheint ihm fest und wichtig genug, es in dieser halbfertigen Form, gewissermaßen am Aussagepunkt, den zu "beweisen" er noch säumig ist, an dieser Stelle zu formulieren. 

Und das ist eine ganz einfache Aussage: Ohne Liebe, ohne Barmherzigkeit kann ein Gesundheitssystem niemals funktionieren. Das ist einerseits ein dringender Appell, Ordenskrankenhäuser als einzig mögliche Form der Krankenfürsorge anzusehen. Das ist anderseits ein dringender Appell an jeden Kranken, an jeden Patienten, das ihm in solchen Anstalten (aber auch von jedem Arzt, jedem Pflegenden) Widerfahrende als ungeschuldeten Dienst der Liebe und Barmherzigkeit aufzufassen.

Ohne diese Haltung - dankbares Empfangen hier, liebendes Geben dort - ist einerseits keine Genesung, anderseits keine Hilfestellung möglich.  Ohne diese Haltung wird jedes Gesundheits-/Krankheitsfürsorgesystem in Sinnlosigkeit, Unmenschlichkeit und exorbitante Kosten kollabieren.





*091218*

Samstag, 29. Dezember 2018

Aufsparen von Risiken durch deren Vermeidung (2)

Teil 2)




Der vierte große schwarze Schwan

Damit meint Krall die großen Unternehmen. Zur Illustration einige Zahlen: Von den 500 Unternehmen, die 1955 noch als die größten Unternehmen bezeichnet wurden, stehen heute nur noch 60 auf dieser Liste. Das heißt, daß sich immer Umbrüche abgespielt haben, die nicht vorhersehbar waren. Wer hätte 1975 Steven Jobs ernstgenommen, wenn der den Generaldirektor von General Electrics (dem damals größten Elektrikkonzern der USA) angerufen hätte um ihm zu sagen, er werde ihn platt machen? Niemand. Heute hat Apple eine Börsenkapitalisierung von 1 Billion Dollar, während es General Electric gerade noch gibt. 440 Unternehmen sind also neueren Gründungsdatums. Die Top 10 Unternehmen haben sämtlich vor 50 Jahren noch nicht existiert. 

Wir tun aber heute so, als wären Großunternehmen nicht mehr Teil der Marktwirtschaft. Wir tun vielmehr so, als wären sie Größen für sich. Marktwirtschaft aber baut zuerst einmal auf Eigentum auf. Eigentum bedeutet wiederum, über etwas Kontrolle zu haben. Nun stellen wir aber fest, daß der Besitz einer Aktie noch lange nicht heißt, daß man Kontrolle über dieses Unternehmen hat. Aktiennotierte Unternehmen leben deshalb in einer Art "administrativen Blase", wo Eigentum (Aktionär) und Kontrolle (Managerkaste) voneinander getrennt sind. Ja, die Managerkaste kann vom Eigentümer gar nicht kontrolliert werden, sie hat sich sogar über Kontrollsystemkreisläufe abgekoppelt. 

Manager aber sind keine Unternehmer. Sie sind Bürokraten, Administratoren. Die in diese Position gekommen sind, weil sie eben bürokratische und administrative Fähigkeiten unter Beweis gestellt haben. Die unter dem Druck stehen, daß wenn sie Fehler machen auch ihre Karriere zu Ende ist. In großen Unternehmen findet also das eigentliche Unternehmerische gar nicht mehr statt. Was in der produzierenden Industrie durch ein noch unmittelbareres Rückwirkungssystem (Markt, Verbraucher, Verkauf) noch halbwegs funktionieren kann, stellt sich im Finanzbereich als wahres Desaster heraus. Denn hier kann es das Management einrichten, daß es Risiken eingeht, die bei Mißlingen über einen Zeitraum kaschiert werden können, der zeitlich nach dem Karriereziel liegt, es also seine Schäfchen bereits im Trockenen hat. Dem Betrug, der Täuschung sind Tür und Tor geöffnet.

Das gibt es nicht, wenn Manager und Eigentümer zusammenfallen. Denn sich selber zu betrügen hat wenig Sinn. Was immer ein Eigentümer macht, es kommt immer auf ihn zurück. Im Guten wie im Versagen. "Eigentum ist ökonomisches Karma," hält Krall den Sachverhalt fest. Das gilt sogar für den Aktionär, der die Kontrolle abgibt. 

Dieses heutige Konstrukt der Aktiengesellschaften wird in nächster Zeit schwarze Schwäne in Serie hervorbringen. Denkt man jetzt nämlich noch die bevorstehende exzessive Temposteigerung dazu wird sich herausstellen, daß nur echt unternehmerisch denkende Menschen auch entsprechend rasch reagieren werden können. Damit wird sich die Ausfallsrate bei großen Unternehmen enorm steigern. Geht man derzeit von einer jährlichen Ausfallsquote bei Unternehmen von 2 Prozent aus, so wird sich das bald auf 5 oder 10 Prozent steigern. 

Der fünfte große schwarze Schwan

Hier spricht Krall die Geopolitik an. Angesichts einer Politik, die kein Zukunftskonzept hat und in einem Totalversagen steht. Sie verortet Risiken, wo keine sind, und so welche sind, erkennt sie sie nicht oder verleugnet sie. Nicht in Rußland sieht Krall die große Bedrohung für den Westen, im Gegenteil: Wir würden Rußland als Verbündeten brauchen, wenn wir weiter so große Fehler wie im Moment machen. Auch China ist nicht ein Problem für uns. Das wirkliche Problem für Europa wird die Kombination aus der Erdogan-Türkei und der Muslimbruderschaft sein. Die Türkei hat als außenpolitisches Ziel, das osmanische Imperium wieder zu errichten. Syrien war nur der erste Zwischenschritt auf dem größeren Schritt - zum Öl. Das Öl würde nämlich Erdogan mit den Mitteln ausstatten, die er zur Verfolgung seiner Pläne braucht.

Gleichzeitig hat die Muslimbruderschaft die Migration in Gang gesetzt, die Europa nun trifft. Was bei uns niemand so sieht, wird von Israel etwa ganz klar erkannt. Und auch von den Muslimbrüdern offen ausgesprochen: Es soll zur Restauration des ottomanischen Reiches kommen, und der Balkan soll ebenso wieder unter türkisch-muslimische Herrschaft kommen wie ganz Europa. Selbst wenn man das als utopisch ansieht muß man doch sagen, daß unser sicherheitspolitisches Konzept dieser Bedrohung gegenüber falsch ist. Das führt in aller Regel zu Krisen. 

Alle diese fünf schwarzen Schwäne werden einer nach dem anderen auftreten, und sich gegenseitig auslösen wie verstärken, meint Krall. Wir fahren unser Finanzsystem an die Wand, dann die Unternehmen, dann das politische System, wir vergeuden planwirtschaftlich gigantische Summen - woher soll das Geld kommen, damit wir uns verteidigen können? Wer soll unser System da noch halten, wer stabilisiert es? Oder will man etwas anderes? 

Krall hat diesen Verdacht, und führt als ideologische Wurzel die Frankfurter Schule an, wie sie in den 1920er-Jahren entstand. Deren Kernaussage war, daß die Österreichische Schule der Volkswirtschaft recht hat. Das ist für die Sozialisten blöd, denn dann stimmen die Untergangsvorhersagen nicht mehr, der Kapitalismus steht fest und stabil. Damit werden die Massen nicht für eine sozialistische Gesellschaftstransformation durch Revolution bereit sein, weil sie wissen, daß sie in der Marktwirtschaft ein gutes Leben haben können. Also beschloß man, das System von innen heraus anzugreifen, es von innen her zu schwächen. Dazu muß man seine Grundpfeiler beseitigen: Das Wertesystem, die Marktwirtschaft, das Eigentum, die Familie, die Aufklärung, die christlich-abendländische Identität, und dann natürlich seine Institutionen. Und hier vor allem die Geldwirtschaft. Diese Vorgänge sind voll im Gang. 

Und Krall äußert Zweifel, ob alle Teile der politischen Klasse überhaupt interessiert sind, die krisenhaften Erscheinungen der Gegenwart zu lösen. Es sieht vieles nämlich so aus, als wollten manche Kreise die Krisen auf die Spitze treiben, um die Freiheit abzuschaffen. Wenn es zum Auftreten der schwarzen Schwäne kommt, wird deshalb ein Kampf um die Freiheit entbrennen. Aber wird unsere hedonistische Gesellschaft die Freiheit dann verteidigen? Denn Freiheit ist kein dauernder Zustand, der einmal da, immer bleibt. Vielmehr muß sie ständig neu errungen werden. Und Krall zitiert Jefferson, der gesagt habe, daß die Freiheit deshalb ab und zu mit dem Blut der Tyrannen und Patrioten gegossen werden müsse, sonst versinke sie. Denn der größte Feind der Freiheit ist ein Sozialismus, der den Hedonismus nützt, um die Abwehrkräfte einer Gesellschaft zu schwächen. Und dazu zu verführen, um des Genießens willen Dinge zu akzeptieren, die mit der Freiheit unvereinbar sind.

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Lassen wir uns von diesen Gedanken inspirieren, die viel Wahres haben, solange sie sich mit den Phänomenen der Gegenwart befassen. Vergessen wir aber nicht, daß sie im Rahmen einer liberalen Weltauffassung stattfinden, die - auch wenn sie genau das bestreitet - ein Mythos ist, der ganz anderen Zwecken als denen der Freiheit "für alle" dient. Nämlich dem "offenen Tor" für den Stärkeren, Brutaleren, letztlich Unkultivierteren und Skrupelloseren. Denn keineswegs ist es so, daß sich Systeme (weder in der Natur, schon gar nicht aber in menschlichen Verhältnissen) auf geheimnisvolle Weise "von selber" zu ihrem oder einem Optimum entwickeln. 

Diese fatalistische (weil materialistische, nihilistische) Haltung (die im übrigen in Hegel ihr geistiges Gipfelmoment erreicht hat) bedingt nämlich, daß es so etwas wie eine "optimale Gesellschaft" nicht gäbe, also Gemeinwohl nicht gäbe. Sondern daß das Gute das wäre, was irgendwie und auf jeden Fall entsteht, wenn man den Kräften ihr freies, also natürliches Spiel läßt. Das wiederum von individuellem Wollen und Bedürfen bestimmt wird. Jede Regelung geschieht aus dem System selbst heraus. 

Es braucht nicht viel Nachdenkens sich darüber klar zu werden, daß wir dann brutale Kampfverhältnisse haben, die sich in jeden zwischenmenschlichen Bereich (und auch Wirtschaft ist ein solcher) hineintragen. In denen der Schwächere, Feinere, Moralischere, Machtlosere, aber auch der Benachteiligte, Kranke, Behinderte etc. unter die Räder kommt. Während sich Macht immer mehr und in immer weniger Händen konzentriert. Und damit sind wir am Ursprung des Liberalismus angelangt, der genau diesem Willen zur skrupellosen Machtakkumulation entsprungen ist.

Ebenso stimmt nicht, daß nur im "try and error" gelernt wird. Denn jeder Fehler bringt auch Schäden. Man ist nachher ein Anderer, und meist ein Schwächerer, als vorher. Es ist keineswegs so, daß man immer das Richtige lernt. Bestenfalls das Situationsbezogenere. Und man kann auch das Falsche lernen, jeder Mensch ist dafür beredtes Beispiel, niemand der keine Neurosen hätte, weil er z. B. in der Kindheit schlecht behandelt, oder als Erwachsener beschädigt wurde. Vielmehr braucht es zum Lernen unbedingt ein positives Leitbild. Und dieses Leitbild liegt oft sogar weit von der faktischen Vergangenheit entfernt, und muß geoffenbart werden. Es würde kein Kind alt genug werden, um erwachsen zu werden, würde es nicht angeleitet und auch da und dort beschränkt. Man muß also "etwas" lernen, nicht einfach "aus dem Spiel von Fehler und Erfolg". Außerdem - was ist mit der bösen Tat? Was mit der Unsittlichkeit? Aber lassen wir es vorerst dabei bewenden.

Und nehmen wir das Gute aus diesem Vortrag. Der uns hinführen kann zu einem Begreifen von Welt, in dem das Wesentliche nicht darin liegt, den Erfolg zu "sichern", sondern darin, sich ans Materiale hinzugeben, also zu tun, was uns möglich ist, ohne daß der Ausgang unseres Handelns "sicher" ist. Er liegt immer in der Hand Gottes. Und in dieser Haltung sollen wir auch handeln. Immer. Alles bedenken, klar, alles so gut wie möglich tun, aber alles letztlich als Geschenk erwarten. Der VdZ kann dem Leser versichern, daß er bei allen Menschen, die wirklich Erfolg hatten, genau diese Haltung - Demut! - gesehen hat. 

Wo ein Erfolgsmensch diese Demut nicht kennt, sollten wir gewarnt sein und aufhorchen. Die Wahrscheinlichkeit, daß er etwas Unrechtes getan hat, moralisch oder explizit durch Gesetzesbruch, ist da nämlich hoch. 

Denn die Sünde ist genau das, was Krall hier als "Eingrenzen der Volatilität" bezeichnet. Der Sünder will sich mit dem freien Spiel der Wirklichkeit aus Gott (dem Sein), der auch Mißerfolg bedeuten kann, nie aber Sinnlosigkeit, nicht zufrieden geben. Er will den Erfolg, den Ausgang seinem Verlangen und Vorstellen von Glück nach, manisch kontrollieren. Und dazu schaltet er das Risiko aus. Er will nicht Sinn, er will vielmehr auf jeden Fall kassieren. 

Deshalb hat Krall einmal recht, einmal unrecht. Er liegt richtig, wenn er davon spricht, daß wir heute eine moralische Krise erleben, die unsere Freiheit bedroht. Er liegt nicht richtig, wenn er einen Antagonismus zwischen Liberalismus (als Weg der Freiheit) und Sozialismus (als Feind der Freiheit) behauptet. Vielmehr führt eines zum anderen.



Der eigentliche Vortrag beginnt ab Minute 7:14'






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